Jason Ward – Edgar Allan Poes Rätseluniversum

Tauchen Sie ein in die bizarre Welt von Edgar Allan Poe und werden Sie Teil seiner schaurigen Geschichten… 80 knifflige Rätsel, inspiriert von den bekanntesten Werken des Virtuosen des Grauens, garantieren ein unheimliches Rätselvergnügen. (Klappentext)

Weihnachten habe ich dieses Buch von meinem Freund geschenkt bekommen und nachdem ich das Rätseluniversum von Sherlock Holmes besucht hatte, zog ich direkt dieses Buch aus dem Regal.

Auch wenn mir der Name Edgar Allan Poe und seine Bedeutung in der Schauerliteratur natürlich bewusst ist, habe ich noch nie etwas von ihm gelesen. Umso mehr freute ich mich darauf, nicht nur stumpf Rätsel zu lesen, sondern Rätsel, die in seine Geschichten eingebettet wurden. Dabei bleibt das Grundgerüst stehen und nur hier und da gibt es Veränderungen, damit eine Rätselfrage hineinpasst.

Die Geschichten an sich fand ich nicht wirklich spannend. Sie waren immer von einem namenlosen Erzähler geschildert und handeln von verschiedensten unheimlichen Begebenheiten. Doch gruselig fand ich nicht eine. Dafür kann das Buch aber grundsätzlich recht wenig, denn es wurde sich eng an die Ursprungsgeschichten gehalten.
An den Rätseln hatte ich trotzdem Spaß. Sie waren nur leider nicht allzu vielfältig. Häufig musste man Rätsel des gleichen Typs lösen. Gerade anfangs rätselte ich noch richtig mit und hatte Papier und Stift im Anschlag. Umso weiter das Buch vorangeschritten war, umso eher blätterte ich direkt zur Lösung. Dies lag vor allem auch daran, dass es mein viertes Buch der Ullmann Medien am Stück war und einige Rätsel habe ich nun schon in mehreren Büchern gelesen.

Einen weiteren Kritikpunkt habe ich, der schraubt aber nur gering an der letztlichen Bewertung.
Das Buch ist in sieben Kapitel unterteilt, die die jeweiligen Geschichten darstellen. Das dachte ich zumindest. Es dauerte etwas, bis ich auf den kleinen Sarg am Ende jeder Seite achtete, der angab, in welcher Geschichte man sich befindet. Für mich ergibt es einfach keinen Sinn, warum in dem Kapitel sich nur jeweils die erste Hälfte an die namengebende Geschichte orientiert und es dann ohne Trennung (quasi eine neue Kapitelseite) nahtlos in eine andere Geschichte übergeht. Die Grenze war nicht immer deutlich.

Ich kann trotzdem ganz allgemein sagen, dass ich das Buch sehr mochte. Die Gestaltung war wieder wunderschön und jede Seite war ein Ereignis. Die Idee, sich an Poes Geschichten zu orientieren war klasse und die Rätsel wären sicher auch spannender gewesen, wenn man sie nicht schon in verschiedenen Büchern gelesen hätte.

Jason Ward – Edgar Allan Poes Rätseluniversum
Originaltitel: Edgar Allan Poe’s Puzzles From Beyond the Grave (August 2018)
Ullmann Medien GmbH, 24. September 2018
ISBN 3741523267
207 Seiten
Broschiert; 9,99 Euro

Frank Schuster – Das Haus hinter dem Spiegel

Eliza ist zurzeit ziemlich verdreht. Sie verwechselt links und rechts und schreibt plötzlich nur noch in Spiegelschrift, selbst ihre Klassenarbeiten. Ihre Schwester Lorina macht sich Sorgen. Ist Eliza tatsächlich in die Welt hinter den Spiegeln gelangt? Lorina schiebt alles auf ein seltsames altes Buch, das Eliza aus der Schulbibliothek geliehen und gelesen hat. Gemeinsam versuchen sie, Elizas Verwandlung auf die Spur zu kommen… (Klappentext)

Als Eliza ihrer Schwester sagt, sie würde gar nicht Eliza, sondern Alice heißen, dachte Lorina erst an einen Scherz. Doch Eliza benimmt sich auch seltsam, hat Erinnerungen an Dinge, die sie doch eigentlich gar nicht erlebt hat und kann plötzlich nur noch in Spiegelschrift lesen und schreiben. Aber sie kann doch nicht durch den großen, alten Spiegel gegangen sein. Oder? Gemeinsam mit ihrem Lehrer, Herr Hundsen, versuchen die beiden, der Sache auf die Spur zu kommen.

Ich mochte die Idee von Anfang an. Begeistert stürzte ich mich in die Lektüre und war sofort mitten im Geschehen bei der auf dem Boden sitzenden Eliza, die die schwarze Königin vom Schachspiel des Vaters in den Händen wiegt.
Von der ersten Sekunde an war ich gespannt, ob die Geschichte stimmt. Ist Eliza wirklich Alice? Denkt sie sich das vielleicht nur aus oder glaubt sie einfach nur ihrer eigenen Fantasie?
Allein deswegen las ich immer weiter. Ich wollte die Lösung unbedingt wissen.

Doch ich las auch aus anderen Gründen: All die kleinen Details, die auf Alice im Wunderland“ bzw. „Alice hinter den Spiegeln“ verweisen. Die Namen, die Symbole, die Objekte. Immer wieder erkennt man Dinge, die sich Lewis Carroll für seine Geschichte um die kleine Alice ausgedacht hat.
Obwohl ich „Alice hinter den Spiegeln“, auf das sich das komplette Buch bezieht, nicht kenne, hatte ich Spaß. Zum einen kennt man Elemente, wie Zwiedeldei und Zwiedeldum, den Hutmacher oder die Schachsymbolik auch so, und zum anderen kennen Lorina und Eliza das Buch auch nicht und vieles wird explizit erwähnt.

Die beiden Mädchen – vor allem aber Eliza – waren zudem auch einfach sympathisch und ich folgte ihnen gern. Die Sprache machte das schnelle Vorankommen zusätzlich einfach. Es war rundum sehr angenehm zu lesen.

Die Kritik an dem Buch fällt dementsprechend kurz aus.
An ein paar Stellen hatte ich das Gefühl, dass nicht ganz auf Logik geachtet wurde. So nannte Eliza, die ja eigentlich Alice war bzw. dachte, es zu sein, die Mutter ganz selbstverständlich Mama und wirkte auch so nicht sehr irritiert über die anderen Umgebungen und Menschen wie Nachbarn und Mitschüler.
Außerdem gab es auch dank der Kürze des Buches keine großen Kniffe, Wendungen oder Überraschungen.

Nichtsdestotrotz mochte ich das Buch wirklich gern und hatte Spaß daran, Elemente aus dem Wunderland zu entdecken und Herauszufinden, ob es die Welt hinter den Spiegeln wirklich gibt.

Frank Schuster – Das Haus hinter dem Spiegel

mainbook Verlag, 05. August 2014
ISBN 3944124723
177 Seiten
Taschenbuch; 10,50 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Crime Mysteries – Sherlock Holmes

Begeben Sie sich auf Spurensuche!

Mysteriöse Begebenheiten, interessante Charaktere und überraschende Wendungen – Dr. Watson präsentierten in diesem Buch zehn spannende Fälle. Doch dieses Mal ist es Ihre Aufgabe, sie zu lösen! Zu jedem Kriminalfall werden drei Fragen gestellt, die alle richtig beantwortet werden müssen, um den Täter zu entlarven. Hier sind eine gute Kombinationsgabe und gründliche Detektivarbeit gefragt, ganz nach dem Vorbild des großen Sherlock Holmes. (Klappentext)

Als ich im letzten Jahr ein Rezensionsexemplar zu “Crime Mysteries – Jack the Ripper“ zugeschickt bekam, erhielt ich ebenso diesen Teil der Reihe. Nachdem ich so unfassbar begeistert von Jack the Ripper war, musste ich anschließend dieses direkt beginnen.

Zehn Kapitel erwarten den Leser, die alle in drei Teile unterteilt sind. Glück für den Leser ist es, dass es trotzdem mehr als zehn Kriminalfälle gibt, denn in zwei Kapiteln gibt es in jedem Teil einen neuen Fall.
Die Fälle sind dabei recht abwechslungsreich: Morde und Diebstähle überwiegen, doch auch Zeitungsartikel können auf Ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht werden und Entführungen müssen gelöst werden.

Die Geschichten wurden alle von Dr. Watson für den Leser aufgezeichnet und konzentrieren sich vollkommen auf den Fall. Nach einer kleinen Einleitung ist man direkt im Fall angekommen. Die Geschichten sind alle – trotz oder gerade wegen – der Kürze spannend und laden sofort zum Miträtseln ein. Warum ist sich Holmes sicher, dass das Dienstmädchen lügt? Warum glaubt der Detektiv, der Mörder sei noch im Haus? Warum weiß er, dass die Leiter nur Ablenkung ist?

Ich gebe zu, für mich lag der Reiz häufig gar nicht so sehr in den Rätseln an sich. Ich las die Frage, überlegte kurz und blätterte dann direkt hinten zur Lösung. Die Geschichte interessierte mich häufig mehr. Ich überlegte also nicht lange an den Fragen herum. Häufig hatte ich beim Lesen aber den – meist gut versteckten – Hinweis aber auch schon entdeckt und wusste, worauf Holmes hinauswill.
Einige Rätsel waren für mich aber auch nicht offensichtlich und bei der Lösung erklärte sich mir auch, wieso. Häufig gab es in den Lösungen essentielle Details, die der Detektiv entdeckte hatte, die in der Geschichte aber nicht genannt wurden. Das richtige Lösen war deswegen entweder nicht möglich oder bestimmte Fakten (zum Beispiel dass die Leiter nur Ablenkung war) waren für den geübten Rätselleser offensichtlich, es fehlten aber eben die Hinweise, wie Holmes darauf kam.

Einige Geschichten waren auch so gelagert, dass mehrere Personen als Mörder oder Dieb infrage kamen und Holmes sie nacheinander befragte und aus den Erzählungen heraus auf den Täter schloss. Diese Wiederholung fand ich auffällig und schade.

Nichtsdestotrotz waren die Fälle, wie schon gesagt, gut gemacht, abwechslungsreich und wirklich spannend. Ein weiteres Highlight des Buches liegt aber eindeutig in der Gestaltung. Überall gab es im Zeichenstil Fotos und Skizzen von Personen, Orten und Gegenständen. Es ist so, so wundervoll, durch das Buch zu blättern.

Ich glaube, das größte „Problem“ des Buches ist, dass es sich mit dem über Jack the Ripper vergleichen lassen muss. Das über den Ripper habe ich als erstes gelesen und es hat mich einfach total überwältigt in seiner Art. Das Buch über Sherlock Holmes konnte mich in der Art und Aufmachung deswegen logischerweise nicht so überraschen. Einige wenige Rätsellösungen wiederholten sich auch.
Auch die Fälle des Rippers begeisterten mich mehr. Sie waren blutig und grausam. Das Buch um Sherlock Holmes war hier einfach ruhiger, zurückgenommener. Und der Detektiv an sich ist nun mal auch kein großartiger Sympathieträger.

Im direkten Vergleich verliert dieses Buch also klar gegenüber seinem blutigen Bruder. Das heißt aber nicht, dass es schlecht wäre. Ganz im Gegenteil. Es ist so lohnenswert! Tolle Fälle, wunderschöne Aufmachung und ein wenig Rätselspaß für zwischendurch. Man kann sich kaum mehr wünschen.

Ich bin von den Büchern dieser Art von Ullmann Medien sogar so begeistert, dass ich zu Weihnachten eins verschenkt habe und zwei selber erhalten habe.

Tim Dedopulos – Crime Mysteries – Sherlock Holmes
Originaltitel: Solve it yourself mysteries – The Sherlock Holmes Case Book (Oktober 2018)
Ullmann Medien GmbH, 01. März 2019
ISBN 374152364X
224 Seiten
Broschiert; 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Bücher aus der Reihe:

Crime Mysteries – Sherlock Holmes
Crime Mysteries – Jack the Ripper

Nicole Schäufler – Schwanger im Herbst

In diesem Herbst bist du schwanger – wie wunderbar!
Denn gerade jetzt wachsen auch bei Mutter Natur lauter Kinder heran: Kleine Kerne in Äpfeln und Birnen, kleine Samen in Holunder und Astern. Überall reift es in „schwangeren“ Früchten!
Dieses Buch reist mit dir durch den Herbst. Es erzählt dir in Bildern, Gedichten, Liedern und Texten von der Jahreszeit und ihren Frauengestalten. Und du wirst sehen: Der Herbst liebt alle werdenden Mütter. (Klappentext)

Meine Tochter wird bald sechs Monate. Da war es eine schöne Überraschung, als ich dieses Buch plötzlich in meinem Briefkasten fand. Es versetzte mich zurück ins letzte Jahr, in den letzten Herbst als der heiße Sommer abklang und mein Bauch immer größer wurde. Was für eine aufregende Zeit das war mit den ersten zarten Stupsern und den ersten angebotenen Plätzen in der U-Bahn.

Dieses Buch verbindet nun diese besondere Zeit einer Frau mit der besonderen Zeit der Natur. Auf 103 Seiten werden Märchen-Auszüge, Gedichte, Rezepte, Lieder und andere Texte gezeigt. Kinder, Schwangerschaft, Herbsteigenheiten – alles findet darin seinen Platz. Auch ein paar Info-Texte mit interessanten Fakten sind zu finden. Immer wieder werden sie von tollen Illustrationen unterbrochen.

Von Volksweisen über Goethe bis zu Birnenkompott ist alles dabei. Manches war mir bekannt, vieles aber nicht. Die Rezepte sind alle machbar.
Es machte Spaß, chronologisch mit dem Buch den Herbst nachzuzeichnen und etwas über seine herausstechenden Tage in Verbindung zur Schwangerschaft zu erfahren.

Der Fokus lag aber insgesamt schon eher auf dem Herbst an sich als auf der Schwangerschaft. Falls man Infos zur Entwicklung des Babys erfahren will, ist man mit dem Buch schlecht beraten – was auch verständlich ist, denn im Herbst ist jede Frau anders weit.

Hätte ich mir das Buch im letzten Jahr selber gekauft? Nein. Aber Schwangere sind auch weniger die Zielgruppe, was schon daran zu erkennen ist, dass man am Anfang eintragen kann, wem man dieses Buch schenkt. Und als Geschenke-Buch eignet es sich wirklich. Die Schwangerschaft wird auf eine schöne Art gewürdigt – obwohl der Fokus, wie bereits gesagt, deutlicher auf der Jahreszeit liegt.

Aus der Reihe gibt es mittlerweile auch „Schwanger im Advent“, „Mama im Advent“ oder ein Buch über das wichtige Thema Fehlgeburt: „Gestern war ich noch schwanger“.

Nicole Schäufler – Schwanger im Herbst
edition riedenburg, 23. Mai 2019
ISBN 3990820265
103 Seiten
Taschenbuch; 19,90 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Thorsten Steffens – Klugscheißer Royale

Timo Seidel ist 28 Jahre alt und führt ein Leben ohne jegliche Ambitionen. Anstatt wie seine Freunde Karriere zu machen, ist er in seinem Studentenjob hängengeblieben. Dementsprechend uninspiriert führt er seine Arbeit aus, so dass er fristlos entlassen wird. Zu allem Überfluss hat seine Freundin Cleo beschlossen, sich von ihm zu trennen. Nun steht er also da: Ohne Freundin, ohne Job, ohne Geld und ohne Perspektive. Aus heiterem Himmel bietet sich ihm jedoch eine außergewöhnliche Offerte: Er bekommt einen befristeten Arbeitsvertrag als Lehrer. Nun ist es also offiziell: Für die kommenden sechs Monate darf Timo staatlich beauftragter Klugscheißer sein. Im öffentlichen Dienst! Vom Staat angeheuert wie James Bond! Quasi 007 Klugscheißer Royale! Schnell muss er allerdings feststellen, dass der Lehrerberuf doch ein wenig schwieriger ist als ursprünglich gedacht… (Klappentext)

Als ich die Anfrage zu diesem Rezensionsexemplar erhielt, sprach mich der Klappentext sofort an, denn – ich will es nicht leugnen – ich erkannte einige Parallelen zu meinem Leben. Die Hörprobe des Buches überzeugte mich ebenso, indem sie mich prompt zum Lachen brachte. Ich musste einfach wissen, wie Timo Seidel sein neues Leben auf die Reihe bekommt.

Timo ist sarkastisch und intelligent. Eine Kombination, die nicht zwingend auf alle Menschen sympathisch wirkt, doch ich mochte ihn sofort. Er ist nicht wirklich eigen oder spinnerhaft. Er weiß halt Dinge besser. Und das vermittelt er dem Leser meist mit einer großen Portion trockenem Humor.
Mich veranlasste das häufig zum Grinsen und Schmunzeln, doch herzhaft lachen musste ich leider nie. Die Hörprobe hatte mich mehr mitreißen können, denn die Stimmspiele, das Pausenlassen, das Augendrehen, das man förmlich hören konnte – das geht beim Selberlesen leider alles etwas verloren.

Doch nicht nur Timo war mir mit seiner Art häufig sehr, sehr nah. Das ganze Buch schien nahbar und authentisch. Bücher müssen nicht immer authentisch sein, nicht real. Aber wenn sie es sind, dann dürfen sie nicht langweilig sein. „Klugscheißer Royale“ wird das allein durch Timos Charakter und seine Meinung und Einstellung zu den Digen, die in seinem Leben passieren, nicht. Nichtsdestotrotz könnte alles genau so passieren. Eine wohlige Normalität, die humorvoll dargestellt wird.

Häufig bemängele ich an Büchern, dass sie auf kein konkretes Ziel hinarbeiten und deswegen nicht spannend sind. Auch hier fehlt – mehr oder weniger – ein Konflikt, der aufgelöst werden soll. Doch durch die humorvolle Erzählweise und Timo an sich kam keine Langweile auf. Ganz im Gegenteil: Thorsten Steffens schaffte es ohne „Ziel“ etwas Spannendes zu schaffen.
Dabei gab es auch die ein oder andere Überraschung, die ich nicht erwartet habe. Aber auch an dieser Stelle bleibt sich der Autor treu, denn das Buch ist keinesfalls übertrieben wendungsreich. Selbst bei den Überraschungen bleibt es authentisch und immer im Bereich des Möglichen.

Die Nebenfiguren schließen sich dem Konzept an. Ein paar Arbeitskollegen lernt man kennen, eine Handvoll guter Freunde, Lehrerkollegen und einige Schüler. Steffens findet ein gutes Mittelmaß an Personen – nicht so wenig, dass man denkt, der Autor würde einem ein Erinnerungsvermögen absprechen und auch nicht so viele, dass man durcheinanderkommt. Eben genau so, wie man es im echten Leben bei Timo auch hätte erwarten können.
Die Figuren an sich sind alle auf dem Boden geblieben, in ihrer Art zum Teil aber auch austauschbar. Gut, dass der Autor nicht aus jedem Charakter einen Sonderling machen wollte. Tiefe Einblicke in die Leben der anderen bekommt man aber nur äußerst vereinzelt.

Zum Ende konnte mich das Buch auch noch richtig bewegen. Das hatte ich die Zeit über nicht geahnt und darum hat es mich umso mehr überrascht. Das führte mir noch einmal vor Augen, dass in diesem humorvollen Buch ernste Themen insgesamt nicht zu kurz kamen.

„Klugscheißer Royale“ besitzt mit Timo Seidel eine klasse Hauptfigur, die man so nicht allzu häufig an Büchern antrifft. Das Buch ist humorvoll, scheut sich aber auch nicht vor ernsten Themen. In dieser Kombination liest es sich wirklich schnell.
Die Kritik, die ich habe ist fast vernachlässigbar – und zudem sehr subjektiv. Es sind Dinge, die bei mir zutreffen, bei dem Nächsten aber schon ganz anders sein können: Das Buch ist durchaus spannend und ich wollte Timos Entwicklung verfolgen, ich war aber nicht so sehr in seinem Bann, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Außerdem hätte ich gern auch mal laut gelacht. Vielleicht war ich da von der kurzen Sequenz der Hörprobe schon zu verwöhnt und bin mit der reinen Schrift nicht mehr dazu veranlasst worden.
Mir hat das Buch insgesamt wirklich gut gefallen und ich habe auch schon meinen Freund dazu gedrängt, es als nächstes zu lesen. Das habe ich bisher noch nie gemacht.

Thorsten Steffens – Klugscheißer Royale
Piper, 1. August 2018
ISBN 3492501656
231 Seiten
Taschenbuch; 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Sebastian Fitzek – Das Paket

VORSICHT!
Öffnen auf eigene Gefahr

Ihr Postbote bittet Sie, ein Paket für einen Nachbarn anzunehmen. Einen Nachbarn, dessen Namen Sie noch nie gehört haben. Obwohl Sie schon seit Jahren in Ihrer kleinen Straße wohnen.
»Was kann schon passieren?«, denken Sie sich.

Und lassen damit den Albtraum in ihr Haus… (Klappentext)

Wie immer habe ich dieses Buch direkt nach dem Erscheinen gekauft, weswegen ich noch die Auflage habe, die mit einem Umkarton daherkommt. Speziell, besonders… wie meine Beziehung zu allen Fitzek-Büchern.

Seit Emma von dem Serientäter, der in der Presse nur „Der Friseur“ genannt wird, vergewaltigt und geschoren wurde, ist in ihrem Leben nichts mehr, wie es war. Die einst lebensfrohe Frau schafft es nicht mehr, aus dem Haus zu gehen. Sie ist von Ängsten geplagt und bekommt ihr Leben nur noch schwer auf die Reihe. Doch dann begeht sie einen Fehler: Sie nimmt ein Paket für einen Nachbarn an – sie bemerkt, dass sie weder weiß, wer der Nachbar sein soll, noch wo er wohnt. Emma sieht sich der nächsten lebensbedrohlichen Situation gegenüber…

Selten geht Sebastian Fitzek den Weg mit einer weiblichen Hauptfigur. Ebenso selten, wie er den Figuren ein intaktes Beziehungsleben gönnt. Doch Emma hat eines, sie hat einen tollen Mann, mit dem sie einen süßen Hund hat und einmal Kinder plante. Bis der Friseur sie vergewaltigte und sie danach eine Fehlgeburt erlitt. Dann änderte sich alles. Ihre Psyche, ihre Beziehung, ihr Kinderwunsch. Ihr Mann ist immer noch da. Er liebt sie, unterstützt sie, hilft ihr. Doch Emma ist nicht mehr heile. Emma ist das genaue Gegenteil.

Emma ist eine angeschlagene Person und auch eine unzuverlässige Erzählerin, denn weder sie noch der Leser können wirklich wissen, was real ist und was ihrer angstgebeutelten Fantasie entspringt. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist es interessant, bei ihr zu sein und sie besser kennenzulernen. Wie immer ist sie eine vielschichtige Person, bei der man schnell tief in die Psyche eindringt. Ebenso authentisch wirken alle Nebenfiguren.

Mit dem unbekannten Paket rutscht Emma nun in eine neue Psychose und nimmt den Leser mit auf eine Reise. Man wechselt zwischen verschiedenen Zeiten, springt ohne Probleme vor und zurück, wobei sich das Puzzle um ihr Leben und ihr Leiden immer mehr vervollständigt.

Was beim Lesen für mich ein wenig auf der Strecke blieb, war die Spannung. Denn das Schlimmste hat Emma schon hinter sich. Sie ist eines der vielen Opfer des Friseurs. Und von dem Paket an sich geht erst einmal ja keine Gefahr aus.
Es ist interessant alles Weitere zu entdecken, ja. Aber spannend? Angsteinflößend? Gruselig? Nicht wirklich.

Vor allem durch die Zeitsprünge wird eine zweite Ebene aufgemacht: Die des Friseurs. Für mich lag hier die Stärke des Buches. Ich wollte unbedingt wissen, wer dieser Sadist ist und warum er Emma – und den anderen Frauen – so etwas angetan hat. Doch auch das war nicht spannend im klassischen Sinne, man musste nur verschiedene Puzzleteile zusammenfügen.

Das Buch besticht also weniger durch seine nervenaufreibende Spannung als vielmehr durch seine Atmosphäre. Dieses psychisch instabile Konstrukt der Geschichte lässt den Leser zweifelnd durch die Seiten schlingern.

Ich hatte insgesamt viel Spaß mit dem Buch. Ich mochte die Ausgangsgeschichte um das Paket als auch die Hintergrundgeschichte mit dem Friseur. Ich fand Emma eine interessante Hauptfigur und wollte mit ihr alle Rätsel lösen. Dabei umfing mich diese wunderbare Psycho-Atmosphäre.
Doch letztlich entwickelte sich die Geschichte für mich ein wenig behäbiger als ich es von meinem Lieblingsautoren gewohnt bin. Nichts konnte mich von einer Seite auf die andere überraschen. In dieser Kombination gibt es von mir .

Sebastian Fitzek – Das Paket
Droemer, 26. Oktober 2016
ISBN 3426199203
362 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro
(Auch als Taschenbuch erhältlich.)

Weitere Bücher des Autoren (klicke für die Rezension):

Colleen Hoover – Nur noch ein einziges Mal

Colleen Hoover empfahl, den Klappentext nicht vorab zu lesen. Man sollte sich auf die Geschichte einlassen, ohne zu viel zu wissen. Ich habe das getan. Für alle anderen folgt er aber nun:

Manchmal sind es die, die man am meisten liebt, die einen am tiefsten verletzen…

Als sie nach Boston zieht, fühlt Lily sich zunächst wie in einem Traum: eine neue Stadt, der erste Job und dann noch Ryle – attraktiv, wohlhabend und bis über beide Ohren in Lily verliebt. Doch dann trifft Lily zufällig Atlas wieder, ihre erste Liebe. Auf einmal zeigt Ryle sich von einer Seite, die sie niemand erahnt hätte… (Klappentext)

„Dieses Buch hat mich zerstört und aufgebaut zugleich.“ las und hörte ich mehrfach über dieses Buch. Jubelnde Besprechungen, wohin ich sah. Meine Erwartungen waren unfassbar hoch.

Lily Blooms Leben hat sich radikal geändert, denn ihr Vater ist vor kurzem gestorben, doch so richtig schade findet sie es nicht. Und just an dem Abend, an dem sie ihrer fehlenden Trauer auf der Beerdigung Ausdruck verliehen hat, trifft sie auf einer Dachterrasse den faszinierenden Ryle. Sie verabschieden sich, ohne in Kontakt zu bleiben. Einige Monate später treffen sie sich jedoch wieder – und damit steht dem Beginn einer großen Liebe nichts im Weg.

Dankenswerterweise ergibt sich diese Liebe angenehm, langsam, natürlich. Ganz allmählich verliebte ich mich mit Lily in Ryle, den charmanten Arzt. Lily war überhaupt eine Figur, in die man sich gut und gern hineinfallenlassen konnte. Sie ist lustig, sympathisch, ehrgeizig und verliebt sich eben nicht kopflos – weder in Ryle, noch in ihre erste Liebe Atlas. Die gemeinsame Geschichte mit Letzterem lernt man in einer Art Rückblick-Briefen kennen. Und auch hier war es keine typische Hals-über-Kopf-Liebe. Es war ebenso authentisch und natürlich, wie später mit Ryle.

Richtig Spannung kommt hinein, als Lily überraschend Atlas wiedertrifft. Plötzlich ändert sich der Drive der Geschichte. Dinge sind plötzlich offen, an festen Verbindungen wird gerüttelt. Und dieser Punkt ist es, der das Buch für viele Leser so besonders macht. Ein Fakt, mit dem viele mitfühlen können, weil sie die gleichen Erfahrungen gemacht haben.
Für mich persönlich liegt hier aber die Krux des Buches, denn ich kann die Situationen nicht nachempfinden, ich habe nie in ihnen gesteckt. Natürlich fand ich das Buch trotzdem sehr gut, spannend, mitreißend und emotional – mir fehlte aber die verbindende Komponente. Die Komponente, die andere Leser „zerstört und aufbaut zugleich“.

Ich konnte mich also nicht zur Gänze emotional einfangen lassen, ich blieb immer ein wenig distanziert. Vielleicht waren es die zu hohen Erwartungen, vielleicht die fehlende Nähe zum Thema.

Nichtsdestotrotz war es ein Hoover-Feeling, wie man es kennt, was mich dazu verleitete, „Nur noch ein einziges Mal“ fast in einem Rutsch zu lesen. Mit weinen, hoffen, mitfiebern und mitlieben.

Schon länger steht Colleen Hoover meiner Meinung nach vollkommen zu Unrecht noch in der Jugendbuch-Ecke bei den Buchhändlern. Mit diesem hier hat sie es einmal mehr bewiesen. Vielleicht auch deshalb, weil sie viel ihrer eigenen Familiengeschichte mit hineingebracht hat.
Es war ein wundervolles Buch, das mich aufgrund der Thematik aber nicht ganz abholen konnte und mir das Herz nicht so gebrochen hat, wie ich es erwartet habe.

Colleen Hoover – Nur noch ein einziges Mal
Originaltitel: It ends with us (August 2016)
dtv, 10. November 2017
ISBN: 3423740302
411 Seiten
Broschiert, 14,95 Euro

Weitere Bücher der Autorin (klicke für die Rezension):

Enid Blyton – Fünf Freunde 5 – Das Buch zum Film

Endlich Sommerferien! Doch statt in den Urlaub müssen die Fünf Freunde mit ihrer Tante Fanny zu einer Hochzeit fahren. Ein ungeplanter Zwischenstopp bietet ihnen aber immerhin die Gelegenheit, einen seltenen Dinosaurierknochen zu besichtigen. Im Museum lernen sieden kauzigen Marty Bach kennen, der behauptet zu wissen, wo ein vollständig erhaltenes Dinosaurierskelett liegt. Natürlich werden die Freunde da hellhörig – und als Marty die Koordinaten zum »Tal der Dinosaurier« gestohlen werden, übernehmen die Fünf den Fall. Schnell wird ihnen klar, sollte der Dieb das Tal vor ihnen finden, ist das Skelett für immer verloren. (Klappentext)

Im Zuge des Gewinnspiels, das ich letztens für euch veranstalten durfte, bekam ich selber das neue Buch zum Film „Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier“ als Rezensionsexemplar.
Es wurde von Sarah Bosse nach dem Drehbuch von Mike Marzuk geschrieben, das wiederum auf der Buchreihe von Enid Blyton basiert.

Als kleines Mädchen war ich riesiger Dino-Fan. Ich kannte die Namen, Fressformen und Lebzeiten auswendig. Ich hatte Ordner voll Informationen und liebte die Filme von „In einem Land vor unserer Zeit“. Es stand sogar ein fluoreszierendes Dinosaurierskelett auf meinem Schrank.
Ich war also prädestiniert für die neueste Geschichte der Fünf Freunde.

Ich habe bisher weder ein Buch noch einen Film dieser Enid-Blyton-Reihe gelesen oder gehört. Für mich bestand im ersten Moment also die Aufgabe, dahinterzukommen, wie die Fünf – beziehungsweise Vier mit Hund – zueinanderstehen, wer wer ist und welche Charaktereigenschaft welchen Freund ausmacht.
Hier schafft das Buch einen wundervollen Spagat und führt alles so knapp, aber natürlich ein, dass es die alten Hasen nicht stören wird und die neuen Leser einen guten Überblick bekommen.

Da das Buch nur 152 Seiten hat, muss es bald in Fahrt kommen und das tut es. Schnell ist man mitten im Geschehen. Und das ist tatsächlich recht spannend. Begonnen wird in einem gruseligen Hotel, von dem ich sogar gern noch etwas mehr gelesen hätte. Doch bald erfahren Anne, Dick, George, Julian und Hund Timmy von den Dinosaurierknochen und treffen auf Marty, der in seiner überaus schüchternen Art von niemandem im Dorf ernst genommen wird. Doch die Fünf glauben ihm und versuchen nun, mit ihm zusammen das Tal der Dinosaurier zu finden. Weil Marty aber die Koordinaten gestohlen wurden, muss auch zusätzlich der Dieb enttarnt werden.
Der relevante Personenkreis des Buches ist überschaubar, aber doch so groß, dass man als Leser miträtseln kann, wer es wohl auf das Dinoskelett abgesehen hat. Trotz der Kürze der Story wird die Auflösung des Falles nicht ganz linear erzählt, sondern bietet auch ein paar Wendungen und Überraschungen.
Man möchte auf jeden Fall wissen, wer es war und wo die Motive liegen.
Bei den Beschreibungen ist der Autorin eine gute Mischung gelungen: einerseits kurz und prägnant, andererseits atmosphärisch.

Da es ein Buch zum Film ist, sind auch Bilder enthalten. Die Bildunterschriften fassen den Film knapp zusammen. Die Geschichte unterscheidet sich aber naturgegeben nicht von dem Buch. Vor allem für jemanden, der sich noch nie weiter mit den Fünf Freunden beschäftigt hat – so wie ich – ist es aber auch ganz schön, direkt Bilder der Personen vor Augen zu haben. Es gab nämlich soweit keine optischen Beschreibungen, außer dass Dick immer eine Mütze trägt.

Sprachlich ist das Ganze sehr modern gehalten, was wohl an der filmischen Vorlage liegt. Auch wenn ich keine originale Geschichte von Enid Blyton gelesen habe, gehe ich davon aus, dass sie deutlich älter klingt als das vorliegende Buch.

Insgesamt ist die Geschichte natürlich für Kinder gemacht. Erfahrene Krimi-Leser wird die Geschichte um das Tal der Dinosaurier nicht hinterm Ofen hervorlocken, aber das soll sie ja auch nicht.
Trotzdem hatte ich den einen Abend, an dem ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe, Spaß mit den Fünf Freunden. Es gab Wendungen, die Geschichte war interessant und mit den Fünf Freunden bekommt man intelligente und hartnäckige Protagonisten, denen man gern folgt.
Ich glaube, dass Kinder und vielleicht noch sehr junge Jugendliche Spaß an dem Buch haben werden. Und in diesem Maßstab vergebe ich auch die Sterne.

Enid Blyton – Fünf Freunde 5 – Das Buch zum Film
cbj, 05. März 2018
ISBN 3570172678
152 Seiten
Gebunden; 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Björn Beermann – Mitra – Magisches Erbe

Das hat sich die sechzehnjährige Mitra anders vorgestellt. Sie wollte in Hamburg ein neues und normales Leben beginnen. Doch nun muss sie sich zusätzlich zu ihrer Ausbildung mit ihrer magischen Gabe, einem nervigen Hausgeist und zwei Kerlen herumschlagen. Und dann wird sie auch noch in einen alten Kampf um Macht und Magie zwischen den Elementen hineingezogen, den nur sie wieder befrieden kann. Nur gut, dass sie in Aggy eine echte Freundin hat, die mit ihrer speziellen Art Mitra durch dieses Chaos begleitet. (Klappentext)

Als Kind und Jugendliche war ich großer Fan von Hexengeschichten. Vorrangig sah ich die im Fernsehen: Die Filme „Hexen, Hexen“ und „Halloweentown“ und die Serien „Charmed“ und „Sabrina – Total verhext“ waren Pflicht-Termine für mich. Und obwohl ich das Thema immer noch mag, habe ich noch kein Buch dazu gelesen.
Darum freute ich mich umso mehr, als die Anfrage kam, ob ich das neue Buch von Björn Beermann lesen möchte. Da es auch in Hamburg spielt, wo ich seit fast zehn Jahren wohne, war ich doppelt begeistert.

Mitra hat es nicht leicht. Nicht nur, dass sie sich mit sechzehn Jahren in einer hormonell schwierigen Phase befindet, sie hat es auch zuhause nicht leicht. Ihre Mutter ist vor kurzem gestorben und der Vater leidet sehr. Doch Mitra muss ihren eigenen Weg gehen und entscheidet sich deswegen für eine Ausbildung in Hamburg. Auf der Beerdigung ihrer Mutter hatte Mitra zum ersten Mal von ihrer Großmutter Mildred und ihrer Tante Minerva gehört, die beide in der Hansestadt wohnen, weswegen Mitra nun erst einmal bei ihnen unterkommen kann.
Schnell fallen Mitra Veränderungen an sich auf. Sobald sie mit ihren Kollegen im Stadtpark die Pause verbringt, hat sie Aussetzer. Ihr wird weiß vor Augen, sie hört Musik und es geschehen seltsame Dinge. Ihre neugewonnene Familie muss ihr das Familiengeheimnis eröffnen: Mitra ist eine magisch begabte Person.

Schon an der Beschreibung als „magisch begabte Person“ fällt auf, dass der Autor sich trotz des weitreichend erschlossenen Hexen- und Magie-Themas in der Popkultur noch ein paar neue Ideen einfallen lassen hat. Dabei war es auch schön zu sehen, dass auf Zauberstäbe und Hexenbesen verzichtet wurde. Alles wirkte ein wenig modernisiert und ins Heute übertragen. Und das, obwohl die Magie im Buch schon sehr alt ist.

Der Fall der Barriere der magischen Welt ist dabei im ersten Teil der angedachten Trilogie das Kernthema. Dieses wurde ebenso wie andere Geheimnisse Stück für Stück entschlüsselt. Der Leser war immer nur so schlau wie Mitra und entdeckte mit ihr zusammen ihr neues Leben.

Insgesamt stellt das Buch damit einen sehr guten Beginn der Trilogie dar. Man wird in die Welt sehr gut eingeführt und lernt die Personen ausreichend kennen.

Mit diesen Personen hat Björn Beermann auch ein Sammelsurium an interessanten Persönlichkeiten geschaffen. Dabei gelingt ihm immer der Spagat zwischen besonders und doch authentisch. Nichtsdestotrotz werden auch einige Klischees bedient. Es gibt den klassischen Hamburger Schnösel, die verrückte, aber gutherzige Freundin, den schmierigen Chef und natürlich die „Hexen“ mit den roten, wirren Haaren.
Mitra ist eine Hauptperson, der ich gern folgte. Man kann sich gut mit ihr identifizieren und in sie hineinversetzen. Glücklicherweise benimmt sie sich ihrem Alter auch angemessen. Gerade in ihrem Alter neigen viele Autoren dazu, die Figur deutlich zu erwachsen wirken zu lassen. Aber 16 Jahre sind nun einmal 16 Jahre.

Was ich aber sehr gern getan hätte: Ich hätte gern mehr mitfiebern müssen. Auch wenn ich nah an Mitra dran war, gingen mir ihre Erlebnisse und Gefühle nie nah. Es war interessant zu lesen, was in der magischen Welt gerade für ein Drama passiert, aber ich blieb nicht atemlos zurück. Die große Spannung fehlte also in diesem Auftakt noch. Vielleicht bewegen die nachfolgenden Bände ja mehr.

Das Buch gliedert sich in 47 Kapitel, die zum Teil nur eine oder anderthalb Seiten lang waren. Der Autor hat im Prinzip für jede neue Szene ein neues Kapitel begonnen, was sich für mich ungewohnt las. Was mich daran aber am meisten störte, waren die Kapitelüberschriften, die zwar immer genau das beschrieben, was nun kommt, aber dabei manches Mal seltsam ungelenk wirkten: „Ein Gespräch in der Küche“, „Recherchearbeit“ oder „Aggy hat eine Idee“.

Daran anschließend hatte ich eigentlich nur einen größeren Kritikpunkt am Buch und der ist für die wenigsten Menschen wohl relevant bei der Kaufentscheidung. Ich hatte einige Probleme mit der Formatierung. Die Schrift ist recht groß, ebenso wie der Zeilenabstand. Zusätzlich wurde keine Silbentrennung eingestellt, weswegen manche Zeilen unnatürlich große Wortabstände haben. Insgesamt entsprechen zwei Mitra-Seiten einer „normalen“ Buchseite. Da stellt sich mir dann die Frage: Hat Mitra eine eigentlich deutlich jüngere Zielgruppe als es wirkt oder wurde das Buch ein wenig künstlich aufgebläht?

Insgesamt war ich wirklich sehr zufrieden mit „Mitra – Magisches Erbe“. Ich mochte die Figuren, die neuen Ideen zur magischen Welt und auch, dass alles in Hamburg spielte.
Eine wirklich schöne Kombination, die das Buch schnell durchlesen lässt. Trotzdem wäre ich gern mehr berührt und gefesselt worden. Aber als Auftakt einer Trilogie kann ich mich nicht allzu sehr beschweren: .

Björn Beermann – Mitra – Magisches Erbe
Tredition, 16. Januar 2018
ISBN 3746900735
458 Seiten
Taschenbuch; 15,49 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Reihenfolge der Bücher:
1. Mitra – Magisches Erbe
2. Mitra – Magische Verwandlungen

Anja Janotta – Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade

1:200 Millionen – so hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es jemanden wie Franka gibt. Oder wie Vicky. Oder wie Bella. Als eineiige Drillinge sind die drei Zwölfjährigen richtige Celebritys. Trotzdem könnten sie verschiedener nicht sein. Als sie vor lauter Berühmtheit keinen Schritt mehr vor die Tür machen können, flieht Mama Trablinburg mit ihnen aufs platte Land, wo sie in einer baufälligen Villa ein Bio-Hotel eröffnen will. Franka, Vicky und Bella sind entsetzt: monatelang Baustelle, mieses WLAN, zu dritt im Doppelbett? Das muss ja Trabbel hoch drei geben! Ob Frankas wunderköstlicher Trostkakao den schlimmsten Schwesternstreit aller Zeiten kitten kann? (Klappentext)

Dann und wann bekomme ich Lust auf ein Kinderbuch. Da war ich ganz froh, dass ich im letzten Dezember dieses Buch auf Arbeit bekommen habe. Gut zwei Monate vor dem Erscheinungstermin. Ich habe direkt begonnen, es zu lesen und das dauerte dann nicht lang.

Die drei Berliner Schwestern sind ganz und gar nicht glücklich, als ihre Mutter sie in die alte Familienvilla nach Deininghofen schleppt. Sie müssen ihre Freunde zurücklassen, ihre eigenen Zimmer, ihr Berlin – aber auch ihren Ruf. Die drei sind etwa Besonderes, das wissen sie. Und das haben sie an der falschen Stelle betont. Nun können sie auf dem Dorf ganz neu anfangen, die sein, die sie wirklich sind und dabei auch noch ihrer Mutter bei der Erfüllung ihres Traums vom Hotel behilflich sein. Doch die Dorfbewohner stehen den Neuankömmlingen genauso skeptisch gegenüber wie sie denen.

Die Drillinge und ihre Erlebnisse sind Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Dabei ist man immer an Frankas Seite und lernt ihr Innenleben, ihre Gedanken und Wünsche kennen. Franka, das ist die Nette. Sie wäre gern mehr, doch da ihre Schwester Bella schon schön ist und Vicky schlau, scheint nicht viel mehr für sie übrig zu bleiben. Und das Nettsein kann schnell zum Fluch werden.
Dieser innere Kampf von Franka ist schön beschrieben und dort finden sich sicherlich auch viele wieder. Nett sein, das tun, was andere erwarten, Harmonie herstellen – und sich am Ende ärgern, dass dabei die eigenen Wünsche auf der Strecke bleiben.
Doch auch wenn man die restlichen Personen nur aus der Außenperspektive kennenlernt, ergibt sich ein gutes Bild. Natürlich sind die Mutter Babs und die Dorfbewohner nicht bis in die Tiefe analysiert, aber das brauchte die Geschichte der drei Mädchen auch nicht.

„Die Trabbel-Drillinge“ ist voller Klischees: Die Nette, die Schlaue, die Hübsche, die Öko-Mutter, die nur noch bunte, weite Sachen und einen Turban trägt, oder die fiesen Dorf-Jungs – Aber man darf nicht vergessen, dass das Buch eine Zielgruppe ab 10 Jahren hat. Mit diesem Hintergrund war es für mich nicht tragisch, dass alles etwas vereinfacht wurde.

Das Alter war überhaupt der einzige Punkt, der mich ab und zu verwirrt hat. Die Trabbel-Drillinge sind zwölf Jahre alt und gehen in die fünfte Klasse. Agiert man da so erwachsen, wie sie es die meiste Zeit getan haben? Dieses Alter ist bei mir schon eine Weile her, aber ich bezweifele, dass wir „Das steht hier ja wohl gar nicht zur Debatte!“ (S. 98) oder „[…] dann hat er sich schon eine hieb- und stichfeste Ausrede zurechtgelegt.“(S. 150) sagten. Immerhin kamen solche Aussagen jedoch immer von der schlauen Vicky. Von daher passt es wohl doch wieder.
Insgesamt gab es aber auch in irhen Handlungen und in ihrem professionellen Auftreten manchmal einen kleinen Bruch in der Alterslogik für mich. Vielleicht ist mir aber auch einfach nicht bewusst, wie erwachsen manche Zwölfjährige heute schon wirken.

Das war aber tatsächlich der einzige größere Punkt, der mich ab und zu stocken ließ. Ansonsten war das Buch wirklich rund.
Die Story wirkt zwar einfach, hat aber trotzdem die eine oder andere Überraschung parat.
Die tollen heißen Schokoladen von Franka machten mir richtig Lust auf das Heißgetränk. Die Rezepte am Ende des Buches habe ich deswegen dankbar zur Kenntnis genommen.
Der Zusammenhalt der Schwestern hat mich darüber hinaus ab und zu wirklich berührt und ich bemitleidete mich ein wenig, dass ich nur Einzelkind bin und nicht auch so etwas erleben konnte.

Alles in allem ist Anja Janotta mit „Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade“ ein wirklich süßes Buch gelungen: berührend, wohlig und unterhaltsam.
Und man kann es definitiv auch lesen, wenn man der Zielgruppe entwachsen ist… .

Anja Janotta – Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade
cbj, 26. Februar 2018
ISBN 3570175367
219 Seiten
Gebunden; 13,00 Euro

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