Katie Cotugno – So geht Liebe

Wenn dein Herz stärker ist als jede Vernunft
Reena liebt Sawyer und Sawyer liebt Reena – eigentlich ganz einfach, oder? Nein, denn Sawyer bekommt Angst vor seinen eigenen Gefühlen und haut ab. Und Reena ist schwanger!
Zwei Jahre später stehen sie sich wieder gegenüber. Und Reena weiß nicht, ob sie ihn hassen soll oder tief in ihrem Inneren noch immer liebt… (Klappentext)

Ein Jugendbuch, in dem es um die Liebe geht, ist ja nicht wirklich selten. Aber bisher habe ich mit ihnen immer gute Erfahrungen gemacht. Darum freute ich mich sehr, als ich das Rezensionsexemplar von Heyne fliegt bekam.

Die Geschichte ist im Grunde gespickt mit altbekannten Themen: Jugendliebe, ungeplante Schwangerschaft, Trennung. Doch „So geht Liebe“ brachte etwas Neues mit hinein. Sawyer verschwand vom einen auf den anderen Tag und meldete sich zwei Jahre bei niemandem. Nicht einmal seine Eltern wussten, wo er war. Reena schwärmte schon ihr ganzes Leben für ihn und als sie endlich zusammenwaren, konnte sie das Glück nicht lange genießen, bevor er abhaute. Nun muss sie sich mit 16 Jahren nicht nur um ein Baby kümmern, sondern hat durch ihr streng religiöses Umfeld auch allerhand andere Probleme.

Ich mochte die Geschichte gern. Und man hätte aus ihr sicher etwas ganz Großes machen können. Doch Katie Cotugno hat mit den Einzelteilen manches falsch gemacht.

Die Geschichte ist aufgeteilt in „Vorher“ und „Nachher“. Die beiden Teile wechseln sich in jedem Kapitel ab und zeigen wie es war, bevor Sawyer verschwand und nun, als er wieder da ist. Die Erzählerin ist dabei immer Reena. Die Story ist stark auf ihr Liebesleben konzentriert und spätestens als es sowohl im Vorher als auch im Nachher viel hin und her ging, sich mal der eine zurückzog, mal der andere, wurde es wirr. Ich musste mich manches Mal gut darauf konzentrieren, in welcher Zeit jenes Gespräch geführt, jene Information geteilt wurde.

Der größte Unterschied in beiden Zeiten war jedoch Reena. Vorher war sie das verschüchterte Mädchen, das so viel dachte, aber so wenig sagte. Wie oft hätte ich sie förmlich anbrüllen wollen: „Sprich genau diesen Gedanken doch jetzt einfach aus! Das macht alles sicher besser!“. Doch sie blieb immer stumm, verzog sich lieber in dunkle Ecken auf Partys und ärgerte sich, dass Sawyer nicht das große Interesse an ihr zeigte, das sie sich wünschte. Im Nachher wurde sie dafür launisch und zickig. Und auch wenn sie natürlich in den letzten zwei Jahren viel durchmachen musste, hätte auch hier ein ordentliches Gespräch das ein oder andere bewirkt.
Sawyer fand ich dafür als Schwarm ziemlich glaubhaft. Er ist cool, unabhängig, hübsch und ganz sicher anziehend.
Die anderen Figuren wanderten dafür fast alle auf einem Grat zwischen herzlich und überheblich und waren deshalb schwer zu mögen.

Die Geschichte konnte mit wenigen Überraschungen auftrumpfen. Manches davon war dann auch ziemlich vorhersehbar.
Was mich aber noch mehr störte, waren Dinge, die als Geheimnisse aufgebauscht wurden. Das ganze Buch über gab es Andeutungen und man wollte wirklich wissen, was dahinter steckt. Und die Auflösungen waren dann alle irritierend unbedeutend.

Vor allem durch diese beiden Dinge litt die Spannung. Vieles war vorhersehbar oder unwichtig. Und das ganze Hin und Her zwischen den beiden Liebenden konnte einen auch schnell nerven.

Das Buch musste also mit Gefühlen auftrumpfen. Das klappte so halb. Das Schwärmen und das Verlieben von Reena war total nachvollziehbar. Selbst die Gefühle, die trotz Sawyers Verschwinden nie ganz verschwunden waren, kann man verstehen. Auch die Gefühle von Sawyer waren glaubhaft. Wie eigentlich die gesamte Story. Doch durch Reena als Ich-Erzählerin, die anstrengend und nervig war – erst zu schüchtern, dann zu zickig – übertrugen sich die Emotionen leider nicht auf mich.

Für mich hatte „So geht Liebe“ also mit der Geschichte und Sawyer als Person Pluspunkte, aber durch Reena und die Zeitsprünge, die mir an manchen Stellen zu wirr waren, auch Minuspunkte. Im Gesamten ergibt das bei mir .

Katie Cotugno – So geht Liebe
Originaltitel: How to Love (Oktober 2013)
Heyne Verlag, 19. September 2016 (Gebundene Ausgabe: April 2014)
ISBN: 3453596471
320 Seiten
Taschenbuch, 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Colleen Hoover – Nächstes Jahr am selben Tag

»Wenn du nicht aufpasst, verliebe ich mich in dich. Noch heute Nacht…«

Ben und Fallon sind achtzehn, als sie sich in Los Angeles kennenlernen – und das ausgerechnet am Abend, bevor Fallon nach New York zieht. Die beiden beschließen, sich von nun an fünf Jahre lang immer am selben Tag im November zu treffen. Doch dann geschieht etwas Unerwartetes… (Klappentext)

Dieses Buch hat mich fertiggemacht. Und das im besten aller Sinne.

Nachdem ich von dem letzten auf Deutsch veröffentlichten Buch „Zurück ins Leben geliebt“ nur sehr mäßig begeistert war, hoffte ich inständig, dass mir dieses hier wieder besser gefallen wird und freute mich dewegen, als ich es im Blogger-Gewinnspiel gewann. Die Thematik sprach mich schon einmal sehr an.

An dem zweiten Jahrestag ihres Unfalls trifft Fallon auf Ben. Sie wird zwar nur noch wenige Stunden in L. A. leben, aber diese will sie plötzlich nur noch mit Ben verbringen.
Doch sofort ist beiden klar: Sie werden sich nicht vergessen können, sie müssen sich wiedersehen. Da Fallon sich aber erst verlieben will, wenn sie 23 Jahre ist, verabreden die beiden sich dazu, sich von nun an jedes Jahr am 9. November zu treffen. Kontakt zwischendrin ist strengstens verboten. Doch in fünf Jahren kann unglaublich viel passieren…

Schon bevor ich auch nur einen einzigen Satz gelesen habe, hatte ich genau zwei Dinge zu meckern: „Das klingt doch stark nach ‚Zwei an einem Tag‘!“ und „Die sehen sich bestimmt und sind sofort unsterblich ineinander verliebt.“ Beide Argumente nahm mir Colleen Hoover nicht nur spielend, sondern lachend aus der Hand, denn beides kommt tatsächlich in dem Buch zur Sprache. Sie ist sich der möglichen Kritik bewusst und umging sie geschickt.

Ganz ab von der (möglichen) Ähnlichkeit zu anderen Büchern ist die Idee klasse. Und Hoover setzte sie auch noch konsequent um, indem auch der Leser von einem 9. November zum anderen springt. Wir gehen zu den Treffen mit dem gleichen Wissen wie Fallon und Ben. Auch wir müssen jetzt in kurzer Zeit herausfinden, was im letzten Jahr alles passiert ist.
Geschickt streut die Autorin Hinweise auf Dinge, die so schnell nicht aufgelöst werden und hält damit die Spannung weit oben. Bis sich die Dinge überschlagen und die Spannung nicht mehr künstlich oben gehalten werden muss, sondern sich ganz natürlich einstellt.

Einmal legte ich das Buch sogar zur Seite mit den Worten: „Ich fasse es nicht! Das muss ich jetzt erst einmal verarbeiten.“ Und hielt es genau 30 Sekunden aus, dann musste ich doch weiterlesen.

An zwei oder drei Stellen war die Geschichte vorhersehbar. Jedoch immer erst relativ kurz, bevor das Ereignis tatsächlich eintrat. Aber viel wichtiger ist: An viel mehr Stellen wird der Leser vollkommen aus der Bahn geworfen und überrascht. Ich blieb regelmäßig sprachlos und mit offenem Mund zurück.

Bei „Zurück ins Leben geliebt“ mochte ich weder die beiden Hauptfiguren Tate und Miles, noch verstand ich ihre Anziehung. Hier war alles anders. Von Anfang an war ich von der verletzlichen und doch starken Fallon und dem witzigen und coolen Ben fasziniert. Ich freute mich auf jeden Perspektivenwechsel, um noch mehr von dem jeweils anderen kennenzulernen.
Darin fügte sich nahtlos die Anziehung ein, die nicht gekünstelt oder erzwungen wirkte. Ich konnte wirklich mitfühlen, warum die beiden sich toll finden.

Und beim Mitfühlen sind wir nun an dem Stichwort angekommen, das mich von Anfang an an den Hoover-Büchern so begeistert hat. Bei fast allen Büchern war ich mit vollen Herzen dabei. Und auch dieses Mal verlor ich nicht nur mein Herz, sondern auch viele Tränen. Es war wieder wundervoll. Es macht mich jedes Mal aufs Neue sprachlos, wie Colleen Hoover es mit Worten schafft, mein Herz zu zerreißen und mich dabei auch noch lächeln zu lassen.

„Nächstes Jahr am selben Tag“ war wieder ein großes Lesefest. Die Kritikpunkte, die ich vorher hatte, widerlegte Hoover gekonnt und die paar vorhersehbaren Stellen sind kein Grund für einen Sternabzug. Und ansonsten gibt es nichts, aber auch gar nichts, was ich anders, besser, schöner hätte haben wollen. Das Buch verdient volle .

Colleen Hoover – Nächstes Jahr am selben Tag
Originaltitel: November 9 (November 2015)
dtv, 10. März 2017
ISBN: 3423740256
373 Seiten
Broschiert, 14,95 Euro

Colleen Hoover – Zurück ins Leben geliebt

Hoover_Zurück ins Leben geliebt

Als Tate zum Studium nach San Francisco zieht, stolpert sie dort gleich am ersten Abend über Miles Archer: Miles, der Freund ihres Bruder, der niemals lächelt, meistens schweigt und so attraktiv ist, dass Tate bei seinem Anblick Herzflattern und weiche Knie bekommt. Miles, der seit sechs Jahren keine Frau mehr geküsst hat und offensichtlich eine schwere Bürde mit sich herumträgt, die ihn bis heute unfähig macht, sich auf eine Beziehung einzulassen. Miles, vom dem Tate sich besser fernhalten sollte, wenn ihr ihr Gefühlsleben lieb ist.
Doch wider Willen fühlen die beiden sich unwiderstehlich zueinander hingezogen. Als sie sich näherkommen, gibt Miles zwei Regeln vor:
1. Frag niemals nach meiner Vergangenheit.
2. Erwarte dir keine Zukunft mit mir.
Tate akzeptiert – auch wenn sie weiß, dass sie ein für ihr Seelenleben gefährliches Spiel treibt… (Text der Titelklappe)

Ich liebe die Bücher von Colleen Hoover. Das kann ich aus tiefstem Herzen sagen.
Dies war nun mein sechstes von ihr und ich habe nicht weniger als ein weiteres Buch, in das ich mich beim Lesen verliebe, erwartet.

Zum ersten Mal kam ich aber tatsächlich schwer in das Buch hinein.
Die Geschichte kam sehr langsam in Gang. Tate zieht zu ihrem Bruder, trifft den heißen Nachbarn, findet ihn sofort toll, er sie auch, Beziehung nein, Sex ja…. und dann steht die Geschichte. Lange dreht sich alles im Kreis. Es geht vor, es geht zurück. Eine echte Story ist dabei nicht so richtig rausgekommen. Es ging hauptsächlich um das Miteinander der Figuren.
Das bezieht sich aber durchaus nur auf 50 Prozent der Geschichte.

zurueck-ins-leben-geliebt Die Kapitel, die Tate erzählt, spielen in der Gegenwart – und behandeln eben Beschriebenes. Miles Kapitel liegen schon sechs Jahre zurück. Und diese waren für mich das Besondere an dem Buch. Sowohl wie die Worte gesetzt waren, als auch was sie enthielten. Sie waren meine liebsten Teile, die leider immer nur wenige Seiten lang – und damit viel zu kurz – waren. Sie waren definitiv der spannende Part und ich rätselte in Tates Teilen immer schon, wie die von Miles wohl weitergehen werden.

Tate und Miles waren der zentrale Punkt der Geschichte und standen somit im Mittelpunkt. Die Nebenfiguren blieben alle etwas blass und flach.
Mein Problem war nur: So richtig warm wurde ich mit beiden nicht. Tate hatte auf den ersten – und auch auf den zweiten – Blick nichts Besonderes. Vielleicht habe ich die Figur einfach nicht verstanden, aber ich weiß nicht, warum alle Männer sie so toll fanden. Sie ist niemand, der durch seine Art sofort Sympathien in mir geweckt hat. Und Miles war aufgrund seiner Distanziertheit und Altlasten auch schwierig. Man mag ihn vielleicht, weil er einem leid tut, aber das macht er einem nicht leicht.

Was dann aber am Fatalsten war: Ich habe die Anziehungskraft einfach nicht verstanden. Warum geht es bei Colleen Hoover immer so wahnsinnig schnell? Warum sehen sich zwei Menschen und ab der ersten Sekunde können sie nicht Augen und Finger voneinander lassen? Vor allem, da ich Tate extrem langweilig und Miles unglaublich kompliziert fand. Was hat die beiden aneinander angezogen? Es wirkt so oberflächlich und auf die Optik bezogen bei ihnen.
Und überhaupt gab es so unglaublich viel Sex, dass es mich schon anfing zu nerven. Lücken in der Geschichte schienen mit seitenlangem Sex ausgefüllt zu werden.
Dass der Verlag empfiehlt, das Buch erst ab 16 Jahren zu lesen, ist absolut nachvollziehbar.

Mit dieser Ausgangssituation hangelte ich mich ein wenig durch die erste Hälfte des Buches. Ich konnte es auch zuklappen und dann mehrere Tage unangefasst liegenlassen.
Ab der Hälfte änderte sich dann aber plötzlich alles. Nicht, dass es in der Geschichte wahnsinnig voran gegangen wäre oder ich die Figur der Tate dann verstanden hätte, nein, aber ich war plötzlich drin.
Ich konnte auf einmal wahnsinnig gut mitfühlen. Vor allem all die Hoffnungen, dass Miles seine Regeln doch über Bord werfen wird. Dass er sich ändert. Dass er Tate doch irgendwann zur Freundin möchte. Vielleicht muss man in so einer Art von Beziehung mal gesteckt haben, um es wirklich nachvollziehen zu können. Das Hoffen, das „Wenn ich lang genug warte, wird er sich schon ändern!“, das „Wenn er nur oft genug merkt, wie gut wir zusammenpassen, dann verliebt er sich in mich. Definitiv!“, das „Wenn ich nur lang genug nach seinen Regeln spiele, dann kommt sicher alles so, wie ich das möchte…“. Denn erst, wenn man das alles nachempfinden kann, dann wirken Tates Taten nicht mehr unlogisch. Ist einem so etwas fremd, ist man sicherlich oft genervt von ihrer Aussagen und Handlungen.
Ab dem Moment habe ich endlich mitgelitten und ein bisschen mitgeliebt.

Außerdem nahm die Geschichte um Miles Vergangenheit wahnsinnig an Fahrt auf und ich konnte kaum abwarten, dass sein nächstes Kapitel beginnt. Manchmal übersprang ich kurzzeitig sogar Tates Kapitel, um bei Miles schon einmal reinzulesen.

Und natürlich schaffte es Colleen Hoover auch wie jedes Mal, mich zum Weinen zu bringen. So sehr, dass ich „Zurück ins Leben geliebt“ nach dem Beenden zuschlug und dachte: „Tolles Buch. Ganz, ganz tolles Buch!“. Aber da hatten mich wohl meine Gefühle übermannt, denn ganz so war es einfach nicht.
Die erste Hälte war zäh. Die Anziehung war zu schnell zu doll. Tate war irgendwie langweilig.
Ich muss schweren Herzens einiges abziehen. 3,5 Sterne

Colleen Hoover – Zurück ins Leben geliebt
Originaltitel: Ugly Love (August 2014)
dtv, 22. Juli 2016
ISBN: 3423740213
356 Seiten
Broschiert, 12,95 Euro

Colleen Hoover – Maybe Someday

Hoover_Maybe Someday

Das Letzte, was Sydney will, als sie bei dem Musiker Ridge einzieht, ist, sich in ihn zu verlieben. Zu frisch ist die Wunde, die ihr Ex hinterlassen hat. Und auch Ridge hat gute Gründe, seine neue Mitbewohnerin nicht zu nah an sich ranzulassen, denn er hat seit Jahren eine feste Freundin: Maggie – hübsch, sympathisch, klug, witzig. Und dann passiert es doch. Als Sydney beginnt, Ridge beim Songschreiben zu helfen, kommen sie sich näher als erwartet. Auch wenn beide die Stopptaste drücken, bevor wirklich etwas passiert, können sie nichts dagegen ausrichten, dass ihre Gefühle füreinander immer intensiver werden, je verzweifelter sie sie zu unterdrücken versuchen… (Text der Titelklappe)

Ich habe nun schon Will und Layken und Owen und Auburn begleitet und konnte es kaum abwarten, nun Ridge und Sydney beim Verlieben zuzugucken.

Der Plot einer verbotenen Liebe und einer Dreiecksgeschichte ist nicht neu. Und doch schaffte Colleen Hoover es wieder, dem Ganzen eben doch einen besonderen Flair zu verleihen.
Ridge und Sydney schreiben zusammen Songs, während sie versuchen, ihre Gefühle in Zaum zu halten. Diese Lieder kann man sich wirklich anhören. Der Musiker Griffin Peterson hat sie zusammen mit Colleen Hoover erarbeitet und mithilfe des QR-Codes am Ende des Buches kann man sich das Ergebnis anhören.
Ich habe an Bücher nicht den Anspruch, dass die Geschichten etwas noch nie Dagewesenes sein müssen. Darum hatte ich mit dieser relativ bekannten Ausgangssituation viel Spaß.
Das Buch konnte dann jedoch auch mehrfach überraschen. Manche Wendungen haben mich wirklich erstaunt.

Ich hatte jedoch nicht nur Spaß, ich war auch permanent unglaublich gespannt. Ich habe lange kein Buch gelesen, bei dem es mir so schwer viel, nicht nach hinten zu blättern um zu sehen, wie es ausgehen wird, für welche der beiden Ridge sich entscheidet.
Ich war auch bis zur Auflösung vollkommen unentschieden. Ich habe jeden einzelnen Ausgang für möglich gehalten.

Die Personen – sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren – haben es einem aber auch leicht gemacht, ganz tief in die Geschichte einzutauchen.
Ich konnte mich mit fast allen auf die eine oder andere Weise identifizieren, konnte mitfühlen und mithoffen. Niemand blieb blass oder eindimensional, niemand schwarz oder weiß. Es war ein durchweg authentischen Ensemble, dem man beim Lieben und Leben zusehen kann.

Dies alles und die zusätzlich sehr angenehme Sprache schafften es, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Ich musste es dringend immer weiter lesen. Ich musste endlich zum Ende kommen, um die Spannung zu lösen, welche Paarkombination den Schlamassel überleben wird.

Und auch wenn ich das Buch so gern mochte, habe ich mich zum Ende hin immer schwerer mit den Gefühlen der Figuren getan. Sie wurden immer gefühlsduseliger, emotionaler, zerrissener. Und umso mehr Innenansichten beschrieben wurden, umso schmalziger fand ich das. Bisher hatte ich dieses Problemen bei Büchern von Colleen Hoover noch nicht in diesem Ausmaß, aber hier war es mir manches Mal einfach zu viel des Guten. Zu doll geliebt, zu leidenschaftlich gelitten.
Dies war aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich im ganzen Buch finden konnte.

Ich liebe es, dass Colleen Hoover ihren Büchern – zumindest denen, die ich bisher gelesen habe – immer etwas Besonderes mitgibt. Bei Will und Layken hatten die Leser Texte der Poetry Slams, bei Owen und Auburn Gemälde und nun eben echte Songs. Die Bücher sind also viel mehr als nur Bücher. Es sind Erlebnisse.
Und ich hatte insgesamt eine wundervolle Zeit mit dem Buch. Ich mochte die Geschichte, die Figuren, die Atmosphäre, die Schreibart… Nur die überbordenden Gefühle zum Ende des Buches hin waren mir etwas zu viel.
Insgesamt kommt es für mich persönlich trotz der ganzen tollen Eigenschaften nicht an „Weil ich Layken liebe“ oder „Love and Confess“ heran. 4 Sterne

Colleen Hoover – Maybe Someday
Originaltitel: Maybe Someday (März 2014)
dtv, 18. März 2016
ISBN: 3423740183
428 Seiten
Broschiert, 12,95 Euro

Colleen Hoover – Love and Confess

Hoover_Love and Confess

Auburn & Owen:
Sind sie bereit, für ihre Liebe alles zu riskieren?

Fünf Jahre nach dem Verlust ihrer ersten großen Liebe zieht Auburn nach Dallas – und trifft dort auf Owen, in den sie sich Knall auf Fall verliebt. Und ihm geht es genauso. Doch Owen ist der Letzte, auf den Auburn sich einlassen sollte, wenn sie nicht alles, was ihr wichtig ist, verspielen will. (Klappentext)

Durch die Reihe um Layken und Will hat sich Colleen Hoover sehr schnell in mein Herz geschrieben, auch wenn ich vom dritten Teil sehr enttäuscht war.
Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich bei einem dtv-Blogger-Gewinnspiel ein Rezensionsexemplar von ihrem neuesten Buch gewonnen habe.
Ich hatte es kaum aus der Packstation befreit, da habe ich schon begonnen, es zu lesen.

Der zwanzigjährigen Auburn ist auf ihrem täglichen Heimweg von der Arbeit noch nie die Galerie aufgefallen, an deren Tür plötzlich ein Schild hängt. Es wird eine neue Assistentin benötigt und da Auburn eine Gelegenheit sucht, Geld zu ihrem Friseurgehalt dazu zu verdienen, scheint dies fast wie ein Wink des Schicksals.
Als der Künstler Owen plötzlich die Tür öffnet und Auburn hineinbittet, bekommt sie plötzlich nicht nur einen Job, sondern auch sehr bald Gefühle, die sie seit vielen Jahren nicht mehr gespürt hat. Das letzte Mal, konnte ihre erste große Liebe Adam so etwas auslösen. Doch Adam hat sie vor fünf Jahren verloren.
Doch schnell wird den beiden klar, dass sie sich besser voneinander fernhalten sollten.

Mit Auburn und Owen hat Colleen Hoover wieder zwei Charaktere geschaffen, die in ihrem jungen Alter schon viel durchmachen und erleiden mussten.
Die beiden erzählen das Buch abwechselnd und so bekommt man in beider Leben einen tiefgreifenden Einblick. Doch sie haben Geheimnisse. Geheimnisse, die sie nicht einmal mit dem Leser teilen. Erst nach und nach werden sie aufgedeckt und ziehen den Leser noch tiefer in die Geschichte.
Trotz all der Probleme und der Trauer, die die beiden wie ein unsichtbarer Schleier umgibt, mochte ich sie auf Anhieb. Die beiden sind tolle Persönlichkeiten, denen ich gern nah war.

Obwohl der große Kern eine Liebesgeschichte war, fühlte es sich nicht immer so an. Dazu gab es noch so viel Spannendes außen herum zu entdecken. Ich wollte dringend die Geheimnisse und fehlenden Teile der Vergangenheit entdecken, es gab Lügen, Angst, Glück, Liebe, ein bisschen Action, etwas zum Lachen und noch so viel mehr. Es war kein klischeehafter Kitschroman und das fand ich grandios.

Ich war schon von den Figuren und der spannenden Geschichte eingenommen, da setzte die Autorin noch einen drauf. Es wird nicht nur von Owens Bildern geschrieben, man kann sie sich auch direkt ansehen. Dazu gibt es all die Geständnisse – Confesses – , die er erhält und die ihn zu seinen Gemälden inspirieren.
Love and ConfessDie Geständnisse wurden der Autorin tatsächlich so zugeschickt und konnten mich aufgrund dieser Echtheit noch mehr bewegen. Owens Gemälde stammen eigentlich von dem Künstler Danny O’Connor, der mich sehr begeistert hat. Wem die kleinen Schwarzweiß-Drucke im Buch nicht reichen, der sollte einmal die Coverklappen öffnen und sich die farbigen Versionen ansehen. Ich finde sie wunderschön.

Wie schon bei Layken und Will war ich ein bisschen überrascht wie schnell die Gefühle intensiv wurden. Doch hier fühlte sich es ein bisschen stimmiger an. Hier wurde sich ein kleines bisschen mehr Zeit gelassen, wenn auch nicht viel.

Ich finde „Love and Confess“ von vorn bis hinten wundervoll. Ich habe gelacht, geweint, mich mitgeärgert, mich über Figuren aufgeregt, kurzum: Ich wurde sehr bewegt von dem Buch.
Ich fand die Story toll, die Figuren mit all ihren Ecken, Kanten, Geheimnissen und Problemen, ich habe die Gemälde geliebt und die Sprache machte es mir zusätzlich einfach, durch die Seiten zu fliegen. Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich an irgendeiner Stelle genervt war, ob mich irgendetwas störte. Doch ich fand einfach nichts. Die schnellen, intensive Gefühle waren zwar etwas überraschend für mich, aber wurden dann auch nicht übertrieben dargestellt, sondern doch ziemlich überzeugend und nachvollziehbar.

Nein, ich habe einfach nichts gefunden, was es erlauben würde „Love und Confess“ Punkte abzuziehen. Es bekommt von mir volle 5 Sterne.

Colleen Hoover – Love and Confess
Originaltitel: Confess (März 2015)
dtv, 20. November 2015
ISBN 3423740124
380 Seiten
Broschiert; 12,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Mathias Malzieu – Der kleinste Kuss der Welt

Malzieu - Der kleinste Kuss der Welt

Ein melancholischer Erfinder trifft bei einem Tanzabend auf die atemberaubend schöne Sobralia. Doch als er allen Mut zusammennimmt und ihr einen flüchtigen Kuss gibt, wird sie unsichtbar. Mithilfe eines magischen Papageis gelingt es ihm, die unsichtbare Schöne wiederzufinden. Doch Sobralia wagt nicht, ihrem Verehrer ihr wahres Gesicht zu zeigen… (Klappentext)

Ich habe bisher zwei Bücher von Mathias Malzieu gelesen und beide ließen mich begeistert zurück.
Ich war von der Sprache verzaubert und von den Geschichten fasziniert. Ein Junge, der anstatt eines Herzens eine Kuckucksuhr besitzt („Die Mechanik des Herzens„) und ein Mann, der eine Frau trifft, die Federn trägt und fliegen kann („Metamorphose am Rande des Himmels„).
Malzieu_Die Mechanik des HerzensMalzieu_Metamorhose am Rande des HimmelsAls würde das nicht schon reichen, waren die Coverbilder auch noch wunderwunderschön und allein die hätten den Kauf für mich gerechtfertigt.
Es stand für mich fest, „Der kleinste Kuss der Welt“ musste ganz schnell in mein Regal wandern.

Die Geschichte versprach wieder außergewöhnlich zu werden.
Ein Erfinder küsst eine Frau. Es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde und doch reicht das, damit sie plötzlich unsichtbar wird. Doch dieser kleinste je verzeichnete Kuss schafft es, damit er die Unsichtbare nicht vergessen kann. Er sucht einen Detektiv auf, der auf ungewöhnliche Fälle spezialisiert ist und bekommt dort einen Papagei. Mithilfe dieses besonderen Papageis, macht er sich auf die Suche.

Durch die Kürze des Buches hat die Geschichte nur wenig Platz, sich zu entfalten. Doch Mathias Malzieu hat es wieder einmal geschafft, dass gar nicht mehr Raum nötig war. Er konnte sogar noch eine vielschichte Story erzählen. Es gibt nicht nur die unsichtbare Frau, sondern auch noch einige Nebenschauplätze, die alle ein großes Ganzes ergaben.

Auch wenn ich gern wissen wollte, wer die unsichtbare Frau ist und ob der Erfinder und sie zusammenfinden werden, nahm mich diese Spannung nicht vollends ein. Ich fieberte nicht so sehr mit, wie ich es mir gewünscht hatte.

Neben der Geschichte leben die Malzieu-Bücher für mich auch von der besondere Sprache.
Sie strotzt vor Metaphern und Neologismen. Es ist, als würde Malzieu eine ganz andere Sprache sprechen als alle anderen. Eine fantasievollere, ausgefallenere, zauberhaftere, intensivere.
Und doch konnte sie mich in diesem Buch – anders als in den vorherigen beiden – nicht ganz überzeugen. Sie kam mir noch verschwurbelter vor, noch ungewöhnlicher. Ausgefallene Metaphern und starke Sprachbilder durchzogen den Text. Sie waren nicht übermäßig dominant, aber wenn sie da waren, waren sie nicht so zart und schön, wie ich es von ihm gewohnt war. Manches musste ich doppelt lesen.

Oft war ich mir auch nicht sicher, ob es eine Metapher sein soll oder tatsächlich ernst gemeint war. Hat der Protagonist wirklich Kampfeichhörnchen vor sein Skateboard gespannt? Liegt sein Herz wirklich in einem Schuhkarton? Ist das alles ernst gemeint? Die Fantasie dieses Buches würde es hergeben.

Trotz der Melancholie des Buches musste ich oft kichern und lächeln, denn es besitzt eine gehörige Portion Humor.

Letztendlich konnte mich das Buch leider nicht so sehr überzeugen wie „Die Mechanik des Herzens“ und „Metamorphose am Rande des Himmels“.
Die Geschichte war außergewöhnlich, es fehlte mir aber ein wenig Spannung.
Die Sprache war in diesem Buch manches Mal anstrengend und nicht mehr ganz so zauberhaft.
Ich hatte Spaß an dem Buch, aber ich wurde einfach nicht mitgerissen und berührt. 3,5 Sterne

Mathias Malzieu – Der kleinste Kuss der Welt
Originaltitel: Le plus petit baiser jamais recensé (2013)
carl’s books, 31. August 2015
ISBN 3570585476
144 Seiten
Broschiert; 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Green_Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Die 16-jährige Hazel […] weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, weil sie Krebs hat. Aber sie will deswegen nicht bemitleidet werden. Lieber vermeidet sie Freundschaften. Bis sie in einer Selbsthilfegruppe auf Augustus trifft. Gus ist intelligent, witzig, umwerfend schlagfertig und er geht offensiv mit seinem Schicksal um: Selbst in düsteren Momenten bringt er die Gruppe zum Lachen.
Trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit – Hazel und Gus verlieben sich ineinander. Sie diskutieren Bücher, hören Musik, gucken Filme und erörtern die Ungerechtigkeit einer Evolution, die Mutationen wie sie zulässt. Als Hazel Gus anvertraut, dass ihr größter Wunsch ist, den Autor ihres absoluten Lieblingsbuches kennenzulernen, macht Gus ihren Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam. Vor ihrem unvermeidlichen Ende wissen sie, dass sich die Liebe unter allen Umständen lohnt, und dass sie das Leben bis zum letzten Tag feiern wollen. (Text der Titelklappe)

In meiner Familie stirbt man nicht an Krebs. In meiner Familie stirbt man im hohen Alter am hohen Alter.
Ich hatte noch nie direkt mit jemandem zu tun, der Krebs hat.
Und nun habe ich ein Buch mit krebskranken Kindern gelesen und empfand eine unglaubliche Ungerechtigkeit. Nicht nur für die fiktiven Personen in diesem Buch, sondern allen Hazels, Gus‘ und Isaacs gegenüber, die es überall auf der Welt gibt. Eine Ungerechtigkeit, die einem sonst vor Augen geführt wird, wenn ein echter geliebter Mensch eine – irgendeine – schwere Krankheit bekommt.

Eigentlich hätte der Artikel auch „Wie ich anfing, John Green zu hassen“ heißen können.
Über Krebs zu lesen ist schon schlimm. Über krebskranke Kinder fast noch schlimmer. Aber bei so sympathischen, tollen Kindern brach es mir fast das Herz.
Aber vielleicht hätte gerade deswegen der Artikel auch heißen können: „Wie ich anfing, John Green zu lieben“, denn selten berührt ein Buch so sehr ebenjenes fast gebrochenes Herz.

Schon auf den ersten Seiten empfand ich schnell Sympathie für Hazel. Sie scheint ihr Schicksal so tapfer angenommen zu haben. Sie hat ihren Humor nicht verloren; besitzt Witz und Charme.Und trotzdem ließ sie auch die zerbrechlichen Stunden zu. Ich war so gern an ihrer Seite und es dauerte nicht lang, da musste ich das erste Mal schlucken, als sie berichtete, was die Metastasen in ihrer Lunge schon angerichtet hatten.
Aber noch weinte ich nicht. Ich wollte das tapfer durchstehen.

Dann tauchte Gus auf und auch ihn schloss ich allumfänglich in mein Herz – diesen lustigen, intelligenten, coolen, charmanten Jungen mit 1,4 Beinen. Trotz seiner Krankheit war er so voller Leben und Liebe und immer aufgedreht und quirlig. Ich mochte ihn sehr gern.

Und wenn die beiden zusammen waren, war es wunderschön.

John Green schaffte es zusätzlich, mich mit all seinen Amsterdam-Schilderungen zu verzücken, denn fast überall, wo Gus und Hazel waren, da war ich im letzten Jahr auch. Ich bestieg auch die steilen Treppen im Anne-Frank-Haus, lief auch im Vondelpark umher, betrachtete auch die süßen Häuser und schönen Grachten.
Ich konnte durch die Augen von Hazel, die die Ich-Erzählerin ist, wieder Amsterdam sehen.

Ich hatte vorher ein wenig Angst das Buch zu lesen. Ich hatte Angst vor bedrückter Stimmung, Krankheit, Schmerz. Aber auch wenn all das im Buch drinsteckt, zieht es den Leser nicht runter, denn dazu ist es zu amüsant, lebensfroh und liebevoll geschrieben.

Überhaupt ist es fantastisch geschrieben.
John Green hat eine Art zu erzählen, die mich ganz in die Geschichte eintauchen lässt.
Auch die philosophischen Einschläge, die ich sonst in Büchern er anstrengend finde, waren hier vollkommen passend eingearbeitet.
Die Sprache war intelligent und trotzdem federleicht. Ich fühlte mich unglaublich wohl mit der Sprache.

Und am Ende, ja da weinte ich trotzdem. Da konnte ich noch so sehr blinzeln und nach oben gucken.
Das Schicksal ist ein mieser VerräterJohn Green schaffte es also letztendlich, in mir die volle Gefühlspalette hervorzurufen: Ich war wütend, traurig, amüsiert, voller Liebe, enttäuscht, belustigt und noch so viel mehr.

Ich werde Hazel Grace und Augustus vermissen. Ich werde die Atmosphöre im frühsommerlichen Indiana vermissen. Ich werde die Gedanken über das Leben und den Tod vermissen. Ich werde das Lachen und Weinen mit all den liebgewonnen Figuren vermissen.
Aber sollte das Vermissen allzu groß werden, kann ich mir ja immer noch den Film ansehen (Filmrezension von Zacksmovie).

Das Buch bekommt von mir uneingeschränkt 5 Sterne.

John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Originaltitel: The Fault in Our Stars (Januar 2012)
Carl Hanser Verlag, Juli 2012
ISBN 3446240098
286 Seiten
Gebunden; 16,90 Euro
(Auch als Taschenbuch erhältlich)

Colleen Hoover – Weil wir uns lieben

Hoover_Weil wir uns lieben

Diese Story macht einfach glücklich

Ein Auf und Ab der Gefühle – das ist die Liebesbeziehung von Will und Layken seit dem ersten Tag, andem sie sich trafen. Erst jetzt, nach ihrer Hochzeit, scheint ihr Glück perfekt zu sein – wäre da nicht Wills Vergangenheit, die einen Keil zwischen die beiden zu treiben droht… (Klappentext)

Es war Juni 2014. Ich kam frisch aus Kuba wieder, wo ich „Weil ich Layken liebe“ an einem Stück durchgelesen hatte.
Ich suchte noch in der Flughafenbuchhandlung nach dem Nachfolger. „Weil ich Will liebe“ fand ich dann aber doch erst am Tag danach in der Innenstadt.
Ich hatte tatsächlich Angst, dass mich der zweite Teil nicht so fesseln und begeistern kann wie der Auftakt dieser Trilogie. Am meisten hatte ich aber Angst davor, dass Teil 2 alles aus Teil 1 noch einmal behandeln, eben nur aus Wills Sicht. Ich hatte Glück, die Geschichte ging weiter – trotzdem aus Wills Sicht.

Die beiden Bücher hatten mir unglaublich viel Spaß gemacht. So viel, dass ich das Erscheinungsdatum von „Weil wir uns lieben“ dick in den Kalender eingetragen hatte. Ich las mir erst gar nicht den Klappentext durch. Ich musste es sofort lesen.

Es schloss direkt an Teil 2 an und ganze sechs Seiten lang war ich selig. Dann der Schock. Meine schlimmen Befürchtungen für Teil zwei hatten sich nun für den letzten Teil bestätigt.

Nachdem Will und Layken endlich glücklich verheiratet sind, verbringen sie ihre Flitterwochen – beziehungsweise Flittertage – in einem Hotel. Dort soll Will Layken alles erzählen. Von Anfang an. Jeden Gedanken, jedes Gefühl, das er hatte, seit er seine neue Nachbarin – und nun Ehefrau – das erste Mal sah. Und das tut Will. Fast 400 Seiten lang. Womit auch klar ist, dass der Klappentext vollkommene Effekthascherei ist.

Ich war wirklich enttäuscht. Ich wollte das nicht. Ich wollte sehen, wie es weitergeht.
Zwischendurch keimte immer mal wieder die Hoffnung auf, dass die Rückblenden vielleicht nur bis zur Hälfte des Buches gehen und es danach weitergeht im Leben der beiden und ihrer Brüder. Aber auch diese Hoffnung wurde bitterlich enttäuscht.

Es geht in dem Buch um genau zwei Dinge: Sex und die Geschichten, die man aus Band 1 schon kennt. Man sprang immer zwischen Hotelzimmer und alten Begebenheiten hin und her.

Erschwerend kam für mich hinzu, dass ich Wills Sicht schon im zweiten Buch nicht mochte. Ich mochte Layken immer so viel mehr. Und nun ist auch der letzte Teil komplett aus Wills Sicht geschrieben.
Mit jeder Seite zerschlug er immer mehr mein Bild von ihm. Das Distanzierte, Kühle, Coole was er noch im ersten Teil versprühte, ändert sich leider nicht nur in etwas Herzliches und Gefühlvolles. Nein, Will wird für mich ein vollkommener Jammerlappen mit übertriebenen Gedanken und Gefühlen.
Ich möchte sogar sagen, dass dem Buch anzumerken ist, dass diese männliche Innensicht von einer Frau geschrieben wurde. Nicht, dass Männer nicht zu tiefen Gefühlen fähig wären – ganz im Gegenteil – aber vieles klang nach „Frauen wünschen sich, dass Männer genau so denken.“.

Die Story empfand ich schon beim Lesen von „Weil ich Layken liebe“ als nicht rasend spannend. Für mich lebte das Buch von der Art der Beschreibungen, Laykens Charakter und der Atmosphäre.
In diesem Teil vermischt sich nun meines Empfindens nach eine relativ unspektakuläre Geschichte mit einer überzogenen Erzählweise. Keine gute Kombination!

Außerdem hatte ich an manchen Stellen das Gefühl, die Autorin setzt zu viel Erinnerungsvermögen voraus. Manches Mal wurden Dinge nur angeschnitten, die mir nicht mehr präsent waren oder andere Teile weggelassen, wegen denen ich manche Entwicklungen erst verzögert verstehen konnte.
Wenn man alle Bücher direkt hintereinander liest, funktioniert das zwar gut, dann ist es aber auch nicht mehr spannend, die gleiche Geschichte mehrfach zu lesen.

Natürlich gibt es aber auch positive Aspekte. Die Figuren sind mir immer noch alle sehr sympathisch – auch wenn Will es mir wirklich schwer machte.
Die Schreibweise ist ebenfalls wieder lockerleicht und trägt den Leser Seite um Seite weiter, ohne dass man es merkt.

Trotzdem bleibe ich am Ende enttäuscht zurück. Ich hatte mir mehr versprochen.
Ich mag weder Wills Seite der Geschichte, noch seine Innensicht, noch überhaupt die Erzählweise mit all den Rückblenden.
Auch wenn ich manches Mal zu Tränen gerührt war, kam das nicht von diesem Buch. Es waren alles Dinge, die mich schon im ersten Teil bewegten. Ich bin nicht verärgert darüber, dass ich „Weil wir uns lieben“ gekauft und gelesen habe. Ich war wieder gern bei Layken und Will. Mit dem Wissen über den Inhalt von Band 3 hätte die Geschichte aber rückblickend auch nach dem zweiten Teil beendet sein können. 3 Sterne

Colleen Hoover – Weil ich Layken liebe
Originaltitel: This Girl (September 2013)
dtv, 24. Juli 2015
ISBN 3423716401
382 Seiten
Taschenbuch; 9,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Weil ich Layken liebe – Originaltitel: Slammed
2. Weil ich Will liebe – Originaltitel: Point of Retreat
3. Weil wir uns lieben – Originaltitel: This Girl

Hoover_Weil ich Layken liebe Hoover_Weil ich Will liebeHoover_Weil wir uns lieben

Sabine Heinrich – Sehnsucht ist ein Notfall

Heinrich_Sehnsucht ist ein Notfall

»Okay, Oma. Wir hauen ab. Wir fahren ans Meer.«
An einem Montag im Januar entscheiden sich Oma und Eva durchzubrennen: Oma hat gerade mit 79 Jahren Opa verlassen und ihre Enkeltochter Eva steht zwischen zwei Männern und damit vor einer großen Entscheidung. Auf der turbulenten Fahrt nach Italien geht es um große Fragen: Wie viele Kompromisse verträgt eine Beziehung? Wie oft kann man neu anfangen? Gibt es falsche Entscheidungen oder nur den falschen Zeitpunkt? Und: Wie wird man Sophia Loren? (Klappentext)

Es ist lange her, dass ich sogar während des Kochens weitergelesen habe, doch „Sehnsucht ist ein Notfall“ hat es geschafft.

Eva ist 33 Jahre und seit 6 Jahren mit Johannes zusammen.
Oma ist 79 Jahre und seit 60 Jahren mit Opa zusammen.
Beide stehen vor unterschiedlichen Beziehungsproblemen.

Eva hat das Gefühl, dass sie in der Beziehung nicht vorwärts kommt und plötzlich tritt ein Mann in ihr Leben, der alles durcheinander wirbelt. Vor allem sie selbst. Sie muss sich entscheiden: Will sie die verlässliche Beziehung, die aber langweilig geworden ist oder etwas Neues, das aufregend ist?
Oma hat sich schon längst entschieden: Sie will Opa verlassen und ab sofort auf eigenen Beinen stehen.
Um den Kopf frei zu bekommen, fahren die beiden Frauen kurzerhand nach Italien.

Neu ist das Thema auf keinen Fall. Weder die Entscheidung zwischen zwei Männern, noch die Trennung. Trotzdem hat mich das Buch sehr berührt. Vielleicht, weil die beiden Themen schon Bestandteile meines eigenen Lebens waren.

Trotz der Probleme ist das Buch nicht melancholisch, sondern sprudelt vor Lebensfreude und Liebe – vor allem zwischen Eva und Oma.
Es ist herrlich, die beiden zusammen zu beobachten und zu sehen, wie liebevoll und spaßig sie miteinander umgehen.

Überhaupt kommt der Spaß nicht zu kurz.
Vor allem dank Evas Wortwitz und Ironie bekommen selbst die bedrückenden Szenen ein kleines Augenzwinkern. Es ist unglaublich unterhaltsam ihren Ausführungen über ihren Beruf, ihre Vergangenheit und ihre Liebe zu verfolgen.
Auch die restlichen Figuren leben ihr Leben mit Schwung und Witz.
Dabei agiert niemand übertrieben oder gekünstelt. Niemand ist „drüber“.

Insgesamt mochte ich die einzelnen Figuren sehr gern.
Sie waren aus dem Leben gegriffen und nicht selten konnte ich in ihnen Leute sehen, die ich kenne.
Die Nebenfiguren blieben nicht blass, aber bekamen auch nicht richtig Tiefe, was ich jedoch nicht schlimm fand. Es ging halt vorrangig um Eva und ihre Oma.

Ich mochte das Buch von Sabine Heinrich, die man als Moderatorin kennt. Es ist sicher nicht das beste Buch, das ich je gelesen habe und strotzte auch nicht vor neuen Ideen, aber trotzdem hat es mich berührt und unterhalten. Ich konnte es nicht aus den Händen legen. Ich habe gelacht und auch ein Tränchen vergossen. Ich habe mitgefiebert, mit abgewägt, welcher Mann besser ist und Opa mitverteufelt.
Mit ein paar Kleinigkeiten war ich unzufrieden, aber nichts, was den Lesespaß groß getrübt hätte. 4,5 Sterne

Sabine Heinrich – Sehnsucht ist ein Notfall
Kiepenheuer & Witsch, 8. März 2014
ISBN 3462046217
285 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Daniel Glattauer – Ewig Dein

Glattauer - Ewig DeinIch habe drei Wochen für dieses 220-Seiten-Buch gebraucht und das kam nicht von ungefähr.
Ich hatte „Ewig Dein“ schon auf meiner Wunschliste stehen, seit es erschienen ist und als ich es dann in einer Mängelexemplar-Auslage fand, griff ich sofort zu.
Ich hatte mir so viel davon versprochen, denn der Inhalt gefiel mir:

Wenn der Traumprinz zum Alptraum wird…
Im Supermarkt lernt Judith, Mitte dreißig und Single, Hannes kennen: Architekt, ledig und in den besten Jahren. Hannes ist nicht nur der Traum aller Schwiegermütter – auch Judiths Freundeskreis ist restlos begeistert. Und anfangs ist sie das ja auch… (Klappentext)

Thematisch hat mir die Wandlung von dem Traummann zum Stalker gefallen und stellenweise war das Buch wirklich spannend.
Ich gruselte mich bei den psychologisch geschickten Schachzügen von Hannes und es fiel mir an der einen oder anderen Stelle schwer weiterzulesen, weil die Thematik so aus dem Leben gegriffen ist und einen definitiv ängstigen kann.
Trotzdem ertappte ich mich selber dabei, dass ich Judiths Angst in Frage stellte und nicht mehr ganz durchschauen konnte, ob sie sich das alles eher zusammenphantasiert oder ob von Hannes wirklich Gefahr ausgeht.

Unterteilt ist das Buch in 15 Phasen, die dann jeweils kurze Unterkapitel haben, die immer eine länge von ein bis vier Seiten haben.

Leider waren das die einzigen positiven Punkte.

Schon in der ersten Phase verschreckte mich das Buch mit einer Sprache, die ich so noch nicht gelesen habe. Sie war hektisch, abgehackt, wirr. Ich hatte furchtbare Angst, dass das ganze Buch so geschrieben ist.
Ab Phase zwei wurde es dann zum Glück besser. Es las sich dann flüssiger und zusammenhängender, aber begeistert war ich auch da nicht. Eine gewisse Anstrengung blieb beim Lesen.

Was mir im Zusammenhang mit der Sprache aber noch Schwierigkeiten bereitete, war die österreichische Art zu sprechen. Es war prinzipiell alles in Hochdeutsch geschrieben, auch die Dialoge, aber die Präpositionen waren oft so ganz anders, als ich es sage und auch einige Worte waren für meine Ohren ungewöhnlich. So etwas reißt mich dann immer aus dem Lesefluss.
Und dass das „Lehrmädchen“ immer „Mädel“ genannt wurde und alles „volle arg“ fand, nervte mich auch.

Mit den Figuren wurde ich auch schlecht warm. Es gab wenig Dialoge in dem Buch und somit blieben gerade die Nebenfiguren farblos.
Von Judith erfuhr man viel, vor allem von ihrem Innenleben. Trotzdem fand ich keine Verbindung zu ihr. Sie war mir zu kühl und durchdacht, als dass ich mein Herz an sie hätte binden können. Vor allem auch die anfängliche Begeisterung wegen Hannes konnte nicht so recht vermittelt werden.
Hannes, seine Gefühle und Taten standen neben denen von Judith im Fokus. Den mochte ich aus gegeben Umständen aber noch weniger.

Heikel fand ich bei den Figuren auch, wie die besten Freunde und Familie von Judith sich von ihr immer mehr abwandten, ihr nicht glaubten, ihre Sorgen nicht ernst nahmen und Hannes blindlings vertrauten.
Es regte mich förmlich auf, wie man der Intuition einer klugen und psychisch bisher unauffälligen Freundin misstrauen kann und ihr jeglichen Verdacht abspricht.

Das Ende wartete tatsächlich noch mit einer Überraschung auf, die bei mir ziemlich viele Fragen aufwarf.

Alles in allem bin ich bei Weitem nicht so zufrieden mit dem Buch, wie ich es gehofft hatte.
Die Thematik hat mich fasziniert, aber die Sprache, die Figuren und die eigentümliche Logik vieler Personen hat mich abgeschreckt.
Durch den anstrengenden Schreibstil musste ich das Buch auch nach wenigen Seiten immer wieder weglegen, weil es keinen Spaß brachte.
Allein für die Geschichte und das unterbewusste Grauen gibt es: 2 Sterne.

Daniel Glattauer – Ewig Dein
Goldmann Verlag, Januar 2014
ISBN 3442478812
220 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

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