Dan Vyleta – Smoke

Stell dir vor, deine dunklen Gedanken könnten sichtbar werden…

England, Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Welt, die von einem besonderen Phänomen geprägt ist: Jede Bosheit, Unaufrichtigkeit oder Lüge manifestiert sich als Rauch, der unkontrollierbar dem Körper entweicht. Nur Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, wagen es, die Gesetze des Rauchs zu hinterfragen. Sie stoßen auf ein düsteres Komplott aus Willkür, Macht und Unterdrückung und müssen schon bald um ihr Leben fürchten… (Klappentext)

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, keine Rezensionsexemplare mehr anzufordern, weil ich noch einige zuhause habe. Aber dann kam die Information zu „Smoke“ und ich konnte nicht widerstehen. Das Buch klang zu gut.

Die Idee ist einfach klasse. Böse Gedanken, Lügen, Neid, alles entströmt den Menschen als Rauch. Mal ist er dicker, mal dünner, mal heller, mal dunkler. Doch immer können die Mitmenschen ihn lesen wie Gedanken, die sich von einem Menschen in den anderen übertragen. Schlechte Dinge können nicht mehr verheimlicht werden. Doch der Rauch schafft auch eine Zweiteilung in der Gesellschaft. Die armen Menschen, die Arbeiter, rauchen. Die Reichen und Mächtigen zeichnen sich durch fast vollständige Rauchlosigkeit aus. Thomas und Charlie, Kinder aus reichem Hause, wohnen in einem Internat unter Ihresgleichen. Doch die Weihnachtsferien, die sie bei Thomas Familie verbringen, werden alles verändern. Wie sie den Rauch sehen, wie sie die obere Gesellschaft sehen, wie sie ihr Leben sehen.

Schnell ist man inmitten der Geschichte, schnell passieren große Dinge, schnell ist es langweilig.
„Smoke“ hat 618 Seiten und peitscht einen in der Zeit durch viele Gegebenheiten. Erst passiert einiges im Internat, dann im Weihnachtsurlaub und ab da wird es eigentlich erst richtig hektisch. Doch leider kommt dabei zu keiner Zeit Spannung auf. Und das ist wohl das Dramatischste an der ganzen Lektüre. Es gibt so viel zu sehen, so viel passiert und ich langweilte mich da so durch.
Klar, das Buch ist offiziell kein Thriller oder Krimi, wo das Thema Spannung ganz oben stehen würde, aber nicht mal der düstere Komplott, den der Klappentext verspricht, versprüht irgendeine Art von Gefahr oder Nervenkitzel.
Natürlich passieren schreckliche Dinge, gefährliche Sachen. Aber diese kommen so unvermittelt, dass sich vorher keine Spannung aufbaut und dann werden sie so sehr ausgewalzt, dass es das alles auch nicht besser macht.

Als das Beste empfand ich weiterhin die Grundidee an sich. Es animierte mich sogar in der Anfangszeit des Buches, ab und zu zu denken: „Wäre dieser Gedanke, dieses Wort, diese Tat nicht auch Rauch wert gewesen?“. „Smoke“ brachte mich also anfänglich wirklich zum Nachdenken.
Doch umso länger das Buch wurde, umso weniger reizvoll wurde die Thematik, denn sie entwickelte sich nicht. Es gab einige neue Erkenntnisse zum Rauch, aber es brachte weder die Figuren noch den Leser wirklich voran.
Und letztendlich bleiben die großen, essentiellen Fragen zum Rauch ungeklärt. Das enttäuschte mich.

Oft schafft ein Buch es ja, mich trotz wenig Spannung von sich zu überzeugen, wenn die Figuren und die Sprache mitreißend sind. Doch leider schneidet in diesem Bereichen „Smoke“ auch sehr schlecht ab.
Die Figuren waren alle schwer zu fassen. Besonders nah war man an den beiden Hauptfiguren, den Jugendlichen Thomas und Charlie, dran. Thomas ist hart und distanziert, doch Charlie ist offen, ehrlich, herzlich und gütig. Er ist also der Kandidat, den die Leser spontan am meisten mögen können. Doch Dan Vyleta schaffte es zielsicher, die einzige – für mich – sympathische Person im Laufe des Buches auch verkommen zu lassen. Die Nebenfiguren sind durch die Bank nicht der Rede wert. Gemein, verlogen, gefährlich, arrogant – Sympathie kam bei mir nie auf.
Zusätzlich schwierig war, dass das Buch zum größten Teil in der dritten Person geschrieben ist. Wenige Kapitel sind aus der Sicht einer Figur geschrieben – dann in der Ich-Form. Aber weder sind das ausschließlich die Hauptfiguren noch macht es die jeweilige Person sympathischer.

Sprachlich hat es mir das Buch noch schwerer gemacht. Unnötig verkomplizierte Satzkonstruktionen stören oft den Lesefluss. Beschreibungen der Umgebung sind überladen mit Aufzählungen.
Da viel passiert im Laufe der Geschichte, kommen unsere Hauptfiguren an viele verschiedene Orte, zum Beispiel ein Bergwerk. Vyleta scheint sich damit, aber auch mit anderen Dingen, sehr ausgiebig beschäftigt zu haben und nutzt vollumfänglich das jeweils passende Vokabular. Dass der Leser dabei nicht immer mit allem vertraut sein wird, scheint für den Autoren Nebensache zu sein. Klarer Fall von: Er hat sich sehr bemüht, alles perfekt zu beschreiben. Leider schlägt sich das negativ auf das Lesevergnügen nieder.

Ich habe fast zwei Monate für „Smoke“ gebraucht. Ich hatte es extra direkt nach dem Erhalt angefangen, um ein Rezensionsexemplar nicht lange liegen zu lassen. Doch dann wurde mir das Lesen so wahnsinnig schwer gemacht.
Gute Idee, aber langweilige Geschichte, unsympathische Figuren und kein flüssiger Schreibstil. Als würde das nicht schon reichen, wurden die drängendsten Fragen der Geschichte nicht beantwortet. Praktisch: Das Ende reihte sich perfekt in das enttäuschende Buch ein.
Allein wegen der guten Idee, gibt es .

Dan Vyleta – Smoke
Originaltitel: Smoke (Juli 2016)
carl’s books, 13. März 2017
ISBN: 3570585689
618 Seiten
Broschiert, 16,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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Renate Eckert – Novemberfeuer

Eckert_Novemberfeuer

Im Elite-Internat Wetterstein bei Schweinfurt wagt die Deutschlehrerin Franziska nach einer gescheiterten Ehe einen Neubeginn. Ihre 16-jährige Tochter Hannah ist alles andere als begeistert von dem Umzug in das alte Schloss.
Franziskas erfolgreicher Neustart wird jäh gestoppt, als einer ihrer Schüler vom Turm des Schlosses stürzt. War es Selbstmord? Mord? Hat sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt? Die Polizei ermittelt.
Franzsikas Glaubwürdigkeit, ja ihr ganzes neues Leben sind in Gefahr. Bei ihren Nachforschungen gerät sie in ein Labyrinth aus persönlichen Konflikten, dubiosen Machenschaften im Lehrerkollegium und sorgsam gehüteten Geheimnissen. Und ein mysteriöser Unbekannter kommt ihr und ihrer Tochter immer näher… (Klappentext)

Ich kann es nicht oft genug erwähnen: Mit zwei Büchern aus dem Hause „mainbook“ hatte ich schon sehr viel Spaß. Nach „Das Ende vom Lied ist kein schlechter Anfang“ und „Schattentour“, hoffte ich auf ein Weiterführen der Glückssträhne mit „Novemberfeuer“.
Das Internatsthema sprach mich sofort an. Ich fühlte mich in meine Kindheit und Jugend zurückversetzt. Warum auch immer. Ich war nämlich weder in einem Internat, noch habe ich damals Bücher, die dort spielen, gelesen. Aber egal, ich war sehr gespannt. Vor allem stehe ich auch einfach auf Psychothriller.
Die Ausgangssituation war also äußerst vielversprechend.

Die Story wurde dann sehr langsam eingeführt. Es dauert nicht lang, bis Franziska ihre Stelle im Internat Wetterstein antritt, doch dann wird dem Kennenlernen sehr viel Zeit eingeräumt. Man lernt ihre „Familie“ – also die Schüler, für die sie die Verantwortung hat – kennen, die Lehrer und die allgemeine Situation zwischen all den Personen.
Erst genau bei der Hälfte des Buchs stürzt der Schüler vom Turm. Bis dahin war wenig vom „Psychothriller“ zu sehen. Doch auch danach fehlte der Thrill. Denn auch wenn tatsächlich Gefahr für Franziska bestand, waren ihre Nachforschungen bei Weitem nicht so tiefgreifend, wie ich gedacht hätte. Alles blieb ein wenig oberflächlich.

Die Spannung war also so gut wie nicht vorhanden. Vor allem, da die Hinweise im Buch mit dem Holzhammer geliefert wurden, war mir schon am Anfang des Buches klar, wer später als der oder die Böse präsentiert wird.
Insgesamt empfand ich das Buch also keineswegs als Psychothriller.

Die Figuren wurden alle sehr gut eingeführt und trotz der schieren Menge an Lehrern und Schülern kann man sie relativ gut auseinanderhalten. Dazu hat sich die Autorin den einen oder anderen Kniff ausgedacht, der es dem Leser einfacher machte.
Trotzdem konnte ich weder zu der Hauptfigur Franziska, noch zu ihrer Tochter, ihren Schülern oder irgendeiner anderen Figur eine Verbindung aufbauen. Alle blieben auf Distanz und auch wenn Innenansichten geliefert wurden, blieben die Figuren kühl.
Da half es auch nichts, dass das Buch ab und zu mal aus der Perspektive einer anderen Figur als Franziska geschrieben wurde.

Wenn mich nun also die Idee der Geschichte überzeugte, blieb die Umsetzung doch ziemlich fad und auch die Figuren überzeugten mich nicht.
Was aber alles noch viel, viel schlimmer machte, war die Sprache. Auf jeder einzelnen Seite schüttelte ich genervt den Kopf.

Renate Eckert ist 1946 geboren, war also beim Schreiben des Buches schon fast 70 Jahre alt.
Ich könnte wetten, dass sie eine sehr intelligente, belesene Frau ist und das merkt man an jeder Ecke des Buches. Es passt aber einfach nicht. Franziska, die Mitte 40 ist, redete und dachte schon sehr altmodisch, aber auch den Jugendlichen hat sie keine wirklich moderne Sprache geben. Ein einzelnes „Also chille runter, Mum.“ (S. 194) machte es fast noch ein wenig peinlicher.
Insgesamt wirkte die Sprache verkrampft, gestelzt, unmodern und zwanghaft nach Synonymen suchend. Bei Dialogen gab es keinen natürlichen Fluss.
Allein auf den ersten paar Seiten gab es schon unangenehme Ausdrucksweisen:

• „eine Spur einstiger Grandezza“ (S. 7)
• „eine lebhaft geführte Debatte“ (S. 12)
• „sein Augenspiel war weit entfernt gewesen von einem Flirt“ (S. 12)
• „sie […] maßregelte sich ernsthaft“ (S. 12)
• „Die Art von Schuhen werde ich mir wohl abgewöhnen müssen […], argwöhnte sie“ (S. 14)
• „mir das Arrangement durch den Kopf gehen zu lassen“ (S. 18)
• „Franziska nahm die dargebotene Hand“ (S. 19)
• „‘ Danke Frau Mettmann‘, beschied sie der Direktor“ (S. 20)

Und wenn später von Bangigkeit, laut palavernden Menschen, einer frechen Leinentunika und Gardinenpredigten gesprochen wird, bleibt die Sprache unangenehm.
Für mich wirkte sie sich auch negativ auf den Inhalt aus, weil er mir so weniger Spaß machte, und auch auf die Figuren, da ich mich mit so unnatürlich sprechenden Menschen nicht identifizieren kann.

Bis zum Ende fragte ich mich auch, warum das Buch nun „Novemberfeuer“ heißt. Es ging weder um Feuer, noch explizit um den November.

Fehlender Thrill, distanzierte Personen und unangenehme Sprache. Leider konnte mich „Novemberfeuer“ so gar nicht begeistern. Die Story war nicht mal schlecht, anders geschrieben, wäre sie sicher interessant gewesen. Nicht unbedingt sehr viel spannender, dazu war die erste Hälfte des Buches allein schon zu lahm, aber doch sicher gut zu lesen.

So fand ich das Buch – ganz abgesehen von der Sprache – nett, aber leider nicht mehr. Da hilft es auch nicht, dass mein Lieblingsautor Sebastian Fitzek das Buch als „intelligente, spannende Unterhaltung“ lobt. 2 Sterne

Renate Eckert – Novemberfeuer
mainbook, 30. April 2016
ISBN 394641303X
229 Seiten
Taschenbuch; 10,70 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Henry Miller – Opus Pistorum

Miller_Opus Pistorum

»Henry, der Geld brauchte, schlug mir vor, er werde für mich verkäufliche Texte schreiben. Ich bot ein Honorar von einem Dollar pro Seite, dafür erhielt ich alle Rechte… Ich bezahlte immer bar, wie ausgemacht. Nach wenigen Monaten ergaben die angesammelten Seiten ein komplettes Buch, dem er den Titel OPUS PISTORUM gab.« Milton Luboviski (Klappentext)

Alf ist um die 40 Jahre und lebt als Amerikaner in Paris. Sein Beruf: Journalist. Seine Berufung: Frauenvernascher.
Mit seinen Freunden Arthur, Ernest und Sid zieht er durch die Stadt der Liebe und nimmt sich eine Frau nach der anderen. Doch sein großes Glück ist: auch sie wollen alle. Nur selten hat er Schwierigkeiten. Doch die löst er schnell durch Vergewaltigung.
Man verfolgt Alf in einem Jahr voller Sex.

Das Buch wurde posthum von dem Buchhändler Milton Luboviski veröffentlicht und so bekam Henry Miller den Skandal um dieses Werk nicht mehr mit.
Doch gewundert hätte er sich nicht, war doch sein Buch „Wendekreis des Krebses“ 27 Jahre in den USA verboten. Dies geschah noch während seinen Lebzeiten. Erst nach der Aufhebung des Verbots 1961 erlangt Miller mit fast 70 Jahren verspäteten Erfolg.
Opus Pistorum war von 1988 bis 1993 in Deutschland indiziert.

Das Buch besitzt nur sehr grob eine Rahmenhandlung. Hauptsächlich werden die Geschehnisse durch wiederkehrende Personen zusammengehalten.
Insgesamt dreht sich das Buch aber nur um Sex: Sex mit Prostituierten, Sex mit Lesben, Sex mit Bekannten, Sex zwischen Eltern und Kindern, Sex zwischen einer Zwergin und einem Hund, Dreier, Vierer, Orgien. Henry Miller lässt keine Wünsche offen.

Ich war sehr gespannt auf das Buch. Ich wollte sehen, wie skandalös der Inhalt ist. Antwort: Sehr. Vor allem die Szenen mit Kindern, Vergewaltigungen und Inzesthandlungen könnten für viele Leser schwierig sein.
Es ist definitiv kein Buch, bei dem man denkt: „Ja, als es vor über 70 Jahren geschrieben wurde, war es noch skandalös, aber heute ist das normal…“. Auch für heutige Verhältnisse enthält das Buch mehr Straftaten und Tabus als man auf den 327 Seiten erwarten würde.

Trotz des pikanten Inhalts und der derben Sprache schaffte Miller eine seltsam nüchterne Atmosphäre. Ich konnte mich nie mit dem Geschehen identifizieren, nie war ich mehr als Zuschauer.
Auch wenn manche Geschichten sicher prickelnd waren, so war ich schnell gelangweilt.
Sind wir ehrlich: So wahnsinnig viele Arten Sex zu haben gibt es nicht. Und auch wenn Henry Miller sicherlich alles rausgeholt hat, was ging, gab es unglaublich viele Wiederholungen. Kanntest du eine Geschichte, kanntest du alle. Nur die Personen und Umstände änderten sich, die Art Sex zu haben blieb meist dieselbe.
Durch die immer gleichen Situationen gab es zusätzlich auch die immer gleichen Formulierungen.

Insgesamt fehlte mir einfach die Handlung. Mich reizte es nicht, eine Sexorgie nach der anderen zu lesen. Nach den ersten drei oder vier Geschichten, die ich staunend las und mich fragte, in was Alf wohl als nächstes hineinschlittert, war auch dieser Spaß verflogen.
Ich langweilte mich dann durch die letzten Dreiviertel.

Ich war jedoch nie angeekelt oder durch die Perversionen abgestoßen. Das Buch schafft es also trotz des Inhalts ein gewisses Niveau zu halten.
Trotzdem hatte ich nicht allzu viel Spaß mit dem Buch: 2 Sterne.

Henry Miller – Opus Pistorum
Originaltitel: Opus Pistorum (1983)
Axel Springer SE, 1. Oktober 2012 (Neuauflage; Original: 6. November 1986)
ISBN 3942656434
327 Seiten
Gebunden; 9,99 Euro

Franziska Wolffheim – Zweistein oder das Brummen der Welt

Wolffheim_Zweistein oder Das Brummen der Welt

Auf den ersten Blick scheint Zweistein ein ganz gewöhnlicher Kater: Er döst gerne in der Sonne, streift durch sein Revier, nimmt gnädig die Gunstbeweise seiner Besitzerin Frau Fourgé entgegen. Aber Zweistein ist auch ein Kater mit ziemlich viel Verstand. Er möchte den Dingen auf den Grund gehen und macht sich über dieses und jenes auf unserer Welt so seine Gedanken. Dabei kommt er auf erstaunliche Ideen. (Klappentext)

Ich liebe Bücher, die kurz und lustig sind.
Mit seinen 136 Seiten erfüllte „Zweistein oder Das Brummen der Welt“ definitiv die erste Anforderung. Ob die zweite auch zutrifft, hieß es herauszufinden. Und wenn schon nicht lustig, dann hoffte ich auf geistreich oder philosophisch. Das schien mir der Klappentext immerhin zu versprechen.

ZweisteinDas Buch besteht aus 50 kleinen Geschichten über das Leben und die Gedanken von Kater Zweistein.
Zeichnungen und Besonderheiten in der Typografie stellten immer wieder einen Bezug zu den Kapiteln her.

Die Geschichten waren wenigstens eine und höchstens vier Seiten lang und hingen untereinander nicht zusammen.
Das ist schon das Erste, was ich schade finde. Ich hätte mich über einen roten Faden gefreut. Manche andere Katzen und Nachbarn kamen zwar öfter vor, aber selten als aktive Figuren. Sie waren meistens Teil von Zweisteins Gedankengängen. Ich hatte gehofft, dass es im Hintergrund zusammenhängende Geschichten gibt, die das Geschehen vorantreiben.

Viel wichtiger ist aber eher, ob das Buch witzig ist. Dazu gibt es von mir ein klares Nein. Ich konnte nicht lachen.
Dann hoffte ich wenigstens auf philosophische Ansätze, aber auch die gab es nicht. Ja, Zweistein macht sich viele Gedanken, aber es sind eher Fragen zu bestimmten menschlichen Gewohnheiten oder allgemeinen Beobachtungen. Warum tauschen Menschen Kleidung um? Kann Mozart mal zu Besuch kommen? Leben Fliegen entspannter, weil sie sich nicht ärgern? Ist eine Käsescheibe eine Schatzkarte und hat deswegen so viele Löcher?
Ich konnte mit diesen Überlegungen wenig anfangen. Es machte mir keinen Spaß, sie zu lesen. Sie waren nämlich nicht wirklich geistreich (und einfach auch nicht witzig).

Die Sprache an sich war weder überaus klug, noch überaus einfach. Sie ist kein bisschen besonders. Sie ist einfach nur vollkommen normal.

Im Prinzip hätte ich mich mit all dem arrangieren können, wenn ich Zweistein sofort in mein Herz geschlossen hätte. Aber auch das ging nicht. Er war nicht unsympathisch, aber auch nicht sympathisch. Er war als Erzähler und Gedankenmacher einfach da. Ich konnte keinerlei Verbindung zu dem Tier aufbauen. Ich fand ihn nicht niedlich, habe mich aber auch nicht über ihn aufgeregt. Er war für mich wie die Sprache: vollkommen durchschnittlich.

Ich habe das Buch zugeschlagen und konnte für mich nichts mitnehmen. Ich hatte weder Spaß an den Figuren, noch an der Sprache. Die kleinen Geschichten und Fragen zum Alltag haben mich auch nicht zum Nachdenken animiert.

Ich finde es wirklich schade, denn aus dem Ansatz ist sicher mehr herauszuholen. Katzen haben so viele Eigenarten und aus ihrer Sicht machen Menschen sicherlich seltsame Sachen. Doch in der Darstellungsweise von „Zweistein oder Das Brummen der Welt“ plätscherte all das dahin und war – zumindest für mich – leider nicht interessant.

Weil ich das Buch nicht abbrechen musste und die einfache Schreibart das schnelle Beenden begünstigte, vergebe ich 2 Sterne.

Franziska Wolffheim – Zweistein oder das Brummen der Welt
Albrecht Knaus Verlag, 10. März 2015
ISBN 381350610X
136 Seiten
Gebunden; 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Carolyn Mackler – Sommer in New York

Mackler_Sommer in New York

Ich beäugte Eli verstohlen. Er hatte echt schöne Augen. Blau, mit langen dunklen Wimpern. Doch dann schaute er zu mir herüber. Ich tat, als sei ich völlig von dem Umschlag des Bildbands gefesselt.

Broadway, Times Square, Central Park ¬– wer würde nicht gern in New York wohnen? Sammie allerdings könnte gut darauf verzichten. Doch als ihre Eltern eine Trennung auf Zeit beschließen, muss sie mit ihrer Mom in die Großstadt ziehen. Immerhin darf ihr geliebter Labrador Penny mit. New York ist echt das Letzte, findet Sammie. Doch dann trifft sie die schräge Phoebe. Und der stille Eli ist vielleicht doch gar nicht so ein Spinner, wie Sammie zuerst dachte. Irgendwie hat dieser Sommer in New York auch seine guten Seiten. (Klappentext)

Ich finde es immer etwas traurig, wenn der Klappentext im Prinzip schon alles verrät, was im Buch vorkommt.
So ist es auch bei diesem Buch, das mir mein Freund als „Blind-Date-Buch“ schenkte.

Gleich zu Beginn setzt sich Sammies Vater zu ihr und erklärt, dass die Eltern sich vorerst trennen wollen. Damit gerät ihre Welt, wie sie sie kannte aus den Fugen. Vor allem ändern sich komplett die Pläne der Familie. Sie ziehen nicht alle drei zusammen nach Kalifornien, wo der Vater ein Forschungsjahr verbringen will. Er wird allein umziehen und Sammies Mutter nimmt die Tochter mit nach New York.

Dort versinkt die Mutter, Rose, in ihrer Trauer und Sammie muss ihre Rolle einnehmen und dabei auch noch mit ihrer eigenen Situation fertigwerden.
Und dann ist da noch ihre beste Freundin, mit der sie sich auch schon ohne diese Entfernung auseinander zu leben scheint.

Schon die Thematik zeigt, dass das Buch sich an die etwas jüngere Leserschaft richtet und auf dem Buchrücken wird das Lesealter mit „ab 12“ beschrieben.
Vielleicht lag es deswegen, vielleicht daran, dass es kein wirkliches Ziel in der Geschichte gab: Ich war gelangweilt. Ich brauchte gut drei Monate für die 200 Seiten und das vorrangig deswegen, weil mich nie wirklich interessierte, wie es weiter ging. Die Geschichte plätscherte so vor sich hin und die spannenden Dinge geschahen erst auf den letzten 20 Seiten und waren damit auch viel zu kurz.

Leider merkt man die junge Zielgruppe nicht nur an der Thematik, was grundsätzlich kein Problem für mich wäre, sondern häufig auch am Schreibstil. Nicht selten hatte ich das Gefühl, ich würde einen Schüleraufsatz lesen. Die Sprache war mir teilweise wirklich zu einfach.

Auch mit den Figuren konnte ich mich leider sehr schlecht anfreunden. Sammie, die heir die Ich-Erzählerin ist, steckte mitten in der Pubertät und kämpfte die meiste Zeit gegen zwei Dinge: Ihre Eltern und ihre Selbstzweifel.
Die Muttertat mir zwar leid, aber das Zerfließen in Selbstmitleid und Depressionen war mir zu exzessiv ausgelebt. Vor allem, da sie die sechszehnjährige Sammie so sich selber in der neuen Stadt überließ.
Nur Phobe, die Sammie auf der Hundewiese kennenlernte, schloss ich mit ihrer aufgeschlossenen Art schnell ins Herz.

Insgesamt konnte mich das Buch leider nicht so recht überzeugen. Durch die Kürze wurde alles eher oberflächlich abgehandelt, die Sprache war zu einfach und die Figuren in der Gesamtheit entweder zu distanziert oder zu unsympthisch.
Ich kann nur 2 Sternegeben.

Carolyn Mackler – Sommer in New York
Originaltitel: Love and Other Four-Letter Words (2000)
Carlsen, Juni 2014
ISBN 3551313326
205 Seiten
Taschenbuch; 6,99 Euro

Daniel Glattauer – Ewig Dein

Glattauer - Ewig DeinIch habe drei Wochen für dieses 220-Seiten-Buch gebraucht und das kam nicht von ungefähr.
Ich hatte „Ewig Dein“ schon auf meiner Wunschliste stehen, seit es erschienen ist und als ich es dann in einer Mängelexemplar-Auslage fand, griff ich sofort zu.
Ich hatte mir so viel davon versprochen, denn der Inhalt gefiel mir:

Wenn der Traumprinz zum Alptraum wird…
Im Supermarkt lernt Judith, Mitte dreißig und Single, Hannes kennen: Architekt, ledig und in den besten Jahren. Hannes ist nicht nur der Traum aller Schwiegermütter – auch Judiths Freundeskreis ist restlos begeistert. Und anfangs ist sie das ja auch… (Klappentext)

Thematisch hat mir die Wandlung von dem Traummann zum Stalker gefallen und stellenweise war das Buch wirklich spannend.
Ich gruselte mich bei den psychologisch geschickten Schachzügen von Hannes und es fiel mir an der einen oder anderen Stelle schwer weiterzulesen, weil die Thematik so aus dem Leben gegriffen ist und einen definitiv ängstigen kann.
Trotzdem ertappte ich mich selber dabei, dass ich Judiths Angst in Frage stellte und nicht mehr ganz durchschauen konnte, ob sie sich das alles eher zusammenphantasiert oder ob von Hannes wirklich Gefahr ausgeht.

Unterteilt ist das Buch in 15 Phasen, die dann jeweils kurze Unterkapitel haben, die immer eine länge von ein bis vier Seiten haben.

Leider waren das die einzigen positiven Punkte.

Schon in der ersten Phase verschreckte mich das Buch mit einer Sprache, die ich so noch nicht gelesen habe. Sie war hektisch, abgehackt, wirr. Ich hatte furchtbare Angst, dass das ganze Buch so geschrieben ist.
Ab Phase zwei wurde es dann zum Glück besser. Es las sich dann flüssiger und zusammenhängender, aber begeistert war ich auch da nicht. Eine gewisse Anstrengung blieb beim Lesen.

Was mir im Zusammenhang mit der Sprache aber noch Schwierigkeiten bereitete, war die österreichische Art zu sprechen. Es war prinzipiell alles in Hochdeutsch geschrieben, auch die Dialoge, aber die Präpositionen waren oft so ganz anders, als ich es sage und auch einige Worte waren für meine Ohren ungewöhnlich. So etwas reißt mich dann immer aus dem Lesefluss.
Und dass das „Lehrmädchen“ immer „Mädel“ genannt wurde und alles „volle arg“ fand, nervte mich auch.

Mit den Figuren wurde ich auch schlecht warm. Es gab wenig Dialoge in dem Buch und somit blieben gerade die Nebenfiguren farblos.
Von Judith erfuhr man viel, vor allem von ihrem Innenleben. Trotzdem fand ich keine Verbindung zu ihr. Sie war mir zu kühl und durchdacht, als dass ich mein Herz an sie hätte binden können. Vor allem auch die anfängliche Begeisterung wegen Hannes konnte nicht so recht vermittelt werden.
Hannes, seine Gefühle und Taten standen neben denen von Judith im Fokus. Den mochte ich aus gegeben Umständen aber noch weniger.

Heikel fand ich bei den Figuren auch, wie die besten Freunde und Familie von Judith sich von ihr immer mehr abwandten, ihr nicht glaubten, ihre Sorgen nicht ernst nahmen und Hannes blindlings vertrauten.
Es regte mich förmlich auf, wie man der Intuition einer klugen und psychisch bisher unauffälligen Freundin misstrauen kann und ihr jeglichen Verdacht abspricht.

Das Ende wartete tatsächlich noch mit einer Überraschung auf, die bei mir ziemlich viele Fragen aufwarf.

Alles in allem bin ich bei Weitem nicht so zufrieden mit dem Buch, wie ich es gehofft hatte.
Die Thematik hat mich fasziniert, aber die Sprache, die Figuren und die eigentümliche Logik vieler Personen hat mich abgeschreckt.
Durch den anstrengenden Schreibstil musste ich das Buch auch nach wenigen Seiten immer wieder weglegen, weil es keinen Spaß brachte.
Allein für die Geschichte und das unterbewusste Grauen gibt es: 2 Sterne.

Daniel Glattauer – Ewig Dein
Goldmann Verlag, Januar 2014
ISBN 3442478812
220 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Sascha Arango – Die Wahrheit und andere Lügen

Arango_Die Wahrheit und andere Lügen

Henry ist ein erfolgreicher Schriftsteller. Er ist elegant, großzügig und sehr gefährlich. Henry führt ein angenehmes Leben – bis seine Geliebte ihm eröffnet, dass sie ein Kind von ihm erwartet. Nun müsste er seiner Frau alles erzählen. Aber muss er ihr wirklich alles sagen? Einfacher ist es, die Geliebte aus dem Weg zu räumen. Doch genau dabei passiert Henry ein fatales Missgeschick. (Klappentext)

Der Titel ist hier Programm. Henry lügt und betrügt, wo er nur kann und selbst die Wahrheit verdreht er so sehr, bis sie als solche nur noch schwer zu erkennen ist.
Das machte es mir auch so schwer, mich in Henry hineinzuversetzen. Er ist kein sympathischer Charakter, er hält den Leser ebenso wie die Menschen um sich herum auf Distanz.
Doch auch zu den anderen Figuren habe ich keine Bindung aufbauen können. Sie hatten alle Verhaltensweisen und trafen Entscheidungen, die mir unlogisch erschienen.

Doch nicht nur das war unlogisch, auch die Geschichte an sich machte es mir ab zu schwer, ihr zu folgen. Es mag an den Lügen gelegen haben und einfach an der grundsätzlichen Uninteressantheit, dass ich mir gar nicht alles merken wollte und mir dann beim weiteren Lesen einige Details wieder fehlten.
Natürlich, der fatale Fehler, den Henry beging, der war überraschend für mich. So überraschend, dass ich einen lauten, schockierten Ruf ausstieß und dann „Really?!“ fragte.
Aber das war auch das Spannendste am ganzen Buch. Ab da verlief es relativ vorhersehbar.
Hier und da noch eine kleine Wendung, aber nichts, was mich noch schocken konnte. Am Ende traute ich Henry eh alles zu.

Auch die Sprache vereitelte mir meinen Lesespaß. Oft klang es so, als würde Herr Arango gezielt Fremdwörter oder fremdsprachliche Ausdrücke einfließen lassen, um das Buch nicht allzu banal erscheinen zu lassen. Immer öfter dachte ich, dass hier ein Autor bei seinem Debüt gleich versucht große Literatur zu schaffen.

Ich hatte gehofft, menschliche Abgründe zu sehen und verwirrenden Pfaden folgen zu müssen in diesem Buch, aber für mich war Henry zu „klischee-böse“. Er ist für mich kein menschlicher Abgrund, sondern eher ein notorischer Lügner, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht und dazu kaltherzig ist.
Darüber hinaus blieben schlussendlich viel zu viele Fragen offen, die im Laufe des Buches eine große Rolle zu spielen schienen. Ich für mich konnte so bis zum Ende nicht wirklich klären, wer Henry ist, was ihn ausmacht, was er fühlt und warum er ist, wie er ist.

Immer wieder dachte ich: Wenn jemand, der ganz selten liest, sagt: „Heute lese ich mal ein Buch!“, dann würde es genau das sein. Seichte Story, flache Charaktere, nichts, was lange im Gedächtnis bleibt. So stelle ich mir diese Einsame-Berghütte-vor-Kamin-mit-Wein-„Heute mal ein Buch-„Leser vor.
Herr Arango ist Drehbuchautor und hat auch schon ein paar Tatorte geschrieben. Ich habe noch nie einen Tatort gesehen, aber mein Gefühl sagt mir, dass er lieber dabei bleiben sollte. 2 Sterne

Sascha Arango – Die Wahrheit und andere Lügen
C. Bertelsmann Verlag, 3. März 2014
ISBN 3570101460
299 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro

Frank-Thomas Kirchberg – Die goldene Kastanie

Kirchberg_Die goldene KastanieBei einem starken Gewitter verirrt sich Prinzessin Selina im Wald. Als sie irgendwann in eine trockene Höhle gelangt, steht plötzlich die Fee Jeraldine vor ihr und befiehlt ihr das Herz des Waldes, die goldene Kastanie wiederzubeschaffen. Sie wurde gestohlen und solange sie nicht wieder da ist, stirbt der Wald langsam ab.
Nur wenn Selina sich bereit erklärt die Kastanie zu suchen, findet sie einen Weg aus dem Wald. In ihrer Not trifft sie Graf Waldemar, der sich ebenfalls plötzlich verirrt im Wald wiederfindet. Zusammen mit ihm, der Magd Elsbeth und dem Knecht Johann versucht sie den Wald zu retten.
Doch Waldemar hat auch noch seine eigenen Probleme, die in Form von Richter Adelbert auftreten…

Graf trifft Prinzessin, Gestohlenes muss wiedergeholt werden, Schatzsuche, Verfolgungsjagd… In dem Buch finden sich altbekannte Motive, ein bisschen vermisse ich etwas Neues und Unbekanntes. Aber nichtsdestotrotz könnte auch daraus etwas richtig Gutes gemacht werden.
Könnte…

Der Autor sagt über sein Buch: „Meine Geschichte können sowohl Kinder, wie Jugendliche lesen, als auch genauso Erwachsene. Es ist sowohl ein Märchen, als auch eine Fantasy-Abenteuergeschichte mit ökologischem Touch.“
Märchen? Nun ja, ich glaube, es sind alle Anforderungen (Die Wikipedia der Bloggerin, die offensichtlich zu lange aus dem Deutschunterricht raus ist, freiwillig genannt hat) an ein Märchen erfüllt. Es ist ein Prosatext, die von wundersamen Begebenheiten erzählt. Es ist frei erfunden,die Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt und es gibt phantastische Elemente.
Ansonsten sind auch meine persönlichen Märchen-Bedingungen erfüllt: Es gibt Burgen, Adlige auf Pferden, die der Prinzessin helfen, Feen, Gute, Böse… Passt also.
Aber ob eine einzige Fee gleich ein „Fantasy“ ausmacht und ein Ritt durch einen Wald eine „Abenteuergeschichte“ möchte ich ein bisschen bezweifeln.

Auch die Beschreibung, dass die Geschichte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geeignet ist, macht mir ein bisschen Bauchschmerzen. Für mich passt das Buch nämlich zu keiner Gruppe so wirklich. Für Kinder ist der einfache Stil der Geschichte sicher gut geeignet. Es wird gradlinig erzählt, es gibt bekannte Märchen-Elemente und eine Rettungsgeschichte ist einigermaßen interessant. Dafür empfinde ich die Sprache für Kinder vollends ungeeignet. Zu viele altertümliche Wendungen und Begriffe. Ich habe mir ab und zu vorgestellt, wie ich diese Geschichte einem Kind vorlesen würde und sah oft fragende Augen vor mir und Erklärungen, die den Lesefluss unterbrachen.

So mancher Satz wirkte gewollt hochtrabend ausgedrückt und wirkte deswegen sonderbar:

„[…]sie hatte schon lange keinen trockenen Faden mehr am Leib.“
„’ Das ist wohl gesprochen’, sagte die Fee Jeraldine.“
„’ Dieser Richter Adelbert ist ein ganz großer Bösewicht und er benimmt sich wie der allerschlimmste Flegel.’“
„Graf Waldemar und Prinzessin Selina sahen sich staunend an. Keiner von beiden fand Worte! Nach wie langer Zeit sahen sie sich wieder. Und auf welche Weise? Sie konnten es nicht glauben! Wie konnte so etwas nur geschehen?“ (Überhaupt gab es ständig rhetorische Fragen des Erzählers. Für mich definitiv zu viele.)
„Aber da war bereits Richter Adelbert da. ‚Abgefeimter Schurke!’, brüllte er den Grafen an.“
„So tafelten die beiden fürstlich!“

Für Jugendliche und Erwachsene war die Geschichte dann wieder zu einfach und unspannend dargestellt. Gerade dieses geradlinige, problemlose Erzählen macht es für diese Altersgruppen schwer. Es fehlte mir einfach eine gewisse Art von Komplexität. Ein paar mehr Seiten und Ausführungen hätten dem Buch nicht geschadet. Und die ein oder andere überraschende Wendung auch nicht.
Die Sprache machte es aber auch mir wirklich schwer und nicht selten musste ich die Augen verdrehen. Sie war kaum variabel. Wendungen und Wörter wiederholten sich in aufeinanderfolgenden Sätzen. Oft wirkte die Geschichte durch die Aneinanderreihung einfacher Sätze abgehackt. Andererseits gab es viele Komma- und Anführungszeichen-Fehler. Ein paar Mal fehlte ein ganzes Wort im Satz.

Am Ende passte für mich allerhand nicht zusammen.
Namen wie Elsbeth, Adelbert und Waldemar stehen in krassem Gegensatz zu Selina.
Moderne Ausdrücke und Worte mischen sich munter mit veralteten.
Das Versprechen einer Abenteuergeschichte passte nicht zu der einfachen Story.

Die Geschichte wurde 2007 als Hörspiel vertont. Ich glaube tatsächlich, dass das gut passt. Es gibt nur wenige Figuren, die Schimpftiraden des Richters kommen besser zur Geltung und wirken nicht so lächerlich wie beim Lesen. Mit ein paar einfachen Tricks lassen sich die Waldgeräusche gut nachahmen.
Ich glaube, als Vorlage für ein Hörspiel ist das Buch gut geeignet. Zum selber lesen eher nicht. 2 Sterne

Frank-Thomas Kirchberg – Die goldene Kastanie oder das Herz des Waldes
Kindle Edition, Januar 2014
69 Norm-Seiten (laut Autor)
eBook; 1,49 Euro

Debra Chapoton – Sommerfalle

Chapoton_Sommerfalle

Dein Sommer wird mörderisch.
Nach Abschluss der Schule beginnt für die 18-jährige Rebecca der Sommer ihres Lebens – glaubt sie. Doch dann gerät sie in einen Albtraum: Sie wird entführt und in einer Kammer eingesperrt, irgendwo in einem entlegenen Wald. Es gelingt ihr, sich zu befreien. Aber damit nimmt das Spiel ihres Entführers erst seinen Anfang. Denn bald erkennt Rebecca, dass der Unbekannte alles über sie weiß – und dass er jede ihrer Entscheidungen voraussehen wird… (Klappentext)

Ich habe ja öfter mal Probleme mit falschen Klappentexten oder mit solchen, die schon zu viel verraten. Den von diesem Buch finde ich eigentlich sehr gut gelungen. „Eigentlich“ weil die Kopfzeile dann doch ziemlich dramatisiert. „Dein Sommer wird mörderisch“ klingt mehr nach Thriller, als das Buch letztendlich ist. Formal erfüllt es die Kriterien schon, aber mir fehlte insgesamt dann doch der Thrill, der Nervenkitzel. Auch, wenn es „nur“ ein Jugendthriller ist, hatte ich mehr Spannung erwartet.
Mir gefällt jedoch nicht nur die Kopfzeile nicht, sondern auch das Cover und der Titel. Ich weiß gar nicht, wieso immer wieder so deutlich auf den Sommer hingewiesen wird. Hätte man mich im Nachhinein gefragt, hätte ich keine Jahreszeit wirklich ausmachen können. Gut, den Winter hätte ich ausgeschlossen, aber ansonsten wäre das Buch meiner Meinung nach zeitlich recht flexibel gewesen.
Sommerfalle Das Cover finde ich zwar schön, hat aber ansonsten keinerlei Bezug zum Inhalt. Wenn man nun ganz doll interpretieren will, kann man sagen, dass der Schmetterling und die Blüten Bezug auf die Natur nehmen und Rebecca ja in einem Wald festgehalten wird, aber das ist mir dann schon wieder zu weit gedacht.
Dass sich das Schmetterlingsthema dann aber durch das ganze Buch zieht, gefällt mir wieder. An jedem Kapitelanfang ist ein großer Schmetterling und zwischen verschiedenen Absätzen immer ein kleiner.

Die Idee des Buches hat mir gefallen und sie hatte sehr viel Potenzial. Ein junges Mädchen wird entführt und in einen stockdunklen Verschlag gebracht. Dort wacht sie auf, ohne zu wissen, wie sie dort hingekommen ist und nach ihrer Befreiung beginnt ein Wettlauf gegen den Entführer. Dabei ist er ihr mit seinen detaillierten Plänen jedoch immer einen Schritt voraus.
Hier hätte beim Leser viel Aufregung und Angst geschürt werden können. Bei mir kamen diese Gefühle aber nie an. Die Geschichte plätscherte vor sich hin und ich verfolgte sie nur mäßig interessiert.
Gefallen hat mir aber der Verlauf von Rebeccas Flucht. Es war von dem Entführer alles sehr genau geplant, es war aber auch viel Zufall mit ihm Spiel, wo Rebecca nun lang geht und was sie dort macht. Da manches auch schief ging, wirkte es in den Buch nicht so konstruiert, wie es hätte sein können. Der Ablauf war also erfreulicherweise nicht unlogisch.

Dass ich mit dem Buch nie so richtig warm geworden bin, liegt an drei wesentlichen Faktoren: die Figuren, die Sprache, die Perspektiv- und Zeitsprünge.

Die Hauptcharaktere sind Rebecca, die Entführte, und Edward, der Entführer.
Rebecca ist 18 Jahre alt und scheint ein kluges, nettes und beliebtes Mädchen zu sein. Auch wenn viel von ihr, ihrer Familie und ihrer Vergangenheit erzählt wurde, bin ich nie richtig an sie herangekommen. Alles blieb immer etwas oberflächlich. Auch wenn sie mir in ihrer ausweglosen Lage hätte leidtun müssen, tat sie das nie so richtig. Sie hat nichts falsch gemacht oder sich unlogisch verhalten, aber ich baute einfach keine Beziehung zu ihr auf. Das ganze Buch über blieb mir ihr Schicksal seltsam egal.
Eddie ist in dem gleichen Alter wie Rebecca. Die beiden gehen schon lange zusammen zur Schule und er ist schon viele Jahre in sie verliebt. Er ist sehr schüchtern und ein Einzelgänger. Er musste den Tod seines Vaters mit ansehen und das hat er nie so richtig verkraftet.
Er war mir logischerweise sehr unangenehm und ich konnte sein Verhalten nicht nachvollziehen. Ich mochte ihn nicht, aber so wenig wie ich bei Becky starkes Mitgefühl aufbauen konnte, konnte ich hier tiefe Abneigung entwickeln. Auch er blieb mir immer ein wenig zu egal.

Die Sprache machte es mir auf vielerlei Weise schwer.
Zum einen gab es teilweise so verwirrende Beschreibungen (gerade wenn es hektisch wurde bei Befreiungen oder wenn es um Wegbeschreibungen ging), dass ich zeitweise aufhörte sie verstehen zu wollen.
Ich wusste einfach nicht mehr, wo Rebecca nun ihr linkes Bein abstütze um sich mit der rechten Hand am mittig stehenden Pfosten hochzuziehen und sich dabei ein Mal um die eigene Achse drehte. Ich las diese Stellen einfach stumpf weiter, bis Rebecca in einer neuen Position (im besten Falle frei) war.
Auch die ganzen Wege durch den Wald wurden zwar sehr detailliert beschrieben, aber da alles immer Zufahrten und Pfade durch Büsche waren, war das zeitweise auch zu unverständlich. Und ob sie nun wieder den Weg Richtung Norden oder Richtung Westen nehmen und ob der dann nach rechts oder links abbiegt um sich dann zu gabeln, war einfach irgendwann auch nicht mehr so wirklich wichtig.
Die Sprache an sich wirkte dann immer ein bisschen zu gewollt auf jugendlich frisch und locker getrimmt. Es wirkte dadurch zeitweise hölzern und nicht authentisch.
Und manche Formulierungen will ich dann gar nicht in einem Buch finden:
S. 22: „Ohne dass es ihm bewusst gewesen wäre, wanderten die Finger wieder zum Mund, und er kaute weiter. Klatsch! ‚Eddie, lass das! […]‘“ (Ein einzelnes „Klatsch!“ um den Schlag der Mutter zu signalisieren? Wirklich?!)
S. 150; „Zwar waren auch sie die Angreifer, aber nach der ersten Attacke ließen sie ihr Opfer manchmal auch wieder laufen. Nur um es dann erneut anzuspringen. Und so weiter.“ (Man hätte das Ende galanter formulieren können als „Und so weiter.“)
S. 233: „[…] ihm ein Bein gestellt hatte, sodass er sein Tablett fallen gelassen hatte und auch selbst hingeknallt war.“ („Hingeknallt“ klingt einfach gewollt jung.)
Ich mochte die Art wie das Buch geschrieben ist einfach nicht.

Das Buch besteht aus vielen kurzen Kapiteln (281 Seiten sind auf 22 Kapitel verteilt) und diese sind dann immer noch in sehr viele Absätze unterteilt. In jedem Absatz wechselt die Person, welcher der Erzähler nun folgt und oftmals auch die Zeit. Meistens befindet man sich natürlich in der Gegenwart, in der die Gefangenschaft und Flucht stattfindet, manchmal wird jedoch auch die Vergangenheit der Protagonisten beleuchtet (hierbei dann ganz verschiedene Alterstufen) oder auch die Zukunft.
Ich hatte kein Problem den Wechseln zu folgen, mir persönlich sagt so etwas aber einfach nicht zu. Das ist eine Frage des Geschmacks, aber ich bleibe lieber chronologisch in der Geschichte als wild hin und her zu springen.

Es gibt jedoch auch noch weitere Kleinigkeiten, die mir gefallen haben.
Man wusste von Anfang, wer der Entführer ist. Das ist zwar kein komplett neuer Ansatz, aber es kommt doch relativ selten in dieser Art und Weise vor.
Durch die verschiedenen Zeitsprünge befindet man sich manchmal in einer Situation und kennt diese nur aus der Perspektive der aktuellen Person. Oft wird diese Situation dann aus der Perspektive einer anderen Person noch einmal beschrieben und dann ergibt sich erst ein vollständiges Bild.

Leider hat das Buch insgesamt nicht wirklich gut bei mir abgeschnitten. Zu den bereits erwähnten negativen Punkten, kommen noch einige Kleinigkeiten hinzu. Mir war das Ende dann nämlich zu plötzlich, ich finde das Buch unverhältnismäßig dick für seine nicht mal 300 Seiten (3,1 cm!) und ich fand manche Inhalte unlogisch und lächerlich (ein Protagonist vertraute einer anderen Person mit 17 oder 18 Jahren beispielsweise an, dass seine Eltern geschieden sind, seit er acht Jahre alt ist und das hat er bisher noch keinem seiner Freunde erzählt. Wie auch immer er das verheimlichen konnte.).
Ich fand das Buch nicht mehr als „ganz nett“ und deswegen bekommt es 2 Sterne.

Debra Chapoton – Sommerfalle
Originaltitel: Edge of Escape (Juni 2010)
ivi, März 2012
ISBN 3492702651
281 Seiten
Broschiert; 12,99 Euro

Rachel Gibson – Frisch getraut

Und wieder ein unglaublich enttäuschendes Buch der Marke Frauenliteratur:

Am Tag nach der Hochzeit ihrer besten Freundin erwacht Clare mit einem mörderischen Kater in einem fremden Hotelzimmer. Sie hat keine Ahnung, wie sie dort hingekommen ist, aber sie weiß, wer unter der Dusche steht: Sebastian, der Alptraum ihrer Kindheit und nun ein Traum von einem Mann mit einer gefährlich erotischen Ausstrahlung. Doch Clares Verlobung ist gerade geplatzt, und sie hat eigentlich die Nase voll von Männern. Allerdings lässt sich Sebastian so schnell nicht abschütteln, denn er hat ganz andere Pläne…

Es fängt ja schon mal damit an, dass der (deutsche) Titel überhaupt nicht zu dem Buch passt. „Frisch getraut“ ist nämlich nur eine: Clares beste Freundin, Lucy. Aber an sich hat das überhaupt nichts mit der Geschichte zu tun (ist höchstes nur das Ergebnis aus Teil 1 der Autorinnen-Buchserie, den ich aber nicht kenne).

Dann gibt es einen unglaublich typischen Plot. Das ist ja auch an sich nicht sooo schlimm. Was will man sich auch in diesem Genre immer Großartiges überlegen? Wenn man schon etwas in Form von Chick-Lit oder liebevoll einfach von mir „Frauenliteratur“ genannt, schreibt, muss es ja so oder so ähnlich ablaufen.
Gut, hier ist vielleicht ausnahmsweise mal positiv zu benennen, dass die Liebesbuch-Autorin Clare Wingate und der Reporter Sebastian Vaughan sich quasi schon ihr ganzes Leben kennen. Sebastian ist nämlich der Sohn des Gärtners von Clares Mutter, der mit auf dem Anwesen wohnt.
Die beiden haben als Kind immer viel Zeit miteinander verbracht. Das beschränkte sich aber fast nur darauf, dass die zwei Jahre jüngere Clare versucht hat Sebastian zu gefallen und ihm immer hinterher gerannt ist. Er hatte sich dann damit begnügt sie zu ärgern, wo es nur geht.
Nachdem er ihr mit zehn Jahren ausführlich erklärt hat, dass Kinder bekommen nichts mit Blumen und Bienen zu tun hat, wurde er vom Hof gescheucht und ward seitdem nie wieder dort gesehen.
Bis zu dem verhängnisvollen Abend der Hochzeit, an dem sich Clare vollends abgeschossen hatte, in einer Bar landete und dort auf Sebastian traf.

In der ganzen Geschichte gab es für mich keine Spannung. Clare leidet ziemlich lange unter der Tatsache, dass sie ihren Verlobten, Lonny, mit dem (!) Servicetechniker in flagranti erwischt hat und dadurch ihre Hochzeit geplatzt ist. Und somit kommt die ganze Story auch erst quasi im letzten Drittel des Buches so richtig ins Laufen. Bis dahin versuchte Clare noch unglaublich abweisend und unfreundlich zu Sebastian zu sein, um bloß nichts mit ihm anzufangen. Das war aber immerhin verständlich. Gebranntes Kind scheut Feuer. Und enttäuschtes, gebranntes Kind erst recht.

Mit den Personen bin ich zudem auch so gar nicht warm geworden. Clare kommt nach außen hin immer extrem verstockt rüber, was an ihrer Erziehung ihrer Mutter liegt, die das noch um einiges toppt. Gefühle in der Öffentlichkeit zu zeigen oder unhöflich zu sein, ist der Familie Wingate ein Graus.
Sebastian war die ganze Zeit dafür extrem ungehobelt, unfreundlich oder aufdringlich.
Der einzige vernünftige Charakter in dem ganzen Buch war der Gärtner, Leo.
Gut, auch die Freundinnen von Clare waren interessant, aber die kamen recht wenig vor.

Die Schreibweise war flüssig, aber noch ganz furchtbar monoton. Die Beschreibungen (zum Beispiel von Sebastians grünen Augen oder Clares braunen Haaren) waren auch immer exakt die gleichen. Und Humor habe ich vergeblich gesucht. Nur ab und zu verächtlich aufschnauben konnte ich.

Im letzten Drittel hatte ich das Gefühl, dass Frau Gibson dann krampfhaft versuchte die Langeweile vom Anfang mit Bettszenen (oder auch Couch- oder Speisekammerszenen) wett zu machen. Da reihte sich eine detaillierte Beschreibung an die nächste. Das war dann wirklich zu viel.

Das einzig Gute an dem Buch war das Verhalten der Figuren. Also nicht wirklich das Verhalten an sich, sondern dass keiner plötzlich aus seinem Charakter heraus fiel. Sebastian war bis zum Ende ein Frauenheld und Clare sträubte sich ewig gegen ihre Gefühle.
Für mich war bis zu den letzten Seiten nicht wirklich klar, wie es ausgehen wird. Als eingefleischte Frauenliteratur-Leserin hatte ich zwar den Verdacht, dass es sein wird wie immer, aber es gab nicht wirklich viele Anzeichen dafür.

Zusammenfassend: Ich habe mich 2/3 des Buches eher durchgequält, die Figuren waren unsympathisch, es gab keinen Humor und auch keine spannende oder innovative Story.
Weil es sich aber an sich gut lesen ließ und das Buch am Ende noch mal an Fahrt gewann, gibt es .

Übrigens ist es nicht wichtig Teil 1 der Reihe vorher gelesen zu haben. Die Autorinnen-Serie behandelt in jedem Buch eine andere der vier Freundinnen, die alle Buchautorinnen sind. Sie bauen also nur bedingt aufeinander auf.

Rachel Gibson – Frisch getraut
Originaltitel: I’m In No Mood For Love (September 2006)
Goldmann, April 2008
ISBN 3442465346
317 Seiten
Taschenbuch; 8,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Gut geküsst ist halb gewonnen
2. Frisch getraut
3. Darf’s ein Küsschen mehr sein?
4. Küss weiter, Liebling!

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