Hendrik Groen – Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre

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Hendrik Groen mag alt sein (83 1/4, um genau zu sein), aber er ist noch lange nicht tot. Zugegeben, seine täglichen Spaziergänge werden kürzer, weil die Beine nicht mehr recht wollen, und er muss regelmäßig zum Arzt. Aber deshalb nur noch Kaffee trinken, die Geranien anstarren und auf das Ende warten? Kommt nicht in Frage. Ganz im Gegenteil. 83,25 Jahre lang hat Hendrik immer nur Ja und Amen gesagt. Doch in diesem Jahr wird er ein Tagebuch führen und darin endlich alles rauslassen. Das ist richtig lustig und zugleich so herzzerreißend, dass wir Hendrik am Ende dieses Jahres nicht mehr aus unserem Leben lassen wollen. (Klappentext)

Kurz nachdem meine Großmutter im Sommer ganz überraschend starb, bekam ich von Piper die Anfrage, ob ich „Eierlikörtage“ lesen möchte. So seltsam es klingt, es hatte für mich noch einmal etwas von „Oma nah sein“, wenn ich ein Buch von jemandem in ihrem Alter lese.

Hendrik wohnt in einem Altersheim in Amsterdam und dort gibt es nicht mehr viel zu erleben. Die größten Dramen sind die Zickereien am Kaffeetisch. Auch mal die toten Fische im Aquarium. Aber so etwas Besonderes gibt es selten. Hauptsächlich gibt es Probleme zwischen den Bewohnern. Das Problem ist nur: Hendrik Groen hat es nicht so Senioren. Er mag nicht wie sie riechen, wie sie schlurfen beim Gehen, wie schamlos sie im Laufe des Lebens geworden sind und erst Recht nicht das Gejammer über Krankheiten.
Zum Glück hat er ein paar verbündete Bewohner, die auf seiner Seite sind. Und so gründen sie den Alt-aber-nicht-tot-Club und machen ihren Alltag noch einmal bunt in dem Einheitsgrau der Altersheimwände.

Schon auf den ersten Seiten musste ich laut und herzlich lachen. So, wie ich lange nicht bei Büchern lachen musste. Hendrik schreibt selbstironisch und schafft es, düstere Themen mit einem trockenen und lockeren Spruch fröhlich zu machen.
Und düstere Themen gibt es im Buch viele. Es geht eben hauptsächlich um Dinge, die alte Leute beschäftigen: Krankheit, der eigene Tod und der der anderen, Sterbehilfe, Gehhilfe, Lebenshilfe. Man macht sich plötzlich Gedanken, mit welchen Hilfsmitteln man im Alter wieder mobil werden kann und welche Probleme schon Busfahren mit sich bringen kann.
Und trotzdem werden auch die schönen Seiten des Lebens nicht vernachlässigt.
Man kann sagen: Hendrik Groen zeigt uns, dass alt werden nicht schön ist, man es sich aber schön machen kann.

Wie der Klappentext schon verspricht, schließt man Hendrik schnell ins Herz. Er ist lieb, herzlich, hilfsbereit, hat Manieren und versucht so wenig wie möglich zu jammern. Sein trockener Humor macht es einem dann noch leichter, ihn zu mögen. Und auch die anderen Bewohner und vor allem die anderen Mitglieder des Clubs bekommen viel Aufmerksamkeit. Ich konnte verstehen, warum ausgerechnet diese paar Leute Hendriks Freunde waren.

eierlikoertageGanz in Tagebuch-Manier war das Buch leicht zu lesen und die Sprache angenehm alltäglich. Da man ein ganzes Jahr, vom 01. Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2013, mit Hendrik verbringt, sind die einzelnen Abschnitte zum Teil sehr kurz. An manchen Tagen schrieb er nur ein paar Zeilen, an manchen füllte er zwei Seiten. Dabei wechseln die Themen zwischen sehr persönlichen Ansichten über Beschreibungen der Geschehnissen im Altersheim bis hin zu ganz allgemeinen Dingen, beispielsweise was die Politik für die alten Leute tut.
Das Spektrum war also weit gefächert.

Das einzige Manko des Buches: Es war nicht wirklich spannend. Ich war gern bei Hendrik, ja, aber es waren eben hauptsächlich alltägliche Beschreibungen. Man wurde nicht gezwungen weiterzulesen. Auch wenn es natürlich Dramatik im Buch gab, passierte selten etwas mit lang angekündigtem Spannungsbogen. Vieles kam eher überraschend und man erfuhr viel über die daraus resultierenden Konsequenzen. Wie es eben im wahren Leben oft so ist.
Aber so führte es eben dazu, dass ich ein paar Seiten – und damit ein paar Tage von Hendrik – las und dann auch für ein paar Tage gar nicht das Buch zur Hand nahm.

Vieles im Buch konnte mich jedoch rühren und mich fast zum Weinen bringen. Aber eben nur fast.

„Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre“ beinhaltet also weder eine rasend spannende Geschichte, noch eine große Liebesgeschichte oder gar Krimielemente. Aber es ist ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, um ein wenig bei Hendrik zu sein. Es ist gemütlich und rührend. Von mir bekommt es deswegen 4 Sterne.

Ich konnte es mir dann natürlich auch nicht nehmen lassen und recherchierte, ob es Hendrik Groen, den 83 1/4-jährigen wirklich gibt, der sein Tagebuch zuerst auf der Website des „Torpedo Magazines“ veröffentlichte, wie es das Buch sagt.
Das niederländische Wikipedia, das seine Informationen von einer niederländischen Nachrichten-Seite hat, sagt, dass es Hendrik leider nicht gibt. Es ist ein Synonym des Amsterdamers Bibliothekar Peter de Smet. Schade eigentlich. Es wäre ein ganzes Stück schöner, wenn es ein reales Tagebuch wäre, finde ich.

Hendrik Groen – Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre
Originaltitel: Pogingen iets van het leven te maken: Het geheime leven van Hendrik Groen, 83 1/4 jaar (Juni 2014)
Piper, 01. August 2016
ISBN 3492058086
414 Seiten
Gebunden; 22,00 Euro

Reihenfolge:
1. Eierlikörtage – Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre (Originaltitel: Pogingen iets van het leven te maken: Het geheime leven van Hendrik Groen, 83 1/4 jaar)
2. Tanztee – Das neue geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 85 Jahre (Originaltitel: Zolang er Leven is. Het geheime dagboek van Hendrik Groen, 85 jaar)

Kostenloses Rezensionsexemplar

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Johannes Hayers & Felix Achterwinter – Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn!

Hayers_Achterwinter_Schnall dich an sonst stirbt ein Einhorn

Diese Tricks finden Sie garantiert in keinem anderen Buch
Johannes Hayers und Felix Achterwinter haben die besten Erziehungstricks von ganz normalen Eltern gesammelt. Obwohl: Ist Angelika normal, wenn sie bei sich selbst einbricht, um ihrem Sohn das Abschließen der Haustür einzutrichtern? Ist Maria normal, wenn sie ihre Tochter dazu bringt, den Sicherheitsgurt anzulegen, indem sie droht: «Schnall doch an, sonst stirbt ein Einhorn!»?
Ob normal oder nicht, ob legal oder nicht, diese listigen und lustigen Erziehungstricks haben tatsächlich funktioniert. Denn Kinder lieben nicht nur Einhörner, sie lieben auch Bären. Warum sollte man ihnen also nicht hin und wieder einen aufbinden? (Klappentext)

Auch wenn ich noch keine Kinder habe, interessierte mich dieses Buch sofort, als ich es das erste Mal sah. Zum Glück konnte ich es kostenlos auf der Tagung bekommen.

Die 100 Tricks sind unterteilt in fünf große Abschnitte: „Gesund und munter“, „Saubär hingekriegt“, „Erwachsen werden, wozu?“, „Zusammen leben und lernen“ und „Reden ist Gold, Ruhe auch.“.
Die einzelnen Erziehungstricks sind höchstens 2,5 Seiten lang und sind für Kinder verschiedenster Alter ausgedacht worden. Von Kindergarten- über Grundschalter bis zur Pubertät ist alles dabei.
Und auch thematisch ist die volle Bandbreite an Problemen enthalten: Lügen, Betrügen, Diebstahl, Abenteuerlust, Computerfixiertheit, Lautstärke, Dreck, Undiszipliniertheit, Faulheit und einiges mehr.

Die Tricks haben alle den gleichen Aufbau, der unterschiedlich dargestellt wird.
Es beginnt mit der Ausgangssituation. Diese wird entweder durch einen normalen Text, Comics oder auch mal Dialoge aufgezeigt. Dann folgt der Trick, der auch abwechslungsreich gezeigt wird: Bilder, Zeitungsausschnitte, Texte.

Auch wenn ich die Tricks naturgemäß nirgends anwenden kann (nicht mal jüngere Geschwister habe ich), machte es mir trotzdem Spaß sie zu lesen.
Zum einen waren die Eltern wirklich einfallsreich, zum anderen haben die beiden Autoren alles mit viel Humor und Wortwitz aufgeschrieben. Auch mit ihrer Meinung zu verschiedenen Tricks haben sie nicht hinterm Berg gehalten.

Ich hatte nur ein paar Probleme mit dem kontinuierlichen Lesen, denn Spannung wird natürlich nicht erzeugt. Ich habe immer ein paar Tricks gelesen und das Buch dann wieder beiseite gepackt, denn ich habe ja ein bisschen „ins Leere“ gelesen. Mein Ziel war nicht „Erkenntnisgewinn“, sondern „Spaß“. Der war zwar da, aber auch nicht in so einem hohen Maße, dass ich unbedingt am Ball bleiben wollte.

Insgesamt gefällt mir die Aufmachung und der Inhalt gut. Manches Mal war ich nur von der sehr detaillierten Beschreibung der Ausgangsituation genervt. Das hätte öfter ruhig knapper ausfallen können. Schallend gelacht habe ich auch nicht, aber öfter mal geschmunzelt.
Trotzdem bin ich so überzeugt von dem Buch, dass ich es sogar schon für eine Freundin mit einem zweijährigen Kind als Geschenk gekauft habe. 4 Sterne

Johannes Hayers & Felix Achterwinter – Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn!
rororo, Dezember 2014
ISBN 3499628724
255 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Dr. Josephine Chaos – Bis die Ärztin kommt

Chaos - Bis die Ärztin kommt

Sexy Schwestern! Scharfe Chefärzte! Verklemmte Patienten! Spektakuläre Geburten!

Es ist Montagmorgen 7 Uhr 45, als ich am Klinik-Pförtner vorbei zu den Aufzügen hetze, einen Kaffee in der linken und lauter wichtige Dingen wie Arztkittel, Milchpumpe, Kühltasche und Mittagessen in der rechten Hand. Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, so, als wäre dies mein erster Arbeitstag. Dabei bin ich gefühlte hundert Jahre im Geschäft und war nur mal kurz in Mutterschutz. Beim Gedanken an Chaos-Kind Nummer vier spüre ich, wie mir die Muttermilch in die Brust schießt, als sich mit einem leisen Sirren die Aufzugtür öffnet und eine vertraute Stimme sagt: »WOW – echt tolle Möpse, Josephine!«
»Malucci, du altes Schlitzohr, solltest du nicht langsam damit aufhören, fremden Frauen auf die Brüste zu glotzen?«
»Weißt du, Bella, das ist der wahre Grund, warum ich Gynäkologe geworden bin: Damit ich damit niemals aufhören muss.« (Klappentext)

Da ist sie wieder! Meine allerliebste Frauenärztin is bäck!
Im letzten Jahr war dieses Buch eines der wenigen, das ich für das volle Geld gekauft habe, denn ich MUSSTE es haben.
Nachdem ich seit Jahren ihren Blog „Josephine im Chaos“ verfolge und vergöttere, kaufte ich mir selbstredend ihr erstes Buch – „Dann press doch selber, Frau Dokta!“ – und war auch von diesem begeistert.

Dieser zweite Teil schließt sich nun nahtlos an Frau Dr. Chaos Zeit auf der gynäkologischen Station im Klinikum am Rande der Stadt an. Dazwischen liegt nur der Mutterschutz von Josephine und dem Chaos-Baby.
Und kaum ist die Ärztin wieder an ihrem angestammten Arbeitsplatz, geht es heiß her und das vor allem zwischen den Kollegen.

Ich habe es genossen, dieses Buch zu lesen. In jeder freien Sekunde nahm ich es zur Hand und ließ mich wieder zurückholen zu den kollegialen Irrungen und Wirrungen, gynäkologischen Mehr-oder-weniger-Notfällen und den Geburten.

Doch vor allem im Rückblick fehlten mir die letzten beiden Punkte sehr. Das erste Buch strotzte nur so vor Geburten und anderen gynäkologischen Fällen. In diesem Buch lag der Fokus ganz klar auf den zwischenmenschlichen Beziehungen. Und die Geschichten, die dann doch rein mit dem Beruf zu tun haben, kannte ich schon aus dem Blog.
Das war ein bisschen schade.

Auch ein bisschen schade war, dass das Buch voller Rechtschreibfehler war. Hätte ich für jeden Dass-das-Fehler einen Euro bekommen, hätte ich mir davon locker das Buch kaufen können. Zwei Mal.

Aber das waren schon die einzigen beiden Kritikpunkte.
Sonst war – wie auch in Buch eins und auf dem Blog – alles so fluffig geschrieben, dass allein das schon reicht, mich wohlig seufzen zu lassen, wenn ich das Buch zur Hand nahm.

Aber nicht nur das. Auch die komplette Chaos-Familie und die Kollegen (Ärzte, Pfleger, Hebammen) schloss ich wieder ruckzuck in mein Herz. Es ist im Zweifel natürlich von Vorteil, dass ich die ganzen Protagonisten schon seit Jahren „kenne“.
Dadurch, dass sich in diesem Buch auch viel mehr mit den Personen beschäftigt wurde, lernt man die einzelnen immer noch ein Stück besser kennen.
Außerdem konnten so auch ein paar „Roman-Kniffe“ eingebaut werden. Ein paar Geheimnisse gab es, Überraschungen und Wendungen, die bei dem „Geburten-Dokumentationsstil“ (in dem es auch viel Zwischenmenschliches gab, aber bedeutend weniger als hier) aus Teil 1 schwieriger einzubauen waren.

Gerade durch diese Überraschungen hatte ich in diesem Buch aber auch mehr das Gefühl etwas Fiktives zu lesen als je zuvor.
Ich gehe stark davon aus, dass auch manche Geburten aus frühen Blogzeiten ein bisschen ausgeschmückt und dramatischer gemacht wurden, als sie waren. Trotzdem glaube ich aber auch, dass davon alles so oder so ähnlich erlebt wurde. Da Buch 1 sich zum größten Teil aus den Bloggeschichten speiste, lässt sich das auch 1:1 darauf übertragen.
Bei „Bis die Ärztin kommt“ bin ich da nun unsicher. Es war ein bisschen zu viel Soap-Opera, um noch real zu sein.
Das stört den unbedarften Leser wahrscheinlich nicht, denn der geht wahrscheinlich auch eher mit dem Gedanken: „Buch!“ da ran. Mein Gedanke war eher: „Neue Erlebnisse von der Gynäkologin, die mit dem Pseudonym Dr. Josephine Chaos unterwegs ist!“.

Auch wenn das alles streckenweise etwas negativ klingt, ist es auf keinen Fall so gemeint. Dr. Josephine Chaos könnte meinetwegen auch Bücher über das Leben ihres Hundes schreiben und ICH. WÜRDE. SIE. LESEN. BIS. ZUM. ANSCHLAG. AUSRUFEZEICHEN.

Ich bin tatsächlich traurig, dass ich die Klinikwelt und die Chaos-Familie schon wieder verlassen musste und hoffe inständig, bald wieder von meiner Lieblingsärztin etwas lesen zu können. Irgendetwas.
Da ich aber doch ein paar Kritikpunkte hatte, vergebe ich 4 Sterne.

Dr. Josephine Chaos – Bis die Ärztin kommt – Liebe, Leidenschaft und andere Notfälle
FISCHER Taschenbuch, September 2014
ISBN 3596031060
351 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Dann press doch selber, Frau Dokta! – Aus dem Klinik-Alltag einer furchtlosen Frauenärztin
2. Bis die Ärztin kommt – Liebe, Leidenschaft und andere Notfälle
Chaos_Dann press doch selber Frau Dokta Chaos - Bis die Ärztin kommt

Iris Hechenberger (Hrsg.) – Wer spickt, wird erschossen

Hechenberger_Wer spickt wird erschossen

»Guten Morgen, ihr Analphabeten! Was glaubt ihr, wie das Diktat ausgefallen ist?«
Was Lehrer den ganzen Tag so von sich geben, lässt einen nur noch den Kopf schütteln – oder in schallendes Gelächter ausbrechen. Lehrer sind die wahren Comedians. Denn Sie haben Sprüche auf Lager, bei denen sogar gelangweilte Schüler und stressige Eltern lachen müssen.
Hier kommen die besten, lustigsten und blödsinnigsten Sprüche aus der Schule. (Klappentext)

Ach, ich stehe einfach auf so einen Kram. Diese kurzen Bücher mit SMS, peinlichen Geschichten oder eben Lehrersprüchen.
Ich schäme mich fast immer ein bisschen darüber auf einem Buch-Blog zu schreiben, denn so wirklich als Buch geht es ja doch nicht durch. Nur so halb.
Und trotzdem greife ich immer wieder darauf zurück und belästige informiere euch darüber.

Lehrersprüche sind von Haus aus ja ein zweischneidiges Schwert. Einerseits können sie unglaublich witzig sein, andererseits ist da auch immer ein kurzes: „DARF der das? Zu einem Schutzbefohlenen?“

Schon als ich in dem „Ich lese jetzt“-Post dieses Buch ankündigte, kam die Frage: „Ist das wirklich witzig? Die besten Sprüche entstehen aus der Situation und können so gar nicht wiedergegeben werden.“
Und das stimmt. Oder lacht jetzt jemand, wenn ich erzähle, dass eine Russischlehrerin bei mir an der Schule zu einem Mitschüler sagte: „Du wirst immer dicker und ich werde immer schöner.“. Oder dass mein Bio-Lehrer zu einer Mitschülerin sagte. „Was ist das da auf deinem Kopf?“ und als sie sagte: „Ich habe mir die Haare gefärbt. Farbe: Espresso.“, schockiert antwortete: „Ach das soll so? Ich dachte, das wäre ein Unfall!“.

So ähnlich ist das in dem Buch. Es gibt einfache Zitate oder Mini-Dialoge, die zum Teil schon amüsant sind. Aber eben zum kleineren Teil.
Der Rest ist eher ok bis langweilig. Für mich waren da auch einfach zu viele altbekannte Sprüche drin, wie: „Du guckst wie ein Auto, nur nicht so schnell.“, „Bist du so blöd oder tust du nur so?“, „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“ Oder „Niveau ist keine Handcreme.“. Alles schon hundert Mal gehört.

Da die Sprüche nur so halbwegs eine Seite füllen können, gibt es verschiedene Schriftarten und Bildchen, die in die Schule passen (Lineal, Stift, Schultasche, ABC, Formeln,…).
Unterteilt ist das ganz in sechs Schulstunden und kleine und große Pause. Die Sprüche passten mal mehr, mal weniger in ihr Kapitel.

Man muss das definitiv nicht gelesen haben. Kann man aber. Ich habe nicht allzu viel gelacht, sondern nur ab und zu mal geschmunzelt. Den vollen Preis von 8,99 Euro wäre es mir nicht wert gewesen. Da ich es als Mängelexemplar für 2,50 Euro mitgenommen habe, war es ok. 2,5 Sterne

Iris Hechenberger (Hrsg.) – Wer spickt, wird erschossen
Knaur Taschenbuch, Mai 2013
ISBN 3426786052
246 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Dr. Josephine Chaos – Dann press doch selber, Frau Dokta!

Chaos_Dann press doch selber Frau Dokta

Live aus dem Kreißsaal!
Ich schwöre: Ich bin lieb! Wirklich! Aber mit Nierenschalen zu werfen – das geht dann doch ein bisschen zu weit.
Also schrei ich: »Frau Pharma? FRAU PHARMA! Es reicht jetzt! Pressen Sie mal, statt hier so rumzufurien!«
Frau Pharma ist das aber so was von egal: »Ich press nicht mehr, Frau Dokta! Ich will JETZT ’nen Kaiserschnitt! Abba sofoooort!«
Dann wirft sie mir noch eine ganze Batterie an Schimpfwörtern an den Kopf, deren Bedeutung ich erst googlen muss, bevor sie – und jetzt wird es lustig – einfach aufsteht und davonstürmt…(Klappentext)

Der Untertitel des Buches lautet: „Aus dem Klinik-Alltag einer furchtlosen Frauenärztin“.
Josephine ist jedoch nicht nur furchtlos, sondern hat auch ein riesiges Herz. Für ihre Familie (immer), ihre großen und kleinen Patienten (meistens) und ihre Kollegen (manchmal).
Diese lernen wir nun alle besser oder schlechter in diesem Buch kennen, das aus ihrem fantastischen Blog (und damit meinem Lieblingsblog) entstanden ist: http://josephinechaos.wordpress.com/

Das Buch beginnt nun damit, dass Josephine das vierte Mal (ungeplant) schwanger ist und trotzdem immer noch fleißig arbeitet. Dabei erlebt sie die ein oder andere Geschichte mit ihren Patientinnen: Kinder, die Kinder bekommen; Frauen, denen die Gesundheit des Kindes nicht ganz so wichtig ist; lockere Eltern; ängstliche Eltern; anstrengend Eltern und natürlich auch den anderen Wehwehchen, die (Frauen)Ärztin so neben Schwangerschaften in der Ambulanz antrifft.
Bei alledem wird sie unterstützt von heißgeliebten Kollegen und weniger heißgeliebten Kollegen, die man nach und nach kennenlernt und zum Teil selber ins Herz schließt.
Es kommt jedoch auch ihre eigene Familie nicht zu knapp und man lernt ihre drei tollen Kinder kennen und den vielleicht sogar noch etwas tolleren Ehemann.

Die Geschichten laufen immer unter dem Schwangerschaftsmonat von Josephine.
Die Schwangerschaft bestimmt jedoch nicht den Inhalt. Zumindest nicht ihre eigene. Man bekommt jedoch einen guten Eindruck über die Veränderungen, Untersuchungen, Freuden und Probleme, die damit einhergehen.

Für mich lebt das Buch, wie auch der Blog von der Sprache.
Die Geschichten sind spannend, schockierend, lustig, dramatisch oder einfach skurril, aber die Art der Darstellung macht alles noch doppelt und dreifach interessant.
Josephine hat ihre ganz eine Art zu erzählen und diese Art liebe ich. Es gibt Formulierungen, Vergleiche und Halbsätze, die ich am liebsten 1:1 so übernehmen und meine Umgebung ständig beglücken würde. Immer wieder dachte ich zwischendrin: „Wenn ich so schreiben könnte, dann wäre ich sehr, sehr glücklich!“.
Das Buch liest sich auch deswegen schneller weg als einem lieb ist.

Das Buch ist also eine Mischung aus alten Bloggeschichten und neuen Vorkommnissen und auch wenn ich die Bloggeschichten alle schon kannte, störte es mich keine Sekunde, sie noch einmal zu lesen.
Es ist mir sogar ziemlich egal, ob alles so oder so ähnlich erlebt wurde oder ob es mittlerweile wirklich ausgedachte Geschichten sind. So wie Josephine das beschreibt, darf sie mich gern anlügen so lange und ausgiebig sie will.
Die ganzen Ärzte, Hebammen und sonstigen Klinikmitarbeiter auseinanderzuhalten war als Stammblog-Leser einfach. Ich kann mir aber vorstellen, dass es als ganz neuer Leser etwas schwierig sein könnte.
Am Ende des Buches befindet sich auch ein Glossar über die medizinischen Fachbegriffe.

Für die volle Sternzahl fehlt das letzte bisschen Mitfiebern und Gefühl, das ich im Blog so oft empfinde (was habe ich beim lesen da schon geheult. Ächt jetzt!).
Das mag auch daran liegen, dass ich eben so vieles schon kannte, aber trotzdem: Ich liebe, liebe, liebe dieses Buch und ich war wirklich traurig, als ich es zuschlug und aus der kleinen Klinikwelt entlassen wurde.
Darum gibt es also wundervolle: 4,5 Sterne

Kauft es, lest es und macht Josephine glücklich (oder lest zumindest ihren Blog! Los los!)!

Dr. Josephine Chaos – Dann press doch selber, Frau Dokta! – Aus dem Klinik-Alltag einer furchtlosen Frauenärztin
FISCHER Taschenbuch, März 2013
ISBN 3596196345
258 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Dann press doch selber, Frau Dokta! – Aus dem Klinik-Alltag einer furchtlosen Frauenärztin
2. Bis die Ärztin kommt – Liebe, Leidenschaft und andere Notfälle
Chaos_Dann press doch selber Frau Dokta Chaos - Bis die Ärztin kommt

William Wahl – Ernst beiseite! 500 Namen, die Sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten

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Tom-Tom ist kein Name!

Mit dem Namen scheint die Zukunft eines Kindes vorbestimmt: Kann eine Jacqueline Vorstandsvorsitzende werden und eine Walburga in einer Medienagentur arbeiten? Warum darf ein Kind im Schwabenland auf keinen Fall Astrid heißen? Wird Gretel gehänselt? Weswegen gelten Petras als hässlich? Und verwechseln Japaner Lionel tatsächlich stets mit Rainer? William Wahl nennt die schlimmsten Namenssünden und warnt dabei vor einigen Klassikern ebenso wie vor Modenamen. (Klappentext)

Ein paar Monate lag dieses Büchlein relativ unbeachtet bei mir im Schrank, denn ich habe nicht viel von einem „Anti-Lexikon“ erwartet.
Ich hätte es viel früher aufschlagen sollen, denn ich bin wirklich begeistert.
Für mein Empfinden wurde alles herausgeholt, was es aus so einer Art Buch herauszuholen gibt.

Zum einen werden gewöhnliche und ungewöhnliche Namen auf ihre Bedeutung hin untersucht, gespickt mit der ein oder anderen Untersuchung der Wirkung und dazu noch eine ganze Menge Humor. Natürlich gibt es dem einen oder anderen Witz, der sich zwar anbietet, aber nun nicht vor Niveau strotzt. Doch was will man machen, bei Namen wie Blasius, Enis, Onan oder Gül?!
Wahl1Einige Namen sind sogar stilecht mit einem Stempel gekennzeichnet. „Vorsicht Chantalismus!“ steht bei den Mädchennamen und „Vorsicht Kevinismus!“ steht bei den Jungennamen.

Zum anderen gibt es aber auch immer wieder Listen, die sich beispielsweise mit den durchgeknalltesten Promi-Kindernamen, den altmodischsten Vornamen oder den dämlichsten friesischen Vornamen beschäftigen.
Auf diesen Seiten trifft man auch immer wieder auf die Cover-Figur. Diese Art roter Faden gefällt mir gut.

Wahl3Für mich waren aber auch ein paar humoristische Perlen dabei, über die ich wirklich lachen musste.

Neben den einzelnen Namen boten sich hier besonders die Fußnoten und die immer mal eingestreuten Fotos bekannter Persönlichkeiten an.

 

 

Wahl2

Wahl4Hätte ich es nicht auf einer Tagung geschenkt bekommen, hätte ich es mir sicher nicht gekauft. Es ist immerhin kein Buch, das sich unbedingt zum Hintereinander-Weg-Lesen anbietet, doch ich habe es genau so gemacht und bin ganz gut damit gefahren.

Ich musste wirklich oft lachen und sehe den einen oder anderen Namen jetzt in einem anderen Licht.

Sollte mich irgendwann ein Mal die Namensfindung für ein Kind stark beschäftigen, werde ich bestimmt noch einmal einen Blick in das Buch werfen.

Da ich nicht finde, dass man etwas hätte besser machen können (kann man bestimmt, aber gefehlt hat mir eben nichts), vergebe ich 5 Sterne.

William Wahl – Ernst beiseite! 500 Namen, die Sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten
rororo, Mai 2013
ISBN 3499630400
221 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Sascha Lobo – Wortschatz – 698 neue Worte für alle Lebenslagen

Ich habe selten (und wenn ich „selten“ sage, dann meine ich „noch nie“) so ein unwichtiges Buch gelesen.
Es ist eine Zusammenfassung einer NEON-Kolumne von Sascha Lobo. In der Rubrik „Wortschatz“ kreiert oder „zest“ er neue Begriffe, die man angeblich in der deutschen Sprache noch bräuchte.

Wer diese Kolumne mag, für den ist das Buch sicher etwas. Ich habe es aber bisher zielsicher geschafft, diese zu ignorieren. Jetzt habe ich festgestellt, dass ich nichts verpasst habe.

Die Worte sind unterteilt in verschiedene Bereiche. So gibt es beispielsweise „Arbeit & Büro“, „Familie & Freunde“, „Digitale Welt“, „100 neue Worte für Schnee“ und vieles mehr.

Die Begriffe sind dann immer unterschiedlich lang erklärt. Manches kommt mit einem Satz aus, manches braucht eine ganze Seite zur genauen Erläuterung. Und diese ist dann meist äußerst umständlich und kompliziert geschrieben.
Die Schrift dabei ist so klein, dass ich immer das Gefühl hatte, ich komme beim Lesen gar nicht weiter.
Selbst wenn die Seiten nicht komplett beschrieben waren (was häufig vorkommt), war kein Vorankommen.
In dem Buch finden sich auch viele Bilder, die den Begriff darstellen. Diese Bilder finde ich aber mehr als hässlich, gruselig und unpassend.

Das Einzige, was mir noch relativ gut gefallen hat, war die Einleitung zu jedem Kapitel. Auf einer komplett roten Seite wurde pointiert über den jeweiligen Bereich geschrieben und warum es nun neuer Begriffe dort bedarf.

An diesen Stellen konnte ich dann auch mal schmunzeln, sonst fand ich das Buch aber sehr humorlos (oder es entspricht einfach nicht meinem Humor. Das kann natürlich sein!).
Und mal ganz ehrlich: Die wenigsten Menschen werden dieses Buch lesen (oder eben die Kolumne) und sich dann auch noch fast alle 700 Worte merken. Also kann ich sie im Alltag ja eh nicht anwenden ohne mich umständlich zu erklären.

Für mich war auch folgender Fakt enttäuschend:
Mir fehlten in meinem Leben tatsächlich immer nur zwei Begriffe:
1.) Wenn man keinen Durst mehr hat (vor ein paar Jahren wurde dann ja der unschöne Begriff „sitt“ eingeführt) und
2.) Die Zusammenfassung von Onkel und Tante. So wie Mutter und Vater die Eltern sind, müssen Onkel und Tante doch auch etwas sein. Tankel? Onte? (Hier gab es nur die – für mich – unnötigen Worte „Der Tant“ = „der Mann der Tante“ und „die Onke“ = „die Frau des Onkels“, damit endlich „angeheiratet“ ausgedient hat. Das habe ich doch aber nie verwendet!)

Also gab es für das einzige Wort, das ich wirklich für mein Leben brauche, keine Erklärung.

Von mir bekommt das Buch meine ersten .

Sascha Lobo – Wortschatz – 698 neue Worte für alle Lebenslagen
rororo, November 2011
ISBN 3499628236
189 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro