Enid Blyton – Fünf Freunde 5 – Das Buch zum Film

Endlich Sommerferien! Doch statt in den Urlaub müssen die Fünf Freunde mit ihrer Tante Fanny zu einer Hochzeit fahren. Ein ungeplanter Zwischenstopp bietet ihnen aber immerhin die Gelegenheit, einen seltenen Dinosaurierknochen zu besichtigen. Im Museum lernen sieden kauzigen Marty Bach kennen, der behauptet zu wissen, wo ein vollständig erhaltenes Dinosaurierskelett liegt. Natürlich werden die Freunde da hellhörig – und als Marty die Koordinaten zum »Tal der Dinosaurier« gestohlen werden, übernehmen die Fünf den Fall. Schnell wird ihnen klar, sollte der Dieb das Tal vor ihnen finden, ist das Skelett für immer verloren. (Klappentext)

Im Zuge des Gewinnspiels, das ich letztens für euch veranstalten durfte, bekam ich selber das neue Buch zum Film „Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier“ als Rezensionsexemplar.
Es wurde von Sarah Bosse nach dem Drehbuch von Mike Marzuk geschrieben, das wiederum auf der Buchreihe von Enid Blyton basiert.

Als kleines Mädchen war ich riesiger Dino-Fan. Ich kannte die Namen, Fressformen und Lebzeiten auswendig. Ich hatte Ordner voll Informationen und liebte die Filme von „In einem Land vor unserer Zeit“. Es stand sogar ein fluoreszierendes Dinosaurierskelett auf meinem Schrank.
Ich war also prädestiniert für die neueste Geschichte der Fünf Freunde.

Ich habe bisher weder ein Buch noch einen Film dieser Enid-Blyton-Reihe gelesen oder gehört. Für mich bestand im ersten Moment also die Aufgabe, dahinterzukommen, wie die Fünf – beziehungsweise Vier mit Hund – zueinanderstehen, wer wer ist und welche Charaktereigenschaft welchen Freund ausmacht.
Hier schafft das Buch einen wundervollen Spagat und führt alles so knapp, aber natürlich ein, dass es die alten Hasen nicht stören wird und die neuen Leser einen guten Überblick bekommen.

Da das Buch nur 152 Seiten hat, muss es bald in Fahrt kommen und das tut es. Schnell ist man mitten im Geschehen. Und das ist tatsächlich recht spannend. Begonnen wird in einem gruseligen Hotel, von dem ich sogar gern noch etwas mehr gelesen hätte. Doch bald erfahren Anne, Dick, George, Julian und Hund Timmy von den Dinosaurierknochen und treffen auf Marty, der in seiner überaus schüchternen Art von niemandem im Dorf ernst genommen wird. Doch die Fünf glauben ihm und versuchen nun, mit ihm zusammen das Tal der Dinosaurier zu finden. Weil Marty aber die Koordinaten gestohlen wurden, muss auch zusätzlich der Dieb enttarnt werden.
Der relevante Personenkreis des Buches ist überschaubar, aber doch so groß, dass man als Leser miträtseln kann, wer es wohl auf das Dinoskelett abgesehen hat. Trotz der Kürze der Story wird die Auflösung des Falles nicht ganz linear erzählt, sondern bietet auch ein paar Wendungen und Überraschungen.
Man möchte auf jeden Fall wissen, wer es war und wo die Motive liegen.
Bei den Beschreibungen ist der Autorin eine gute Mischung gelungen: einerseits kurz und prägnant, andererseits atmosphärisch.

Da es ein Buch zum Film ist, sind auch Bilder enthalten. Die Bildunterschriften fassen den Film knapp zusammen. Die Geschichte unterscheidet sich aber naturgegeben nicht von dem Buch. Vor allem für jemanden, der sich noch nie weiter mit den Fünf Freunden beschäftigt hat – so wie ich – ist es aber auch ganz schön, direkt Bilder der Personen vor Augen zu haben. Es gab nämlich soweit keine optischen Beschreibungen, außer dass Dick immer eine Mütze trägt.

Sprachlich ist das Ganze sehr modern gehalten, was wohl an der filmischen Vorlage liegt. Auch wenn ich keine originale Geschichte von Enid Blyton gelesen habe, gehe ich davon aus, dass sie deutlich älter klingt als das vorliegende Buch.

Insgesamt ist die Geschichte natürlich für Kinder gemacht. Erfahrene Krimi-Leser wird die Geschichte um das Tal der Dinosaurier nicht hinterm Ofen hervorlocken, aber das soll sie ja auch nicht.
Trotzdem hatte ich den einen Abend, an dem ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe, Spaß mit den Fünf Freunden. Es gab Wendungen, die Geschichte war interessant und mit den Fünf Freunden bekommt man intelligente und hartnäckige Protagonisten, denen man gern folgt.
Ich glaube, dass Kinder und vielleicht noch sehr junge Jugendliche Spaß an dem Buch haben werden. Und in diesem Maßstab vergebe ich auch die Sterne.

Enid Blyton – Fünf Freunde 5 – Das Buch zum Film
cbj, 05. März 2018
ISBN 3570172678
152 Seiten
Gebunden; 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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Björn Beermann – Mitra – Magisches Erbe

Das hat sich die sechzehnjährige Mitra anders vorgestellt. Sie wollte in Hamburg ein neues und normales Leben beginnen. Doch nun muss sie sich zusätzlich zu ihrer Ausbildung mit ihrer magischen Gabe, einem nervigen Hausgeist und zwei Kerlen herumschlagen. Und dann wird sie auch noch in einen alten Kampf um Macht und Magie zwischen den Elementen hineingezogen, den nur sie wieder befrieden kann. Nur gut, dass sie in Aggy eine echte Freundin hat, die mit ihrer speziellen Art Mitra durch dieses Chaos begleitet. (Klappentext)

Als Kind und Jugendliche war ich großer Fan von Hexengeschichten. Vorrangig sah ich die im Fernsehen: Die Filme „Hexen, Hexen“ und „Halloweentown“ und die Serien „Charmed“ und „Sabrina – Total verhext“ waren Pflicht-Termine für mich. Und obwohl ich das Thema immer noch mag, habe ich noch kein Buch dazu gelesen.
Darum freute ich mich umso mehr, als die Anfrage kam, ob ich das neue Buch von Björn Beermann lesen möchte. Da es auch in Hamburg spielt, wo ich seit fast zehn Jahren wohne, war ich doppelt begeistert.

Mitra hat es nicht leicht. Nicht nur, dass sie sich mit sechzehn Jahren in einer hormonell schwierigen Phase befindet, sie hat es auch zuhause nicht leicht. Ihre Mutter ist vor kurzem gestorben und der Vater leidet sehr. Doch Mitra muss ihren eigenen Weg gehen und entscheidet sich deswegen für eine Ausbildung in Hamburg. Auf der Beerdigung ihrer Mutter hatte Mitra zum ersten Mal von ihrer Großmutter Mildred und ihrer Tante Minerva gehört, die beide in der Hansestadt wohnen, weswegen Mitra nun erst einmal bei ihnen unterkommen kann.
Schnell fallen Mitra Veränderungen an sich auf. Sobald sie mit ihren Kollegen im Stadtpark die Pause verbringt, hat sie Aussetzer. Ihr wird weiß vor Augen, sie hört Musik und es geschehen seltsame Dinge. Ihre neugewonnene Familie muss ihr das Familiengeheimnis eröffnen: Mitra ist eine magisch begabte Person.

Schon an der Beschreibung als „magisch begabte Person“ fällt auf, dass der Autor sich trotz des weitreichend erschlossenen Hexen- und Magie-Themas in der Popkultur noch ein paar neue Ideen einfallen lassen hat. Dabei war es auch schön zu sehen, dass auf Zauberstäbe und Hexenbesen verzichtet wurde. Alles wirkte ein wenig modernisiert und ins Heute übertragen. Und das, obwohl die Magie im Buch schon sehr alt ist.

Der Fall der Barriere der magischen Welt ist dabei im ersten Teil der angedachten Trilogie das Kernthema. Dieses wurde ebenso wie andere Geheimnisse Stück für Stück entschlüsselt. Der Leser war immer nur so schlau wie Mitra und entdeckte mit ihr zusammen ihr neues Leben.

Insgesamt stellt das Buch damit einen sehr guten Beginn der Trilogie dar. Man wird in die Welt sehr gut eingeführt und lernt die Personen ausreichend kennen.

Mit diesen Personen hat Björn Beermann auch ein Sammelsurium an interessanten Persönlichkeiten geschaffen. Dabei gelingt ihm immer der Spagat zwischen besonders und doch authentisch. Nichtsdestotrotz werden auch einige Klischees bedient. Es gibt den klassischen Hamburger Schnösel, die verrückte, aber gutherzige Freundin, den schmierigen Chef und natürlich die „Hexen“ mit den roten, wirren Haaren.
Mitra ist eine Hauptperson, der ich gern folgte. Man kann sich gut mit ihr identifizieren und in sie hineinversetzen. Glücklicherweise benimmt sie sich ihrem Alter auch angemessen. Gerade in ihrem Alter neigen viele Autoren dazu, die Figur deutlich zu erwachsen wirken zu lassen. Aber 16 Jahre sind nun einmal 16 Jahre.

Was ich aber sehr gern getan hätte: Ich hätte gern mehr mitfiebern müssen. Auch wenn ich nah an Mitra dran war, gingen mir ihre Erlebnisse und Gefühle nie nah. Es war interessant zu lesen, was in der magischen Welt gerade für ein Drama passiert, aber ich blieb nicht atemlos zurück. Die große Spannung fehlte also in diesem Auftakt noch. Vielleicht bewegen die nachfolgenden Bände ja mehr.

Das Buch gliedert sich in 47 Kapitel, die zum Teil nur eine oder anderthalb Seiten lang waren. Der Autor hat im Prinzip für jede neue Szene ein neues Kapitel begonnen, was sich für mich ungewohnt las. Was mich daran aber am meisten störte, waren die Kapitelüberschriften, die zwar immer genau das beschrieben, was nun kommt, aber dabei manches Mal seltsam ungelenk wirkten: „Ein Gespräch in der Küche“, „Recherchearbeit“ oder „Aggy hat eine Idee“.

Daran anschließend hatte ich eigentlich nur einen größeren Kritikpunkt am Buch und der ist für die wenigsten Menschen wohl relevant bei der Kaufentscheidung. Ich hatte einige Probleme mit der Formatierung. Die Schrift ist recht groß, ebenso wie der Zeilenabstand. Zusätzlich wurde keine Silbentrennung eingestellt, weswegen manche Zeilen unnatürlich große Wortabstände haben. Insgesamt entsprechen zwei Mitra-Seiten einer „normalen“ Buchseite. Da stellt sich mir dann die Frage: Hat Mitra eine eigentlich deutlich jüngere Zielgruppe als es wirkt oder wurde das Buch ein wenig künstlich aufgebläht?

Insgesamt war ich wirklich sehr zufrieden mit „Mitra – Magisches Erbe“. Ich mochte die Figuren, die neuen Ideen zur magischen Welt und auch, dass alles in Hamburg spielte.
Eine wirklich schöne Kombination, die das Buch schnell durchlesen lässt. Trotzdem wäre ich gern mehr berührt und gefesselt worden. Aber als Auftakt einer Trilogie kann ich mich nicht allzu sehr beschweren: .

Björn Beermann – Mitra – Magisches Erbe
Tredition, 16. Januar 2018
ISBN 3746900735
458 Seiten
Taschenbuch; 15,49 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Anja Janotta – Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade

1:200 Millionen – so hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es jemanden wie Franka gibt. Oder wie Vicky. Oder wie Bella. Als eineiige Drillinge sind die drei Zwölfjährigen richtige Celebritys. Trotzdem könnten sie verschiedener nicht sein. Als sie vor lauter Berühmtheit keinen Schritt mehr vor die Tür machen können, flieht Mama Trablinburg mit ihnen aufs platte Land, wo sie in einer baufälligen Villa ein Bio-Hotel eröffnen will. Franka, Vicky und Bella sind entsetzt: monatelang Baustelle, mieses WLAN, zu dritt im Doppelbett? Das muss ja Trabbel hoch drei geben! Ob Frankas wunderköstlicher Trostkakao den schlimmsten Schwesternstreit aller Zeiten kitten kann? (Klappentext)

Dann und wann bekomme ich Lust auf ein Kinderbuch. Da war ich ganz froh, dass ich im letzten Dezember dieses Buch auf Arbeit bekommen habe. Gut zwei Monate vor dem Erscheinungstermin. Ich habe direkt begonnen, es zu lesen und das dauerte dann nicht lang.

Die drei Berliner Schwestern sind ganz und gar nicht glücklich, als ihre Mutter sie in die alte Familienvilla nach Deininghofen schleppt. Sie müssen ihre Freunde zurücklassen, ihre eigenen Zimmer, ihr Berlin – aber auch ihren Ruf. Die drei sind etwa Besonderes, das wissen sie. Und das haben sie an der falschen Stelle betont. Nun können sie auf dem Dorf ganz neu anfangen, die sein, die sie wirklich sind und dabei auch noch ihrer Mutter bei der Erfüllung ihres Traums vom Hotel behilflich sein. Doch die Dorfbewohner stehen den Neuankömmlingen genauso skeptisch gegenüber wie sie denen.

Die Drillinge und ihre Erlebnisse sind Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Dabei ist man immer an Frankas Seite und lernt ihr Innenleben, ihre Gedanken und Wünsche kennen. Franka, das ist die Nette. Sie wäre gern mehr, doch da ihre Schwester Bella schon schön ist und Vicky schlau, scheint nicht viel mehr für sie übrig zu bleiben. Und das Nettsein kann schnell zum Fluch werden.
Dieser innere Kampf von Franka ist schön beschrieben und dort finden sich sicherlich auch viele wieder. Nett sein, das tun, was andere erwarten, Harmonie herstellen – und sich am Ende ärgern, dass dabei die eigenen Wünsche auf der Strecke bleiben.
Doch auch wenn man die restlichen Personen nur aus der Außenperspektive kennenlernt, ergibt sich ein gutes Bild. Natürlich sind die Mutter Babs und die Dorfbewohner nicht bis in die Tiefe analysiert, aber das brauchte die Geschichte der drei Mädchen auch nicht.

„Die Trabbel-Drillinge“ ist voller Klischees: Die Nette, die Schlaue, die Hübsche, die Öko-Mutter, die nur noch bunte, weite Sachen und einen Turban trägt, oder die fiesen Dorf-Jungs – Aber man darf nicht vergessen, dass das Buch eine Zielgruppe ab 10 Jahren hat. Mit diesem Hintergrund war es für mich nicht tragisch, dass alles etwas vereinfacht wurde.

Das Alter war überhaupt der einzige Punkt, der mich ab und zu verwirrt hat. Die Trabbel-Drillinge sind zwölf Jahre alt und gehen in die fünfte Klasse. Agiert man da so erwachsen, wie sie es die meiste Zeit getan haben? Dieses Alter ist bei mir schon eine Weile her, aber ich bezweifele, dass wir „Das steht hier ja wohl gar nicht zur Debatte!“ (S. 98) oder „[…] dann hat er sich schon eine hieb- und stichfeste Ausrede zurechtgelegt.“(S. 150) sagten. Immerhin kamen solche Aussagen jedoch immer von der schlauen Vicky. Von daher passt es wohl doch wieder.
Insgesamt gab es aber auch in irhen Handlungen und in ihrem professionellen Auftreten manchmal einen kleinen Bruch in der Alterslogik für mich. Vielleicht ist mir aber auch einfach nicht bewusst, wie erwachsen manche Zwölfjährige heute schon wirken.

Das war aber tatsächlich der einzige größere Punkt, der mich ab und zu stocken ließ. Ansonsten war das Buch wirklich rund.
Die Story wirkt zwar einfach, hat aber trotzdem die eine oder andere Überraschung parat.
Die tollen heißen Schokoladen von Franka machten mir richtig Lust auf das Heißgetränk. Die Rezepte am Ende des Buches habe ich deswegen dankbar zur Kenntnis genommen.
Der Zusammenhalt der Schwestern hat mich darüber hinaus ab und zu wirklich berührt und ich bemitleidete mich ein wenig, dass ich nur Einzelkind bin und nicht auch so etwas erleben konnte.

Alles in allem ist Anja Janotta mit „Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade“ ein wirklich süßes Buch gelungen: berührend, wohlig und unterhaltsam.
Und man kann es definitiv auch lesen, wenn man der Zielgruppe entwachsen ist… .

Anja Janotta – Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade
cbj, 26. Februar 2018
ISBN 3570175367
219 Seiten
Gebunden; 13,00 Euro

Lea-Lina Oppermann – Was wir dachten, was wir taten

»Kann sein, dass es dich verändert. Kann sein, es lässt dich kalt. Kann sein, dass du schon davon gehört hast, im Fernsehen oder in den Schlagzeilen. So viele Reporter, die darüber berichtet haben, Fotos geknipst und mit dem Rektor gesprochen… Wenn ja, vergiss es, nichts davon ist wahr.
Wir werden dir erzählen, was wirklich passiert ist. Wir waren dabei.« (Klappentext)

Bücher über Amokläufe sind selten. Umso glücklicher war ich, dass ich noch während meiner Lektüre eines anderen Amoklauf-Buches über „Was wir dachten, was wir taten“ stolperte und direkt bei BELTZ anfragte, ob sie so freundlich wären und mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellen würden. Als ich zwei Tage später das Buch aus meinem Briefkasten angeln konnte, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Ohne Umschweife war es direkt meine nächste Lektüre.

Es ist ein ganz normaler Schultag. Zumindest so normal, wie es sein kann, wenn gleich morgens eine Matheklausur geschrieben werden muss. Die vierzehn Schüler werden in ihrer Konzentration jäh unterbrochen, als eine Warnung durch den Lautsprecher schallt. Ein schwerwiegendes Sicherheitsproblem sei aufgetreten und die Türen seien geschlossen zu halten. Es dauert nicht lang, da machen erste Gerüchte über einen Amoklauf die Runde. Und kurz danach schafft es eine maskierte Person, in den Klassenraum einzudringen und alle mit einer Waffe zu bedrohen. Zehn Briefe werden dem Lehrer Herrn Filler gegeben. In den Briefen stecken zehn Aufgaben. Aufgaben, die erbarmungslos die Geheimnisse aller ans Tageslicht bringen.
Und allen ist klar: Egal wie es ausgeht, nichts wird mehr sein, wie es war.

Die Geschichte spielt sich in einem kurzen Zeitraum auf kleinem Raum ab. Es gibt kein Vorher und kein Nachher. Es dreht sich alles um den einen Klassenraum und das Geschehen darin. Ein wenig wirkt die Welt wie eingefroren und als Leser ist man ebenso wie die vierzehn Schüler und der Lehrer auf die Person mit der Maske, den Pistolenmann, fokussiert.
Erzählt wird die Geschichte dabei abwechselnd aus drei Perspektiven. Die kluge und strebsame Fiona, der aufmüpfige Einzelgänger Mark und Herr Filler kommen zu Wort.
Das Buch ist mit 179 Seiten relativ kurz, doch dadurch rollt die Geschichte auch schnell an. Man beginnt mitten in der Klausur und schon bald steht der Pistolenmann mit im Raum.
An Spannung fehlt es also allein von der Grundthematik her schon nicht. Man möchte wissen, wer hinter der Maske steckt und warum er so etwas tut. Vor allem: Wird es Tote geben?
Die Aufgaben bringen dann den zusätzlichen, besonderen Kick. Als Leser konnte ich es kaum erwarten, dass die eine Aufgabe beendet wurde und Herr Filler den nächsten Umschlag öffnete.
So wird auch alle paar Seiten eine echte Überraschung geboten. Einige Wendungen ergeben sich und dabei war keine unrealistisch oder überzogen. Ein überaus kluger Kniff der Autorin!

Trotz der dramatischen Situation fehlte es dem Buch auch nicht an – wohl dosiertem und äußerst passendem – Humor. Vor allem die sarkastischen Schüleräußerungen entlockten mir einige Lacher. Dabei lockerte es die Situation nicht zwingend auf, aber machte sie realer. Ganz sicher wird der eine oder andere Jugendliche sich auch in so einer Situation bestimmte Sprüche nicht verkneifen können.

Und das machte für mich einen großen Teil des Charmes des Buches aus: Die Figuren wirken echt. Es werden zwar einige Klischees, wie das unsichere Pummelchen, die dumme Sportskanone, die schöne Zicke oder der angepasste Lehrerliebling, bedient, nur kommen diese Klischees ja auch nicht von ungefähr. Diese Schülercharaktere lassen sich sicher in den meisten Schulklassen tatsächlich finden. Von daher war es ok und machte die vierzehn Leute auch einfach unterscheidbar.
Damit bietet sich viel Identifizierungspotenzial und jeder Leser, egal ob männlich oder weiblich, kann jemanden finden, mit dem er sich verbunden fühlt.
Da es nicht wirklich um die einzelnen Schüler an sich geht, liegt auf ihnen auch kein Fokus. Neben der aktiven Handlung wird wenig nach links und rechts geschaut, sprich auf die persönlichen Geschichten eingegangen. Durch die Gedanken lernt man natürlich die drei Erzähler am besten kennen, doch auch die anderen Charaktere werden in kleinen Stücken offenbart. Es bleibt niemand wirklich blass oder platt, aber man lernt auch niemanden in der vollkommenen Breite kennen. Das ist aber vollkommen ok und angemessen bei dieser Story.

Die Sprache war für mich besonders und ließ das Buch ebenso wie die Figuren lebensnah wirken. Wenn Dinge, die runterfallen auftitschen und Regentropfen pladdern, fühle ich mich glatt etwas heimisch. Das mag auch daran liegen, dass die 18-jährige Autorin aus Berlin stammt.
Die Schreibweise ist jung und frisch und an den richtigen Stellen umgangssprachlich. Mir machte es Spaß, das zu lesen.

Überhaupt habe ich das Buch sehr gern gelesen, auch wenn es durch die Kürze und eher große Schrift relativ schnell vorbei war. Lea-Lina Oppermann beweist Fingerspitzengefühl bei so einem sensiblen Thema, schafft Figuren, die trotz weniger Informationen nicht platt wirken und packt alles in eine spannende und interessante Geschichte, die zum Weiterlesen animiert. Das Thema Schulamoklauf ist wichtig, vor allem aber seine Hintergründe.
Und genau an der Stelle komme ich zu dem einzigen größeren Kritikpunkt: Der Hintergrund des Amoklaufs, sprich die Motive des Amokläufers. Sie kamen letztendlich durch, aber für mich hätten sie noch deutlicher benannt werden können. Es blieb alles ein wenig wischiwaschi, manches wurde eher angedeutet. So blieb bei mir am Ende die Frage: Waren DAS wirklich Gründe für so eine Tat?

Daneben gibt es nur noch zwei kleinere negative Punkte: Die Kürze des Buches und die fehlende emotionale Bindung. Dadurch dass man direkt mitten in der Geschichte ist und keinen Schüler näher kennenlernt, konnten mich Geschehnisse weniger schockieren. Ich wurde an vielen Stellen nicht so richtig mitgerissen. Das tat der Spannung zwar keinen Abbruch, aber obwohl in der Geschichte an sich Herzbruch-Potenzial liegt, wurde es nicht genutzt.

Aber ganz am Ende, da war bei „Was wir dachten, was wir taten“ auch ein wenig der Weg das Ziel. So gespannt ich war, wer nun hinter der Maske steckt und warum er die Klasse bedroht, so gespannt war ich auch auf jede einzelne Aufgabe.
Das Buch konnte mich nicht bis ins kleinste Detail überzeugen, aber insgesamt hat es sehr, sehr viel richtig gemacht. Ich kann verstehen, dass die Autorin für dieses Debüt gleich mit dem Hans-im-Glück-Preis für Jugendliteratur ausgezeichnet wurde. Von mir gibt es .

Lea-Lina Oppermann – Was wir dachten, was wir taten
Beltz & Gelberg, 17. Juli 2017
ISBN 3407822987
179 Seiten
Broschiert; 12,95 Euro

Das Pubertier

©Constantin Film

Gerade war sie doch noch so lieb, so niedlich. Doch kurz vor ihrem 14. Geburtstag mutiert Papas kleine Prinzessin plötzlich zum bockigen Pubertier. Der Journalist Hannes Wenger (JAN JOSEF LIEFERS) nimmt sich eine Auszeit, um seine Tochter Carla (HARRIET HERBIG-MATTEN) in dieser schwierigen Lebensphase zu erziehen und von Alkohol, Jungs und anderen Verlockungen fernzuhalten. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn seine Frau Sara (HEIKE MAKATSCH) geht wieder arbeiten und Hannes ist als Vater maßlos überfordert. Ob Party, Zeltlager oder Carlas erstes Mal: Hannes tritt zielsicher in jedes Fettnäpfchen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch andere Jugendliche peinliche Väter haben: Hannes’ bester Freund, der taffe Kriegsreporter Holger (DETLEV BUCK), lässt sich lieber im Nahen Osten beschießen als sich daheim von seinem grunzenden Pubertier in den Wahnsinn treiben zu lassen.
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Mein Freund wurde zu der Pressevorführung von „Das Pubertier“ eingeladen und durfte mich dankenswerterweise mitnehmen. Der Film ist die Adaption des gleichnamigen Buches von Jan Weiler. Auf ihn bin ich vor fast 10 Jahren das erste Mal aufmerksam geworden, als ich ab und zu seine Stern-Kolumne „Mein Leben als Mensch“ las. Ich fand sie jedes Mal ziemlich lustig. Aktiv verfolgt habe ich seine Karriere nach dem Ende der Kolumne nicht, aber ab und zu lief er mir doch wieder über den Weg. Sei es mit dem Roman (beziehungsweise dem Film) „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ oder eben „Das Pubertier“.
Vor allem gespannt war ich, weil ich meist kein großer Fan von deutschen Filmen bin.
Ich ging also sehr neugierig ins Kino, ob mir dieser Film Spaß bereiten wird. Gefühlt bin ich nämlich nicht mehr in der einen Zielgruppe, da ich die Pubertät schon einige Jahre hinter mir habe, und in der anderen noch nicht drin, weil ich noch kein Kind habe.

©Constantin Film

Familie Wenger hat zwei Kinder. Während der Sohn noch in kindlich-vorpubertären Bahnen unterwegs ist, steuert die 13-jährige Carla mitten in die schwierige Phase hinein. Die Phase, in der Jungs und aufreizende Klamotten interessant und die Eltern total uncool werden. Plötzlich hängen keine Pferdeposter mehr an der Wand, sondern Stars und Vater Hannes kommt damit nur sehr schwer klar. Wo ist denn plötzlich seine kleine Prinzessin, die noch Gute-Nacht-Lieder von ihm hören wollte und ihn nicht fragte, ob es Bier auf der Party geben darf? Vor allem seit seine Frau wieder arbeiten geht, muss er sich mehr um die Kinder kümmern. Da hilft es auch nicht, dass andere Familien mit noch komplizierteren Kindern gestraft sind.

Das Genre von „Das Pubertier“, bei dem Leander Haußmann Regie führte, lässt sich ziemlich deutlich als „Familienkomödie“ beschreiben und das füllt der Film auch sehr gut aus. Die Mischung ist für mein Empfinden gut gelungen, die Waage neigt sich jedoch verdächtig zur Familienfilm-Seite. Die kleinen und großen Dramen des Alltags – auch zwischen Erwachsenen – kommen zur Sprache. Vieles wird dabei emotional und sanft gezeigt, manches aber auch mit einem Augenzwinkern.
Es ist auf jeden Fall keine reine Komödie, in der es krampfhaft um Lacher geht. Nichtsdestotrotz gibt es sie, keine Frage. Sie ergeben sich aber eher aus einer Situation, aus einem Gespräch heraus. Sehr wahrscheinlich aus dem nächsten Fehltritt vom Vater und dem daraus resultierenden Unverständnis der Tochter.

©Constantin Film

Jan Josef Liefers mochte ich in dieser Konstellation sehr gern. Sowohl als Off-Sprecher als auch als Familienvater hörte und sah ich ihm gern zu. Authentisch und sympathisch kam er rüber. Genauso gern mochte ich Heike Makatsch als Mutter. Die beiden stellten ein tolles Paar da.
Probleme hatte ich jedoch ab und zu mit den Kinderdarstellern. Und von denen gab es einige.
Es ist nicht so, dass sie mir unsympathisch waren. Ich fand ihre Spielweise nur häufig hölzern oder – als direktes Gegenteil – zu aufgesetzt, zu theatralisch. Manches Mal wirkte es, als wären sie Theaterschauspieler und keine Filmdarsteller. Zusätzlich waren mir manche Wutausbrüche einfach zu drüber. So hätte ich mit meinen Eltern nicht reden dürfen und habe ich auch nicht. Und darum glaube ich, dass dieses Klischee „Pubertät“ hier zwar lustig, aber durchaus nicht immer realistisch dargestellt wurde.

Musikalisch lässt mich „Das Pubertier“ ganz klar zweigeteilt zurück. Wenn es melodische Untermalung gab, war die so unauffällig, dass ich sie nicht bemerkt habe. Dafür gab es häufig Songs, die wirklich Teil der Handlung waren und davon hat mir jeder einzelne Spaß gemacht.

Und am Ende bleibt ja wie so oft die große Frage: War es denn nun spannend?
Die Beantwortung fällt da komplex aus.
Es war nun einmal kein klassischer Spannungsfilm, sondern ein lustiger Familienfilm. Aber es fehlte auch ein Ziel, auf das man hinschaut, das mir oft wichtig ist. Jemanden einfach so im Alltag zu begleiten, ohne zu wissen, wo das hinführt, langweilt mich häufig.
Aber hier war ich nicht gelangweilt. Schnell vergingen die anderthalb Stunden. Ich lachte und blieb interessiert am Ball.

©Constantin Film

Ich mochte „Das Pubertier“ gern, auch wenn es ganz sicher nicht die größte Filmkunst ist.
Die 90 Minuten vergehen lockerleicht mit einigen Lachern und auch einigem Kopfschütteln.
Wir sind sicher alle überzeugt, dass wir so nicht waren als Jugendlicher, aber vielleicht nehmen wir unsere Eltern nach dem Film ja doch mal in dem Arm und danken ihnen, dass sie uns trotzdem lieb haben und hatten. Vielleicht täuscht die Selbstwahrnehmung ja doch.
Dieser Film, der mir wirklich Spaß machte, aber eben nicht mein Lieblingsfilm werden wird, bekommt .

Wenn ihr euch jetzt selber davon überzeugen wollt, wie ihr den Film finden könntet, schaut euch doch gern den Trailer an:

Das Pubertier
Filmverleih: Constantin Film
Lauflänge: 91 Minuten
FSK 6
Ab dem 6. Juli 2017 in den deutschen Kinos

S. L. Grey – Under Ground

Die Angst sitzt tief
Ein tödliches Grippevirus versetzt die Welt in Panik.
Um zu überleben, begibt sich eine Gruppe Flüchtender unter die Erde.
In der abgeschotteten Welt eines Luxusbunkers glauben sie sich in Sicherheit.
Doch der schlimmste Feind lauert bereits unter ihnen.
Sie selbst…
(Klappentext)

Als ich von diesem Buch hörte, war klar, dass ich es lesen möchte. Darum freute es mich, dass ich es als Rezensionsexemplar bekommen habe. Leider dauerte es dann noch ein wenig, bis ich seinen Status von „ungelesen“ zu „am lesen“ änderte.

In den letzten Jahren haben Geschichten über große Katastrophen – man möchte fast sagen „Vom Ende der Welt“ – Hochkonjunktur. Vor allem, seit „Dystopie“ so ein beliebtes Genre geworden sind. „Under Ground“ ist ähnlich und doch ganz anders.
Die Welt ist noch nicht untergegangen, aber mit viel Pech steht es kurz davor. In Asien ist ein Grippevirus ausgebrochen, das sich rasend schnell verbreitet und dabei überaus tödlich ist. Nun ist es in Amerika angekommen.
Greg Fuller wollte einerseits vorbereitet sein und andererseits Profit machen, als er einen verlassenen Bunker kaufte und zu einem unterirdischen, sicheren Luxusquartier, dem „Sanctum“, ausbaute. Ein paar Familien nahmen viel – sehr viel – Geld in die Hand, um sich eine Wohnung in dem Bunker kaufen zu können. Sie alle ahnten nicht, dass sie so überstürzt würden einziehen müssen.
Als plötzlich einer von ihnen tot ist, steht plötzlich jeder in Verdacht, ein Mörder zu sein. Doch selbst das wird schnell nur ihr kleinstes Problem bleiben…

Das Buch spielt sich fast ausschließlich in dem Bunker ab. Dies macht zu großen Teilen den Reiz der Atmosphäre aus. Es ist eng, es gibt kein Tageslicht und es sitzen eine ganze Menge fremder Menschen aufeinander.
Die „ganze Menge“ sind genauer gesagt 17 Menschen und ein Hund. Und diese 17 Menschen lernt man ziemlich gut kennen. Anfänglich hatte ich Angst, dass es zu viele Menschen und zu viele Geschichten sind, die man durcheinanderbringen wird. Schnell stellte sich heraus, dass es kein Problem ist. Die Personen unterscheiden sich so sehr voneinander, dass man sie deutlich auseinander halten kann. Dadurch rutschten einige natürlich in Klischees, was schade, aber irgendwie auch fast unvermeidbar war. Es gibt unter anderem die religiösen, waffenfanatischen Hinterwäldler, die reichen, versnobten Anwälte und die schüchternen, computerspielenden Asiaten.
Neben dem Besitzer Greg gibt es sechs weitere Wohnparteien im Sanctum. Aus jeder gibt es einen Erzähler. Diese sechs Blickwinkel sind spannend und bieten einen umfassenden Blick über die Geschehnisse im Bunker. Durch sie lernt man die restlichen Personen auch gut kennen.
Am Ende schaffen es Sarah Lotz und Louis Greenberg, die hinter dem Pseudonym S. L. Grey stehen, jeder Figur ausreichend Platz zu geben. Und selbst die „Nicht-Erzähler“ bleiben dabei nicht blass oder flach. Jeder bekommt eine eigene Geschichte mit einer eigenen Tiefe. Dabei war dem Leser natürlich nicht jede Figur sympathisch, aber das war auch durchaus so gedacht. Nichtsdestotrotz sind ein paar Sympathieträger und somit Identifikationsfiguren dabei.

„Under Ground“ soll ein Thriller sein und die Grundzutaten sind durch den abgeschotteten Handlungsraum, den Toten und die langsam anschwellenden Panik durchaus gegeben.
Leider stellte sich bei mir nie ein Nervenkitzel ein. Und das liegt gar nicht mal daran, dass man den Erzähler oft an einer spannenden Stelle verließ. Cliffhanger sind ja nichts Schlechtes. Es lag eher daran, dass vieles logische und damit vorhersehbare Wege ging und schockierende Dinge ganz plötzlich passierten, ohne dass sich vorher ein Spannungsbogen aufbauen konnte.
Ohne zu viel von der Geschichte verraten zu wollen, kann ich trotzdem sagen, dass ich sehr interessiert weiterlas, um das Ende zu erfahren, da ich auf einige Auflösungen wartete. Auf dem Weg dahin wurde ich mit der einen oder anderen Überraschung beglückt.

Geschrieben war es in einer wahnsinnig angenehmen Art. Es gibt drei männliche und drei weibliche Erzähler, die sich 50:50 in Jugendliche (ungefähr 17 bis 19 Jahre) und Erwachsene (um die 40 Jahre) unterteilen. Jedes Kapitel war dabei sprachlich an die Person angepasst ohne dass allzu starke Unterschiede bemerkbar waren. Das war wirklich gut gemacht.

Insgesamt hatte ich erst Angst, dass es zu viele gleichwertige und -wichtige Personen in dem Buch geben wird, aber da wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Es machte mir keine Schwierigkeit, alle auseinanderzuhalten. Die Geschichte mit der Idee war gut gewählt und hatte durchaus ihre spannenden Momente. Letztendlich war es für einen Thriller aber zu wenig. Bessere Spannungsbögen hätten dem Lesevergnügen noch den letzten Kick verliehen. Ansonsten war ich die ganze Zeit interessiert beim Buch und ließ deswegen auch keine langen Lesepausen.

S. L. Grey – Under Ground
Originaltitel: Under Ground (Juli 2015)
Heyne Verlag, 14. November 2016
ISBN: 3453438108
383 Seiten
Broschiert, 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

S. K. Tremayne – Stiefkind

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Ich sehe was, was du nicht siehst – und das ist dein Tod

Ein traumhaftes Leben malt Rachel sich aus, als sie mit ihrem neuen Mann und dessen Sohn in deren Herrenhaus in Cornwall zieht. Doch der 9-jährige Jamie ist nicht wie andere Kinder. Er scheint zu sehen, was die nahe Zukunft bringt… und das ist Rachels Tod. (Klappentext)

Nachdem mir “Eisige Schwestern” von S. K. Tremayne nicht den Atem verschlagen, aber doch gut gefallen hatte, habe ich mich sehr gefreut, dass ich „Stiefkind“ bei Vorablesen gewonnen habe.

Rachel ist zu ihrem Frischangetrauten, David Kerthen, von London hinaus nach Cornwall gezogen. In das Herrenhaus Carnhallow, das seit über tausend Jahren von den Kerthens bewohnt wird. Es heißt, die Vorfahren ließen sich genau dort nieder, weil sie hellsichtig war: Sie sahen, dass den rauen Felsen in Zukunft Mineralien entlockt werden können. Die errichteten Minen brachten der Familie Reichtum und nahm David seine erste Frau. Doch stimmen die Legenden über die Familie? Waren sie hellsichtig? Denn wenn das stimmt, kann der junge Jamie dann seiner neuen Stiefmutter die Zukunft voraussagen? Kann er vorhersehen, dass sie an Weihnachten tot sein wird?

„Stiefkind“ nimmt sich Zeit. Vor allem in der erste Hälfte wird viel Wert auf die Beschreibung der Landschaft gelegt, auf die Beschreibung der neuen Familie, auf die Beschreibungen von Nina Kerthen, Davids erste Frau. Während die Verhältnisse innerhalb der Familie durchaus interessant waren, wiederholte sich die Landschaft permanent. Es gab keinen Felsen, keine Mine, keine Welle, die nicht schon ein paar Seiten weiter vorn beschrieben worden war.
Die erste Hälfte des Buches entfaltet sich dementsprechend langsam. Es ist nicht so, dass der Teil langweilig oder zäh wäre, aber er war eben auch nicht so nervenkitzelig, wie er hätte sein können.

Dafür holten mich der Nerkenkitzel und die Aufregung in der zweiten Hälfte des Buches total ein. Lange saß ich nicht mehr so mit Herzklopfen beim Lesen und hatte fast Angst, die nächste Seite umzublättern. Ich entwickelte parallel zu Rachel eine Angst vor Carnhallow House, in dem so seltsame Dinge vor sich gingen.

Neben den ganzen Beschreibungen wurde auch den Figuren viel Zeit eingeräumt. Dies führt dazu, dass ich der Meinung bin, jede Figur wirklich begriffen zu haben. Die oberflächliche Schönheit und die tiefen, dunklen Winkel lässt S. K. Tremayne den Leser sehen. Dabei schaffte er interessante Figuren, die vielschichtig und authentisch wirkten.
Weniger authentisch waren hingegen die Dialoge. Sie wirkten streckenweise hölzern und plump. Regelmäßig dachte ich: „So würde niemand reden. Und schon gar nicht mit einem Kind.“

Der Herbst und der Winterbeginn im Buch transportierten eine Stimmung, die perfekt zur Geschichte passte. Alles war düster, kalt, klamm.
Von der Story an sich war ich zusätzlich begeistert. Ein Thriller im Umfeld von Bergbau kommt nicht häufig vor. Mir fiel sofort nur „Nacht unter Tag“ von Val McDermid ein, das jahrelang auf meiner Wunschliste stand, bevor es irgendwann doch uninteressant für mich wurde. Und gruselige – in diesem Fall möglicherweise hellsichtige – Kinder versprühen auch immer einen gruseligen Charme.

Ich hatte mir also eventuell etwas mehr vom Anfang versprochen, wurde dann aber ab der Hälfte des Buches versöhnt, als e wirklich spannend, aufregend und undurchsichtig auf eine gute Art und Weise wurde. Wie die Hauptpersonen verlor ich meine Sicherheit. Ich wusste nicht, wem ich vertrauen konnte, welche Wahrnehmungen der Wahrheit entsprachen. Ich versuchte die ganze Zeit die Fäden wieder zusammenzuführen und die losen Enden fest in der Hand zu halten. Doch das Buch schlägt sie einem nach und nach wieder aus der Hand. Immer tiefer gerät man in den Strudel, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Doch das Buch hat keine 400 Seiten. Der Leser weiß, es gibt ein Entrinnen oder zumindest ein Ende.
Und wie schon bei „Die Eisigen Schwestern“ war ich davon enttäuscht.
Die Auflösung wirkte konstruiert und ohne erkennbare Hinweise plötzlich auftauchend. Doch damit hätte ich mich noch arrangieren können, wenn der Autor nicht wichtige Hinweise – für mich zum Teil sogar die wichtigsten Hinweise für einen bestimmten Geschichtsausgang – einfach fallengelassen hätte. Sie fielen einfach unter den Tisch. Vielleicht weil die so klar waren, dass man sie nicht wegdiskutieren konnte – und sie somit nicht zum Ende gepasst haben.

Das Ende enttäuschte mich also etwas, auch wenn es grundsätzlich natürlich nicht verkehrt war und auch noch Überraschungen bereit hielt. Aber mit dem Konstruieren und Nur-die-Hälfte-Auflösen konnte ich nichts anfangen.
Trotzdem bekommt „Stiefkind“ 4 Sterne von mir. Das Buch riss mich einfach phasenweise so sehr mit, dass diese Spannung das für mich wert ist.

S. K. Tremayne – Stiefkind
Originaltitel: The Fire Child (Juni 2016)
Knaur, 1. Dezember 2016
ISBN 3426516624
387 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Weitere Bücher des Autoren (klicke für die Rezension):

Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder

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Die Insel. Die Kinder. Das Grauen. Bist du bereit für dieses Abenteuer?

Manche Großväter lesen ihren Enkeln Märchen vor – doch was Jacob von seinem hörte, war etwas ganz, ganz anderes: Abraham erzählte ihm von einer Insel, auf der merkwürdige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben – und von den Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind. Inzwischen ist Jacob fast erwachsen und glaubt nicht mehr an die wunderbaren Schauergeschichten. Bis zu jenem Tag, an dem sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt… (Klappentext)

Seit Jahren habe ich in Buchhandlungen auf das Buch mit dem alt anmutenden Cover gestarrt. Ab und zu nahm ich es in die Hand und betrachtete das ein oder andere Foto darin. Doch erst als ich viel Geld auf der Payback-Karte hatte und nicht wusste, was ich davon kaufen soll, griff ich zu.

Seit Jacob Portman sich erinnern kann, erzählt sein Großvater ihm Geschichten aus seiner Kindheit. Von der Insel. Von dem Kinderheim, das ein Paradies war. Von den Monstern, vor denen alle dort sicher waren. Von seinen Freunden, die schweben konnten, unsichtbar waren, in deren Bäuchen Bienen wohnten oder andere Besonderheiten hatten.
Doch es kam der Punkt in Jacobs Leben, da begriff er, dass es solche Menschen nicht gibt. Und Kinderheime auch keine Paradiese auf abgelegenen Inseln sind. Sein ganzes Leben wurde er von seinem Großvater belogen – die Geschichten wollte er nicht mehr hören. Doch im Tod flüsterte Grandpa Portman verworrene Worte. Worte, die Jacob nicht zuordnen kann. Vielleicht muss er die Insel bereisen, um alles zu verstehen…

Schon immer sind Menschen fasziniert von dem Andersartigen, von dem Besonderen. Nicht umsonst gab es Zirkusse mit außergewöhnlichen Menschen. Sogenannte Freakshows, die selbst heute noch Mittelpunkt in Filmen und Serien sind, wie in „American Horror Story – Freak Show“.
Und auch dieses Buch lebt von ebenjenen Besonderheiten. Die Geschichten von Abraham bannen den Leser, dabei ist zweitrangig, ob sie stimmen oder nicht. Ich wollte von immer neuen Kindern erfahren, immer mehr Fähigkeiten entdecken.
die-insel-der-besonderen-kinderZusätzlich überraschten und begeisterten die Fotos, die zuhauf im Buch vorhanden sind. Und als ich – im Anflug einer Ahnung – noch im ersten Drittel des Buches mal zu den allerletzten Seiten vorblätterte, steigerte sich meine Faszination: Es sind alles echte Bilder, von denen nur wenige bearbeitet wurden. All diese seltsamen Fotos wurde also vor vielen Jahrzehnten genau so geschossen. Immer öfter las ich die Seiten zwischen den Bildern schnell weg, um mich wieder erstaunen lassen zu können. Jedes Bild passte perfekt in die Geschichte. Und bei dem einen oder anderen merkte man, das die Geschichte extra zum Bild geschrieben wurde.

Ich war von der Spannung vor allem am Anfang des Buches total mitgerissen. Stimmen die Geschichten? Gibt es die Kinder? Wenn ja, kann Jacob sie noch treffen? Sie sind ja ebenso wie sein Großvater mittlerweile alt.
Und auch als die erste große Auflösung kam, wurde die Spannung nicht weniger. Ganz im Gegenteil. Neue Fragen wurden aufgeworfen, neue Antworten wollten erlesen werden.

Erst mit der Mitte des Buches flachte das große Interesse und die Spannung bei mir ab. Längen entstanden. Doch auch wenn ich sie registrierte, störten sie mich nicht groß. Ich las unbeirrt weiter, musste mich nicht durchquälen. Denn eine Flaute in der Geschichte war nie von Dauer. Bald wurde sie durch eine neue Wendung oder Überraschung gerettet.
Jacob machte es mir als Hauptfigur dabei leicht. Als Kind aus reichem Hause wollte er genau das nicht sein. Er war kein Schnösel, kein Frauenversteher oder Cliquenmagnet. Jacob ist ein unsicherer Junge mit Problemen und Nöten, die Jugendliche eben haben.
Trotzdem erwachte sein Entdeckergeist und seine Neugierde durch den Tod seines Großvaters, was mich als Leser mitriss.
Ich blieb an seiner Seite und wollte alles, was er sieht und erfährt, genau beschrieben bekommen.
Auch wenn er ganz klar die Hauptperson und der Ich-Erzähler des Buches war, gefielen mir die anderen Figuren. Dabei waren manche Personen vielschichtiger als andere. Aber allein aufgrund der schieren Masse der Personen, ist das für den Leser angenehmer, wenn er manche als oberflächliche Nebenfigur erfahren kann.

Die Sprache blieb vollkommen unauffällig. Dies passte aber allein deswegen perfekt zum Buch, als dass die Geschichte schon besonders genug ist. Eine ausgefallene Sprache hätte zu sehr vom Wesentlichen Ablenken können.

Und abgelenkt wollte ich nicht werden bei Jacobs Suche auf der düsteren, herbstlichen, rauen Insel nach ganz besonderen Kindern.

die-insel-der-besonderen-kinder_comicMir gefiel das Buch äußerst gut. Nur die Längen zum Ende hin, die die Spannung in Mitleidenschaft zogen, lassen das Buch für mich ein paar Punkte verlieren.
Nichtsdestotrotz ist der zweite Teil der Reihe schon bestellt und ich freue mich wahnsinnig, weiterlesen zu können.
Der erste Teil bekommt bis dahin erst einmal 4 Sterne von mir.

Doch nicht nur mir scheint das Buch gefallen zu haben. Mittlerweile wurde es auch als Comic aufgelegt und der Kinofilm läuft aktuell im Kino.

Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder
Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children (Juni 2011)
Knaur Taschenbuch, 01. August 2013 (Gebundene Edition: November 2011)
ISBN 342651057X
416 Seiten
Taschenbuch; 12,99 Euro

Reihenfolge:
1. Die Insel der besonderen Kinder (Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children)
2. Die Stadt der besonderen Kinder (Originaltitel: Hollow City)
3. Die Bibliothek der besonderen Kinder (Originaltitel: Library of Souls)

Hendrik Groen – Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre

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Hendrik Groen mag alt sein (83 1/4, um genau zu sein), aber er ist noch lange nicht tot. Zugegeben, seine täglichen Spaziergänge werden kürzer, weil die Beine nicht mehr recht wollen, und er muss regelmäßig zum Arzt. Aber deshalb nur noch Kaffee trinken, die Geranien anstarren und auf das Ende warten? Kommt nicht in Frage. Ganz im Gegenteil. 83,25 Jahre lang hat Hendrik immer nur Ja und Amen gesagt. Doch in diesem Jahr wird er ein Tagebuch führen und darin endlich alles rauslassen. Das ist richtig lustig und zugleich so herzzerreißend, dass wir Hendrik am Ende dieses Jahres nicht mehr aus unserem Leben lassen wollen. (Klappentext)

Kurz nachdem meine Großmutter im Sommer ganz überraschend starb, bekam ich von Piper die Anfrage, ob ich „Eierlikörtage“ lesen möchte. So seltsam es klingt, es hatte für mich noch einmal etwas von „Oma nah sein“, wenn ich ein Buch von jemandem in ihrem Alter lese.

Hendrik wohnt in einem Altersheim in Amsterdam und dort gibt es nicht mehr viel zu erleben. Die größten Dramen sind die Zickereien am Kaffeetisch. Auch mal die toten Fische im Aquarium. Aber so etwas Besonderes gibt es selten. Hauptsächlich gibt es Probleme zwischen den Bewohnern. Das Problem ist nur: Hendrik Groen hat es nicht so Senioren. Er mag nicht wie sie riechen, wie sie schlurfen beim Gehen, wie schamlos sie im Laufe des Lebens geworden sind und erst Recht nicht das Gejammer über Krankheiten.
Zum Glück hat er ein paar verbündete Bewohner, die auf seiner Seite sind. Und so gründen sie den Alt-aber-nicht-tot-Club und machen ihren Alltag noch einmal bunt in dem Einheitsgrau der Altersheimwände.

Schon auf den ersten Seiten musste ich laut und herzlich lachen. So, wie ich lange nicht bei Büchern lachen musste. Hendrik schreibt selbstironisch und schafft es, düstere Themen mit einem trockenen und lockeren Spruch fröhlich zu machen.
Und düstere Themen gibt es im Buch viele. Es geht eben hauptsächlich um Dinge, die alte Leute beschäftigen: Krankheit, der eigene Tod und der der anderen, Sterbehilfe, Gehhilfe, Lebenshilfe. Man macht sich plötzlich Gedanken, mit welchen Hilfsmitteln man im Alter wieder mobil werden kann und welche Probleme schon Busfahren mit sich bringen kann.
Und trotzdem werden auch die schönen Seiten des Lebens nicht vernachlässigt.
Man kann sagen: Hendrik Groen zeigt uns, dass alt werden nicht schön ist, man es sich aber schön machen kann.

Wie der Klappentext schon verspricht, schließt man Hendrik schnell ins Herz. Er ist lieb, herzlich, hilfsbereit, hat Manieren und versucht so wenig wie möglich zu jammern. Sein trockener Humor macht es einem dann noch leichter, ihn zu mögen. Und auch die anderen Bewohner und vor allem die anderen Mitglieder des Clubs bekommen viel Aufmerksamkeit. Ich konnte verstehen, warum ausgerechnet diese paar Leute Hendriks Freunde waren.

eierlikoertageGanz in Tagebuch-Manier war das Buch leicht zu lesen und die Sprache angenehm alltäglich. Da man ein ganzes Jahr, vom 01. Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2013, mit Hendrik verbringt, sind die einzelnen Abschnitte zum Teil sehr kurz. An manchen Tagen schrieb er nur ein paar Zeilen, an manchen füllte er zwei Seiten. Dabei wechseln die Themen zwischen sehr persönlichen Ansichten über Beschreibungen der Geschehnissen im Altersheim bis hin zu ganz allgemeinen Dingen, beispielsweise was die Politik für die alten Leute tut.
Das Spektrum war also weit gefächert.

Das einzige Manko des Buches: Es war nicht wirklich spannend. Ich war gern bei Hendrik, ja, aber es waren eben hauptsächlich alltägliche Beschreibungen. Man wurde nicht gezwungen weiterzulesen. Auch wenn es natürlich Dramatik im Buch gab, passierte selten etwas mit lang angekündigtem Spannungsbogen. Vieles kam eher überraschend und man erfuhr viel über die daraus resultierenden Konsequenzen. Wie es eben im wahren Leben oft so ist.
Aber so führte es eben dazu, dass ich ein paar Seiten – und damit ein paar Tage von Hendrik – las und dann auch für ein paar Tage gar nicht das Buch zur Hand nahm.

Vieles im Buch konnte mich jedoch rühren und mich fast zum Weinen bringen. Aber eben nur fast.

„Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre“ beinhaltet also weder eine rasend spannende Geschichte, noch eine große Liebesgeschichte oder gar Krimielemente. Aber es ist ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, um ein wenig bei Hendrik zu sein. Es ist gemütlich und rührend. Von mir bekommt es deswegen 4 Sterne.

Ich konnte es mir dann natürlich auch nicht nehmen lassen und recherchierte, ob es Hendrik Groen, den 83 1/4-jährigen wirklich gibt, der sein Tagebuch zuerst auf der Website des „Torpedo Magazines“ veröffentlichte, wie es das Buch sagt.
Das niederländische Wikipedia, das seine Informationen von einer niederländischen Nachrichten-Seite hat, sagt, dass es Hendrik leider nicht gibt. Es ist ein Synonym des Amsterdamers Bibliothekar Peter de Smet. Schade eigentlich. Es wäre ein ganzes Stück schöner, wenn es ein reales Tagebuch wäre, finde ich.

Hendrik Groen – Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre
Originaltitel: Pogingen iets van het leven te maken: Het geheime leven van Hendrik Groen, 83 1/4 jaar (Juni 2014)
Piper, 01. August 2016
ISBN 3492058086
414 Seiten
Gebunden; 22,00 Euro

Reihenfolge:
1. Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre (Originaltitel: Pogingen iets van het leven te maken: Het geheime leven van Hendrik Groen, 83 1/4 jaar)
2. Tanztee – Das neue geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 85 Jahre (Originaltitel: Zolang er Leven is. Het geheime dagboek van Hendrik Groen, 85 jaar)

Kostenloses Rezensionsexemplar

Hans Rath – Und Gott sprach: Der Teufel ist auch nur ein Mensch!

Rath_ Und Gott sprach Der Teufel ist auch nur ein Mensch

Immer Ärger mit dem Höllenfürsten
Psychotherapeut Jakob Jakobi bekommt ungebetenen Besuch von einem Kerl namens Anton Auerbach. Der möchte nichts Geringeres als Jakobs Seele kaufen, denn seit Jakobs Begegnung mit Gott ist diese Seele besonders wertvoll. Für wen? Für den Teufel natürlich. Und genau der behauptet Auerbach zu sein. Jakob ist genervt. Und denkt weder daran, seine Seele zu verkaufen, noch, «Toni» für voll zu nehmen. Doch der vermeintliche Teufel hat das eine oder andere Ass im Ärmel. Mehr und mehr wird Jakobs Leben zur Hölle. Da wäre es wirklich gut, Gottes Beistand zu bekommen… (Klappentext)

Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass mein Freund mir Teil 2 und Teil 3 der Jakob-Jakobi-Reihe geschenkt hat. Nachdem mir damals „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ so gut gefallen hat, begann ich gleich zu lesen.

Die Geschichte unterscheidet sich in der Grundkonstellation nicht sehr vom ersten Teil. Der Psychotherapeut Jakob bekommt Besuch von jemandem, der offensichtlich eine Persönlichkeitsstörung hat. Oder wahlweise tatsächlich der ist, für den er sich ausgibt: Gott oder Teufel.
Die Geschichte gefiel mir – trotz Innovationsschwäche – wieder sehr gut. Und auch die Umsetzung blieb toll. Dieses Mal gab es auch mehr Nebenstories und der Fokus lag nicht so ausschließlich auf den beiden Hauptpersonen, wie noch im Serienauftakt.

Das Buch spielt drei Jahre nach dem ersten Teil. Auch wenn man nicht mehr alle Details der ersten Geschichte im Kopf hat, ist das kein Problem. Geschickt wurden alle wichtigen Figuren und Ereignisse noch einmal eingebunden.

Spannungstechnisch war das natürlich kein Buch, das den Puls in die Höhe schießt. Die Frage, ob Jakob tatsächlich seine Seele verkaufen wird, war nicht nervenaufreibend. Aber so war das auch sicher nicht geplant.
Das Interesse blieb trotzdem stetig weit oben. Ist Anton wirklich der Teufel? Was passiert, wenn er eine Seele kauft? Kommt Gott noch ins Spiel? Was passiert mit allen anderen Personen?

Wie schon im ersten Teil mochte ich Jakob sehr gern. Er ist lieb, aber auch trocken und sarkastisch und gerade deswegen zum Gernhaben.
Auch die anderen Figuren waren alles richtige Charaktere, die mit verschiedenen Eigenschaften und Persönlichkeiten ausgestattet waren. Keiner blieb blass oder oberflächlich.

Wieder fühlte ich mich pudelwohl in dem Buch. Es gab weder große Schenkelklopfer, noch große Spannung oder große Gefühle oder eine vollkommen neue Geschichte. Aber man konnte sich zurücklehnen, durch die Seiten fliegen, sich wohlfühlen, Spaß haben und auch ab und zu zum Nachdenken angeregt werden.

Weil eben manches fehlt, aber ich das Buch trotzdem unglaublich gern mag und mich schon auf den dritten Teil freue, gibt es 4 Sterne.

Hans Rath – Und Gott sprach: Der Teufel ist auch nur ein Mensch!
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 29. Oktober 2015 (Broschierte Variante: 26. September 2014 als „Manchmal ist der Teufel auch nur ein Mensch“)
ISBN 3499268604
286 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Und Gott sprach: Wir müssen reden!
2. Und Gott sprach: Der Teufel ist auch nur ein Mensch!
3. Und Gott sprach: Du musst mir helfen!

Rath_Und Gott sprach wir müssen reden Rath_ Und Gott sprach Der Teufel ist auch nur ein Mensch Rath_Und Gott sprach Du musst mir helfen

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