Boy Lornsen – Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt

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Tobbi und sein Roboterfreund Robbi sind furchtbar aufgeregt. Stolz sitzen sie am Steuer ihres selbst gebauten Fliewatüüts. Ob es auch wirklich fliegen kann? Immer schneller drehen sich die Propeller – und endlich heben sie ab! Große Aufgaben liegen vor Robbi und Tobbi. Denn die Roboter-Prüfung zu bestehen, ist gar nicht so einfach. Wird es ihnen gelingen, das Geheimnis der dreieckigen Burg zu lüften? Und können sie gegen Gespenster, Polizisten, eine Riesenkrake und ein Ungeheuer bestehen? (Klappentext)

Da ich damals nicht zur Pressevorführung von „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ gehen konnte, war Studiocanal so lieb und schickte mir vollkommen überraschend das Buch zum Film. Ich freute mich sehr darauf. Denn auch wenn ich mein Leben lang schon das Wort Fliewatüüt und die Funktionen des Gefährts kenne, hatte ich mich mit der Geschichte an sich nie weiter beschäftigt.
Nun war es aber soweit.

Und dann hätte das Buch mich beinahe in die Knie gezwungen.
Fast zwei Monate habe ich an den 252 Seiten herumgelesen. Dabei fand ich die Geschichte grundsätzlich wirklich niedlich.
Der kleine Roboter Robbi aus der dritten Robotklasse muss drei Prüfungen für die Schule bestehen. Dazu darf er sich einen kleinen Menschenfreund, der ebenfalls in die dritte Klasse geht, aussuchen. Er wählt den Erfinder Tobbi, den er heimlich beobachtet hatte. Tobbis Erfindung – ein Gefährt, das fliegen, schwimmen und fahren kann – beeindruckte Robbi so sehr, dass er es einfach baute. Eines Nachts steht er damit vor dem Fenster des kleinen Jungen in Tütermoor.
Schnell steht fest: Sie wollen die Prüfungsaufgaben zusammen lösen. So schwer kann es doch nicht sein, die Treppenstufen des gelb-schwarz geringelten Leuchtturms zu zählen, herauszufinden, wer am Nordpol steht und mit einem Z anfängt und das Geheimnis der dreieckigen Burg mit den dreieckigen Türmen zu ergründen. Oder?

Die Idee mit den drei Aufgaben gibt dem Leser von Anfang an einen roten Faden an die Hand. Das Ziel ist immer klar vor Augen. Doch leider fehlt dabei komplett die Spannung. Nicht nur der Weg der beiden ist irgendwie klar, nein, er geht auch problemlos vonstatten. Keine wirklichen Antagonisten, kaum echt Gefahren und nur nette Leute, die den beiden Drittklässlern helfen, wo sie können. Und wenn doch nichts mehr geht, dann sprechen sie eben mit den Tieren und bitten die um Hilfe.
Mit „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ bekommt man also einen Abenteuer-Roman geliefert ohne echtes Abenteuer.

Aber diese Diskrepanz würde vielleicht gar nicht so sehr auffallen, wenn es einem die Sprache nicht noch zusätzlich schwer macht. Man merkt dem Buch an, dass es eigentlich schon 40 Jahre alt ist. Der Schreibstil und damit auch die Dialoge sind hölzern und seltsam autoritär. Man wundert sich mit „Potzblitz“, bei Applaus wird grundsätzlich „Bravo!“ dazugerufen und Robbis und Tobbis Anweisungen beginnen immer mit „Du“ – à la „Du, Robbi, guck mal!“ und „Du, Tobbi, lass mich das mal besser machen.“ Immer klangen die beiden ein wenig von oben herab und besserwisserisch, selbst wenn sie miteinander sprachen.

Vielleicht lag es an der Sprache, vielleicht ist es einfach so, Humor kommt überhaupt nicht rüber. Nichts zu lachen mit dem Erfinder und dem Roboter.

Und gerade weil die beiden so unangenehm sprechen, wurden sie mir auch nicht sympathisch. Ich war sogar ziemlich froh, als das ganze Abenteuer nach fast siebzehn Tagen für die beiden und fast zwei Monaten für mich beendet war.

Als wäre das nicht insgesamt schon enttäuschend genug, gibt es unter jeder der siebzehn Kapitelüberschriften eine Kurzzusammenfassung des folgenden Inhalts. Aber nicht kryptisch, spannend oder witzig, sondern einfach ziemlich treffend. Wäre Spannung dagewesen, die man nehmen könnte, hätte die Zusammenfassung es getan.

Aber gibt es denn nun gar nichts Positives?

Doch, ein bisschen was gibt es schon.
Zuerst einmal bietet das Buch Mehrwert durch Filmfotos und einen kurzen Abriss über den Inhalt des Filmes, der tatsächlich ziemlich umgeändert wurde und durch neu eingeführte Antagonisten durchaus spannender als das Buch sein kann.

Die Grundidee des Buches ist auch nach dem Lesen immer noch niedlich, keine Frage. Nur an der Umsetzung haperte es sehr.

Insgesamt glaube ich aber, dass kleine abenteuerlustige Jungs und Mädchen über die Schwächen und die sprachlichen Schnitzer hinwegsehen können. Als ich klein war, habe ich mit Begeisterung alte Kinderbücher gelesen, die sprachlich auch nicht auf der modernsten Welle ritten.

Obwohl das Buch gebunden ist, kostet es nur 9,99 Euro und ich glaube, dass Eltern für ihre Kinder damit nicht allzu viel verkehrt machen.
Vom Selberlesen würde ich dann aber abraten… 2 Sterne

Boy Lornsen – Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt
Thienemann Verlag, 17. Oktober 2016 (Ursprünglich von 1967)
ISBN 3522184467
252 Seiten
Gebunden; 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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Andreas Herteux – Das Sternenkind und der Rabe

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In einer wunderschönen Nacht fällt ein Stern vom Himmel. Ihm entschlüpft ein kleines Mädchen, ein Sternenkind. Verwirrt und neugierig wandert es umher. Bald trifft das zarte Wesen von den Sternen auf den Raben Albrecht, der ihr zwar den Namen Sara gibt, aber ansonsten nur eines über die Zweibeiner weiß: Sie streben nach der Liebe. Was das aber ist, vermag der Rabe nicht zu sagen. Da auch das Sternenkind Sara noch nie von der Liebe gehört hat, beschließen sie, gemeinsam nach ihr zu suchen und sie zu ergründen. (Klappentext)

Als mich der Erich von Werner Verlag anschrieb und fragte, ob ich Lust habe, eines ihrer Bücher zu rezensieren, entschied ich mich für „Das Sternenkind und der Rabe“, denn schon das Cover war so unglaublich niedlich. Auch die Geschichte um das einsame Sternenmädchen, das erst einen Raben findet und dann die Liebe sucht, klang vielversprechend.

Bevor ich zu lesen begann, war ich ehrlicherweise kurz verwirrt: Weiß der Autor nicht, dass Sternenkinder verstorbene Babys sind oder soll das eine Anspielung darauf sein, dass Sara ein ebenjenes ist, das wiedergeboren wurde? Insgesamt glaube ich eher, dass Ersteres zutrifft.
Daher war der Name vielleicht ein wenig ungünstig gewählt, auch wenn ich das Wort in Kombination mit dem Bild des Mädchens ganz zauberhaft finde.

Die Geschichte um die Suche nach der Liebe und die Freundschaft mit Albrecht, dem Raben, fand ich dann grundsätzlich wirklich sehr süß. Für Kinder ist es ein schönes Thema. Aber selbst Erwachsene können sicher nicht genau definieren, was für sie nun Liebe ist. Daher finden auch Leser, die dem empfohlenen Lesealter von 8 bis 12 Jahren entwachsen sind, sicher den einen oder anderen interessanten Denkansatz.

Beschrieben sind genau 50 Seiten. Die Schrift ist groß und zum Teil nehmen Bilder noch Platz auf der Seite weg. Daher handelt sich die Geschichte ziemlich schnell ab. Ich persönlich hätte es schöner gefunden – und auch passender für die Zielgruppe kurz vor dem Teenageralter –, wenn ein wenig mehr Text vorhanden gewesen wäre. Die Geschichte hat sicherlich auch das Potenzial hergegeben, noch mehr dazu zu sagen. Mehr Leute aufzusuchen, mehr Zitate über die Liebe zu sammeln und vor allem das plötzliche Ende langsamer aufbauen zu können.
Vielleicht hätte das eine oder andere Thema, das im Buch angeschnitten wird, dafür weggelassen werden können. Destruktive Beziehungen und Misshandlungen müssen nicht unbedingt in einem Kinderbuch vorhanden sein, auch wenn man dort sicherlich auch eine Art Liebe finden kann.

Wie schön ich die Idee auch fand, so sehr erinnerte sie mich an das zweite Konzeptalbum um den kleinen Drachen „Tabaluga und das leuchtende Schweigen“. Dort drehte er an einem Jadestein, sah eine Werbung, in der ein Hund sein Futter liebt und fragt danach seinen Vater, was eigentlich „Liebe“ ist. Auch er macht sich dann auf die Suche, begegnet unterschiedlichen Personen und versucht herauszufinden, was das Gefühl namens Liebe ist.

Mit Sara hat Andreas Herteux zwar keinen Tabaluga geschaffen, aber auch ein kleines Geschöpf, das man ins Herz schließt mit seiner Unwissenheit und unbedarften Suche.
Albrecht ist in dem Duo der wissende Rabe mit dem trockenen Humor. Ein niedliches Gespann, das man gern begleitet.

das-sternenkind-und-der-rabeLang kann man jedoch nicht bei ihnen sein. Im stillen Lesen habe ich 25 Minuten gebraucht.
Das Vorlesen dauert sicher länger. Ehrlich gesagt würde ich das Buch aber vorher ein wenig abändern, wenn ich es sehr kleinen Kindern vorlese. Erstens würde ich das Thema Misshandlung wohl auslassen oder abschwächen und zweitens auch den einen oder anderen Satz einfacher umschreiben, denn schon auf der ersten Seite heißt es: „Einem Küken aus dem Ei gleich, entschlüpfte dem Himmelskörper etwas, was kaum zu erwarten war: Sein Innerstes gab ein kleines Mädchen frei, das nun verwirrt inmitten der Überreste kauerte.“ Für kleine Kinder ist das zu lang und zu umständlich formuliert. Aber die niedlichen Bilder lassen sich zusammen schön anschauen. Vor allem die einseitigen Bilder bieten ein paar Details, die man entdecken kann.
Wenn sich 8- bis 12-jährige das Buch eigenständig durchlesen, wird das auch sehr schnell gehen. In diesem Alter ist die Geschichte aber vielleicht schon zu kurz und in der Art und Weise auch zu einfach.
Bei der Zielgruppe bin ich also wirklich zwiegespalten.

Insgesamt finde ich die Personen süß, die Idee der Geschichte schön und die Bilder einfach zauberhaft.
An der Sprache und Länge des Buches habe ich dafür das ein oder andere auszusetzen.
Damit bekommt das Buch 3,5 Sterne von mir.

Der Erich von Werner Verlag engagiert sich auch sozial, vor allem in Verbindung mit „Das Sternenkind und der Rabe“.
Sie haben ein Crowd-Funding-Projekt ins Leben gerufen, um eine arabische Version dieses Buches erstellen zu können. Eine Auflage davon soll kostenlos Einrichtungen und Familien mit arabisch-sprechenden Kindern- und Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden.
Wer dieses Projekt unterstützen möchte, kann auf der Crowd-Funding-Seite vorbeischauen: Kinderhilfe – Arabische Version eines Kinderbuches. Das Projekt läuft noch bis Anfang Januar.

Andreas Herteux – Das Sternenkind und der Rabe
Erich von Werner Verlag, 12. Oktober 2016
ISBN 3981838823
68 Seiten
Taschenbuch; 7,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Maggie Stiefvater & Jackson Pearce – Pip Bartlett und die magischen Tiere

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Pip Bartlett kann mit magischen Tieren sprechen!
(Aber leider nicht gut mit Lehrern und sonstigen Erwachsenen…)

Weil Pip beim Schulprojekttag riesiges Chaos angerichtet hat, soll sie den Sommer über zu ihrer Tante Emma. Was sich schnell als großes Glück erweist: Denn Tante Emma leitet eine Arztpraxis für magische Tiere! Der ideale Ort für Pip, um den ganzen Tag mit Einhörnern und Hopp-Grackeln zu plaudern!
Doch dann tauchen plötzlich überall Fussels auf: kleine, pelzige Tierchen, die Feuer fangen, wenn sie sich aufregen. Dadurch droht Gefahr für alle.
Kann Pip mit ihrem neuen Freund Thomas das Geheimnis um die Fussels lösen? (Klappentext)

Dieses Buch richtet sich an eine Zielgruppe „ab 8 Jahren“. Ich bin also knapp 20 Jahre älter. Und trotzdem zog mich die Geschichte um all diese fantastischen Tiere – geradezu magisch – an.

Von Einhörnern und Pegasi waren sicher schon viele kleine Mädchen verschiedenster Generationen begeistert. Auch Pip ist fasziniert von ihnen und all den anderen magischen Tieren, die es gibt. Ihr Glück: Sie kann sogar mit ihnen reden.
In der Tierarztklinik ihrer Tante bekommt sie viele Gelegenheiten dazu. Doch als die selbstentzündlichen Fussels auftauchen, wird es gefährlich.
Die Geschichte ist süß und tatsächlich auch – in ihren Möglichkeiten – spannend.

Vor allem die Vielzahl der magischen Tiere macht das Buch schon zu etwas Besonderem. Zu den bekannten, wie Greifen und Einhörnern, kommen noch allerhand unbekannte. Die Geschichte strotzt nur so vor Fantasie.
Ein relativ ungewöhnlicher Ansatz dabei war, dass die Tiere nicht nur von einer kleinen Gruppe von besonders empfänglichen Personen oder auch Kindern gesehen werden können. Jeder sieht sie. Es ist unsere Welt – nur mit magischen Tieren.
Ich erwischte mich bei dem wehmütigen Gedanken: „Das wäre doch echt schön, wenn es das wirklich gebe…“.

Damit ist „Pip Bartlett und die magischen Tiere“ auch durch und durch für Kinder geeignet. Ich denke aber, dass Mädchen ein bisschen mehr Spaß an dem Buch haben werden. Denn – auch wenn ich jetzt nicht allzu sehr mit Vorurteilen um mich werfen möchte – erstens sind Einhörner vielleicht für Mädchen spannender und zum anderen ist die Hauptperson ein neunjähriges Mädchen, mit dem sich ebenjene eventuell besser identifizieren können.

Mit Pip wurde eine kluge und mutige Hauptperson geschaffen, die trotzdem ab und zu gegen ihre Schüchternheit ankämpfen muss. Sie ist auch die Ich-Erzählerin und nimmt den Leser damit ganz direkt auf ihr Abenteuer mit.
Begleitet wird sie von Thomas, bei dem dann doch sehr tief in Klischeekiste gegriffen wurde: Brille, klein, jüngstes Kind, furchtbar ängstlich, hat mehr Allergien als man zählen kann. Er ist lieb, aber eben mit seiner überängstlichen Art auch ein wenig anstrengend.
Insgesamt wurde bei den Figuren nicht allzu sehr differenziert. Außer Pip, die einen relativ vielschichtigen Charakter hat, wurden die anderen Charaktere schon sehr in eine Rolle gepresst, aus der sie nicht ausbrachen: die Zickig, die Nette, der Hilfsbereit, die Böse.

Obwohl die Sprache einfach gehalten ist, ist sie für Erwachsene nicht unangenehm zu lesen. Sie besteht nicht nur aus kurzen, abgehackten Sätzen, sondern hat einen schönen Fluss. Für Kinder ist das sicher ein gutes Beispiel dafür, wie gute Texte geschrieben werden.
Die Schrift ist auch ziemlich groß, wie man es aus Kinderbüchern kennt.

Pip BartlettEin weitere Highlight des Buches sind die vielen Zeichnungen. Pip trägt ihr Buch „Handbuch der magischen Tiere“ überall mit hin. Daraus bekommt man einige Ausschnitte zu sehen. Die Zeichnungen sind aber nicht so detailliert, dass die Fantasie des Lesers in eine Richtung gelenkt wird. Man bleibt trotzdem relativ frei.

Ich fand das Buch wirklich niedlich und schön gemacht. Auch mit Mitte 20 hatte ich Spaß. Natürlich sicher nicht so viel, wie Kinder, aber ich fühlte mich wohl bei Pip.
Ich hoffe, dass ich dieses Buch später meinen eigenen Kindern zeigen kann. Ich glaube, dass es dann ganz hohes Lieblingsbuch-Potenzial hat.

Weil ich die Personen etwas zu eindimensional fand, ziehe ich ein wenig von den Sternen ab, aber – bewertet in dem Kinderbuch-Genre – bekommt das Buch 4,5 Sterne von mir.

Maggie Stiefvater & Jackson Pearce – Pip Bartlett und die magischen Tiere
Originaltitel: Pip Bartlett’s Guide to Magical Creatures (April 2015)
Heyne Verlag, 28. März 2016
ISBN 3453270444
237 Seiten
Gebunden; 12,99 Euro

Reihenfolge:
1. Pip Bartlett und die magischen Tiere (Originaltitel: Pip Bartlett’s Guide to Magical Creatures)
2. (Originaltitel: Pip Bartlett’s Guide to Unicorn Training)

Kostenloses Rezensionsexemplar

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! Die Schrecken der Nacht

Segel_Miller_Nightmares_ Die Schrecken der Nacht

Schlafe, Charlie, schlaf nicht ein,
im Traum wird es noch schlimmer sein…

Kalter Kaffee, Unmengen Wasser, Klebeband zum Augenaufhalten: Der zwölfjährige Charlie versucht alles, um bloß nicht einzuschlafen. Seit er in der Villa seiner neuen Stiefmutter lebt, wird er Nacht für Nacht von absolut gruseligen Albträumen heimgesucht. Aber warum wirken die Monster und Ungeheuer so viel echter als andere Träume? Und was passiert, wenn die Albträume tatsächlich zum Leben erwachen? Charlie muss sich etwas einfallen lassen, wenn er jemals wieder ruhig schlafen will. (Klappentext)

Ich habe keine Albträume und auch noch nie gehabt.
Was ich aber erlebe, ist die Schlafparalyse. Die Phase zwischen Schlafen und Wachen, die alle haben, aber nur die wenigsten bewusst erleben. Dabei ist man noch bei Bewusstsein, aber der Traum ist schon nah. Die meisten Menschen sehen in der Zeit Monster, dunkle Gestalten oder Geister, hören gruselige Geräusche und haben schlimme Gefühle. Nicht wenige Menschen erleben diese Zeit in vollkommener Panik. Genau wie ich.
Aber wenn ich dann mal schlafe, habe ich nur noch coole Träume.
Anders als der zwölfjährige Charlie Laird.

Seit Charlie mit seinem Vater und seinem kleinen Bruder in der lila Villa seiner Stiefmutter wohnt, hat er furchtbare Albträume. Jede Nacht besucht er die Hexe, die ihm immer wieder droht, ihn zu fressen. Aber es fühlt sich nicht nur an, wie ein Traum. Es scheint, als würde er wirklich in den dunklen und stinkenden Gemächern der Hexe und ihrer sprechenden Katze sitzen. Doch plötzlich droht sie, Charlie in seiner Welt zu besuchen. Und schon bald wird er herausfinden, was wahr ist, und was Traum.

Das Buch wird offiziell „Kinderbuch“ genannt und das empfohlene Lesealter liegt zwischen 10 und 12 Jahren. Ich bin also locker 15 Jahre zu alt und doch stand dieses Buch ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Schon allein, weil es unter anderem von Jason Segel geschrieben wurde und ich ein großer How-I-Met-Your-Mother-Fan bin.

Man merkt dem Buch die Zielgruppe aber an vielen Stellen an.
Nicht nur die Protagonisten sind jung, sondern auch ihre Denkweise. Erwachsene hätten sich an der ein oder anderen Stelle sicher anders verhalten und andere Entscheidungen getroffen.
Die Sprache war diesem Niveau ebenfalls angeglichen. Sie war sehr einfach, aber das noch auf eine relativ angenehme Weise.

Mit Charlie wurde eine Figur geschaffen, die nicht mal durchgängig sympathisch war. Er hatte seine Momente, in denen er wütend und unfair war. Momente, bei denen ich nie wusste, ob die Albträume schuld sind oder vielleicht auch schon die beginnende Pubertät.
Doch auch die anderen Personen blieben nicht immer eindimensional und man konnte an ihnen so manches entdecken.

Die Geschichte ähnelte mit all den vorkommenden Monstern, die man neben der Hexe nach und nach kennenlernt, auch anderen (Grusel-)Kinderbüchern. Doch mit dem Traum-Setting hebt sie sich positiv ab.
NightmaresIm Sinne dieser Monster war nicht nur die Cover-Gestaltung, sondern auch die des (optischen) Inhalts. Zum (lumineszierenden) Cover passte zusätzlich noch der orange gefärbte Schnitt.
Richtiger Grusel kam bei mir zwar nicht auf, aber Spannung auf jeden Fall. Ich wollte die Albträume verfolgen und als es nach der Drohung der Hexe, dass sie zu Charlie kommen wird, erst richtig losging, war es auf jeden Fall spannend.

Und die letzten 60 Seiten war ich durchgehend so gerührt, dass mir mehr als nur eine Träne aus den Augen kullerte. Ich war so ergriffen von dem Ende, dass ich mich kaum zusammenreißen konnte.

Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Ich mochte die Story, die Figuren und all die Dinge, die man entdecken konnte und die noch vielfältiger waren als das Cover.
Trotzdem merkte man, dass es eigentlich ein Kinderbuch ist. Das minderte zwar nicht wirklich meinen Lesespaß, lässt es für mich aber auch kein perfektes Buch sein.
Wenn ich 15 Jahre jünger wäre, fände ich es sicher noch einen Tick besser. So gibt es „nur“ 4 Sterne.

Wem das Buch nicht so gut wie mir gefallen sollte, muss sich zum Glück nicht ärgern, denn obwohl es eine Nightmares!-Trilogie geben wird, ist dieses Buch in sich abgeschlossen und kann auch als eigenständiger Roman gelesen werden.

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! – Die Schrecken der Nacht
Originaltitel: Nightmares! (September 2014)
Dressler, 13. November 2014
ISBN 3791519085
377 Seiten
Gebunden; 17,99 Euro

Reihenfolge:
1. Nightmares! – Die Schrecken der Nacht – Originaltitel: Nightmares!
2. Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler – Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic
3. Nightmares! – Die Stunde der Ungeheuer – Originaltitel: Nightmares! The Lost Lullaby

Ildikó von Kürthy – Karl Zwerglein

Kürthy_Karl ZwergleinIch bin gut 20 Jahre älter als das empfohlene Lesealter dieses Buches. Zwischen 6 und 8 Jahren war ich mal. Trotzdem wollte ich sehen, wie Ildikó von Kürthy sich als Kinderbuchautorin schlägt, wo ich doch sonst nur ihre Frauenbücher kenne, die ich zugegebenermaßen immer sofort haben muss.

Der Klappentext versprach eine zauberhafte Geschichte:

Gartenzwerge haben Zauberkräfte.
Das weiß ja jedes Kind.

Karl, der kleine Zwerg, erwacht in dem Moment aus seiner jahrelangen Erstarrung, als Paula ihn in ihrem Garten findet. Gemeinsam nehmen es die beiden gegen Paulas fiese Tante Margret auf, die Karl in den Müll schmeißen will. Beinahe scheint Karl in Sicherheit, da bringt er sich durch seinen blöden Schluckauf wieder in Gefahr. War nun alles vergeblich? Ganz im Gegenteil: Paula und Karl Zwerglein kommen dadurch einem uralten Geheimnis auf die Spur…

Ein bisschen dick aufgetragen ist der Klappentext schon und er verspricht ein klein wenig mehr, als das Buch halten kann. Das uralte Geheimnis wird nämlich nicht erst entdeckt, sondern Karl erzählt davon freimütig gleich zu Beginn: Früher konnten alle Gartenzwerge sich bewegen und reden und spielten gern mit Kindern. Das ging nur, weil Kinder die Zwerge lieb hatten. Aber über die Jahre wurden die Zwerglein auf Dachböden und in Gartenschuppen vergessen und so waren sie plötzlich erstarrt. Nun ist da jedoch Paula, die den armen Karl gleich ins Herz schließt, als sie ihn da so allein im Garten des neuen Hauses stehen sieht. Und plötzlich kehren seine Zauberkräfte zurück. Diese sind nun gegen Tante Margret auch von Vorteil, denn sie plant den Wildgarten ganz nach ihrem Geschmack zu ändern.

Ich mochte die beiden Hauptfiguren Paula und Karl und hatte sie schnell ins Herz geschlossen, obwohl der Zwerg zickiger erschien, als er eigentlich sein sollte.
Kürthy_Karl ZwergleinAuch die ganze Geschichte fand ich unheimlich niedlich und sehr geeignet für Kinder. Wie auf dem Klappentext steht: „eine liebevolle Hommage an die Kinder und ihre grenzenlose Phantasie“. Dem kann ich voll und ganz zustimmen.
Damit die Kinder ihre Vorstellungskraft auch voll und ganz auf die Geschichte konzentrieren können, liefert das Buch passende Zeichnungen der Illustratorin Imke Sönnichsen dazu.

Sprachlich ist das natürlich auf Kinder zugeschnitten. Die Sätze sind einfach, kurz und gut zu verstehen. Mir persönlich war das natürlich zu einfach, aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe.

Wenn ich mal ein Kind habe, kann ich mir sehr gut vorstellen, dieses Buch wieder hervorzuholen. Anfangs gibt es Bilder zu gucken und da das Buch relativ kurz ist, lässt es sich gut vorlesen. Später eignet es sich bestimmt auch als Einstiegsbuch für Leseanfänger.

Ich kann einfach keine 5 Sterne geben, weil sich diese Bewertung für mich falsch anfühlen würde. Aber es ist wirklich sehr süß gemacht und für Kinder bestimmt sehr gut geeignet. 4 Sterne

Ildikó von Kürthy – Karl Zwerglein – Eine Geschichte für Zauberinnen und Zauberer
rororo, Oktober 2011
ISBN 3499216108
121 Seiten
Taschenbuch; 7,99 Euro