Sebastian Fitzek – Der Augenjäger

Wer mich und meine Rezensionen kennt, weiß, dass ich Sebastian Fitzek liebe.
Seitdem ich das erste Buch von ihm gelesen habe, bin ich süchtig. Ich musste jedes Buch haben und sofort verschlingen. Deswegen kaufe ich mir mittlerweile die Neuerscheinungen noch am Veröffentlichungstag.
Und ich mag den Autor auch so unglaublich gern. Bei Facebook hat man immer das Gefühl, dass er einen ein Stück in sein Leben lässt. Immer ein Stück zu nah, um sich unbeteiligt zu fühlen. Und er schreibt so nett. Auch die Antworten auf E-Mails sind so lieb. Einfach ein unglaublich sympathischer Mann.
Vor Gericht würden meine Rezensionen wegen Befangenheit sicher immer abgelehnt werden.

Auf das nächste Buch freute ich mich also schon seit dem Moment, als ich den Augensammler zugeklappt hatte. Und dann noch ein Stück mehr, als ich erfuhr, dass es direkt an den Augensammler anknüpft.

Und auch der Klappentext verspricht ja wieder einen fantastischen Fitzek:

„Blind vor Angst
Er zählt zu den besten Augenchirurgen der Welt. Ein Meister im Operationssaal.
Nachts aber widmet er sich besonderen Patientinnen: Er verschleppt sie in seinen Klinikkeller und öffnet ihnen die Augen – im wahrsten Sinne des Wortes…“

Vorab möchte ich, wie auch Herr Fitzek am Anfang des Buches, warnen.
Der Augenjäger ist der zweite Teil einer losen Reihe um Alexander Zorbach.
Im zweiten Teil wird nun auch die komplette Geschichte aus dem ersten Teil thematisiert. Mit Auflösung und allem drum und dran. Es würde im Nachhinein also wirklich keinen Sinn mehr machen den Augensammler zu lesen.
Auch wenn man den zweiten Teil nun ohne Vorwissen lesen kann (es wird dem Verständnis keinen Abbruch tun), würde ich empfehlen erst Teil eins zu lesen.

So, und jetzt muss ich versuchen, das Buch nicht besser zu bewerten, nur weil es von meinem Lieblingsautoren ist.
Also wenn ich es jetzt ganz nüchtern betrachte und es nur von Hans Müller geschrieben wurde, dann finde ich das Buch gar nicht mal so gut.
Das Potenzial ist aber auf jeden Fall da.

Wie immer sind die Figuren sehr authentisch und ich fühlte mich gleich allen nah. Vor allem auch deswegen, weil ich sie aus dem Augensammler noch sehr gut kannte.
Sebastian Fitzek schafft es komischerweise als einziger Autor, dass ich auch noch einige Jahre nach der Lektüre Vor- und Zunamen, Charakter und Aussehen der meisten Figuren sehr gut kenne.
Und so freute ich mich, als ich wieder Alex und Alina begleiten durfte. Und habe wissend aufgelacht, als es einen Seitenhieb auf die Familie Larenz gab (ich kriege gar nicht genug von diesen kleinen Anspielungen und Vernetzungen zu den anderen Büchern).

Das Buch ist wieder aus mehreren perspektiven Geschrieben. Gerade am Anfang endet jedes Kapitel mit einem großen Knall und die Spannung wird sofort aufgebaut.
Aber es zeigt auch gleich, dass es von Anfang an viele lose Fäden gibt, die es zu verbinden gibt.

Und das ist der Grund, warum das Buch bei mir nicht wirklich gut abschneidet. Alles wirkt wirr und ich konnte an einigen Stellen nicht mehr wirklich folgen, warum wer nun mit wem zu tun hat und was nochmal vorher passiert war. Es gab zu viele Opfer vom Arzt Zarin Suker, die erwähnt wurden. Alle mit ihren eigenen grausigen Geschichten. Zu viele Verbindungsstellen zum Augensammler, die sich einfach nicht erklären wollten. Für meinen Geschmack auch zu viele Ortswechsel, hin und her, Flucht und wieder zurück gebracht werden oder zurück gehen oder wie auch immer… auf jeden Fall zurück kommen.
Und die vielen Perspektivenwechsel mögen ja für den einen dafür sorgen, dass die Story rasant ist und an Fahrt und Spannung gewinnt. Für mich war das einfach nur hektisch und das führte dazu, dass sich bei mir kein Spannungsgefühl einstellen wollte.
Natürlich gibt es auch wie immer die typischen, spannenden Cliffhanger. Also die waren ja wirklich kurz mal nervenaufreibend, aber weil man nun wieder jemand anderem folgte und da mit neuen Problemen und Nöten konfrontiert wurde, war der Cliffhanger schon fast vergessen.

Ich mag es auch total, wenn ich nicht weiß, wer der Täter ist. Wenn ich suchen muss und ihn am besten noch bei den Guten finde (und das Motiv dann auch logisch ist). Hier wusste man von Anfang an, wer der Täter ist und die einzige Frage war, ob der grausige Arzt irgendwann gestoppt werden kann.
Das war nicht genug für mich. Das ist dann aber tatsächlich Geschmackssache und ist nicht wirklich negativ für das Buch.

Im Gegensatz zu dem Augensammler, wo man miterleben durfte, wie eine Frau bei lebendigem Leibe verwest, sind der Horror und die Grausamkeiten wieder etwas subtiler. Also natürlich ist es ganz, ganz furchtbar, was Suker alles mit seinen Opfern macht (was nicht unwesentlich etwas mit abgeschnittenen Augenlidern zu tun hat), aber man ist nie aktiv dabei, sondern erfährt es nur aus Dialogen.

Komischerweise ist das Buch von der Thematik her dann auch zweigeteilt. Viel dreht sich um den Augenarzt Suker, man beschäftigt sich aber auch nochmal sehr viel mit dem Augensammler.
Mich hat das an sich nicht gestört, weil ich die Story sogar spannender finde als die aktuelle, aber ich kann schon verstehen, wenn da einige Leser enttäuscht oder leicht genervt sind. Aber da es im Fall „Augensammler“ nochmal sehr viele Wendungen gibt, fand ich das schon ok. Außerdem endete das Buch ja auch mit einem der bösesten Cliffhanger, die man sich vorstellen kann. Das musste einfach weitererzählt werden.

Und letztendlich gab es für meinen Geschmack auch ein paar Zufälle zu viel.
Die Fitzek-Bücher waren schon mal logischer und die Begebenheiten besser durchdacht.
Was aber wieder toll war, war dieses besondere Special. In vielen Büchern gab es das ja nun schon. Diese Schreckensmomente, als man die Seite umblätterte. Und auch hier gibt es wieder ganz viel zu entdecken. Eine tolle Spielerei, die ich immer bewundere.

Ich hatte extra einen Tag mit dem Schreiben der Rezension gewartet, ob sich über Nacht die Geschichte festigt und ich sie toll finde. Aber leider nein. Irgendwie ist mir das nun in der Erinnerung alles viel zu schwammig. Das war einfach zu wirr. Und spannend fand ich es leider auch nicht.
Aber die Figuren waren super wie immer. Auch die Beschreibungen waren sehr gut. Kopfkino vom Feinsten (nur eben kein aufregendes). Und die Wendungen beim Augensammler finde ich auch gut gemacht. Wenn auch irgendwie unnötig.
Geschrieben war auch wieder sehr, sehr flüssig. Ich konnte kaum aufhören zu lesen, allein, weil es so gut flutscht, wenn man erstmal drin ist.

Also ich habe es in keinem Fall bereut das Buch gelesen zu haben. Und auch den nächsten Fitzek gibt es für mich wieder am Erstverkaufstag, denn richtig enttäuscht bin ich ja gar nicht.
Es entsprach nur alles nicht unbedingt meinem Geschmack.
Daher .

Sebastian Fitzek – Der Augenjäger
Droemer/Knaur, September 2011
ISBN 3426198819
419 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Der Augensammler
2. Der Augenjäger

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