Ich lese jetzt „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp

Ich liebe es, dass ich ab und zu auf Arbeit Bücher bekomme, die noch nicht erschienen sind. Unter anderem gab es vor kurzem „54 Minuten“, das mich sofort angesprochen hat. Darum muss ich es auch direkt lesen.
Leider erscheint es erst am 21. September und erst da darf die Rezension online kommen. Aber dann ist sie immerhin direkt am ET da. Das hat doch auch etwas für sich.

Nun werde ich mich also auf 331 Seiten 54 Minuten widmen, die alles zerstören. Denn ein Amoklauf in einer Schule ändert von jetzt auf gleich alles.

Erster Satz:
„Als der Startschuss die Stille zerreißt, sprinten die Läufer auf den Blöcken los.“

S. L. Grey – Under Ground

Die Angst sitzt tief
Ein tödliches Grippevirus versetzt die Welt in Panik.
Um zu überleben, begibt sich eine Gruppe Flüchtender unter die Erde.
In der abgeschotteten Welt eines Luxusbunkers glauben sie sich in Sicherheit.
Doch der schlimmste Feind lauert bereits unter ihnen.
Sie selbst…
(Klappentext)

Als ich von diesem Buch hörte, war klar, dass ich es lesen möchte. Darum freute es mich, dass ich es als Rezensionsexemplar bekommen habe. Leider dauerte es dann noch ein wenig, bis ich seinen Status von „ungelesen“ zu „am lesen“ änderte.

In den letzten Jahren haben Geschichten über große Katastrophen – man möchte fast sagen „Vom Ende der Welt“ – Hochkonjunktur. Vor allem, seit „Dystopie“ so ein beliebtes Genre geworden sind. „Under Ground“ ist ähnlich und doch ganz anders.
Die Welt ist noch nicht untergegangen, aber mit viel Pech steht es kurz davor. In Asien ist ein Grippevirus ausgebrochen, das sich rasend schnell verbreitet und dabei überaus tödlich ist. Nun ist es in Amerika angekommen.
Greg Fuller wollte einerseits vorbereitet sein und andererseits Profit machen, als er einen verlassenen Bunker kaufte und zu einem unterirdischen, sicheren Luxusquartier, dem „Sanctum“, ausbaute. Ein paar Familien nahmen viel – sehr viel – Geld in die Hand, um sich eine Wohnung in dem Bunker kaufen zu können. Sie alle ahnten nicht, dass sie so überstürzt würden einziehen müssen.
Als plötzlich einer von ihnen tot ist, steht plötzlich jeder in Verdacht, ein Mörder zu sein. Doch selbst das wird schnell nur ihr kleinstes Problem bleiben…

Das Buch spielt sich fast ausschließlich in dem Bunker ab. Dies macht zu großen Teilen den Reiz der Atmosphäre aus. Es ist eng, es gibt kein Tageslicht und es sitzen eine ganze Menge fremder Menschen aufeinander.
Die „ganze Menge“ sind genauer gesagt 17 Menschen und ein Hund. Und diese 17 Menschen lernt man ziemlich gut kennen. Anfänglich hatte ich Angst, dass es zu viele Menschen und zu viele Geschichten sind, die man durcheinanderbringen wird. Schnell stellte sich heraus, dass es kein Problem ist. Die Personen unterscheiden sich so sehr voneinander, dass man sie deutlich auseinander halten kann. Dadurch rutschten einige natürlich in Klischees, was schade, aber irgendwie auch fast unvermeidbar war. Es gibt unter anderem die religiösen, waffenfanatischen Hinterwäldler, die reichen, versnobten Anwälte und die schüchternen, computerspielenden Asiaten.
Neben dem Besitzer Greg gibt es sechs weitere Wohnparteien im Sanctum. Aus jeder gibt es einen Erzähler. Diese sechs Blickwinkel sind spannend und bieten einen umfassenden Blick über die Geschehnisse im Bunker. Durch sie lernt man die restlichen Personen auch gut kennen.
Am Ende schaffen es Sarah Lotz und Louis Greenberg, die hinter dem Pseudonym S. L. Grey stehen, jeder Figur ausreichend Platz zu geben. Und selbst die „Nicht-Erzähler“ bleiben dabei nicht blass oder flach. Jeder bekommt eine eigene Geschichte mit einer eigenen Tiefe. Dabei war dem Leser natürlich nicht jede Figur sympathisch, aber das war auch durchaus so gedacht. Nichtsdestotrotz sind ein paar Sympathieträger und somit Identifikationsfiguren dabei.

„Under Ground“ soll ein Thriller sein und die Grundzutaten sind durch den abgeschotteten Handlungsraum, den Toten und die langsam anschwellenden Panik durchaus gegeben.
Leider stellte sich bei mir nie ein Nervenkitzel ein. Und das liegt gar nicht mal daran, dass man den Erzähler oft an einer spannenden Stelle verließ. Cliffhanger sind ja nichts Schlechtes. Es lag eher daran, dass vieles logische und damit vorhersehbare Wege ging und schockierende Dinge ganz plötzlich passierten, ohne dass sich vorher ein Spannungsbogen aufbauen konnte.
Ohne zu viel von der Geschichte verraten zu wollen, kann ich trotzdem sagen, dass ich sehr interessiert weiterlas, um das Ende zu erfahren, da ich auf einige Auflösungen wartete. Auf dem Weg dahin wurde ich mit der einen oder anderen Überraschung beglückt.

Geschrieben war es in einer wahnsinnig angenehmen Art. Es gibt drei männliche und drei weibliche Erzähler, die sich 50:50 in Jugendliche (ungefähr 17 bis 19 Jahre) und Erwachsene (um die 40 Jahre) unterteilen. Jedes Kapitel war dabei sprachlich an die Person angepasst ohne dass allzu starke Unterschiede bemerkbar waren. Das war wirklich gut gemacht.

Insgesamt hatte ich erst Angst, dass es zu viele gleichwertige und -wichtige Personen in dem Buch geben wird, aber da wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Es machte mir keine Schwierigkeit, alle auseinanderzuhalten. Die Geschichte mit der Idee war gut gewählt und hatte durchaus ihre spannenden Momente. Letztendlich war es für einen Thriller aber zu wenig. Bessere Spannungsbögen hätten dem Lesevergnügen noch den letzten Kick verliehen. Ansonsten war ich die ganze Zeit interessiert beim Buch und ließ deswegen auch keine langen Lesepausen.

S. L. Grey – Under Ground
Originaltitel: Under Ground (Juli 2015)
Heyne Verlag, 14. November 2016
ISBN: 3453438108
383 Seiten
Broschiert, 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ich lese jetzt „Under Ground“ von S. L. Grey

Im letzten Jahr las ich wenig Thriller, dieses Jahr habe ich richtig Lust darauf.
Deswegen lese ich nach „AchtNacht“ von Sebastian Fitzek nun „Under Ground“, welches ich als Rezensionsexemplar erhalten habe.

Es könnte spannend werden. Ein tödiches Grippevirus treibt eine Gruppe von Leuten unter die Erde in einen Luxusbunker. Doch auch dort wartet eine Gefahr auf sie und das sind sie selber.

Erster Satz:
„Sarita schlägt die Augen auf, sieht aber immer noch nichts.“

In Szene gesetzt #9

Bild

Sebastian Fitzek – AchtNacht

Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Todeslotterie. Sie könnten den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen. In der »Achtnacht«, am 8.8. jeden Jahres, würde aus allen Vorschlägen ein Name gezogen. Der Auerwählte wäre eine AchtNacht lang vogelfrei, geächtet. Jeder in Deutschland dürfte ihn straffrei töten – und würde mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankenspiel.
Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.

Und Ihr Name wurde gezogen!
(Text der Titelklappe)

Sebastian Fitzek ist und bleibt einfach mein Lieblingsautor. Umso besser, dass meine Freunde das auch wissen und mir die Bücher zu den entsprechenden Gelegenheiten schenken. So bekam ich „AchtNacht“ als Vorbestellung zu Weihnachten von einer meiner Liebsten.
Die Enttäuschung darüber, dass die Thematik ziemlich vom Film „The Purge“ abgekupfert ist, war auch bald verflogen, als Sebastian Fitzek ebenjenes bestätigte. Er hatte den Film gesehen und überlegte, wie es wohl wäre, wenn es kein „Jeder gegen Jeden“ in der Zukunft, sondern ein „Alle gegen Einen“ in der Gegenwart geben würde. So war ich auch damit versöhnt.

Und dieser Eine ist Ben Rühmann. Eine gescheiterte Existenz. Seine Familie ist von ihm enttäuscht, er ist dem Alkohol zu sehr zugetan, seine Musikkarriere ging jäh zu Ende, als er einen Unfall verursachte, bei dem seine Tochter beide Beine verlor. So ist er auch nur mäßig überrascht, dass ihn jemand so sehr hasst und ihn tot sehen will. Mehr überrascht ist er darüber, dass er eben doch nicht der Einzige ist. Auch die junge Psychologiestudentin Arezu Herzsprung wurde ausgelost. Da die AchtNacht-Jäger auf der AchtNacht-Homepage alles posten, was sie über die beiden wissen – inklusive Adressen, Familienangehörige, Telefonnummern und aktuellem Aufenthaltsort – dauert es nicht lange, bis die beiden sich finden und versuchen, zusammen die Nacht zu überstehen. Immer mit einem wütenden Mob im Nacken.

Ich mag die Idee des Buches. Ich mochte sie nämlich schon bei „The Purge“. Auf den ersten Blick wirkt sie irritierend und abwegig, aber umso länger man darüber nachdenkt, umso weniger unwahrscheinlich wird sie. Einmal im Jahr alle Aggressionen rauslassen – und das auch noch straffrei. Und zusätzlich gibt es 10 Millionen Euro. Da würden sicher einige Menschen dafür sein.
Ben und Arezu haben Glück. Nicht alle glauben, dass die Regierung die AchtNacht unterstützt, so wie es kommuniziert wird. Aber es tun doch genügend. Und auch wenn sie vielleicht nicht daran glauben, für Mord Geld zu bekommen, so erfreuen sich doch viele daran, den beiden AchtNächtern Angst zu machen.
Eigentlich liegt hier ein hohes Spannungspotenzial, doch seltsamerweise konnte es mich nicht packen. Die Jagd entwickelt sich nicht nur zu einem Katz-und-Maus-Spiel, sondern es werden auch noch viele Unbeteiligte mit hineingezogen, um deren Sicherheit Ben und Arezu zusätzlich bangen müssen. Das macht sie zum idealen Spielball für allerlei Irre. Trotzdem kam kein Nervenkitzel auf. Nur gesteigertes Interesse.

Dieses Interesse hielt sich bis kurz vor der Hälfte des Buches. Bis dahin las ich in einem Rutsch. Doch dann passierten Dinge, die mich nervten. Dinge, die ich unlogisch fand. Ich hätte an vielen Stellen andere Entscheidungen getroffen als Ben und Arezu und das ernüchterte mich zusehends. So kam es, dass ich das Buch meines Lieblingsautors tagelang ungelesen liegen ließ. Ab der Hälfte wurde es also schleppend.
Die letzten 70 Seiten las ich dann wieder am Stück, da der Showdown doch noch einige Überraschungen bereithielt. Es wurden auch Dinge aufgelöst, nach denen ich gar nicht gefahndet hatte. Überraschende Überraschungen waren das also für mich.
Doch dann kam der große Knall und ich war fast empört. Die Auflösung war für mich ein riesengroßer Logikfehler. Das Thema, um das es letztendlich geht, interessiert mich nämlich schon lange und ich habe viel darüber gelesen und wahre Geschichten darüber verfolgt. Und darum steht für mich fest, dass Sebastian Fitzek es vollkommen falsch darstellt. So, wie es bei AchtNacht ist, ist das in der Realität nicht. So geht das nicht. In der Danksagung spricht er davon, dass ihm Spezialisten seine Fragen beantworteten. Aber alles, was man sonst dazu liest, ist komplett anders. Und ich tippe darauf, dass da eben ALLE ANDEREN Recht haben und Sebastian Fitzek nun leider nicht.
Dazu kommen weitere Ungereimtheiten und Logikfehler, die mich nur mit dem Kopf schütteln ließen.
Ich habe auch mit anderen Lesern gesprochen – die Fragen waren dort dieselben.

Apropos „dieselben“: Ben war wieder ein typischer Fitzek-Charakter, der so schon in vielen seiner Bücher vorkam. Sie haben immer große familiären Problemen, unglückliche Beziehungen, Schwierigkeiten mit Geld und dem Alkohol – Gescheiterte. Gerade die männlichen Hauptcharaktere der Bücher scheinen alle miteinander austauschbar – aber trotzdem nicht flach. Tiefgründig sind sie immer sehr. Auch dieses Mal. Auch die kleineren Rollen kommen nicht zu kurz, sondern bieten etwas Greifbares.

Was aber wieder wirklich einmalig war, war der Schreibstil. Er ist so flüssig, so weich und wohlig. Ich merke kaum, wie ich lese. Nie muss ich stolpern, nie irritieren mich Formulierungen oder Aussprachen. Er schafft es trotz Schwächen in der Story und der Personenwahl, dass sich Fitzek-Bücher schnell und problemlos lesen lassen.

Und das ist, was mir als Zusammenfassung zu „AchtNacht“ bleibt. Die Idee ist spannend und lässt einen auch sich selber Fragen: „Was würdest du tun? Wären 10 Millionen Euro es dir wert, einen Menschen umzubringen, den du nicht kennst?“. Doch leider fesselte mich der Verlauf der Geschichte nicht so sehr, wie er es hätte tun können.
Die Figuren waren nicht blass, aber charakterlich altbekannt.
Aber ganz am Ende, da ließ sich das Buch trotzdem wunderbar lesen. Trotzdem waren die Schwächen für mich so gravierend, dass ich einiges von der Höchstbewertung abziehe.

Sebastian Fitzek – AchtNacht
Knaur TB, 14. März 2017
ISBN 3426521083
408 Seiten
Taschenbuch; 12,99 Euro

Mai-Liste

Der Mai 2016 war einer meiner besten Lesemonate im letzten Jahr. Ich hatte gehofft, dass es wieder so gut wird, aber da hatte „Smoke“ mir echt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Motivation, darin weiterzulesen, war nämlich konstant gering.
Umso schöner war, dass ich viele Bücher geschenkt bekommen habe. Eines davon erscheint eigentlich erst im Februar 2018. Ich will es auch endlich mal schaffen, diese Bücher vor ihrem ET zu lesen und hier ab Tag 1 eine Rezension zu veröffentlichen. Mal sehen, wie gut das klappt.
Was sonst noch so im Mai war, versteckt sich hinter „Mehr“.

Gelesen:
Dan Vyleta – Smoke

Gekauft:

Geschenkt:
Kristen Ciccarelli – Iskari – Der Sturm naht
J. S. Monroe – Finde mich bevor sie es tun
Elizabeth Enfield – Ivy & Abe
Jean Pendziwol – Das Licht der Insel
Krystal Sutherland – Unsere verlorenen Herzen
Lorraine Fouchet – Ein geschenkter Anfang
Edward Berry – Das verschwundene Buch
Sarina Bowen – True North – Wo auch immer du bist
Corina Bomann – Sturmherz
Poppy J. Anderson – Geheimzutat Liebe – Taste of Love
Audrey Carlan – Calender Girl – Berührt (April, Mai, Juni)
Evelyn Holst & Uschi von Grudzinski – Gipfelglück

Rezensionsexemplar:

Und sonst so im Mai?

Bestimmt war der Monat für mich durch die Silberhochzeit meiner Eltern. Es war wirklich sehr schön! Ich könnte 101 tolle Fotos mit strahlenden Gesichtern und Freudentränen in den Augen zeigen. Das widerspricht nur leider den Persönlichkeitsrechten meiner Familie. Deshalb muss als Platzhalter das Gästebuch herhalten. Die Idee habe ich irgendwo im Netz gefunden. Ich habe alles selber gemacht. Vom Holz lackieren, über die Nägel einhämmern bis zum Wolle bespannen. Mit kleinen Klammern wurden dann Polaroids und Zettel mit guten Wünschen angeheftet. Mehr

Ich lese jetzt „AchtNacht“ von Sebastian Fitzek

Und am Ende schaffte ich „Smoke“ von Dan Vyleta doch, weil die Aussicht auf den neuesten Fitzek mich schneller lesen ließ.

Ich konnte das Buch schon zum Erscheinungstag im März in den Händen halten, da mir eine sehr gute Freundin das Buch als Vorbestellung schenkte.

Als ich das erste Mal hörte, worum sich „AchtNacht“ dreht, dachte ich ein wenig empört, dass sich das Buch total nach dem Film „The Purge“ anhört. Enttäuscht war ich. Fitzek hat doch mehr Fantasie, als dass er etwas abkupfern muss.
Ich wurde aber relativ bald versöhnt, als ich das Nachwort online las. Er wurde also tatsächlich von „The Purge“ inspiriert und kommuniziert das auch ganz klar so. Das finde ich dann wieder ok. Vor allem, da ich die Purge-Filmreihe – und vor allem die Idee dahinter – gern mag.

Nun freue ich mich also wahnsinnig darauf, wieder ein Buch meines Lieblingsautoren zu lesen.
Vor allem, wie er die „The Purge“-Idee weitergedacht hat.
Ich bin also gespannt, wie er umgesetzt hat, dass eine Person in der AchtNacht ausgewählt wird, die für zwölf Stunden vogelfrei ist. Straffreier Mord ist also plötzlich möglich…

Erster Satz:
„›Hier ist der Anruf für Sie.‹“

Dan Vyleta – Smoke

Stell dir vor, deine dunklen Gedanken könnten sichtbar werden…

England, Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Welt, die von einem besonderen Phänomen geprägt ist: Jede Bosheit, Unaufrichtigkeit oder Lüge manifestiert sich als Rauch, der unkontrollierbar dem Körper entweicht. Nur Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, wagen es, die Gesetze des Rauchs zu hinterfragen. Sie stoßen auf ein düsteres Komplott aus Willkür, Macht und Unterdrückung und müssen schon bald um ihr Leben fürchten… (Klappentext)

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, keine Rezensionsexemplare mehr anzufordern, weil ich noch einige zuhause habe. Aber dann kam die Information zu „Smoke“ und ich konnte nicht widerstehen. Das Buch klang zu gut.

Die Idee ist einfach klasse. Böse Gedanken, Lügen, Neid, alles entströmt den Menschen als Rauch. Mal ist er dicker, mal dünner, mal heller, mal dunkler. Doch immer können die Mitmenschen ihn lesen wie Gedanken, die sich von einem Menschen in den anderen übertragen. Schlechte Dinge können nicht mehr verheimlicht werden. Doch der Rauch schafft auch eine Zweiteilung in der Gesellschaft. Die armen Menschen, die Arbeiter, rauchen. Die Reichen und Mächtigen zeichnen sich durch fast vollständige Rauchlosigkeit aus. Thomas und Charlie, Kinder aus reichem Hause, wohnen in einem Internat unter Ihresgleichen. Doch die Weihnachtsferien, die sie bei Thomas Familie verbringen, werden alles verändern. Wie sie den Rauch sehen, wie sie die obere Gesellschaft sehen, wie sie ihr Leben sehen.

Schnell ist man inmitten der Geschichte, schnell passieren große Dinge, schnell ist es langweilig.
„Smoke“ hat 618 Seiten und peitscht einen in der Zeit durch viele Gegebenheiten. Erst passiert einiges im Internat, dann im Weihnachtsurlaub und ab da wird es eigentlich erst richtig hektisch. Doch leider kommt dabei zu keiner Zeit Spannung auf. Und das ist wohl das Dramatischste an der ganzen Lektüre. Es gibt so viel zu sehen, so viel passiert und ich langweilte mich da so durch.
Klar, das Buch ist offiziell kein Thriller oder Krimi, wo das Thema Spannung ganz oben stehen würde, aber nicht mal der düstere Komplott, den der Klappentext verspricht, versprüht irgendeine Art von Gefahr oder Nervenkitzel.
Natürlich passieren schreckliche Dinge, gefährliche Sachen. Aber diese kommen so unvermittelt, dass sich vorher keine Spannung aufbaut und dann werden sie so sehr ausgewalzt, dass es das alles auch nicht besser macht.

Als das Beste empfand ich weiterhin die Grundidee an sich. Es animierte mich sogar in der Anfangszeit des Buches, ab und zu zu denken: „Wäre dieser Gedanke, dieses Wort, diese Tat nicht auch Rauch wert gewesen?“. „Smoke“ brachte mich also anfänglich wirklich zum Nachdenken.
Doch umso länger das Buch wurde, umso weniger reizvoll wurde die Thematik, denn sie entwickelte sich nicht. Es gab einige neue Erkenntnisse zum Rauch, aber es brachte weder die Figuren noch den Leser wirklich voran.
Und letztendlich bleiben die großen, essentiellen Fragen zum Rauch ungeklärt. Das enttäuschte mich.

Oft schafft ein Buch es ja, mich trotz wenig Spannung von sich zu überzeugen, wenn die Figuren und die Sprache mitreißend sind. Doch leider schneidet in diesem Bereichen „Smoke“ auch sehr schlecht ab.
Die Figuren waren alle schwer zu fassen. Besonders nah war man an den beiden Hauptfiguren, den Jugendlichen Thomas und Charlie, dran. Thomas ist hart und distanziert, doch Charlie ist offen, ehrlich, herzlich und gütig. Er ist also der Kandidat, den die Leser spontan am meisten mögen können. Doch Dan Vyleta schaffte es zielsicher, die einzige – für mich – sympathische Person im Laufe des Buches auch verkommen zu lassen. Die Nebenfiguren sind durch die Bank nicht der Rede wert. Gemein, verlogen, gefährlich, arrogant – Sympathie kam bei mir nie auf.
Zusätzlich schwierig war, dass das Buch zum größten Teil in der dritten Person geschrieben ist. Wenige Kapitel sind aus der Sicht einer Figur geschrieben – dann in der Ich-Form. Aber weder sind das ausschließlich die Hauptfiguren noch macht es die jeweilige Person sympathischer.

Sprachlich hat es mir das Buch noch schwerer gemacht. Unnötig verkomplizierte Satzkonstruktionen stören oft den Lesefluss. Beschreibungen der Umgebung sind überladen mit Aufzählungen.
Da viel passiert im Laufe der Geschichte, kommen unsere Hauptfiguren an viele verschiedene Orte, zum Beispiel ein Bergwerk. Vyleta scheint sich damit, aber auch mit anderen Dingen, sehr ausgiebig beschäftigt zu haben und nutzt vollumfänglich das jeweils passende Vokabular. Dass der Leser dabei nicht immer mit allem vertraut sein wird, scheint für den Autoren Nebensache zu sein. Klarer Fall von: Er hat sich sehr bemüht, alles perfekt zu beschreiben. Leider schlägt sich das negativ auf das Lesevergnügen nieder.

Ich habe fast zwei Monate für „Smoke“ gebraucht. Ich hatte es extra direkt nach dem Erhalt angefangen, um ein Rezensionsexemplar nicht lange liegen zu lassen. Doch dann wurde mir das Lesen so wahnsinnig schwer gemacht.
Gute Idee, aber langweilige Geschichte, unsympathische Figuren und kein flüssiger Schreibstil. Als würde das nicht schon reichen, wurden die drängendsten Fragen der Geschichte nicht beantwortet. Praktisch: Das Ende reihte sich perfekt in das enttäuschende Buch ein.
Allein wegen der guten Idee, gibt es .

Dan Vyleta – Smoke
Originaltitel: Smoke (Juli 2016)
carl’s books, 13. März 2017
ISBN: 3570585689
618 Seiten
Broschiert, 16,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Gewinnspiel: DVD „Bob, der Streuner“

[Gewinnspiel beendet]

© Concorde Home Entertainment

BOB, DER STREUNER – jetzt als DVD, Blu-ray und digital!

Vor gut einem halben Jahr lief die Buchverfilmung „Bob, der Streuner“ im Kino an. Sie konnte mich damals wirklich überzeugen mit ihrer Mischung aus wahrer Geschichte, in der ein junger Mann zurück von der Staße ins Leben kommen will, und dieser herzzerreißen Freundschaft zwischen ebenjenem und dem wunderschönen, roten Kater.
Wie ich den Film genau fand, könnt ihr in meiner Rezension zu „Bob, der Streuner“ nachlesen.

Nun ist es endlich soweit und der Film kommt als DVD, Blu-ray und digitale Kopie auf den Markt.
Dank Concorde Home Entertainment darf ich die DVD und das Filmplakat an einen von euch verlosen.

Falls ihr euch nicht mehr ganz an den Inhalt erinnert, darum geht es:

© Concorde Home Entertainment

Das Letzte, was James (Luke Treadaway) gebrauchen kann, ist ein Haustier! Er schlägt sich von Tag zu Tag als Straßenmusiker durch, und sein mageres Einkommen reicht gerade, um sich selbst über Wasser zu halten. Und jetzt auch noch das: Als es eines Abends in seiner Wohnung scheppert, steht da nicht wie vermutet ein Einbrecher in der Küche, sondern ein roter ausgehungerter Kater. Obwohl knapp bei Kasse beschließt James, den aufgeweckten Kater aufzupäppeln, um ihn dann wieder seines Weges ziehen zu lassen. Doch Bob hat seinen eigenen Kopf und denkt gar nicht daran, sein neues Herrchen zu verlassen. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt. Für James ist nichts mehr, wie es war. Bob und er werden unzertrennliche Freunde, und James findet dank Bob nach und nach den Weg zurück ins Leben … (Inhaltsangabe laut Presseheft)

Mehr Infos bekommt ihr auf der Homepage des Filmes: „Bob, der Streuner“ oder schaut euch den Trailer an:

Zusätzlich habt ihr die Chance bei zacksmovie eine BluRay oder einen Soundtrack von Bob zu gewinnen. Also wenn ihr eure Chancen vervielfachen wollt, dann hinterlasst dort doch auch einen Kommentar.

Für den Gewinn bei mir hinterlasst einfach einen netten Kommentar und schon seid ihr im Lostopf.
Das Gewinnspiel geht bis Sonntag, den 21. Mai 2017, 24 Uhr. Der Gewinner wird dann durch einen Zufallsgenerator ausgelost (und hier auf dem Blog und per Mail informiert).

Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wenn ihr unter 18 Jahren seid, brauche ich die Einverständniserklärung eurer Eltern. Keine Barauszahlung, keine Gewähr.

Und schon ist das Gewinnspiel vorbei. Gewonnen hat Kommentar Nummer 3, der von Melanie Rohn stammt. Herzlichen Glückwunsch!

„Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“

„Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ – ab dem 11. Mai 2017 im Kino!

Der verwaiste Spatz Richard wird liebevoll von einer Storchenfamilie aufgezogen. Ihm würde nicht im Traum einfallen, dass er selbst kein Storch ist. Als sich seine Eltern und sein Bruder im Herbst für den langen Flug ins warme Afrika rüsten, offenbaren sie ihm die Wahrheit: Ein kleiner Spatz ist nicht geschaffen für eine Reise wie diese und sie müssen ihn schweren Herzens zurücklassen. Für Richard ist das kein Grund, den Kopf in die Federn zu stecken. Auf eigene Faust macht er sich auf den Weg nach Afrika, um allen zu beweisen, dass er doch einer von ihnen ist! Zum Glück kommen ihm dabei Olga, die zu groß geratene Zwergeule und ihr imaginärer Freund Oleg zu Hilfe. Als sie Kiki, einen selbstverliebten Karaoke-Wellensittich mit Höhenangst, aus seinem Käfig befreien, beginnt ein turbulentes Abenteuer, das die drei Überflieger über sich hinauswachsen lässt! (Inhalt laut Presseheft)

Der kleine Waisen-Spatz Richard wird von Storchenmutter Aurora gefunden und sofort ins Herz geschlossen. Sie nimmt ihn in ihrer Familie auf und mit Zieh-Papa Claudius und seinem neuen Bruder Max wächst Richard wie ein richtiger Storch auf. Zumindest so gut es geht. Doch als sich die Störche für den langen Flug nach Afrika bereitmachen, eröffnen sie dem Spatz, dass er nicht mitkommen kann. Spatzen sind nun einmal keine Zugvögel.
So bleibt er verängstigt und allein zurück und will doch nur eines: seiner Familie folgen.
Für dieses Unternehmen findet er noch ein paar schräge Vögel, die sich mit Richard zusammen ins Abenteuer stürzen.

Gefühlt hat man diese Art von Geschichte in den Grundzügen schon häufiger gesehen und manche Klischees wiederholen sich. Sei es bei „Tarzan“ oder beim „Dschungelbuch„: Immer wieder finden sich herzensgute Tiermütter, die ihren mürrischen Mann davon überzeugen, ein artfremdes Wesen aufzunehmen und es wie ihr eigenes Kind zu erziehen. Doch an irgendeiner Stelle stoßen sie an Grenzen, die die Arten nicht überwinden können. So läuft es auch bei „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“. Doch neben diesen großen Parallelen zu anderen Geschichten, bietet dieser Film allerhand Neues.

Die Geschichte ist etwas fürs Herz, macht Spaß und ist ganz nebenbei lehrreich. Kinder können spielerisch Wissenwertes über verschiedene Vogelarten lernen und auch Erwachsene werden definitiv an diesem Film viel Freude haben.
Dieses Roadmovie bietet nämlich eine wirklich spannende Geschichte. Ich zumindest habe mich wirklich gefragt, ob Richard es schaffen wird, den langen Weg von Norddeutschland bis Afrika zu überwinden. Zusätzlich findet sich der kleine Spatz Intrigen, Gefahren und Anstrengungen gegenüber. „Überflieger“ ist also keinesfalls eintönig oder geradlinig. Nebenbei bekommt man viele verschiedene Locations zu sehen, was auch Abwechslung bietet.
Als Richard dann noch die zu groß geratene Zwergeule Olga mit ihrem imaginären Freund Oleg und den Karaoke-Wellensittich Kiki kennenlernt, wird das Ganze zusätzlich ziemlich lustig.

Es zeigt sich also, dass der Film vielfäktig ist. Es geht um Familie, Freundschaft und Mut. Und vor allem auch darum, dass man im Prinzip alles sein kann, was man möchte. Man muss sich nur trauen und diese Reise zu sich selbst antreten.

Der Animationsstil wird von Regisseur Toby Genkel „cartooniger Realismus“ genannt und das trifft es perfekt. Einerseits ziemlich naturgetreu und andererseits poppig-bunt kommen die Vögel daher. Sie sind wirklich schön anzusehen. Doch auch die Naturbilder bieten viel fürs Auge.
Jemand, der mit mir in der Pressevorführung war, kennt den Drehbuchautoren und Co-Regisseur Reza Memari persönlich und erzählte, dass die Vögel in mehreren Versionen Kindern vorgelegt wurden, die dann über das Aussehen abstimmen konnten. Man war mit der Gestaltung also ganz nah an der Zielgruppe dran. Ich finde das eine tolle Idee und das Ergebnis spricht auch für dieses Vorgehen.

Die Rolle der Musik in diesem Film ist zweigeteilt. Zum einen gibt es die klassische Filmmusik, die mir nicht im Ohr geblieben ist. Hintergrundgeräusche, die die Szenen halt unterstreichen. Doch dann gibt es auch die Gesangseinlagen von Kiki und anderen Vögeln, die wirklich Spaß machen.
Am allermeisten hat mich jedoch der Song des Abspannes begeistert. Zuhause habe ich direkt das Interet durchsucht, ob man ihn schon irgendwo hören und kaufen kann. Leider habe ich ihn nicht gefunden.

Zum film gibt es mittlerweile sogar Bücher. Zum einen „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper: Das Buch zum Film“, das die Geschichte zum Nachlesen bietet und viele Filmfotos enthält. Zum anderen gibt es „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper: Richards abenteuerliche Reise“, das kurze Abenteuer aus dem Filmkosmos und zahlreiche Abbildungen aus dem Film enthält.

Reza Memari hat sogar schon verraten, dass er an der Fortsetzung zu „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ arbeitet und ich kann vollommen verstehen, dass er Richard noch nicht loslassen kann!
Mir hat der Film wahnsinnig gut gefallen und er ist definitiv als Familienfilm geeignet. Innerhalb der Geschichte nervten mich nur die wiederkehrenden Tauben, die durch die Stromleitungen online waren, und ich fand es schade, dass gerade in der anfänglichen Familienkonstellation typische Klischees, die man schon in einigen anderen Zeichentrickfilmen sah, aufgegriffen wurden.
Insgesamt kann ich den Film aber allen empfehlen. Auch als Erwachsene hatte ich viel Spaß und wurde berührt.



Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper

Originaltitel: Richard the Stork (2017)
Filmverleih: Wild Bunch Germany
Lauflänge: 84 Minuten
Ab dem 11. Mai 2017 in den deutschen Kinos

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