David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück

© 2020 eOne Germany

Vom verarmten Waisenkind zum gefeierten, strahlenden Schriftsteller – und dazwischen jede Menge spannende, skurrile, lustige und bewegende Ereignisse: Charles Dickens‘ berühmte, halbbiografische Geschichte wird in „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“ mit viel frischem Wind, Humor und einer großartigen Besetzung neu aufgelegt.

Ab dem 24. September 2020 könnt ihr diesen Film im Kino sehen.

David lebt mit seiner Mutter friedlich im viktorianischen England – auch dank der herzensguten Haushälterin Peggotty erlebt er wundervolle Jahre. Bis seine Mutter den kalten und grausamen Mr. Murdstone heiratet. Der Junge wird nach London geschickt, um dort in einer Flaschenfabrik harte Arbeit zu verrichten. Hier wird er seine nächsten Jahre verbringen, bis er nach einem Schicksalsschlag zu seiner Tante Betsey flieht. Und das sollte nicht die einzige Station auf seinem Weg zum gefeierten Schriftsteller bleiben…

David Copperfield (Dev Patel) gibt
sich alle Mühe, die Übersicht zu
behalten.
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„David Copperfield“ war der achte Roman von Charles Dickens und erschien 1850. Es gab schon ein paar Filmadaptionen, doch die konzentrierten sich auf die Dramen und den Plot. Der Regisseur Armando Iannucci wollte es nun anders machen und rückte die komischen Highlights des Buches in den Vordergrund.

Das funktionierte für mich wunderbar. Denn sind wir ehrlich: Die Geschichte an sich, die Lebensstationen von David mit allen positiven und negativen Entwicklungen, war für mich nicht das Spannendste. Ich blieb nicht am Ball, um zu erfahren, wie es mit David weitergeht. Ich blieb am Ball, um die Figuren weiter kennenzulernen und mich von der nächsten skurrilen Situation erheitern zu lassen.

Tante Betsey (Tilda Swinton)
versucht, ungebetene Gäste von
ihrem Grundstück zu verscheuchen.
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Iannucci schaffte es, eine Reihe an hochkarätigen Schauspielern für den Film zu gewinnen. Dev Patel („Slumdog Millionär“, „Lion – Der lange Weg nach Hause“), Tilda Swinton („Snowpiercer“, „Grand Budapest Hotel”) und Hugh Laurie („Dr. House“) sind auf den ersten Blick sicher die bekanntesten, doch auch alle anderen schaffen es zu überzeugen: Aneurin Barnard („Dunkirk“), Gwendoline Christie („Game of Thrones“) und Ben Wishaw (Jean-Baptiste Grenouille in „Das Parfum“) als Uriah Heep. Vor allem letztere Figur begegnet einem immer wieder. Egal ob im Namen der Hardrock-Band Uriah Heep oder beim Buch „Die unglaubliche Flucht des Uriah Heep“ von H. G. Parry.
Doch nicht nur die Schauspieler an sich überzeugen, sondern auch die Figuren. Sie sind alle eigen, besonders und auf angenehme Art verschroben. Iannucci, der auch für das Drehbuch verantwortlich war, lässt sie dabei nie ins Lächerliche rutschen, sondern lässt sie in all ihrer Überspitzheit liebenswert bleiben. Und die Unsympathen brauchen keine Waffen oder Extreme – Blicke, Gesten und Worte reichen.

Mr. Micawber (Peter Capaldi)
unterrichtet an David Copperfields
Universität.
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Sie alle schaffen es in Kombination mit dem Szenenbild eine ganz besondere Atmosphäre zu kreieren. Dabei sind die schöne Landschaft und die Straßen des viktorianischen Englands schon fast ein Selbstläufer, der garniert wurde mit Besonderheiten wie das umgedrehte Schiffshaus am Strand von Yarmouth oder die opulente Eliteschule.
Ergänzt wurde das alles durch wundervolle Effekte, die mir immer mal wieder das Gefühl gaben, ich würde ein Theaterstück sehen. Bildgewordene Gedanken erscheinen auf nebenbei aufgehängten Tüchern, einfallende Wände zeigen Geschehnisse in einem anderen Land. So etwas wie bei „David Copperfield“ habe ich noch nie gesehen.

Ich bin ein bisschen verliebt in die Bilder, die der Film mir zeigte und die Figuren, die er mich kennenlernen ließ. Ich lachte über den verschrobenen Mr. Dick (Hugh Laurie), wünschte Mr. Micawber, dass er sich auch dieses Mal wieder aufrappelt, und schloss Peggotty ganz fest ins Herz.
Doch bei der Geschichte dahinter fehlte es mir an Spannung. Charles Dickens verarbeitete in seinem Buch viele seiner eigenen Erlebnisse und so traurig vieles davon war, sie rissen mich nicht mit. Ich wurde von der Tragik weder bewegt noch berührt. Es waren einzelne Gespräche und Szenen, die mir Spaß brachten.


[Beendet Gewinnspiel:
[
Butter bei die Fische: Bei dem Namen David Copperfield kam mir bisher immer der Magier in den Kopf und bei Charles Dickens dachte ich an die Weihnachtsgeschichte. Doch dieser Film änderte alles und mein Horizont hat sich ein ganzes Stück erweitert.
Damit es euch auch so geht, darf ich ein Exemplar des Buches verlosen.

Schreib mir dazu einfach in die Kommentare, ob du bisher im Team „Copperfield? Is‘ das nicht der Magier… hier, der mit Claudia Schiffer?!“ oder „Hmm, ja, hat Dickens geschrieben, nich?“ warst und schon bist du im Lostopf.

Schau auch gern bei Zacksmovie vorbei, um die Chance auf passende Kinotickets zu erhalten.

Ausgelost wird am Sonntag, den 20. September 2020, 12 Uhr per Zufallsgenerator. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird per E-Mail und in diesem Beitrag benachrichtigt.

Gewinner:
Zur Transparenz: Zwischendurch wurde ein Kommentar auf einen bestehenden Kommentar abgegeben, weswegen die Kommentare 2-27 jeweils um einen verschoben sind. Im Backend habe ich nach den Einstellungszeiten der Kommentare gezählt. Letztlich war diese Verschiebung jedoch nicht relevant, denn gewonnen hat der Kommentar mit der Nummer 52. Herzlichen Glückwunsch, Helmut!

Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wenn du unter 18 Jahren bist, brauche ich die Einverständniserklärung deiner Eltern. Keine Barauszahlung, keine Gewähr. Rein zum Zweck des Gewinnversands wird eure Adresse an Dritte weitergegeben.

Anne Freytag – Aus schwarzem Wasser

Das Meer ist der Ursprung allen Lebens – und verbirgt eine tödliche Bedrohung

Ungebremst rast Dr. Patricia mit ihrem Dienstwagen in die Spree. Mit dabei: ihre Tochter Maja. »Du kannst niemandem trauen, sie stecken alle mit drin«, ist das Letzte, was die Innenministerin sagt, kurz bevor sie ertrinkt. Auch Maja stirbt – wacht jedoch wenige Stunden später unversehrt in einem Leichensack im Krankenhaus wieder auf… (Klappentext)

Was für ein Plot!
Das Buch wirft einen mittenrein in den Moment, als Patricia stirbt. Keine lange Vorrede, kein unnötiger Schnick-Schnack. Anne Freytag will es wissen bei ihrem Thriller-Debüt.
Die Spannung wurde an der Stelle so hoch getrieben, ich konnte kaum aufhören, zu lesen.
Ich las das Buch in einer Leserunde mit meiner besten Freundin und das Tagespensum von 30 Seiten pro Tag wurde von uns beiden schnell überschritten.
Man konnte an so vielen Stellen miträtseln: Was ist bei dem Unfall passiert? War es wirklich ein Unfall? Was bedeuten Patricias letzten Worte? Und warum hat Maja überlebt, obwohl bei ihr doch zweifelsfrei der Tod festgestellt wurde?
Ich war gespannt darauf, Maja bei ihrem Versuch, die Fragen zu beantworten, zu begleiten. Gemeinsam mit ihrer Affäre Daniel und dem ehemalige Kollegen ihrer Mutter – und Vater ihrer besten Freundin -, Robert Stein, stößt sie auf Geheimnisse, die bis fast 20 Jahre in die Vergangenheit reichen. Geheimnisse, die gefährlich für die ganze Welt werden können und doch so untrennbar mit Majas Leben verknüpft sind.

Vor allem auch durch das gemeinsame Lesen war die Leseerfahrung unglaublich intensiv. Selten denke ich so sehr über das nach, was noch kommen kann und stelle so viele Spekulationen an.

Anfangs war ich wirklich überzeugt, dass ich hier ein potenzielles 5-Sterne-Buch in den Händen halte. Ich war so begeistert.

Auch die Sprache gefiel mir unfassbar gut. Anne Freytag malte Bilder mit den Wörtern, die wunderschön und besonders waren. Sie beschrieb vergleiche, die einerseits poetisch waren und mich andererseits mit starker Wucht trafen.
Das ganze Buch ist so kraftvoll geschrieben. Ich war begeistert.
In Kombination mit den kurzen Kapiteln, Perspektivwechseln und Zeitenwechseln merkte ich kaum, wie ich durch die Seiten flog.

Doch circa ab der Hälfte des Buches machte Anne Freytag immer mehr Baustellen auf. Sie verhedderte sich nie und schaffte es auch, alles so darzustellen, dass man folgen kann, aber es war mir zu viel. Soziale Missstände, politische Fragwürdigkeiten, Umweltverschmutzung, gesellschaftliche Ungerechtigkeiten – Freytag hielt mit ihrer Gesellschaftskritik nicht hinterm Berg.
Politik nahm in dem Buch generell eine große Rolle ein – nicht nur, weil Patricia die Innenministerin war.
Generell hat sich der Fokus sehr verschoben. Die Fragen des Anfangs rückten sehr in den Hintergrund. Und damit ging die Spannung bei mir vollkommen flöten. Es wurde immer politischer, es gab Verwicklungen, man wusste nicht, wem man trauen kann, Geheimdienste, illegale Forschungen… es war einfach irgendwann viel.
Allerhand Wendungen, Irrungen und Wirrungen taten dann ihr Übriges.

Umso weiter ich im Buch voranschritt, umso mehr merkte ich auch, dass ich keinen Bezug zu den Figuren habe. Niemand war mir sympathisch, alle blieben distanziert und ich schien immer nur an der Oberfläche der Menschen zu kratzen.
Es gab ein paar Liebesgeschichten im Buch – und keine war für mich glaubwürdig. Ich habe absolut nicht verstanden, was die Paare aneinander finden.

Letztlich ist das Buch für mich ein Agententhriller, dem der Thrill fehlte.
Vor allem auch durch das intensive gemeinsame Besprechen des Buches fielen an der einen oder anderen Stelle Logiklöcher und unbeantwortete Fragen auf.

„Aus schwarzem Wasser“ ist ein absoluter Pageturner, den ich auch in der zweiten – für mich deutlich uninteressanteren – Hälfte gern zur Hand nahm. Allein für die Sprache hätte es sich schon gelohnt. Aber auch die Grundidee war klasse. Anne Freytag verknüpfte hier Elemente, die es nicht oft zu lesen gibt – wenn es sie denn überhaupt schon mal gab.
Trotzdem ging dem Buch zum Ende hin deutlich die Luft aus. Oder wie meine beste Freundin sieben Seiten vor Schluss sagte: „Puh, ich bin raus!“

Anne Freytag – Aus schwarzem Wasser
dtv bold, 21. August 2020
ISBN 3423230193
598 Seiten
Broschiert; 16,90 Euro

Andere Bücher der Autorin (klicke für die Rezension):

Ich lese jetzt „Aus schwarzem Wasser“ von Anne Freytag

Ich glaube, ich habe es noch nie gesagt, aber: Ich bin eine sehr glückliche Bücherliebhaberin, denn alle meine engsten Freunde lesen ebenfalls. Die einen mehr (als ich), die anderen weniger. Aber die Liebe zu Büchern können sie alle nachempfinden.
Darum kann ich das neueste Buch – und den ersten Thriller – von Anne Freytag zusammen mit meiner besten Freundin lesen. Zwischen kleinen und größeren Kindern, Haushalt und Arbeit, Familie und Freunden finden wir kleine Oasen aus Lesezeit füreinander. Und ich freue mich wahnsinnig darüber.

Normalerweise sage ich an dieser Stelle, worum es in dem Buch geht, aber ich weiß es gar nicht. Ich habe den Klappentext nicht gelesen. Ich habe das Buch quasi blind gekauft, weil es von Anne Freytag ist und ich ihre Bücher liebe.

Erster Satz:
„Der Ausdruck verschwindet aus ihren Augen.“

August-Liste

Im August habe ich es buchkauftechnisch mal wieder krachen lassen. Aber wusstet ihr, dass es in 1-Euro-Läden (die mittlerweile 1,10-Euro-Läden sind) Bücher gibt? Ich habe dort fünf Stück mitgenommen, alle innerhalb der letzten drei Jahre erschienen. Unter anderem waren die beiden von Christoph Marzi und Morton Rhue dabei. Und da kann man ja nun wirklich nichts sagen. Außerdem hat es mich auch mal wieder zu Thalia verschlagen und ich habe einfach mal zwei, drei Bücher mitgenommen, die gerade so durch Bookstagram geistern. „Wenn zwei sich texten“ hatte ich dann sofort gelesen und war direkt schon mal enttäuscht. Schlecht influencen lassen sozusagen.
Bei Hugendubel habe ich „Wie die Ruhe vor dem Sturm“ gewonnen, das ja auch gerade überall wahnsinnig gut ankommt. Mal sehen, wann ich es zur Hand nehmen werde.
Gerade weil ich so viel dazubekommen habe, musste auch einiges gehen. Das klappt mittlerweile ganz gut bei mir.

Gelesen:
Lana Wood Johnson – Wenn zwei sich texten
Helmut Barz – Brumm!

Gekauft:
Christoph Marzi – Der letzte Film des Abraham Tenenbaum
Morton Rhue – Dschihad Online
Nana Rademacher – Wir waren hier
Nora Miedler – Funkentanz
Isabel Beto – Im Land des Wassermondes
Lana Wood Johnson – Wenn zwei sich texten
Nicola Schmidt – Artgerecht – Das andere Kleinkinderbuch
Danielle Graf – Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn
Alana Falk – Lost Love
Maggie Stiefvater – Rot wie das Meer
Anne Freytag – Aus schwarzem Wasser
Lena Kiefer – Ophelia Scale – Die Welt wird brennen

Geschenkt:

Rezensionsexemplare:

Gewonnen:
Brittainy C. Cherry – Wie die Ruhe vor dem Sturm

Aussortiert:
Claire Winter – Die geliehene Schuld
Martina Paura – Love Sheriffs
Catriona McCloud – Mr. Right, Lady Di und ich
Steve Stern – Der gefrorene Rabbi
Marina Lewycka – Das Leben kleben
Christina Lauren – Beautiful Secret
Ingeborg Seltmann – Mehr Zeit mit Horst
Samantha Young – Dublin Street
Mary dearborn – Henry Miller
Steffi von Wolff – Mundgeblasen
John Hart – Das eiserne Haus
Kami Garcia & Margaret Stohl – Sixteen Moons
Roderick Gordon & Brian Williams – Tunnel – Das Licht der Finsternis
Sophia Bennett – Wie Zuckerwatte mit Silberfäden
Shilpi Somaya Gowda – Geheime Tochter
Hanif Kureishi – Das sag ich dir

Schubladendenken mit #1sommer1buch

Ich habe eine Frage: Hast du noch Geschichten in der Schublade, die du gern als Buch veröffentlichen würdest?
Am 15. Juli diesen Jahres hat story.one eine fantastische Challenge gestartet und ganz bald endet sie. Du hast noch bis zum 15. September Zeit, an der Summer-Challenge #1sommer1buch teilzunehmen. Wenn du nur ein paar einfache Voraussetzungen erfüllst, schenkt dir story.one zwei Exemplare deines eigenen Buchs.

Aber zurück zum Anfang:
Buch oder eBook Reader? Schreiben oder tippen? Schwer schleppen oder hunderte Kilos auf Einsen und Nullen geschrumpft? Der eine bevorzugt die eine Variante und der andere die andere. Doch es gibt eine Möglichkeit, beides zu kombinieren. Und dabei hilf die Plattform story.one.

In dieser digitalen Community sind schon über 20.000 Geschichten aus dem echten Leben von mehr als 2.500 Menschen zusammengekommen. Die Autoren können sie dort in ihrem eigenen STORYbook veröffentlichen. Und letztlich können sie all die Geschichten, die ihr Leben ausmachen, sogar mit eigener ISBN in den Buchhandel zu bringen. Mittlerweile gingen sogar schon zwei Bestseller daraus hervor.

Während die Geschichten gesammelt werden, können sie – wie wir es aus Social Media kennen und lieben – geliket, geteilt und kommentiert werden. Durch das Freigeben der Kommentare durch die Autorinnen und Autoren gibt es die volle Selbstbestimmung, ebenso wie bei allen urheberrechtlichen Fragen.

Anders als bei anderen Plattformen stehen hier die Menschen, die Autoren, die Storyteller im Vordergrund. Denn das Credo lautet: No Fiction. Es geht um dich und dein Leben. Deine Gedanken, Gefühle, Erlebnisse. Deine Geschichte. Wenn du zwölf Anekdoten veröffentlicht hast, die eine maximale Länge von 2.500 Zeichen hast, kannst du das Buch als Hardcover drucken lassen. Sogar mit Bildern. Das geht immer. Normalerweise kostet ein Buch 14 Euro.

Doch wie gesagt: Zwei Wochen läuft die Challenge noch. Möchtest du deine Geschichten erzählen? Möchtest du Leute mit deinen Erlebnissen zum Lachen bringen? Zum Staunen? Zum Weinen? Hast du Lust, die zwölf Highlights zu veröffentlichen? Dann lass dich beschenken. Mit dem Buch deines Lebens.

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Ich lese jetzt „Der Affe, der Idiot und andere Leute“ von William C. Morrow

„In der Reihe ›Untote Klassiker‹ präsentiert der Jojomedia Verlag unentdeckte oder vergriffene Highlights aus den Bereichen Horror und Unheimliche Phantastik (im angloamerikanischen Raum auch als ›Weird Fiction‹ bezeichnet) in neuer zeitgemäßer und hochwertiger Aufmachung.“ (Auszug aus dem Klappentext)
Mit diesem Satz hatte die Anfrage für das Rezensionsexemplar mich. Vergriffen und dann auch noch umheimliche Gechichten? Ich kann es kaum erwarten, in die Kurzgeschichten einzutauchen.

Erster Satz:
„Eine Kolonne von Zirkuswagen kroch hintereinander aufgereiht unter der brütenden Hitze der Julisone langsam eine staubige Straße im Santa Clara Valley entlang.“

Helmut Barz – Brumm!

Jedem Menschen wohnt ein Krafttier inne –
so lehren uns die Schamanen:
Man müsse es nur finden,
erwecken und befreien.
Doch was, wenn dieses Krafttier
ein verspielter, verschlafener,
verleckerter, territorialer,
dickschädeliger Panda ist,
der dein Leben ins Chaos stürzt –
und sich beharrlich weigert wieder zu gehen?

Dr. Urs A. Podini hat seine Lebensträume längst eingetauscht gegen Gehalt, Eigentumswohnung, homöopathisch dosierte Kreativität und eine Lebensgefährtin, die ihn eher duldet als liebt. Doch dann entdeckt er im Schaufenster der Boutique TRANSITIONS! ein flauschig schwarz/weißes Kostüm… (Klappentext)

Sind wir ehrlich: Einer meiner Lesevorsätze für dieses Jahr war es, keine Rezensionsexemplare anzunehmen. Doch als mir Helmut Barz die Infos zu „Brumm!“ schickte, war ich doch so angetan, dass ich die Anfrage annahm. Bei manchen Büchern macht es halt doch klick.

Dr. Urs A. Podini ist Chef einer Agentur und am Ende des Tages nicht erfüllt. Trotz des Geldes, trotz der schönen Wohnung, trotz des guten Jobs – und ein bisschen wegen Karolin. Seine Freundin hält Urs klein und übernimmt wie ein Feldwebel alles, was ihm gehört – selbst seine Gedanken gehören nicht mehr ganz ihm. Schon beim kleinsten egoistischen Gedanken gibt es von seiner inneren Karolin mittlerweile mächtig Ärger.
Doch dann zieht er durch eine Verkettung (un)glücklicher Zufälle ein Panda-Kostüm an und entdeckt den Bären in sich. Und damit entsteht eine Welle von Veränderungen in allen Lebensbereichen…

Ich bin weder ein Mann Ende 40 noch habe ich eine derartig anstrengende Beziehung, aber mit dem Agenturleben kann ich mich sehr gut identifizieren. Und da das Buch mit einer Szene aus dem Arbeitsleben beginnt, hatte es mich direkt.
Dass Urs recht fix an das Kostüm kam, tat sein Übriges. Ich war so gespannt, die Veränderungen, die sukzessive eintrafen, zu verfolgen. Denn der Panda bleibt kein verschämtes Bärchen, das nur zuhause den Fummel mal überwirft. Urs gerät – mehr unfreiwillig als freiwillig – in seiner neuen Wesenheit an die Öffentlichkeit. Und ab da entwickeln sich die Dinge rasant – jedoch nie unglaubwürdig. Da wird ein Strafprozess im Fursuit fast schon zur Nebensache.
Doch trotz der Fülle an Entwicklungen fühlte ich mich nicht durchs Buch gehetzt. Der Autor gab jeder Lage die Zeit, sich angemessen zu entfalten.

Auch wenn ich, wie bereits gesagt, an sich recht wenig mit Urs gemeinsam habe: Ich konnte mich gut mit ihm identifizieren – nicht nur wegen der Arbeit. Er war insgesamt eine tolle Figur, die ich gern begleitete – die ich am Ende sogar äußerst ungern losließ. Auch seine Wegbegleiter waren alle interessant, authentisch und gaben mir beim Lesen ein Gefühl von mittendrin statt nur dabei.

Was mich aber vielleicht am meisten überraschte war die Tatsache, dass ich regelmäßig laut lachen musste. Das hat sehr, sehr lange kein Buch mehr geschafft. Mit dem trockenen Humor und den überraschenden Pointen, konnte Helmut Barz mich wirklich begeistern. Der Humor war auch nicht mit der Gießkanne verteilt, sondern saß pointiert an genau den richtigen Stellen.

Für mich hat das ganze Buch nur einen Kritikpunkt: In die Schreibart musste ich mich hineinfinden. Gerade am Anfang fühlte es sich manchmal so an, als müsste ich mich richtiggehend durch die Sätze arbeiten. Es dauerte gute 60, 70 Seiten, bis ich wirklich im Flow war. Ab dort las ich das Buch dann auch in drei Tagen fertig. Nur hin und wieder wurde ich durch vereinzelte Worte aus dem Lesefluss gerissen. Denn – ohne den Autoren persönlich zu kennen – ich würde behaupten: Er ist schlau (oder hat ein sehr gutes Synonym-Wörterbuch). Und das merkt man an vielen Stellen. Doch das Hineinstreuen von Fremdwörtern ist eben nicht immer der Schlüssel. Manches Mal fand ich es ein wenig drüber.

Insgesamt schmälert die Sprache aber natürlich nicht den Inhalt. Nachdem das Buch ein, zwei Tage gesackt ist, gefällt es mir sogar fast noch ein bisschen besser als direkt nach dem Beenden. Nur die Sprache und das Ende waren nicht gänzlich meins.

Helmut Barz – Brumm! – Eine schwarz/weiße Fabel für das postfaktische Zeitalter
11. Mai 2020
ISBN 3966982846
429 Seiten
Broschiert; 15,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ich lese jetzt „Brumm!“ von Helmut Barz

Als mich die Rezensionsanfrage von Helmut Barz erreichte, war ich direkt gespannt. Büchern mit Tieren (auch wenn es nur Kostüme sind) haben es mir seit den Känguru-Chroniken angetan.
Urs hat Geld, Ansehen, eine große Wohnung und eine Partnerin – doch so richtig glücklich macht ihn das alles nicht. Doch als er durch Zufall ein Pandakostum anziehen soll, öffnet sich eine ganz neue Welt für ihn. Er konnte alles sein, doch er wurde ein Panda.

Erster Satz:
„›Brumm!‹“

Lana Wood Johnson – Wenn zwei sich texten

Als Haley eine Nachricht von Martin Munroe bekommt, ist ihr sofort klar, wer da schreibt. Obwohl es an ihrer Schule zwei Jungs mit dem Namen gibt. Aber dieser Martin, der nach einer Klassenarbeit fragt, ist eindeutig der, den sie nicht nervig findet. Zum Glück. Denn aus einem lustigen ersten Schlagabtausch wird schnell ein Chat über Privates: seltsame Ängste, geheime Wünsche, schräge Vorlieben. Während sie in der Schule Abstand halten, bringt das Texten sie immer näher. Es gibt nur ein Problem: Haley hat den falschen Martin im Visier. (Klappentext)

Immer wieder sah ich diese Neuerscheinung auf Instagram und ich wurde interessiert. Also kaufte ich das Buch letztens ganz spontan und begann auch direkt mit dem Lesen. Das ging dann auch sehr schnell, denn es besteht ausschließlich aus Chats.

Dieses Format hat häufig die Schwäche, dass man immer in einer bestimmten Distanz bleibt. Keine Beschreibungen eines Erzählers bedeutet: Keine Ahnung, wie die Figuren aussehen, kein Überblick über die Umgebung, keine Gefühl für Details außerhalb dessen, was die beiden Personen sich sagen wollen. Man ist immer nur so schlau, wie die Figuren es wollen, man weiß nur so viel, wie sie preisgeben.
Das muss ja aber nicht schlimm sein, wenn die Geschichte trotzdem stimmig ist und die Figuren es schaffen, den Leser durch die kurzen Nachrichten an sich zu binden.

Die Geschichte von „Wenn zwei sich texten“ ist ebenso alt wie beliebt. Da gibt es diese sonderbare Anziehung zwischen sehr Menschen… Haley hat zwar ein paar Freundinnen, doch eigentlich ist sie eher die Stille, die ein gutes Buch und Gesellschaftsspiele der Gesellschaft ihrer Freundinnen vorzieht. Martin ist der beliebte Junge mit dem Geheimnis – oder in diesem Fall: mit ein paar Geheimnissen.
Das spannendste Geheimnis verrät leider direkt der Klappentext. Das gab der Sache zwar ein wenig Drive, weil man beobachten konnte, wie Haley es herausfindet, andererseits wäre ich als Leser selber gern überrascht worden. Doch ob es mich wirklich überrascht hätte, ist die Frage. Martin gab so schnell deutliche Hinweise, dass es vollkommen unverständlich war, dass die schlaue Haley die Hinweise immer ignorierte. Sie hinterfragt jedes Detail aufgrund ihrer Unsicherheiten, aber den rosa Elefanten im Raum übersieht sie.

Das Buch war – neben der Verwechslung – an sich auch extrem vorhersehbar. Da konnten die Chats mich nicht abholen. Vor allem ließen sie mich häufig sehr verwirrt zurück.
Anfangs hatte ich oft das Gefühl, dass die beiden aneinander vorbeireden. Als würde eine Person auf etwas antworten, das nicht gesagt wurde. Das mag aber auch daran liegen, dass zum Teil nur Bruchstücke angerissen wurden von Dingen, die in der Schule passiert sind oder demnächst stattfinden, für das die beiden keine weitere Erklärung brauchen. Sie wissen davon ja, weil sie es erlebt haben. Zusätzlich schreiben sie über Dinge, die es in Deutschland so nicht gibt. Ich habe die Relevanz der Collegevorbereitungskurse nicht verstanden. Und ich konnte auch nicht nachvollziehen, warum man da bei einer 4 feiert und man mit einer 5 quasi ein Genie ist. Ich weiß auch nicht, was ein „50-<cent-Wort" ist, von dem sie häufiger schrieben.

Gerade zu Zeiten von Online-Dating wissen wohl alle aus persönlicher Erfahrung oder durch Freunde, wie sehr man die Illusion dieser Online-Person aufbauen kann. Da Haley und Martin im echten Leben noch nie wirklich miteinander gesprochen haben, lernen sie sich nun auch erst durch den Chat so richtig kennen. Doch was ich von Haley zu sehen bekam, fand ich unattraktiv und unsympathisch. Zickig, voller Unsicherheiten, unlustig – und sie bügelt Martins Aussagen immer auf unangenehme Art und Weise ab. Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum er sich so um sie bemüht.

Klar ließ sich das Buch leicht und schnell lesen und am Ende wurde es auch noch ganz süß, aber so ein richtiger Knaller war es definitiv nicht.

Lana Wood Johnson – Wenn zwei sich texten
Originaltitel: Technically, you started it (Juni 2019)
Carlsen, 30. Juli 2020
ISBN 3551584192
381 Seiten
Broschiert; 14,00 Euro

Ich lese jetzt „Wenn zwei sich texten“ von Lana Wood Johnson

Immer wieder sah ich dieses Buch auf Instagram. Und ich habe eine Schwäche für Gechichten im Chat- oder Briefstil.
Also wurde es letztens ganz spontan in der Buchhandlung mitgenommen.

Ich freue mich auf die Geschichte von Haley und Martin Nathaniel Munroe II, die zwar seit Jahren in einer Klasse sind, sich aber trotzdem kaum kennen. Eine Geschichte, in der nur einer weiß, mit wem er wirklich schreibt.

Erster Satz:
„Bist du Haley Hancock aus Geschichte bei Mrs James?“

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