Mathias Malzieu – Der kleinste Kuss der Welt

Malzieu - Der kleinste Kuss der Welt

Ein melancholischer Erfinder trifft bei einem Tanzabend auf die atemberaubend schöne Sobralia. Doch als er allen Mut zusammennimmt und ihr einen flüchtigen Kuss gibt, wird sie unsichtbar. Mithilfe eines magischen Papageis gelingt es ihm, die unsichtbare Schöne wiederzufinden. Doch Sobralia wagt nicht, ihrem Verehrer ihr wahres Gesicht zu zeigen… (Klappentext)

Ich habe bisher zwei Bücher von Mathias Malzieu gelesen und beide ließen mich begeistert zurück.
Ich war von der Sprache verzaubert und von den Geschichten fasziniert. Ein Junge, der anstatt eines Herzens eine Kuckucksuhr besitzt („Die Mechanik des Herzens„) und ein Mann, der eine Frau trifft, die Federn trägt und fliegen kann („Metamorphose am Rande des Himmels„).
Malzieu_Die Mechanik des HerzensMalzieu_Metamorhose am Rande des HimmelsAls würde das nicht schon reichen, waren die Coverbilder auch noch wunderwunderschön und allein die hätten den Kauf für mich gerechtfertigt.
Es stand für mich fest, „Der kleinste Kuss der Welt“ musste ganz schnell in mein Regal wandern.

Die Geschichte versprach wieder außergewöhnlich zu werden.
Ein Erfinder küsst eine Frau. Es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde und doch reicht das, damit sie plötzlich unsichtbar wird. Doch dieser kleinste je verzeichnete Kuss schafft es, damit er die Unsichtbare nicht vergessen kann. Er sucht einen Detektiv auf, der auf ungewöhnliche Fälle spezialisiert ist und bekommt dort einen Papagei. Mithilfe dieses besonderen Papageis, macht er sich auf die Suche.

Durch die Kürze des Buches hat die Geschichte nur wenig Platz, sich zu entfalten. Doch Mathias Malzieu hat es wieder einmal geschafft, dass gar nicht mehr Raum nötig war. Er konnte sogar noch eine vielschichte Story erzählen. Es gibt nicht nur die unsichtbare Frau, sondern auch noch einige Nebenschauplätze, die alle ein großes Ganzes ergaben.

Auch wenn ich gern wissen wollte, wer die unsichtbare Frau ist und ob der Erfinder und sie zusammenfinden werden, nahm mich diese Spannung nicht vollends ein. Ich fieberte nicht so sehr mit, wie ich es mir gewünscht hatte.

Neben der Geschichte leben die Malzieu-Bücher für mich auch von der besondere Sprache.
Sie strotzt vor Metaphern und Neologismen. Es ist, als würde Malzieu eine ganz andere Sprache sprechen als alle anderen. Eine fantasievollere, ausgefallenere, zauberhaftere, intensivere.
Und doch konnte sie mich in diesem Buch – anders als in den vorherigen beiden – nicht ganz überzeugen. Sie kam mir noch verschwurbelter vor, noch ungewöhnlicher. Ausgefallene Metaphern und starke Sprachbilder durchzogen den Text. Sie waren nicht übermäßig dominant, aber wenn sie da waren, waren sie nicht so zart und schön, wie ich es von ihm gewohnt war. Manches musste ich doppelt lesen.

Oft war ich mir auch nicht sicher, ob es eine Metapher sein soll oder tatsächlich ernst gemeint war. Hat der Protagonist wirklich Kampfeichhörnchen vor sein Skateboard gespannt? Liegt sein Herz wirklich in einem Schuhkarton? Ist das alles ernst gemeint? Die Fantasie dieses Buches würde es hergeben.

Trotz der Melancholie des Buches musste ich oft kichern und lächeln, denn es besitzt eine gehörige Portion Humor.

Letztendlich konnte mich das Buch leider nicht so sehr überzeugen wie „Die Mechanik des Herzens“ und „Metamorphose am Rande des Himmels“.
Die Geschichte war außergewöhnlich, es fehlte mir aber ein wenig Spannung.
Die Sprache war in diesem Buch manches Mal anstrengend und nicht mehr ganz so zauberhaft.
Ich hatte Spaß an dem Buch, aber ich wurde einfach nicht mitgerissen und berührt. 3,5 Sterne

Mathias Malzieu – Der kleinste Kuss der Welt
Originaltitel: Le plus petit baiser jamais recensé (2013)
carl’s books, 31. August 2015
ISBN 3570585476
144 Seiten
Broschiert; 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Mathias Malzieu – Metamorphose am Rande des Himmels

Malzieu_Metamorhose am Rande des HimmelsNachdem mich Mathias Malzieu mit dem Buch „Die Mechanik des Herzens“ von seinen fantasievollen Ideen und der zauberhaften Sprache überzeugte, wollte ich gern mehr von ihm lesen. Das Buch „Matamorphose am Rande des Himmels“ konnte mich dann auch gleich wieder mit seiner Idee überzeugen:

Tom Cloudman, Hobby-Stuntman mit Leidenschaft fürs Fliegen, ist unheilbar erkrankt. Doch den Traum vom Fliegen gibt er nicht auf. Nachts schleicht er sich aufs Krankenhausdach und begegnet dort Endorphina, einer geheimnisvollen Frau, die Federn trägt und fliegen kann. Sie macht Tom einen einzigartigen Vorschlag um ihn von seiner tödlichen Krankheit zu befreien… (Klappentext)

Schon als Tom jung war, versuchte er zu fliegen. Er beneidete die Vögel um ihre Flügel und die damit verbundene Freiheit. Mit immer waghalsigeren Stunts, versuchte er es den Vögeln gleichzutun. Im Laufe der Zeit fanden erst seine Mitschüler und dann immer mehr Menschen gefallen an Toms Stunts. So kommt es, dass er später von Dorf zu Dorf zieht und dort die Leute mit seinen gefährlichen Shows unterhält.
Als er mit einem Auto zusammenstößt, kommt er ins Krankenhaus und erfährt, dass er schwer krank ist.
Auf seiner nächtlichen Suche nach Federn gelangt Tom auf das Dach und trifft dort auf die Vogelfrau Endorphina. Sie schlägt ihm einen bedeutungsvollen Pakt vor…

Allein schon die Geschichte schaffte es, dass ich ein bisschen in das Buch verliebt war. Sie war neu und anders und kraftvoll. Ich musste unbedingt wissen, was mit Tom passieren wird.
Zusätzlich konnten mich dann auch noch alle Figuren überzeugen. Jeder berührte mich auf seine Weise und ging mir nah.
Und somit war ein Gerüst aus Geschichte und Figuren geschaffen, das es mir leicht machte, mich in der Fantasie des Buches zu verlieren.

Als wäre das noch nicht genug, hat Mathias Malzieu seine Kunstfertigkeit bezüglich der Sprache unter Beweis gestellt. Sie ist poetisch, geheimnisvoll, kraftvoll und bildreich. Allein die Art, wie das Buch geschrieben ist, erschafft eine Atmosphäre, wie ich es selten erlebt habe.
Da es das zweite Buch des Autors war, das ich gelesen habe, ist die Faszination für die Sprache zwar nicht gesunken, aber der Zauber des Anfangs, die Überraschung des Neuen, ist ein wenig verflogen.

Das Cover finde ich wunderschön. Es spiegelt die Geschichte wider und passt deswegen einzigartig zu dem ganzen Buch.

„Die Metamorphose am Rande des Himmels“ ist ein tolles Buch, mit liebenswerten Figuren, einer ideenstarken Geschichte und einer faszinierenden Sprache.
Leider war es mit seinen 142 Seiten viel zu kurz. Für die Geschichte reichten diese Seiten aber. Sie war zu Ende erzählt und dabei gab es weder Längen, noch wurde man durch die Ereignisse gehetzt. Trotzdem wäre ich gern länger bei Tom, Endorphina und all den anderen geblieben.
Am Ende ist es ein wunderschönes Buch, das mich glücklich gemacht hat. Es war fast perfekt, aber für mich persönlich fehlen ein paar kleine Funken, für die volle Sternenzahl. Ich hätte die Sprache gern noch einen Ticken zauberhafter gehabt, so wie der Autor es bei „Die Mechanik des Herzens“ geschafft hatte. Das Ende hat mich nicht ganz zufrieden gemacht und hat mich in einem Punkt sogar verwirrt (und ich kann bis heute den Gedankenknoten nicht lösen).
Trotzdem kann ich aus vollem Herzen 4,5 Sterne geben.

Mathias Malzieu – Metamorphose am Rande des Himmels
Originaltitel: Métamorphose en bord de Ciel (März 2011)
carl’s books, 26. August 2013
ISBN 3570585204
142 Seiten
Broschiert; 12,99 Euro

Nina Blazon – Faunblut

Blazon_FaunblutFast zwei Monate habe ich für dieses Buch jetzt gebraucht. Und das leider nicht, weil ich extra langsam gelesen habe, um es vollends zu genießen. Im Gegenteil. Ganz im kompletten Gegenteil.
Dabei klang der Klappentext eigentlich nach etwas, das mir gut gefallen könnte:

Eine Metropole am Rande der Zeit, eine Herrschaft im Zeichen der Gewalt und eine Liebe wider jede Vernunft.
Als Jade, das Mädchen mit den flussgrünen Augen, den schönen und fremdartigen Faun kennenlernt, steht ihre Welt bereits kurz vor dem Untergang.
Aufständische erheben sich gegen die Herrscherin der Stadt, und die sagenumwobenen Echos kehren zurück, um ihr Recht einzufordern. Jade weiß, auch sie wird für ihre Freiheit kämpfen, doch Faun steht auf der Seite der Gegner… (Text der Umschlagklappe)

(Kurze Warnung: Wer unmotiviertes Gejammere nicht lesen will, der springe besser zum letzten Absatz.)

Aaaach, es fängt ja schon beim Inhalt an. Als ich mir Gedanken gemacht habe, worum es denn nun genau ginge, fiel mir keine Antwort ein. Es geht um die Echos irgendwie. Und Liebe. Und die Regierung einer Stadt, von der man bis zum Ende nicht wusste, wie sie heißt und in was für einer Welt sie liegt. Vielleicht ging es aber auch um Selbstverwirklichung oder mittelalterliche Riten. Vielleicht auch um alles davon oder nichts. Wer weiß das schon so genau.

Und dieses ganze Übernatürliche. Die ganzen Wesen, die darin vorkommen. Die Echos allein oder Faun, der auch nicht so ganz menschlich zu sein scheint und der ein und andere noch zusätzlich. Mir war das zu wenig Erklärung. Klar, ich könnte das nun einfach so hinnehmen, dass die Welt da nun einmal so ist und fertig. Ist ja Fantasy. Trotzdem fehlte mir da Wissen.

Das ist überhaupt ein gutes Stichwort.
Man war sofort in der Geschichte drin, in der plötzlich Jade und Lilinn, die Köchin im Hotel Larimar, das von Jades Vater geführt wird, von Echos gejagt werden.
Es hat definitiv Vorteile, wenn es nicht noch eine riesige Einleitung gibt, aber es nervt mich auch, wenn einfach Personen erwähnt werden, aber mit keinem Sterbenswörtchen, wer das nun genau ist. Die Erklärungen, wer die Leute waren, kamen erst viele, viele Seiten später. Auch auf Ereignisse lässt sich das übertragen. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich gedacht, ich lese einen zweiten Teil. Ständig hatte ich das Gefühl, mir würde Vorwissen fehlen.

Ich hätte darüber vielleicht noch hinwegsehen können, wenn ich die Figuren gemocht hätte, aber nicht eine konnte ich gut leiden. Allen voran Jade, die ja ach so leidenschaftlich und störrisch und selbstständig und stark und… ja ja… nervig, das isse! Ich hatte das Gefühl, sie musste jeden irgendwie anpampen und ständig wurde sie wütend. Manche nennen es Impulsivität, ich nenne ich Aggressionsproblem.
Und auch die anderen Figuren… Ihr Vater Jakub war sogar noch unsympathischer. Er las sich immer grimmig, stur, kalt, jähzornig und verschlossen.
Jades bester Freund Martyn war vielleicht noch ganz nett, aber eine männliche Zicke.
Und Faun? Über den kann ich gar nicht erst reden. Ja, diese Figuren, bei denen man nicht genau weiß, woran man ist, sind ja interessant, aber er litt anscheinend auch unter argen Stimmungsschwankungen. Und dann erzählte er immer nur Halbwahrheiten, deren zweite Hälfte nur sehr langsam richtiggestellt wurde.

Vielleicht wäre ich sogar darüber noch hinweg gekommen, wenn die Liebesgeschichte mich wenigstens zum Schmelzen gebracht hätte. Hat sie aber nicht!
Erst konnten sich beide auf den Tod nicht leiden und ganz plötzlich kribbelte es und … BÄMM… plötzlich liebten sie sich heiß und innig. Das kann man mir nun so nicht erzählen. Liebe auf den ersten Blick gut und schön, aber dann soll man sich doch bitte am Anfang nicht so offenkundig blöd finden.

So und auch darüber wäre ich eventuell – im Fall aller Fälle – hinweg gekommen, wenn mich die Sprache mitgerissen hätte, mich inspiriert und mit schönen Bildern im Kopf zurückgelassen hätte. Und auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Hat sie aber nicht!
Die Sprache war so dicht, so voll, als würde Frau Blazon versucht haben, in möglich wenig Zeilen möglich viel Inhalt zu bekommen. All die Adjektive und Vergleiche (beide gern neu erfunden und seltsam verschwurbelt) machten es manchmal unmöglich fließend zu folgen. Ich fühlte mich durch die Seiten gehetzt und hielt es nicht selten nur drei Seiten aus, bis ich das Buch zur Seite legen musste, weil das Lesen mich erschöpfte.

Vielen Beschreibungen (zum Beispiel von Wegen, Fluchten oder Handlungen, die viele Bewegungsläufe beinhalteten) konnte ich auch nicht folgen, weil ich die Beschreibung so umständlich empfand. Ich verstand nicht, wo Jade sich jetzt wie langhangelt oder was sie mit ihrem Bein oder Arm macht oder um welche Ecke sie gerade biegt. Ständig las ich solche Abschnitte doppelt und dreifach.

Ich kann im Nachhinein kaum etwas Gutes über das Buch sagen.
Ja, die Idee mit den Echos war neu. Ein paar innovative Ansätze gab es sicher, die das Buch von anderen Fantasybüchern unterscheidet. Alles in allem fand ich das Buch aber nicht rund. Ständig schien mir Wissen zu fehlen, ich mochte die Figuren nicht, ich kam mit der Art zu schreiben nicht zu recht und alles in dem Buch kam mir zu unvermittelt: die Liebe zwischen Jade und Faun, das Chaos in der Stadt, alles war plötzlich mit riesigem Knall da.
Nein, ich mochte das Buch nicht. Es gibt 1,5 Sterne Sterne und der halbe Stern ist auch nur deswegen da, weil mich das Buch nicht zum Abbruch zwang.

Nina Blazon – Faunblut
cbt/cbj Verlag, 1. Dezember 2008
ISBN 978-3-570-16009-1
479 Seiten
Gebunden; 18,95 Euro
(als Taschenbuch erhältlich)

Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London

Dieses Buch erlangte schnell meine Aufmerksamkeit, als ich es das erste Mal gesehen hatte. Ich mag das Cover sehr. Es hat diese alte Anmutung, die ich bei Büchern sehr liebe.

Der Klappentext reizte mich, aber eben nicht so sehr, dass ich das Buch gleich kaufen musste. Es stand aber ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste.

Bei der oft erwähnten Tagung im April hatte ich jedoch das Glück, es zu bekommen.

Können Sie beweisen, dass Sie tot sind?

Peter Grant ist frischgebackener Police Constable, als man ihm einen unerwarteten Karrierevorschlag macht: Er soll Zauberlehrling werde, der erste in England seit fünfzig Jahren.

Jetzt muss er sich mit einem Nest von Vampiren in Purley herumschlagen, einen Waffenstillstand zwischen Themsegott und Themsegöttin aushandeln, Leichen in Covent Garden ausgraben… Alles ziemlich anstrengend. Und der Papierkram! (Klappentext)

Mittlerweile müsste ja schon mal aufgefallen sein, dass ich viel Wert auf einen guten und vor allem WAHREN Klappentext lege. Dieser hier geht mit der Wahrheit sehr locker um. Das „Nest“ von Vampiren (ich erinnere mich gerade an zwei, die da so rumlagen) wird sehr schnell abgehandelt und macht eigentlich keine Probleme. Leichen ausgraben? Naja… es war EIN Skelett. Papierkram? Habe ich nichts von mitbekommen.

Was hier aber tatsächlich durchkommt ist die Vielseitigkeit der Geschichte. Mir war es oft ein wenig ZU vielseitig. Ich fragte mich oft, worum es nun ging. Ist es die zarte Liebesgeschichte zwischen Peter und seiner Kollegin Lesley? Seine beginnende Zauberlehre? Der Streit zwischen den Themsegöttern? Oder doch die vielen Morde, die plötzlich alle paar Tage passieren und die durch spontane und nicht rational erklärbare Wut ausgelöst werden?

Am Anfang fand ich das alles noch wirklich spannend.

Gut, die Geschichte um die Flüsse war mir recht egal. Ich habe die Beweggründe auch nicht wirklich verstanden, warum Mutter und Vater Themse (und deren Kinder) sich nun so bekämpft haben. Wie immer ging es um Ausweitung der Macht, aber so richtig kam es nicht durch. Dass sie auch alles vor Peter recht geheim halten, macht es dem Leser nicht einfacher.

Warum aber plötzlich so kaltblütig gemordet wird, fand ich interessant. Und auch die Art und Weise, dass danach die Gesichter der Mörder buchstäblich zerplatzen.

Ab circa der Hälfte war aber dann geklärt wie es dazu kam. Erst fand ich die Idee noch gut, aber dann wurde es sehr in die Länge gezogen. Und der letztendlichen Abschluss dieses Geschichtsteils war mir zu verwirrend.

Die Geschichte war sehr rasant und irgendwas passierte immer etwas, ich war aber schnell genervt von den ganzen Details.

Es gab immer wieder kleine Anekdoten aus dem Leben der Protagonisten, auf die später auch mal mit Einzelwort-Sätzen Bezug genommen wurde. Ich wusste dann nicht mehr genau, worum es da ging.

Der Schauplatz London wurde dann auch sehr ausführlich ausgeschlachtet. Immer wurde ganz genau beschrieben, auf welchen Straßen man nun zu welchem Ort gelangt. Historische Personen wurden erwähnt und auch andere Sehenswürdigkeiten.

Ich hatte das Gefühl, dass man London viel besser kennen muss, als ich es tue, um an dem Buch richtig Spaß zu haben.

Immer wieder und ganz intensiv wurde auf die Londoner Polizei und ihre Strukturen eingegangen mit allen ganz ausführlichen Begrifflichkeiten. Ich bin da bei der deutschen schon nicht übermäßig im Bilde. Da merke ich mir sicherlich nicht die englische. Und da die Begriffe und Dienstgrade auch nicht übersetzt wurden, habe ich sie immer überlesen. Es war schon irgendwann zu merken, wer da über wem steht.

Auch die Themse mit all ihren Nebenflüssen, die hier in menschlicher bzw. göttlicher Form auftreten war wichtig. Auch in diesem Bereich kenne ich mich nicht aus. Die Flüsse sind zwar als Personen gut auseinander zu halten, aber natürlich werden auch oft die Flusseigenschaften und ihre Lage aufgeführt.

Und alles wird wirklich sehr detailliert beschrieben und selbst die Beschreibung mancher Plätze und Gebäude zieht sich über mehrere Seiten. Detailreichtum ist ja schön und gut, aber es sollte dann auch wichtig für die Geschichte sein, finde ich.

Was ich noch negativ empfand, ist das Thema Magie. Vielleicht bin ich mit falschen Vorstellungen herangegangen, aber mir war es zu wenig Zauberei.

Es ist verständlich, dass Peter Grant nicht ausschweifend herumzaubert, denn bis die Lehre abgeschlossen ist, vergehen zehn Jahre. In den ersten Monaten darf er also nur recht wenig.

Dafür kann man ihn bei seinen Anfängen gut begleiten und ist auch im Theorieunterricht bei seinem Meister (und Polizeikollegen) Detective Chief Inspector Thomas Nightingale dabei.

Wenn ich an dieser Stelle Theorieunterricht sage, dann meine ich das auch. Es wird vermittelt, woher die magische Kraft kommt, was man sich vorstellen muss, was man wie sagt, wann das erst funktioniert. Auch an dieser Stelle war mir das zu viel. Ich will eigentlich sehen, DASS es funktioniert und nicht WIE. Andere Leser haben da vielleicht einen anderen Anspruch.

Nach all den negativen Aufzählungen kann ich wohl sagen: Nein, richtig begeistert bin ich nicht. Warum ich dann doch zu Ende gelesen habe? Aus zwei wichtigen Gründen: Ich mochte die Sprache und die Figuren.

Ich habe nicht selten gelacht oder wenigstens gekichert. Der Ich-Erzähler Peter trifft meinen Humor sehr genau. Er ist sehr ironisch und trocken.

Peter an sich war auch wirklich eine tolle, interessante Figur. Es machte Spaß ihn zu begleiten und mit seinem afrikanischen Ursprung mütterlicherseits war er auf keinen Fall klischeehaft, sondern etwas Besonderes.

Auch die anderen Figuren waren nicht schwarz-weiß, sondern alle hatten ihre positiven und negativen Seiten und waren somit wirklich glaubhaft.

Die Sprache und die Figuren waren es, die mich bei der Stange gehalten haben, auch wenn nur sehr schleppend. Ich habe für dieses Buch wirklich mehr als einen Monat gebraucht, weil ich mich manche Tage nicht überwinden konnte, es zur Hand zu nehmen.

Die zweite Hälfte habe ich jetzt in zwei Tagen gelesen und leider auch nicht, weil es so wahnsinnig spannend wurde, sondern weil ich es endlich beenden wollte.

Es gibt mittlerweile schon den zweiten Teil der Reihe auf Deutsch.

Irgendwann werde ich ihn sicherlich lesen, aber gerade reizt er mich nicht.

Ich vergebe: .

Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London
Originaltitel: Rivers of London (Februar 2011)
Deutscher Taschenbuch Verlag, Januar 2012
ISBN 3423213418
478 Seiten
Taschenbuch; 9,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Die Flüsse von London – Originaltitel: Rivers of London
2. Schwarzer Mond über Soho – Originaltitel: Moon over Soho
3. Ein Wispern unter Baker Street – Originaltitel: Whispers Under Ground
4. Der böse Ort – Originaltitel: Broken Homes
5. Fingerhut-Sommer – Originaltitel: Foxglove Summer
6. Der Galgen von Tyburn – Originaltitel: The Hanging Tree

Charlaine Harris – Vor Vampiren wird gewarnt

Es gibt Reihen, die schon lange beendet sein sollten, weil sie von Band zu Band schlechter werden.
So ist das meiner Meinung nach auch bei der Sookie-Stackhouse-Reihe. Ich mochte die Bücher von Anfang an nicht richtig. Jeder schwärmte von dem tollen Humor und den schönen Sookie-Momenten. Beides habe ich nie entdeckt. Aber gut, am Anfang gab es immer noch diese ganzen Krimi-Elemente, in denen man miträtseln konnte, wer der Mörder ist.
Nicht mal das ist mittlerweile möglich. Die Mörder und deren Motive werden immer abstruser. Entweder wurden sie noch nie wirklich erwähnt oder es waren immer Randfiguren, die nie fassbar waren.

Sonst gab es wenigstens immer einen roten Faden, aber auch für den habe ich eine Vermissten-Anzeige geschrieben.
Diesmal ging es um alles: Sookies Erholen nach dem Elfen-Krieg, die Elfen-Verwandtschaft, die neue Vampirpolitik, die Probleme im Werwolf-Rudel, das Öffentlichmachen der Gestaltwandler, etc. Alles wurde thematisiert, überall wurde viel gestorben.
Und ich fand es langweilig. Ganz, ganz langweilig.

Außerdem hat mich Sookie unfassbar genervt. Natürlich ist sie nicht mehr so locker-leicht im Umgang mit den anderen nach all ihrem Erlebten. Aber sie vertraut niemandem mehr, öffnet sich niemanden, lässt niemanden an sich ran.
Also ich finde, sie ist ein emotionales Wrack. Sie will nur noch eins: Eric und das am liebsten nackt und willig. Das ist echt erbärmlich. Also ihre Beziehung sehe ich bis jetzt noch nicht als das an. Eher als reine Sex- und Zweckgemeinschaft. Da können die noch so oft sagen, dass sie sich lieben.

Außerdem gab es immer überlebensnotwendige Sachen, die sie Eric oder anderen Leuten hätte erzählen müssen, aber NEIN: sie lässt sich immer von Lappalien ablenken und will lieber das Eine von Eric als ihr Überleben zu sichern. Also so doof wie in diesem Band war die Gute echt noch nie.

Ich finde auch, dass kein wirklicher Spannungsbogen enthalten war (wahrscheinlich in den 1000 Baustellen begründet). Ich hab so vor mich hingelesen ohne ein konkretes Ziel zu verfolgen, hatte ich das Gefühl.
Und am Ende ging mir dann definitiv alles zu schnell.

Weiterhin ist das deutsche Cover hässlich wie immer (und so unendlich nichtssagend) und die Kapitel sind VIEL zu lang.

Das Einzige, was ich richtig gut fand, war der Fakt, dass es sich flüssiger liest als die letzten Teile. Ich fand die Sprache bisher ja immer etwas sperrig, das hat sich super gewandelt und deshalb bin ich von Anfang an auch besser in der Geschichte gewesen.
Toll war auch, das man ENDLICH (nach 10 Bändern) mal viel mehr über die Vergangenheit von Bill und Eric erfährt. Da habe ich dann auch wirklich interessiert gelesen.

Also ganz ehrlich: Ich habe gelesen, dass es dreizehn Bände geben soll. Die schaffe ich gerade noch so. Aber wenn Frau Harris dann doch noch einfällt, alles zu erweitern, werde ich wohl streiken. Mit jedem Band wird die Story schlechter und die Charaktere auch.

Nur weil es sich gut lesen lässt und ab der Mitte des Buches Sookie nicht mehr ganz so nervig war und ab da die verschiedenen Handlungsstränge an Fahrt gewannen, gibt es Sterne.

Charlaine Harris – Vor Vampiren wird gewarnt
Originaltitel: Dead in the Family (Mai 2010)
dtv, April 2011
ISBN 9783423212830
377 Seiten
Taschenbuch; 8,95 Euro

Reihenfolge der Bücher

  1. Vorübergehend tot – Originaltitel: Dead until Dark
  2. Untot inDallas – Originaltitel: Living Dead inDallas
  3. Club Dead – Originaltitel: Club Dead
  4. Der Vampir, der mich liebte – Originaltitel: Dead to the World
  5. Vampire bevorzugt – Originaltitel: Dead as a Doornail
  6. Ball der Vampire – Originaltitel: Definitely Dead
  7. Vampire schlafen fest – Originaltitel: All together Dead
  8. Ein Vampir für alle Fälle – Originaltitel: From Dead to Worse
  9. Vampirgeflüster – Originaltitel: Dead and Gone
  10. Vor Vampiren wird gewarnt – Originaltitel: Dead in the Family
  11. Vampir mit Vergangenheit – Originaltitel: Dead Reckoning
  12. Cocktail für einen Vampir – Originaltitel: Deadlocked
  13. Vampirmelodie – Originaltitel: Dead Ever After