Dan Vyleta – Smoke

Stell dir vor, deine dunklen Gedanken könnten sichtbar werden…

England, Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Welt, die von einem besonderen Phänomen geprägt ist: Jede Bosheit, Unaufrichtigkeit oder Lüge manifestiert sich als Rauch, der unkontrollierbar dem Körper entweicht. Nur Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, wagen es, die Gesetze des Rauchs zu hinterfragen. Sie stoßen auf ein düsteres Komplott aus Willkür, Macht und Unterdrückung und müssen schon bald um ihr Leben fürchten… (Klappentext)

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, keine Rezensionsexemplare mehr anzufordern, weil ich noch einige zuhause habe. Aber dann kam die Information zu „Smoke“ und ich konnte nicht widerstehen. Das Buch klang zu gut.

Die Idee ist einfach klasse. Böse Gedanken, Lügen, Neid, alles entströmt den Menschen als Rauch. Mal ist er dicker, mal dünner, mal heller, mal dunkler. Doch immer können die Mitmenschen ihn lesen wie Gedanken, die sich von einem Menschen in den anderen übertragen. Schlechte Dinge können nicht mehr verheimlicht werden. Doch der Rauch schafft auch eine Zweiteilung in der Gesellschaft. Die armen Menschen, die Arbeiter, rauchen. Die Reichen und Mächtigen zeichnen sich durch fast vollständige Rauchlosigkeit aus. Thomas und Charlie, Kinder aus reichem Hause, wohnen in einem Internat unter Ihresgleichen. Doch die Weihnachtsferien, die sie bei Thomas Familie verbringen, werden alles verändern. Wie sie den Rauch sehen, wie sie die obere Gesellschaft sehen, wie sie ihr Leben sehen.

Schnell ist man inmitten der Geschichte, schnell passieren große Dinge, schnell ist es langweilig.
„Smoke“ hat 618 Seiten und peitscht einen in der Zeit durch viele Gegebenheiten. Erst passiert einiges im Internat, dann im Weihnachtsurlaub und ab da wird es eigentlich erst richtig hektisch. Doch leider kommt dabei zu keiner Zeit Spannung auf. Und das ist wohl das Dramatischste an der ganzen Lektüre. Es gibt so viel zu sehen, so viel passiert und ich langweilte mich da so durch.
Klar, das Buch ist offiziell kein Thriller oder Krimi, wo das Thema Spannung ganz oben stehen würde, aber nicht mal der düstere Komplott, den der Klappentext verspricht, versprüht irgendeine Art von Gefahr oder Nervenkitzel.
Natürlich passieren schreckliche Dinge, gefährliche Sachen. Aber diese kommen so unvermittelt, dass sich vorher keine Spannung aufbaut und dann werden sie so sehr ausgewalzt, dass es das alles auch nicht besser macht.

Als das Beste empfand ich weiterhin die Grundidee an sich. Es animierte mich sogar in der Anfangszeit des Buches, ab und zu zu denken: „Wäre dieser Gedanke, dieses Wort, diese Tat nicht auch Rauch wert gewesen?“. „Smoke“ brachte mich also anfänglich wirklich zum Nachdenken.
Doch umso länger das Buch wurde, umso weniger reizvoll wurde die Thematik, denn sie entwickelte sich nicht. Es gab einige neue Erkenntnisse zum Rauch, aber es brachte weder die Figuren noch den Leser wirklich voran.
Und letztendlich bleiben die großen, essentiellen Fragen zum Rauch ungeklärt. Das enttäuschte mich.

Oft schafft ein Buch es ja, mich trotz wenig Spannung von sich zu überzeugen, wenn die Figuren und die Sprache mitreißend sind. Doch leider schneidet in diesem Bereichen „Smoke“ auch sehr schlecht ab.
Die Figuren waren alle schwer zu fassen. Besonders nah war man an den beiden Hauptfiguren, den Jugendlichen Thomas und Charlie, dran. Thomas ist hart und distanziert, doch Charlie ist offen, ehrlich, herzlich und gütig. Er ist also der Kandidat, den die Leser spontan am meisten mögen können. Doch Dan Vyleta schaffte es zielsicher, die einzige – für mich – sympathische Person im Laufe des Buches auch verkommen zu lassen. Die Nebenfiguren sind durch die Bank nicht der Rede wert. Gemein, verlogen, gefährlich, arrogant – Sympathie kam bei mir nie auf.
Zusätzlich schwierig war, dass das Buch zum größten Teil in der dritten Person geschrieben ist. Wenige Kapitel sind aus der Sicht einer Figur geschrieben – dann in der Ich-Form. Aber weder sind das ausschließlich die Hauptfiguren noch macht es die jeweilige Person sympathischer.

Sprachlich hat es mir das Buch noch schwerer gemacht. Unnötig verkomplizierte Satzkonstruktionen stören oft den Lesefluss. Beschreibungen der Umgebung sind überladen mit Aufzählungen.
Da viel passiert im Laufe der Geschichte, kommen unsere Hauptfiguren an viele verschiedene Orte, zum Beispiel ein Bergwerk. Vyleta scheint sich damit, aber auch mit anderen Dingen, sehr ausgiebig beschäftigt zu haben und nutzt vollumfänglich das jeweils passende Vokabular. Dass der Leser dabei nicht immer mit allem vertraut sein wird, scheint für den Autoren Nebensache zu sein. Klarer Fall von: Er hat sich sehr bemüht, alles perfekt zu beschreiben. Leider schlägt sich das negativ auf das Lesevergnügen nieder.

Ich habe fast zwei Monate für „Smoke“ gebraucht. Ich hatte es extra direkt nach dem Erhalt angefangen, um ein Rezensionsexemplar nicht lange liegen zu lassen. Doch dann wurde mir das Lesen so wahnsinnig schwer gemacht.
Gute Idee, aber langweilige Geschichte, unsympathische Figuren und kein flüssiger Schreibstil. Als würde das nicht schon reichen, wurden die drängendsten Fragen der Geschichte nicht beantwortet. Praktisch: Das Ende reihte sich perfekt in das enttäuschende Buch ein.
Allein wegen der guten Idee, gibt es .

Dan Vyleta – Smoke
Originaltitel: Smoke (Juli 2016)
carl’s books, 13. März 2017
ISBN: 3570585689
618 Seiten
Broschiert, 16,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Katie Cotugno – So geht Liebe

Wenn dein Herz stärker ist als jede Vernunft
Reena liebt Sawyer und Sawyer liebt Reena – eigentlich ganz einfach, oder? Nein, denn Sawyer bekommt Angst vor seinen eigenen Gefühlen und haut ab. Und Reena ist schwanger!
Zwei Jahre später stehen sie sich wieder gegenüber. Und Reena weiß nicht, ob sie ihn hassen soll oder tief in ihrem Inneren noch immer liebt… (Klappentext)

Ein Jugendbuch, in dem es um die Liebe geht, ist ja nicht wirklich selten. Aber bisher habe ich mit ihnen immer gute Erfahrungen gemacht. Darum freute ich mich sehr, als ich das Rezensionsexemplar von Heyne fliegt bekam.

Die Geschichte ist im Grunde gespickt mit altbekannten Themen: Jugendliebe, ungeplante Schwangerschaft, Trennung. Doch „So geht Liebe“ brachte etwas Neues mit hinein. Sawyer verschwand vom einen auf den anderen Tag und meldete sich zwei Jahre bei niemandem. Nicht einmal seine Eltern wussten, wo er war. Reena schwärmte schon ihr ganzes Leben für ihn und als sie endlich zusammenwaren, konnte sie das Glück nicht lange genießen, bevor er abhaute. Nun muss sie sich mit 16 Jahren nicht nur um ein Baby kümmern, sondern hat durch ihr streng religiöses Umfeld auch allerhand andere Probleme.

Ich mochte die Geschichte gern. Und man hätte aus ihr sicher etwas ganz Großes machen können. Doch Katie Cotugno hat mit den Einzelteilen manches falsch gemacht.

Die Geschichte ist aufgeteilt in „Vorher“ und „Nachher“. Die beiden Teile wechseln sich in jedem Kapitel ab und zeigen wie es war, bevor Sawyer verschwand und nun, als er wieder da ist. Die Erzählerin ist dabei immer Reena. Die Story ist stark auf ihr Liebesleben konzentriert und spätestens als es sowohl im Vorher als auch im Nachher viel hin und her ging, sich mal der eine zurückzog, mal der andere, wurde es wirr. Ich musste mich manches Mal gut darauf konzentrieren, in welcher Zeit jenes Gespräch geführt, jene Information geteilt wurde.

Der größte Unterschied in beiden Zeiten war jedoch Reena. Vorher war sie das verschüchterte Mädchen, das so viel dachte, aber so wenig sagte. Wie oft hätte ich sie förmlich anbrüllen wollen: „Sprich genau diesen Gedanken doch jetzt einfach aus! Das macht alles sicher besser!“. Doch sie blieb immer stumm, verzog sich lieber in dunkle Ecken auf Partys und ärgerte sich, dass Sawyer nicht das große Interesse an ihr zeigte, das sie sich wünschte. Im Nachher wurde sie dafür launisch und zickig. Und auch wenn sie natürlich in den letzten zwei Jahren viel durchmachen musste, hätte auch hier ein ordentliches Gespräch das ein oder andere bewirkt.
Sawyer fand ich dafür als Schwarm ziemlich glaubhaft. Er ist cool, unabhängig, hübsch und ganz sicher anziehend.
Die anderen Figuren wanderten dafür fast alle auf einem Grat zwischen herzlich und überheblich und waren deshalb schwer zu mögen.

Die Geschichte konnte mit wenigen Überraschungen auftrumpfen. Manches davon war dann auch ziemlich vorhersehbar.
Was mich aber noch mehr störte, waren Dinge, die als Geheimnisse aufgebauscht wurden. Das ganze Buch über gab es Andeutungen und man wollte wirklich wissen, was dahinter steckt. Und die Auflösungen waren dann alle irritierend unbedeutend.

Vor allem durch diese beiden Dinge litt die Spannung. Vieles war vorhersehbar oder unwichtig. Und das ganze Hin und Her zwischen den beiden Liebenden konnte einen auch schnell nerven.

Das Buch musste also mit Gefühlen auftrumpfen. Das klappte so halb. Das Schwärmen und das Verlieben von Reena war total nachvollziehbar. Selbst die Gefühle, die trotz Sawyers Verschwinden nie ganz verschwunden waren, kann man verstehen. Auch die Gefühle von Sawyer waren glaubhaft. Wie eigentlich die gesamte Story. Doch durch Reena als Ich-Erzählerin, die anstrengend und nervig war – erst zu schüchtern, dann zu zickig – übertrugen sich die Emotionen leider nicht auf mich.

Für mich hatte „So geht Liebe“ also mit der Geschichte und Sawyer als Person Pluspunkte, aber durch Reena und die Zeitsprünge, die mir an manchen Stellen zu wirr waren, auch Minuspunkte. Im Gesamten ergibt das bei mir .

Katie Cotugno – So geht Liebe
Originaltitel: How to Love (Oktober 2013)
Heyne Verlag, 19. September 2016 (Gebundene Ausgabe: April 2014)
ISBN: 3453596471
320 Seiten
Taschenbuch, 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Anne Freytag – Den Mund voll ungesagter Dinge

(Falls ihr es wie ich machen und euch von der Handlung überraschen lassen wollt, überspringt den Klappentext. Meine Rezension wird nicht spoilern.)

Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt im Stich gelassen hat, und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.
Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem. Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert… (Klappentext)

Nachdem Anne Freytags letztes Jugendbuch „Mein bester letzter Sommer“ mein Jahreshighlight 2016 war, freute ich mich wahnsinnig, als mich das Überraschungspaket von Heyne fliegt erreichte. Es enthielt „Den Mund voll ungesagter Dinge“ und einen tollen Lippenstift.

Da ich das Buch eh sofort lesen und mich zusätzlich überraschen lassen wollte, las ich den Klappentext nicht. So konnte ich mich ganz und gar von der Geschichte treiben lassen und ließ mich überraschen, wo es hingeht.
Und wo es hinging, war eine Überraschung für mich und war deswegen umso besser und bedeutsamer.

Die Geschichte ist im Grunde eine gewöhnliche. Die 17jährige Sophie hat ihre Mutter nie kennengelernt und war ihr Leben lang mit ihrem Vater allein. Und nun gefällt es ihr gar nicht, dass sie ihn zum ersten Mal teilen muss. Mit seiner neuen Freundin Lena wurde es so schnell ernst, dass Sophie und ihr Vater nun von Hamburg nach München ziehen müssen. Sie muss nicht nur ihre Heimatstadt und all ihre Möbel zurücklassen, sondern wechselt auch wenige Wochen vor dem Abi noch die Schule. Viele Freunde lässt sie immerhin nicht zurück. Ihr bester Freund Lukas ist vor kurzem zu seiner Freundin nach Paris gezogen.
Die Geschichte um einen frustrierten Teenager ist nicht also nicht neu, aber die Richtungen, die die Geschichte einschlägt, ist trotzdem ungewöhnlich. Und dabei geht es nicht nur um die große, sondern auch um die vielen kleinen.

Grundsätzlich gibt es wenig Punkte, die wirklich die Spannung nach oben treiben. Also diese echte Spannung, die Nervenkitzel erzeugt. Und trotzdem ist „Den Mund voll ungesagter Dinge“ ein Buch, bei dem man denkt: „Nur noch schnell das nächste Kapitel.“
Ich las beim Kochen, beim Essen, beim gehen. Selbst für eine kurze Fahrt im Fahrtsuhl zog ich das Buch aus der Tasche. Ich konnte es nicht weglegen und wollte es auch nicht. Die Geschichte hatte mich in ihren Bann gezogen.

Sophie ist kein gewöhnlicher Buchcharakter. Sie ist schön und weiß das. Sie betrinkt sich, um zu vergessen und hat Sex mit namenlosen Jungs, um die Leere in ihrem Leben auszufüllen. Sie ist verschlossen und nachdenklich und nicht selten zickig.
Doch genau das macht sie so wahnsinnig echt. Sie ist nicht glatt. Sie hat Ecken und Kanten. Sie ist unberechenbar und macht Fehler. Dabei ist sie trotzdem nett und liebevoll. Und darum macht es umso mehr Spaß, ihr Leben zu verfolgen. Obwohl Sophie so viel nachdenkt und alles zerdenkt, lässt Anne Freytag alles nicht zu einem riesigen Monolog verkommen, sondern schafft eine wunderbar ausgewogene Mischung aus Innenleben und Handlungen und Dialogen.
Doch auch alle anderen Charaktere hat Anne Freytag so lebendig beschrieben, als würden sie wirklich irgendwo in einer reichen Münchener Gegend wohnen. Sie waren vielschichtig und in ihren Handlungen immer glaubwürdig. Jeder einzelne. Den besten Freund erlebt man hauptsächlich über Skype-Gespräche und kann ihn trotzdem ganz tief in sein Herz schließen. Und selbst der Hund war keine flache Nebenfigur. Das muss man erst einmal schaffen.
Trotz all der tiefgründigen Personen wirkte es jedoch nie so, als müsste jedem einzelnen krampfhaft eine Bedeutung gegeben werden. Alles wirkte unfassbar natürlich.

Ebenso natürlich war die Sprache. Ich bin immer dankbar, wenn Autoren Jugendlichen keine pseudocoole Sprache in den Mund legt. Auch hier war alles authentisch und echt. Wie aus dem Leben gegriffen.

Mit „Mein bester letzter Sommer“ hatte Anne Freytag mich Tränen über Tränen weinen lassen. Und auch dieses Mal musste ich wieder heulen. Es war einfach manchmal schön, manchmal traurig und manchmal so echt, dass es schockierte. Dabei wurde nie etwas „zu“. Nicht „zu traurig“, nicht „zu schön“. Keine Übertreibungen, nichts, was einen aus dieser realwirkenden Geschichte treiben würde.
Ich konnte so gut mitfühlen. Bei jeder einzelnen Person und Handlung.

Wenn man nicht immer Glück in der Liebe hatte, dann wird man sich in der Geschichte wiedererkennen. Wenn man ein nachdenklicher Charakter ist, dann in Sophie.
Sie tat mir so oft leid. Und manchmal tat ich mir selber leid. Weil so vieles wahr war und es weh tut, wenn einem der Spiegel vorgehalten wird.

Wenn ich „Den Mund voll ungesagter Dinge“ mit „Mein bester letzter Sommer“ vergleiche, schneidet es ein wenig schlechter ab. Aber wenn ich es mit anderen Bücher vergleiche, gibt es keinen Grund, Punkte abzuziehen. Und wahrscheinlich war „Mein bester letzter Sommer“ für mich eh nicht nur 5 Sterne wert, sondern viel mehr. Und deswegen bekommt das neue Jugendbuch nun ebenfalls die volle Sternenzahl von mir. Es geht ans Herz, verletzt den Leser, verletzt die Figuren, zeigt Wahrheiten, Liebe und Freundschaften und ist einfach unfassbar wichtig.

Anne Freytag – Den Mund voll ungesagter Dinge
Heyne Verlag, 06. März 2017
ISBN 3453271033
399 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Cecelia Ahern – Perfect

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Willst du die perfekte Welt?
Oder die Freiheit?

Celestine wurde als »fehlerhaft« gebrandmarkt, sie gehört nun zu den Menschen zweiter Klasse. Doch statt sich den strikten Regeln des Systems zu unterwerfen, flieht sie. Denn Celestine ist auch ein Symbol der Hoffnung für alle anderen Fehlerhaften. Gelingt es ihr, den grausamen Richter Crevan zu überführen? Das wäre die Chance auf einen Neuanfang für die Fehlerhaften. Aber gibt es auch für ihre große Liebe eine neue Chance? Für Celestine geht es um alles – um Gerechtigkeit für sich selbst und alle anderen und um eine lebenswerte Zukunft. (Klappentext)

Nachdem mir der erste Teil von Cecelia Aherns All-Age-Zweiteiler – „Flawed“ – wahnsinnig gut gefallen hat, freute ich mich sehr, dass ich von FISCHER FJB den zweiten als Rezensionsexemplar bekommen habe.

Im ersten Teil musste Celestine ihren persönlichen Albtraum überstehen: Sie wurde als fehlerhaft gebrandmarkt. Und nicht nur das, sie wurde von Richter Crevan, dem Vater ihres Freundes , auch gleichzeitig zur fehlerhaftesten Person aller Zeiten gemacht, indem sie mehr Brandmale als irgendjemand anderes bekam.
Doch Celestine kann sich nicht einfach tatenlos mit ihrem neuen Leben arrangieren. Vor allem, weil sie damit auch ihre Familie permanent in Gefahr bringt. Es bleibt ihr nur eines: fliehen. Doch wo soll sie hin? Wer wird ihr helfen, wo es doch verboten ist, Fehlerhaften zu helfen, und vor allen: Wem kann sie vertrauen?

Die Geschichte ist die einzig richtige Weiterentwicklung des ersten Teils und man merkt ihr an, dass alles ab der ersten Seite von „Flawed“ durchdacht und konzipiert war. Im Prinzip wirken die beiden Teile wie aus einem Guss. Quasi ein 900-Seiten-Buch, das der Handlichkeit wegen getrennt wurde. Manche Dinge aus dem ersten Buch versteht man erst zu 100 Prozent, wenn man „Perfect“ liest.

Doch auch wenn man beide Teile nicht direkt nacheinander liest, wird es einem sehr leicht gemacht, sich wieder an die Geschichte zu erinnern. Äußerst klug und geschickt werden die vergangenen Begebenheiten eingestreut und noch einmal erwähnt oder erklärt. Dabei wirkte es nicht wie eine plumpe Hilfestellung, sondern wirklich wichtig für Celestines aktuelle Gedankengänge.

Der erste Teil mit dem Prozess um die Fehlerhaftigkeit von Celestine und ihre ersten Wochen in dem neuen Leben war schon sehr spannend, doch die Flucht toppte das noch einmal. Permanent fieberte ich mit, ob sie entdeckt wird, ob sie den anderen helfen kann, ob alle ein besseres Leben erwartet.

perfectDie vielschichte Entwicklung der Figuren, die sich in Teil eins schon andeutete, breitete sich vollends aus. Jede einzelne Figur ist eine Persönlichkeit. Es geht um ihre Vergangenheit, Ansichten, Ängste, Gefühle. Und auch die Beziehungen zueinander sind nicht immer einfach – Freundschaft, Liebe, Verrat, überraschende Entwicklungen. In dem oberflächlichen Land, in dem die Geschichte spielt, schafft Cecelia Ahern ganz tiefgründige Figuren.

Ich bin der Autorin aber sehr dankbar, dass sie es geschafft hat, sich nach kurzer Dauer wieder von den tollen Figuren und der spannenden Geschichte zu verabschieden. Denn so traurig ich auch bin, Celestine und ihre Familie und liebenswerten Freunde zu verlassen, so glücklich bin ich auch. Kein Warten auf den nächsten Teil, kein Cliffhanger, der jetzt monate- oder jahrelang in der Luft hängt, kein Abflauen der Lust auf die Geschichte durch ebenjene Wartezeit.

Im Wesentlichen bin ich wieder wirklich begeistert von dem Buch.
Die Kritikpunkte sind äußerst klein.
Der Vergleich zu Katniss Everdeen als Spotttölpel in „Die Tribute von Panem“ war in „Flawed“ schon zum Tragen gekommen. In diesem Buch waren die Parallelen noch stärker und präsenter. Und das machte mich manchmal wehmütig. Ich hätte mir mehr Eigenständigkeit der Geschichte und Absetzung von anderen Büchern gewünscht.
Ab und zu regte ich mich aber innerlich auf, dass einfach nichts zu funktionieren schien. Celestine stolperte von einer Falle in die nächste – ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel, das mich fertig machte. Aber das war wohl auch Sinn und Zweck. Man sollte mit den Gefühlen ganz beim Buch sein.
Und das war ich. Sehr oft berührte es mich, rührte es mich, bewegte es mich. Ich fühlte mit und fieberte mit. Und das hat wirklich verdammt viel Spaß gemacht. 4,5 Sterne

Cecelia Ahern – Perfect – Willst du die perfekte Welt?
Originaltitel: Perfect (April 2017)
FISCHER FJB, 17. November 2016
ISBN 3841422365
478 Seiten
Gebunden; 18,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Flawed – Wie perfekt willst du sein? – Originaltitel: Flawed
2. Pefect – Willst du die perfekte Welt? – Originaltitel: Perfect

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Kostenloses Rezensionsexemplar

Andreas Herteux – Das Sternenkind und der Rabe

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In einer wunderschönen Nacht fällt ein Stern vom Himmel. Ihm entschlüpft ein kleines Mädchen, ein Sternenkind. Verwirrt und neugierig wandert es umher. Bald trifft das zarte Wesen von den Sternen auf den Raben Albrecht, der ihr zwar den Namen Sara gibt, aber ansonsten nur eines über die Zweibeiner weiß: Sie streben nach der Liebe. Was das aber ist, vermag der Rabe nicht zu sagen. Da auch das Sternenkind Sara noch nie von der Liebe gehört hat, beschließen sie, gemeinsam nach ihr zu suchen und sie zu ergründen. (Klappentext)

Als mich der Erich von Werner Verlag anschrieb und fragte, ob ich Lust habe, eines ihrer Bücher zu rezensieren, entschied ich mich für „Das Sternenkind und der Rabe“, denn schon das Cover war so unglaublich niedlich. Auch die Geschichte um das einsame Sternenmädchen, das erst einen Raben findet und dann die Liebe sucht, klang vielversprechend.

Bevor ich zu lesen begann, war ich ehrlicherweise kurz verwirrt: Weiß der Autor nicht, dass Sternenkinder verstorbene Babys sind oder soll das eine Anspielung darauf sein, dass Sara ein ebenjenes ist, das wiedergeboren wurde? Insgesamt glaube ich eher, dass Ersteres zutrifft.
Daher war der Name vielleicht ein wenig ungünstig gewählt, auch wenn ich das Wort in Kombination mit dem Bild des Mädchens ganz zauberhaft finde.

Die Geschichte um die Suche nach der Liebe und die Freundschaft mit Albrecht, dem Raben, fand ich dann grundsätzlich wirklich sehr süß. Für Kinder ist es ein schönes Thema. Aber selbst Erwachsene können sicher nicht genau definieren, was für sie nun Liebe ist. Daher finden auch Leser, die dem empfohlenen Lesealter von 8 bis 12 Jahren entwachsen sind, sicher den einen oder anderen interessanten Denkansatz.

Beschrieben sind genau 50 Seiten. Die Schrift ist groß und zum Teil nehmen Bilder noch Platz auf der Seite weg. Daher handelt sich die Geschichte ziemlich schnell ab. Ich persönlich hätte es schöner gefunden – und auch passender für die Zielgruppe kurz vor dem Teenageralter –, wenn ein wenig mehr Text vorhanden gewesen wäre. Die Geschichte hat sicherlich auch das Potenzial hergegeben, noch mehr dazu zu sagen. Mehr Leute aufzusuchen, mehr Zitate über die Liebe zu sammeln und vor allem das plötzliche Ende langsamer aufbauen zu können.
Vielleicht hätte das eine oder andere Thema, das im Buch angeschnitten wird, dafür weggelassen werden können. Destruktive Beziehungen und Misshandlungen müssen nicht unbedingt in einem Kinderbuch vorhanden sein, auch wenn man dort sicherlich auch eine Art Liebe finden kann.

Wie schön ich die Idee auch fand, so sehr erinnerte sie mich an das zweite Konzeptalbum um den kleinen Drachen „Tabaluga und das leuchtende Schweigen“. Dort drehte er an einem Jadestein, sah eine Werbung, in der ein Hund sein Futter liebt und fragt danach seinen Vater, was eigentlich „Liebe“ ist. Auch er macht sich dann auf die Suche, begegnet unterschiedlichen Personen und versucht herauszufinden, was das Gefühl namens Liebe ist.

Mit Sara hat Andreas Herteux zwar keinen Tabaluga geschaffen, aber auch ein kleines Geschöpf, das man ins Herz schließt mit seiner Unwissenheit und unbedarften Suche.
Albrecht ist in dem Duo der wissende Rabe mit dem trockenen Humor. Ein niedliches Gespann, das man gern begleitet.

das-sternenkind-und-der-rabeLang kann man jedoch nicht bei ihnen sein. Im stillen Lesen habe ich 25 Minuten gebraucht.
Das Vorlesen dauert sicher länger. Ehrlich gesagt würde ich das Buch aber vorher ein wenig abändern, wenn ich es sehr kleinen Kindern vorlese. Erstens würde ich das Thema Misshandlung wohl auslassen oder abschwächen und zweitens auch den einen oder anderen Satz einfacher umschreiben, denn schon auf der ersten Seite heißt es: „Einem Küken aus dem Ei gleich, entschlüpfte dem Himmelskörper etwas, was kaum zu erwarten war: Sein Innerstes gab ein kleines Mädchen frei, das nun verwirrt inmitten der Überreste kauerte.“ Für kleine Kinder ist das zu lang und zu umständlich formuliert. Aber die niedlichen Bilder lassen sich zusammen schön anschauen. Vor allem die einseitigen Bilder bieten ein paar Details, die man entdecken kann.
Wenn sich 8- bis 12-jährige das Buch eigenständig durchlesen, wird das auch sehr schnell gehen. In diesem Alter ist die Geschichte aber vielleicht schon zu kurz und in der Art und Weise auch zu einfach.
Bei der Zielgruppe bin ich also wirklich zwiegespalten.

Insgesamt finde ich die Personen süß, die Idee der Geschichte schön und die Bilder einfach zauberhaft.
An der Sprache und Länge des Buches habe ich dafür das ein oder andere auszusetzen.
Damit bekommt das Buch 3,5 Sterne von mir.

Der Erich von Werner Verlag engagiert sich auch sozial, vor allem in Verbindung mit „Das Sternenkind und der Rabe“.
Sie haben ein Crowd-Funding-Projekt ins Leben gerufen, um eine arabische Version dieses Buches erstellen zu können. Eine Auflage davon soll kostenlos Einrichtungen und Familien mit arabisch-sprechenden Kindern- und Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden.
Wer dieses Projekt unterstützen möchte, kann auf der Crowd-Funding-Seite vorbeischauen: Kinderhilfe – Arabische Version eines Kinderbuches. Das Projekt läuft noch bis Anfang Januar.

Andreas Herteux – Das Sternenkind und der Rabe
Erich von Werner Verlag, 12. Oktober 2016
ISBN 3981838823
68 Seiten
Taschenbuch; 7,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Cecelia Ahern – Flawed

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Celestines Leben scheint perfekt: Sie ist schön, bei allen beliebt und hat einen unglaublichen Freund.
Doch dann handelt sie in einem entscheidenden Moment aus dem Bauch heraus. Und bricht damit alle Regeln. Sie könnte im Gefängnis landen oder gebrandmarkt werden – verurteilt als Fehlerhafte.
Denn Fehler sind in ihrer Welt nicht erlaubt. Nichts geht über Perfektion. Auch nicht Menschlichkeit. Jetzt muss sie kämpfen – um ihre eigene Zukunft und um ihre große Liebe. (Klappentext)

Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass ich „Flawed“ vorab lesen durfte. Mit „P.S. Ich liebe dich“, dem ersten Buch, das ich von Cecelia Ahern gelesen habe, hat sie sich ganz tief in mein Herz geschrieben. Ich habe auch noch einige Bücher von ihr auf dem SuB, aber da mir im Moment der Sinn mehr nach Jugendbüchern als nach Liebesromanen steht, bleiben die anderen wohl vorerst noch auf dem SuB und dieses wurde sofort gelesen.

Celestine North lebt in einer Welt, in der von den Menschen Perfektion erwartet wird. Sie sollen ehrlich sein, die richtigen Entscheidungen treffen, moralisch klug handeln, gutherzig sein. Nur ein einziger Fehler kann jedoch alles verändern. Dann werden die Menschen gebrandmarkt. Ein F wird ihnen in die Haut gebrannt. Ein F wie „Fehler“. Und wenn man erst einmal fehlerhaft ist, dann gibt es strenge Regeln zu befolgen, denn niemand will, dass sich die Fehlerhaftigkeit auf andere überträgt.

Ich bin vollkommen begeistert von der Grundidee. Sie erzeugt sofort Spannung, denn wer ist schon perfekt und wie schmal ist manchmal der Grat zwischen richtig und falsch und zweitens hat man das Szenario so noch nicht gelesen. Als passionierter Jugendbuch- oder auch Dystopie-Leser erkennt man hier und da natürlich kleine Parallelen, aber wer erfindet schon das Rad komplett neu? Brandzeichen in Menschen, die nicht perfekt sind, gibt es beispielsweise auch in dem Buch „Das Feuerzeichen“ und auch mit dem Buch „Die Tribute von Panem – Flammender Zorn“ lassen sich Gemeinsamkeiten entdecken, auf die ich nicht eingehen kann, ohne zu sehr zu spoilern.
Trotzdem überzeugt mich das Thema insgesamt.

flawedGlücklicherweise wurde es auch wirklich spannend umgesetzt. Von der ersten Seite an war ich im Geschehen, verfolgte alles interessiert. Nie war ich mir wirklich sicher, wie es weitergehen wird. Es konnte alles zu jeder Zeit kippen. Und das macht beim Lesen so richtig Spaß.
Und dann, wenn man erst einmal über die reale Möglichkeit der Gilde, also des Gerichts für die Fehlerhaften, nachdenkt, bekommt das Ganze noch eine andere Würze. Der ursprüngliche Grund zum Einsetzen war nämlich gar nicht mal so dumm – die Entwicklung wurde für die Gesellschaft erst gefährlich. Wäre so etwas in der kritischen aktuellen Weltlage nicht auch in der Wirklichkeit denkbar? Wenn alle Menschen nur Sicherheit haben wollen?!
Diese Gedanken brachten einen Schrecken mit in die Geschichte, die der Spannung zusätzlich gut tat.

Die Figuren, allen voran die Hauptperson Celestine, waren interessant, vielschichtig und trotz all der Perfektion keine dummen Püppchen. Wenn man dachte, man könnte sie mit einem Blick und ganz oberflächlich begreifen, zeigte sich nach und nach, dass man damit falsch lag.

Und gerade, weil ich Celestine sehr gern hatte und die Geschichte spannend fand, fühlte ich intensiv mit. Nicht selten stieg Wut in mir auf und fühlte ich mich etwas verzweifelt in Angesicht der Ungerechtigkeiten, mit denen man konfrontiert wird. Oft überkam mich eine seltsam hilflose und ausweglose Stimmung. Als würde ich eingreifen müssen und nicht einfach nur still zusehen. Das gab mir ein unangenehmes Gefühl – und das ist richtig gut. Ich wurde zum Zuschauer degradiert und erlebe damit einen essentiellen Teil der Geschichte selber.

„Flawed“ hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Aber besonders ist, dass es nicht allein funktioniert. „Flawed“ ist nicht perfekt, es braucht seinen zweiten Teil „Perfect“, um die ganze Geschichte zeigen zu können. Welch Ironie! Ich mag das. Genau wie das Buch. Ich freue mich sehr, dass der zweite Teil schon im November 2016 erscheint.

Ich glaube, dass die Spannung, die in diesem Buch häufig als unwohle und gefahrverheißende Stimmung da war, sich im zweiten Teil vollends entfalten kann und den Leser atemlos zurücklässt. Ich hoffe und wünsche, dass alles, was im ersten Buch schon richtig gut war, im zweiten perfekt wird. 4,5 Sterne

Cecelia Ahern – Flawed – Wie perfekt willst du sein?
Originaltitel: Flawed (März 2016)
FISCHER FJB, 29. September 2016
ISBN 3841422357
461 Seiten
Gebunden; 18,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Flawed – Wie perfekt willst du sein? – Originaltitel: Flawed
2. Pefect – Willst du die perfekte Welt? – Originaltitel: Perfect

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Nova Weetman – Lily Frost – Fluch aus dem Jenseits

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»Als ich aufstehen will, entdecke ich etwas auf dem Boden. Buchstaben, die grob ins Holz geritzt sind. Ich fahre mit dem Finger darauf entlang. Dann fällt mir auf, was sie bedeuten, und ich kann kaum glauben, dass ich es erst jetzt erkenne. LILY FROST. Mein Name. «

Ein düsterer Fluch.
Unheilvolle Botschaften.
Ein verschwundenes Mädchen.

Wäre Lily Frost doch nie in dieses alte Haus gezogen… (Klappentext)

Früher, als ich noch lange nicht volljährig und regelmäßig in der Buchhandlung war, habe ich mir oft genau solche Bücher ausgesucht. Bücher mit Geheimnissen und gruseligen Geschehnissen. Geschichten, die ich entschlüsseln und entdecken wollte.
Und auch heute, viele Jahre später, ziehen mich solche Geschichten noch an. Auch in Jügendbüchern. Auch wenn ich der Zielgruppe von 14 bis 17 Jahren – wie in diesem Fall – schon lange entwachsen bin.

Die fünfzehnjährige Lily Frost muss mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder von der großen Stadt aufs Land ziehen. Von Melbourne in ein Dorf, das keine 1500 Einwohner hat. Sie muss ihre beste Freundin, ihre Klasse und ihr ganzes bisheriges Leben hinter sich lassen.
Familie Frost zieht in ein großes, gespenstisches Haus. Noch beim Einzug sieht Lily ein Gesicht am Fenster des Dachbodens. Und trotzdem zieht der Speicher sie magisch an. Das soll ihr neues Zimmer werden. Und plötzlich passieren immer mehr seltsame Dinge.

Ich mag solche Art von Geschichte. Also auch diese. Ich war gespannt darauf, der Ich-Erzählerin Lily zu folgen und ihr bei all den seltsamen Ereignissen über die Schulter zu blicken.
Dabei ist aber sicherlich jedem einzelnen Leser sofort klar, was es mit allem auf sich hat.
Sofort nach dem Sehen des Gesichts am Fenster, will sich Lily mit der Mess-Skala am Türrahmen vergleichen, die von dem Kind der Vorbesitzer – Matilda – stammen. Spätestens nachdem sie von einer unsichtbaren Kraft an ebenjenen Türrahmen gedrückt wurde und es danach einen Strich mehr gibt, scheint das Geheimnis des Buches gelöst.
Jeder weitere überdeutliche Hinweis kommt einem Wink mit dem Zaunpfahl gleich.
Leider wird so von Anfang an die Spannung aus der Geschichte genommen. Selbst jüngeren Lesen muss einfach sofort klar sein, wie alles zusammenhängt.

Lily hat es nicht leicht. Nicht nur, dass sie aus ihrer gewohnten Umgebung weg muss, ohne ihre beste Freundin Ruby ist sie auch nur das schüchterne, unsichere Mädchen, das schwer Anschluss findet. Dazu kommt das pubertäre Gezicke, das Probleme in der Familie bringt.
Trotzdem ist sie ein vielschichtiger Charakter und ich konnte viel von mir selber in ihr sehen. Auch anderen Leser und Leserinnen wird es bestimmt so gehen. Lily ist also ein authentischer Charakter.
Den anderen Figuren kommt man nicht so nah wie ihr. Niemand ist eindimensional oder flach dargestellt, aber eine richtige Verbindung lässt sich zu ihnen schwer herstellen.

Sprachlich entspricht alles vollkommen der Zielgruppe. Die Geschichte lässt sich schnell und flüssig lesen.

Die Geschichte lässt sich jedoch auch schnell lesen, da sie mit 237 Seiten relativ kurz ist und die Buchstaben ziemlich groß.
Die Kapitel haben dabei eine sehr unterschiedliche Länge. Von zwei bis 60 Seiten reicht die Spanne.
„Lily Frost – Fluch aus dem Jenseits“ verrät schon im Titel alles, was die Geschichte spannend machen könnte und wahrscheinlich auch soll – wenn man es eben nicht schon vom Titel wüsste.
Es gibt keine Überraschungen und jedes weitere gruselige Ereignis untermauert das Wissen des Lesers immer mehr. Schade nur, dass Lily nicht so schnell schaltet.
Und trotzdem mochte ich das Buch. Auch wenn von Anfang an klar ist, was mit Matilda passiert ist, gefällt mir die Geschichte. Ich stehe aber auch auf diese Art von Story. Und wäre ich noch jünger, würde es mir sicherlich noch besser gefallen.

Trotz einer authentischen Figur, einer interessanten Geschichte und angenehmen Sprache sind die fehlende Spannung und die brachialen Hinweise einfach zu präsent. Ich hätte mir mehr Geheimnis, mehr Rätseln und mehr versteckte Erklärungen gewünscht. So wäre das Ende nicht ab Einzug in das Haus absehbar gewesen, sondern ein Aha-Moment. Ich hatte aber trotzdem Spaß und vergebe 3,5 Sterne Sterne.

Nova Weetman – Lily Frost – Fluch aus dem Jenseits
Originaltitel: The Haunting of Lily Frost (März 2015)
Beltz & Gelberg, 29. Februar 2016
ISBN 3407746547
237 Seiten
Gebunden; 14,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Francesca Haig – Das Feuerzeichen

Haig_Das Feuerzeichen

Als Zwillinge geboren, zu Todfeinden erzogen

Die Geschwister Zach und Cass leben in einer zerstörten Welt, in der nur noch Zwllinge geboren werden. Keiner der beiden kann ohne den anderen überleben, obwohl sie grundverschieden sind – Alphas sind perfekt, während Omegas einen Makel tragen und verstoßen werden. Cass ist eine Omega, und wenn sie frei sein will, muss sie gegen ihren größten Feind kämpfen: ihren Zwillingsbruder Zach. (Klappentext)

Nachdem ich den zweiten Teil der Trilogie als Rezensionsexemplar erhalten habe, wollte ich endlich den ersten lesen, den ich auch als Rezensionsexemplar bekam. Als ich mich dann fest dazu entschieden hatte, begann ich das Buch auch voller Begeisterung.

Den Plot finde ich unglaublich spannend und neu.
400 Jahre sind vergangen, seit die Explosion die Zivilisation, wie wir sie heute kennen, ausgelöscht hat. Lange war unklar, ob die paar Menschen, die überlebt hatten und starken Veränderungen unterlagen, überhaupt die menschliche Population retten können. Doch sie haben es geschafft.
Fast ein halbes Jahrtausend später werden nur noch Zwillinge geboren. Die schönen und starken Alphas und die Omegas, die fast alle mit körperlichen Defiziten geboren werden.
Schon als Kinder werden die Omega-Zwillinge in andere Omega-Siedlungen geschickt. Doch trotz der Entfernung bleibt die Verbindung zwischen den Zwillingen bestehen. Und diese Verbindung kann über Leben und Tod entscheiden.

In „Das Feuerzeichen“ geht es vorrangig um Cass und Zach, wobei Cass der Omega-Zwilling und die Ich-Erzählerin ist, aus deren Perspektive man alles erfährt.
Neben der chronologischen Geschichte gibt es auch immer wieder Rückblicke in Cass‘ Kindheit und Jugend, um das ganze Alpha- und Omega-Konstrukt noch besser verstehen zu können.
Mit Cass wurde eine Hauptfigur geschaffen, die ich sehr gern mochte. Sie ist willensstark, stolz und mutig und dabei sehr authentisch.
Doch auch Zach lernt man sehr gut kennen. Und obwohl er der klare Gegenspieler ist, kann man seine Motive tatsächlich – wegen seiner Erziehung und der Gesellschaft an sich – verstehen.
Insgesamt ist niemand in diesem Buch klar schwarz oder weiß. Jede Figur – auch die vielen Nebenfiguren – sind alle grau. Und das ist sehr gut so. Sie haben alle positive und negative Seiten und wirken deswegen umso echter.

Die Geschichte von Cass schreitet schnell voran. Vor allem in der ersten Hälfte war ich begeistert, wie gut die Mischung aus Stillstand und Weiterkommen funktionierte. Ich empfand keine Längen und war überrascht, dass Dinge passierten, die andere Autoren erst als großes Highlight am Ende hätten kommen lassen.
Doch in der zweiten Hälfte änderte es sich leider. Das Interesse flachte rasant ab und dann kamen tatsächlich Längen auf. Ich empfand fast nur noch Stillstand und wenn die Geschichte weiterging, war es irgendwie immer wieder dasselbe.

Hier und da gab es Überraschungen, die ich wirklich nicht vorhersehen konnte. Sie schafften kurzfristig Spannung, aber insgesamt fand ich das Buch nicht wirklich spannend. Auch wenn ich vor allem in der ersten Hälfte viel Spaß hatte, war auch diese nicht so richtig aufregend. Eher wirklich interessant.

Für mich persönlich ist es ein unglaublich wichtiger Punkt, wie meine Emotionen beim Lesen sind. Leider wurde ich auch hier nicht mitgenommen. Selbst an traurigen Stellen wurde ich nicht so sehr berührt, dass ich hätte weinen müssen.

Alles in allem waren es die Figuren und die neuartige Geschichte, die das Buch für mich besonders machten. Deswegen hatte ich auch Spaß mit ihm, selbst wenn es in der zweiten Hälfte viele Längen gab und ich emotional nicht abgeholt werde.
Ich freue mich trotzdem schon auf den zweiten Teil, der sicher nicht mehr lange auf sich warten lässt. Dazu möchte ich zu gern wissen, wie die Geschichte um die Zwillinge weitergeht.

Der erste Teil der Feuerzeichen-Trilogie bekommt 3,5 Sterne Sterne von mir.

Francesca Haig – Das Feuerzeichen
Originaltitel: The Fire Sermon (Februar 2015)
Heyne Verlag, 26. Oktober 2015
ISBN 3453270134
479 Seiten
Gebunden; 16,99 Euro

Reihenfolge:
1. Das Feuerzeichen (Originaltitel: The Fire Sermon)
2. Das Feuerzeichen – Rebellion (Originaltitel: The Map of Bones)
3. Das Feuerzeichen – Rückkehr (Originaltitel: The Forever Ships)

Kostenloses Rezensionsexemplar

John Green & David Levithan – Will & Will

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Nur wer wagt – kann Liebe gewinnen

Sie heißen beide Will Grayson, wohnen beide in Chicago, sind beide siebzehn und tragen neben demselben Namen und demselben Alter dasselbe Problem mit sich herum: Aus lauter Angst, das Ding mit der Liebe zu versemmeln, lassen sie sich auf Romantisches gar nicht erst ein. Der eine Will zögert seit Wochen, sich selbst das einzugestehen, was für alle anderen offensichtlich ist: dass er nämlich bis über beide Ohren in seine wunderbare Mitschülerin Jane verliebt ist. Der andere Will flüchtet sich lieber in seine dubiose Online-Beziehung zu einem gewissen Isaac, anstatt sich im real life vor seinen Freunden zu outen. Doch alles ändert sich, als Will & Will eines Abends ganz zufällig aufeinandertreffen… (Klappentext)

Ich wurde bisher weder von Büchern von John Green noch von David Levithan enttäuscht. Dass „Will & Will“ trotzdem einige Monate auf meinem SuB liegen musste, liegt einzig und allein daran, dass es eben doch immer ein Buch gab, auf das ich noch ein bisschen mehr Lust hatte.

Doch nun habe ich die Geschichte über die beiden Wills gelesen. Beides sind problematische Persönlichkeiten, die es im Leben nicht immer einfach haben oder es sich selbst ein bisschen verbauen.
Der eine Will Grayson hat nur zwei Regeln: Nichts an sich ranlassen und Maul halten. Mit diesen Grundsätzen steht er jedoch meist im Schatten seines sehr riesigen, sehr schwulen und sehr extrovertierten Freundes Tiny Cooper.
Der andere Will Grayson ist homosexuell und der Einzige, mit dem er darüber redet, ist seine Online-Liebschaft Isaac.
Als die beiden Leben aufeinandertreffen, werden allerhand Gefühle aufgewirbelt und Probleme mit einem frischen Blick angeguckt.

Ich mochte den Grundgedanken der Geschichte und ich mochte auch die Art, wie alles erzählt wurde. Kapitelweise wechselt die Perspektive zwischen den beiden Wills und damit auch die Art zu erzählen.
Das Buch liest sich wahnsinnig schnell, was vor allem an Zweiterem lag. Die jugendlich-moderne Sprache macht es einem einfach zu folgen und am Ball zu bleiben. Die einzelnen Probleme bringen auch eine gewisse Spannung mit hinein.

Das große Ganze hat mir gut gefallen, aber trotzdem gab es überall Punkte, die mich dann doch störten.

Die beiden Jungen waren mir zu problembeladen und in weiten Teilen habe ich die Hintergründe, warum sie sind, wie sie sind, nicht nachvollziehen können.
Manche Gedankengänge und Einfälle ebensowenig. Ich wusste manchmal einfach nicht, woher dieser Gedanke nun kommen soll und warum dieser Schluss gezogen wurde.
Ich konnte mich leider mit beiden nicht identifizieren und hab sie auch nicht so richtig gern gewonnen.

Insgesamt fehlte mir auch ein Ziel, auf das ich hinlese. Nachdem die beiden Wills sich kennengelernt hatten, klappte ich kurz das Buch zu und dachte: „Und was soll nun noch kommen? Über zwei Drittel des Buches fehlen noch und ich kann mir nicht wirklich vorstellen, worum es da gehen soll.“.
Außerdem war ich verwirrt über die Rolle des Tiny Coopers. Dafür, dass das Buch „Will & Will“ heißt, fand ich ihn zu präsent. Es hätte auch gut: „Die große Tiny-Cooper-Show (mit Will & Will)“ heißen können.
Grundsätzlich hab ich das Buch gern gelesen, ich hatte Spaß. Es hat mich nichts abgestoßen oder geärgert. Es war nur auch so, dass mich viele Kleinigkeiten (oder mit Tiny auch definitiv eine Großigkeit) hin und wieder störten.
Trotzdem freue ich mich sehr auf mein nächstes Buch von John Green oder David Levithan, denn von beiden liegt noch manches auf meinem SuB.

Bis dahin bekommt „Will & Will“ 3,5 Sterne von mir.

John Green & David Levithan – Will & Will
Originaltitel: Will Grayson, Will Grayson (April 2011)
cbt, 09. September 2013
ISBN 3570308855
379 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Zoe Hagen – Tage mit Leuchtkäfern

Hagen_Tage mit Leuchtkäfern

Das Leben wäre so leicht, wenn es nicht so schwer wäre
»Das Leben ist ein Privileg«, sagte ich.
»Das Leben ist ein Privileg?«, fragte Noah erstaunt.
»Ja«, sagte ich.
Noah zog die Luft ein, ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er drehte sich zu Fred und den anderen um und fragte: »Wo zum Henker hast du denn den kleinen Gandhi hier her?«

Du bist einsam und unglücklich, dein Leben wie ein falscher Film, der an dir vorbeiläuft. Bis du neue Freunde triffst. Gut, die sind alle ein bisschen verrückt, sie nennen sich »Der Club der verhinderten Selbstmörder«. Aber sie geben dir Halt und sind wie Leuchtkäfer in deiner bodenlosen Traurigkeit. Denn du hast nur das eine Leben. (Klappentext)

Zuerst war da dieses Cover. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die zarten Pastelltöne und dieser harte Bruch mit der schwarzen Figur.
Dann war da der Titel: „Leuchtkäfer“. Mich ziehen Glühwürmchen schon immer an.

Ich wünschte mir so sehr, dass der Inhalt mithalten kann. Und das konnte er. Oh ja, das konnte er.

Sie läuft durch den verschneiten Park und sieht einen jungen am Boden liegen. Zuckend. Sie macht sich Sorgen… und er einen Schneeengel.
Er lädt sie zu sich ein und da lernt sie seine Freunde kennen. Die kleine Gruppe aus fünf Freunden ist so wunderschön, zerbrechlich, lustig und herzlich. Und sie nehmen „Gandhi“ sofort bei sich auf.

Das Buch ist aus Gandhis Sicht in Tagebuchform geschrieben. Sie berichtet in kurzen Abständen von ihrem Leben, ihren Sorgen, ihren Kämpfen. Denn auch sie hat es schwer und wandelt oft genug auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod.
Über ihre Gedanken lernt man auch die Gruppe um die verhinderten Selbstmörder kennen: Amira, Fabien, Fred, Lynn, Noah. Sie alle sind so unterschiedlich und doch so gleich.
Vor allem aber sind sie alle zum Verlieben. Ein Club, den man einfach mögen muss.

Und trotz des schweren und dramatischen Themas schafft es Zoe Hagen in ihrem Debüt, alles ganz leicht wirken zu lassen. Zart. Wundervoll. Zerbrechlich.

Die Sprache ist poetisch und gleichzeitig locker. Philosophisch und cool. Eine perfekte Mischung für genau diese sechs jungen Menschen.

Man erfährt nicht immer alles, was man gern wissen möchte, aber das ist nicht schlimm. Darum geht es nicht. Nicht die traurigen Geschichten sollen beleuchtet werden, sondern die schönen. Die glücklichen. Die, die das Leben lebenswert machen.
Und somit ist das Buch geeignet für alle, die es mal schwer hatten, die es gerade schwer haben und auch für die, die es bisher immer leicht hatten. Jeder kann etwas mitnehmen. Ein Stück: „Das Leben kann wirklich schön sein.“.

Ein schwer verdauliches Thema so wunderschön zu verpacken, ist eine Kunst. Die Leute ohne Kitsch so liebenswert zu gestalten ebenfalls. Die Sprache das Ganze noch so passend umhüllen zu lassen, ist ein grandioser Bonus.
Ich wurde von dem Buch sehr berührt. Insgesamt hätte ich mich aber gern noch ein Stück mehr mitreißen lassen wollen. Dazu fehlte ein kleiner Funken.

„Tage mit Leuchtkäfern“ ist nicht immer schön. Aber es ist zart und leicht. Und es kann von innen heraus ganz allein leuchten. Es ist sein eigenes kleines Glühwürmchen. 4,5 Sterne

Zoe Hagen – Tage mit Leuchtkäfern
Ullstein Taschenbuch, 14. März 2016
ISBN 3548286941
189 Seiten
Broschiert; 13,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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