Colleen Hoover – Die tausend Teile meines Herzens

Beim Shoppen in der Stadt lernt die siebzehnjährige Merit den attraktiven Sagan kennen und verliebt sich so heftig in ihn, dass sie ihren sonstigen Schutzpanzer fallen und sich schon bei der ersten Begegnung von ihm küssen lässt. Ein fataler Fehler – denn leider stellt sich ziemlich schnell heraus, dass Sagan für Merit absolut off limits ist. Doch anstatt ihr aus dem Weg zu gehen, bereichert Sagan in der folgenden Zeit das vor Geheimnissen wimmelnde Elternhaus von Merit mit seiner täglichen Anwesenheit. Das aber führt das ohnehin schon chaotische Familienleben völlig ad absurdum – und stürzt Merit in eine tiefe persönliche Krise. (Klappentext)

Ein Hoover-Buch geht bei mir einfach immer und so stürzte ich mich voller Vergnügen in dieses Buch.
Merit verliebt sich Hals über Kopf in Sagan, dabei hat sie ihn eben das erste Mal gesehen. Der Kuss, den sie von diesem Fremden bekam, verändert von jetzt auf gleich ihr Leben. Bis herauskommt, dass Sagan sie verwechselt hatte – mit ihrer Zwillingsschwester Honor. Von diesem Kuss darf auf keinem Fall jemand erfahren. Doch dies ist nur ein weiteres Geheimnis der Familie Voss.

Ich las die ersten Seiten und wusste: Dieses Buch wird mir das Herz brechen. Verliebt in den neuen Freund der Schwester? Schrecklich. Ich konnte es kaum erwarten, mehr zu erfahren. Und dann waren ja da noch all die dunklen Geheimnisse, die immer wieder erwähnt wurden. Kein Wunder eigentlich, wenn so viele Familienmitglieder unter einem Dach wohnen.

Die Spannung war also von Anfang an hoch und ich war mittendrin.
Dazu kam, dass ich Merit einfach gern hatte. Sie ist nicht der einfachste oder netteste Charakter, aber sie wirkt echt und ich lernte sie gern immer mehr kennen mit all ihren Eigenheiten und Macken.
Ich fieberte mit ihr mit und verliebte mich zusammen mit ihr Stück für Stück mehr in Sagan.
Häufig störte mich an den Hoover-Geschichten, dass die beiden Hauptpersonen sich sehen und es schlagartig ein Feuerwerk gibt. Ich konnte diese sofortige Anziehungskraft meistens nicht nachvollziehen. Doch hier konnte ich es.

Die Schreibweise von Colleen Hoover schafft es jedes Mal wieder, dass ich durch die Seiten fliege und kaum aufhören kann – egal, wie gut ich die Story eigentlich finde.
„Die tausend Teile meines Herzens“ begeisterte mich aber mit seinem Plot, den Figuren, dem Humor, der Spannung, mit den Entwicklungen und allem drum und dran.
Doch umso weiter ich zum Ende kam, stellte sich eine leichte Ernüchterung ein. Gefühlt hörte die Spannung vor dem Höhepunkt schon abrupt auf. Kein Knall, sondern ein Abflachen war es. Nichts, was mich ernsthaft enttäuschte, aber eben doch so viel, dass dieses Buch nicht mein liebstes Hoover-Buch werden wird. Trotzdem habe ich es sehr, sehr gern gelesen. Aber eben ohne, dass mir der Mund offen stehen blieb oder ich emotional total mitgerissen wurde.
Dabei waren die Bücher von Colleen Hoover dafür bisher immer ein Garant: Ich heulte mindestens einmal, nicht selten öfter. Und gerade bei diesem Buch hier bin ich fest davon ausgegangen, dass mir mein Herz gebrochen werden wird. Dem war aber nicht so. Ich fand das alles letztlich doch nicht so emotional.
Dazu kam, dass es ein paar offene Fragen nicht geklärt wurden und es sich für mich so anfühlte, als seien einige Probleme und Geheimnisse ganz schön aufgebauscht gewesen.

Also? Ich finde, „Die tausend Teile meines Herzens“ ist ein wirklich gutes Buch, dessen Entwicklungen ich gern verfolgte und Geheimnisse ich gern entschlüsselte. Ich legte es kaum beiseite und es machte mir echt Spaß.
Und doch fehlte ein wenig, um mich vom Hocker zu reißen.

Colleen Hoover – Die tausend Teile meines Herzens
Originaltitel: Without Merit (Oktober 2017)
dtv Verlagsgesellschaft, 26. Oktober 2018
ISBN 3423740418
348 Seiten
Broschiert; 14,95 Euro

Weitere Bücher der Autorin (klicke für die Rezension):

Pseudonymous Bosch – Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät

Mensch oder Monster?
Lerne das Wesen kennen, das vor über 500 Jahren in einer Flasche geboren wurde!
Welche Geheimnisse hütet dieses seltsame, fürchterliche Wesen?
Lies nach und finde es heraus, zusammen mit den zwei tapferen Helden Kassandra und Max-Ernest*.

Aber nimm dich in Acht, denn:
Dies ist ein sehr gefährliches Buch!

*Namen aus Sicherheitsgründen geändert (Klappentext)

Nachdem sich Kass und Max-Ernest in dem ersten Buch – „Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis“ – bewiesen haben, warten sie sehnlichst auf den ersten Auftrag der Mieheg-Gesellschaft. Als der Auftrag endlich kommt, begeben sie sich voller Euphorie auf das Schiff, das sie holen kommt… und landen direkt in den Armen von Dr. L und Madame Mauvais. Die Mitglieder der Mitternachtssonne, die Erzfeinde der Mieheg-Gesellschaft, haben die beiden gefangen genommen. Doch auf dem Schiff finden unsere beiden Helden ein Klangprisma. Und damit geht das Abenteuer erst so richtig los.

Vor acht Jahren hatte ich den ersten Teil gelesen und es war fast klar, ich hatte Details vergessen. Bruchstückhaft erinnerte ich mich noch an wenige Dinge. Kass und Max-Ernest waren mir hingegen deutlich im Gedächtnis geblieben. Es fiel mir also nicht schwer, mich wieder mit den beiden ins Abenteuer zu stürzen.
Doch dann fand ich keinen richtigen Zugang. Ich brauchte auch eine Weile, um zu verstehen, wo der rote Faden des Buches war. Was sollte das mit dem Klangprisma, von welchem Monster spricht der Klappentext? Geht es nun um den festen Eintritt in die Mieheg-Gesellschaft oder muss gegen die Mitternachtssonne gekämpft werden? Kass und Max-Ernest schlitterten von einer Gefahr in die nächste, aber mir fehlte etwas, woran ich mich festhalten konnte.

Mit dieser Voraussetzung baute sich bei mir leider überhaupt keine Spannung auf. Ich war immer aufmerksam dabei, aber fieberte zu keinem Punkt irgendetwas entgegen. Meine einzige Hoffnung war, irgendwann zu verstehen, was die Geschichte mir nun sagen möchte.
Es passieren Dinge, klar. Aber irgendwie schien das alles trotzdessen nebenbei zu laufen.

Vielleicht waren Kassandra und Max-Ernest als Charaktere zu präsent. Vor allem der männliche Part war unfassbar anstrengend. Besserwisserisch, zickig, beleidigt, unsicher. Eine ganz unangenehme Kombination. Kassandra mochte ich dieses Mal dafür deutlich mehr als das letzte Mal und ich freute mich, dass ein paar Dinge aus ihrem Privatleben mehr beleuchtet waren.

Die Zielgruppe gleicht dem Alter von Kass und Max-Ernest und ist auf zehn bis zwölf Jahre festgelegt. Ab und zu fühlte ich mich fast etwas spießig, wenn ich es zu doll fand, wenn wieder davon die Rede war, dass Dr. L und Madame Mauvais schon so viele Leute umgebracht haben und die beiden jungen Abenteurer auch direkt um ihr Leben fürchteten, wenn die Mitternachtssonne auf den Plan trat.

Aber, und das ist wohl das Wichtigste, nichtsdestotrotz glaube ich, dass Kinder wirklich Spaß mit dem Buch haben können. Allein, weil der anonyme Erzähler die Leser häufig anspricht und verschwörerisch von dem großen Geheimnis erzählt, das niemand wissen darf. Am Anfang des Buches ist ein Vertrag abgedruckt, der zur Verheimlichung des Buchinhalts verpflichtet und auf diesen Fakt werden die jungen Leser immer wieder eingeschworen. Eine tolle Idee, die sicherlich auch Spannung und Spaß beim Lesen hineinbringen kann.

Ich persönlich konnte aus dem zweiten Teil leider kaum etwas mitnehmen. Ich eilte durch die Seiten, weil das Buch sich schnell lesen lässt. Es war nett mal wieder von Kassandra zu lesen und ein bisschen interessant war die Story auch letztendlich. Aber so richtig begeistert bleibe ich nicht zurück.

Pseudonymous Bosch – Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät
Originaltitel: If You’re Reading This, It’s Too Late (Oktober 2008)
Arena, 28. April 2014
ISBN 3401062573
349 Seiten
Gebunden; 14,95 Euro (als Taschenbuch erhältlich)

Reihenfolge der Bücher:
1. Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis (The Name of this Book is Secret)
2. Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät (If You’re Reading This, It’s Too Late)
3. Dieses Buch ist gar nicht gut für dich (This Book Is Not Good for You)
4. Dieses Buch ist vielleicht gar kein Buch (This Isn’t What It Looks Like)
5. Dieses Buch ist echt das Letzte (You have to stop this)
6. Dieses Buch braucht dich!: Oder es wird nicht geschrieben (Write This Book)

Frank Schuster – Das Haus hinter dem Spiegel

Eliza ist zurzeit ziemlich verdreht. Sie verwechselt links und rechts und schreibt plötzlich nur noch in Spiegelschrift, selbst ihre Klassenarbeiten. Ihre Schwester Lorina macht sich Sorgen. Ist Eliza tatsächlich in die Welt hinter den Spiegeln gelangt? Lorina schiebt alles auf ein seltsames altes Buch, das Eliza aus der Schulbibliothek geliehen und gelesen hat. Gemeinsam versuchen sie, Elizas Verwandlung auf die Spur zu kommen… (Klappentext)

Als Eliza ihrer Schwester sagt, sie würde gar nicht Eliza, sondern Alice heißen, dachte Lorina erst an einen Scherz. Doch Eliza benimmt sich auch seltsam, hat Erinnerungen an Dinge, die sie doch eigentlich gar nicht erlebt hat und kann plötzlich nur noch in Spiegelschrift lesen und schreiben. Aber sie kann doch nicht durch den großen, alten Spiegel gegangen sein. Oder? Gemeinsam mit ihrem Lehrer, Herr Hundsen, versuchen die beiden, der Sache auf die Spur zu kommen.

Ich mochte die Idee von Anfang an. Begeistert stürzte ich mich in die Lektüre und war sofort mitten im Geschehen bei der auf dem Boden sitzenden Eliza, die die schwarze Königin vom Schachspiel des Vaters in den Händen wiegt.
Von der ersten Sekunde an war ich gespannt, ob die Geschichte stimmt. Ist Eliza wirklich Alice? Denkt sie sich das vielleicht nur aus oder glaubt sie einfach nur ihrer eigenen Fantasie?
Allein deswegen las ich immer weiter. Ich wollte die Lösung unbedingt wissen.

Doch ich las auch aus anderen Gründen: All die kleinen Details, die auf Alice im Wunderland“ bzw. „Alice hinter den Spiegeln“ verweisen. Die Namen, die Symbole, die Objekte. Immer wieder erkennt man Dinge, die sich Lewis Carroll für seine Geschichte um die kleine Alice ausgedacht hat.
Obwohl ich „Alice hinter den Spiegeln“, auf das sich das komplette Buch bezieht, nicht kenne, hatte ich Spaß. Zum einen kennt man Elemente, wie Zwiedeldei und Zwiedeldum, den Hutmacher oder die Schachsymbolik auch so, und zum anderen kennen Lorina und Eliza das Buch auch nicht und vieles wird explizit erwähnt.

Die beiden Mädchen – vor allem aber Eliza – waren zudem auch einfach sympathisch und ich folgte ihnen gern. Die Sprache machte das schnelle Vorankommen zusätzlich einfach. Es war rundum sehr angenehm zu lesen.

Die Kritik an dem Buch fällt dementsprechend kurz aus.
An ein paar Stellen hatte ich das Gefühl, dass nicht ganz auf Logik geachtet wurde. So nannte Eliza, die ja eigentlich Alice war bzw. dachte, es zu sein, die Mutter ganz selbstverständlich Mama und wirkte auch so nicht sehr irritiert über die anderen Umgebungen und Menschen wie Nachbarn und Mitschüler.
Außerdem gab es auch dank der Kürze des Buches keine großen Kniffe, Wendungen oder Überraschungen.

Nichtsdestotrotz mochte ich das Buch wirklich gern und hatte Spaß daran, Elemente aus dem Wunderland zu entdecken und Herauszufinden, ob es die Welt hinter den Spiegeln wirklich gibt.

Frank Schuster – Das Haus hinter dem Spiegel

mainbook Verlag, 05. August 2014
ISBN 3944124723
177 Seiten
Taschenbuch; 10,50 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Geoff Rodkey – Tapper Twins – Ziemlich beste Feinde

Die offizielle, total wahre Geschichte über den großen Streit zwischen den Tapper Zwillingen

Leni: Mein Name ist Leni Tapper. Ich habe gerade einen Krieg hinter mir und schreibe alles auf, damit zukünftige Generationen erfahren, was genau geschehen ist und wer schuld daran war (Ben).
Ben: Es einen Krieg zu nennen, ist ziemlich bekloppt. Aber Leni muss immer aus allem eine Riesensache machen. Ich meine, okay, ein Weile lief es etwas aus dem Ruder, aber ich hatte mit der ganzen Polizeisache nichts zu tun. Ehrlich. Das war allein Leni.

LENI und BEN sind Geschwister. Sogar ZWILLINGE. Und dabei so was von unzwillingsmäßig, dass sie sich mächtig auf die NERVEN gehen. Unter Geschwistern ganz normal, oder? ODER…???

…Streiche waren gestern. Jetzt sind die Fronten abgesteckt. Der KRIEG kann beginnen…
(Klappentext)

Es brauchte nur einen Auslöser und schon sind die Zwillinge Leni und Ben sauer aufeinander. Und zwar so richtig. Eine Racheaktion folgt der anderen. Es spitzt sich immer mehr zu, bis aus kleinen Sticheleien Dinge entstehen, die den anderen emotional schwer verletzen.

Dieses Buch ist ein klassischer Fall von „Der Weg ist das Ziel“. Die beiden Geschwister sind zwölf Jahre alt, das angepeilte Lesepublikum ist ähnlich alt. Und denen soll scheinbar vermittelt werden, wie schlimm und verletzend (Cyber)Mobbing und das Zerstören von Eigentum sein kann und was für Konsequenzen sowohl „Täter“ als auch „Opfer“ erwarten.

Diese Moral empfand ich tatsächlich ziemlich wichtig. Die Streiche (und später Gemeinheiten), die sich die beiden spielen, sind nicht weit von der Realität weg und die Leser können somit auch ihr eigenes Verhalten reflektieren.
Nichtsdestotrotz findet man in dem Alter die Streiche sicher witzig. Beim Lesen habe ich mir ständig meine Nichte und meinen Neffen vorgestellt und wusste, dass die beiden mit dem Buch richtig Spaß hätten. Ihre Mutter hat das Buch sogar direkt gekauft, als ich davon erzählte.
Ich fand das alles nur leider echt nicht witzig. Weder Pupsen noch tote Fische im Rucksack konnten mich erheitern. Demnach wartete ich auch nicht gespannt auf die nächste Aktion.

Trotz allem las ich das Buch schnell und auch recht gern, denn die Geschwister mochte ich trotzdem. Ich war ganz gern bei ihnen und mich interessierte der Rest neben den Streichen – ihre Freundschaften, ihre Gefühle, ihre Meinungen.
Außerdem war ich wieder großer Fan der Art des Buches, denn Leni schrieb alles als „Chronik“ auf und um den Verlauf korrekt wiederzugeben, führte sie Interviews mit Ben und ihren und seinen Freunden. Außerdem gab es SMS-Verläufe der Eltern und weitere Skizzen und Bilder. Ich lese so etwas gern.

So fällt mein Fazit also zwiegespalten aus: Ich mochte die Art und die Figuren, aber was genau passierte – das Hauptthema – fand ich nicht spannend oder lustig. Ich bin aber auch mal wieder deutlich älter als die Zielgruppe. Und die wird die Streiche sicher richtig witzig finden – und bekommt noch eine gut verpackte Belehrung dazu.

Geoff Rodkey – Tapper Twins – Ziemlich beste Feinde
Originaltitel: The Tapper Twins Go to War (With Each Other) (April 2015)
cbj, 29. Februar 2016
ISBN 3570171701
223 Seiten
Gebunden; 12,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Tapper Twins – Ziemlich beste Feinde – Originaltitel: The Tapper Twins Go to War (With Each Other)
2. Tapper Twins – Gemeinsam sind wir unerträglich – Originaltitel: The Tapper Twins Tear Up New York
3. Tapper Twins – Regieren die Welt – Originaltitel: The Tapper Twins Run for President
4. Tapper Twins – Löschen das Internet – Originaltitel: The Tapper Twins Go Viral

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Illuminae

Gestern noch dachte Kady, das Schlimmste, was ihr bevorsteht, ist die Trennung von ihrem Freund Ezra. Heute dann wird ihr Planet angegriffen.
Kady und Ezra verlieren sich bei der Flucht und gelangen auf unterschiedliche Raumschiffe. Doch die Fliehenden werden immer noch von dem feindlichen Kampfschiff verfolgt. Und damit nicht genug: Ein XXXXX, freigesetzt bei dem Angriff mit biochemischen Waffen, mutiert mit grauenhaften Folgen. Und dann ist da noch AIDAN, die Künstliche Intelligent der Flotte, die von Raumtemperatur über Antrieb bis Nuklearwaffen alles an Bord steuert. Eigentlich soll AIDAN sie beschützen, aber er verhält sich mehr als seltsam.
All das und noch viel mehr wird von dem Führungsstab vertuscht. Kady versucht herauszufinden, was vor sich geht, doch dazu braucht sie Ezras Hilfe. Und so wendet sich Kady an den Jungen, mit dem sie nie wieder ein Wort sprechen wollte… (Text der Titelklappe)

Kady und Ezra haben keine gute Zeit, erst Trennung, dann Flucht von ihrem zerstörten Heimatplaneten. Doch auf den Rettungsschiffen, die sie aufgenommen haben, sind sie schon schnell nicht mehr sicher. Gefahren durch Krankheiten, rigorose Chefetagen und durchgedrehte Künstliche Intelligenzen sind an der Tagesordnung. Kady kann nur versuchen, mit ihren Fähigkeiten am Computer, Ezra und sich zu retten – und damit auch die komplette Flotte.

Doch das alles wird nicht einfach so erzählt. Man liest es in Geheimakten, E-Mails, auf Plakaten und in Protokollen. Es gibt schwarze Seiten und weiße Seiten, Seiten voller Zeichen oder welche ohne alles, Bilder und Tabellen… Allein aufgrund der Form war bei mir die Spannung wahnsinnig hoch. Ich wollte nicht nur wissen, wie die Geschichte rund um Kady und Ezra weitergeht, sondern ich wollte auch unbedingt wissen, wie es dargestellt ist. Denn auch wenn bestimmte Dinge, wie Chats und E-Mails, den Hauptteil ausmachen, so wurde man bis zuletzt mit neuartigen Formatierungen überrascht.

Ich hatte wahnsinnig viel Spaß beim Entdecken. Man rast nur so durch die Seiten. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich die Story, wäre sie mir rein mit Prosa serviert worden, auch so gut gefunden hätte. Aber letztlich ist das auch nicht so wichtig, denn die Kombination aus Text und Form musste passen und das tat sie sehr gut!
Vor allem die beiden Hauptcharaktere haben es mir leicht gemacht. Kady ist schlau und mutig und steht dankenswerterweise nie auf dem Schlauch. Sie zieht schnell Schlüsse und ist trotzdem keine allwissende Nervensäge. Ezra brachte mich zum Lachen und punktete mit seiner charmanten Art.

Doch es gab auch ein paar Dinge, die ich nicht so gut fand. So musste man bei all den Namen, Schiffen, Vereinigungen und Vorgängen schon aufpassen, alles mitzubekommen. Zwei, drei Mal musste ich zurückblättern, um noch einmal nachzulesen, wo die Person in der Zwischenzeit abgeblieben war oder wer noch einmal alles gestorben ist. Denn eins steht fest: Das Autoren-Duo geht mit seinen Figuren wirklich nicht zimperlich um.
Im Zuge meiner Aufregung und Begeisterung über die Form des Buches blieb die Emotionalität ein wenig auf der Strecke bei mir. Ich hechelte durch die Transkriptionen, Akten und Berichte, aber ich habe mich nicht so richtig an die Figuren gebunden. Schwierig, wenn die Figuren eben hauptsächlich miteinander kommunizieren oder andere Protagonisten über sie schreiben. Die eigene Reflexion, der Blick in ihr Inneres, geht unter.

Nichtsdestotrotz habe ich die 600 Seiten an zwei Tagen gelesen. Natürlich geht es auch deutlich schneller, wenn man Chats liest, aber ich legte das Buch auch nur sehr widerwillig beiseite. Es war mein erstes Buch, das im Weltall spielte, ich mochte die Figuren sehr gern, fand die Darstellungsform unglaublich interessant und damit auch die Geschehnisse durchgehend super spannend. Die ein oder andere Überraschung hielt die Story dann auch noch bereit. Ein paar Schwächen hat das Buch, aber ich kann es kaum abwarten, den zweiten Teil, der seit ein paar Wochen auf meinem SuB liegt, zu lesen.

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Illuminae – Die Illuminae-Akten_01
Originaltitel: Illuminae – The Illuminae Files_01 (Oktober 2015)
dtv Verlagsgesellschaft, 13. Oktober 2017
ISBN 9783423761833
599 Seiten
Gebunden; 19,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:

1. Illuminae – Originaltitel: Illuminae
2. Gemina – Originaltitel: Gemina
3. – Originaltitel: Obisidio (Noch nicht übersetzt)

Kerstin Lundberg Hahn – Der Schatten an meiner Wand

»Du glaubst doch wohl nicht an Geister?«
»Nee«, sagt Micke. »Natürlich nicht.«
Doch ehe sie an diesem Abend schlafen geht, stellt sie sich noch einmal vor den Schatten an der Wand. Sie fährt mit der Hand über die Tapete, die sich ein bisschen wellig anfühlt.
»Bist du wirklich ein Geist?«, flüstert Micke.
Sie hat keine Angst. Noch nicht. (Klappentext)

Micke zieht mit ihrer Mutter kurz vor den Sommerferien in das alte, verlassene Haus, in dem es spuken soll. Das sagen zumindest die Mädchen in ihrer neuen Klasse. Freunde soll sie noch finden, bevor die Ferien beginnen, doch Mikaela, die lieber Micke genannt werden möchte, beschäftigt sich lieber mit dem Schatten in ihrem neuen Zimmer. Der sieht doch wirklich aus wie die Silhouette einer Person. Lebte da wirklich vor Jahrzehnten ein Mädchen in Mickes Alter in dem Zimmer? Und vor allem: Wurde es wirklich umgebracht?

Ohne viel Schnickschnack geht es in dem Buch direkt um den Schatten an der Wand und das muss auch so sein, denn mit 183 großbeschriebenen Seiten hat das Buch nicht allzu viel Platz. Daher konzentriert sich Kerstin Lundberg Hahn in ihrem Buch auf zwei zentrale Erzählstränge: Die Freundschaften und Dynamiken in Mickes neuer Klasse und die Geschehnisse rund um den Mord an dem Mädchen, das mal in ihrem Zimmer lebte.

Die Protagonisten in dem Buch sind elf Jahre alt und die Zielgruppe der Leserschaft ebenso. Und doch schafft es das Buch, mich zu fesseln. Ich habe es schnell gelesen, denn ich wollte wirklich wissen, was damals geschehen ist, ob es wirklich einen Geist gibt und was Micke in der neuen Klasse, in der ihr niemand so richtig wohlgesonnen zu sein scheint, erlebt.

Mir gefiel gut, dass das Buch zu keiner aufgeregten Detektivgeschichte wurde, sondern dass Micke ganz logisch – im Rahmen der Möglichkeiten – auf die Spuren stieß. Zusätzlich gab es ein paar Wendungen und Überraschungen. Einige davon ahnte ich nicht voraus, manche schon. Vor allem als erwachsener Leser fällt einfach auch die Limitiertheit der vorkommenden Personen auf und schließt recht schnell daraus, dass sich die Lösungen in diesem Kreis finden lassen. Auch die Moral, die wie selbstverständlich einfließt, mochte ich.
Geschrieben war das Buch zudem nicht zu einfach oder kindlich. Nie empfand ich die Sprache als unangenehm, was ich gerade bei dieser Altersgruppe wichtig finde. Mit ihren Worten schaffte die Autoron trotz allem eine gespannte Atmosphäre, die bei Kindern sicher wohligen Grusel auslösen kann.

Sind wir ehrlich: Das Buch ist letztlich kein Brecher. Dazu ist es nicht spannend genug, nicht emotional genug, nicht aufwühlend genug. Zumindest nicht nach meinem heutigen Anspruch. Aber mit neun, zehn Jahren, da hätte ich das Buch sehr gemocht! Und weil ich es trotz allem gern gelesen habe und mich die Auflösung interessierte, erhält „Der Schatten an meiner Wand“ .

Kerstin Lundberg Hahn – Der Schatten an meiner Wand
Originaltitel: Skuggan i väggen (Juni 2012)
Aladin Verlag, 14. März 2014
ISBN 3848920263
183 Seiten
Gebunden; 12,90 Euro

Elizabeth Acevedo – Poet X

Xiomara hat ihre Worte immer für sich behalten, so wie ihre strenggläubige Mutter es verlangt. In ihrem Viertel in New York übernehmen stattdessen Fäuste das Reden. Doch X hat Geheinisse: ihre Gefühle für Aman aus ihrer Klasse; ihr Notizbuch voller Gedichte, das sie unter dem Bett versteckt – und ein Slam-Poetry-Club, der all diese Geheimnisse ans Licht bringen wird. Denn auf der Bühne bricht Xiomara schließlich ihr Schweigen und verlangt, von allen gehört zu werden. (Klappentext)

Dieses Buch war ein absoluter Spontankauf im letzten Jahr. Es reizte mich schon so lange, also zog ich es jetzt spontan vom SuB, obwohl eigentlich andere Bücher dringender gelesen werden müssen.

Xiomara ist ihrer Meinung nach zu groß und zu kurvig für ihr Alter. Doch den obszönen Sprüchen der Jungs begegnet sie mit ihren Fäusten. Ihrer strenggläubigen Mutter hat sie jedoch deutlich weniger entgegenzusetzen. Sie soll sich um den Haushalt kümmern. Sie soll zum Kommunionsunterricht gehen. Sie soll still sein und sich zügeln. Xiomara sucht einen Ort, an dem sie ihre Gedanken lassen kann und findet ihn im Schreiben von Gedichten.

Die Wichtigkeit des Themas der Poesie erkennt man schon in der Form des Buches. Es gibt keine Prosa, sondern jedes Gespräch, jede Situation ist in Versform verfasst. Dabei gibt es keine Beschreibungen von Personen oder Räumlichkeiten, kein großes Abschweifen – X bleibt im Geschehen. Die Sätze sind kurz, abgehackt, passen sich der Form an.
Doch gerade diese Versform, die einen schon anspringt, wenn man das Buch das erste Mal aufklappt, hat eine falsche Erwartung in mir ausgelöst. Ich hoffte, relativ schnell Gedichte von Xiomara, von Poet X, zu lesen. Doch auch wenn die Form und die klaren, kurzen Sätze dafür sprechen: Gedichte bekommt man nicht ernsthaft zu lesen. Es reimt sich nichts, es gibt keine wiederkehrenden Muster, die man von hiesigen Poetry Slammern gewohnt ist.
Es ist einfach Xiomaras Leben. Verknappt.

Leider ist dieses Leben der Hauptbestandteil des Buches. Auch wenn Xio schreibt, um vor ihren Erlebnissen in der Schule und der Familie fliehen zu können – diese Erlebnisse nehmen fast die vollständige Geschichte ein.
Vor allem die Religiosität ihrer Mutter, die schon an Fanatismus grenzt, ist Dreh- und Angelpunkt des Buches. Alles muss sich an der Mutter messen lassen. Die aufkeimenden Gefühle für einen Mitschüler, der Wunsch dem Poetry-Slam-Club beizutreten und die Hoffnung, nicht an der Kommunion teilnehmen zu müssen. Immer wieder kommt es zurück auf die Mutter. Immer wieder stellt X ihre Wünsche und Begierden hintenan.
Ehrlicherweise wurde mir das schnell zu viel. Selbst wenn Xio eher meine Meinung zum Thema Religion vertritt, fühlte ich mich beim Lesen häufig in auswegloser Verzweiflung. Eingeengt von der Mutter. Demnach gut gemacht von Elizabeth Acevedo. Aber es nervte mich auch und brachte mich zum Kopfschütteln.

Letztlich ist es das: Ein Buch, das im Namen und in der Form „Poesie“ schreit und das dann keine Gedichte zeigt. Man erfährt von all den Gedichten, die Xiomara schreibt und vorträgt, bekommt aber selber keins zu Gesicht. Dafür erfährt man viel über die Einschränkungen, die ein junges, dominikanisches Mädchen mit einer strenggläubigen Mutter erlebt.
An vielen Stellen hat mich das Buch deswegen frustriert.

Aber trotz allem, trotz zu viel Religion und zu wenig Poetry Slam mochte ich das Buch irgendwie. Ich mochte Xiomara, denn obwohl sie auch gern ihre Fäuste sprechen ließ, konnte ich ihre Beweggründe verstehen. Ich mochte, wie schnell sich das Buch lesen lies und dass die Versform etwas Besonderes mit der Sprache machte. Das Negative, mein Kopfschütteln und Genervtsein kann ich aber nicht außer Acht lassen. Daher gibt es .

Elizabeth Acevedo – Poet X
Originaltitel: The Poet X (März 2018)
Rowohlt Taschenbuch, 20. August 2019
ISBN 3499001861
351 Seiten
Broschiert; 15,00 Euro

R. L. Stine – Schattenwelt – Das Gruselmuseum

Kampf mit dem Zauberschwert
Endlich ist sie da, die alte Ritterrüstung aus England! Sie soll die Attraktion des Gruselmuseums in der Fear Street werden. Aber Mikes Begeisterung ist nicht von langer Dauer: Bildet er es sich nur ein, oder schimmert da tatsächlich ein geheimnisvolles Licht durch das Visier? Und wieso wird er das unbehagliche Gefühl nicht los, beobachtet zu werden? Ehe er sich versieht, steckt Mike mittendrin in einem Kampf gegen magische Kräfte. (Klappentext)

Als Kind habe ich super gern die Fear-Street-Bücher von R. L. Stine gelesen und deswegen lieh ich sie regelmäßig aus der Bibliothek. Vor ein paar Jahren hatte ich eine Phase, in der ich mir einige Bücher der Reihe kaufte. Als ich in einem Ein-Euro-Laden dieses Buch hier fand, nahm ich es direkt mit.
Was ich vorher nicht wusste, beim Lesen aber direkt feststellte: „Schattenwelt“ ist für ein (noch) jüngeres Publikum als „Fear Street“.

Mike ist zwölf Jahre alt und verbringt seine freie Zeit im Gruselmuseum seines Vaters, das praktischerweise das komplette untere Stockwerk ihres Hauses einnimmt. Bald soll die neue Ritterrüstung ankommen, die Onkel Basil aufgetrieben hat. Spuken soll sie und das würde das neue Museum in der Fear Street finanziell sicher gut dastehen lassen. Doch dass sie lebensgefährlich wird, damit hatte Mike nicht gerechnet.

Das Buch ist mit 125 Seiten sehr kurz. Ohne viel Schnickschnack dreht sich alles um den einzigen Erzählstrang rund um die Rüstung.
Es wird kurz beschrieben, welche Ausstellungsstücke das Museum für seine Besucher bereithält, aber ansonsten spielen Äußerlichkeiten keine Rollen – weder die der Personen noch des Hauses.

Die Story ist demnach sehr einfach und klar gehalten. Und trotz dieser Einfachheit schaffte R. L. Stine es kurzzeitig, dass es mich ganz leicht gruselt. Aber eben genau so leicht, dass es für Kinder wohlig kribbeln wird. Spannend bleibt es für sie allemal.

Für ein erwachsenes Publikum hielt sich die Spannung in Grenzen. Auch der Kampf gegen die magischen Kräfte war nun keine epische Schlacht. Trotzdem war beides eine nette Kombination, um das Buch mal kurz in einem Rutsch durchzulesen, so wie ich es getan habe.

Das war mein erstes Buch der Schattenwelt-Reihe – und wird wahrscheinlich auch mein letztes bleiben. Auch wenn ich es in einem Rutsch gelesen habe, hat es mir zu wenig gegeben. Ich bin der Zielgruppe einfach mehr als deutlich entwachsen. Es war eine nette Geschichte um einen netten Jungen, der einen nicht so netten, magischen Ritter bekämpfen muss.
Für Kinder ist das ein tolles Buch, da bin ich sicher. Da gibt es dann Abenteuer, Spannung und Magie zu entdecken. Für mich war das eine vollkommen okaye Lektüre für mal ganz fix zwischendurch.

R. L. Stine – Schattenwelt – Das Gruselmuseum

Originaltitel: Fright Knight
Loewe, 2002
ISBN 3785541821
125 Seiten
Gebunden
(Neu nicht mehr erhältlich)

Andere Bücher des Autoren:
Fear Street – Das Skalpell – Originaltitel: The Knife
Fear Street – Die Falle – Originaltitel: Wrong Number 2
Fear Street – Die Mutprobe – Originaltitel: The Thrill Club
Fear Street – Eingeschlossen – Originaltitel: Ski Weekend
Fear Street – Falsch verbunden – Originaltitel: Wrong Number

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! Die Stadt der Schlafwandler

Kaum hat sich Charlie seinem Traum gestellt, wartet das Böse in der wachen Welt…
Albträume können einem wirklich den Schlaf rauben, das weiß Charlie nur zu gut. Verständlich, dass auch die Bewohner des Nachbarstädtchens Orville Falls begeistert sind, als der neue Kräuterladen im Ort ein Elixier gegen ihre allgegenwärtigen Albträume anbietet. Doch kann es sein, dass das Elixier schaurige Nebenwirkungen hat? Plötzlich geistern die Bewohner wie Schlafwandler durch die Stadt.
Charlie weiß: Wenn er und seine Freunde nicht schnell etwas unternehmen, schwebt nicht nur das Traumreich, sondern auch die wache Welt in schrecklicher Gefahr. (Klappentext)

Im Januar 2016 schenkte mein Freund mir die ersten beiden Teile der Nightmares!-Reihe. Teil eins las ich direkt und war ziemlich begeistert. Doch Teil zwei fristete dann ein langes Dasein auf meinem SuB. Im Dezember 2018 befreite ich es endlich – und brauchte tatsächlich ein halbes Jahr, um die paar Seiten zu lesen.

Charlie weiß nun alles über das Traumreich und das Albtraumreich. Zusätzlich ist er der Hüter des Portals in der lila Villa, die er mit seinem kleinen Bruder, seinem Vater und seiner Stiefmutter bewohnt. Doch die Schlafwelten sind in Gefahr, denn die Bewohner von Orville Falls haben aufgehört zu träumen. Warum ist schnell herausgefunden – sie alle trinken das neue Elixier gegen Albträume, das in die Stadt kam. Charlie muss aber herausfinden, wer das Elixier verkauft und warum er das tut. Vor allem aber: Wie werden die Bewohner wieder normal?

Im Gegensatz zum ersten Teil, der mich immer ein wenig an Reckless von Cornelia Funke erinnert hat, bekommen wir hier eine ziemlich lineare Story geliefert. In „Nightmares! Die Schrecken der Nacht“ gab es noch Dinge zu entdecken. Man konnte mit Charlie durch die Traumwelten streifen und die verschiedensten (Horror)Wesen finden. Nun gab es kaum etwas zu entdecken. Das Buch fühlte sich an wie eine 0815-Kinderbuch-Gruselgeschichte.

Allein dieses Gefühl hinderte mich schon daran, das Buch wirklich gut zu finden. Es war so ein unfassbarer Bruch zum ersten Teil. Blöd dabei: Es interessierte mich irgendwie nicht wirklich, wer das Elixier hergestellt hat und warum. Auf dem Weg zur Lösung durchlief das Buch auch allerhand Schleifen, die im Nachhinein vollkommen unnötig waren. Es wirkt, als sollte diese kleine Hauptgeschichte auf Biegen und Brechen aufgebläht werden.

Noch mehr als im ersten Teil merkte ich, dass man es mit einem Kinderbuch zu tun hat. Die Sprache wirkte zum Teil konstruiert einfach, Witze zündeten bei mir nicht. Die Geschichte an sich war dann auch kein Garant für Hochspannung.

Durch das Alter der Helden konnten auch kaum spannende Nebenschauplätze aufgemacht werden. Einen gab es, der betraf die Eltern von Charlie. Aber zum einen war auch das wenig interessant und zum anderen kann man den Ausgang von Anfang an ahnen.

Ja, ich war gelangweilt. So sehr, dass ich nur alle paar Wochen ein paar Seiten las. Doch dann kam etwas, was ich nicht erwartete: Zum Ende hin, als man der Lösung immer näher kam, wurde es tatsächlich ein wenig aufregend. Das letzte Drittel las ich fast in einem Rutsch. Und der Cliffhanger am Ende lässt mich tatsächlich überlegen, ob ich mir nicht doch noch den letzten Teil der Trilogie zulege.

Mal sehen, ich weiß es noch nicht. Ich muss mich erst einmal erholen von der langweiligen Story gepaart mit der Kindersprache und Figuren, die mich kaltließen.

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler
Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic (November 2015)
Dressler, 19. November 2015
ISBN 3791519484
379 Seiten
Gebunden; 17,99 Euro
auch als Taschenbuch erhältlich

Reihenfolge:
1. Nightmares! – Die Schrecken der Nacht – Originaltitel: Nightmares!
2. Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler – Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic
3. Nightmares! – Die Jagd des Traumdiebs / Die Stunde der Ungeheuerr – Originaltitel: Nightmares! The Lost Lullaby

Trish Cook – Midnight Sun

Eine Liebe, so unendlich wie ein Sommernachtshimmel

Auf den ersten Blick ist die 17-jährige Katie ein Mädchen wie jedes andere: Sie schreibt ihre eigenen Songs, hängt mit ihrer besten Freundin ab oder beobachtet ihren Schwarm Charlie aus der Ferne. Als der eines Abends Katies Auftritt als Straßenmusikerin sieht, verliebt er sich Hals über Kopf in sie. Katie schwebt im siebten Himmel – doch sie verschweigt Charlie etwas Lebenswichtiges: Katie leidet an einer seltenen Krankheit, die jegliches Sonnenlicht zur tödlichen Gefahr macht. Wie berauscht treibt sie mit Charlie durch die lauen Sommernächte und setzt alles auf eine Karte… (Klappentext)

Nachdem eine Bloggerin auf Instagram vollkommen aufgelöst in ihre Instastorys schluchzte, weil sie eben „Midnight Sun“ beendet hat, wusste ich, dass ich dieses Buch auch lesen muss. Ich werde doch so gern von Büchern bewegt.

Das Buch hat wirklich große Buchstaben und wenige Seiten und doch brauchte ich einige Wochen, um es zu beenden.
Direkt am Anfang hatte mich das Buch schon ein wenig verloren. Katie spricht zum Zuschauer in sehr lockerer Weise. Das Lockere wirkt nicht unangenehm oder unpassend, aber doch so, dass ich gleich ahnte, in welche Richtung das Ganze gehen wird. Außerdem mag ich das Durchbrechen der vierten Wand einfach nicht.
Das nächste Mal hat mich das Buch ein paar Seiten weiter verloren. Gut, vielleicht kennt man das britische Boxenluder Katie Price nicht in Amerika und die Autorin ahnte nichts von der Dopplung, aber dass das kranke, kluge, musikalische siebzehnjährige Mädchen so hieß, konnte ich nicht ernst nehmen.

Die Geschichte an sich entwickelte sich dann schnell und vorhersehbar, selbst wenn man den Klappentext nicht kennt. Katie beobachtet ihren Schwarm Charlie seit Grundschulzeiten von ihrem Fenster aus und er ahnt nichts von ihrer Existenz.
Als er sie zufällig nachts beim Spielen ihrer Songs sieht, ist er sofort fasziniert. Da ist sie also: Die Chance für Katie, ihre große Liebe zu erobern.
Doch wie erklärt man jemandem, dass man sich keinem Sonnenlicht aussetzen darf und dass man sterben kann, wenn man es doch tut?

Ehrlicherweise steckt hier doch ein riesengroßer Logikfehler. Katie war anfänglich noch in der Schule, bevor sie zuhause unterrichtet wurde. Charlie ist in ihrem Alter und kommt jeden Tag an ihrem Haus vorbei. Beide wohnen in einer kleinen Stadt. Wie sollte er nie von dem Mädchen mit der seltenen Krankheit gehört haben? Vor allem, da andere ganz genau wissen, wer Katie ist.

Darüber hätte ich aber hinwegsehen können, wenn mich Katie berührt hätte. Sie blieb jedoch die ganze Zeit flach. Natürlich ist sie klug, tapfer, nett, liebevoll – all diese guten Dinge, aber ich kam nie an sie heran. Hatte auch keinen Grund dazu. Sie war nicht unsympathisch, aber eben auch nicht wirklich das Gegenteil. Sie interessierte mich einfach nicht.

Ich quälte mich also zu drei Vierteln durch eine vorhersehbare, unspannende Story mit mittelmäßig interessante Figuren. Die Sprache gab mir zusätzlich überhaupt nichts.
Dann schaffte das Buch es aber tatsächlich noch, mich zu berühren. Auch ich musste etwas heulen – aber bei Weitem nicht so wie die andere Bloggerin. Diesen Spagat des Buches konnte ich schwer begreifen: Ziemlich lahmes Buch, das mich letztlich doch berühren konnte.
So richtig hebt das meine Bewertung aber nicht. Es bleibt seltsam mittelmäßig.

Trish Cook – Midnight Sun
Originaltitel: Midnight Sun (September 2017)
cbt, 12. Februar 2018
ISBN: 9783570312124
296 Seiten
Taschenbuch, 10,99 Euro

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