Nicole Schäufler – Schwanger im Herbst

In diesem Herbst bist du schwanger – wie wunderbar!
Denn gerade jetzt wachsen auch bei Mutter Natur lauter Kinder heran: Kleine Kerne in Äpfeln und Birnen, kleine Samen in Holunder und Astern. Überall reift es in „schwangeren“ Früchten!
Dieses Buch reist mit dir durch den Herbst. Es erzählt dir in Bildern, Gedichten, Liedern und Texten von der Jahreszeit und ihren Frauengestalten. Und du wirst sehen: Der Herbst liebt alle werdenden Mütter. (Klappentext)

Meine Tochter wird bald sechs Monate. Da war es eine schöne Überraschung, als ich dieses Buch plötzlich in meinem Briefkasten fand. Es versetzte mich zurück ins letzte Jahr, in den letzten Herbst als der heiße Sommer abklang und mein Bauch immer größer wurde. Was für eine aufregende Zeit das war mit den ersten zarten Stupsern und den ersten angebotenen Plätzen in der U-Bahn.

Dieses Buch verbindet nun diese besondere Zeit einer Frau mit der besonderen Zeit der Natur. Auf 103 Seiten werden Märchen-Auszüge, Gedichte, Rezepte, Lieder und andere Texte gezeigt. Kinder, Schwangerschaft, Herbsteigenheiten – alles findet darin seinen Platz. Auch ein paar Info-Texte mit interessanten Fakten sind zu finden. Immer wieder werden sie von tollen Illustrationen unterbrochen.

Von Volksweisen über Goethe bis zu Birnenkompott ist alles dabei. Manches war mir bekannt, vieles aber nicht. Die Rezepte sind alle machbar.
Es machte Spaß, chronologisch mit dem Buch den Herbst nachzuzeichnen und etwas über seine herausstechenden Tage in Verbindung zur Schwangerschaft zu erfahren.

Der Fokus lag aber insgesamt schon eher auf dem Herbst an sich als auf der Schwangerschaft. Falls man Infos zur Entwicklung des Babys erfahren will, ist man mit dem Buch schlecht beraten – was auch verständlich ist, denn im Herbst ist jede Frau anders weit.

Hätte ich mir das Buch im letzten Jahr selber gekauft? Nein. Aber Schwangere sind auch weniger die Zielgruppe, was schon daran zu erkennen ist, dass man am Anfang eintragen kann, wem man dieses Buch schenkt. Und als Geschenke-Buch eignet es sich wirklich. Die Schwangerschaft wird auf eine schöne Art gewürdigt – obwohl der Fokus, wie bereits gesagt, deutlicher auf der Jahreszeit liegt.

Aus der Reihe gibt es mittlerweile auch „Schwanger im Advent“, „Mama im Advent“ oder ein Buch über das wichtige Thema Fehlgeburt: „Gestern war ich noch schwanger“.

Nicole Schäufler – Schwanger im Herbst
edition riedenburg, 23. Mai 2019
ISBN 3990820265
103 Seiten
Taschenbuch; 19,90 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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Juni-Liste

Ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr keine Bücher zu kaufen. Das hatte ich im Mai zwar eigentlich schon gebrochen, aber da das Buch 2,50 Euro gekostet hat, sah ich es als Ausnahme.
Als ich einer Freundin dann „Auris“ zum Geburtstag kaufen wollte, stellte ich fest, dass das Cover so toll geprägt ist. Aus Angst, dass spätere Auflagen nur noch glatte Cover haben, habe ich das Buch auch für mich mitgenommen. Da ich es dann von Payback-Punkten bezahlt habe, zähle ich es einfach mal als geschenkt. Man muss nur wissen, wie.

Tatsächlich war das aber auch alles, was buchtechnisch im Juni stattfand. Deswegen zeige ich „Auris“ dort, wo ich unter anderem meinen Juni verbracht habe: unter dem Spielbogen mit meiner Tochter.

Gelesen:

Gekauft:

Geschenkt:
Vincent Kliesch – Auris

Rezensionsexemplare:

Mai-Liste

Lesetechnisch habe ich dieses Jahr schon weitestgehend abgehakt. Es ist einfach wichtiger für mich, die Zeit am Tage effektiv mit meinem Baby zu nutzen. Und wenn sie im Bett ist, freue ich mich auch mal abzuschalten und nur fernzusehen. Am Tage schläft die Kleine zwar viel, aber immer nur in meinem Arm und – anders als ihre Mutter – scheint sie das Geräusch von umgeblätterten Seiten nicht zu mögen. Sie kann noch so tief schlafen, sobald eine Seite raschelt, zuckt sie und macht Anstalten, wach zu werden.
Na ja, ich setze auf 2020, wenn ich wieder arbeite und immerhin auf der Fahrt lesen kann.

Gelesen:
Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler

Gekauft:
Ferdinand von Schirach – Verbrechen

Geschenkt:
Melissa Keil – Zusammen sind wir unendlich
Colleen Hoover – Too Late

Rezensionsexemplare:

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! Die Stadt der Schlafwandler

Kaum hat sich Charlie seinem Traum gestellt, wartet das Böse in der wachen Welt…
Albträume können einem wirklich den Schlaf rauben, das weiß Charlie nur zu gut. Verständlich, dass auch die Bewohner des Nachbarstädtchens Orville Falls begeistert sind, als der neue Kräuterladen im Ort ein Elixier gegen ihre allgegenwärtigen Albträume anbietet. Doch kann es sein, dass das Elixier schaurige Nebenwirkungen hat? Plötzlich geistern die Bewohner wie Schlafwandler durch die Stadt.
Charlie weiß: Wenn er und seine Freunde nicht schnell etwas unternehmen, schwebt nicht nur das Traumreich, sondern auch die wache Welt in schrecklicher Gefahr. (Klappentext)

Im Januar 2016 schenkte mein Freund mir die ersten beiden Teile der Nightmares!-Reihe. Teil eins las ich direkt und war ziemlich begeistert. Doch Teil zwei fristete dann ein langes Dasein auf meinem SuB. Im Dezember 2018 befreite ich es endlich – und brauchte tatsächlich ein halbes Jahr, um die paar Seiten zu lesen.

Charlie weiß nun alles über das Traumreich und das Albtraumreich. Zusätzlich ist er der Hüter des Portals in der lila Villa, die er mit seinem kleinen Bruder, seinem Vater und seiner Stiefmutter bewohnt. Doch die Schlafwelten sind in Gefahr, denn die Bewohner von Orville Falls haben aufgehört zu träumen. Warum ist schnell herausgefunden – sie alle trinken das neue Elixier gegen Albträume, das in die Stadt kam. Charlie muss aber herausfinden, wer das Elixier verkauft und warum er das tut. Vor allem aber: Wie werden die Bewohner wieder normal?

Im Gegensatz zum ersten Teil, der mich immer ein wenig an Reckless von Cornelia Funke erinnert hat, bekommen wir hier eine ziemlich lineare Story geliefert. In „Nightmares! Die Schrecken der Nacht“ gab es noch Dinge zu entdecken. Man konnte mit Charlie durch die Traumwelten streifen und die verschiedensten (Horror)Wesen finden. Nun gab es kaum etwas zu entdecken. Das Buch fühlte sich an wie eine 0815-Kinderbuch-Gruselgeschichte.

Allein dieses Gefühl hinderte mich schon daran, das Buch wirklich gut zu finden. Es war so ein unfassbarer Bruch zum ersten Teil. Blöd dabei: Es interessierte mich irgendwie nicht wirklich, wer das Elixier hergestellt hat und warum. Auf dem Weg zur Lösung durchlief das Buch auch allerhand Schleifen, die im Nachhinein vollkommen unnötig waren. Es wirkt, als sollte diese kleine Hauptgeschichte auf Biegen und Brechen aufgebläht werden.

Noch mehr als im ersten Teil merkte ich, dass man es mit einem Kinderbuch zu tun hat. Die Sprache wirkte zum Teil konstruiert einfach, Witze zündeten bei mir nicht. Die Geschichte an sich war dann auch kein Garant für Hochspannung.

Durch das Alter der Helden konnten auch kaum spannende Nebenschauplätze aufgemacht werden. Einen gab es, der betraf die Eltern von Charlie. Aber zum einen war auch das wenig interessant und zum anderen kann man den Ausgang von Anfang an ahnen.

Ja, ich war gelangweilt. So sehr, dass ich nur alle paar Wochen ein paar Seiten las. Doch dann kam etwas, was ich nicht erwartete: Zum Ende hin, als man der Lösung immer näher kam, wurde es tatsächlich ein wenig aufregend. Das letzte Drittel las ich fast in einem Rutsch. Und der Cliffhanger am Ende lässt mich tatsächlich überlegen, ob ich mir nicht doch noch den letzten Teil der Trilogie zulege.

Mal sehen, ich weiß es noch nicht. Ich muss mich erst einmal erholen von der langweiligen Story gepaart mit der Kindersprache und Figuren, die mich kaltließen.

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler
Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic (November 2015)
Dressler, 19. November 2015
ISBN 3791519484
379 Seiten
Gebunden; 17,99 Euro
auch als Taschenbuch erhältlich

Reihenfolge:
1. Nightmares! – Die Schrecken der Nacht – Originaltitel: Nightmares!
2. Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler – Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic
3. Nightmares! – Die Jagd des Traumdiebs / Die Stunde der Ungeheuerr – Originaltitel: Nightmares! The Lost Lullaby

April-Liste

Umso aktiver meine Tochter wurde, umso weniger Zeit (und Energie) hatte ich fürs Lesen. Mit ihren zwei Monaten schlief sie dann auch immer lieber beim Stillen in meinem Arm ein und lag nicht mehr so entspannt auf meinem Bauch herum. Und wenn man ein Baby im Arm hält, liest es sich schwierig. Eine kurze Unterbrechung von der Lese-Abstinenz habe ich aber extra für Kurt gemacht. Und das hat sich gelohnt.

Gelesen:
Sarah Kuttner – Kurt

Gekauft:

Geschenkt:
Sarah Kuttner – Kurt

Rezensionsexemplare:

März-Liste

In meinem Wochenbett konnte ich ab und zu, wenn das Baby auf meiner Brust schlief, ein wenig lesen.
Viel war es aber nicht, denn ich war mit genesen, Besuch empfangen und ganz viel lieben beschäftigt.

Gelesen:
Courtney Summers – Sadie
Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini

Gekauft:

Geschenkt:

Rezensionsexemplare:
Courtney Summers – Sadie
Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini

Sarah Kuttner – Kurt

Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft. Es scheint, als wäre ihre größte Herausforderung, sich an die neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen, daran, dass Brandenburg nun Zuhaue sein soll. Doch als Kurts kleiner Sohn bei einem Sturz stirbt, bleiben drei Erwachsene zurück, die neu lernen müssen, wie man lebt. (Text der Titelklappe)

Schon mit ihrem Buch „180° Meer“ hat mich Sarah Kuttner vor drei Jahren begeistert. Nun hat sie es wieder geschafft.

„Kurt“ fühlte sich unfassbar real an. Vielleicht, weil ich so viel davon mit meiner eigenen Geschichte verbinden kann.
Es fängt schon mit dem Setting an. Brandenburg. Das Bundesland, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Erst mit 20 Jahren hab ich es verlassen. Kuttner hat es geschafft, mir wieder für seine Schönheit die Augen zu öffnen. Die Alleen und Seen, die Wälder und die Parks.

Hierhin hat es nun Lena und Kurt verschlagen, damit sie näher bei dem kleinen Kurt sein können. Die Vater-Sohn-Beziehung hatte unter der Entfernung Berlin-Oranienburg zu sehr gelitten.
Da sitzt Lena nun. Sie, das Großstadtmädchen, die Freiberuflerin, die Kinderlose. Plötzlich ist der Sohn ihres Freundes den halben Monat bei ihnen. Plötzlich muss sie sich mit Gärten und Hausrenovierungen auseinandersetzen. Plötzlich ist alles anders, aber nicht unbedingt weniger schön. Bis Kurt stirbt. Und Lena plötzlich mit einem verwaisten Vater zusammen ist.

Schon der Klappentext verrät den großen Knall. Ich wusste, was passieren wird und trotzdem habe ich Kurti mein Herz stehlen lassen. Dieser kleine, herzliche Junge mit den fehlenden Schneidezähnen und Spielzeugautos in der Hand. Voller Spannung und Angst habe ich jede Situation kritisch beäugt, in der sich Kurt befand. Bis es kam. Es.
Doch auch danach verlor das Buch nichts von seiner Anziehungskraft. Ich musste doch sehen, ob Lena und Kurt – und auch Klein-Kurts Mutter Jana – ein wenig heilen können.
Wie sehr mich das Buch in seinen Bann zog, konnte ich klar an Zahlen festmachen. Ich wollte nur mal kurz am ersten Abend reinlesen. Den ersten Satz lesen. Die erste Seite vielleicht. Dann war ich auf Seite 140 und musste ins Bett. Den Rest habe ich am nächsten Tage gelesen.

Sarah Kuttner schafft es aber auch jedes Mal, dass mein Herz aufgeht bei ihrer Art zu erzählen. Wenn Leute sich in Gedanken verbummeln und durch den Garten hotten, um die Blumen zu gießen, dann bin ich zuhause. Dann bin ich selber wieder in Brandenburg und kieke, anstatt zu gucken. Gerade mit dieser Art zu schreiben, schafft sie kleine Lichtstrahlen in all dem Grau des Buches. Ich musste nicht selten lachen und damit ist doch eine weitere Parallele in das echte Leben gezogen. So traurig alles ist, man sollte nicht sein Lachen verlieren.

Mit ihrer Sprache hat sie aber noch mehr geschafft, was mir erst aufgefallen ist, als das Buch beendet war. Ich habe sie vor mir gesehen – Lena, Kurt, Kurt, Jana, den Nachbarn, die Schwester. Als würde ich sie kennen. Dabei wurde nicht einer beschrieben. Ich weiß nicht mal, ob Kurti braune oder blonde Haare hat. Aber all das brauchte ich nicht, um das Gefühl zu bekommen, ich hätte die Personen alle schon mal gesehen.

„Kurt“ – ein Buch wie ein Bosse-Song. Melancholisch und leicht zugleich. Und ein bisschen Brandenburg-Romantik, wie in seinem Lied „Frankfurt Oder“.
Ich habe großes Glück. Ich weiß nicht, wie es ist, ein Kind zu verlieren. Aber einige Personen in meiner Familie wissen es. Und das Buch gibt mir die Kraft, mich das nächste Mal zu meiner Oma zu setzen, ihre Hand zu nehmen und zu fragen: „Sag doch mal, wie hast du das überlebt?“
Ich durfte dahingegen dieses Buch lesen, während meine neugeborene Tochter auf mir lag. Ich musste aufpassen, ihr nicht das Köpfchen nass zu weinen und sie gleichzeitig nicht beim Lachen zu sehr durchzuschütteln. Und vielleicht ist das alles, was man über „Kurt“ wissen muss.

Sarah Kuttner – Kurt
S. FISCHER, 13. März 2019
ISBN 3103974248
240 Seiten
Gebunden; 20,00 Euro

Ich lese jetzt „Kurt“ von Sarah Kuttner

Vor ziemlich genau drei Jahren hat mich Sarah Kuttner mit „180° Meer“ extrem positiv überrascht.
Als ich vor einigen Wochen sah, dass ein neues Buch von ihr herauskommt – und mich der Inhalt dazu so ansprach – kam es direkt auf meine Wunschliste. Und da blieb es nicht lang.

Nun werde ich meine freie Zeit mit dem großen und dem kleinen Kurt verbringen. Und mit Papa-Kurts Freundin Lena. Und ich werde dabei zusehen müssen, wie ihre heile Welt plötzlich implodiert.

Erster Satz:
„Kurt hat winzige Augen.“

Gewinnspiel: Hörspiel zum Film „Der Fall Collini“

[Gewinnspiel beendet]

©Constantin Film

Gestern konnte ich euch schon in meiner Rezension erzählen, wie begeistert ich vom Buch „Der Fall Collini“ bin und dass es schade ist, dass ich die Verfilmung, die am 18. April unter gleichem Titel ins Kino kommt, nicht sehen kann.

Inhaltlich hält sich der Film, unter der Regie von Marco Kreuzpaintner, an seine literarische Vorlage:

Anwalt Caspar Leinen (Elyas M‘Barek) gerät über eine Pflichtverteidigung an einen spektakulären Fall: Über 30 Jahre lang hat der 70-jährige Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) unbescholten in Deutschland gearbeitet und dann tötet er anscheinend grundlos den angesehenen Großindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in dessen Berliner Hotelsuite. Für Caspar steht weit mehr auf dem Spiel als sein erster großer Fall als Strafverteidiger. Das Opfer ist der Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara) und war wie ein Ersatzvater für Caspar. Zudem hat er mit der Strafverteidiger-Legende Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) einen Gegner, der ihm haushoch überlegen scheint. Caspar muss herausfinden, warum Collini ausgerechnet einen vorbildlichen Menschen wie Meyer ermordet hat. Auch das öffentliche Interesse an dem Fall ist immens, doch Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Als Caspar gegen alle Widerstände immer tiefer in den Fall eintaucht, wird er nicht nur mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, sondern stößt auf einen der größten Justizskandale der deutschen Geschichte und eine Wahrheit, von der niemand wissen will. (Kurzinhalt laut Presseheft)

©Constantin Film

Mit über 500.000 verkauften Exemplaren in Deutschland war das Buch ein großer Erfolg, der auch in weiteren Ländern veröffentlicht wurde.
Der Film ist prädestiniert für einen ähnlichen Erfolg, denn mit Elyas M’Barek, Alexandra Maria Lara, Heiner Lauterbach, Manfred Zapatka und Franco Nero sind große Namen im Cast enthalten.

Der Stoff spielt mit Fiktion und Realität in einer unglaublich interessanten und spannenden Weise. Das hat nicht nur im Buch super funktioniert, sondern wird auch auf der Leinwand seine Wirkung nicht verfehlen.
Ein großer Justizskandal, die Herausforderung der Darstellung verschiedener Zeitebenen und eine Starbesetzung sind nur drei Gründe für den Film. Auch die spannende Story mit einer wichtigen Moral reizen, wie der Regisseur Marco Kreuzpaintner aufzeigt:
„Mich hat vor allem das Thema Gerechtigkeit interessiert. Konkreter gesagt: die Frage, ob das, was wir Recht nennen, auch immer gerecht ist. Ich finde, DER FALL COLLINI ist etwas, das heutzutage sehr selten geworden ist, nämlich ein im besten Sinne „moralischer“ Filmstoff: eine Geschichte, in der man sich über eine Ungeheuerlichkeit empören darf und einen Helden dabei begleitet, wie er ein Stück weit für mehr Gerechtigkeit sorgt.[…] DER FALL COLLINI zeigt, dass es unsere urmenschlichste Pflicht ist, uns für Gerechtigkeit einzusetzen – und dass sich dieser Kampf auch immer lohnt.“

Wenn ihr noch nicht ganz überzeugt seid, schaut euch doch einfach den Trailer an:

©Constantin Film

Ihr könnt euch ein Bild von der Qualität machen, indem ihr an dem Gewinnspiel teilnehmt.
Ich darf an einen von euch ein Paket aus Hörspiel zum Film und Plakat verlosen.
Schreibt mir dazu einfach einen Kommentar. Angelehnt an den Inhalt des Films würde mich interessieren, ob ihr Fans von True-Crime-Storys seid oder euch die gute alte Fiktion lieber ist.

Ausgelost wird Montag, den 8. April 2019, 12 Uhr per Zufallsgenerator.
Der Gewinner oder die Gewinnerin wird per E-Mail und in diesem Beitrag benachrichtigt.

Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wenn ihr unter 18 Jahren seid, brauche ich die Einverständniserklärung eurer Eltern. Keine Barauszahlung, keine Gewähr. Rein zum Zweck des Gewinnversands wird eure Adresse an Dritte weitergegeben.

Gewonnen hat das dritte Kommentar, das von Holger kam. Herzlichen Glückwunsch!

Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini

Vierunddreißig Jahre hat Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann tötet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos, wie es aussieht. Ein Albtraum für den jungen Anwalt Caspar Leinen, der die Pflichtverteidigung übernimmt: Das Opfer, ein hoch angesehener deutscher Industrieller, ist der Großvater seines besten Freundes. Schlimmer noch, Fabrizio Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Leinen beginnt zu recherchieren und stößt auf eine Spur, die ihn mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte. (Text der Titelklappe)

Am 18. April kommt die Verfilmung dieses Buches in die Kinos. Ich hätte ihn so gern gesehen – und das nicht nur wegen Elyas M‘Barek in einer der Hauptrollen. Da meine Tochter erst wenige Wochen alt ist, wurde das mit dem Kino nichts, aber ich habe die literarische Vorlage als Rezensionsexemplar erhalten. Darüber habe ich mich wahnsinnig gefreut.

Nachdem der bisher vollkommen unauffällige Fabrizio Collini einen Industriellen kaltblütig erschießt und sich danach direkt der Polizei stellt, sind alle überfragt: Staatsanwaltschaft, Nebenklage und auch der Pflichtverteidiger Caspar Leinen. Denn obwohl Collini zu jeder Zeit gesteht, der Mörder zu sein, bleibt er darüber hinaus schweigsam. Leinen sucht deswegen fieberhaft nach dem Warum und stößt dabei auf allerhand Überraschungen und Skandale.

Ferdinand von Schirach ist selber Strafverteidiger und schafft es deswegen, diesen Roman überaus realistisch wirken zu lassen. Er gewährt einen Blick hinter die Kulissen – in die Richterzimmer, Hinterzimmer und Wohnzimmer der Anwälte dieses Landes.

Die Handlung des Romans ist sehr überschaubar. Sie beginnt mit dem Mord und zeichnet dann den Prozess nach, unterbrochen durch wenige Rückschauen und einige private Einblicke in das Leben des jungen Rechtsanwalts Leinen.
Die Wirkung der verschiedenen Teile ist vollkommen verschieden. Der Prozess ist sachlich, klar, scharf. Die Rückblenden leben von ihren atmosphärischen Bildern und emotionalen Worten. Beides entwickelte einen regelrechten Sog.

Vom ersten Satz an steckt man mitten in der Handlung. Man ist direkt mit Fabrizio Collini im Hotel auf dem Weg zur Suite des zukünftigen Mordopfers. Keine Schnörkel, kein künstliches Aufblähen. Damit ist die Spannung sofort hoch.
Auch sonst ist das Buch zwar nicht linear oder gar simpel, aber trotz Sackgassen und Wendungen auch nicht künstlich verlängert oder verkompliziert.

Trotz der wenigen Seiten und der meist geradlinigen Sprache kommen die Figuren und ihre Hintergrundgeschichten nicht zu kurz. Ich habe keine Ahnung, welche Haar- oder Augenfarbe Caspar Leinen hat. Ich weiß nicht, welche Farbe die Schuhe des Staatsanwalts haben – aber was ich kenne ist ihr Charakter. Mit wenigen Worten stellte von Schirach klar, wer wie einzuordnen ist, ohne dabei die Figuren schwarz oder weiß zu zeichnen. Man bekommt Einblicke in Seelenleben, Charaktereigenschaften und Lebensgeschichten.

Es ist ein großes Glück, dass Ferdinand von Schirach nicht nur Strafverteidiger geblieben ist, sondern anfing, seine Geschichten aufzuschreiben – sowohl die realen aus seiner Kanzlei als auch die fiktiven. Mit „Der Fall Collini“ hat er mir ein kurzweiliges und spannendes Buch beschert. Es gab Überraschungen, Wendungen und eine überzeugende Geschichte. Der „echte“ Einblick in die Arbeit der Justiz war dabei nur ein Bonus.
Die Geschichte von Fabrizio Collini hat definitiv das Potenzial, viele Leser nicht nur lesetechnisch, sondern auch emotional zu packen. Nur, weil es mich persönlich nicht auf der emotionalen Ebene bekommen hat, ziehe ich ein bisschen bei der Bewertung ab. Ich hatte aber trotzdem sehr viel Spaß mit dem Buch.

Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini
btb, 13. Februar 2017 (erstmals veröffentlicht 2011)
ISBN 3442714990
199 Seiten
Taschenbuch; 10,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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