Ich lese jetzt „Morgen kann kommen“ von Ildikó von Kürthy

Schon bevor es den Blog gab, habe ich die Bücher von Ildikó von Kürthy verschlungen und geliebt. Schade, dass sie deswegen bis jetzt keine Rezension hier haben.
Das neue Buch von ihr lag plötzlich, einen Tag vor dem offiziellen Erscheinungstermin, vor mir im Familienurlaub. Lange hielt ich es in der Hand und war unentschlossen. Dann hat meine Mutter es mir kurzentschlossen aus der Hand genommen und zur Kasse getragen.

Ich weiß nicht, worum es geht. Ich habe den Klappentext nicht gelesen. Doch ich hoffe auf einen „typischen“ Kürthy. Mit vielen Frauenproblemen und noch mehr Humor.

Erster Satz:

„Es geschah an dem Tag, an dem ich neu anfangen wollte.“

Paula Hawkins – Wer das Feuer entfacht

Drei Frauen. Drei Schicksale.
Ein schreckliches Verbrechen,
das ihre Welt erschüttert.

Auf einem Hausboot in London wird die Leiche eines brutal ermordeten jungen Mannes gefunden. Besonders drei Frauen geraten danach ins Visier der Ermittlungen.
Laura, die aufgewühlt wirkende junge Frau, die nach einem One-Night-Stand mit dem Opfer zuletzt am Tatort gesehen wurde. Carla, die Tante des Opfers, bereits in tiefer Trauer, weil sie nur Wochen zuvor eine Angehörige verlor. Und Miriam, die neugierige Nachbarin, die als Erste auf die Leiche stieß und etwas vor der Polizei zu verbergen scheint.
Drei Frauen, die einander kaum kennen, mit ganz unterschiedlichen Beziehungen zum Opfer. Drei Frauen, die aus verschiedenen Gründen zutiefst verbittert sind. Die auf unterschiedliche Weise Vergeltung suchen für das ihnen angetane Unrecht. Wie weit würde jede einzelne von ihnen gehen, um Frieden zu finden? (Klappentext)

Als ich „Wer das Feuer entfacht“ als Rezensionsexemplar bekommen habe, habe ich mich so sehr gefreut. „Girl on the Train“ liegt seit April 2015 auf meinem SuB, aber ständig habe ich so viel Gutes gehört. Da kann das neue Buch von Paula Hawkins doch nicht schlecht sein. Aber dann stolperte ich immer wieder über extrem negative Rezensionen, bekam Angst und stellte das Buch zurück in der Prio-Liste. Doch nun war es soweit und ich habe es gelesen.

Vorweg: Auch ich kann leider keine positive Rezension schreiben. Ich glaube, das Buch hat zwei große Probleme: 1. der Vergleich mit „Girl on the Train“ (was ich, wie gesagt, nur von anderen gehört habe bisher) und 2. den Klappentext. Er schürt Hoffnungen, Thriller oder wenigstens Krimi zu sein. Dramatik, Zerstörung, Wut. Düster auf jeden Fall.

Im zweiten Kapitel wurde die Leiche bereits gefunden. Ab da gab es ein schieres Hin und Her. Es wurde zwischen fünf Perspektiven und Zeiten wild gewechselt. Es sind fünf extrem problembeladene Personen, die zum größten Teil auch noch unsympathisch und unangenehm sind. Jeder Person gibt Paula Hawkins unfassbar viel Zeit, die eigene Geschichte immer und immer wieder zu wälzen. Es geschehen ermüdend viele Wiederholungen. Die immergleichen Storys werden nicht nur von unterschiedlichen Figuren erzählt, sondern auch mehrfach von derselben. Erst grob, beim nächsten Mal mit mehr Details, beim nächsten Mal komplett – mit Glück.
Sie alle haben schwere Schicksalsschläge erleiden müssen, keine Frage. Manche hängen unmittelbar mit dem Opfer, Daniel, zusammen andere kein bisschen. Aber beim Lesen kam es mir kaum so vor, als würden wir uns der Auflösung des Falls nähern. Der Mord wurde nie aus den Augen verloren, aber sehr lange auch nicht so richtig behandelt.

In all den Geschichten abseits des Mords geht es zentral noch um einen dramatischen Vorfall aus Miriams Jugend, über den sie einen Roman geschrieben hat, der scheinbar von einem erfolgreichen Autoren abgekupfert wurde. Aus dem Buch des Autoren werden immer wieder seitenweise Auszüge geteilt. Auch das nimmt sehr viel Raum im Buch ein, bringt den Fall um Dan aber nicht weiter.

Am Ende wird der Mord natürlich noch aufgeklärt, aber groß überraschend war es einfach nicht mehr. Hatte man sich dann auch irgendwann schon gedacht.

„Wer das Feuer entfacht“ lässt sich super leicht lesen. Aber mich hat eigentlich nie interessiert, was da noch kommt. Es war nicht spannend, die Figuren waren unsympathisch und uninteressant, der Mord irrelevant, nicht aufregend, nicht neuartig, durch das Sprunghafte zum Teil verwirrend.

Paula Hawkins – Wer das Feuer entfacht
Originaltitel: A Slow Fire Burning (August 2021)
‎Blanvalet Verlag, 6. September 2021
ISBN 3764507829
413 Seiten
Gebunden; 20,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ich lese jetzt „Wer das Feuer entfacht“ von Paula Hawkins

Ich habe mich so sehr gefreut, als ich dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten hatte letztes Jahr im Herbst. Und wie es dann so ist, ein paar Leute waren schneller als ich mit dem Buch und es hagelte nur so schlechte Rezensionen und „Flop des Jahres!“-Rufe. Ich bekam Angst und vor allem ganz arge Unlust. Immer lag das Buch da, um als nächstes gelesen zu werden. Immer schob ich doch ein anderes dazwischen. Nun ist es aber soweit.

Daniel wurde brutal auf seinem Hausboot ermordet. Drei Frauen, die in ganz unterschiedlichen Verhältnissen zu ihm stehen, geraten ins Visier der Ermittlungen. Jede für sich hat ihre eigenen Abgründe und Motive. Wer könnte so eine schreckliche Tat begangen haben?

Erster Satz:
„Blutbesudelt taumelte das Mädchen in die Schwärze.“

Colleen Hoover – Summer of Hearts & Souls

»Ich hätte nicht gedacht, dass es viele Leute auf der Welt gibt, die so sind wie ich«, sagte Samson.
»Du denkst, dass wir uns ähnlich sind?«
Ich bin versucht zu lachen, aber seine Miene ist todernst.
»Ich glaube, wir sind uns viel ähnlicher, als du denkst, Beyah.«

Nie hätte Beyah gedacht, dass ausgerechnet Samson, der superreiche, attraktive Nachbar ihrer neuen Stieffamilie, ähnliche Abgründe in sich trägt wie sie selbst… (Klappentext)

Beyah findet ihre Mutter leblos auf der Couch, gestorben an einer Überdosis. Überstürzt zieht sie aus dem kleinen Wohnwagen aus, Besitztümer hat sie keine, die sie zurücklassen könnte. Sie zieht zu ihrem Vater, den sie seit Jahren nicht gesehen hat und mit dem sie auch kein besonders inniges Verhältnis hat. Auf der Bolivar-Halbinsel in Texas lebt sie plötzlich in Reichtum, mit Lagerfeuern am Strand, Essen im Kühlschrank und einer neuen Stiefschwester. Vor allem aber auch mit Samson nebenan, der Beyah nicht wirklich an sich heranlassen will, sie aber auch nicht gehen lassen möchte.

Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut und das ohne zu wissen, worum es geht. Klappentexte lese ich mir bei Colleen Hoover ja nie durch. Plötzlich fand ich mich erst in einem versifften Trailerpark wider und dann in einem wunderschönen Strandhaus. Der Kontrast war stark – und vor allem für Beyah kaum zu begreifen. Allein diese Strandatmosphäre war wirklich schön mit all den Sonnenaufgängen, dem Baden im Meer und der scheinbar allumfassenden Leichtigkeit des Lebens. Das Buch passt so gut in den Sommer und macht allein deswegen im Prinzip schon Spaß.

Doch mir fehlte ein wenig. Man ist von Hoover Drama gewöhnt, schlimme Schicksale, düstere Vergangenheiten, Traumata… all das findet man auch hier, aber es fühlt sich nicht so an. Ich las es wie eine „normale“ Kennenlerngeschichte von zwei Leuten, die zwar so ihre Probleme und Geheimnisse haben, aber trotzdem nicht diesen Tiefgang.

Die Figuren mochte ich wirklich gern. Beyah weiß sehr zu schätzen, was die Leute und das Leben ihr gerade bieten, die Stiefschwester Sara ist einfach klasse und auch die Geheimnisse von Samson, die Schicht um Schicht aufgedeckt werden, sind interessant.

Ja, das Buch ist – vor allem auch aufgrund der Atmosphäre – ganz cool und natürlich hat es mich am Ende bewegt. Hoover kriegt mich einfach immer. Aber grundsätzlich hat sie schon deutlich Besseres geschrieben, meiner Meinung nach. Es ist nicht allzu viel passiert, es war nicht so richtig spannend. Gut, aber im Verhältnis zu ihren anderen Büchern deutlich abgefallen.

Colleen Hoover – Summer of Hearts & Souls
Originaltitel: Heart Bones (August 2020)
dtv Verlagsgesellschaft, 13. April 2022
ISBN 3423740787
315 Seiten
Broschiert; 15,95 Euro

Weitere Bücher der Autorin (klicke für die Rezension):

Ich lese jetzt „Summer of Hearts & Souls“ von Colleen Hoover

Als ich gesehen habe, dass „Hearts Bones“ in der deutschen Übersetzung kommt, habe ich es sofort vorbestellt. Und auch wenn noch ein paar Hoovers auf meinem SuB liegen, musste ich das Buch sofort beginnen, als es da war.

Nachdem Beyahs Mutter starb, zieht sie zu ihrem Vater, den sie so gut wie nicht kennt. Das schöne Strandhaus mit der netten Stiefschwester und dem interessanten Nachbarn machen das Ankommen aber durchaus leichter…

Erster Satz:

„Bei uns im Wohnzimmer hängt ein Bild von Mutter Teresa an der Stelle, wo der Fernseher hängen würde, wenn wir uns einen Flachbildfernseher leisten könnten oder auch nur ein Haus mit richtigen Wänden, an die man so einen Fernseher hängen könnte.“

April-Liste

Im April war ich auf einer Familienfeier in der Eifel. Und ich musste dabei genau ins Flutgebiet, auch knapp ein Jahr später ist es noch herzzereißend zu sehen, wie schlimm es da aussieht. Vor allem die ganzen kleinen Städte zu sehen, die so eng verknüpft sind mit wahnsinnig schönen und glücklichen Zeiten in meiner Kindheit. Ich habe die Eifel und vor allem das Ahrtal seit jeher geliebt, kenne es mein Leben lang. Puh.
Die zweite Hälfte des Monats konnte dann ja mit so unfassbar bombastischem Wetter aufwarten, dass meine Laune immer besser wurde. Ich kann den Sommer kaum erwarten. So richtig viel habe ich durch den Urlaub und die Reise nicht lesen können und ansonsten gab es viel Arbeit. Aber vier Bücher sind es immerhin geworden.

Gelesen:
Sebastian Fitzek & Micky Beisenherz – Schreib oder Stirb
Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek
Lloyd Alexander – Taran – Die Prinzessin von Llyr
Andreas Steinhöfel – Paul Vier und die Schröders

Gekauft:
Lena Kiefer – Ophelia Scale – Der Himmel wird beben
Delia Owens – Der Gesang der Flusskrebse
Marie Graßhoff – Beta Hearts
Naomi Gibson – Seeing what you see, feeling what you feel
Rainer Wekwerth – Ghostwalker
Colleen Hoover – Summer of Hearts & Souls
Gail Honeyman – Ich, Eleanor Oliphant
Laini Taylor – Muse of Nightmares – Das Erwachen der Träumerin
Laini Taylor – Muse of Nightmares – Das Geheimnis der Träumerin
Walter Moers – Rumo & die Wunder im Dunkeln
Monika Peetz – Das Herz der Zeit – Die vergessenen Geschichten
Marah Woolf – TausendMalSchon

Geschenkt:
Charlotte Seager – Mein (geheimes) YouTube-Leben
Ildikó von Kürthy – Morgen kann kommen
Jay Asher & Carolyn Mackler – Wir beide, irgendwann
Marliese Arold – Piratenherz

Andreas Steinhöfel – Paul Vier und die Schröders

»Also, meine Lieben«, sagte Frau Döller mit einem eleganten Wellenschlag ihre Doppelkinns, »ich darf euch mitteilen, dass letzte Nacht das Schröderhaus wieder bezogen worden ist.«

Die »Neuen« sind da! Weil die Schröders alles andere als eine normale Familie sind, ist in der gediegenen Ulmenstraße bald die Hölle los. Denn fast jeden Tag sorgt eins der vier Schröder-Kinder für Ärger und Aufregung in der Nachbarschaft. Nur Paul Walser, genannt Paul Vier, mag die Schröders, vor allem Delphine mit den wunderschönen grünen Chromaugen. Aber auch er muss hilflos mit ansehen, wie sich die Ereignisse dramatisch zuspitzen. (Klappentext)

Der angehende Lehrer hier im Haushalt hat sich vorbildlich die aktuelle Klassenlektüre des 5. Jahrgangs besorgt. Und ich wollte es – vielleicht, vielleicht auch nicht – irgendwann mal lesen. Doch dann war der 30. April und ich wollte so gern noch für die Monatsstatistik ein Buch lesen. Also habe ich kurzerhand „Paul Vier und die Schröders“ an einem Stück gelesen.

Paul lebt in einer ganz beschaulichen, spießigen Straße. Jeder kennt jeden und vor allem hat jeder über jeden eine Meinung. Klatsch und Tratsch verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Die scheinbare Idylle wird getrübt als Pauls Nachbarhaus wieder bezogen wird. Mutter Schröder hat das Haus von ihren Großtanten geerbt – und die seltsamen fünf, Mutter und vier Kinder, bringen Unmut in die Straße, denn sie sind anders.

Es wird schnell deutlich: Dieses Anderssein bringt Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt und ist das zentrale Thema des Buches. Die vier Schröderkinder sind besonders in ihrer Erscheinung, aber auch ihrem Geist. Für die Ulmenstraße ist schon ein Problem, dass die Mutter alleinerziehend ist und die Familie auch schlechter situiert ist als die anderen. Keiner möchte mit ihnen etwas zu tun haben, weder Nachbarn noch Mitschüler. Alle machen ihnen das Leben zur Hölle, nur Paul schließt sie alle schnell ins Herz und unterstützt die Familie.

Obwohl das Buch für die Altersgruppe 10-12 Jahre empfohlen ist, ist es nicht plump geschrieben. Es setzt intelligente Leser voraus und das gefällt mir sehr. Auch die 30 Jahre, die das Buch schon alt ist, merkt man nicht.
„Paul Vier und die Schröders“ ging mir nah, vor allem, weil man die Schröders so gut kennenlernt. Alle vier sind coole, süße, intelligente, selbstständige und mutige Kinder, die nicht gemocht werden, nur weil sie so anders wirken. Doch vor allem, die Entwicklung, die bei Paul stattgefunden hat, war schön mit anzusehen.

Ich bin ehrlich: Ich habe nicht viel erwartet. Auf dem Buchrücken steht drauf, dass das Buch ab zehn Jahren ist. Es ist Schullektüre einer fünften Klasse. Ich habe mit okayem Durchschnitt gerechnet und wurde so krass überrascht. Ich bin so, so froh, es gelesen zu haben. Es hat mir Spaß gemacht und ich hoffe, Schüler nehmen sich diese Geschichte sehr zu Herzen!

Andreas Steinhöfel – Paul Vier und die Schröders
Carlsen, 11. März 2008 (Erstausgabe 1992)
ISBN 3551357439
156 Seiten
Taschenbuch; 5,99 Euro

Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek

Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gefüllt mit all den Leben, die du hättest führen können.
Alles, was du jemals bereut hast, könntest du ungeschehen machen.
Genau dort findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort zwischen Raum und Zeit, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, hat sie plötzlich die Möglichkeit, all das zu ändern, was sie aus der Bahn geworfen hat. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist? (Klappentext)

Ich war so gespannt auf dieses Buch, dass ich es direkt nach Erscheinen gekauft habe. Und dann lag es leider doch viel zu lange auf dem SuB. Endlich habe ich es in kürzester Zeit gelesen.

Als Nora stirbt, landet sie in der Mitternachtsbibliothek und ein Blick ins Buch des Bereuens eröffnet ihr eine Welt voller Möglichkeiten. Sie darf sich entscheiden, alles, was sie bereut, ungeschehen zu machen. Sie darf jeweils eines der unendlichen Bücher ihres Lebens lesen, in dem sie sich anders entschieden hat. Bei etwas oder jemandem geblieben ist, Dinge anders gemacht und durchgezogen hat. Und eines ist klar: Da findet sich doch ganz sicher das Leben, das sie endlich glücklich macht…

Ich liebe diese Idee. Denn trotz der Moralkeule, die ziemlich schnell mitschwingt, fand ich das Buch sehr heilsam. Ich bin mir sicher, dass bei vielen ein „Was wäre wenn“ ab und zu ins Gedankenkarussel einsteigt und ein paar Runden dreht. Dem widmet sich Matt Haig in „Die Mitternachtsbibliothek“ und bringt auch den Leser dazu, sich zu fragen, ob es wirklich heute alles so viel besser wäre, hätte man sich anders entschieden.

Mit Nora bin ich nicht so richtig warm geworden, aber das musste ich auch gar nicht. Mich interessierte weniger ihr Innenleben als vielmehr die verschiedenen Varianten ihres Lebens. Schade fand ich dabei nur, dass es von Anfang an klar war, welche einschneidenden Entscheidungen sie rückgängig machen wird. Ich hätte Lust gehabt, noch ein paar mehr „kreative“ Leben zu lesen, in denen ganz kleine Änderungen spannende Ergebnisse gebracht hätten. Für die Moral des Buches waren aber natürlich die großen Entscheidungen wichtig. Die Dinge, die auch die Leser bereuen würden.

Ja, ich fand das Buch wirklich toll, leicht zu lesen und einfach schön. Ich wäre nur gern noch ein wenig mehr überrascht worden. Die großen Wendepunkte Noras Lebens waren sehr schnell klar und die Moral war auch extrem schnell deutlich. Aber ansonsten wird es ziemlich sicher zu meinen liebsten Büchern 2022 gehören.

Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek
Originaltitel: The Midnight Library (September 2020)
Droemer, 1. Februar 2021
ISBN 3426282569
318 Seiten
Gebunden; 20,00 Euro

Ich lese jetzt „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig

Nachdem ich kurz vor Erscheinen des Buches damals eine Leseprobe gelesen habe, wusste ich, dass ich das Buch lesen muss. Gekauft war es dann schnell, fürs Lesen brauchte ich erst die Frage meiner besten Freundin, ob ich es mit ihr in einer Leserunde lesen möchte. Nun ist es endlich soweit…

Nora Seed beschließt zu sterben. Doch vor der Endgültigkeit hat Matt Haig die Mitternachtsbibliothek gesetzt. Nora bereut vieles, was sie nicht getan hat. Nun darf sie die all die Leben ausprobieren, in denen sie sich anders entschieden hat – weitergemacht, durchgezogen, zusammengeblieben. Irgendetwas wdavon wäre bestimmt das perfekte Leben geworden. Oder?

Erster Satz:
„Neunzehn Jahr bevor sie beschloss zu sterben, saß Nora Seed in der warmen kleinen Bibliothek der Hazeldene School in Bedford.“

Sebastian Fitzek & Micky Beisenherz – Schreib oder Stirb

Ein Psychiatriepatient mit einem diabolischen Angebot.
Ein Literaturagent mit einem außergewöhnlichen Sinn für Humor.
Und ein Leben, das von einem Buch abhängt, das erst noch geschrieben werden muss. (Klappentext)

David Dolla ist ein erfolgreicher Literaturagent, der solange ein recht entspanntes Leben führt, bis er in einer psychiatrische Klinik gelockt wird. Der Entführer der kleinen Pia stellt David vor die Wahl: Entweder verschafft David dem Patienten eine Million Euro Vorschuss für ein True Crime Buch und rettet die kleine Pia, oder – sollte David das Angebot ablehnen – Pia wird sterben und Davids Leben wird die Hölle auf Erden. Und David tut das, was man eben tut, wenn ein Irrer einem ein unsinniges Angebot macht: Er lehnt ab. Und die Hölle tut sich auf…

Monatelang hatte ich das Buch schon vorbestellt. Ich habe mich sehr auf das neue Buch meines Lieblingsautoren gefreut. Die Prise Beisenherz brauchte ich dabei zwar nicht, finde den immerhin auch gar nicht mal so lustig, aber gut, kann ja was werden.
Und direkt am Anfang merkte ich dann schon, dass es trotzdem leider nichts geworden ist. Zumindest nicht der Humor.

Liest man sich durch verschiedene Rezensionen zu dem Buch, liest man immer wieder von erzwungener Komik und unlustigen Vergleichen. Dinge wurden nicht einfach beschrieben, sondern mussten sich mit vollkommen absurden Sachen gleichstellen lassen.
Ich kann das alles so nur unterschreiben. Ich habe ein einziges Mal gelacht und das nur, weil mich ein Beleidigung, die ich selber gern nutze, kalt erwischte. Ansonsten habe fand ich diese vollkommen unlustige Komik eher als störend und das Buch künstlich aufblähend. Ich habe mich dann recht schnell entschieden, darüber einfach hinwegzulesen. Dann wurde es besser.

Die Story an sich fand ich nämlich eigentlich ziemlich cool. Storys über entführte Kinder können mich zwar nicht hinterm Ofen hervorlocken, aber hab ich mal so hingenommen. Ich mochte eher die Idee mit dem Buch, das David schreiben soll über seine aktuelle, horrorhafte Lebensrealität und die Frage, warum der Entführer das alles so macht.

Leider hatte ich quasi ab Sekunde eins den richtigen Riecher für den großen Knall des Buches. Und damit haben sich ganz viele Fragezeichen des Buches für mich nie gestellt. Denn mit der Lösung, die mir von Anfang an absolut klar war, waren alle Unmöglichkeiten des Buches absolut möglich. Ich sollte Recht behalten. Damit wurde ich leider nicht so überrascht, wie ich es gern gewollt hätte.
Immerhin gab es noch ein paar mehr Schichten bei der Auflösung, was mir letztlich zu komplex war. Zu viele doppelte Böden und Auflösungen, die dann doch nochmal umgestoßen wurden. Weniger ist manchmal mehr.
Meiner Meinung nach gab es auch einige Logikfehler und Geheimhaltungen, die keinen Sinn ergaben. Hat alles etwas geknirscht.

Was ich außerdem nicht mochte, war, dass David den Leser regelmäßig anspricht. Ist eine persönliche Einstellung, ob man das cool findet oder nicht.
Cool ist insgesamt ein gutes Stichwort: Fand ich es cool, dass Fitzek sich mit Beisenherz zusammengeschlossen hat für das Buch? Eigentlich ja. Fand ich es gut gemacht? Nein.
Aber die Idee des Buches fand ich schon cool. Und trotz meiner sicheren Lösung auch einigermaßen spannend. Aber mehr halt auch nicht.

Sebastian Fitzek & Micky Beisenherz – Schreib oder Stirb
Droemer, 30. März 2022
ISBN 3426282739
333 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro

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