Paula Hawkins – Wer das Feuer entfacht

Drei Frauen. Drei Schicksale.
Ein schreckliches Verbrechen,
das ihre Welt erschüttert.

Auf einem Hausboot in London wird die Leiche eines brutal ermordeten jungen Mannes gefunden. Besonders drei Frauen geraten danach ins Visier der Ermittlungen.
Laura, die aufgewühlt wirkende junge Frau, die nach einem One-Night-Stand mit dem Opfer zuletzt am Tatort gesehen wurde. Carla, die Tante des Opfers, bereits in tiefer Trauer, weil sie nur Wochen zuvor eine Angehörige verlor. Und Miriam, die neugierige Nachbarin, die als Erste auf die Leiche stieß und etwas vor der Polizei zu verbergen scheint.
Drei Frauen, die einander kaum kennen, mit ganz unterschiedlichen Beziehungen zum Opfer. Drei Frauen, die aus verschiedenen Gründen zutiefst verbittert sind. Die auf unterschiedliche Weise Vergeltung suchen für das ihnen angetane Unrecht. Wie weit würde jede einzelne von ihnen gehen, um Frieden zu finden? (Klappentext)

Als ich „Wer das Feuer entfacht“ als Rezensionsexemplar bekommen habe, habe ich mich so sehr gefreut. „Girl on the Train“ liegt seit April 2015 auf meinem SuB, aber ständig habe ich so viel Gutes gehört. Da kann das neue Buch von Paula Hawkins doch nicht schlecht sein. Aber dann stolperte ich immer wieder über extrem negative Rezensionen, bekam Angst und stellte das Buch zurück in der Prio-Liste. Doch nun war es soweit und ich habe es gelesen.

Vorweg: Auch ich kann leider keine positive Rezension schreiben. Ich glaube, das Buch hat zwei große Probleme: 1. der Vergleich mit „Girl on the Train“ (was ich, wie gesagt, nur von anderen gehört habe bisher) und 2. den Klappentext. Er schürt Hoffnungen, Thriller oder wenigstens Krimi zu sein. Dramatik, Zerstörung, Wut. Düster auf jeden Fall.

Im zweiten Kapitel wurde die Leiche bereits gefunden. Ab da gab es ein schieres Hin und Her. Es wurde zwischen fünf Perspektiven und Zeiten wild gewechselt. Es sind fünf extrem problembeladene Personen, die zum größten Teil auch noch unsympathisch und unangenehm sind. Jeder Person gibt Paula Hawkins unfassbar viel Zeit, die eigene Geschichte immer und immer wieder zu wälzen. Es geschehen ermüdend viele Wiederholungen. Die immergleichen Storys werden nicht nur von unterschiedlichen Figuren erzählt, sondern auch mehrfach von derselben. Erst grob, beim nächsten Mal mit mehr Details, beim nächsten Mal komplett – mit Glück.
Sie alle haben schwere Schicksalsschläge erleiden müssen, keine Frage. Manche hängen unmittelbar mit dem Opfer, Daniel, zusammen andere kein bisschen. Aber beim Lesen kam es mir kaum so vor, als würden wir uns der Auflösung des Falls nähern. Der Mord wurde nie aus den Augen verloren, aber sehr lange auch nicht so richtig behandelt.

In all den Geschichten abseits des Mords geht es zentral noch um einen dramatischen Vorfall aus Miriams Jugend, über den sie einen Roman geschrieben hat, der scheinbar von einem erfolgreichen Autoren abgekupfert wurde. Aus dem Buch des Autoren werden immer wieder seitenweise Auszüge geteilt. Auch das nimmt sehr viel Raum im Buch ein, bringt den Fall um Dan aber nicht weiter.

Am Ende wird der Mord natürlich noch aufgeklärt, aber groß überraschend war es einfach nicht mehr. Hatte man sich dann auch irgendwann schon gedacht.

„Wer das Feuer entfacht“ lässt sich super leicht lesen. Aber mich hat eigentlich nie interessiert, was da noch kommt. Es war nicht spannend, die Figuren waren unsympathisch und uninteressant, der Mord irrelevant, nicht aufregend, nicht neuartig, durch das Sprunghafte zum Teil verwirrend.

Paula Hawkins – Wer das Feuer entfacht
Originaltitel: A Slow Fire Burning (August 2021)
‎Blanvalet Verlag, 6. September 2021
ISBN 3764507829
413 Seiten
Gebunden; 20,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

R. L. Stine – Fear Street – Schule der Albträume

stine_schule-der-albtraeume„Schule der Albträume“ enthält die beiden Einzelnbände „Schulschluss – Diese Klasse wird deine letzte sein“ und „Prüfungsangst – Nur ein kleiner Betrug“.

Lily hasst ihren neuen Lehrer wie die Pest. Zum Dank für seine schlechten Noten würde sie ihn am liebsten erwürgen. Eines Morgens wird ihr Rachetraum zur fürchterlichen Realität: Mr Reiner liegt leblos neben dem Pult.
Auch für Terry ist Schule die reinste Hölle, denn sie wird von einem Mitschüler erpresst. als dieser eines Tages unter mysteriösen Umständen stirbt, fällt der Verdacht natürlich als Erstes auf sie… (Klappentext)

Stine_Schulschluss

Lily ist unglaublich ehrgeizig, die Klassenbeste zu sein, ebenso wie ihre beiden älteren Schwestern es waren. Doch Lehrer geben ihr nicht die Noten, die sie verdient und andere Schüler sind harte Konkurrenz. Erst gibt es Tote und dann unheimliche Anrufe für Lily…

Das war vielleicht das schlechteste Fear-Street-Buch, das ich je gelesen habe.
Die Ausgangslage war ja typisch Fear Street und passte soweit auch. Aber die Umsetzung fand ich katastrophal.

Wie immer sind die Figuren austauschbar und flach. Es gibt keinen Hintergrund und nur wenig Charakter. Aber das ist ja generell ok. Bei knapp 150 Seiten liegt der Fokus einfach rein auf dem Fall. Doch Lily war einfach extrem unsympathisch. Ihr Ehrgeiz war anstrengend und dass sie nicht sagen konnte, was sie denkt, nervte. Als hätte sie keine Lust, all die Gerüchte und falschen Gedanken ihrer Freunde richtigzustellen.

Die Tode, die passierten bargen auch wenig Reiz, da direkt klar war, was passiert ist. Und die anderen Bedrohungen waren auch recht schnell aufgeklärt. Die weitere Handlung plätscherte so vor sich hin und bargen absolut keine Überraschungen mehr.

Wie so oft erkennt man an der Sprache, dass das Buch schon älter ist. Sie ist gestelzt, umständlich und auch deutlich zu alt für Schüler einer Highschool. Einfach in Gänze vollkommen unmodern.

Und das wäre es: Eine unsympathische und nervige Protagonistin, eine langweilige Story und eine unangenehme Sprache. Absolut nichts an dem Buch hat Spaß gemacht. 1,5 Sterne.

Stine_Prüfungsangst„Prüfungangst“ habe ich vor über fünf Jahren schon gelesen und deswegen in diesem Buch weggelassen. Das habe ich damals gesagt:

Die Ausgangssituation ist für Jugendliche, die die Zielgruppe sind, natürlich näher dran als für Erwachsene. Terry lässt ihre Matheprüfung von Adam schreiben und dieser erpresst sie danach mit diesem Geheimnis. Er bedrängt sie immer mehr und möchte immer mehr von ihr bekommen.

Allein die Art der Forderungen und das Bedrängen schaffte auch eine unangenehme Atmosphäre für mich als Leser. Schnell wuchs bei mir die Spannung, was Adam sich als nächstes ausdenkt und ich fühlte mit Terry mit. Gefangen in dem Kreislauf aus Drohungen und Forderungen bekam selbst ich Beklemmungen.

Trotzdem konnte ich Terrys Verhalten nicht immer nachvollziehen. Meiner Meinung nach hätte sie sich schneller aus der Situation befreien können und der Spuk wäre zu Ende gewesen. Aber das ist halt nicht Sinn und Zweck der Fear-Street-Bücher.

Insgesamt waren die Figuren aber wieder alle blasse 17jährige, die nichts Einzigartiges an sich haben. Nur Adam und seine Clique waren spezieller. Aber Terry, ihre Freunde und ihre Familie könnten dieselben Personen wie aus allen anderen Fear-Street-Büchern sein, so ähnlich sind die Hauptfiguren.

Der Fall scheint bei „Prüfungsangst“ erst einmal ziemlich klar und geradlinig, aber R. L. Stine hat es geschafft, überraschende, aber logische Wendungen, einzubauen.

Die Sprache kam mir deutlich moderner vor als in den Büchern der Reihe, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Sie war immer noch nicht besonders elegant, aber hatte auch nicht mehr unbedingt einen Fremdschäm-Charakter.
Im Vergleich zu meinen letzten Fear-Street-Rezensionen schneidet Prüfungsangst definitiv besser ab. Natürlich kann ich nicht denselben Bewertungsstandard anlegen wie bei Erwachsenen-Thrillern.
Aber für die Spannung, Fall-Qualität und in Verhältnis zur Zielgruppe bekommt dieser Teil 4 Sterne.

R. L. Stine – Fear Street – Schule der Albträume
Enthält die Einzelbände:
Schulschluss – Originaltitel: Final Grade (1995)
Prüfungsangst – Originaltitel: The Cheater (1993)
Loewe, 2007
ISBN 3785559720
301 Seiten
Taschenbuch; 4,95 Euro

Andere Bücher der Reihe:
Fear Street – Das Skalpell – Originaltitel: The Knife
Fear Street – Die Falle – Originaltitel: Wrong Number 2
Fear Street – Die Mutprobe – Originaltitel: The Thrill Club
Fear Street – Eingeschlossen – Originaltitel: Ski Weekend
Fear Street – Falsch verbunden – Originaltitel: Wrong Number
Fear Street – Prüfungsangst – Originaltitel: The Cheater
Fear Street – Rachsüchtig (Neuauflage von „Halloween“) – Originaltitel: Halloween Party
Fear Street – Jagdfieber – Originaltitel: Partysummer
Fear Street – Im Visier – Originaltitel: College Weekend

Julian Barnes – Lebensstufen

Julian Barnes schreibt über die menschliche Existenz – auf der Erde und in der Luft. Wir lernen Nadar kennen, Pionier der Ballonfahrt und einer der ersten Fotografen, die Luftaufnahmen machten, sowie Colonel Fred Burnaby, der zum eigenwilligen Bewunderer der extravaganten Schauspielerin Sarah Bernhardt wird. Und wir lesen über Julian Barnes‘ eigene Trauer über den Tod seiner Frau – schonungslos offen, präzise und tief berührend. Ein Buch über das Wagnis zu lieben. (Inhalt der Titelklappe)

Ich bin ein bisschen mit Angst an das Buch herangegangen. Angst, dass ich mich durchquälen muss und überhaupt keinen Zugang finden werde. Aber ich wollte der Sache eine Chance geben. Vielleicht finde ich hier unverhofft eine Perle.

„Lebensstufen“ ist in drei Teile gegliedert: Die Sünde der Höhe, Auf ebenen Bahnen, Der Verlust der Tiefe.
Im ersten Teil lernen wir verschiedene Ballonfahrer kennen, sind aber vor allem bei Félix Tournachon, genannt Nadar. Dieser stürzte mit seinem Ballon Le Géant ab und überlebte. Doch nicht nur seine Leidenschaft zur Ballonfahrt machte ihn berühmt, sondern auch seine frühen Vorstöße in der Fotografie. So war er der erste, der die Pariser Abwasser Kanäle fotografierte – und das komplette Gegenteil: Paris von oben.
Der zweite Teil dreht sich um Colonel Fred Burnaby, der nicht nur eine große Liebe zur Ballonfahrerei besaß, sondern auch zur Schauspielerin Sarah Bernhardt.
Im letzten Teil, der etwa die Hälfte des Buches umfasst, widmet sich Julian Barnes dann seinem Verlust. Nach fast 30 Jahren Ehe ist seine Frau Pat gestorben. Wie er danach weiterlebte, beschreibt er in dem Buch sehr ausführlich.

Das Buch behandelt nur reale Persönlichkeiten. Alle Ballonfahrer und ihre Leistungen existierten, auch Sarah Bernhardt gab es so wie hier beschrieben. Der erste und der zweite Teil sind noch in einigen Punkten zusammenhängend, doch die Brücke zum dritten Teil fehlt mir vollkommen. Bis auf wenige Sätze, auf die Barnes zurückgreift und auf seine Situation anwendet.
Generell sind alles aber eher einzelne Teile über Leidenschaft und Liebe, die miteinander aber wenig zu tun haben.
Leider fehlte mir das Interesse an den Ballonfahrern. Es wurde alles so sachlich, altbacken und unemotional beschrieben. Eher eine Abhandlung der Errungenschaften und Laufbahnen. Wie ein langer, ausgeschmückter Lexikon-Eintrag.

Der Herzstück, und das sieht man auch an den Zitaten der Rezensionen, die auf das Buch gedruckt wurden, ist der Teil, den Julian Barnes über sein eigenes Leid nach dem Tod seiner Frau schrieb.
Nachdem ich die ersten beiden Teile also langweilig, unspannend und anstrengend geschrieben fand, hoffte ich auf den letzten Teil.
Doch da schrieb ein Mensch, den ich nicht kenne, über den Verlust einer Frau, die ich nicht kenne. Es gab aber auch keine Möglichkeit, die beiden kennenzulernen. Als die Schilderungen beginnen, war Pat schon tot. Und Julian Barnes war schon in seinem Leid. Ich konnte so einfach keine Bindung zu den beiden aufbauen.
Die Situation nach dem Tod fand ich dann recht sachlich geschildert. Als würde er versuchen, eine Leere mit Worten zu füllen. Ich fand es weder intensiv noch berührend noch auf irgendeine Art interessant. Er beschrieb kurz und knapp seine Gedanken und Entwicklungen über die Jahre. Dabei war die Schreibart nicht mehr ganz so altbacken, aber auch bei weitem nicht modern. Er zog viele Beispiele heran, wie in seinem Freundeskreis mit ähnlichen Situationen umgegangen wurde und der Tod war allgegenwärtig.
Ich fand auch den Teil uninteressant, langweilig, unemotional und es hat mich kaltgelassen.

Ich habe mich nicht absolut durchquälen müssen, habe aber alles vollkommen gleichgültig gelesen. Ein bisschen wurde ich zwischendrin an einen wissenschaftlichen Text aus der Uni erinnert.
Für mich gibt es nicht eine positive Sache, die ich an dem Buch finden konnte. Auf der neutralen Seite steht immerhin, dass Julian Barnes mir an sich nicht unsympathisch war, das Buch nicht so schlimm war, dass ich es abbrechen musste und vor allem, dass es kurz war.

Julian Barnes – Lebensstufen
Originaltitel: Levels of Life (September 2013)
Kiepenheuer&Witsch, 9. Februar 2015
ISBN 3462047272
142 Seiten
Gebunden; 16,99 Euro (auch als Taschenbuch erhältlich)

Jan Dosenwerfer – Der Ball ist nicht aus Kuchen

Das Kind war geplant, das Buch ist passiert

Jan Dosenwerfer stammt aus Preußen und wohnt heute in Wien. Er ist im Brotberuf Bäcker und im Nebenerwerb Humorist. Seit 2016 ist er Vater eines Sohnes und schreibt auf, was der so macht und von sich gibt. Und das ist größtenteils sehr lustig.

1.4.2016
Babys stehen gerne möglichst früh auf, damit sie rechtzeitig mit ihrem Tagwerk (Herumliegen) beginnen können.

31.8.2018
Sohn (zeigt traurig auf den Ball am Boden): „Ball nicht aus Kuchen…“

17.9.2019
Der Sohn (nachdem er eine Ribisel gegessen hat): „Oh, sauer! Aber das macht nix, es ist nur schlimm.“ (Klappentext)

Wie ich an der einen oder anderen Stelle schon erwähnt habe: Ich bin Anfang diesen Jahres Mutter geworden. Umso mehr man sich in Social Media mit dem Thema (Klein-)Kinder beschäftigt, umso mehr unfassbar komische Geschichten liest man. Witzige Antworten, unglaubliche Taten, niedlich-naive Fragen – Kinder können so viel Lustiges bieten.
Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich für ein Rezensionsexemplar von „Der Ball ist nicht aus Kuchen“ angefragt wurde. Ich hatte meine Lachmuskeln schon mal aufgewärmt.

Für dieses kurze Büchlein habe ich ungefähr 30 Minuten gebraucht. Gelacht habe ich leider nicht eine Sekunde.
Es ist so schade. Als junge Mutter zähle ich sicher zur angepeilten Zielgruppe und ich fand es richtig schlecht. Es gibt wahnsinnig viel, was Jan Dosenwerfer meiner Meinung nach falsch gemacht hat.

Es gibt keinerlei Einleitung. Wer bist du? Was kannst du? Warum sollte ich mich für dich und dein Kind interessieren? Auf nichts davon bekommt der Leser eine Antwort.
Es fehlt auch vollkommen an der Emotionalität. Als fünften Eintrag findet man plötzlich:

5.3.2016
36 Stunden hat’s gedauert, aber jetzt ist er da, der Bastian!

Nun gibt es also nicht nur einen Mann, zu dem ich keine Verbindung habe, sondern auch ein Kind.
Die Einträge klingen meist, als wären sie schlicht aus Twitter-Einträgen von Jan Dosenwerfer zusammengezimmert:

6.12.2016
Wenn man schaut, ob das Baby eh noch atmet und es einem leicht gemacht wird, weil es schnarcht…

Schreibfehler sind in diesen „Tweets“ inklusive. Viele Schreibfehler. Zusätzlich gehört „bissi“ anstelle von „bisschen“ und „<3“ für mich in kein Buch, das sich mitteilen will und keinen fiktiven Chat abdruckt. Und vor allem ist es unfassbar uncool, wenn „ein“ durch die Ziffer ersetzt wird („Gut, kaufst sie ihm halt auch wenn’s 1 Dreck ist […]“ (fehlendes Komma geht nicht auf m1 Kappe).

Ab und zu sollen die Tweets durch eine Zeichnung des Geschriebenen aufgelockert werden. Ungünstig nur, wenn der Eintrag nichts aussagt („Immer wieder gut, wenn Kinder sich verstecken…“), man für das dazugehörige Bild aber erst umblättern muss.

Das wären ja alles noch kleine Schönheitsfehler, wenn ich gelacht hätte. Aber wie schon gesagt: Das habe ich nicht. Das konnte ich nicht. Testweise habe ich meinem Freund (sprich: dem Vater meines Babys) einige Einträge vorgelesen. Er guckte mich nur latent erschüttert an.

Die restlichen Einträge sind repetitiv, nicht lustig, nicht niedlich, nicht interessant („Der Sohn hustet immer mit gerollter und leicht rausgestreckter Zunge.“), gewollt cool („Jetzt steht er neben dem Bett und ist heftig am Snacken. Wie hart kann man sich gönnen?“), aufeinanderfolgende Einträge beginnen identisch, ohne Sinn („Sohn: Wo ist das Messer?“) und vollkommen irrelevant:

13.1.2019
Ich: Was willst du zum Abendessen?
Sohn: Dinosuppe mit Schokolade!
(Er meint damit Grießkoch mit Kakaopulver.)

Ich verstehe es ja… Meine Tochter kann noch nicht reden, sie hat also nur Mimik und Gestik und ich lache manchmal so sehr, weil sie so lustige und niedliche Dinge macht. Und manchmal muss ich es einfach in ein Erinnerungsbuch schreiben. Aber meistens muss man erstens dabei gewesen sein und zweitens braucht man die (emotionale) Verbindung zum Kind, um die Dinge so unfassbar süß und lustig zu finden. Das war ich bei Bastian nicht. Das habe ich zu Bastian nicht.
Für die Dosenwerfers sind die Einträge in ein paar Jahren bestimmt Gold wert. Für den Leser ist dies ein vollkommen unnötiges Buch, das keinerlei Mehrwert bringt.

Jan Dosenwerfer – Der Ball ist nicht aus Kuchen – Die ersten 3 Jahre mit Kind
Holzbaum Verlag, 01. November 2019
ISBN 3902980842
108 Seiten
Taschenbuch; 10,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Dietmar Bittrich – Lasst uns roh und garstig sein

… und uns recht von Herzen amüsier’n!
Fliehende Karpfen, brennende Gänse, zähe Verwandte, entblößte Weihnachtsmänner, verweigerte Geschenke, einstürzende Christbäume, plötzliche Trennungen, gemeuchelte Kirchgänger, Teufel, Engel und Blitzeis… (Klappentext)

Vor ziemlich genau sieben Jahren habe ich dieses Buch geschenkt bekommen. Mit seinen 24 kurzen Geschichten war es prädestiniert, um im Jahr darauf als literarischer Adventskalender zu fungieren. Doch da hatte ich es vergessen. Und Jahr um Jahr verzögerte es sich, dass ich das Buch aus dem Schrank zog. Doch dieses Jahr war es endlich soweit. Ich wollte täglich ein Kapitel lesen und habe am 01. Dezember begonnen. Doch wie es dann so ist – mal las ich ein paar Tage vor, mal ein paar nach. Und so wurde ich vor dem 24. Dezember mit dem Buch fertig.

Ich will es kurz machen, es ist kurz vor Weihnachten, alle sind im Stress: Das Buch ist leider sehr, sehr schlecht.
Die Geschichten sind durchweg langweilig, bauschen uninteressante Geschehnisse auf, sind weder lustig noch besonders roh oder garstig und vor allem: Die ein oder andere Geschichte könnte genau so auch an Ostern oder im Hochsommer spielen, es würde rein gar nichts ändern.
Genau genommen machte mir nur eine Geschichte Spaß. Sie war thrillerartig, doch aufgrund der kurzen Seitenanzahl war sofort klar, wer der Mörder war und ich ahnte sogar das richtige Motiv. Spannung kam so leider nicht auf.
Grob geschätzt schüttelte ich nach 20 Geschichten jeweils genervt den Kopf, weil entweder die Geschichte oder die Sprache unmöglich waren. Bei der ein oder anderen Story gab es leider auch eine fatale Kombination beider Dinge.

Wenn man es sachlich betrachtet, gab es schon eine große Bandbreite an verschiedenen Geschichten, auch wenn (scheinbar) persönliche Erfahrungen als buchbarer Weihnachtsmann mehrfach vorkommen.
Paare, die sich trennen, weil sie zusammen bei Ikea einkaufen gehen, Karpfen, die nicht als Weihnachtsessen enden wollen, langweilige Weihnachten, an denen das Spannendste die geplatzte Suppenschüssel war, Menschen, die vom Deppenapostroph genervt sind, fatalistische Weihnachtsfeierei, unmögliche (Schwieger)Familien – man trifft auf einiges.
Das einzig Gute am Buch: Die Storys waren allesamt kurz. Kurzgeschichten halt.

So schön die Idee also ist, es ist Verschwendung, sich vom 1. bis zum 24. Dezember durch die Geschichten zu langweilen, auch wenn die Idee eines literarischen Adventskalenders ganz schön ist.

Dietmar Bittrich (Hg.) – Lasst uns roh und garstig sein – Die schönsten Weihnachtskatastrophen
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 01. November 2012
ISBN 3499630184
235 Seiten
Taschenbuch; 4,99 Euro

Fjodor Dostojewskij – Der Spieler

Spielen bedeutete für Dostojewskij gegen das Schicksal zu wetten. Genauso ist diese Roman entstanden – in gerade vier Wochen -, denn wäre das Manuskript nicht rechtzeitig fertig geworden, hätte er alles an einen habgierigen Verleger verloren. ›Der Spieler‹ gelang: das rasende Porträt eines Spielsüchtigen in den mondänen deutschen Casinos der Zeit: Wiesbaden, Bad Homburg, Baden-Baden.
›Der Spieler‹ ist Dostojewskijs spannendster und kürzester Roman – hier in der gefeierten Übersetzung von Swetlana Geier. (Klappentext)

Ich musste für ein Seminar und die abschließende Hausarbeit meinen ersten Dostojewskij lesen. Ich bin wirklich kein großer Fan von „den Klassikern“. Bisher konnte mich da noch keiner begeistert. Ich hoffte, dass sich das mit diesem Buch vielleicht ändern könnte.

Der junge Hauslehrer Alexej Iwanowitsch ist mit dem General und der dazugehörigen Gefolgschaft in Roulettenburg, wo sie auf ein erlösendes Telegramm warten. Der General ist hoch verschuldet bei dem Franzosen des Grieux, der ein Auge auf Polina, die Stieftochter des Generals geworfen hat. So wartet er täglich auf die erlösende Information vom Tode seiner Erbtante. Doch nicht nur zum Bezahlen der Schulden braucht er das Geld, er möchte damit auch Mademoiselle Blanche überzeugen, ihn zu heiraten.
Doch anstelle der Nachricht kommt die quicklebendige Tante höchstpersönlich. Und damit entstehen zum einen Konflikte und zum anderen wird angefangen, das Casino in Roulettenburg ausgiebig zu nutzen…

Ich bin schockiert. Nicht nur dass der Klappentext so unfassbar nichtssagend war (er steht ebenso auf den ersten Seiten des Buches, wo ja manchmal eine ausführlichere Inhaltsangabe ist), sondern dass er von Dostojewskijs spannendstem Roman spricht.
Man wird mitten hinein geschmissen in die Geschichte um Alexej und seinen Arbeitgeber. Ohne Erklärungen werden alle weiteren Figuren wie selbstverständlich eingeführt. Die Verbindungen untereinander zeichneten sich nach und nach ab. Dabei fehlte auch direkt das Problem des Buches. Etwas, was gelöst werden muss. Ich wusste nicht, was mich erwarten wird. Relativ bald kristallisierte sich das Geldproblem ab, das mich aber vollkommen kalt ließ. Der Leser baut keine Verbindung zum General auf und auch zu niemandem anderen. Es war mir also von vornherein egal, ob alle Schulden beglichen werden oder der General und seine Begleitungen zugrunde gehen.

Die Darstellung ließ mich also unfassbar kalt. Es änderte sich erst ein wenig, als die Tante auf der Bildfläche erschien und mich mit ihrer direkten und dreisten Art sogar mal zum Schmunzeln brachte. Ihr Auftreten war auch der Auslöser für Casino-Besuche verschiedener Leute und damit ein Strudel hinab in die Spielsucht.
Dem Buch ist vorangestellt „Aus den Aufzeichnungen eines jungen Mannes“. Alexej ist der Ich-Erzähler, der im Laufe des Buches immer mehr in einen Wahn verfällt, wodurch die Aufzeichnungen wirrer und unsicherer werden. Aber auch wenn man merkt, dass er immer mehr durch seine Beschreibungen hetzt und Zeiten überspringt, kommt dieses Abrutschen in den Wahn nicht so klar heraus, wie es wohl beabsichtigt war.

Auch wenn die Tante einigermaßen sympathisch für mich war und Alexej mir allein aufgrund der Erzählerschaft näher war, konnte ich mich mit niemandem identifizieren. Niemandes Schicksal interessierte mich.

Ich sollte für das Seminar extra die Übersetzung von Swetlana Geier lesen. Ich habe keinen Vergleich und weiß auch nicht, ob es letztlich am Original lag, aber dafür, dass das Buch bald 150 Jahre alt ist, ließ es sich einigermaßen angenehm lesen. Aber trotzdem waren viele Sätze oft zu lang und zu verschachtelt. Alles wirkte gestelzt und alt, aber das liegt in der Natur der Sache.

Ich war nicht begeistert. Um nicht zu sagen, ich fand das Buch ganz, ganz schlimm.
Diese Darstellung der Situation zwischen dem General und seinen Leuten interessierte mich nicht. Seine Geldprobleme waren mir egal. Es kam kein Stück Spannung auf. Ich mochte die Personen und die Sprache nicht. Einzig die Tante hob ein wenig meine Lesestimmung. Minimal versteht sich.
Vielleicht lag es auch an mir und nicht an dem Buch. Vielleicht bin ich Kulturbanause und verkenne die Genialität des Buches und der langsamen Darstellung des Wahns. Ich weiß es nicht. Aber für mich ganz persönlich verdient das Buch nur .

Fjodor Dostojewskij – Der Spieler
Originaltitel: Игрок (Igrok) (1876)
FISCHER Taschenbuch, 11. November 2011
ISBN: 3596188997
229 Seiten
Taschenbuch, 9,99 Euro

Magdalena Nirva – Magdalena 24h

»Ich war wie geschaffen dafür, das Objekt ihrer Begierde zu sein. Oft war es aber auch anders herum. Ich war der Jäger…«

Magdalena ist 24, Literaturstudentin und liebt Sex. Als sie nach ihrer gescheiterten Ehe mit ihrem Kind mittellos dasteht, wirft sie alle Bedenken beiseite und sagt sich: »Warum soll ich damit nicht auch Geld verdienen?« Um ihr Kind zu versorgen. Um die Universität abzuschließen. Um sich ein schöneres Leben leisten zu können. Auf der Suche nach neuer Liebe begegnet sie dem anziehenden Bad Boy Eagle. Die beiden beschliessen, ihrer Heimat Bulgarien den Rücken zu kehren und nach Wien zu gehen, wo sie als Callgirl viel Geld verdienen kann. Doch bald wird Eagle von seiner Vergangenheit eingeholt, und sie müssen Wien eilig verlassen. Und Magdalena gerät immer tiefer in Abhängigkeit zu Eagle, der sein ›goldenes Huhn‹ zunehmend rücksichtslos antreibt und eifersüchtig bewacht… (Klappentext)

Als mich Magdalena anschrieb, ob ich ihren biografischen Debütroman lesen möchte, war ich sofort begeistert. In das Milieu rund um Prostituierte und Escort-Damen werde ich persönlich nie hineinkommen. Auch wenn ich in Hamburg wohne, hat das Rotlicht-Viertel mit meinem Alltag nichts zu tun. Und gerade deswegen war ich gespannt auf ein paar Geschichten. Nachdem mir Magdalena in unserem E-Mail-Verkehr schnell sympathisch wurde, freute ich mich sehr auf das Buch und begann es direkt nach dem Erhalt zu lesen.
Das war im August.
Ich muss es sagen, wie es ist: Dieses Buch stürzte mich in eine tiefe Leseflaute.

Vielleicht ging ich mit den falschen Erwartungen an das Buch. Der Klappentext verspricht unter der Erklärung zum Inhalt „skurrile Begebenheiten und emotionale Verwirrungen“. Es wird gesagt, das Buch wäre „amüsant, berührend und unmoralisch“. Deswegen hoffte ich, dass es hauptsächlich aus kurzen Anekdoten bestehen wird. So, wie man es von vielen Büchern kennt. Viele verschiedene Männer, aufregende Geschichten und alles ein bisschen verbunden durch einen roten Faden.

Bekommen habe ich das Gegenteil. Magdalena rollt ihr Leben von der Kindheit an auf. All ihre Ex-Freunde werden ausgewalzt, ebenso wie ihre Probleme mit der Mutter und dem Ex-Mann. Natürlich verstehe ich, dass der Teil ihres Lebens wichtig ist, um zu verstehen, dass es kam, wie es kam. Aber selbst zum Ende hin, als sie im Milieu fest verankert war, wurden über Seiten ihre Kolleginnen und deren privaten Probleme beschrieben.
Ein paar Geschichten mit Freiern kamen natürlich drin vor. Für meine Erwartungen waren es jedoch zu wenig und Geschichten mit manchen Stammkunden zogen sich lang.
Vor allem fehlten einfach Einblicke in ihr Gefühlsleben. Sie ließ ihren Sohn in Bulgarien zurück, aber es fehlte der Schmerz einer Mutter. Sie war in einem fremden Land, aber die vollkommene Hilfslosigkeit wurde nur beschrieben und nicht gefühlt. Sie wird geschlagen und misshandelt, aber wie es ihrer Seele dabei geht, wird nicht gesagt.

Ich fand das Buch – anders als angepriesen – weder amüsant, noch berührend.
Alles war relativ plump niedergeschrieben. Für ein persönliches Gespräch wäre es so ok gewesen, aber für ein Buch war es zu wenig. Es fehlte ein klassisches „Buch-Feeling“. So gibt es beispielsweise rhetorische Fragen mitten im Text, die ungelenk wirken, wie ein eingestreutes: „Doch was ist das?“ (S. 256)

Durch die Mischung aus wenig leichtfüßiger Sprache und einer zu breitgetretenen Lebensgeschichte fehlte auch komplett die Spannung. Und auch mit dem Interesse war es bei mir nicht weit her. Tagelang, zwischendurch sogar wochenlang, zog es mich nicht zum Buch. Wäre der Weg von Bulgarien über Österreich nach Berlin knackig erzählt gewesen, wäre ich mehr dabei geblieben. Mich hätten mehr die Zustände beziehungsweise Termine in den Bordellen und Escort-Agenturen interessiert. Es muss einfach mehr Spannendes zu berichten geben, als hier aufgeschrieben wurde.

Die Freier sind unterschiedlicher Natur. Manche liebevoll, andere schüchtern und wieder andere eklig. Aber ich hatte mehr Skurrilität erhofft. Vor allem hätten die Geschichten pointierter erzählt werden können.

Ich war also inhaltlich wirklich nicht begeistert und dann kam auch noch dazu, dass ich die Buch-Magdalena, anders als die E-Mail-Magdalena, wirklich unsympathisch fand. Sie wirkte kalt, berechnend und arrogant auf der einen Seite und völlig irrational liebend auf der anderen. Immer wieder fielen Sätze, die vielleicht stimmten, aber einfach unsympathisch klangen: „Erst, seitdem ich dort die Drinks servierte, war es immer voll. […] Jedenfalls steigerte ich ganz schön den Umsatz.“ (S. 57); „Sie ist nicht die Frau, die ein Mann sofort haben will, wenn er sie sieht, so wie bei mir.“ (S. 245) oder „Ich bin vierundzwanzig, ich bin so jung, so hübsch […]“ (S. 310)

Insgesamt gab es ein paar nette Geschichten auf den 379 Seiten, aber ich wurde weder gefesselt, noch berührt oder zum Lachen gebracht. Es ist wirklich schade, ich hätte das Buch so gern gemocht.

Magdalena Nirva – Magdalena 24h
Independently published, 28. Juli 2017
ISBN 1521865701
379 Seiten
Taschenbuch; 15,90 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Florian Schiel – B.A.f.H. – Bastard Assistent from Hell

Schiel_BAfH

Der deutsche Akademiker gilt als der humorloseste und trockenste der ganzen Welt. Zumindest für ein kleines technisches Institut scheint diese allgemeine Auffassung nicht zu stimmen, denn dort treibt der Bastard Assistant from Hell, kurz BAfH, sein Unwesen.
Mit viel Sarkasmus und bösartigem Witz macht er seinem Chef, seinen Kollegen und nicht zuletzt seinen Studenten das sonst so beschauliche akademische Alltagsleben zu einer privaten kleinen Hölle, in der nie etwas so funktioniert, wie es sollte, nie etwas einfach erledigt wird, wenn es auch kompliziert geht, und kein Tag vergeht, ohne dass eine mittlere Katastrophe über den LEERstuhl hereinbricht. Dazu kommt noch, dass er das ganze Institut unerbittlich im Griff hält, weil nur er allein das Superuser-Passwort aller Institutsrechner kennt… (Klappentext)

Dieses Buch habe ich von einer lieben Freundin zu meinem Studienanfang geliehen bekommen.
Nun, nach dem ersten Semester, habe ich es mir zu Gemüte geführt. Ich hatte auf eine kleine, feine, lustige Lektüre gehofft. Die Geschichten entstanden ursprünglich vor fast 20 Jahren als Internet-Kolumne.

Es dauerte nur eine Geschichte, da fand ich den Bastard-Assistenten Leisch schon so unsympathisch, dass ich mich zusammenreißen musste, überhaupt weiterzulesen. Hätte mir meine Freundin das Buch nicht so angepriesen (und hätte ich nicht ein Verpflichtungsgefühl ihr gegenüber empfunden, weil es ihr so gut gefällt), hätte ich es entweder gar nicht beendet oder definitiv länger gebraucht.
Außerdem starb die Hoffnung, dass es doch noch besser wird, bis zur letzten Geschichte nicht. Leider vergeblich.

Dabei ist das Buch inhaltlich gar nicht mal uninteressant. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Münchner Uni hat weder Lust auf Arbeit, noch auf die Studenten oder seine Kollegen. Darum versucht er alles, um sich das Leben erleichtern und den anderen im gleichen Atemzug zu erschweren. Und das funktioniert reibungslos.

Dabei fehlte mir der Humor. Ich empfand es nicht mal als schwarzen Humor, sondern einfach nur als niveaulose Bösartigkeiten. Leisch war einfach nur gemein, ohne die Ambition, sich selber Spaß zu bereiten. Er wollte einfach nur seine Ruhe und machte dazu allen anderen das Leben zur Hölle. Dazu nutzt er vorrangig das Telefon- und Computernetz. Ein bisschen technische Ahnung ist deswegen nicht verkehrt, um dem Geschehen folgen zu können.

Insgesamt gibt es aber keinen roten Faden. Jede Geschichte ist in sich abgeschlossen. Es gibt jedoch wiederkehrende Figuren – allen voran die Kollegen.
Sympathisch war mir davon leider auch keine einzige. Die Sekretärin war ähnlich bösartig wie Leisch und die anderen Kollegen – selbst der Chef – waren durchweg naiv oder dumm.

So gut meiner Freundin das Buch gefallen hat, sie wenig Spaß hatte ich damit.
Ich musste mich leider durchquälen. Ich musste nicht lachen, war von den Gemeinheiten abgestoßen und konnte für mich auch nichts daraus mitnehmen.
Ich bin froh, dass sich die 265 aufgrund der großen Schrift und einfachen Sprache immerhin schnell lesen ließen. Nur deswegen gibt es: 1,5 Sterne.

Florian Schiel – B.A.f.H. – Bastard Assistent from Hell
Schwarten Verlag, 1998
ISBN 3929303094
265 Seiten
Taschenbuch; nicht mehr neu erhältlich

Nina Blazon – Faunblut

Blazon_FaunblutFast zwei Monate habe ich für dieses Buch jetzt gebraucht. Und das leider nicht, weil ich extra langsam gelesen habe, um es vollends zu genießen. Im Gegenteil. Ganz im kompletten Gegenteil.
Dabei klang der Klappentext eigentlich nach etwas, das mir gut gefallen könnte:

Eine Metropole am Rande der Zeit, eine Herrschaft im Zeichen der Gewalt und eine Liebe wider jede Vernunft.
Als Jade, das Mädchen mit den flussgrünen Augen, den schönen und fremdartigen Faun kennenlernt, steht ihre Welt bereits kurz vor dem Untergang.
Aufständische erheben sich gegen die Herrscherin der Stadt, und die sagenumwobenen Echos kehren zurück, um ihr Recht einzufordern. Jade weiß, auch sie wird für ihre Freiheit kämpfen, doch Faun steht auf der Seite der Gegner… (Text der Umschlagklappe)

(Kurze Warnung: Wer unmotiviertes Gejammere nicht lesen will, der springe besser zum letzten Absatz.)

Aaaach, es fängt ja schon beim Inhalt an. Als ich mir Gedanken gemacht habe, worum es denn nun genau ginge, fiel mir keine Antwort ein. Es geht um die Echos irgendwie. Und Liebe. Und die Regierung einer Stadt, von der man bis zum Ende nicht wusste, wie sie heißt und in was für einer Welt sie liegt. Vielleicht ging es aber auch um Selbstverwirklichung oder mittelalterliche Riten. Vielleicht auch um alles davon oder nichts. Wer weiß das schon so genau.

Und dieses ganze Übernatürliche. Die ganzen Wesen, die darin vorkommen. Die Echos allein oder Faun, der auch nicht so ganz menschlich zu sein scheint und der ein und andere noch zusätzlich. Mir war das zu wenig Erklärung. Klar, ich könnte das nun einfach so hinnehmen, dass die Welt da nun einmal so ist und fertig. Ist ja Fantasy. Trotzdem fehlte mir da Wissen.

Das ist überhaupt ein gutes Stichwort.
Man war sofort in der Geschichte drin, in der plötzlich Jade und Lilinn, die Köchin im Hotel Larimar, das von Jades Vater geführt wird, von Echos gejagt werden.
Es hat definitiv Vorteile, wenn es nicht noch eine riesige Einleitung gibt, aber es nervt mich auch, wenn einfach Personen erwähnt werden, aber mit keinem Sterbenswörtchen, wer das nun genau ist. Die Erklärungen, wer die Leute waren, kamen erst viele, viele Seiten später. Auch auf Ereignisse lässt sich das übertragen. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich gedacht, ich lese einen zweiten Teil. Ständig hatte ich das Gefühl, mir würde Vorwissen fehlen.

Ich hätte darüber vielleicht noch hinwegsehen können, wenn ich die Figuren gemocht hätte, aber nicht eine konnte ich gut leiden. Allen voran Jade, die ja ach so leidenschaftlich und störrisch und selbstständig und stark und… ja ja… nervig, das isse! Ich hatte das Gefühl, sie musste jeden irgendwie anpampen und ständig wurde sie wütend. Manche nennen es Impulsivität, ich nenne ich Aggressionsproblem.
Und auch die anderen Figuren… Ihr Vater Jakub war sogar noch unsympathischer. Er las sich immer grimmig, stur, kalt, jähzornig und verschlossen.
Jades bester Freund Martyn war vielleicht noch ganz nett, aber eine männliche Zicke.
Und Faun? Über den kann ich gar nicht erst reden. Ja, diese Figuren, bei denen man nicht genau weiß, woran man ist, sind ja interessant, aber er litt anscheinend auch unter argen Stimmungsschwankungen. Und dann erzählte er immer nur Halbwahrheiten, deren zweite Hälfte nur sehr langsam richtiggestellt wurde.

Vielleicht wäre ich sogar darüber noch hinweg gekommen, wenn die Liebesgeschichte mich wenigstens zum Schmelzen gebracht hätte. Hat sie aber nicht!
Erst konnten sich beide auf den Tod nicht leiden und ganz plötzlich kribbelte es und … BÄMM… plötzlich liebten sie sich heiß und innig. Das kann man mir nun so nicht erzählen. Liebe auf den ersten Blick gut und schön, aber dann soll man sich doch bitte am Anfang nicht so offenkundig blöd finden.

So und auch darüber wäre ich eventuell – im Fall aller Fälle – hinweg gekommen, wenn mich die Sprache mitgerissen hätte, mich inspiriert und mit schönen Bildern im Kopf zurückgelassen hätte. Und auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Hat sie aber nicht!
Die Sprache war so dicht, so voll, als würde Frau Blazon versucht haben, in möglich wenig Zeilen möglich viel Inhalt zu bekommen. All die Adjektive und Vergleiche (beide gern neu erfunden und seltsam verschwurbelt) machten es manchmal unmöglich fließend zu folgen. Ich fühlte mich durch die Seiten gehetzt und hielt es nicht selten nur drei Seiten aus, bis ich das Buch zur Seite legen musste, weil das Lesen mich erschöpfte.

Vielen Beschreibungen (zum Beispiel von Wegen, Fluchten oder Handlungen, die viele Bewegungsläufe beinhalteten) konnte ich auch nicht folgen, weil ich die Beschreibung so umständlich empfand. Ich verstand nicht, wo Jade sich jetzt wie langhangelt oder was sie mit ihrem Bein oder Arm macht oder um welche Ecke sie gerade biegt. Ständig las ich solche Abschnitte doppelt und dreifach.

Ich kann im Nachhinein kaum etwas Gutes über das Buch sagen.
Ja, die Idee mit den Echos war neu. Ein paar innovative Ansätze gab es sicher, die das Buch von anderen Fantasybüchern unterscheidet. Alles in allem fand ich das Buch aber nicht rund. Ständig schien mir Wissen zu fehlen, ich mochte die Figuren nicht, ich kam mit der Art zu schreiben nicht zu recht und alles in dem Buch kam mir zu unvermittelt: die Liebe zwischen Jade und Faun, das Chaos in der Stadt, alles war plötzlich mit riesigem Knall da.
Nein, ich mochte das Buch nicht. Es gibt 1,5 Sterne Sterne und der halbe Stern ist auch nur deswegen da, weil mich das Buch nicht zum Abbruch zwang.

Nina Blazon – Faunblut
cbt/cbj Verlag, 1. Dezember 2008
ISBN 978-3-570-16009-1
479 Seiten
Gebunden; 18,95 Euro
(als Taschenbuch erhältlich)

Wolfgang Brenner – Aber Mutter weinet sehr


Als der kleine Johann spurlos verschwindet, ändert sich das Leben seiner Eltern
radikal. Robert, der Vater, verlässt sich auf die Polizei, Marie, die Mutter,
hat Angst, dass es den Kriminalbeamten mehr um die Ergreifung des Entführers
als um das Leben ihres Kindes geht. Und dann hängt eines Tages eine Tüte an
ihrem Fahrrad. Darin das Handy ihres Sohnes. Marie beginnt sich heimlich mit
dem Entführer zu treffen. Sie fleht ihn an. Er lässt sie zappeln. Dann bricht
der Kontakt ab. Bis Marie durch Zufall die Identität des Täters herausfindet.
Das Spiel beginnt von vorne. (Klappentext)

Fangen wir mit den positiven Seiten des Buches an: Es liest sich flüssig.

So, nun zu den negativen Aspekten:

Es fängt schon einmal damit an, dass das Buch für mich kein Psychothriller ist, so wie es das Cover ankündigt.
Dazu ist es zu langweilig, ohne Spannungsbogen. Natürlich leidet Marie stark
unter dem Verlust ihres Sohnes, aber ich empfand es eher als Krimi.

Die Figuren waren ohne Ausnahme unsympathisch, distanziert und schlecht beschrieben. Gerade bei den beiden Hauptfiguren Robert und Marie fehlten
Beschreibungen des Äußeren. Da der Erzähler die ganze Zeit alles aus Maries
Sicht darstellte, kannte man immerhin ihr Innenleben, aber das half nicht dabei,
sie sympathischer zu machen.
Sowohl sie als auch alle anderen Figuren trafen NICHT EINE logische
Entscheidung. Sie tat quasi alles um gegen die Polizei zu arbeiten (ja, ich
kann vielleicht nachvollziehen, dass Mütter in dieser Situation nicht mehr
rational handeln, aber SO abwegig ja dann nun auch wieder nicht), Robert und
sie waren eh keine Einheit und die Polizei maulte, meckerte und war genervt von
den beiden, anstatt sie mehr zu unterstützen und ihnen Halt zu geben.
Auch weitere Nebenfiguren waren kein bisschen besser. Ganz im Gegenteil, alles
wirkte kühl und zu wenig emotional.
Die Figuren lügen und betrügen sich gegenseitig in einer Tour. Wenn sie
miteinander interagiert haben, hätte ich das Buch am liebsten weggelegt, so
schwer konnte ich es ertragen.
Der Einzige, der mir sympathisch war, war Johann. Und von dem hat man ja nichts mitbekommen außer, dass er weg war.

Maries Suche nach Johann war durchzogen von viel zu vielen Zufällen. Davon
abgesehen, dass das Ganze nicht spannend dargestellt war, konnte ich mich
eigentlich nur darüber lustig machen, wie konstruiert es war. Somit war es mir
auch (leider) recht bald egal, ob Johann überhaupt noch gefunden wird und ob er
dann lebt oder tot ist.
Was mich in diesem Zusammenhang auch stört, ist, dass die Anfangssequenz nicht
in den Rest der Geschichte eingebaut war. Dort wurde eine Kinderleiche gefunden
und Marie sollte sagen, ob es ihr Kind ist. War es nicht, aber diese Stelle war
mitten aus all der Zeit irgendwo rausgerissen und als alles chronologisch
erzählt wurde, kam sie nicht mehr drin vor. Ich habe keine Ahnung, wann das
passiert sein soll.

Bei den Vorteilen habe ich ja gesagt, dass sich das Buch gut lesen lässt. Das
stimmt. Es liest sich schnell, da die Sprache sehr einfach ist. Das heißt aber
noch lange nicht, dass sie gut ist.
Es fängt schon damit an, dass es Wörter und Wendungen gibt, die kaum jemand
benutzt.
So wurde zum Beispiel jemand mit dem Wort „Stoffel“ beleidigt, Figuren
untereinander waren sich „nicht gram“ und alles „ließ sich an“ als wäre es so
und so. Anstatt sich jemand richtig bemüht oder angestrengt hat, hat er sich
für seine Familie „aufgerieben“. Ein ehrgeiziger, unerfahrener Mann ist hier
übrigens ein „Heißsporn“.

Das hätte ich noch akzeptieren können, hätte der Autor nicht ganz
deutlich gezeigt, dass in seinem Kopf heute die Berliner Mauer noch steht. Ich
hatte irgendwann versucht mir einzureden, dass das Buch vielleicht aktuell
veröffentlicht wurde, aber eigentlich früher spielt, aber spätestens, als
Schüler-VZ eine Rolle spielte, ging das nicht mehr.
Es folgt eine kleine Auflistung meiner „liebsten“ Ost-West-Sprüche in diesem
Buch:

  1. „Ich dachte erst, das ist jetzt einer dieser Westmänner, die sich
    Frischfleisch im Osten besorgen wollen.“ (S. 150)
  2. „Bei uns im Osten…“ (S 161)
  3. „… Lores Leben im Osten.“ (S. 198)
  4. „Irgendwann hatte sie einen Mann aus dem Westen kennen gelernt…“ (S. 198 )
  5. „…Lores Umzug in den Westen…“ (S. 198)
  6. „Allerdings hatte der zuständige Beamte im Osten nicht unbedingt den
    Eindruck, dass die Eltern der betreffenden Person sehr kooperativ wären. Sie
    gehörten wohl zu den Bürgern, die alle Institutionen des Staates, in dem sie
    nun leben mussten, als westliche Zwangsinstrumente ansahen.“ (S. 199)
  7. „Während sie denen im Osten gezeigt haben, wie rücksichtsvoll die
    westdeutschen Ermittlungsbehören vorgehen,…“ (S. 204)
  8. „Um es deutlich zu sagen: Menschen, die vom Osten in den Westen ziehen,
    verändern ihr Aussehen sehr schnell.“ (S. 206)
  9. „Sie müssen von Tom, der Frau aus dem Osten und von ihrem Sohn sein.“ (An
    dieser Stelle wurde Lore übrigens schon hunderte Male „Lore“ genannt. Sie wurde wohl plötzlich degradiert.) (S. 207)
  10. „Und diese Frau aus dem Osten?“ (S. 233)
  11. „Chemnitz sah aus wie eine westdeutsche Kleinstadt.“ (S. 270)
  12. „Die Kennzeichen der unter den tief hängenden Kiefern geparkten Autos
    zeigten ihr, woher die Anwohner und Camper kamen: ausschließlich aus dem Osten.“
    (S. 279/280)

Dass Lore aus Chemnitz kommen musste, war ja fast klar. Die neuen Bundesländer
bestehen ja eigentlich auch nur aus Sachsen… und der Sohn musste natürlich
Kevin heißen. Der Name steht doch so schön für dumme Ostdeutsche.
Ich habe beim Lesen dieser Stellen wirklich Hass bekommen und verstehe nicht,
was der Autor sich dabei gedacht hat. Vor allem, da diese Unterteilung in „Ost “ und „West“ ansonsten komplett unwichtig für die Geschichte war.

In meinem Blog ist die niedrigste Bewertung „1 Stern“. Nur, weil es sich
schnell weglesen ließ, bekommt dieses Buch einen halben Stern mehr: .

Wolfgang Brenner – Aber Mutter weinet sehr
Albrecht Knaus Verlag, 3. September 2012
ISBN 3813505030
288 Seiten
Broschiert; 16,99 Euro

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