Rainbow Rowell – Fangirl

Lesen und schreiben, das ist Caths Welt. Und Fanfiction ist ihr Zuhause. Hier kann sie ihre Fantasie ausleben und sein, wer sie will. Doch das wirkliche Leben fordert Taten von Cath. Ist sie bereit dafür? (Klappentext)

Selten bekomme ich mit, welche Bücher in den englischsprachigen Bestsellerlisten Aufsehen erregen. Doch von „Fangirl“ hatte sogar ich gehört und so war ich wahnsinnig froh, dass ich es bei Vorablesen gewonnen habe.

Für die Zwillingsschwestern Cath und Wren beginnt eine neue, spannende Zeit: Sie kommen auf das College. Doch plötzlich ändert sich alles. Die beiden wohnen nicht mehr zusammen, sie haben verschiedene Kurse und langsam auch verschiedene Leben. Das passt vor allem Cath nicht, der neue Situationen und Menschen Angst machen. Und dann ist da ja auch noch ihre neue Mitbewohnerin Reagan, die Cath ganz deutlich zeigt, dass sie niemanden mag außer ihren Freund Levi, der so häufig im Zimmer der Mädchen ist, dass er fast schon dort wohnt.

Im Prinzip findet sich in „Fangirl“ eine gängige Coming-of-Age-Story. Ein neuer Lebensabschnitt, neue Freunde, neue Erfahrungen. Doch Rainbow Rowell garniert das mit zwei besonderen Zutaten: Zwillingsschwestern und Fanfiction.
Vor allem zweites nimmt nicht nur einen großen Teil von Caths Leben ein, sondern auch des Buches. Caths Gespräche drehen sich viel um den Zauberer Simon Snow, der ein riesiger Teil der Popkultur ist.
Jedem der 38 Kapitel ist ein Auszug aus Caths Fanfintion oder ein Teil aus den regulären Büchern um den Magier vorangestellt
Und in diesen Teilen liegt für mich die größte Schwäche des ganzen Buches.
Fanfiction an sich ist ja ein tolles Thema und gerade für Menschen, die gern lesen und sich in fremden Welten verlieren, interessant. Doch Simon Snow konnte mich nicht packen.
Die Auszüge waren unvermittelt herausgerissene Teile. Nach und nach erschlossen sich zwar die Figuren und Beziehungen zueinander, aber Spaß machten sie mir nie.
Mein größtes Problem mit Simon und seinem Erzfeind Baz bestand jedoch an der gnadenlosen Nähe zu Harry Potter. Es gibt sieben Bücher mit jeweiligen Verfilmungen. Simon ist ein Waise, dessen Zauberschule eine Festung ist. Er ist schon als Junge ein bekannter Zauberer. Er hat eine lernbegierige Freundin. Er hat einen Erzfeind an der Schule. Der größte Feind der Zauberei hat Interesse an ihm. Ein Schmelzkessel lost die Zimmergenossen zu.
Vielleicht sollte da ja eine deutliche Parallele zur Realität mit dem Harry-Potter-Universum geschaffen werden, aber mich persönlich störte es. Mir wäre es lieber gewesen, wenn Rainbow Rowell sich eine neue Welt hätte einfallen lassen. Das hat sie ja auch zu Teilen. Für mich aber zu wenig.

Zeitgleich mit „Fangirl“ erschien auch „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“. Ein Buch über ebenjenen Zauberer. Da mich die Teile in „Fangirl“ nicht begeistern konnten, habe ich aber kein Interesse, es zu lesen.

An der Stelle ist es aber auch schon vorbei mit den Schwächen diesen Buches.
Der Rest begeisterte mich durchweg.

Mit Cath wurde eine Figur mit vielen Schwächen, Ecken und Kanten geschaffen und deswegen war sie umso besonderer und echter. Viele ihrer Ängste und Sorgen konnte ich vollkommen mitfühlen. Nicht selten erkannte ich mich – oder mein früheres Ich – in ihr.
Und auch wenn viele Personen um sie herum schwer als Sympathieträger durchgehen können, habe ich sie alle gern gemocht. Und in den immer lächelnden und herzlichen Levi habe ich mich vielleicht sogar ein kleines bisschen verliebt.
Ich freute mich auf jedes neue Kapitel und jede Begegnung mit Reagan, Wren, ihrem Vater, Levi, Lehrern oder Kommilitonen, denn Cath hatte zu jedem eine einzigartige Beziehung.

Dementsprechend spannend war es für mich, die Entwicklungen zwischen den Figuren zu beobachten. Und es wird sich viel entwickelt in diesem Buch. An allen Ecken. Familie, Freundschaft, Liebe – alles spielt mit rein und durchläuft logische, nachvollziehbare und vor allem interessante Änderungen.
Durch diesen Umstand habe ich zum ersten Mal etwas beim Lesen erlebt. Ich hatte Angst vor der Zukunft des Buches. Ich habe mir wirklich Sorgen um die Figuren gemacht. Ich wollte keinen auf dem Weg zur letzten Seite verlieren. Ich hatte wirklich Furcht, dass jemand stirbt, jemand sich von Cath abwendet oder sonst etwas passiert, was mir noch nicht in den Kopf kam. So etwas kenne ich nicht. Ich habe ständig gehofft, dass „Fangirl“ ein gutes Ende nimmt.

Sprachlich ist das Buch klar ein Jugendbuch: schnell und einfach zu lesen. Und doch gab es einige Sätze, die wundervolle Weisheiten waren. Wäre ich jemand, der sich Zitate aus Büchern herausschreibt, hier hätte ich einiges gefunden. Einige kleine Perlen.

Und das ist wohl das, wie ich das Buch in Erinnerung behalten werde: Eine Geschichte über die Anfänge des Erwachsenwerdens, ohne die Leidenschaft für Dinge, die einem am Herzen liegen, zu verlieren. Ein Buch über Figuren, die den Leser berühren und dabei in besonderen Beziehungen zueinander stehen ohne still zu stehen. Eine Story, die es sich zu lesen lohnt. „Fangirl“ hat mich emotional an sich und die Personen gefesselt, wie ich es selten beim Lesen erlebe.
Vor allem die starke Nähe zu Fanfiction macht das Buch zusätzlich besonders. Nur ausgerechnet DIESE Fanfiction hat mir nicht zugesagt. Deswegen ziehe ich ein wenig von der Höchstbewertung ab. .

Rainbow Rowell – Fangirl
Originaltitel: Fangirl (September 2013)
Carl Hanser Verlag, 24. Juli 2017
ISBN: 3446257004
461 Seiten
Gebunden, 18,00 Euro

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Lea-Lina Oppermann – Was wir dachten, was wir taten

»Kann sein, dass es dich verändert. Kann sein, es lässt dich kalt. Kann sein, dass du schon davon gehört hast, im Fernsehen oder in den Schlagzeilen. So viele Reporter, die darüber berichtet haben, Fotos geknipst und mit dem Rektor gesprochen… Wenn ja, vergiss es, nichts davon ist wahr.
Wir werden dir erzählen, was wirklich passiert ist. Wir waren dabei.« (Klappentext)

Bücher über Amokläufe sind selten. Umso glücklicher war ich, dass ich noch während meiner Lektüre eines anderen Amoklauf-Buches über „Was wir dachten, was wir taten“ stolperte und direkt bei BELTZ anfragte, ob sie so freundlich wären und mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellen würden. Als ich zwei Tage später das Buch aus meinem Briefkasten angeln konnte, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Ohne Umschweife war es direkt meine nächste Lektüre.

Es ist ein ganz normaler Schultag. Zumindest so normal, wie es sein kann, wenn gleich morgens eine Matheklausur geschrieben werden muss. Die vierzehn Schüler werden in ihrer Konzentration jäh unterbrochen, als eine Warnung durch den Lautsprecher schallt. Ein schwerwiegendes Sicherheitsproblem sei aufgetreten und die Türen seien geschlossen zu halten. Es dauert nicht lang, da machen erste Gerüchte über einen Amoklauf die Runde. Und kurz danach schafft es eine maskierte Person, in den Klassenraum einzudringen und alle mit einer Waffe zu bedrohen. Zehn Briefe werden dem Lehrer Herrn Filler gegeben. In den Briefen stecken zehn Aufgaben. Aufgaben, die erbarmungslos die Geheimnisse aller ans Tageslicht bringen.
Und allen ist klar: Egal wie es ausgeht, nichts wird mehr sein, wie es war.

Die Geschichte spielt sich in einem kurzen Zeitraum auf kleinem Raum ab. Es gibt kein Vorher und kein Nachher. Es dreht sich alles um den einen Klassenraum und das Geschehen darin. Ein wenig wirkt die Welt wie eingefroren und als Leser ist man ebenso wie die vierzehn Schüler und der Lehrer auf die Person mit der Maske, den Pistolenmann, fokussiert.
Erzählt wird die Geschichte dabei abwechselnd aus drei Perspektiven. Die kluge und strebsame Fiona, der aufmüpfige Einzelgänger Mark und Herr Filler kommen zu Wort.
Das Buch ist mit 179 Seiten relativ kurz, doch dadurch rollt die Geschichte auch schnell an. Man beginnt mitten in der Klausur und schon bald steht der Pistolenmann mit im Raum.
An Spannung fehlt es also allein von der Grundthematik her schon nicht. Man möchte wissen, wer hinter der Maske steckt und warum er so etwas tut. Vor allem: Wird es Tote geben?
Die Aufgaben bringen dann den zusätzlichen, besonderen Kick. Als Leser konnte ich es kaum erwarten, dass die eine Aufgabe beendet wurde und Herr Filler den nächsten Umschlag öffnete.
So wird auch alle paar Seiten eine echte Überraschung geboten. Einige Wendungen ergeben sich und dabei war keine unrealistisch oder überzogen. Ein überaus kluger Kniff der Autorin!

Trotz der dramatischen Situation fehlte es dem Buch auch nicht an – wohl dosiertem und äußerst passendem – Humor. Vor allem die sarkastischen Schüleräußerungen entlockten mir einige Lacher. Dabei lockerte es die Situation nicht zwingend auf, aber machte sie realer. Ganz sicher wird der eine oder andere Jugendliche sich auch in so einer Situation bestimmte Sprüche nicht verkneifen können.

Und das machte für mich einen großen Teil des Charmes des Buches aus: Die Figuren wirken echt. Es
werden zwar einige Klischees, wie das unsichere Pummelchen, die dumme Sportskanone, die schöne Zicke oder der angepasste Lehrerliebling, bedient, nur kommen diese Klischees ja auch nicht von ungefähr. Diese Schülercharaktere lassen sich sicher in den meisten Schulklassen tatsächlich finden. Von daher war es ok und machte die vierzehn Leute auch einfach unterscheidbar.
Damit bietet sich viel Identifizierungspotenzial und jeder Leser, egal ob männlich oder weiblich, kann jemanden finden, mit dem er sich verbunden fühlt.
Da es nicht wirklich um die einzelnen Schüler an sich geht, liegt auf ihnen auch kein Fokus. Neben der aktiven Handlung wird wenig nach links und rechts geschaut, sprich auf die persönlichen Geschichten eingegangen. Durch die Gedanken lernt man natürlich die drei Erzähler am besten kennen, doch auch die anderen Charaktere werden in kleinen Stücken offenbart. Es bleibt niemand wirklich blass oder platt, aber man lernt auch niemanden in der vollkommenen Breite kennen. Das ist aber vollkommen ok und angemessen bei dieser Story.

Die Sprache war für mich besonders und ließ das Buch ebenso wie die Figuren lebensnah wirken. Wenn Dinge, die runterfallen auftitschen und Regentropfen pladdern, fühle ich mich glatt etwas heimisch. Das mag auch daran liegen, dass die 18-jährige Autorin aus Berlin stammt.
Die Schreibweise ist jung und frisch und an den richtigen Stellen umgangssprachlich. Mir machte es Spaß, das zu lesen.

Überhaupt habe ich das Buch sehr gern gelesen, auch wenn es durch die Kürze und eher große Schrift relativ schnell vorbei war. Lea-Lina Oppermann beweist Fingerspitzengefühl bei so einem sensiblen Thema, schafft Figuren, die trotz weniger Informationen nicht platt wirken und packt alles in eine spannende und interessante Geschichte, die zum Weiterlesen animiert. Das Thema Schulamoklauf ist wichtig, vor allem aber seine Hintergründe.
Und genau an der Stelle komme ich zu dem einzigen größeren Kritikpunkt: Der Hintergrund des Amoklaufs, sprich die Motive des Amokläufers. Sie kamen letztendlich durch, aber für mich hätten sie noch deutlicher benannt werden können. Es blieb alles ein wenig wischiwaschi, manches wurde eher angedeutet. So blieb bei mir am Ende die Frage: Waren DAS wirklich Gründe für so eine Tat?

Daneben gibt es nur noch zwei kleinere negative Punkte: Die Kürze des Buches und die fehlende emotionale Bindung. Dadurch dass man direkt mitten in der Geschichte ist und keinen Schüler näher kennenlernt, konnten mich Geschehnisse weniger schockieren. Ich wurde an vielen Stellen nicht so richtig mitgerissen. Das tat der Spannung zwar keinen Abbruch, aber obwohl in der Geschichte an sich Herzbruch-Potenzial liegt, wurde es nicht genutzt.

Aber ganz am Ende, da war bei „Was wir dachten, was wir taten“ auch ein wenig der Weg das Ziel. So gespannt ich war, wer nun hinter der Maske steckt und warum er die Klasse bedroht, so gespannt war ich auch auf jede einzelne Aufgabe.
Das Buch konnte mich nicht bis ins kleinste Detail überzeugen, aber insgesamt hat es sehr, sehr viel richtig gemacht. Ich kann verstehen, dass die Autorin für dieses Debüt gleich mit dem Hans-im-Glück-Preis für Jugendliteratur ausgezeichnet wurde. Von mir gibt es .

Lea-Lina Oppermann – Was wir dachten, was wir taten
Beltz & Gelberg, 17. Juli 2017
ISBN 3407822987
179 Seiten
Broschiert; 12,95 Euro

Ich lese jetzt „Fangirl“ von Rainbow Rowell

Mit „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp und „Was wir dachten, was wir taten“ von Lea-Lina Oppermann habe ich nun zwei Bücher hintereinander gelesen, die noch nicht erschienen sind, deren Rezensionen ich also noch nicht veröffentlichen kann.
Für den wundervollen Dreiklang lese ich direkt noch ein Buch, dessen Veröffentlichung noch bevorsteht.
„Fangirl“ erscheint nämlich erst am 24. Juli.

Dieses Mal ist aber alles anders, denn ich werde die Rezension veröffentlichen dürfen, sobald ich das Buch beendet habe. Anders als seine beiden Vorgänger habe ich es nämlich bei Vorablesen gewonnen.
Ich lese keine Bücher auf Englisch und bin deswegen auch nicht so wirklich informiert, welche Bücher dort gerade der Renner sind. Aber bei „Fangirl“ habe selbst ich etwas mitbekommen. Ich hatte mich nie damit beschäftigt, worum das Buch sich dreht, aber im Kopf ist mir der Titel geblieben.

Als die deutsche Ausgabe nun zu gewinnen war, habe ich mir den Inhalt durchgelesen und war sofort begeistert. Zwillingsmädchen am Scheideweg zum Erwachsenwerden. Ein neuer Lebensabschnitt im College. Und ganz viel Fanfiction. Wenn mich das ganze Buch so sehr fesseln kann, wie es die Leseprobe tat, ist das Buch ruckzuck beendet.

Erster Satz:
„Ein Junge war in ihrem Zimmer.“

Ich lese jetzt „Was wir dachten, was wir taten“ von Lea-Lina Oppermann

Als ich noch mitten in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp steckte, stellte ich schon fest, dass mich Bücher über das Thema interessieren. So viele Bücher über Amokläufe in der Schule sind mir in den letzten Jahren nicht aufgefallen. Ich habe nicht recherchiert, aber ich würde einfach mal sagen: „So viele gibt es auch nicht.“

Ich bin in einem Bücherforum angemeldet, bin dort aber mittlerweile selten unterwegs. Doch als ich jetzt auf der Startseite sah, in welchen Threads etwas Neues geschrieben wurde, sprang mir „Was wir dachten, was wir taten“ bei den Neuerscheinungen ins Auge. So viele Bücher standen dort, aber ich las nur diesen einen Titel. Er sprach mich an. Also las ich mir durch, worum es geht und war wahnsinnig erstaunt, dass ich glatt ein Buch entdeckt habe, dessen erstes Wort der Inhaltsangabe „Amokalarm.“ lautet. Ich fragte sofort bei der Verlagsgruppe Beltz an, ob ich ein Rezensionsexemplar bekommen könnte und zwei Tage später steckte es in meinem Briefkasten.
Ich freue mich wirklich sehr.

Darum starte ich direkt nach „54 Minuten“ nun damit. Auch wieder vorab, denn es erscheint erst am 17.07.2017.

Erster Satz:
„Wir werden dir erzählen, was wirklich passiert ist.“

Das Pubertier

©Constantin Film

Gerade war sie doch noch so lieb, so niedlich. Doch kurz vor ihrem 14. Geburtstag mutiert Papas kleine Prinzessin plötzlich zum bockigen Pubertier. Der Journalist Hannes Wenger (JAN JOSEF LIEFERS) nimmt sich eine Auszeit, um seine Tochter Carla (HARRIET HERBIG-MATTEN) in dieser schwierigen Lebensphase zu erziehen und von Alkohol, Jungs und anderen Verlockungen fernzuhalten. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn seine Frau Sara (HEIKE MAKATSCH) geht wieder arbeiten und Hannes ist als Vater maßlos überfordert. Ob Party, Zeltlager oder Carlas erstes Mal: Hannes tritt zielsicher in jedes Fettnäpfchen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch andere Jugendliche peinliche Väter haben: Hannes’ bester Freund, der taffe Kriegsreporter Holger (DETLEV BUCK), lässt sich lieber im Nahen Osten beschießen als sich daheim von seinem grunzenden Pubertier in den Wahnsinn treiben zu lassen.
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Mein Freund wurde zu der Pressevorführung von „Das Pubertier“ eingeladen und durfte mich dankenswerterweise mitnehmen. Der Film ist die Adaption des gleichnamigen Buches von Jan Weiler. Auf ihn bin ich vor fast 10 Jahren das erste Mal aufmerksam geworden, als ich ab und zu seine Stern-Kolumne „Mein Leben als Mensch“ las. Ich fand sie jedes Mal ziemlich lustig. Aktiv verfolgt habe ich seine Karriere nach dem Ende der Kolumne nicht, aber ab und zu lief er mir doch wieder über den Weg. Sei es mit dem Roman (beziehungsweise dem Film) „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ oder eben „Das Pubertier“.
Vor allem gespannt war ich, weil ich meist kein großer Fan von deutschen Filmen bin.
Ich ging also sehr neugierig ins Kino, ob mir dieser Film Spaß bereiten wird. Gefühlt bin ich nämlich nicht mehr in der einen Zielgruppe, da ich die Pubertät schon einige Jahre hinter mir habe, und in der anderen noch nicht drin, weil ich noch kein Kind habe.

©Constantin Film

Familie Wenger hat zwei Kinder. Während der Sohn noch in kindlich-vorpubertären Bahnen unterwegs ist, steuert die 13-jährige Carla mitten in die schwierige Phase hinein. Die Phase, in der Jungs und aufreizende Klamotten interessant und die Eltern total uncool werden. Plötzlich hängen keine Pferdeposter mehr an der Wand, sondern Stars und Vater Hannes kommt damit nur sehr schwer klar. Wo ist denn plötzlich seine kleine Prinzessin, die noch Gute-Nacht-Lieder von ihm hören wollte und ihn nicht fragte, ob es Bier auf der Party geben darf? Vor allem seit seine Frau wieder arbeiten geht, muss er sich mehr um die Kinder kümmern. Da hilft es auch nicht, dass andere Familien mit noch komplizierteren Kindern gestraft sind.

Das Genre von „Das Pubertier“, bei dem Leander Haußmann Regie führte, lässt sich ziemlich deutlich als „Familienkomödie“ beschreiben und das füllt der Film auch sehr gut aus. Die Mischung ist für mein Empfinden gut gelungen, die Waage neigt sich jedoch verdächtig zur Familienfilm-Seite. Die kleinen und großen Dramen des Alltags – auch zwischen Erwachsenen – kommen zur Sprache. Vieles wird dabei emotional und sanft gezeigt, manches aber auch mit einem Augenzwinkern.
Es ist auf jeden Fall keine reine Komödie, in der es krampfhaft um Lacher geht. Nichtsdestotrotz gibt es sie, keine Frage. Sie ergeben sich aber eher aus einer Situation, aus einem Gespräch heraus. Sehr wahrscheinlich aus dem nächsten Fehltritt vom Vater und dem daraus resultierenden Unverständnis der Tochter.

©Constantin Film

Jan Josef Liefers mochte ich in dieser Konstellation sehr gern. Sowohl als Off-Sprecher als auch als Familienvater hörte und sah ich ihm gern zu. Authentisch und sympathisch kam er rüber. Genauso gern mochte ich Heike Makatsch als Mutter. Die beiden stellten ein tolles Paar da.
Probleme hatte ich jedoch ab und zu mit den Kinderdarstellern. Und von denen gab es einige.
Es ist nicht so, dass sie mir unsympathisch waren. Ich fand ihre Spielweise nur häufig hölzern oder – als direktes Gegenteil – zu aufgesetzt, zu theatralisch. Manches Mal wirkte es, als wären sie Theaterschauspieler und keine Filmdarsteller. Zusätzlich waren mir manche Wutausbrüche einfach zu drüber. So hätte ich mit meinen Eltern nicht reden dürfen und habe ich auch nicht. Und darum glaube ich, dass dieses Klischee „Pubertät“ hier zwar lustig, aber durchaus nicht immer realistisch dargestellt wurde.

Musikalisch lässt mich „Das Pubertier“ ganz klar zweigeteilt zurück. Wenn es melodische Untermalung gab, war die so unauffällig, dass ich sie nicht bemerkt habe. Dafür gab es häufig Songs, die wirklich Teil der Handlung waren und davon hat mir jeder einzelne Spaß gemacht.

Und am Ende bleibt ja wie so oft die große Frage: War es denn nun spannend?
Die Beantwortung fällt da komplex aus.
Es war nun einmal kein klassischer Spannungsfilm, sondern ein lustiger Familienfilm. Aber es fehlte auch ein Ziel, auf das man hinschaut, das mir oft wichtig ist. Jemanden einfach so im Alltag zu begleiten, ohne zu wissen, wo das hinführt, langweilt mich häufig.
Aber hier war ich nicht gelangweilt. Schnell vergingen die anderthalb Stunden. Ich lachte und blieb interessiert am Ball.

©Constantin Film

Ich mochte „Das Pubertier“ gern, auch wenn es ganz sicher nicht die größte Filmkunst ist.
Die 90 Minuten vergehen lockerleicht mit einigen Lachern und auch einigem Kopfschütteln.
Wir sind sicher alle überzeugt, dass wir so nicht waren als Jugendlicher, aber vielleicht nehmen wir unsere Eltern nach dem Film ja doch mal in dem Arm und danken ihnen, dass sie uns trotzdem lieb haben und hatten. Vielleicht täuscht die Selbstwahrnehmung ja doch.
Dieser Film, der mir wirklich Spaß machte, aber eben nicht mein Lieblingsfilm werden wird, bekommt .

Wenn ihr euch jetzt selber davon überzeugen wollt, wie ihr den Film finden könntet, schaut euch doch gern den Trailer an:

Das Pubertier
Filmverleih: Constantin Film
Lauflänge: 91 Minuten
FSK 6
Ab dem 6. Juli 2017 in den deutschen Kinos

Juni-Liste

Im Juni passierte wirklich, wirklich wenig.
Ich war wenig in der Uni, aber auch wenig anderswo.
Ich hätte anfangen sollen, Hausarbeiten zu schreiben, habe das aber nicht getan.
Einer meiner Großonkels ist nach jahrelanger Krankheit gestorben.
Das war es schon. Dafür saß ich abends meistens vor der Nähmaschine und habe ein neues Teil erstellt. Darum findet ihr dieses Mal hinter „Und sonst so im Juni?“ einen halben Baby-Kleiderschrank.

Gelesen:
Sebastian Fitzek – AchtNacht
S. L. Grey – Under Ground

Gekauft:
Sanne Näsling – The Lovely Way – Nur wen du aufgibst, wird der Tod lebensgefährlich
Sara Zarr – Nichts bleibt
Kerstin Lundberg Hahn – Der Schatten an meiner Wand
Kieran Larwood – Freaks in geheimer Mission
R. L. Stine – Schattenwelt – Das Gruselmuseum

Geschenkt:
Wulf Dorn – Die Kinder
Marieke Nijkamp – 54 Minuten
Flake – Heute hat die Welt Geburtstag

Rezensionsexemplar:

„Und sonst so im Juni?“
Wie gesagt, passiert ist wenig. Aber peinlicherweise muss ich etwas zeigen. Als Jugendliche habe ich ein paar Zeitungsausschnitt zu bestimmten Serien und Personen gesammelt. Zusätzlich hatte ich ein Bravo-Abo. Das Sammeln habe ich irgendwann aufgegeben, aber die alten, halb zerfledderten Bravos mit weiteren Ausschnitten nie weggeworfen. Jahrelang hatte ich sie in meinem Jugendzimmer im Schrank liegen. Bis sie dann 1:1 mit mir umzogen. Dann lagen sie jetzt neun Jahre in meiner Wohnung im Schrank. Bis ich mir jetzt ein Herz fasste und den Stapel wegschmiss. Mehr

Ich lese jetzt „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp

Ich liebe es, dass ich ab und zu auf Arbeit Bücher bekomme, die noch nicht erschienen sind. Unter anderem gab es vor kurzem „54 Minuten“, das mich sofort angesprochen hat. Darum muss ich es auch direkt lesen.
Leider erscheint es erst am 21. September und erst da darf die Rezension online kommen. Aber dann ist sie immerhin direkt am ET da. Das hat doch auch etwas für sich.

Nun werde ich mich also auf 331 Seiten 54 Minuten widmen, die alles zerstören. Denn ein Amoklauf in einer Schule ändert von jetzt auf gleich alles.

Erster Satz:
„Als der Startschuss die Stille zerreißt, sprinten die Läufer auf den Blöcken los.“

S. L. Grey – Under Ground

Die Angst sitzt tief
Ein tödliches Grippevirus versetzt die Welt in Panik.
Um zu überleben, begibt sich eine Gruppe Flüchtender unter die Erde.
In der abgeschotteten Welt eines Luxusbunkers glauben sie sich in Sicherheit.
Doch der schlimmste Feind lauert bereits unter ihnen.
Sie selbst…
(Klappentext)

Als ich von diesem Buch hörte, war klar, dass ich es lesen möchte. Darum freute es mich, dass ich es als Rezensionsexemplar bekommen habe. Leider dauerte es dann noch ein wenig, bis ich seinen Status von „ungelesen“ zu „am lesen“ änderte.

In den letzten Jahren haben Geschichten über große Katastrophen – man möchte fast sagen „Vom Ende der Welt“ – Hochkonjunktur. Vor allem, seit „Dystopie“ so ein beliebtes Genre geworden sind. „Under Ground“ ist ähnlich und doch ganz anders.
Die Welt ist noch nicht untergegangen, aber mit viel Pech steht es kurz davor. In Asien ist ein Grippevirus ausgebrochen, das sich rasend schnell verbreitet und dabei überaus tödlich ist. Nun ist es in Amerika angekommen.
Greg Fuller wollte einerseits vorbereitet sein und andererseits Profit machen, als er einen verlassenen Bunker kaufte und zu einem unterirdischen, sicheren Luxusquartier, dem „Sanctum“, ausbaute. Ein paar Familien nahmen viel – sehr viel – Geld in die Hand, um sich eine Wohnung in dem Bunker kaufen zu können. Sie alle ahnten nicht, dass sie so überstürzt würden einziehen müssen.
Als plötzlich einer von ihnen tot ist, steht plötzlich jeder in Verdacht, ein Mörder zu sein. Doch selbst das wird schnell nur ihr kleinstes Problem bleiben…

Das Buch spielt sich fast ausschließlich in dem Bunker ab. Dies macht zu großen Teilen den Reiz der Atmosphäre aus. Es ist eng, es gibt kein Tageslicht und es sitzen eine ganze Menge fremder Menschen aufeinander.
Die „ganze Menge“ sind genauer gesagt 17 Menschen und ein Hund. Und diese 17 Menschen lernt man ziemlich gut kennen. Anfänglich hatte ich Angst, dass es zu viele Menschen und zu viele Geschichten sind, die man durcheinanderbringen wird. Schnell stellte sich heraus, dass es kein Problem ist. Die Personen unterscheiden sich so sehr voneinander, dass man sie deutlich auseinander halten kann. Dadurch rutschten einige natürlich in Klischees, was schade, aber irgendwie auch fast unvermeidbar war. Es gibt unter anderem die religiösen, waffenfanatischen Hinterwäldler, die reichen, versnobten Anwälte und die schüchternen, computerspielenden Asiaten.
Neben dem Besitzer Greg gibt es sechs weitere Wohnparteien im Sanctum. Aus jeder gibt es einen Erzähler. Diese sechs Blickwinkel sind spannend und bieten einen umfassenden Blick über die Geschehnisse im Bunker. Durch sie lernt man die restlichen Personen auch gut kennen.
Am Ende schaffen es Sarah Lotz und Louis Greenberg, die hinter dem Pseudonym S. L. Grey stehen, jeder Figur ausreichend Platz zu geben. Und selbst die „Nicht-Erzähler“ bleiben dabei nicht blass oder flach. Jeder bekommt eine eigene Geschichte mit einer eigenen Tiefe. Dabei war dem Leser natürlich nicht jede Figur sympathisch, aber das war auch durchaus so gedacht. Nichtsdestotrotz sind ein paar Sympathieträger und somit Identifikationsfiguren dabei.

„Under Ground“ soll ein Thriller sein und die Grundzutaten sind durch den abgeschotteten Handlungsraum, den Toten und die langsam anschwellenden Panik durchaus gegeben.
Leider stellte sich bei mir nie ein Nervenkitzel ein. Und das liegt gar nicht mal daran, dass man den Erzähler oft an einer spannenden Stelle verließ. Cliffhanger sind ja nichts Schlechtes. Es lag eher daran, dass vieles logische und damit vorhersehbare Wege ging und schockierende Dinge ganz plötzlich passierten, ohne dass sich vorher ein Spannungsbogen aufbauen konnte.
Ohne zu viel von der Geschichte verraten zu wollen, kann ich trotzdem sagen, dass ich sehr interessiert weiterlas, um das Ende zu erfahren, da ich auf einige Auflösungen wartete. Auf dem Weg dahin wurde ich mit der einen oder anderen Überraschung beglückt.

Geschrieben war es in einer wahnsinnig angenehmen Art. Es gibt drei männliche und drei weibliche Erzähler, die sich 50:50 in Jugendliche (ungefähr 17 bis 19 Jahre) und Erwachsene (um die 40 Jahre) unterteilen. Jedes Kapitel war dabei sprachlich an die Person angepasst ohne dass allzu starke Unterschiede bemerkbar waren. Das war wirklich gut gemacht.

Insgesamt hatte ich erst Angst, dass es zu viele gleichwertige und -wichtige Personen in dem Buch geben wird, aber da wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Es machte mir keine Schwierigkeit, alle auseinanderzuhalten. Die Geschichte mit der Idee war gut gewählt und hatte durchaus ihre spannenden Momente. Letztendlich war es für einen Thriller aber zu wenig. Bessere Spannungsbögen hätten dem Lesevergnügen noch den letzten Kick verliehen. Ansonsten war ich die ganze Zeit interessiert beim Buch und ließ deswegen auch keine langen Lesepausen.

S. L. Grey – Under Ground
Originaltitel: Under Ground (Juli 2015)
Heyne Verlag, 14. November 2016
ISBN: 3453438108
383 Seiten
Broschiert, 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ich lese jetzt „Under Ground“ von S. L. Grey

Im letzten Jahr las ich wenig Thriller, dieses Jahr habe ich richtig Lust darauf.
Deswegen lese ich nach „AchtNacht“ von Sebastian Fitzek nun „Under Ground“, welches ich als Rezensionsexemplar erhalten habe.

Es könnte spannend werden. Ein tödiches Grippevirus treibt eine Gruppe von Leuten unter die Erde in einen Luxusbunker. Doch auch dort wartet eine Gefahr auf sie und das sind sie selber.

Erster Satz:
„Sarita schlägt die Augen auf, sieht aber immer noch nichts.“

In Szene gesetzt #9

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