Jason Ward – Edgar Allan Poes Rätseluniversum

Tauchen Sie ein in die bizarre Welt von Edgar Allan Poe und werden Sie Teil seiner schaurigen Geschichten… 80 knifflige Rätsel, inspiriert von den bekanntesten Werken des Virtuosen des Grauens, garantieren ein unheimliches Rätselvergnügen. (Klappentext)

Weihnachten habe ich dieses Buch von meinem Freund geschenkt bekommen und nachdem ich das Rätseluniversum von Sherlock Holmes besucht hatte, zog ich direkt dieses Buch aus dem Regal.

Auch wenn mir der Name Edgar Allan Poe und seine Bedeutung in der Schauerliteratur natürlich bewusst ist, habe ich noch nie etwas von ihm gelesen. Umso mehr freute ich mich darauf, nicht nur stumpf Rätsel zu lesen, sondern Rätsel, die in seine Geschichten eingebettet wurden. Dabei bleibt das Grundgerüst stehen und nur hier und da gibt es Veränderungen, damit eine Rätselfrage hineinpasst.

Die Geschichten an sich fand ich nicht wirklich spannend. Sie waren immer von einem namenlosen Erzähler geschildert und handeln von verschiedensten unheimlichen Begebenheiten. Doch gruselig fand ich nicht eine. Dafür kann das Buch aber grundsätzlich recht wenig, denn es wurde sich eng an die Ursprungsgeschichten gehalten.
An den Rätseln hatte ich trotzdem Spaß. Sie waren nur leider nicht allzu vielfältig. Häufig musste man Rätsel des gleichen Typs lösen. Gerade anfangs rätselte ich noch richtig mit und hatte Papier und Stift im Anschlag. Umso weiter das Buch vorangeschritten war, umso eher blätterte ich direkt zur Lösung. Dies lag vor allem auch daran, dass es mein viertes Buch der Ullmann Medien am Stück war und einige Rätsel habe ich nun schon in mehreren Büchern gelesen.

Einen weiteren Kritikpunkt habe ich, der schraubt aber nur gering an der letztlichen Bewertung.
Das Buch ist in sieben Kapitel unterteilt, die die jeweiligen Geschichten darstellen. Das dachte ich zumindest. Es dauerte etwas, bis ich auf den kleinen Sarg am Ende jeder Seite achtete, der angab, in welcher Geschichte man sich befindet. Für mich ergibt es einfach keinen Sinn, warum in dem Kapitel sich nur jeweils die erste Hälfte an die namengebende Geschichte orientiert und es dann ohne Trennung (quasi eine neue Kapitelseite) nahtlos in eine andere Geschichte übergeht. Die Grenze war nicht immer deutlich.

Ich kann trotzdem ganz allgemein sagen, dass ich das Buch sehr mochte. Die Gestaltung war wieder wunderschön und jede Seite war ein Ereignis. Die Idee, sich an Poes Geschichten zu orientieren war klasse und die Rätsel wären sicher auch spannender gewesen, wenn man sie nicht schon in verschiedenen Büchern gelesen hätte.

Jason Ward – Edgar Allan Poes Rätseluniversum
Originaltitel: Edgar Allan Poe’s Puzzles From Beyond the Grave (August 2018)
Ullmann Medien GmbH, 24. September 2018
ISBN 3741523267
207 Seiten
Broschiert; 9,99 Euro

Pseudonymous Bosch – Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät

Mensch oder Monster?
Lerne das Wesen kennen, das vor über 500 Jahren in einer Flasche geboren wurde!
Welche Geheimnisse hütet dieses seltsame, fürchterliche Wesen?
Lies nach und finde es heraus, zusammen mit den zwei tapferen Helden Kassandra und Max-Ernest*.

Aber nimm dich in Acht, denn:
Dies ist ein sehr gefährliches Buch!

*Namen aus Sicherheitsgründen geändert (Klappentext)

Nachdem sich Kass und Max-Ernest in dem ersten Buch – „Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis“ – bewiesen haben, warten sie sehnlichst auf den ersten Auftrag der Mieheg-Gesellschaft. Als der Auftrag endlich kommt, begeben sie sich voller Euphorie auf das Schiff, das sie holen kommt… und landen direkt in den Armen von Dr. L und Madame Mauvais. Die Mitglieder der Mitternachtssonne, die Erzfeinde der Mieheg-Gesellschaft, haben die beiden gefangen genommen. Doch auf dem Schiff finden unsere beiden Helden ein Klangprisma. Und damit geht das Abenteuer erst so richtig los.

Vor acht Jahren hatte ich den ersten Teil gelesen und es war fast klar, ich hatte Details vergessen. Bruchstückhaft erinnerte ich mich noch an wenige Dinge. Kass und Max-Ernest waren mir hingegen deutlich im Gedächtnis geblieben. Es fiel mir also nicht schwer, mich wieder mit den beiden ins Abenteuer zu stürzen.
Doch dann fand ich keinen richtigen Zugang. Ich brauchte auch eine Weile, um zu verstehen, wo der rote Faden des Buches war. Was sollte das mit dem Klangprisma, von welchem Monster spricht der Klappentext? Geht es nun um den festen Eintritt in die Mieheg-Gesellschaft oder muss gegen die Mitternachtssonne gekämpft werden? Kass und Max-Ernest schlitterten von einer Gefahr in die nächste, aber mir fehlte etwas, woran ich mich festhalten konnte.

Mit dieser Voraussetzung baute sich bei mir leider überhaupt keine Spannung auf. Ich war immer aufmerksam dabei, aber fieberte zu keinem Punkt irgendetwas entgegen. Meine einzige Hoffnung war, irgendwann zu verstehen, was die Geschichte mir nun sagen möchte.
Es passieren Dinge, klar. Aber irgendwie schien das alles trotzdessen nebenbei zu laufen.

Vielleicht waren Kassandra und Max-Ernest als Charaktere zu präsent. Vor allem der männliche Part war unfassbar anstrengend. Besserwisserisch, zickig, beleidigt, unsicher. Eine ganz unangenehme Kombination. Kassandra mochte ich dieses Mal dafür deutlich mehr als das letzte Mal und ich freute mich, dass ein paar Dinge aus ihrem Privatleben mehr beleuchtet waren.

Die Zielgruppe gleicht dem Alter von Kass und Max-Ernest und ist auf zehn bis zwölf Jahre festgelegt. Ab und zu fühlte ich mich fast etwas spießig, wenn wieder davon die Rede war, dass Dr. L und Madame Mauvais schon so viele Leute umgebracht haben und die beiden jungen Abenteurer auch direkt um ihr Leben fürchteten, wenn die Mitternachtssonne auf den Plan trat.

Aber, und das ist wohl das Wichtigste, nichtsdestotrotz glaube ich, dass Kinder wirklich Spaß mit dem Buch haben können. Allein, weil der anonyme Erzähler die Leser häufig anspricht und verschwörerisch von dem großen Geheimnis erzählt, das niemand wissen darf. Am Anfang des Buches ist ein Vertrag abgedruckt, der zur Verheimlichung des Buchinhalts verpflichtet und auf diesen Fakt werden die jungen Leser immer wieder eingeschworen. Eine tolle Idee, die sicherlich auch Spannung und Spaß beim Lesen hineinbringen kann.

Ich persönlich konnte aus dem zweiten Teil leider kaum etwas mitnehmen. Ich eilte durch die Seiten, weil das Buch sich schnell lesen lässt. Es war nett mal wieder von Kassandra zu lesen und ein bisschen interessant war die Story auch letztendlich. Aber so richtig begeistert bleibe ich nicht zurück.

Pseudonymous Bosch – Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät
Originaltitel: If You’re Reading This, It’s Too Late (Oktober 2008)
Arena, 28. April 2014
ISBN 3401062573
349 Seiten
Gebunden; 14,95 Euro (als Taschenbuch erhältlich)

Reihenfolge der Bücher:
1. Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis (The Name of this Book is Secret)
2. Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät (If You’re Reading This, It’s Too Late)
3. Dieses Buch ist gar nicht gut für dich (This Book Is Not Good for You)
4. Dieses Buch ist vielleicht gar kein Buch (This Isn’t What It Looks Like)
5. Dieses Buch ist echt das Letzte (You have to stop this)
6. Dieses Buch braucht dich!: Oder es wird nicht geschrieben (Write This Book)

Frank Schuster – Das Haus hinter dem Spiegel

Eliza ist zurzeit ziemlich verdreht. Sie verwechselt links und rechts und schreibt plötzlich nur noch in Spiegelschrift, selbst ihre Klassenarbeiten. Ihre Schwester Lorina macht sich Sorgen. Ist Eliza tatsächlich in die Welt hinter den Spiegeln gelangt? Lorina schiebt alles auf ein seltsames altes Buch, das Eliza aus der Schulbibliothek geliehen und gelesen hat. Gemeinsam versuchen sie, Elizas Verwandlung auf die Spur zu kommen… (Klappentext)

Als Eliza ihrer Schwester sagt, sie würde gar nicht Eliza, sondern Alice heißen, dachte Lorina erst an einen Scherz. Doch Eliza benimmt sich auch seltsam, hat Erinnerungen an Dinge, die sie doch eigentlich gar nicht erlebt hat und kann plötzlich nur noch in Spiegelschrift lesen und schreiben. Aber sie kann doch nicht durch den großen, alten Spiegel gegangen sein. Oder? Gemeinsam mit ihrem Lehrer, Herr Hundsen, versuchen die beiden, der Sache auf die Spur zu kommen.

Ich mochte die Idee von Anfang an. Begeistert stürzte ich mich in die Lektüre und war sofort mitten im Geschehen bei der auf dem Boden sitzenden Eliza, die die schwarze Königin vom Schachspiel des Vaters in den Händen wiegt.
Von der ersten Sekunde an war ich gespannt, ob die Geschichte stimmt. Ist Eliza wirklich Alice? Denkt sie sich das vielleicht nur aus oder glaubt sie einfach nur ihrer eigenen Fantasie?
Allein deswegen las ich immer weiter. Ich wollte die Lösung unbedingt wissen.

Doch ich las auch aus anderen Gründen: All die kleinen Details, die auf Alice im Wunderland“ bzw. „Alice hinter den Spiegeln“ verweisen. Die Namen, die Symbole, die Objekte. Immer wieder erkennt man Dinge, die sich Lewis Carroll für seine Geschichte um die kleine Alice ausgedacht hat.
Obwohl ich „Alice hinter den Spiegeln“, auf das sich das komplette Buch bezieht, nicht kenne, hatte ich Spaß. Zum einen kennt man Elemente, wie Zwiedeldei und Zwiedeldum, den Hutmacher oder die Schachsymbolik auch so, und zum anderen kennen Lorina und Eliza das Buch auch nicht und vieles wird explizit erwähnt.

Die beiden Mädchen – vor allem aber Eliza – waren zudem auch einfach sympathisch und ich folgte ihnen gern. Die Sprache machte das schnelle Vorankommen zusätzlich einfach. Es war rundum sehr angenehm zu lesen.

Die Kritik an dem Buch fällt dementsprechend kurz aus.
An ein paar Stellen hatte ich das Gefühl, dass nicht ganz auf Logik geachtet wurde. So nannte Eliza, die ja eigentlich Alice war bzw. dachte, es zu sein, die Mutter ganz selbstverständlich Mama und wirkte auch so nicht sehr irritiert über die anderen Umgebungen und Menschen wie Nachbarn und Mitschüler.
Außerdem gab es auch dank der Kürze des Buches keine großen Kniffe, Wendungen oder Überraschungen.

Nichtsdestotrotz mochte ich das Buch wirklich gern und hatte Spaß daran, Elemente aus dem Wunderland zu entdecken und Herauszufinden, ob es die Welt hinter den Spiegeln wirklich gibt.

Frank Schuster – Das Haus hinter dem Spiegel

mainbook Verlag, 05. August 2014
ISBN 3944124723
177 Seiten
Taschenbuch; 10,50 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Gemina

Dass es ihr Sozialleben killen würde, wenn sie ans andere Ende der Galaxie zieht, das wusste Hanna schon vorher. Aber dass es sie wirklich umbringen könnte, ist neu…
Hanna ist die verwöhnte Tochter des Kommandanten der Sprungstation Heimdall, Nik der unwillige Erbe des Mafia-Bosses. Beide hadern mit dem Leben an Bord der (wie sie finden) langweiligsten Raumstation des Alls. Bis eine feindliche Kampfeinheit die Station angreift und ein Funktionsausfall des Wurmlochs das Raumzeitkontinuum zu zerfetzen droht.
Hanna und Nik kämpfen nicht nur um das eigene Überleben und ihre Liebe – das Schicksal der Heimdall und wahrscheinlich das des gesamten Universums liegt in ihren Händen. Aber keine Panik. Sie schaffen das schon. Hoffen sie jedenfalls… (Klappentext)

Was habe ich mich auf Kady und Ezra gefreut. Ich wollte unbedingt wissen, wie es für die beiden nun auf der Hypatia weitergeht. Ich schlage das Buch auf und… bin enttäuscht. Weit und breit weder die eine noch der andere. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, soll ich nun die Geschichte einer arroganten Zicke und eines Kleinkriminellen lesen.

Aber ich habe mich – natürlich – darauf eingelassen. „Iluminae“ hat mir so gut gefallen, da schaffen das Amie Kaufman und Jay Kristoff doch sicher noch einmal, oder?

Nachdem der erste Schock überwunden war, war ich auch schon sofort drin. Ebenso wie der Vorgänger nahm die Geschichte schnell Fahrt auf. Plötzlich sind 24 unbekannte Menschen an Bord. Eine feindliche Übernahme steht Heimdall bevor und die Soldaten sind alles andere als zimperlich. Sie bringen Tod, Verderben und Blut. Sie sind schnell und brutal. Sie töten ohne mit der Wimper zu zucken. Nur durch einen Zufall sind Hanna und Nik nicht unter den Geiseln im Atrium. Und nun liegt es an ihnen – mit einiger Hilfe – das Schiff zu retten.

Das Buch liest sich wie ein wahnsinniger Actionfilm. Und das, obwohl wieder alles durch Akten, Zeichnungen, Transkripte, Chat-Verläufe und vieles mehr geschildert wird. Jede Seite bringt einen tiefer ins Geschehen, lässt die Brutalität und die Angst realer werden. Der Einsatz jedes Stilmittels ist durchdacht. Besondere Formatierungen sind quasi Teil der Geschichte. Und trotzdem entfaltet sich eine vollkommene Geschichte vor dem Leser. Hanna und Nik zu begleiten war so mitreißend und spannend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Sie wurden mir immer sympathischer. Ich schloss beide so sehr ins Herz und hoffte, dass sie es irgendwie schaffen, gegen die Invasoren zu gewinnen, egal wie aussichtslos ihre Lage schien. Ich begleitete die beiden Helden voller Begeisterung in jeden Winkel des Schiffes.

Ich habe jede einzelne Seite geliebt. Bei Teil 1 habe ich mich noch gefragt, ob ich die Story in einem „normalen“ Buch auch gut gefunden hätte. Dieses Mal kann ich es ohne jedes Zögern bejahen. Die Jagd der Soldaten auf die unschuldige Schiffsbesatzung war rasend spannend, das Zusammenspiel von Hanna, Nik und den anderen witzig und süß und herzzerreißend. Die Ideen und Entwicklungen waren klug, rasant, passend und vollkommen logisch.
Dabei war das Buch keinesfalls „einfach“. Es gab 24 Soldaten. Die wurden mal mit ihrem Codenamen, mal mit ihrem Vornamen und mal mit ihrem Nachnamen angesprochen. Und manchmal mit der Bezeichnung ihrer Einheit. Nicht immer überschaubar. Aber das Buch hat einem auch hierfür Hilfsmittel an die Hand gegeben. Ebenso waren die weltraum- und raumschiffspezifischen Wörter nicht immer klar für mich. Ich wusste nicht immer, was nun wo gemacht werden muss, damit etwas anderes passiert oder eben nicht. Aber das war nicht schlimm. Es tat der Sache keinen Abbruch.

Ich schrieb begeisterte Nachrichten: „Das Buch ist der Wahnsinn! Lies das!“ und so meine ich es. Ich mochte „Illuminae“ schon sehr (sehr, sehr), aber Gemina hat mich nun vollends abgeholt. Ich möchte nicht, dass das Buch zu Ende ist. Ich möchte Nik und Hanna nicht hinter mir lassen. Ich möchte weiter mit ihnen in Hangars sein, Heimdall durchstreifen, in das finstere Nichts gucken.
Zum Glück gibt es noch einen dritten Teil. Leider ist mein letzter Stand, dass es noch vollkommen offen ist, ob das Finale übersetzt wird. Dann halt auf Englisch. Ich muss einfach wissen, wie es weitergeht. Ich muss wissen, ob alles ein gutes Ende findet. Bis dahin gibt es für Teil 2 .

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Gemina – Die Illuminae-Akten_02
Originaltitel: Gemina – The Illuminae Files_01 (Oktober 2016)
dtv Verlagsgesellschaft, 21. September 2018
ISBN 9783423762328
659 Seiten
Gebunden; 19,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Illuminae – Originaltitel: Illuminae
2. Gemina – Originaltitel: Gemina
3. – Originaltitel: Obisidio (Noch nicht übersetzt)

Geoff Rodkey – Tapper Twins – Ziemlich beste Feinde

Die offizielle, total wahre Geschichte über den großen Streit zwischen den Tapper Zwillingen

Leni: Mein Name ist Leni Tapper. Ich habe gerade einen Krieg hinter mir und schreibe alles auf, damit zukünftige Generationen erfahren, was genau geschehen ist und wer schuld daran war (Ben).
Ben: Es einen Krieg zu nennen, ist ziemlich bekloppt. Aber Leni muss immer aus allem eine Riesensache machen. Ich meine, okay, ein Weile lief es etwas aus dem Ruder, aber ich hatte mit der ganzen Polizeisache nichts zu tun. Ehrlich. Das war allein Leni.

LENI und BEN sind Geschwister. Sogar ZWILLINGE. Und dabei so was von unzwillingsmäßig, dass sie sich mächtig auf die NERVEN gehen. Unter Geschwistern ganz normal, oder? ODER…???

…Streiche waren gestern. Jetzt sind die Fronten abgesteckt. Der KRIEG kann beginnen…
(Klappentext)

Es brauchte nur einen Auslöser und schon sind die Zwillinge Leni und Ben sauer aufeinander. Und zwar so richtig. Eine Racheaktion folgt der anderen. Es spitzt sich immer mehr zu, bis aus kleinen Sticheleien Dinge entstehen, die den anderen emotional schwer verletzen.

Dieses Buch ist ein klassischer Fall von „Der Weg ist das Ziel“. Die beiden Geschwister sind zwölf Jahre alt, das angepeilte Lesepublikum ist ähnlich alt. Und denen soll scheinbar vermittelt werden, wie schlimm und verletzend (Cyber)Mobbing und das Zerstören von Eigentum sein kann und was für Konsequenzen sowohl „Täter“ als auch „Opfer“ erwarten.

Diese Moral empfand ich tatsächlich ziemlich wichtig. Die Streiche (und später Gemeinheiten), die sich die beiden spielen, sind nicht weit von der Realität weg und die Leser können somit auch ihr eigenes Verhalten reflektieren.
Nichtsdestotrotz findet man in dem Alter die Streiche sicher witzig. Beim Lesen habe ich mir ständig meine Nichte und meinen Neffen vorgestellt und wusste, dass die beiden mit dem Buch richtig Spaß hätten. Ihre Mutter hat das Buch sogar direkt gekauft, als ich davon erzählte.
Ich fand das alles nur leider echt nicht witzig. Weder Pupsen noch tote Fische im Rucksack konnten mich erheitern. Demnach wartete ich auch nicht gespannt auf die nächste Aktion.

Trotz allem las ich das Buch schnell und auch recht gern, denn die Geschwister mochte ich trotzdem. Ich war ganz gern bei ihnen und mich interessierte der Rest neben den Streichen – ihre Freundschaften, ihre Gefühle, ihre Meinungen.
Außerdem war ich wieder großer Fan der Art des Buches, denn Leni schrieb alles als „Chronik“ auf und um den Verlauf korrekt wiederzugeben, führte sie Interviews mit Ben und ihren und seinen Freunden. Außerdem gab es SMS-Verläufe der Eltern und weitere Skizzen und Bilder. Ich lese so etwas gern.

So fällt mein Fazit also zwiegespalten aus: Ich mochte die Art und die Figuren, aber was genau passierte – das Hauptthema – fand ich nicht spannend oder lustig. Ich bin aber auch mal wieder deutlich älter als die Zielgruppe. Und die wird die Streiche sicher richtig witzig finden – und bekommt noch eine gut verpackte Belehrung dazu.

Geoff Rodkey – Tapper Twins – Ziemlich beste Feinde
Originaltitel: The Tapper Twins Go to War (With Each Other) (April 2015)
cbj, 29. Februar 2016
ISBN 3570171701
223 Seiten
Gebunden; 12,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Tapper Twins – Ziemlich beste Feinde – Originaltitel: The Tapper Twins Go to War (With Each Other)
2. Tapper Twins – Gemeinsam sind wir unerträglich – Originaltitel: The Tapper Twins Tear Up New York
3. Tapper Twins – Regieren die Welt – Originaltitel: The Tapper Twins Run for President
4. Tapper Twins – Löschen das Internet – Originaltitel: The Tapper Twins Go Viral

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Illuminae

Gestern noch dachte Kady, das Schlimmste, was ihr bevorsteht, ist die Trennung von ihrem Freund Ezra. Heute dann wird ihr Planet angegriffen.
Kady und Ezra verlieren sich bei der Flucht und gelangen auf unterschiedliche Raumschiffe. Doch die Fliehenden werden immer noch von dem feindlichen Kampfschiff verfolgt. Und damit nicht genug: Ein XXXXX, freigesetzt bei dem Angriff mit biochemischen Waffen, mutiert mit grauenhaften Folgen. Und dann ist da noch AIDAN, die Künstliche Intelligent der Flotte, die von Raumtemperatur über Antrieb bis Nuklearwaffen alles an Bord steuert. Eigentlich soll AIDAN sie beschützen, aber er verhält sich mehr als seltsam.
All das und noch viel mehr wird von dem Führungsstab vertuscht. Kady versucht herauszufinden, was vor sich geht, doch dazu braucht sie Ezras Hilfe. Und so wendet sich Kady an den Jungen, mit dem sie nie wieder ein Wort sprechen wollte… (Text der Titelklappe)

Kady und Ezra haben keine gute Zeit, erst Trennung, dann Flucht von ihrem zerstörten Heimatplaneten. Doch auf den Rettungsschiffen, die sie aufgenommen haben, sind sie schon schnell nicht mehr sicher. Gefahren durch Krankheiten, rigorose Chefetagen und durchgedrehte Künstliche Intelligenzen sind an der Tagesordnung. Kady kann nur versuchen, mit ihren Fähigkeiten am Computer, Ezra und sich zu retten – und damit auch die komplette Flotte.

Doch das alles wird nicht einfach so erzählt. Man liest es in Geheimakten, E-Mails, auf Plakaten und in Protokollen. Es gibt schwarze Seiten und weiße Seiten, Seiten voller Zeichen oder welche ohne alles, Bilder und Tabellen… Allein aufgrund der Form war bei mir die Spannung wahnsinnig hoch. Ich wollte nicht nur wissen, wie die Geschichte rund um Kady und Ezra weitergeht, sondern ich wollte auch unbedingt wissen, wie es dargestellt ist. Denn auch wenn bestimmte Dinge, wie Chats und E-Mails, den Hauptteil ausmachen, so wurde man bis zuletzt mit neuartigen Formatierungen überrascht.

Ich hatte wahnsinnig viel Spaß beim Entdecken. Man rast nur so durch die Seiten. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich die Story, wäre sie mir rein mit Prosa serviert worden, auch so gut gefunden hätte. Aber letztlich ist das auch nicht so wichtig, denn die Kombination aus Text und Form musste passen und das tat sie sehr gut!
Vor allem die beiden Hauptcharaktere haben es mir leicht gemacht. Kady ist schlau und mutig und steht dankenswerterweise nie auf dem Schlauch. Sie zieht schnell Schlüsse und ist trotzdem keine allwissende Nervensäge. Ezra brachte mich zum Lachen und punktete mit seiner charmanten Art.

Doch es gab auch ein paar Dinge, die ich nicht so gut fand. So musste man bei all den Namen, Schiffen, Vereinigungen und Vorgängen schon aufpassen, alles mitzubekommen. Zwei, drei Mal musste ich zurückblättern, um noch einmal nachzulesen, wo die Person in der Zwischenzeit abgeblieben war oder wer noch einmal alles gestorben ist. Denn eins steht fest: Das Autoren-Duo geht mit seinen Figuren wirklich nicht zimperlich um.
Im Zuge meiner Aufregung und Begeisterung über die Form des Buches blieb die Emotionalität ein wenig auf der Strecke bei mir. Ich hechelte durch die Transkriptionen, Akten und Berichte, aber ich habe mich nicht so richtig an die Figuren gebunden. Schwierig, wenn die Figuren eben hauptsächlich miteinander kommunizieren oder andere Protagonisten über sie schreiben. Die eigene Reflexion, der Blick in ihr Inneres, geht unter.

Nichtsdestotrotz habe ich die 600 Seiten an zwei Tagen gelesen. Natürlich geht es auch deutlich schneller, wenn man Chats liest, aber ich legte das Buch auch nur sehr widerwillig beiseite. Es war mein erstes Buch, das im Weltall spielte, ich mochte die Figuren sehr gern, fand die Darstellungsform unglaublich interessant und damit auch die Geschehnisse durchgehend super spannend. Die ein oder andere Überraschung hielt die Story dann auch noch bereit. Ein paar Schwächen hat das Buch, aber ich kann es kaum abwarten, den zweiten Teil, der seit ein paar Wochen auf meinem SuB liegt, zu lesen.

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Illuminae – Die Illuminae-Akten_01
Originaltitel: Illuminae – The Illuminae Files_01 (Oktober 2015)
dtv Verlagsgesellschaft, 13. Oktober 2017
ISBN 9783423761833
599 Seiten
Gebunden; 19,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:

1. Illuminae – Originaltitel: Illuminae
2. Gemina – Originaltitel: Gemina
3. – Originaltitel: Obisidio (Noch nicht übersetzt)

Matthias A. K. Zimmermann – KRYONIUM

Gefangen an einem unbekannten Ort, schmiedet der Erzähler heimlich Fluchtpläne. Die Tatsache, ohne Erinnerungen zu sein, erschweren das Vorhaben. Doch der Drang, endlich auszubrechen aus diesem furchteinflößenden, schneeverwobenen Schloss, lässt ihn jedes Risiko eingehen. Und so gerät der Erzähler immer tiefer hinein in einen wirren Strudel aus rätselhaften Begegnungen und magischer Paranoia, die er spielerisch zu entschlüsseln hofft, was ihn letztlich zum Ursprung seiner Erinnerungen führt. Der All-Age-Roman ist ein technoides Märchen, das sich mit Virtualität auseinandersetzt und die Frage aufwirft, was Erinnerungen sind und was sie bedeuten. Nichts ist so, wie es scheint in der Geschichte und die Frage, was Realität ist, muss immer wieder neu überdacht werden. (Klappentext)

Als ich die Anfrage für ein Rezensionsexemplar zu diesem Buch bekam, war ich direkt Feuer und Flamme. Keine Erinnerungen, Flucht, Schloss, Märchen, Schnee… es klang nach einem Buch, das eine fantastische Atmosphäre mit einer spannenden Geschichte verknüpft.

Als ich das Buch begann, war ich schnell ernüchtert. Ich konnte kaum etwas mit der Schreibart anfangen. Beschreibungen und Wörter wiederholten sich, Gespräche wirkten hölzern und gewollt. Manches klang, wie aus einem Schulaufsatz übernommen. Genervt begann ich schon, Post-Its an Stellen zu kleben, die ich in der Rezension als Negativ-Beispiel hervorheben wollte.
Es dauerte gut dreißig, vierzig Seiten bis nicht nur ich drin war. Es wirkte auch, als hätte sich der Autor quasi warmgeschrieben. Und ab diesem Moment konnte ich nicht mehr genug von KRYONIUM bekommen.

Fasziniert folgte ich der Hauptfigur, von der ich weder Namen noch Aussehen kannte. Nicht einmal das Geschlecht war bekannt. Doch das machte alles noch interessanter. Zusammen erkundeten wir dieses seltsam magische Schloss und fürchteten uns vor dem Ungeheuer, das im See um das Gebäude herum lebt und alles verschlingt, was ihm nah kommt. Wir schlichen zusammen durch den gruseligen Wald, in dem Gnome, Kobolde, Einhörner und sogar eine Hexe leben.
Und als ich da so wohlig in der Märchenwelt war, da entfaltete sich plötzlich eine Story vor mir, mit der ich nicht gerechnet habe. Schicht um Schicht entblätterte sich etwas, was mich immer tiefer in das Buch hineinzog. Jede freie Sekunde las ich. Selbst beim Kochen und Essen. Wenn Besuch da war, zog ich mich kurz mal zehn Minuten zurück, nur um ein Kapitel weiterzukommen.
Überraschung um Überraschung entdeckte ich und als ich dachte, ich wüsste jetzt, was Phase ist, krempelte der Autor all mein Wissen einfach um.

Es gab so unfassbar viele Verbindungen, Hinweise, Rätsel und Erkenntnisse. Nicht selten habe ich einen imaginären Hut vor dem Autoren gezogen, dass er das alles miteinander verwoben hat. Nicht einen Logikfehler habe ich in all dem Wust gefunden. Ganz im Gegenteil: Dinge, die ein Fehler hätten sein können, hebt der Autor extra hervor und ordnet sie ins Gesamtgefüge ein.

Das alles macht eine Rezension des Buches – vor allem in Bezug auf den Inhalt – wahnsinnig schwer. Denn mehr als den Plot, den auch der Klappentext wiedergibt, kann man eigentlich nicht erwähnen. Jedes weitere Wort wäre zu viel. Beim Lesen überkam mich schnell eine Idee, was auf dem Schloss vor sich geht und ich hatte absolut Recht und gleichzeitig kein Stück.

Bis zum Ende holperte es sprachlich mal an der einen oder anderen Stelle, doch ich sah eher, was für schöne Bilder Matthias A. K. Zimmermann mit seinen Worten malen konnte.
Vor allem physikalische Zusammenhänge haben es dem Autoren angetan und manchen Begriff erklärt er über die Notwendigkeit hinaus. Aber schnell war es ok für mich. Ich lächelte an der Stelle, an der ich bei anderen Büchern genervt wäre und dachte: „Tja, das ist wohl seine Art…“

Das Buch ist im besten aller Sinne komplex. Es ist eine Kunst, so etwas nicht schwierig werden zu lassen, sondern trotz aller Details und Verschachtelungen logisch und leichtfüßig zu bleiben. Meine Genervtheit der ersten Seiten ist komplett verflogen und hat sich absolut ins Gegenteil gewandelt. Ich bin begeistert und habe ein paar Spazierrunden dafür genutzt, meinem Freund alles über das Buch zu erzählen. Letztlich wäre ich gern länger bei dem Erzähler geblieben, der so klug und mutig war.

Edit:
Meine Rezension habe ich auch als Kurzform auf Instagram gepostet. Auf die Kritik zur Sprache hat der Autor geantwortet:

Der Anfang der Geschichte ist eigentlich sein Schluss. Ich habe den Roman rückwärts geschrieben, also mit dem Ende begonnen. Die Geschichte begann in seiner ersten Fassung also rasant in der Realität und führte durch mehrere Ebenen immer tiefer und tiefer hinab. Nach und nach entschleunigte die Handlung, die Sätze wurden länger, die Sprache in sich verschachtelter, bis der Schluss (also Kapitel 4 bis 1) dann quasi in einer Bildbetrachtung zugefroren war. Die Dramaturgie des Textes, so habe ich es mir vorgestellt, gleicht Wasser, das nach und nach zufriert. Eigentlich wäre es aber viel passender, so dachte ich dann, wenn es gerade umgekehrt wäre und die Dramaturgie einem Eiswürfel gleichen würde, der nach und nach auftaut und sich verflüssigt. Und so schrieb ich den ganzen Roman nochmals neu: vom Ende zum Anfang. Das hat natürlich die Wirkung, dass der Roman, so wie er jetzt vorliegt, wie eine Bildbetrachtung beginnt. Die Handlungen und ihre Figuren sind zu Beginn statisch und wie eingefroren, der Text liest sich quasi wie durch eine dicke Eisschicht. Die Räume und Landschaften tauen nach und nach erst auf, nehmen dann allmählich an Fahrt auf ab Kapitel 4. Man muss sich die Struktur des Romans als einen sich auftauenden Eiswürfel vorstellen …

Mein Gefühl, dass sich „warmgeschrieben“ wurde, stimmt also im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn der Autor dieses Gefühl auslösen wollte, hat er das bei mir auf jeden Fall erreicht. Nichtsdestotrotz begeisterte mich die Sprache anfangs nicht.

Matthias A. K. Zimmermann – KRYONIUM – Die Experimente der Erinnerung
Kulturverlag Kadmos Berlin, 28. Oktober 2019
ISBN 386599444X
324 Seiten
Gebunden; 19,90 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Sherlock Holmes’ Rätseluniversum

Begleiten Sie den weltberühmten Privatdetektiv Sherlock Holmes auf Spurensuche und nutzen Sie Ihr Kombinationsgeschick zum Lösen kniffliger Fälle. Geschrieben von Holmes‘ Sidekick Dr. John Watson stellen Rätsel in vier Schwierigkeitskategorien sowohl Hobby- als auch Profi-Detektive auf die Probe. (Klappentext)

Da mir die Bücher der Crime-Mysteries-Serie von Ullmann Medien so sehr gefallen haben, habe ich mir mehr Bücher in diesem Stile gewünscht, die es bei dem Verlag (scheinbar) zu finden gibt.
Weihnachten schenkte mir mein Freund zwei Stück, eines davon habe ich nun gelesen.

„Gelesen“ ist aber eigentlich fast zu viel gesagt. Es gibt 113 Fälle, durch die man sich Seite um Seite durcharbeitet. Unterteilt sind sie dabei in vier verschiedene Schwierigkeitsstufen: „Für Einsteiger“, „Für Fortgeschrittene“, „Für Tüftler“ und „Für Meister“. Als klare Abgrenzung empfand ich es jedoch nicht. Für mich waren die meisten Rätsel schon auf einem sehr ähnlichen Schwierigkeitsniveau.

Ich begann recht motiviert, denn das Buch ist wirklich schön gestaltet und jedes Rätsel kann mit seiner Aufmachung punkten. Schöne Umrandungen, passende Zeichnungen – es macht allein schon Spaß, das Rätsel nur anzugucken.
Der Spaß verflog dann leider schnell beim Durchlesen. Die Rätsel sind alle in ein Gespräch zwischen Holmes (den ich hier unfassbar unsympathisch und großkotzig fand) und Watson. Ein bisschen Einleitung in eine Situation, ein wenig Geplänkel zwischen den beiden. Das mag ja ganz nett gedacht sein, aber letztlich wären viele Rätsel auch in wenigen Zeilen abzufrühstücken gewesen.

Es herrscht eine gewisse Varianz zwischen den Rätseln, aber es gibt eine deutliche Häufung bestimmter Rätselfragen: Fragen nach physikalischen Phänomenen, mathematische Rätsel und Fragen zu Verwandtschaftsverhältnissen und dem Alter von Personen.
Vor allem bei den mathematischen Rätseln und den Fragen zu den Personen (die letztlich auch nur mathematische Rätsel waren), fühlte ich mich häufig an Sachaufgaben in der Schule erinnert. Selbst die klassischen aufeinander zufahrenden Züge wurden bedient.

Nur sehr wenige Rätsel wichen von dieser Art ab und lieferten tatsächlich Mordfälle, die man lösen sollte (oder Bilderrätsel, die man knacken konnte). Problem: Nicht einen konnte ich lösen, weil es zu viel Spekulationsraum gab und meistens sogar erst in der Lösung Details genannt wurden, ohne die man eh nicht auf die richtige Antwort kommen konnte. Manche Lösungen waren dann auch so absurd, dass man auch mit mehr Details nicht darauf gekommen wäre.
Vor allem bei diesen Rätseln fiel mir auf, dass man das am besten zu zweit macht. Als Beispiel lässt sich ein Rätsel ganz gut aufzeigen: Man steht in einer Schlucht, die eine Sackgasse bildet. Vom Eingang her kommt ein Feuer auf einen zu. Ein paar Gegenstände hat man in der Tasche, unter anderem eine Pistole. Die Frage war nun, wie man es schaffen kann, nicht bei lebendigem Leib verbrannt zu werden. Ich dachte sofort: „Erschießen. Dann verbrennt man nicht.“ War natürlich falsch, man kommt da auch lebend raus. Aber die Lösung war für mich so klar, da knobelte ich erst gar nicht weiter dran herum. Hätte ich aber, wenn jemand anderes die Lösung kennen würde und mich dazu animiert hätte, anders zu denken.

Ich gebe es zu: Ich habe nur eine handvoll Rätsel ernsthaft versucht zu lösen. Bei den meisten habe ich direkt nach hinten geblättert und habe mir die Antwort durchgelesen. Ich hatte einfach keine Lust herumzuprobieren, wer wann doppelt so alt wie der andere sein wird, wenn er jetzt noch dreimal so alt ist. Ich wollte einfach nicht mit Zettel und Stift hier sitzen und abends Matheaufgaben lösen.
Aber das Buch schafft es sogar, zum Teil falsche Lösungen zu liefern.

Letztlich hatten die Rätsel auch sehr wenig mit Holmes zu tun. Natürlich wurde durch das Einbetten in Gespräche der Anschein erweckt, aber sie alle hätten auch ohne Holmes und Watson funktioniert.

Ich hatte wirklich überhaupt keinen Spaß an dem Buch. Ich ging einfach mit falschen Vorstellungen an die Sache ran. Ich wollte an Detektivfällen rumknobeln und nicht rechnen müssen.
Trotzdem war das Buch schön gemacht und wer Lust auf diese Art Rätsel hat, wird hier sicher mehr Freude haben.

Tim Dedopulos – Sherlock Holmes’ Rätseluniversum
Originaltitel: The Sherlock Holmes Puzzle Collection (Oktober 2011)
Ullmann Medien GmbH, 08. September 2017
ISBN 3741522570
224 Seiten
Broschiert; 9,99 Euro

Ildikó von Kürthy – Unter dem Herzen

Es ist absolut nichts Besonderes, wenn ein Baby zur Welt kommt.
Außer, es ist das eigene!

Dehnungsstreifen und Dinkelstangen, Nachgeburt und Frühförderung, wettrüstende Supermütter, Milchstau und Karriereknick, Angst, Glück, Zweifel – und überall Pastinakenbrei!

«Unter dem Herzen» ist mein Tagebuch aus einer fremden Welt. Denn mir ist neulich etwas Ungeheuerliches passiert: Ich bin Mutter geworden!

Und als Anfängerin auf diesem Gebiet fragt man sich: Muss mein Neugeborenes wirklich eine Fremdsprache lernen? Warum schreit es? Warum schreit es nicht? Ist es erlaubt, sich mit dem eigenen Baby zu langweilen? Was genau ist eigentlich eine gute Mutter, wo ist dieser verdammte Beckenboden, und wie belastbar wirkt man auf Vorgesetzte, wenn man nach Babykotze riecht?

Nichts ist mehr so, wie es mal war.
Und irgendwann steht eine Kerze auf der Torte. Jemand sagt so etwas Ähnliches wie «Mama», und du denkst: «Mensch, der meint ja mich» (Klappentext)

Wenn man mich im Kindergarten fragte, was ich mal werden will, sagte ich: „Mutter!“. Ich kümmerte mich immer rührend um die, die jünger waren als ich.
Seit ich volljährig war, fühlte sich mein Leben an, als wäre es in einer Warteposition. Als wäre ich in einer Warteposition. Ich wartete, dass ich endlich schwanger werden konnte. Dass der Zeitpunkt endlich stimmt. Dass mein Leben endlich so richtig beginnt.
Jede Schwangere in meinem Umfeld bedeutete erst mal Herzschmerz für mich.
Ich war seit jeher die geborene Mutter.
Ende Mai 2018 war es endlich soweit und ich hielt einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Und damit kam die Angst. Die ersten Tage machte ich immer morgens einen Schwangerschaftstest und verschickte panisch Vergleichsbilder mit der Frage: „Ist die Linie heute schwächer? Sinkt das HCG?“ Doch alles ging gut, seit einem Jahr bin ich nun Mutter einer unfassbar tollen Tochter.

Seit ich von „Unter dem Herzen“ hörte, wusste ich, dass ich es lesen muss. Ildikó von Kürthy gehört zu meinen liebsten Autorinnen und ich wollte dringend wissen, wie sie diese besondere Zeit in ihrem Leben empfand.

Es beginnt mit ihrem positiven Test. Man wird mitgenommen von dem Moment an, in dem sich das Leben der Autorin vollkommen auf den Kopf stellte. Aus der kinderlosen, aber kinderwünschigen Ildikó wurde eine Schwangere. Und das zu lesen ist unfassbar erheiternd. Man bekommt keinen wöchentlichen oder monatlichen Bericht, sondern wird immer wieder in wichtige Situationen hineingenommen. Erster Frauenarztbesuch, Schwangerschaftsverkündung, Geschlechtsbekanntgabe – bei allen wichtigen Dingen ist man dabei. Doch es geht gar nicht so sehr um die großen Punkte, sondern die kleinen. Die Ängste und Sorgen, die neuen Erkenntnisse und schockierenden Wahrheiten, die man so im Laufe von 40 Wochen erfährt. Und auch wenn uns so viel unterscheidet, ich erkannte mich so oft in den Beschreibungen wieder, nickte, lachte, schwelgte in Erinnerungen.

Ebenso abgeholt war ich bei den Beschreibungen des ersten Jahres. Das Geschlecht unserer Kinder unterscheidet sich, das Verhalten und Aussehen auch – und trotzdem, auch hier lachte und hachte ich ständig.
Zusätzlich gibt es auch wieder so schöne Illustrationen, die das Geschriebene visualisieren. Stefan Werthmüller hat hier tolle Zeichnungen beigesteuert.

In ihrer Schwangerschaft besprach Ildikó von Kürthy schon viele Gedanken und einige Ängste, doch nach der Geburt ging es erst so richtig in die Tiefe.
Was macht eine gute Mutter aus? Wie viel schlechtes Gewissen ist normal? Fühlen sich andere auch so schuldig, wenn sie ihr Kind in die Kita geben? Haben andere auch Angst, wie es für sie im Job weitergeht? Wälzen sich andere auch nachts, wenn sie daran denken, dass sie erst einmal nur ein Halbtagsgehalt bekommen? So viele Fragen, die ich mir seit der Geburt meiner Tochter stelle – und alle bewegen auch die Autorin. Sie versucht sie so gut es geht und mit ganz viel persönlicher Meinung zu beantworten.

Ich sehe das Buch nicht als Ratgeber. Das ist es nicht und will es auch nicht sein. Trotzdem freute ich mich darüber, dass aus Ratgebern und Zeitschriftenartikeln über Kindeserziehung zitiert wurde. Charlotte Roche und Judith Holofernes kommen ebenso zu Wort wie Remo Largo und Jesper Juul. Manches gab mir ein besseres Gefühl und ließ mich wissen, dass ich vollkommen normal bin. Auch wenn ich mich manchmal mit meinem so heißgeliebten Kind zuhause langweile.

Ich bin Ildikó von Kürthy wirklich dankbar für dieses Buch, das mir ein paar tolle Lesestunden bereitete, in denen ich lachen konnte und mich verstanden fühlte. Am liebsten hätte ich meinen Mütterfreundinnen, schwangeren Freundinnen und kinderlosen Freundinnen – mit und ohne Kinderwunsch – ständig Zitate aus dem Buch geschickt. Damit die Mütter sehen, sie sind nicht allein. Und damit die Kinderlosen für die ein oder andere seltsame Anwandlung Verständnis bekommen.
Aber das habe ich nicht getan. Niemand will ungefragt Ratschläge bekommen. Schon gar nicht in Bezug auf Kinder.

Ildikó von Kürthy – Unter dem Herzen – Ansichten einer neugeborenen Mutter
Wunderlich, 17. August 2012
ISBN 9783805250436
301 Seiten
Broschiert; 14,95 Euro (als Taschenbuch erhältlich)

Kerstin Lundberg Hahn – Der Schatten an meiner Wand

»Du glaubst doch wohl nicht an Geister?«
»Nee«, sagt Micke. »Natürlich nicht.«
Doch ehe sie an diesem Abend schlafen geht, stellt sie sich noch einmal vor den Schatten an der Wand. Sie fährt mit der Hand über die Tapete, die sich ein bisschen wellig anfühlt.
»Bist du wirklich ein Geist?«, flüstert Micke.
Sie hat keine Angst. Noch nicht. (Klappentext)

Micke zieht mit ihrer Mutter kurz vor den Sommerferien in das alte, verlassene Haus, in dem es spuken soll. Das sagen zumindest die Mädchen in ihrer neuen Klasse. Freunde soll sie noch finden, bevor die Ferien beginnen, doch Mikaela, die lieber Micke genannt werden möchte, beschäftigt sich lieber mit dem Schatten in ihrem neuen Zimmer. Der sieht doch wirklich aus wie die Silhouette einer Person. Lebte da wirklich vor Jahrzehnten ein Mädchen in Mickes Alter in dem Zimmer? Und vor allem: Wurde es wirklich umgebracht?

Ohne viel Schnickschnack geht es in dem Buch direkt um den Schatten an der Wand und das muss auch so sein, denn mit 183 großbeschriebenen Seiten hat das Buch nicht allzu viel Platz. Daher konzentriert sich Kerstin Lundberg Hahn in ihrem Buch auf zwei zentrale Erzählstränge: Die Freundschaften und Dynamiken in Mickes neuer Klasse und die Geschehnisse rund um den Mord an dem Mädchen, das mal in ihrem Zimmer lebte.

Die Protagonisten in dem Buch sind elf Jahre alt und die Zielgruppe der Leserschaft ebenso. Und doch schafft es das Buch, mich zu fesseln. Ich habe es schnell gelesen, denn ich wollte wirklich wissen, was damals geschehen ist, ob es wirklich einen Geist gibt und was Micke in der neuen Klasse, in der ihr niemand so richtig wohlgesonnen zu sein scheint, erlebt.

Mir gefiel gut, dass das Buch zu keiner aufgeregten Detektivgeschichte wurde, sondern dass Micke ganz logisch – im Rahmen der Möglichkeiten – auf die Spuren stieß. Zusätzlich gab es ein paar Wendungen und Überraschungen. Einige davon ahnte ich nicht voraus, manche schon. Vor allem als erwachsener Leser fällt einfach auch die Limitiertheit der vorkommenden Personen auf und schließt recht schnell daraus, dass sich die Lösungen in diesem Kreis finden lassen. Auch die Moral, die wie selbstverständlich einfließt, mochte ich.
Geschrieben war das Buch zudem nicht zu einfach oder kindlich. Nie empfand ich die Sprache als unangenehm, was ich gerade bei dieser Altersgruppe wichtig finde. Mit ihren Worten schaffte die Autoron trotz allem eine gespannte Atmosphäre, die bei Kindern sicher wohligen Grusel auslösen kann.

Sind wir ehrlich: Das Buch ist letztlich kein Brecher. Dazu ist es nicht spannend genug, nicht emotional genug, nicht aufwühlend genug. Zumindest nicht nach meinem heutigen Anspruch. Aber mit neun, zehn Jahren, da hätte ich das Buch sehr gemocht! Und weil ich es trotz allem gern gelesen habe und mich die Auflösung interessierte, erhält „Der Schatten an meiner Wand“ .

Kerstin Lundberg Hahn – Der Schatten an meiner Wand
Originaltitel: Skuggan i väggen (Juni 2012)
Aladin Verlag, 14. März 2014
ISBN 3848920263
183 Seiten
Gebunden; 12,90 Euro

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