Jake Williams – Darwins große Reise – Die Entdeckung der Natur

Dieses grandios illustrierte Buch stellt Charles Darwins bahnbrechende Reise auf der Beagle vor, seine größten Abenteuer und seine wichtigsten Entdeckungen.

Wir begleiten den Forscher Darwin von England zu den Kapverden, nach Brasilien und Galapagos, bis Tahiti und Australien. Wir treffen Schnabeltiere, Vögel, Eidechsen, riesige Faultiere und vieles mehr und lernen dabei, die Natur mit eigenen Augen zu entdecken. (Klappentext)

Ebenso wie den Heldenatlas aus dem Midas-Verlag durfte ich auch dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten. Ich habe mich zuvor nie mit Kindersachbüchern auseinandergesetzt, aber als die Anfrage dazu kam, empfand ich es als wunderschöne Möglichkeit, Kindern Wissen nahezubringen.

Da saß ich plötzlich mit diesem Buch über Charles Darwin und musste feststellen – ich weiß eigentlich gar nichts über ihn. Wenn ich an Darwin denke, denke ich an „Survival of the Fittest“ und ein wenig Evolutionstheorie. Aber wie er seine Erkenntnisse genau gewann und vor allem wann und wo, darüber habe ich mich nie informiert. Umso schöner, dass ich es nun mit diesem Buch nachholen konnte.

Auf 96 Seiten wird alles Relevante prägnant und für Kinder erfassbar zusammengefasst. Es gibt einen kleinen Einblick in Darwins Kindheit, Interessen und seinen Werdegang, bis seine Forschungsreise auf der H. M. S. Beagle begann. Bevor man – beziehungsweise Darwin – bei den Tieren ankommt, gibt es eine Einführung zum Schiff, bekommt Bilder und Details und kann sich so richtig vorstellen, wie er in den Jahren auf dem Schiff gelebt hat. Renovierungen, Ausrüstung, Aufbau der Räumlichkeiten – alles wird kurz aufbereitet.

Und dann geht es auch schon los. Die große Reise wird in acht Kapiteln nachgezeichnet beleuchtet so die großen Stationen. Und zwischen den hübschen Landkarten-Bildern liegt das Herzstück des Buches. Einzelne Tiere und Orte werden herausgesucht und näher vorgestellt. Die Bilder stehen jeweils im Zentrum, doch in den kurzen Texten findet alles Relevante Raum. Und man ahnt es – auch als Erwachsener kann man hier allerhand lernen. Von den kleinen Glühwürmchen bis zu den großen Tintenfischen gibt es so viel Spannendes zu entdecken. Zwischendrin werden die Tiere ergänzt um Infos zu ihren Lebensräumen, Neuigkeiten von Darwins Reise oder allgemeine Fakten zu Tieren.

Die Texte und die Gestaltung des Buches stammen von dem mehrfach prämierten englischen Illustrator, Designer und Animationsprofi Jake Williams. 2017 erhielt er für seine digitalen Zeichnungen, die mit ihren Details und ihrer Farbigkeit überzeugen können, den Preis „Designer of the Year“ vom renommierten Business Design Center London.

Die Bilder haben mich alle für sich auch wirklich begeistert. Sie sind in einem einfachen, comichaften Stil und stehen damit in einem tollen Kontrast zu all den Infos, die das Buch enthält. Oft habe ich noch einmal nach vorn und nach hinten geblättert, weil ich die Aufmachung so gern mag.

96 Seiten mit geballtem Wissen über Charles Darwin und vor allem über spannende Tiere. Das gefällt sicher Kindern – und den Eltern dazu. Toll zum Vorlesen, gemeinsam Entdecken und Staunen. Ich bin ganz verblüfft von diesem Buch.

Jake Williams – Darwins große Reise – Die Entdeckung der Natur
Originaltitel: Darwin’s Voyage of Discovery (Oktober 2019)
Midas Verlag, September 2019
ISBN 978-03876-151-8
96 Seiten
Gebunden; 19,90 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Miralda Colombo & Ilaria Faccioli – Heldenatlas

101 unglaubliche Abenteuer von außergewöhnlichen Frauen und Männern, die mit ihren Ideen, ihrem Mut, ihrem Genie und ihrer Kreativität unvergessliche Zeichen in der Weltgeschichte hinterlassen haben. In diesem Buch findest du Künstler, Genies, Schriftsteller, Gelehrte, Mutige und Visionäre. Manche kennst du sicher schon, denn sie sind weltberühmt. Nach ihnen wurden Straßen und Plätze benannt. Von anderen hast du vielleicht in der Schule gehört, wieder andere kennst du wahrscheinlich noch nicht, weil sie nicht so berühmt sind. Aber auch sie haben ihren Beitrag für die Welt geleistet, in der wir leben. (Klappentext)

Seit einer Weile zieht es mich in Bücherläden eher in die Kinderecke. Daher habe ich mich wahnsinnig gefreut, als die Anfrage für Rezensionsexemplare zu Kindersachbüchern kam. Eines davon möchte ich euch hier vorstellen.

Von Konfuzius bis Mark Zuckerberg, von Hatschepsut bis Malala Yousafzai – es werden so viele unterschiedliche Helden und Heldinnen vorgestellt, die in ihrem Leben und für unsere Welt so viel geleistet haben.

Es gibt sechs übergeordnete Kategorien, deren Einleitung jeweils eine Weltkarte zeigt, auf denen die einzelnen Helden und Heldinnen verortet werden können.
Die Einträge unterscheiden sich dann in ganzseitig und halbseitig, wobei die ganzseitigen zusätzlich mit einem Zeitstrahl daherkommen.
Doch egal, ob eine Person auf einer Seite oder einer halben vorgestellt wird: Es ist alles so schön gestaltet, dass es allein schon Spaß macht, durch das Buch zu blättern.
Noch bevor ich überhaupt den ersten Satz gelesen hatte, waren meine Augen ganz groß. Allein mit seinem großen Format wirkt das Buch wie ein Atlas. Als ich es aufschlug, war ich begeistert von den Bildern, denn obwohl der Comicstil einfach und nahezu flächig ist, kann man (fast) jeden auf Anhieb erkennen. Zumindest die Personen, die man kennt.

Neben der schönen Optik mit der liebevollen Gestaltung und der Haptik durch das feste, wertig wirkende Papier überzeugt mich das Buch vor allem mit der Auswahl der Helden und Heldinnen. Ich würde mir selber eine wirklich gute Allgemeinbildung zuschreiben, aber viele Namen waren mir gänzlich unbekannt.
Natürlich, die großen Namen sind dabei: Coco Chanel, Galileo Galilei, William Shakespeare, Eva Perón, Jeanne d’Arc oder Leonardo da Vinci sind nur einige davon. Aber wer kennt Miriam Makeba, Hypatia, José Mujica, Junko Tabei oder Muhammad Yunus? Dabei haben sie alle so spannende und großartige Dinge gemacht.

Allein dadurch entkräftet das sofort das einzige Argument, das man gegen das Buch bringen könnte: Die Infos sind ja alle schnell im Internet herausfindbar. Aber wer sucht nach Menschen, die er nicht kennt?
Die Personen stellen sich in den Texten alle selber vor, sprechen in der Ich-Form und geben einen Überblick über ihr Leben und ihre Leistungen.

Grundsätzlich ist das Buch für ältere Kinder gedacht, aber auch als Vorlesebuch kann ich mir das toll vorstellen. Die Texte sind kurz und anhand der Bilder können schon die Jüngsten erahnen, was die Person geleistet hat oder was sie ausmacht. Darüber hinaus könnte man auch toll mit den Kinder rätseln, wie die Welt wohl aussehen würde, wenn Marco Polo nicht so viel gereist wäre, wenn die Gebrüder Lumière nicht das Kino erfunden hätten oder wenn Johannes Gutenberg nicht den Buchdruck erfunden hätte.

Ganz am Ende, da darf das Kind sich selber dem Atlas hinzufügen, sich malen und seine Geschichte aufschreiben. Was für eine wundervolle Idee!

Ich bin so begeistert von dem Buch. Ich liebe es!
Der Heldenatlas ist erst seit wenigen Tagen in meinem Besitz und ich habe ihn jetzt schon so vielen Menschen empfohlen. Freunden, Verwandten, Bekannten – mit Kindern oder ohne. Ich finde, es lohnt sich so sehr, dieses Buch zuhause zu haben, darin zu blättern und große Persönlichkeiten zu entdecken. Und auch wenn es für Kinder gedacht ist, selbst die Erwachsenen können da viel lernen! Oder wer sind gleich nochmal Claudette Colvin und Wangari Maathai? .

Miralda Colombo & Ilaria Faccioli – Heldenatlas
Originaltitel: Vite straordinarie (Oktober 2018)
Midas Verlag, 25. September 2019
ISBN 3038761508
95 Seiten
Gebunden; 25,00 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Monika Augustin – Das Mucksmäuschen

Die Mucksmäuschen aus dem grünen, sonnigen Tal sind fleißig und rücksichtsvoll. Wenn sie sprechen, dann nur wenige Worte, und die sehr leise. Deshalb vergessen die anderen Tiere meistens, dass die Mucksmäuschen auch noch da sind. Doch eines Tages droht den nichtsahnenden Tieren im Tal großes Unheil… (Klappentext)

Zufällig bin ich vor kurzem bei Instagram über ein kleines Quiz auf der Seite der Autorin gestoßen. Man sollte herausfinden, welche Farbe die Pinguine haben, die ihre Tochter mit Bügelperlen gesteckt hat. Ich habe sofort mitgemacht. Und das nicht, weil ich wahllos überall mitmache, sondern weil mich genau dieses Buch interessiert hat. Warum? Dazu gleich mehr.
Ganz richtig lag ich nicht, aber ich war am nächsten dran und so hatte ich kurz darauf das Mucksmäuschen im Briefkasten.

Für die Antwort, warum mich dieses Buch so interessierte, muss ich minimal ausholen:
Ich bin 1,60 m groß und musste mit Anfang 20 versuchen, Geschäftsführern, die seit 20, 30, 40 Jahren ihre Firma leiteten, Anzeigen zu verkaufen. Da stand ich also auf Tagungen – klein, weiblich, jung – und schaffte es nicht so wirklich, mit diesen Männern ins Gespräch zu kommen. Ich stand häufig leise am Rand.
Und nun habe ich eine Tochter und ich will ihr Dinge vermitteln. Unter anderem: Selbstbewusstsein und für sich und seine Wünsche einzustehen.
Da kommt nun das Mucksmäuschen ins Spiel…

Ein kleines Mucksmäuschen macht sich in seinem Tal auf den Weg und versucht, mit verschiedenen Anliegen bei großen Tieren Gehör zu finden. Doch der Luchs, der Bär und die Füchse nehmen keine Notiz von ihm. Doch als sich eine Katastrophe anbahnt, hat das Mäuschen keine andere Wahl. Es muss laut genug sein, damit es alle Tiere hören…

Mit 36 illustrierten Seiten, auf denen jeweils ein paar Zeilen stehen, ist dieses Buch schon perfekt für die Kleinsten geeignet. Selbst wenn anfangs der Text noch nicht verstanden wird, werden die Kinder sich sicher schon an all den Tieren erfreuen. Die Illustrationen von Vinsensiana Aprillia treffen für mich durch die einfachen und klaren Formen gerade total den Zeitgeist und erinnern mich ein wenig an den Scandi-Style, der aktuell so im Trend ist.
Durch gezielte Wiederholungen wird das Kind immer wieder abgeholt und auf die Reise des Mucksmäuschens genommen.

Was mir zusätzlich sehr gefällt, ist die variable Sprache. Einfache, klare Sätze und doch immer mal das ein oder andere „ungewöhnliche“ Wort (Erdkrumen, Tagwerk, arbeitsam, sich balgen), mit dem die Kleinen ihren Wortschatz erweitern können.

Doch nicht nur die „Formalien“ des Textes, sondern auch die Geschichte an sich finde ich wundervoll. Am Ende konnte mich das Buch sogar noch bewegen. Damit hatte ich so nicht gerechnet.
Es gibt so viele Mucksmäuschen auf der Welt, die unbedingt ihre Stimme finden sollten. Dieses Buch kann einen kleinen Teil dazu beitragen! Ich hoffe, dass meine Tochter in ein paar Monaten genauso großen Gefallen an der mutigen Maus finden wird, wie ich es getan habe!

Monika Augustin – Das Mucksmäuschen
epubli, 06. Januar 2019
ISBN 3748500211
36 Seiten
Taschenbuch; 9,90 Euro

Bei der Autorin gewonnen

Hanna Schott – Fritzi war dabei

Ein Land ohne Mauer – da ist keiner sauer!
Diesen Spruch malt Fritzi auf ein Plakat, das ihre Mutter zur Demo mitnehmen soll. Fritzi darf leider nicht mit. Für Kinder ist es zu gefährlich bei den Leipziger Montagsdemonstrationen, finden die Erwachsenen. Aber Fritzi lässt nicht locker… (Klappentext)

Als Fritzi nach den Sommerferien in die vierte Klasse kommt, hat sich nicht nur die Farbe ihres Pioniertuches geändert, sondern es fehlt auch ihre Mitschülerin Sophie. Doch bei ihr bleibt es nicht: weitere Schüler, Ärzte, Lehrer – nach und nach verschwinden immer mehr Leute. Nach Ungarn, wie gesagt wird. In der Hoffnung, dass die Grenze zu Österreich geöffnet wird und man so nach Westdeutschland fliehen kann. Denn Fritzi wohnt in der DDR.

Dieses Kinderbuch stellt auf 87 Seiten die letzten Tage vor – und die ersten nach – dem Mauerfall dar. Dabei erlebt man alles aus der Sicht von Fritzi, deren Leben sich langsam aber sicher auf den Kopf stellt.

Fritzi ist noch sehr jung und man merkt, dass sie wenig über ihr Heimatland weiß. So bekommt der Leser die Geschehnisse hauptsächlich durch ihre Beobachtungen und weniger durch ihre Gedanken mit. Man ist bei den Diskussionen ihrer Eltern dabei, bei den Versammlungen in der Nikolaikirche und bei den Demonstrationen durch Leipzig.
Fritzi ist demnach super dafür geeignet, dass sich Kinder mit ihr identifizieren können, die mehr oder weniger in den Erstkontakt mit dem Mauerfall treten. Auch sie wissen wenig und können mit Fritzi zusammen beobachten.

Das Buch beleuchtet also einen ganz kleinen Aspekt und geht nicht sehr in die Tiefe. Leicht verständlich und für Kinder geeignet. Ich persönlich hätte es aber schöner gefunden, wenn anfangs das Leben in der DDR mehr beleuchtet worden wäre. Außer des Fakts, dass kein West-Fernsehen geschaut werden darf, nur wenige Personen ein Telefon haben und zum Beginn des neuen Schuljahres Fahnenappelle abgehalten werden, erfährt man nichts. Für mich fehlt das Aufzeigen der Gründe, warum so viele Leute auf die Straße gehen und sogar riskieren, festgenommen zu werden.

Zu der kindgerechten Sprache kommen tolle Zeichnungen hinzu, die das Gelesene noch einmal verdeutlichen. Optisch passten sie zudem zu einer Geschichte, die vor 30 Jahren spielt.

Insgesamt fehlte mir ein wenig die Spannung und der Blick nach rechts und links zum Leben in der DDR, vor allem auch, um die Bedeutung des Mauerfalls zu verstehen. Durch die Kürze des Buches und den engen Fokus auf die Wende fehlte auch der persönliche Bezug zu Fritzi, die ein wenig farblos blieb.
Für Kinder ist es aber eine gute Gelegenheit, in dieses historische Ereignis eingeführt zu werden.

Hanna Schott – Fritzi war dabei
Klett Kinderbuch, 29. April 2016
ISBN 3954700158
87 Seiten
Gebunden; 9,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! Die Stadt der Schlafwandler

Kaum hat sich Charlie seinem Traum gestellt, wartet das Böse in der wachen Welt…
Albträume können einem wirklich den Schlaf rauben, das weiß Charlie nur zu gut. Verständlich, dass auch die Bewohner des Nachbarstädtchens Orville Falls begeistert sind, als der neue Kräuterladen im Ort ein Elixier gegen ihre allgegenwärtigen Albträume anbietet. Doch kann es sein, dass das Elixier schaurige Nebenwirkungen hat? Plötzlich geistern die Bewohner wie Schlafwandler durch die Stadt.
Charlie weiß: Wenn er und seine Freunde nicht schnell etwas unternehmen, schwebt nicht nur das Traumreich, sondern auch die wache Welt in schrecklicher Gefahr. (Klappentext)

Im Januar 2016 schenkte mein Freund mir die ersten beiden Teile der Nightmares!-Reihe. Teil eins las ich direkt und war ziemlich begeistert. Doch Teil zwei fristete dann ein langes Dasein auf meinem SuB. Im Dezember 2018 befreite ich es endlich – und brauchte tatsächlich ein halbes Jahr, um die paar Seiten zu lesen.

Charlie weiß nun alles über das Traumreich und das Albtraumreich. Zusätzlich ist er der Hüter des Portals in der lila Villa, die er mit seinem kleinen Bruder, seinem Vater und seiner Stiefmutter bewohnt. Doch die Schlafwelten sind in Gefahr, denn die Bewohner von Orville Falls haben aufgehört zu träumen. Warum ist schnell herausgefunden – sie alle trinken das neue Elixier gegen Albträume, das in die Stadt kam. Charlie muss aber herausfinden, wer das Elixier verkauft und warum er das tut. Vor allem aber: Wie werden die Bewohner wieder normal?

Im Gegensatz zum ersten Teil, der mich immer ein wenig an Reckless von Cornelia Funke erinnert hat, bekommen wir hier eine ziemlich lineare Story geliefert. In „Nightmares! Die Schrecken der Nacht“ gab es noch Dinge zu entdecken. Man konnte mit Charlie durch die Traumwelten streifen und die verschiedensten (Horror)Wesen finden. Nun gab es kaum etwas zu entdecken. Das Buch fühlte sich an wie eine 0815-Kinderbuch-Gruselgeschichte.

Allein dieses Gefühl hinderte mich schon daran, das Buch wirklich gut zu finden. Es war so ein unfassbarer Bruch zum ersten Teil. Blöd dabei: Es interessierte mich irgendwie nicht wirklich, wer das Elixier hergestellt hat und warum. Auf dem Weg zur Lösung durchlief das Buch auch allerhand Schleifen, die im Nachhinein vollkommen unnötig waren. Es wirkt, als sollte diese kleine Hauptgeschichte auf Biegen und Brechen aufgebläht werden.

Noch mehr als im ersten Teil merkte ich, dass man es mit einem Kinderbuch zu tun hat. Die Sprache wirkte zum Teil konstruiert einfach, Witze zündeten bei mir nicht. Die Geschichte an sich war dann auch kein Garant für Hochspannung.

Durch das Alter der Helden konnten auch kaum spannende Nebenschauplätze aufgemacht werden. Einen gab es, der betraf die Eltern von Charlie. Aber zum einen war auch das wenig interessant und zum anderen kann man den Ausgang von Anfang an ahnen.

Ja, ich war gelangweilt. So sehr, dass ich nur alle paar Wochen ein paar Seiten las. Doch dann kam etwas, was ich nicht erwartete: Zum Ende hin, als man der Lösung immer näher kam, wurde es tatsächlich ein wenig aufregend. Das letzte Drittel las ich fast in einem Rutsch. Und der Cliffhanger am Ende lässt mich tatsächlich überlegen, ob ich mir nicht doch noch den letzten Teil der Trilogie zulege.

Mal sehen, ich weiß es noch nicht. Ich muss mich erst einmal erholen von der langweiligen Story gepaart mit der Kindersprache und Figuren, die mich kaltließen.

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler
Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic (November 2015)
Dressler, 19. November 2015
ISBN 3791519484
379 Seiten
Gebunden; 17,99 Euro
auch als Taschenbuch erhältlich

Reihenfolge:
1. Nightmares! – Die Schrecken der Nacht – Originaltitel: Nightmares!
2. Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler – Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic
3. Nightmares! – Die Jagd des Traumdiebs / Die Stunde der Ungeheuerr – Originaltitel: Nightmares! The Lost Lullaby

Enid Blyton – Fünf Freunde 5 – Das Buch zum Film

Endlich Sommerferien! Doch statt in den Urlaub müssen die Fünf Freunde mit ihrer Tante Fanny zu einer Hochzeit fahren. Ein ungeplanter Zwischenstopp bietet ihnen aber immerhin die Gelegenheit, einen seltenen Dinosaurierknochen zu besichtigen. Im Museum lernen sieden kauzigen Marty Bach kennen, der behauptet zu wissen, wo ein vollständig erhaltenes Dinosaurierskelett liegt. Natürlich werden die Freunde da hellhörig – und als Marty die Koordinaten zum »Tal der Dinosaurier« gestohlen werden, übernehmen die Fünf den Fall. Schnell wird ihnen klar, sollte der Dieb das Tal vor ihnen finden, ist das Skelett für immer verloren. (Klappentext)

Im Zuge des Gewinnspiels, das ich letztens für euch veranstalten durfte, bekam ich selber das neue Buch zum Film „Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier“ als Rezensionsexemplar.
Es wurde von Sarah Bosse nach dem Drehbuch von Mike Marzuk geschrieben, das wiederum auf der Buchreihe von Enid Blyton basiert.

Als kleines Mädchen war ich riesiger Dino-Fan. Ich kannte die Namen, Fressformen und Lebzeiten auswendig. Ich hatte Ordner voll Informationen und liebte die Filme von „In einem Land vor unserer Zeit“. Es stand sogar ein fluoreszierendes Dinosaurierskelett auf meinem Schrank.
Ich war also prädestiniert für die neueste Geschichte der Fünf Freunde.

Ich habe bisher weder ein Buch noch einen Film dieser Enid-Blyton-Reihe gelesen oder gehört. Für mich bestand im ersten Moment also die Aufgabe, dahinterzukommen, wie die Fünf – beziehungsweise Vier mit Hund – zueinanderstehen, wer wer ist und welche Charaktereigenschaft welchen Freund ausmacht.
Hier schafft das Buch einen wundervollen Spagat und führt alles so knapp, aber natürlich ein, dass es die alten Hasen nicht stören wird und die neuen Leser einen guten Überblick bekommen.

Da das Buch nur 152 Seiten hat, muss es bald in Fahrt kommen und das tut es. Schnell ist man mitten im Geschehen. Und das ist tatsächlich recht spannend. Begonnen wird in einem gruseligen Hotel, von dem ich sogar gern noch etwas mehr gelesen hätte. Doch bald erfahren Anne, Dick, George, Julian und Hund Timmy von den Dinosaurierknochen und treffen auf Marty, der in seiner überaus schüchternen Art von niemandem im Dorf ernst genommen wird. Doch die Fünf glauben ihm und versuchen nun, mit ihm zusammen das Tal der Dinosaurier zu finden. Weil Marty aber die Koordinaten gestohlen wurden, muss auch zusätzlich der Dieb enttarnt werden.
Der relevante Personenkreis des Buches ist überschaubar, aber doch so groß, dass man als Leser miträtseln kann, wer es wohl auf das Dinoskelett abgesehen hat. Trotz der Kürze der Story wird die Auflösung des Falles nicht ganz linear erzählt, sondern bietet auch ein paar Wendungen und Überraschungen.
Man möchte auf jeden Fall wissen, wer es war und wo die Motive liegen.
Bei den Beschreibungen ist der Autorin eine gute Mischung gelungen: einerseits kurz und prägnant, andererseits atmosphärisch.

Da es ein Buch zum Film ist, sind auch Bilder enthalten. Die Bildunterschriften fassen den Film knapp zusammen. Die Geschichte unterscheidet sich aber naturgegeben nicht von dem Buch. Vor allem für jemanden, der sich noch nie weiter mit den Fünf Freunden beschäftigt hat – so wie ich – ist es aber auch ganz schön, direkt Bilder der Personen vor Augen zu haben. Es gab nämlich soweit keine optischen Beschreibungen, außer dass Dick immer eine Mütze trägt.

Sprachlich ist das Ganze sehr modern gehalten, was wohl an der filmischen Vorlage liegt. Auch wenn ich keine originale Geschichte von Enid Blyton gelesen habe, gehe ich davon aus, dass sie deutlich älter klingt als das vorliegende Buch.

Insgesamt ist die Geschichte natürlich für Kinder gemacht. Erfahrene Krimi-Leser wird die Geschichte um das Tal der Dinosaurier nicht hinterm Ofen hervorlocken, aber das soll sie ja auch nicht.
Trotzdem hatte ich den einen Abend, an dem ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe, Spaß mit den Fünf Freunden. Es gab Wendungen, die Geschichte war interessant und mit den Fünf Freunden bekommt man intelligente und hartnäckige Protagonisten, denen man gern folgt.
Ich glaube, dass Kinder und vielleicht noch sehr junge Jugendliche Spaß an dem Buch haben werden. Und in diesem Maßstab vergebe ich auch die Sterne.

Enid Blyton – Fünf Freunde 5 – Das Buch zum Film
cbj, 05. März 2018
ISBN 3570172678
152 Seiten
Gebunden; 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Anja Janotta – Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade

1:200 Millionen – so hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es jemanden wie Franka gibt. Oder wie Vicky. Oder wie Bella. Als eineiige Drillinge sind die drei Zwölfjährigen richtige Celebritys. Trotzdem könnten sie verschiedener nicht sein. Als sie vor lauter Berühmtheit keinen Schritt mehr vor die Tür machen können, flieht Mama Trablinburg mit ihnen aufs platte Land, wo sie in einer baufälligen Villa ein Bio-Hotel eröffnen will. Franka, Vicky und Bella sind entsetzt: monatelang Baustelle, mieses WLAN, zu dritt im Doppelbett? Das muss ja Trabbel hoch drei geben! Ob Frankas wunderköstlicher Trostkakao den schlimmsten Schwesternstreit aller Zeiten kitten kann? (Klappentext)

Dann und wann bekomme ich Lust auf ein Kinderbuch. Da war ich ganz froh, dass ich im letzten Dezember dieses Buch auf Arbeit bekommen habe. Gut zwei Monate vor dem Erscheinungstermin. Ich habe direkt begonnen, es zu lesen und das dauerte dann nicht lang.

Die drei Berliner Schwestern sind ganz und gar nicht glücklich, als ihre Mutter sie in die alte Familienvilla nach Deininghofen schleppt. Sie müssen ihre Freunde zurücklassen, ihre eigenen Zimmer, ihr Berlin – aber auch ihren Ruf. Die drei sind etwa Besonderes, das wissen sie. Und das haben sie an der falschen Stelle betont. Nun können sie auf dem Dorf ganz neu anfangen, die sein, die sie wirklich sind und dabei auch noch ihrer Mutter bei der Erfüllung ihres Traums vom Hotel behilflich sein. Doch die Dorfbewohner stehen den Neuankömmlingen genauso skeptisch gegenüber wie sie denen.

Die Drillinge und ihre Erlebnisse sind Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Dabei ist man immer an Frankas Seite und lernt ihr Innenleben, ihre Gedanken und Wünsche kennen. Franka, das ist die Nette. Sie wäre gern mehr, doch da ihre Schwester Bella schon schön ist und Vicky schlau, scheint nicht viel mehr für sie übrig zu bleiben. Und das Nettsein kann schnell zum Fluch werden.
Dieser innere Kampf von Franka ist schön beschrieben und dort finden sich sicherlich auch viele wieder. Nett sein, das tun, was andere erwarten, Harmonie herstellen – und sich am Ende ärgern, dass dabei die eigenen Wünsche auf der Strecke bleiben.
Doch auch wenn man die restlichen Personen nur aus der Außenperspektive kennenlernt, ergibt sich ein gutes Bild. Natürlich sind die Mutter Babs und die Dorfbewohner nicht bis in die Tiefe analysiert, aber das brauchte die Geschichte der drei Mädchen auch nicht.

„Die Trabbel-Drillinge“ ist voller Klischees: Die Nette, die Schlaue, die Hübsche, die Öko-Mutter, die nur noch bunte, weite Sachen und einen Turban trägt, oder die fiesen Dorf-Jungs – Aber man darf nicht vergessen, dass das Buch eine Zielgruppe ab 10 Jahren hat. Mit diesem Hintergrund war es für mich nicht tragisch, dass alles etwas vereinfacht wurde.

Das Alter war überhaupt der einzige Punkt, der mich ab und zu verwirrt hat. Die Trabbel-Drillinge sind zwölf Jahre alt und gehen in die fünfte Klasse. Agiert man da so erwachsen, wie sie es die meiste Zeit getan haben? Dieses Alter ist bei mir schon eine Weile her, aber ich bezweifele, dass wir „Das steht hier ja wohl gar nicht zur Debatte!“ (S. 98) oder „[…] dann hat er sich schon eine hieb- und stichfeste Ausrede zurechtgelegt.“(S. 150) sagten. Immerhin kamen solche Aussagen jedoch immer von der schlauen Vicky. Von daher passt es wohl doch wieder.
Insgesamt gab es aber auch in irhen Handlungen und in ihrem professionellen Auftreten manchmal einen kleinen Bruch in der Alterslogik für mich. Vielleicht ist mir aber auch einfach nicht bewusst, wie erwachsen manche Zwölfjährige heute schon wirken.

Das war aber tatsächlich der einzige größere Punkt, der mich ab und zu stocken ließ. Ansonsten war das Buch wirklich rund.
Die Story wirkt zwar einfach, hat aber trotzdem die eine oder andere Überraschung parat.
Die tollen heißen Schokoladen von Franka machten mir richtig Lust auf das Heißgetränk. Die Rezepte am Ende des Buches habe ich deswegen dankbar zur Kenntnis genommen.
Der Zusammenhalt der Schwestern hat mich darüber hinaus ab und zu wirklich berührt und ich bemitleidete mich ein wenig, dass ich nur Einzelkind bin und nicht auch so etwas erleben konnte.

Alles in allem ist Anja Janotta mit „Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade“ ein wirklich süßes Buch gelungen: berührend, wohlig und unterhaltsam.
Und man kann es definitiv auch lesen, wenn man der Zielgruppe entwachsen ist… .

Anja Janotta – Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade
cbj, 26. Februar 2018
ISBN 3570175367
219 Seiten
Gebunden; 13,00 Euro

Boy Lornsen – Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt

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Tobbi und sein Roboterfreund Robbi sind furchtbar aufgeregt. Stolz sitzen sie am Steuer ihres selbst gebauten Fliewatüüts. Ob es auch wirklich fliegen kann? Immer schneller drehen sich die Propeller – und endlich heben sie ab! Große Aufgaben liegen vor Robbi und Tobbi. Denn die Roboter-Prüfung zu bestehen, ist gar nicht so einfach. Wird es ihnen gelingen, das Geheimnis der dreieckigen Burg zu lüften? Und können sie gegen Gespenster, Polizisten, eine Riesenkrake und ein Ungeheuer bestehen? (Klappentext)

Da ich damals nicht zur Pressevorführung von „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ gehen konnte, war Studiocanal so lieb und schickte mir vollkommen überraschend das Buch zum Film. Ich freute mich sehr darauf. Denn auch wenn ich mein Leben lang schon das Wort Fliewatüüt und die Funktionen des Gefährts kenne, hatte ich mich mit der Geschichte an sich nie weiter beschäftigt.
Nun war es aber soweit.

Und dann hätte das Buch mich beinahe in die Knie gezwungen.
Fast zwei Monate habe ich an den 252 Seiten herumgelesen. Dabei fand ich die Geschichte grundsätzlich wirklich niedlich.
Der kleine Roboter Robbi aus der dritten Robotklasse muss drei Prüfungen für die Schule bestehen. Dazu darf er sich einen kleinen Menschenfreund, der ebenfalls in die dritte Klasse geht, aussuchen. Er wählt den Erfinder Tobbi, den er heimlich beobachtet hatte. Tobbis Erfindung – ein Gefährt, das fliegen, schwimmen und fahren kann – beeindruckte Robbi so sehr, dass er es einfach baute. Eines Nachts steht er damit vor dem Fenster des kleinen Jungen in Tütermoor.
Schnell steht fest: Sie wollen die Prüfungsaufgaben zusammen lösen. So schwer kann es doch nicht sein, die Treppenstufen des gelb-schwarz geringelten Leuchtturms zu zählen, herauszufinden, wer am Nordpol steht und mit einem Z anfängt und das Geheimnis der dreieckigen Burg mit den dreieckigen Türmen zu ergründen. Oder?

Die Idee mit den drei Aufgaben gibt dem Leser von Anfang an einen roten Faden an die Hand. Das Ziel ist immer klar vor Augen. Doch leider fehlt dabei komplett die Spannung. Nicht nur der Weg der beiden ist irgendwie klar, nein, er geht auch problemlos vonstatten. Keine wirklichen Antagonisten, kaum echt Gefahren und nur nette Leute, die den beiden Drittklässlern helfen, wo sie können. Und wenn doch nichts mehr geht, dann sprechen sie eben mit den Tieren und bitten die um Hilfe.
Mit „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ bekommt man also einen Abenteuer-Roman geliefert ohne echtes Abenteuer.

Aber diese Diskrepanz würde vielleicht gar nicht so sehr auffallen, wenn es einem die Sprache nicht noch zusätzlich schwer macht. Man merkt dem Buch an, dass es eigentlich schon 40 Jahre alt ist. Der Schreibstil und damit auch die Dialoge sind hölzern und seltsam autoritär. Man wundert sich mit „Potzblitz“, bei Applaus wird grundsätzlich „Bravo!“ dazugerufen und Robbis und Tobbis Anweisungen beginnen immer mit „Du“ – à la „Du, Robbi, guck mal!“ und „Du, Tobbi, lass mich das mal besser machen.“ Immer klangen die beiden ein wenig von oben herab und besserwisserisch, selbst wenn sie miteinander sprachen.

Vielleicht lag es an der Sprache, vielleicht ist es einfach so, Humor kommt überhaupt nicht rüber. Nichts zu lachen mit dem Erfinder und dem Roboter.

Und gerade weil die beiden so unangenehm sprechen, wurden sie mir auch nicht sympathisch. Ich war sogar ziemlich froh, als das ganze Abenteuer nach fast siebzehn Tagen für die beiden und fast zwei Monaten für mich beendet war.

Als wäre das nicht insgesamt schon enttäuschend genug, gibt es unter jeder der siebzehn Kapitelüberschriften eine Kurzzusammenfassung des folgenden Inhalts. Aber nicht kryptisch, spannend oder witzig, sondern einfach ziemlich treffend. Wäre Spannung dagewesen, die man nehmen könnte, hätte die Zusammenfassung es getan.

Aber gibt es denn nun gar nichts Positives?

Doch, ein bisschen was gibt es schon.
Zuerst einmal bietet das Buch Mehrwert durch Filmfotos und einen kurzen Abriss über den Inhalt des Filmes, der tatsächlich ziemlich umgeändert wurde und durch neu eingeführte Antagonisten durchaus spannender als das Buch sein kann.

Die Grundidee des Buches ist auch nach dem Lesen immer noch niedlich, keine Frage. Nur an der Umsetzung haperte es sehr.

Insgesamt glaube ich aber, dass kleine abenteuerlustige Jungs und Mädchen über die Schwächen und die sprachlichen Schnitzer hinwegsehen können. Als ich klein war, habe ich mit Begeisterung alte Kinderbücher gelesen, die sprachlich auch nicht auf der modernsten Welle ritten.

Obwohl das Buch gebunden ist, kostet es nur 9,99 Euro und ich glaube, dass Eltern für ihre Kinder damit nicht allzu viel verkehrt machen.
Vom Selberlesen würde ich dann aber abraten… 2 Sterne

Boy Lornsen – Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt
Thienemann Verlag, 17. Oktober 2016 (Ursprünglich von 1967)
ISBN 3522184467
252 Seiten
Gebunden; 9,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Andreas Herteux – Das Sternenkind und der Rabe

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In einer wunderschönen Nacht fällt ein Stern vom Himmel. Ihm entschlüpft ein kleines Mädchen, ein Sternenkind. Verwirrt und neugierig wandert es umher. Bald trifft das zarte Wesen von den Sternen auf den Raben Albrecht, der ihr zwar den Namen Sara gibt, aber ansonsten nur eines über die Zweibeiner weiß: Sie streben nach der Liebe. Was das aber ist, vermag der Rabe nicht zu sagen. Da auch das Sternenkind Sara noch nie von der Liebe gehört hat, beschließen sie, gemeinsam nach ihr zu suchen und sie zu ergründen. (Klappentext)

Als mich der Erich von Werner Verlag anschrieb und fragte, ob ich Lust habe, eines ihrer Bücher zu rezensieren, entschied ich mich für „Das Sternenkind und der Rabe“, denn schon das Cover war so unglaublich niedlich. Auch die Geschichte um das einsame Sternenmädchen, das erst einen Raben findet und dann die Liebe sucht, klang vielversprechend.

Bevor ich zu lesen begann, war ich ehrlicherweise kurz verwirrt: Weiß der Autor nicht, dass Sternenkinder verstorbene Babys sind oder soll das eine Anspielung darauf sein, dass Sara ein ebenjenes ist, das wiedergeboren wurde? Insgesamt glaube ich eher, dass Ersteres zutrifft.
Daher war der Name vielleicht ein wenig ungünstig gewählt, auch wenn ich das Wort in Kombination mit dem Bild des Mädchens ganz zauberhaft finde.

Die Geschichte um die Suche nach der Liebe und die Freundschaft mit Albrecht, dem Raben, fand ich dann grundsätzlich wirklich sehr süß. Für Kinder ist es ein schönes Thema. Aber selbst Erwachsene können sicher nicht genau definieren, was für sie nun Liebe ist. Daher finden auch Leser, die dem empfohlenen Lesealter von 8 bis 12 Jahren entwachsen sind, sicher den einen oder anderen interessanten Denkansatz.

Beschrieben sind genau 50 Seiten. Die Schrift ist groß und zum Teil nehmen Bilder noch Platz auf der Seite weg. Daher handelt sich die Geschichte ziemlich schnell ab. Ich persönlich hätte es schöner gefunden – und auch passender für die Zielgruppe kurz vor dem Teenageralter –, wenn ein wenig mehr Text vorhanden gewesen wäre. Die Geschichte hat sicherlich auch das Potenzial hergegeben, noch mehr dazu zu sagen. Mehr Leute aufzusuchen, mehr Zitate über die Liebe zu sammeln und vor allem das plötzliche Ende langsamer aufbauen zu können.
Vielleicht hätte das eine oder andere Thema, das im Buch angeschnitten wird, dafür weggelassen werden können. Destruktive Beziehungen und Misshandlungen müssen nicht unbedingt in einem Kinderbuch vorhanden sein, auch wenn man dort sicherlich auch eine Art Liebe finden kann.

Wie schön ich die Idee auch fand, so sehr erinnerte sie mich an das zweite Konzeptalbum um den kleinen Drachen „Tabaluga und das leuchtende Schweigen“. Dort drehte er an einem Jadestein, sah eine Werbung, in der ein Hund sein Futter liebt und fragt danach seinen Vater, was eigentlich „Liebe“ ist. Auch er macht sich dann auf die Suche, begegnet unterschiedlichen Personen und versucht herauszufinden, was das Gefühl namens Liebe ist.

Mit Sara hat Andreas Herteux zwar keinen Tabaluga geschaffen, aber auch ein kleines Geschöpf, das man ins Herz schließt mit seiner Unwissenheit und unbedarften Suche.
Albrecht ist in dem Duo der wissende Rabe mit dem trockenen Humor. Ein niedliches Gespann, das man gern begleitet.

das-sternenkind-und-der-rabeLang kann man jedoch nicht bei ihnen sein. Im stillen Lesen habe ich 25 Minuten gebraucht.
Das Vorlesen dauert sicher länger. Ehrlich gesagt würde ich das Buch aber vorher ein wenig abändern, wenn ich es sehr kleinen Kindern vorlese. Erstens würde ich das Thema Misshandlung wohl auslassen oder abschwächen und zweitens auch den einen oder anderen Satz einfacher umschreiben, denn schon auf der ersten Seite heißt es: „Einem Küken aus dem Ei gleich, entschlüpfte dem Himmelskörper etwas, was kaum zu erwarten war: Sein Innerstes gab ein kleines Mädchen frei, das nun verwirrt inmitten der Überreste kauerte.“ Für kleine Kinder ist das zu lang und zu umständlich formuliert. Aber die niedlichen Bilder lassen sich zusammen schön anschauen. Vor allem die einseitigen Bilder bieten ein paar Details, die man entdecken kann.
Wenn sich 8- bis 12-jährige das Buch eigenständig durchlesen, wird das auch sehr schnell gehen. In diesem Alter ist die Geschichte aber vielleicht schon zu kurz und in der Art und Weise auch zu einfach.
Bei der Zielgruppe bin ich also wirklich zwiegespalten.

Insgesamt finde ich die Personen süß, die Idee der Geschichte schön und die Bilder einfach zauberhaft.
An der Sprache und Länge des Buches habe ich dafür das ein oder andere auszusetzen.
Damit bekommt das Buch 3,5 Sterne von mir.

Der Erich von Werner Verlag engagiert sich auch sozial, vor allem in Verbindung mit „Das Sternenkind und der Rabe“.
Sie haben ein Crowd-Funding-Projekt ins Leben gerufen, um eine arabische Version dieses Buches erstellen zu können. Eine Auflage davon soll kostenlos Einrichtungen und Familien mit arabisch-sprechenden Kindern- und Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden.
Wer dieses Projekt unterstützen möchte, kann auf der Crowd-Funding-Seite vorbeischauen: Kinderhilfe – Arabische Version eines Kinderbuches. Das Projekt läuft noch bis Anfang Januar.

Andreas Herteux – Das Sternenkind und der Rabe
Erich von Werner Verlag, 12. Oktober 2016
ISBN 3981838823
68 Seiten
Taschenbuch; 7,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Maggie Stiefvater & Jackson Pearce – Pip Bartlett und die magischen Tiere

Stiefvater_Pearce_Pip Bartlett

Pip Bartlett kann mit magischen Tieren sprechen!
(Aber leider nicht gut mit Lehrern und sonstigen Erwachsenen…)

Weil Pip beim Schulprojekttag riesiges Chaos angerichtet hat, soll sie den Sommer über zu ihrer Tante Emma. Was sich schnell als großes Glück erweist: Denn Tante Emma leitet eine Arztpraxis für magische Tiere! Der ideale Ort für Pip, um den ganzen Tag mit Einhörnern und Hopp-Grackeln zu plaudern!
Doch dann tauchen plötzlich überall Fussels auf: kleine, pelzige Tierchen, die Feuer fangen, wenn sie sich aufregen. Dadurch droht Gefahr für alle.
Kann Pip mit ihrem neuen Freund Thomas das Geheimnis um die Fussels lösen? (Klappentext)

Dieses Buch richtet sich an eine Zielgruppe „ab 8 Jahren“. Ich bin also knapp 20 Jahre älter. Und trotzdem zog mich die Geschichte um all diese fantastischen Tiere – geradezu magisch – an.

Von Einhörnern und Pegasi waren sicher schon viele kleine Mädchen verschiedenster Generationen begeistert. Auch Pip ist fasziniert von ihnen und all den anderen magischen Tieren, die es gibt. Ihr Glück: Sie kann sogar mit ihnen reden.
In der Tierarztklinik ihrer Tante bekommt sie viele Gelegenheiten dazu. Doch als die selbstentzündlichen Fussels auftauchen, wird es gefährlich.
Die Geschichte ist süß und tatsächlich auch – in ihren Möglichkeiten – spannend.

Vor allem die Vielzahl der magischen Tiere macht das Buch schon zu etwas Besonderem. Zu den bekannten, wie Greifen und Einhörnern, kommen noch allerhand unbekannte. Die Geschichte strotzt nur so vor Fantasie.
Ein relativ ungewöhnlicher Ansatz dabei war, dass die Tiere nicht nur von einer kleinen Gruppe von besonders empfänglichen Personen oder auch Kindern gesehen werden können. Jeder sieht sie. Es ist unsere Welt – nur mit magischen Tieren.
Ich erwischte mich bei dem wehmütigen Gedanken: „Das wäre doch echt schön, wenn es das wirklich gebe…“.

Damit ist „Pip Bartlett und die magischen Tiere“ auch durch und durch für Kinder geeignet. Ich denke aber, dass Mädchen ein bisschen mehr Spaß an dem Buch haben werden. Denn – auch wenn ich jetzt nicht allzu sehr mit Vorurteilen um mich werfen möchte – erstens sind Einhörner vielleicht für Mädchen spannender und zum anderen ist die Hauptperson ein neunjähriges Mädchen, mit dem sich ebenjene eventuell besser identifizieren können.

Mit Pip wurde eine kluge und mutige Hauptperson geschaffen, die trotzdem ab und zu gegen ihre Schüchternheit ankämpfen muss. Sie ist auch die Ich-Erzählerin und nimmt den Leser damit ganz direkt auf ihr Abenteuer mit.
Begleitet wird sie von Thomas, bei dem dann doch sehr tief in Klischeekiste gegriffen wurde: Brille, klein, jüngstes Kind, furchtbar ängstlich, hat mehr Allergien als man zählen kann. Er ist lieb, aber eben mit seiner überängstlichen Art auch ein wenig anstrengend.
Insgesamt wurde bei den Figuren nicht allzu sehr differenziert. Außer Pip, die einen relativ vielschichtigen Charakter hat, wurden die anderen Charaktere schon sehr in eine Rolle gepresst, aus der sie nicht ausbrachen: die Zickig, die Nette, der Hilfsbereit, die Böse.

Obwohl die Sprache einfach gehalten ist, ist sie für Erwachsene nicht unangenehm zu lesen. Sie besteht nicht nur aus kurzen, abgehackten Sätzen, sondern hat einen schönen Fluss. Für Kinder ist das sicher ein gutes Beispiel dafür, wie gute Texte geschrieben werden.
Die Schrift ist auch ziemlich groß, wie man es aus Kinderbüchern kennt.

Pip BartlettEin weitere Highlight des Buches sind die vielen Zeichnungen. Pip trägt ihr Buch „Handbuch der magischen Tiere“ überall mit hin. Daraus bekommt man einige Ausschnitte zu sehen. Die Zeichnungen sind aber nicht so detailliert, dass die Fantasie des Lesers in eine Richtung gelenkt wird. Man bleibt trotzdem relativ frei.

Ich fand das Buch wirklich niedlich und schön gemacht. Auch mit Mitte 20 hatte ich Spaß. Natürlich sicher nicht so viel, wie Kinder, aber ich fühlte mich wohl bei Pip.
Ich hoffe, dass ich dieses Buch später meinen eigenen Kindern zeigen kann. Ich glaube, dass es dann ganz hohes Lieblingsbuch-Potenzial hat.

Weil ich die Personen etwas zu eindimensional fand, ziehe ich ein wenig von den Sternen ab, aber – bewertet in dem Kinderbuch-Genre – bekommt das Buch 4,5 Sterne von mir.

Maggie Stiefvater & Jackson Pearce – Pip Bartlett und die magischen Tiere
Originaltitel: Pip Bartlett’s Guide to Magical Creatures (April 2015)
Heyne Verlag, 28. März 2016
ISBN 3453270444
237 Seiten
Gebunden; 12,99 Euro

Reihenfolge:
1. Pip Bartlett und die magischen Tiere (Originaltitel: Pip Bartlett’s Guide to Magical Creatures)
2. (Originaltitel: Pip Bartlett’s Guide to Unicorn Training)

Kostenloses Rezensionsexemplar

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