Julien Mindel – Escape Quest – Entkomme den Hexen von Salem

Das ist doch Hexerei!

Nach einer langen Reise triffst du in Salem ein. Schon seit deiner Kindheit bist du fasziniert von Mythen und Legenden über Hexen. Nun hältst du dich endlich in der Stadt auf, in der 1692 die berühmten Hexenprozesse stattfanden, und kannst dir die geschichtsträchtigen Stätten mit eigenen Augen ansehen. Und du willst alles wissen! Deine Neugierig ist grenzenlos – vielleicht sogar zu groß …

Stürze dich ins Abenteuer und versuche, das Geheimnis der Hexen zu lüften, indem du die Rätsel löst, die dir auf deinem Weg durch die unheimliche Stadt begegnen. (Klappentext)

In letzter Zeit habe ich bereits andere Escape-Bücher gelesen, doch dieses hier – das kann ich direkt am Anfang schon sagen – ist definitiv mein liebstes.

Je nach Geschmack entscheidet sich natürlich, ob der Leser – beziehungsweise Spieler – den Fokus eher auf die Geschichte oder die Rätsel legt. Doch es wird an beiden Fronten etwas geboten!

Ich landete mit einer Touristengruppe in Salem, doch der Guide lässt die Hexen seltsam beiseite und redet lieber über die wirtschaftlichen Aspekte der Stadt. Da das nicht das ist, was mich interessiert, trenne ich mich heimlich von der Gruppe und beschließe, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Ich lande im „Salem Witch Museum“, doch bald stelle ich fest, dass mich Wachmänner bemerkt haben – und die klingen nicht sehr diplomatisch. Also fliehe ich durch ein unterirdisches Keller- und Tunnelsystem zu den verschiedensten Orten der Stadt. Doch so richtig sicher bin ich nirgends. Immer tiefer gerate ich in Geheimnisse hinein, die ich besser nicht entdecken sollte…

Garniert ist das alles mit einer wunderschönen Aufmachung. Tolle Zeichnungen, die die Rätsel und Story unterstützen und aufwerten. Insgesamt hat das Buch innen eine alte Anmutung und schafft zusätzlich zu den dunklen Kellern, durch die man schleicht, Atmosphäre.

Der Aufbau des Escape Games ist denkbar einfach. Das Buch leitet einen zu einzelnen Rätseln und von dort aus wird man immer weiter geschickt, wenn man die Zahl im Rätsel entdeckt. Mal muss man sie nur erblicken, mal mehr oder weniger schwer herausfinden. Die Lösungszahl ist dabei die Seitenzahl, auf der es weitergeht. Überprüfen kann man sich selber, denn immer oben auf der neuen Seite steht, von wo man kommen müsste. Steht da eine andere Zahl, als die Seite, auf der sich das Rätsel befindet, muss man neu überlegen.

Damit ist man schon beim zweiten großen Punkt des Buches: die Rätsel.
Vielfältig sind sie und mal einfach, mal kniffelig. Man muss rechnen, logisch denken, Codes knacken, scharf gucken, um die Ecke denken, Elemente einsetzen, die man aus der Buchklappe herauslösen kann, kombinieren und noch einiges mehr.
Ich freute mich bei jedem Umblättern aufs Neue. Es war so variabel und die verschiedenen Schwierigkeitsgrade motivierten und forderten heraus.
Bei zwei, drei Rätseln steckte ich richtig fest. Da verstand ich nicht so wirklich, was ich tun, zusammenrechen oder lösen muss.
Das Buch bietet an der Stelle aber zwei Möglichkeiten: Zum einen ist am Ende des Buches ein versiegelter Umschlag mit Hinweisen zu finden. Zum anderen kann man aber auch – entgegen der Anweisungen des Buches – einfach mal durch das Buch blättern und am oberen Rand die Seitenzahl suchen, auf der das vertrackte Rätsel gerade ist – sprich, von welcher Seitenzahl man kommen muss, um auf der neuen Seite weitermachen zu dürfen.

Ich hatte wirklich Spaß mit dem Buch. Ein toll durchdachtes Escape-Game-Buch, das mit einer spannenden Hexen-Story und verschiedenen Rätseln punkten kann. Nur, weil zwei, drei Rätsel für mich nicht funktionierten (was natürlich auch an mir gelegen haben kann und anderen Lesern wäre klar, was zu tun ist), gibt es einen halben Stern Abzug.
Ansonsten: Wenn man ein gutes Escape-Buch sucht, ist man mit diesem hier wirklich gut beraten.

Julien Mindel – Escape Quest – Entkomme den Hexen von Salem
Originaltitel: Seul dans Salem (März 2019)
Ullmann Medien GmbH, 27. April 2020
ISBN 3741524557
96 Seiten
Broschiert; 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Weitere Escape Books von Ullmann Medien (Klicke für die Rezension):

Jessica Koch – Dem Horizont so nah

Die Geschichte einer großen Liebe.
Eine Geschichte über Vertrauen, Mut, Schmerz, Verzweiflung und die Kraft loszulassen.
Eine wahre Geschichte.

Jessica ist jung, liebt das unkomplizierte Leben und hat Aussichten auf eine vielversprechende Zukunft. Als sie eines Abends das Haus verlässt, ahnt sie nicht, dass sie ihrer großen Liebe begegnen wird. Sie ahnt nicht, dass diese Begegnung ihr gesamtes Weltbild verändern wird. Und vor allem ahnt sie nicht, dass sie schon bald vor der schwerwiegendsten Entscheidung ihres Lebens stehen wird … (Klappentext)

Am 01. Oktober 2019 veröffentlichte ich den Ich-lese-jetzt-Artikel zu diesem Buch, das ich im Zuge der Veröffentlichung der Verfilmung als Rezensionsexemplar erhielt. Ich las die ersten beiden Seiten, war gespannt, was da noch kommt, aber hörte auf.
Einige Wochen später las ich noch einmal die ersten beiden Seiten, doch las nicht weiter. Nach weiterer Zeit las mein Freund mir die ersten beiden Seiten vor. Und ich schlug das Buch nicht noch einmal auf.
Ich weiß nicht, was mich abhielt. Ich weiß nicht, warum ich nicht weiterkam. Vielleicht war es Intuition. Denn nun habe ich das Buch innerhalb weniger Tage verschlungen und mein Herz ist schwer.

Jessica lernt Danny kennen. Er scheint ein Aufreißer zu sein, einer, der mit Frauen spielt. Doch Jessica gefällt Danny. Mit ihr möchte er keine Spiele spielen und so verlieben sie sich Hals über Kopf. Sie führen eine liebevolle, harmonische Beziehung. Und auch Dannys beste Freundin, die mit ihm zusammen wohnt, stört die Beziehung nicht, sondern komplettiert sie auf ungewöhnliche Art und Weise. Alles ist so schön, doch dann macht Danny ein Geständnis, das alles ändern wird. Die Welt dreht sich weiter, doch trudelt nun ein wenig.
Da sind plötzlich drei junge Menschen, die mit traumatischen Schicksalen leben müssen.

Normalerweise schaffe ich es immer, Distanz zu schweren Schicksalsschlägen aufzubauen. Egal ob in Büchern, im Fernsehen oder auch in meinem Bekanntenkreis. Ich habe Mitgefühl, aber mich belasten die Probleme der anderen nicht.
Hier war es anders. Ich weiß nicht warum. Vielleicht, weil ich Danny sofort in mein Herz schloss und verstand, warum Jessica sich in ihn verliebte, aber eben nicht verstand, warum so ein Mensch so schreckliche Dinge erleben muss(te).

Ich konnte das Buch kaum beiseitelegen, aber las es mit unfassbarer Beklemmung. Ich tauchte ein und konnte kaum atmen. Diese Buch nahm mich wirklich mit. Denn es ist alles wahr. Es gibt Änderungen, klar. Namen, Orte, Zeiten – doch es gab Danny. Es gab seine beste Freundin Christina. Sie haben erlebt, was Jessica Koch aufgeschrieben hat.

Diese drei Personen sind Dreh- und Angelpunkt des Buches.
So sympathisch Danny mir war und so spannend ich Christina fand – Jessica mochte ich irgendwie nicht so gern. Sie wirkte zickig, eifersüchtig, irrational. Ich verstand, warum Jessica sich in Danny verliebte. Andersherum hatte ich Schwierigkeiten. Doch dann erinnerte ich mich daran, wie ich mit 17 Jahren war und versuchte, etwas mehr Verständnis für das Verhalten der Autorin aufzubringen. So viel anders war ich vielleicht auch nicht.
Doch ich las gern von ihrer Liebe. Eine Liebe, die jeder Mensch einmal erlebt haben sollte mit so viel glücklichen Momenten, lustigen Anekdoten und liebevollen Gesprächen.

Doch da waren auch die anderen Seiten des Buches. All die schlimmen Dinge und Schicksalsschläge, von denen berichtet wird. Da war es fast das Harmloseste, dass Dannys Vater den Hund des Sohnes erschlug. Entwurzelung, Tod, Drogen, Missbrauch – alles an sich schrecklich, doch die Kombination in diesem Buch war fast unbegreiflich.

Dieses Buch kollidierte mit meiner heilen Welt. Es konfrontierte mich mit Dingen, die es nicht in meiner Lebensrealität gibt.
Diese Geschichte hat mich nicht losgelassen. Ich musste viel über das Buch reden, von Danny und seinem Schicksal erzählen.

Ich finde dieses Buch nicht gut. Wie sollte man es gut finden, was hier passiert? Es ist schrecklich und traumatisch. Und doch steckt so viel Schönes in der Liebe zwischen Danny und Jessica und der Freundschaft zu Christina. Dieses Buch hat mich auf so viele Weisen bewegt.
Kann ich dieses Buch empfehlen? Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.

Jessica Koch – Dem Horizont so nah
Rowohlt Taschenbuch, 17. September 2019 (Originalausgabe: Juli 2016)
ISBN 349900013X
464 Seiten
Taschenbuch; 10,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Reihenfolge der Bücher:
1. Dem Horizont so nah
2. Dem Abgrund so nah
3. Dem Ozean so nah

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Illuminae

Gestern noch dachte Kady, das Schlimmste, was ihr bevorsteht, ist die Trennung von ihrem Freund Ezra. Heute dann wird ihr Planet angegriffen.
Kady und Ezra verlieren sich bei der Flucht und gelangen auf unterschiedliche Raumschiffe. Doch die Fliehenden werden immer noch von dem feindlichen Kampfschiff verfolgt. Und damit nicht genug: Ein XXXXX, freigesetzt bei dem Angriff mit biochemischen Waffen, mutiert mit grauenhaften Folgen. Und dann ist da noch AIDAN, die Künstliche Intelligent der Flotte, die von Raumtemperatur über Antrieb bis Nuklearwaffen alles an Bord steuert. Eigentlich soll AIDAN sie beschützen, aber er verhält sich mehr als seltsam.
All das und noch viel mehr wird von dem Führungsstab vertuscht. Kady versucht herauszufinden, was vor sich geht, doch dazu braucht sie Ezras Hilfe. Und so wendet sich Kady an den Jungen, mit dem sie nie wieder ein Wort sprechen wollte… (Text der Titelklappe)

Kady und Ezra haben keine gute Zeit, erst Trennung, dann Flucht von ihrem zerstörten Heimatplaneten. Doch auf den Rettungsschiffen, die sie aufgenommen haben, sind sie schon schnell nicht mehr sicher. Gefahren durch Krankheiten, rigorose Chefetagen und durchgedrehte Künstliche Intelligenzen sind an der Tagesordnung. Kady kann nur versuchen, mit ihren Fähigkeiten am Computer, Ezra und sich zu retten – und damit auch die komplette Flotte.

Doch das alles wird nicht einfach so erzählt. Man liest es in Geheimakten, E-Mails, auf Plakaten und in Protokollen. Es gibt schwarze Seiten und weiße Seiten, Seiten voller Zeichen oder welche ohne alles, Bilder und Tabellen… Allein aufgrund der Form war bei mir die Spannung wahnsinnig hoch. Ich wollte nicht nur wissen, wie die Geschichte rund um Kady und Ezra weitergeht, sondern ich wollte auch unbedingt wissen, wie es dargestellt ist. Denn auch wenn bestimmte Dinge, wie Chats und E-Mails, den Hauptteil ausmachen, so wurde man bis zuletzt mit neuartigen Formatierungen überrascht.

Ich hatte wahnsinnig viel Spaß beim Entdecken. Man rast nur so durch die Seiten. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich die Story, wäre sie mir rein mit Prosa serviert worden, auch so gut gefunden hätte. Aber letztlich ist das auch nicht so wichtig, denn die Kombination aus Text und Form musste passen und das tat sie sehr gut!
Vor allem die beiden Hauptcharaktere haben es mir leicht gemacht. Kady ist schlau und mutig und steht dankenswerterweise nie auf dem Schlauch. Sie zieht schnell Schlüsse und ist trotzdem keine allwissende Nervensäge. Ezra brachte mich zum Lachen und punktete mit seiner charmanten Art.

Doch es gab auch ein paar Dinge, die ich nicht so gut fand. So musste man bei all den Namen, Schiffen, Vereinigungen und Vorgängen schon aufpassen, alles mitzubekommen. Zwei, drei Mal musste ich zurückblättern, um noch einmal nachzulesen, wo die Person in der Zwischenzeit abgeblieben war oder wer noch einmal alles gestorben ist. Denn eins steht fest: Das Autoren-Duo geht mit seinen Figuren wirklich nicht zimperlich um.
Im Zuge meiner Aufregung und Begeisterung über die Form des Buches blieb die Emotionalität ein wenig auf der Strecke bei mir. Ich hechelte durch die Transkriptionen, Akten und Berichte, aber ich habe mich nicht so richtig an die Figuren gebunden. Schwierig, wenn die Figuren eben hauptsächlich miteinander kommunizieren oder andere Protagonisten über sie schreiben. Die eigene Reflexion, der Blick in ihr Inneres, geht unter.

Nichtsdestotrotz habe ich die 600 Seiten an zwei Tagen gelesen. Natürlich geht es auch deutlich schneller, wenn man Chats liest, aber ich legte das Buch auch nur sehr widerwillig beiseite. Es war mein erstes Buch, das im Weltall spielte, ich mochte die Figuren sehr gern, fand die Darstellungsform unglaublich interessant und damit auch die Geschehnisse durchgehend super spannend. Die ein oder andere Überraschung hielt die Story dann auch noch bereit. Ein paar Schwächen hat das Buch, aber ich kann es kaum abwarten, den zweiten Teil, der seit ein paar Wochen auf meinem SuB liegt, zu lesen.

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Illuminae – Die Illuminae-Akten_01
Originaltitel: Illuminae – The Illuminae Files_01 (Oktober 2015)
dtv Verlagsgesellschaft, 13. Oktober 2017
ISBN 9783423761833
599 Seiten
Gebunden; 19,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:

1. Illuminae – Originaltitel: Illuminae
2. Gemina – Originaltitel: Gemina
3. – Originaltitel: Obisidio (Noch nicht übersetzt)

Matthias A. K. Zimmermann – KRYONIUM

Gefangen an einem unbekannten Ort, schmiedet der Erzähler heimlich Fluchtpläne. Die Tatsache, ohne Erinnerungen zu sein, erschweren das Vorhaben. Doch der Drang, endlich auszubrechen aus diesem furchteinflößenden, schneeverwobenen Schloss, lässt ihn jedes Risiko eingehen. Und so gerät der Erzähler immer tiefer hinein in einen wirren Strudel aus rätselhaften Begegnungen und magischer Paranoia, die er spielerisch zu entschlüsseln hofft, was ihn letztlich zum Ursprung seiner Erinnerungen führt. Der All-Age-Roman ist ein technoides Märchen, das sich mit Virtualität auseinandersetzt und die Frage aufwirft, was Erinnerungen sind und was sie bedeuten. Nichts ist so, wie es scheint in der Geschichte und die Frage, was Realität ist, muss immer wieder neu überdacht werden. (Klappentext)

Als ich die Anfrage für ein Rezensionsexemplar zu diesem Buch bekam, war ich direkt Feuer und Flamme. Keine Erinnerungen, Flucht, Schloss, Märchen, Schnee… es klang nach einem Buch, das eine fantastische Atmosphäre mit einer spannenden Geschichte verknüpft.

Als ich das Buch begann, war ich schnell ernüchtert. Ich konnte kaum etwas mit der Schreibart anfangen. Beschreibungen und Wörter wiederholten sich, Gespräche wirkten hölzern und gewollt. Manches klang, wie aus einem Schulaufsatz übernommen. Genervt begann ich schon, Post-Its an Stellen zu kleben, die ich in der Rezension als Negativ-Beispiel hervorheben wollte.
Es dauerte gut dreißig, vierzig Seiten bis nicht nur ich drin war. Es wirkte auch, als hätte sich der Autor quasi warmgeschrieben. Und ab diesem Moment konnte ich nicht mehr genug von KRYONIUM bekommen.

Fasziniert folgte ich der Hauptfigur, von der ich weder Namen noch Aussehen kannte. Nicht einmal das Geschlecht war bekannt. Doch das machte alles noch interessanter. Zusammen erkundeten wir dieses seltsam magische Schloss und fürchteten uns vor dem Ungeheuer, das im See um das Gebäude herum lebt und alles verschlingt, was ihm nah kommt. Wir schlichen zusammen durch den gruseligen Wald, in dem Gnome, Kobolde, Einhörner und sogar eine Hexe leben.
Und als ich da so wohlig in der Märchenwelt war, da entfaltete sich plötzlich eine Story vor mir, mit der ich nicht gerechnet habe. Schicht um Schicht entblätterte sich etwas, was mich immer tiefer in das Buch hineinzog. Jede freie Sekunde las ich. Selbst beim Kochen und Essen. Wenn Besuch da war, zog ich mich kurz mal zehn Minuten zurück, nur um ein Kapitel weiterzukommen.
Überraschung um Überraschung entdeckte ich und als ich dachte, ich wüsste jetzt, was Phase ist, krempelte der Autor all mein Wissen einfach um.

Es gab so unfassbar viele Verbindungen, Hinweise, Rätsel und Erkenntnisse. Nicht selten habe ich einen imaginären Hut vor dem Autoren gezogen, dass er das alles miteinander verwoben hat. Nicht einen Logikfehler habe ich in all dem Wust gefunden. Ganz im Gegenteil: Dinge, die ein Fehler hätten sein können, hebt der Autor extra hervor und ordnet sie ins Gesamtgefüge ein.

Das alles macht eine Rezension des Buches – vor allem in Bezug auf den Inhalt – wahnsinnig schwer. Denn mehr als den Plot, den auch der Klappentext wiedergibt, kann man eigentlich nicht erwähnen. Jedes weitere Wort wäre zu viel. Beim Lesen überkam mich schnell eine Idee, was auf dem Schloss vor sich geht und ich hatte absolut Recht und gleichzeitig kein Stück.

Bis zum Ende holperte es sprachlich mal an der einen oder anderen Stelle, doch ich sah eher, was für schöne Bilder Matthias A. K. Zimmermann mit seinen Worten malen konnte.
Vor allem physikalische Zusammenhänge haben es dem Autoren angetan und manchen Begriff erklärt er über die Notwendigkeit hinaus. Aber schnell war es ok für mich. Ich lächelte an der Stelle, an der ich bei anderen Büchern genervt wäre und dachte: „Tja, das ist wohl seine Art…“

Das Buch ist im besten aller Sinne komplex. Es ist eine Kunst, so etwas nicht schwierig werden zu lassen, sondern trotz aller Details und Verschachtelungen logisch und leichtfüßig zu bleiben. Meine Genervtheit der ersten Seiten ist komplett verflogen und hat sich absolut ins Gegenteil gewandelt. Ich bin begeistert und habe ein paar Spazierrunden dafür genutzt, meinem Freund alles über das Buch zu erzählen. Letztlich wäre ich gern länger bei dem Erzähler geblieben, der so klug und mutig war.

Edit:
Meine Rezension habe ich auch als Kurzform auf Instagram gepostet. Auf die Kritik zur Sprache hat der Autor geantwortet:

Der Anfang der Geschichte ist eigentlich sein Schluss. Ich habe den Roman rückwärts geschrieben, also mit dem Ende begonnen. Die Geschichte begann in seiner ersten Fassung also rasant in der Realität und führte durch mehrere Ebenen immer tiefer und tiefer hinab. Nach und nach entschleunigte die Handlung, die Sätze wurden länger, die Sprache in sich verschachtelter, bis der Schluss (also Kapitel 4 bis 1) dann quasi in einer Bildbetrachtung zugefroren war. Die Dramaturgie des Textes, so habe ich es mir vorgestellt, gleicht Wasser, das nach und nach zufriert. Eigentlich wäre es aber viel passender, so dachte ich dann, wenn es gerade umgekehrt wäre und die Dramaturgie einem Eiswürfel gleichen würde, der nach und nach auftaut und sich verflüssigt. Und so schrieb ich den ganzen Roman nochmals neu: vom Ende zum Anfang. Das hat natürlich die Wirkung, dass der Roman, so wie er jetzt vorliegt, wie eine Bildbetrachtung beginnt. Die Handlungen und ihre Figuren sind zu Beginn statisch und wie eingefroren, der Text liest sich quasi wie durch eine dicke Eisschicht. Die Räume und Landschaften tauen nach und nach erst auf, nehmen dann allmählich an Fahrt auf ab Kapitel 4. Man muss sich die Struktur des Romans als einen sich auftauenden Eiswürfel vorstellen …

Mein Gefühl, dass sich „warmgeschrieben“ wurde, stimmt also im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn der Autor dieses Gefühl auslösen wollte, hat er das bei mir auf jeden Fall erreicht. Nichtsdestotrotz begeisterte mich die Sprache anfangs nicht.

Matthias A. K. Zimmermann – KRYONIUM – Die Experimente der Erinnerung
Kulturverlag Kadmos Berlin, 28. Oktober 2019
ISBN 386599444X
324 Seiten
Gebunden; 19,90 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Crime Mysteries – Jack the Ripper

Willkommen in den finstern Gassen des viktorianischen Londons, in denen Jack the Ripper noch immer sein Unwesen treibt!

Wir schreiben das Jahr 1889, und die Öffentlichkeit glaubt, die entsetzlichen Gräueltaten von Jack the Ripper hätten ein Ende gefunden. Doch man hat sie getäuscht! Seine mörderische Schreckensherrschaft geht weiter! Zusammen mit Detective Inspector George Absalom von Scotland Yard und seinen Männern müssen sie Jack the Rippers Geheimnis lüften, bevor noch weitere Leichen auftauchen.

Im Buch finden sie zehn zu lösende Fälle, unterteilt in jeweils drei Abschnitte mit einer Frage am Ende. Sie müssen alle Fragen beantworten, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Können Sie die wahre Identität von Jack the Ripper rechtzeitig aufdecken?

WARNUNG
Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven! (Klappentext)

Als ich in meinen E-Mails eine Anfrage für ein Rezensionsexemplar eines „Crime Mysteries“-Buchs fand, war ich sofort Feuer und Flamme. Nicht nur, dass ich Jack the Ripper als Figur äußerst interessant finde, man soll in dem Buch auch noch selber miträtseln können.
Ich habe mich sehr über die Infos zu dem Buch, das mir noch vollkommen neu war, gefreut und noch mehr, dass ich es tatsächlich erhalten habe.

Inspector Absalom gehört zu einer Special Unit, die gegründet wurde, um die (neuen) Morde des Rippers zu untersuchen. Er betritt also zehn Tatorte, einer grausamer als der andere, beschaut schlimm verstümmelte Leichen und befragt Zeugen. Der Leser ist immer an seiner Seite.

Dieses Buch ist für mich auf mehreren Ebenen einzigartig.
Mit Jack the Ripper gibt es einen roten Faden, eine übergeordnete Geschichte, doch eine klassische Story gibt es nicht. Mit jedem neuen Kapitel wird der Inspector zu einer neuen Frauenleiche gerufen und das Kapitel wird sich ausschließlich damit befassen.
Man erfährt nichts Persönliches über Absalom, den Arzt Coombs, der ihn immer begleitet oder den Constable Barrow. Es ist aber auch vollkommen egal, alles, worauf man sich als Leser konzentriert ist der Tatort, denn jedes Detail könnte wichtig sein, um den Fall aufzuklären.

Die fehlenden Beschreibungen der einzelnen Personen werden allemal durch die vielen Bilder im Buch wettgemacht. Auch die Frauen, lebend wie tot, die Zeugen und Tatorte werden aufgezeigt. Jedes Bild schaute ich genau an. Sie vermittelten noch mehr den Eindruck von persönlichen Aufzeichnungen über die Ripper-Morde.

Ich hatte viel Spaß daran, am Ende eines Kapitels zu Rätseln, wie Absalom zu dieser oder jener Einschätzung kam. Warum glaubte er, dass die Frau weniger als zwölf Stunden tot ist? Warum glaubt er nicht, dass der Täter durch das Fenster floh. Warum ist er sich sicher, dass der Zeuge lügt? Immer wieder waren die wie beiläufig gestreuten Details wichtig.

Die einzelnen Fälle waren – obwohl so ähnlich – immer wieder neu und anders. Und grausam. Sehr grausam. Das Buch ist keinesfalls splatterhaft geschrieben. Wie die Leiche aussieht, ist neutral und sachlich geschrieben. Aber eben auch sehr bildhaft. Wer nichts von geöffneten Bauchdecken, herausgeschittenen Augen oder in Haut geritzte Symbole lesen will oder kann, wäre nicht ganz so gut mit dem Buch beraten. Die Warnung im Klappentext steht dort tatsächlich nicht umsonst.

Ich hatte so unfassbar viel Spaß mit dem Buch. Auch wenn es um Morde eines wahren Serienmörder geht, um Grausamkeiten, die vor 130 Jahren viele Menschen in Angst und Schrecken versetzten, ich schlug das Buch immer wieder begeistert auf. Vor allem die Bilder und die Rätsel schafften eine ganz besondere Atmosphäre.

Die Rätsel sind auch mein einziger, ganz kleiner Kritikpunkt. Es war im Prinzip egal, ob man bei den Rätseln richtig lag (wie ich häufig) oder einem nicht klar wurde, wie Absalom zu seiner Vermutung kam (was mir auch ab und zu passierte). Im Prinzip muss man sich nicht mal alle Auflösungen am Ende des Buches durchlesen. Nur bei wenigen Fällen fand sich dort ein richtiger Abschluss.

Aber insgesamt bin ich sehr begeistert und habe das Buch auch schon weiterempfohlen. Und das mache ich hier auch noch einmal in aller Deutlichkeit: Wenn euch noch ein Weihnachtsgeschenk für einen Thriller-Fan (gern mit Rätselambitionen) fehlt: Zieht „Crime Mysteries – Jack the Thriller“ unbedingt in Betracht! Ihr werdet es nicht bereuen!

Tim Dedopulos – Crime Mysteries – Jack the Ripper
Originaltitel: Solve-it-Yourself Mysteries – The Ripper Case Files (August 2019)
Ullmann Medien GmbH, 23. September 2019
ISBN 3741523658
224 Seiten
Broschiert; 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Weitere Bücher aus der Reihe:
Crime Mysteries – Sherlock Holmes

Sarah Kuttner – Kurt

Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft. Es scheint, als wäre ihre größte Herausforderung, sich an die neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen, daran, dass Brandenburg nun Zuhaue sein soll. Doch als Kurts kleiner Sohn bei einem Sturz stirbt, bleiben drei Erwachsene zurück, die neu lernen müssen, wie man lebt. (Text der Titelklappe)

Schon mit ihrem Buch „180° Meer“ hat mich Sarah Kuttner vor drei Jahren begeistert. Nun hat sie es wieder geschafft.

„Kurt“ fühlte sich unfassbar real an. Vielleicht, weil ich so viel davon mit meiner eigenen Geschichte verbinden kann.
Es fängt schon mit dem Setting an. Brandenburg. Das Bundesland, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Erst mit 20 Jahren hab ich es verlassen. Kuttner hat es geschafft, mir wieder für seine Schönheit die Augen zu öffnen. Die Alleen und Seen, die Wälder und die Parks.

Hierhin hat es nun Lena und Kurt verschlagen, damit sie näher bei dem kleinen Kurt sein können. Die Vater-Sohn-Beziehung hatte unter der Entfernung Berlin-Oranienburg zu sehr gelitten.
Da sitzt Lena nun. Sie, das Großstadtmädchen, die Freiberuflerin, die Kinderlose. Plötzlich ist der Sohn ihres Freundes den halben Monat bei ihnen. Plötzlich muss sie sich mit Gärten und Hausrenovierungen auseinandersetzen. Plötzlich ist alles anders, aber nicht unbedingt weniger schön. Bis Kurt stirbt. Und Lena plötzlich mit einem verwaisten Vater zusammen ist.

Schon der Klappentext verrät den großen Knall. Ich wusste, was passieren wird und trotzdem habe ich Kurti mein Herz stehlen lassen. Dieser kleine, herzliche Junge mit den fehlenden Schneidezähnen und Spielzeugautos in der Hand. Voller Spannung und Angst habe ich jede Situation kritisch beäugt, in der sich Kurt befand. Bis es kam. Es.
Doch auch danach verlor das Buch nichts von seiner Anziehungskraft. Ich musste doch sehen, ob Lena und Kurt – und auch Klein-Kurts Mutter Jana – ein wenig heilen können.
Wie sehr mich das Buch in seinen Bann zog, konnte ich klar an Zahlen festmachen. Ich wollte nur mal kurz am ersten Abend reinlesen. Den ersten Satz lesen. Die erste Seite vielleicht. Dann war ich auf Seite 140 und musste ins Bett. Den Rest habe ich am nächsten Tage gelesen.

Sarah Kuttner schafft es aber auch jedes Mal, dass mein Herz aufgeht bei ihrer Art zu erzählen. Wenn Leute sich in Gedanken verbummeln und durch den Garten hotten, um die Blumen zu gießen, dann bin ich zuhause. Dann bin ich selber wieder in Brandenburg und kieke, anstatt zu gucken. Gerade mit dieser Art zu schreiben, schafft sie kleine Lichtstrahlen in all dem Grau des Buches. Ich musste nicht selten lachen und damit ist doch eine weitere Parallele in das echte Leben gezogen. So traurig alles ist, man sollte nicht sein Lachen verlieren.

Mit ihrer Sprache hat sie aber noch mehr geschafft, was mir erst aufgefallen ist, als das Buch beendet war. Ich habe sie vor mir gesehen – Lena, Kurt, Kurt, Jana, den Nachbarn, die Schwester. Als würde ich sie kennen. Dabei wurde nicht einer beschrieben. Ich weiß nicht mal, ob Kurti braune oder blonde Haare hat. Aber all das brauchte ich nicht, um das Gefühl zu bekommen, ich hätte die Personen alle schon mal gesehen.

„Kurt“ – ein Buch wie ein Bosse-Song. Melancholisch und leicht zugleich. Und ein bisschen Brandenburg-Romantik, wie in seinem Lied „Frankfurt Oder“.
Ich habe großes Glück. Ich weiß nicht, wie es ist, ein Kind zu verlieren. Aber einige Personen in meiner Familie wissen es. Und das Buch gibt mir die Kraft, mich das nächste Mal zu meiner Oma zu setzen, ihre Hand zu nehmen und zu fragen: „Sag doch mal, wie hast du das überlebt?“
Ich durfte dahingegen dieses Buch lesen, während meine neugeborene Tochter auf mir lag. Ich musste aufpassen, ihr nicht das Köpfchen nass zu weinen und sie gleichzeitig nicht beim Lachen zu sehr durchzuschütteln. Und vielleicht ist das alles, was man über „Kurt“ wissen muss.

Sarah Kuttner – Kurt
S. FISCHER, 13. März 2019
ISBN 3103974248
240 Seiten
Gebunden; 20,00 Euro

Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini

Vierunddreißig Jahre hat Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann tötet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos, wie es aussieht. Ein Albtraum für den jungen Anwalt Caspar Leinen, der die Pflichtverteidigung übernimmt: Das Opfer, ein hoch angesehener deutscher Industrieller, ist der Großvater seines besten Freundes. Schlimmer noch, Fabrizio Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Leinen beginnt zu recherchieren und stößt auf eine Spur, die ihn mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte. (Text der Titelklappe)

Am 18. April kommt die Verfilmung dieses Buches in die Kinos. Ich hätte ihn so gern gesehen – und das nicht nur wegen Elyas M‘Barek in einer der Hauptrollen. Da meine Tochter erst wenige Wochen alt ist, wurde das mit dem Kino nichts, aber ich habe die literarische Vorlage als Rezensionsexemplar erhalten. Darüber habe ich mich wahnsinnig gefreut.

Nachdem der bisher vollkommen unauffällige Fabrizio Collini einen Industriellen kaltblütig erschießt und sich danach direkt der Polizei stellt, sind alle überfragt: Staatsanwaltschaft, Nebenklage und auch der Pflichtverteidiger Caspar Leinen. Denn obwohl Collini zu jeder Zeit gesteht, der Mörder zu sein, bleibt er darüber hinaus schweigsam. Leinen sucht deswegen fieberhaft nach dem Warum und stößt dabei auf allerhand Überraschungen und Skandale.

Ferdinand von Schirach ist selber Strafverteidiger und schafft es deswegen, diesen Roman überaus realistisch wirken zu lassen. Er gewährt einen Blick hinter die Kulissen – in die Richterzimmer, Hinterzimmer und Wohnzimmer der Anwälte dieses Landes.

Die Handlung des Romans ist sehr überschaubar. Sie beginnt mit dem Mord und zeichnet dann den Prozess nach, unterbrochen durch wenige Rückschauen und einige private Einblicke in das Leben des jungen Rechtsanwalts Leinen.
Die Wirkung der verschiedenen Teile ist vollkommen verschieden. Der Prozess ist sachlich, klar, scharf. Die Rückblenden leben von ihren atmosphärischen Bildern und emotionalen Worten. Beides entwickelte einen regelrechten Sog.

Vom ersten Satz an steckt man mitten in der Handlung. Man ist direkt mit Fabrizio Collini im Hotel auf dem Weg zur Suite des zukünftigen Mordopfers. Keine Schnörkel, kein künstliches Aufblähen. Damit ist die Spannung sofort hoch.
Auch sonst ist das Buch zwar nicht linear oder gar simpel, aber trotz Sackgassen und Wendungen auch nicht künstlich verlängert oder verkompliziert.

Trotz der wenigen Seiten und der meist geradlinigen Sprache kommen die Figuren und ihre Hintergrundgeschichten nicht zu kurz. Ich habe keine Ahnung, welche Haar- oder Augenfarbe Caspar Leinen hat. Ich weiß nicht, welche Farbe die Schuhe des Staatsanwalts haben – aber was ich kenne ist ihr Charakter. Mit wenigen Worten stellte von Schirach klar, wer wie einzuordnen ist, ohne dabei die Figuren schwarz oder weiß zu zeichnen. Man bekommt Einblicke in Seelenleben, Charaktereigenschaften und Lebensgeschichten.

Es ist ein großes Glück, dass Ferdinand von Schirach nicht nur Strafverteidiger geblieben ist, sondern anfing, seine Geschichten aufzuschreiben – sowohl die realen aus seiner Kanzlei als auch die fiktiven. Mit „Der Fall Collini“ hat er mir ein kurzweiliges und spannendes Buch beschert. Es gab Überraschungen, Wendungen und eine überzeugende Geschichte. Der „echte“ Einblick in die Arbeit der Justiz war dabei nur ein Bonus.
Die Geschichte von Fabrizio Collini hat definitiv das Potenzial, viele Leser nicht nur lesetechnisch, sondern auch emotional zu packen. Nur, weil es mich persönlich nicht auf der emotionalen Ebene bekommen hat, ziehe ich ein bisschen bei der Bewertung ab. Ich hatte aber trotzdem sehr viel Spaß mit dem Buch.

Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini
btb, 13. Februar 2017 (erstmals veröffentlicht 2011)
ISBN 3442714990
199 Seiten
Taschenbuch; 10,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Anne Freytag – Nicht weg und nicht da

Den Anfang kannst du nicht ändern – das Ende schon
Nach dem Tod ihres Bruders macht Luise einen radikalen Schnitt: Sie trennt sich von ihrem mausgrauen ich und ihren Haaren. Übrig bleiben drei Millimeter und eine Mauer, hinter die niemand zu blicken vermag. Als Jacob und sie sich begegnen, ist er sofort fasziniert von ihr. Doch Luise hält Abstand. Bis sie an ihrem sechzehnten Geburtstag eine E-Mail von ihrem toten Bruder bekommt – die erste von vielen. Mit diesen Nachrichten aus der Zwischenwelt und Jacob an ihrer Seite gelingt es Luise, inmitten dieser aufwühlenden wie traurigen Zeit das Glitzern des Lebens wiederzufinden. (Klappentext)

„Ich danke euch für diese Geschichte. Und dafür, dass ich sie erzählen durfte.“, richtet Anne Freytag sich in ihrer Danksagung an die drei Hauptfiguren Luise, Jacob und Kristopher. Und genau das ist das Buch. Es geht nicht um aufregende Roadtrips, abgefahrene Dramen oder wilde Erfahrungen. Es geht um die Seelen dreier junger Menschen und wie sie mit ihrem inneren Kaputtsein umgehen. Es ist quasi ein Seelenbuch. Thematisch und für den Leser.

Denn es dauerte nicht lange und ich war das erste Mal in Tränen aufgelöst. Und ab da kam es immer mal wieder über mich. Ich wurde so oft berührt. Ich war so traurig. Ich war so glücklich.
Die Geschichte bewegt sich räumlich nicht weit vom Fleck. Die meiste Zeit ist man an einem von drei Orten. Aber innerlich bewegen sich Luise und Jacob so sehr: heraus aus ihrer Komfortzone, hinein in ihre Abgründe, hin zu einem neuem Ich. Diese Entwicklungen und Gedankengänge zu verfolgen, war mitreißend. Ich war sofort im Bann der Geschichte und der Figuren. Und deswegen ist passiert, was mir mittlerweile selten passiert. Ich las sogar draußen beim Gehen weiter. Ich konnte und wollte das Buch nicht weglegen.

Natürlich bewegten sich Luise und Jacob aber nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich – nämlich aufeinander zu. Diese langsame Annäherung war so schön zu beobachten. Zum einen, weil es aufgrund der Lebensumstände der beiden anders nicht recht gepasst hätte und zum anderen, weil es so eine Wohltat ist, mal keine sich Hals über Kopf verliebende und sofort das schönste Pärchen der Welt seiende Jugendliche zu haben.

Da es hauptsächlich um das Innenleben von den beiden – mit ein bisschen Leben drum herum – geht, muss den Leser ja nicht nur die Story an sich anziehen, sondern auch die Figuren. Und bei mir taten sie das ganz klar. Mit Luise hat Anne Freytag ein ungewöhnliches Mädchen erschaffen und das im besten Sinne. Sie ist stark und stolz und klug und leidet dabei doch so sehr. Und diese Mischung wurde wirklich authentisch dargestellt. Man hätte Luise so zerschreiben können, dass die Figur zu einer Karikatur wird, aber das hat Anne Freytag nicht getan. Jacob ist dafür der Inbegriff des stillen, tiefgründigen, etwas dunklen Typen. Und damit ist er auch für den Leser immer interessant. Ich wollte sehen, was unter seiner Schale liegt.

Das Einzige, was ich in dem Zusammenhang schade fand, war dieser schon häufiger beschriebene Umgang mit dem Tod. Die Nachrichten und Aufgaben aus dem Jenseits gab es auch schon in „P. S. Ich liebe dich“ von Cecelia Ahern oder „Für immer, Dein Dad“ von Lola Jaye. Gewissermaßen auch in „Morgen kommt ein neuer Himmel“ von Lori Nelson Spielman und bestimmt auch in anderen Büchern, die ich nicht kenne. Ich will das Anne Freytag nicht anlasten. Niemand der anderen Autoren hat diese Idee für sich gepachtet. Aber so ein ganz, ganz kleines bisschen ist da etwas Wehmut, dass Kristopher es nicht anders gemacht hat.

Wie schon in den anderen Büchern ist auch die Aufmachung des Buches hervorzuheben. Den Kapiteln sind nicht nur kleine passende Bildchen vorangestellt, hinten im Buch ist auch wieder die Playlist aller Lieder, die im Buch eine Rolle spielen. Viele habe ich parallel zum Lesen, wenn sie erwähnt wurden, gestartet. Die meisten kannte ich – wie schon in den letzten Romanen – nicht, aber es waren wieder Perlen dabei.
Vorne in der Klappe findet man handgeschriebene Wörter, deren Bedeutung man erst im Laufe des Buches wirklich versteht. Ich liebe es, wenn Bücher ein bisschen mehr als nur Buchstaben enthalten.

Diese besonderen, schönen und ungewöhnlichen Wörter vorne im Buch stehen für mich aber auch stellvertretend für Anne Freytags Art zu erzählen. Sie schreibt so zart und auf eine unprätentiöse Art poetisch, dass es mir warm ums Herz wird. Auch das spielt mit hinein, dass ich nicht aufhören wollte zu lesen. Es ist einfach unglaublich unanstrengend, ihren Wörtern zu folgen, man fliegt so durch die Seiten und hat dabei schöne Bilder in den Kopf gesetzt bekommen.

Es ist unfassbar schade. Ich habe das Buch an zwei Abenden beendet, dabei musste ich doch so lange auf etwas Neues von Anne Freytag warten. Ich war so gern bei Jacob und Luise, hab sie begleitet und ihnen beim Wachsen zugesehen. Ich habe Tränen vergossen, mitgefiebert, mitgetrauert und mich mitgefreut. Es war alles, was ich von einem Buch erwarte und noch viel mehr. .

Anne Freytag – Nicht weg und nicht da
Heyne Verlag, 19. März 2018
ISBN 3453271599
480 Seiten
Gebunden; 16,00 Euro

Andere Bücher der Autorin (klicke für die Rezension):

Cara Delevingne – Mirror, Mirror

Vielleicht bin ich nicht so ein guter Mensch, wie ich dachte. Vielleicht bin ich wirklich ein Monster.

Red, Leo, Rose und Naomi sind Außenseiter. Red hat eine alkoholabhängige Mutter und einen Vater, der nie da ist. Leos Bruder übt einen schlechten und gefährlichen Einfluss auf ihn aus und neigt zur Gewalt. Rose klammert sich an Jungs und Drinks, um alte Wunden zu betäuben. Naomi läuft von zu Hause weg, um eine Freiheit zu erlangen, die sie nirgendwo sonst finden kann. Sie sind allein gegen den Rest der Welt, bis sie durch ihre Band Mirror, Mirror ihre eigene Familie gründen – den einzigen Ort, an dem sie sie selbst sein können.

Dann verschwindet Naomi und wird halb tot in der Themse gefunden. Sie kämpft um ihr Leben. Und zu allem Übel glaubt die Polizei auch noch, dass sie sich das selbst angetan hat. Ihre Freunde sind am Boden zerstört; sie waren dazu bestimmt, aufeinander achtzugeben, wie konnten sie die Alarmsignale übersehen? Wie gut kennen sie Naomi wirklich – und einander?

Doch als eine Reihe von Hinweisen die Gruppe vermuten lässt, dass alles anders ist, als es scheint, müssen Red, Leo und Rose sich ihren eigenen dunklen Geheimnissen und Ängsten stellen. Es ist ein Weg, der ihre Welt erschüttert. Nichts wird jemals wieder so sein, wie es war, denn wenn ein Spiegel einmal zerbrochen ist, dann er nicht repariert werden. (Text der Titelklappe)

Als ich hörte, Cara Delevingne veröffentlicht ein Buch, stand es direkt auf meiner Wunschliste. Dabei mochte ich sie nicht mal und kannte auch den Inhalt nicht. Zum Geburtstag bekam ich das Buch geschenkt und begann dann etwas später im Urlaub, es zu lesen.

Der Geschichte geht ein Vorwort von Cara voraus. Und die Gedanken und Wünsche an das Buch von ihr sind schön und hehr: Heranzuwachsen wäre so wunderbar und dramatisch zugleich mit Extremen und Hormonen und Veränderungen. Doch was, wenn man nicht dazu passt? Dann wäre die Zeit nicht sorglos, sondern herausfordernd und schwer – dazu kommen heute die sozialen Medien, die eine Art Perfektion verlangen. „Mirror, Mirror“ sollte diese Phase nun realistisch widergeben und dabei Freundschaft in den Mittelpunkt rücken. Doch vor allem wollte sie vermitteln: „Es ist ok, wenn ihr anders und einzigartig seid, weil ihr bereits perfekt seid.“
Ich überlegte daran eine Weile herum. Einerseits passt es zu Cara, die immer ein anderes Model war – rebellisch, unangepasst, kantig. Andererseits: Unterstützt man mit dem Modeln nicht generell ein falsches Vorbild? Aber es soll um das Buch gehen…

Die Band „Mirror, Mirror“ hat etwas Besonderes. Denn aus einem Projekt, bei dem die Schüler zufällig zusammengewürfelt wurden, ist etwas Großes entstanden. Aus Fremden wurden nicht nur Freunde. Red, Leo, Rose und Naomi wurden eine Familie. Sie konnten sich aufeinander verlassen, sie waren eingeschworen, sie teilten alles. Vor allem fanden sie ineinander Halt, der ihnen das Elternhaus nicht immer geben konnte. Doch dann verschwand Nai und hinterließ ihre Freunde vollkommen ratlos. Warum sollte sie weglaufen? Hatte sie Probleme, von denen sie ihren drei besten Freunden nichts erzählte? Und… wäre es vielleicht besser gewesen, sie wäre verschwunden geblieben, als mit eingeschlagenem Kopf und halb tot gefunden worden zu sein?

Ich finde diese Geschichte großartig. Und damit fängt es doch schon an.
Es geht um die Liebe und Freundschaft vierer Menschen zueinander. Und das, ohne dass von vornherein eine große Liebesstory etabliert werden muss. Was für eine Wohltat in dem Wust der Jugendbücher. Doch dann merkt man Risse. Ein Teil der Gruppe fehlt. Und alles scheint sich zu ändern.
Und es geht um Musik. Ganz einfach rutscht der Leser hinein in den Gesang von Rose, die Gitarrenklänge von Leo und das Schlagzeugspiel von Red. Obwohl es immer wieder um die Band und ihre Musik geht, um alles, was die vier Fremden zu einer Familie machte, wurde es nie zu viel. Nie zu vordergründig.
Und es geht um Naomi und was ihr passiert ist. Sie liegt in dem Krankenbett, umgeben von Schläuchen und Kabeln. Der Kopf dick einbandagiert. Übersät mit Wunden und Blutergüssen. Zusammen mit den drei Freunden – und noch weiteren, die dazustoßen – will man herausfinden, was ihr passiert ist. Warum wollte sie weglaufen? Warum versteckte sie sich so viele Wochen? Wo war sie? Das Lösen des Rätsels wurde nie zu akribisch oder detailreich. Es gab keine kriminalistischen Feinheiten. Und doch war das Aufdecken jedes neuen Puzzleteils für mich aufregend.

Diese drei großen Teile machten das Buch für mich wirklich spannend. Die Dynamik in der Gruppe veränderte sich. Der Leser spürte es Stück für Stück und den Jugendlichen dabei zuzugucken, war spannend. Es war ein Verlieren und Finden. Sich selbst und den anderen. Dieses stetige Auf und Ab, das die Teenagerjahre prägt.
Und der Fall um Naomi war für mich natürlich auch spannend. Wirklich sehr. Kaum beginnt das Buch, ist Naomi schon gefunden. Der Leser lernt sie nicht kennen. Für ihn liegt eine Fremde in dem Bett, der man auch durch das Koma persönlich nicht nahe kommt. Und doch war ihr Schicksal mir nicht egal. Durch die drei anderen, die von ihrer Freundin reden und vereinzelte Kapitel, die in der Vergangenheit spielen, lernt man Naomi kennen. Wird ihr eben doch nah. Deswegen fieberte ich so sehr mit, ob sie aufwachen wird und ob herausgefunden werden kann, was genau passiert ist.

Dabei wartet die Geschichte mit Überraschungen und Wendungen auf, die mich zum Teil sprachlos machten. Manches war für mich ab einem bestimmten Zeitpunkt vorhersehbar, manches erwischte mich kalt. Es war klasse!

Zusätzlich überzeugt „Mirror, Mirror“ mit Abwechslung. Alle paar Kapitel wurde mal ein Chat oder ein Songtext abgedruckt. Etwas, was ich immer gern mag.

Sprachlich machte das Buch für mich nicht alles richtig und irgendwie doch. Die Geschichte wird von Red aus der Ich-Perspektive erzählt, womit man immer ganz nah dran ist. Die Sätze sind dabei zum Teil lang. Sehr lang. Gern hätte ich aus dem einen oder anderen Komma einen Punkt gemacht. Es war, als wären verschiedene Hauptsätze einfach aneinandergehangen worden. Es fiel mir auf, riss mich aber nicht aus dem Lesefluss. Es brachte eine gewisse Dynamik ins Buch. Ein Rasen durch die Gedanken und Sätze. Als wäre man mittendrin in einem Teenagerkopf.

Am Ende bleibt fast ein wenig die Frage, was dieses Buch nun war. Ein Jugendbuch? Ein Roman? Ein Krimi? Keine Ahnung. Aber das Buch kann natürlich – wie wir alle – sein, was es möchte und genau so ist es perfekt.

Cara Delevingne – Mirror, Mirror
Originaltitel: Mirror, Mirror (Oktober 2017)
FISCHER Taschenbuch, 5. Oktober 2017
ISBN: 3596702348
368 Seiten
Broschiert, 14,99 Euro

Marieke Nijkamp – 54 Minuten

54 Minuten, die alles zerstören
Es passiert nicht viel im verschlafenen Opportunity, Alabama. Wie immer zum neuen Halbjahr hält die Direktorin in der Aula der Highschool ihre Begrüßungsrede. Es ist dieselbe Ansprache wie in jedem Halbjahr, und wie immer ist sie um exakt zehn Uhr zu Ende. Aber heute ist alles anders.
Als Schüler und Lehrer die Aula verlassen wollen, kann man die Türen nicht mehr öffnen. Einer beginnt zu schießen. Tyler greift seine Schule an und macht alle fertig, die ihm Unrecht getan habe. (Klappentext)

Als ich dieses Buch Anfang Juni auf Arbeit ergattern konnte, wusste ich, dass ich es unbedingt bald – also weit vor dem Erscheinungstermin – lesen muss. Und das habe ich getan. Endlich darf ich meine Meinung dazu veröffentlichen.

Fast alle Schüler der Opportunity High sind in der Aula, als die Türen sich nicht mehr öffnen lassen und Tyler durch die einzige noch unverschlossene Tür tritt. Tyler, der als erstes die Direktorin erschießt, damit die Schüler, die Lehrer, ja die ganze Schule ihm endlich mal ganz genau zuhört…
Niemand ist sicher. Nicht mal seine Schwester Autumn, die friedlich ihre letzte Zeit vor dem Abschluss genießen wollte.

Erzählt wird die Geschichte minutenweise.
Die einzelnen Kapitel, drehen sich jeweils um zwei bis drei Minuten. Erzählt werden sie aus den Perspektiven von vier Schülern: Autumn, ihre Freundin Sylv, deren Bruder Tomás und Claire. Die letzten beiden haben Glück, sie sind zwar in der Schule, aber nicht in der Aula.
Jede Person hat im Durchschnitt zwei bis drei Seiten, um seine Situation in den aktuellen Minuten zu schildern. Doch dabei entfaltet sich nach und nach auch das Bild von Tyler, der sich mit den vier Personen jeweils in einem besonderen Verhältnis befindet. Der Leser versteht immer mehr, wie es dazu kommen konnte, dass er nun da steht. Vor seinen Mitschülern. Mit einer Waffe.

Der Markt der Bücher ist nicht überschwemmt mit Büchern über (Schul)Amokläufe. So wurde „54 Minuten“ mein erstes. Und dabei ist dieses Thema so wahnsinnig wichtig. Zu oft gab es schon welche. Grundsätzlich ist ja schon ein Mal eins zu viel. Und selbst, wenn es nicht bis zum Äußersten kommt, zeigt das Buch doch, wie die Grundsteine gelegt werden. Wie Gewalt, Ausgrenzung und Mobbing Menschen zu Dingen treiben können. Deswegen schlägt dieses Buch hoffentlich im Jugendbuchbereich eine hohe Welle.

Doch weder sollten das Buch nur Jugendliche lesen, noch ausschließlich aufgrund der Thematik. „54 Minuten“ bietet noch viel mehr.

Tyler, der eine Person nach der anderen in der Aula erschießt, erzeugt schon viel Spannung. Wie vielen Menschen wird er das Leben nehmen? Wer wird alles überleben? Wer wird aus der Aula rauskommen?
Doch auch die beiden Erzähler, die nicht in der Aula gefangen sitzen, machen es spannend. Denn: Wer wird in die Aula hineinkommen?

Die vier Erzähler machen es einem dabei sehr leicht, sie gern zu haben. Und das nicht, weil man mit den Opfern automatisch eher sympathisiert. Sie bieten alle eine Tiefe an Emotionen und sind mit einer glaubhaften und interessanten Hintergrundgeschichte ausgestattet, die geschickt neben dem aktuellen Geschehen, auf das alle fokussiert sind, einfließt.
Die drei Mädchen Autumn, Sylv und Claire sind sich charakterlich ziemlich nah und unterscheiden sich auf den ersten Blick am besten durch ihre Interessen und Hobbys. Doch nichtsdestotrotz verwischen die Grenzen nie. Man kann sie immer auseinanderhalten.
Und auch der große Rest der Schule verkommt nicht zu einer Masse. Einzelne Schüler, Lehrer oder Geschwister treten heraus und werden zu wichtigen Nebenrollen.
Wichtig ist natürlich auch Tyler, der aktiv sehr wenig zu Wort kommt. Marieke Nijkamp schafft es, das Bild eines Jungen zu zeichnen, der einerseits wahnsinnig zerbrechlich und andererseits unglaublich erbarmungslos ist. Letztendlich wird er jedoch nie als ausschließlich irre dargestellt. Auch Tyler hatte seine Gründe, sich mit Gewalt ein Gehör zu verschaffen. Und diese Gründe werden in der Geschichte aufgedeckt. Es gibt kein klares Schwarz und Weiß bei ihm. Die Autorin verurteilt ihn nicht einfach.

Dieses Zusammenspiel der einzelnen Teile schafft viele Emotionen beim Leser. Ein spannender Plot, der durch die unterschiedlichen Gegebenheiten nicht langweilig wird. Personen, die man schnell ins Herz schließt und für die man hofft, dass Tyler sie verschonen wird. Eine Erzählweise, die viele verschiedene Blickwinkel schafft und das Puzzle „Tyler“ ein Ganzes werden lässt. Und zusätzlich punktet die Geschichte noch mit einer unauffälligen Schreibweise, die den Leser Seite um Seite verschlingen lässt, ohne dass er es merkt. Dabei stellt sie sich nicht in den Vordergrund, sondern lässt ganz allein die Story wirken.

Das Buch ließ mich nicht los. Es hielt mich in seinem Bann. Ich war mit meinen Gefühlen und meinem Herzen bei ihm.
Es wäre falsch zu sagen, dass ich Spaß mit „54 Minuten“ hatte. Aber ich habe geliebt, es zu lesen.
Aber so insgesamt, wäre ich gern noch ein wenig mehr überrascht oder geschockt worden. So seltsam es klingt, das Buch hätte mir mehr das Herz brechen sollen. Nur deswegen ziehe ich ein ganz kleines bisschen bei der Bewertung ab.

Marieke Nijkamp – 54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe
Originaltitel: This is Where it Ends (Januar 2016)
FISCHER FJB, 21. September 2017
ISBN: 3841440169
331 Seiten
Broschiert, 14,99 Euro

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