Marieke Nijkamp – 54 Minuten

54 Minuten, die alles zerstören
Es passiert nicht viel im verschlafenen Opportunity, Alabama. Wie immer zum neuen Halbjahr hält die Direktorin in der Aula der Highschool ihre Begrüßungsrede. Es ist dieselbe Ansprache wie in jedem Halbjahr, und wie immer ist sie um exakt zehn Uhr zu Ende. Aber heute ist alles anders.
Als Schüler und Lehrer die Aula verlassen wollen, kann man die Türen nicht mehr öffnen. Einer beginnt zu schießen. Tyler greift seine Schule an und macht alle fertig, die ihm Unrecht getan habe. (Klappentext)

Als ich dieses Buch Anfang Juni auf Arbeit ergattern konnte, wusste ich, dass ich es unbedingt bald – also weit vor dem Erscheinungstermin – lesen muss. Und das habe ich getan. Endlich darf ich meine Meinung dazu veröffentlichen.

Fast alle Schüler der Opportunity High sind in der Aula, als die Türen sich nicht mehr öffnen lassen und Tyler durch die einzige noch unverschlossene Tür tritt. Tyler, der als erstes die Direktorin erschießt, damit die Schüler, die Lehrer, ja die ganze Schule ihm endlich mal ganz genau zuhört…
Niemand ist sicher. Nicht mal seine Schwester Autumn, die friedlich ihre letzte Zeit vor dem Abschluss genießen wollte.

Erzählt wird die Geschichte minutenweise.
Die einzelnen Kapitel, drehen sich jeweils um zwei bis drei Minuten. Erzählt werden sie aus den Perspektiven von vier Schülern: Autumn, ihre Freundin Sylv, deren Bruder Tomás und Claire. Die letzten beiden haben Glück, sie sind zwar in der Schule, aber nicht in der Aula.
Jede Person hat im Durchschnitt zwei bis drei Seiten, um seine Situation in den aktuellen Minuten zu schildern. Doch dabei entfaltet sich nach und nach auch das Bild von Tyler, der sich mit den vier Personen jeweils in einem besonderen Verhältnis befindet. Der Leser versteht immer mehr, wie es dazu kommen konnte, dass er nun da steht. Vor seinen Mitschülern. Mit einer Waffe.

Der Markt der Bücher ist nicht überschwemmt mit Büchern über (Schul)Amokläufe. So wurde „54 Minuten“ mein erstes. Und dabei ist dieses Thema so wahnsinnig wichtig. Zu oft gab es schon welche. Grundsätzlich ist ja schon ein Mal eins zu viel. Und selbst, wenn es nicht bis zum Äußersten kommt, zeigt das Buch doch, wie die Grundsteine gelegt werden. Wie Gewalt, Ausgrenzung und Mobbing Menschen zu Dingen treiben können. Deswegen schlägt dieses Buch hoffentlich im Jugendbuchbereich eine hohe Welle.

Doch weder sollten das Buch nur Jugendliche lesen, noch ausschließlich aufgrund der Thematik. „54 Minuten“ bietet noch viel mehr.

Tyler, der eine Person nach der anderen in der Aula erschießt, erzeugt schon viel Spannung. Wie vielen Menschen wird er das Leben nehmen? Wer wir alles überleben? Wer wird aus der Aula rauskommen?
Doch auch die beiden Erzähler, die nicht in der Aula gefangen sitzen, machen es spannend. Denn: Wer wird in die Aula hineinkommen?

Die vier Erzähler machen es einem dabei sehr leicht, sie gern zu haben. Und das nicht, weil man mit den Opfern automatisch eher sympathisiert. Sie bieten alle eine Tiefe an Emotionen und sind mit einer glaubhaften und interessanten Hintergrundgeschichte ausgestattet, die geschickt neben dem aktuellen Geschehen, auf das alle fokussiert sind, einfließt.
Die drei Mädchen Autumn, Sylv und Claire sind sich charakterlich ziemlich nah und unterscheiden sich auf den ersten Blick am besten durch ihre Interessen und Hobbys. Doch nichtsdestotrotz verwischen die Grenzen nie. Man kann sie immer auseinanderhalten.
Und auch der große Rest der Schule verkommt nicht zu einer Masse. Einzelne Schüler, Lehrer oder Geschwister treten heraus und werden zu wichtigen Nebenrollen.
Wichtig ist natürlich auch Tyler, der aktiv sehr wenig zu Wort kommt. Marieke Nijkamp schafft es, das Bild eines Jungen zu zeichnen, der einerseits wahnsinnig zerbrechlich und andererseits unglaublich erbarmungslos ist. Letztendlich wird er jedoch nie als ausschließlich irre dargestellt. Auch Tyler hatte seine Gründe, sich mit Gewalt ein Gehör zu verschaffen. Und diese Gründe werden in der Geschichte aufgedeckt. Es gibt kein klares Schwarz und Weiß bei ihm. Die Autorin verurteilt ihn nicht einfach.

Dieses Zusammenspiel der einzelnen Teile schafft viele Emotionen beim Leser. Ein spannender Plot, der durch die unterschiedlichen Gegebenheiten nicht langweilig wird. Personen, die man schnell ins Herz schließt und für die man hofft, dass Tyler sie verschonen wird. Eine Erzählweise, die viele verschiedene Blickwinkel schafft und das Puzzle „Tyler“ ein Ganzes werden lässt. Und zusätzlich punktet die Geschichte noch mit einer unauffälligen Schreibweise, die den Leser Seite um Seite verschlingen lässt, ohne dass er es merkt. Dabei stellt sie sich nicht in den Vordergrund, sondern lässt ganz allein die Story wirken.

Das Buch ließ mich nicht los. Es hielt mich in seinem Bann. Ich war mit meinen Gefühlen und meinem Herzen bei ihm.
Es wäre falsch zu sagen, dass ich Spaß mit „54 Minuten“ hatte. Aber ich habe geliebt, es zu lesen.
Aber so insgesamt, wäre ich gern noch ein wenig mehr überrascht oder geschockt worden. So seltsam es klingt, das Buch hätte mir mehr das Herz brechen sollen. Nur deswegen ziehe ich ein ganz kleines bisschen bei der Bewertung ab.

Marieke Nijkamp – 54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe
Originaltitel: This is Where it Ends (Januar 2016)
FISCHER FJB, 21. September 2017
ISBN: 3841440169
331 Seiten
Broschiert, 14,99 Euro

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Rainbow Rowell – Fangirl

Lesen und schreiben, das ist Caths Welt. Und Fanfiction ist ihr Zuhause. Hier kann sie ihre Fantasie ausleben und sein, wer sie will. Doch das wirkliche Leben fordert Taten von Cath. Ist sie bereit dafür? (Klappentext)

Selten bekomme ich mit, welche Bücher in den englischsprachigen Bestsellerlisten Aufsehen erregen. Doch von „Fangirl“ hatte sogar ich gehört und so war ich wahnsinnig froh, dass ich es bei Vorablesen gewonnen habe.

Für die Zwillingsschwestern Cath und Wren beginnt eine neue, spannende Zeit: Sie kommen auf das College. Doch plötzlich ändert sich alles. Die beiden wohnen nicht mehr zusammen, sie haben verschiedene Kurse und langsam auch verschiedene Leben. Das passt vor allem Cath nicht, der neue Situationen und Menschen Angst machen. Und dann ist da ja auch noch ihre neue Mitbewohnerin Reagan, die Cath ganz deutlich zeigt, dass sie niemanden mag außer ihren Freund Levi, der so häufig im Zimmer der Mädchen ist, dass er fast schon dort wohnt.

Im Prinzip findet sich in „Fangirl“ eine gängige Coming-of-Age-Story. Ein neuer Lebensabschnitt, neue Freunde, neue Erfahrungen. Doch Rainbow Rowell garniert das mit zwei besonderen Zutaten: Zwillingsschwestern und Fanfiction.
Vor allem zweites nimmt nicht nur einen großen Teil von Caths Leben ein, sondern auch des Buches. Caths Gespräche drehen sich viel um den Zauberer Simon Snow, der ein riesiger Teil der Popkultur ist.
Jedem der 38 Kapitel ist ein Auszug aus Caths Fanfintion oder ein Teil aus den regulären Büchern um den Magier vorangestellt
Und in diesen Teilen liegt für mich die größte Schwäche des ganzen Buches.
Fanfiction an sich ist ja ein tolles Thema und gerade für Menschen, die gern lesen und sich in fremden Welten verlieren, interessant. Doch Simon Snow konnte mich nicht packen.
Die Auszüge waren unvermittelt herausgerissene Teile. Nach und nach erschlossen sich zwar die Figuren und Beziehungen zueinander, aber Spaß machten sie mir nie.
Mein größtes Problem mit Simon und seinem Erzfeind Baz bestand jedoch an der gnadenlosen Nähe zu Harry Potter. Es gibt sieben Bücher mit jeweiligen Verfilmungen. Simon ist ein Waise, dessen Zauberschule eine Festung ist. Er ist schon als Junge ein bekannter Zauberer. Er hat eine lernbegierige Freundin. Er hat einen Erzfeind an der Schule. Der größte Feind der Zauberei hat Interesse an ihm. Ein Schmelzkessel lost die Zimmergenossen zu.
Vielleicht sollte da ja eine deutliche Parallele zur Realität mit dem Harry-Potter-Universum geschaffen werden, aber mich persönlich störte es. Mir wäre es lieber gewesen, wenn Rainbow Rowell sich eine neue Welt hätte einfallen lassen. Das hat sie ja auch zu Teilen. Für mich aber zu wenig.

Zeitgleich mit „Fangirl“ erschien auch „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“. Ein Buch über ebenjenen Zauberer. Da mich die Teile in „Fangirl“ nicht begeistern konnten, habe ich aber kein Interesse, es zu lesen.

An der Stelle ist es aber auch schon vorbei mit den Schwächen diesen Buches.
Der Rest begeisterte mich durchweg.

Mit Cath wurde eine Figur mit vielen Schwächen, Ecken und Kanten geschaffen und deswegen war sie umso besonderer und echter. Viele ihrer Ängste und Sorgen konnte ich vollkommen mitfühlen. Nicht selten erkannte ich mich – oder mein früheres Ich – in ihr.
Und auch wenn viele Personen um sie herum schwer als Sympathieträger durchgehen können, habe ich sie alle gern gemocht. Und in den immer lächelnden und herzlichen Levi habe ich mich vielleicht sogar ein kleines bisschen verliebt.
Ich freute mich auf jedes neue Kapitel und jede Begegnung mit Reagan, Wren, ihrem Vater, Levi, Lehrern oder Kommilitonen, denn Cath hatte zu jedem eine einzigartige Beziehung.

Dementsprechend spannend war es für mich, die Entwicklungen zwischen den Figuren zu beobachten. Und es wird sich viel entwickelt in diesem Buch. An allen Ecken. Familie, Freundschaft, Liebe – alles spielt mit rein und durchläuft logische, nachvollziehbare und vor allem interessante Änderungen.
Durch diesen Umstand habe ich zum ersten Mal etwas beim Lesen erlebt. Ich hatte Angst vor der Zukunft des Buches. Ich habe mir wirklich Sorgen um die Figuren gemacht. Ich wollte keinen auf dem Weg zur letzten Seite verlieren. Ich hatte wirklich Furcht, dass jemand stirbt, jemand sich von Cath abwendet oder sonst etwas passiert, was mir noch nicht in den Kopf kam. So etwas kenne ich nicht. Ich habe ständig gehofft, dass „Fangirl“ ein gutes Ende nimmt.

Sprachlich ist das Buch klar ein Jugendbuch: schnell und einfach zu lesen. Und doch gab es einige Sätze, die wundervolle Weisheiten waren. Wäre ich jemand, der sich Zitate aus Büchern herausschreibt, hier hätte ich einiges gefunden. Einige kleine Perlen.

Und das ist wohl das, wie ich das Buch in Erinnerung behalten werde: Eine Geschichte über die Anfänge des Erwachsenwerdens, ohne die Leidenschaft für Dinge, die einem am Herzen liegen, zu verlieren. Ein Buch über Figuren, die den Leser berühren und dabei in besonderen Beziehungen zueinander stehen ohne still zu stehen. Eine Story, die es sich zu lesen lohnt. „Fangirl“ hat mich emotional an sich und die Personen gefesselt, wie ich es selten beim Lesen erlebe.
Vor allem die starke Nähe zu Fanfiction macht das Buch zusätzlich besonders. Nur ausgerechnet DIESE Fanfiction hat mir nicht zugesagt. Deswegen ziehe ich ein wenig von der Höchstbewertung ab. .

Rainbow Rowell – Fangirl
Originaltitel: Fangirl (September 2013)
Carl Hanser Verlag, 24. Juli 2017
ISBN: 3446257004
461 Seiten
Gebunden, 18,00 Euro

„Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“

„Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ – ab dem 11. Mai 2017 im Kino!

Der verwaiste Spatz Richard wird liebevoll von einer Storchenfamilie aufgezogen. Ihm würde nicht im Traum einfallen, dass er selbst kein Storch ist. Als sich seine Eltern und sein Bruder im Herbst für den langen Flug ins warme Afrika rüsten, offenbaren sie ihm die Wahrheit: Ein kleiner Spatz ist nicht geschaffen für eine Reise wie diese und sie müssen ihn schweren Herzens zurücklassen. Für Richard ist das kein Grund, den Kopf in die Federn zu stecken. Auf eigene Faust macht er sich auf den Weg nach Afrika, um allen zu beweisen, dass er doch einer von ihnen ist! Zum Glück kommen ihm dabei Olga, die zu groß geratene Zwergeule und ihr imaginärer Freund Oleg zu Hilfe. Als sie Kiki, einen selbstverliebten Karaoke-Wellensittich mit Höhenangst, aus seinem Käfig befreien, beginnt ein turbulentes Abenteuer, das die drei Überflieger über sich hinauswachsen lässt! (Inhalt laut Presseheft)

Der kleine Waisen-Spatz Richard wird von Storchenmutter Aurora gefunden und sofort ins Herz geschlossen. Sie nimmt ihn in ihrer Familie auf und mit Zieh-Papa Claudius und seinem neuen Bruder Max wächst Richard wie ein richtiger Storch auf. Zumindest so gut es geht. Doch als sich die Störche für den langen Flug nach Afrika bereitmachen, eröffnen sie dem Spatz, dass er nicht mitkommen kann. Spatzen sind nun einmal keine Zugvögel.
So bleibt er verängstigt und allein zurück und will doch nur eines: seiner Familie folgen.
Für dieses Unternehmen findet er noch ein paar schräge Vögel, die sich mit Richard zusammen ins Abenteuer stürzen.

Gefühlt hat man diese Art von Geschichte in den Grundzügen schon häufiger gesehen und manche Klischees wiederholen sich. Sei es bei „Tarzan“ oder beim „Dschungelbuch„: Immer wieder finden sich herzensgute Tiermütter, die ihren mürrischen Mann davon überzeugen, ein artfremdes Wesen aufzunehmen und es wie ihr eigenes Kind zu erziehen. Doch an irgendeiner Stelle stoßen sie an Grenzen, die die Arten nicht überwinden können. So läuft es auch bei „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“. Doch neben diesen großen Parallelen zu anderen Geschichten, bietet dieser Film allerhand Neues.

Die Geschichte ist etwas fürs Herz, macht Spaß und ist ganz nebenbei lehrreich. Kinder können spielerisch Wissenwertes über verschiedene Vogelarten lernen und auch Erwachsene werden definitiv an diesem Film viel Freude haben.
Dieses Roadmovie bietet nämlich eine wirklich spannende Geschichte. Ich zumindest habe mich wirklich gefragt, ob Richard es schaffen wird, den langen Weg von Norddeutschland bis Afrika zu überwinden. Zusätzlich findet sich der kleine Spatz Intrigen, Gefahren und Anstrengungen gegenüber. „Überflieger“ ist also keinesfalls eintönig oder geradlinig. Nebenbei bekommt man viele verschiedene Locations zu sehen, was auch Abwechslung bietet.
Als Richard dann noch die zu groß geratene Zwergeule Olga mit ihrem imaginären Freund Oleg und den Karaoke-Wellensittich Kiki kennenlernt, wird das Ganze zusätzlich ziemlich lustig.

Es zeigt sich also, dass der Film vielfäktig ist. Es geht um Familie, Freundschaft und Mut. Und vor allem auch darum, dass man im Prinzip alles sein kann, was man möchte. Man muss sich nur trauen und diese Reise zu sich selbst antreten.

Der Animationsstil wird von Regisseur Toby Genkel „cartooniger Realismus“ genannt und das trifft es perfekt. Einerseits ziemlich naturgetreu und andererseits poppig-bunt kommen die Vögel daher. Sie sind wirklich schön anzusehen. Doch auch die Naturbilder bieten viel fürs Auge.
Jemand, der mit mir in der Pressevorführung war, kennt den Drehbuchautoren und Co-Regisseur Reza Memari persönlich und erzählte, dass die Vögel in mehreren Versionen Kindern vorgelegt wurden, die dann über das Aussehen abstimmen konnten. Man war mit der Gestaltung also ganz nah an der Zielgruppe dran. Ich finde das eine tolle Idee und das Ergebnis spricht auch für dieses Vorgehen.

Die Rolle der Musik in diesem Film ist zweigeteilt. Zum einen gibt es die klassische Filmmusik, die mir nicht im Ohr geblieben ist. Hintergrundgeräusche, die die Szenen halt unterstreichen. Doch dann gibt es auch die Gesangseinlagen von Kiki und anderen Vögeln, die wirklich Spaß machen.
Am allermeisten hat mich jedoch der Song des Abspannes begeistert. Zuhause habe ich direkt das Interet durchsucht, ob man ihn schon irgendwo hören und kaufen kann. Leider habe ich ihn nicht gefunden.

Zum film gibt es mittlerweile sogar Bücher. Zum einen „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper: Das Buch zum Film“, das die Geschichte zum Nachlesen bietet und viele Filmfotos enthält. Zum anderen gibt es „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper: Richards abenteuerliche Reise“, das kurze Abenteuer aus dem Filmkosmos und zahlreiche Abbildungen aus dem Film enthält.

Reza Memari hat sogar schon verraten, dass er an der Fortsetzung zu „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ arbeitet und ich kann vollommen verstehen, dass er Richard noch nicht loslassen kann!
Mir hat der Film wahnsinnig gut gefallen und er ist definitiv als Familienfilm geeignet. Innerhalb der Geschichte nervten mich nur die wiederkehrenden Tauben, die durch die Stromleitungen online waren, und ich fand es schade, dass gerade in der anfänglichen Familienkonstellation typische Klischees, die man schon in einigen anderen Zeichentrickfilmen sah, aufgegriffen wurden.
Insgesamt kann ich den Film aber allen empfehlen. Auch als Erwachsene hatte ich viel Spaß und wurde berührt.



Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper

Originaltitel: Richard the Stork (2017)
Filmverleih: Wild Bunch Germany
Lauflänge: 84 Minuten
Ab dem 11. Mai 2017 in den deutschen Kinos

Tilman Rammstedt – Morgen mehr

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Sommer 1972. Das ganze Leben liegt noch vor dem Erzähler. Sein Problem ist nur: Er ist noch nicht geboren, seine zukünftigen Eltern kennen sich nicht einmal. Er muss sie also zusammenführen. Quer durch Europa, in Begleitung von einem Möchtegernganoven, zwei Frischverliebten und drei Männern im Pelz, die einem geheimnisvollen Koffer hinterherjagen. Dafür ist der längsze Tag aller Zeiten gerade lang genug. (Klappentext)

„Morgen mehr“ von Tilman Rammstedt – Ein Buch voller Wissen, Noch-nicht-wissen und allerhand dazwischen

Was wir bislang wissen:
Tilman Rammstedt ist mit seinem aktuellsten Roman einen relativ neuen Weg gegangen. Täglich veröffentlichte er ein paar Seiten des Buchs online. Leser, die ein Abonnement abgeschlossen hatten, lasen vom 11. Januar 2016 bis zum 08. April 2016 ein Kapitel. Und morgen gab es mehr. Doch sie durften nicht nur lesen, sie durften auf der eigens eingerichteten Website auch den vom Autoren eingelesenen Text hören und bei Bedarf kommentieren.

Da liegt ein Leben vollkommen ausgebreitet vor dem Erzähler und er weiß doch noch nicht, ob er es leben darf. Es ist der 30. Juni 1972 und er weiß schon alles. Er weiß wie sein Leben verlaufen wird, welche Fehler er machen, welche Küsse er verteilen wird. Selbst wie er sterben wird, weiß er schon ganz genau. Es gibt nur ein kleines Problem: Er ist noch nicht geboren und „Wenn man noch nicht geboren ist, hilft es einem leider herzlich wenig, alles schon zu wissen.“
Um überhaupt geboren werden zu können, muss der Erzähler aber noch eine ganz andere Hürde überwinden: Er muss es schaffen, seine Eltern zusammenzuführen, die sich noch gar nicht kennen. Und für das alles hat er genau 24 Stunden Zeit.

Wir wissen auch, dass diesem Buch dringend beim Lesen der Schutzumschlag abgenommen werden sollte. Nicht nur, damit er keine Knicke bekommt, sondern auch, damit der Leser die volle Farbenpracht des Einbandes genießen kann. Damit er so die Leichtigkeit sehen kann, die er beim Lesen noch spüren wird.

Was wir noch nicht wissen:
Es ist noch unklar, wie der Autor die Geschichte erzählen wird. Welche Figuren er dazuholt, in welcher Sprache er alles verpackt, mit welchen Besonderheiten er den Roman ausstattet, welche Bilder er im Kopf des Lesers kreiert.
Doch das alles soll kein Geheimnis bleiben.

Was wir nach dem Lesen wissen:
Nicht nur mit dem Vorab-Veröffentlichen ist Rammstedt einen neuen Weg gegangen, auch die Geschichte an sich ist etwas Neues, Individuelles. Ein Junge möchte dringend geboren werden. Er möchte endlich in dieses Leben hinein, das doch nur ihm passt, das nur für ihn gemacht ist. Um ihn bei dem Zusammenführen seiner Eltern zu begleiten, wird auf verschiedene Erzählweisen zurückgegriffen. Denn die Geschichte ist eng verknüpft mit einer Jagd nach einem Koffer quer durch Europa, an der sich ein Möchtegernganove, zwei Frischverliebte, drei Männer im Pelz und drei Personen, deren Leben von Abwesenheiten geprägt ist, beteiligen. Und was würde eine rasante und abwechslungsreiche Jagd besser beschreiben als ein rasantes und abwechslungsreiches Buch?
Es wird erzählt, es werden Interviews geführt, es werden verschiedene Personen beobachtet und vor allem werden Listen geführt. Vorrangig über Dinge, die man bislang weiß und Dinge, die man noch nicht weiß.

rammstedtWas wir ganz sicher wissen:
Die Eltern bekommen vom Erzähler die meiste Aufmerksamkeit. Das Herz des Vaters ist seit dreiundvierzig Tagen irreparabel gebrochen. Seine geliebte Claudia hat ihn verlassen und nun ist sein Gesichtsausdruck im Leiden eingerastet. Hunger stillt er mit Dosenravioli, Vermissen mit einem weiteren Gedicht über die Gegangene. Doch beides kann ihm nicht helfen. Da kommt es ihm nicht sehr ungelegen, als er erst verwechselt wird und dann mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird mit dem Fremden in ein Auto zu steigen, um mit Betonschuhen in den Main geworfen zu werden.

Die Mutter hat auch jemanden verloren, doch leider für immer. Ihre Zwillingsschwester Eva ist gestorben und nun sind da plötzlich zwei Leben, die weitergelebt werden wollen. Und vor allem ist ein Tag dafür viel zu kurz. Alles muss doppelt gegessen, gemacht und geträumt werden. Doch das zweite Leben ist doch vollkommen neu für sie. Sie muss sich daran gewöhnen, es kennenlernen. Sie war doch immer nur der Gegensatz von Eva, immer nur die andere. Und nun muss sie plötzlich beides sein. Um dieses neue Leben kennenzulernen, hat sie jedoch einen guten Ansatzpunkt. Eva hat eine Liste mit 131 Punkten hinterlassen, die sie machen wollte: einfache Dinge, schwere Dinge, verrückte Dinge, ganz und gar unmögliche Dinge. Und damit sind es 131 perfekte Dinge für die Mutter. Und um dem Vermissen zu entfliehen kommt es ihr nicht sehr ungelegen, für den Punkt „Mit einem Franzosen schlafen“ nach Frankreich reisen zu müssen.

Beide Elternteile sind verletzlich und zerrissen und wirken – auch bei den schlechten Entscheidungen und falschen Abzweigungen – sympathisch und herzerwärmend. An keiner Stelle nerven sie oder verlangen dem Leser ein Augenrollen ab. Und manchmal möchte man ihnen zurufen: „Halte durch. Es wird bergauf gehen!“ oder wie der Erzähler sagt: „Es wird alles gut oder ein wenig gut oder zumindest weniger schlecht!“
Es sind zwei Personen, denen man das Glück wünscht. Am besten das gemeinsame.
Und auch die andere Figuren, die Ganoven, die Möchtegernganoven, die Frischverliebten oder das flüchtige Kind haben alle ihr glaubhaften Beweggründe. Ihre Sorgen und Ängste verkörpern sie ebenso glaubhaft wie die Eltern.

Die schwungvolle Geschichte fängt Rammstedt mit einer Sprache auf, die alles nicht hektisch werden lässt, sondern zur Ruhe kommen. Er spielt gekonnt mit der Sprache, lässt sie poetisch und humoristisch klingen, macht Wortspiele und lässt den Leser Floskeln in einem Wimpernschlag überdenken. Er schreibt leicht und schwer zugleich. Es werden Himmel wundgeguckt, wenn etwas eine Frage der Zeit ist, dann soll die Zeit sich gefälligst auch selber um die Antwort kümmern und wenn man nicht genau hinhört, dann hört man halt einfach daneben.
Die Sprache als „beschwingt melancholisch“ zu beschreiben, klingt das vielleicht zu gegensätzlich, um wahr zu sein und doch ist es genau richtig. Durch die Sprache, ja vor allem vielleicht hauptsächlich durch sie, geht das Buch nicht nur so zu Herzen, sondern macht auch wahnsinnig Spaß.

Dieses Ambivalente, dieses Schöne und dieses Traurige und dieses Leichte und dieses Schwere, das überträgt sich von der Sprache direkt in die Atmosphäre. Der Leser wird getragen und muss sich – auch durch die rasante Geschichte – durch keine Längen quälen. Und manchmal, wenn eine Ereigniskette durch ein neuerliches „und dann“ immer länger wird, dann hat man das Gefühl, die Geschichte direkt aus dem Mund eines Kindes zu hören. Immer dann ist einem der Junge, der doch endlich geboren werden will, noch ein ganzes Stück näher.

Durch kleine Details schafft es Rammstedt auch neben der Frage: „Werden die Eltern zusammenfinden?“ spannungshebende Momente einzubauen. Wenn dem Leser Dinge verschwiegen werden, wenn große oder kleine Überraschungen eingebaut sind oder wenn neue Figuren ins Spiel kommen, dann will man dringend weiterlesen.

In achtundsechzig Kapiteln und einem mehr breitet sich das 223 Seiten und ein paar mehr lange Buch wohlig aus. Dabei erhält jedes Kapitel eine kurze Erklärung, die alles über das Kapitel sagt und gleichzeitig doch nichts.

Was wir bislang wissen:
Tilmann Rammstedt hat ein wunderbares Buch geschrieben. Ein kleines zartes, das trotzdem vor Brutalität und Zerstörung nicht zurückschreckt.
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, ohne traurig zu machen. Das manches ganz genau nimmt und manches lieber ungenau. Ein Buch, das eine Hommage an die Zeit ist und an das Leben. Auch an die Leben, die erst noch gelebt werden wollen.
„Da war Nacht und Paris und da waren all die Leben, die geführt wurden, als hätten sie das nötig, als wüssten sie nicht selbst den Weg.“

Was wir noch nicht wissen:
Warum „Morgen mehr“ nicht von so viel mehr Menschen gelesen wird. 4,5 Sterne

Tilman Rammstedt – Morgen mehr
Carl Hanser Verlag, 25. Juli 2016
ISBN 3446250964
228 Seiten
Gebunden; 20,00 Euro

Cecelia Ahern – Perfect

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Willst du die perfekte Welt?
Oder die Freiheit?

Celestine wurde als »fehlerhaft« gebrandmarkt, sie gehört nun zu den Menschen zweiter Klasse. Doch statt sich den strikten Regeln des Systems zu unterwerfen, flieht sie. Denn Celestine ist auch ein Symbol der Hoffnung für alle anderen Fehlerhaften. Gelingt es ihr, den grausamen Richter Crevan zu überführen? Das wäre die Chance auf einen Neuanfang für die Fehlerhaften. Aber gibt es auch für ihre große Liebe eine neue Chance? Für Celestine geht es um alles – um Gerechtigkeit für sich selbst und alle anderen und um eine lebenswerte Zukunft. (Klappentext)

Nachdem mir der erste Teil von Cecelia Aherns All-Age-Zweiteiler – „Flawed“ – wahnsinnig gut gefallen hat, freute ich mich sehr, dass ich von FISCHER FJB den zweiten als Rezensionsexemplar bekommen habe.

Im ersten Teil musste Celestine ihren persönlichen Albtraum überstehen: Sie wurde als fehlerhaft gebrandmarkt. Und nicht nur das, sie wurde von Richter Crevan, dem Vater ihres Freundes , auch gleichzeitig zur fehlerhaftesten Person aller Zeiten gemacht, indem sie mehr Brandmale als irgendjemand anderes bekam.
Doch Celestine kann sich nicht einfach tatenlos mit ihrem neuen Leben arrangieren. Vor allem, weil sie damit auch ihre Familie permanent in Gefahr bringt. Es bleibt ihr nur eines: fliehen. Doch wo soll sie hin? Wer wird ihr helfen, wo es doch verboten ist, Fehlerhaften zu helfen, und vor allen: Wem kann sie vertrauen?

Die Geschichte ist die einzig richtige Weiterentwicklung des ersten Teils und man merkt ihr an, dass alles ab der ersten Seite von „Flawed“ durchdacht und konzipiert war. Im Prinzip wirken die beiden Teile wie aus einem Guss. Quasi ein 900-Seiten-Buch, das der Handlichkeit wegen getrennt wurde. Manche Dinge aus dem ersten Buch versteht man erst zu 100 Prozent, wenn man „Perfect“ liest.

Doch auch wenn man beide Teile nicht direkt nacheinander liest, wird es einem sehr leicht gemacht, sich wieder an die Geschichte zu erinnern. Äußerst klug und geschickt werden die vergangenen Begebenheiten eingestreut und noch einmal erwähnt oder erklärt. Dabei wirkte es nicht wie eine plumpe Hilfestellung, sondern wirklich wichtig für Celestines aktuelle Gedankengänge.

Der erste Teil mit dem Prozess um die Fehlerhaftigkeit von Celestine und ihre ersten Wochen in dem neuen Leben war schon sehr spannend, doch die Flucht toppte das noch einmal. Permanent fieberte ich mit, ob sie entdeckt wird, ob sie den anderen helfen kann, ob alle ein besseres Leben erwartet.

perfectDie vielschichte Entwicklung der Figuren, die sich in Teil eins schon andeutete, breitete sich vollends aus. Jede einzelne Figur ist eine Persönlichkeit. Es geht um ihre Vergangenheit, Ansichten, Ängste, Gefühle. Und auch die Beziehungen zueinander sind nicht immer einfach – Freundschaft, Liebe, Verrat, überraschende Entwicklungen. In dem oberflächlichen Land, in dem die Geschichte spielt, schafft Cecelia Ahern ganz tiefgründige Figuren.

Ich bin der Autorin aber sehr dankbar, dass sie es geschafft hat, sich nach kurzer Dauer wieder von den tollen Figuren und der spannenden Geschichte zu verabschieden. Denn so traurig ich auch bin, Celestine und ihre Familie und liebenswerten Freunde zu verlassen, so glücklich bin ich auch. Kein Warten auf den nächsten Teil, kein Cliffhanger, der jetzt monate- oder jahrelang in der Luft hängt, kein Abflauen der Lust auf die Geschichte durch ebenjene Wartezeit.

Im Wesentlichen bin ich wieder wirklich begeistert von dem Buch.
Die Kritikpunkte sind äußerst klein.
Der Vergleich zu Katniss Everdeen als Spotttölpel in „Die Tribute von Panem“ war in „Flawed“ schon zum Tragen gekommen. In diesem Buch waren die Parallelen noch stärker und präsenter. Und das machte mich manchmal wehmütig. Ich hätte mir mehr Eigenständigkeit der Geschichte und Absetzung von anderen Büchern gewünscht.
Ab und zu regte ich mich aber innerlich auf, dass einfach nichts zu funktionieren schien. Celestine stolperte von einer Falle in die nächste – ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel, das mich fertig machte. Aber das war wohl auch Sinn und Zweck. Man sollte mit den Gefühlen ganz beim Buch sein.
Und das war ich. Sehr oft berührte es mich, rührte es mich, bewegte es mich. Ich fühlte mit und fieberte mit. Und das hat wirklich verdammt viel Spaß gemacht. 4,5 Sterne

Cecelia Ahern – Perfect – Willst du die perfekte Welt?
Originaltitel: Perfect (April 2017)
FISCHER FJB, 17. November 2016
ISBN 3841422365
478 Seiten
Gebunden; 18,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Flawed – Wie perfekt willst du sein? – Originaltitel: Flawed
2. Pefect – Willst du die perfekte Welt? – Originaltitel: Perfect

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Kostenloses Rezensionsexemplar

J. K. Rowling & John Tiffany & Jack Thorne – Harry Potter und das verwunschene Kind

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Die achte Geschichte. Neunzehn Jahre später…

Es war nie leicht, Harry Potter zu sein – und jetzt, als überarbeiteter Angestellter des Zaubereiministeriums, Ehemann und Vater von drei Schulkindern, ist sein Leben nicht gerade einfacher geworden.
Während Harrys Vergangenheit ihn immer wieder einholt, kämpft sein Sohn Albus mit dem gewaltigen Vermächtnis seiner Familie, mit dem er nichts zu tun haben will. Als Vergangenheit und Gegenwart auf unheilvolle Weise miteinander verschmelzen, gelangen Harry und Albus zu einer bitteren Erkenntnis: Das Dunkle kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet. (Text der Titelklappe)

Fast zehn Jahre ist es her, seit ich das siebte und vorerst letzte Buch der Reihe gelesen habe. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ führte uns in seinem Epilog schon in die Welt des erwachsenen Harrys ein. Und nun ist es soweit. Endlich kann man erfahren, wie es weitergeht, nachdem Harry und Ginny ihren Sohn Albus Severus zum Bahnhof gebracht haben.

Obwohl ich ein großer Fan bin, wartete ich, bis das Buch auf Deutsch erschien. Ich habe die ersten sieben Bücher und auch die Zusatzbände auf Deutsch gelesen.

harry-potter8Der größte Aufreger um das Buch im Vorhinein war wohl, dass es die Rehearsal Edition ist. Das Theaterstück wurde schlicht verschriftlicht. Es gibt Regieanweisungen, dafür aber keine Beschreibungen, um sich die Optik besser vorstellen zu können. Hauptsächlich gibt es reine Dialoge. Es ist keine schön ausgeschmückte Geschichte, keine langen Darstellungen der Umgebung. Das muss man sich selber ausdenken. Wenn man jedoch die ersten sieben Bände gelesen hat, kann man sich die Orte und Gebäude vorstellen. Trotzdem ist und bleibt es eben kein Roman – das weiß man vorher, darauf muss man sich eben einstellen.

Ich hatte mit der Darstellung kein Problem. Ich las mich schnell in die Art ein und es störte mich nicht im Lesefluss. Am Ende war mir nämlich auch nur eins wichtig: endlich wieder bei Harry, Ron, Hermine und dem Rest zu sein. Als die drei das erste Mal zusammentrafen, kamen mir sogar Tränen der Rührung. Endlich wieder eine neue Geschichte. Ich bin immer noch so begeistert.

harry-potter-merch1Die Geschichte ist letztendlich auch der einzige Gegenstand des ganzen Buches, den man bei einer Rezension so wirklich beachten kann, denn der Rest bleibt im Hintergrund.
Vor dem Lesen hatte ich Angst, dass mich die Geschichte um die Kinder nicht so sehr in den Bann ziehen kann. Ich bin halt mit Harry, Ron und Hermine aufgewachsen und nicht mit ihren Kindern. Sobald ich das Buch jedoch aufgeschlagen hatte, waren alle Zweifel beseitigt. Erstens kommen die Eltern noch oft genug vor, zweitens habe ich mich quasi umgehend an die Kinder gewöhnt und drittens lassen die Verbindungen mit der Vergangenheit ausreichend Nostalgie aufkommen.
Die Story an sich war für mich dabei durchweg spannend. Man wurde mit so viel Neuem und Altem konfrontiert, dass ich immer weiter blättern musste. Und es fiel mir schwer zu erahnen, wie es ausgehen wird.

harry-potter-merch2Doch auch der Rest kann ein wenig genauer betrachtet werden.
Die Sprache war einfach und alltäglich, denn das Buch wird als Theater aufgeführt. Dabei war sie durchgängig angenehm. Ein bisschen Zauber der alten Bände blitzte durch.
Die Figuren waren natürlich zum größten Teil altbekannt. Sie mussten nicht eingeführt werden und das wurden sie auch nicht. Und doch waren Harry, Ron und Hermine älter und damit verändert. Eben keine Kinder mehr. Ich fühlte mich ihnen deswegen auch nicht mehr so nah wie früher.
Die Atmosphäre des Buches änderte sich mit dem Verlauf der Geschichte oft radikal und blieb damit ebenso spannend. Mal war sie locker leicht und mal dunkel und erdrückend, mal lustig und mal traurig. Trotz der wenigen Seiten wurde ein großes Spektrum dargeboten.

harry-potter-reiheAm Ende bleibt aber wohl für alle die Frage: Lohnt es sich, die achte Geschichte zu lesen? Ich kann das definitiv mit Ja beantworten. Ich mochte die neuen Figuren und war gern bei ihnen. Ich war begeistert von den Verwebungen mit der Vergangenheit. Ich fand die Geschichte wirklich spannend. Aber vor allem habe ich es geliebt, endlich wieder bei meinen Kindheitshelden zu sein.
Ich bin also glücklich, die achte Geschichte gelesen zu haben. Ich fühlte mich sehr wohl in dem Buch und las extra langsam, um es ein bisschen länger genießen zu können. Ich fand es nicht schlimm, dass Albus die Hauptperson war, die die Abenteuer erlebt. Und trotzdem ist es natürlich kein Roman, was mir – obwohl ich keine Schwierigkeiten beim Lesen hatte – besser gefallen hätte. 4,5 Sterne

J. K. Rowling & John Tiffany & Jack Thorne – Harry Potter und das verwunschene Kind
Originaltitel: Harry Potter and the Cursed Child (Juli 2016)
Carlsen, 24. September 2016
ISBN 3551559007
334 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro

Reihenfolge:
1. Harry Potter und der Stein der Weisen (Harry Potter and the Philosopher’s Stone)
2. Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Harry Potter and the Chamber of Secrets)
3. Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Harry Potter and the Prisoner of Azkaban)
4. Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter and the Goblet of Fire)
5. Harry Potter und der Orden des Phönix (Harry Potter and the Order of the Phoenix)
6. Harry Potter und der Halbblutprinz (Harry Potter and the Half-Blood Prince)
7. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Harry Potter and the Deathly Hallows)
8. Harry Potter und das verwunschene Kind – Originaltitel: Harry Potter and the Cursed Child

Cecelia Ahern – Flawed

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Celestines Leben scheint perfekt: Sie ist schön, bei allen beliebt und hat einen unglaublichen Freund.
Doch dann handelt sie in einem entscheidenden Moment aus dem Bauch heraus. Und bricht damit alle Regeln. Sie könnte im Gefängnis landen oder gebrandmarkt werden – verurteilt als Fehlerhafte.
Denn Fehler sind in ihrer Welt nicht erlaubt. Nichts geht über Perfektion. Auch nicht Menschlichkeit. Jetzt muss sie kämpfen – um ihre eigene Zukunft und um ihre große Liebe. (Klappentext)

Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass ich „Flawed“ vorab lesen durfte. Mit „P.S. Ich liebe dich“, dem ersten Buch, das ich von Cecelia Ahern gelesen habe, hat sie sich ganz tief in mein Herz geschrieben. Ich habe auch noch einige Bücher von ihr auf dem SuB, aber da mir im Moment der Sinn mehr nach Jugendbüchern als nach Liebesromanen steht, bleiben die anderen wohl vorerst noch auf dem SuB und dieses wurde sofort gelesen.

Celestine North lebt in einer Welt, in der von den Menschen Perfektion erwartet wird. Sie sollen ehrlich sein, die richtigen Entscheidungen treffen, moralisch klug handeln, gutherzig sein. Nur ein einziger Fehler kann jedoch alles verändern. Dann werden die Menschen gebrandmarkt. Ein F wird ihnen in die Haut gebrannt. Ein F wie „Fehler“. Und wenn man erst einmal fehlerhaft ist, dann gibt es strenge Regeln zu befolgen, denn niemand will, dass sich die Fehlerhaftigkeit auf andere überträgt.

Ich bin vollkommen begeistert von der Grundidee. Sie erzeugt sofort Spannung, denn wer ist schon perfekt und wie schmal ist manchmal der Grat zwischen richtig und falsch und zweitens hat man das Szenario so noch nicht gelesen. Als passionierter Jugendbuch- oder auch Dystopie-Leser erkennt man hier und da natürlich kleine Parallelen, aber wer erfindet schon das Rad komplett neu? Brandzeichen in Menschen, die nicht perfekt sind, gibt es beispielsweise auch in dem Buch „Das Feuerzeichen“ und auch mit dem Buch „Die Tribute von Panem – Flammender Zorn“ lassen sich Gemeinsamkeiten entdecken, auf die ich nicht eingehen kann, ohne zu sehr zu spoilern.
Trotzdem überzeugt mich das Thema insgesamt.

flawedGlücklicherweise wurde es auch wirklich spannend umgesetzt. Von der ersten Seite an war ich im Geschehen, verfolgte alles interessiert. Nie war ich mir wirklich sicher, wie es weitergehen wird. Es konnte alles zu jeder Zeit kippen. Und das macht beim Lesen so richtig Spaß.
Und dann, wenn man erst einmal über die reale Möglichkeit der Gilde, also des Gerichts für die Fehlerhaften, nachdenkt, bekommt das Ganze noch eine andere Würze. Der ursprüngliche Grund zum Einsetzen war nämlich gar nicht mal so dumm – die Entwicklung wurde für die Gesellschaft erst gefährlich. Wäre so etwas in der kritischen aktuellen Weltlage nicht auch in der Wirklichkeit denkbar? Wenn alle Menschen nur Sicherheit haben wollen?!
Diese Gedanken brachten einen Schrecken mit in die Geschichte, die der Spannung zusätzlich gut tat.

Die Figuren, allen voran die Hauptperson Celestine, waren interessant, vielschichtig und trotz all der Perfektion keine dummen Püppchen. Wenn man dachte, man könnte sie mit einem Blick und ganz oberflächlich begreifen, zeigte sich nach und nach, dass man damit falsch lag.

Und gerade, weil ich Celestine sehr gern hatte und die Geschichte spannend fand, fühlte ich intensiv mit. Nicht selten stieg Wut in mir auf und fühlte ich mich etwas verzweifelt in Angesicht der Ungerechtigkeiten, mit denen man konfrontiert wird. Oft überkam mich eine seltsam hilflose und ausweglose Stimmung. Als würde ich eingreifen müssen und nicht einfach nur still zusehen. Das gab mir ein unangenehmes Gefühl – und das ist richtig gut. Ich wurde zum Zuschauer degradiert und erlebe damit einen essentiellen Teil der Geschichte selber.

„Flawed“ hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Aber besonders ist, dass es nicht allein funktioniert. „Flawed“ ist nicht perfekt, es braucht seinen zweiten Teil „Perfect“, um die ganze Geschichte zeigen zu können. Welch Ironie! Ich mag das. Genau wie das Buch. Ich freue mich sehr, dass der zweite Teil schon im November 2016 erscheint.

Ich glaube, dass die Spannung, die in diesem Buch häufig als unwohle und gefahrverheißende Stimmung da war, sich im zweiten Teil vollends entfalten kann und den Leser atemlos zurücklässt. Ich hoffe und wünsche, dass alles, was im ersten Buch schon richtig gut war, im zweiten perfekt wird. 4,5 Sterne

Cecelia Ahern – Flawed – Wie perfekt willst du sein?
Originaltitel: Flawed (März 2016)
FISCHER FJB, 29. September 2016
ISBN 3841422357
461 Seiten
Gebunden; 18,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Flawed – Wie perfekt willst du sein? – Originaltitel: Flawed
2. Pefect – Willst du die perfekte Welt? – Originaltitel: Perfect

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Nerve (Film)

© STUDIOCANAL

© STUDIOCANAL

Das Buch „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“ von Jeanne Ryan wurde verfilmt und kommt am 08. September 2016 als „Nerve“ in die deutschen Kinos.
Als ich vom Verlag cbt zur Pressevorführung des Filmes eingeladen wurde, schaute ich mir den Trailer an und sagte dann begeistert zu. Der Film klang schon spannend. Wie grandios ich ihn dann am Ende tatsächlich finden werde, war mir noch nicht klar.

Als ich im Kino die Pressemappe öffnete, entfuhr mir sofort ein fröhliches Quietschen. Henry Joost und Ariel Schulman sind die Regisseure und diese beiden sind maßgeblich an einer meiner liebsten Reality Shows beteiligt: Catfish.
Ich versprach mir viel Unterhaltung.

„Nerve“ ist das neue, geheime und vollkommen illegale Spiel im Jahr 2020.
Vee lebt ihr Leben ruhig und routiniert – oder „langweilig“, wie ihre beste Freundin Sydney sagt. Um ihren Freunden zu beweisen, dass sie auch ihr Leben in die Hand nehmen kann, registriert sich Vee bei „Nerve“. Aber sie will kein Watcher sein. Sie will ein Player sein.
Von nun an werden ihr 24 Stunden lang Aufgaben von den anonymen Watchern gestellt, sie bekommt Geld und Ruhm dafür. Schon bei ihrer ersten Aufgabe lernt sie Ian kennen. Die beiden gefallen den Zuschauern als Team so gut, dass es von nun an gemeinsame Aufgaben gibt. Und diese werden immer riskanter…

Die Geschichte spielt nicht sehr weit in der Zukunft und ist gerade deswegen von vornherein spannend. Auch wenn es schon Filme mit dem Ansatz „PC-Spiel in Realität“ gibt, beispielsweise „Gamer“ oder „Scott Pilgrim“, ist das Genre und die Thematik nicht vollkommen ausgereizt. So bietet „Nerve“ auf jeden Fall für viele Leute etwas Neues und auch nach Filmende kann man weiter über ihn diskutieren: Könnte es so wirklich werden? Welche Möglichkeiten eröffnen sich durch das Darknet? Welche Inhalte sollte man in den sozialen Meiden teilen? Wäre „Nerve“ in der realen Welt möglich? Muss man sich nicht ständig entscheiden, ob man Watcher oder Player ist?

Vee (Emma Roberts) und Ian (Dave Franco) © STUDIOCANAL

Vee (Emma Roberts) und Ian (Dave Franco)
© STUDIOCANAL

Emma Roberts und Dave Franco spielen die Hauptcharaktere. Emma Roberts kann man (und sollte man meiner Meinung nach auch) seit der dritten Staffel in „American Horror Story“ bewundern. Dave Franco trat mit „Scrubs – Med School“ das erste Mal so richtig in Erscheinung.
Beide bilden ein vollkommen überzeugendes Duo. In jeder Sekunde nahm ich ihnen ihre Leidenschaft, Lust am Spiel und Sympathien füreinander vollkommen ab.
Doch die sehr gute schauspielerische Leistung war bei allen ¬vorhanden. Nicht nur die anderen Haupt- und Nebenfiguren überzeugten mich, nein selbst die Statisten, die vielen Watcher, machten ihre Sache hervorragend.

Die Gefühlspalette des Filmes ist überaus vielfältig. Sowohl familiäre Konflikte, als auch Streit und Neid zwischen Freunden sind Themen, aber auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Und trotzdem ist „Nerve“ als „Thriller“ zu klassifizieren.
Die Gefühle waren an manchen Stellen vielleicht etwas oberflächlich dargestellt, doch nicht alle. Es wurde ein sehr guter Mittelweg gefunden, um den Film nicht künstlich mit Gefühlen oder Bedeutung aufzuladen. Und oft konnte ich intensiv mitfühlen. Ich war bewegt, verängstigt, begeistert, gerührt. Die Gefühle konnten sich auf jeden Fall in einem gewissen Rahmen auf mich übertragen.

Als wäre das nicht schon Leistung genug, überrannte mich die Spannung völlig. Ich fieberte so sehr mit, wie ich es sicher seit Jahren nicht getan habe. Bei jeder erledigten Aufgabe war ich gespannt, was als nächstes kommt. Gefährliche Aufgaben konnten mich dazu veranlassen, dass ich die Luft anhielt, mich im Sitz nach vorne lehnte, meine Hände auf meinen Kopf legte und mich nur noch auf die Leinwand konzentrierte.
Der Film steht insgesamt nie still. Er ist rasant, die Story schreitet schnell voran und es wird die eine oder andere Überraschung geboten. Die Spannung baut sich dabei unaufhaltsam auf und trotzdem bleibt den Figuren und dem Publikum auch mal Zeit zum Durchatmen.

© STUDIOCANAL

© STUDIOCANAL

Die Kameraarbeit war ebenso spannend wie die Geschichte und die Aufgaben. Es gab jederzeit etwas zu entdecken durch die vielen ungewöhnlichen Perspektiven. Oft, aber definitiv nicht immer, lag es daran, dass die Protagonisten das Erledigen der Aufgaben selber mit ihrem Handy filmen mussten. Manchmal war es ein bisschen als würde man sich einen Vlog eines YouTubers ansehen.
Interessant war es auch, wenn man selber zum Watcher wurde mit all den Einblendungen am Bildschirmrand. Obwohl es sehr viele digitale Zusätze im Bild gab, störten sie nicht oder minderten die Authentizität.

Musikalisch hatte der Film allerhand zu bieten. Die Musik war nicht nur instrumentaler Natur. Viele Songs unterlegten die Stimmung. Mal fröhlich beschwingt, mal bedrückend und hart. Manche Szenen wurden auch komplett von ihr getragen. Es könnte störend sein, wenn die Musik so stark in den Vordergrund tritt, aber in der Gesamtheit passte es. Oft waren keine Dialoge nötig, sondern die Bilder sprachen für sich. Hier waren die Songs stimmungsgebend, wichtig und definitiv nicht zu viel.

Es ist mir fast ein bisschen peinlich, einen Film, den ich auf Einladung des Verlags hin kostenlos ansehen durfte, so sehr in den Himmel zu loben, aber so ist es. Ich fand ihn genial! Kaum war ich aus dem Kinosaal hinausgelaufen, empfahl ich den Film schon Freunden weiter.
Er hat eine innovative Geschichte, tolle Schauspieler, viel Spannung und trotzdem kamen die Gefühle nicht zu kurz.
Um so viel Spaß wie ich an ihm zu haben, sollte man aber unbedingt ein gewisses Interesse an Online-Spielen haben, da man sonst den Sog, den dieses Spiel auf die Jugendlichen hatte, nicht nachvollziehen kann. Und nichts würde dem Film mehr die Glaubwürdigkeit rauben, als wenn der Zuschauer die Intention des Spielens nicht versteht.
Da es an ganz vereinzelten Stellen Logikschwächen gab und es ebenso vereinzelt ein wenig mehr Gefühl hätte geben können, gibt es einen minimalen Abzug.
„Nerve“ ist aber überaus sehenswert und ich empfehle ihn aus tiefstem Herzen! Ich hatte eine unglaublich gute Zeit mit ihm. 4,5 Sterne

Nerve
Originaltitel: Nerve (2016)
Filmverleih: Studiocanal
Lauflänge: 96 Minuten
FSK: 12
Ab dem 08 September 2016 in den deutschen Kinos

Maggie Stiefvater & Jackson Pearce – Pip Bartlett und die magischen Tiere

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Pip Bartlett kann mit magischen Tieren sprechen!
(Aber leider nicht gut mit Lehrern und sonstigen Erwachsenen…)

Weil Pip beim Schulprojekttag riesiges Chaos angerichtet hat, soll sie den Sommer über zu ihrer Tante Emma. Was sich schnell als großes Glück erweist: Denn Tante Emma leitet eine Arztpraxis für magische Tiere! Der ideale Ort für Pip, um den ganzen Tag mit Einhörnern und Hopp-Grackeln zu plaudern!
Doch dann tauchen plötzlich überall Fussels auf: kleine, pelzige Tierchen, die Feuer fangen, wenn sie sich aufregen. Dadurch droht Gefahr für alle.
Kann Pip mit ihrem neuen Freund Thomas das Geheimnis um die Fussels lösen? (Klappentext)

Dieses Buch richtet sich an eine Zielgruppe „ab 8 Jahren“. Ich bin also knapp 20 Jahre älter. Und trotzdem zog mich die Geschichte um all diese fantastischen Tiere – geradezu magisch – an.

Von Einhörnern und Pegasi waren sicher schon viele kleine Mädchen verschiedenster Generationen begeistert. Auch Pip ist fasziniert von ihnen und all den anderen magischen Tieren, die es gibt. Ihr Glück: Sie kann sogar mit ihnen reden.
In der Tierarztklinik ihrer Tante bekommt sie viele Gelegenheiten dazu. Doch als die selbstentzündlichen Fussels auftauchen, wird es gefährlich.
Die Geschichte ist süß und tatsächlich auch – in ihren Möglichkeiten – spannend.

Vor allem die Vielzahl der magischen Tiere macht das Buch schon zu etwas Besonderem. Zu den bekannten, wie Greifen und Einhörnern, kommen noch allerhand unbekannte. Die Geschichte strotzt nur so vor Fantasie.
Ein relativ ungewöhnlicher Ansatz dabei war, dass die Tiere nicht nur von einer kleinen Gruppe von besonders empfänglichen Personen oder auch Kindern gesehen werden können. Jeder sieht sie. Es ist unsere Welt – nur mit magischen Tieren.
Ich erwischte mich bei dem wehmütigen Gedanken: „Das wäre doch echt schön, wenn es das wirklich gebe…“.

Damit ist „Pip Bartlett und die magischen Tiere“ auch durch und durch für Kinder geeignet. Ich denke aber, dass Mädchen ein bisschen mehr Spaß an dem Buch haben werden. Denn – auch wenn ich jetzt nicht allzu sehr mit Vorurteilen um mich werfen möchte – erstens sind Einhörner vielleicht für Mädchen spannender und zum anderen ist die Hauptperson ein neunjähriges Mädchen, mit dem sich ebenjene eventuell besser identifizieren können.

Mit Pip wurde eine kluge und mutige Hauptperson geschaffen, die trotzdem ab und zu gegen ihre Schüchternheit ankämpfen muss. Sie ist auch die Ich-Erzählerin und nimmt den Leser damit ganz direkt auf ihr Abenteuer mit.
Begleitet wird sie von Thomas, bei dem dann doch sehr tief in Klischeekiste gegriffen wurde: Brille, klein, jüngstes Kind, furchtbar ängstlich, hat mehr Allergien als man zählen kann. Er ist lieb, aber eben mit seiner überängstlichen Art auch ein wenig anstrengend.
Insgesamt wurde bei den Figuren nicht allzu sehr differenziert. Außer Pip, die einen relativ vielschichtigen Charakter hat, wurden die anderen Charaktere schon sehr in eine Rolle gepresst, aus der sie nicht ausbrachen: die Zickig, die Nette, der Hilfsbereit, die Böse.

Obwohl die Sprache einfach gehalten ist, ist sie für Erwachsene nicht unangenehm zu lesen. Sie besteht nicht nur aus kurzen, abgehackten Sätzen, sondern hat einen schönen Fluss. Für Kinder ist das sicher ein gutes Beispiel dafür, wie gute Texte geschrieben werden.
Die Schrift ist auch ziemlich groß, wie man es aus Kinderbüchern kennt.

Pip BartlettEin weitere Highlight des Buches sind die vielen Zeichnungen. Pip trägt ihr Buch „Handbuch der magischen Tiere“ überall mit hin. Daraus bekommt man einige Ausschnitte zu sehen. Die Zeichnungen sind aber nicht so detailliert, dass die Fantasie des Lesers in eine Richtung gelenkt wird. Man bleibt trotzdem relativ frei.

Ich fand das Buch wirklich niedlich und schön gemacht. Auch mit Mitte 20 hatte ich Spaß. Natürlich sicher nicht so viel, wie Kinder, aber ich fühlte mich wohl bei Pip.
Ich hoffe, dass ich dieses Buch später meinen eigenen Kindern zeigen kann. Ich glaube, dass es dann ganz hohes Lieblingsbuch-Potenzial hat.

Weil ich die Personen etwas zu eindimensional fand, ziehe ich ein wenig von den Sternen ab, aber – bewertet in dem Kinderbuch-Genre – bekommt das Buch 4,5 Sterne von mir.

Maggie Stiefvater & Jackson Pearce – Pip Bartlett und die magischen Tiere
Originaltitel: Pip Bartlett’s Guide to Magical Creatures (April 2015)
Heyne Verlag, 28. März 2016
ISBN 3453270444
237 Seiten
Gebunden; 12,99 Euro

Reihenfolge:
1. Pip Bartlett und die magischen Tiere (Originaltitel: Pip Bartlett’s Guide to Magical Creatures)
2. (Originaltitel: Pip Bartlett’s Guide to Unicorn Training)

Kostenloses Rezensionsexemplar

Zoe Hagen – Tage mit Leuchtkäfern

Hagen_Tage mit Leuchtkäfern

Das Leben wäre so leicht, wenn es nicht so schwer wäre
»Das Leben ist ein Privileg«, sagte ich.
»Das Leben ist ein Privileg?«, fragte Noah erstaunt.
»Ja«, sagte ich.
Noah zog die Luft ein, ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er drehte sich zu Fred und den anderen um und fragte: »Wo zum Henker hast du denn den kleinen Gandhi hier her?«

Du bist einsam und unglücklich, dein Leben wie ein falscher Film, der an dir vorbeiläuft. Bis du neue Freunde triffst. Gut, die sind alle ein bisschen verrückt, sie nennen sich »Der Club der verhinderten Selbstmörder«. Aber sie geben dir Halt und sind wie Leuchtkäfer in deiner bodenlosen Traurigkeit. Denn du hast nur das eine Leben. (Klappentext)

Zuerst war da dieses Cover. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die zarten Pastelltöne und dieser harte Bruch mit der schwarzen Figur.
Dann war da der Titel: „Leuchtkäfer“. Mich ziehen Glühwürmchen schon immer an.

Ich wünschte mir so sehr, dass der Inhalt mithalten kann. Und das konnte er. Oh ja, das konnte er.

Sie läuft durch den verschneiten Park und sieht einen jungen am Boden liegen. Zuckend. Sie macht sich Sorgen… und er einen Schneeengel.
Er lädt sie zu sich ein und da lernt sie seine Freunde kennen. Die kleine Gruppe aus fünf Freunden ist so wunderschön, zerbrechlich, lustig und herzlich. Und sie nehmen „Gandhi“ sofort bei sich auf.

Das Buch ist aus Gandhis Sicht in Tagebuchform geschrieben. Sie berichtet in kurzen Abständen von ihrem Leben, ihren Sorgen, ihren Kämpfen. Denn auch sie hat es schwer und wandelt oft genug auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod.
Über ihre Gedanken lernt man auch die Gruppe um die verhinderten Selbstmörder kennen: Amira, Fabien, Fred, Lynn, Noah. Sie alle sind so unterschiedlich und doch so gleich.
Vor allem aber sind sie alle zum Verlieben. Ein Club, den man einfach mögen muss.

Und trotz des schweren und dramatischen Themas schafft es Zoe Hagen in ihrem Debüt, alles ganz leicht wirken zu lassen. Zart. Wundervoll. Zerbrechlich.

Die Sprache ist poetisch und gleichzeitig locker. Philosophisch und cool. Eine perfekte Mischung für genau diese sechs jungen Menschen.

Man erfährt nicht immer alles, was man gern wissen möchte, aber das ist nicht schlimm. Darum geht es nicht. Nicht die traurigen Geschichten sollen beleuchtet werden, sondern die schönen. Die glücklichen. Die, die das Leben lebenswert machen.
Und somit ist das Buch geeignet für alle, die es mal schwer hatten, die es gerade schwer haben und auch für die, die es bisher immer leicht hatten. Jeder kann etwas mitnehmen. Ein Stück: „Das Leben kann wirklich schön sein.“.

Ein schwer verdauliches Thema so wunderschön zu verpacken, ist eine Kunst. Die Leute ohne Kitsch so liebenswert zu gestalten ebenfalls. Die Sprache das Ganze noch so passend umhüllen zu lassen, ist ein grandioser Bonus.
Ich wurde von dem Buch sehr berührt. Insgesamt hätte ich mich aber gern noch ein Stück mehr mitreißen lassen wollen. Dazu fehlte ein kleiner Funken.

„Tage mit Leuchtkäfern“ ist nicht immer schön. Aber es ist zart und leicht. Und es kann von innen heraus ganz allein leuchten. Es ist sein eigenes kleines Glühwürmchen. 4,5 Sterne

Zoe Hagen – Tage mit Leuchtkäfern
Ullstein Taschenbuch, 14. März 2016
ISBN 3548286941
189 Seiten
Broschiert; 13,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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