Björn Beermann – Mitra – Magische Verwandlungen

„Deine Welt ist verloren. Sie ist bereits tot. Kämpf nicht dagegen an.“ Die krächzende Stimme kam aus dem Riss. Mitra wurde von Panik ergriffen. Es schnürte ihr die Kehle zu.

Mitras magische Fähigkeiten erweitern sich und erstarken. Auch ihre Freundin Aggy entdeckt ganz neue Seiten an sich. Aber welche Seiten verbirgt Anton? Ist er der, der er zu sein vorgibt? Währenddessen spinnt das ursprüngliche Feuervolk seine Fäden im Hintergrund, um die anderen magischen Völker zu vernichten und die Macht an sich zu reißen. Gemeinsam stellt sich Mitra mit ihren Gefährten dem Feind entgegen. (Klappentext)

In meiner Rezension zum ersten Tel, Mitra – Magisches Erbe – hatte ich vier Kritikpunkte:
1. Ich wollte mehr mitfiebern, 2. Ich wollte mehr Spannung, 3. Ich wollte eine kleinere Schrift und kleinere Zeilenabstände und 4. Ich wollte längere Kapitel haben.
Zwei der vier Punkte wurden in dem zweiten Teil umgesetzt. Leider die falschen.

Ich hatte nun also ein deutlich besser formatiertes Buch vor mir, aber die Geschichte konnte mich deutlich weniger packen als beim ersten Teil.

Mitra ist sich sicher: Obwohl die große Schlacht mit ihren vielen Opfern auf der Hexenseite vorbei ist, ist der Feind noch nicht besiegt. Doch sie muss nicht nur ihre Familie, die Hexen-Wächterinnen und den Rat der Völker von der Gefahr überzeugen. Sie muss auch damit klarkommen, dass sie als Naturverbundene nun immer mehr Kräfte bekommt. Zusätzlich hat man als Bald-Siebzehnjährige noch ganz irdische Probleme – mit dem Freund, der besten Freundin und dem Vater. Irgendwie muss Mitra es schaffen, all diese Baustellen unter einen Hut zu bekommen.

Ich hatte dieses Mal leider so allerlei Probleme mit dem Buch und ich weiß gar nicht, welches das größte ist.
Zum einen fühlt sich die zweite Geschichte an wie ein großes Zwischenstück. Eine bloße Verbindung zwischen der (wirklich guten) Einführung in die Figuren, Welt und Geschichte des ersten Teils und des großen Finales, das im dritten Teil folgen wird.
Die Entwicklungen scheinen deswegen marginal zu sein. Es gibt auch keine zentrale Geschichte in diesem Teil. Alles geht ein wenig weiter, die Beziehungen der Figuren verändern sich minimal, aber alles in allem scheint am Ende des Buches alles zu sein, wie es am Anfang war.

Im ersten Teil fand ich Mitra noch unnahbar. Dieses Mal fand ich sie unsympathisch und nervig. Alles passierte in einer riesigen Dramatik-Blase. Jeden noch so nebensächlichen Satz überdramatisierte sie. Ihre Gedanken zu den Dingen waren immer drüber, ihr Tick, immerzu und ständig mit den Nägeln zu schnippsen, sogar fast unerträglich beim Lesen.
Die anderen Figuren fanden so sehr im Hintergrund statt, dass ich zu ihnen nicht mal eine Beziehung aufbauen konnte.

Mir fehlte also eine Geschichte und Spannung und die Hauptperson mochte ich nicht (mehr). Das ist schon unangenehm beim Lesen, aber leider stieß mir dieses Mal die Sprache auch noch negativ auf:
In einer wirklich schockierenden Situation sagt die sechzehnjährige Mitra: „Wir dürfen den Kopf nicht verlieren.“ (S. 84) und klingt damit ähnlich altbacken wir der Erzähler, wenn er sagt: „Fürwahr eine sehr schwierige Persönlichkeit.“ (S. 97). Doch es gab auch hölzerne Beschreibungen wie: „Für Minerva schien damit der Worte genug gesprochen zu sein […].“ (S. 108), „Das alles […] dauerte höchstens einen Augenschlag.“ (S. 137), „Mitra und Anton folgten ihr auf dem Fuße.“ (S. 287) oder „[…] versuchte Anton bei Mitra und Minerva für Verständnis zu werben.“

Es tut mir wirklich leid. Vor allem, nachdem ich den ersten Teil so gern mochte, wurde ich von dem Buch enttäuscht. Zwei Monate habe ich gebraucht, um dieses nicht einmal 300-Seiten-starke Buch zu lesen. Ich bin nicht mit ihm warmgeworden. Mitra war mir plötzlich sehr unsympathisch mit ihrer überdramatisierenden Art, es passierte nichts, was spannend war und überhaupt fühlte es sich an, als wäre kaum etwas passiert. Durch meine zusätzlichen Probleme mit dem Schreibstil gibt es .

Björn Beermann – Mitra – Magische Verwandlungen
Tredition, 26. Juni 2019
ISBN 3749701466
294 Seiten
Taschenbuch; 13,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Reihenfolge der Bücher:
1. Mitra – Magisches Erbe
2. Mitra – Magische Verwandlungen

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! Die Stadt der Schlafwandler

Kaum hat sich Charlie seinem Traum gestellt, wartet das Böse in der wachen Welt…
Albträume können einem wirklich den Schlaf rauben, das weiß Charlie nur zu gut. Verständlich, dass auch die Bewohner des Nachbarstädtchens Orville Falls begeistert sind, als der neue Kräuterladen im Ort ein Elixier gegen ihre allgegenwärtigen Albträume anbietet. Doch kann es sein, dass das Elixier schaurige Nebenwirkungen hat? Plötzlich geistern die Bewohner wie Schlafwandler durch die Stadt.
Charlie weiß: Wenn er und seine Freunde nicht schnell etwas unternehmen, schwebt nicht nur das Traumreich, sondern auch die wache Welt in schrecklicher Gefahr. (Klappentext)

Im Januar 2016 schenkte mein Freund mir die ersten beiden Teile der Nightmares!-Reihe. Teil eins las ich direkt und war ziemlich begeistert. Doch Teil zwei fristete dann ein langes Dasein auf meinem SuB. Im Dezember 2018 befreite ich es endlich – und brauchte tatsächlich ein halbes Jahr, um die paar Seiten zu lesen.

Charlie weiß nun alles über das Traumreich und das Albtraumreich. Zusätzlich ist er der Hüter des Portals in der lila Villa, die er mit seinem kleinen Bruder, seinem Vater und seiner Stiefmutter bewohnt. Doch die Schlafwelten sind in Gefahr, denn die Bewohner von Orville Falls haben aufgehört zu träumen. Warum ist schnell herausgefunden – sie alle trinken das neue Elixier gegen Albträume, das in die Stadt kam. Charlie muss aber herausfinden, wer das Elixier verkauft und warum er das tut. Vor allem aber: Wie werden die Bewohner wieder normal?

Im Gegensatz zum ersten Teil, der mich immer ein wenig an Reckless von Cornelia Funke erinnert hat, bekommen wir hier eine ziemlich lineare Story geliefert. In „Nightmares! Die Schrecken der Nacht“ gab es noch Dinge zu entdecken. Man konnte mit Charlie durch die Traumwelten streifen und die verschiedensten (Horror)Wesen finden. Nun gab es kaum etwas zu entdecken. Das Buch fühlte sich an wie eine 0815-Kinderbuch-Gruselgeschichte.

Allein dieses Gefühl hinderte mich schon daran, das Buch wirklich gut zu finden. Es war so ein unfassbarer Bruch zum ersten Teil. Blöd dabei: Es interessierte mich irgendwie nicht wirklich, wer das Elixier hergestellt hat und warum. Auf dem Weg zur Lösung durchlief das Buch auch allerhand Schleifen, die im Nachhinein vollkommen unnötig waren. Es wirkt, als sollte diese kleine Hauptgeschichte auf Biegen und Brechen aufgebläht werden.

Noch mehr als im ersten Teil merkte ich, dass man es mit einem Kinderbuch zu tun hat. Die Sprache wirkte zum Teil konstruiert einfach, Witze zündeten bei mir nicht. Die Geschichte an sich war dann auch kein Garant für Hochspannung.

Durch das Alter der Helden konnten auch kaum spannende Nebenschauplätze aufgemacht werden. Einen gab es, der betraf die Eltern von Charlie. Aber zum einen war auch das wenig interessant und zum anderen kann man den Ausgang von Anfang an ahnen.

Ja, ich war gelangweilt. So sehr, dass ich nur alle paar Wochen ein paar Seiten las. Doch dann kam etwas, was ich nicht erwartete: Zum Ende hin, als man der Lösung immer näher kam, wurde es tatsächlich ein wenig aufregend. Das letzte Drittel las ich fast in einem Rutsch. Und der Cliffhanger am Ende lässt mich tatsächlich überlegen, ob ich mir nicht doch noch den letzten Teil der Trilogie zulege.

Mal sehen, ich weiß es noch nicht. Ich muss mich erst einmal erholen von der langweiligen Story gepaart mit der Kindersprache und Figuren, die mich kaltließen.

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler
Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic (November 2015)
Dressler, 19. November 2015
ISBN 3791519484
379 Seiten
Gebunden; 17,99 Euro
auch als Taschenbuch erhältlich

Reihenfolge:
1. Nightmares! – Die Schrecken der Nacht – Originaltitel: Nightmares!
2. Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler – Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic
3. Nightmares! – Die Jagd des Traumdiebs / Die Stunde der Ungeheuerr – Originaltitel: Nightmares! The Lost Lullaby

amaryllis 26 – Lust auf FIKKEN?

Bereit für die geballte Erotik von Schwolli, Wurstbert und Grabulator22?

Sie sucht den Mann ihres Lebens – im Internet. Was sie findet sind Ladenhüter, Obersofties, Fitnesszombies und Wollmützenträger. Allesamt saukomisch, nur leider unfreiwillig. Liegt es an ihr?
amaryllis26 schlüpft in zwölf verschiedene Rollen und begibt sich auf eine Odyssee durch die Datingforen. Sie präsentiert sich als Partygirl, als Landei, als Klette, als Luxusschnepfe, Hausmutti und Emanze. Das Ergebnis ist verblüffend: Was Männer sich einfallen lassen, um Frauen zu erobern ist so banal, unterirdisch und zum Fremdschämen, dass man nur mit schallendem Gelächter antworten kann. (Klappentext)

Jeder kennt einen, der einen kennt. Manchmal waren wir es vielleicht selber.
Internetdating ist heute keine große Sache mehr. Man kennt Paare, die haben sich online kennengelernt. Sie sind heute vielleicht schon verheiratet und haben Kinder. Vielleicht hat man sich selbst dort mal umgesehen. Vielleicht ist man selber im Freundeskreis das Paar, bei dem die Liebe mit einem Match begann.
Und darum kennt man sicher auch lustige Geschichten davon. Von komischen Leuten, die als erstes nach Fußbildern fragen; Männer, die doppelt so alt wie man selber ist und sich halb so alt geben; Frauen, die es durch eine Vierteldrehung ihres Körpers geschafft haben, die Hälfte ihres Gewichts wegzumogeln.
Und auf all das und noch mehr freute ich mich, als ich „Lust auf FIKKEN?“ aufschlug. Ich wollte skurrile Geschichten, über die ich lachen und den Kopf schütteln kann.

Das Buch beginnt mit einer langen Aneinanderreihung von Dingen, die die Männer, auf die amaryllis26 gestoßen ist, falsch gemacht haben. Groteske Namen, hässliche Bilder, nichtssagende Profiltexte. Alles falsch, alles lächerlich, alles unter ihrer Würde.
Klar hat sie sicher recht damit, dass bierglas63, der ein Oben-ohne-Selfie in seinem Bad gemacht hat und nach einer kreativen, offenen, unternehmungslustigen, bezaubernden Frau sucht, nicht gut ankommt. Aber es war alles so offensichtlich, so altbekannt, so unskurril. Man muss nicht mal in einer Singlebörse angemeldet gewesen sein, um sich diese Fehler denken zu können.
Vielleicht hätte amaryllis26 sich aber auch ihren eigenen Rat zu Herzen nehmen sollen. Ellenlange No-Go- und Negativlisten wirken zickig, überheblich, arrogant und unsympathisch. Da hilft es auch nicht, dass sie alle Fehler mit einer Prise Ironie beschreibt.

Doch diese ersten 45 Seiten lasen sich schnell und ich kam zu dem Teil, auf den ich all meine Hoffnungen setzte. Zwölf Profile hatte die Autorin sich angelegt. Zwölf vollkommen unterschiedliche und immer auf ihre Art radikale Frauen mit individuellen Lebenseinstellungen, Wünschen und Profilbildern. Da alle Bilder abgedruckt waren, regte ich mich an dieser Stelle gleich auf. Die Autorin veränderte sich selber für jede Rolle – mit schlechten Perücken und seltsamer Optik. Um dann mit all den Falten und dem schlechten Make-up ins Profil zu schreiben, man sei 22 Jahre alt. Wer glaubte das?
Sie selber erwähnte im Laufe des Buches aber immer, wie unfassbar attraktiv die Frauen auf den Bildern sind (sprich: sie selber). Dass die Frauen – egal wie viel Quatsch in ihrem Profiltext stand – angeschrieben wurden, „weil sie auf ihren Fotos so verdammt gut aussehen!“ (S. 248) Für meinen Geschmack waren alle Bilder äußerst unattraktiv und die Frau sah jeweils gut 20 Jahre älter aus als im Profil angegeben, aber okay.
Dass die Profiltexte unfassbar abschreckend waren, sollte so sein, darauf wurde immer wieder hingewiesen. Die Schraube wurde immer weiter angedreht – und die Frau damit immer abgedrehter. Radikale Spinnerinnen, von der die Autorin fast hoffte, dass sie nicht angeschrieben werden. Aber die Männer zeigten sich hartgesotten.

Hinter dem jeweiligen Profil las man die Nachrichten der Männer, bei denen der geneigte Leser viel ertragen muss. „Gedruckt wie geschrieben“ war hier die Devise. Und da die Männer häufig auf Groß- und Kleinschreibung sowie Rechtschreibung und Interpunktion verzichteten, tat das Lesen manchmal weh.
Vor allem aber tat weh, dass seitenweise gleichen langweiligen Nachrichten abgedruckt waren. „Guten Morgen“, „Hey schönes Profil, Bock auf Kennenlernen?“, „Wow, schöne Augen :)“. Man hat es verstanden. Schnell.
Natürlich gab es auch individuelle Anschreiben. Die Männer, die sich wirklich Mühe gaben. Die „belledejour“, „Lavendelrausch“, „Gänseblume46“ oder „Dirndlmarie“ ihr Herz ausschütteten. Die taten mir so leid. Natürlich ist Mitleid kein guter Türöffner für einen Flirt. Aber die geben sich echt Mühe und wissen nicht, dass sie Teil eines Experiments sind.

Obwohl ich mich so auf den Part im Buch gefreut habe, fand ich ihn dann anstrengend zu lesen. Ganz abgesehen von der schlechten Rechtschreibung wurden im Fließtext viele Nachrichten einfach aneinandergereiht, unterbrochen von den pseudowitzigen Kommentaren von amaryllis26. Aber so ein Textblock liest sich unangenehm.
Wenige Beispiele hob sie als positiv hervor. Aber ich konnte diese Beispiele nicht positiv finden. Ich hatte kein Bild zu dem Mann, ich hatte kein aufregendes Gefühl durch das Schreiben mit einem Fremden. Ich hatte keinen emotionalen Anhaltspunkt. Da kann mich dann ein halbromantischer Zweizeiler echt nicht vom Hocker hauen. Die Autorin steckte da ganz anders drin.

Die Zusammenfassung der Ergebnisse wird den Lesern dann als vollkommen überraschend verkauft. Sind sie aber nicht. Wenn die „22-jährige“ in ihrem Profil schreibt: „will einfach fun :o)“ und „Wie hot bist du???“ muss sie sich weder in den Gesprächen mit den Männern beschweren, dass sie in ihrem Profil doch gar nichts von Sex sagt und deswegen nicht all diese eindeutigen Angebote bekommen will und die Autorin muss sich auch am Ende nicht wundern, dass dieses Profil besonders viele plumpe Anmachen, die nach Sex fragten, bekam. Und auch dass wenige Profile mit „Hey du bist doch sicher ein Fake!“ angeschrieben werden, ist doch auch nicht verwunderlich. Sie muss daraus nicht schließen, dass Männer den Frauen alles zutrauen, sondern dass die meisten, die sich verarscht vorkamen, ihre Zeit gar nicht erst damit verschwendet haben, einem offensichtlichen Fake zu schreiben. Warum auch?

Anschließend folgt wieder ein Teil zu No-Gos. Dieses Mal nicht für den ersten Eindruck wie eingangs, sondern für das Schreiben. Dass es unsexy ist, sich quasi förmlich bei der Frau zu bewerben, zu klammern, beleidigt abzuziehen. All diese Dinge.

Ganz am Ende werden noch Tipps verteilt, wie Frauen und Männer ihre Profile und Kommunikation gestalten sollen. „Schreibe orthografisch und grammatisch korrekt“, „Schreibe persönlich“, „Lass die Zicken links liegen.“
Aha, erzählt mir mehr.
Nicht nur, dass die Tipps unspannend waren, manche waren auch falsch, meiner Meinung nach. amaryllis26 sagt den Männern, dass sie am besten nur ein gutes Foto für ihr Profil nehmen sollen, am besten von einem Fotografen gemacht. Ich persönlich fände das ja wahnsinnig spießig, wenn ich so ein Profil sehen würde. Wenn es nur ein (solches) Bild gibt, würde ich dem Mann wahrscheinlich auch noch unterstellen, dass er das Bild irgendwo gefunden und geklaut hat. Man will doch ein paar mehr Bilder sehen. Die Autorin sagt dazu, dass sie keine Bilder mit Sonnenbrille sehen will oder wie der Typ im Club eine Wand vollkotzt. Aber mal ehrlich: Wenn der Typ, der mich anschreibt, Wände in Clubs vollkotzt, dann will ich das lieber vorher wissen. Dann kann ich den wenigstens direkt aussortieren.

Ich habe mich stetig gefragt, für wen dieses Buch denn nun sein soll.
Es ist nicht lustig genug, um einfach zur allgemeinen Belustigung zu dienen.
Wer online auf Datingplattformen unterwegs ist, kennt all das.
Wer so dumm ist und Frauen anschreibt, wie der Buchtitel darstellt, wird das Buch nicht lesen.
Wer so intelligent ist und Frauen nicht so anschreibt, wie der Buchtitel darstellt, wird das Buch nicht brauchen.

Was mir auch wirklich fehlte, war die Konfrontation. Ja, ein paar Männer wurden gefragt, ob sie die Autorin mit einem Standardspruch anschrieben. Wieder keine Überraschung, dass es manche – trotz vollkommener Offensichtlichkeit – leugneten und es andere zugaben.
Aber warum wurden manche Männer im Nachhinein nicht aufgeklärt, dass es ein Experiment war und sie durften mal ganz anonym ihre Erlebnisse schildern. Oder ihre Beweggründe sich so zu geben. Im Laufe eines Gesprächs mit einer potentiellen (Sex)Partnerin würden sie das doch sicher eh nicht klar zugeben. Aber nach einer Aufklärung der Autorin? Warum nicht?
Aber dann hätte das Buch die Männer wohl nicht mehr so schön als dumm, schüchtern, uncool oder kuschend darstellen können. Denn das waren sie fast allesamt. In diesem Zusammenhang kam es auch regelmäßig zum Beschweren über die bösen Frauen, die viel zu emanzipiert sind und die Männer zu weichen Hamstern haben verkommen lassen. Frauen hätten jahrzehntelang die Männer kleingemacht und nun gäbe es quasi nur noch angepasste Pantoffelhelden, die sich nicht trauen, ihre eigene Meinung zu sagen, weil sie der ach so schönen Frau auf dem Profilbild gefallen wollen.

Ich hatte wirklich gehofft, das Buch wäre irre witzig und würde mit tollen Geschichten auftrumpfen können. Dem war aber nicht so. Ein paar Mal konnte ich lachen, ansonsten war ich aber hauptsächlich genervt von unnötigen Tipps, rechtschreibschwachen Männern und Ergebnissen, die ich auch so hätte vorhersagen können. Letztendlich wird auf den 300 Seiten vieles wiederholt. Und die Fake-Profile der Autorin waren so unsympathisch (was sie ja auch sein sollten), dass ich ihre belanglosen Dialoge gar nicht lesen wollte.

amaryllis26 – Lust auf FIKKEN? Aus den Abgründen des Internetdatings
Knaur TB, 01. September 2014
ISBN 3426786826
295 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Dan Vyleta – Smoke

Stell dir vor, deine dunklen Gedanken könnten sichtbar werden…

England, Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Welt, die von einem besonderen Phänomen geprägt ist: Jede Bosheit, Unaufrichtigkeit oder Lüge manifestiert sich als Rauch, der unkontrollierbar dem Körper entweicht. Nur Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, wagen es, die Gesetze des Rauchs zu hinterfragen. Sie stoßen auf ein düsteres Komplott aus Willkür, Macht und Unterdrückung und müssen schon bald um ihr Leben fürchten… (Klappentext)

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, keine Rezensionsexemplare mehr anzufordern, weil ich noch einige zuhause habe. Aber dann kam die Information zu „Smoke“ und ich konnte nicht widerstehen. Das Buch klang zu gut.

Die Idee ist einfach klasse. Böse Gedanken, Lügen, Neid, alles entströmt den Menschen als Rauch. Mal ist er dicker, mal dünner, mal heller, mal dunkler. Doch immer können die Mitmenschen ihn lesen wie Gedanken, die sich von einem Menschen in den anderen übertragen. Schlechte Dinge können nicht mehr verheimlicht werden. Doch der Rauch schafft auch eine Zweiteilung in der Gesellschaft. Die armen Menschen, die Arbeiter, rauchen. Die Reichen und Mächtigen zeichnen sich durch fast vollständige Rauchlosigkeit aus. Thomas und Charlie, Kinder aus reichem Hause, wohnen in einem Internat unter Ihresgleichen. Doch die Weihnachtsferien, die sie bei Thomas Familie verbringen, werden alles verändern. Wie sie den Rauch sehen, wie sie die obere Gesellschaft sehen, wie sie ihr Leben sehen.

Schnell ist man inmitten der Geschichte, schnell passieren große Dinge, schnell ist es langweilig.
„Smoke“ hat 618 Seiten und peitscht einen in der Zeit durch viele Gegebenheiten. Erst passiert einiges im Internat, dann im Weihnachtsurlaub und ab da wird es eigentlich erst richtig hektisch. Doch leider kommt dabei zu keiner Zeit Spannung auf. Und das ist wohl das Dramatischste an der ganzen Lektüre. Es gibt so viel zu sehen, so viel passiert und ich langweilte mich da so durch.
Klar, das Buch ist offiziell kein Thriller oder Krimi, wo das Thema Spannung ganz oben stehen würde, aber nicht mal der düstere Komplott, den der Klappentext verspricht, versprüht irgendeine Art von Gefahr oder Nervenkitzel.
Natürlich passieren schreckliche Dinge, gefährliche Sachen. Aber diese kommen so unvermittelt, dass sich vorher keine Spannung aufbaut und dann werden sie so sehr ausgewalzt, dass es das alles auch nicht besser macht.

Als das Beste empfand ich weiterhin die Grundidee an sich. Es animierte mich sogar in der Anfangszeit des Buches, ab und zu zu denken: „Wäre dieser Gedanke, dieses Wort, diese Tat nicht auch Rauch wert gewesen?“. „Smoke“ brachte mich also anfänglich wirklich zum Nachdenken.
Doch umso länger das Buch wurde, umso weniger reizvoll wurde die Thematik, denn sie entwickelte sich nicht. Es gab einige neue Erkenntnisse zum Rauch, aber es brachte weder die Figuren noch den Leser wirklich voran.
Und letztendlich bleiben die großen, essentiellen Fragen zum Rauch ungeklärt. Das enttäuschte mich.

Oft schafft ein Buch es ja, mich trotz wenig Spannung von sich zu überzeugen, wenn die Figuren und die Sprache mitreißend sind. Doch leider schneidet in diesem Bereichen „Smoke“ auch sehr schlecht ab.
Die Figuren waren alle schwer zu fassen. Besonders nah war man an den beiden Hauptfiguren, den Jugendlichen Thomas und Charlie, dran. Thomas ist hart und distanziert, doch Charlie ist offen, ehrlich, herzlich und gütig. Er ist also der Kandidat, den die Leser spontan am meisten mögen können. Doch Dan Vyleta schaffte es zielsicher, die einzige – für mich – sympathische Person im Laufe des Buches auch verkommen zu lassen. Die Nebenfiguren sind durch die Bank nicht der Rede wert. Gemein, verlogen, gefährlich, arrogant – Sympathie kam bei mir nie auf.
Zusätzlich schwierig war, dass das Buch zum größten Teil in der dritten Person geschrieben ist. Wenige Kapitel sind aus der Sicht einer Figur geschrieben – dann in der Ich-Form. Aber weder sind das ausschließlich die Hauptfiguren noch macht es die jeweilige Person sympathischer.

Sprachlich hat es mir das Buch noch schwerer gemacht. Unnötig verkomplizierte Satzkonstruktionen stören oft den Lesefluss. Beschreibungen der Umgebung sind überladen mit Aufzählungen.
Da viel passiert im Laufe der Geschichte, kommen unsere Hauptfiguren an viele verschiedene Orte, zum Beispiel ein Bergwerk. Vyleta scheint sich damit, aber auch mit anderen Dingen, sehr ausgiebig beschäftigt zu haben und nutzt vollumfänglich das jeweils passende Vokabular. Dass der Leser dabei nicht immer mit allem vertraut sein wird, scheint für den Autoren Nebensache zu sein. Klarer Fall von: Er hat sich sehr bemüht, alles perfekt zu beschreiben. Leider schlägt sich das negativ auf das Lesevergnügen nieder.

Ich habe fast zwei Monate für „Smoke“ gebraucht. Ich hatte es extra direkt nach dem Erhalt angefangen, um ein Rezensionsexemplar nicht lange liegen zu lassen. Doch dann wurde mir das Lesen so wahnsinnig schwer gemacht.
Gute Idee, aber langweilige Geschichte, unsympathische Figuren und kein flüssiger Schreibstil. Als würde das nicht schon reichen, wurden die drängendsten Fragen der Geschichte nicht beantwortet. Praktisch: Das Ende reihte sich perfekt in das enttäuschende Buch ein.
Allein wegen der guten Idee, gibt es .

Dan Vyleta – Smoke
Originaltitel: Smoke (Juli 2016)
carl’s books, 13. März 2017
ISBN: 3570585689
618 Seiten
Broschiert, 16,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Renate Eckert – Novemberfeuer

Eckert_Novemberfeuer

Im Elite-Internat Wetterstein bei Schweinfurt wagt die Deutschlehrerin Franziska nach einer gescheiterten Ehe einen Neubeginn. Ihre 16-jährige Tochter Hannah ist alles andere als begeistert von dem Umzug in das alte Schloss.
Franziskas erfolgreicher Neustart wird jäh gestoppt, als einer ihrer Schüler vom Turm des Schlosses stürzt. War es Selbstmord? Mord? Hat sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt? Die Polizei ermittelt.
Franzsikas Glaubwürdigkeit, ja ihr ganzes neues Leben sind in Gefahr. Bei ihren Nachforschungen gerät sie in ein Labyrinth aus persönlichen Konflikten, dubiosen Machenschaften im Lehrerkollegium und sorgsam gehüteten Geheimnissen. Und ein mysteriöser Unbekannter kommt ihr und ihrer Tochter immer näher… (Klappentext)

Ich kann es nicht oft genug erwähnen: Mit zwei Büchern aus dem Hause „mainbook“ hatte ich schon sehr viel Spaß. Nach „Das Ende vom Lied ist kein schlechter Anfang“ und „Schattentour“, hoffte ich auf ein Weiterführen der Glückssträhne mit „Novemberfeuer“.
Das Internatsthema sprach mich sofort an. Ich fühlte mich in meine Kindheit und Jugend zurückversetzt. Warum auch immer. Ich war nämlich weder in einem Internat, noch habe ich damals Bücher, die dort spielen, gelesen. Aber egal, ich war sehr gespannt. Vor allem stehe ich auch einfach auf Psychothriller.
Die Ausgangssituation war also äußerst vielversprechend.

Die Story wurde dann sehr langsam eingeführt. Es dauert nicht lang, bis Franziska ihre Stelle im Internat Wetterstein antritt, doch dann wird dem Kennenlernen sehr viel Zeit eingeräumt. Man lernt ihre „Familie“ – also die Schüler, für die sie die Verantwortung hat – kennen, die Lehrer und die allgemeine Situation zwischen all den Personen.
Erst genau bei der Hälfte des Buchs stürzt der Schüler vom Turm. Bis dahin war wenig vom „Psychothriller“ zu sehen. Doch auch danach fehlte der Thrill. Denn auch wenn tatsächlich Gefahr für Franziska bestand, waren ihre Nachforschungen bei Weitem nicht so tiefgreifend, wie ich gedacht hätte. Alles blieb ein wenig oberflächlich.

Die Spannung war also so gut wie nicht vorhanden. Vor allem, da die Hinweise im Buch mit dem Holzhammer geliefert wurden, war mir schon am Anfang des Buches klar, wer später als der oder die Böse präsentiert wird.
Insgesamt empfand ich das Buch also keineswegs als Psychothriller.

Die Figuren wurden alle sehr gut eingeführt und trotz der schieren Menge an Lehrern und Schülern kann man sie relativ gut auseinanderhalten. Dazu hat sich die Autorin den einen oder anderen Kniff ausgedacht, der es dem Leser einfacher machte.
Trotzdem konnte ich weder zu der Hauptfigur Franziska, noch zu ihrer Tochter, ihren Schülern oder irgendeiner anderen Figur eine Verbindung aufbauen. Alle blieben auf Distanz und auch wenn Innenansichten geliefert wurden, blieben die Figuren kühl.
Da half es auch nichts, dass das Buch ab und zu mal aus der Perspektive einer anderen Figur als Franziska geschrieben wurde.

Wenn mich nun also die Idee der Geschichte überzeugte, blieb die Umsetzung doch ziemlich fad und auch die Figuren überzeugten mich nicht.
Was aber alles noch viel, viel schlimmer machte, war die Sprache. Auf jeder einzelnen Seite schüttelte ich genervt den Kopf.

Renate Eckert ist 1946 geboren, war also beim Schreiben des Buches schon fast 70 Jahre alt.
Ich könnte wetten, dass sie eine sehr intelligente, belesene Frau ist und das merkt man an jeder Ecke des Buches. Es passt aber einfach nicht. Franziska, die Mitte 40 ist, redete und dachte schon sehr altmodisch, aber auch den Jugendlichen hat sie keine wirklich moderne Sprache geben. Ein einzelnes „Also chille runter, Mum.“ (S. 194) machte es fast noch ein wenig peinlicher.
Insgesamt wirkte die Sprache verkrampft, gestelzt, unmodern und zwanghaft nach Synonymen suchend. Bei Dialogen gab es keinen natürlichen Fluss.
Allein auf den ersten paar Seiten gab es schon unangenehme Ausdrucksweisen:

• „eine Spur einstiger Grandezza“ (S. 7)
• „eine lebhaft geführte Debatte“ (S. 12)
• „sein Augenspiel war weit entfernt gewesen von einem Flirt“ (S. 12)
• „sie […] maßregelte sich ernsthaft“ (S. 12)
• „Die Art von Schuhen werde ich mir wohl abgewöhnen müssen […], argwöhnte sie“ (S. 14)
• „mir das Arrangement durch den Kopf gehen zu lassen“ (S. 18)
• „Franziska nahm die dargebotene Hand“ (S. 19)
• „‘ Danke Frau Mettmann‘, beschied sie der Direktor“ (S. 20)

Und wenn später von Bangigkeit, laut palavernden Menschen, einer frechen Leinentunika und Gardinenpredigten gesprochen wird, bleibt die Sprache unangenehm.
Für mich wirkte sie sich auch negativ auf den Inhalt aus, weil er mir so weniger Spaß machte, und auch auf die Figuren, da ich mich mit so unnatürlich sprechenden Menschen nicht identifizieren kann.

Bis zum Ende fragte ich mich auch, warum das Buch nun „Novemberfeuer“ heißt. Es ging weder um Feuer, noch explizit um den November.

Fehlender Thrill, distanzierte Personen und unangenehme Sprache. Leider konnte mich „Novemberfeuer“ so gar nicht begeistern. Die Story war nicht mal schlecht, anders geschrieben, wäre sie sicher interessant gewesen. Nicht unbedingt sehr viel spannender, dazu war die erste Hälfte des Buches allein schon zu lahm, aber doch sicher gut zu lesen.

So fand ich das Buch – ganz abgesehen von der Sprache – nett, aber leider nicht mehr. Da hilft es auch nicht, dass mein Lieblingsautor Sebastian Fitzek das Buch als „intelligente, spannende Unterhaltung“ lobt. 2 Sterne

Renate Eckert – Novemberfeuer
mainbook, 30. April 2016
ISBN 394641303X
229 Seiten
Taschenbuch; 10,70 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Henry Miller – Opus Pistorum

Miller_Opus Pistorum

»Henry, der Geld brauchte, schlug mir vor, er werde für mich verkäufliche Texte schreiben. Ich bot ein Honorar von einem Dollar pro Seite, dafür erhielt ich alle Rechte… Ich bezahlte immer bar, wie ausgemacht. Nach wenigen Monaten ergaben die angesammelten Seiten ein komplettes Buch, dem er den Titel OPUS PISTORUM gab.« Milton Luboviski (Klappentext)

Alf ist um die 40 Jahre und lebt als Amerikaner in Paris. Sein Beruf: Journalist. Seine Berufung: Frauenvernascher.
Mit seinen Freunden Arthur, Ernest und Sid zieht er durch die Stadt der Liebe und nimmt sich eine Frau nach der anderen. Doch sein großes Glück ist: auch sie wollen alle. Nur selten hat er Schwierigkeiten. Doch die löst er schnell durch Vergewaltigung.
Man verfolgt Alf in einem Jahr voller Sex.

Das Buch wurde posthum von dem Buchhändler Milton Luboviski veröffentlicht und so bekam Henry Miller den Skandal um dieses Werk nicht mehr mit.
Doch gewundert hätte er sich nicht, war doch sein Buch „Wendekreis des Krebses“ 27 Jahre in den USA verboten. Dies geschah noch während seinen Lebzeiten. Erst nach der Aufhebung des Verbots 1961 erlangt Miller mit fast 70 Jahren verspäteten Erfolg.
Opus Pistorum war von 1988 bis 1993 in Deutschland indiziert.

Das Buch besitzt nur sehr grob eine Rahmenhandlung. Hauptsächlich werden die Geschehnisse durch wiederkehrende Personen zusammengehalten.
Insgesamt dreht sich das Buch aber nur um Sex: Sex mit Prostituierten, Sex mit Lesben, Sex mit Bekannten, Sex zwischen Eltern und Kindern, Sex zwischen einer Zwergin und einem Hund, Dreier, Vierer, Orgien. Henry Miller lässt keine Wünsche offen.

Ich war sehr gespannt auf das Buch. Ich wollte sehen, wie skandalös der Inhalt ist. Antwort: Sehr. Vor allem die Szenen mit Kindern, Vergewaltigungen und Inzesthandlungen könnten für viele Leser schwierig sein.
Es ist definitiv kein Buch, bei dem man denkt: „Ja, als es vor über 70 Jahren geschrieben wurde, war es noch skandalös, aber heute ist das normal…“. Auch für heutige Verhältnisse enthält das Buch mehr Straftaten und Tabus als man auf den 327 Seiten erwarten würde.

Trotz des pikanten Inhalts und der derben Sprache schaffte Miller eine seltsam nüchterne Atmosphäre. Ich konnte mich nie mit dem Geschehen identifizieren, nie war ich mehr als Zuschauer.
Auch wenn manche Geschichten sicher prickelnd waren, so war ich schnell gelangweilt.
Sind wir ehrlich: So wahnsinnig viele Arten Sex zu haben gibt es nicht. Und auch wenn Henry Miller sicherlich alles rausgeholt hat, was ging, gab es unglaublich viele Wiederholungen. Kanntest du eine Geschichte, kanntest du alle. Nur die Personen und Umstände änderten sich, die Art Sex zu haben blieb meist dieselbe.
Durch die immer gleichen Situationen gab es zusätzlich auch die immer gleichen Formulierungen.

Insgesamt fehlte mir einfach die Handlung. Mich reizte es nicht, eine Sexorgie nach der anderen zu lesen. Nach den ersten drei oder vier Geschichten, die ich staunend las und mich fragte, in was Alf wohl als nächstes hineinschlittert, war auch dieser Spaß verflogen.
Ich langweilte mich dann durch die letzten Dreiviertel.

Ich war jedoch nie angeekelt oder durch die Perversionen abgestoßen. Das Buch schafft es also trotz des Inhalts ein gewisses Niveau zu halten.
Trotzdem hatte ich nicht allzu viel Spaß mit dem Buch: 2 Sterne.

Henry Miller – Opus Pistorum
Originaltitel: Opus Pistorum (1983)
Axel Springer SE, 1. Oktober 2012 (Neuauflage; Original: 6. November 1986)
ISBN 3942656434
327 Seiten
Gebunden; 9,99 Euro

Franziska Wolffheim – Zweistein oder das Brummen der Welt

Wolffheim_Zweistein oder Das Brummen der Welt

Auf den ersten Blick scheint Zweistein ein ganz gewöhnlicher Kater: Er döst gerne in der Sonne, streift durch sein Revier, nimmt gnädig die Gunstbeweise seiner Besitzerin Frau Fourgé entgegen. Aber Zweistein ist auch ein Kater mit ziemlich viel Verstand. Er möchte den Dingen auf den Grund gehen und macht sich über dieses und jenes auf unserer Welt so seine Gedanken. Dabei kommt er auf erstaunliche Ideen. (Klappentext)

Ich liebe Bücher, die kurz und lustig sind.
Mit seinen 136 Seiten erfüllte „Zweistein oder Das Brummen der Welt“ definitiv die erste Anforderung. Ob die zweite auch zutrifft, hieß es herauszufinden. Und wenn schon nicht lustig, dann hoffte ich auf geistreich oder philosophisch. Das schien mir der Klappentext immerhin zu versprechen.

ZweisteinDas Buch besteht aus 50 kleinen Geschichten über das Leben und die Gedanken von Kater Zweistein.
Zeichnungen und Besonderheiten in der Typografie stellten immer wieder einen Bezug zu den Kapiteln her.

Die Geschichten waren wenigstens eine und höchstens vier Seiten lang und hingen untereinander nicht zusammen.
Das ist schon das Erste, was ich schade finde. Ich hätte mich über einen roten Faden gefreut. Manche andere Katzen und Nachbarn kamen zwar öfter vor, aber selten als aktive Figuren. Sie waren meistens Teil von Zweisteins Gedankengängen. Ich hatte gehofft, dass es im Hintergrund zusammenhängende Geschichten gibt, die das Geschehen vorantreiben.

Viel wichtiger ist aber eher, ob das Buch witzig ist. Dazu gibt es von mir ein klares Nein. Ich konnte nicht lachen.
Dann hoffte ich wenigstens auf philosophische Ansätze, aber auch die gab es nicht. Ja, Zweistein macht sich viele Gedanken, aber es sind eher Fragen zu bestimmten menschlichen Gewohnheiten oder allgemeinen Beobachtungen. Warum tauschen Menschen Kleidung um? Kann Mozart mal zu Besuch kommen? Leben Fliegen entspannter, weil sie sich nicht ärgern? Ist eine Käsescheibe eine Schatzkarte und hat deswegen so viele Löcher?
Ich konnte mit diesen Überlegungen wenig anfangen. Es machte mir keinen Spaß, sie zu lesen. Sie waren nämlich nicht wirklich geistreich (und einfach auch nicht witzig).

Die Sprache an sich war weder überaus klug, noch überaus einfach. Sie ist kein bisschen besonders. Sie ist einfach nur vollkommen normal.

Im Prinzip hätte ich mich mit all dem arrangieren können, wenn ich Zweistein sofort in mein Herz geschlossen hätte. Aber auch das ging nicht. Er war nicht unsympathisch, aber auch nicht sympathisch. Er war als Erzähler und Gedankenmacher einfach da. Ich konnte keinerlei Verbindung zu dem Tier aufbauen. Ich fand ihn nicht niedlich, habe mich aber auch nicht über ihn aufgeregt. Er war für mich wie die Sprache: vollkommen durchschnittlich.

Ich habe das Buch zugeschlagen und konnte für mich nichts mitnehmen. Ich hatte weder Spaß an den Figuren, noch an der Sprache. Die kleinen Geschichten und Fragen zum Alltag haben mich auch nicht zum Nachdenken animiert.

Ich finde es wirklich schade, denn aus dem Ansatz ist sicher mehr herauszuholen. Katzen haben so viele Eigenarten und aus ihrer Sicht machen Menschen sicherlich seltsame Sachen. Doch in der Darstellungsweise von „Zweistein oder Das Brummen der Welt“ plätscherte all das dahin und war – zumindest für mich – leider nicht interessant.

Weil ich das Buch nicht abbrechen musste und die einfache Schreibart das schnelle Beenden begünstigte, vergebe ich 2 Sterne.

Franziska Wolffheim – Zweistein oder das Brummen der Welt
Albrecht Knaus Verlag, 10. März 2015
ISBN 381350610X
136 Seiten
Gebunden; 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Carolyn Mackler – Sommer in New York

Mackler_Sommer in New York

Ich beäugte Eli verstohlen. Er hatte echt schöne Augen. Blau, mit langen dunklen Wimpern. Doch dann schaute er zu mir herüber. Ich tat, als sei ich völlig von dem Umschlag des Bildbands gefesselt.

Broadway, Times Square, Central Park ¬– wer würde nicht gern in New York wohnen? Sammie allerdings könnte gut darauf verzichten. Doch als ihre Eltern eine Trennung auf Zeit beschließen, muss sie mit ihrer Mom in die Großstadt ziehen. Immerhin darf ihr geliebter Labrador Penny mit. New York ist echt das Letzte, findet Sammie. Doch dann trifft sie die schräge Phoebe. Und der stille Eli ist vielleicht doch gar nicht so ein Spinner, wie Sammie zuerst dachte. Irgendwie hat dieser Sommer in New York auch seine guten Seiten. (Klappentext)

Ich finde es immer etwas traurig, wenn der Klappentext im Prinzip schon alles verrät, was im Buch vorkommt.
So ist es auch bei diesem Buch, das mir mein Freund als „Blind-Date-Buch“ schenkte.

Gleich zu Beginn setzt sich Sammies Vater zu ihr und erklärt, dass die Eltern sich vorerst trennen wollen. Damit gerät ihre Welt, wie sie sie kannte aus den Fugen. Vor allem ändern sich komplett die Pläne der Familie. Sie ziehen nicht alle drei zusammen nach Kalifornien, wo der Vater ein Forschungsjahr verbringen will. Er wird allein umziehen und Sammies Mutter nimmt die Tochter mit nach New York.

Dort versinkt die Mutter, Rose, in ihrer Trauer und Sammie muss ihre Rolle einnehmen und dabei auch noch mit ihrer eigenen Situation fertigwerden.
Und dann ist da noch ihre beste Freundin, mit der sie sich auch schon ohne diese Entfernung auseinander zu leben scheint.

Schon die Thematik zeigt, dass das Buch sich an die etwas jüngere Leserschaft richtet und auf dem Buchrücken wird das Lesealter mit „ab 12“ beschrieben.
Vielleicht lag es deswegen, vielleicht daran, dass es kein wirkliches Ziel in der Geschichte gab: Ich war gelangweilt. Ich brauchte gut drei Monate für die 200 Seiten und das vorrangig deswegen, weil mich nie wirklich interessierte, wie es weiter ging. Die Geschichte plätscherte so vor sich hin und die spannenden Dinge geschahen erst auf den letzten 20 Seiten und waren damit auch viel zu kurz.

Leider merkt man die junge Zielgruppe nicht nur an der Thematik, was grundsätzlich kein Problem für mich wäre, sondern häufig auch am Schreibstil. Nicht selten hatte ich das Gefühl, ich würde einen Schüleraufsatz lesen. Die Sprache war mir teilweise wirklich zu einfach.

Auch mit den Figuren konnte ich mich leider sehr schlecht anfreunden. Sammie, die heir die Ich-Erzählerin ist, steckte mitten in der Pubertät und kämpfte die meiste Zeit gegen zwei Dinge: Ihre Eltern und ihre Selbstzweifel.
Die Muttertat mir zwar leid, aber das Zerfließen in Selbstmitleid und Depressionen war mir zu exzessiv ausgelebt. Vor allem, da sie die sechszehnjährige Sammie so sich selber in der neuen Stadt überließ.
Nur Phobe, die Sammie auf der Hundewiese kennenlernte, schloss ich mit ihrer aufgeschlossenen Art schnell ins Herz.

Insgesamt konnte mich das Buch leider nicht so recht überzeugen. Durch die Kürze wurde alles eher oberflächlich abgehandelt, die Sprache war zu einfach und die Figuren in der Gesamtheit entweder zu distanziert oder zu unsympthisch.
Ich kann nur 2 Sternegeben.

Carolyn Mackler – Sommer in New York
Originaltitel: Love and Other Four-Letter Words (2000)
Carlsen, Juni 2014
ISBN 3551313326
205 Seiten
Taschenbuch; 6,99 Euro

Daniel Glattauer – Ewig Dein

Glattauer - Ewig DeinIch habe drei Wochen für dieses 220-Seiten-Buch gebraucht und das kam nicht von ungefähr.
Ich hatte „Ewig Dein“ schon auf meiner Wunschliste stehen, seit es erschienen ist und als ich es dann in einer Mängelexemplar-Auslage fand, griff ich sofort zu.
Ich hatte mir so viel davon versprochen, denn der Inhalt gefiel mir:

Wenn der Traumprinz zum Alptraum wird…
Im Supermarkt lernt Judith, Mitte dreißig und Single, Hannes kennen: Architekt, ledig und in den besten Jahren. Hannes ist nicht nur der Traum aller Schwiegermütter – auch Judiths Freundeskreis ist restlos begeistert. Und anfangs ist sie das ja auch… (Klappentext)

Thematisch hat mir die Wandlung von dem Traummann zum Stalker gefallen und stellenweise war das Buch wirklich spannend.
Ich gruselte mich bei den psychologisch geschickten Schachzügen von Hannes und es fiel mir an der einen oder anderen Stelle schwer weiterzulesen, weil die Thematik so aus dem Leben gegriffen ist und einen definitiv ängstigen kann.
Trotzdem ertappte ich mich selber dabei, dass ich Judiths Angst in Frage stellte und nicht mehr ganz durchschauen konnte, ob sie sich das alles eher zusammenphantasiert oder ob von Hannes wirklich Gefahr ausgeht.

Unterteilt ist das Buch in 15 Phasen, die dann jeweils kurze Unterkapitel haben, die immer eine länge von ein bis vier Seiten haben.

Leider waren das die einzigen positiven Punkte.

Schon in der ersten Phase verschreckte mich das Buch mit einer Sprache, die ich so noch nicht gelesen habe. Sie war hektisch, abgehackt, wirr. Ich hatte furchtbare Angst, dass das ganze Buch so geschrieben ist.
Ab Phase zwei wurde es dann zum Glück besser. Es las sich dann flüssiger und zusammenhängender, aber begeistert war ich auch da nicht. Eine gewisse Anstrengung blieb beim Lesen.

Was mir im Zusammenhang mit der Sprache aber noch Schwierigkeiten bereitete, war die österreichische Art zu sprechen. Es war prinzipiell alles in Hochdeutsch geschrieben, auch die Dialoge, aber die Präpositionen waren oft so ganz anders, als ich es sage und auch einige Worte waren für meine Ohren ungewöhnlich. So etwas reißt mich dann immer aus dem Lesefluss.
Und dass das „Lehrmädchen“ immer „Mädel“ genannt wurde und alles „volle arg“ fand, nervte mich auch.

Mit den Figuren wurde ich auch schlecht warm. Es gab wenig Dialoge in dem Buch und somit blieben gerade die Nebenfiguren farblos.
Von Judith erfuhr man viel, vor allem von ihrem Innenleben. Trotzdem fand ich keine Verbindung zu ihr. Sie war mir zu kühl und durchdacht, als dass ich mein Herz an sie hätte binden können. Vor allem auch die anfängliche Begeisterung wegen Hannes konnte nicht so recht vermittelt werden.
Hannes, seine Gefühle und Taten standen neben denen von Judith im Fokus. Den mochte ich aus gegeben Umständen aber noch weniger.

Heikel fand ich bei den Figuren auch, wie die besten Freunde und Familie von Judith sich von ihr immer mehr abwandten, ihr nicht glaubten, ihre Sorgen nicht ernst nahmen und Hannes blindlings vertrauten.
Es regte mich förmlich auf, wie man der Intuition einer klugen und psychisch bisher unauffälligen Freundin misstrauen kann und ihr jeglichen Verdacht abspricht.

Das Ende wartete tatsächlich noch mit einer Überraschung auf, die bei mir ziemlich viele Fragen aufwarf.

Alles in allem bin ich bei Weitem nicht so zufrieden mit dem Buch, wie ich es gehofft hatte.
Die Thematik hat mich fasziniert, aber die Sprache, die Figuren und die eigentümliche Logik vieler Personen hat mich abgeschreckt.
Durch den anstrengenden Schreibstil musste ich das Buch auch nach wenigen Seiten immer wieder weglegen, weil es keinen Spaß brachte.
Allein für die Geschichte und das unterbewusste Grauen gibt es: 2 Sterne.

Daniel Glattauer – Ewig Dein
Goldmann Verlag, Januar 2014
ISBN 3442478812
220 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Sascha Arango – Die Wahrheit und andere Lügen

Arango_Die Wahrheit und andere Lügen

Henry ist ein erfolgreicher Schriftsteller. Er ist elegant, großzügig und sehr gefährlich. Henry führt ein angenehmes Leben – bis seine Geliebte ihm eröffnet, dass sie ein Kind von ihm erwartet. Nun müsste er seiner Frau alles erzählen. Aber muss er ihr wirklich alles sagen? Einfacher ist es, die Geliebte aus dem Weg zu räumen. Doch genau dabei passiert Henry ein fatales Missgeschick. (Klappentext)

Der Titel ist hier Programm. Henry lügt und betrügt, wo er nur kann und selbst die Wahrheit verdreht er so sehr, bis sie als solche nur noch schwer zu erkennen ist.
Das machte es mir auch so schwer, mich in Henry hineinzuversetzen. Er ist kein sympathischer Charakter, er hält den Leser ebenso wie die Menschen um sich herum auf Distanz.
Doch auch zu den anderen Figuren habe ich keine Bindung aufbauen können. Sie hatten alle Verhaltensweisen und trafen Entscheidungen, die mir unlogisch erschienen.

Doch nicht nur das war unlogisch, auch die Geschichte an sich machte es mir ab zu schwer, ihr zu folgen. Es mag an den Lügen gelegen haben und einfach an der grundsätzlichen Uninteressantheit, dass ich mir gar nicht alles merken wollte und mir dann beim weiteren Lesen einige Details wieder fehlten.
Natürlich, der fatale Fehler, den Henry beging, der war überraschend für mich. So überraschend, dass ich einen lauten, schockierten Ruf ausstieß und dann „Really?!“ fragte.
Aber das war auch das Spannendste am ganzen Buch. Ab da verlief es relativ vorhersehbar.
Hier und da noch eine kleine Wendung, aber nichts, was mich noch schocken konnte. Am Ende traute ich Henry eh alles zu.

Auch die Sprache vereitelte mir meinen Lesespaß. Oft klang es so, als würde Herr Arango gezielt Fremdwörter oder fremdsprachliche Ausdrücke einfließen lassen, um das Buch nicht allzu banal erscheinen zu lassen. Immer öfter dachte ich, dass hier ein Autor bei seinem Debüt gleich versucht große Literatur zu schaffen.

Ich hatte gehofft, menschliche Abgründe zu sehen und verwirrenden Pfaden folgen zu müssen in diesem Buch, aber für mich war Henry zu „klischee-böse“. Er ist für mich kein menschlicher Abgrund, sondern eher ein notorischer Lügner, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht und dazu kaltherzig ist.
Darüber hinaus blieben schlussendlich viel zu viele Fragen offen, die im Laufe des Buches eine große Rolle zu spielen schienen. Ich für mich konnte so bis zum Ende nicht wirklich klären, wer Henry ist, was ihn ausmacht, was er fühlt und warum er ist, wie er ist.

Immer wieder dachte ich: Wenn jemand, der ganz selten liest, sagt: „Heute lese ich mal ein Buch!“, dann würde es genau das sein. Seichte Story, flache Charaktere, nichts, was lange im Gedächtnis bleibt. So stelle ich mir diese Einsame-Berghütte-vor-Kamin-mit-Wein-„Heute mal ein Buch-„Leser vor.
Herr Arango ist Drehbuchautor und hat auch schon ein paar Tatorte geschrieben. Ich habe noch nie einen Tatort gesehen, aber mein Gefühl sagt mir, dass er lieber dabei bleiben sollte. 2 Sterne

Sascha Arango – Die Wahrheit und andere Lügen
C. Bertelsmann Verlag, 3. März 2014
ISBN 3570101460
299 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro

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