Cecelia Ahern – Flawed

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Celestines Leben scheint perfekt: Sie ist schön, bei allen beliebt und hat einen unglaublichen Freund.
Doch dann handelt sie in einem entscheidenden Moment aus dem Bauch heraus. Und bricht damit alle Regeln. Sie könnte im Gefängnis landen oder gebrandmarkt werden – verurteilt als Fehlerhafte.
Denn Fehler sind in ihrer Welt nicht erlaubt. Nichts geht über Perfektion. Auch nicht Menschlichkeit. Jetzt muss sie kämpfen – um ihre eigene Zukunft und um ihre große Liebe. (Klappentext)

Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass ich „Flawed“ vorab lesen durfte. Mit „P.S. Ich liebe dich“, dem ersten Buch, das ich von Cecelia Ahern gelesen habe, hat sie sich ganz tief in mein Herz geschrieben. Ich habe auch noch einige Bücher von ihr auf dem SuB, aber da mir im Moment der Sinn mehr nach Jugendbüchern als nach Liebesromanen steht, bleiben die anderen wohl vorerst noch auf dem SuB und dieses wurde sofort gelesen.

Celestine North lebt in einer Welt, in der von den Menschen Perfektion erwartet wird. Sie sollen ehrlich sein, die richtigen Entscheidungen treffen, moralisch klug handeln, gutherzig sein. Nur ein einziger Fehler kann jedoch alles verändern. Dann werden die Menschen gebrandmarkt. Ein F wird ihnen in die Haut gebrannt. Ein F wie „Fehler“. Und wenn man erst einmal fehlerhaft ist, dann gibt es strenge Regeln zu befolgen, denn niemand will, dass sich die Fehlerhaftigkeit auf andere überträgt.

Ich bin vollkommen begeistert von der Grundidee. Sie erzeugt sofort Spannung, denn wer ist schon perfekt und wie schmal ist manchmal der Grat zwischen richtig und falsch und zweitens hat man das Szenario so noch nicht gelesen. Als passionierter Jugendbuch- oder auch Dystopie-Leser erkennt man hier und da natürlich kleine Parallelen, aber wer erfindet schon das Rad komplett neu? Brandzeichen in Menschen, die nicht perfekt sind, gibt es beispielsweise auch in dem Buch „Das Feuerzeichen“ und auch mit dem Buch „Die Tribute von Panem – Flammender Zorn“ lassen sich Gemeinsamkeiten entdecken, auf die ich nicht eingehen kann, ohne zu sehr zu spoilern.
Trotzdem überzeugt mich das Thema insgesamt.

flawedGlücklicherweise wurde es auch wirklich spannend umgesetzt. Von der ersten Seite an war ich im Geschehen, verfolgte alles interessiert. Nie war ich mir wirklich sicher, wie es weitergehen wird. Es konnte alles zu jeder Zeit kippen. Und das macht beim Lesen so richtig Spaß.
Und dann, wenn man erst einmal über die reale Möglichkeit der Gilde, also des Gerichts für die Fehlerhaften, nachdenkt, bekommt das Ganze noch eine andere Würze. Der ursprüngliche Grund zum Einsetzen war nämlich gar nicht mal so dumm – die Entwicklung wurde für die Gesellschaft erst gefährlich. Wäre so etwas in der kritischen aktuellen Weltlage nicht auch in der Wirklichkeit denkbar? Wenn alle Menschen nur Sicherheit haben wollen?!
Diese Gedanken brachten einen Schrecken mit in die Geschichte, die der Spannung zusätzlich gut tat.

Die Figuren, allen voran die Hauptperson Celestine, waren interessant, vielschichtig und trotz all der Perfektion keine dummen Püppchen. Wenn man dachte, man könnte sie mit einem Blick und ganz oberflächlich begreifen, zeigte sich nach und nach, dass man damit falsch lag.

Und gerade, weil ich Celestine sehr gern hatte und die Geschichte spannend fand, fühlte ich intensiv mit. Nicht selten stieg Wut in mir auf und fühlte ich mich etwas verzweifelt in Angesicht der Ungerechtigkeiten, mit denen man konfrontiert wird. Oft überkam mich eine seltsam hilflose und ausweglose Stimmung. Als würde ich eingreifen müssen und nicht einfach nur still zusehen. Das gab mir ein unangenehmes Gefühl – und das ist richtig gut. Ich wurde zum Zuschauer degradiert und erlebe damit einen essentiellen Teil der Geschichte selber.

„Flawed“ hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Aber besonders ist, dass es nicht allein funktioniert. „Flawed“ ist nicht perfekt, es braucht seinen zweiten Teil „Perfect“, um die ganze Geschichte zeigen zu können. Welch Ironie! Ich mag das. Genau wie das Buch. Ich freue mich sehr, dass der zweite Teil schon im November 2016 erscheint.

Ich glaube, dass die Spannung, die in diesem Buch häufig als unwohle und gefahrverheißende Stimmung da war, sich im zweiten Teil vollends entfalten kann und den Leser atemlos zurücklässt. Ich hoffe und wünsche, dass alles, was im ersten Buch schon richtig gut war, im zweiten perfekt wird. 4,5 Sterne

Cecelia Ahern – Flawed – Wie perfekt willst du sein?
Originaltitel: Flawed (März 2016)
FISCHER FJB, 29. September 2016
ISBN 3841422357
461 Seiten
Gebunden; 18,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Flawed – Wie perfekt willst du sein? – Originaltitel: Flawed
2. Pefect – Willst du die perfekte Welt? – Originaltitel: Perfect (Erscheint November 2016)
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Ich lese jetzt „Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre“

groen-eierlikoertage„Flawed“ von Cecelia Ahern habe ich beendet. Leider darf ich erst am 29. September sagen, wie ich es fand.

Bis dahin lese ich jetzt „Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre“.
Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen und nachdem ich auf den ersten 50 Seiten viel lachen musste (und zwar so richtig und laut), kann es nur eine tolle Lekturüre werden.
Man begleitet Hendrik Groen ein Jahr während seines Lebens im Altersheim. Und ist bei den großen und kleinen Dramen zwischen den alten Leuten dabei.

Erster Satz:
„Dienstag, 1. Januar 2013: Auch im neuen Jahr hab ich für Senioren nichts übrig.“

Ich lese jetzt „Flawed“ von Cecelia Ahern

ahern_flawedIch bin ein sehr glückliches Mädchen, denn ich darf „Flawed“ von Cecelia Ahern schon lesen, bevor es erscheint.
Wie so viele habe ich „P. S. Ich liebe dich“ damals gelesen und mir die Augen aus dem Kopf geweint. Die Bücher, die ich danach von ihr gelesen habe, kamen da für mich nicht mehr heran.
Darum hoffe ich, dass ihr erster All-Age-Roman mich jetzt wieder in seinen Bann ziehen kann.

Celestines Leben ist perfekt. Wie sollte es auch anders sein in ihrer Welt, in der Fehler nicht erlaubt sind? Doch dann handelt sie plötzlich aus dem Bauch heraus und verändert damit alles…

Erster Satz:

„Ich bin ein Mädchen, das auf klare Definitionen steht, auf Logik, auf Schwarz oder Weiß.“

Astrid Schilcher – Frühstücksei à la Goethe mit Metamorphosen

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Wie lebt man ein Leben, wenn man alle sieben Jahre eine neue Chance bekommt? Seit ihrem einundzwanzigsten Lebensjahr wird eine junge Frau von mysteriösen Metamorphosen heimgesucht, aus denen sie in einem neuen Körper und konstant verjüngt erwacht. Von der CIA gejagt, findet sie verstörende Antworten auf ihre Herkunftsfrage und trifft auf mächtige Cyborgs, die ihr eine schwere Bürde auferlegen: die Entscheidung über die Kontrolle der Menschheit, um sie vor sich selbst zu retten. Drei Metamorphosen lang hat sie Bedenkzeit und ringt sich am Ende zu einer Entscheidung durch, welche die Welt ein für alle Mal verändert… (Klappentext)

Ich habe mich sehr darüber gefreut, als Astrid Schilcher anfragte, ob ich ihr Buch „Frühstücksei à la Goethe mit Metamorphosen“ lesen möchte, denn das Thema klang wirklich interessant.

Und diese Idee fand ich beim Lesen immer noch toll. Alle sieben Jahre wacht die junge Frau als jemand anderes auf, sieht anders aus, heißt anders. Wie soll man da Konstanten ins Leben bekommen? Und kann man Dinge ohne Konsequenzen machen, wenn man bald eh nicht mehr gefunden werden kann?

Dies ist auch der Grund, warum ich hoffte, der erzählerische Fokus würde auf den Metamorphosen und den entsprechenden Leben, die ja immerhin sieben Jahre – und damit gar nicht mal so kurz – dauern. Da das Buch mit 176 Seiten relativ kurz ist, war schon davon auszugehen, dass nicht alles weitreichend ausgeschmückt sein wird, aber ich fand es oft definitiv zu kurz. Wenn die neuen Leben in ein oder zwei kurzen Kapiteln abgehandelt wurden, flogen Namen, Aussehen, Ereignisse nur so an mir vorbei. Sieben Jahre als eine Person und ich als Leser habe die gar nicht wirklich wahrgenommen.
Die Frage nach der Herkunft und die Jagd durch die CIA nahm auch einen großen Teil des Buches ein. Gerade Zweiteres ist generell in keinem Buch mein Lieblingsthema, aber dafür kann die Autorin ja nichts. Daher konnte mich aber keine Spannung packen, auch wenn mich interessierte, woher die Metamorphosen kamen. Ich wurde nicht zum Weiterlesen „gezwungen“.

Leider hat mir die Umsetzung der grundsätzlich interessanten Geschichte auch aus mehreren Gründen nicht wirklich gefallen.

Ich mag es, wenn ich mit Personen mitfühlen kann. Die junge Frau in diesem Buch schaffte es nicht. Gerade durch die wechselnden Leben fand ich den Charakter und die Seele wichtig, die ja immer gleich bleiben. So richtig kam beides jedoch nicht durch. Ich bekam den Kern der Person einfach nicht zu fassen. Sie bleibt distanziert, zu unterkühlt.
Damit war ich auch nie berührt, egal wie dramatisch das Geschehen gerade war.

Die Sprache strengte mich am gesamten Buch jedoch am meisten an.
Die Autorin ist Österreicherin und für meine deutschen Ohren sind bestimmte Ausdrücke und Wortzusammenstellungen immer so ungewöhnlich, dass ich aus dem Lesefluss gerissen werde. Aber das ist ja im Prinzip mein Problem und nicht das von Astrid Schilcher. Wie es jedoch häufig bei Debütromanen ist, merkte man in dem unbedingten Willen, variabel zu schreiben, eine bestimmte Steifheit. Der Wunsch nach Synonymen brachte manches Mal seltsame Konstruktionen hervor, wie „prustende Lacheruptionen“ (S. 74).
Die Geschichte begann im Jahr 1948 und ich war mir nie sicher, ob nur dadurch die Sprache vor allem zu Beginn des Buches sehr altbackenwirkte: „Ich querte die Murbrücke, fand besagte Gaststätte und gab mich den Gaumenfreuden eines vortrefflich zubereiteten Mahls hin […]“ (S. 23). Auch wenn es zu der Zeit sicherlich passte, mochte ich es nicht. Ich hatte immer die Hoffnung, dass die Autorin die Sprache ebenso wie die Zeit voranschreiten lässt, moderner werden lässt. Tatsächlich passierte das, aber so richtig modern wurde es trotzdem nie. Ein zweiter Grund, warum ich oft ein wenig aus dem Lesefluss gerissen wurde.

Und noch etwas, was mich oft irritierte: Ich bin wirklich nicht dumm, aber bei diesem Buch fühlte ich mich ab und zu so. Es gab viele Hinweise auf Musiker, Maler, Künstler im allgemeinen. Die meisten kannte ich, verstand ich, manchmal blieb ich aber fragend zurück: „Was würden Philip Marlowe oder Mike Hammer an meiner Stelle tun? Obwohl ich Chandler und Spillane nur in homöopathischen Dosen genossen hatte […]“ (S. 52).

Ich bin auch nach dem Beenden des Buches von der Idee immer noch begeistert. Ich hätte sie nur gern mehr ausgeführt gesehen. Intensiver beschrieben. Näher dran, sodass ich mitfühlen kann.
Die Autorin hat aber auf jeden Fall Potenzial und wenn mehr Erfahrung beim Schreiben dazu kommt, könnten ihre nächsten Bücher auf jeden Fall einen Blick wert sein.
Dieses hier bekommt aufgrund der Kritikpunkte erst einmal 2,5 Sterne von mir.

Astrid Schilcher – Frühstücksei à la Goethe mit Metamorphosen
Books on Demand, 07. Januar 2016
ISBN 3739221186
176 Seiten
Taschenbuch; 12,90 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ich lese jetzt „Frühstücksei à la Goethe mit Metamorphosen“ von Astrid Schilcher

schilcher_fruehstuecksei-a-la-goetheIm Juli schrieb mich die liebe Astrid Schilcher an und fragte, ob ich Interesse daran hätte, ihr Buch zu lesen.
Ich war sofort von der Idee der Geschichte begeistert: Eine junge Frau erwacht alle sieben Jahre in einem neuen, verjüngten Körper. Alle sieben Jahre hat sie die Chance, von vorn anzufangen. Was macht man mit diesem Leben?

Das Buch musste nun aufgrund der Uni und einiger anderer Angelegenheiten ein wenig auf dem SuB liegen, aber nun ist es soweit.
Ich bin sehr gespannt.

Erster Satz:
„Was ist seltsam an mir?“

Colleen Hoover – Zurück ins Leben geliebt

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Als Tate zum Studium nach San Francisco zieht, stolpert sie dort gleich am ersten Abend über Miles Archer: Miles, der Freund ihres Bruder, der niemals lächelt, meistens schweigt und so attraktiv ist, dass Tate bei seinem Anblick Herzflattern und weiche Knie bekommt. Miles, der seit sechs Jahren keine Frau mehr geküsst hat und offensichtlich eine schwere Bürde mit sich herumträgt, die ihn bis heute unfähig macht, sich auf eine Beziehung einzulassen. Miles, vom dem Tate sich besser fernhalten sollte, wenn ihr ihr Gefühlsleben lieb ist.
Doch wider Willen fühlen die beiden sich unwiderstehlich zueinander hingezogen. Als sie sich näherkommen, gibt Miles zwei Regeln vor:
1. Frag niemals nach meiner Vergangenheit.
2. Erwarte dir keine Zukunft mit mir.
Tate akzeptiert – auch wenn sie weiß, dass sie ein für ihr Seelenleben gefährliches Spiel treibt… (Text der Titelklappe)

Ich liebe die Bücher von Colleen Hoover. Das kann ich aus tiefstem Herzen sagen.
Dies war nun mein sechstes von ihr und ich habe nicht weniger als ein weiteres Buch, in das ich mich beim Lesen verliebe, erwartet.

Zum ersten Mal kam ich aber tatsächlich schwer in das Buch hinein.
Die Geschichte kam sehr langsam in Gang. Tate zieht zu ihrem Bruder, trifft den heißen Nachbarn, findet ihn sofort toll, er sie auch, Beziehung nein, Sex ja…. und dann steht die Geschichte. Lange dreht sich alles im Kreis. Es geht vor, es geht zurück. Eine echte Story ist dabei nicht so richtig rausgekommen. Es ging hauptsächlich um das Miteinander der Figuren.
Das bezieht sich aber durchaus nur auf 50 Prozent der Geschichte.

zurueck-ins-leben-geliebt Die Kapitel, die Tate erzählt, spielen in der Gegenwart – und behandeln eben Beschriebenes. Miles Kapitel liegen schon sechs Jahre zurück. Und diese waren für mich das Besondere an dem Buch. Sowohl wie die Worte gesetzt waren, als auch was sie enthielten. Sie waren meine liebsten Teile, die leider immer nur wenige Seiten lang – und damit viel zu kurz – waren. Sie waren definitiv der spannende Part und ich rätselte in Tates Teilen immer schon, wie die von Miles wohl weitergehen werden.

Tate und Miles waren der zentrale Punkt der Geschichte und standen somit im Mittelpunkt. Die Nebenfiguren blieben alle etwas blass und flach.
Mein Problem war nur: So richtig warm wurde ich mit beiden nicht. Tate hatte auf den ersten – und auch auf den zweiten – Blick nichts Besonderes. Vielleicht habe ich die Figur einfach nicht verstanden, aber ich weiß nicht, warum alle Männer sie so toll fanden. Sie ist niemand, der durch seine Art sofort Sympathien in mir geweckt hat. Und Miles war aufgrund seiner Distanziertheit und Altlasten auch schwierig. Man mag ihn vielleicht, weil er einem leid tut, aber das macht er einem nicht leicht.

Was dann aber am Fatalsten war: Ich habe die Anziehungskraft einfach nicht verstanden. Warum geht es bei Colleen Hoover immer so wahnsinnig schnell? Warum sehen sich zwei Menschen und ab der ersten Sekunde können sie nicht Augen und Finger voneinander lassen? Vor allem, da ich Tate extrem langweilig und Miles unglaublich kompliziert fand. Was hat die beiden aneinander angezogen? Es wirkt so oberflächlich und auf die Optik bezogen bei ihnen.
Und überhaupt gab es so unglaublich viel Sex, dass es mich schon anfing zu nerven. Lücken in der Geschichte schienen mit seitenlangem Sex ausgefüllt zu werden.
Dass der Verlag empfiehlt, das Buch erst ab 16 Jahren zu lesen, ist absolut nachvollziehbar.

Mit dieser Ausgangssituation hangelte ich mich ein wenig durch die erste Hälfte des Buches. Ich konnte es auch zuklappen und dann mehrere Tage unangefasst liegenlassen.
Ab der Hälfte änderte sich dann aber plötzlich alles. Nicht, dass es in der Geschichte wahnsinnig voran gegangen wäre oder ich die Figur der Tate dann verstanden hätte, nein, aber ich war plötzlich drin.
Ich konnte auf einmal wahnsinnig gut mitfühlen. Vor allem all die Hoffnungen, dass Miles seine Regeln doch über Bord werfen wird. Dass er sich ändert. Dass er Tate doch irgendwann zur Freundin möchte. Vielleicht muss man in so einer Art von Beziehung mal gesteckt haben, um es wirklich nachvollziehen zu können. Das Hoffen, das „Wenn ich lang genug warte, wird er sich schon ändern!“, das „Wenn er nur oft genug merkt, wie gut wir zusammenpassen, dann verliebt er sich in mich. Definitiv!“, das „Wenn ich nur lang genug nach seinen Regeln spiele, dann kommt sicher alles so, wie ich das möchte…“. Denn erst, wenn man das alles nachempfinden kann, dann wirken Tates Taten nicht mehr unlogisch. Ist einem so etwas fremd, ist man sicherlich oft genervt von ihrer Aussagen und Handlungen.
Ab dem Moment habe ich endlich mitgelitten und ein bisschen mitgeliebt.

Außerdem nahm die Geschichte um Miles Vergangenheit wahnsinnig an Fahrt auf und ich konnte kaum abwarten, dass sein nächstes Kapitel beginnt. Manchmal übersprang ich kurzzeitig sogar Tates Kapitel, um bei Miles schon einmal reinzulesen.

Und natürlich schaffte es Colleen Hoover auch wie jedes Mal, mich zum Weinen zu bringen. So sehr, dass ich „Zurück ins Leben geliebt“ nach dem Beenden zuschlug und dachte: „Tolles Buch. Ganz, ganz tolles Buch!“. Aber da hatten mich wohl meine Gefühle übermannt, denn ganz so war es einfach nicht.
Die erste Hälte war zäh. Die Anziehung war zu schnell zu doll. Tate war irgendwie langweilig.
Ich muss schweren Herzens einiges abziehen. 3,5 Sterne

Colleen Hoover – Zurück ins Leben geliebt
Originaltitel: Ugly Love (August 2014)
dtv, 22. Juli 2016
ISBN: 3423740213
356 Seiten
Broschiert, 12,95 Euro

August-Liste

Manchmal sieht es eben auch so aus.
Im August war ich viel beschäftigt mit Nachklausuren-Koma, arbeiten und Hausarbeiten schreiben. Dadurch hatte ich wenig Lust, Zeit und Kraft zum Lesen. Aber langsam, jetzt im September, kommt die Lust schon wieder.
Es kommen also auch wieder andere Listen als diese:

gelesen:
Maria Semple – Wo steckst du, Bernadette? 3,5 Sterne

abgebrochen:
Dietmar Dath – Die Abschaffung der Arten

gekauft:

geschenkt:

Rezensionsexemplare:
Hendrik Groen – Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen

Nerve

© STUDIOCANAL

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Das Buch „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“ von Jeanne Ryan wurde verfilmt und kommt am 08. September 2016 als „Nerve“ in die deutschen Kinos.
Als ich vom Verlag cbt zur Pressevorführung des Filmes eingeladen wurde, schaute ich mir den Trailer an und sagte dann begeistert zu. Der Film klang schon spannend. Wie grandios ich ihn dann am Ende tatsächlich finden werde, war mir noch nicht klar.

Als ich im Kino die Pressemappe öffnete, entfuhr mir sofort ein fröhliches Quietschen. Henry Joost und Ariel Schulman sind die Regisseure und diese beiden sind maßgeblich an einer meiner liebsten Reality Shows beteiligt: Catfish.
Ich versprach mir viel Unterhaltung.

„Nerve“ ist das neue, geheime und vollkommen illegale Spiel im Jahr 2020.
Vee lebt ihr Leben ruhig und routiniert – oder „langweilig“, wie ihre beste Freundin Sydney sagt. Um ihren Freunden zu beweisen, dass sie auch ihr Leben in die Hand nehmen kann, registriert sich Vee bei „Nerve“. Aber sie will kein Watcher sein. Sie will ein Player sein.
Von nun an werden ihr 24 Stunden lang Aufgaben von den anonymen Watchern gestellt, sie bekommt Geld und Ruhm dafür. Schon bei ihrer ersten Aufgabe lernt sie Ian kennen. Die beiden gefallen den Zuschauern als Team so gut, dass es von nun an gemeinsame Aufgaben gibt. Und diese werden immer riskanter…

Die Geschichte spielt nicht sehr weit in der Zukunft und ist gerade deswegen von vornherein spannend. Auch wenn es schon Filme mit dem Ansatz „PC-Spiel in Realität“ gibt, beispielsweise „Gamer“ oder „Scott Pilgrim“, ist das Genre und die Thematik nicht vollkommen ausgereizt. So bietet „Nerve“ auf jeden Fall für viele Leute etwas Neues und auch nach Filmende kann man weiter über ihn diskutieren: Könnte es so wirklich werden? Welche Möglichkeiten eröffnen sich durch das Darknet? Welche Inhalte sollte man in den sozialen Meiden teilen? Wäre „Nerve“ in der realen Welt möglich? Muss man sich nicht ständig entscheiden, ob man Watcher oder Player ist?

Vee (Emma Roberts) und Ian (Dave Franco) © STUDIOCANAL

Vee (Emma Roberts) und Ian (Dave Franco)
© STUDIOCANAL

Emma Roberts und Dave Franco spielen die Hauptcharaktere. Emma Roberts kann man (und sollte man meiner Meinung nach auch) seit der dritten Staffel in „American Horror Story“ bewundern. Dave Franco trat mit „Scrubs – Med School“ das erste Mal so richtig in Erscheinung.
Beide bilden ein vollkommen überzeugendes Duo. In jeder Sekunde nahm ich ihnen ihre Leidenschaft, Lust am Spiel und Sympathien füreinander vollkommen ab.
Doch die sehr gute schauspielerische Leistung war bei allen ¬vorhanden. Nicht nur die anderen Haupt- und Nebenfiguren überzeugten mich, nein selbst die Statisten, die vielen Watcher, machten ihre Sache hervorragend.

Die Gefühlspalette des Filmes ist überaus vielfältig. Sowohl familiäre Konflikte, als auch Streit und Neid zwischen Freunden sind Themen, aber auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Und trotzdem ist „Nerve“ als „Thriller“ zu klassifizieren.
Die Gefühle waren an manchen Stellen vielleicht etwas oberflächlich dargestellt, doch nicht alle. Es wurde ein sehr guter Mittelweg gefunden, um den Film nicht künstlich mit Gefühlen oder Bedeutung aufzuladen. Und oft konnte ich intensiv mitfühlen. Ich war bewegt, verängstigt, begeistert, gerührt. Die Gefühle konnten sich auf jeden Fall in einem gewissen Rahmen auf mich übertragen.

Als wäre das nicht schon Leistung genug, überrannte mich die Spannung völlig. Ich fieberte so sehr mit, wie ich es sicher seit Jahren nicht getan habe. Bei jeder erledigten Aufgabe war ich gespannt, was als nächstes kommt. Gefährliche Aufgaben konnten mich dazu veranlassen, dass ich die Luft anhielt, mich im Sitz nach vorne lehnte, meine Hände auf meinen Kopf legte und mich nur noch auf die Leinwand konzentrierte.
Der Film steht insgesamt nie still. Er ist rasant, die Story schreitet schnell voran und es wird die eine oder andere Überraschung geboten. Die Spannung baut sich dabei unaufhaltsam auf und trotzdem bleibt den Figuren und dem Publikum auch mal Zeit zum Durchatmen.

© STUDIOCANAL

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Die Kameraarbeit war ebenso spannend wie die Geschichte und die Aufgaben. Es gab jederzeit etwas zu entdecken durch die vielen ungewöhnlichen Perspektiven. Oft, aber definitiv nicht immer, lag es daran, dass die Protagonisten das Erledigen der Aufgaben selber mit ihrem Handy filmen mussten. Manchmal war es ein bisschen als würde man sich einen Vlog eines YouTubers ansehen.
Interessant war es auch, wenn man selber zum Watcher wurde mit all den Einblendungen am Bildschirmrand. Obwohl es sehr viele digitale Zusätze im Bild gab, störten sie nicht oder minderten die Authentizität.

Musikalisch hatte der Film allerhand zu bieten. Die Musik war nicht nur instrumentaler Natur. Viele Songs unterlegten die Stimmung. Mal fröhlich beschwingt, mal bedrückend und hart. Manche Szenen wurden auch komplett von ihr getragen. Es könnte störend sein, wenn die Musik so stark in den Vordergrund tritt, aber in der Gesamtheit passte es. Oft waren keine Dialoge nötig, sondern die Bilder sprachen für sich. Hier waren die Songs stimmungsgebend, wichtig und definitiv nicht zu viel.

Es ist mir fast ein bisschen peinlich, einen Film, den ich auf Einladung des Verlags hin kostenlos ansehen durfte, so sehr in den Himmel zu loben, aber so ist es. Ich fand ihn genial! Kaum war ich aus dem Kinosaal hinausgelaufen, empfahl ich den Film schon Freunden weiter.
Er hat eine innovative Geschichte, tolle Schauspieler, viel Spannung und trotzdem kamen die Gefühle nicht zu kurz.
Um so viel Spaß wie ich an ihm zu haben, sollte man aber unbedingt ein gewisses Interesse an Online-Spielen haben, da man sonst den Sog, den dieses Spiel auf die Jugendlichen hatte, nicht nachvollziehen kann. Und nichts würde dem Film mehr die Glaubwürdigkeit rauben, als wenn der Zuschauer die Intention des Spielens nicht versteht.
Da es an ganz vereinzelten Stellen Logikschwächen gab und es ebenso vereinzelt ein wenig mehr Gefühl hätte geben können, gibt es einen minimalen Abzug.
„Nerve“ ist aber überaus sehenswert und ich empfehle ihn aus tiefstem Herzen! Ich hatte eine unglaublich gute Zeit mit ihm. 4,5 Sterne

Nerve
Originaltitel: Nerve (2016)
Filmverleih: Studiocanal
Lauflänge: 96 Minuten
FSK: 12
Ab dem 08 September 2016 in den deutschen Kinos

Ich lese jetzt „Zurück ins Leben geliebt“ von Colleen Hoover

Hoover_Zurück ins Leben geliebtIch hatte wieder Glück und habe bei dem Blogger-Gewinnspiel das neue Buch von Colleen Hoover gewonnen.
Ich mag ihre Bücher so unglaublich gern und darum beginne ich es nun direkt, nachdem mein vorhergehendes ausgelesen ist.

Es geht wieder um eine Lovestory, die etwas Besonderes zu sein verspricht. Es ist die von Miles und Tate. Eigentlich hatten sie sich versprochen, keine Gefühle füreinander zu entwickeln. Doch es ist riskant…

Erster Satz:
„›Oh, oh. Sie hat man wohl erdolcht, Mädchen.‹“

In Szene gesetzt #5

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