Arthur Schnitzler – Traumnovelle

Die Ehe von Fridolin und Albertine steckt in der Krise, weil sich beide nach der Erfüllung ihrer erotischen Begierden sehnen, diese aber nicht ausleben können. Erst als sich Fridolin einer schönen Unbekannten hingibt und Albertine im Traum Erfüllung findet, kommen sie wieder zueinander. Jeder ist dabei für den anderen einen symbolischen Opfertod gestorben, der die Befreiung von den unterbewussten Trieben bedeutet. (Klappentext)

Fridolin ist ein angesehener Arzt, seine Frau Albertine kümmert sich um die gemeinsame Tochter.
Als er eines nachts an das Totenbett vom Hofrat gerufen wird, ahnt er nicht, dass diese Nacht unvergesslich sein wird. Mehr als eine Frau versucht ihn zu verführen und der geheimnisvolle Maskenball scheint sich als Gefahr zu entpuppen. Und das alles passiert ausgerechnet kurz nachdem er und seine Frau sich ihre geheimen Fantasien und Beinaheseitensprünge gebeichtet haben und sich dann versprachen, ab nun immer gleich alles zu erzählen…

Ich fand, die Geschichte klang unglaublich vielversprechend. Und das jetzt nicht, weil ich mich auf viele erotische Szenen freute, sondern weil ich auf die psychologischen Fragen gespannt war. Wird Fridolin seine Chancen nutzen? Wird er fremdgehen? Wird er es seiner Frau erzählen? Wird ihn ein schlechtes Gewissen plagen? Aber am allermeisten war ich gespannt auf den Maskenball, der mir als Einzelbilder aus der Verfilmung „Eyes Wide Shut“ bekannt war.
Und tatsächlich war die Umsetzung anfänglich ziemlich gut und spannend. Immer tiefer gerät der Leser mit Fridolin in den Strudel aus Möglichkeiten und Abenteuern. Doch dann kippte das Buch für mich, die Spannung brach ohne Höhepunkt einfach ab.
Und dann hat es das Ende geschafft, dass das Buch mich doch vollkommen unbefriedigt zurückließ.

Der Leser ist die ganze Zeit bei Fridolin und begegnet mit ihm zusammen in der einen Nacht allerhand Personen. Doch leider ist er keine sympathische Figur. Er ist nicht nett oder liebevoll. Er ist eher ein Macho, fühlt sich als etwas Besonderes, kann total verstehen, warum ausnahmslos alle Frauen auf ihn stehen und nimmt sich Dinge heraus, die er anderen nicht zugestehst.
Vor allem zum Ende hin schüttelte ich beim Lesen ständig den Kopf über Fridolins Ansichten und Aussagen. Ich konnte mich nicht in ihn hineinversetzen und seine Entscheidungen auch nicht nachvollziehen.

Die Ansichten können jedoch aus dem gleichen Grund heraus anstrengend für heutige Leser sein wie die Sprache: Das Buch wurde vor gut 90 Jahren geschrieben.
Die Sprache ist dementsprechend unmodern und gewöhnungsbedürftig. Ich hatte in den ersten paar Seiten ziemliche Schwierigkeiten hineinzukommen. Dies besserte sich jedoch schnell.
Ich persönlich mag aber genau aus diesem Grund keine Klassiker. Selbst „Romeo und Julia“ oder „Kabale und Liebe“ (die beide ja noch einige hundert Jahre älter sind) nervten mich allein aufgrund der Sprache. Da bin ich wohl ein Kulturbanause.

Und das ist dann wohl auch der Grund, warum mich „Traumnovelle“ nicht begeistern konnte. Nicht einmal überzeugen.
Die Geschichte fand ich bis zur Hälfte wirklich gut und ich saß ziemlich gespannt da.
Doch die zweite Hälfte der Geschichte, die Person Fridolin und die Sprache verleideten mir den Spaß am Buch.
Ich mag wohl einfach keine Klassiker.
Dieser bekommt aber aufgrund der anfänglich starken Geschichte von mir.

Arthur Schnitzler – Traumnovelle
Anaconda, 31. August 2005 (Erstveröffentlichung: 1925)
ISBN 393848456X
95 Seiten
Gebunden; 3,95 Euro

Hans Joachim Schädlich – Sire, ich eile – Voltaire bei Friedrich II.

Schädlich_Sire ich eileBevor ich das Buch überhaupt nur aufgeschlagen hatte, zog ich noch einmal das Internet zurate, was denn nun nochmal GENAU eine Novelle ist: „eine kürzere Erzählung in Prosaform.“. Aha, stimmt, da klingelt etwas. Na dann konnte es ja losgehen.

„Voltaire am preußischen Hof – Hans Joachim Schädlich führt nicht nur die Unvereinbarkeit von freiheitlichem Geist und absolutistischer Macht vor Augen. Er rückt auch Voltaires berühmte Gefährtin Émelie du Châtelet ins Bild und eine große aufgeklärte Liebe.“ (Klappentext)

Ich habe kein tieferes Interesse für den großen Autoren der französischen und europäischen Aufklärung, Voltaire, und auch keines für den Preußenkönig Friedrich II.
Ich gab dem Büchlein aber die Chance jenes zu wecken.

Doch schon auf der ersten Seite befanden sich zu viele Details, die mich zweifeln ließen, dass ich je Gefallen finden werde. Es werden Kirchennamen, Straßennamen und Familiennamen in den Raum geworfen, die mich nicht interessierten und Menschen, denen die französische Sprache fremd ist, wahrscheinlich leicht verzweifeln lassen.
SchädlichDas sollte sich im ganzen Buch nicht bessern. Es wurde mit Namen nur so um sich geworfen. Namen, die man selbst mit guter Allgemeinbildung nicht kennt (und meiner Meinung nach auch nicht kennen muss). Manchmal werden die Personen erklärt, manchmal wird der Name einfach so im Raum stehengelassen. Um zu verstehen, was ich meine, sollte das nebenstehende Bild näher betrachtet werden. Die Aufzählung der Tischgesellschaft war für mich ein mehr vollkommen uninteressantes Detail.

Die Sprache gefiel mir ebenso wenig wie der Inhalt. Sie ist sehr einfach gehalten. Viele Hauptsätze, viele Ellipsen (warum der Autor ständig die Verben weggelassen hat, erschließt sich mir nicht. Musste er Zeichen sparen?). Er bedient sich zusätzlich vieler altertümlicher Ausdrücke. Das passt wiederum zum Inhalt, machte mich aber nicht glücklicher.

Das Ganze las sich auch nicht wie eine gemütliche Erzählung, sondern wie eine trockene und sachliche Biografie. Eine Aneinanderreihung von Daten und Fakten, die oft vor Nebensächlichkeit nur so strotzten.
Die unwichtigen Nebeninfos bezogen sich jedoch nicht nur auf die drei Hauptpersonen – Voltaire, Émelie und Friedrich II. -, sondern auch auf Personen, die nicht zum wesentlichen Inhalt (die Beziehung zwischen dem König und dem Autoren) beitrugen. So gab es über mehrere Seiten hinweg Briefe von Friedrich II. an seinen Kammerdiener Michael Fredersdorf, der an Hämorrhoiden und Fieber litt. Dass die dann auch noch in dem originalen „Kutscherdeutsch“ von Friedrich abgedruckt waren (der seiner Heimatsprache nicht viel abgewinnen konnte und sie deswegen nur unzulänglich beherrschte), taten dem Buch auch keinen Gefallen. Es ist zwar nett, wenn es so originalgetreu ist, aber das Lesen hat es nicht erleichtert.

Überhaupt nahmen Briefe einen großen Teil des Buches ein.
Immer wieder wurde die Chronologie angereichert mit Auszügen aus (real existierenden) Briefen. Manchmal fragte ich, ob Hans Joachim Schädlich einfach keine Lust mehr hatte, das Geschehen nachzuerzählen und deswegen der Einfachheit halber zitierte.
Überhaupt scheint er überaus gern zu zitieren. Immer wieder gab es nicht nur Briefe, sondern auch Aussprüche oder Zeitungsartikel.

Insgesamt fühlt sich das Buch für mich immer noch an wie eine lieblose Aneinanderreihung von Daten und Fakten. Ich verstehe nicht, was der Autor mir mit seinem Werk vermitteln wollte. Die Auflistung der ganzen Quellen am Ende des Buches lässt auch vermuten, dass der eigenständige Anteil sehr gering sein muss.
Es mag ja sein, dass er schön die Unvereinbarkeit von freiheitlichem Geist und absolutistischer Macht herausgearbeitet hat, trotzdem war es für mich ein schlichtes Widergeben von Informationen mit Hinblick auf diesen Konflikt.

Ich möchte sogar so weit gehen, dass ich diese Ausarbeitung auch gut und gern im Internet gefunden hätte. Da wahrscheinlich nur kürzer zusammengefasst und in angenehmerer Sprache.

Vielleicht fehlt mir einfach nur das Interesse oder das Verständnis. Das kann sein. Das Buch hat mir (deswegen) aber schlicht und ergreifend kein bisschen gefallen.

Das Buch las sich, wie sich ein Vortrag in der Schule über ein aufgezwungenes Thema anhört.
Langweilig und uninteressant.
Dafür vergebe ich 1 Stern.

Hans Joachim Schädlich – Sire, ich eile – Voltaire bei Friedrich II.
Rowolth, Januar 2012
ISBN 3498064169
141 Seiten
Gebunden; 16,95 Euro