Sebastian Fitzek – AchtNacht

Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Todeslotterie. Sie könnten den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen. In der »Achtnacht«, am 8.8. jeden Jahres, würde aus allen Vorschlägen ein Name gezogen. Der Auerwählte wäre eine AchtNacht lang vogelfrei, geächtet. Jeder in Deutschland dürfte ihn straffrei töten – und würde mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankenspiel.
Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.

Und Ihr Name wurde gezogen!
(Text der Titelklappe)

Sebastian Fitzek ist und bleibt einfach mein Lieblingsautor. Umso besser, dass meine Freunde das auch wissen und mir die Bücher zu den entsprechenden Gelegenheiten schenken. So bekam ich „AchtNacht“ als Vorbestellung zu Weihnachten von einer meiner Liebsten.
Die Enttäuschung darüber, dass die Thematik ziemlich vom Film „The Purge“ abgekupfert ist, war auch bald verflogen, als Sebastian Fitzek ebenjenes bestätigte. Er hatte den Film gesehen und überlegte, wie es wohl wäre, wenn es kein „Jeder gegen Jeden“ in der Zukunft, sondern ein „Alle gegen Einen“ in der Gegenwart geben würde. So war ich auch damit versöhnt.

Und dieser Eine ist Ben Rühmann. Eine gescheiterte Existenz. Seine Familie ist von ihm enttäuscht, er ist dem Alkohol zu sehr zugetan, seine Musikkarriere ging jäh zu Ende, als er einen Unfall verursachte, bei dem seine Tochter beide Beine verlor. So ist er auch nur mäßig überrascht, dass ihn jemand so sehr hasst und ihn tot sehen will. Mehr überrascht ist er darüber, dass er eben doch nicht der Einzige ist. Auch die junge Psychologiestudentin Arezu Herzsprung wurde ausgelost. Da die AchtNacht-Jäger auf der AchtNacht-Homepage alles posten, was sie über die beiden wissen – inklusive Adressen, Familienangehörige, Telefonnummern und aktuellem Aufenthaltsort – dauert es nicht lange, bis die beiden sich finden und versuchen, zusammen die Nacht zu überstehen. Immer mit einem wütenden Mob im Nacken.

Ich mag die Idee des Buches. Ich mochte sie nämlich schon bei „The Purge“. Auf den ersten Blick wirkt sie irritierend und abwegig, aber umso länger man darüber nachdenkt, umso weniger unwahrscheinlich wird sie. Einmal im Jahr alle Aggressionen rauslassen – und das auch noch straffrei. Und zusätzlich gibt es 10 Millionen Euro. Da würden sicher einige Menschen dafür sein.
Ben und Arezu haben Glück. Nicht alle glauben, dass die Regierung die AchtNacht unterstützt, so wie es kommuniziert wird. Aber es tun doch genügend. Und auch wenn sie vielleicht nicht daran glauben, für Mord Geld zu bekommen, so erfreuen sich doch viele daran, den beiden AchtNächtern Angst zu machen.
Eigentlich liegt hier ein hohes Spannungspotenzial, doch seltsamerweise konnte es mich nicht packen. Die Jagd entwickelt sich nicht nur zu einem Katz-und-Maus-Spiel, sondern es werden auch noch viele Unbeteiligte mit hineingezogen, um deren Sicherheit Ben und Arezu zusätzlich bangen müssen. Das macht sie zum idealen Spielball für allerlei Irre. Trotzdem kam kein Nervenkitzel auf. Nur gesteigertes Interesse.

Dieses Interesse hielt sich bis kurz vor der Hälfte des Buches. Bis dahin las ich in einem Rutsch. Doch dann passierten Dinge, die mich nervten. Dinge, die ich unlogisch fand. Ich hätte an vielen Stellen andere Entscheidungen getroffen als Ben und Arezu und das ernüchterte mich zusehends. So kam es, dass ich das Buch meines Lieblingsautors tagelang ungelesen liegen ließ. Ab der Hälfte wurde es also schleppend.
Die letzten 70 Seiten las ich dann wieder am Stück, da der Showdown doch noch einige Überraschungen bereithielt. Es wurden auch Dinge aufgelöst, nach denen ich gar nicht gefahndet hatte. Überraschende Überraschungen waren das also für mich.
Doch dann kam der große Knall und ich war fast empört. Die Auflösung war für mich ein riesengroßer Logikfehler. Das Thema, um das es letztendlich geht, interessiert mich nämlich schon lange und ich habe viel darüber gelesen und wahre Geschichten darüber verfolgt. Und darum steht für mich fest, dass Sebastian Fitzek es vollkommen falsch darstellt. So, wie es bei AchtNacht ist, ist das in der Realität nicht. So geht das nicht. In der Danksagung spricht er davon, dass ihm Spezialisten seine Fragen beantworteten. Aber alles, was man sonst dazu liest, ist komplett anders. Und ich tippe darauf, dass da eben ALLE ANDEREN Recht haben und Sebastian Fitzek nun leider nicht.
Dazu kommen weitere Ungereimtheiten und Logikfehler, die mich nur mit dem Kopf schütteln ließen.
Ich habe auch mit anderen Lesern gesprochen – die Fragen waren dort dieselben.

Apropos „dieselben“: Ben war wieder ein typischer Fitzek-Charakter, der so schon in vielen seiner Bücher vorkam. Sie haben immer große familiären Problemen, unglückliche Beziehungen, Schwierigkeiten mit Geld und dem Alkohol – Gescheiterte. Gerade die männlichen Hauptcharaktere der Bücher scheinen alle miteinander austauschbar – aber trotzdem nicht flach. Tiefgründig sind sie immer sehr. Auch dieses Mal. Auch die kleineren Rollen kommen nicht zu kurz, sondern bieten etwas Greifbares.

Was aber wieder wirklich einmalig war, war der Schreibstil. Er ist so flüssig, so weich und wohlig. Ich merke kaum, wie ich lese. Nie muss ich stolpern, nie irritieren mich Formulierungen oder Aussprachen. Er schafft es trotz Schwächen in der Story und der Personenwahl, dass sich Fitzek-Bücher schnell und problemlos lesen lassen.

Und das ist, was mir als Zusammenfassung zu „AchtNacht“ bleibt. Die Idee ist spannend und lässt einen auch sich selber Fragen: „Was würdest du tun? Wären 10 Millionen Euro es dir wert, einen Menschen umzubringen, den du nicht kennst?“. Doch leider fesselte mich der Verlauf der Geschichte nicht so sehr, wie er es hätte tun können.
Die Figuren waren nicht blass, aber charakterlich altbekannt.
Aber ganz am Ende, da ließ sich das Buch trotzdem wunderbar lesen. Trotzdem waren die Schwächen für mich so gravierend, dass ich einiges von der Höchstbewertung abziehe.

Sebastian Fitzek – AchtNacht
Knaur TB, 14. März 2017
ISBN 3426521083
408 Seiten
Taschenbuch; 12,99 Euro

S. K. Tremayne – Stiefkind

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Ich sehe was, was du nicht siehst – und das ist dein Tod

Ein traumhaftes Leben malt Rachel sich aus, als sie mit ihrem neuen Mann und dessen Sohn in deren Herrenhaus in Cornwall zieht. Doch der 9-jährige Jamie ist nicht wie andere Kinder. Er scheint zu sehen, was die nahe Zukunft bringt… und das ist Rachels Tod. (Klappentext)

Nachdem mir “Eisige Schwestern” von S. K. Tremayne nicht den Atem verschlagen, aber doch gut gefallen hatte, habe ich mich sehr gefreut, dass ich „Stiefkind“ bei Vorablesen gewonnen habe.

Rachel ist zu ihrem Frischangetrauten, David Kerthen, von London hinaus nach Cornwall gezogen. In das Herrenhaus Carnhallow, das seit über tausend Jahren von den Kerthens bewohnt wird. Es heißt, die Vorfahren ließen sich genau dort nieder, weil sie hellsichtig war: Sie sahen, dass den rauen Felsen in Zukunft Mineralien entlockt werden können. Die errichteten Minen brachten der Familie Reichtum und nahm David seine erste Frau. Doch stimmen die Legenden über die Familie? Waren sie hellsichtig? Denn wenn das stimmt, kann der junge Jamie dann seiner neuen Stiefmutter die Zukunft voraussagen? Kann er vorhersehen, dass sie an Weihnachten tot sein wird?

„Stiefkind“ nimmt sich Zeit. Vor allem in der erste Hälfte wird viel Wert auf die Beschreibung der Landschaft gelegt, auf die Beschreibung der neuen Familie, auf die Beschreibungen von Nina Kerthen, Davids erste Frau. Während die Verhältnisse innerhalb der Familie durchaus interessant waren, wiederholte sich die Landschaft permanent. Es gab keinen Felsen, keine Mine, keine Welle, die nicht schon ein paar Seiten weiter vorn beschrieben worden war.
Die erste Hälfte des Buches entfaltet sich dementsprechend langsam. Es ist nicht so, dass der Teil langweilig oder zäh wäre, aber er war eben auch nicht so nervenkitzelig, wie er hätte sein können.

Dafür holten mich der Nerkenkitzel und die Aufregung in der zweiten Hälfte des Buches total ein. Lange saß ich nicht mehr so mit Herzklopfen beim Lesen und hatte fast Angst, die nächste Seite umzublättern. Ich entwickelte parallel zu Rachel eine Angst vor Carnhallow House, in dem so seltsame Dinge vor sich gingen.

Neben den ganzen Beschreibungen wurde auch den Figuren viel Zeit eingeräumt. Dies führt dazu, dass ich der Meinung bin, jede Figur wirklich begriffen zu haben. Die oberflächliche Schönheit und die tiefen, dunklen Winkel lässt S. K. Tremayne den Leser sehen. Dabei schaffte er interessante Figuren, die vielschichtig und authentisch wirkten.
Weniger authentisch waren hingegen die Dialoge. Sie wirkten streckenweise hölzern und plump. Regelmäßig dachte ich: „So würde niemand reden. Und schon gar nicht mit einem Kind.“

Der Herbst und der Winterbeginn im Buch transportierten eine Stimmung, die perfekt zur Geschichte passte. Alles war düster, kalt, klamm.
Von der Story an sich war ich zusätzlich begeistert. Ein Thriller im Umfeld von Bergbau kommt nicht häufig vor. Mir fiel sofort nur „Nacht unter Tag“ von Val McDermid ein, das jahrelang auf meiner Wunschliste stand, bevor es irgendwann doch uninteressant für mich wurde. Und gruselige – in diesem Fall möglicherweise hellsichtige – Kinder versprühen auch immer einen gruseligen Charme.

Ich hatte mir also eventuell etwas mehr vom Anfang versprochen, wurde dann aber ab der Hälfte des Buches versöhnt, als e wirklich spannend, aufregend und undurchsichtig auf eine gute Art und Weise wurde. Wie die Hauptpersonen verlor ich meine Sicherheit. Ich wusste nicht, wem ich vertrauen konnte, welche Wahrnehmungen der Wahrheit entsprachen. Ich versuchte die ganze Zeit die Fäden wieder zusammenzuführen und die losen Enden fest in der Hand zu halten. Doch das Buch schlägt sie einem nach und nach wieder aus der Hand. Immer tiefer gerät man in den Strudel, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Doch das Buch hat keine 400 Seiten. Der Leser weiß, es gibt ein Entrinnen oder zumindest ein Ende.
Und wie schon bei „Die Eisigen Schwestern“ war ich davon enttäuscht.
Die Auflösung wirkte konstruiert und ohne erkennbare Hinweise plötzlich auftauchend. Doch damit hätte ich mich noch arrangieren können, wenn der Autor nicht wichtige Hinweise – für mich zum Teil sogar die wichtigsten Hinweise für einen bestimmten Geschichtsausgang – einfach fallengelassen hätte. Sie fielen einfach unter den Tisch. Vielleicht weil die so klar waren, dass man sie nicht wegdiskutieren konnte – und sie somit nicht zum Ende gepasst haben.

Das Ende enttäuschte mich also etwas, auch wenn es grundsätzlich natürlich nicht verkehrt war und auch noch Überraschungen bereit hielt. Aber mit dem Konstruieren und Nur-die-Hälfte-Auflösen konnte ich nichts anfangen.
Trotzdem bekommt „Stiefkind“ 4 Sterne von mir. Das Buch riss mich einfach phasenweise so sehr mit, dass diese Spannung das für mich wert ist.

S. K. Tremayne – Stiefkind
Originaltitel: The Fire Child (Juni 2016)
Knaur, 1. Dezember 2016
ISBN 3426516624
387 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Renate Eckert – Novemberfeuer

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Im Elite-Internat Wetterstein bei Schweinfurt wagt die Deutschlehrerin Franziska nach einer gescheiterten Ehe einen Neubeginn. Ihre 16-jährige Tochter Hannah ist alles andere als begeistert von dem Umzug in das alte Schloss.
Franziskas erfolgreicher Neustart wird jäh gestoppt, als einer ihrer Schüler vom Turm des Schlosses stürzt. War es Selbstmord? Mord? Hat sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt? Die Polizei ermittelt.
Franzsikas Glaubwürdigkeit, ja ihr ganzes neues Leben sind in Gefahr. Bei ihren Nachforschungen gerät sie in ein Labyrinth aus persönlichen Konflikten, dubiosen Machenschaften im Lehrerkollegium und sorgsam gehüteten Geheimnissen. Und ein mysteriöser Unbekannter kommt ihr und ihrer Tochter immer näher… (Klappentext)

Ich kann es nicht oft genug erwähnen: Mit zwei Büchern aus dem Hause „mainbook“ hatte ich schon sehr viel Spaß. Nach „Das Ende vom Lied ist kein schlechter Anfang“ und „Schattentour“, hoffte ich auf ein Weiterführen der Glückssträhne mit „Novemberfeuer“.
Das Internatsthema sprach mich sofort an. Ich fühlte mich in meine Kindheit und Jugend zurückversetzt. Warum auch immer. Ich war nämlich weder in einem Internat, noch habe ich damals Bücher, die dort spielen, gelesen. Aber egal, ich war sehr gespannt. Vor allem stehe ich auch einfach auf Psychothriller.
Die Ausgangssituation war also äußerst vielversprechend.

Die Story wurde dann sehr langsam eingeführt. Es dauert nicht lang, bis Franziska ihre Stelle im Internat Wetterstein antritt, doch dann wird dem Kennenlernen sehr viel Zeit eingeräumt. Man lernt ihre „Familie“ – also die Schüler, für die sie die Verantwortung hat – kennen, die Lehrer und die allgemeine Situation zwischen all den Personen.
Erst genau bei der Hälfte des Buchs stürzt der Schüler vom Turm. Bis dahin war wenig vom „Psychothriller“ zu sehen. Doch auch danach fehlte der Thrill. Denn auch wenn tatsächlich Gefahr für Franziska bestand, waren ihre Nachforschungen bei Weitem nicht so tiefgreifend, wie ich gedacht hätte. Alles blieb ein wenig oberflächlich.

Die Spannung war also so gut wie nicht vorhanden. Vor allem, da die Hinweise im Buch mit dem Holzhammer geliefert wurden, war mir schon am Anfang des Buches klar, wer später als der oder die Böse präsentiert wird.
Insgesamt empfand ich das Buch also keineswegs als Psychothriller.

Die Figuren wurden alle sehr gut eingeführt und trotz der schieren Menge an Lehrern und Schülern kann man sie relativ gut auseinanderhalten. Dazu hat sich die Autorin den einen oder anderen Kniff ausgedacht, der es dem Leser einfacher machte.
Trotzdem konnte ich weder zu der Hauptfigur Franziska, noch zu ihrer Tochter, ihren Schülern oder irgendeiner anderen Figur eine Verbindung aufbauen. Alle blieben auf Distanz und auch wenn Innenansichten geliefert wurden, blieben die Figuren kühl.
Da half es auch nichts, dass das Buch ab und zu mal aus der Perspektive einer anderen Figur als Franziska geschrieben wurde.

Wenn mich nun also die Idee der Geschichte überzeugte, blieb die Umsetzung doch ziemlich fad und auch die Figuren überzeugten mich nicht.
Was aber alles noch viel, viel schlimmer machte, war die Sprache. Auf jeder einzelnen Seite schüttelte ich genervt den Kopf.

Renate Eckert ist 1946 geboren, war also beim Schreiben des Buches schon fast 70 Jahre alt.
Ich könnte wetten, dass sie eine sehr intelligente, belesene Frau ist und das merkt man an jeder Ecke des Buches. Es passt aber einfach nicht. Franziska, die Mitte 40 ist, redete und dachte schon sehr altmodisch, aber auch den Jugendlichen hat sie keine wirklich moderne Sprache geben. Ein einzelnes „Also chille runter, Mum.“ (S. 194) machte es fast noch ein wenig peinlicher.
Insgesamt wirkte die Sprache verkrampft, gestelzt, unmodern und zwanghaft nach Synonymen suchend. Bei Dialogen gab es keinen natürlichen Fluss.
Allein auf den ersten paar Seiten gab es schon unangenehme Ausdrucksweisen:

• „eine Spur einstiger Grandezza“ (S. 7)
• „eine lebhaft geführte Debatte“ (S. 12)
• „sein Augenspiel war weit entfernt gewesen von einem Flirt“ (S. 12)
• „sie […] maßregelte sich ernsthaft“ (S. 12)
• „Die Art von Schuhen werde ich mir wohl abgewöhnen müssen […], argwöhnte sie“ (S. 14)
• „mir das Arrangement durch den Kopf gehen zu lassen“ (S. 18)
• „Franziska nahm die dargebotene Hand“ (S. 19)
• „‘ Danke Frau Mettmann‘, beschied sie der Direktor“ (S. 20)

Und wenn später von Bangigkeit, laut palavernden Menschen, einer frechen Leinentunika und Gardinenpredigten gesprochen wird, bleibt die Sprache unangenehm.
Für mich wirkte sie sich auch negativ auf den Inhalt aus, weil er mir so weniger Spaß machte, und auch auf die Figuren, da ich mich mit so unnatürlich sprechenden Menschen nicht identifizieren kann.

Bis zum Ende fragte ich mich auch, warum das Buch nun „Novemberfeuer“ heißt. Es ging weder um Feuer, noch explizit um den November.

Fehlender Thrill, distanzierte Personen und unangenehme Sprache. Leider konnte mich „Novemberfeuer“ so gar nicht begeistern. Die Story war nicht mal schlecht, anders geschrieben, wäre sie sicher interessant gewesen. Nicht unbedingt sehr viel spannender, dazu war die erste Hälfte des Buches allein schon zu lahm, aber doch sicher gut zu lesen.

So fand ich das Buch – ganz abgesehen von der Sprache – nett, aber leider nicht mehr. Da hilft es auch nicht, dass mein Lieblingsautor Sebastian Fitzek das Buch als „intelligente, spannende Unterhaltung“ lobt. 2 Sterne

Renate Eckert – Novemberfeuer
mainbook, 30. April 2016
ISBN 394641303X
229 Seiten
Taschenbuch; 10,70 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Alexandra Burt – Remember Mia

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Was habe ich getan?
Ein Baby verschwindet spurlos aus einem New Yorker Apartment. Tage später wird die Mutter schwerverletzt aus dem Wrack ihre Wagens geborgen – meilenweit von New York entfernt. Estelle leidet an Amnesie und kämpft verzweifelt darum, ihr Gedächtnis wiederzuerlangen. Was ist mit ihrem Kind geschehen? Hat jemand das Baby entführt? Oder – hat sie selbst etwas mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun? (Klappentext)

Lange habe ich keinen richtigen Thriller mehr gelesen. Umso mehr freute ich mich, dass ich „Remember Mia“ bei Vorablesen gewonnen habe. Glücklich begann ich gleich zu lesen in der Hoffnung, dass ich da ein spannendes Werk in den Händen halte.

Die Story war zumindest sehr geeignet, um aufregend zu werden.
Estelle wacht ohne Gedächtnis in einem Krankenhaus auf. Ihre schweren Verletzungen könnten von einem Selbstmordversuch stammen. Oder von einem Unfall. Die Ärzte können es schwer sagen. Noch schwerer, da Estelle selber keine Erinnerung hat. Auch die Tage vor dem Unfall sind aus ihrem Gedächtnis verschwunden. Nur eine Wahrheit drängt sich vor den Schleier aus Vergessen: Ihre sieben Monate alte Tochter Mia ist verschwunden. Plötzlich war das Kinderbett leer, alle Kleidungsstücke verschwunden, selbst die Windeln und Fläschchen fehlten. Auch die Türen und Fenster sind geschlossen und zeigen keine Anzeichen von Einbruch. Was ist also mit Mia passiert?

Schon auf der ersten Seite war ich von der Geschichte gefangen genommen.
Estelle sprühte eine Mischung aus Verzweiflung und Humor aus, die mir sehr sympathisch war. Ich wollte ihrer Geschichte folgen und mit ihr zusammen herausfinden, was mit ihrem Baby geschehen ist.
Dazu taucht man nach und nach immer tiefer in ihre Vergangenheit ein. Verfolgt ihre Geschichte, deckt Schicht für Schicht auf. Kommt dem Geheimnis immer näher.

Die Beschreibungen über die Mutter-Kind-Beziehung, die mehr durch Schwierigkeiten als durch Glück geprägt war, wurde sehr intensiv beschrieben. Selbst, wenn man kein Kind hat, kann man alles nachvollziehen, kann mitfühlen, mitleiden.

Schnell baute sich die Spannung auf. Ich wollte immer weiter lesen und alles erfahren. Ich war begeistert von der Geschichte. Auch wenn die Spannung deutlich anstieg, blieb sie relativ schnell auf einem mittelhohen Level stecken. Es gab dann aber immer mal wieder Überraschungen und Entdeckungen, die der Geschichte wieder frischen Wind gaben. Obwohl die Spannung nicht nervenzerreißend war, war sie ausreichend, um mich zum ständigen Weiterlesen zu animieren. Die letzten 200 Seiten las ich beispielsweise in einem Rutsch.

Das, was mich wohl am meisten an dem Buch störte, waren die vielen unlogischen Handlungsweisen von Estelle. Doch positiv war wiederrum: Auch Estelle war von ihren unlogischen Handlungen genervt. Sie reflektierte das sehr genau und deswegen sah es nicht nach unfähigem Autor aus, sondern war wirklich so gewollt. Das machte es etwas besser.

Die Atmosphäre war düster, verwirrt, verzweifelt und insgesamt sehr, sehr dunkel. Es ist, als würde das Buch den Leser tief ins Meer ziehen, man friert und kann nicht atmen und darf erst wieder aufsteigen, wenn die letzte Seite gelesen ist.

„Remember Mia“ hat mir wirklich gut gefallen. Ich mochte die verwirrende Geschichte um das fehlende Kind, ich mochte die Beschreibungen von Estelle, ich tauchte gern in ihre Vergangenheit.
Insgesamt fesselte mich das Buch, aber die Spannung hätte für meinen Geschmack gern noch höher sein können. Außerdem störten mich die abwegigen Handlungen von Estelle, auch wenn sie diese selbst reflektierte. Insgesamt gibt es aber gute 4 Sterne.

Alexandra Burt – Remember Mia
Originaltitel: Remember Mia (Juli 2015)
dtv, 22. April 2016
ISBN 3423261013
383 Seiten
Broschiert; 14,90 Euro

R. L. Stine – Fear Street – Rachsüchtig (Neuauflage von „Halloween“)

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Eine mörderische Party
Eine Party in der unheimlichen Fear-Street-Villa? Terry und seine Freundin Niki sind begeistert! Merkwürdig bloß, dass Justine ausgerechnet sie eingeladen hat. Aber nicht nur die Gästeliste macht die beiden misstrauisch. Auch die Partyspiele, die Justine sich ausgedacht hat, sind ganz schön schauerlich. Terry und Niki ahnen nicht, dass Justine eine uralte Rechnung offen hat. (Klappentext)

Als Niki und Terry zu der Halloween-Party ihrer Mitschülerin Justine, die ebenso neu wie beliebt ist, eingeladen werden, ist die Spannung groß. Jeder spricht über die Party, jeder will hin. Doch nur neun Schüler gehören zu dem erwählten Kreis der Gäste. Sie ahnen alle nicht, dass sie besser zuhause geblieben wären.

Halloween mitten im März.
Ich selber war noch nie auf einer richtigen Halloween-Party und darum freute ich mich umso mehr, bei der aufregenden Feier in der Fear Street dabei zu sein. Zumal sie versprach beängstigender zu werden, als eine normal e Party am 31. Oktober.

Mir gefiel die Story grundsätzlich sehr gut und auch die eingeschränkte Ortsauswahl – kurz mal Highschool, Großteil Justines Villa – tat der gruseligen Stimmung gut.
Ich ertappte mich sogar dabei, dass ich mich fühlte wie als Kind, als ich die Bücher las. Das Gefühl hatte ich lange nicht bei Fear Street. Dieser leichte Schock und wohlige Grusel.

Nachteil der Geschichte: Man hatte nicht viel zu rätseln. Wenn man den Klappentext nicht gelesen hat, wusste man spätestens nach den ersten paar Seiten, dass mit Justine etwas nicht stimmt und von ihr eine Gefahr ausgeht.
Das nahm nachhaltig die Spannung aus der ganzen Nummer raus.
Die einzige spannende Frage war also, warum sich Justine an den neun Schülern, die so wahllos zusammengewürfelt scheinen, rächen möchte.

Mit zehn Schülern hatte man also eine ziemliche Menge an Figuren, deren Handlungen und Erlebnisse man beobachtete.
Durch den Fokus auf Niki und Terry konnte man allem jedoch leicht folgen.
Terry war mir zwar oft zu schlicht, aber mit Niki las man von einer intelligenten und misstrauischen Figur, die sich nicht so leicht um den Finger wickeln ließ, wie die Jungs der Runde.
Dazu schaffte Stine es auch relativ gut, die Personen mit unterschiedlichen Charakteristiken auszustatten, ohne allzu sehr in Klischees zu verfallen.

Sprachlich schwankt das bei den Fear-Street-Büchern ja stark. Mal meint man, einen etwas besseren Schüleraufsatz zu lesen, mal kommt das doch sehr an ein normales Buch ran. Dieses Mal ist zum Glück zweiteres der Fall.

Insgesamt hat mir „Rachsüchtig“ gefallen.
Trotz des Stempels „Jugendthriller“ kam leichter Grusel und Beklemmung auf und der Leser tappte in die eine oder andere Falle, obwohl man genau wusste, dass Justine der große Böse ist.
Mir persönlich fehlte trotzdem die Spannung. 4 Sterne

R. L. Stine – Fear Street – Rachsüchtig (Neuauflage von „Halloween“)
Originaltitel: Halloween Party (1990)
Loewe, 1. Juni 2004
ISBN: 3785551967
155 Seiten
Gebunden, 7,50 Euro

Andere Bücher der Reihe:
Fear Street – Das Skalpell – Originaltitel: The Knife
Fear Street – Die Falle – Originaltitel: Wrong Number 2
Fear Street – Die Mutprobe – Originaltitel: The Thrill Club
Fear Street – Eingeschlossen – Originaltitel: Ski Weekend
Fear Street – Falsch verbunden – Originaltitel: Wrong Number
Fear Street – Prüfungsangst – Originaltitel: The Cheater

Stine_Das Skalpell Stine_Fear Street_Die Falle Stine_Fear Street_Die Mutprobe Stine_Eingeschlossen Stine_Fear Street_Falsch verbunden R. L. Stine_Fear Street_Prüfungsangst

Adam Sternbergh – Feindesland

Sternbergh_Feindesland

Vertrau mir.
Er ist tot.
Ich weiß es.

Terroristen haben New York zweimal in die Luft gesprengt. Das World Trade Center und den Times Square. Beides hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Eine Weile lang ist es ruhig gewesen. Kein Wunder, wenn alle nur träumen. Aber jetzt scheinen die Terroristen tatsächlich einen Weg gefunden zu haben, in die Träume einzudringen… Spademan stellt sich ihnen entgegen. (Klappentext)

Bevor ich dieses Buch anfing zu lesen, war mir gar nicht klar, wie sehr ich Spademan vermisst hatte.
Der erste Teil um den Auftragskiller mit dem Teppichmesser – „Spademan“ – gefiel mir wirklich gut.
Schon mit dem ersten Satz habe ich es wieder genossen, bei ihm in diesem zerstörten New York einer unbestimmten Zukunft zu sein.

Dieses Mal soll das Ex-Computerwunderkind Lesser beseitigt werden.
Doch kurz bevor das Teppichmesser an seinem Hals sitzt, schreckt er aus seinem Limnosphären-Besuch auf und schreit wie am Spieß. Mit stockenden Worten berichtet er dem Auftragskiller, was er gesehen hat: Eine Frau in einer Burka klammerte sich an einen Mann, sprengte sich mit ihm zusammen in die Luft. Der Mann ist tot. Ganz sicher. Auch in der realen Welt. Dabei kann man eigentlich in der Sphäre niemanden töten. Eigentlich.
Nachdem erst das World Trade Center und dann der Times Square von Terroristen zerstört wurden, scheinen sie nun in die Limnosphäre eingedrungen zu sein. Der letzte sichere Zufluchtsort der New Yorker wird angegriffen. Plötzlich hat Spademan andere Probleme als Lesser. Und die reichen bis in die höchste Politik von New York.

Dieses Mal hatte ich nicht dieses allgegenwärtige „Film Noir“-Gefühl, das ich noch im ersten Teil hatte, aber das tat dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Die Atmosphäre war trotzdem düster und trocken und damit vollkommen stimmig.
Adam Sternbergh hat an der Art zu erzählen nicht viel geändert. Immer noch gibt es keine Anführungszeichen bei Dialogen, immer noch ist Spademan der Erzähler, der auch mal den Leser anspricht und seinen sarkastischen Humor nicht verloren hat.

„Also ziehe ich meine kleinen feinen Werkzeuge zum Schlösserknacken aus ihrem Versteck in meinen Haaren –
Scherz.
Ich hieve den Zwölf-Pfund-Vorschlaghammer aus meinem Seesack. “ (S. 12)

Ich hatte Spaß dabei, all die Personen, die ich im ersten Teil kennengelernt habe, wiederzusehen. Auch hier war mir nicht bewusst, dass ich den einen oder anderen beim ersten Buch tatsächlich so lieb gewonnen hatte, dass ich mich wahnsinnig freute, wieder von ihnen zu lesen und ihre Geschichte weiterverfolgen zu können. Auch die der Kleinsten.

„Hannah ist jetzt etwas über ein Jahr alt, daher redet sie noch nicht allzu viel. Ein Kind weniger Worte. Was ich absolut respektiere.“ (S. 47)

Die Geschichte ist in diesem Buch ausgefeilter, tiefgründiger und verworrener als noch im ersten. Es ist, als hätte Sternbergh nach seinem Debüt viel dazu gelernt. Es gab Wendungen und allerlei Abzweigungen, sodass man sich manchmal auch ein wenig verloren in der Geschichte vorkommen konnte. Doch das schien dem Autoren bewusst zu sein, denn immer dann gab es eine – wirklich passende und nie plump eingestreut wirkende – Zusammenfassung der Dinge durch Spademan.

Obwohl es keine atemlose Spannung gab, war sie doch in hohem Maße vorhanden.
Ich las weiter, um zu erfahren, ob es stimmt, was Lesser gesehen hat und ob der Terror nun die Limnosphäre erreicht hat.
Ich las weiter, um die Cliffhanger auflösen zu können.
Ich las weiter, um zu sehen, wem Spademan trauen kann und wem nicht.
Trotzdem wurde ich oft überrascht von den Wendungen und Auflösungen, was mir auch Spaß machte.

Insgesamt finde ich die beiden Teile um Spademan sehr ausgeglichen. Manches fand ich im ersten Teil besser und manches nun im zweiten, aber es gab keinen gravierenden Qualitätsunterschied.
Meine Kritikpunkte sind wirklich klein. Ich fühlte mich manchmal nur etwas überschwemmt von der weitreichenden Geschichte mit den verschiedenen Problemen, gegen die Spademan ankämpfen muss. Und ich wäre gern noch ein bisschen mehr bewegt worden. Egal, an welcher Gefühlsfront.
Aber alles in allem hatte ich wieder sehr viel Spaß bei Spademan und hoffe inständig, dass dies nicht der letzte Teil um den Auftragskiller mit dem Teppichmesser bleiben wird.
Ich vergebe sehr gute 4 Sterne.

Adam Sternbergh – Feindesland
Originaltitel: Near Enemy (Januar 2015)
Heyne Hardcore, 31. August 2015
ISBN 3453269047
367 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Spademan – Originaltitel: Shovel Ready
2. Feindesland – Originaltitel: Near Enemy

Sternbergh_Spademan Sternbergh_Feindesland

Kostenloses Rezensionsexemplar

Jessica Swiecik – Schattentour

Swiecik_Schattentour

Willkommen im „Unus“! Checken Sie ein, und lassen Sie sich vom maroden Äußeren nicht täuschen!
Einem DAUERHAFTEN Aufenthalt steht nichts im Wege!

Ein Urban Explorer-Team erkundet ein altes, leerstehendes Gebäude in der Nähe Frankfurts. Sie wollen die Vergangenheit des Hotels ergründen und die Schönheit des Verfalls auf Fotos festhalten. Doch das „Unus“ ist nicht so einsam, wie es auf den ersten Blick scheint. Sie treffen auf ein anderes Team, das die Nacht ebenfalls in dem Gebäude verbringen will. Aber das wird nicht ihre einzige Begegnung bleiben. Das einstige Luxushotel verbirgt ein dunkles Geheimnis, und die Tour durch das alte Gemäuer verwandelt sich in einen Albtraum, aus dem es kein Entrinnen gibt… (Klappentext)

Dank des Verlags mainbook hatte ich die Möglichkeit, das Buch der mir bisher unbekannten Autorin Jessica Swiecik zu lesen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich relativ selten abseits der großen Verlage nach neuem Lesestoff suche.
Aber ich habe mal wieder gesehen, dass das ein Fehler ist.

Obwohl Thriller in abgeschotteten alten Gebäuden sicher nichts Neues sind und ich selbst auch schon ein paar dieser Art gelesen habe, liebe ich so ein Setting immer wieder.

Zwei Gruppen junger Menschen wollen das seit über zwanzig Jahren geschlossene Hotel in der Nähe von Frankfurt erkunden.
Adam, Lara, Malte und Shannon bilden ein Urban Exploration Team. Sie halten die Schönheit des Lost Places in Fotos fest.
Carly, Elin und Fynn sind Ghost Discoverers und erkunden, ob der Geist eines im Hotel verstorbenen Mädchens noch in den alten Räumen umherwandert.
Beide Teams wollen zufällig in derselben Nacht in das „Unus“, aus dem es schon bald kein Entkommen mehr gibt.

Mir gefielen sowohl die rationalen Ambitionen des einen Teams als auch die übersinnlichen des anderen Teams. Ich freute mich auf die Erkenntnisse, die sie in dieser Nacht machen werden. Egal welcher Art sie sein werden. Ich war für alles offen.
Schnell stellte sich bei mir zusätzlich eine Beklemmung ein. Es war, als wäre ich auch in dem Hotel, in dem man in fast vollständiger Dunkelheit wandelte und in dem bald seltsame Dinge geschahen. Gruselige, ungewöhnliche, unerklärliche Dinge.

Obwohl man sieben Leute auf einen Schlag kennenlernte, waren die einzelnen Charaktere untereinander sehr schön differenziert, sodass die Grenzen nicht verschwammen.
Ich konnte mir auch dank einzelner Beschreibungen, die an passenden Stellen einflossen, jedes einzelne Team-Mitglied genau vorstellen. Nicht jeder war mir sympathisch, aber das sollte so sein.

Die Thematik gefiel mir also unglaublich gut.
Ich hoffte, dass Jessica Swiecik es schafft, diese auch gut einzubetten und das war ihr definitiv gelungen.
Die Kapitel wechseln immer zwischen den beiden Teams hin und her. Die Länge ist mit durchschnittlich fünf bis sechs Seiten sehr angenehm.
Was dann aber am Ende fast jedes Kapitels wartet, ist ein unglaublich guter Cliffhanger. Ich musste immer mehr und immer weiter lesen, damit sich bloß alle Cliffhanger schnell auflösen.

Ich bin bei der Sprache selten wirklich kritisch. Sobald mir der Spaß nicht durch allzu plumpe oder allzu hochgestochene Formulierungen genommen wird, bin ich da recht anspruchslos. Ich persönlich möchte mich mit den Büchern amüsieren und dazu muss die Sprache kein feingeistiges, messerscharfes Gerüst bilden.
In „Schattentour“ ist mir die Art zu erzählen immer mal wieder entgegengesprungen.
Manchmal fühlte es sich beim Lesen an, als hätte die Autorin sich wirklich viel Mühe gegeben, Synonyme zu finden, alle Feinheiten gut auszuformulieren und so viele und präzise Infos wie möglich zu verpacken. Es war definitiv nicht schlecht gemacht, wirkte aber an manchem Stellen etwas angestrengt. Vielleicht tue ich der Autorin gerade unrecht und das ist alles so direkt aus ihrer Feder herausgeflossen, aber so las es sich nicht immer.

Abschließend habe ich noch zwei – nun ja, nicht Kritikpunkte, aber – Hinweise.
Wer „Schattentour“ liest, sollte dies aufmerksam tun. Gerade nachdem sich die beiden Teams gefunden habe, gibt es permanente Neu-Konstellationen. Die Teams mischen sich, dann ist er abhanden gekommen, sie stößt neu hinzu, die Gruppe trennt sich, er wird allein gelassen. Ich versuchte zwischendurch immer wieder den Weg der einzelnen – sieben! – Menschen zu rekonstruieren, damit ich nicht durcheinander komme.

Für den zweiten Punkt kann die Autorin absolut nichts und ich finde es auch nicht negativ, aber ich wollte es erwähnen.
Die Schrift ist ziemlich klein, der Satzspiegel dafür groß, man hat also nur kleine Ränder auf den Seiten und das Buch ist größer als normale Taschenbücher. Damit bietet eine Seite also mehr Text als man es sonst gewohnt ist. In anderen Verlagen hätte das Buch also keine 263 Seiten gehabt, sondern locker 350 bis 400.
Aus nachhaltigen Aspekten und für die Ressourcenschonung finde ich das super! Als Leser hatte ich aber manchmal das Gefühl, ich würde nicht so recht vorwärts kommen.

Ich fand „Schattentour“ wirklich sehr gelungen. Volle fünf Sterne gibt es von mir nicht, da ich manches Mal bei der Sprache etwas holperte, ich mit dem großen Figuren-Gemixe manchmal verwirrt wurde und weil ich mich zwar etwas gruselte, aber relativ schnell einen Verdacht hatte, wer an den ganzen unheimlichen Dingen Schuld ist, der sich dann auch bestätigte. Meiner Meinung nach waren manche Hinweise vielleicht einen Ticken zu deutlich. Trotzdem bekommt das Buch gute 4 Sterne von mir.

Jessica Swiecik – Schattentour
mainbook, 08. Oktober 2015
ISBN 3944124847
263 Seiten
Taschenbuch; 11,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Sebastian Fitzek – Das Joshua-Profil

Fitzek_Das Joshua-Profil

Hast du die Fäden für dein Leben noch in der Hand?

Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß… im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist. (Klappentext)

Seit Monaten wartete ich auf „Das Joshua-Profil“ und dann musste ich es noch hintenan stellen, bis ich „Die Blutschule“ gelesen hatte. Ganz ungewöhnlich für mich las ich die letzten 250 Seiten dann auch in einem Rutsch. Eigentlich wollte ich tatsächlich extra langsam lesen. Ich wollte das Buch genießen, bevor ich wieder mindestens ein Jahr auf etwas Neues von meinem Lieblingsautoren warten muss.

Max ist Autor, doch nach seinem Erstlingswerk „Die Blutschule“ hatte er keinen Erfolg mehr.
Was er trotzdem nicht aufgibt, ist seine Neugier. Deswegen fährt er ins Krankenhaus zu dem im Sterben liegenden Mann, der so viel über Max weiß und ihm sagt, dass er in Gefahr ist, denn Joshua hat ihn ausgewählt und Joshua irrt sich nie. Max wird ein Verbrechen begehen, das steht laut Joshua fest, und kurz darauf ist seine Tochter Jola verschwunden…

Ich war so voller Vorfreude, den Mann kennenzulernen, von dem ich bisher nur seinen Debütroman kannte. Ich war gespannt auf Max und fand eine typische Fitzek-Figur wieder: nahbar, sympathisch, problembeladen und unglaublich gut zum Identifizieren.
Sein Leben – und bald Leiden – folgte ich voller Spannung und lernte dabei seine Freunde und Verwandte kennen und die meisten schloss ich schneller in mein Herz als ich wollte. Da reichte die Spanne von seiner klugen 10jährigen Tochter, über seinen verschrobenen Anwaltsfreund bis hin zu seinem Straftäter-Bruder.
Und trotzdem wagte ich nicht, auch nur irgendjemanden hundertprozentig über den Weg zu trauen. Bei Fitzek weiß man immerhin nie, welche Wendung alles noch nehmen wird.

Und Wendungen hatte dieses Buch allerhand.
Die Spannung war permanent ganz weit oben und die Geschwindigkeit schnell. Immer passierte etwas. Weder den Protagnisten, noch den Lesern wurde Zeit zum Durchatmen gegeben.
Gerade am Anfang erwischte ich mich ab und zu bei folgendem Gedanken: „Oh nee, ich möchte nicht weiterlesen. Den Leuten wird sicher noch so viel zustoßen. Kann nicht mal irgendwas nicht schief gehen? Das haben die doch gar nicht verdient!“.
Aber natürlich las ich weiter. Und natürlich fieberte ich mit.

Trotz der hohen Geschwindigkeit, der wechselnden Perspektiven, Orte und Geschehnisse war ich nie verwirrt. Ich klappte das Buch immer mal wieder zu, um zu sehen, ob ich alles von Anfang an rekapitulieren und den Weg aus den Gedanken nachzeichnen kann. Und es gelang mir bis zur letzten Seite.

Und am Ende war ich auch wieder sehr, sehr glücklich mit der Auflösung des Falles. Ich konnte überrascht werden und sogar – wie immer in den Fitzek Büchern – etwas lernen.

Lesung Joshua-ProfilIch war auf der Lesung von Sebastian Fitzek zu „Das Joshua-Profil“ und es wurde ein Interview mit dem deutschen Regisseur Nico Hofmann gezeigt, der sagte, dass er die Fitzek Bücher sehr gern mag und es für ihn dort immer drei wichtige Elemente gibt: die Tiefe der Figuren, die Spannung und der Fall an sich.
Ich würde gern noch erweitern, dass all seine Bücher auch noch in den Punkten Schreibstil und Atmosphäre punkten können. So auch „Das Joshua-Profil“.

Nach zwei Stunden Warten hatte ich dann also auch den neuesten Fitzek mit Autogramm, habe ein Notizbuch geschenkt bekommen und das obligatorische Foto war natürlich auch wieder dabei.

Alles in allem erhält der neueste Fitzek von mir 4,5 Sterne. Ein bisschen fehlte mir der gänsehautauslösende Thrill, auch wenn die Spannung trotzdem weit oben mitspielte.

Sebastian Fitzek – Das Joshua-Profil
Bastei Lübbe, 26. Oktober 2015
ISBN 3785725450
417 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro

Max Rhode – Die Blutschule

Rhode_Die BlutschuleIHR HABT NIE GELERNT ZU TÖTEN, DIESES VERSÄUMNIS WERDEN WIR JETZT NACHHOLEN.

Eine unbewohnte Insel im Storkower See
Eine Holzhütte, eingerichteten wie ein Klassenzimmer
Eine Schule mit den Fächern: Fallen stellen. Opfer jagen. Menschen töten.

Die Teenager Simon und Mark können sich keinen größeren Horror vorstellen, als aus der Metropole Berlin in die Einöde Brandenburgs zu ziehen. Das Einzige, worauf sie sich freuen, sind sechs Wochen Sommerferien, doch auch hier macht ihnen ihr Vater einen Strich durch die Rechnung. Er nimmt sie mit auf einen Ausflug zu einer ganz besonderen Schule. Gelegen mitten im Wald auf einer einsamen Insel. Mit einem grausamen Lehrplan, nach dem sonst nur in der Hölle unterrichtet wird… (Klappentext)

Ich las 30 Seiten lang den neuen Fitzek, da erfuhr ich, dass man doch besser erst „Die Blutschule“ lesen soll. Das Buch, das die Hauptfigur aus Fitzeks „Das Joshua-Profil“ geschrieben hat.
Kurz war ich enttäuscht, dann freute ich mich auf Max Rhode. Wann liest man schon mal das Buch einer fiktiven Person, die sein Lieblingsautor erdacht hat?

Die Familie von Simon und seinem Bruder Mark zieht aus der Großstadt in eine kleine Brandenburger Gemeinde. Schon sehr bald müssen sie sich mit fiesen Jugendcliquen, pädophilen Nachbarn und den seltsamen Sachen befassen, die der See bereithält. Doch da ist auch nach das Klassenzimmer. Und das Schulfach „Töten“.

Wie immer schafft es Sebastian Fitzek, hier nun als „Max Rhode“, dass ich mich sofort in die Hauptfigur hineinversetzen kann. In seinen anderen Büchern sind es vorrangig Mittvierziger-Männer mit seelischem Schaden, hier nun ein Junge, der halb so alt ist wie ich. Und trotzdem bin ich sofort bei Simon und wollte mehr über sein Leben herausfinden.
Die anderen Personen waren leider schnell in Schwarz und Weiß eingeordnet und man wusste, wer böse ist und wer nicht. Zusätzlich empfand ich alle als distanziert.

Dier Story ist vielschichtiger und weitreichender, als der Klappentext es vermuten lässt.
Ich mochte das. Ich mochte all die verschiedenen Ebenen, die trotzdem miteinander verbunden waren. Es war zwar kein ausgeklügelter Erzählstrang und sicherlich plumper als von Fitzek gewohnt, aber das Buch ist eben auch von Max Rhode. Und der hat anscheinend eine andere Art zu erzählen.

Sprachlich habe ich dagegen nichts auszusetzen. Natürlich sucht man feinsinnige Sprache vergebens. Sie ist oft derb und laut, was vorrangig auch mit der Geschichte zu tun hat, und passte genau deswegen hervorragend.

Durch die angedeuteten düsteren Geheimnisse des neuen Wohnortes konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Ich wollte alles bis ins kleinste Detail erfahren und selbst als das Geheimnis gelüftet war, flachte die Spannung nicht ab. Ganz im Gegenteil: Da ging es erst richtig los.

Ich will mich gar nicht erst auf die Diskussion einlassen, ob 12,99 Euro für ein 250-Seiten-Buch gerechtfertigt sind und auch nicht, ob das Buch noch Thriller ist oder schon Horror. Ich empfinde die Grenzen bei den Genres eh sehr häufig als fließend. Nein, ich möchte mir das Buch nicht durch solche Diskussionen, die an andere Stelle weitreichend geführt werden, kaputt machen lassen.
Ich freue mich viel zu sehr darüber, dass mein Lieblingsautor gleich zwei Mal am Start ist.
Und dieses Buch stellt für mich einen tollen Auftakt dar.
Die Geschichte war speziell, die Grausamkeiten in einem hohen Maße, aber nicht zu explizit beschrieben, die Sprache zog mich in den Lesebann und zumindest Simon mochte ich als Figur sehr.

Dieses Buch hat mir eine kurze, aber tolle Zeit beschert und ich hatte „Spaß“ im Ort Wendisch-Rietz und am Storkower See. Trotzdem wird das Buch nicht allzu sehr bei mir nachklingen. Es wird nicht eines meiner Lieblingsbücher werden. Aber ich habe auch nur wenig Kritik – vorrangig an den Personen und dem zwar weitreichenden, aber auch sehr linearen Erzählstrang. Deswegen bekommt Max Rhode von mir 4 Sterne.

Und ganz am Ende, da las ich noch einmal das erste Kapitel. Da verstand ich…

Max Rhode – Die Blutschule
Bastei Lübbe Taschenbuch, 8. Oktober 2015
ISBN 3404172671
255 Seiten
Broschiert; 12,99 Euro

R. L. Stine – Fear Street – Prüfungsangst

R. L. Stine_Fear Street_Prüfungsangst

Eine ausweglose Situation
Terry kann es selbst kaum glauben. Sie hat es getan. Sie hat Adam Messner gebeten, für sie die Mathearbeit zu schreiben. Alles hat geklappt. Niemand hat etwas gemerkt. Aber nun setzt Adam Terry unter Druck. Zuerst will er nur mit ihr ausgehen, dann fordert er plötzlich Geld. Sehr viel Geld… (Klappentext)

Ich habe dieses Buch schon einmal gelesen. Es ist vielleicht 12 oder 13 Jahre her. Ich konnte mich nicht mehr im Geringsten an die Handlung erinnern. Dabei ist das Buch gar nicht mal so schlecht.

Die Ausgangssituation ist für Jugendliche, die die Zielgruppe sind, natürlich näher dran als für Erwachsene. Terry lässt ihre Matheprüfung von Adam schreiben und dieser erpresst sie danach mit diesem Geheimnis. Er bedrängt sie immer mehr und möchte immer mehr von ihr bekommen.

Allein die Art der Forderungen und das Bedrängen schaffte auch eine unangenehme Atmosphäre für mich als Leser. Schnell wuchs bei mir die Spannung, was Adam sich als nächstes ausdenkt und ich fühlte mit Terry mit. Gefangen in dem Kreislauf aus Drohungen und Forderungen bekam selbst ich Beklemmungen.

Trotzdem konnte ich Terrys Verhalten nicht immer nachvollziehen. Meiner Meinung nach hätte sie sich schneller aus der Situation befreien können und der Spuk wäre zu Ende gewesen. Aber das ist halt nicht Sinn und Zweck der Fear-Street-Bücher.

Insgesamt waren die Figuren aber wieder alle blasse 17jährige, die nichts Einzigartiges an sich haben. Nur Adam und seine Clique waren spezieller. Aber Terry, ihre Freunde und ihre Familie könnten dieselben Personen wie aus allen anderen Fear-Street-Büchern sein, so ähnlich sind die Hauptfiguren.

Der Fall scheint bei „Prüfungsangst“ erst einmal ziemlich klar und geradlinig, aber R. L. Stine hat es geschafft, überraschende, aber logische Wendungen, einzubauen.

Die Sprache kam mir deutlich moderner vor als in den Büchern der Reihe, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Sie war immer noch nicht besonders elegant, aber hatte auch nicht mehr unbedingt einen Fremdschäm-Charakter.

Im Vergleich zu meinen letzten Fear-Street-Rezensionen schneidet Prüfungsangst definitiv besser ab. Natürlich kann ich nicht denselben Bewertungsstandard anlegen wie bei Erwachsenen-Thrillern.
Aber für die Spannung, Fall-Qualität und in Verhältnis zur Zielgruppe bekommt dieser Teil 4 Sterne.

R. L. Stine – Fear Street – Prüfungsangst
Originaltitel: The Cheater (1993)
Loewe, 1998
ISBN 3785532210
153 Seiten
Gebunden
(Neu nicht mehr erhältlich)

Andere Bücher der Reihe:
Fear Street – Das Skalpell – Originaltitel: The Knife
Fear Street – Die Falle – Originaltitel: Wrong Number 2
Fear Street – Die Mutprobe – Originaltitel: The Thrill Club
Fear Street – Eingeschlossen – Originaltitel: Ski Weekend
Fear Street – Falsch verbunden – Originaltitel: Wrong Number

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