Isabel Abedi – Imago

Wanja liebt sie – diese Minuten vor Mitternacht, kurz bevor auf ihrem Radiowecker alle vier Ziffern auf einmal wegkippen und eine ganz neue Zeit erscheint. Doch heute um Mitternacht verändert sich nicht nur das Datum für Wanja. Sie bekommt eine geheimnisvolle Einladung zu der Ausstellung Vaterbilder. Und damit einen Schlüssel, der die Tür zu einer anderen Welt öffnet: in das Land Imago. (Klappentext)

Isabel Abedi nimmt uns mit in das Leben von der zwölfjährigen Wanja, die gerade einen ziemlichen Umbruch in ihrem Leben und Charakter durchmacht. Sie muss leider erkennen, dass sie mit ihrer besten Freundin Britta nichts gemeinsam hat und sie nur noch aus Gewohnheit so viel zusammen machen. Außerdem möchte sie endlich etwas über ihren Vater wissen. Dieser rätselhafte Mann, über den alle schweigen oder nur Schlechtes sagen.

Mitten in dieser aufwühlenden, vorpubertären Zeit, bekommt Wanja die Einladung zu der Ausstellung „Vaterbilder“. Durch ein ganz bestimmtes Gemälde wird sie in die Welt Imago gezogen und dort eröffnet sich ihr und den Lesern die Welt eines schillernden Zirkus. Doch damit nicht genug. Einer der anderen Kinder, die eine Einladung bekommen haben, ist Mischa. Er geht auf ihre Schule und hat keinen Kontakt zu den anderen Schülern.
Wanjas Kontakt zu Mischa wird nun aber zwangsläufig immer mehr, was ihr einen noch schwereren Stand in ihrer Mädchenclique beschert.

Zu Wanja hatte ich eine wirklich gute Verbindung. Sie ist sehr sympathisch und man kann richtig fühlen, wie schwer im Moment alles für sie ist. Auch Mischa mochte ich sehr und natürlich alle Mitglieder des Zirkus Anima. Aber mit dem Rest war es seeeehr schwer.
Britta ist einfach nur eine riesengroße, nervige Zicke. Wie Wanja überhaupt mal mit ihr klar kam, ist unvorstellbar für mich.
Und auch die anderen Mädchen und Wanjas Mutter Jo waren schwer zu ertragen.
Jo war sehr anstrengend, impulsiv und ab und zu hatte man mal den Eindruck, dass Wanja eher die Mutterrolle hat. Dies verstärkte wohl auch den Eindruck, dass Wanja sehr reif ist und für mich nie zwölf Jahre alt war. Bei Mischa ist es das gleiche. In meinem Kopfkino waren beide eher so 16 Jahre alt.

Das ganze Buch ist also keinesfalls kindisch geschrieben und auch die Themen (erkennen der eigenen Gefühle, die Suche nach sich selbst und seinen Wurzeln) sind nicht nur für Kinder und Jugendliche geeignet.

Die Beschreibungen waren toll. Obwohl wirklich viele Personen vorkamen, war jeder individuell so toll gezeichnet, dass ich nie durcheinander kam. Und auch die Landschaften, Wohnungen oder was auch immer waren deutlich. Und ganz besonders der Zirkus. Ich war weit über zehn Jahre nicht mehr dort, aber ich fühlte mich sofort zurückversetzt. Jede Nummer, jedes Kostüm, ich hab alles ganz deutlich vor mir gesehen.

Das Buch hat einen großen Vorteil, der für mich gleichzeitig ein Nachteil war. Es besteht aus Geheimnissen über Geheimnissen. Warum sind ausgerechnet Wanja und die anderen paar Kinder ausgesucht? Warum ist überhaupt alles so mystisch und kein anderer sieht die Tür im Museum? Wie kann sie in eine andere Welt reisen? Warum passieren so viele komische Sachen im Zirkus? Was ist denn nun mit Wanjas Vater? Und warum rastet Jo immer so extrem aus, wenn er zur Sprache kommt?
Ich liebe Rätsel und Geheimnisse, aber hier kommt alles so geballt. Nichts löst sich zwischendurch mal auf. Und sobald mal eine Kleinigkeit beantwortet wird, ergeben sich daraus zehn neue Fragen. Das nervt nicht nur Wanja, sondern hat meine Nerven auch manchmal ganz schön strapaziert.
Und doch war vieles sehr, sehr vorhersehbar. Das fand ich nicht unbedingt schlimm, es war aber doch komisch, dass soooo viele Rätsel krampfhaft aufgebaut werden, wenn vieles so deutlich ist.

Und doch bleiben am Ende noch so einige Fragen offen. Ich habe das Buch zugeschlagen und dachte „Aha, ja schöne Geschichte, aber WARUM zum Teufel war das und das jetzt so???“. Da hätte ich mir dann schon die eine oder andere Erklärung gewünscht.
Außerdem haben sich Wanja und Mischa noch mit zwei anderen Kindern angefreundet, Alex und Natalie. Man hat zwar zwischendurch mal erfahren, welche Bilder sie haben, durch die sie reisen, aber was bei ihnen so passiert, wurde nie thematisiert. Außerdem weint Natalie zum Ende hin viel im Museum und es wird an keine Stelle erklärt wieso. Dann sollte man solche Details weglassen, finde ich.

Alles in allem hat sich das Lesen aber auf jeden Fall gelohnt. Eine schöne, fantasievolle Geschichte, die (mir zumindest) auch ans Herz geht.
Da aber so vieles ungeklärt bleibt, ich Jos Verhalten total überzogen und unnötig fand und ich mit den meisten Personen nicht warm geworden bin, gebe ich .

Isabel Abedi – Imago
Arena Verlag, Juni 2004
ISBN 3401029088
402 Seiten
Taschenbuch; 7,99 Euro

Weitere Bücher der Autorin (klicke für die Rezension):

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