John Boyne – Der Junge mit dem Herz aus Holz

Boyne_Der Junge mit dem Herz aus Holz

Von einem, der auszog, den Mut zu finden

Eines Morgens läuft Noah von zu Hause fort. Ein einsamer Waldweg führt ihn zu einem Spielzeugladen voller Zauber und Magie. Hier lernt Noah einen sehr ungewöhnlichen Spielzeugmacher kennen. Der alte Mann hat viel zu erzählen. In seiner Geschichte geht es um Abenteuer, Wunder und gebrochene Versprechen. So nimmt er Noah mit auf eine Reise. Eine Reise, die Noahs Leben verändern wird. Und die auch unser Leben verändern könnte.

Eine märchenhafte Parabel über den Trost des Erzählens (Klappentext)

Fast zwei Jahre lag dieses Buch auf meinem SuB. Und das, obwohl ich es damals unbedingt haben wollte.
Vielleicht lag es da so lange, weil mir das erste Buch, das ich von John Boyne gelesen habe, „Der Junge im gestreiften Pyjama“, nicht so richtig gut gefiel.
Vielleicht lag es da so lange, weil mich andere Bücher dann doch immer mehr interessierten.
Vielleicht lag es da so lange, weil es nie zu meiner Stimmung passte.
Vielleicht lag es da so lange, weil ich es auf meinem riesigen SuB schlicht und ergreifend übersehen habe.
Aber warum auch immer es da so lange dort lag, endlich habe ich es gelesen.

Die Welt schläft noch, da verlässt Noah Barleywater seine Eltern. Er will etwas Großes leisten und Abenteuer erleben. Immerhin ist er schon acht. Er durchquert seltsame Dörfer bis er zu einem Spielzeugladen kommt, der nicht minder merkwürdig ist. In dem Spielzeugmacher findet er jemanden, der ihm von großen Abenteuern erzählen kann und Noah besser versteht, als der kleine Junge denkt.

„Der Junge mit dem Herz aus Holz“ ist eine Geschichte voller seltsamer Begebenheiten. Es ist ein Buch, in dem man seinen Sinn für Humor irgendwo liegen lassen und Jahre verlieren kann, sodass man beide suchen muss. Ein Buch, in dem Bäume jammern, wenn man ihnen Äpfel von den Ästen stiehlt und Tiere reden können. Ein Buch, in dem Erinnerungen einen richtigen Platz im Kopf haben.

Man muss sich auf diese Dinge einlassen können, man muss fantasievolle Dinge als gegeben annehmen können, um das Buch zu mögen. Aber wenn man das tut, dann erwartet einen eine zauberhafte Geschichte. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Schon als Noah aus der Haustür trat, war ich dem kleinen Jungen verfallen. Er war klug und mutig und ich wollte ihn gern auf dem Weg in die Welt hinaus begleiten. Schnell wurde der kleine Junge immer vielschichtiger und tiefgründiger und ich wollte seinen Charakter mit ihm zusammen ergründen.
Der Junge mit dem Herz aus HolzDer alte Mann, der Noah seine Lebensgeschichte erzählt, war ebenso sympathisch. Gern verfolgte ich mit Noah zusammen die Erinnerungen. In der gebundenen Ausgabe sind diese Erinnerungen blau geschrieben und es finden sich einige passende Zeichnungen. Ich liebe solche Details in einem Buch.
Durch den weisen Mann lernt Noah viel über Reue, Abenteuer und die Dinge, die wichtig im Leben sind.

Doch so lehrreich es ist, so wenig spannend ist es auch. Ich hatte keinen wirklich Grund zum weiterlesen. Auch wenn die größte Frage ist: „Was wird aus Noah?“, hätte ich auch gut ohne die Antwort weiterleben können.

Die Sprache lässt den Zauber zum Glück durch die Geschichte wirken und versucht nicht noch zusätzlich einen draufzusetzen. Das wäre zu viel gewesen. Sie bleibt direkt und klar und eher ein wenig humorvoll. Passend für so eine Art von Geschichte.

Zum Schluss wartete noch eine Überraschung auf mich, die mich erfreute. Wer die Hinweise versteht bzw. überhaupt kennt, der wird schon früher drauf kommen.

Ich mag Märchen gern und auch in dem Buch mochte ich viel. Ich fand die Figuren toll und auch die magischen Dinge. Aber mir fehlte Spannung. Nicht, dass lehrreiche Geschichten immer spannend sein müssen, aber mir plätscherte das ein bisschen zu sehr dahin.
Am Ende – trotz Weisheit und Lehren und dramatischen Entscheidungen – berührte mich das Buch leider nicht. Da half auch der süße Noah nicht. Das Buch ging mir nicht nah, obwohl es darauf wohl angelegt war. 3,5 Sterne

John Boyne – Der Junge mit dem Herz aus Holz
Originaltitel: Noah Barleywater runs away (September 2010)
Fischer KJB, März 2012
ISBN 3596854776
237 Seiten
Gebunden; 13,99 Euro
(Auch als Taschenbuch erhältlich)

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Frank-Thomas Kirchberg – Die goldene Kastanie

Kirchberg_Die goldene KastanieBei einem starken Gewitter verirrt sich Prinzessin Selina im Wald. Als sie irgendwann in eine trockene Höhle gelangt, steht plötzlich die Fee Jeraldine vor ihr und befiehlt ihr das Herz des Waldes, die goldene Kastanie wiederzubeschaffen. Sie wurde gestohlen und solange sie nicht wieder da ist, stirbt der Wald langsam ab.
Nur wenn Selina sich bereit erklärt die Kastanie zu suchen, findet sie einen Weg aus dem Wald. In ihrer Not trifft sie Graf Waldemar, der sich ebenfalls plötzlich verirrt im Wald wiederfindet. Zusammen mit ihm, der Magd Elsbeth und dem Knecht Johann versucht sie den Wald zu retten.
Doch Waldemar hat auch noch seine eigenen Probleme, die in Form von Richter Adelbert auftreten…

Graf trifft Prinzessin, Gestohlenes muss wiedergeholt werden, Schatzsuche, Verfolgungsjagd… In dem Buch finden sich altbekannte Motive, ein bisschen vermisse ich etwas Neues und Unbekanntes. Aber nichtsdestotrotz könnte auch daraus etwas richtig Gutes gemacht werden.
Könnte…

Der Autor sagt über sein Buch: „Meine Geschichte können sowohl Kinder, wie Jugendliche lesen, als auch genauso Erwachsene. Es ist sowohl ein Märchen, als auch eine Fantasy-Abenteuergeschichte mit ökologischem Touch.“
Märchen? Nun ja, ich glaube, es sind alle Anforderungen (Die Wikipedia der Bloggerin, die offensichtlich zu lange aus dem Deutschunterricht raus ist, freiwillig genannt hat) an ein Märchen erfüllt. Es ist ein Prosatext, die von wundersamen Begebenheiten erzählt. Es ist frei erfunden,die Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt und es gibt phantastische Elemente.
Ansonsten sind auch meine persönlichen Märchen-Bedingungen erfüllt: Es gibt Burgen, Adlige auf Pferden, die der Prinzessin helfen, Feen, Gute, Böse… Passt also.
Aber ob eine einzige Fee gleich ein „Fantasy“ ausmacht und ein Ritt durch einen Wald eine „Abenteuergeschichte“ möchte ich ein bisschen bezweifeln.

Auch die Beschreibung, dass die Geschichte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geeignet ist, macht mir ein bisschen Bauchschmerzen. Für mich passt das Buch nämlich zu keiner Gruppe so wirklich. Für Kinder ist der einfache Stil der Geschichte sicher gut geeignet. Es wird gradlinig erzählt, es gibt bekannte Märchen-Elemente und eine Rettungsgeschichte ist einigermaßen interessant. Dafür empfinde ich die Sprache für Kinder vollends ungeeignet. Zu viele altertümliche Wendungen und Begriffe. Ich habe mir ab und zu vorgestellt, wie ich diese Geschichte einem Kind vorlesen würde und sah oft fragende Augen vor mir und Erklärungen, die den Lesefluss unterbrachen.

So mancher Satz wirkte gewollt hochtrabend ausgedrückt und wirkte deswegen sonderbar:

„[…]sie hatte schon lange keinen trockenen Faden mehr am Leib.“
„’ Das ist wohl gesprochen’, sagte die Fee Jeraldine.“
„’ Dieser Richter Adelbert ist ein ganz großer Bösewicht und er benimmt sich wie der allerschlimmste Flegel.’“
„Graf Waldemar und Prinzessin Selina sahen sich staunend an. Keiner von beiden fand Worte! Nach wie langer Zeit sahen sie sich wieder. Und auf welche Weise? Sie konnten es nicht glauben! Wie konnte so etwas nur geschehen?“ (Überhaupt gab es ständig rhetorische Fragen des Erzählers. Für mich definitiv zu viele.)
„Aber da war bereits Richter Adelbert da. ‚Abgefeimter Schurke!’, brüllte er den Grafen an.“
„So tafelten die beiden fürstlich!“

Für Jugendliche und Erwachsene war die Geschichte dann wieder zu einfach und unspannend dargestellt. Gerade dieses geradlinige, problemlose Erzählen macht es für diese Altersgruppen schwer. Es fehlte mir einfach eine gewisse Art von Komplexität. Ein paar mehr Seiten und Ausführungen hätten dem Buch nicht geschadet. Und die ein oder andere überraschende Wendung auch nicht.
Die Sprache machte es aber auch mir wirklich schwer und nicht selten musste ich die Augen verdrehen. Sie war kaum variabel. Wendungen und Wörter wiederholten sich in aufeinanderfolgenden Sätzen. Oft wirkte die Geschichte durch die Aneinanderreihung einfacher Sätze abgehackt. Andererseits gab es viele Komma- und Anführungszeichen-Fehler. Ein paar Mal fehlte ein ganzes Wort im Satz.

Am Ende passte für mich allerhand nicht zusammen.
Namen wie Elsbeth, Adelbert und Waldemar stehen in krassem Gegensatz zu Selina.
Moderne Ausdrücke und Worte mischen sich munter mit veralteten.
Das Versprechen einer Abenteuergeschichte passte nicht zu der einfachen Story.

Die Geschichte wurde 2007 als Hörspiel vertont. Ich glaube tatsächlich, dass das gut passt. Es gibt nur wenige Figuren, die Schimpftiraden des Richters kommen besser zur Geltung und wirken nicht so lächerlich wie beim Lesen. Mit ein paar einfachen Tricks lassen sich die Waldgeräusche gut nachahmen.
Ich glaube, als Vorlage für ein Hörspiel ist das Buch gut geeignet. Zum selber lesen eher nicht. 2 Sterne

Frank-Thomas Kirchberg – Die goldene Kastanie oder das Herz des Waldes
Kindle Edition, Januar 2014
69 Norm-Seiten (laut Autor)
eBook; 1,49 Euro