Sieben Minuten nach Mitternacht

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ – ab dem 4. Mai 2017 im Kino!

© STUDIOCANAL

Das Leben des jungen Conor (Lewis MacDougall) ist alles andere als sorglos: Seine Mutter (Felicity Jones) ist ständig krank, er muss deshalb bei seiner strengen Großmutter (Sigourney Weaver) wohnen, und in der Schule verprügeln ihn die großen Jungs. Kein Wunder, dass er jede Nacht Albträume bekommt. Doch dann wird alles anders: Als er wieder einmal schweißgebadet – um punkt sieben Minuten nach Mitternacht – aufwacht, hat sich der alte Baum vor seinem Fenster in ein riesiges Monster verwandelt und spricht zu ihm. Ist das noch der Traum – oder ist es Realität? Das weise Monster beginnt, ihm Geschichten zu erzählen. Fortan kommt sein ungewöhnlicher Freund jede Nacht und seine Erzählungen führen Conor auf den Weg zu einer überwältigenden Wahrheit… (Inhaltsangabe laut Presseheft)

Jahrelang stand das Buch „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness auf meiner Wunschliste. Deswegen sagte ich sofort zu, als ich von STUDIOCANAL gefragt wurde, ob ich zur Pressevorführung der Verfilmung gehen möchte.

Conor (Lewis MacDougall) vor dem Monster ( gesprochen von Liam Neeson)
© STUDIOCANAL

Die Geschichte zog mich sofort in ihren Bann.
Ich erwartete einen Fokus auf die Geschichte um das Monster, doch so war es gar nicht unbedingt. Denn bis man bei dem Monster angekommen ist, steckt der Zuschauer schon tief in der Story um die Familie. Conors Mutter ist schwerkrank, sein Vater hat die Familie verlassen und das Verhältnis zur strengen Großmutter ist schwierig. Der 13-jährige muss der Mann im Haus sein – und gleichzeitig die Frau, denn den Haushalt muss er ohne die Hilfe seiner Mutter erledigen.
Und schon dieser Erzählstrang um die kleine Familie geht unglaublich ans Herz.
Doch als das Monster auf den Plan tritt beziehungsweise an Conors Fenster, wird ein zweiter, nicht minder spannender Strang eröffnet. Denn durch seine Geschichten lehrt es nicht nur Conor einige Lebensweisheiten.

Mit der Spannung war es so eine Sache bei dem Film. Eigentlich erfasst der aufmerksame Zuschauer nämlich schnell die Lage. Er weiß, wie es um die Mutter steht und auch, was es mit dem Monster auf sich hat. Somit können die beiden großen Fragen des Films wenig überraschen, was auch etwas Spannung aus der Geschichte nimmt.
Das ist aber gar nicht schlimm, denn der Film bietet so viel mehr. Und das ist nicht nur, aber vor allem: Emotionen.
Dabei spielt nicht nur die rührende Geschichte der Familie O‘Malley eine Rolle. Auch die Geschichten und Moralen des Monsters haben hier viel Bedeutung.
Letztendlich saß ich die letzten 15 Minuten haltlos in meinem Kinosessel und konnte nicht mehr aufhören zu weinen.

Aber der Film hätte da noch so viel Potential haben können, wenn die Schauspieler es nicht hätten transportieren können, wäre das alles nichts gewesen. Aber so war es ja zum Glück nicht.
Grundsätzlich spielen nur sehr wenige Personen im Film mit und davon macht jeder seine Sache ausgezeichnet.

Connor im Alter von 5 Jahren (Max Golds) und seine Mutter Lizzie (Felicity Jones)
© STUDIOCANAL

Vor allem der 14-jährige Lewis MacDougall stach heraus. Er spielte die Emotionen und die Dramatik so unfassbar glaubwürdig, als würde sein tatsächlich sein Leben von allem anhängen.
Und Felicity Jones nahm ich die liebende und kranke Mutter auch so sehr ab, dass ich Schwierigkeiten hatte, ihr dann in „Rogue One: A Star Wars Story“ die draufgängerische Kämpfern abzunehmen oder in ihr die Wissenschaftlerin in der neuen Verfilmung eines Dan-Brown-Buchs, „Inferno“, zu sehen.

© STUDIOCANAL

Eine Besonderheit ist natürlich das (meistens, aber nicht immer animierte) Monster, das von Liam Neeson gesprochen wird. Es sieht durch seine Baumähnlichkeit ungewöhnlich aus und wirkt dadurch, dass es ein echtes animatronisches Monster am Set gab, das einzelne bewegliche Teile besaß, besonders realistisch aus. Die raue Stimme schwankt zwischen gruselig und gemütlich und die Geschichten lockern den Film durch ihre andere Optik immer mal auf. Es ist nicht so sehr das Zentrum des Films, wie ich vorher dachte, doch immer, wenn es da war, war es ein neues kleines Highlight für mich.

Ich hatte hohe Erwartungen an „Sieben Minuten nach Mitternacht“ und die wurden noch übertroffen. Die Grundgeschichte ist nicht sehr ausgefallen oder komplex, aber sie geht ans Herz. Ich war so gerührt von dem Film, das wirkte noch ein paar Tage nach. Das lag vor allem an der authentischen Spielweise der Schauspieler und natürlich an dem Monster, das dem Film einen ganz besonderen Zauber verlieh. Ich kann den Film jedem ans Herz legen, der Geschichten für ebenjenes mag!

Sieben Minuten nach Mitternacht
Originaltitel: A Monster Calls (2016)
Filmverleih: STUDIOCANAL
Lauflänge: 108 Minuten
FSK: 6
Ab dem 4. Mai 2017 in den deutschen Kinos

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Anne Freytag – Den Mund voll ungesagter Dinge

(Falls ihr es wie ich machen und euch von der Handlung überraschen lassen wollt, überspringt den Klappentext. Meine Rezension wird nicht spoilern.)

Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt im Stich gelassen hat, und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.
Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem. Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert… (Klappentext)

Nachdem Anne Freytags letztes Jugendbuch „Mein bester letzter Sommer“ mein Jahreshighlight 2016 war, freute ich mich wahnsinnig, als mich das Überraschungspaket von Heyne fliegt erreichte. Es enthielt „Den Mund voll ungesagter Dinge“ und einen tollen Lippenstift.

Da ich das Buch eh sofort lesen und mich zusätzlich überraschen lassen wollte, las ich den Klappentext nicht. So konnte ich mich ganz und gar von der Geschichte treiben lassen und ließ mich überraschen, wo es hingeht.
Und wo es hinging, war eine Überraschung für mich und war deswegen umso besser und bedeutsamer.

Die Geschichte ist im Grunde eine gewöhnliche. Die 17jährige Sophie hat ihre Mutter nie kennengelernt und war ihr Leben lang mit ihrem Vater allein. Und nun gefällt es ihr gar nicht, dass sie ihn zum ersten Mal teilen muss. Mit seiner neuen Freundin Lena wurde es so schnell ernst, dass Sophie und ihr Vater nun von Hamburg nach München ziehen müssen. Sie muss nicht nur ihre Heimatstadt und all ihre Möbel zurücklassen, sondern wechselt auch wenige Wochen vor dem Abi noch die Schule. Viele Freunde lässt sie immerhin nicht zurück. Ihr bester Freund Lukas ist vor kurzem zu seiner Freundin nach Paris gezogen.
Die Geschichte um einen frustrierten Teenager ist nicht also nicht neu, aber die Richtungen, die die Geschichte einschlägt, ist trotzdem ungewöhnlich. Und dabei geht es nicht nur um die große, sondern auch um die vielen kleinen.

Grundsätzlich gibt es wenig Punkte, die wirklich die Spannung nach oben treiben. Also diese echte Spannung, die Nervenkitzel erzeugt. Und trotzdem ist „Den Mund voll ungesagter Dinge“ ein Buch, bei dem man denkt: „Nur noch schnell das nächste Kapitel.“
Ich las beim Kochen, beim Essen, beim gehen. Selbst für eine kurze Fahrt im Fahrtsuhl zog ich das Buch aus der Tasche. Ich konnte es nicht weglegen und wollte es auch nicht. Die Geschichte hatte mich in ihren Bann gezogen.

Sophie ist kein gewöhnlicher Buchcharakter. Sie ist schön und weiß das. Sie betrinkt sich, um zu vergessen und hat Sex mit namenlosen Jungs, um die Leere in ihrem Leben auszufüllen. Sie ist verschlossen und nachdenklich und nicht selten zickig.
Doch genau das macht sie so wahnsinnig echt. Sie ist nicht glatt. Sie hat Ecken und Kanten. Sie ist unberechenbar und macht Fehler. Dabei ist sie trotzdem nett und liebevoll. Und darum macht es umso mehr Spaß, ihr Leben zu verfolgen. Obwohl Sophie so viel nachdenkt und alles zerdenkt, lässt Anne Freytag alles nicht zu einem riesigen Monolog verkommen, sondern schafft eine wunderbar ausgewogene Mischung aus Innenleben und Handlungen und Dialogen.
Doch auch alle anderen Charaktere hat Anne Freytag so lebendig beschrieben, als würden sie wirklich irgendwo in einer reichen Münchener Gegend wohnen. Sie waren vielschichtig und in ihren Handlungen immer glaubwürdig. Jeder einzelne. Den besten Freund erlebt man hauptsächlich über Skype-Gespräche und kann ihn trotzdem ganz tief in sein Herz schließen. Und selbst der Hund war keine flache Nebenfigur. Das muss man erst einmal schaffen.
Trotz all der tiefgründigen Personen wirkte es jedoch nie so, als müsste jedem einzelnen krampfhaft eine Bedeutung gegeben werden. Alles wirkte unfassbar natürlich.

Ebenso natürlich war die Sprache. Ich bin immer dankbar, wenn Autoren Jugendlichen keine pseudocoole Sprache in den Mund legt. Auch hier war alles authentisch und echt. Wie aus dem Leben gegriffen.

Mit „Mein bester letzter Sommer“ hatte Anne Freytag mich Tränen über Tränen weinen lassen. Und auch dieses Mal musste ich wieder heulen. Es war einfach manchmal schön, manchmal traurig und manchmal so echt, dass es schockierte. Dabei wurde nie etwas „zu“. Nicht „zu traurig“, nicht „zu schön“. Keine Übertreibungen, nichts, was einen aus dieser realwirkenden Geschichte treiben würde.
Ich konnte so gut mitfühlen. Bei jeder einzelnen Person und Handlung.

Wenn man nicht immer Glück in der Liebe hatte, dann wird man sich in der Geschichte wiedererkennen. Wenn man ein nachdenklicher Charakter ist, dann in Sophie.
Sie tat mir so oft leid. Und manchmal tat ich mir selber leid. Weil so vieles wahr war und es weh tut, wenn einem der Spiegel vorgehalten wird.

Wenn ich „Den Mund voll ungesagter Dinge“ mit „Mein bester letzter Sommer“ vergleiche, schneidet es ein wenig schlechter ab. Aber wenn ich es mit anderen Bücher vergleiche, gibt es keinen Grund, Punkte abzuziehen. Und wahrscheinlich war „Mein bester letzter Sommer“ für mich eh nicht nur 5 Sterne wert, sondern viel mehr. Und deswegen bekommt das neue Jugendbuch nun ebenfalls die volle Sternenzahl von mir. Es geht ans Herz, verletzt den Leser, verletzt die Figuren, zeigt Wahrheiten, Liebe und Freundschaften und ist einfach unfassbar wichtig.

Anne Freytag – Den Mund voll ungesagter Dinge
Heyne Verlag, 06. März 2017
ISBN 3453271033
399 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Colleen Hoover – Nächstes Jahr am selben Tag

»Wenn du nicht aufpasst, verliebe ich mich in dich. Noch heute Nacht…«

Ben und Fallon sind achtzehn, als sie sich in Los Angeles kennenlernen – und das ausgerechnet am Abend, bevor Fallon nach New York zieht. Die beiden beschließen, sich von nun an fünf Jahre lang immer am selben Tag im November zu treffen. Doch dann geschieht etwas Unerwartetes… (Klappentext)

Dieses Buch hat mich fertiggemacht. Und das im besten aller Sinne.

Nachdem ich von dem letzten auf Deutsch veröffentlichten Buch „Zurück ins Leben geliebt“ nur sehr mäßig begeistert war, hoffte ich inständig, dass mir dieses hier wieder besser gefallen wird und freute mich dewegen, als ich es im Blogger-Gewinnspiel gewann. Die Thematik sprach mich schon einmal sehr an.

An dem zweiten Jahrestag ihres Unfalls trifft Fallon auf Ben. Sie wird zwar nur noch wenige Stunden in L. A. leben, aber diese will sie plötzlich nur noch mit Ben verbringen.
Doch sofort ist beiden klar: Sie werden sich nicht vergessen können, sie müssen sich wiedersehen. Da Fallon sich aber erst verlieben will, wenn sie 23 Jahre ist, verabreden die beiden sich dazu, sich von nun an jedes Jahr am 9. November zu treffen. Kontakt zwischendrin ist strengstens verboten. Doch in fünf Jahren kann unglaublich viel passieren…

Schon bevor ich auch nur einen einzigen Satz gelesen habe, hatte ich genau zwei Dinge zu meckern: „Das klingt doch stark nach ‚Zwei an einem Tag‘!“ und „Die sehen sich bestimmt und sind sofort unsterblich ineinander verliebt.“ Beide Argumente nahm mir Colleen Hoover nicht nur spielend, sondern lachend aus der Hand, denn beides kommt tatsächlich in dem Buch zur Sprache. Sie ist sich der möglichen Kritik bewusst und umging sie geschickt.

Ganz ab von der (möglichen) Ähnlichkeit zu anderen Büchern ist die Idee klasse. Und Hoover setzte sie auch noch konsequent um, indem auch der Leser von einem 9. November zum anderen springt. Wir gehen zu den Treffen mit dem gleichen Wissen wie Fallon und Ben. Auch wir müssen jetzt in kurzer Zeit herausfinden, was im letzten Jahr alles passiert ist.
Geschickt streut die Autorin Hinweise auf Dinge, die so schnell nicht aufgelöst werden und hält damit die Spannung weit oben. Bis sich die Dinge überschlagen und die Spannung nicht mehr künstlich oben gehalten werden muss, sondern sich ganz natürlich einstellt.

Einmal legte ich das Buch sogar zur Seite mit den Worten: „Ich fasse es nicht! Das muss ich jetzt erst einmal verarbeiten.“ Und hielt es genau 30 Sekunden aus, dann musste ich doch weiterlesen.

An zwei oder drei Stellen war die Geschichte vorhersehbar. Jedoch immer erst relativ kurz, bevor das Ereignis tatsächlich eintrat. Aber viel wichtiger ist: An viel mehr Stellen wird der Leser vollkommen aus der Bahn geworfen und überrascht. Ich blieb regelmäßig sprachlos und mit offenem Mund zurück.

Bei „Zurück ins Leben geliebt“ mochte ich weder die beiden Hauptfiguren Tate und Miles, noch verstand ich ihre Anziehung. Hier war alles anders. Von Anfang an war ich von der verletzlichen und doch starken Fallon und dem witzigen und coolen Ben fasziniert. Ich freute mich auf jeden Perspektivenwechsel, um noch mehr von dem jeweils anderen kennenzulernen.
Darin fügte sich nahtlos die Anziehung ein, die nicht gekünstelt oder erzwungen wirkte. Ich konnte wirklich mitfühlen, warum die beiden sich toll finden.

Und beim Mitfühlen sind wir nun an dem Stichwort angekommen, das mich von Anfang an an den Hoover-Büchern so begeistert hat. Bei fast allen Büchern war ich mit vollen Herzen dabei. Und auch dieses Mal verlor ich nicht nur mein Herz, sondern auch viele Tränen. Es war wieder wundervoll. Es macht mich jedes Mal aufs Neue sprachlos, wie Colleen Hoover es mit Worten schafft, mein Herz zu zerreißen und mich dabei auch noch lächeln zu lassen.

„Nächstes Jahr am selben Tag“ war wieder ein großes Lesefest. Die Kritikpunkte, die ich vorher hatte, widerlegte Hoover gekonnt und die paar vorhersehbaren Stellen sind kein Grund für einen Sternabzug. Und ansonsten gibt es nichts, aber auch gar nichts, was ich anders, besser, schöner hätte haben wollen. Das Buch verdient volle .

Colleen Hoover – Nächstes Jahr am selben Tag
Originaltitel: November 9 (November 2015)
dtv, 10. März 2017
ISBN: 3423740256
373 Seiten
Broschiert, 14,95 Euro

David Safier – Traumprinz

safier_traumprinz

Du findest keinen? Mal dir einen!

Welche Frau würde sich nicht gerne den perfekten Mann malen? Comiczeichnerin Nellie hat schlimmen Liebeskummer, da fällt ihr zufällig eine alte tibetische Zeichenkladde in die Hände. In diese zeichnet Nellie ihren Traumprinzen: stark, edel und dreitagebärtig. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, hat der Prinz das Zeichenblatt verlassen und steht leibhaftig vor ihr. Mit Schwert und Kettenhemd. Gemeinsam mit dem ungestümen Prinzen namens Retro macht Nellie sich in Berlin auf die Suche nach dem Geheimnis der magischen Kladde. Dabei erlebt das ungleiche Paar jede Menge Abenteuer: Nellie und Retro kämpfen gegen Söldner und einen Chihuahua, sie fliehen vor der Polizei und stellen fest, dass böse Kräfte mit der Magie der Zeichenkladde die Welt zerstören wollen. Das größte Abenteuer jedoch, das die beiden zu bestehen haben, ist das der Liebe. (Klappentext)

David Safier steht für mich mit Büchern wie „Jesus liebt mich“, „Mieses Karma“ und dessen Nachfolger und „Happy Family“ für solide bis (sehr) gute Unterhaltung. Mit all seinen Büchern hatte ich bisher viel Spaß, aber keines war zu einem Lieblingsbuch avanciert.
Als ich vom Verlag nun gefragt wurde, ob ich Interesse am neuen Buch „Traumprinz“ hätte, sagte ich sofort ja. Selbst wenn da kein Lieblingsbuch bei rumkommt, freute ich mich auf gute Unterhaltung.

Dass man Dinge aus Büchern herauslesen kann, wissen wir alle spätestens seit „Tintenherz“, dass Gute-Nacht-Geschichten die Realität verändern können, wissen wir seit dem Film „Bedtime Stories“, aber dass Zeichnungen aus tibetischen Kladden real werden können, ist neu.
Was wiederum so gar nicht neu ist, ist die Suche nach dem Traummann.
Nellie hatte diese Suche schon fast aufgegeben, da traf sie Bendix. Alles schien perfekt, bis er ihr überraschend das Herz brach. Doch wo sie schon zufällig diese Kladde hat, da kann sie sich ja mal überlegen, wie ihr Traumprinz – so ganz theoretisch – aussehen und sein sollte. Dass der nun tatsächlich am nächsten Morgen vor ihr steht, war so nicht geplant. Doch er möchte gar nicht Nellies Traumprinz sein, er möchte einfach nur zurück in sein Reich.
Zusammen machen sie sich nun auf die Suche nach einem Rückweg und müssen dabei allerhand Gefahren überstehen.
traumprinzDas alles wurde von mit Zeichnungen von Oliver Kurth, die das Geschehen dann und wann illustrierten, unterstützt. Ungewöhnlich, detailreich und lustig waren sie allesamt.

Die Idee fand ich wundervoll. Ich konnte mich ganz und gar auf sie einlassen. Nichts störte mich an ihr. Ich habe kein Problem mit Magie in Büchern und auch die grundsätzlich abgedroschene Suche nach der wahren Liebe macht mir keine Bauchschmerzen. Solange alles frisch verpackt und spannend umgesetzt ist, kann ich davon immer wieder lesen.
Und spannend war es für mich ab der ersten Seite, die den Leser mitten ins Geschehen – also in diesem Fall mitten in eine Badewanne – schmeißt. Ich konnte es kaum abwarten, die nächste Seite umzublättern. Am liebsten hätte ich manches Mal die nächsten paar Seiten übersprungen, weil ich so schnell wie möglich wissen wollte, wie manches aufgelöst wird. Aber natürlich ist Überblättern für mich keine wirkliche Option. Aber ich wollte wissen, was Nellie wohl so alles zeichnen wird und ich wollte wissen, was aus Retro wird. Ich wollte wissen, ob er zurück in sein Königreich kehren kann und vor allem wollte ich wissen, ob Nellie ihre große Liebe finden wird. Vieles kam für mich überraschend und ich konnte bis zur Auflösung oft nicht absehen, wie manche Dinge ausgehen werden.

Was mich neben der Geschichte und der Spannung aber wohl am meisten begeistert hat, war Nellie selbst. Sie könnte mitten aus dem realen Leben genommen sein. Ich habe mich so sehr in ihrer Suche, in ihren Ansichten und ihrer Gratwanderung zwischen Realität und Fantasie wiederentdecken können. Und wo ich mich nicht wiederentdeckt habe, da konnte ich sie trotzdem verstehen und hätte sie am liebsten in den Arm genommen. Ich mochte sie einfach so gern.
Retro war naturgemäß ein wenig schwieriger zu mögen mit seinen strickten Meinungen und seiner altmodischen Art. Aber besonders war er allemal.

Das Gerüst aus Geschichte und Figuren wurde zusammengehalten von einer leichtfüßigen Sprache. Man wurde förmlich dazu eingeladen, immer schneller und immer mehr zu lesen, allein schon, weil es möglich war. Und dazu war sie noch unheimlich komisch. Oft musste ich lachen, hauptsächlich aufgrund Nellies trockener Art.

Ach wisst ihr, nichts hat mich an dem Buch gestört. Ich persönlich fand alles toll. Nellie, ihre Probleme, Retro, sein Wunsch nach Hause zurück zu kehren, die magische Kladde, die Sprache, der Humor. Alles mochte ich so unglaublich gern.
Aber ich verstehe es auch, wenn man das Buch nur so durchschnittlich findet. Das kann passieren, wenn man sich nicht so in die Figuren hineinversetzen und man Magie in Büchern auch nicht so richtig etwas abgewinnen kann. Wenn man Nellies Sorgen und Leid lächerlich findet, da so ein bisschen Liebeskummer ja nun kein Weltuntergang ist. Und wenn einem Retro viel zu retro ist. Wenn all das zusammenkommt beim Leser, dann findet man das Buch vielleicht nur ganz ok. Aber so ist es nunmal immer. Manchem gefällt ein Buch, der andere hasst es.
Aber viel wichtiger: ICH habe „Traumprinz“ geliebt. 5 Sterne

David Safier – Traumprinz
Kindler, 27. Oktober 2016
ISBN 3463406047
315 Seiten
Gebunden; 19,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Dr. Nadja Hermann – Fettlogik überwinden

Hermann_Fettlogik überwinden

Eine längst fällige Abrechnung mit den weitverbreiteten Diätlügen
Warum scheitern Diäten? Wegen genetischer Veranlagung? Wegen eines kaputten Stoffwechsels? Oder wegen Schilddrüsenunterfunktionen? Nach Jahren erfolgloser Diäten und mit 150 Kilo auf der Waage stellt Dr. Nadja Hermann fest, dass das meiste, was sie über Diäten geglaubt hatte, Mythen sind. Ihr wird klar, dass es eigene Logiken gibt, die sie vom Abnehmen abhalten. Erst das Überbordwerfen all dieser »Fettlogiken« hilft der Autorin dabei, ein gesundes Gewicht zu erreichen. Anderthalb Jahre später wiegt sie 65 kg.
Mit Witz, Sachverstand und den neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft räumt sie mit Diätlügen auf. (Klappentext)

In meinem Ich-lese-jetzt-Artikel habe ich erklärt, wie ich von Normalgewicht auf deutliches Übergewicht kam. 40 kg mehr sind es geworden in gut zwei Jahren.
Lange kann man sich da ja doch relativ gut selbst belügen. Gerade durch die aktuelle Mode, die viel mit Haremshosen und weiten Oberteilen zu tun hat, ging das ganz gut. Ich konnte Sachen kaufen und sie 20kg später immer noch tragen. Dann halt etwas enger. Aber: „Passt ja noch“. Als ich mich irgendwann doch nach Jahren wieder auf die Waage wagte, wog ich 20kg mehr als geahnt -und ich hatte ja schon mit einer Zunahme von 20kg gerechnet. Ein Schock. Ich versuchte es erst ein Dreivierteljahr mit „10 Weeks Body Change“, nahm dabei (viel zu langsam) 10 kg ab und wurde immer frustrierter.

Jetzt habe ich neuen Mut und neue Kraft gefunden, mich dem Abnehmen wieder zu stellen. Im Zuge dessen habe ich das Buch gekauft, das mir schon vor einem Jahr aufgefallen war – damals noch als eBook.
Meine Motivation war von sich aus schon hoch, aber „Fettlogik überwinden“ konnte sie sogar noch steigern.
Ich habe mir sogar eine Fitbit gekauft, um meinen Kalorienhaushalt noch besser kontrollieren zu lassen.

Aber wie half mir das Buch noch zusätzlich?

Es nimmt alle erdenklichen Weisheiten unter die Lupe, die man über das Gewicht kennt. Dabei wurde viel Wert darauf gelegt, alles mit vielen Studien belegen zu können. Die letzten 35 Seiten sind reines Quellenverzeichnis über die verwendeten Artikel und Studien.

Man erkennt sich – egal, ob man Übergewicht hat oder nicht – regelmäßig in dem Buch wieder.
„Es liegt an den Genen. Das liegt bei uns in der Familie!“, „Mein Stoffwechsel ist leider so langsam!“, „Ohne Sport kann man nicht abnehmen!“, „Langsames abnehmen ist eh viel besser!“ oder „So ungesund ist Übergewicht gar nicht…“. Jeder hat solche und ähnliche Sätze wahrscheinlich schon einmal über sich oder – um nett zu sein – über andere gesagt. Dr. Nadja Hermann zeigt in erschreckender Deutlichkeit, wie viele solcher Annahmen es gibt.
Jede dieser Fettlogiken wird mit Fingerspitzengefühl und viel Genauigkeit auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht und dann mit Schmackes an die Wand geklatscht.
Es ist erschreckend, wie viele „allgemeingültigen Wahrheiten“ eben einfach nur falsch sind.

Die Autorin geht dabei auf soziale, gesundheitliche und optische Aspekte ein und jeden einzelnen fand ich unglaublich spannend.
In kurzen Kapiteln wurde alles ausführlich dargelegt.
Interessant dabei waren auch ihre eigene Abnehmgeschichte und die verschiedener Leser des Buches, die zu Wort kommen konnten.
Die lockere Schreibweise trotz vieler trockener Zahlen, macht es neben der „Spannung“, was wohl noch widerlegt wird, unglaublich einfach, das Buch schnell hintereinander weg zu lesen.

Und wenn man von den allgemeinen Fettlogiken noch nicht überzeugt wurde, sich doch mal Richtung Normalgewicht zu begeben, dann sicher bei dem Kapitel über Krankheiten, die durch Übergewicht ausgelöst oder unterstützt werden. Mit zu vielen Kilos hat man teilweise ein Hundertfaches Risiko für bestimmte Krankheiten und diese Zahlen schwarz auf weiß zu sehen, schockiert noch einmal zusätzlich.

„Fettlogik überwinden“ kann sehr unangenehm sein. Es wird in Wunden gebohrt und manchmal tut es sicher weh. Man wird vor den Kopf gestoßen, dass seine „Ich kann nichts dafür“-Ausreden eben nicht stimmen.
Aber das Buch ist auch sehr befreiend. Man sieht, dass alles noch zu regeln ist und dass man nicht einfach Pech mit seinem Körper und Stoffwechsel hatte. Und dass auch die schlanke Freundin nicht „essen kann, was sie will“.
Mit diesem Buch wird einer von vielen Wegen gezeigt, wie man abnehmen kann und unterstützt mit dem Abschütteln vieler festgefahrenen Meinungen.
Ich habe es schon vielen Menschen in meinem Freundeskreis empfohlen. Manche haben es direkt gekauft, manche wollen es sich leihen und noch andere haben „es erstmal aufgeschrieben“.

So abgedroschen es klingt: Ich bin überzeugt, dass dieses Buch Leben verändern (und vielleicht sogar verlängern) kann.

Wer Interesse an ihm hat, kann sich ja schon einmal ein wenig in dem dazugehörigen Blog „Fettlogik überwinden“ umschauen.
Von mir gibt es aber auf jeden Fall eine uneingeschränkte Empfehlung. 5 Sterne

Dr. Nadja Hermann – Fettlogik überwinden
Ullstein Taschenbuch, 12. Februar 2016
ISBN 3548376517
360 Seiten (+35 Seiten Quellenverzeichnis)
Taschenbuch; 9,99 Euro

Anne Freytag – Mein bester letzter Sommer

Freytag_Mein bester letzter Sommer

Du kannst dir nicht aussuchen, wann du die große Liebe triffst…

Tessa hat immer gewartet: auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, sie hätte noch Zeit. Doch die hat sie nicht. Tessa wird sterben und das schon sehr bald. Sie ist fassungslos, wütend und verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der sie und ihre Fassade durchschaut, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr zur Seite steht. Er überrascht Tessa mit einem großartigen Plan und schenkt ihr einen letzten Sommer. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind. (Klappentext)

Es ist noch nicht lange her, da habe ich das letzte Mal Jugendlichen beim Sterben zugesehen. Aber ich habe „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ trotzdem so sehr geliebt.
Vielleicht zog mich deswegen „Mein bester letzter Sommer“ so magisch an. Der Klappentext versprach Ähnliches. Deswegen musste das Buch nicht lange auf meinem SuB liegen. Ich begann zu lesen und beendete es nach zwei Bahnfahrten und einem Nachmittag innerhalb von zwei Tagen. Vollkommen aufgelöst in einem Tränenmeer.

Tatsächlich sind dieses Buch und „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ sehr ähnlich. Einem Vergleich muss es sich wohl stellen. Jugendliche Protagonisten, tödliche Krankheiten, die große Liebe, eine Reise… Die Komponenten zeigen deutliche Parallelen. Und trotzdem ist „Mein bester letzter Sommer“ kein billiger Abklatsch für mich. Es ist ein eigenes Buch mit eigenen Figuren und Problemen. Mit einer ganz eigenen Geschichte.

Und diese Geschichte – Tessas Geschichte – traf mich mitten ins Herz. Es dauerte nicht lange, da musste ich das Buch das erste Mal zur Seite legen, weil mich die Tränen im Zug überfielen. Und eigentlich konnte ich dann auch nicht mehr aufhören. Immer wieder musste ich weinen. Mal aus Rührung, mal aus Trauer, mal aus Glück und mal aus Angst.
Es berührte mich so sehr diesem 17-jährigen tapferen Mädchen zuzusehen, das weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt. All ihre Schmerzen, egal ob physisch oder psychisch, wurden so eindringlich beschrieben, dass ich so sehr mit ihr mitleiden konnte.

Und plötzlich kommt Oskar. In der Danksagung sagt Anne Freytag „Ich habe mich erst in Tessa verliebt und dann mit ihr in Oskar.“. Ich sage: „Ich habe mich erst in Tessa verliebt, dann mit ihr in Oskar und am Ende in Anne Freytag.“.
Oskar, der Junge mit den tiefblauen Augen und dem Lächeln, das Gänsehaut beschert, holt Tessa mit einem Schlag aus ihrem Schneckenhaus und erschafft ihr die schönsten Erinnerungen.
Mein bester letzter SommerDie beiden beginnen einen Roadtrip und ich war auf jeder Station der Reise so gern dabei.
Zusätzlich spielte die Musik noch eine mittelgroße Rolle und auf den letzten Seiten ist sogar die Playlist abgedruckt. Auf den ersten Seiten findet man die Stationen der Reiseroute auf einer Landkarte eingezeichnet.

Ich habe sie alle in mein Herz geschlossen. Jede einzelne Person. Tessas Eltern, ihre Schwester, selbst ihre Ärzte und Freundinnen. Und natürlich Tessa und Oskar – Teskar.

Das Buch ist aus Tessas Sicht geschrieben. Die eindringlichen Beschreibungen verstärken sich somit um ein Vielfaches. Die Sprache ist perfekt auf ein 17-jähriges, intelligentes Mädchen angepasst. Locker leicht, nicht zu cool, nicht zu gestellt. Die Sprache machte es möglich, dass man sich wohlig weich in dieses Buch einpacken lassen konnte und von den Emotionen überschwemmt wird.

Es fällt mir schwer, meine Liebe für dieses Buch in diese Rezension zu verpacken. Ich habe jede einzelne Seite genossen. Denn das Buch hat mich berührt. Es hat mich weinen lassen, mich mit auf eine Reise genommen. Ich war mit den beiden in all den Städten und dachte: „Da musst du irgendwann wirklich mal hin. Das muss da so wunderschön sein.“.
Bis zur letzten Seite habe ich mitgefiebert und auf ein Wunder gehofft. Ich wollte sehen, dass es diesem wundervollen Mädchen am Ende doch gut geht. Dass sie ihre Liebe mit Oskar noch lange genießen kann.
Wie es ausgeht, muss dann aber jeder selber herausfinden.

Ich sage es normalerweise nicht, aber: Wenn ihr mit diesem Thema grundsätzlich kein Problem habt, dann lest dieses Buch! Es ist toll! Es ist fantastisch! Es zieht einen in den Bann!
Und ich ganz persönlich mag es sogar noch ein Stückchen mehr als „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ und das habe ich schon über alle Maßen geliebt. Das ist aber natürlich individuelle Geschmackssache.

Trotzdem hat „Mein bester letzter Sommer“ alles richtig gemacht. 5 Sterne

Anne Freytag – Mein bester letzter Sommer
Heyne Verlag, 08. März 2016
ISBN 3453270126
367 Seiten
Gebunden; 14,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Colleen Hoover – Love and Confess

Hoover_Love and Confess

Auburn & Owen:
Sind sie bereit, für ihre Liebe alles zu riskieren?

Fünf Jahre nach dem Verlust ihrer ersten großen Liebe zieht Auburn nach Dallas – und trifft dort auf Owen, in den sie sich Knall auf Fall verliebt. Und ihm geht es genauso. Doch Owen ist der Letzte, auf den Auburn sich einlassen sollte, wenn sie nicht alles, was ihr wichtig ist, verspielen will. (Klappentext)

Durch die Reihe um Layken und Will hat sich Colleen Hoover sehr schnell in mein Herz geschrieben, auch wenn ich vom dritten Teil sehr enttäuscht war.
Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich bei einem dtv-Blogger-Gewinnspiel ein Rezensionsexemplar von ihrem neuesten Buch gewonnen habe.
Ich hatte es kaum aus der Packstation befreit, da habe ich schon begonnen, es zu lesen.

Der zwanzigjährigen Auburn ist auf ihrem täglichen Heimweg von der Arbeit noch nie die Galerie aufgefallen, an deren Tür plötzlich ein Schild hängt. Es wird eine neue Assistentin benötigt und da Auburn eine Gelegenheit sucht, Geld zu ihrem Friseurgehalt dazu zu verdienen, scheint dies fast wie ein Wink des Schicksals.
Als der Künstler Owen plötzlich die Tür öffnet und Auburn hineinbittet, bekommt sie plötzlich nicht nur einen Job, sondern auch sehr bald Gefühle, die sie seit vielen Jahren nicht mehr gespürt hat. Das letzte Mal, konnte ihre erste große Liebe Adam so etwas auslösen. Doch Adam hat sie vor fünf Jahren verloren.
Doch schnell wird den beiden klar, dass sie sich besser voneinander fernhalten sollten.

Mit Auburn und Owen hat Colleen Hoover wieder zwei Charaktere geschaffen, die in ihrem jungen Alter schon viel durchmachen und erleiden mussten.
Die beiden erzählen das Buch abwechselnd und so bekommt man in beider Leben einen tiefgreifenden Einblick. Doch sie haben Geheimnisse. Geheimnisse, die sie nicht einmal mit dem Leser teilen. Erst nach und nach werden sie aufgedeckt und ziehen den Leser noch tiefer in die Geschichte.
Trotz all der Probleme und der Trauer, die die beiden wie ein unsichtbarer Schleier umgibt, mochte ich sie auf Anhieb. Die beiden sind tolle Persönlichkeiten, denen ich gern nah war.

Obwohl der große Kern eine Liebesgeschichte war, fühlte es sich nicht immer so an. Dazu gab es noch so viel Spannendes außen herum zu entdecken. Ich wollte dringend die Geheimnisse und fehlenden Teile der Vergangenheit entdecken, es gab Lügen, Angst, Glück, Liebe, ein bisschen Action, etwas zum Lachen und noch so viel mehr. Es war kein klischeehafter Kitschroman und das fand ich grandios.

Ich war schon von den Figuren und der spannenden Geschichte eingenommen, da setzte die Autorin noch einen drauf. Es wird nicht nur von Owens Bildern geschrieben, man kann sie sich auch direkt ansehen. Dazu gibt es all die Geständnisse – Confesses – , die er erhält und die ihn zu seinen Gemälden inspirieren.
Love and ConfessDie Geständnisse wurden der Autorin tatsächlich so zugeschickt und konnten mich aufgrund dieser Echtheit noch mehr bewegen. Owens Gemälde stammen eigentlich von dem Künstler Danny O’Connor, der mich sehr begeistert hat. Wem die kleinen Schwarzweiß-Drucke im Buch nicht reichen, der sollte einmal die Coverklappen öffnen und sich die farbigen Versionen ansehen. Ich finde sie wunderschön.

Wie schon bei Layken und Will war ich ein bisschen überrascht wie schnell die Gefühle intensiv wurden. Doch hier fühlte sich es ein bisschen stimmiger an. Hier wurde sich ein kleines bisschen mehr Zeit gelassen, wenn auch nicht viel.

Ich finde „Love and Confess“ von vorn bis hinten wundervoll. Ich habe gelacht, geweint, mich mitgeärgert, mich über Figuren aufgeregt, kurzum: Ich wurde sehr bewegt von dem Buch.
Ich fand die Story toll, die Figuren mit all ihren Ecken, Kanten, Geheimnissen und Problemen, ich habe die Gemälde geliebt und die Sprache machte es mir zusätzlich einfach, durch die Seiten zu fliegen. Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich an irgendeiner Stelle genervt war, ob mich irgendetwas störte. Doch ich fand einfach nichts. Die schnellen, intensive Gefühle waren zwar etwas überraschend für mich, aber wurden dann auch nicht übertrieben dargestellt, sondern doch ziemlich überzeugend und nachvollziehbar.

Nein, ich habe einfach nichts gefunden, was es erlauben würde „Love und Confess“ Punkte abzuziehen. Es bekommt von mir volle 5 Sterne.

Colleen Hoover – Love and Confess
Originaltitel: Confess (März 2015)
dtv, 20. November 2015
ISBN 3423740124
380 Seiten
Broschiert; 12,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Green_Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Die 16-jährige Hazel […] weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, weil sie Krebs hat. Aber sie will deswegen nicht bemitleidet werden. Lieber vermeidet sie Freundschaften. Bis sie in einer Selbsthilfegruppe auf Augustus trifft. Gus ist intelligent, witzig, umwerfend schlagfertig und er geht offensiv mit seinem Schicksal um: Selbst in düsteren Momenten bringt er die Gruppe zum Lachen.
Trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit – Hazel und Gus verlieben sich ineinander. Sie diskutieren Bücher, hören Musik, gucken Filme und erörtern die Ungerechtigkeit einer Evolution, die Mutationen wie sie zulässt. Als Hazel Gus anvertraut, dass ihr größter Wunsch ist, den Autor ihres absoluten Lieblingsbuches kennenzulernen, macht Gus ihren Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam. Vor ihrem unvermeidlichen Ende wissen sie, dass sich die Liebe unter allen Umständen lohnt, und dass sie das Leben bis zum letzten Tag feiern wollen. (Text der Titelklappe)

In meiner Familie stirbt man nicht an Krebs. In meiner Familie stirbt man im hohen Alter am hohen Alter.
Ich hatte noch nie direkt mit jemandem zu tun, der Krebs hat.
Und nun habe ich ein Buch mit krebskranken Kindern gelesen und empfand eine unglaubliche Ungerechtigkeit. Nicht nur für die fiktiven Personen in diesem Buch, sondern allen Hazels, Gus‘ und Isaacs gegenüber, die es überall auf der Welt gibt. Eine Ungerechtigkeit, die einem sonst vor Augen geführt wird, wenn ein echter geliebter Mensch eine – irgendeine – schwere Krankheit bekommt.

Eigentlich hätte der Artikel auch „Wie ich anfing, John Green zu hassen“ heißen können.
Über Krebs zu lesen ist schon schlimm. Über krebskranke Kinder fast noch schlimmer. Aber bei so sympathischen, tollen Kindern brach es mir fast das Herz.
Aber vielleicht hätte gerade deswegen der Artikel auch heißen können: „Wie ich anfing, John Green zu lieben“, denn selten berührt ein Buch so sehr ebenjenes fast gebrochenes Herz.

Schon auf den ersten Seiten empfand ich schnell Sympathie für Hazel. Sie scheint ihr Schicksal so tapfer angenommen zu haben. Sie hat ihren Humor nicht verloren; besitzt Witz und Charme.Und trotzdem ließ sie auch die zerbrechlichen Stunden zu. Ich war so gern an ihrer Seite und es dauerte nicht lang, da musste ich das erste Mal schlucken, als sie berichtete, was die Metastasen in ihrer Lunge schon angerichtet hatten.
Aber noch weinte ich nicht. Ich wollte das tapfer durchstehen.

Dann tauchte Gus auf und auch ihn schloss ich allumfänglich in mein Herz – diesen lustigen, intelligenten, coolen, charmanten Jungen mit 1,4 Beinen. Trotz seiner Krankheit war er so voller Leben und Liebe und immer aufgedreht und quirlig. Ich mochte ihn sehr gern.

Und wenn die beiden zusammen waren, war es wunderschön.

John Green schaffte es zusätzlich, mich mit all seinen Amsterdam-Schilderungen zu verzücken, denn fast überall, wo Gus und Hazel waren, da war ich im letzten Jahr auch. Ich bestieg auch die steilen Treppen im Anne-Frank-Haus, lief auch im Vondelpark umher, betrachtete auch die süßen Häuser und schönen Grachten.
Ich konnte durch die Augen von Hazel, die die Ich-Erzählerin ist, wieder Amsterdam sehen.

Ich hatte vorher ein wenig Angst das Buch zu lesen. Ich hatte Angst vor bedrückter Stimmung, Krankheit, Schmerz. Aber auch wenn all das im Buch drinsteckt, zieht es den Leser nicht runter, denn dazu ist es zu amüsant, lebensfroh und liebevoll geschrieben.

Überhaupt ist es fantastisch geschrieben.
John Green hat eine Art zu erzählen, die mich ganz in die Geschichte eintauchen lässt.
Auch die philosophischen Einschläge, die ich sonst in Büchern er anstrengend finde, waren hier vollkommen passend eingearbeitet.
Die Sprache war intelligent und trotzdem federleicht. Ich fühlte mich unglaublich wohl mit der Sprache.

Und am Ende, ja da weinte ich trotzdem. Da konnte ich noch so sehr blinzeln und nach oben gucken.
Das Schicksal ist ein mieser VerräterJohn Green schaffte es also letztendlich, in mir die volle Gefühlspalette hervorzurufen: Ich war wütend, traurig, amüsiert, voller Liebe, enttäuscht, belustigt und noch so viel mehr.

Ich werde Hazel Grace und Augustus vermissen. Ich werde die Atmosphöre im frühsommerlichen Indiana vermissen. Ich werde die Gedanken über das Leben und den Tod vermissen. Ich werde das Lachen und Weinen mit all den liebgewonnen Figuren vermissen.
Aber sollte das Vermissen allzu groß werden, kann ich mir ja immer noch den Film ansehen (Filmrezension von Zacksmovie).

Das Buch bekommt von mir uneingeschränkt 5 Sterne.

John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Originaltitel: The Fault in Our Stars (Januar 2012)
Carl Hanser Verlag, Juli 2012
ISBN 3446240098
286 Seiten
Gebunden; 16,90 Euro
(Auch als Taschenbuch erhältlich)

Nela Vogel – WAT SE FACK

Vogel_WATSEFACK

Leute in deinem Bus, die kein Deo kauften, kauften häufig auch nicht Shampoo, Zahnbürste, Zahnpasta, Duschgel. @Pokerbeats

Internet. Der Ort, an dem jedes Würstchen auch gleich noch seinen eigenen Senf mitbringt. @sechsdreinuller

Es macht übrigens viel wacher, den Kaffee über die Tastatur zu schütten, als ihn zu trinken. @s_ill_e

Die besten Tweets – 140-Zeichen-Kunstwerke zum Staunen, Lachen und Sich-selbst-Wiedererkennen. (Klappentext)

Im Ich-lese-jetzt-Artikel schrieb ich ja schon eine ganz kleine Ode an die wundervolle Twitter-Community und dass die Tweets mich immer wieder zum Lachen brachten und berührten. Manche Menschen fanden Worte zu Gedanken und Erlebnissen von mir, die ich nie beschreiben konnte.

Ich hatte gehofft, dass mich „WAT SE FACK“ genau so mitnehmen kann und das hat das Buch uneingeschränkt geschafft. Es wurden 27 wunderbare Twitterer ausgesucht, die zu den unterschiedlichsten Themen ihre Gedanken beisteuern konnten.

Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt. Es gibt beispielsweise „#IhrKenntDas“, „#Arbeit“, „#Kleintierhalter“, „#GesundLeben“ oder „#SchöneDigitaleWelt“.
Alle Tweets passten dann auch perfekt in das jeweilige Kapitel und sie waren nicht beliebig irgendwo zugeordnet. Innerhalb der einzelnen Kapitel standen dann auch die Tweets, die sich um dasselbe Thema drehen, beieinander.

Was mir außerdem extrem positiv aufgefallen ist: Alle Tweets unterscheiden sich sehr voneinander. Trotz der großen Menge an vorhandener 140-Zeichen-Nachrichten gibt es kaum gravierende Wiederholungen. Klar kommen bestimmte Dinge häufig vor, Katzen und Kaffee zum Beispiel, aber die Wortspiele waren alle individuell. Mir fiel nur eine Wiederholung auf und das war ein „‚Wie hast du geschlafen?‘ – ‚Liegend'“-Tweet. Aber selbst die beiden waren nicht 1:1 identisch.

Solche witzigen Bücher sind ja meistens sehr dünn und man hat sie in einer Stunde durchgelesen.
„WAT SE FACK“ hebt sich mit seinen 319 Seiten von der dünnen Masse ab. Durchschnittlich befinden sich sechs Tweets auf einer Seite.
Ich habe mehrere Tage immer mal wieder drin gelesen. Es liest sich also nicht so schnell weg wie befürchtet.

Natürlich kann man all die Tweets auch kostenlos im jeweiligen Account des Twitterers finden. Aber dort muss man zwischen Retweets und Antworten länger suchen, bis man die Perlen findet.
Hier sind sie geordnet und alle auf einen Blick.
Es muss jeder für sich wissen, ob es ihm die 9 Euro wert ist.

Ich persönlich hatte aber wirklich Spaß mit dem Buch. Ich konnte oft lachen, zustimmend nicken oder einfach mitfühlen.
Ich finde das Buch genial und deswegen bekommt es 5 Sterne.

Nela Vogel – WAT SE FACK
Piper Taschenbuch, 9. März 2015
ISBN 3492306632
319 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Offenbarung

Kling_Die Känguru-Offenbarung

Die fulminante Fortsetzung der Fortsetzung!

»Vietnam ist ein bisschen so wie ein Oasis-Konzert«, sage ich. »Man hätte 1994 hingehen sollen.«
»Quatsch! Vietnam ist wie ein Stones-Konzert«, sagt das Känguru. »Man muss 1973 dabei gewesen sein.«

Das Känguru und der Kleinkünstler verfolgen den mysteriösen Pinguin um die halbe Welt. Wird es ihnen gelingen, den bösartig-bourgeoisen Weltverschlechterungsplan des falschen Vogels zu durchkreuzen? (Klappentext)

Anderthalb Jahre habe ich nun also auf den dritten Teil der Känguru-Chroniken gewartet. Und das auch nur, weil ich erst ein Jahr nach Erscheinung des zweiten Teils angefangen habe, sie zu hören. Sonst hätte ich mittlerweile zweieinhalb Jahre gewartet.
Die große Frage lautet also: Hat sich das Warten gelohnt? Die klare Antwort: Definitiv!

Bei den beiden Vorgängern hatte ich immer das Gefühl, sie bestehen hauptsächlich aus kurzen, witzigen Storys, ja quasi Sketche, die am Ende ein großes Ganzes ergeben. Man ist locker einem roten Faden gefolgt, hätte aber größtenteils auch die Geschichten in eine andere Reihenfolge bringen können und es hätte dem Inhalt keinen Abbruch getan.
Beim dritten Teil gibt es nun aber eine Geschichte, der man folgt. Jedes neue Kapitel schien einen wirklich voran zu bringen und selten gab es reine „Spaß-Kapitel“.
Ich musste mich erst daran gewöhnen, aber dadurch wirkt „Die Känguru-Offenbarung“ runder als Teil 1 oder 2.

Nachdem das Känguru am Ende des zweiten Teil abgeschoben werden sollte, führt der dritte den Faden weiter. Marc-Uwe erzählt aus seinem Leben, das er nun ohne das Känguru führt, doch nicht, ohne es schrecklich zu vermissen.
Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass das Känguru jedoch nicht lange auf sich warten lässt und es tatsächlich schafft, zu Marc-Uwe zurück zu kehren. Gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach dem Gegenspieler des Kängurus – dem Pinguin.
In verschiedenen Ländern sind sie unterwegs, um den Vogel zu finden und herauszufinden, welchen großen, bösen Plan er verfolgt. Das Asoziale Netzwerk ist dabei immer irgendwie an ihrer Seite.

Auch in diesem Teil habe ich bei jedem Kapitel mindestens ein Mal geschmunzelt, wenn nicht sogar lauthals und mit Tränen in den Augen gelacht.
Dank der ganzen Running-Gags, die man aus den letzten Teilen schon kannte, fühlt ich mich sofort wohl und lächelte nicht selten selig, wenn ich einen liebgewonnen Spruch wiedererkannte.

Auch die Personen machten es leicht, sofort wieder in der Geschichte um die beiden Hauptfiguren zu sein, die ich sowieso extrem toll finde. Man sieht viele alte Bekannte wieder und erfährt, wie es mit ihnen weitergegangen ist. Doch auch an neuen Figuren wurde nicht gespart, was sich schon allein daraus ergab, dass man so viele Schauplätze auf der ganzen Welt besuchte.

Ein paar Fragen aus den Vorgängern werden beantwortet, ein paar Geschichten weitererzählt und ich war mit allem vollkommen zufrieden, wie es kam.

Insgesamt fand ich den dritten Teil der Känguru-Chroniken wirklich großartig. Er war mal anders als die anderen Teile, die Figuren haben nicht an Witz und Charme verloren, ich konnte oft lachen, es ging mir zu Herzen und ich war wieder vollkommen in meiner Marc-Uwe-und-das-Känguru-Welt.
Da ich die anderen beiden Teile sicher schon um 15 bis 20 Mal gehört habe (immer, wenn ich stundenlang in der Wanne sitze, laufen die CDs nebenbei) und ich sie kapitelweise mitsprechen kann, hat der dritte Teil es nach dem ersten Mal hören noch etwas schwer, mit seinen Vorgängern mitzuhalten. Aber ich werde auch ihn nun mehrfach hintereinander hören und er wird am Ende auf der gleichen Stufe mit „Die Känguru-Chroniken“ und „Das Känguru-Manifest“ stehen. Darum verdient es ganz sicher 5 Sterne.

Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Offenbarung
Hörbuch Hamburg, 10. März 2014
ISBN 3869091355
460 Minuten (6 CDs)
Hörbuch; 14,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Die Känguru-Chroniken
2. Das Känguru-Manifest
3. Die Känguru-Offenbarung

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