April-Liste

Umso aktiver meine Tochter wurde, umso weniger Zeit (und Energie) hatte ich fürs Lesen. Mit ihren zwei Monaten schlief sie dann auch immer lieber beim Stillen in meinem Arm ein und lag nicht mehr so entspannt auf meinem Bauch herum. Und wenn man ein Baby im Arm hält, liest es sich schwierig. Eine kurze Unterbrechung von der Lese-Abstinenz habe ich aber extra für Kurt gemacht. Und das hat sich gelohnt.

Gelesen:
Sarah Kuttner – Kurt

Gekauft:

Geschenkt:
Sarah Kuttner – Kurt

Rezensionsexemplare:

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März-Liste

In meinem Wochenbett konnte ich ab und zu, wenn das Baby auf meiner Brust schlief, ein wenig lesen.
Viel war es aber nicht, denn ich war mit genesen, Besuch empfangen und ganz viel lieben beschäftigt.

Gelesen:
Courtney Summers – Sadie
Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini

Gekauft:

Geschenkt:

Rezensionsexemplare:
Courtney Summers – Sadie
Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini

Sarah Kuttner – Kurt

Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft. Es scheint, als wäre ihre größte Herausforderung, sich an die neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen, daran, dass Brandenburg nun Zuhaue sein soll. Doch als Kurts kleiner Sohn bei einem Sturz stirbt, bleiben drei Erwachsene zurück, die neu lernen müssen, wie man lebt. (Text der Titelklappe)

Schon mit ihrem Buch „180° Meer“ hat mich Sarah Kuttner vor drei Jahren begeistert. Nun hat sie es wieder geschafft.

„Kurt“ fühlte sich unfassbar real an. Vielleicht, weil ich so viel davon mit meiner eigenen Geschichte verbinden kann.
Es fängt schon mit dem Setting an. Brandenburg. Das Bundesland, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Erst mit 20 Jahren hab ich es verlassen. Kuttner hat es geschafft, mir wieder für seine Schönheit die Augen zu öffnen. Die Alleen und Seen, die Wälder und die Parks.

Hierhin hat es nun Lena und Kurt verschlagen, damit sie näher bei dem kleinen Kurt sein können. Die Vater-Sohn-Beziehung hatte unter der Entfernung Berlin-Oranienburg zu sehr gelitten.
Da sitzt Lena nun. Sie, das Großstadtmädchen, die Freiberuflerin, die Kinderlose. Plötzlich ist der Sohn ihres Freundes den halben Monat bei ihnen. Plötzlich muss sie sich mit Gärten und Hausrenovierungen auseinandersetzen. Plötzlich ist alles anders, aber nicht unbedingt weniger schön. Bis Kurt stirbt. Und Lena plötzlich mit einem verwaisten Vater zusammen ist.

Schon der Klappentext verrät den großen Knall. Ich wusste, was passieren wird und trotzdem habe ich Kurti mein Herz stehlen lassen. Dieser kleine, herzliche Junge mit den fehlenden Schneidezähnen und Spielzeugautos in der Hand. Voller Spannung und Angst habe ich jede Situation kritisch beäugt, in der sich Kurt befand. Bis es kam. Es.
Doch auch danach verlor das Buch nichts von seiner Anziehungskraft. Ich musste doch sehen, ob Lena und Kurt – und auch Klein-Kurts Mutter Jana – ein wenig heilen können.
Wie sehr mich das Buch in seinen Bann zog, konnte ich klar an Zahlen festmachen. Ich wollte nur mal kurz am ersten Abend reinlesen. Den ersten Satz lesen. Die erste Seite vielleicht. Dann war ich auf Seite 140 und musste ins Bett. Den Rest habe ich am nächsten Tage gelesen.

Sarah Kuttner schafft es aber auch jedes Mal, dass mein Herz aufgeht bei ihrer Art zu erzählen. Wenn Leute sich in Gedanken verbummeln und durch den Garten hotten, um die Blumen zu gießen, dann bin ich zuhause. Dann bin ich selber wieder in Brandenburg und kieke, anstatt zu gucken. Gerade mit dieser Art zu schreiben, schafft sie kleine Lichtstrahlen in all dem Grau des Buches. Ich musste nicht selten lachen und damit ist doch eine weitere Parallele in das echte Leben gezogen. So traurig alles ist, man sollte nicht sein Lachen verlieren.

Mit ihrer Sprache hat sie aber noch mehr geschafft, was mir erst aufgefallen ist, als das Buch beendet war. Ich habe sie vor mir gesehen – Lena, Kurt, Kurt, Jana, den Nachbarn, die Schwester. Als würde ich sie kennen. Dabei wurde nicht einer beschrieben. Ich weiß nicht mal, ob Kurti braune oder blonde Haare hat. Aber all das brauchte ich nicht, um das Gefühl zu bekommen, ich hätte die Personen alle schon mal gesehen.

„Kurt“ – ein Buch wie ein Bosse-Song. Melancholisch und leicht zugleich. Und ein bisschen Brandenburg-Romantik, wie in seinem Lied „Frankfurt Oder“.
Ich habe großes Glück. Ich weiß nicht, wie es ist, ein Kind zu verlieren. Aber einige Personen in meiner Familie wissen es. Und das Buch gibt mir die Kraft, mich das nächste Mal zu meiner Oma zu setzen, ihre Hand zu nehmen und zu fragen: „Sag doch mal, wie hast du das überlebt?“
Ich durfte dahingegen dieses Buch lesen, während meine neugeborene Tochter auf mir lag. Ich musste aufpassen, ihr nicht das Köpfchen nass zu weinen und sie gleichzeitig nicht beim Lachen zu sehr durchzuschütteln. Und vielleicht ist das alles, was man über „Kurt“ wissen muss.

Sarah Kuttner – Kurt
S. FISCHER, 13. März 2019
ISBN 3103974248
240 Seiten
Gebunden; 20,00 Euro

Ich lese jetzt „Kurt“ von Sarah Kuttner

Vor ziemlich genau drei Jahren hat mich Sarah Kuttner mit „180° Meer“ extrem positiv überrascht.
Als ich vor einigen Wochen sah, dass ein neues Buch von ihr herauskommt – und mich der Inhalt dazu so ansprach – kam es direkt auf meine Wunschliste. Und da blieb es nicht lang.

Nun werde ich meine freie Zeit mit dem großen und dem kleinen Kurt verbringen. Und mit Papa-Kurts Freundin Lena. Und ich werde dabei zusehen müssen, wie ihre heile Welt plötzlich implodiert.

Erster Satz:
„Kurt hat winzige Augen.“

Gewinnspiel: Hörspiel zum Film „Der Fall Collini“

[Gewinnspiel beendet]

©Constantin Film

Gestern konnte ich euch schon in meiner Rezension erzählen, wie begeistert ich vom Buch „Der Fall Collini“ bin und dass es schade ist, dass ich die Verfilmung, die am 18. April unter gleichem Titel ins Kino kommt, nicht sehen kann.

Inhaltlich hält sich der Film, unter der Regie von Marco Kreuzpaintner, an seine literarische Vorlage:

Anwalt Caspar Leinen (Elyas M‘Barek) gerät über eine Pflichtverteidigung an einen spektakulären Fall: Über 30 Jahre lang hat der 70-jährige Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) unbescholten in Deutschland gearbeitet und dann tötet er anscheinend grundlos den angesehenen Großindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in dessen Berliner Hotelsuite. Für Caspar steht weit mehr auf dem Spiel als sein erster großer Fall als Strafverteidiger. Das Opfer ist der Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara) und war wie ein Ersatzvater für Caspar. Zudem hat er mit der Strafverteidiger-Legende Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) einen Gegner, der ihm haushoch überlegen scheint. Caspar muss herausfinden, warum Collini ausgerechnet einen vorbildlichen Menschen wie Meyer ermordet hat. Auch das öffentliche Interesse an dem Fall ist immens, doch Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Als Caspar gegen alle Widerstände immer tiefer in den Fall eintaucht, wird er nicht nur mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, sondern stößt auf einen der größten Justizskandale der deutschen Geschichte und eine Wahrheit, von der niemand wissen will. (Kurzinhalt laut Presseheft)

©Constantin Film

Mit über 500.000 verkauften Exemplaren in Deutschland war das Buch ein großer Erfolg, der auch in weiteren Ländern veröffentlicht wurde.
Der Film ist prädestiniert für einen ähnlichen Erfolg, denn mit Elyas M’Barek, Alexandra Maria Lara, Heiner Lauterbach, Manfred Zapatka und Franco Nero sind große Namen im Cast enthalten.

Der Stoff spielt mit Fiktion und Realität in einer unglaublich interessanten und spannenden Weise. Das hat nicht nur im Buch super funktioniert, sondern wird auch auf der Leinwand seine Wirkung nicht verfehlen.
Ein großer Justizskandal, die Herausforderung der Darstellung verschiedener Zeitebenen und eine Starbesetzung sind nur drei Gründe für den Film. Auch die spannende Story mit einer wichtigen Moral reizen, wie der Regisseur Marco Kreuzpaintner aufzeigt:
„Mich hat vor allem das Thema Gerechtigkeit interessiert. Konkreter gesagt: die Frage, ob das, was wir Recht nennen, auch immer gerecht ist. Ich finde, DER FALL COLLINI ist etwas, das heutzutage sehr selten geworden ist, nämlich ein im besten Sinne „moralischer“ Filmstoff: eine Geschichte, in der man sich über eine Ungeheuerlichkeit empören darf und einen Helden dabei begleitet, wie er ein Stück weit für mehr Gerechtigkeit sorgt.[…] DER FALL COLLINI zeigt, dass es unsere urmenschlichste Pflicht ist, uns für Gerechtigkeit einzusetzen – und dass sich dieser Kampf auch immer lohnt.“

Wenn ihr noch nicht ganz überzeugt seid, schaut euch doch einfach den Trailer an:

©Constantin Film

Ihr könnt euch ein Bild von der Qualität machen, indem ihr an dem Gewinnspiel teilnehmt.
Ich darf an einen von euch ein Paket aus Hörspiel zum Film und Plakat verlosen.
Schreibt mir dazu einfach einen Kommentar. Angelehnt an den Inhalt des Films würde mich interessieren, ob ihr Fans von True-Crime-Storys seid oder euch die gute alte Fiktion lieber ist.

Ausgelost wird Montag, den 8. April 2019, 12 Uhr per Zufallsgenerator.
Der Gewinner oder die Gewinnerin wird per E-Mail und in diesem Beitrag benachrichtigt.

Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wenn ihr unter 18 Jahren seid, brauche ich die Einverständniserklärung eurer Eltern. Keine Barauszahlung, keine Gewähr. Rein zum Zweck des Gewinnversands wird eure Adresse an Dritte weitergegeben.

Gewonnen hat das dritte Kommentar, das von Holger kam. Herzlichen Glückwunsch!

Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini

Vierunddreißig Jahre hat Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann tötet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos, wie es aussieht. Ein Albtraum für den jungen Anwalt Caspar Leinen, der die Pflichtverteidigung übernimmt: Das Opfer, ein hoch angesehener deutscher Industrieller, ist der Großvater seines besten Freundes. Schlimmer noch, Fabrizio Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Leinen beginnt zu recherchieren und stößt auf eine Spur, die ihn mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte. (Text der Titelklappe)

Am 18. April kommt die Verfilmung dieses Buches in die Kinos. Ich hätte ihn so gern gesehen – und das nicht nur wegen Elyas M‘Barek in einer der Hauptrollen. Da meine Tochter erst wenige Wochen alt ist, wurde das mit dem Kino nichts, aber ich habe die literarische Vorlage als Rezensionsexemplar erhalten. Darüber habe ich mich wahnsinnig gefreut.

Nachdem der bisher vollkommen unauffällige Fabrizio Collini einen Industriellen kaltblütig erschießt und sich danach direkt der Polizei stellt, sind alle überfragt: Staatsanwaltschaft, Nebenklage und auch der Pflichtverteidiger Caspar Leinen. Denn obwohl Collini zu jeder Zeit gesteht, der Mörder zu sein, bleibt er darüber hinaus schweigsam. Leinen sucht deswegen fieberhaft nach dem Warum und stößt dabei auf allerhand Überraschungen und Skandale.

Ferdinand von Schirach ist selber Strafverteidiger und schafft es deswegen, diesen Roman überaus realistisch wirken zu lassen. Er gewährt einen Blick hinter die Kulissen – in die Richterzimmer, Hinterzimmer und Wohnzimmer der Anwälte dieses Landes.

Die Handlung des Romans ist sehr überschaubar. Sie beginnt mit dem Mord und zeichnet dann den Prozess nach, unterbrochen durch wenige Rückschauen und einige private Einblicke in das Leben des jungen Rechtsanwalts Leinen.
Die Wirkung der verschiedenen Teile ist vollkommen verschieden. Der Prozess ist sachlich, klar, scharf. Die Rückblenden leben von ihren atmosphärischen Bildern und emotionalen Worten. Beides entwickelte einen regelrechten Sog.

Vom ersten Satz an steckt man mitten in der Handlung. Man ist direkt mit Fabrizio Collini im Hotel auf dem Weg zur Suite des zukünftigen Mordopfers. Keine Schnörkel, kein künstliches Aufblähen. Damit ist die Spannung sofort hoch.
Auch sonst ist das Buch zwar nicht linear oder gar simpel, aber trotz Sackgassen und Wendungen auch nicht künstlich verlängert oder verkompliziert.

Trotz der wenigen Seiten und der meist geradlinigen Sprache kommen die Figuren und ihre Hintergrundgeschichten nicht zu kurz. Ich habe keine Ahnung, welche Haar- oder Augenfarbe Caspar Leinen hat. Ich weiß nicht, welche Farbe die Schuhe des Staatsanwalts haben – aber was ich kenne ist ihr Charakter. Mit wenigen Worten stellte von Schirach klar, wer wie einzuordnen ist, ohne dabei die Figuren schwarz oder weiß zu zeichnen. Man bekommt Einblicke in Seelenleben, Charaktereigenschaften und Lebensgeschichten.

Es ist ein großes Glück, dass Ferdinand von Schirach nicht nur Strafverteidiger geblieben ist, sondern anfing, seine Geschichten aufzuschreiben – sowohl die realen aus seiner Kanzlei als auch die fiktiven. Mit „Der Fall Collini“ hat er mir ein kurzweiliges und spannendes Buch beschert. Es gab Überraschungen, Wendungen und eine überzeugende Geschichte. Der „echte“ Einblick in die Arbeit der Justiz war dabei nur ein Bonus.
Die Geschichte von Fabrizio Collini hat definitiv das Potenzial, viele Leser nicht nur lesetechnisch, sondern auch emotional zu packen. Nur, weil es mich persönlich nicht auf der emotionalen Ebene bekommen hat, ziehe ich ein bisschen bei der Bewertung ab. Ich hatte aber trotzdem sehr viel Spaß mit dem Buch.

Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini
btb, 13. Februar 2017 (erstmals veröffentlicht 2011)
ISBN 3442714990
199 Seiten
Taschenbuch; 10,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Februar-Liste

Im Februar habe ich meine Tochter zur Welt gebracht. Die Tage davor habe ich – wie schon im Januar – nur noch auf der Couch gelegen und nichts getan. Und die Tage nach der Geburt habe ich dann sehr viel die Kleine angeguckt und auch nicht gelesen.

Gelesen:

Gekauft:

Geschenkt:

Rezensionsexemplare:

Ich lese jetzt „Der Fall Collini“ von Ferdinand von Schirach

Am 18. April 2019 kommt „Der Fall Collini“ in die Kinos. Im Zuge dessen habe ich die literarische Vorlage als Rezensionsexemplar erhalten. Und das freut mich ganz besonders, denn schon seit Jahren liebäugele ich mit von Schirachs Erzählbänden, wie „Verbrechen“ und „Schuld“, in denen er echte Fälle aus seiner Kanzlei beschreibt.

„Der Fall Collini“ ist zwar ein Roman, aber ganz sicher nicht weniger spannend als die realen Fälle.
Es geht um Fabrizio Collini, der einen Industriellen kaltblütig in seiner Hotelsuite umbringt. Danach setzt er sich in die Lobby und stellt sich der Polizei. Die Justiz versucht nun zu klären: Was hat den bisher vollkommen unauffälligen Mann zu dieser Tat bewogen?

Erster Satz:
„Später würden sich alle daran erinnern, der Etagenkellner, die beiden älteren Damen im Aufzug, das Ehepaar auf dem Flur im vierten Stock.“

Januar-Liste

Den kompletten Januar war ich im Mutterschutz. Ich hatte mich darauf gefreut, so richtig schön viel zu lesen. Den SuB nochmal so richtig abbauen. Und was war? Nichts. Ich habe nicht ein Buch gelesen.
Nur, wenn ich am CTG lag, um die Wehentätigkeit und die Herztöne des Babys zu überprüfen, habe ich ein paar Minuten gelesen. In der restlichen Zeit habe ich noch einige Dinge erledigt und mich eher vor den Fernseher geschmissen und am Handy gespielt.

Gelesen:

Gekauft:

Geschenkt:

Rezensionsexemplare:

Courtney Summers – Sadie

Sadie ist verschwunden. Die Polizei findet nichts als ein verlassenes Auto und ihren Rucksack. Auf flehende Bitte von Sadies Ersatzoma nimmt ein Journalist die Suche auf.

In seinem Podcast folgt West McCray Sadies Spuren und gräbt in ihrer Familiengeschichte. Erst vor Kurzem wurde Sadies Schwester Mattie ermordet aufgefunden. Auch wenn er die Zusammenhänge noch nicht versteht, spürt McCray intuitiv: Er darf keine Zeit verlieren.

Sadie hätte alles gegeben, um ihre kleine Schwester zu schützen. Jetzt bleibt ihr nur noch eines – sie muss Matties Mörder finden. Koste es, was es wolle. (Klappentext)

Sadie hatte bisher kein einfaches Leben. Sie wuchs ohne Vater, dafür mit einer drogenabhängigen Mutter und ihren wechselnden Verehrern in einem Trailerpark auf. Als sie sechs Jahre alt war, kam ihre Schwester Mattie zur Welt und damit begann ihre eigene zu leuchten. Plötzlich war da so viel Liebe, die sie von ihrer Mutter nicht kannte. Sie hat alles für Mattie getan, wollte sie nur glücklich sehen. Das zerbrach, als Mattie umgebracht wurde. Alles, was Sadie bleibt, ist der Wunsch, Matties Mörder zu finden und ihre Schwester zu rächen.

Die Geschichte um Sadie und Mattie wird abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt. Zum einen folgt man Sadie auf der Suche nach dem Mörder und zum anderen dem Podcast, der einige Monate nach Sadies Verschwinden – und damit auch ihrem Teil der Geschichte – spielt.
Daraus ergeben sich zwei komplett verschiedene Erzählweisen: Sadie beschreibt alles Erlebte tiefgründig und emotional, West McCray sachlich mit verschiedenen Interviewpartnern.

Die Story an sich ist prinzipiell eine altbekannte. Bücher über verschwundene Kinder gibt es wie Sand am Meer. Der Podcast macht das Ganze aber modern, frisch und bietet ein anderes Leseerlebnis. Schade ist dabei nur, dass sich das meiste doppelt. Alles, was man in Sadies Teilen hautnah miterlebt, wird von West McCray nach und nach aufgedeckt und nachverfolgt. Nichtsdestotrotz mochte ich diese Teile sehr gern – eben weil es besonders war.

Das Buch lebt vor allem davon, dass der Leser in die Geschichte von Sadie hineingezogen werden und mitfühlen muss. Der Leser muss ihr gebrochenes Herz fühlen und verstehen, warum für Sadie ohne Mattie nichts mehr von Wert ist. Er muss die Jagd quer durch die USA, das Nachgehen kleinster Hinweise und Puzzleteile nachvollziehen können.
Das Problem: Ich konnte das alles nicht. Sadie war für mich unnahbar und trotz ihrer tragischen Vergangenheit und großen Liebe zu ihrer kleinen Schwester unsympathisch. Ich baute keine Verbindung zu ihr auf.

Das Buch versuchte manche Details lange für sich zu behalten, um dann nach und nach die Umstände von Matties Tod und Sadies Suche nach dem Mörder aufzudecken. Doch die Details wurden nie mit einem großem Wumms entschlüsselt, sondern eher neben bei. Manches kann man vorher schon vermuten, anderes bleibt seltsam uninteressant.
Das wären immerhin die Stellen gewesen, in denen das Buch mit Spannung hätte glänzen können, aber leider hat es das – für mich – nicht geschafft. Insgesamt fehlte mir die Spannung. Mattie war schon zu Beginn des Buches tot und ich hatte keine Beziehung zu ihr, brauchte dementsprechend keine Rache für sie. Sadie fuhr von Station zu Station, um den Mörder zu finden. Das war manchmal langwierig und gab keinen Thrill her. Und auch das Ende war für mich nicht befriedigend.

Zusätzlich ist schade, dass der „Spannungsmacher“ auf dem Titel („Stirbt sie, wird niemand die Wahrheit erfahren.“) nicht stimmt. West McCray schafft es nach und nach den Weg von Sadie nachzuvollziehen und Geheimnisse aufzudecken. Da ist es vollkommen irrelevant, ob sie gefunden wird oder nicht.

Sadies Suche nach dem Mörder ihrer Schwester und die Suche des Journalisten nach Sadie hätte wirklich cool werden können. Spannend, aufregend, modern und berührend. Es blieb auf der Stufe „interessant“, das Leben aller Protagonisten kennenzulernen, doch egal, wie dramatisch es war, es kam nie zu mir durch. Durch den Podcast war das Buch trotzdem neu, modern und machte mir in Teilen Spaß. Dafür gibt es .

Courtney Summers – Sadie
Originaltitel: Sadie (September 2018)
Beltz & Gelberg, 7. Februar 2019
ISBN 340781240X
359 Seiten
Broschiert; 16,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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