Hans Rath – Und Gott sprach: Du musst mir helfen!

Rath_Und Gott sprach Du musst mir helfen

«Du sollst den Menschen die frohe Botschaft verkünden.»
«Vergiss es, Abel. Sie werden mir nicht zuhören.»
«Sag ihnen, wenn sie dir blöd kommen, komme ich mit der Apokalypse.»

Die Welt ist schlecht. Das muss Jakob Jakobi am eigenen Leib erfahren, als er ausgerechnet auf dem Weihnachtsmarkt von zwei Typen in Nikolausverkleidung bestohlen wird. Aber nicht nur im Kleinen, auch im Großen muss dringend was passieren auf der Erde. Sagt wer? Ein alter Bekannter Jakobs: Gott persönlich. Der taucht in Gestalt des Lebenskünstlers Abel Baumann auf und wirft erst mal Jakobs Winterurlaubspläne über den Haufen. Und nicht nur das: Diesmal ernennt Gott seinen Extherapeuten kurzerhand zum neuen Messias. Eine kleine Schar etwas zwielichtiger Apostel gesellt sich auch bald dazu – doch Jakob zweifelt sehr daran, dass das mit der Weltrettung so funktioniert. Und wo soll man überhaupt anfangen? (Klappentext)

Ich habe mich so wahnsinnig gefreut, als mein Freund mich mit dem zweiten Teil („Und Gott sprach: Der Teufel ist auch nur ein Mensch!“) und diesem dritten Teil der Jakob-Jakobi-Reihe überraschte. Als ich vor über zwei Jahren den ersten Teil („Und Gott sprach: Wir müssen reden!“) gelesen hatte, fand ich das Buch so toll und wollte endlich die Reihe weiterlesen.
Ich habe die letzten beiden Bücher nun direkt hintereinander gelesen.

Als ich anfing, den zweiten Teil zu lesen, hatte ich erst gemerkt, wie sehr ich Jakob und Abel vermisst hatte. Deswegen hatte ich wirklich Respekt, dieses letzte Buch zu lesen. Doch wie schon in der Reihe um Dr. Paul Schuberth hat es Hans Rath mir einfach gemacht, die Reihe und die Figuren am Ende loszulassen, indem er die Spannung und Story unheimlich drosselte.

Nachdem Jakob im ersten Buch Abel kennenlernte, der der Meinung war, Gott zu sein und im zweiten Buch dann Anton, der sagte, er sei der Teufel, gibt es im letzten Teil die große Auflösung: Abel ist tatsächlich Gott. Bis zuletzt gab es Momente des Zweifels, doch nun kann auch Jakob es nicht mehr leugnen. Und jetzt soll er im göttlichen Plan auch noch eine große Rolle spielen: Er soll der neue Messias werden. Dazu gesellen sich bald auch ein paar gescheiterte Exitenzen dazu. Doch so leicht ist helfen gar nicht. Wo anfangen? Und wie legal muss das alles eigentlich bleiben?

Prinzipiell kann die Geschichte sicherlich spannend sein, ich empfand es jedoch nicht so. Mir ganz persönlich gefiel an den ersten beiden Büchern das Spiel zwischen den Figuren besonders gut. Das entfällt hier quasi ganz und es wird mehr auf die Entwicklung der Geschichte Wert gelegt. Dabei wurde die Messiasgeschichte sicherlich weitreichend abgehandelt, aber viel mehr gab es links und rechts auch nicht. Es wurde alles relativ linear abgehandelt. Und insgesamt gefiel mir dieses „Die Welt muss besser werden!“-Konzept nicht. So in echt ist es eine tolle Sache, klar. Zum Lesen war mir das zu langweilig, zu sehr mit erhobenem Zeigefinger.

Nachdem Abel im zweiten Teil nur eine sehr untergeordnete Rolle spielte, ist er hier endlich wieder richtig da und darüber freute ich mich auch sehr. Doch leider war es nicht mehr der alte Abel. Er war verändert und gefiel mir damit leider nicht mehr. Der komplette Charme war auf der Strecke geblieben. Nun fühlte es sich mehr nach Gott an und nicht mehr nach dem melancholischen Zirkusclown aus dem ersten Teil.
Auch die paar neuen Figuren, die dazu kamen, nervten mich alle mehr oder weniger. Niemanden mochte ich so richtig, mit niemandem konnte oder wollte ich mich identifizieren.
Nur Jakob fand ich immer noch ziemlich gut. Zumindest anfänglich. Dann veränderte auch er sich in eine seltsame Richtung und das war mir dann auch nichts mehr. Er wurde mir zu weich und verlor dadurch seine charmante Rauheit.

Geschrieben war es immer noch klasse und auch der Humor war spitz und sarkastisch.
Insgesamt mochte ich die Jakob-Jakobi-Reihe sehr, aber der letzte Teil ist im Gegensatz zu den ersten beiden ziemlich abgeschlagen.
Trotzdem war es für die Reihe wichtig, auch dieses letzte Buch zu lesen. Gefallen hat es mir aber nur bedingt: 3 Sterne.

Hans Rath – Und Gott sprach: Du musst mir helfen!
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 29. Oktober 2015
ISBN 3805250924
283 Seiten
Broschiert; 4,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Und Gott sprach: Wir müssen reden!
2. Und Gott sprach: Der Teufel ist auch nur ein Mensch!
3. Und Gott sprach: Du musst mir helfen!

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Emily St. John Mandel – Das Licht der letzten Tage

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Hoffnungsvoll düster, schrecklich zart und tragisch schön

Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer. (Klappentext)

Nachdem man in den letzten Jahren mit Dystopien fast ein wenig übersättigt wurde, treibt Emily St. John Mandel das Ganze auf die Spitze. In ihrem Roman „Das Licht der letzten Tage“ hat sich die Gesellschaft nicht nur zum Negativen entwickelt, es gibt sie auch fast gar nicht mehr.

Die Georgische Grippe, die sich rasend schnell über den Erdball ausgebreitet und die betroffenen Menschen binnen 48 Stunden getötet hat, hat innerhalb weniger Tagen über 99% der Menschen getötet.
Es gibt keinen Strom mehr, kein fließendes Wasser, kein Benzin. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr.

Doch noch ist es nicht soweit. Noch steht Arthur Leander auf der Bühne und spielt gerade König Lear, als er plötzlich mit einem Herzinfarkt zusammenbricht und stirbt.
Der Rettungssanitäter Jeevan versucht noch zu helfen, Kirsten steht als Kind mit auf der Bühne und muss das alles ansehen, Arthurs Ex-Frauen müssen kurz darauf von seinem besten Freund Clark informiert werden.

Hauptsächlich durchwandert man einen Zeitraum von 20 Jahren, beginnend ein paar Tage, bevor die Welt zusammenbricht bis ins Jahr 20. Die Zeitrechnung musste nach der Georgischen Grippe wieder auf Null gestellt werden. Manche Rückblenden liegen aber auch gut 35 Jahre davor.
In dieser Zeitspanne springt man wild hin und her.
Man ist mit der Fahrenden Symphonie in der neuen Welt unterwegs und zieht durch die neuen Städte – kleine Ortschaften in denen sich die Überlebenden zusammengeschlossen haben. Vor allem ist man aber bei Arthur. Arthurs Anfänge in der Schauspielerei, Arthurs Erfolg in Hollywood, Arthurs erste Ehe, Arthurs zweite Ehe, Arthurs dritte Ehe, Arthurs Sorgen, Probleme, Freuden.
Dieses Springen zwischen den Zeiten und vor allem auch zwischen den Personen muss man mögen. Ich persönlich hätte das alles lieber chronologisch gelesen. Kleinere Rückblicke in die Vergangenheit wären ja immer noch möglich gewesen.
Mit den verschiedenen Erzählperspektiven bin ich klar gekommen – aber muss wirklich bei allen Personen, die es gibt, ein Zeit-Wirrwarr veranstaltet werden?

Die Personen an sich fand ich alle ziemlich sympathisch, aber eben auch nur „ziemlich“. So richtig binden konnte ich mich an niemanden. Durch das viele Springen hatte ich das Gefühl, ich konnte zu wenig von jedem sehen.
Den größten Teil verbringt man in Arthurs Vergangenheit. Er ist das Bindeglied für all die Personen des Buches und ist doch die meiste Zeit bereits tot. Aber muss ich all die Krisen seiner drei Ehen durchgehen, um zu verstehen, wie die apokalyptische Welt aussieht? Definitiv nicht.

Und damit bin ich fast schon dort angelangt, was mich an dem Buch am meisten irritiert hat. Der Klappentext versprach mir Überlebende, die nicht aufgeben, Menschen, die die Schönheit der alten Welt wiedererlangen wollen, die die Hoffnung nicht aufgegeben haben.
Davon fand ich so gut wie nichts in dem Buch.
Erstens befand man sich relativ selten in der Zeit nach der Grippe und zweitens haben die Menschen dort jegliche Hoffnung aufgegeben. Es ist eine Welt ohne Medizin, ohne Energie, ohne Kraft. Täglich muss man ums Überleben kämpfen, jeder Schritt kann einen alles kosten.
Diejenigen, mit denen man durch die Lande als Fahrende Symphonie zieht, erinnern sich kaum an die alte Welt. Sie waren größtenteils noch Kinder. Und die Erwachsenen lege sich nicht gerade ins Zeug, alte Annehmlichkeiten zurück zu erlangen.

Dazu versprach der Klappentext noch etwas, was „hoffnungsvoll düster“, „schrecklich zart“ und „tragisch schön“ ist. Nein. Einfach nur nein. Wenn man mich fragt, ist der Roman nichts von alledem.
Er langweilte mich zwar nicht, spannte mich aber auch so überhaupt nicht auf die Folter.
Es war ein durchweg durchschnittliches Buch, das mich weder besonders negativ, noch besonders positiv aufregte. Ich las etwas von hier und etwas von dort, lernte den und die kennen und dachte insgesamt nur: „Aha.“.
Ab und zu fragte ich mich: „Was wäre, wenn das wirklich passieren würde?“ und meine Gedanken waren dann fast spannender als das Buch.

Also:
Muss ich als Dystopie-Fan dieses Buch lesen? Nein.
Muss ich als Apokalypse-Fan das Buch lesen? Nein.
Muss ich als Liebesbuch-Fan das Buch lesen? Nein.
Muss ich als Spannungsfan das Buch lesen? Nein.
Muss ich das Buch überhaupt lesen? Nein.

Es ist ganz ok, keine Frage. Für Zwischendurch. Aber es ist nicht spannend, geht nicht ans Herz und bewegt das Gemüt insgesamt nicht. 3 Sterne

Emily St. John Mandel – Das Licht der letzten Tage
Originaltitel: Station Eleven (September 2014)
Piper Verlag, 14. September 2015
ISBN 3492060226
409 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Colleen Hoover – Weil wir uns lieben

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Diese Story macht einfach glücklich

Ein Auf und Ab der Gefühle – das ist die Liebesbeziehung von Will und Layken seit dem ersten Tag, andem sie sich trafen. Erst jetzt, nach ihrer Hochzeit, scheint ihr Glück perfekt zu sein – wäre da nicht Wills Vergangenheit, die einen Keil zwischen die beiden zu treiben droht… (Klappentext)

Es war Juni 2014. Ich kam frisch aus Kuba wieder, wo ich „Weil ich Layken liebe“ an einem Stück durchgelesen hatte.
Ich suchte noch in der Flughafenbuchhandlung nach dem Nachfolger. „Weil ich Will liebe“ fand ich dann aber doch erst am Tag danach in der Innenstadt.
Ich hatte tatsächlich Angst, dass mich der zweite Teil nicht so fesseln und begeistern kann wie der Auftakt dieser Trilogie. Am meisten hatte ich aber Angst davor, dass Teil 2 alles aus Teil 1 noch einmal behandeln, eben nur aus Wills Sicht. Ich hatte Glück, die Geschichte ging weiter – trotzdem aus Wills Sicht.

Die beiden Bücher hatten mir unglaublich viel Spaß gemacht. So viel, dass ich das Erscheinungsdatum von „Weil wir uns lieben“ dick in den Kalender eingetragen hatte. Ich las mir erst gar nicht den Klappentext durch. Ich musste es sofort lesen.

Es schloss direkt an Teil 2 an und ganze sechs Seiten lang war ich selig. Dann der Schock. Meine schlimmen Befürchtungen für Teil zwei hatten sich nun für den letzten Teil bestätigt.

Nachdem Will und Layken endlich glücklich verheiratet sind, verbringen sie ihre Flitterwochen – beziehungsweise Flittertage – in einem Hotel. Dort soll Will Layken alles erzählen. Von Anfang an. Jeden Gedanken, jedes Gefühl, das er hatte, seit er seine neue Nachbarin – und nun Ehefrau – das erste Mal sah. Und das tut Will. Fast 400 Seiten lang. Womit auch klar ist, dass der Klappentext vollkommene Effekthascherei ist.

Ich war wirklich enttäuscht. Ich wollte das nicht. Ich wollte sehen, wie es weitergeht.
Zwischendurch keimte immer mal wieder die Hoffnung auf, dass die Rückblenden vielleicht nur bis zur Hälfte des Buches gehen und es danach weitergeht im Leben der beiden und ihrer Brüder. Aber auch diese Hoffnung wurde bitterlich enttäuscht.

Es geht in dem Buch um genau zwei Dinge: Sex und die Geschichten, die man aus Band 1 schon kennt. Man sprang immer zwischen Hotelzimmer und alten Begebenheiten hin und her.

Erschwerend kam für mich hinzu, dass ich Wills Sicht schon im zweiten Buch nicht mochte. Ich mochte Layken immer so viel mehr. Und nun ist auch der letzte Teil komplett aus Wills Sicht geschrieben.
Mit jeder Seite zerschlug er immer mehr mein Bild von ihm. Das Distanzierte, Kühle, Coole was er noch im ersten Teil versprühte, ändert sich leider nicht nur in etwas Herzliches und Gefühlvolles. Nein, Will wird für mich ein vollkommener Jammerlappen mit übertriebenen Gedanken und Gefühlen.
Ich möchte sogar sagen, dass dem Buch anzumerken ist, dass diese männliche Innensicht von einer Frau geschrieben wurde. Nicht, dass Männer nicht zu tiefen Gefühlen fähig wären – ganz im Gegenteil – aber vieles klang nach „Frauen wünschen sich, dass Männer genau so denken.“.

Die Story empfand ich schon beim Lesen von „Weil ich Layken liebe“ als nicht rasend spannend. Für mich lebte das Buch von der Art der Beschreibungen, Laykens Charakter und der Atmosphäre.
In diesem Teil vermischt sich nun meines Empfindens nach eine relativ unspektakuläre Geschichte mit einer überzogenen Erzählweise. Keine gute Kombination!

Außerdem hatte ich an manchen Stellen das Gefühl, die Autorin setzt zu viel Erinnerungsvermögen voraus. Manches Mal wurden Dinge nur angeschnitten, die mir nicht mehr präsent waren oder andere Teile weggelassen, wegen denen ich manche Entwicklungen erst verzögert verstehen konnte.
Wenn man alle Bücher direkt hintereinander liest, funktioniert das zwar gut, dann ist es aber auch nicht mehr spannend, die gleiche Geschichte mehrfach zu lesen.

Natürlich gibt es aber auch positive Aspekte. Die Figuren sind mir immer noch alle sehr sympathisch – auch wenn Will es mir wirklich schwer machte.
Die Schreibweise ist ebenfalls wieder lockerleicht und trägt den Leser Seite um Seite weiter, ohne dass man es merkt.

Trotzdem bleibe ich am Ende enttäuscht zurück. Ich hatte mir mehr versprochen.
Ich mag weder Wills Seite der Geschichte, noch seine Innensicht, noch überhaupt die Erzählweise mit all den Rückblenden.
Auch wenn ich manches Mal zu Tränen gerührt war, kam das nicht von diesem Buch. Es waren alles Dinge, die mich schon im ersten Teil bewegten. Ich bin nicht verärgert darüber, dass ich „Weil wir uns lieben“ gekauft und gelesen habe. Ich war wieder gern bei Layken und Will. Mit dem Wissen über den Inhalt von Band 3 hätte die Geschichte aber rückblickend auch nach dem zweiten Teil beendet sein können. 3 Sterne

Colleen Hoover – Weil ich Layken liebe
Originaltitel: This Girl (September 2013)
dtv, 24. Juli 2015
ISBN 3423716401
382 Seiten
Taschenbuch; 9,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Weil ich Layken liebe – Originaltitel: Slammed
2. Weil ich Will liebe – Originaltitel: Point of Retreat
3. Weil wir uns lieben – Originaltitel: This Girl

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R. L. Stine – Fear Street – Die Falle

Stine_Fear Street_Die Falle

Die Falle schnappt zu
„Du bist als Nächste dran“, steht in großen Buchstaben auf einem blutverschmierten Blatt Papier. Jade wird kreidebleich, als sie den Brief in den Händen hält. Irgendwer muss es auf sie abgesehen haben. Anders lassen sich auch die Drohanrufe nicht erklären, die sie seit einiger Zeit erhält. Was Jade nicht ahnt: Jemand hat noch eine alte Rechnung mit ihr offen. Und hat ihr längst eine Falle gestellt… (Klappentext)

Es ist ein Jahr her seitdem Jade, Deena und Chuck sich in „Falsch verbunden“ mit einem Mörder angelegt haben. Mittlerweile sitzt er im Gefängnis, doch wer ruft dann an und bedroht die Mädchen, weiß sogar Details, der nur der Mörder kennt? Sie begeben sich erneut in das Haus, in dem der Mord stattgefunden hatte und plötzlich werden sie wieder verfolgt. Der Albtraum, der mit einem Scherzanruf vor einem Jahr begann, ist noch nicht vorbei…

Ich fand den ersten Teil eher langweilig und war auch von der Sprache abgeschreckt. Zusätzlich wurde ich mit den Personen nicht warm. Trotzdem wollte ich den zweiten Teil direkt danach lesen, denn nun war ich drin in der Geschichte um die drei Jugendlichen aus Shadyside und hatte auch noch die Namen der Nebenfiguren präsent. Vor allem lesen sich die 153 ja auch sehr schnell.

Das Buch fing tatsächlich ziemlich gut an und ich war positiv überrascht. Es war eine deutliche Spannungssteigerung zu Teil 1 zu vernehmen. Doch plötzlich flachte die Spannung ab und kehrte für mich auch nicht mehr zurück. Die letzten zwei Drittel waren dann wieder eher lahm. Da konnten auch diverse Wendungen und Gefahrensituationen nichts ändern.

Das Buch wurde fünf Jahre nach seinem Vorgänger geschrieben, was immer noch 1995 ist, und zwischen den Übersetzungen liegen 3,5 Jahr –Juni 2001 und Januar 2005. Trotzdem ist die Sprache um einiges moderner und ich fühlte mich nicht mehr penetrant an einen Schulaufsatz von Achtklässlern erinnert.

Mit den Personen hatte ich immer noch Probleme. Es fanden nur kleine Entwicklungen statt, aber die waren nicht so gravierend, dass mir einer deutlich sympathischer geworden wäre.

Insgesamt konnte also auch „Die Falle“ nicht überzeugen. Die Spannung war nur sehr kurzfristig, der Fall an sich war dann auch nicht interessant und mit den Figuren hatte ich auch wieder ein Problem. Nur die Sprache, die machte einen deutlichen Sprung nach oben.
Das ist es auch, was dem zweiten Teil einen halben Stern mehr als seinem Vorgänger einbringt. 3 Sterne

R. L. Stine – Fear Street – Die Falle
Originaltitel: Wrong Number 2 (1995)
Loewe, Januar 2005
ISBN 3785553633
153 Seiten
Gebunden; 7,50 Euro

Reihenfolge:
1. Fear Street – Falsch verbunden – Originaltitel: Wrong Number
2. Fear Street – Die Falle – Originaltitel: Wrong Number 2

Stine_Fear Street_Falsch verbundenStine_Fear Street_Die Falle

Andere Bücher der Reihe:
Fear Street – Das Skalpell – Originaltitel: The Knife
Fear Street – Die Mutprobe – Originaltitel: The Thrill Club
Fear Street – Eingeschlossen – Originaltitel: Ski Weekend
Fear Street – Prüfungsangst – Originaltitel: The Cheater

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R. L. Stine – Fear Street – Die Mutprobe

Stine_Fear Street_Die Mutprobe

Gefährlicher Nervenkitzel
Die Nerven liegen blank, als Tanja im Horrorclub ihre neueste Gruselgeschichte vorliest. Denn diese Geschichte ist anders als die anderen. Der Name einer Freundin taucht darin auf. Und nur wenige Tage später kommt diese Freundin ums Leben. Genau so, wie Tanja es geschildert hat. Hat sie etwas mit dem schrecklichen Unfall zu tun? Und schweben schon bald die anderen Clubmitglieder in tödlicher Gefahr? (Klappentext)

Dass es anders ist, „Fear Street“ mit Mitte 20 zu lesen, als als Kind oder Teenager, das war mir von vornherein klar. Trotzdem wollte ich es unbedingt mal wieder tun.

Typisch für diese Reihe geht es auch hier wieder um jugendliche Freunde, die in der Nähe der Fear Street wohnen.
Die Mädchen Tanja, Sandra, Maura und Nora und die beiden Jungs Rudy und Sam bilden einen Horrorclub. Sie treffen sich jede Woche und Tanja liest ihre neueste Horrorstory vor, über die dann diskutiert wird. Nachdem bald ein Mädchen aus dem Club, wie in der Geschichte beschrieben, stirbt, ist zwischen den Freunden nichts mehr, wie es war.

Durch die wenigen Seiten der Bücher – in diesem Fall 153 Seiten – geht es immer relativ schnell zur Sache. Der Spannungsbogen schnellt nach oben und bleibt dort bis zur Auflösung. Vor allem, weil immer mehr unheimliche Dinge passieren.
Trotzdem konnte bei mir leider kein großer Grusel aufkommen, auch wenn R. L. Stine mit Ereignissen auf dem Friedhof und unheimlichen Verfolgern alles gegeben hat.

Für mich bestand der Reiz in dem Buch weniger im Grusel, sondern vielmehr im Rätsel. Als das habe ich das Buch nämlich gesehen: Als großen Rätselspaß. Ich wollte wissen, wer der Mörder ist und habe so zwischendrin die verschiedensten Theorien aufgestellt. Leider lag ich wieder mal mit keiner richtig.

Durch die wenigen Seiten mit der großen Schrift hatten auch die Personen wenig Zeit, sich zu entfalten. Man bekam sehr wenig Charakter und Persönlichkeit mit. Alles, was man erfuhr, bezog sich ausschließlich auf die Geschichte.
Aber auch hier habe ich es eben wieder als Spiel gesehen und nicht als bahnbrechende Geschichte mit großartiger Personenentwicklung.

Die Sprache war einfach und entsprach dem empfohlenen Alter von 12 bis 15 Jahren.

Weil ich von dem Buch also nun weniger Thriller- als viel mehr Rätselspaß erwartet habe, musste es die Geschichte schaffen, mich zu überzeugen.
Das gelang leider nicht.
Ich mochte zwar die Grundidee an sich, aber man wird immer mal verwirrt, denn durch die eingestreuten Horrorgeschichten des Clubs konnte man nie wissen, was gerade real ist.
Außerdem enttäuschte mich das Ende sehr. Mir war es zu weit hergeholt und unglaubwürdig.

Da mich also nun zwar die Grundidee interessierte, aber die Personen mich nicht abholten aufgrund der Kürze der Zeit, die Sprache einfach ist und mich das Ende enttäuscht, gibt es nur 3 Sterne.
Trotzdem warten hier noch einige Fear-Street-Teile, auf die ich mich freue.

R. L. Stine – Fear Street – Die Mutprobe
Originaltitel: The Thrill Club (1994)
Loewe, Januar 2004
ISBN 3785549962
153 Seiten
Gebunden; 7,50 Euro

Andere Bücher der Reihe:
Fear Street – Das Skalpell – Originaltitel: The Knife
Fear Street – Die Falle – Originaltitel: Wrong Number 2
Fear Street – Eingeschlossen – Originaltitel: Ski Weekend
Fear Street – Falsch verbunden – Originaltitel: Wrong Number
Fear Street – Prüfungsangst – Originaltitel: The Cheater

Stine_Das Skalpell Stine_Fear Street_Die Falle Stine_Eingeschlossen Stine_Fear Street_Falsch verbunden R. L. Stine_Fear Street_Prüfungsangst

Nicolas Barreau – Die Frau meines Lebens

Barreau_Die Frau meines Lebens

Amour fou – die schönste Sache der Welt
Eines Mittags sitzt im Pariser Lieblingscafé des passionierten Buchhändlers Antoine wie vom Himmel gefallen die Frau seines Lebens. Beim Hinausgehen wirft die schöne Unbekannte ihm ein Kärtchen mit einer Telefonnummer zu, die aber nicht mehr vollständig ist. Antoine hat nun zehn verschiedene Möglichkeiten und nur vierundzwanzig Stunden Zeit, um die Frau seines Lebens wiederzufinden… (Klappentext)

Ich hörte so viel Gutes über die Bücher von Nicolas Barreau und wollte endlich auch mal eins lesen. Begonnen habe ich dann mit dem dünnsten auf meinem SuB, um zu sehen, wie mir der Schreibstil und die Art des Erzählens gefällt.
Das tat sie dann ziemlich gut. Das Buch ist flüssig und leichtfüßig geschrieben. Es klang nicht hölzern und nicht verschnörkelt. Es fand einen guten Mittelweg. Aber Mittelweg ist nicht wirklich aufregend.

Ebenso wie die Geschichte an sich. Dass eine Person Liebe sucht, ist nichts Neues. Dass ein Liebender sein bereits entdecktes Gegenstück sucht, ist ebenfalls bekannt. Dass der Liebende hierfür nur das Telefon nutzen muss, ist vielleicht in Ansätzen neu. Antoine hat die Telefonnummer von Isabelle nämlich schon bekommen, doch dann verwischt dank eines Vogels die letzte Zahl und er probiert Endziffern von 0 bis 9, um Isabelle wiederzufinden. Natürlich verläuft es nicht ganz so einfach und der Buchhändler benötigt detektivisches Geschick und Zufälle, um seiner Traumfrau wieder nahe kommen zu können.
Mich überzeugte die Geschichte nicht. Ich fand sie nicht wunderschön und seufzte nicht in einer Tour verliebt. Ich musste eher ab und zu mal lachen, aber das auch eher im geminderten Maße.

Mit Antoine begleitet man eine angenehme und (im positivsten aller Sinne) nette Person. Für mich blieb er jedoch farblos und ich konnte mich nie so ganz in ihn hineinversetzen. Ich fand auch den Gedanken, dass er Isabelle ein Mal im Café sieht und sie gleich für die Frau seines Lebens hält überspitzt, gefühlsduselig und kitschig. Somit empfand ich Antoine als dasselbe wie den Schreibstil und den Inhalt – mittelmäßig.

Ich las das Buch an einem Nachmittag am Strand und dafür war es gut. Es liest sich aufgrund der Länge, der einfachen Geschichte und der flüssigen Sprache schnell und leicht, bleibt jedoch nicht nachhaltig im Gedächtnis. Ich hoffte auf eine Liebesgeschichte, die mein Herz schmelzen lässt, aber das schaffte leider nur die Sonne und nicht das Geschehen im Buch. Das Buch ist für mich also durch und durch mittelmäßig: 3 Sterne.

Ganz am Ende wartete noch eine kleine Überraschung auf mich, als ich die Informationen für die Rezension zusammengesucht habe. Nicolas Barreau ist laut Wikipedia das Pseudonym der deutschen Autorin Daniela Thiele.

Nicolas Barreau – Die Frau meines Lebens
Piper Taschenbuch, 1. April 2009
ISBN 3492253563
143 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Romain Puértolas – Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte

Puertolas_Reise des Fakirs der in einem IKEA-Schrank feststeckte

Ayarajmushee Dikku Pradash, charmanter Hochstapler in Turban und Seide sowie Träger eines Schnurrbarts beträchtlicher Größe, fliegt eines Tages aus Indien nach Paris. Er ist Fakir von Beruf und möchte sich bei Ikea ein brandneues Nagelbett zulegen: Model »Likstupikstå«, schwedische Kiefer, 15 000 Nägel, rostfrei, Farbe: Puma-rot. Kaum am Flughafen Charles de Gaulle angekommen, handelt er sich Ärger mit einem Taxifahrer en, verliebt sich im Ikea-Bistro in die schöne Französin Marie und nistet sich über Nacht im Möbellager in einem Ikea-Schrank ein. Prompt gerät er auf eine irrwitzige Reise, die ihn über England, Barcelona, Rom und Tripolis zurück nach Paris führt… (Text der Umschlagklappe)

Ich war wirklich gespannt auf dieses Buch. Marketing gab es hier ja nicht zu knapp.
Es waren ein paar neue Ansätze mit altbekannten Ideen gemischt.
Ein Fakir, der sich bisher mit Lug und Trug ganz gut durchgeschlagen hat, kommt nach Paris, um dort das Nagelbett zu kaufen, das es im Angebot gibt. Was er nicht wissen kann: Der Taxifahrer, den er um das Fahrgeld gebracht hat, sinnt auf Rache. Was er ebenfalls nicht wissen kann: Bei Ikea zu übernachten ist nur solange eine gute Idee, bis er sich ausgerechnet in dem Schrank verstecken muss, der abgeholt wird und nach England gebracht werden soll.

In dem Transporter, mit dem sein Schrank nach England geliefert wird, trifft er auf ein paar Sudaner, die versuchen illegal in eines der „schönen Länder“ zu gelangen und so kommt Aya zum ersten Mal – jedoch nicht zum letzten – bei seiner Reise mit dem Thema Flüchtlings- bzw. Einwanderungspolitik in Kontakt.

Als er nach einigem Hin und Her in einem anderen Land auf einem Flughafen ankommt, trifft er überraschenderweise auf den Taxifahrer, der Aya ganz und gar nicht vergessen hat.
Nun beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel durch mehrere Länder, das durch mehr Zufälle begleitet wurde, als ich ertragen konnte. Es darf für mich gern auch etwas skurril sein und natürlich gehören da Zufälle dazu, aber was hier los war, war für mich übertrieben. Gleiche Orte, die aufgesucht wurden; Personen, die man dort traf, wo man es nie für möglich gehalten hätte; Verbindungen, die man so nicht erwartet hätte… alles war dabei.

Dafür mochte ich sehr gern die Art des Erzählens. Ich hatte immer ein wenig das Gefühl als würde ich einem Hörspiel lauschen, was vor allem am Erzähler lag, der immer Vorspungswissen hatte und von „unserem Inder“ redete.
Außerdem gab es ein paar „Running-Gags“. So wurden beispielsweise die Menschen von verschiedenen Personen immer mit exakt denselben Worten beschrieben. Die indischen Begriffe, wie Namen oder Orte, wurden immer in eine Lautschrift übersetzt, die kuriose Sätze oder Wortgruppen ergaben. Tragischerweise waren das meine Highlights des ganzen Buches.

Spaß hatte ich aber auch daran, dass es keine klischeehaften Figuren gab. Es gab den indischen Betrüger-Fakir, den wütenden Roma, eine Schauspielerin oder auch liebreizende Französinnen. Es war eine kunterbunte Mischung, die erstaunlich gut zusammen passte.

Am Ende fehlte mir aber die Spannung. Selbst das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ayarajmushee und dem Taxi-Fahrer bot keine echte Aufregung. Alles wurde immer zu schnell aufgelöst oder war zu vorhersagbar.
Auch wenn ich die Sprache und die Personen angenehm und besonders fand, war das nichts, was mich an das Buch fesselte.
Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob ich den politischen Einschlag gut fand. Es soll ein „irrwitziges“ Unterhaltungsbuch sein und trotzdem nahm die Flüchtlingspolitik einen nicht zu verachtenden Teil ein. Und obwohl ich das Thema sehr wichtig finde, wurde gerade zum Ende des Buches ganz schön mit der Gesellschaftskritik-Keule geschwungen.

Nachdem ich das Buch zugeklappt habe, war es leider nur ein Ok-Buch für mich. Kann man lesen, muss man nicht. Man erlebt ein paar nette Stunden, aber ein großes Amüsierfeuerwerk war es für mich nicht. Ich vergebe durchschnittliche 3 Sterne.

Romain Puértolas – Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte
Originaltitel: L’extraordinaire voyage du fakir qui était resté coincé dans une armoire Ikea (August 2013)
S. FISCHER, 24. April 2014
ISBN 3100003950
300 Seiten
Gebunden; 16,99 Euro

Ildikó von Kürthy – Endlich!

Dieses war nun mein siebtes Buch von der Autorin und ich hatte mit meiner anfänglichen Vermutung Recht.
Die Witze waren alle irgendwie schon mal da und selbst die Figuren wurden zum Teil wiederverwertet.
Die Witze sind nicht nur schon in vorherigen Büchern zu finden gewesen, sondern selbst innerhalb dieses Buches werden sie aufgewärmt:

S. 37: „Man darf mich eigentlich nicht küssen, wenn man mich im Prinzip nicht auch heiraten würde.“
S. 176: „Ich kann nicht flirten, ich kann nicht kokettieren, und ich habe noch nie mit einem Mann rumgeknutscht, geschweige denn geschlafen, den ich prinzipiell nicht auch geheiratet hätte.“

Aber worum geht es nun eigentlich in diesem Buch?
Es geht um Vera Hagedorn aus Stade (ein beschauliches Städtchen in der Nähe von Hamburg), die mit ihrem Mann (ein recht bekannter Unternehmer in Stade) ein eigentlich solides Leben führt.
Natürlich ist Vera aber sowohl mit ihrer Figur, als auch ihrer leidenschaftslosen Ehe ein wenig unzufrieden. Dazu kommt, dass sie und Marcus mit c es auch nach vielen Jahren nicht geschafft haben ein Kind zu zeugen.
Dann soll sich aber alles ändern, wie der Klappentext zeigt:

«Nur eine schlafende Frau ist eine zufriedene Frau»Ich dachte, ich sei einigermaßen glücklich. Aber so kann man sich irren.
Denn ich habe versehentlich die Wahrheit über meine Ehe herausgefunden: Ich bin eine betrogene Frau!
Ist das das Ende? Oder ein Anfang?
Erst mal brauche ich ein neues Ego. Und definierte Oberarme.
Ich beschatte meinen Mann, besuche das Seminar «Nackt besser aussehen» und wache am Morgen danach nicht allein auf.
Mein neuer Personal Trainer sagt: «Wahrheit oder Glück, du kriegst niemals beides.»
Ich sage: «Ich will meinen Mann und mein Leben zurück!»
Zum Schluss bekomme ich genau das, was ich mir schon immer hätte wünschen sollen. Endlich!

Dieser Klappentext ärgert mich in zweierlei Hinsicht. Bis Vera den Betrug rausfindet ist nämlich schon ziemlich genau das halbe Buch vorbei.
Weiterhin sagt nicht ihr Personal Trainer, dass die sich zwischen Wahrheit und Glück entscheiden muss, sondern eine Mutter auf einem Kindergeburtstag von Veras Patensohn. Natürlich, das ist ein kleines Detail, aber dann kann ich es doch auch weglassen, wer es gesagt hat. Ein „Mir wird gesagt: …“ hätte doch auch keinem weh getan.

An sich erzählt er aber auch alles, was passiert.
Vera ist vierzig Jahre und hat ein festgefahrenes Leben, aus dem sie so gut wie nie ausbricht. Alles hat seinen geregelten Zeitplan und wenn die Tagesschau läuft, darf niemand anrufen.
An einem Dienstag, 20:10 Uhr passiert dies aber nun. Ihre beste Freundin Johanna ruft an und sagt ihr, dass sie operiert wird. Johanna ist Marcus ein ständiger Dorn im Auge, denn mit ihrer dramatischen und abenteuerlichen Art kann er nicht umgehen. Und erst recht nicht damit, dass Vera bei Johanna in Berlin so viele Möglichkeiten hat.
Mit diesem Anruf nimmt alles seinen Lauf. Johanna und Vera werden nämlich nun eine ganze Weile zusammen verbringen. Erst machen die beiden noch eine Aryuveda-Kur und dann lässt Johanna ihre Brust-OP durchführen.
Für diese Zeit gibt Marcus seiner Frau seinen PC mit und ahnt nicht, dass er ihr so unwissend den Schlüssel zu seiner Untreue in die Hand gegeben hat.
Mit diesem Wissen versucht Vera dann ihr Leben neu in die Hand zu nehmen und dabei irgendwie ihren Mann zurückzugewinnen.

Auf ihrer Rückgewinnungstour steht ihr nicht nur Johanna zur Seite (diese mochte ich übrigens. Sie ist zwar laut und extrovertiert, aber auch ein herzensguter Mensch.), sondern auch ein alter Bekannter: Erdal Küppers.
Ich mag Erdal. Doch, wirklich. Den pummeligen schwulen Türken hatte ich schon das erste Mal als er in einem Buch auftauchte in mein Herz geschlossen mit seiner melodramatischen Art. So sehr ich mich auch freue zu erfahren, wie es mit ihm und seinem Partner Karsten so weitergegangen ist, habe ich immer ein wenig das Gefühl, es reicht nicht für neue Figuren.
Ich verstehe schon, dass Frau von Kürthy mit Erdal eine komplexe Figur erschaffen hat, die man immer wieder mal sehen will, aber hier hat Erdal eindeutig wieder eine Hauptrolle. Und das war mir dann zu uninnovativ.
Auch die anderen Personen waren mir sympathisch. Vera konnte mir nur immer ein bisschen leid tun, dass sie sich mit Sachen begnügte, die in ihrem Alter noch nicht sein müssen, aber gut.
Und auch für Marcus hatte ich lange Zeit Verständnis.

Bei dem ersten Buch von dieser Autorin („Mondscheintarif“) habe ich wirklich noch Tränen gelacht und habe mich nicht mehr eingekriegt.
Jetzt ist die ganze Geschichte nur noch lauwarm. Als ob sie wüsste, wie gut ihre Bücher ankommen und sie deswegen auf Gedeih und Verderb ein Buch auf den Markt bringen muss, egal dass es gar nicht mehr der Qualität entspricht, die Frau von Kürthy eigentlich leisten könnte.
Was ich an ihren Büchern aber immer noch mag, auch wenn ich nicht mehr lachen muss, ist der Schreibstil. In ihren Büchern denken die Frauen ja immer viel über sich und ihr Leben nach und philosophieren und träumen und wünschen und stellen Zukunftspläne an, aber trotzdem schafft die Autorin es, das alles locker dahinfließen zu lassen. Man muss sich durch keine Seite kämpfen.
Und auch wenn man keine große Spannung erwarten muss, erschaffen die Bücher eine wohlige Atmosphäre allein durch den Schreibstil.
Durch das ganze Denken der Protagonistinnen gibt es jedoch auch ein großen Nachteil: auf Chronologie wird wenig wert gelegt.
Natürlich gibt es einen Handlungsstrang und der wird auch kontinuierlich fortgeführt, er wird eben nur ständig unterbrochen durch Anekdoten aus der Vergangenheit, die zum Teil wirklich lang sind und vom Hundertsten ins Tausendste gehen. Somit habe ich schnell den Überblick verloren.

Was aber wieder sehr schön an diesem Buch ist, ist die Gestaltung. Die Kapitel beginnen alle mit einem Zitat über Beziehungen oder Frauen. Ich hatte mich jedes Mal auf das nächste gefreut. Dazu unterstreicht ein Schmetterling immer den Kapitelanfang. Auch in den Kapiteln trennen dann Schmetterlinge verschiede Absätze.
Außerdem lassen sich wieder viele Zeichnungen finden, die immer zum jeweiligen Inhalt passen. Zum Teil sind die auf einer ganzen Seite.

Ich ärgere mich nicht, dieses Buch gelesen zu haben und empfinde es auch nicht als Zeitverschwendung. Spannend und lustig war das Buch aber nicht mehr.
Es war ein durchschnittlicher Frauenroman, der ganz nett war. Dafür gibt es .

Ildikó von Kürthy – Endlich!
rororo, November 2011
ISBN 349925431X
317 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Antoine de Saint-Exupéry – Der kleine Prinz

Egal, ob man das Buch schon gelesen hat oder nicht, eine Weisheit daraus kennt wohl jeder: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Leider habe ich nun auch nach der Lektüre nicht wirklich mehr für mich mitgenommen.

Kurz gesagt geht es um einen kleinen Prinzen, der von seinem Heimatasteroiden auf die Erde reist und zwischendurch auf anderen kleinen Planeten verschiedene Arten von Menschen kennenlernt: einen König, einen Säufer, einen Geografen, einen Laternenanzünder, einen Geschäftsmann und einen Eitlen. Doch keinen vermag er so recht zu verstehen, da erwachsene Leute für ihn ungewöhnliche Verhaltensweisen haben.
Auf der Erde angekommen, reist er ein wenig herum und lernt dabei seinen Heimatplaneten mit den drei Vulkanen und der einen Blume zu schätzen. Schließlich trifft er einen Mann, der mit seinem Flugzeug in der Wüste abgestürzt ist und diesem erzählt der kleine Prinz seine Geschichte.

Ich fand das Ganze jedoch weder spannend, noch konnte ich daraus Lehren für mich ziehen. Natürlich habe ich verstanden, was an verschiedenen Arten von Menschen kritisiert wurde und was der kleine Prinz alles über das Lieben und Wertschätzen gelernt hat. Vielleicht bin ich aber schon zu alt für diese Lehren, denn ich empfand sie als selbstverständlich.
Für Kinder finde es das Buch dann aber tatsächlich zu unverständlich.

Was jedoch schön war, war die Sprache. Sie war stets bildlich und poetisch ohne unverständlich zu sein. Sie war wie ein Flügelschlag, wunderschön und dabei zart und zerbrechlich.
Dazu passend gab es immer liebevolle Zeichnungen des Verfassers.

Mit seinen 94 Seiten ist das Buch dabei überaus kurz und dabei noch in 27 Kapitel unterteilt. Man kann das Buch also schnell hintereinander weglesen.

Zu den Protagonisten kann man kaum etwas sagen. Der kleine Prinz begegnet zwar einigen Menschen, jedoch nur so kurz, dass man keinerlei Beziehung aufbaut. Außer vielleicht zu dem Ich-Erzähler. Der war sympathisch und versuchte durch die Erzählung wieder ein Stück seiner kindlichen Naivität und Unbefangenheit zurück zu erlangen.
Den Prinzen an sich fand ich in seiner Art eher anstrengend und besserwisserisch. Ich habe ihn leider nicht liebgewonnen.

Ich dachte immer, dieses Buch sei ein Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte.
Nun stelle ich fest, ich hätte nicht wirklich etwas verpasst, hätte ich es gelassen.
Das Buch war aber nicht schlecht, für mich eben nur nichts Herausragendes. Ich vergebe durchschnittliche .

Antoine de Saint-Exupéry – Der kleine Prinz 
Originaltitel: Le Petit Prince (1943)
Karl Rauch, 1950
ISBN 379200027X
94 Seiten
Taschenbuch; 5,90 Euro

Hans Rath – Was will man mehr

Herz oder Kopf?
Gehen oder bleiben?
Junge oder Mädchen?

Das war so nicht geplant: Paul wird Vater. Leider ist das Kind nicht von Iris, seiner Traumfrau, sondern von ihrer Schwester Audrey. Drum kümmern darf er sich auch nicht wirklich. Und seine Karriere geht gerade fürstlich den Bach runter. Da helfen nur Schamski, Günther und Bronko, Pauls WG-Gefährten aus besseren Tagen. Doch für das große Glück müssen sie alle einiges riskieren. (Klappentext)

Teil 3 der Reihe um Dr. Paul Schuberth beginnt quasi in der gleichen Minute, in der Teil 2 („Da muss man durch“) aufhört.
Paul ist auf dem Weg nach London, um Audrey seine Entscheidung mitzuteilen, dass er sich um das gemeinsame Kind mit dem wohlklingenden Namen Dragijonarah kümmern möchte.
Verbrachte man also im letzten Teil viel Zeit auf Mallorca, so ist es diesmal die englische Hauptstadt, in der man sich meistens aufhält.
Hier lag für mich aber schon die erste Tücke des Buches. Es wird trotzdem noch so viel hin- und hergereist, dass ich ab und zu nicht mehr hinterher kam. Günther lebt nämlich mittlerweile fest auf Mallorca mit Iggy. Schamski in London und Bronko irgendwie überall. Aktuell aber in der Wohnung seiner Geliebten in Deutschland. Und Paul ist immer dazwischen. Und dann reisen auch mal alle zusammen nach Deutschland. Also mir war das zu viel.

Für die Story war das aber wahrscheinlich ziemlich notwendig. Was sich im letzten Teil anbahnte, hat sich nun nämlich zugespitzt. Der Verlag der Familie von Beuten ist pleite und muss Insolvenz anmelden. Da ging aber nicht alles mit rechten Dingen zu und die Familie gibt erstmal Paul die Schuld. Selbst Schamski zweifelt an ihm.
Hier liegt dann aber schon die zweite Tücke. Viele Teile des Buches waren ziemlich wirtschaftlich und finanzpolitisch geschrieben. Ich kenne mich (zum Glück) nicht mit Insolvenzen aus und war deswegen des Öfteren latent überfordert, ob der ganzen verschiedenen Schritte, die eingeleitet wurden und der Möglichkeiten, die es noch gab.

Aber letztendlich ist damit auch schon die ganze Geschichte des dritten Teils zusammengefasst. Es laufen nur noch einmal alle Fäden aus den vorhergehenden Bänden zusammen und Probleme werden endgültig gelöst. Ein wenig wie ein zu lang gewordener Epilog liest sich das Buch.

Die Sprache kann auch bei Weitem nicht mehr an die Vorgänger heranreichen. Musste ich bei den anderen beiden Teilen das Buch noch ab und zu zur Seite legen, weil ich mich vor lauter Lachen nicht mehr eingekriegt habe, konnte ich hier nur noch müde lächeln.

Auch die Figuren haben größtenteils ihren Charme verloren. Schamksi ist mit über 40 Jahren nun (endlich) erwachsen geworden und kein spontaner Draufgänger mehr. Auch Bronko und Günther sind in recht beständigen und vor allem glücklichen Leben angekommen.
Nur Paul sucht immer noch sein Glück und bringt dies auch weiterhin zynisch rüber. Er ist somit der einzige, der noch annähernd wie in den Vorgängerbänden ist. Aber den Sprachwitz an sich hat er komplett eingebüßt.
Von Familie von Beuten möchte ich fast nicht anfangen. Audrey hat nichts mehr von ihrer Spritzigkeit, sondern ist zu einer Zicke verkommen. Die Patriarchin Elisabeth von Beuten hingegen ist kein bisschen respekteinflößend und bissig mehr, sondern nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Letztendlich bleibt zu sagen, dass das Buch kein würdiger Abschluss der Dr.-Paul-Schuberth-Trilogie ist. Wenn man die Vorgänger jedoch so gern verschlungen hat wie ich, dann sollte man auch dieses Buch unbedingt lesen, um zu wissen, ob Paul noch sein großes Liebesglück mit Iris bekommt oder sich vielleicht doch mit Audrey zusammenschließt, um eine Familie zu sein. Oder vielleicht findet er in London ja eine ganz andere Frau.

Schlecht ist das Buch auf keinen Fall. Es fällt im Verhältnis zu den anderen beiden jedoch ganz stark ab und ist komplett durchschnittlich. Somit bekommt es von mir .

Hans Rath – Was will man mehr
Wunderlich, Juni 2011
ISBN 3805250126
254 Seiten
Broschiert; 14,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Man tut, was man kann
2. Da muss man durch
3. Was will man mehr

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