Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini

Vierunddreißig Jahre hat Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann tötet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos, wie es aussieht. Ein Albtraum für den jungen Anwalt Caspar Leinen, der die Pflichtverteidigung übernimmt: Das Opfer, ein hoch angesehener deutscher Industrieller, ist der Großvater seines besten Freundes. Schlimmer noch, Fabrizio Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Leinen beginnt zu recherchieren und stößt auf eine Spur, die ihn mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte. (Text der Titelklappe)

Am 18. April kommt die Verfilmung dieses Buches in die Kinos. Ich hätte ihn so gern gesehen – und das nicht nur wegen Elyas M‘Barek in einer der Hauptrollen. Da meine Tochter erst wenige Wochen alt ist, wurde das mit dem Kino nichts, aber ich habe die literarische Vorlage als Rezensionsexemplar erhalten. Darüber habe ich mich wahnsinnig gefreut.

Nachdem der bisher vollkommen unauffällige Fabrizio Collini einen Industriellen kaltblütig erschießt und sich danach direkt der Polizei stellt, sind alle überfragt: Staatsanwaltschaft, Nebenklage und auch der Pflichtverteidiger Caspar Leinen. Denn obwohl Collini zu jeder Zeit gesteht, der Mörder zu sein, bleibt er darüber hinaus schweigsam. Leinen sucht deswegen fieberhaft nach dem Warum und stößt dabei auf allerhand Überraschungen und Skandale.

Ferdinand von Schirach ist selber Strafverteidiger und schafft es deswegen, diesen Roman überaus realistisch wirken zu lassen. Er gewährt einen Blick hinter die Kulissen – in die Richterzimmer, Hinterzimmer und Wohnzimmer der Anwälte dieses Landes.

Die Handlung des Romans ist sehr überschaubar. Sie beginnt mit dem Mord und zeichnet dann den Prozess nach, unterbrochen durch wenige Rückschauen und einige private Einblicke in das Leben des jungen Rechtsanwalts Leinen.
Die Wirkung der verschiedenen Teile ist vollkommen verschieden. Der Prozess ist sachlich, klar, scharf. Die Rückblenden leben von ihren atmosphärischen Bildern und emotionalen Worten. Beides entwickelte einen regelrechten Sog.

Vom ersten Satz an steckt man mitten in der Handlung. Man ist direkt mit Fabrizio Collini im Hotel auf dem Weg zur Suite des zukünftigen Mordopfers. Keine Schnörkel, kein künstliches Aufblähen. Damit ist die Spannung sofort hoch.
Auch sonst ist das Buch zwar nicht linear oder gar simpel, aber trotz Sackgassen und Wendungen auch nicht künstlich verlängert oder verkompliziert.

Trotz der wenigen Seiten und der meist geradlinigen Sprache kommen die Figuren und ihre Hintergrundgeschichten nicht zu kurz. Ich habe keine Ahnung, welche Haar- oder Augenfarbe Caspar Leinen hat. Ich weiß nicht, welche Farbe die Schuhe des Staatsanwalts haben – aber was ich kenne ist ihr Charakter. Mit wenigen Worten stellte von Schirach klar, wer wie einzuordnen ist, ohne dabei die Figuren schwarz oder weiß zu zeichnen. Man bekommt Einblicke in Seelenleben, Charaktereigenschaften und Lebensgeschichten.

Es ist ein großes Glück, dass Ferdinand von Schirach nicht nur Strafverteidiger geblieben ist, sondern anfing, seine Geschichten aufzuschreiben – sowohl die realen aus seiner Kanzlei als auch die fiktiven. Mit „Der Fall Collini“ hat er mir ein kurzweiliges und spannendes Buch beschert. Es gab Überraschungen, Wendungen und eine überzeugende Geschichte. Der „echte“ Einblick in die Arbeit der Justiz war dabei nur ein Bonus.
Die Geschichte von Fabrizio Collini hat definitiv das Potenzial, viele Leser nicht nur lesetechnisch, sondern auch emotional zu packen. Nur, weil es mich persönlich nicht auf der emotionalen Ebene bekommen hat, ziehe ich ein bisschen bei der Bewertung ab. Ich hatte aber trotzdem sehr viel Spaß mit dem Buch.

Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini
btb, 13. Februar 2017 (erstmals veröffentlicht 2011)
ISBN 3442714990
199 Seiten
Taschenbuch; 10,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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Courtney Summers – Sadie

Sadie ist verschwunden. Die Polizei findet nichts als ein verlassenes Auto und ihren Rucksack. Auf flehende Bitte von Sadies Ersatzoma nimmt ein Journalist die Suche auf.

In seinem Podcast folgt West McCray Sadies Spuren und gräbt in ihrer Familiengeschichte. Erst vor Kurzem wurde Sadies Schwester Mattie ermordet aufgefunden. Auch wenn er die Zusammenhänge noch nicht versteht, spürt McCray intuitiv: Er darf keine Zeit verlieren.

Sadie hätte alles gegeben, um ihre kleine Schwester zu schützen. Jetzt bleibt ihr nur noch eines – sie muss Matties Mörder finden. Koste es, was es wolle. (Klappentext)

Sadie hatte bisher kein einfaches Leben. Sie wuchs ohne Vater, dafür mit einer drogenabhängigen Mutter und ihren wechselnden Verehrern in einem Trailerpark auf. Als sie sechs Jahre alt war, kam ihre Schwester Mattie zur Welt und damit begann ihre eigene zu leuchten. Plötzlich war da so viel Liebe, die sie von ihrer Mutter nicht kannte. Sie hat alles für Mattie getan, wollte sie nur glücklich sehen. Das zerbrach, als Mattie umgebracht wurde. Alles, was Sadie bleibt, ist der Wunsch, Matties Mörder zu finden und ihre Schwester zu rächen.

Die Geschichte um Sadie und Mattie wird abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt. Zum einen folgt man Sadie auf der Suche nach dem Mörder und zum anderen dem Podcast, der einige Monate nach Sadies Verschwinden – und damit auch ihrem Teil der Geschichte – spielt.
Daraus ergeben sich zwei komplett verschiedene Erzählweisen: Sadie beschreibt alles Erlebte tiefgründig und emotional, West McCray sachlich mit verschiedenen Interviewpartnern.

Die Story an sich ist prinzipiell eine altbekannte. Bücher über verschwundene Kinder gibt es wie Sand am Meer. Der Podcast macht das Ganze aber modern, frisch und bietet ein anderes Leseerlebnis. Schade ist dabei nur, dass sich das meiste doppelt. Alles, was man in Sadies Teilen hautnah miterlebt, wird von West McCray nach und nach aufgedeckt und nachverfolgt. Nichtsdestotrotz mochte ich diese Teile sehr gern – eben weil es besonders war.

Das Buch lebt vor allem davon, dass der Leser in die Geschichte von Sadie hineingezogen werden und mitfühlen muss. Der Leser muss ihr gebrochenes Herz fühlen und verstehen, warum für Sadie ohne Mattie nichts mehr von Wert ist. Er muss die Jagd quer durch die USA, das Nachgehen kleinster Hinweise und Puzzleteile nachvollziehen können.
Das Problem: Ich konnte das alles nicht. Sadie war für mich unnahbar und trotz ihrer tragischen Vergangenheit und großen Liebe zu ihrer kleinen Schwester unsympathisch. Ich baute keine Verbindung zu ihr auf.

Das Buch versuchte manche Details lange für sich zu behalten, um dann nach und nach die Umstände von Matties Tod und Sadies Suche nach dem Mörder aufzudecken. Doch die Details wurden nie mit einem großem Wumms entschlüsselt, sondern eher neben bei. Manches kann man vorher schon vermuten, anderes bleibt seltsam uninteressant.
Das wären immerhin die Stellen gewesen, in denen das Buch mit Spannung hätte glänzen können, aber leider hat es das – für mich – nicht geschafft. Insgesamt fehlte mir die Spannung. Mattie war schon zu Beginn des Buches tot und ich hatte keine Beziehung zu ihr, brauchte dementsprechend keine Rache für sie. Sadie fuhr von Station zu Station, um den Mörder zu finden. Das war manchmal langwierig und gab keinen Thrill her. Und auch das Ende war für mich nicht befriedigend.

Zusätzlich ist schade, dass der „Spannungsmacher“ auf dem Titel („Stirbt sie, wird niemand die Wahrheit erfahren.“) nicht stimmt. West McCray schafft es nach und nach den Weg von Sadie nachzuvollziehen und Geheimnisse aufzudecken. Da ist es vollkommen irrelevant, ob sie gefunden wird oder nicht.

Sadies Suche nach dem Mörder ihrer Schwester und die Suche des Journalisten nach Sadie hätte wirklich cool werden können. Spannend, aufregend, modern und berührend. Es blieb auf der Stufe „interessant“, das Leben aller Protagonisten kennenzulernen, doch egal, wie dramatisch es war, es kam nie zu mir durch. Durch den Podcast war das Buch trotzdem neu, modern und machte mir in Teilen Spaß. Dafür gibt es .

Courtney Summers – Sadie
Originaltitel: Sadie (September 2018)
Beltz & Gelberg, 7. Februar 2019
ISBN 340781240X
359 Seiten
Broschiert; 16,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Sebastian Fitzek – Das Paket

VORSICHT!
Öffnen auf eigene Gefahr

Ihr Postbote bittet Sie, ein Paket für einen Nachbarn anzunehmen. Einen Nachbarn, dessen Namen Sie noch nie gehört haben. Obwohl Sie schon seit Jahren in Ihrer kleinen Straße wohnen.
»Was kann schon passieren?«, denken Sie sich.

Und lassen damit den Albtraum in ihr Haus… (Klappentext)

Wie immer habe ich dieses Buch direkt nach dem Erscheinen gekauft, weswegen ich noch die Auflage habe, die mit einem Umkarton daherkommt. Speziell, besonders… wie meine Beziehung zu allen Fitzek-Büchern.

Seit Emma von dem Serientäter, der in der Presse nur „Der Friseur“ genannt wird, vergewaltigt und geschoren wurde, ist in ihrem Leben nichts mehr, wie es war. Die einst lebensfrohe Frau schafft es nicht mehr, aus dem Haus zu gehen. Sie ist von Ängsten geplagt und bekommt ihr Leben nur noch schwer auf die Reihe. Doch dann begeht sie einen Fehler: Sie nimmt ein Paket für einen Nachbarn an – sie bemerkt, dass sie weder weiß, wer der Nachbar sein soll, noch wo er wohnt. Emma sieht sich der nächsten lebensbedrohlichen Situation gegenüber…

Selten geht Sebastian Fitzek den Weg mit einer weiblichen Hauptfigur. Ebenso selten, wie er den Figuren ein intaktes Beziehungsleben gönnt. Doch Emma hat eines, sie hat einen tollen Mann, mit dem sie einen süßen Hund hat und einmal Kinder plante. Bis der Friseur sie vergewaltigte und sie danach eine Fehlgeburt erlitt. Dann änderte sich alles. Ihre Psyche, ihre Beziehung, ihr Kinderwunsch. Ihr Mann ist immer noch da. Er liebt sie, unterstützt sie, hilft ihr. Doch Emma ist nicht mehr heile. Emma ist das genaue Gegenteil.

Emma ist eine angeschlagene Person und auch eine unzuverlässige Erzählerin, denn weder sie noch der Leser können wirklich wissen, was real ist und was ihrer angstgebeutelten Fantasie entspringt. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist es interessant, bei ihr zu sein und sie besser kennenzulernen. Wie immer ist sie eine vielschichtige Person, bei der man schnell tief in die Psyche eindringt. Ebenso authentisch wirken alle Nebenfiguren.

Mit dem unbekannten Paket rutscht Emma nun in eine neue Psychose und nimmt den Leser mit auf eine Reise. Man wechselt zwischen verschiedenen Zeiten, springt ohne Probleme vor und zurück, wobei sich das Puzzle um ihr Leben und ihr Leiden immer mehr vervollständigt.

Was beim Lesen für mich ein wenig auf der Strecke blieb, war die Spannung. Denn das Schlimmste hat Emma schon hinter sich. Sie ist eines der vielen Opfer des Friseurs. Und von dem Paket an sich geht erst einmal ja keine Gefahr aus.
Es ist interessant alles Weitere zu entdecken, ja. Aber spannend? Angsteinflößend? Gruselig? Nicht wirklich.

Vor allem durch die Zeitsprünge wird eine zweite Ebene aufgemacht: Die des Friseurs. Für mich lag hier die Stärke des Buches. Ich wollte unbedingt wissen, wer dieser Sadist ist und warum er Emma – und den anderen Frauen – so etwas angetan hat. Doch auch das war nicht spannend im klassischen Sinne, man musste nur verschiedene Puzzleteile zusammenfügen.

Das Buch besticht also weniger durch seine nervenaufreibende Spannung als vielmehr durch seine Atmosphäre. Dieses psychisch instabile Konstrukt der Geschichte lässt den Leser zweifelnd durch die Seiten schlingern.

Ich hatte insgesamt viel Spaß mit dem Buch. Ich mochte die Ausgangsgeschichte um das Paket als auch die Hintergrundgeschichte mit dem Friseur. Ich fand Emma eine interessante Hauptfigur und wollte mit ihr alle Rätsel lösen. Dabei umfing mich diese wunderbare Psycho-Atmosphäre.
Doch letztlich entwickelte sich die Geschichte für mich ein wenig behäbiger als ich es von meinem Lieblingsautoren gewohnt bin. Nichts konnte mich von einer Seite auf die andere überraschen. In dieser Kombination gibt es von mir .

Sebastian Fitzek – Das Paket
Droemer, 26. Oktober 2016
ISBN 3426199203
362 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro
(Auch als Taschenbuch erhältlich.)

Weitere Bücher des Autoren (klicke für die Rezension):

Ursula Poznanski – Layers

Seit Dorian von zu Hause abgehauen ist, schlägt er sich auf der Straße durch – und das eigentlich ganz gut. Als er jedoch eines Morgens neben einem toten Obdachlosen aufwacht, der offensichtlich ermordet wurde, gerät Dorian in Panik, weil er sich an nichts erinnert: Hat er selbst etwas mit der Tat zu tun?
In dieser Situation bietet ihm ein Fremder unverhofft Hilfe an. Der Unbekannte engagiert sich für Jugendliche in Not und bringt Dorian in eine Villa, wo dieser neue Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält – das ist Dorians Chance, sich vor der Polizei zu verstecken. Doch umsonst ist nichts im Leben, das erfährt er recht schnell. Die Gegenleistung, die von ihm erwartet wird, besteht im Verteilen geheimnisvoller Werbegeschenke. Als Dorian ein solches Päckchen nach einem unerwarteten Zwischenfall behält, wird er von diesem Zeitpunkt an gnadenlos gejagt. (Text der Titelklappe)

Ich freute mich so sehr, dass ich für meine mündliche Abschlussprüfung im Nebenfach dieses Jugendbuch lesen sollte. Wie viel schöner ist das, als all die wissenschaftliche Literatur?!
Ich begann auch hochmotiviert, aber dann musste ich noch so viel erledigen, dass ich nur circa die ersten 100 Seiten geschafft hatte. Den Rest habe ich dann nach der Prüfung im Urlaub gelesen.

Ich fand das Buch nämlich so gut, dass ich es so oder so lesen wollte. Das hielt genau so weit, wie der Klappentext die Handlung beschreibt. Danach änderte sich alles.

Man wird direkt in Dorians schwieriges Leben geschmissen und bleibt immer nah an ihm und seinen Erlebnissen dran. Man lebt mit ihm auf der Straße und später in der Villa. Man lernt mit ihm zusammen andere Jugendliche dort kennen und steht mit ihm zusammen in der Stadt, um Flugblätter zu verteilen. Es passiert so viel, dass es einfach spannend bleibt. Ich wollte so gern hinter die Beweggründe von allen und allem kommen.
Doch nachdem Dorian einem anderen Posten zugeteilt wird und nun Werbegeschenke verteilen soll, überschlagen sich die Dinge und Dorian kann nicht in die Villa zurückkehren. Ganz im Gegenteil: Plötzlich wird er erbarmungslos gejagt.

Und genau da, wo es eigentlich spannend werden sollte, flacht die ganze Geschichte für mich ab. Die Jagd beziehungsweise Flucht dauert und dauert. Es scheint sich alles zu wiederholen, die Dinge drehen sich im Kreis. Alles scheint unnötig aufgeblasen. Es ist nicht zwingend unrealistisch oder unlogisch, aber das zu lesen brachte mir keinerlei Spaß. Für mich hätte hier stark komprimiert werden müssen.

Dabei ist das Thema, das Auslöser zur Flucht war und an dieser Stelle einen Spoiler darstellen würde, wirklich spannend und modern. Noch habe ich nicht viele Bücher dazu gelesen, obwohl es ein immer größeres Thema in der Gesellschaft wird. Das war immerhin auch wirklich gut und ausführlich dargestellt.

Dorian ist zusätzlich ein toller und sympathischer Junge. Er allein war wohl der Grund, warum ich die langweilige Flucht trotzdem relativ schnell durchgezogen habe. Insgesamt waren alle Figuren einerseits authentisch und andererseits speziell und ungewöhnlich.

Insgesamt fand ich den Plot zunächst wirklich stark mit seinen vielen innovativen Ansätzen. Ich war so gespannt, wie es weitergeht und war gern bei Dorian. Doch dann musste ich mich durch die zweite Hälfte wirklich durchquälen und am Ende, das ich doch nochmal ganz ok fand, blieben einige Fragen offen.
Nein, ich bin nicht begeistert. Ein paar Punkte macht „Layers“ schon gut, aber es verliert doch auch einige.

Ursula Poznanski – Layers
Loewe, 17. August 2015
ISBN 3785582307
445 Seiten
Broschiert; 14,95 Euro

Jenny-Mai Nuyen – Heartware

Erst verdunkelt sie dein Herz, dann die ganze Welt?

Adam Eli hat seine Chance genutzt. Er ist erfolgreicher Ghostwriter, tut alles, um seine kriminelle Jugend vergessen zu machen. Eines verbindet ihn noch mit seinem alten Leben: seine große Liebe Willenya. Die letzte Begegnung liegt lange zurück, bis heute weiß er nicht, ob sie es war, die ihn damals verriet.
Antwort darauf verspricht der Internettycoon Balthus – wenn Adam sich an der Suche nach Willenya beteiligt. Denn die junge Frau hat den Prototyp einer künstlichen Intelligenz gestohlen. Um Geld zu erpressen? Oder vielleicht sogar einen Terroranschlag zu verüben?
Eine atemlose Jagd von den Urwäldern Boliviens über Dubai bis Tokio beginnt… (Klappentext)

Jenny-Mai Nuyen ist mir schon seit Jahren ein Begriff. Doch bisher habe ich weder ein Buch von ihr gelesen, noch befindet sich eines auf meinem SuB. Darum freute ich mich total, als mir ein Rezensionsexemplar zu ihrem neuen Buch – ihrem ersten Thriller – angeboten wurde.
Ich begann sofort begeistert zu lesen, denn das Buch klang laut Klappentext wirklich spannend.

Aber nun, wo ich das Buch beendet habe, beginnt mit dem Klappentext schon das erste große Ärgernis. Die Autorin kann für ihn nichts, glaube ich. Der wird meistens von anderen Leuten verfasst, aber so wie er geschrieben ist, grenzt er fast an Beleidigung für das Buch.
Eli ist kein „erfolgreicher Ghostwriter“. Er schreibt für Studenten Hausarbeiten und bekommt ein wenig Geld dafür. Nichts, was ihn reich oder rasend erfolgreich machen würde.
Zusätzlich verrät der Klappentext ein paar Geheimnisse, die die Geschichte lange für sich behält. Eines davon wird erst auf Seite 310 von 410 gelüftet. Ein großes Rätsel, das die Story am Laufen hält. Vielleicht sogar DAS große Rätsel. Und der Klappentext poltert es einfach so heraus als würde es nichts bedeuten. Das ist wirklich schade. Aber wie gesagt, das kreide ich der Autorin nicht an. Ob ich ihr dafür anderes ankreide?

Starten wir mit der Geschichte.
Das Buch beginnt mit dem großen Zusammenbruch, als für einige Stunden Strom und jegliche Technik versagte. Handys und Computer wurden schlagartig lahmgelegt. Alles sollte sich von nun an ändern.
Danach springt man zurück und steigt sieben Tage vor dem Zusammenbruch in die Geschichte ein.
Adam Eli wird von einem unbekannten kontaktiert. Adam soll seine alte Liebe Willenya Ćuruvija finden, denn sie hat etwas gestohlen, das der Unbekannte unbedingt zurückhaben will. Und ganz nebenbei könnte Eli auch endlich herausfinden, was damals in Bolivien wirklich passiert ist und warum Willenya spurlos verschwand. Und vor allem kann er endlich herausfinden, ob sie ihn wirklich geliebt hat oder ob er umsonst zehn Jahre an der Vergangenheit festgehalten hat.
Zur Seite wird ihm dabei Mariel Marigny gestellt, die nicht nur für den Unbekannten arbeitet, sondern sich auch wahnsinnig gut mit Technik auskennt. Zu zweit sollte es kein Problem sein, Willenya zu finden.

Und wenn die Geschichte nur aus diesem Teil bestehen würde, dann hätte ich das Buch richtig, richtig gut gefunden. Ich lechzte förmlich nach den Teilen, die abwechselnd aus Marignys und Elis Sicht geschrieben waren.
Leider waren diese Teile immer wieder unterbrochen durch Teile, die mit Y überschrieben waren.
Hier spielten sich Dinge ab, die ich genauso langweilig und nervig fand, wie ich die Dinge bei Eli und Marigny mochte. Immer wieder wurden neue Figuren eingefügt, manche sah man nie wieder, manche tauchten regelmäßig auf wie die Interpol-Mitarbeiter Beckblum, Dussardier und Nakamoto. Trotz unterschiedlicher Hautfarben blieben die drei farblos, eigenschaftslos, austauschbar. Klar scheint nur, dass auch sie nach Willenya suchen. Sie scheint gefährlich zu sein und damit jahrelange, ja sogar jahrzehntelange Suchen zu erfordern.
Regelmäßig dachte ich bei den Y-Kapiteln: „Bei einem Film hätte man die Szene jetzt mit dem Kommentar ‚Das bringt die Geschichte nicht weiter‘ rausgeschnitten.“
Die Verwicklungen in diesem Kapitel waren weitläufig und vor allem anfangs unübersichtlich. Auch da die drei Agenten selber keine Informationen preisgeben – oder besaßen – brachten sie keine Aufklärung für den Leser. In diesem Kapiteln wurde einfach nur die Jagd nach Willenya und später nach Eli und Mariel, die auch latent unlogisch wirkte, vorangetrieben.
Das Problem dabei ist auch, dass ich persönlich Agenten-Thriller einfach nicht mag. Mir ist diese Jagd über den Globus von Leuten, deren Motive man lange nicht versteht – die häufig ja auch einfach nur rechte Hand sind und Aufträge von oben ausfüllen – einfach zu viel. Das ist nun an dieser Stelle mein Problem und Jenny-Mai Nuyen kann dafür nichts. Mir hat das aber großflächig den Spaß am Buch vermiest.

Wofür die Autorin aber etwas kann, ist der Fakt, dass in ihrem Thriller ziemlich wenig Thrill steckte. Natürlich gab es Schusswaffen, Leichen, Angst, Verzweiflung, Jagd und Gefahr, aber es fehlte der echte Spannungsbogen. Es gab eher kurzfristige Überraschungsmomente, die die Geschichte vorantrieben und kleine Wendungen brachte.

Obwohl ich also die Storys um Eli und Mariel mochte, mochte ich die beiden nicht so richtig. Ich war einfach nur gespannt, ob sie Willenya finden. Auch Elis Vergangenheit, vor allem die Teile, die sich im Bootcamp und Gefängnis in Bolivien abspielten, waren interessant. Nur sympathisch machte das den zurückgezogenen Mittzwanziger nun so gar nicht. Er war starrsinnig, verkrampft, emotionslos und zurückhaltend. Bei Mariel war es wie bei allen anderen Figuren des Buches: Man wusste nie genau, ob sie nun Freund oder Feind ist. Nie war man sicher, ob sie nicht Teil der nächsten Wendung sein wird.

Zusätzlich machte auch die Sprache es sehr schwer, dem Buch entspannt folgen zu können. Schon auf Seite 16 stockte ich das erste Mal bei: „[…] in jenen Tagen des glückseligen Elends wusste er über Will nur, dass sie das Mysterium war, in dem er den Sinn seines Daseins fühlte und über tausend süße Augenblicke zersplittert wieder vergaß.“ Solche ausschweifenden Bilder nutzt Nuyen regelmäßig. Sätze, die man öfter lesen muss, um sie zu begreifen und die einen damit aus dem Lesefluss reißen. Doch nicht nur die ungelenk philosophischen Sätze ließen mich entnervt zurück, auch Beschreibungen, die verwirrend waren, ließen mich häufiger fragend unterbrechen. Entweder konnte ich die Handlungen einer Figur damit nicht ganz nachvollziehen oder mein innerer Film wurde aus dem Projektor geschmissen, wenn es Beschreibungen gab, die ich mir einfach nicht vorstellen konnte. So weiß ich immer noch nicht, wie ein Zimmer aussieht, in dem man geschichteten Beton sieht. Ich machte mir wirklich Gedanken, wie es da nun aussieht und sowas zerstört einfach Dinge beim Lesen.

Was bleibt also von „Heartware“ bei mir hängen? Es ist ein Thriller, der nicht spannend ist, mit Figuren, die nicht sympathisch sind. Doch zumindest eine Hälfte der Story, die über Eli und Mariel und ihre Suche nach Willenya, machte mir Spaß. Die zweite Hälfte, die sich auch mit der Suche beschäftigte, aber mit ganz anderen Mitteln, interessierte mich einfach nicht, störte mich sogar. Aber wer Spaß an großen Verschwörungen, Agenten und Technik hat, könnte auch hier Gefallen finden.
Am Ende bleibt bei mir leider nur eine mittelmäßige Bewertung von übrig.

Jenny-Mai Nuyen – Heartware
Rowohlt Taschenbuch, 21. Juli 2017
ISBN 3499267071
412 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

S. L. Grey – Under Ground

Die Angst sitzt tief
Ein tödliches Grippevirus versetzt die Welt in Panik.
Um zu überleben, begibt sich eine Gruppe Flüchtender unter die Erde.
In der abgeschotteten Welt eines Luxusbunkers glauben sie sich in Sicherheit.
Doch der schlimmste Feind lauert bereits unter ihnen.
Sie selbst…
(Klappentext)

Als ich von diesem Buch hörte, war klar, dass ich es lesen möchte. Darum freute es mich, dass ich es als Rezensionsexemplar bekommen habe. Leider dauerte es dann noch ein wenig, bis ich seinen Status von „ungelesen“ zu „am lesen“ änderte.

In den letzten Jahren haben Geschichten über große Katastrophen – man möchte fast sagen „Vom Ende der Welt“ – Hochkonjunktur. Vor allem, seit „Dystopie“ so ein beliebtes Genre geworden sind. „Under Ground“ ist ähnlich und doch ganz anders.
Die Welt ist noch nicht untergegangen, aber mit viel Pech steht es kurz davor. In Asien ist ein Grippevirus ausgebrochen, das sich rasend schnell verbreitet und dabei überaus tödlich ist. Nun ist es in Amerika angekommen.
Greg Fuller wollte einerseits vorbereitet sein und andererseits Profit machen, als er einen verlassenen Bunker kaufte und zu einem unterirdischen, sicheren Luxusquartier, dem „Sanctum“, ausbaute. Ein paar Familien nahmen viel – sehr viel – Geld in die Hand, um sich eine Wohnung in dem Bunker kaufen zu können. Sie alle ahnten nicht, dass sie so überstürzt würden einziehen müssen.
Als plötzlich einer von ihnen tot ist, steht plötzlich jeder in Verdacht, ein Mörder zu sein. Doch selbst das wird schnell nur ihr kleinstes Problem bleiben…

Das Buch spielt sich fast ausschließlich in dem Bunker ab. Dies macht zu großen Teilen den Reiz der Atmosphäre aus. Es ist eng, es gibt kein Tageslicht und es sitzen eine ganze Menge fremder Menschen aufeinander.
Die „ganze Menge“ sind genauer gesagt 17 Menschen und ein Hund. Und diese 17 Menschen lernt man ziemlich gut kennen. Anfänglich hatte ich Angst, dass es zu viele Menschen und zu viele Geschichten sind, die man durcheinanderbringen wird. Schnell stellte sich heraus, dass es kein Problem ist. Die Personen unterscheiden sich so sehr voneinander, dass man sie deutlich auseinander halten kann. Dadurch rutschten einige natürlich in Klischees, was schade, aber irgendwie auch fast unvermeidbar war. Es gibt unter anderem die religiösen, waffenfanatischen Hinterwäldler, die reichen, versnobten Anwälte und die schüchternen, computerspielenden Asiaten.
Neben dem Besitzer Greg gibt es sechs weitere Wohnparteien im Sanctum. Aus jeder gibt es einen Erzähler. Diese sechs Blickwinkel sind spannend und bieten einen umfassenden Blick über die Geschehnisse im Bunker. Durch sie lernt man die restlichen Personen auch gut kennen.
Am Ende schaffen es Sarah Lotz und Louis Greenberg, die hinter dem Pseudonym S. L. Grey stehen, jeder Figur ausreichend Platz zu geben. Und selbst die „Nicht-Erzähler“ bleiben dabei nicht blass oder flach. Jeder bekommt eine eigene Geschichte mit einer eigenen Tiefe. Dabei war dem Leser natürlich nicht jede Figur sympathisch, aber das war auch durchaus so gedacht. Nichtsdestotrotz sind ein paar Sympathieträger und somit Identifikationsfiguren dabei.

„Under Ground“ soll ein Thriller sein und die Grundzutaten sind durch den abgeschotteten Handlungsraum, den Toten und die langsam anschwellenden Panik durchaus gegeben.
Leider stellte sich bei mir nie ein Nervenkitzel ein. Und das liegt gar nicht mal daran, dass man den Erzähler oft an einer spannenden Stelle verließ. Cliffhanger sind ja nichts Schlechtes. Es lag eher daran, dass vieles logische und damit vorhersehbare Wege ging und schockierende Dinge ganz plötzlich passierten, ohne dass sich vorher ein Spannungsbogen aufbauen konnte.
Ohne zu viel von der Geschichte verraten zu wollen, kann ich trotzdem sagen, dass ich sehr interessiert weiterlas, um das Ende zu erfahren, da ich auf einige Auflösungen wartete. Auf dem Weg dahin wurde ich mit der einen oder anderen Überraschung beglückt.

Geschrieben war es in einer wahnsinnig angenehmen Art. Es gibt drei männliche und drei weibliche Erzähler, die sich 50:50 in Jugendliche (ungefähr 17 bis 19 Jahre) und Erwachsene (um die 40 Jahre) unterteilen. Jedes Kapitel war dabei sprachlich an die Person angepasst ohne dass allzu starke Unterschiede bemerkbar waren. Das war wirklich gut gemacht.

Insgesamt hatte ich erst Angst, dass es zu viele gleichwertige und -wichtige Personen in dem Buch geben wird, aber da wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Es machte mir keine Schwierigkeit, alle auseinanderzuhalten. Die Geschichte mit der Idee war gut gewählt und hatte durchaus ihre spannenden Momente. Letztendlich war es für einen Thriller aber zu wenig. Bessere Spannungsbögen hätten dem Lesevergnügen noch den letzten Kick verliehen. Ansonsten war ich die ganze Zeit interessiert beim Buch und ließ deswegen auch keine langen Lesepausen.

S. L. Grey – Under Ground
Originaltitel: Under Ground (Juli 2015)
Heyne Verlag, 14. November 2016
ISBN: 3453438108
383 Seiten
Broschiert, 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Sebastian Fitzek – AchtNacht

Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Todeslotterie. Sie könnten den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen. In der »Achtnacht«, am 8.8. jeden Jahres, würde aus allen Vorschlägen ein Name gezogen. Der Auerwählte wäre eine AchtNacht lang vogelfrei, geächtet. Jeder in Deutschland dürfte ihn straffrei töten – und würde mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankenspiel.
Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.

Und Ihr Name wurde gezogen!
(Text der Titelklappe)

Sebastian Fitzek ist und bleibt einfach mein Lieblingsautor. Umso besser, dass meine Freunde das auch wissen und mir die Bücher zu den entsprechenden Gelegenheiten schenken. So bekam ich „AchtNacht“ als Vorbestellung zu Weihnachten von einer meiner Liebsten.
Die Enttäuschung darüber, dass die Thematik ziemlich vom Film „The Purge“ abgekupfert ist, war auch bald verflogen, als Sebastian Fitzek ebenjenes bestätigte. Er hatte den Film gesehen und überlegte, wie es wohl wäre, wenn es kein „Jeder gegen Jeden“ in der Zukunft, sondern ein „Alle gegen Einen“ in der Gegenwart geben würde. So war ich auch damit versöhnt.

Und dieser Eine ist Ben Rühmann. Eine gescheiterte Existenz. Seine Familie ist von ihm enttäuscht, er ist dem Alkohol zu sehr zugetan, seine Musikkarriere ging jäh zu Ende, als er einen Unfall verursachte, bei dem seine Tochter beide Beine verlor. So ist er auch nur mäßig überrascht, dass ihn jemand so sehr hasst und ihn tot sehen will. Mehr überrascht ist er darüber, dass er eben doch nicht der Einzige ist. Auch die junge Psychologiestudentin Arezu Herzsprung wurde ausgelost. Da die AchtNacht-Jäger auf der AchtNacht-Homepage alles posten, was sie über die beiden wissen – inklusive Adressen, Familienangehörige, Telefonnummern und aktuellem Aufenthaltsort – dauert es nicht lange, bis die beiden sich finden und versuchen, zusammen die Nacht zu überstehen. Immer mit einem wütenden Mob im Nacken.

Ich mag die Idee des Buches. Ich mochte sie nämlich schon bei „The Purge“. Auf den ersten Blick wirkt sie irritierend und abwegig, aber umso länger man darüber nachdenkt, umso weniger unwahrscheinlich wird sie. Einmal im Jahr alle Aggressionen rauslassen – und das auch noch straffrei. Und zusätzlich gibt es 10 Millionen Euro. Da würden sicher einige Menschen dafür sein.
Ben und Arezu haben Glück. Nicht alle glauben, dass die Regierung die AchtNacht unterstützt, so wie es kommuniziert wird. Aber es tun doch genügend. Und auch wenn sie vielleicht nicht daran glauben, für Mord Geld zu bekommen, so erfreuen sich doch viele daran, den beiden AchtNächtern Angst zu machen.
Eigentlich liegt hier ein hohes Spannungspotenzial, doch seltsamerweise konnte es mich nicht packen. Die Jagd entwickelt sich nicht nur zu einem Katz-und-Maus-Spiel, sondern es werden auch noch viele Unbeteiligte mit hineingezogen, um deren Sicherheit Ben und Arezu zusätzlich bangen müssen. Das macht sie zum idealen Spielball für allerlei Irre. Trotzdem kam kein Nervenkitzel auf. Nur gesteigertes Interesse.

Dieses Interesse hielt sich bis kurz vor der Hälfte des Buches. Bis dahin las ich in einem Rutsch. Doch dann passierten Dinge, die mich nervten. Dinge, die ich unlogisch fand. Ich hätte an vielen Stellen andere Entscheidungen getroffen als Ben und Arezu und das ernüchterte mich zusehends. So kam es, dass ich das Buch meines Lieblingsautors tagelang ungelesen liegen ließ. Ab der Hälfte wurde es also schleppend.
Die letzten 70 Seiten las ich dann wieder am Stück, da der Showdown doch noch einige Überraschungen bereithielt. Es wurden auch Dinge aufgelöst, nach denen ich gar nicht gefahndet hatte. Überraschende Überraschungen waren das also für mich.
Doch dann kam der große Knall und ich war fast empört. Die Auflösung war für mich ein riesengroßer Logikfehler. Das Thema, um das es letztendlich geht, interessiert mich nämlich schon lange und ich habe viel darüber gelesen und wahre Geschichten darüber verfolgt. Und darum steht für mich fest, dass Sebastian Fitzek es vollkommen falsch darstellt. So, wie es bei AchtNacht ist, ist das in der Realität nicht. So geht das nicht. In der Danksagung spricht er davon, dass ihm Spezialisten seine Fragen beantworteten. Aber alles, was man sonst dazu liest, ist komplett anders. Und ich tippe darauf, dass da eben ALLE ANDEREN Recht haben und Sebastian Fitzek nun leider nicht.
Dazu kommen weitere Ungereimtheiten und Logikfehler, die mich nur mit dem Kopf schütteln ließen.
Ich habe auch mit anderen Lesern gesprochen – die Fragen waren dort dieselben.

Apropos „dieselben“: Ben war wieder ein typischer Fitzek-Charakter, der so schon in vielen seiner Bücher vorkam. Sie haben immer große familiären Problemen, unglückliche Beziehungen, Schwierigkeiten mit Geld und dem Alkohol – Gescheiterte. Gerade die männlichen Hauptcharaktere der Bücher scheinen alle miteinander austauschbar – aber trotzdem nicht flach. Tiefgründig sind sie immer sehr. Auch dieses Mal. Auch die kleineren Rollen kommen nicht zu kurz, sondern bieten etwas Greifbares.

Was aber wieder wirklich einmalig war, war der Schreibstil. Er ist so flüssig, so weich und wohlig. Ich merke kaum, wie ich lese. Nie muss ich stolpern, nie irritieren mich Formulierungen oder Aussprachen. Er schafft es trotz Schwächen in der Story und der Personenwahl, dass sich Fitzek-Bücher schnell und problemlos lesen lassen.

Und das ist, was mir als Zusammenfassung zu „AchtNacht“ bleibt. Die Idee ist spannend und lässt einen auch sich selber Fragen: „Was würdest du tun? Wären 10 Millionen Euro es dir wert, einen Menschen umzubringen, den du nicht kennst?“. Doch leider fesselte mich der Verlauf der Geschichte nicht so sehr, wie er es hätte tun können.
Die Figuren waren nicht blass, aber charakterlich altbekannt.
Aber ganz am Ende, da ließ sich das Buch trotzdem wunderbar lesen. Trotzdem waren die Schwächen für mich so gravierend, dass ich einiges von der Höchstbewertung abziehe.

Sebastian Fitzek – AchtNacht
Knaur TB, 14. März 2017
ISBN 3426521083
408 Seiten
Taschenbuch; 12,99 Euro

Weitere Bücher des Autoren (klicke für die Rezension):

S. K. Tremayne – Stiefkind

tremayne_stiefkind

Ich sehe was, was du nicht siehst – und das ist dein Tod

Ein traumhaftes Leben malt Rachel sich aus, als sie mit ihrem neuen Mann und dessen Sohn in deren Herrenhaus in Cornwall zieht. Doch der 9-jährige Jamie ist nicht wie andere Kinder. Er scheint zu sehen, was die nahe Zukunft bringt… und das ist Rachels Tod. (Klappentext)

Nachdem mir “Eisige Schwestern” von S. K. Tremayne nicht den Atem verschlagen, aber doch gut gefallen hatte, habe ich mich sehr gefreut, dass ich „Stiefkind“ bei Vorablesen gewonnen habe.

Rachel ist zu ihrem Frischangetrauten, David Kerthen, von London hinaus nach Cornwall gezogen. In das Herrenhaus Carnhallow, das seit über tausend Jahren von den Kerthens bewohnt wird. Es heißt, die Vorfahren ließen sich genau dort nieder, weil sie hellsichtig war: Sie sahen, dass den rauen Felsen in Zukunft Mineralien entlockt werden können. Die errichteten Minen brachten der Familie Reichtum und nahm David seine erste Frau. Doch stimmen die Legenden über die Familie? Waren sie hellsichtig? Denn wenn das stimmt, kann der junge Jamie dann seiner neuen Stiefmutter die Zukunft voraussagen? Kann er vorhersehen, dass sie an Weihnachten tot sein wird?

„Stiefkind“ nimmt sich Zeit. Vor allem in der erste Hälfte wird viel Wert auf die Beschreibung der Landschaft gelegt, auf die Beschreibung der neuen Familie, auf die Beschreibungen von Nina Kerthen, Davids erste Frau. Während die Verhältnisse innerhalb der Familie durchaus interessant waren, wiederholte sich die Landschaft permanent. Es gab keinen Felsen, keine Mine, keine Welle, die nicht schon ein paar Seiten weiter vorn beschrieben worden war.
Die erste Hälfte des Buches entfaltet sich dementsprechend langsam. Es ist nicht so, dass der Teil langweilig oder zäh wäre, aber er war eben auch nicht so nervenkitzelig, wie er hätte sein können.

Dafür holten mich der Nerkenkitzel und die Aufregung in der zweiten Hälfte des Buches total ein. Lange saß ich nicht mehr so mit Herzklopfen beim Lesen und hatte fast Angst, die nächste Seite umzublättern. Ich entwickelte parallel zu Rachel eine Angst vor Carnhallow House, in dem so seltsame Dinge vor sich gingen.

Neben den ganzen Beschreibungen wurde auch den Figuren viel Zeit eingeräumt. Dies führt dazu, dass ich der Meinung bin, jede Figur wirklich begriffen zu haben. Die oberflächliche Schönheit und die tiefen, dunklen Winkel lässt S. K. Tremayne den Leser sehen. Dabei schaffte er interessante Figuren, die vielschichtig und authentisch wirkten.
Weniger authentisch waren hingegen die Dialoge. Sie wirkten streckenweise hölzern und plump. Regelmäßig dachte ich: „So würde niemand reden. Und schon gar nicht mit einem Kind.“

Der Herbst und der Winterbeginn im Buch transportierten eine Stimmung, die perfekt zur Geschichte passte. Alles war düster, kalt, klamm.
Von der Story an sich war ich zusätzlich begeistert. Ein Thriller im Umfeld von Bergbau kommt nicht häufig vor. Mir fiel sofort nur „Nacht unter Tag“ von Val McDermid ein, das jahrelang auf meiner Wunschliste stand, bevor es irgendwann doch uninteressant für mich wurde. Und gruselige – in diesem Fall möglicherweise hellsichtige – Kinder versprühen auch immer einen gruseligen Charme.

Ich hatte mir also eventuell etwas mehr vom Anfang versprochen, wurde dann aber ab der Hälfte des Buches versöhnt, als e wirklich spannend, aufregend und undurchsichtig auf eine gute Art und Weise wurde. Wie die Hauptpersonen verlor ich meine Sicherheit. Ich wusste nicht, wem ich vertrauen konnte, welche Wahrnehmungen der Wahrheit entsprachen. Ich versuchte die ganze Zeit die Fäden wieder zusammenzuführen und die losen Enden fest in der Hand zu halten. Doch das Buch schlägt sie einem nach und nach wieder aus der Hand. Immer tiefer gerät man in den Strudel, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Doch das Buch hat keine 400 Seiten. Der Leser weiß, es gibt ein Entrinnen oder zumindest ein Ende.
Und wie schon bei „Die Eisigen Schwestern“ war ich davon enttäuscht.
Die Auflösung wirkte konstruiert und ohne erkennbare Hinweise plötzlich auftauchend. Doch damit hätte ich mich noch arrangieren können, wenn der Autor nicht wichtige Hinweise – für mich zum Teil sogar die wichtigsten Hinweise für einen bestimmten Geschichtsausgang – einfach fallengelassen hätte. Sie fielen einfach unter den Tisch. Vielleicht weil die so klar waren, dass man sie nicht wegdiskutieren konnte – und sie somit nicht zum Ende gepasst haben.

Das Ende enttäuschte mich also etwas, auch wenn es grundsätzlich natürlich nicht verkehrt war und auch noch Überraschungen bereit hielt. Aber mit dem Konstruieren und Nur-die-Hälfte-Auflösen konnte ich nichts anfangen.
Trotzdem bekommt „Stiefkind“ 4 Sterne von mir. Das Buch riss mich einfach phasenweise so sehr mit, dass diese Spannung das für mich wert ist.

S. K. Tremayne – Stiefkind
Originaltitel: The Fire Child (Juni 2016)
Knaur, 1. Dezember 2016
ISBN 3426516624
387 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Weitere Bücher des Autoren (klicke für die Rezension):

Renate Eckert – Novemberfeuer

Eckert_Novemberfeuer

Im Elite-Internat Wetterstein bei Schweinfurt wagt die Deutschlehrerin Franziska nach einer gescheiterten Ehe einen Neubeginn. Ihre 16-jährige Tochter Hannah ist alles andere als begeistert von dem Umzug in das alte Schloss.
Franziskas erfolgreicher Neustart wird jäh gestoppt, als einer ihrer Schüler vom Turm des Schlosses stürzt. War es Selbstmord? Mord? Hat sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt? Die Polizei ermittelt.
Franzsikas Glaubwürdigkeit, ja ihr ganzes neues Leben sind in Gefahr. Bei ihren Nachforschungen gerät sie in ein Labyrinth aus persönlichen Konflikten, dubiosen Machenschaften im Lehrerkollegium und sorgsam gehüteten Geheimnissen. Und ein mysteriöser Unbekannter kommt ihr und ihrer Tochter immer näher… (Klappentext)

Ich kann es nicht oft genug erwähnen: Mit zwei Büchern aus dem Hause „mainbook“ hatte ich schon sehr viel Spaß. Nach „Das Ende vom Lied ist kein schlechter Anfang“ und „Schattentour“, hoffte ich auf ein Weiterführen der Glückssträhne mit „Novemberfeuer“.
Das Internatsthema sprach mich sofort an. Ich fühlte mich in meine Kindheit und Jugend zurückversetzt. Warum auch immer. Ich war nämlich weder in einem Internat, noch habe ich damals Bücher, die dort spielen, gelesen. Aber egal, ich war sehr gespannt. Vor allem stehe ich auch einfach auf Psychothriller.
Die Ausgangssituation war also äußerst vielversprechend.

Die Story wurde dann sehr langsam eingeführt. Es dauert nicht lang, bis Franziska ihre Stelle im Internat Wetterstein antritt, doch dann wird dem Kennenlernen sehr viel Zeit eingeräumt. Man lernt ihre „Familie“ – also die Schüler, für die sie die Verantwortung hat – kennen, die Lehrer und die allgemeine Situation zwischen all den Personen.
Erst genau bei der Hälfte des Buchs stürzt der Schüler vom Turm. Bis dahin war wenig vom „Psychothriller“ zu sehen. Doch auch danach fehlte der Thrill. Denn auch wenn tatsächlich Gefahr für Franziska bestand, waren ihre Nachforschungen bei Weitem nicht so tiefgreifend, wie ich gedacht hätte. Alles blieb ein wenig oberflächlich.

Die Spannung war also so gut wie nicht vorhanden. Vor allem, da die Hinweise im Buch mit dem Holzhammer geliefert wurden, war mir schon am Anfang des Buches klar, wer später als der oder die Böse präsentiert wird.
Insgesamt empfand ich das Buch also keineswegs als Psychothriller.

Die Figuren wurden alle sehr gut eingeführt und trotz der schieren Menge an Lehrern und Schülern kann man sie relativ gut auseinanderhalten. Dazu hat sich die Autorin den einen oder anderen Kniff ausgedacht, der es dem Leser einfacher machte.
Trotzdem konnte ich weder zu der Hauptfigur Franziska, noch zu ihrer Tochter, ihren Schülern oder irgendeiner anderen Figur eine Verbindung aufbauen. Alle blieben auf Distanz und auch wenn Innenansichten geliefert wurden, blieben die Figuren kühl.
Da half es auch nichts, dass das Buch ab und zu mal aus der Perspektive einer anderen Figur als Franziska geschrieben wurde.

Wenn mich nun also die Idee der Geschichte überzeugte, blieb die Umsetzung doch ziemlich fad und auch die Figuren überzeugten mich nicht.
Was aber alles noch viel, viel schlimmer machte, war die Sprache. Auf jeder einzelnen Seite schüttelte ich genervt den Kopf.

Renate Eckert ist 1946 geboren, war also beim Schreiben des Buches schon fast 70 Jahre alt.
Ich könnte wetten, dass sie eine sehr intelligente, belesene Frau ist und das merkt man an jeder Ecke des Buches. Es passt aber einfach nicht. Franziska, die Mitte 40 ist, redete und dachte schon sehr altmodisch, aber auch den Jugendlichen hat sie keine wirklich moderne Sprache geben. Ein einzelnes „Also chille runter, Mum.“ (S. 194) machte es fast noch ein wenig peinlicher.
Insgesamt wirkte die Sprache verkrampft, gestelzt, unmodern und zwanghaft nach Synonymen suchend. Bei Dialogen gab es keinen natürlichen Fluss.
Allein auf den ersten paar Seiten gab es schon unangenehme Ausdrucksweisen:

• „eine Spur einstiger Grandezza“ (S. 7)
• „eine lebhaft geführte Debatte“ (S. 12)
• „sein Augenspiel war weit entfernt gewesen von einem Flirt“ (S. 12)
• „sie […] maßregelte sich ernsthaft“ (S. 12)
• „Die Art von Schuhen werde ich mir wohl abgewöhnen müssen […], argwöhnte sie“ (S. 14)
• „mir das Arrangement durch den Kopf gehen zu lassen“ (S. 18)
• „Franziska nahm die dargebotene Hand“ (S. 19)
• „‘ Danke Frau Mettmann‘, beschied sie der Direktor“ (S. 20)

Und wenn später von Bangigkeit, laut palavernden Menschen, einer frechen Leinentunika und Gardinenpredigten gesprochen wird, bleibt die Sprache unangenehm.
Für mich wirkte sie sich auch negativ auf den Inhalt aus, weil er mir so weniger Spaß machte, und auch auf die Figuren, da ich mich mit so unnatürlich sprechenden Menschen nicht identifizieren kann.

Bis zum Ende fragte ich mich auch, warum das Buch nun „Novemberfeuer“ heißt. Es ging weder um Feuer, noch explizit um den November.

Fehlender Thrill, distanzierte Personen und unangenehme Sprache. Leider konnte mich „Novemberfeuer“ so gar nicht begeistern. Die Story war nicht mal schlecht, anders geschrieben, wäre sie sicher interessant gewesen. Nicht unbedingt sehr viel spannender, dazu war die erste Hälfte des Buches allein schon zu lahm, aber doch sicher gut zu lesen.

So fand ich das Buch – ganz abgesehen von der Sprache – nett, aber leider nicht mehr. Da hilft es auch nicht, dass mein Lieblingsautor Sebastian Fitzek das Buch als „intelligente, spannende Unterhaltung“ lobt. 2 Sterne

Renate Eckert – Novemberfeuer
mainbook, 30. April 2016
ISBN 394641303X
229 Seiten
Taschenbuch; 10,70 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Alexandra Burt – Remember Mia

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Was habe ich getan?
Ein Baby verschwindet spurlos aus einem New Yorker Apartment. Tage später wird die Mutter schwerverletzt aus dem Wrack ihre Wagens geborgen – meilenweit von New York entfernt. Estelle leidet an Amnesie und kämpft verzweifelt darum, ihr Gedächtnis wiederzuerlangen. Was ist mit ihrem Kind geschehen? Hat jemand das Baby entführt? Oder – hat sie selbst etwas mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun? (Klappentext)

Lange habe ich keinen richtigen Thriller mehr gelesen. Umso mehr freute ich mich, dass ich „Remember Mia“ bei Vorablesen gewonnen habe. Glücklich begann ich gleich zu lesen in der Hoffnung, dass ich da ein spannendes Werk in den Händen halte.

Die Story war zumindest sehr geeignet, um aufregend zu werden.
Estelle wacht ohne Gedächtnis in einem Krankenhaus auf. Ihre schweren Verletzungen könnten von einem Selbstmordversuch stammen. Oder von einem Unfall. Die Ärzte können es schwer sagen. Noch schwerer, da Estelle selber keine Erinnerung hat. Auch die Tage vor dem Unfall sind aus ihrem Gedächtnis verschwunden. Nur eine Wahrheit drängt sich vor den Schleier aus Vergessen: Ihre sieben Monate alte Tochter Mia ist verschwunden. Plötzlich war das Kinderbett leer, alle Kleidungsstücke verschwunden, selbst die Windeln und Fläschchen fehlten. Auch die Türen und Fenster sind geschlossen und zeigen keine Anzeichen von Einbruch. Was ist also mit Mia passiert?

Schon auf der ersten Seite war ich von der Geschichte gefangen genommen.
Estelle sprühte eine Mischung aus Verzweiflung und Humor aus, die mir sehr sympathisch war. Ich wollte ihrer Geschichte folgen und mit ihr zusammen herausfinden, was mit ihrem Baby geschehen ist.
Dazu taucht man nach und nach immer tiefer in ihre Vergangenheit ein. Verfolgt ihre Geschichte, deckt Schicht für Schicht auf. Kommt dem Geheimnis immer näher.

Die Beschreibungen über die Mutter-Kind-Beziehung, die mehr durch Schwierigkeiten als durch Glück geprägt war, wurde sehr intensiv beschrieben. Selbst, wenn man kein Kind hat, kann man alles nachvollziehen, kann mitfühlen, mitleiden.

Schnell baute sich die Spannung auf. Ich wollte immer weiter lesen und alles erfahren. Ich war begeistert von der Geschichte. Auch wenn die Spannung deutlich anstieg, blieb sie relativ schnell auf einem mittelhohen Level stecken. Es gab dann aber immer mal wieder Überraschungen und Entdeckungen, die der Geschichte wieder frischen Wind gaben. Obwohl die Spannung nicht nervenzerreißend war, war sie ausreichend, um mich zum ständigen Weiterlesen zu animieren. Die letzten 200 Seiten las ich beispielsweise in einem Rutsch.

Das, was mich wohl am meisten an dem Buch störte, waren die vielen unlogischen Handlungsweisen von Estelle. Doch positiv war wiederrum: Auch Estelle war von ihren unlogischen Handlungen genervt. Sie reflektierte das sehr genau und deswegen sah es nicht nach unfähigem Autor aus, sondern war wirklich so gewollt. Das machte es etwas besser.

Die Atmosphäre war düster, verwirrt, verzweifelt und insgesamt sehr, sehr dunkel. Es ist, als würde das Buch den Leser tief ins Meer ziehen, man friert und kann nicht atmen und darf erst wieder aufsteigen, wenn die letzte Seite gelesen ist.

„Remember Mia“ hat mir wirklich gut gefallen. Ich mochte die verwirrende Geschichte um das fehlende Kind, ich mochte die Beschreibungen von Estelle, ich tauchte gern in ihre Vergangenheit.
Insgesamt fesselte mich das Buch, aber die Spannung hätte für meinen Geschmack gern noch höher sein können. Außerdem störten mich die abwegigen Handlungen von Estelle, auch wenn sie diese selbst reflektierte. Insgesamt gibt es aber gute 4 Sterne.

Alexandra Burt – Remember Mia
Originaltitel: Remember Mia (Juli 2015)
dtv, 22. April 2016
ISBN 3423261013
383 Seiten
Broschiert; 14,90 Euro

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