Arthur Schnitzler – Traumnovelle

Die Ehe von Fridolin und Albertine steckt in der Krise, weil sich beide nach der Erfüllung ihrer erotischen Begierden sehnen, diese aber nicht ausleben können. Erst als sich Fridolin einer schönen Unbekannten hingibt und Albertine im Traum Erfüllung findet, kommen sie wieder zueinander. Jeder ist dabei für den anderen einen symbolischen Opfertod gestorben, der die Befreiung von den unterbewussten Trieben bedeutet. (Klappentext)

Fridolin ist ein angesehener Arzt, seine Frau Albertine kümmert sich um die gemeinsame Tochter.
Als er eines nachts an das Totenbett vom Hofrat gerufen wird, ahnt er nicht, dass diese Nacht unvergesslich sein wird. Mehr als eine Frau versucht ihn zu verführen und der geheimnisvolle Maskenball scheint sich als Gefahr zu entpuppen. Und das alles passiert ausgerechnet kurz nachdem er und seine Frau sich ihre geheimen Fantasien und Beinaheseitensprünge gebeichtet haben und sich dann versprachen, ab nun immer gleich alles zu erzählen…

Ich fand, die Geschichte klang unglaublich vielversprechend. Und das jetzt nicht, weil ich mich auf viele erotische Szenen freute, sondern weil ich auf die psychologischen Fragen gespannt war. Wird Fridolin seine Chancen nutzen? Wird er fremdgehen? Wird er es seiner Frau erzählen? Wird ihn ein schlechtes Gewissen plagen? Aber am allermeisten war ich gespannt auf den Maskenball, der mir als Einzelbilder aus der Verfilmung „Eyes Wide Shut“ bekannt war.
Und tatsächlich war die Umsetzung anfänglich ziemlich gut und spannend. Immer tiefer gerät der Leser mit Fridolin in den Strudel aus Möglichkeiten und Abenteuern. Doch dann kippte das Buch für mich, die Spannung brach ohne Höhepunkt einfach ab.
Und dann hat es das Ende geschafft, dass das Buch mich doch vollkommen unbefriedigt zurückließ.

Der Leser ist die ganze Zeit bei Fridolin und begegnet mit ihm zusammen in der einen Nacht allerhand Personen. Doch leider ist er keine sympathische Figur. Er ist nicht nett oder liebevoll. Er ist eher ein Macho, fühlt sich als etwas Besonderes, kann total verstehen, warum ausnahmslos alle Frauen auf ihn stehen und nimmt sich Dinge heraus, die er anderen nicht zugestehst.
Vor allem zum Ende hin schüttelte ich beim Lesen ständig den Kopf über Fridolins Ansichten und Aussagen. Ich konnte mich nicht in ihn hineinversetzen und seine Entscheidungen auch nicht nachvollziehen.

Die Ansichten können jedoch aus dem gleichen Grund heraus anstrengend für heutige Leser sein wie die Sprache: Das Buch wurde vor gut 90 Jahren geschrieben.
Die Sprache ist dementsprechend unmodern und gewöhnungsbedürftig. Ich hatte in den ersten paar Seiten ziemliche Schwierigkeiten hineinzukommen. Dies besserte sich jedoch schnell.
Ich persönlich mag aber genau aus diesem Grund keine Klassiker. Selbst „Romeo und Julia“ oder „Kabale und Liebe“ (die beide ja noch einige hundert Jahre älter sind) nervten mich allein aufgrund der Sprache. Da bin ich wohl ein Kulturbanause.

Und das ist dann wohl auch der Grund, warum mich „Traumnovelle“ nicht begeistern konnte. Nicht einmal überzeugen.
Die Geschichte fand ich bis zur Hälfte wirklich gut und ich saß ziemlich gespannt da.
Doch die zweite Hälfte der Geschichte, die Person Fridolin und die Sprache verleideten mir den Spaß am Buch.
Ich mag wohl einfach keine Klassiker.
Dieser bekommt aber aufgrund der anfänglich starken Geschichte von mir.

Arthur Schnitzler – Traumnovelle
Anaconda, 31. August 2005 (Erstveröffentlichung: 1925)
ISBN 393848456X
95 Seiten
Gebunden; 3,95 Euro

Astrid Schilcher – Frühstücksei à la Goethe mit Metamorphosen

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Wie lebt man ein Leben, wenn man alle sieben Jahre eine neue Chance bekommt? Seit ihrem einundzwanzigsten Lebensjahr wird eine junge Frau von mysteriösen Metamorphosen heimgesucht, aus denen sie in einem neuen Körper und konstant verjüngt erwacht. Von der CIA gejagt, findet sie verstörende Antworten auf ihre Herkunftsfrage und trifft auf mächtige Cyborgs, die ihr eine schwere Bürde auferlegen: die Entscheidung über die Kontrolle der Menschheit, um sie vor sich selbst zu retten. Drei Metamorphosen lang hat sie Bedenkzeit und ringt sich am Ende zu einer Entscheidung durch, welche die Welt ein für alle Mal verändert… (Klappentext)

Ich habe mich sehr darüber gefreut, als Astrid Schilcher anfragte, ob ich ihr Buch „Frühstücksei à la Goethe mit Metamorphosen“ lesen möchte, denn das Thema klang wirklich interessant.

Und diese Idee fand ich beim Lesen immer noch toll. Alle sieben Jahre wacht die junge Frau als jemand anderes auf, sieht anders aus, heißt anders. Wie soll man da Konstanten ins Leben bekommen? Und kann man Dinge ohne Konsequenzen machen, wenn man bald eh nicht mehr gefunden werden kann?

Dies ist auch der Grund, warum ich hoffte, der erzählerische Fokus würde auf den Metamorphosen und den entsprechenden Leben, die ja immerhin sieben Jahre – und damit gar nicht mal so kurz – dauern. Da das Buch mit 176 Seiten relativ kurz ist, war schon davon auszugehen, dass nicht alles weitreichend ausgeschmückt sein wird, aber ich fand es oft definitiv zu kurz. Wenn die neuen Leben in ein oder zwei kurzen Kapiteln abgehandelt wurden, flogen Namen, Aussehen, Ereignisse nur so an mir vorbei. Sieben Jahre als eine Person und ich als Leser habe die gar nicht wirklich wahrgenommen.
Die Frage nach der Herkunft und die Jagd durch die CIA nahm auch einen großen Teil des Buches ein. Gerade Zweiteres ist generell in keinem Buch mein Lieblingsthema, aber dafür kann die Autorin ja nichts. Daher konnte mich aber keine Spannung packen, auch wenn mich interessierte, woher die Metamorphosen kamen. Ich wurde nicht zum Weiterlesen „gezwungen“.

Leider hat mir die Umsetzung der grundsätzlich interessanten Geschichte auch aus mehreren Gründen nicht wirklich gefallen.

Ich mag es, wenn ich mit Personen mitfühlen kann. Die junge Frau in diesem Buch schaffte es nicht. Gerade durch die wechselnden Leben fand ich den Charakter und die Seele wichtig, die ja immer gleich bleiben. So richtig kam beides jedoch nicht durch. Ich bekam den Kern der Person einfach nicht zu fassen. Sie bleibt distanziert, zu unterkühlt.
Damit war ich auch nie berührt, egal wie dramatisch das Geschehen gerade war.

Die Sprache strengte mich am gesamten Buch jedoch am meisten an.
Die Autorin ist Österreicherin und für meine deutschen Ohren sind bestimmte Ausdrücke und Wortzusammenstellungen immer so ungewöhnlich, dass ich aus dem Lesefluss gerissen werde. Aber das ist ja im Prinzip mein Problem und nicht das von Astrid Schilcher. Wie es jedoch häufig bei Debütromanen ist, merkte man in dem unbedingten Willen, variabel zu schreiben, eine bestimmte Steifheit. Der Wunsch nach Synonymen brachte manches Mal seltsame Konstruktionen hervor, wie „prustende Lacheruptionen“ (S. 74).
Die Geschichte begann im Jahr 1948 und ich war mir nie sicher, ob nur dadurch die Sprache vor allem zu Beginn des Buches sehr altbacken wirkte: „Ich querte die Murbrücke, fand besagte Gaststätte und gab mich den Gaumenfreuden eines vortrefflich zubereiteten Mahls hin […]“ (S. 23). Auch wenn es zu der Zeit sicherlich passte, mochte ich es nicht. Ich hatte immer die Hoffnung, dass die Autorin die Sprache ebenso wie die Zeit voranschreiten lässt, moderner werden lässt. Tatsächlich passierte das, aber so richtig modern wurde es trotzdem nie. Ein zweiter Grund, warum ich oft ein wenig aus dem Lesefluss gerissen wurde.

Und noch etwas, was mich oft irritierte: Ich bin wirklich nicht dumm, aber bei diesem Buch fühlte ich mich ab und zu so. Es gab viele Hinweise auf Musiker, Maler, Künstler im allgemeinen. Die meisten kannte ich, verstand ich, manchmal blieb ich aber fragend zurück: „Was würden Philip Marlowe oder Mike Hammer an meiner Stelle tun? Obwohl ich Chandler und Spillane nur in homöopathischen Dosen genossen hatte […]“ (S. 52).

Ich bin auch nach dem Beenden des Buches von der Idee immer noch begeistert. Ich hätte sie nur gern mehr ausgeführt gesehen. Intensiver beschrieben. Näher dran, sodass ich mitfühlen kann.
Die Autorin hat aber auf jeden Fall Potenzial und wenn mehr Erfahrung beim Schreiben dazu kommt, könnten ihre nächsten Bücher auf jeden Fall einen Blick wert sein.
Dieses hier bekommt aufgrund der Kritikpunkte erst einmal 2,5 Sterne von mir.

Astrid Schilcher – Frühstücksei à la Goethe mit Metamorphosen
Books on Demand, 07. Januar 2016
ISBN 3739221186
176 Seiten
Taschenbuch; 12,90 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Susan Crawford – Sie muss sterben

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Dana erwacht mit pochenden Kopfschmerzen. Von draußen blitzen Lichter durchs Fenster. Polizei und Notärzte blockieren die Straße. Ihre Nachbarin Celia ist tot – ermordet. Und Dana war nur wenige Stunden vorher bei ihr. Die beiden Frauen hatten ein paar Gläser Wein getrunken – und sich gestritten. Doch daran kann Dana sich nicht erinnern. Auch nicht, wie sie zurück nach Hause gekommen ist. Panisch versucht sie, die Ereignisse zu rekonstruieren und Celias Geheimnisse zu entschlüsseln. Doch das merkwürdige Verhalten ihres Mannes und die bohrenden Fragen von Detective Jack Moss erschweren ihre Suche nach Antworten. Als Drohbriefe in ihrer eigenen Handschrift auftauchen, beginnt Dana selbst an ihrer Unschuld zu zweifeln… (Text der Titelklappe)

Aufgrund des Titels freute ich mich auf einen richtig schönen Thriller. Oder zumindest einen Krimi. Doch so richtig wurde es keins von beidem.
Man steigt mitten ins Geschehen ein. Gerade, als Dana erwacht. Ihre Nachbarin ist tot und das Letzte, woran Dana sich erinnern kann, ist, dass sie ein paar Stunden zuvor noch bei ihr war. Und die beiden hatten einen schrecklichen Streit. Sie weiß nicht, ob sie Celia vielleicht ermordet hat.

Man startet also in eine Geschichte, in der einem die Mörderin schon präsentiert wird. Doch es tauchen immer mehr Menschen mit Motiven auf. Sie alle hätten ihre Gründe, Celia tot sehen zu wollen. Es folgt eine detektivische Kleinstarbeit, um herauszufinden, wer der Mörder ist.

Doch um zu dieser Kleinstarbeit zu gelangen, muss man sich durch die erste Hälfte des Buches quälen. Vor allem, da einem von der ersten Seite an ein potenzieller Schuldiger gezeigt wirkt, hält sich das Interesse zum Weiterlesen in Grenzen.
Man ist zwar tatsächlich sofort im Fall, dann ist aber erst einmal Stillstand. In allen Details werden die Innenleben von Dana und Detective Moss dargestellt. Es wird sich in all ihren Problemen verloren, die zum Teil so wenig mit dem Fall an sich zu tun haben.
Für den einen mag es interessant sein, Dana dabei zu beobachten, wie sie sich selber immer mehr misstraut und dem Wahnsinn verfällt. Mich irritierte das ständige Fragen, ob die jeweilige Situation wirklich passiert oder es nur ihren Gedanken entspringt, sehr.

In der zweiten Hälfte zieht das Tempo dann an und es kommt tatsächlich so etwas wie Spannung auf. Zu dieser Zeit hatte das Buch jedoch schon zu viel Boden verloren, als dass mein Interesse noch so richtig geweckt wurde.

Überhaupt fand ich die Story in weiten Teilen sehr konstruiert. Die Protagonisten sprangen auf Kleinigkeiten an, machten aus Minimalhinweisen ganz sichere Fakten. In der Realität wäre die eine oder andere Kausalkette so sicherlich nicht zustande gekommen.

Leider mochte ich auch keine der Figuren so wirklich. Dana war mir zu problembeladen und undurchsichtig. Die Nebenfiguren hatten zu wenig Platz, als dass man sich mit ihnen identifizieren könnte.
Nur Detective Moss war recht sympathisch. Aber so richtig ans Herz wachsen konnte er mir auch nicht.

Das Ende konnte mich dann aber doch noch einmal überraschen, dafür lohnte es sich jedoch auch nicht, sich durch das Buch zu langweilen.
Vor allem, da das Ende auch schon 300 Seiten zuvor eingetroffen wäre, wenn das pathologische Labor alle Informationen weitergegeben hätte.
Es wirkte, als hätte die Autorin keine Ahnung gehabt, wie sie den Mörder auffliegen lassen soll und so wurde auf schlampige Polizeiarbeit zurückgegriffen.

Überhaupt wirkte die ganze Polizeiarbeit seltsam schlampig. Alle Zeugen mussten mehrfach aufs Revier kommen, um dann nach fünf Fragen wieder gehen zu können.
Es wirkte ein bisschen an der Realität vorbei geschrieben.

Sprachlich machte das Buch leider auch nicht so richtig Spaß. Sie wirkte schwerfällig und altbacken. War damit der Geschichte aber ebenbürtig.

Insgesamt war „Sie muss sterben“ kein feinfühliges Buch. Alles war irgendwie mit dem Holzhammer geschrieben. Die Geschichte konstruiert, die Hinweise oftmals eigentlich nicht so bemerkenswert, wie die Figuren sie wahrgenommen haben.
Nur weil die zweite Buchhälfte ein bisschen anzog und tatsächlich so etwas wie Interesse aufkommen konnte, bekommt „Sie muss sterben“ 2,5 Sterne.

Susan Crawford – Sie muss sterben
Originaltitel: The Pocket Wife (Juli 2015)
Diana Verlag, 8. September 2015
ISBN 3453291697
399 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Susan Gloss – Violets wundervoller Vintage-Shop

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Wo auf die Männer kein Verlass ist, wird es höchste Zeit, dass die Frauen das Schicksal selbst in die Hand nehmen…

Violet hat ihre Liebe zu alten Dingen zu ihrem Lebensinhalt gemacht. Ihr Laden »Vintage Hourglass« ist eine Fundgrube für Liebhaberstücke. Jeder ihrer Schätze hat eine ganz besondere Geschichte zu erzählen, und Violet kennt sie alle. Nur über die eigene Vergangenheit verliert sie kein Wort, zu schmerzvoll ist die Erinnerung an eine enttäuschte Liebe. Und dann schneit eines Tages die blutjunge April herein und bittet darum, das vor wenigen Wochen erstandene Brautkleid zurückgeben zu dürfen. Ihr Verlobter hat sie verlassen… (Klappentext)

Nachdem ich allerhand begeisterte Rezensionen gelesen hatte, wollte ich auch unbedingt einmal Violets Vintage-Shop besuchen und der Goldmann Verlag war so lieb und hat mir ein Rezensionsexemplar zukommen lassen.

Ich freute mich darauf, in all den alten Kleidern herumstreichen zu können und das ein oder andere Schätzchen zu entdecken und das, obwohl ich eigentlich gar kein allzu großes Mode-Mädchen bin.
Die Freude wuchs noch ein bisschen mehr, als ich sah, das jedes Kapitel – das immer aus der Perspektive einer der Frauen geschrieben ist – mit der Beschreibung eines Vintage-Stücks beginnt, das im Folgenden eine besondere Rolle spielen wird.

Ich war zusätzlich auf die Geschichten und Liebes-Wirrungen der drei Hauptpersonen gespannt.
Violet Turner ist 38 Jahre und lebt seit ein paar Jahren in Madison, wo sie sich ihren Traum eines Vintage-Shops mit „Hourglass Vintage“ (der Klappentext benannte den Laden falsch) erfüllte. Sie verließ dafür ihre Heimatstadt und ihren Mann, den sie jung geheiratet hatte.
April Morgan ist schwanger und frisch verlassen und das mit 18 Jahren. Um die Zeit zum College zu überbrücken, wird sie Praktikantin bei Violet.
Amithi Singh steckt gerade in einer Krise mit ihrem Mann, mit dem sie seit über 40 Jahren verheiratet ist. Ablenkung findet sie im Vintage-Shop.

Die Personenkonstellation und Ausgangssituation verspricht eigentlich ein bisschen Herzschmerz und Frauen-Gespräche und ich hoffte, dass dort auch Spannung aufkommt. Denn im Prinzip ging es hauptsächlich um die Geschichten der Personen und in einem kleineren Rahmen um den Laden an sich, auch wenn man sich die meiste Zeit in ihm befindet.

Ich wurde enttäuscht.
So wirkliche Spannung kam bei den Geschichten nicht auf. In weiten Teilen waren sie vorhersehbar und ich hätte die Figuren gern mal angeschrien, warum sie auf die naheliegendsten Ideen nicht bzw. unglaublich spät kamen.
Zudem waren mir die Personen nicht wirklich sympathisch. Vor allem Violet war wirklich unangenehm. Zickig, reserviert, distanziert, verschlossen, nur bedingt herzlich. Und ich glaube nicht, dass die Person wirklich so angedacht war. Ich denke eher, dass die Autorin Probleme hatte, sie authentisch und gefühlvoll wirken zu lassen. Erst zum Ende hin kam ihre herzliche Seite etwas durch. Außerdem schienen alle Figuren verklemmt und fluch-fixiert, wobei die Flüche für mich nicht mal welche waren.

„»[…] Seidentaft ist verdammt knifflig zu bügeln.«
Mist, dachte Violet und schalt sich, dass sie vor einer Kundin fluchte. Ich mit meiner großen Klappe.“

Amithi mochte ich schon ein wenig mehr, konnte aber nie einen Zugang zu ihr finden. Sie versuchte immer eine starke und distanzierte Fassade aufrecht zu erhalten, die es dem Leser schwer machte, mitzufühlen.

April war mein einziger Lichtblick. Ich sah gern ihrer fortschreitenden Schwangerschaft zu und auch ihren Gefühlen, die sie mehr durchscheinen ließ als die anderen. Doch auch sie versuchte sie, so gut es geht, in sich einzuschließen und ihre Probleme nicht mit anderen zu teilen, auch wenn sie die anderen „Freunde“ nannte.

Und als wären all die Liebesenttäuschungen nicht schon bedrückend genug, muss Violet auch noch gegen ihren Vermieter kämpfen, der droht, sie und ihren Laden durch eine Räumungsverfügung aus dem Haus zu bekommen.

Natürlich reißt das Ende noch vieles rum, lässt die Frauen gestärkt und als Freunde aus allem rausgehen. Was wäre das sonst für ein Frauen-Roman? Aber das war – wie schon gesagt – größtenteils sehr vorhersehbar und somit nicht überraschend.

Insgesamt konnte mich das Buch zwar mit seinem Setting überzeugen, die Figuren und Geschichten machten es mir jedoch schwer, es zu mögen. 2,5 Sterne

Susan Gloss – Violets wundervoller Vintage-Shop
Originaltitel: Vintage (März 2014)
Goldmann Verlag, 18. August 2014
ISBN 3442480779
352 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Brooke Davis – Noch so eine Tatsache über die Welt

Davis_Noch so eine Tatsache über die Welt

MILLIE BIRD ist sieben, als sie ihr erstes totes Ding findet, Rambo, ihren Hund. Von da an führt sie Buch über alles, was auf der Welt verloren geht. Darauf, dass sie auch ihren Dad in ihr Buch der toten Dinge eintragen muss, war sie überhaupt nicht vorbereitet, und auch nicht darauf, dass ihre Mom im Kaufhaus nur kurz weggeht und nicht wiederkommt.

KARL ist siebenundachtzig, als sein Sohn ihn ins Altersheim bringt. Hier wird er nicht bleiben, denkt Karl, und kurz darauf haut er ab. Erst mal ins Kaufhaus, bis sich was Besseres findet. Dort trifft er Millie.

AGATHA PANTHA ist zweiundachtzig und geht nicht mehr aus dem Haus, seit ihr Mann gestorben ist. Halb versteckt hinter Gardine und Efeu sitzt sie am Küchentisch und beschimpft Passanten. Bis das kleine Mädchen von gegenüber zurückkommt, allein…
(Klappentext)

Es war Anfang Juli als mir durch einen Artikel von SPIEGEL ONLINE klar wurde, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Dank des Kunstmann Verlags, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zugeschickt hat, konnte ich das nun auch.

Leider dauerte es von „Ich lese jetzt“ bis zur Rezension einen Monat. Das lag zum einen an meinem schlechten Zeitmanagement zum Studienstart und zum anderen daran, dass ich einfach keinen Zugang zu dem Buch fand.

Gleich zu Beginn lernen wir Millie mit dem toten Hund und dem toten Vater kennen. Ihre Mutter hat sie im Kaufhaus stehen lassen. „Bin gleich wieder da“, sagte sie und dann ließ sie ihre kleine Tochter einfach dort. Umgeben von Männerhemden und Frauenschlüpfern.
Sie tat mir so unglaublich leid. Vor allem, da ich durch den Klappentext schon wusste, was das kleine Mädchen noch nicht in Betracht zog: Die Mutter wird sie nicht gleich wieder abholen. Sie lässt sie einfach dort allein zurück.

Trotz des Mitleids fand ich keine Verbindung zu Millie. Sie blieb das ganze Buch über distanziert, was vielleicht auch am allwissenden Erzähler lag. Mich hätten ihre Gedanken und Gefühle sicher mehr in ihren Bann gezogen, wenn ich sie direkt in der Ich-Form gehört hätte.
Noch schlimmer war es bei den anderen beiden. Mit Karl kam ich noch einigermaßen klar. Er war der ruhige Pol und tatsächlich ziemlich sympathisch, wenn auch ebenso distanziert.
Am allerwenigsten mochte ich Agatha Patha. Sie war laut und störend und abweisend und unangenehm. Ich verstand sie nur in Ansätzen, denn ihren Schmerz konnte ich nie so richtig nachvollziehen.

Die Kapitel wechselten sich jeweils ab und berichteten immer von einer anderen Person. So lernte man sie besser kennen, verstand ihre Einsamkeit und Vergangenheit.
Besonders schön war in diesem Zusammenhang, dass die Kapitel jeweils unterschiedliche Schreibstile besaßen. Millies Teil war dominiert von kurzen Sätzen, die einfach gehalten waren.
Agatha berichtete in chronologischer Reihenfolge mit exakten Uhrzeiten.
Karls Stil weist keine deutlichen Besonderheiten auf, ihn würde ich am ehesten als „normalen“ Schreibstil bezeichnen.

Das Problem, das sich bei mir zeigte, war, dass die Geschichte von den Figuren und ihren Verlusten lebt. Man muss die Figuren mögen, um die Geschichte zu mögen. Wenn man kein Mitleid mit ihrer Vergangenheit, ihrem Schmerz und dem Tod ihrer geliebten Menschen hat, dann bringt man kaum Interesse für ihren Weg zurück ins Leben auf. Denn genau darum ging es.
„Noch so eine Tatsache über die Welt“ ist eine Roadstory, in der dieses bunten Trio versucht, Millies Mutter wiederzufinden. Auf diesem Weg lernen sie sich nicht nur gegenseitig besser kennen, sondern auch sich selbst.

Ich bin ganz sicher, dass Menschen, die schon einen großen Verlust erleben mussten, in diesem Buch Trost finden können und vielleicht auch einen kleinen Lichtblick am Horizont, das es doch immer weiter geht. Mich konnte das Buch auf dieser Ebene leider nicht berühren. Das war mir natürlich vorher klar, und so hoffe ich auf große Emotionen, die dieses Buch auslöst. Aber hauptsächlich wurden meine Emotionen leider von Genervtheit – vorrangig wegen Agatha – dominiert. Und natürlich hatte ich Mitleid für das kleine Mädchen. Ich bin mir aber auch sicher, dass das nicht die Intention dieses Buches war.

Schade, am Ende war ich von dem Buch nicht so begeistert, wie ich erwartet hatte. Ich hoffte auf mehr Herzenswärme, auf mehr Liebe und Glück im Unglück. Ich will gar nicht sagen, dass ich enttäuscht wurde, aber das Buch konnte mich einfach nicht im Herzen treffen.
Und doch glaube ich, dass es vielen Lesern anders ergehen wird. Dass sie Millie sofort ins Herz schließen und Agathas Schrulligkeit irgendwie liebgewinnen. Dass sie von Spannung gepackt sein können und unbedingt wissen wollen, ob das Trio Millies Mutter findet. Leser, die die Sprache toll finden und die Message des Buches ganz tief aufnehmen und für immer in sich bewahren.
Mir ging es leider anders. Ich vergebe schweren Herzens 2,5 Sterne.

Brooke Davis – Noch so eine Tatsache über die Welt
Originaltitel: Lost & Found (Januar 2015)
Verlag Antje Kunstmann, 01. Juli 2015
ISBN 3956140532
279 Seiten
Gebunden; 19,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

R. L. Stine – Fear Street – Falsch verbunden

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Ein tödliches Telefonat
Die Frauenstimme aus dem Hörer fleht Chuck verzweifelt um Hilfe an. Plötzlich ein Aufschrei, dann zischt ein Mann „Falsch verbunden“ ins Telefon – die Leitung ist tot. Was als harmloser Telefonstreich begann, wird schnell bitterer Ernst. Denn Chuck hat eine Nummer in der Fear Street gewählt. Und ehe er sich versieht, ist er in ein entsetzliches Verbrechen verstrickt. (Klappentext)

Ein neuer Gruselfall aus Shadyside.
Deena, ihr Halbbruder Chuck und ihre beste Freundin Jade können der Versuchung nicht widerstehen und beginnen mit dem neuen Telefon streiche zu spielen. Erst werden harmlos ein paar Mitschüler hereingelegt, doch als Chuck den Mädchen beweisen will, dass sie keine Angst vor der Fear Street haben müssen und deswegen dort jemanden anruft, wendet sich das Blatt. Eine Frau fleht um Hilfe. Sie scheint Todesängste auszustehen. Als die drei sich auf den Weg machen, um zu sehen, was in dem Haus passiert ist, stehen sie plötzlich dem Mörder gegenüber.

Wie immer in den Fear-Street-Büchern befindet man sich auch hier sehr schnell mitten im Geschehen.
Bei 153 Seiten bleibt nur wenig Platz für eine große Entfaltung der Geschichte. Trotzdem schaffte es „Falsch verbunden“, sich nicht nur linear auf den Fall zu konzentrieren, sondern auch Nebenschauplätze zu schaffen.

Dieser Geschichte merkt man dabei aber an, dass sie 1990 veröffentlicht wurde. Das neue Telefon wird fasziniert inspiziert. Auch, dass es nun Tasten gibt und man den Lautsprecher anstellen kann, ist ein kleines Wunderwerk. In weiten Teilen hätte die Story auch nicht funktioniert, wenn die drei schon ein Handy gehabt hätten.

Mit den Jugendlichen konnte ich mich in dem Fall nicht anfreunden. Die eine war mir zu schüchtern, die andere zu selbstbewusst und Chuck war unberechenbar. Alles nichts, womit ich mich identifizieren könnte. Muss ich in dieser Art Büchern aber auch nicht können, denn ich konzentriere mich ganz auf die Auflösung des Falls.

An der Auflösung hatte ich dieses Mal jedoch relativ wenig Spaß. Schnell stand die wahre Identität des Mörders fest, nun musste er nur noch überführt werden. Im Prinzip ist es ja gut, wenn nicht jedes Buch der Reihe gleich aufgebaut ist, mir ganz persönlich macht die Frage „Wer war es?“ aber immer mehr Spaß als „Warum hat er es getan?“.

Trotzdem gab es einige spannende Stellen. Sie waren nicht überragend, animierten mich aber definitiv zum Weiterlesen.

Insgesamt konnte mich dieses Buch also nicht überzeugen. Es ließ sich zwar wie immer schnell lesen, da es unglaublich einfach geschrieben ist – an vielen Stellen zu einfach –, der Mordfall war auch ganz nett durchdacht und stellenweise kam Spannung auf, aber mir gefiel zu viel nicht. Ich wurde nicht warm mit den Figuren und das Suchen der Beweise war für mich nicht so interessant. 2,5 Sterne

R. L. Stine – Fear Street – Falsch verbunden
Originaltitel: Wrong Number (1990)
Loewe, Juni 2001
ISBN 3785540191
153 Seiten
Gebunden; 7,50 Euro

Reihenfolge:
1. Fear Street – Falsch verbunden – Originaltitel: Wrong Number
2. Fear Street – Die Falle – Originaltitel: Wrong Number 2

Stine_Fear Street_Falsch verbundenStine_Fear Street_Die Falle

Andere Bücher der Reihe:
Fear Street – Das Skalpell – Originaltitel: The Knife
Fear Street – Die Mutprobe – Originaltitel: The Thrill Club
Fear Street – Eingeschlossen – Originaltitel: Ski Weekend
Fear Street – Prüfungsangst – Originaltitel: The Cheater

Stine_Das Skalpell Stine_Fear Street_Die Mutprobe Stine_Eingeschlossen R. L. Stine_Fear Street_Prüfungsangst

Marie-Aude Murail – So oder so ist das Leben

Murail_So oder so ist das Leben

Erstens kommt es anders…
Violaine ist schön und gelangweilt. Ihr Vater ist arrogant und berufsmüde, die Mutter ständig gestresst. Ihr fünfzehnjähriger Bruder ist blöd und oberflächlich, die kleine Schwester ziemlich clever. Vaters junger Assistenzarzt ist süß, doch ein bisschen schwer von Begriff… Und dann wird Violaine schwanger. Klar, dass das ihr Leben durcheinanderbringt. Aber nicht nur ihres, sondern auch das der gesamten Familie. (Klappentext)

Ich weiß nicht, was ich mir so recht von dem Buch erhofft habe. Allzu spaßig klingt ja schon der Klappentext nicht. Aber vielleicht habe ich gedacht, dass Buch würde die großen Emotionen hervorrufen. Bei mir und bei den Protagonisten. So richtig ist das bei niemandem geschehen.

Von der Geschichte habe ich zusätzlich etwas anderes erwartet.
Ich dachte, der Klappentext würde die Ausgangssituation darstellen und man würde erleben, wie die Familie mit der voranschreitenden Schwangerschaft umgeht. Doch am Ende gibt es nicht mehr als auf dem Buchrücken steht.
Die Story erstreckt sich über einen Zeitraum von gut drei Wochen.
In der Zeit geht es hauptsächlich darum, wie unglücklich Vater Jean Baudoin mit seinem Job als Allgemeinarzt ist und um Violaines Zerrissenheit, ob sie abtreiben soll oder nicht.

Ich fand das thematisch nicht so richtig spannend.
Durch verschiedene Personen hat man unterschiedliche Meinungen zu Abtreibungen (bei Minderjährigen) gehört. Für manche ist diese Betrachtungsweise vielleicht interessant, ich persönlich weiß aber seit jeher, wie ich dazu stehe. Ich fand es jedoch fast immer gut und glaubwürdig dargestellt.
Die Behandlungen der verschiedenen Patienten durch Jean gefiel mir da schon besser. Vor allem, da die Fälle etwas abseits vom normalen „Husten, Schnupfen, Heiserkeit“ waren.

Mit vielen Personen im Buch kam ich nicht klar.
Arroganz, Zickereien, Boshaftigkeit, Hinterhältigkeit und schnippisches Verhalten waren oft anzutreffen. Sowohl bei den Nebenfiguren als auch bei den Hauptfiguren.
Glücklicherweise war Violaine zwar ein etwas lethargisches Mädchen, das auf vieles nicht so recht Lust hatte, aber sie war eine der Netten.

Warum nun aber so viele Nachnamen mit „B“ beginnen mussten, wunderte mich sehr. Baudoin, Boudin, Bernard, Bonpié, Bonnard, Bergeron.
Vor allem bei den ganzen Patienten wurde es für mich so kompliziert, dass ich immer wieder im Buch hin und her blätterte, um noch einmal nachzulesen, welches Problem der Patient hatte. Die gleichen Leute kamen zwar immer wieder, aber es wurde nicht jedes Mal wieder die Ausgangserkrankung oder das Ausgangsproblem erwähnt. Da der Leser von den Patienten beim ersten Mal oft nur ein paar Zeilen zu sehen bekam, vergaß man die Krankheitsfälle schnell wieder.

Sprachlich empfand ich es als „typisch französisch“.
Ich habe noch nicht allzu viele französische Bücher gelesen, aber die, die ich gelesen habe, waren von der Schreibart sehr ähnlich.
Die Sätze empfinde ich als sehr direkt, klar und treffend ohne groß verspielt zu sein. Manches Mal sogar etwas plump und trotzdem ein wenig pointiert. Insgesamt bekomme ich beim Lesen kein leichtes, zartes Sprachgefühl, sondern ein schweres. Mich zieht die Sprache regelrecht runter durch ihr Gewicht.
Oft fand ich sie hier auch viel zu altbacken.
Wenn ich die siebzehnjährige Violaine sagt: „›Du siehst müde aus, mein lieber Papa.‹ (S. 207), jemand mit Ende 20 sich an der Gegensprechanlage meldet mit: „›Ja, bitte? Sie wünschen?‹“ und jemand spürt, wie ihn „›große Schwäche an Leib und Seele überkam‹“ (S. 236), dann schüttelte es mich mal unangenehm.

Im Nachhinein frage ich mich aber auch, warum ich das Buch überhaupt aus dem Regal gezogen habe. Das Thema „ungewollte Schwangerschaft“ nervt mich schon eine ganze Weile.
In meinem Freundes-, Bekannten- und Verwandtenkreis wurden in den letzten Jahren so viele Frauen ungewollt schwanger, dass man gar nicht glauben kann, dass sich in meinem Umfeld eigentlich vorrangig gebildete, intelligente, starke Frauen befinden. Manche haben die Kinder bekommen, andere abgetrieben und noch andere haben sie verloren.
Ich verurteile dabei nicht mal eine ungeplante Schwangerschaft an sich. Das kann passieren. Nur die schiere Masse nervt mich brachial.
Deswegen war ich mit den Gedanken oft auch gar nicht wirklich bei Violaine, sondern schweifte immer mal ab und dachte: „Aha, das hat diese Freundin also auch erlebt.“, „Oh, das habe ich bei der anderen auch gehört.“, „Ach das passiert also dann und dann.“.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Mit der Sprache kam ich gar nicht klar und mit den Personen nur zur Hälfte. Das Thema fand ich zusätzlich nur so semi spannend.
Durch die großen Buchstaben und die wenigen Seiten hat sich das Buch aber rasend schnell gelesen.
Trotzdem kann ich nur 2,5 Sterne geben.

Marie-Aude Murail – So oder so ist das Leben
Originaltitel: La fille du docteur Baudoin (Oktober 2006)
Fischer Schatzinsel, Februar 2011
ISBN 3596853591
254 Seiten
Gebunden; 13,95 Euro
(Auch als Taschenbuch erhältlich)

Cathryn Constable – Wo Schneeflocken glitzern

Constable_Wo Schneeflocken glitzern

Sophie kann es kaum glauben: Ihre Klasse macht einen Schulausflug nach Russland, ins Land ihrer Träume! Als aber ihre Betreuerin plötzlich aus dem Zug verschwindet, sind Sophie und ihre beiden Freundinnen auf sich allein gestellt – inmitten einer einsamen, tief verschneiten Winterlandschaft. Zum Glück nimmt Prinzessin Volkonskaja die Mädchen in ihrem Palast auf. Sophie ist von dem geheimnisvollen Ort wie verzaubert. Doch wieso wird sie das Gefühl nicht los, aus einem bestimmten Grund hier zu sein? (Klappentext)

Eigentlich klingt das Buch ganz nett. Schön leicht für zwischendurch mit ein bisschen Geheimniskribbeln. Dass es nicht das beste Buch aller Zeiten werden wird, ahnte ich von Anfang an. Dass es dann aber so schlecht wird, hatte ich nicht gedacht.

Schon mit dem Mädchen-Trio hat die Autorin allerhand falsch gemacht und sich an allen sich bietenden Klischees bedient.
Delphine ist eine arrogante, oberflächliche, zickige Französin, die sich eigentlich für alles zu schade ist. Außer wenn sie sich in der High Society befindet.
Marianne ist die brillentragende Streberin, die sich unglaublich auf Tests in der Schule freut und für die es ein guter Tag wird, wenn sie die Ergebnisse erfahren.
Sophie ist freundlich, aber vollkommen durchschnittlich und unbesonders bis auf den Fakt, dass ihre Eltern tot sind. Für ihrem Vormund ist sie aber – wie sollte es anders sein – eine Belastung. Ach ja, Sophie ist die Hauptfigur.
Warum die drei so dicke Freundinnen sind, habe ich mich bis zum Ende gefragt.

Bei einem Schulausflug gelangen die drei nach Russland, wo Sophie schon immer mal hinwollte.
Durch eine Verkettung seltsamer Umstände kommen sie aber nicht zu einer Gastfamilie nach St. Petersburg, sondern in den Palast der Prinzessin Anna Fjodorovna Volkonskaja.
Ab Sekunde eins ist dem geneigten (erwachsenen) Leser dann auch klar, was es mir dieser Prinzessin auf sich hat und warum sie so ein großes Interesse an Sophie hegt.
Nicht einen Moment zweifelte ich an meiner Theorie und hatte am Ende dann auch Recht.

Prinzipiell war die Geschichte ok. Nicht mehr und nicht weniger.
Ein paar seltsame Umstände, eine dramatische Königsgeschichte, ein altes Schloss in einer Winterlandschaft, ein paar Unternehmungen im Schnee.

In dieser relativ faden Geschichte haben mich dann auch noch alle Personen so unglaublich wütend gemacht.
Die Mädchen waren so naiv und an bedeutenden Stellen sind sie in Schockstarre verfallen und haben die wichtigen Sätze nicht ausgesprochen.
Die Prinzessin ist bösartig und hinterlistig und trotzdem wird sie unfassbar doll gemocht und das nicht gespielt, sondern echt von Herzen.
Die Bediensteten hüten ihre Geheimnisse dafür so unangenehm auffällig und rücken doch nicht mit der Sprache raus.
Jeder nervte mich – vor allen anfangs – fast durchgängig. Zum Ende hin hatte ich mich entweder gut dran gewöhnt oder die Personen hatten sich tatsächlich etwas gewandelt.

Die Sprache erinnerte mich oft an Schulaufsätze aus der Unterstufe. Manchmal sogar an die selbstausgedachten Geschichten aus der Grundschule. Immer etwas sehr einfach gehalten.
Unangenehm fiel mir sofort auf, dass das Buch nicht aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, sondern es einen Erzähler gibt. Ich persönlich hätte die Geschichte lieber direkt von Sophie gehört. Das passt für mich immer besser zu den Innenansichten. Und davon gibt es in diesem Buch allerhand.

Am besten hat mir die Aufmachung der einzelnen Kapitel gefallen. Auf jeder Seite befinden sich gezeichnete Schneeflocken und eine neue Kapitelüberschrift wird richtig von ihnen eingerahmt.

Das Buch hat mich also wirklich enttäuscht: Vorhersehbare Geschichte, nervige Charaktere, unangenehme Sprache.
Bis zum Ende war ich auch sauer darauf, dass man nie erfahren hat, wie alt die Mädchen sind. Wäre mir gesagt worden, dass die drei 10 Jahre sind, hätte vieles so viel mehr Sinn ergeben. Vielleicht waren die aber auch 15. Keine Ahnung. Dabei wäre es wirklich so wichtig zur Einordnung gewesen.
Gerade am Anfang musste ich mich richtig überwinden weiterzulesen.
2,5 Sterne bekommt das Buch nur von mir, weil ich anscheinend nicht die Zielgruppe bin. In der Grundschule hätte mir das Buch vielleicht gefallen.

Cathryn Constable – Wo Schneeflocken glitzern
Originaltitel: Wolf Princess (Oktober 2012)
Chicken House, Oktober 2013
ISBN 3551520518
329 Seiten
Gebunden; 16,99 Euro

Justyna Polanska – Unter deutschen Betten – Eine polnische Putzfrau packt aus

Polanska_Unter deutschen Betten

Schluss mit schmutzig – Putzfrau Justyna räumt auf!

Täglich macht Justyna Polanska Bekanntschaft mit den kleinen pikanten Geheimnissen ihrer Kunden. Sie weiß genau, wer auf coolen Macho macht, daheim aber in Bärchenbettwäsche schläft. Wer ein teures Auto vor der Tür hat, aber nicht genug im Kühlschrank, um satt zu werden. Oder wer der eigenen Frau den liebevollen Ehemann vorspielt, vor der Putzfrau aber schon mal die Hosen runterlässt… (Klappentext)

Vor drei Jahren fand ich auf einer der Tagungen, bei denen ich immer so viele Bücher bekomme das Buch ¬“Nicht ganz sauber – Eine polnische Putzfrau räumt auf“ von Justyna Polanska und nahm es mit. Ich hatte weder von der Autorin noch von dem Buch je etwas gehört. Kurz darauf las ich es und war ziemlich begeistert. Ich mochte Justyna und ihre Geschichten und alles war so liebevoll erzählt.
Ich wollte dann unbedingt Teil 1 lesen (dass ich das vorher noch nicht getan hatte, störte beim Lesen nicht wirklich).

Als ich Teil 1 letztens günstig fand, nahm ich ihn sofort mit und fing ihn am nächsten Tag auch schon an.
Von Anfang an war ich leidlich enttäuscht.
Nach wenigen Kapiteln über das Putzen wurde plötzlich von ganz vorn aufgerollt, wie Justyna erst nach Deutschland und dann zu Putzen kam. All ihre Wohnstationen und Beziehungen inklusive. Es war zwar interessant, aber trotzdem habe ich diese Teile nicht in diesem Buch erwartet und war auch eher genervt.

Überhaupt machte Justyna in diesem Buch vor allem eines: Meckern.
Das Wort „Putzfrau“ geht insgesamt schon mal gar nicht, dann unterstellen ihr die Deutschen immer zu klauen und doof zu sein, nur weil sie aus Polen kommt, ihr Weg nach Deutschland war ach so beschwerlich und ganz viele Menschen dabei ganz gemein, ihre Arbeitgeber behandeln sie oft wie Luft und geben nicht mal etwas zu trinken, jammer mecker zeter.

Ich hatte mehr witzige, berührende oder skurrile Geschichten von ihrem Job erwartet. Ein paar gab es, klar, aber irgendwie endeten die meisten auch mit Gemecker von Justyna. Irgendwann waren die meisten Arbeitsgeber undankbar oder ignorant oder pervers oder blöd. Auf jeden Fall konnte Justyna motzen. Wieder einmal.

Zwischendrin gab es auch eine Liste mit Beschreibungen, wie man die gängigsten Flecken entfernt bekommt. DIE fand ich gut!

PolanskaWas ich noch gut fand, war der Wisch-und-weg-Titel. Der Schriftzug ist mit Thermolack überzogen und wenn man über ihn rubbelt, wird er weiß (Also… wurde bestimmt mal weiß, als das Buch noch neu war. Bei mir wird es grau.).

Ich blieb also sehr unbefriedigt zurück. Ich hatte das Buch sehr schnell beendet, da es dünn ist, keine kleine Schrift hat und dann auch noch viele Leerzeilen besitzt.
Aber Justyna war mir unheimlich unsympathisch (ganz anders als in Teil 2) und den Inhalt fand ich auch eher mau. Klar, manche Storys waren gut, aber die waren definitiv in der Unterzahl.

Und wäre das alles schon nicht schlimm genug, hat mich die liebe Kastanie darauf aufmerksam gemacht, dass Justyna gar keine reale Person mit Pseudonym ist, wie ich immer annahm, sondern eine rein fiktive Person. Erdacht von einem deutschen Mann – Holger Schlageter.
Welchen Kreuzzug er mit diesem Buch führen wollte, ist mir dann doppelt schleierhaft.

Da ich das Buch schnell beenden konnte (da ich halt doch immer weiter lesen wollte) und die eine oder andere Geschichte ok war, vergebe ich 2,5 Sterne.

Justyna Polanska – Unter deutschen Betten – Eine polnische Putzfrau packt aus
Knaur, Januar 2011
ISBN 3426783975
223 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Reihenfolge der Bücher
1. Unter deutschen Betten – Eine polnische Putzfrau packt aus
2. Nicht ganz sauber – Eine polnische Putzfrau räumt auf
Polanska_Unter deutschen Betten Polanska_Nicht ganz sauber

Iris Hechenberger (Hrsg.) – Wer spickt, wird erschossen

Hechenberger_Wer spickt wird erschossen

»Guten Morgen, ihr Analphabeten! Was glaubt ihr, wie das Diktat ausgefallen ist?«
Was Lehrer den ganzen Tag so von sich geben, lässt einen nur noch den Kopf schütteln – oder in schallendes Gelächter ausbrechen. Lehrer sind die wahren Comedians. Denn Sie haben Sprüche auf Lager, bei denen sogar gelangweilte Schüler und stressige Eltern lachen müssen.
Hier kommen die besten, lustigsten und blödsinnigsten Sprüche aus der Schule. (Klappentext)

Ach, ich stehe einfach auf so einen Kram. Diese kurzen Bücher mit SMS, peinlichen Geschichten oder eben Lehrersprüchen.
Ich schäme mich fast immer ein bisschen darüber auf einem Buch-Blog zu schreiben, denn so wirklich als Buch geht es ja doch nicht durch. Nur so halb.
Und trotzdem greife ich immer wieder darauf zurück und belästige informiere euch darüber.

Lehrersprüche sind von Haus aus ja ein zweischneidiges Schwert. Einerseits können sie unglaublich witzig sein, andererseits ist da auch immer ein kurzes: „DARF der das? Zu einem Schutzbefohlenen?“

Schon als ich in dem „Ich lese jetzt“-Post dieses Buch ankündigte, kam die Frage: „Ist das wirklich witzig? Die besten Sprüche entstehen aus der Situation und können so gar nicht wiedergegeben werden.“
Und das stimmt. Oder lacht jetzt jemand, wenn ich erzähle, dass eine Russischlehrerin bei mir an der Schule zu einem Mitschüler sagte: „Du wirst immer dicker und ich werde immer schöner.“. Oder dass mein Bio-Lehrer zu einer Mitschülerin sagte. „Was ist das da auf deinem Kopf?“ und als sie sagte: „Ich habe mir die Haare gefärbt. Farbe: Espresso.“, schockiert antwortete: „Ach das soll so? Ich dachte, das wäre ein Unfall!“.

So ähnlich ist das in dem Buch. Es gibt einfache Zitate oder Mini-Dialoge, die zum Teil schon amüsant sind. Aber eben zum kleineren Teil.
Der Rest ist eher ok bis langweilig. Für mich waren da auch einfach zu viele altbekannte Sprüche drin, wie: „Du guckst wie ein Auto, nur nicht so schnell.“, „Bist du so blöd oder tust du nur so?“, „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“ Oder „Niveau ist keine Handcreme.“. Alles schon hundert Mal gehört.

Da die Sprüche nur so halbwegs eine Seite füllen können, gibt es verschiedene Schriftarten und Bildchen, die in die Schule passen (Lineal, Stift, Schultasche, ABC, Formeln,…).
Unterteilt ist das ganz in sechs Schulstunden und kleine und große Pause. Die Sprüche passten mal mehr, mal weniger in ihr Kapitel.

Man muss das definitiv nicht gelesen haben. Kann man aber. Ich habe nicht allzu viel gelacht, sondern nur ab und zu mal geschmunzelt. Den vollen Preis von 8,99 Euro wäre es mir nicht wert gewesen. Da ich es als Mängelexemplar für 2,50 Euro mitgenommen habe, war es ok. 2,5 Sterne

Iris Hechenberger (Hrsg.) – Wer spickt, wird erschossen
Knaur Taschenbuch, Mai 2013
ISBN 3426786052
246 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

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