Walter Moers – Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Dylia Insomnia ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr, der sich als Havarius Opal vorstellt. Er kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen, bietet ihr jedoch vorher noch die Gelegenheit zu einer abenteuerlichen Reise: nach Amygdala, der berüchtigten Stadt der Angst, in der das dunkle Herz der Nacht regiert. Dylia willigt ein, weil es nicht nur um ihren Verstand, sondern auch um ihr Leben geht. (Klappentext)

Gespannt tauchte ich in die zamonische Welt von Walter Moers und freute mich auf eine schöne, spannende und fantasievolle Geschichte.
Doch schon auf den ersten Seiten trat eine Enttäuschung ein, die mich das ganze Buch über nicht losließ.

Es begann mit gähnender Langeweile. Man lernt die sehr kluge, aber auch sehr schlaflose Prinzessin kennen, die durch das Schloss wandelt und dabei darüber schwafelt, was sie sich den lieben langen Tag so ausdenkt. Kapitelweise erzählte sie allerlei unwichtige Sachen, über die sie sich Gedanken macht, denn wenn sie eins hat, dann Zeit. Ich wurde lange mit ihrem Planeten belästigt, den sie sich vorstellt, wenn die Symptome ihrer Krankheit sie mit voller Kraft treffen und ihren Regenbogen-Erfindungen, die ihre Langweile, während alle anderen schlafen, erträglicher machen sollen.
Ich hegte schon den Verdacht, dass das ganze Buch ein Trick ist. Vielleicht hat Walter Moers das Buch extra zäh geschrieben, damit man selbst von einer etwaigen Schlaflosigkeit befreit wird.

Plötzlich tritt der Nachtmahr auf den Plan, der im Schlafgemach der Prinzessin auftaucht. Er weiß Dinge, die er nicht wissen kann, Dinge, die es nur in Dylias Kopf gibt. Er könnte ihr also so nah sein, wenn nicht sein einziges Ziel wäre, dass Dylia sich schnell umbringt, damit er zur nächsten Person weiterziehen kann.
Doch die Prinzessin ist kämpferisch. So schnell würde sie ihr Leben nicht aufgeben. Doch um ihr ihren zukünftige Wahnsinn schon einmal näherzubringen, begeben die beiden sich auf eine Reise durch Dylias Gehirn.

Ich hatte gehofft, dass der Nachtmahr jetzt endlich Schwung ins Buch bringt. Und das tat er auch. Seine Figur wirkt spannend und geheimnisvoll, doch diese Aura nutzte sich schnell ab.
Ich begab mich nun mit dieser skurrilen Reisegruppe in das Gehirn der Prinzessin und stolperte immer ein bisschen hinterher wie ein drittes Rad am Fahrrad, das sich nicht entscheiden konnte, ob es den unsympathischen, arroganten und besserwisserischen Nachtmahr oder die unsympathische, arrogante und besserwisserische Prinzessin weniger mochte.

Auf dem Weg trifft man ganz in moerscher Manier allerlei fantastische Wesen. Das mochte ich wirklich. Es ließ mich das Gehirn mit ganz anderen Augen sehen. Dieses graue Wunder-Organ wäre noch ein Stück interessanter, wenn es von Egozetten, Ideen-Schmetterlingen, Geist-Geistern oder Irrschatten bewohnt wäre. Allein die Ideen! Diese Kombination aus realer Funktionsweise des Gehirns, die mit ausgedachten Dingen erklärt wurde, war toll.
Um diese Besonderheiten noch mehr hervorzuheben, ist das Buch wunderschön von Lydia Rode, deren eigene Geschichte in dieses Buch ein ganzes Stück mit hineinfloss, illustriert. Ich freute mich über jedes neue Bild und schaute es immer ganz genau an. Um ehrlich zu sein, freute ich mich vor allem bei den ganzseitigen Bildern auch darüber, dass es eine Seite weniger zu lesen war.

Doch leider gibt es insgesamt nicht viel, was ich gut fand. Denn so interessant die Ideen waren, sie schafften es nicht, das Buch spannend zu machen.
Die Reise durch das Gehirn zog sich und langweilte mich immer mehr. Ich hatte auch bald vergessen, warum die beiden sich überhaupt dorthin aufgemacht hatten und was passiert, wenn sie erst einmal Amygdala erreicht hatten.

Sprache und Wörter spielen in diesem Buch eine besondere Rolle, denn Dylia spricht nicht nur viele Sprachen, sondern sie sucht sich auch jeden Tag 13 Pfauenwörter aus. Fremdwörter, die ganz besonders sind und die sie an diesem Tag mindestens einmal verwenden möchte.
Auch der Leser lernt hier Wörter und Dinge kennen, von denen er nicht gedacht hätte, dass sie existieren. Aber sie tun es wirklich. Zumindest einige davon.
Darüber hinaus ersetzt Dylia auch, so oft es geht, einfache Wörter mit altertümlicheren, um ihre Sprache gehobener klingen zu lassen. Außerdem überschüttet sie den Leser mit Aufzählungen, die einen unwichtigen Fakt unnötig aufbauschen.

Ich bin ehrlich enttäuscht und darüber bin ich traurig. Ich habe mich so lange schon auf das Buch gefreut. Nahm es immer wieder zur Hand, um den schönen, gerillten Einband anzufassen. Ich freute mich auf eine Prinzessin, die sich mit einer Sache quält, die viele Menschen betrifft. Ich freute mich auf einen Nachtmahr, der das Salz in die Suppe ist.
Ich bekam einen fantasievollen Abenteuerroman, der langweilig war. Unspannend, unlustig und uninteressant.

Walter Moers – Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
Albrecht Knaus Verlag, 28. August 2017
ISBN 3813507858
338 Seiten
Gebunden; 24,99 Euro

Gauthier Wendling – Escape Book – Das Horror-Hotel

Chicago, 1893. Im Umfeld eines seltsamen Hotels sind auf mysteriöse Weise mehrere Menschen verschwunden. Die Gänge in diesem Haus sind verwinkelt und es gibt Türen, die zu nackten Ziegelwänden führen… Die berühmte Krimiautorin Ariana Wire beschließt, in diesem Labyrinth des Schreckens Nachforschungen anzustellen. Doch die Dinge entwickeln sich nicht wie vorgesehen – ganz und gar nicht! Auch der Mörder streift zwischen den Mauern des Hotels herum, und er hat einen schrecklichen Plan…

Kombinationen, verborgene Dokumente, unerwartete Verbündete: Um den Fallen zu entkommen, müssen Sie logisch denken und Ihre gute Beobachtungsgabe unter Beweis stellen. Wer wird gewinnen: der Täter oder die beherzte Frau? (Klappentext)

Nachdem ich mit meinem ersten Escape Book so viel Spaß hatte, schlug ich direkt im Anschluss das nächste auf.
Die Story klang für mich sehr atmosphärisch und spannend. Ich konnte es kaum erwarten, mich auf den Weg aus dem Horror-Hotel zu machen.

Es beginnt mit einem Sammelsurium von Zeitungsausschnitten, aus denen sich ein schreckliches Bild ergibt. Immer mehr Frauen verschwinden in Chicago. Ariana Wire will der Sache auf die Spur gehen, denn vor allem der Fall um die junge Kathy Miller lässt sie nicht los. Durch ihre Erfahrung als Krimiautorin glaubt sie an ihre detektivischen Fähigkeiten. Doch ihre Selbstsicherheit schwindet, als sie ohne Erinnerungen in einer verschlossenen Kiste erwacht.

Dieses Buch hat wirkliche eine Geschichte mit verschiedenen Figuren und Hintergrund-Storys. Und die fand ich wirklich gut. Es machte Spaß, voranzukommen und immer mehr zu entdecken und dem Mörder auf die Spur zu kommen.
Das größte Problem: Das Entdecken wurde einem wirklich nicht leicht gemacht.

Jedes Kapitel endete an einem Strich und darunter befanden sich jeweils die römischen Ziffern von I bis III. Hier standen Fortführungen der Geschichte, Räume öffneten sich hier oder man erfuhr noch ein paar mehr Details.
Um diese Ziffern zu entdecken, musste man sich durch die Aufzeichnungen des Notizbuchs im hinteren Teil des Buches wühlen, Bilder genau studieren, gefundene Gegenstände kombinieren und anderen Fährten folgen.
Es war mühsam. Wirklich. Bis zum Schluss habe ich nicht alle Ziffern gefunden, nicht jeden versteckten Hinweis entschlüsselt. Nicht selten war ich vollkommen aufgeschmissen und wusste nicht, wie und wo ich weitermachen soll. Ich las dann hinten bei der Hilfestellung nach – und war kein Stück schlauer.

Manche Rätsel hatte ich komplett übersehen, was für das Weiterkommen erstmal kein Problem war. Doch dann hatte ich plötzlich wie selbstverständlich Gegenstände, die ich nie gefunden hatte.
Mit manchen Hinweisen konnte ich nichts anfangen und blätterte durch das gesamte Buch von vorn bis hinten, bis ich irgendwo gefettet las, dass ich von dort in den nächsten Raum komme. Von allein hätte ich an dieser Stelle nie gelesen.

Es gab auch keine zwingend vorgegebene Reihenfolge. Man stand zum Beispiel in einem Flur, von dem fünf Räume abgingen und man konnte sich aussuchen, bei welchen man startet. Ich habe allein der Übersicht halber chronologisch gelesen und bin nicht in den Kapiteln gesprungen. Beziehungsweise ich wollte es nicht, aber ich musste es tun, weil ich immer wieder Dinge übersehen hatte.
Und „übersehen“ ist hier auch ein passendes Wort, denn Rätsel musste man nicht lösen. Man musste nur auf Teufel komm raus versuchen, irgendwo die richtigen römischen Ziffern zu finden.

Wenn man über die fehlenden Knobeleien hinwegsehen kann – was ich konnte -, ist die Sache mit den römischen Ziffern eigentlich ganz cool, aber auch einfach nicht durchdacht. Das Buch besteht aus 30 Kapiteln und man hätte so echt durcheinander die „Lösungen“ beziehungsweise „Fortführungen“ streuen können. So war es aber nicht. Eigentlich stand fast immer in dem aktuellen Kapitel (oder ein, zwei davor oder dahinter) die richtige Weiterführung. Und dann auch häufig so, dass man, wenn beispielsweise I eine falsche Fährte war, einfach II lesen musste, um weiterzukommen.
Diese Lieblosigkeit gab es auch bei der Kombinationstabelle. Direkt untereinander standen die Möglichkeiten und dahinter direkt, was passiert. Da konnte man also schlicht drei, vier Zeilen hintereinander lesen, was nun passiert, wenn man den einen Gegenstand mit den anderen verbindet. Man musste nicht überlegen oder sich anstrengen.

Ich fand die Art wirklich nicht schön. Ständig blätterte ich hin und her, verlor Spuren, wusste nicht, wonach ich suchen soll oder verstand nicht, worauf der Hinweis hinauswill.
Durch eine oder zwei Türen bin ich sogar durchgegangen, obwohl ich sie eigentlich noch nicht geöffnet hatte.
Im hinteren Teil gab es sogar verschiedene Möglichkeiten, wie ein aktuelles Gespräch mit Gästen des Hotels weitergeht. Nach manchen Entscheidungen konnte man sogar sterben. Erst fand ich das spannend, aber spätestens als ich das erste Mal starb, fand ich es lästig. Letztlich schließt man das Buch ja eh nicht und denkt: „Tja nun, dann erfahre ich wohl nie, was in dem Hotel los war.“, sondern geht zurück und entscheidet sich anders. Und wieder war das einfallslos, denn ich wusste ja nun, hinter welchem Buchstaben bei den Gesprächsweiterführungen der Tod wartete. Wenn ich mich an einer anderen Stelle wieder entscheiden konnte, wählte ich diesen Weg natürlich nicht. Und schon grenzte sich meine Entscheidungsvielfalt ein.

Das Buch ist eigentlich echt schön aufgemacht und die Story ist spannend.
Aber die Aufbereitung des Escape-Teils war für mich vollkommen verwirrend, uneindeutig und hinderlich. Ständig blätterte ich hin und her und blieb doch frustriert zurück.

Gauthier Wendling – Escape Book – Das Horror-Hotel
Originaltitel: Escape Book – Hôtel Mortel (Januar 2019)
Ullmann Medien GmbH, 12. August 2019
ISBN 374152395X
237 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Sherlock Holmes’ Rätseluniversum

Begleiten Sie den weltberühmten Privatdetektiv Sherlock Holmes auf Spurensuche und nutzen Sie Ihr Kombinationsgeschick zum Lösen kniffliger Fälle. Geschrieben von Holmes‘ Sidekick Dr. John Watson stellen Rätsel in vier Schwierigkeitskategorien sowohl Hobby- als auch Profi-Detektive auf die Probe. (Klappentext)

Da mir die Bücher der Crime-Mysteries-Serie von Ullmann Medien so sehr gefallen haben, habe ich mir mehr Bücher in diesem Stile gewünscht, die es bei dem Verlag (scheinbar) zu finden gibt.
Weihnachten schenkte mir mein Freund zwei Stück, eines davon habe ich nun gelesen.

„Gelesen“ ist aber eigentlich fast zu viel gesagt. Es gibt 113 Fälle, durch die man sich Seite um Seite durcharbeitet. Unterteilt sind sie dabei in vier verschiedene Schwierigkeitsstufen: „Für Einsteiger“, „Für Fortgeschrittene“, „Für Tüftler“ und „Für Meister“. Als klare Abgrenzung empfand ich es jedoch nicht. Für mich waren die meisten Rätsel schon auf einem sehr ähnlichen Schwierigkeitsniveau.

Ich begann recht motiviert, denn das Buch ist wirklich schön gestaltet und jedes Rätsel kann mit seiner Aufmachung punkten. Schöne Umrandungen, passende Zeichnungen – es macht allein schon Spaß, das Rätsel nur anzugucken.
Der Spaß verflog dann leider schnell beim Durchlesen. Die Rätsel sind alle in ein Gespräch zwischen Holmes (den ich hier unfassbar unsympathisch und großkotzig fand) und Watson. Ein bisschen Einleitung in eine Situation, ein wenig Geplänkel zwischen den beiden. Das mag ja ganz nett gedacht sein, aber letztlich wären viele Rätsel auch in wenigen Zeilen abzufrühstücken gewesen.

Es herrscht eine gewisse Varianz zwischen den Rätseln, aber es gibt eine deutliche Häufung bestimmter Rätselfragen: Fragen nach physikalischen Phänomenen, mathematische Rätsel und Fragen zu Verwandtschaftsverhältnissen und dem Alter von Personen.
Vor allem bei den mathematischen Rätseln und den Fragen zu den Personen (die letztlich auch nur mathematische Rätsel waren), fühlte ich mich häufig an Sachaufgaben in der Schule erinnert. Selbst die klassischen aufeinander zufahrenden Züge wurden bedient.

Nur sehr wenige Rätsel wichen von dieser Art ab und lieferten tatsächlich Mordfälle, die man lösen sollte (oder Bilderrätsel, die man knacken konnte). Problem: Nicht einen konnte ich lösen, weil es zu viel Spekulationsraum gab und meistens sogar erst in der Lösung Details genannt wurden, ohne die man eh nicht auf die richtige Antwort kommen konnte. Manche Lösungen waren dann auch so absurd, dass man auch mit mehr Details nicht darauf gekommen wäre.
Vor allem bei diesen Rätseln fiel mir auf, dass man das am besten zu zweit macht. Als Beispiel lässt sich ein Rätsel ganz gut aufzeigen: Man steht in einer Schlucht, die eine Sackgasse bildet. Vom Eingang her kommt ein Feuer auf einen zu. Ein paar Gegenstände hat man in der Tasche, unter anderem eine Pistole. Die Frage war nun, wie man es schaffen kann, nicht bei lebendigem Leib verbrannt zu werden. Ich dachte sofort: „Erschießen. Dann verbrennt man nicht.“ War natürlich falsch, man kommt da auch lebend raus. Aber die Lösung war für mich so klar, da knobelte ich erst gar nicht weiter dran herum. Hätte ich aber, wenn jemand anderes die Lösung kennen würde und mich dazu animiert hätte, anders zu denken.

Ich gebe es zu: Ich habe nur eine handvoll Rätsel ernsthaft versucht zu lösen. Bei den meisten habe ich direkt nach hinten geblättert und habe mir die Antwort durchgelesen. Ich hatte einfach keine Lust herumzuprobieren, wer wann doppelt so alt wie der andere sein wird, wenn er jetzt noch dreimal so alt ist. Ich wollte einfach nicht mit Zettel und Stift hier sitzen und abends Matheaufgaben lösen.
Aber das Buch schafft es sogar, zum Teil falsche Lösungen zu liefern.

Letztlich hatten die Rätsel auch sehr wenig mit Holmes zu tun. Natürlich wurde durch das Einbetten in Gespräche der Anschein erweckt, aber sie alle hätten auch ohne Holmes und Watson funktioniert.

Ich hatte wirklich überhaupt keinen Spaß an dem Buch. Ich ging einfach mit falschen Vorstellungen an die Sache ran. Ich wollte an Detektivfällen rumknobeln und nicht rechnen müssen.
Trotzdem war das Buch schön gemacht und wer Lust auf diese Art Rätsel hat, wird hier sicher mehr Freude haben.

Tim Dedopulos – Sherlock Holmes’ Rätseluniversum
Originaltitel: The Sherlock Holmes Puzzle Collection (Oktober 2011)
Ullmann Medien GmbH, 08. September 2017
ISBN 3741522570
224 Seiten
Broschiert; 9,99 Euro

Weitere Bücher dieser Art:
Jason Ward – Edgar Allan Poes Rätseluniversum
Jason Ward – Psycho-Rätsel

Björn Beermann – Mitra – Magische Verwandlungen

„Deine Welt ist verloren. Sie ist bereits tot. Kämpf nicht dagegen an.“ Die krächzende Stimme kam aus dem Riss. Mitra wurde von Panik ergriffen. Es schnürte ihr die Kehle zu.

Mitras magische Fähigkeiten erweitern sich und erstarken. Auch ihre Freundin Aggy entdeckt ganz neue Seiten an sich. Aber welche Seiten verbirgt Anton? Ist er der, der er zu sein vorgibt? Währenddessen spinnt das ursprüngliche Feuervolk seine Fäden im Hintergrund, um die anderen magischen Völker zu vernichten und die Macht an sich zu reißen. Gemeinsam stellt sich Mitra mit ihren Gefährten dem Feind entgegen. (Klappentext)

In meiner Rezension zum ersten Tel, Mitra – Magisches Erbe – hatte ich vier Kritikpunkte:
1. Ich wollte mehr mitfiebern, 2. Ich wollte mehr Spannung, 3. Ich wollte eine kleinere Schrift und kleinere Zeilenabstände und 4. Ich wollte längere Kapitel haben.
Zwei der vier Punkte wurden in dem zweiten Teil umgesetzt. Leider die falschen.

Ich hatte nun also ein deutlich besser formatiertes Buch vor mir, aber die Geschichte konnte mich deutlich weniger packen als beim ersten Teil.

Mitra ist sich sicher: Obwohl die große Schlacht mit ihren vielen Opfern auf der Hexenseite vorbei ist, ist der Feind noch nicht besiegt. Doch sie muss nicht nur ihre Familie, die Hexen-Wächterinnen und den Rat der Völker von der Gefahr überzeugen. Sie muss auch damit klarkommen, dass sie als Naturverbundene nun immer mehr Kräfte bekommt. Zusätzlich hat man als Bald-Siebzehnjährige noch ganz irdische Probleme – mit dem Freund, der besten Freundin und dem Vater. Irgendwie muss Mitra es schaffen, all diese Baustellen unter einen Hut zu bekommen.

Ich hatte dieses Mal leider so allerlei Probleme mit dem Buch und ich weiß gar nicht, welches das größte ist.
Zum einen fühlt sich die zweite Geschichte an wie ein großes Zwischenstück. Eine bloße Verbindung zwischen der (wirklich guten) Einführung in die Figuren, Welt und Geschichte des ersten Teils und des großen Finales, das im dritten Teil folgen wird.
Die Entwicklungen scheinen deswegen marginal zu sein. Es gibt auch keine zentrale Geschichte in diesem Teil. Alles geht ein wenig weiter, die Beziehungen der Figuren verändern sich minimal, aber alles in allem scheint am Ende des Buches alles zu sein, wie es am Anfang war.

Im ersten Teil fand ich Mitra noch unnahbar. Dieses Mal fand ich sie unsympathisch und nervig. Alles passierte in einer riesigen Dramatik-Blase. Jeden noch so nebensächlichen Satz überdramatisierte sie. Ihre Gedanken zu den Dingen waren immer drüber, ihr Tick, immerzu und ständig mit den Nägeln zu schnippsen, sogar fast unerträglich beim Lesen.
Die anderen Figuren fanden so sehr im Hintergrund statt, dass ich zu ihnen nicht mal eine Beziehung aufbauen konnte.

Mir fehlte also eine Geschichte und Spannung und die Hauptperson mochte ich nicht (mehr). Das ist schon unangenehm beim Lesen, aber leider stieß mir dieses Mal die Sprache auch noch negativ auf:
In einer wirklich schockierenden Situation sagt die sechzehnjährige Mitra: „Wir dürfen den Kopf nicht verlieren.“ (S. 84) und klingt damit ähnlich altbacken wie der Erzähler, wenn er sagt: „Fürwahr eine sehr schwierige Persönlichkeit.“ (S. 97). Doch es gab auch hölzerne Beschreibungen wie: „Für Minerva schien damit der Worte genug gesprochen zu sein […].“ (S. 108), „Das alles […] dauerte höchstens einen Augenschlag.“ (S. 137), „Mitra und Anton folgten ihr auf dem Fuße.“ (S. 287) oder „[…] versuchte Anton bei Mitra und Minerva für Verständnis zu werben.“

Es tut mir wirklich leid. Vor allem, nachdem ich den ersten Teil so gern mochte, wurde ich von dem Buch enttäuscht. Zwei Monate habe ich gebraucht, um dieses nicht einmal 300-Seiten-starke Buch zu lesen. Ich bin nicht mit ihm warmgeworden. Mitra war mir plötzlich sehr unsympathisch mit ihrer überdramatisierenden Art, es passierte nichts, was spannend war und überhaupt fühlte es sich an, als wäre kaum etwas passiert. Durch meine zusätzlichen Probleme mit dem Schreibstil gibt es .

Björn Beermann – Mitra – Magische Verwandlungen
Tredition, 26. Juni 2019
ISBN 3749701466
294 Seiten
Taschenbuch; 13,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Reihenfolge der Bücher:
1. Mitra – Magisches Erbe
2. Mitra – Magische Verwandlungen

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! Die Stadt der Schlafwandler

Kaum hat sich Charlie seinem Traum gestellt, wartet das Böse in der wachen Welt…
Albträume können einem wirklich den Schlaf rauben, das weiß Charlie nur zu gut. Verständlich, dass auch die Bewohner des Nachbarstädtchens Orville Falls begeistert sind, als der neue Kräuterladen im Ort ein Elixier gegen ihre allgegenwärtigen Albträume anbietet. Doch kann es sein, dass das Elixier schaurige Nebenwirkungen hat? Plötzlich geistern die Bewohner wie Schlafwandler durch die Stadt.
Charlie weiß: Wenn er und seine Freunde nicht schnell etwas unternehmen, schwebt nicht nur das Traumreich, sondern auch die wache Welt in schrecklicher Gefahr. (Klappentext)

Im Januar 2016 schenkte mein Freund mir die ersten beiden Teile der Nightmares!-Reihe. Teil eins las ich direkt und war ziemlich begeistert. Doch Teil zwei fristete dann ein langes Dasein auf meinem SuB. Im Dezember 2018 befreite ich es endlich – und brauchte tatsächlich ein halbes Jahr, um die paar Seiten zu lesen.

Charlie weiß nun alles über das Traumreich und das Albtraumreich. Zusätzlich ist er der Hüter des Portals in der lila Villa, die er mit seinem kleinen Bruder, seinem Vater und seiner Stiefmutter bewohnt. Doch die Schlafwelten sind in Gefahr, denn die Bewohner von Orville Falls haben aufgehört zu träumen. Warum ist schnell herausgefunden – sie alle trinken das neue Elixier gegen Albträume, das in die Stadt kam. Charlie muss aber herausfinden, wer das Elixier verkauft und warum er das tut. Vor allem aber: Wie werden die Bewohner wieder normal?

Im Gegensatz zum ersten Teil, der mich immer ein wenig an Reckless von Cornelia Funke erinnert hat, bekommen wir hier eine ziemlich lineare Story geliefert. In „Nightmares! Die Schrecken der Nacht“ gab es noch Dinge zu entdecken. Man konnte mit Charlie durch die Traumwelten streifen und die verschiedensten (Horror)Wesen finden. Nun gab es kaum etwas zu entdecken. Das Buch fühlte sich an wie eine 0815-Kinderbuch-Gruselgeschichte.

Allein dieses Gefühl hinderte mich schon daran, das Buch wirklich gut zu finden. Es war so ein unfassbarer Bruch zum ersten Teil. Blöd dabei: Es interessierte mich irgendwie nicht wirklich, wer das Elixier hergestellt hat und warum. Auf dem Weg zur Lösung durchlief das Buch auch allerhand Schleifen, die im Nachhinein vollkommen unnötig waren. Es wirkt, als sollte diese kleine Hauptgeschichte auf Biegen und Brechen aufgebläht werden.

Noch mehr als im ersten Teil merkte ich, dass man es mit einem Kinderbuch zu tun hat. Die Sprache wirkte zum Teil konstruiert einfach, Witze zündeten bei mir nicht. Die Geschichte an sich war dann auch kein Garant für Hochspannung.

Durch das Alter der Helden konnten auch kaum spannende Nebenschauplätze aufgemacht werden. Einen gab es, der betraf die Eltern von Charlie. Aber zum einen war auch das wenig interessant und zum anderen kann man den Ausgang von Anfang an ahnen.

Ja, ich war gelangweilt. So sehr, dass ich nur alle paar Wochen ein paar Seiten las. Doch dann kam etwas, was ich nicht erwartete: Zum Ende hin, als man der Lösung immer näher kam, wurde es tatsächlich ein wenig aufregend. Das letzte Drittel las ich fast in einem Rutsch. Und der Cliffhanger am Ende lässt mich tatsächlich überlegen, ob ich mir nicht doch noch den letzten Teil der Trilogie zulege.

Mal sehen, ich weiß es noch nicht. Ich muss mich erst einmal erholen von der langweiligen Story gepaart mit der Kindersprache und Figuren, die mich kaltließen.

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler
Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic (November 2015)
Dressler, 19. November 2015
ISBN 3791519484
379 Seiten
Gebunden; 17,99 Euro
auch als Taschenbuch erhältlich

Reihenfolge:
1. Nightmares! – Die Schrecken der Nacht – Originaltitel: Nightmares!
2. Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler – Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic
3. Nightmares! – Die Jagd des Traumdiebs / Die Stunde der Ungeheuerr – Originaltitel: Nightmares! The Lost Lullaby

amaryllis 26 – Lust auf FIKKEN?

Bereit für die geballte Erotik von Schwolli, Wurstbert und Grabulator22?

Sie sucht den Mann ihres Lebens – im Internet. Was sie findet sind Ladenhüter, Obersofties, Fitnesszombies und Wollmützenträger. Allesamt saukomisch, nur leider unfreiwillig. Liegt es an ihr?
amaryllis26 schlüpft in zwölf verschiedene Rollen und begibt sich auf eine Odyssee durch die Datingforen. Sie präsentiert sich als Partygirl, als Landei, als Klette, als Luxusschnepfe, Hausmutti und Emanze. Das Ergebnis ist verblüffend: Was Männer sich einfallen lassen, um Frauen zu erobern ist so banal, unterirdisch und zum Fremdschämen, dass man nur mit schallendem Gelächter antworten kann. (Klappentext)

Jeder kennt einen, der einen kennt. Manchmal waren wir es vielleicht selber.
Internetdating ist heute keine große Sache mehr. Man kennt Paare, die haben sich online kennengelernt. Sie sind heute vielleicht schon verheiratet und haben Kinder. Vielleicht hat man sich selbst dort mal umgesehen. Vielleicht ist man selber im Freundeskreis das Paar, bei dem die Liebe mit einem Match begann.
Und darum kennt man sicher auch lustige Geschichten davon. Von komischen Leuten, die als erstes nach Fußbildern fragen; Männer, die doppelt so alt wie man selber ist und sich halb so alt geben; Frauen, die es durch eine Vierteldrehung ihres Körpers geschafft haben, die Hälfte ihres Gewichts wegzumogeln.
Und auf all das und noch mehr freute ich mich, als ich „Lust auf FIKKEN?“ aufschlug. Ich wollte skurrile Geschichten, über die ich lachen und den Kopf schütteln kann.

Das Buch beginnt mit einer langen Aneinanderreihung von Dingen, die die Männer, auf die amaryllis26 gestoßen ist, falsch gemacht haben. Groteske Namen, hässliche Bilder, nichtssagende Profiltexte. Alles falsch, alles lächerlich, alles unter ihrer Würde.
Klar hat sie sicher recht damit, dass bierglas63, der ein Oben-ohne-Selfie in seinem Bad gemacht hat und nach einer kreativen, offenen, unternehmungslustigen, bezaubernden Frau sucht, nicht gut ankommt. Aber es war alles so offensichtlich, so altbekannt, so unskurril. Man muss nicht mal in einer Singlebörse angemeldet gewesen sein, um sich diese Fehler denken zu können.
Vielleicht hätte amaryllis26 sich aber auch ihren eigenen Rat zu Herzen nehmen sollen. Ellenlange No-Go- und Negativlisten wirken zickig, überheblich, arrogant und unsympathisch. Da hilft es auch nicht, dass sie alle Fehler mit einer Prise Ironie beschreibt.

Doch diese ersten 45 Seiten lasen sich schnell und ich kam zu dem Teil, auf den ich all meine Hoffnungen setzte. Zwölf Profile hatte die Autorin sich angelegt. Zwölf vollkommen unterschiedliche und immer auf ihre Art radikale Frauen mit individuellen Lebenseinstellungen, Wünschen und Profilbildern. Da alle Bilder abgedruckt waren, regte ich mich an dieser Stelle gleich auf. Die Autorin veränderte sich selber für jede Rolle – mit schlechten Perücken und seltsamer Optik. Um dann mit all den Falten und dem schlechten Make-up ins Profil zu schreiben, man sei 22 Jahre alt. Wer glaubte das?
Sie selber erwähnte im Laufe des Buches aber immer, wie unfassbar attraktiv die Frauen auf den Bildern sind (sprich: sie selber). Dass die Frauen – egal wie viel Quatsch in ihrem Profiltext stand – angeschrieben wurden, „weil sie auf ihren Fotos so verdammt gut aussehen!“ (S. 248) Für meinen Geschmack waren alle Bilder äußerst unattraktiv und die Frau sah jeweils gut 20 Jahre älter aus als im Profil angegeben, aber okay.
Dass die Profiltexte unfassbar abschreckend waren, sollte so sein, darauf wurde immer wieder hingewiesen. Die Schraube wurde immer weiter angedreht – und die Frau damit immer abgedrehter. Radikale Spinnerinnen, von der die Autorin fast hoffte, dass sie nicht angeschrieben werden. Aber die Männer zeigten sich hartgesotten.

Hinter dem jeweiligen Profil las man die Nachrichten der Männer, bei denen der geneigte Leser viel ertragen muss. „Gedruckt wie geschrieben“ war hier die Devise. Und da die Männer häufig auf Groß- und Kleinschreibung sowie Rechtschreibung und Interpunktion verzichteten, tat das Lesen manchmal weh.
Vor allem aber tat weh, dass seitenweise gleichen langweiligen Nachrichten abgedruckt waren. „Guten Morgen“, „Hey schönes Profil, Bock auf Kennenlernen?“, „Wow, schöne Augen :)“. Man hat es verstanden. Schnell.
Natürlich gab es auch individuelle Anschreiben. Die Männer, die sich wirklich Mühe gaben. Die „belledejour“, „Lavendelrausch“, „Gänseblume46“ oder „Dirndlmarie“ ihr Herz ausschütteten. Die taten mir so leid. Natürlich ist Mitleid kein guter Türöffner für einen Flirt. Aber die geben sich echt Mühe und wissen nicht, dass sie Teil eines Experiments sind.

Obwohl ich mich so auf den Part im Buch gefreut habe, fand ich ihn dann anstrengend zu lesen. Ganz abgesehen von der schlechten Rechtschreibung wurden im Fließtext viele Nachrichten einfach aneinandergereiht, unterbrochen von den pseudowitzigen Kommentaren von amaryllis26. Aber so ein Textblock liest sich unangenehm.
Wenige Beispiele hob sie als positiv hervor. Aber ich konnte diese Beispiele nicht positiv finden. Ich hatte kein Bild zu dem Mann, ich hatte kein aufregendes Gefühl durch das Schreiben mit einem Fremden. Ich hatte keinen emotionalen Anhaltspunkt. Da kann mich dann ein halbromantischer Zweizeiler echt nicht vom Hocker hauen. Die Autorin steckte da ganz anders drin.

Die Zusammenfassung der Ergebnisse wird den Lesern dann als vollkommen überraschend verkauft. Sind sie aber nicht. Wenn die „22-jährige“ in ihrem Profil schreibt: „will einfach fun :o)“ und „Wie hot bist du???“ muss sie sich weder in den Gesprächen mit den Männern beschweren, dass sie in ihrem Profil doch gar nichts von Sex sagt und deswegen nicht all diese eindeutigen Angebote bekommen will und die Autorin muss sich auch am Ende nicht wundern, dass dieses Profil besonders viele plumpe Anmachen, die nach Sex fragten, bekam. Und auch dass wenige Profile mit „Hey du bist doch sicher ein Fake!“ angeschrieben werden, ist doch auch nicht verwunderlich. Sie muss daraus nicht schließen, dass Männer den Frauen alles zutrauen, sondern dass die meisten, die sich verarscht vorkamen, ihre Zeit gar nicht erst damit verschwendet haben, einem offensichtlichen Fake zu schreiben. Warum auch?

Anschließend folgt wieder ein Teil zu No-Gos. Dieses Mal nicht für den ersten Eindruck wie eingangs, sondern für das Schreiben. Dass es unsexy ist, sich quasi förmlich bei der Frau zu bewerben, zu klammern, beleidigt abzuziehen. All diese Dinge.

Ganz am Ende werden noch Tipps verteilt, wie Frauen und Männer ihre Profile und Kommunikation gestalten sollen. „Schreibe orthografisch und grammatisch korrekt“, „Schreibe persönlich“, „Lass die Zicken links liegen.“
Aha, erzählt mir mehr.
Nicht nur, dass die Tipps unspannend waren, manche waren auch falsch, meiner Meinung nach. amaryllis26 sagt den Männern, dass sie am besten nur ein gutes Foto für ihr Profil nehmen sollen, am besten von einem Fotografen gemacht. Ich persönlich fände das ja wahnsinnig spießig, wenn ich so ein Profil sehen würde. Wenn es nur ein (solches) Bild gibt, würde ich dem Mann wahrscheinlich auch noch unterstellen, dass er das Bild irgendwo gefunden und geklaut hat. Man will doch ein paar mehr Bilder sehen. Die Autorin sagt dazu, dass sie keine Bilder mit Sonnenbrille sehen will oder wie der Typ im Club eine Wand vollkotzt. Aber mal ehrlich: Wenn der Typ, der mich anschreibt, Wände in Clubs vollkotzt, dann will ich das lieber vorher wissen. Dann kann ich den wenigstens direkt aussortieren.

Ich habe mich stetig gefragt, für wen dieses Buch denn nun sein soll.
Es ist nicht lustig genug, um einfach zur allgemeinen Belustigung zu dienen.
Wer online auf Datingplattformen unterwegs ist, kennt all das.
Wer so dumm ist und Frauen anschreibt, wie der Buchtitel darstellt, wird das Buch nicht lesen.
Wer so intelligent ist und Frauen nicht so anschreibt, wie der Buchtitel darstellt, wird das Buch nicht brauchen.

Was mir auch wirklich fehlte, war die Konfrontation. Ja, ein paar Männer wurden gefragt, ob sie die Autorin mit einem Standardspruch anschrieben. Wieder keine Überraschung, dass es manche – trotz vollkommener Offensichtlichkeit – leugneten und es andere zugaben.
Aber warum wurden manche Männer im Nachhinein nicht aufgeklärt, dass es ein Experiment war und sie durften mal ganz anonym ihre Erlebnisse schildern. Oder ihre Beweggründe sich so zu geben. Im Laufe eines Gesprächs mit einer potentiellen (Sex)Partnerin würden sie das doch sicher eh nicht klar zugeben. Aber nach einer Aufklärung der Autorin? Warum nicht?
Aber dann hätte das Buch die Männer wohl nicht mehr so schön als dumm, schüchtern, uncool oder kuschend darstellen können. Denn das waren sie fast allesamt. In diesem Zusammenhang kam es auch regelmäßig zum Beschweren über die bösen Frauen, die viel zu emanzipiert sind und die Männer zu weichen Hamstern haben verkommen lassen. Frauen hätten jahrzehntelang die Männer kleingemacht und nun gäbe es quasi nur noch angepasste Pantoffelhelden, die sich nicht trauen, ihre eigene Meinung zu sagen, weil sie der ach so schönen Frau auf dem Profilbild gefallen wollen.

Ich hatte wirklich gehofft, das Buch wäre irre witzig und würde mit tollen Geschichten auftrumpfen können. Dem war aber nicht so. Ein paar Mal konnte ich lachen, ansonsten war ich aber hauptsächlich genervt von unnötigen Tipps, rechtschreibschwachen Männern und Ergebnissen, die ich auch so hätte vorhersagen können. Letztendlich wird auf den 300 Seiten vieles wiederholt. Und die Fake-Profile der Autorin waren so unsympathisch (was sie ja auch sein sollten), dass ich ihre belanglosen Dialoge gar nicht lesen wollte.

amaryllis26 – Lust auf FIKKEN? Aus den Abgründen des Internetdatings
Knaur TB, 01. September 2014
ISBN 3426786826
295 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Dan Vyleta – Smoke

Stell dir vor, deine dunklen Gedanken könnten sichtbar werden…

England, Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Welt, die von einem besonderen Phänomen geprägt ist: Jede Bosheit, Unaufrichtigkeit oder Lüge manifestiert sich als Rauch, der unkontrollierbar dem Körper entweicht. Nur Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, wagen es, die Gesetze des Rauchs zu hinterfragen. Sie stoßen auf ein düsteres Komplott aus Willkür, Macht und Unterdrückung und müssen schon bald um ihr Leben fürchten… (Klappentext)

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, keine Rezensionsexemplare mehr anzufordern, weil ich noch einige zuhause habe. Aber dann kam die Information zu „Smoke“ und ich konnte nicht widerstehen. Das Buch klang zu gut.

Die Idee ist einfach klasse. Böse Gedanken, Lügen, Neid, alles entströmt den Menschen als Rauch. Mal ist er dicker, mal dünner, mal heller, mal dunkler. Doch immer können die Mitmenschen ihn lesen wie Gedanken, die sich von einem Menschen in den anderen übertragen. Schlechte Dinge können nicht mehr verheimlicht werden. Doch der Rauch schafft auch eine Zweiteilung in der Gesellschaft. Die armen Menschen, die Arbeiter, rauchen. Die Reichen und Mächtigen zeichnen sich durch fast vollständige Rauchlosigkeit aus. Thomas und Charlie, Kinder aus reichem Hause, wohnen in einem Internat unter Ihresgleichen. Doch die Weihnachtsferien, die sie bei Thomas Familie verbringen, werden alles verändern. Wie sie den Rauch sehen, wie sie die obere Gesellschaft sehen, wie sie ihr Leben sehen.

Schnell ist man inmitten der Geschichte, schnell passieren große Dinge, schnell ist es langweilig.
„Smoke“ hat 618 Seiten und peitscht einen in der Zeit durch viele Gegebenheiten. Erst passiert einiges im Internat, dann im Weihnachtsurlaub und ab da wird es eigentlich erst richtig hektisch. Doch leider kommt dabei zu keiner Zeit Spannung auf. Und das ist wohl das Dramatischste an der ganzen Lektüre. Es gibt so viel zu sehen, so viel passiert und ich langweilte mich da so durch.
Klar, das Buch ist offiziell kein Thriller oder Krimi, wo das Thema Spannung ganz oben stehen würde, aber nicht mal der düstere Komplott, den der Klappentext verspricht, versprüht irgendeine Art von Gefahr oder Nervenkitzel.
Natürlich passieren schreckliche Dinge, gefährliche Sachen. Aber diese kommen so unvermittelt, dass sich vorher keine Spannung aufbaut und dann werden sie so sehr ausgewalzt, dass es das alles auch nicht besser macht.

Als das Beste empfand ich weiterhin die Grundidee an sich. Es animierte mich sogar in der Anfangszeit des Buches, ab und zu zu denken: „Wäre dieser Gedanke, dieses Wort, diese Tat nicht auch Rauch wert gewesen?“. „Smoke“ brachte mich also anfänglich wirklich zum Nachdenken.
Doch umso länger das Buch wurde, umso weniger reizvoll wurde die Thematik, denn sie entwickelte sich nicht. Es gab einige neue Erkenntnisse zum Rauch, aber es brachte weder die Figuren noch den Leser wirklich voran.
Und letztendlich bleiben die großen, essentiellen Fragen zum Rauch ungeklärt. Das enttäuschte mich.

Oft schafft ein Buch es ja, mich trotz wenig Spannung von sich zu überzeugen, wenn die Figuren und die Sprache mitreißend sind. Doch leider schneidet in diesem Bereichen „Smoke“ auch sehr schlecht ab.
Die Figuren waren alle schwer zu fassen. Besonders nah war man an den beiden Hauptfiguren, den Jugendlichen Thomas und Charlie, dran. Thomas ist hart und distanziert, doch Charlie ist offen, ehrlich, herzlich und gütig. Er ist also der Kandidat, den die Leser spontan am meisten mögen können. Doch Dan Vyleta schaffte es zielsicher, die einzige – für mich – sympathische Person im Laufe des Buches auch verkommen zu lassen. Die Nebenfiguren sind durch die Bank nicht der Rede wert. Gemein, verlogen, gefährlich, arrogant – Sympathie kam bei mir nie auf.
Zusätzlich schwierig war, dass das Buch zum größten Teil in der dritten Person geschrieben ist. Wenige Kapitel sind aus der Sicht einer Figur geschrieben – dann in der Ich-Form. Aber weder sind das ausschließlich die Hauptfiguren noch macht es die jeweilige Person sympathischer.

Sprachlich hat es mir das Buch noch schwerer gemacht. Unnötig verkomplizierte Satzkonstruktionen stören oft den Lesefluss. Beschreibungen der Umgebung sind überladen mit Aufzählungen.
Da viel passiert im Laufe der Geschichte, kommen unsere Hauptfiguren an viele verschiedene Orte, zum Beispiel ein Bergwerk. Vyleta scheint sich damit, aber auch mit anderen Dingen, sehr ausgiebig beschäftigt zu haben und nutzt vollumfänglich das jeweils passende Vokabular. Dass der Leser dabei nicht immer mit allem vertraut sein wird, scheint für den Autoren Nebensache zu sein. Klarer Fall von: Er hat sich sehr bemüht, alles perfekt zu beschreiben. Leider schlägt sich das negativ auf das Lesevergnügen nieder.

Ich habe fast zwei Monate für „Smoke“ gebraucht. Ich hatte es extra direkt nach dem Erhalt angefangen, um ein Rezensionsexemplar nicht lange liegen zu lassen. Doch dann wurde mir das Lesen so wahnsinnig schwer gemacht.
Gute Idee, aber langweilige Geschichte, unsympathische Figuren und kein flüssiger Schreibstil. Als würde das nicht schon reichen, wurden die drängendsten Fragen der Geschichte nicht beantwortet. Praktisch: Das Ende reihte sich perfekt in das enttäuschende Buch ein.
Allein wegen der guten Idee, gibt es .

Dan Vyleta – Smoke
Originaltitel: Smoke (Juli 2016)
carl’s books, 13. März 2017
ISBN: 3570585689
618 Seiten
Broschiert, 16,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Renate Eckert – Novemberfeuer

Eckert_Novemberfeuer

Im Elite-Internat Wetterstein bei Schweinfurt wagt die Deutschlehrerin Franziska nach einer gescheiterten Ehe einen Neubeginn. Ihre 16-jährige Tochter Hannah ist alles andere als begeistert von dem Umzug in das alte Schloss.
Franziskas erfolgreicher Neustart wird jäh gestoppt, als einer ihrer Schüler vom Turm des Schlosses stürzt. War es Selbstmord? Mord? Hat sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt? Die Polizei ermittelt.
Franzsikas Glaubwürdigkeit, ja ihr ganzes neues Leben sind in Gefahr. Bei ihren Nachforschungen gerät sie in ein Labyrinth aus persönlichen Konflikten, dubiosen Machenschaften im Lehrerkollegium und sorgsam gehüteten Geheimnissen. Und ein mysteriöser Unbekannter kommt ihr und ihrer Tochter immer näher… (Klappentext)

Ich kann es nicht oft genug erwähnen: Mit zwei Büchern aus dem Hause „mainbook“ hatte ich schon sehr viel Spaß. Nach „Das Ende vom Lied ist kein schlechter Anfang“ und „Schattentour“, hoffte ich auf ein Weiterführen der Glückssträhne mit „Novemberfeuer“.
Das Internatsthema sprach mich sofort an. Ich fühlte mich in meine Kindheit und Jugend zurückversetzt. Warum auch immer. Ich war nämlich weder in einem Internat, noch habe ich damals Bücher, die dort spielen, gelesen. Aber egal, ich war sehr gespannt. Vor allem stehe ich auch einfach auf Psychothriller.
Die Ausgangssituation war also äußerst vielversprechend.

Die Story wurde dann sehr langsam eingeführt. Es dauert nicht lang, bis Franziska ihre Stelle im Internat Wetterstein antritt, doch dann wird dem Kennenlernen sehr viel Zeit eingeräumt. Man lernt ihre „Familie“ – also die Schüler, für die sie die Verantwortung hat – kennen, die Lehrer und die allgemeine Situation zwischen all den Personen.
Erst genau bei der Hälfte des Buchs stürzt der Schüler vom Turm. Bis dahin war wenig vom „Psychothriller“ zu sehen. Doch auch danach fehlte der Thrill. Denn auch wenn tatsächlich Gefahr für Franziska bestand, waren ihre Nachforschungen bei Weitem nicht so tiefgreifend, wie ich gedacht hätte. Alles blieb ein wenig oberflächlich.

Die Spannung war also so gut wie nicht vorhanden. Vor allem, da die Hinweise im Buch mit dem Holzhammer geliefert wurden, war mir schon am Anfang des Buches klar, wer später als der oder die Böse präsentiert wird.
Insgesamt empfand ich das Buch also keineswegs als Psychothriller.

Die Figuren wurden alle sehr gut eingeführt und trotz der schieren Menge an Lehrern und Schülern kann man sie relativ gut auseinanderhalten. Dazu hat sich die Autorin den einen oder anderen Kniff ausgedacht, der es dem Leser einfacher machte.
Trotzdem konnte ich weder zu der Hauptfigur Franziska, noch zu ihrer Tochter, ihren Schülern oder irgendeiner anderen Figur eine Verbindung aufbauen. Alle blieben auf Distanz und auch wenn Innenansichten geliefert wurden, blieben die Figuren kühl.
Da half es auch nichts, dass das Buch ab und zu mal aus der Perspektive einer anderen Figur als Franziska geschrieben wurde.

Wenn mich nun also die Idee der Geschichte überzeugte, blieb die Umsetzung doch ziemlich fad und auch die Figuren überzeugten mich nicht.
Was aber alles noch viel, viel schlimmer machte, war die Sprache. Auf jeder einzelnen Seite schüttelte ich genervt den Kopf.

Renate Eckert ist 1946 geboren, war also beim Schreiben des Buches schon fast 70 Jahre alt.
Ich könnte wetten, dass sie eine sehr intelligente, belesene Frau ist und das merkt man an jeder Ecke des Buches. Es passt aber einfach nicht. Franziska, die Mitte 40 ist, redete und dachte schon sehr altmodisch, aber auch den Jugendlichen hat sie keine wirklich moderne Sprache geben. Ein einzelnes „Also chille runter, Mum.“ (S. 194) machte es fast noch ein wenig peinlicher.
Insgesamt wirkte die Sprache verkrampft, gestelzt, unmodern und zwanghaft nach Synonymen suchend. Bei Dialogen gab es keinen natürlichen Fluss.
Allein auf den ersten paar Seiten gab es schon unangenehme Ausdrucksweisen:

• „eine Spur einstiger Grandezza“ (S. 7)
• „eine lebhaft geführte Debatte“ (S. 12)
• „sein Augenspiel war weit entfernt gewesen von einem Flirt“ (S. 12)
• „sie […] maßregelte sich ernsthaft“ (S. 12)
• „Die Art von Schuhen werde ich mir wohl abgewöhnen müssen […], argwöhnte sie“ (S. 14)
• „mir das Arrangement durch den Kopf gehen zu lassen“ (S. 18)
• „Franziska nahm die dargebotene Hand“ (S. 19)
• „‘ Danke Frau Mettmann‘, beschied sie der Direktor“ (S. 20)

Und wenn später von Bangigkeit, laut palavernden Menschen, einer frechen Leinentunika und Gardinenpredigten gesprochen wird, bleibt die Sprache unangenehm.
Für mich wirkte sie sich auch negativ auf den Inhalt aus, weil er mir so weniger Spaß machte, und auch auf die Figuren, da ich mich mit so unnatürlich sprechenden Menschen nicht identifizieren kann.

Bis zum Ende fragte ich mich auch, warum das Buch nun „Novemberfeuer“ heißt. Es ging weder um Feuer, noch explizit um den November.

Fehlender Thrill, distanzierte Personen und unangenehme Sprache. Leider konnte mich „Novemberfeuer“ so gar nicht begeistern. Die Story war nicht mal schlecht, anders geschrieben, wäre sie sicher interessant gewesen. Nicht unbedingt sehr viel spannender, dazu war die erste Hälfte des Buches allein schon zu lahm, aber doch sicher gut zu lesen.

So fand ich das Buch – ganz abgesehen von der Sprache – nett, aber leider nicht mehr. Da hilft es auch nicht, dass mein Lieblingsautor Sebastian Fitzek das Buch als „intelligente, spannende Unterhaltung“ lobt. 2 Sterne

Renate Eckert – Novemberfeuer
mainbook, 30. April 2016
ISBN 394641303X
229 Seiten
Taschenbuch; 10,70 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Henry Miller – Opus Pistorum

Miller_Opus Pistorum

»Henry, der Geld brauchte, schlug mir vor, er werde für mich verkäufliche Texte schreiben. Ich bot ein Honorar von einem Dollar pro Seite, dafür erhielt ich alle Rechte… Ich bezahlte immer bar, wie ausgemacht. Nach wenigen Monaten ergaben die angesammelten Seiten ein komplettes Buch, dem er den Titel OPUS PISTORUM gab.« Milton Luboviski (Klappentext)

Alf ist um die 40 Jahre und lebt als Amerikaner in Paris. Sein Beruf: Journalist. Seine Berufung: Frauenvernascher.
Mit seinen Freunden Arthur, Ernest und Sid zieht er durch die Stadt der Liebe und nimmt sich eine Frau nach der anderen. Doch sein großes Glück ist: auch sie wollen alle. Nur selten hat er Schwierigkeiten. Doch die löst er schnell durch Vergewaltigung.
Man verfolgt Alf in einem Jahr voller Sex.

Das Buch wurde posthum von dem Buchhändler Milton Luboviski veröffentlicht und so bekam Henry Miller den Skandal um dieses Werk nicht mehr mit.
Doch gewundert hätte er sich nicht, war doch sein Buch „Wendekreis des Krebses“ 27 Jahre in den USA verboten. Dies geschah noch während seinen Lebzeiten. Erst nach der Aufhebung des Verbots 1961 erlangt Miller mit fast 70 Jahren verspäteten Erfolg.
Opus Pistorum war von 1988 bis 1993 in Deutschland indiziert.

Das Buch besitzt nur sehr grob eine Rahmenhandlung. Hauptsächlich werden die Geschehnisse durch wiederkehrende Personen zusammengehalten.
Insgesamt dreht sich das Buch aber nur um Sex: Sex mit Prostituierten, Sex mit Lesben, Sex mit Bekannten, Sex zwischen Eltern und Kindern, Sex zwischen einer Zwergin und einem Hund, Dreier, Vierer, Orgien. Henry Miller lässt keine Wünsche offen.

Ich war sehr gespannt auf das Buch. Ich wollte sehen, wie skandalös der Inhalt ist. Antwort: Sehr. Vor allem die Szenen mit Kindern, Vergewaltigungen und Inzesthandlungen könnten für viele Leser schwierig sein.
Es ist definitiv kein Buch, bei dem man denkt: „Ja, als es vor über 70 Jahren geschrieben wurde, war es noch skandalös, aber heute ist das normal…“. Auch für heutige Verhältnisse enthält das Buch mehr Straftaten und Tabus als man auf den 327 Seiten erwarten würde.

Trotz des pikanten Inhalts und der derben Sprache schaffte Miller eine seltsam nüchterne Atmosphäre. Ich konnte mich nie mit dem Geschehen identifizieren, nie war ich mehr als Zuschauer.
Auch wenn manche Geschichten sicher prickelnd waren, so war ich schnell gelangweilt.
Sind wir ehrlich: So wahnsinnig viele Arten Sex zu haben gibt es nicht. Und auch wenn Henry Miller sicherlich alles rausgeholt hat, was ging, gab es unglaublich viele Wiederholungen. Kanntest du eine Geschichte, kanntest du alle. Nur die Personen und Umstände änderten sich, die Art Sex zu haben blieb meist dieselbe.
Durch die immer gleichen Situationen gab es zusätzlich auch die immer gleichen Formulierungen.

Insgesamt fehlte mir einfach die Handlung. Mich reizte es nicht, eine Sexorgie nach der anderen zu lesen. Nach den ersten drei oder vier Geschichten, die ich staunend las und mich fragte, in was Alf wohl als nächstes hineinschlittert, war auch dieser Spaß verflogen.
Ich langweilte mich dann durch die letzten Dreiviertel.

Ich war jedoch nie angeekelt oder durch die Perversionen abgestoßen. Das Buch schafft es also trotz des Inhalts ein gewisses Niveau zu halten.
Trotzdem hatte ich nicht allzu viel Spaß mit dem Buch: 2 Sterne.

Henry Miller – Opus Pistorum
Originaltitel: Opus Pistorum (1983)
Axel Springer SE, 1. Oktober 2012 (Neuauflage; Original: 6. November 1986)
ISBN 3942656434
327 Seiten
Gebunden; 9,99 Euro

Franziska Wolffheim – Zweistein oder das Brummen der Welt

Wolffheim_Zweistein oder Das Brummen der Welt

Auf den ersten Blick scheint Zweistein ein ganz gewöhnlicher Kater: Er döst gerne in der Sonne, streift durch sein Revier, nimmt gnädig die Gunstbeweise seiner Besitzerin Frau Fourgé entgegen. Aber Zweistein ist auch ein Kater mit ziemlich viel Verstand. Er möchte den Dingen auf den Grund gehen und macht sich über dieses und jenes auf unserer Welt so seine Gedanken. Dabei kommt er auf erstaunliche Ideen. (Klappentext)

Ich liebe Bücher, die kurz und lustig sind.
Mit seinen 136 Seiten erfüllte „Zweistein oder Das Brummen der Welt“ definitiv die erste Anforderung. Ob die zweite auch zutrifft, hieß es herauszufinden. Und wenn schon nicht lustig, dann hoffte ich auf geistreich oder philosophisch. Das schien mir der Klappentext immerhin zu versprechen.

ZweisteinDas Buch besteht aus 50 kleinen Geschichten über das Leben und die Gedanken von Kater Zweistein.
Zeichnungen und Besonderheiten in der Typografie stellten immer wieder einen Bezug zu den Kapiteln her.

Die Geschichten waren wenigstens eine und höchstens vier Seiten lang und hingen untereinander nicht zusammen.
Das ist schon das Erste, was ich schade finde. Ich hätte mich über einen roten Faden gefreut. Manche andere Katzen und Nachbarn kamen zwar öfter vor, aber selten als aktive Figuren. Sie waren meistens Teil von Zweisteins Gedankengängen. Ich hatte gehofft, dass es im Hintergrund zusammenhängende Geschichten gibt, die das Geschehen vorantreiben.

Viel wichtiger ist aber eher, ob das Buch witzig ist. Dazu gibt es von mir ein klares Nein. Ich konnte nicht lachen.
Dann hoffte ich wenigstens auf philosophische Ansätze, aber auch die gab es nicht. Ja, Zweistein macht sich viele Gedanken, aber es sind eher Fragen zu bestimmten menschlichen Gewohnheiten oder allgemeinen Beobachtungen. Warum tauschen Menschen Kleidung um? Kann Mozart mal zu Besuch kommen? Leben Fliegen entspannter, weil sie sich nicht ärgern? Ist eine Käsescheibe eine Schatzkarte und hat deswegen so viele Löcher?
Ich konnte mit diesen Überlegungen wenig anfangen. Es machte mir keinen Spaß, sie zu lesen. Sie waren nämlich nicht wirklich geistreich (und einfach auch nicht witzig).

Die Sprache an sich war weder überaus klug, noch überaus einfach. Sie ist kein bisschen besonders. Sie ist einfach nur vollkommen normal.

Im Prinzip hätte ich mich mit all dem arrangieren können, wenn ich Zweistein sofort in mein Herz geschlossen hätte. Aber auch das ging nicht. Er war nicht unsympathisch, aber auch nicht sympathisch. Er war als Erzähler und Gedankenmacher einfach da. Ich konnte keinerlei Verbindung zu dem Tier aufbauen. Ich fand ihn nicht niedlich, habe mich aber auch nicht über ihn aufgeregt. Er war für mich wie die Sprache: vollkommen durchschnittlich.

Ich habe das Buch zugeschlagen und konnte für mich nichts mitnehmen. Ich hatte weder Spaß an den Figuren, noch an der Sprache. Die kleinen Geschichten und Fragen zum Alltag haben mich auch nicht zum Nachdenken animiert.

Ich finde es wirklich schade, denn aus dem Ansatz ist sicher mehr herauszuholen. Katzen haben so viele Eigenarten und aus ihrer Sicht machen Menschen sicherlich seltsame Sachen. Doch in der Darstellungsweise von „Zweistein oder Das Brummen der Welt“ plätscherte all das dahin und war – zumindest für mich – leider nicht interessant.

Weil ich das Buch nicht abbrechen musste und die einfache Schreibart das schnelle Beenden begünstigte, vergebe ich 2 Sterne.

Franziska Wolffheim – Zweistein oder das Brummen der Welt
Albrecht Knaus Verlag, 10. März 2015
ISBN 381350610X
136 Seiten
Gebunden; 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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