Boy Lornsen – Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt

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Tobbi und sein Roboterfreund Robbi sind furchtbar aufgeregt. Stolz sitzen sie am Steuer ihres selbst gebauten Fliewatüüts. Ob es auch wirklich fliegen kann? Immer schneller drehen sich die Propeller – und endlich heben sie ab! Große Aufgaben liegen vor Robbi und Tobbi. Denn die Roboter-Prüfung zu bestehen, ist gar nicht so einfach. Wird es ihnen gelingen, das Geheimnis der dreieckigen Burg zu lüften? Und können sie gegen Gespenster, Polizisten, eine Riesenkrake und ein Ungeheuer bestehen? (Klappentext)

Da ich damals nicht zur Pressevorführung von „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ gehen konnte, war Studiocanal so lieb und schickte mir vollkommen überraschend das Buch zum Film. Ich freute mich sehr darauf. Denn auch wenn ich mein Leben lang schon das Wort Fliewatüüt und und die Funktionen des Gefährts kenne, hatte ich mich mit der Geschichte an sich nie weiter beschäftigt.
Nun war es aber soweit.

Und dann hätte das Buch mich beinahe in die Knie gezwungen.
Fast zwei Monate habe ich an den 252 Seiten herumgelesen. Dabei fand ich die Geschichte grundsätzlich wirklich niedlich.
Der kleine Roboter Robbi aus der dritten Robotklasse muss drei Prüfungen für die Schule bestehen. Dazu darf er sich einen kleinen Menschenfreund, der ebenfalls in die dritte Klasse geht, aussuchen. Er wählt den Erfinder Tobbi, den er heimlich beobachtet hatte. Tobbis Erfindung – ein Gefährt, das fliegen, schwimmen und fahren kann – beeindruckte Robbi so sehr, dass er es einfach baute. Eines Nachts steht er damit vor dem Fenster des kleinen Jungen in Tütermoor.
Schnell steht fest: Sie wollen die Prüfungsaufgaben zusammen lösen. So schwer kann es doch nicht sein, die Treppenstufen des gelb-schwarz geringelten Leuchtturms zu zählen, herauszufinden, wer am Nordpol steht und mit einem Z anfängt und das Geheimnis der dreieckigen Burg mit den dreieckigen Türmen zu ergründen. Oder?

Die Idee mit den drei Aufgaben gibt dem Leser von Anfang an einen roten Faden an die Hand. Das Ziel ist immer klar vor Augen. Doch leider fehlt dabei komplett die Spannung. Nicht nur der Weg der beiden ist irgendwie klar, nein, er geht auch problemlos vonstatten. Keine wirklichen Antagonisten, kaum echt Gefahren und nur nette Leute, die den beiden Drittklässlern helfen, wo sie können. Und wenn doch nichts mehr geht, dann sprechen sie eben mit den Tieren und bitten die um Hilfe.
Mit „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ bekommt man also einen Abenteuer-Roman geliefert ohne echtes Abenteuer.

Aber diese Diskrepanz würde vielleicht gar nicht so sehr auffallen, wenn es einem die Sprache nicht noch zusätzlich schwer macht. Man merkt dem Buch an, dass es eigentlich schon 40 Jahre alt ist. Der Schreibstil und damit auch die Dialoge sind hölzern und seltsam autoritär. Man wundert sich mit „Potzblitz“, bei Applaus wird grundsätzlich „Bravo!“ dazugerufen und Robbis und Tobbis Anweisungen beginnen immer mit „Du“ – à la „Du, Robbi, guck mal!“ und „Du, Tobbi, lass mich das mal besser machen.“ Immer klangen die beiden ein wenig von oben herab und besserwisserisch, selbst wenn sie miteinander sprachen.

Vielleicht lag es an der Sprache, vielleicht ist es einfach so, Humor kommt überhaupt nicht rüber. Nichts zu lachen mit dem Erfinder und dem Roboter.

Und gerade weil die beiden so unangenehm sprechen, wurden sie mir auch nicht sympathisch. Ich war sogar ziemlich froh, als das ganze Abenteuer nach fast siebzehn Tagen für die beiden und fast zwei Monaten für mich beendet war.

Als wäre das nicht insgesamt schon enttäuschend genug, gibt es unter jeder der siebzehn Kapitelüberschriften eine Kurzzusammenfassung des folgenden Inhalts. Aber nicht kryptisch, spannend oder witzig, sondern einfach ziemlich treffend. Wäre Spannung dagewesen, die man nehmen könnte, hätte die Zusammenfassung es getan.

Aber gibt es denn nun gar nichts Positives?

Doch, ein bisschen was gibt es schon.
Zuerst einmal bietet das Buch Mehrwert durch Filmfotos und einen kurzen Abriss über den Inhalt des Filmes, der tatsächlich ziemlich umgeändert wurde und durch neu eingeführte Antagonisten durchaus spannender als das Buch sein kann.

Die Grundidee des Buches ist auch nach dem Lesen immer noch niedlich, keine Frage. Nur an der Umsetzung haperte es sehr.

Insgesamt glaube ich aber, dass kleine abenteuerlustige Jungs und Mädchen über die Schwächen und die sprachlichen Schnitzer hinwegsehen können. Als ich klein war, habe ich mit Begeisterung alte Kinderbücher gelesen, die sprachlich auch nicht auf der modernsten Welle ritten.

Obwohl das Buch gebunden ist, kostet es nur 9,99 Euro und ich glaube, dass Eltern für ihre Kinder damit nicht allzu viel verkehrt machen.
Vom Selberlesen würde ich dann aber abraten… 2 Sterne

Boy Lornsen – Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt
Thienemann Verlag, 17. Oktober 2016 (Ursprünglich von 1967)
ISBN 3522184467
252 Seiten
Gebunden; 9,99 Euro

Silence

©CONCORDE FILMVERLEIH

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„Silence“ – ab dem 02. März 2017 im Kino!

1638 brechen Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garupe (Adam Driver) von Portugal ins für die westliche Welt völlig abgeschottete Japan auf, um der Wahrheit hinter den undenkbaren Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) seinem Glauben abgeschworen habe. Nach ihrer Ankunft erleben sie die brutale und unmenschliche Verfolgung der Christen durch die japanischen Machthaber. Angesichts der Ereignisse in einer Gesellschaft, die keine Toleranz kennt und in der der Tod an der Tagesordnung ist, stellt sich Sebastião auf seiner Reise durch das von der Gewaltherrschaft der Shōgune zerrissene Land die immerwährende Frage: Wie kann Gott zu all dem schweigen?
(Inhaltsangabe laut Presseheft)

Als ich mir angesehen habe, zu welchen nächsten Pressevorführungen ich gehen kann, sprang mir dieser Film ins Auge. Das war verwunderlich, denn religiöse Themen sind eigentlich so gar nicht meins. Aber dieser Film wurde von Martin Scorsese gedreht und hatte mit Andrew Garfield („The Social Network“, „The Amazing Spider-Man“), Adam Driver („Star Wars: Das Erwachen der Macht“, Serie „Girls“) und Liam Neeson („Schindlers Liste“, „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“, „96 Hours“) große Schauspieler zu bieten. Und vor allem Neeson konnte mich in jedem Film, den ich mit ihm gesehen habe, abholen.
Also freute ich mich wirklich auf diesen Film, den ich vorab im Kino sehen durfte.

„Silence“ ist die Verfilmung des 1966 erschienen Buches „Chinmoku“ von Endō Shūsaku, das im Deutschen 2015 unter „Schweigen“ veröffentlich wurde.

Es geht mit einer starken Szene los. Eine Szene, die viel versprach. Doch direkt danach nahm der Film sich zurück.
Die beiden Jesuiten Pater Sebastião Rodrigues und Pater Francisco Garupe machen sich auf den Weg nach Japan, um dort nach ihrem Lehrer Cristóvão Ferreira zu suchen. Es ist ihre Mission, den Gerüchten nachzugehen, Ferreira habe dem Christentum abgeschworen. Kaum in Japan angekommen, müssen sie sich nicht nur verstecken, sondern sie wissen auch nicht, wem sie vertrauen können. Denn selbst in den Dörfern der im Geheimen lebenden Japanischen Christen sind sie nicht sicher. Die große Gefahr, vom Inquisitoren Inoue Masashige gefunden und zur Abschwörung gezwungen zu werden ist groß. Und wenn der Glaube zu stark ist, um auf die Ikone treten zu können, drohen Bestrafungen oder gar der Tod. Doch Rodrigues und Garupe wollen all das auf sich nehmen…

Die Geschichte strotzt vor Angst, Gefahr und düsterer Atmosphäre. Doch leider schafft sie es trotzdem nicht, Spannung zu transportieren. Mit über zweieinhalb Stunden nimmt der Film sich nämlich Zeit. Viel Zeit. Sehr viel Zeit. Zu viel Zeit…
Die Geschichte plätschert vor sich hin. Es wird sich viel versteckt, viel hin und her gelaufen und gar nicht mal allzu viel geredet. Zumindest nicht miteinander. Hauptsächlich wird das Geschehen aus dem Off von Pater Sebastião Rodrigues kommentiert.
Und nicht einmal viele Gefühle kommen in dem Film vor. Neben Angst und Unsicherheit ist es noch Verrat. Immer wieder Verrat. Und ganz viel Liebe zu Gott.

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Und diese Liebe muss man verstehen können, wenn man Spaß an dem Film haben möchte.
Die Überzeugung einer einzig wahren Religion und der ungebrochene Wille, für seinen Glauben zu sterben, ist mir unfassbar fremd.
Daher taten sich für mich persönlich immer wieder eine Art Logiklöcher auf. Ich konnte es nie verstehen, warum nicht alle einfach nach außen hin dem Christentum abschworen, um weiter am Leben bleiben zu können und trotzdem innerlich weiterhin an Gott glaubten.
Darauf muss man sich einlassen können, um nicht immer mal wieder mit dem Augen rollen zu müssen. Nichtsdestotrotz wurde aber nicht an der Realität vorbeierzählt.

Aber vielleicht hätte ich das besser verstehen können, wenn mich Adam Driver und Andrew Garfield hätten überzeugen können. Beide spielten portugiesische Priester und sprachen deswegen – sie versuchten es zumindest – mit portugiesischem Akzent (zumindest im englischen Originalton, den ich gehört habe). Das ist Adam Driver aber deutlich besser gelungen als Andrew Garfield, der nur ganz vereinzelt mal ein Wort nicht glasklar englisch aussprach. Doch nicht nur deswegen konnte ich ihm seine Rolle schlecht abnehmen. Beide Priester wirkten kühl und abweisend und ließen mich als Zuschauer nicht nah an sich heran.

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Liam Neeson, den ich als Schauspieler so mag, war dann leider weniger dabei, als ich dachte. Aber auch seine Szenen fand ich unklar. Ich habe nicht verstanden, warum er bestimmte Emotionen darstelle, die in der Szene einfach nicht passten. Ich war enttäuscht.
Die asiatischen Nebendarsteller gefielen mir dafür durch die Bank sehr gut. Für mich das definitive Highlight des Filmes. Egal, ob es die kleineren oder größeren Rollen waren.

Passend zu der schlechten schauspielerischen Leistung der Hauptdarsteller war das schwarz-weiße Bild der Figuren. Es gab nur die Guten und die Schlechten. Die Motive blieben dabei häufig im Dunklen.
Und als wäre es nicht schon schlimm genug, dass die Hauptdarsteller nicht schön anzusehen waren, auch der Film an sich war eintönig für das Auge. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zweieinhalb Stunden nur grau, grün und braun auf der Leinwand.

Tja, dieser Film konnte mich wirklich nicht begeistern.
Das Einzige, das mich dabei wirklich bewegen konnte, war der reale Hintergrund. Immer wieder stellte ich mir vor, dass das Gesehene so oder so ähnlich vor einigen Jahrhunderten geschehen ist – und zum Teil heute auch noch geschieht. Dass Menschen leiden mussten, sterben mussten, sich verstecken mussten, nur weil sie an einen anderen Gott glaubten als andere.

Dem Film hätte eine gestraffte Erzählweise und mehr Spannung sehr, sehr gut getan. So habe ich mich leider einfach nur durch ihn gequält und gelangweilt.

Weitere Infos über den Film bietet seine Homepage oder die Facebook-Seite.
Und sollte euch das Thema trotzdem überzeugen und ihr wollt sehen, ob ihr eine andere Meinung habt, könnt ihr euch auch schon einmal den Trailer ansehen:

Silence
Originaltitel: Silence (2016)
Filmverleih: Concorde Filmverleih
Lauflänge: 161 Minuten
FSK 12
Ab dem 02. März 2017 in den deutschen Kinos

Januar-Liste

Da mir im Januar das Ende des dritten Semesters mit großen Schritten entgegenkam, kam parallel auch die Klausurenphase auf mich zugelaufen.
Und im Studiengang Kulturwissenschaften heißt das: Lesen, lesen, lesen. Leider weder Bücher noch etwas Spannendes. Nur wissenschaftliche Texte, die entweder unverstädnlichgeschrieben sind oder inhaltlich nur mäßig spannend. Häufig beides zusammen.

Daher ist meine Januar-Liste nicht nur äußerst mäßig, sondern sie kommt auch so spät.
Hinter dem „Mehr“ am Ende des Artikels verstecken sich dann aber doch noch ein paar Dinge, die ich neben des Lernens getan habe.

januar-2017Gelesen:
Tilman Rammstedt – Morgen mehr 4,5 Sterne

Gekauft:
J. K. Rowling – Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Geschenkt:

Rezensionsexemplar:

Und sonst so im Januar?

Lange (Jahre eigentlich) habe ich überlegt, wie sinnvoll es ist, mir ein Tablet zuzulegen. Immer entschied ich mich dagegen. Ich vermisste es ja nicht im Alltag. Und für „Einfach mal haben“ war das zu viel Geld. Aber jetzt mit dem Studium und zum Dazuholen der Anleitungen beim Nähen, da lohnt es plötzlich. Also habe ich das neue Jahr mit einem iPad-Kauf gestartet. Mehr

„Nächstes Jahr am selben Tag“ – Das neue Buch von Colleen Hoover

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hoover-buecherIch war schon mit meinem Herzen bei Will und Layken in „Weil ich Layken liebe“ und den beiden Nachfolgebänden dabei. Ich hoffte, dass Auburn und Owen in „Love and Confess“ allen Widrigkeiten trotzen können und zueinander finden. Ich lauschte mit Syndey der Musik von Ridge in „Maybe Someday“ und ich wünschte, dass Miles und Tate zusammen in „Zurück ins Leben geliebt“ glücklich werden.

Am 10. März erscheint nun „Nächstes Jahr am selben Tag“ (Originaltitel „November 9“) von Colleen Hoover und ich freue mich auf die Liebesgeschichte von Ben und Fallon.
Mit einem Klick auf das Cover*, könnt ihr in die XXL-Leseprobe hineinlesen.
Hoffentlich gefällt sie euch genau so gut wie mir.

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*Blogger-Gewinnspiel von dtv

Tilman Rammstedt – Morgen mehr

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Sommer 1972. Das ganze Leben liegt noch vor dem Erzähler. Sein Problem ist nur: Er ist noch nicht geboren, seine zukünftigen Eltern kennen sich nicht einmal. Er muss sie also zusammenführen. Quer durch Europa, in Begleitung von einem Möchtegernganoven, zwei Frischverliebten und drei Männern im Pelz, die einem geheimnisvollen Koffer hinterherjagen. Dafür ist der längsze Tag aller Zeiten gerade lang genug. (Klappentext)

„Morgen mehr“ von Tilman Rammstedt – Ein Buch voller Wissen, Noch-nicht-wissen und allerhand dazwischen

Was wir bislang wissen:
Tilman Rammstedt ist mit seinem aktuellsten Roman einen relativ neuen Weg gegangen. Täglich veröffentlichte er ein paar Seiten des Buchs online. Leser, die ein Abonnement abgeschlossen hatten, lasen vom 11. Januar 2016 bis zum 08. April 2016 ein Kapitel. Und morgen gab es mehr. Doch sie durften nicht nur lesen, sie durften auf der eigens eingerichteten Website auch den vom Autoren eingelesenen Text hören und bei Bedarf kommentieren.

Da liegt ein Leben vollkommen ausgebreitet vor dem Erzähler und er weiß doch noch nicht, ob er es leben darf. Es ist der 30. Juni 1972 und er weiß schon alles. Er weiß wie sein Leben verlaufen wird, welche Fehler er machen, welche Küsse er verteilen wird. Selbst wie er sterben wird, weiß er schon ganz genau. Es gibt nur ein kleines Problem: Er ist noch nicht geboren und „Wenn man noch nicht geboren ist, hilft es einem leider herzlich wenig, alles schon zu wissen.“
Um überhaupt geboren werden zu können, muss der Erzähler aber noch eine ganz andere Hürde überwinden: Er muss es schaffen, seine Eltern zusammenzuführen, die sich noch gar nicht kennen. Und für das alles hat er genau 24 Stunden Zeit.

Wir wissen auch, dass diesem Buch dringend beim Lesen der Schutzumschlag abgenommen werden sollte. Nicht nur, damit er keine Knicke bekommt, sondern auch, damit der Leser die volle Farbenpracht des Einbandes genießen kann. Damit er so die Leichtigkeit sehen kann, die er beim Lesen noch spüren wird.

Was wir noch nicht wissen:
Es ist noch unklar, wie der Autor die Geschichte erzählen wird. Welche Figuren er dazuholt, in welcher Sprache er alles verpackt, mit welchen Besonderheiten er den Roman ausstattet, welche Bilder er im Kopf des Lesers kreiert.
Doch das alles soll kein Geheimnis bleiben.

Was wir nach dem Lesen wissen:
Nicht nur mit dem Vorab-Veröffentlichen ist Rammstedt einen neuen Weg gegangen, auch die Geschichte an sich ist etwas Neues, Individuelles. Ein Junge möchte dringend geboren werden. Er möchte endlich in dieses Leben hinein, das doch nur ihm passt, das nur für ihn gemacht ist. Um ihn bei dem Zusammenführen seiner Eltern zu begleiten, wird auf verschiedene Erzählweisen zurückgegriffen. Denn die Geschichte ist eng verknüpft mit einer Jagd nach einem Koffer quer durch Europa, an der sich ein Möchtegernganove, zwei Frischverliebte, drei Männer im Pelz und drei Personen, deren Leben von Abwesenheiten geprägt ist, beteiligen. Und was würde eine rasante und abwechslungsreiche Jagd besser beschreiben als ein rasantes und abwechslungsreiches Buch?
Es wird erzählt, es werden Interviews geführt, es werden verschiedene Personen beobachtet und vor allem werden Listen geführt. Vorrangig über Dinge, die man bislang weiß und Dinge, die man noch nicht weiß.

rammstedtWas wir ganz sicher wissen:
Die Eltern bekommen vom Erzähler die meiste Aufmerksamkeit. Das Herz des Vaters ist seit dreiundvierzig Tagen irreparabel gebrochen. Seine geliebte Claudia hat ihn verlassen und nun ist sein Gesichtsausdruck im Leiden eingerastet. Hunger stillt er mit Dosenravioli, Vermissen mit einem weiteren Gedicht über die Gegangene. Doch beides kann ihm nicht helfen. Da kommt es ihm nicht sehr ungelegen, als er erst verwechselt wird und dann mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird mit dem Fremden in ein Auto zu steigen, um mit Betonschuhen in den Main geworfen zu werden.

Die Mutter hat auch jemanden verloren, doch leider für immer. Ihre Zwillingsschwester Eva ist gestorben und nun sind da plötzlich zwei Leben, die weitergelebt werden wollen. Und vor allem ist ein Tag dafür viel zu kurz. Alles muss doppelt gegessen, gemacht und geträumt werden. Doch das zweite Leben ist doch vollkommen neu für sie. Sie muss sich daran gewöhnen, es kennenlernen. Sie war doch immer nur der Gegensatz von Eva, immer nur die andere. Und nun muss sie plötzlich beides sein. Um dieses neue Leben kennenzulernen, hat sie jedoch einen guten Ansatzpunkt. Eva hat eine Liste mit 131 Punkten hinterlassen, die sie machen wollte: einfache Dinge, schwere Dinge, verrückte Dinge, ganz und gar unmögliche Dinge. Und damit sind es 131 perfekte Dinge für die Mutter. Und um dem Vermissen zu entfliehen kommt es ihr nicht sehr ungelegen, für den Punkt „Mit einem Franzosen schlafen“ nach Frankreich reisen zu müssen.

Beide Elternteile sind verletzlich und zerrissen und wirken – auch bei den schlechten Entscheidungen und falschen Abzweigungen – sympathisch und herzerwärmend. An keiner Stelle nerven sie oder verlangen dem Leser ein Augenrollen ab. Und manchmal möchte man ihnen zurufen: „Halte durch. Es wird bergauf gehen!“ oder wie der Erzähler sagt: „Es wird alles gut oder ein wenig gut oder zumindest weniger schlecht!“
Es sind zwei Personen, denen man das Glück wünscht. Am besten das gemeinsame.
Und auch die andere Figuren, die Ganoven, die Möchtegernganoven, die Frischverliebten oder das flüchtige Kind haben alle ihr glaubhaften Beweggründe. Ihre Sorgen und Ängste verkörpern sie ebenso glaubhaft wie die Eltern.

Die schwungvolle Geschichte fängt Rammstedt mit einer Sprache auf, die alles nicht hektisch werden lässt, sondern zur Ruhe kommen. Er spielt gekonnt mit der Sprache, lässt sie poetisch und humoristisch klingen, macht Wortspiele und lässt den Leser Floskeln in einem Wimpernschlag überdenken. Er schreibt leicht und schwer zugleich. Es werden Himmel wundgeguckt, wenn etwas eine Frage der Zeit ist, dann soll die Zeit sich gefälligst auch selber um die Antwort kümmern und wenn man nicht genau hinhört, dann hört man halt einfach daneben.
Die Sprache als „beschwingt melancholisch“ zu beschreiben, klingt das vielleicht zu gegensätzlich, um wahr zu sein und doch ist es genau richtig. Durch die Sprache, ja vor allem vielleicht hauptsächlich durch sie, geht das Buch nicht nur so zu Herzen, sondern macht auch wahnsinnig Spaß.

Dieses Ambivalente, dieses Schöne und dieses Traurige und dieses Leichte und dieses Schwere, das überträgt sich von der Sprache direkt in die Atmosphäre. Der Leser wird getragen und muss sich – auch durch die rasante Geschichte – durch keine Längen quälen. Und manchmal, wenn eine Ereigniskette durch ein neuerliches „und dann“ immer länger wird, dann hat man das Gefühl, die Geschichte direkt aus dem Mund eines Kindes zu hören. Immer dann ist einem der Junge, der doch endlich geboren werden will, noch ein ganzes Stück näher.

Durch kleine Details schafft es Rammstedt auch neben der Frage: „Werden die Eltern zusammenfinden?“ spannungshebende Momente einzubauen. Wenn dem Leser Dinge verschwiegen werden, wenn große oder kleine Überraschungen eingebaut sind oder wenn neue Figuren ins Spiel kommen, dann will man dringend weiterlesen.

In achtundsechzig Kapiteln und einem mehr breitet sich das 223 Seiten und ein paar mehr lange Buch wohlig aus. Dabei erhält jedes Kapitel eine kurze Erklärung, die alles über das Kapitel sagt und gleichzeitig doch nichts.

Was wir bislang wissen:
Tilmann Rammstedt hat ein wunderbares Buch geschrieben. Ein kleines zartes, das trotzdem vor Brutalität und Zerstörung nicht zurückschreckt.
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, ohne traurig zu machen. Das manches ganz genau nimmt und manches lieber ungenau. Ein Buch, das eine Hommage an die Zeit ist und an das Leben. Auch an die Leben, die erst noch gelebt werden wollen.
„Da war Nacht und Paris und da waren all die Leben, die geführt wurden, als hätten sie das nötig, als wüssten sie nicht selbst den Weg.“

Was wir noch nicht wissen:
Warum „Morgen mehr“ nicht von so viel mehr Menschen gelesen wird. 4,5 Sterne

Tilman Rammstedt – Morgen mehr
Carl Hanser Verlag, 25. Juli 2016
ISBN 3446250964
228 Seiten
Gebunden; 20,00 Euro

Ich lese jetzt „Morgen mehr“ von Tilman Rammstedt

rammstedt_morgen-mehrFür mein Seminar zur LiteraTour Nord besuche ich nicht nur Lesungen (Martynova, Präauer, Wells, Röggla), sondern muss auch eine Rezension zu einem der Bücher der Lesungen schreiben.
Ich habe mich für das einzige Buch entschieden, das mich tatsächlich interessierte: „Morgen mehr“.

Da ich die Rezension als Prüfungsleistung schreiben musste und sie so klingen soll, als könnte sie in einer Zeitung erscheinen, wird diese Rezension mal anders seinals die anderen auf dem Blog.

Der Erzähler von „Morgen mehr“ will endlich geboren werden, doch dazu muss er seine Eltern erst einmal zusammenbringen. Und als wäre das nicht schwierig genug, wird auch noch ein Koffer quer durch Europa gejagt.

Erster Satz:
„Ich weiß ja schon alles.“

LiteraTour Nord – Kathrin Röggla

roeggla1Mit Lesung 4 von 6 geht es langsam aber sicher auf die Zielgerade der LiteraTour Nord 2016/17 zu.
Dieses Mal las Kathrin Röggla aus ihrem Buch „Nachtsendung. Unheimliche Geschichten“:

Ein Konferenzteilnehmer verschwindet. Eine Ferieninsel stirbt aus. Die täglichen Bilder unserer Wirklichkeit gleichen Horrorszenen, ein genauerer Blick entlarvt Risse, tote Winkel. In diesen Geschichten geht es um politische Reden, den wutbürgerlichen Aktivismus und den Absturz des Mittelstandes ebenso wie um das Familientreffen in der deutschen Provinz. Scharfsinnig und hellsichtig entwirft Kathrin Röggla politische, soziale und private Szenarien, die sich zu einem Nachtbild unserer Gegenwart zusammensetzen. (Inhalt laut Programmheft der LiteraTour Nord)

Für gruselige oder wie in diesem Fall „unheimliche“ Geschichten bin ich ja immer zu haben. Darum freute ich mich auf diese Lesung, auch wenn mich der politische und soziale Einschlag der Geschichten nicht so sehr interessierte. Aber kann ja trotzdem gut werden…
Kann. Wurde aber nicht.

Es fing leider schon damit an, dass ich nach ein paar Minuten zu meiner Kommilitonin sagte: „Liegt es an mir oder ist die Autorin wirklich unsympathisch?“. Ihr war sie tatsächlich nicht unsympathisch. Aber Frau Röggla, die Nachtsendungen und ich hatten einfach keinen Draht zueinander.
Insgesamt trat sie mir einfach zu herb und zu forsch auf. Ständig unterbrach sie den Moderator und zog weiter ihre Spur durch.

roeggla3Und als hätte es mir die Lesung nicht so schon schwer gemacht, da kam die erste Lesestelle. Und diese Stelle war langweilig. Pur und komplett langweilig. Es war nicht spannend, nicht gruselig, nicht unheimlich, nicht mal interessant. Es war einfach schrecklich. Es ging um eine Frau, die im Taxi zu einem Flughafen gebracht werden soll und sich die ganze Zeit wundert, warum die Straße nicht wie eine Zubringerstraße aussieht.
Da das Buch viele Kurzgeschichten enthält, die in einem ganz groben Rahmen zusammenhängen, wurde eine komplette Geschichte gelesen.

Die zweite Geschichte war dann schon interessanter. Eine Büroangestellte verliert die Tage. Erst fehlt ihr der komplette Donnerstag, dann werden es immer mehr Tage, doch schlimm ist: Ihre Kollegen sagen ihr, was sie an den Tagen, an die sie sich nicht erinnert, gemacht hat. Und so wie es klingt, ist sie an den Tagen an eine ganz andere…
Doch als es wirklich anfing spannend zu werden, da war die Geschichte zu Ende.

Das Gruselige der Geschichten kommt immer erst, nachdem Frau Röggla sie beendet hat. Aber ich weigere mich, ihre mittelmäßigen Anfänge gruselig weiterzudenken. Warum soll ich denken, dass die Leute dann umgebracht werden oder sterben? So ist es angedacht, aber entweder schreibt sie es oder ich denke mir das nicht. So ist das!

Was mich zusätzlich störte, war die Art des Vorlesens. Die Geschichten sollen unheimlich sein, aber Kathrin Röggla las ganz im Stil von Teresa Präauer: Laut, drückend und ein bisschen wie eine Performance. Vollkommen unpassend für ihr Buch. Wo die Geschichten schon nicht gruselig waren, hätte ihre Stimme das ja trotzdem transportieren können.

Mit der dritten Geschichte gab es wieder so einen Einbruch in der Spannung, dass ich nach ein paar Minuten komplett abschaltete und lieber daran dachte, was so auf meiner To-do-Liste steht.

Um meinen Zug zu bekommen, musste ich dann die letzten paar Seiten der letzten Geschichte, deren Inhalt ich schon komplett vergessen habe, schwänzen. Es tat mir nicht weh. Zugehört hatte ich eh nicht mehr.

roeggla2Als wir im nächsten Seminar über die Lesung sprachen, war das Feedback von uns allen einstimmig: Es war eine wirklich schlechte Lesung. Und das lag nicht nur daran, dass auch die anderen mit der Art von Frau Röggla nicht viel anfangen konnten, sondern eine Kommilitonin sagte: „Ich musste mich wirklich anstrengen, um nicht einzuschlafen!“. Wir, die das Buch vorher nicht gelesen hatten, fanden die Geschichten einfach nur langweilig. Und die Leute, die das Buch komplett gelesen haben, erzählten, dass es wohl Geschichten im Buch gibt, die besser sind als die vorgetragenen, aber auch nicht viel. Begeistert war keiner.

Die Lesung war also so gar kein Erfolg und ihre Bücher interessieren mich auch nicht.

Jahresabschluss 2016

Nachdem 2015 das Jahr des Umbruchs war, als ich meinen unbefristeten Job kündigte und doch noch anfing zu studieren, war 2016 nun mein erstes komplettes Jahr als Studentin. Und es fühlte sich gut an. Das erste Semester war die Hölle, aber seitdem geht es steil bergauf. Ich habe zwar mehr Stress als ich je gedacht hätte und deswegen schleifen die Hobbys etwas, aber das wird sich auch irgendwann wieder ändern.
Grundsätzlich stimmt mich die Situation aber fröhlich und das ist das Wichtigste!

Auf Konzerte und Musicals habe ich auch 2016 nicht verzichtet und so sah ich (das meiste davon mit meinem Freund) Folgendes:
8 Konzerte: Donots, Macklemore & Ryan Lewis, jung: Liedkunst trifft Popsongs (Staatsoper Hamburg & Hamburg Ballett John Neumeier & Philharmonisches Staatsorchester Hamburg), Alligatoah, Kyle Gass Band, Birdy, Bastille, Billy Talent
4 Musicals: Liebe stirbt nie – Das Phantom kehrt zurück, 12 Yards! Dein Spiel beginnt, Tabaluga – Es lebe die Freundschaft, Hinterm Horizont
1 Comedyshow: Mario Barth
1 Zirkus: Zirkus des Horrors
4 Lesungen: Sebastian Fitzek, Olga Martynova, Teresa Präauer, Benedict Wells

Meine Lesestatistik sieht so aus:

Bücher gelesen: 32! Das macht circa ein Buch in 11,4 Tagen, also etwas drei Bücher pro Monat. Ich habe schon mal mehr gelesen, aber dafür, dass ich für das Studium so viel machen muss, ging es. Ein Buch habe ich nach 103 Seiten abgebrochen.
Ich habe dieses Jahr 10.614 Seiten gelesen. Das macht 29,0 Seiten pro Tag.
Im Vergleich zu 2015 bleibt alles ungefähr gleich. Da waren es 11.019 Seiten (bei insgesamt 38 Büchern). Das machte circa ein Buch in 9,5 Tagen und 30,2 Seiten am Tag.

Neu erworbene Bücher: 87 (2015: 98)
          gekauft: 9
          geschenkt: 54
          Rezensionsexemplare: 24

Geld ausgegeben für Bücher: 113,66 € (2015: 197,21 €)
Ich habe pro Monat also 9,47 Euro für Bücher ausgegeben. Das entspräche also circa einem Taschenbuch pro Monat.
Im Schnitt habe ich 1,31 Euro pro erhaltenes Buch ausgegeben. (Diesen niedrigen Schnitt verdanke ich vor allem meinem Freund, der mir viel Bücher schenkt, einer Kollegin/Freundin, die mir von der alljährlichen Tagung Bücher mitbrachte und den Verlagen, die mir Rezensionsexemplare schickten.)

Anzahl der gelesenen Autoren: 34 (Mehrere Bücher hatten mehr als einen Autoren)
          Deutsche Autoren: 12
          Amerikanische Autoren: 13
          Australische Autoren: 2
          Englische Autoren: 4
          Niederländische Autoren: 1
          Österreichische Autoren: 1
          Irische Autoren: 1
Meistgelesene Autoren:
          Cecelia Ahern: 2
          Colleen Hoover: 2
          David Safier: 2
          Hans Rath: 2

Arten der Bücher:
          Gebundene Bücher: 14
          Taschenbücher: 11
          Broschierte Bücher: 8

Genres:
Jugendbücher/-fantasy: 12
Kinderbücher: 1
Belletristik: 16
          Roman: 4
          Krimi/Thriller: 4
          Humor: 6
          Liebesromane: 2
          Erotik: 1
          Fantasy: 2
Sachbuch: 1

Dickste Bücher:
5. Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder: 416 Seiten
4. Colleen Hoover – Maybe Someday: 428 Seiten
3. Cecelia Ahern – Flawed: 461 Seiten
2. Cecelia Ahern – Perfect: 478 Seiten
1. Francesca Haig – Das Feuerzeichen: 479 Seiten

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Dünnste Bücher:
5. Renate Eckert – Novemberfeuer: 229 Seiten
4. Zoe Hagen – Tage mit Leuchtkäfern: 189 Seiten
3. Astrid Schilcher – Frühstücksei à la Goethe mit Metamorphosen: 176 Seiten
2. R. L. Stine – Fear Street – Rachsüchtig: 155 Seiten
1. Andreas Herteux – Das Sternenkind und der Rabe: 68 Seiten

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Tops:
5. Sarah Kuttner – 180° Meer
4. J.K. Rowling & John Tiffany & Jack Thorne – Harry Potter und das verwunschene Kind
3. Cecelia Ahern – Flawed / Cecelia Ahern – Perfect
2. David Safier – Traumprinz
und der Spitzenreiter: Anne Freytag – Mein bester letzter Sommer

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Flops:
5. Susan Crawford – Sie muss sterben
4. Susan Gloss – Violets wundervoller Vintage-Shop
3. Henry Miller – Opus Pistorum
2. Renate Eckert – Novemberfeuer
und der Top-Flop: Florian Schiel – B. A. f. H. – Bastard Assistant from Hell. Ein Anti-Idyll.

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Durchschnittsbewertung aller gelesenen Bücher: 3,7 Sterne

Zum genauen Vergleich sind hier noch mal die Jahresstatistik 2010, Jahresstatistik 2011, Jahresstatistik 2012, Jahresstatistik 2013, Jahresstatistik 2014 und Jahresstatistik 2015.

Es geht immer mehr. Aber im letzten Jahr war einfach nicht mehr drin. Zu viel hatte ich mit der Uni zu tun. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich bin einigermaßen zufrieden.
Vielleicht schaffe ich dieses Jahr trotzdem mal wieder über 40 Bücher. Schön wäre es auf jeden Fall.
Ich wünsche uns allen ein wundervolles 2017!

Dezember-Liste

Frohes Neues!
Das Jahr 2016 ist also vorbei. Bevor ich zu meiner Jahrsstatistik komme, gibt es heute erst einmal einen Blick auf den Dezember – mit einem extralangen „Und sonst so im Dezember?“.
Ich freue mich besonders über die ganzen tollen Bücher, die ich geschenkt bekommen habe. Vor allem, weil viele davon erst im März oder April erscheinen.

Hier sind sie im Einzelnen:

gelesen:
Andreas Herteux – Das Sternenkind und der Rabe 3,5 Sterne
S. K. Tremayne – Stiefkind 4 Sterne
Cecelia Ahern – Perfect 4,5 Sterne

dezember2016 gekauft:

geschenkt:
Antonia Neumayer – Selkie
Anne Freytag – Den Mund voll ungesagter Worte
Marina Heib – Drei Meter unter Null
Jennifer L. Armentrout – Morgen lieb ich dich für immer
Janet Clark – Ewig dein – Deathline
Vanessa Lafaye – Summertime
Geoff Rodkey – Tapper Twins – Ziemlich beste Feinde
Holly Black & Cassandra Clare – Magisterium – Der kupferne Handschuh
Holly Black & Cassandra Clare – Magisterium – Der Schlüssel aus Bronze

Rezensionsexemplare:
S. L. Grey – Underground

Und sonst so im Dezember?
Das Wichtigste zuerst: Es war Weihnachten. Ich bin gar kein großer Weihnachtsfan, aber ich bin ein großer Geschenkefan. Und davon bekam ich eine Menge.
Und noch etwas liebe ich: Plätzchen. In den letzten Jahren hatte ich aber keine mehr gebacken. Dieses Jahr war es endlich mal wieder soweit:
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Bob, der Streuner

© Concorde Filmverleih GmbH

© Concorde Filmverleih GmbH

„Bob, der Streuner“ – ab dem 12. Januar 2017 im Kino!

Das Letzte, was James (Luke Treadaway) gebrauchen kann, ist ein Haustier! Er schlägt sich von Tag zu Tag als Straßenmusiker durch, und sein mageres Einkommen reicht gerade, um sich selbst über Wasser zu halten. Und jetzt auch noch das: Als es eines Abends in seiner Wohnung scheppert, steht da nicht wie vermutet ein Einbrecher in der Küche, sondern ein roter ausgehungerter Kater. Obwohl knapp bei Kasse beschließt James, den aufgeweckten Kater aufzupäppeln, um ihn dann wieder seines Weges ziehen zu lassen. Doch Bob hat seinen eigenen Kopf und denkt gar nicht daran, sein neues Herrchen zu verlassen. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt. Für James ist nichts mehr, wie es war. Bob und er werden unzertrennliche Freunde, und James findet dank Bob nach und nach den Weg zurück ins Leben … (Inhaltsangabe laut Presseheft)

Bevor ich mit meiner Rezension starte, muss ich zwei Geständnisse machen:
1. Ich bin eigentlich gar nicht so der Katzen-Typ.
2. Seit zweieinhalb Jahren liegen „Bob, der Streuner“ und „Bob und wie er die Welt sieht“ auf meinem SuB. Vor kurzem kam dann noch „Ein Geschenk von Bob“ hinzu.

bobIch hatte also keines der drei Bücher von Bob gelesen, als ich zu einer Pressevorführung zur Verfilmung des ersten Teils eingeladen wurde. Und doch sagte ich sofort zu, denn: Wenn so viele Menschen begeistert von der Geschichte sind und der erste Teil allein im deutschsprachigen Raum zwei Millionen Mal verkauft wurde, dann muss die Geschichte etwas können. Und davon wollte ich mich überzeugen lassen.

Die Stars hinter dem Film: Bob mit seinem Herrchen James Bowen © Concorde Filmverleih GmbH

Die Stars hinter dem Film: Bob mit seinem Herrchen James Bowen © Concorde Filmverleih GmbH

Als der drogenabhängige Straßenmusiker James den streunenden Kater Bob findet, ändert sich sein Leben schlagartig. Sein Publikum wird nicht nur immer begeisterter, die beiden Retten sich auch gegenseitig und werden ein unzertrennliches Team.
Was ein bisschen nach einem Film klingt, bei dem vorweihnachtlich auf die Tränendrüse gedrückt wird, ist tatsächlich die Verfilmung einer wahren Begebenheit. Und damit wird er nicht künstlich rührselig, sondern berührt ehrlich.

Bob, der Streuner © Concorde Filmverleih GmbH

Bob, der Streuner © Concorde Filmverleih GmbH

Wer nur ganz oft die rote, niedliche Katze sehen möchte, der wird eventuell enttäuscht. Vor allem wird nämlich James nicht wirklich positiven Lebensumständen viel Zeit gegeben.
Diese Zweiteilung ist meiner Minung nach jedoch die Grundlage, warum der Film so gut funktioniert. Wenn man sieht, wie schlecht es James geht und wie schmal der Grat zwischen Leben und Tod in seiner Welt sein kann, dann kann diese wunderbare Freundschaft mit dem Streuner einem noch näher gehen.

Man könnte annehmen, dass der Film keine allzu große Spannung bietet. Und tatsächlich ist es keine nervenzerreißende Spannung, aber das will der Film auch nicht transportieren. Eine wahre Geschichte über eine Freundschaft ist nun einmal kein Thriller. Und doch hat der Film mehr Spannung geboten, als ich gedacht hätte. Diese liegt hauptsächlich in der Tragik von James Leben und den Abstürzen und Veränderungen, die es beinhaltet. Den Zuschauer begleitet immer eine kleine Spannung, ob er es dieses Mal schafft, ob nun alles besser wird, ob er dieses Mal seine Versprechen hält.

James (Luke Treadaway) mit seiner Nachbarin Betty (Ruta Gedmintas) © Concorde Filmverleih GmbH

James (Luke Treadaway) mit seiner Nachbarin Betty (Ruta Gedmintas) © Concorde Filmverleih GmbH

All dieses Straucheln wird hervorragend rübergebracht von Luke Treadaway, der einen überzeugenden James gespielt hat. Nie aufgesetzt, nie drüber. Jede Emotion ist authentisch.
Doch auch die anderen Schauspieler wie Ruta Gedmintas als tierliebe Nachbarin Betty, Golden-Globe-Gewinnerin Joanne Froggatt als Sozialarbeiterin Val und Anthony Stewart Head, der vielen als Rupert Giles aus Buffy bekannt sein wird, als James Vater Nigel machen einen überaus guten Job. Sie wirkten alle wie aus dem Leben des echten James Bowen entsprungen.
Aber der beste aller Schauspieler war wohl Bob. Tatsächlich hat der echte Kater sich selbst gespielt (mit der ein oder anderen Stunt-Katze an seiner Seite). Dieses Detail hat mich unglaublich berührt.

James (Luke Treadaway) und Bob bei der Arbeit © Concorde Filmverleih GmbH

James (Luke Treadaway) und Bob bei der Arbeit © Concorde Filmverleih GmbH

Der Film „Bob, der Streuner“ hat neben seiner rührenden Geschichte und den überzeugenden Schauspielern drei ganz große Stärken für mich:
Da es eine wahre Geschichte ist, gibt es keinen Antagonisten, der künstlich eingeführt wird. Kein „Immer wieder kurz vorm Ziel sein und dann klappt es doch nicht“. Das heißt nicht, dass es keine negativen Figuren im Film gibt. Nicht jeder möchte James etwas Gutes. Und doch wird es nie übertrieben.
Die Musik ist das zweite Highlight. Da James Straßenmusiker ist, spielte die Musik eine große Rolle im Film. Sie verfolgte den Zuschauer und wurde doch nie übermächtig. „Bob, der Streuner“ ist kein Musikfilm, gibt den Stücken aber genug Freiraum.
Und die letzte Stärke muss einfach Bob sein. Es ist unglaublich, wie viel Liebe dieses kleine Tier transportiert hat. Da ich vorher bereits wusste, dass ich in weiten Teilen dem echten Bob zusah, war ich einfach erstaunt.

Und was wäre ich für ein emotionaler Mensch, wenn ich nicht am Ende doch geweint hätte.
Nein, ich bin kein Katzen-Fan – auch nach dem Film nicht – und doch habe ich mich ein bisschen in Bob verliebt und freue mich umso mehr auf das Buch.
Denn ich bin überzeugt, dass dieser Film einer der wenigen ist, der den Lesespaß nicht mindert, wenn man ihn vorher sieht. Diese süße Geschichte kann man sich mehrfach zu Gemüte führen.

Das Buch zum Film

Das Buch zum Film

Wird „Bob, der Streuner“ einer meiner Lieblingsfilme werden? Nein, wahrscheinlich nicht. Er war zwar von allem etwas – witzig, spannend, rührend, musikalisch ansprechend, gut gespielt – aber nicht so, dass er mich sprachlos aus dem Kino hat kommen lassen.
Ich kann aber trotzdem allen von Herzen empfehlen, sich diesen Film anzusehen. Er bietet nämlich eine schöne Zeit. Egal, ob Katzen-Fan oder nicht.

Wer lieber liest, als den Film zu sehen. Oder den Film sehen möchte und trotzdem das Buch haben will, der hat die Möglichkeit, sich das neue Buch zum Film zu kaufen. Bastei Lübbe hat den ersten Teil nämlich neu aufgelegt im Look des Films.

Weitere Infos über den Film bietet seine Homepage: Bob, der Streuner.
Und wenn ihr doch noch schwankt, schaut euch gern den Trailer an:

Bob, der Streuner
Originaltitel: A Street Cat Named Bob (2016)
Filmverleih: Concorde Filmverleih
Lauflänge: 103 Minuten
Ab dem 12. Januar 2017 in den deutschen Kinos

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