Patrick Ness – Und der Ozean war unser Himmel

In der Tiefe lauern Monster, doch die schlimmsten erschaffen wir selbst …

Die stolzen Wale in Bathsebas Herde leben für die Jagd, riskieren alles in dem ewigen Krieg gegen die Welt der Menschen. Als sie ein treibendes Schiff attackieren, rechnen sie mit leichter Beute. Doch stattdessen stoßen sie auf die Spur einer Legende, eines Monsters, vielleicht des leibhaftigen Teufels selbst … (Klappentext)

Auch wenn ich „Sieben Minuten nach Mitternacht“ wirklich geliebt habe, habe ich die Bücher von Patrick Ness nicht weiterverfolgt. Als ich letztens dann zufällig auf ein neues stieß, habe ich es direkt gekauft und losgelesen. Es klang so ungewöhnlich und neu… und ich war bereit.

Bethseba wollte nie Jägerin werden, doch durch den Druck ihrer Familie und die Prophezeiung der Oma wird sie es im Alter von sechzehn Jahren. Sie wird dritter Lehrling in der Walschule von Kapitänin Alexandra. Die Wale führen Krieg gegen die Menschen, genauso wie die Menschen gegen sie. Unnachgiebig und skrupellos. Vor allem aber jagt Alexandra einen Mythos, einen Teufel, einen Schlächter – Toby Wick. Und nun scheinen sie ihm ganz nah zu sein…

Doch neben dieser großen Suche nach Toby Wick gibt es so viel mehr zu entdecken. Allein schon die Welt der Wale, die Patrick Ness beschreibt, ist vollkommen neu. Die Wale sind eine hochentwickelte Gesellschaft, haben Städte und durch verschiedene Technologien und Erfindungen haben sie sogar Licht und Sauerstoff in ihrer ewigen Dunkelheit. Doch gerade durch diese Entwicklung hassen die Menschen die Wale und die Tiere schlagen zurück.
Doch Bethsebas Walschule nimmt einen Menschen gefangen und ganz langsam entwickelt sich eine Freundschaft zwischen ihr und ihm. Das ist vor allem erstaunlich, da es die erste längere Mensch-Wal-Kommunikation ist und beide bemüht sind, die Ansichten und Welten des Gegenübers zu verstehen.

All das ist wundervoll illustriert von Rovina Cai. ich habe es geliebt, die Bilder zu entdecken und zu erkunden. Sie sind besonders und geben das Gefühl des Buches sehr schön wieder.

Der zentrale Punkt des Buches ist aber schon der Konflikt zwischen Wal und Mensch, an den viele philosophische und moralische Fragen über Krieg und Frieden anschließen: Macht unser Kampf uns auch zu Teufeln? Können nur Teufel Teufel besiegen? Und ist es dann ein ewiger Kreislauf, weil wir als Teufel wiederum gejagt werden? Endet ein Krieg erst, wenn eien Partei besiegt ist oder wäre er auch schon gewonnen, wenn man einfach aufhört zu kämpfen?

Insgesamt lassen sich viele Reminiszenzen an das Buch „Moby Dick“ finden, wie man schon am Namen des Gesuchten erkennt. Doch auch der erste Satz: „Nennt mich Bathseba“ gleicht dem des Klassikers: „Nennt mich Ismael.“ Wenn man mit Moby Dick vertraut ist, was ich nicht bin, hat man sicher noch ein bisschen mehr Spaß und erkennen.

Alles in allem fand ich das Buch wirklich schön mit seiner bildhaften, poetischen und zarten Sprache mit dieser neuartigen Geschichte und den wichtigen Gedanken. Doch ich wurde nicht so mitgerissen von der Suche, wie gewünscht und emotional auch nicht gepackt trotz emotionaler Szenen.
Trotzdem freue ich mich sehr, das Buch nun im Regal zu haben.

Patrick Ness – Und der Ozean war unser Himmel
Originaltitel: And the Ocean Was Our Sky (September 2018)
cbj, 14. Juni 2021
ISBN 3570165701
160 Seiten
Gebunden; 20,00 Euro

Otfried Preußler – Der Räuber Hotzenplotz

Potzblitz, der Räuber Hotzenplotz hat Großmutters Kaffeemühle gestohlen! Kasperl und Seppel müssen sie unbedingt zurückholen. Sie wissen auch schon wie: Mit einer Kiste voll Gold werden sie den Räuber in eine Falle locken. Doch ganz so leicht ist das nicht, denn der Räuber Hotzenplotz dreht den Spieß einfach um und so bekommen es die beiden auch noch mit dem bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann zu tun… (Klappentext)

Vor vielen, vielen Jahren bekam ich von meiner Großcousine ein altes Räuber-Hotzenplotz-Buch, doch gelesen hatte ich es nie. Zum 60. Geburtstag des Buches kommt nun ein neuer Film in die Kinos und es gibt eine tolle Neuauflage mit entsprechenden Filmbildern.
Um das zu feiern habe ich ein Goodie-Paket erhalten (das ihr auch noch hier gewinnen könnt), in dem unter anderem das Buch dabei war. Nun kam also meine große Chance, die verpasste Lektüre aus Kindertagen nachzuholen.

Und die erste Überraschung gab es schnell, denn ich dachte immer, es wäre eine Geschichte über die Taten des Räubers – aus seiner Sicht. Aber nein, Hauptfiguren sind die beiden besten Freunde Kasperl und Seppel, die sich auf die Jagd nach dem Räuber machen und dabei einige Gefahren überstehen müssen. Vor allem als die beiden voneinander getrennt werden und sich nun sowohl gegenüber dem Räuber als auch dem Zauberer Zwackelmann behaupten müssen, wird es ganz schön brenzlig.

Ich mochte die beiden Jungs wirklich gern. Zwei tolle, kluge Charaktere, die sich mit Glück, aber auch viel Mut gegenüber den Bösewichten behaupten können.
Von den beiden bösen Männern war ich jedoch überrascht. Ich erwartete in einem Kinderbuch gewitzte, fiese Typen, die man aber vielleicht nicht so ganz ernst nehmen kann, da sie nie so richtig etwas auf die Reihe bekommen. Aber es war anders. Die beiden waren wirklich erstaunlich böse und grausam und schreckten vor nichts zurück.

»Her da, du Satansbraten! Ich prügle dich grün und blau! Was erlaubst du dir, elende Kröte von einem Dienstboten? Willst du den großen Zauberer Zwackelmann warten lassen? Her mit dir, Faulpelz! Ich dresche dich windelweich! Ich verhaue dich, bis du krumm und lahm bist!“

Als ich diese Stelle las – wohlgemerkt die einzige, die ich auf diesem Niveau empfand – war ich ein bisschen schockiert und machte mir direkt eine mentale Notiz, dass ich die Stelle deutlich abwandle, wenn ich das Buch mal meine Tochter vorlese.

Das Buch ist 60 Jahre alt und das merkt man zum Teil ebenfalls an der Sprache (auch wenn ich nicht weiß, inwieweit es mittlerweile modernisiert wurde). Die älteren Formulierungen passen jedoch zu der Räuberatmosphäre, die ja auch nicht super modern ist. Die Sprache passt also zur Story.

Ich finde, „Der Räuber Hotzenplotz“ ist eine schöne Abenteuergeschichte mit viel Witz und Charme und zwei tollen Protagonisten. Da ich den Räuber und den Zauberer jedoch wirklich als sehr finster empfinde, würde ich Eltern/Lehrern/Erziehern/Erziehungsberechtigten raten, das Buch vorab einmal selbst zu lesen, um abzuschätzen, inwieweit die jeweiligen Kinder damit umgehen können.

Otfried Preußler – Der Räuber Hotzenplotz
dtv, 8. Oktober 2022 (Erstveröffentlichung 1962)
ISBN 3522185951
112 Seiten
Gebunden; 12,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Roland Lehoucq, Loïc Mangin, Jean-Sébastien Steyer (Hrsg.) – Die Wissenschaft von Mittelerde

Der ultimative Schlüssel zu Tolkiens fantastischem Universum

Ist Elbisch mit dem Altenglischen verwandt? Wo endet Mittelerde? Wie fliegt der Drache Smaug? Tolkien war ein großartiger Autor, Schöpfer imaginärer Reiche und Erfinder rätselhafter Sprachen.

Jetzt haben 38 Experten Tolkiens Romane, Gedichte und Briefe gesichtet und ihre wissenschaftlichen Wurzeln freigelegt. Sie geben Antwort auf alle Fragen von Archäologie und Astrophysik bis Vulkanismus und Waffentechnik. Karten, Stammbäume und Grafiken visualisieren Tolkiens geniale Ideen. Die Zeichnungen von Arnaud Rafaelian sorgen für echte Fantasy-Stimmung. (Klappentext)

Im Frühjahr 2021 habe ich von wbgTheiss ein wundervolles Buch zum Thema „Herr der Ringe“ beziehungsweise Mittelerde bekommen: „Die Erfindung von Mittelerde“ von John Garth.
Deswegen habe ich mich sehr gefreut, als ich nun wieder in die Welt abtauchen konnte.

Die Einleitung kündigt schon an, dass einen eine „transdisziplinäre – und manchmal undisziplinierte – Reise ins Tolkien-Land“ erwartet.
Doch bevor man dort hingelangt, erfährt man erst einmal einiges über Tolkiens Ansichten und Erfahrungen mit den Wissenschaften. Es werden verschiedene Bücher, Briefe und Schriften des Autors dafür herangezogen und dort zeigt sich schon: Dieses Buch geht das alles in seiner Art wirklich wissenschaftlich an. Und das, obwohl sich Tolkien selbst oft genug gegen die Verwissenschaftlichung seiner Bücher wehrte.
Doch es wird auch Tolkiens eigene Geschichte mit „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ in Einklang gebracht und das ist wirklich interessant. Doch der richtig interessante Teil folgt erst noch.

In sechs Kapiteln mit allerhand Unterkapiteln setzen sich verschiedene Autoren mit Mittelerde auseinander. Es geht um seine Politik, Schätze, Bewohner, Natur, mystischen Orte, Höhlen und noch so viel mehr.
Es geht so sehr in die Details und die Tiefe, dass allein Schlagworte ausreichen, um den Zauber des Buches – trotz aller Wissenschaftlichkeit – zu erkennen. Es geht unter anderem tief in die fantastische Welt hinein, um zu klären, warum Hobbits so leise laufen können (es sind die Plattfüße mit den überlangen Mittelfußknochen), was es mit den Tarnmänteln auf sich hat, die Galadriel verschenkt (es ist ein sehr anpassungsfähiges, textiles Gewebe), welche die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Ringes sind (ein goldähnliches Element, das einer raffinierte Oberflächenbearbeitung unterzogen wurde), dass zur Heilung in Bruchtal scheinbar auch Drogen eingesetzt werden (scheinbar ein würziger Likör inklusive Opium), welche Mutationen vonstatten gingen, dass aus Sméagol Gollum wurde (beschleunigte »polymorphe« Mutationen) oder welches Klima Mittelerde hat (ähnlich Westeuropa und Nordafrika aufgrund der äquatorfernen Zone).
Doch man bleibt auch in der realen Welt und geht beispielsweise der Frage nach, ob es eine Art Hobbit (Homo sapiens mit Fehlbildungen) wohl in der Evolution gegeben hat oder ob es so große Adler, wie in Mittelerde, auch in echt geben könnte.

Es gibt Abbildungen, Karten und Illustrationen, doch ich muss sagen, ich finde es erstaunlich wenige. Ich habe 40 Abbildungen (exklusive der Karten hinter den Buchdeckeln) gezählt, wobei hier auch Dinge wie Tabellen zu elbischen Buchstaben oder das Periodensystem zählt. Ich bin ein sehr optischer Mensch und hätte mir gerade bei dem Thema mehr zum Anschauen gewünscht.

Trotzdem macht es auch wirklich Spaß, das Buch durchzublättern und sich immer wieder einzelne Kapitel beziehungsweise Absätze durchzulesen. Man ist zurück in Mittelerde und irgendwie doch nicht. So hat man diese Welt sicher noch nie gesehen.

Und doch ist es schwere Kost und das nicht nur, weil das Buch 1,6 kg wiegt.
Man muss sich durch die Kapitel nicht hindurchkämpfen, aber die Wissenschaftlichkeit ist unübersehbar. Es sind wissenschaftliche Schriften, wenn auch leicht verständlich. Sprachlich ist es aber einfach komplex und hochgegriffen – inklusive 9 Seiten Quellenangaben und Register.

Alles in allem finde ich das Buch wirklich richtig toll. Prall gefüllt mit Wissen – natürlich vorrangig, aber nicht nur über Tolkien und „Der Herr der Ringe“, sondern auch unsere Welt.
Aber trotzdem wird das Buch nicht für jedermann sein, aber Tolkien-Fans werden hier noch einmal einen ganz anderen Blick auf alles bekommen können.

Roland Lehoucq, Loïc Mangin, Jean-Sébastien Steyer (Hrsg.) – Die Wissenschaft von Mittelerde – Wie J. R. R. Tolkien die größte Fantasy-Welt aller Zeiten schuf
Originaltitel: Tolkien et les sciences (2019)
wbg Theiss, 26. September 2022
ISBN 3806245142
384 Seiten
Gebunden; 50,00 Euro (ab 01.07.2023 70,00 Euro)

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ulla Scheler – Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

Wie es sich anfühlte, ihn zu sehen? Als hätte ich einen Monat lang durch einen Strohhalm geatmet.

Ben ist seit Ewigkeiten Hannas bester Freund. Er ist anders. Wild, tollkühn, ein Graffiti-Künstler, ein Geschichtenerzähler. Und keiner versteht Hanna so wie er. Nach dem Abi packen die beiden Bens klappriges Auto voll und fahren zum Meer. An einen verwunschenen Strand, um den sich eine düstere Legende rankt. Sie erzählen sich Geschichten. Bauen Lagerfeuer. Kommen einander dort nahe wie nie zuvor. Und Hanna hofft, endlich hinter das Geheimnis zu kommen, das Ben oft so unberechenbar und verzweifelt werden lässt. Doch dann passiert etwas Schreckliches … (Klappentext)

Im Mai 2016 konnte ich dieses Buch kostenlos bei meiner ehemaligen Arbeit mitnehmen. Damals hörte ich regelmäßig hier und dort etwas von Ulla Scheler, doch nach zwei herausgebrachten Büchern war sie scheinbar plötzlich weg. Aber aus meinem Regal ist das Buch nie verschwunden, denn ich wollte es immer irgendwann noch lesen. Und im Urlaub war es nun soweit.

Hannah und Ben sind beste Freunde seit sie Kinder waren und auch wenn Ben schon immer ein Draufgänger war, wurde er vor drei Jahren, als sein Vater starb, noch einmal extremer. Unberechenbarer. Bis er einfach verschwand. Einen ganzen Monat. Und dann taucht er auf als wäre nie etwas gewesen. Auch wenn Hanna ihm das kaum verzeihen und schon gar nicht vergessen kann, macht sie sich kurzentschlossen auf, mit ihm ans Meer zu fahren. Ein letzter Sommer, bevor nach dem Abi der Ernst des Lebens beginnt. Und dort, in der Einöde, nähern sie sich an und entfernen sie sich gleichermaßen voneinander gleichermaßen, wie noch nie.

Es war schön, von dieser Freundschaft zu lesen. Dieses Vertrauen, diese Nähe, diese gemeinsamen Erinnerungen. Und doch schien da auch immer noch mehr zu schlummern, was sich beide aber kaum eingestehen wollen. Ich wollte unbedingt sehen, wie lange sie diese Spannung aufrecht erhalten können, bis sie sich ihre Gefühle endlich eingestehen müssen.
Doch diese Atmosphäre zwischen ihnen wird unterbrochen, als sie am Meer von einer grausamen Legende erfahren und ein Mädchen kennenlernen, das überzeugt ist, dass die Legende sich gerade wieder bewahrheitet. Mit Ben und Hanna als Hauptpersonen.

Die Idee mit der Legende war cool und spannend und es machte Spaß, die kleinen Hinweise, ob alles wahr oder eine Lüge ist, zu entdecken.
Und es ist gut, dass die Legende Schwung reinbringt, denn die erste Hälfte des Buches zog sich etwas mit der kleinen Blase, in der sich Hanna und Ben da in ihrem Zelt befinden. Auch wenn sie immer mal Meinungsverschiedenheiten haben, passiert nicht viel.

Insgesamt scheint die Beziehung zwischen den beiden – trotz der tiefen Freundschaft – mehr als kompliziert, fast schon toxisch. Das liegt vor allem an Ben, der nicht nur ein schwieriger Charakter ist, sondern auch Hanna oft auf extreme Weise wehtut.

Die Sprache von Ulla Scheler, die bei der Veröffentlichung des Buches gerade einmal 22 Jahre alt war, ist wahnsinnig schön und poetisch. Sie malt tolle Bilder mit ihren Worten und flicht auch immer wieder Wassermetaphern mit ein.

Es war eine Geschichte, die ich gern las. Die erste Hälfte war nur sehr gemächlich und die Emotionen, die an vielen Stellen deutlich vorhanden waren, kamen bei mir nicht so richtig an. Außerdem blieben einige wichtige Fragen offen, was ich nicht mag.

Ulla Scheler – Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

Heyne fliegt, 8. August 2016
ISBN 3453270436
366 Seiten
Broschiert; 15,00 Euro

Neil Gaiman – Der Ozean am Ende der Straße

Sussex, England. Ein Mann kehrt in seinen Heimatort zurück. Wie durch Magie zieht es ihn zu der Farm am Ende der Straße. Dort ist ihm damals ein bemerkenswertes Mädchen begegnet: Lettie Hempstock. Der Mann hat seit Jahrzehnten nicht mehr an sie gedacht. Doch nun, als er an dem Teich sitzt, der angeblich ein Ozean sein soll, kehren die Erinnerungen wieder zurück. Erinnerungen an eine Welt, in der Menschen nichts zu suchen haben. Und in der etwas Böses lauert, das seine Finger nach ihm ausstreckt … (Klappentext)

Mit dem Namen Neil Gaiman verband ich nur ein vages Gefühl. Ein bisschen düster, atmosphärisch, fantastisch. Und doch zog mich dieses Buch in der Flughafenbuchhandlung magisch an. Vielleicht hatte da ja Lettie ihre Finger im Spiel…

Ein Mann kommt von einer Beerdigung, doch anstatt weiterhin mit seiner Familie zusammenzusitzen, fährt er ziellos umher – und landet beim Haus am Ende der Landstraße. Das Haus, in dem seine Freundin Lettie früher wohnte. Ihre Mutter ist so freundlich, ihn zum Teich hinter dem Haus gehen zu lassen. Und als er da so sitzt, fällt ihm alles wieder ein. Wie das war, als der Opalschürfer Untermieter bei seinen Eltern wurde und wie er sein Ende fand und was dieses Ende alles in Gang setzte. Dinge, die die Vorstellungskraft eines damals Siebenjährigen weit übertreffen. Dinge, die jedermanns Vorstellungskraft weit übertreffen.

Dieses Buch ist sehr besonders. Es fängt schon damit an, dass der Mann in dem Buch nie einen Namen bekommt. Und man auch nichts über sein heutiges Leben erfährt. Es geht einzig und allein um ein paar entscheidende Wochen in seiner Kindheit. Als in seinem Dorf plötzlich so viel passiert und nur Letties Familie helfen kann.

Ich war auch gar kein großer Fan des Mannes. Er war nicht unsympathisch, weder als Erwachsener noch als Kind, doch eben auch nicht so richtig sympathisch. Für mich lebte das Buch von Lettie, ihrer Mutter, Großmutter und der Magie, die diese drei Frauen umgibt. Am liebsten hätte ich noch so viel mehr über sie erfahren, aus ihrer Vergangenheit, von ihrer Zukunft.
Doch auch die Vorkommnisse, von denen man liest, sind ungewöhnlich, unvorstellbar, bringen ein unwohles Gefühl und lassen nicht los.

Ich wollte immer weiter lesen – und gucken. Denn nachdem das Buch 2014 erstmals auf Deutsch erschienen ist, kam 2021 eine illustrierte Ausgabe heraus. Elise Hurst hat mit über 100 Tuschezeichnungen der Geschichte ein Gesicht gegeben.

Es ist wahnsinnig schwer, über das Buch zu reden, ohne zu spoilern. Es lebt neben der Geschichte, die interessant und besonders ist, auch sehr von der düsteren, nebligen Atmosphäre und den Figuren. Vor allem von den Frauen der Familie Hempstock, die mich alle berührt und amüsiert haben und die ich deswegen sehr in mein Herz geschlossen habe.

Es war wirklich schön, dieses Buch zu lesen. Diese andere Welt zu kennenzulernen. Diese übernatürlichen Phänomene zu entdecken. Diese speziellen Ideen zu erfahren.
Mir fehlte jedoch etwas Spannung und ich bin kein großer Fan des Endes. Und auch emotional wurde ich nur bedingt abgeholt.
Ich bin trotzdem sehr froh, das Buch in meinem Regal zu haben, denn es ist ein kleiner Schatz.

Neil Gaiman – Der Ozean am Ende der Straße
Originaltitel: The Ocean at the End of the Lane (Juni 2013)
Eichborn, 30. April 2021 (erschien erstmals 2014 auf Deutsch)
ISBN 3847900714
336 Seiten
Gebunden; 24,00 Euro

Chris Meyer – Der Zoom-Killer

Er tötet dich.
Und alle schauen zu.

Video an, Mikrofon aus. Eine weitere Videokonferenz. Doch dann huscht ein Schatten über den Bildschirm. Du zoomst ran. Überall ist Blut. Ein Teilnehmer wird mit einem Messer angegriffen. Du hörst seine Schreie, siehst. wie er langsam und präzise vor laufender Kamera zu Tode gequält wird. Und das Schlimmste ist: Du darfst nicht wegschauen…
Profiler Tom Bachmann und sein Team vom BKA vernehmen mehrere traumatisierte Zeugen, die das Martyrium mitansehen mussten. Wieso braucht der Killer ein Publikum? Tom Bachmann muss sich mit seinen tiefsten Abgründen konfrontieren, um das perfide Spiel des Zoom-Killers zu durchschauen. (Klappentext)

Bei diesem coolen Cover ist mein Blick bei den letzten Besuchen in Buchhandlungen immer hängengeblieben. Doch auch der Klappentext klang super. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich das Buch im Zuge einer heute startenden Bloggeraktion als Rezensionsexemplar erhalten habe. Um schon mehr zu erfahren, schaut doch mal bei Stephi vorbei. Bei mir gibt es dann am Freitag mehr zu sehen (und gewinnen).

Das Buch geht direkt in die Vollen, denn es startet mit dem ersten Mord des Zoom-Killers. Es geht blutig und grausam zur Sache – und so wird es bleiben. Denn Chris Meyer beschreibt alles sehr genau. Zart besaitet darf man bei diesem Thriller nicht sein.
Doch mich hatte das Buch damit nicht abgeschreckt. Ich wollte wissen, warum jemand diese genau koordinierten Morde begeht und vor allem unter diesen Umständen. Kein Blutrausch, keine Forderungen – dafür Publikum.

Das Buch bleibt immer nah am Geschehen. So folgt man mal dem Mörder, mal Menschen aus Tom Bachmanns Umfeld, aber vor allem Tom. Er ist einer der fähigsten Profiler beim BKA und wird sofort auf diesen Fall angesetzt. Besonders, da er sich vor kurzem erst beim Blutkünstler bewiesen hatte.

„Der Blutkünstler“ ist der erste Band der Tom-Bachmann-Reihe. Ich hatte ihn nicht gelesen und habe auch so alles in dem Buch gut verstanden. Vor allem Toms Kindheit spielt in seinem Leben, aber auch in dem Buch eine große Rolle. Kennt man Teil 1, ist das definitiv von Vorteil. Aber auch so hat Chris Meyer es geschickt gemacht, dass sich auch Unwissende abgeholt fühlen können.

Tom an sich ist ein schwieriger Hauptcharakter. Geprägt durch seine grausame Kindheit ist er kühl, distanziert, unnahbar, empathielos und sehr direkt. Mich persönlich hat sein Charakter nicht angesprochen. Ich fand viele seiner Verhaltensweisen unangebracht und extrem unsympathisch. Da ich das Buch in einer Leserunde gelesen habe, weiß ich aber, dass andere das besonders und genial finden.

Doch trotzdem hatte ich Spaß, dem Verlauf des Buches zu folgen. Ich wollte immer tiefer einsteigen in den Fall, habe den Gedanken von Toms Team gespannt zugehört und versucht, Verbindungen zwischen den Morden zu ziehen. Vor allem waren auch die Erzählungen über andere Fälle und Serienmörder spannend. Das Team versuchte, das Verhalten des Zoom-Killers damit vergleichbar zu machen, scheiterte und näherte sich doch.
So interessant und spannend ich das Voranschreiten der Geschichte fand, so sehr ist hier für mich auch der größte Kritikpunkt, denn es lief alles sehr glatt. Immer ging es einen Schritt weiter, wurde ein neuer Zeuge gefunden, eine neue Spur tauchte auf. Sackgassen oder falsche Fährten suchte man vergeblich. Dafür, dass der Killer so sehr vorbereitet war und so präzise arbeitete, konnte sich ihm das Team verdammt schnell nähern.
Das Ende war dann logisch und gut, ich bin aber nicht der größte Fan der Auflösung.

Alles in allem mochte ich das Buch gern. Es war tatsächlich an manchen Stellen etwas störend, dass ich Teil 1 nicht kannte, aber dafür kann das Buch ja nichts.
Ich hatte Spaß, aber es gab definitiv auch Schwächen.


Chris Meyer – Der Zoom-Killer

‎Ullstein Taschenbuch, 30. Mai 2022
ISBN 3548063772
381 Seiten
Taschenbuch; 10,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Der Blutkünstler
2. Der Zoom-Killer

Kostenloses Rezensionsexemplar

Jennifer Lynn Barnes – The Inheritance Games – Das Spiel geht weiter

Avery steht weiterhin vor einem Rätsel
Warum nur hat der milliardenschwere Tobias Hawthorne ausgerechnet ihr sein gesamtes Vermögen vermacht? Ihr, einer völlig Unbekannten, anstatt seinen Töchtern oder seinen vier Enkelsöhnen.
Eine Blutsverwandte ist sie jedenfalls nicht, so viel hat die junge Erbin inzwischen herausgefunden. Aber auf ihrer Spurensuche mehren sich die Hinweise, dass sie eine weit tiefere Verbindung zu dieser außergewöhnlichen Familie hat, als sie je ahnte. Die schillernden und charmanten Enkelsöhne des Patriarchen spielen derweil hinter den Kulissen ihr ganz eigenes Spiel. Und damit nicht genug, treten weitere Gegenspieler auf den Plan, die Avery loswerden wollen – um jeden Preis … (Klappentext)

Schon im Januar wusste ich: Hier lese ich gerade ein Jahreshighligt. Teil 1 der Inheritance-Reihe hat mich vollkommen umgehauen. Ich konnte es kaum erwarten, den Nachfolger zu lesen. Mittelteile einer Trilogie schwächeln ja oft, da sie eher das große Finale schon mal vorbereiten. Aber der Cliffhanger aus Teil 1 versprach was Gutes.

Ein neues Rätsel, ein neues Spiel. Jemand muss gefunden werden. Doch wie sollen die Enkelsöhne es schaffen, wenn sogar der einflussreiche Tobias Hawthorne scheiterte? Doch sie haben etwas, was er nicht hatte: Avery. Dieses plötzlich reiche, kluge, nette Mädchen, das ihre ganz eigenen Gründe hat, diese Person zu finden. Zusammen machen sie sich alle auf, die Rätsel und Hinweise des alten Herrn zu entschlüsseln.

Im Prinzip ist der Grundaufbau des Buches der Gleiche wie beim ersten Teil, nur ohne das große Einführen in die Erbschaft. Doch nicht nur der Rätselpart wiederholt sich, sondern auch relevante Teile der Story.
Einerseits habe ich ein bisschen das Gefühl, man wäre kaum vorangekommen, andererseits fand ich alles manchmal etwas viel. Es gab viele Enthüllungen, die dann zum Teil wieder umgedreht wurden. Man musste gedanklich schon am Ball bleiben. Wenn nicht, baut die Autorin aber auch immer wieder geschickt kleine Zusammenfassungen der bisherigen Geschehnisse ein – ohne so zu wirken, als würde sie dem Leser nichts zutrauen.

Die Figuren mochte ich weiterhin gern. Es gab kleine Entwicklungen, nichts Großes, das Buch schloss aber auch nahtlos an den Vorgänger an, der auch nur einen Zeitrahmen von drei, vier Wochen einnahm.

Ich habe zwei Wochen an dem Buch gelesen. Das hatte weniger mit dem Buch zu tun als viel mehr mit wenig Zeit, aber ein bisschen kam auch der Gedanke: „Wenn es dich hundertprozentig catchen würde, dann würdest du die Zeit finden.“
Ich hatte viel Spaß, keine Frage. Aber es fehlte auch das Neuartige des Auftakts der Reihe. Vor allem die inhaltlichen Wiederholungen störten mich etwas.
Aber ja, ich fand das Buch spannend und interessant und freute mich, wieder bei Avery und den Hawthornes sein zu können, um ein bisschen mehr der Wahrheit näher zu kommen, warum dieses unbekannte Mädchen all die Milliarden erbte. Ich freue mich auf das Finale im November.

Jennifer Lynn Barnes – The Inheritance Games – Das Spiel geht weiter
Originaltitel: The Hawthorne Legacy (September 2021)
‎cbt, 11. Juli 2022
ISBN 3570314332
381 Seiten
Broschiert; 13,00 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. The Inheritance Games – Originaltitel: The Inheritance Games
2. The Inheritance Games – Das Spiel geht weiter – Originaltitel: The Hawthorne Legacy
3. The Inheritance Games – Band 3 – Originaltitel: The Final Gambit

Lena Kiefer – Westwell – Heavy & Light

Unsere Geschwister starben, weil sie sich liebten. Jetzt sind wir dazu bestimmt, einander zu hassen. Aber was, wenn das unmöglich ist?

Als Helena Weston nach New York zurückkehrt, hat sie nur ein Ziel: den Ruf ihrer Schwester wiederherstellen, koste es, was es wolle. Zweieinhalb Jahre ist es her, dass Valerie und ihre große Liebe Adam nach einer Partynacht tot in ihrer Hotelsuite aufgefunden wurden, und seitdem lässt Adams Familie keine Gelegenheit aus, Valerie die alleinige Verantwortung am tragischen Tod der beiden zu geben. Einzig Helena glaubt fest an die Unschuld ihrer Schwester, und sie setzt alles daran, herauszufinden, was in jener schicksalhaften Nacht wirklich geschehen ist. Aber auf der Suche nach der Wahrheit kommt ihr ausgerechnet Jessiah Coldwell – Adams jüngerer Bruder – in die Quere. Helena weiß, dass sie Jess eigentlich mit jeder Faser ihres Seins hassen müsste. Und doch weckt er Gefühle in ihr, gegen die sie schon bald machtlos ist … (Klappentext)

Sobald ich von Westwell das erste Mal gelesen hatte, stand es auf meiner Wunschliste. Und das nicht nur wegen des wunderschönen Covers. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich das Buch als Rezensionsexemplar erhalten hatte.

Helena kehrt nach zweieinhalb Jahren Zwangsauszeit in Cambridge zurück zu ihrer Familie nach New York. Dabei hat sie ihr Ziel fest im Blick: Den Ruf ihrer verstorbenen Schwester Val retten und beweisen, dass diese nicht Schuld ist am Tod von ihrem Verlobten Adam und sich selbst. Doch die Wiedereingewöhnung in der Welt der New Yorker High Society fällt Helena schwerer als gedacht – auch wegen Adams Bruder: Jess…

In Westwell findet man eine Romeo-und-Julia-Geschichte eingebettet in das Leben der Reichen und Schönen des heutige New Yorks.
Die ersten paar Kapitel ließen mich gut reinkommen und ankommen, zusammen mit Helena. Nach einer kurzen Durststrecke, in der sich das Buch für mich etwas zog, nahm das Buch im zweiten Drittel Fahrt auch und schaffte, dass ich das letzte Drittel an einem Stück las. Spannung ist nämlich ganz schön vorhanden. Zum einen gibt es, wie gesagt, die Geschichte zweier Menschen, deren Familien absolut verfeindet sind. Die es nicht mal ertragen dürften, in einem Raum zusammen zu sein. Und die sich doch unwiderstehlich anziehen. Und zum anderen ist da Helenas Suche nach der Wahrheit, was in der Todesnacht passiert ist. Quasi ein kleines Krimi-Element im Buch, das mich zusätzlich unterhalten konnte.

Ich fieberte jedem neuen Kapitel entgegen, in dem Helena und Jess wieder aufeinandertreffen. Ich habe diese Stellen geliebt. Sie waren so voller Emotionen, guten wie schlechten. Ich konnte richtig mitfühlen und mich in die Kapitel fallenlassen. Die Sehnsucht, der geteilte Schmerz. Das war wirklich toll zu lesen.

Doch ehrlicherweise war da auch viel Frust. Irgendwann wurde mir das „Wir wollen uns. dürfen aber nicht.“ etwas viel. Ich verstehe die Dynamiken der High Society nicht, klar. Trotzdem fand ich es anstrengend, wie sehr sich erwachsene Kinder von ihren Eltern in der Hand haben lassen und jeden Wunsch hintenanstellen. Es fühlte sich immer etwas drüber an.
Im letzten Kapitel dachte ich deswegen sogar: „Was für ein blödes Ende!“, bis Lena Kiefer zum Glück noch das Ruder rumreißen konnte.

Ich bleibe ein bisschen zwiegespalten zurück. Die schönen Momente fand ich wirklich wunderschön und las sie gern. Die schlechten Momente zwischen den beiden nervten und frustrierten mich dann aber sehr. Was vielleicht auch für Lena Kiefer spricht, da den Frust und die Wut ja auch die Figuren spürten. Für mich wurde das Wehren gegen die Gefühle aber doch ein bisschen überstrapaziert und das ganze Hin und Her wurde anstrengend.

Lena Kiefer – Westwell – Heavy & Light
LYX, 22. Juni 2022
ISBN 373631762X
473 Seiten
Broschiert; 12,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
Westwell – Heavy & Light
Westwell – Bright & Dark (26.10.2022)
Westwell – Hot & Cold (22.02.2023)

Kostenloses Rezensionsexemplar

Arno Strobel – Sharing

Teilen ist das neue Haben.
Das ist deine Philosophie.
So hast du dir eine Existenz
aufgebaut und lebst sehr gut damit.

Aber was, wenn jemand kommt, der
eine ganz andere Idee vom Teilen hat?
Der keine Grenze kennt.
Dir keine Wahl lässt.
Der dich zwingt.
Den Menschen zu »teilen«,
der dir am nächsten steht.
Auf eine Weise, die alle deine
Vorstellungen übersteigt. (Klappentext)

Markus und Bettina Kern haben mit dem Sharing von Autos und Wohnungen ein Vermögen gemacht. Markus hat alles, was er sich erträumt hat, doch dann werden erst seine Frau und dann seine Tochter von Unbekannten entführt und er wird für die Rettung auf eine Irre Schnitzeljagd geschickt.

Nachdem mir „Die App“ damals wirklich gut gefallen hat, hatte ich mir Sharing zum letzten Geburtstag gewünscht und nun gelesen. Ich hatte richtig Lust auf das Thema dieses Thrillers. Strobel hat sich auch nicht lange mit Vorgeplänkel aufgehalten, es ging gleich richtig rein in die Entführungen.
Markus war dabei trotz aller Umstände eine Person, mit der ich gern unterwegs war. Er war mir sympathisch und meine Verzweiflung wuchs zusammen mit seiner. Spannend wurde es vor allem dann, als Markus aufhörte, sich selbst zu vertrauen und auch die Lesenden nicht mehr wissen, was eigentlich der Realität entspricht.

Insgesamt fand ich das Buch spannend. Es gab wenig Unnötiges Hin und Her oder tote Enden auf der Suche – wie auch, wenn der Entführer Markus immer wieder neue Brocken zur Unterstützung hinwirft. Trotzdem konnte mich der Verlauf total überzeugen.

Was mich weniger überzeugen konnte, war das Ende. Auch wenn ich die Moral dahinter verstanden habe und sie auch wichtig ist, hat mich es mich ein bisschen frustriert. Da hier ein richtiger Knall fehlte und ich nicht vollkommen erstaunt und überrascht zurückblieb, dämpft das minimal die Bewertung. Ich habe irgendwo gelesen, das Buch sei ein Pageturner, der keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Das kann ich für mich so unterschreiben. Ich hatte wirklich Spaß mit dem Buch, hab es nach dem Zuschlagen aber komplett hinter mir gelassen.

Arno Strobel – Sharing
FISCHER Taschenbuch, 29. September 2021
ISBN 3596700531
361 Seiten
Broschiert; 15,99 Euro

Bücher des Autoren
Die App
Sharing

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Obsidio

Nur wenige Bewohner des Eisplaneten Kerenza haben den Überfall der feindlichen BeiTech-Armee überlebt. Einige konnten sich auf Raumschiffe retten und fliehen, die Verbleibenden schuften nun in den Hermium-Minen oder arbeiten unter schwersten Bedingungen. So auch die Krankenschwester Asha, die sich dem Widerstand angeschlossen hat, der gefährliche Sabotageakte gegen die Besatzer durchführt. Als Asha Rhys wiedertrifft, ihre verflossene Liebe und mittlerweile BeiTech-Soldat, stehen sie sich auf feindlichen Seiten gegenüber. Der letzte Kampf auf dem Planeten und auch im Weltraum beginnt… (Klappentext)

Eigentlich wollte ich vor der Lektüre des Finales noch einmal Band 1 und Band 2 re-readen. Doch bevor das Buch erschienen war, passte es nie in meinen Zeit- und Leseplan. Als es dann da war, war ich doch zu ungeduldig. Im Nachhinein hätte ich lieber noch kurz abwarten sollen, denn es waren mir doch einige Details und Personen so sehr weggerutscht, dass mir der Einstieg irgendwie schwer fiel.

Kady und Ezra aus Teil 1 und Hanna und Nik aus Teil 2 sind jeweils heile aus ihren Geschichten herausgekommen. Sie sind nun auf der Hypatia und Mao unterwegs. Da die Hypatia kaum noch Wasser und Vorräte hat und die Mao dringend mehr Personal braucht, das auf der Hypatia vorhanden ist, werden alle auf die Mao übergesiedelt, wo unsere vier Helden nun gemeinsame Sache machen können. Und das ist wichtig, denn es stellt sich heraus, dass bei der Zerstörung des Planeten Kerenza nicht alle Menschen getötet wurden oder geflohen waren. Die übrigen Kolonisten müssen dringend gerettet werden…

Die Geschichte ist quasi zweigeteilt: Es geht um das Leben und Leiden der Geflohenen auf den Raumschiffen und das Leben und Leiden der Überlebenden auf Kerenza, die von den Besatzern von BeiTech gequält, versklavt und getötet werden. Und irgendwie zog sich die Story in der ersten Hälfte ein wenig. Die Mao ist auf dem Weg zurück, die Besatzer auf Kerenza wollen schnellstmöglich die Sprungstation reparieren, damit sie den Eisplaneten verlassen – und die Überleben doch noch umbringen – können. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, in dem erst einmal aber gar nicht so viel passiert.

Die vier Personen, die ich in den Vorgängern so lieb gewonnen habe, standen dabei nicht wirklich im Fokus. Auf der Mao verschwanden sie ein wenig in der Masse, auf Kerenza ging es nun um Asha und Rhys. Beide Opfer ihrer jeweiligen Umstände, beide sehr sympathisch. Aber nicht so, dass ich mein Herz an sie verlor.

Woran ich es aber wieder verlor, war das Layout und die Formatierung. Es gab wieder Chats, Mails, Transkripte, Zettel, schwarze Bretter, Zeichnungen und und und. Jede Seite ist ein kleines Abenteuer für sich. Ich liebe das so sehr!

Ach ja, die Leute wiederzusehen war ein bisschen wie nach Hause kommen und ich hab mich so auf das Buch gefreut. Doch der Anfang war etwas zäh, es gab so viele Beschreibungen der verschiedenen Situationen und kein wirkliches Vorankommen. Die letzten 300 Seiten habe ich dann dafür am Stück gelesen und die haben Einiges rausgerissen. Da war dann alles da: Action, Emotion, Verzweiflung, Spannung… Ich freue mich sehr, endlich das Finale gelesen zu haben, es kommt für mich aber nicht an die Vorgänger heran.

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Obsidio – Die Illuminae-Akten_03
Originaltitel: Obsidio – The Illuminae Files_03 (März 2018)
dtv Verlagsgesellschaft, 18. Mai 2022
ISBN 3423763574
615 Seiten
Gebunden; 21,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Illuminae – Originaltitel: Illuminae
2. Gemina – Originaltitel: Gemina
3. Obsidio – Originaltitel: Obisidio (Noch nicht übersetzt)

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