Olga Grjasnowa – Der Russe ist einer, der Birken liebt

Mascha ist Aserbaidschanerin, Jüdin, und wenn nötig auch Türkin und Französin. Sie ist selbstbewusst, anpassungsfähig und immer zum Davonlaufen bereit. Mit elf Jahren nach Deutschland immigriert, musste sie früh die Erfahrung der Sprachlosigkeit machen. Nun spricht sie fünf Sprachen fließend und ein paar weitere so »wie die Ballermann-Touristen Deutsch «. Sie plant gerade ihre Karriere bei der UNO, als ihr Freund Elias schwer krank wird. Verzweifelt flieht sie nach Israel und wird schließlich von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. (Klappentext)

Im Zuge der Verfilmung dieses Buches habe ich ein Goodie-Paket bekommen, in dem das Buch enthalten war. Vor allem, weil dieses Buch eigentlich so gar nicht meinem Genre entspricht, war ich sehr gespannt. Vielleicht habe ich ja all die Jahre umsonst gedacht, sowas wäre nicht mein Genre…

Und es fing eigentlich auch ganz gut an. Es war interessant die Dynamiken zwischen Elias und Mascha zu beobachten, die nicht immer ganz einfach waren, weil er gern mehr über ihre Kindheit wüsste, sie die alten Traumata jedoch nicht vor ihm aufarbeiten möchte.
Und ich sage es direkt: Ich habe das Buch zwei Freundinnen weiterempfohlen und das, obwohl sich immer weiter herauskristallisierte, dass das mit dem Buch und mir nichts mehr wird.

Es dauerte nicht lang, da dachte ich: Ja, ich verstehe, warum das Buch Preise gewonnen hat. So lesen sich solche Bücher. Denn sprachlich war eben „Literatur“. Es war seltsam sperrig zu lesen, verworren, verwirrend… auch wenn es floss, wenn ich dabei war. Nur wenn ich das Buch zugeklappt hatte, dann hatte ich wenig Lust, es wieder aufzuklappen. Darum habe ich auch einen Monat gebraucht, die 288 zu lesen.

Mascha fand ich extrem unsympathisch, abweisend und unangenehm. Ihr Verhalten kommt sicher zu einem großen Teil aus ihrer Kindheit mit der Flucht aus der Heimat, dem Vater, der als gescheiterter Kosmonaut unglücklich im Leben war und der seltsam passiven Mutter. Ein Kind, das Krieg erlebt hat, das Menschen hat sterben sehen. Trotzdem fand ich so zu ihr keinen Zugang. Es war ein bisschen, als ob sie sich selbst nicht liebt und deswegen alle Leute wegstößt, die es tun.

Insgesamt waren alle Beschreibungen immer sehr auf Religion und den ethnischen Background der Leute bezogen und vor allem ist es auch sehr politisch. Es geht um den Aserbaidschan-Armenien-Konflikt im Karabach und später geht es vor allem auch um den Israel-Palästina-Konflikt. Grjasnowa geht schon auf vieles ein und holt auch unwissendere Leser ab, aber gefühlt fehlte mir trotzdem manchmal Detailwissen.

Was ich aber tatsächlich seltsam fand: Jeder Mensch in jedem Land kifft erstmal ganz selbstverständlich mit Mascha. Alle haben auch immer Marihuana dabei. Fand ich so ein vollkommen unnötiges Detail, weil es nichts zu der Geschichte beitrug. Aber davon gab es einige im Buch. Die Autorin beschreibt häufig genau, was Mascha sieht oder was jemand anhat und hat mich als Leserin damit gelangweilt.

Alles in allem fand ich das Buch recht handlungsarm. Erst eine schwere Phase in Deutschland und dann tingelt sie verloren durch Israel. Aber ja, das ist auch einer der zentralen Punkte des Buches. Mascha ist eine verlorene Persönlichkeit und man merkt diese Verlorenheit, das Nicht-Ankommen sehr gut. Sie hat keine Heimat, weder in Orten noch in Menschen.

Nein, das Buch und ich wurden leider keine Freunde. Dafür war es für meinen ganz persönlichen Geschmack zu unspannend und zu politisch. Aber gerade wegen des zweiten Punktes konnte ich das Buch ohne schlechtes Gewissen an zwei Freundinnen weiterempfehlen.
Ich wurde leider weder mit der Story noch mit Mascha oder der Schreibart richtig warm.

Olga Grjasnowa – Der Russe ist einer, der Birken liebt
dtv, 1. September 2013 (Erstveröffentlichung Februar 2012)
ISBN 3423142464
285 Seiten
Taschenbuch; 12,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Jennifer Donnelly – Belle und das endlose Buch

Die kluge, bücherbegeisterte Belle, eine Gefangene im Schloss des Biests, hat sich an ihr neues Zuhause gewöhnt und sich mit dessen Bewohnern angefreundet. Als sie auf Nevermore stößt, ein verzaubertes Buch, das mit nichts anderem im Schloss vergleichbar ist, wird Belle in seine Seiten hineingezogen und in eine Welt voller Glamour und Intrigen entführt. Die Abenteuer, von denen Belle immer geträumt hat, die Träume, die sie aufgeben musste, als sie zu einer Gefangenen wurde, scheinen wieder in Reichweite zu sein.

Die charmanten und geheimnisvollen Figuren, denen Belle auf den Seiten von Nevermore begegnet, bieten ihr glamouröse Unterhaltung und sogar ein Wiedersehen, das sie nie für möglich gehalten hätte. Aber kann Belle ihren neuen Gefährten auf den Seiten von Nevermore vertrauen und ist die Welt dort überhaupt real? Belle muss die Wahrheit über das Buch herausfinden, bevor sie sich für immer in ihm verliert. (Klappentext)

Liebe und Tod spielen ihr altes Spiel: Sie wetten um das Glück anderer. Liebe glaubt, dass das Biest seinen Fluch brechen kann, Tod möchte das mit aller Macht verhindern. Und dafür schafft sie ein Buch, in dessen Welt für Belle alle Wünsche in Erfüllung gehen und in dem es ihr so viel besser geht als im Schloss des Biestes. Doch wird sie für all das ihr echtes Leben aufgeben?

Carlsen meinte es in den letzten Jahren ja gut mit den Disney-Reihen. Nach den Villains und den Twisted Tales gibt es nun Dangerous Secrets. Das sind Nebengeschichten und zusätzliche Szenen, die das Grundgerüst des bekannten Disney-Films jedoch nicht ändern.
So war von vornherein klar, wie dieses Buch ausgehen wird und das dämpfte die Spannung enorm.

Doch auch ansonsten schaffte das Buch es nicht, mich abzuholen. Die glamouröse Welt im Buch hatte man so schon mehrere Male gesehen oder gelesen. Alle Klischees werden bedient.

Belle und die Schlossbewohner sind wie im Film, man kennt sie und hat ja im Bestfall auch schon seit Jahren emotionale Beziehungen zu ihnen. Die Figuren aus Nevermore waren neu, aber da die Lesenden immer einen enormen Wissensvorsprung haben, waren sie alle unsympathisch, wenn sie zum Teil auch ganz interessant waren.

Natürlich, es gibt eine große Moral hinter der Geschichte. Und die ist vielleicht auch richtig und wichtig. Aber der Weg dahin war vorhersehbar, unspannend und belanglos.

Ich habe für dieses Buch mit riesiger Schrift und mäßig vielen Seiten zwei Wochen gebraucht. Ich habe teilweise das Lesen prokrastiniert, weil ich keine Lust hatte, wieder in diese Geschichte einzutauchen.
Es war okay, Idee ist nett, kann man so lesen, aber ich brauchte das Buch echt nicht.

Jennifer Donnelly – Dangerous Secrets – Belle und das endlose Buch
Originaltitel: Lost in a Book (Februar 2017)
‎Carlsen, 11. Januar 2022
ISBN 3551280649
351 Seiten
Broschiert; 14,00 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Iduna und Agnarr – Die wahre Geschichte – Originaltitel: The Story of Iduna and Agnarr
2. Belle und das endlose Buch – Originaltitel: Lost in a Book
3. Aurora und der dunkle Schlaf – Originaltitel: Heart of the Moors
4. Elsa und Anna – Der Wald der Schatten – Originaltitel: Forest of Shadows

Serena Valentino – Cruella, die Teufelin

Was hat Cruellas Hass dermaßen mächtig werden lassen?

Selbst die grausamsten Bösewichter kennen wahre Freundschaft, große Liebe und wagemutige Träume. So auch Cruella, die nun an der Reihe ist, ihre Geschichte zu erzählen. Sie handelt von einer einsamen Kindheit, aufsehenerregenden Outfits, einer viel zu kurzen großen Liebe und von einer Frau, deren Leben dem Untergang geweiht ist. Eine Geschichte über das schwierige Band weiblicher Freundschaft, über Mütter und Töchter und über brennendes, zerstörerisches Verlangen. (Klappentext)

„101 Dalmatiner“ gehörte nie zu meinen Lieblings-Disneyfilmen. Cruella de Vil brannte sich mir nie als spannender Bösewicht ein. Als ich dann auch noch vorab las, dass der siebte Teil der Villains-Reihe inhaltlich wenig mit dem roten Faden der verdrehten Schwestern zu tun hat, war ich skeptisch. Doch nützt ja nix, ich wollte mehr von der Reihe, also musste ich nehmen, was da kommt.

Cruella ist ein junges Mädchen, das ihre Mutter und ihren Vater über alles liebt. Ihre beste Freundin Anita steht ihr auch sehr nah – und ihr Kindermädchen Miss Pricket.
Geprägt wird ihr Leben jedoch vor allem von ihrer Mutter. Die stolze Hausherrin, der ihr Ruf und Luxus besonders wichtig sind; die ihre Tochter sehr streng und herzlos behandelt. Und doch strebt Cruella ihrer arroganten und hochnäsigen Mutter nach. Das lässt sie nun vor allem durch Gemeinheiten an den Bediensteten aus. Und auch wenn sie kurze, herzliche Momente hat, kippen sie schnell zurück in Bosaftigkeit. So schreitet ihr Leben voran, bringt sie in ein Mädcheninternat, führt ihre große Liebe zu ihr und nimmt sie ihr wieder und spuckt am Ende eine boshafte, zickige Frau aus.

Insgesamt hat es mir überhaupt keinen Spaß gemacht, von jemandem zu lesen, der durchweg gemein ist. Deren liebevollen Momente immer überlagert werden von Arroganz und Zickigkeit. Sicher, Cruella war ein – von den Eltern – vernachlässigtes Kind. Und Serena Valentino hat das bestimmt gut gemacht, dass ich durchweg so viel Abscheu für Cruella empfunden habe. Man hat schon gesehen und verstanden, warum sie ist, wie sie ist. Aber es war auch etwas einfach, das alles so auf die Mutter abzuwälzen.

Für mich ist die Frau mit den schwarz-weißen Haaren noch nie ein charismatischer Disney-Bösewicht gewesen. Nun zeigt sich auch noch, dass sie einfach ein ekliges Kind war, bei dem es unangenehm von all den Boshaftigkeiten und Lieblosigkeiten zu lesen. Und selbst in ihrem größten Leid konnte ich kein Mitgefühl für sie empfinden. Dafür stieg da nochmal mehr meine Wut auf ihre Mutter.
Außerdem gab die Story einfach wenig Spannung her.

Ja, das Buch war leicht zu lesen und die Idee auch ganz nett. Es war schon ok, Cruellas Hintergrund zu sehen und ihr diese menschliche Seite zu geben. Mich konnte das Buch aber nicht überzeugen und passt darüber hinaus auch nicht in die Villains-Reihe.

Serena Valentino – Cruella, die Teufelin
Originaltitel: Evil Thing (Juli 2020)
Carlsen, 29. April 2021
ISBN 3551280452
347 Seiten
Gebunden; 14,00 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Die Schönste im ganzen Land – Originaltitel: Fairest of All
2. Das Biest in ihm – Originaltitel: The Beast Within
3. Die Einsame im Meer – Originaltitel: Poor Unfortunate Soul
4. Das Geheimnis der Dunklen Fee – Originaltitel: Mistress of All Evil
5. Das verzauberte Haar – Originaltitel: Mother Knows Best
6. Das Geheimnis der Schwestern – Originaltitel: The Odd Sisters
7. Cruella, die Teufelin – Originaltitel: Evil Thing
8. Das Herz so kalt – Originaltitel: Cold Hearted
9. Niemals Nimmerland – Originaltitel: Never Never

Alexander Hartung – Nichts als Staub

Ein temporeicher erster Fall für die Ermittlerin Alina Grimm

Als Polizistin im Streifendienst ist Alina Grimm eigentlich nicht für Mordermittlungen zuständig, doch als am Hamburger Phoenixplatz das vermeintliche vierte Opfer eines Serienmörders gefunden wird, erweckt das ihren Ermittlerinstinkt. Sie sucht ihre Informanten auf, um mehr über den Toten herauszufinden, gerät aber in einen Hinterhalt.

Alina wacht im Krankenhaus auf und findet sich in einer äußerst schwierigen Lage wieder: Die Angreifer konnten nicht ausfindig gemacht werden, stattdessen wird sie des Drogenhandels beschuldigt und vom Dienst suspendiert. Sie ermittelt auf eigene Faust und stößt dabei immer wieder an Grenzen. Dann begegnet sie einem mysteriösen Helfer, dessen Informationen alles in ein völlig neues Licht rücken. (Klappentext)

Ich wohne in Hamburg und als mir dieser Thriller, der in dieser Stadt spielt, als Rezensionsexemplar angeboten wurde, war ich sofort Feuer und Flamme. Auf einen guten Thriller hatte ich eh Lust – dann konnte ich auch direkt mal gucken, was hier so um die Ecke alles passiert.

Alina Grimm ist ganz glücklich damit, ihre Streife in Hamburgs Problemvierteln zu fahren. Doch ihr Partner Bilal sagt schon immer, sie sollte zur Kripo gehen. Sie kann und will immerhin immer etwas mehr. Und jetzt, wo das vierte Opfer eines Serienmörders auftaucht, kann sie ihre Finger nicht stillhalten. Das wird ihr relativ schnell zum Verhängnis. Doch als ihre Lage besonders ausweglos ist, meldet sich ein alter – und sehr reicher – Freund ihres Vaters.

Die Geschichte ist super ereignisreich. Dazu wird auch eine recht große Menge an verschiedenen Personen eingeführt. Alinas Familie, Kollegen, Freunde und einige Kriminelle, die ihr mal mehr mal weniger helfen. Für nicht einmal 300 Seiten war das allerhand.
Dafür hat sich Alexander Hartung auch extrem auf die Geschehnisse konzentriert und keinen wirklichen Blick nach links und rechts gewagt. Er sprang deswegen auch stunden- oder tageweise weiter, damit die Handlung nahtlos weitergehen kann.
Und auch wenn es in der Geschichte oft Überraschungen geht und alles nach ziemlich viel Potenzial klingt, blieb für mich die Spannung total auf der Strecke. Trotz der rasanten Handlung und vielen Dingen, die passiert sind, fand ich „Nichts als Staub“ zäh. Nichts ließ mich atemlos zurück.
Was auch sehr die Spannung nahm, war, dass alles recht reibungslos lief und der reiche Freund des Vaters natürlich auch alle Türen öffnete. Geld und Kontakte in hohe Kreise waren kein Problem mehr.

Zu Alina als Hauptfigur konnte ich keine Beziehung aufbauen. Gerade, weil Hartung auf den Blick abseits der Hauptgeschichte mehrheitlich verzichtete, bekam ich keinen persönlichen Eindruck von ihr. Da mochte ich die männlichen Nebencharaktere, die Alina so auf ihrem Weg einsammelte und mit denen sie dann zusammen ermittelte, deutlich mehr. Ihr Charakter und ihr Background war viel greifbarer und näher.

Mich konnte der Reihenauftakt um die Hamburger Ermittlerin Alina Grimm also leider nicht packen. Ich fand weder den Fall an sich besonders spannend noch die Entwicklungen und Geschehnisse.

Alexander Hartung – Nichts als Staub
Edition M, 10. August 2021
ISBN 2496708815
285 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Emily Houghton – Bevor ich dich sah

Nur wenn du verwundbar bist, wird dich die Liebe finden

Seit sie mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, spricht Alice mit niemandem, vermeidet den Blick in den Spiegel und hält den Vorhang, der ihr Bett von Ret der Station trennt, fest verschlossen. Als sie eines nachts jedoch hört, wie ihr immer gut gelaunter Zimmernachbar Alfred von Albträumen gequält wird, stellt sie fest, dass sie nicht die Einzige ist, die mit ihrem Schicksal hadert. Von nun an teilen sie Nacht für Nacht ihre Ängste und Sorgen miteinander. Und ihnen wird klar, dass es in Ordnung ist, wenn das Leben mal nicht in Ordnung ist. Dass die unsichtbaren Verletzungen oft mehr weh tun als die sichtbaren. . Und dass man sich in einen Menschen verlieben kann, ohne ihn je gesehen zu haben. (Klappentext)

Die Geschichte von Alfie und Alice ist eine Geschichte voller traumatischer Vergangenheiten und Erlebnisse. Sie waren zwei Ertrinkende, die sich in Krankenhausbetten gegenseitig zu retten versuchten. Als ich den Klappentext las, war ich sofort auf die Geschichte gespannt. Ich hatte schon vor Augen, wie es wohl werden wird und erwartete ganz große Gefühle.

Das erste Drittel des Buches las sich recht flott. Alice war mir zwar unfassbar unsympathisch durch ihre bissige, egomanische und distanzierte Art, aber hier war ja Platz für Entwicklungen.
Doch umso weiter das Buch voranschritt, umso mehr ließ meine Motivation, weiterzulesen, nach. Das Buch spielt fast ausschließlich in dem Krankenzimmer und obwohl es mehrere Patienten in dem Raum gab, schienen die Welten so sehr getrennt zu sein. Die anderen kommen nur selten zu Wort, als würde man nicht 24/7 miteinander Zeit verbringen. Alice und Alfie standen im extremen Fokus – und so richtig gab das die Geschichte für mich nicht her.
So dramatisch die aktuelle Gesundheitssituation der beiden auch sein mag, die jeweilige Geschichte dazu war schnell auserzählt. Und ja, sie beide hatten traurige und schlimme Dinge in der Vergangenheit erlebt. Aber so richtig mitfühlen konnte ich nicht. Im Gegenteil: Immer wieder erwischte ich mich bei dem Gedanken, dass ich das alles viel zu sehr aufgebauscht empfand.

Vor allem das zweite Drittel war für mich dann extrem zäh. Gefühlt ging die Geschichte nicht voran. Leider konnte „Bevor ich dich sah“ hier für mich auch weder an Spannung, noch an Dramatik oder Emotionalität gewinnen. Das lag vor allem auch weiterhin an Alice, die bei mir keine Sympathien gewinnen konnte. Ich habe Alfies Faszination ihr gegenüber absolut nicht nachvollziehen können.
Insgesamt war die Geschichte auch einfach sehr vorhersehbar.

Darüber hinaus empfand ich die Schreibart häufig als unangenehm. Hölzern, gestelzt. Ich habe beim Lesen wirklich ab und zu den Kopf geschüttelt und dachte: „Das geht gar nicht, wie das geschrieben ist.“

Alice und Alfie sind aus verschiedenen Gründen ans Bett gefesselt – der Kosmos des Buches ist ein sehr kleiner. Ich fand Alfie zwar nett, aber auch sehr gekünstelt, Alice war mir zu bissig.
Ich fand aber nicht alles nur schlecht. Die Idee fand ich wirklich cool und letztlich bin ich ja doch – wenn auch langsam – am Ball geblieben.
Wenn man sich Rezensionen von anderen Lesern durchliest, wird das Buch aber auch sehr begeistert aufgenommen. Es schafft, Leser zu bewegen und mit Alfie und Alice mitfühlen zu lassen.
Leider passen das Buch und ich wohl einfach nicht zusammen.

Emily Houghton – Bevor ich dich sah
Originaltitel: Before I saw You (Februar 2021)
‎Heyne Verlag, 12. Juli 2021
ISBN 345342543X
430 Seiten
Broschiert; 14,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

R. L. Stine – Fear Street – Mord im Mai

Warst du’s wirklich, Sandy?

Niemand kann Al Freed ausstehen. Er ist das größte Ekel von Shadyside und macht Julie und ihrer Clique mit seinen miesen kleinen Tricks das Leben schwer. Aber als Al eines Tages tot vor der Rollschuhbahn liegt, sind alle schwer schockiert. Und ausgerechnet der nette Sandy will Al ermordet haben… (Klappentext)

Julie, Vincent, Hillary, Sandy und Al waren mal eine Clique. Doch Al gehört seiner Weile schon nicht mehr dazu, dafür macht er seinen ehemaligen Freunden und der neu dazugekommenen Taylor das Leben schwer. Jeden einzelnen bedrängt, demütigt und erpresst er – doch plötzlich liegt er erdrosselt hinter der Rollschuhbahn. So viele Menschen hatten ein Motiv, doch ausgerechnet der nette Sandy gesteht seinen Freunden den Mord.

Am Anfang machte mich Al unfassbar wütend. Er war so ein unangenehmer, bedrohlicher Charakter. Da war es quasi eine Erleichterung, als er endlich tot war. Damit war dann aber auch fast schon die Luft raus. Es ist nicht so, dass das Buch danach nur noch dahinplätscherte, tatsächlich gab es sogar die ein oder andere spannende Szene. Zumindest theoretisch. Praktisch war alles so vorhersehbar, dass die Spannung direkt im Keim erstickt wurde.
Das Ende überraschte mich dann auch kein Stück.

Mit den Personen konnte ich durch die Bank nichts anfangen. Die Clique blieb total blass und austauschbar. An diesem Punkt hapert es ja meistens sehr in den Büchern. Aber wenn der Fall schon nicht sehr aufregend ist, fallen Personen, die einem egal sind, umso mehr ins Gewicht.

Viel mehr gibt es dann auch schon nicht mehr zu sagen über „Mord im Mai“. Der Fall ist recht simpel und erzeugt wenig Spannung. Die Personen bleiben flach und unnahbar. Es gibt keine wirkliche Atmosphäre, die das Buch ansatzweise gruselig oder aufregend gemacht hätte. Das Buch war ok, kann man wie immer gut und schnell weglesen, aber mehr auch nicht.

R. L. Stine – Fear Street – Mord im Mai
Originaltitel: The confession (1996)
Loewe, 1997
ISBN 378553101X
156 Seiten
Gebunden

Andere Bücher der Reihe:

Fear Street – Das Skalpell – Originaltitel: The Knife
Fear Street – Die Falle – Originaltitel: Wrong Number 2
Fear Street – Die Mutprobe – Originaltitel: The Thrill Club
Fear Street – Eingeschlossen – Originaltitel: Ski Weekend
Fear Street – Falsch verbunden – Originaltitel: Wrong Number
Fear Street – Prüfungsangst – Originaltitel: The Cheater
Fear Street – Rachsüchtig (Neuauflage von „Halloween“) – Originaltitel: Halloween Party
Fear Street – Jagdfieber – Originaltitel: Partysummer
Fear Street – Im Visier – Originaltitel: College Weekend
Fear Street – Schulschluss – Originaltitel: Final Grade
Fear Street – Mondsüchtig – Originaltitel: Bad Moonlight

R. L. Stine – Fear Street – Mondsüchtig

Die Angst fällt von Sue ab, wenn sie mit ihrer Band auf der Bühne steht. Für kurze Zeit kann sie allem entrinnen – ihren Albträumen und den Wahnvorstellungen von scharfen Krallen und Blut, die sie immer häufiger plagen. Doch dann kommt ein Bandmitglied auf entsetzliche Weise ums Leben. Und in Sue steigt eisige Kälte auf. Warum hat sie keinerlei Erinnerung an diese Nacht? (Klappentext)

Ich bin jedes Mal aufs Neue gespannt, ob mich Fear Street dieses Mal begeistern kann. Als Kind und Jugendliche mochte ich die Reihe immerhin wahnsinnig gern. Doch von den Titeln, die ich nun als Erwachsene lese, war ich mehrheitlich enttäuscht.

Dieses Mal geht es um Sue, die mit ihrer Band ein wenig umherreist, um Konzerte in kleinen Clubs zu spielen. Aktuell ist die Zeit um den Vollmond herum und es geht ihr seltsam. Im Mondlicht ist ihr kalt, es fühlt sich böse an. Außerdem mag sie plötzlich rohes Fleisch und ihre Haare führen ein seltsames Eigenleben. Und dann taucht eine zerfetzte Leiche auf…

Ab Seite eins ist dem Leser klar, was mit Sue los ist. Ich kann ihr nicht einmal vorwerfen, dass sie es selber nicht in Betracht zieht, aber die „Hinweise“ vom Autoren waren so deutlich und übermächtig, dass es einfach keinen Spaß machte.
Auch der Zusammenhang mit der Band war dabei ziemlich offensichtlich. Die ganze Geschichte war einfach extrem vorhersehbar. Ein, zwei Überraschungen gab es, aber die waren dann auch irgendwie egal.
Trotzdem, und das möchte ich dem Buch zugutehalten, war es mal eine andere Art von Fear Street. Das hat mir grundsätzlich gefallen.

Wie immer waren alle Charaktere austauschbar und flach, eben weil ihre persönliche Geschichte recht wenig zur Story beiträgt. Auf 156 Seiten muss man dann eine Priorität festlegen. Und bei Stine ist die immer deutlich der Fall an sich.
Leider war Sue mir aber auch wirklich nicht sympathisch. Sie war zwar auch nicht nervig oder unfreundlich, aber doch irgendwie egal.

Ich mochte die Sprache in dem Teil ganz gern. Häufig ist sie in Fear-Street-Büchern ja ein bisschen zum Fremdschämen. Ziemlich plump, ungeschliffen und altbacken. Hier war es mir zwar persönlich auch ein wenig oft „‘Oh Gott, da war eine Leiche‘ – ‚Nun beruhige dich doch erst einmal!‘“, aber damit konnte ich gut leben.

Tja, ihr seht mich unbegeistert. Mal was anderes und ok geschrieben (bzw. übersetzt), aber die Story war vorhersehbar und die Charaktere waren mir egal.

R. L. Stine – Fear Street – Mondsüchtig

Originaltitel: Bad Moonlight (1995)
Loewe, 2004
ISBN 3785549954
156 Seiten
Gebunden

Andere Bücher der Reihe:
Fear Street – Das Skalpell – Originaltitel: The Knife
Fear Street – Die Falle – Originaltitel: Wrong Number 2
Fear Street – Die Mutprobe – Originaltitel: The Thrill Club
Fear Street – Eingeschlossen – Originaltitel: Ski Weekend
Fear Street – Falsch verbunden – Originaltitel: Wrong Number
Fear Street – Prüfungsangst – Originaltitel: The Cheater
Fear Street – Rachsüchtig (Neuauflage von „Halloween“) – Originaltitel: Halloween Party
Fear Street – Jagdfieber – Originaltitel: Partysummer
Fear Street – Im Visier – Originaltitel: College Weekend
Fear Street – Schulschluss – Originaltitel: Final Grade

S. A. Hunt – Die Hexenjägerin – Der Zirkel der Nacht

Robin Martine ist ein YouTube-Star – ihrem Kanal »Malus Domestica« folgen Tausende, die Robin für ihre erschreckend realistischen Hexenjagd-Videos feiern. Doch was niemand ahnt: Robins Videos sind nicht inszeniert – sie sind real! Die junge Hexenjäger-Punkerin reist mit ihrem Lieferwagen durchs Land, um den Hexenzirkel auszulöschen, der für den Tod ihrer Mutter verantwortlich ist. Aber als Robin ihrem Ziel so nah wie nie ist, erkennt sie, dass die wahre Bedrohung von jemand anderem ausgeht: dem dämonischen Roten Lord, dessen Ankunft die Hexen preisen und der enger mit Robins Familiengeschichte verbunden scheint, als ihr lieb ist … (Klappentext)

Die Hexen der jüngeren Zeit haben ja kaum noch etwas gemeinsam mit denen von früher. Mit den alten, bösartigen Wesen, die Kinder fressen und in Kessel rühren.
Doch genau solche Hexen hat S. A. Hunt hier wieder geschaffen: Hexen, die mit Blut gefüllte Früchte essen und bis zum Tode kämpfen. Vor allem für Zweites ist Robin Martine verantwortlich. Um Rache für den Tod ihrer Mutter zu üben, reist sie durch Amerika und sucht und tötet Hexen. Ihr Reisen und ihre Kämpfe nimmt sie mit der Kamera auf und konnte sich so auf YouTube schon eine beträchtliche Reichweite und Fangemeinde aufbauen.
Doch als sie zurück in ihre Heimatstadt kommt, um sich einem besonders gefährlichen Hexenzirkel zu stellen, gesellen sich plötzlich alte und neue Bekannte an ihre Seite. Gemeinsam müssen sie allerhand Geheimnisse aufdecken, die in der beschaulichen Kleinstadt verborgen liegen.

Ich mag die Grundidee wirklich richtig gern und fand die Kombi aus diesen alten, magischen Frauen und den Videos spannend. Außerdem ließ sich das Buch gut lesen und auch wenn es nicht wirklich Wendungen oder Überraschungen gab, wurden doch allerhand Baustellen aufgemacht, mit denen ich aufgrund des Klappentextes noch nicht gerechnet hatte.
Doch so bitter es ist. Das sind schon alle positiven Aspekte. Der Rest ist eine Aneinanderreihung von Dingen, die mich gelangweilt, genervt oder richtig gestört haben.

Mit Robin wurde ich leider überhaupt nicht warm. Einerseits war sie immer so tough, problembeladen und distanziert und andererseits hat sie allerhand Unsicherheiten.
Mit all den anderen Figuren, wie Leon und Wayne, das Vater-Sohn-Duo, das in Robins altes Elternhaus gezogen ist, konnte ich mehr anfangen.

Dazu wurden ständig neue Baustellen in der Geschichte aufgemacht, aber irgendwie passierte trotzdem seltsam wenig. Vor allem wurde vieles in diesem Band einfach überhaupt nicht aufgelöst und geklärt. Es schien als hätte S. A. Hunt in dem Auftakt-Band ihrer Trilogie einfach sehr, sehr viel Atem geholt.
Auch das YouTube-Thema war nicht so präsent, wie ich erwartet hatte. Noch schlimmer war aber, dass es nur im ersten Kapitel einen Hexenkampf gab. Bei dem ging es auch wirklich hart zur Sache und ich verstand, warum in dem Begleitschreiben vor physischer und psychischer Gewalt gewarnt wurde. Doch dabei blieb es dann für das restliche Buch.

An vielen Stellen war das Buch dann wirklich langweilig. Beschreibungen von Orten und Wegen waren viel zu ausgedehnt und brachten die Story kein Stück voran. Dabei waren Stellen, die relevant gewesen wären, entweder zu schnell abgehandelt oder die Dinge passierten mit dem Vorschlaghammer. Jemand hatte einen Verdacht und der bestätigte sich sofort. Oder es gab Gedankengänge, die sich viel zu schnell und eigentlich unlogisch ergaben.

Das Buch ließ sich, wie bereits oben gesagt, gut und flüssig lesen, doch die Sprache war häufig derb und vulgär. Das war nicht meins.

Was mich aber an dem Buch wirklich irritierte, war der Hautfarbenaspekt. Es wurde immer wieder auf die Hautfarben der Leute eingegangen. Als der junge Wayne das erste Mal in seine neue Schule kam, erörterte der Erzähler, wie viele Schwarze, Asiaten und Mexikaner es gibt. Doch am Schlimmsten war, dass eine der Hexen Waynes schwarzen Vater mit dem N-Wort bezeichnete und eine Seite später von einem Löffel aus Hitlers Nachlass, in den ein Hakenkreuz graviert ist, isst. Es hatte absolut keine Bewandtnis für das Buch, das die alte Frau offensichtlich einen Nazi-Einschlag hatte. Es kam nur an dieser einen Stelle vor. Vollkommen unnötig und daneben.

Insgesamt hat mich das Buch also enttäuscht. Bis auf eine gute Idee mit ein paar netten Figuren und einer flüssigen Schreibweise war nix zu holen.

S. A. Hunt – Die Hexenjägerin – Der Zirkel der Nacht
Originaltitel: Malus Domestica – Burn the Dark (Januar 2020)
Blanvalet, 19. April 2021
ISBN 3734162904
361 Seiten
Broschiert; 15,00 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Die Hexenjägerin – Der Zirkel der Nacht – Originaltitel: Malus Domestica – Burn the Dark
2. Die Hexenjägerin – Der Zirkel des Blutes – Originaltitel: Malus Domestica – I Come with knives
3. Die Hexenjägerin – Der Zirkel der Hölle – Originaltitel: Malus Domestica – The Hellion

Jen Calonita – Spieglein, Spieglein

calonita_spieglein-spiegleinWas wäre, wenn die böse Stiefmutter den Prinzen vergiftet hätte?

Nach dem Tod von Schneewittchens Mutter übernimmt die Böse Königin die Herrschaft über das Schloss. Und Schneewittchen tut alles, um sich nicht den Zorn ihrer Stiefmutter zuzuziehen.
Erst als diese versucht, sie zu töten, erwacht Schneewittchens Widerstandsgeist. Mit der Hilfe ihrer Zwerge und des freundlichen Prinzen, den sie nie wiederzusehen vermutet hätte, zieht sie in den Kampf gegen die Böse Königin.
Aber wie soll dieser gelingen, wenn ihre Feindin jeden ihrer Schritte kennt und alles tut, um ihre Macht zu behalten? Einschließlich der unbarmherzigen Verfolgung ihrer Liebsten? (Klappentext)

Auch wenn Schneewittchen nie mein liebstes Märchen war, war ich sehr gespannt auf die Interpretation als Twisted Tale von Jen Calonita.
Doch ich wurde recht schnell ernüchtert. In der ersten Hälfte liest es sich wie die klassische Geschichte nur mit mehr Details und Ausschmückungen. Man geht vor allem mehr in die Vergangenheit von Schneewittchens Mutter und ihrer Schwester Ingrid, die nun alle als die Böse Königin kennen.
Erst ab der Hälfte begann sich die Geschichte mehr und mehr vom Original zu lösen. Da hatte mich das Buch aber schon längst verloren. Und dass der Twist, um den es ja hier hauptsächlich geht, dann erst auf den letzten 30 Seiten passiert, hat dem ganzen die (böse) Krone aufgesetzt.

Die Figuren konnten das Zepter leider auch nicht an sich reißen. Schneewittchen war lieb und nett – klar. Aber sie errötete zum Teil auf einer Buchseite mehrfach. Ich habe wirklich oft die Augen verdreht. Ebenso waren die Dialoge häufig einfach zu unangenehm, weil kitschig.
Von der Bösen Königin hatte ich auch deutlich mehr erhofft. Sie war schon als kleines Kind machthungrig und skrupellos. Die große Liebe zu ihrer kleinen Schwester ließ einen Funken Menschlichkeit erscheinen, doch mit der war es dann ja auch nicht allzu weit her, als Katharina die Aufmerksamkeit vom jungen König erregte und aufs Schloss zog.
Die Zwerge gingen dafür leider komplett unter und man bekommt gar kein Gefühl für sie.

„Spieglein, Spieglein“ kann also im Grunde durch den Twist mit einer coolen Idee aufwarten und lässt sich auch schnell lesen. Der Rest enttäuschte mich auf ganzer Linie. 2 Sterne

Jen Calonita – Spiegelein, Spieglein – Twisted Tale
Originaltitel: Mirror, Mirror (April 2019)
Carlsen, 3. September 2020
ISBN 3551280495
361 Seiten
Gebunden; 12,00 Euro

Veronica Roth – Die Erwählten

Einst retteten sie die Welt und wurden zu Helden. Doch ihre Welt ist nicht die Einzige, die Helden braucht…

Sloane, Matt, Esther, Ines und Albie – sie wurden auserwählt, die Welt vor einer übernatürlichen Macht zu retten. Und tatsächlich gelingt es den Erwählten, nach einem Kampf, der ihnen alles abverlangt, den mächtigen dunklen Feind zu besiegen. Sie werden als Helden gefeiert, doch die seelischen Wunden, die sie während des Kampfes erlitten haben, sind tief.

Am 10. Jahrestag ihres Sieges geschieht das Unfassbare: Einer von ihnen stirbt auf tragische Weise, die anderen werden in eine alternative Welt katapultiert. Diese ist der ihren sehr ähnlich, nur, dass die Magie dort allgegenwärtig ist. Sie finden heraus, dass sie die dunkle Macht keineswegs besiegt haben. Wieder müssen sie kämpfen, doch dieses Mal machen sie eine Entdeckung, die alles, was sie zu wissen glaubten, infrage stellt. (Klappentext)

„Die Erwählten“ beginnt dort, wo andere Bücher enden. Der Dunkle ist besiegt, die Welt ist gerettet. Die fünf ehemals jugendlichen Helden sind erwachsen geworden und haben aus ihrem Ruhm Verschiedenes gemacht. Doch auch zehn Jahre später sind sie alle immer noch verbunden. Immer noch Freunde. Eine Gruppe. Sie haben Grausames zusammen erlebt. Niemand ist körperlich oder seelisch unversehrt aus dem Kampf herausgekommen. Und nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen.

Ich habe zwei Monate an dem Buch gelesen. Denn es beginnt wahnsinnig langsam. Selten habe ich so eine gemächliche Einführung in ein Buch gelesen, dass mit 571 Seiten ja auch nicht gerade dünn ist.
Ich hatte bewusst beim Lesestart nicht noch einmal den Klappentext gelesen, sondern wollte mich überraschen lassen. Ich begleitete Sloane, Matt, Esther, Ines und Albie also auf Gala-Veranstaltungen, Einweihungen von Denkmälern, erfuhr etwas von er Vergangenheit und den Kampf mit dem Dunklen. Las von der Magie, der sie sich über verschiedene Objekte zu eigen machen mussten. Kam hierhin und dorthin – und verstand nicht, worauf das Buch hinauswill. Es wurde zäh. Nichts schien so wirklich voranzugehen.

Es fühlte sich an als wäre da ein gewisses Potenzial an Spannung, doch über ihm lag eine dicke Schicht undurchdringlicher Nebel, der alles erdrückte. Ich musste durch viele leere Worte waten, um irgendetwas zu entdecken. Zäh, drückend, mühsam.

Lange steckte ich dann richtig fest. Ich hatte bereits 160 Seiten gelesen und wollte irgendwie nicht weiterlesen. An diesem Punkt las ich den Klappentext, um zu erfahren, worum es noch gehen wird. Die magische Welt interessierte mich dann doch wieder und ich las weiter – lange musste ich auch nicht mehr warten. Doch hier hatte das Buch schon zu viel Boden verloren.

Die Parallelwelt war dann leider auch nicht so spannend und ungewöhnlich, wie ich gehofft hatte. Die neue Gefahr war nicht so alles verschlingend, wie ich gedacht habe.
Es wurde besser, ja. Ich las die restlichen 400 Seiten dann in wenigen Tagen. Aber auch, weil ich es mir fest vorgenommen hatten. Aus sich heraus hätte es das Buch wohl immer noch nicht wirklich geschafft.

Das, was zentral für das Buch war, waren die Figuren und ihre tragische Vergangenheit. Leider ist die Hauptperson, an der man dran ist, Sloane. Sie ist distanziert, zickig, bissig und kühl. Ich habe nicht verstanden, warum die anderen mit ihr befreundet waren – das hat ja nicht mal Sloane selber verstanden.
Die anderen vier Freunde wurden so deutlich zu Nebenfiguren degradiert, dass ich zu ihnen ebenfalls keine Verbindung aufbauen konnte. Sie blieben blass und nur oberflächlich greifbar.

Ich hatte mich vorab so sehr auf das Buch gefreut. Endlich mal eine Fantasy-Geschichte, bei der die Figuren erwachsen sind. Aber Veronica Roth hat für meinen Geschmack leider kaum etwas richtig gemacht. Schon damit angefangen, dass die Figuren zwar Ende zwanzig, Anfang dreißig waren, man es aber nie merkte. Vom Verhalten her hätten sie alle locker zehn Jahre jünger sein können. Und schon war es doch wieder Jugendfantasy.
Die Spannung blieb auf der Strecke, die Bindung zu den Figuren auch. Die Wendungen waren teilweise vorhersehbar und manchmal hatte ich das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben. Als hätte es Rückbezüge auf Dinge gegeben, die gar nicht passiert sind.
Ich hatte leider so gut wie keinen Spaß mit dem Buch.

Veronica Roth -Die Erwählten – Tödliche Bestimmung
Originaltitel: Chosen Ones (April 2020)
Penhaligon Verlag, 28. September 2020
ISBN 3764532440
571 Seiten
Gebunden; 18,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Vorherige ältere Einträge