Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder

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Die Insel. Die Kinder. Das Grauen. Bist du bereit für dieses Abenteuer?

Manche Großväter lesen ihren Enkeln Märchen vor – doch was Jacob von seinem hörte, war etwas ganz, ganz anderes: Abraham erzählte ihm von einer Insel, auf der merkwürdige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben – und von den Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind. Inzwischen ist Jacob fast erwachsen und glaubt nicht mehr an die wunderbaren Schauergeschichten. Bis zu jenem Tag, an dem sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt… (Klappentext)

Seit Jahren habe ich in Buchhandlungen auf das Buch mit dem alt anmutenden Cover gestarrt. Ab und zu nahm ich es in die Hand und betrachtete das ein oder andere Foto darin. Doch erst als ich viel Geld auf der Payback-Karte hatte und nicht wusste, was ich davon kaufen soll, griff ich zu.

Seit Jacob Portman sich erinnern kann, erzählt sein Großvater ihm Geschichten aus seiner Kindheit. Von der Insel. Von dem Kinderheim, das ein Paradies war. Von den Monstern, vor denen alle dort sicher waren. Von seinen Freunden, die schweben konnten, unsichtbar waren, in deren Bäuchen Bienen wohnten oder andere Besonderheiten hatten.
Doch es kam der Punkt in Jacobs Leben, da begriff er, dass es solche Menschen nicht gibt. Und Kinderheime auch keine Paradiese auf abgelegenen Inseln sind. Sein ganzes Leben wurde er von seinem Großvater belogen – die Geschichten wollte er nicht mehr hören. Doch im Tod flüsterte Grandpa Portman verworrene Worte. Worte, die Jacob nicht zuordnen kann. Vielleicht muss er die Insel bereisen, um alles zu verstehen…

Schon immer sind Menschen fasziniert von dem Andersartigen, von dem Besonderen. Nicht umsonst gab es Zirkusse mit außergewöhnlichen Menschen. Sogenannte Freakshows, die selbst heute noch Mittelpunkt in Filmen und Serien sind, wie in „American Horror Story – Freak Show“.
Und auch dieses Buch lebt von ebenjenen Besonderheiten. Die Geschichten von Abraham bannen den Leser, dabei ist zweitrangig, ob sie stimmen oder nicht. Ich wollte von immer neuen Kindern erfahren, immer mehr Fähigkeiten entdecken.
die-insel-der-besonderen-kinderZusätzlich überraschten und begeisterten die Fotos, die zuhauf im Buch vorhanden sind. Und als ich – im Anflug einer Ahnung – noch im ersten Drittel des Buches mal zu den allerletzten Seiten vorblätterte, steigerte sich meine Faszination: Es sind alles echte Bilder, von denen nur wenige bearbeitet wurden. All diese seltsamen Fotos wurde also vor vielen Jahrzehnten genau so geschossen. Immer öfter las ich die Seiten zwischen den Bildern schnell weg, um mich wieder erstaunen lassen zu können. Jedes Bild passte perfekt in die Geschichte. Und bei dem einen oder anderen merkte man, das die Geschichte extra zum Bild geschrieben wurde.

Ich war von der Spannung vor allem am Anfang des Buches total mitgerissen. Stimmen die Geschichten? Gibt es die Kinder? Wenn ja, kann Jacob sie noch treffen? Sie sind ja ebenso wie sein Großvater mittlerweile alt.
Und auch als die erste große Auflösung kam, wurde die Spannung nicht weniger. Ganz im Gegenteil. Neue Fragen wurden aufgeworfen, neue Antworten wollten erlesen werden.

Erst mit der Mitte des Buches flachte das große Interesse und die Spannung bei mir ab. Längen entstanden. Doch auch wenn ich sie registrierte, störten sie mich nicht groß. Ich las unbeirrt weiter, musste mich nicht durchquälen. Denn eine Flaute in der Geschichte war nie von Dauer. Bald wurde sie durch eine neue Wendung oder Überraschung gerettet.
Jacob machte es mir als Hauptfigur dabei leicht. Als Kind aus reichem Hause wollte er genau das nicht sein. Er war kein Schnösel, kein Frauenversteher oder Cliquenmagnet. Jacob ist ein unsicherer Junge mit Problemen und Nöten, die Jugendliche eben haben.
Trotzdem erwachte sein Entdeckergeist und seine Neugierde durch den Tod seines Großvaters, was mich als Leser mitriss.
Ich blieb an seiner Seite und wollte alles, was er sieht und erfährt, genau beschrieben bekommen.
Auch wenn er ganz klar die Hauptperson und der Ich-Erzähler des Buches war, gefielen mir die anderen Figuren. Dabei waren manche Personen vielschichtiger als andere. Aber allein aufgrund der schieren Masse der Personen, ist das für den Leser angenehmer, wenn er manche als oberflächliche Nebenfigur erfahren kann.

Die Sprache blieb vollkommen unauffällig. Dies passte aber allein deswegen perfekt zum Buch, als dass die Geschichte schon besonders genug ist. Eine ausgefallene Sprache hätte zu sehr vom Wesentlichen Ablenken können.

Und abgelenkt wollte ich nicht werden bei Jacobs Suche auf der düsteren, herbstlichen, rauen Insel nach ganz besonderen Kindern.

die-insel-der-besonderen-kinder_comicMir gefiel das Buch äußerst gut. Nur die Längen zum Ende hin, die die Spannung in Mitleidenschaft zogen, lassen das Buch für mich ein paar Punkte verlieren.
Nichtsdestotrotz ist der zweite Teil der Reihe schon bestellt und ich freue mich wahnsinnig, weiterlesen zu können.
Der erste Teil bekommt bis dahin erst einmal 4 Sterne von mir.

Doch nicht nur mir scheint das Buch gefallen zu haben. Mittlerweile wurde es auch als Comic aufgelegt und der Kinofilm läuft aktuell im Kino.

Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder
Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children (Juni 2011)
Knaur Taschenbuch, 01. August 2013 (Gebundene Edition: November 2011)
ISBN 342651057X
416 Seiten
Taschenbuch; 12,99 Euro

Reihenfolge:
1. Die Insel der besonderen Kinder (Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children)
2. Die Stadt der besonderen Kinder (Originaltitel: Hollow City)
3. Die Bibliothek der besonderen Kinder (Originaltitel: Library of Souls)

J. K. Rowling & John Tiffany & Jack Thorne – Harry Potter und das verwunschene Kind

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Die achte Geschichte. Neunzehn Jahre später…

Es war nie leicht, Harry Potter zu sein – und jetzt, als überarbeiteter Angestellter des Zaubereiministeriums, Ehemann und Vater von drei Schulkindern, ist sein Leben nicht gerade einfacher geworden.
Während Harrys Vergangenheit ihn immer wieder einholt, kämpft sein Sohn Albus mit dem gewaltigen Vermächtnis seiner Familie, mit dem er nichts zu tun haben will. Als Vergangenheit und Gegenwart auf unheilvolle Weise miteinander verschmelzen, gelangen Harry und Albus zu einer bitteren Erkenntnis: Das Dunkle kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet. (Text der Titelklappe)

Fast zehn Jahre ist es her, seit ich das siebte und vorerst letzte Buch der Reihe gelesen habe. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ führte uns in seinem Epilog schon in die Welt des erwachsenen Harrys ein. Und nun ist es soweit. Endlich kann man erfahren, wie es weitergeht, nachdem Harry und Ginny ihren Sohn Albus Severus zum Bahnhof gebracht haben.

Obwohl ich ein großer Fan bin, wartete ich, bis das Buch auf Deutsch erschien. Ich habe die ersten sieben Bücher und auch die Zusatzbände auf Deutsch gelesen.

harry-potter8Der größte Aufreger um das Buch im Vorhinein war wohl, dass es die Rehearsal Edition ist. Das Theaterstück wurde schlicht verschriftlicht. Es gibt Regieanweisungen, dafür aber keine Beschreibungen, um sich die Optik besser vorstellen zu können. Hauptsächlich gibt es reine Dialoge. Es ist keine schön ausgeschmückte Geschichte, keine langen Darstellungen der Umgebung. Das muss man sich selber ausdenken. Wenn man jedoch die ersten sieben Bände gelesen hat, kann man sich die Orte und Gebäude vorstellen. Trotzdem ist und bleibt es eben kein Roman – das weiß man vorher, darauf muss man sich eben einstellen.

Ich hatte mit der Darstellung kein Problem. Ich las mich schnell in die Art ein und es störte mich nicht im Lesefluss. Am Ende war mir nämlich auch nur eins wichtig: endlich wieder bei Harry, Ron, Hermine und dem Rest zu sein. Als die drei das erste Mal zusammentrafen, kamen mir sogar Tränen der Rührung. Endlich wieder eine neue Geschichte. Ich bin immer noch so begeistert.

harry-potter-merch1Die Geschichte ist letztendlich auch der einzige Gegenstand des ganzen Buches, den man bei einer Rezension so wirklich beachten kann, denn der Rest bleibt im Hintergrund.
Vor dem Lesen hatte ich Angst, dass mich die Geschichte um die Kinder nicht so sehr in den Bann ziehen kann. Ich bin halt mit Harry, Ron und Hermine aufgewachsen und nicht mit ihren Kindern. Sobald ich das Buch jedoch aufgeschlagen hatte, waren alle Zweifel beseitigt. Erstens kommen die Eltern noch oft genug vor, zweitens habe ich mich quasi umgehend an die Kinder gewöhnt und drittens lassen die Verbindungen mit der Vergangenheit ausreichend Nostalgie aufkommen.
Die Story an sich war für mich dabei durchweg spannend. Man wurde mit so viel Neuem und Altem konfrontiert, dass ich immer weiter blättern musste. Und es fiel mir schwer zu erahnen, wie es ausgehen wird.

harry-potter-merch2Doch auch der Rest kann ein wenig genauer betrachtet werden.
Die Sprache war einfach und alltäglich, denn das Buch wird als Theater aufgeführt. Dabei war sie durchgängig angenehm. Ein bisschen Zauber der alten Bände blitzte durch.
Die Figuren waren natürlich zum größten Teil altbekannt. Sie mussten nicht eingeführt werden und das wurden sie auch nicht. Und doch waren Harry, Ron und Hermine älter und damit verändert. Eben keine Kinder mehr. Ich fühlte mich ihnen deswegen auch nicht mehr so nah wie früher.
Die Atmosphäre des Buches änderte sich mit dem Verlauf der Geschichte oft radikal und blieb damit ebenso spannend. Mal war sie locker leicht und mal dunkel und erdrückend, mal lustig und mal traurig. Trotz der wenigen Seiten wurde ein großes Spektrum dargeboten.

harry-potter-reiheAm Ende bleibt aber wohl für alle die Frage: Lohnt es sich, die achte Geschichte zu lesen? Ich kann das definitiv mit Ja beantworten. Ich mochte die neuen Figuren und war gern bei ihnen. Ich war begeistert von den Verwebungen mit der Vergangenheit. Ich fand die Geschichte wirklich spannend. Aber vor allem habe ich es geliebt, endlich wieder bei meinen Kindheitshelden zu sein.
Ich bin also glücklich, die achte Geschichte gelesen zu haben. Ich fühlte mich sehr wohl in dem Buch und las extra langsam, um es ein bisschen länger genießen zu können. Ich fand es nicht schlimm, dass Albus die Hauptperson war, die die Abenteuer erlebt. Und trotzdem ist es natürlich kein Roman, was mir – obwohl ich keine Schwierigkeiten beim Lesen hatte – besser gefallen hätte. 4,5 Sterne

J. K. Rowling & John Tiffany & Jack Thorne – Harry Potter und das verwunschene Kind
Originaltitel: Harry Potter and the Cursed Child (Juli 2016)
Carlsen, 24. September 2016
ISBN 3551559007
334 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro

Reihenfolge:
1. Harry Potter und der Stein der Weisen (Harry Potter and the Philosopher’s Stone)
2. Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Harry Potter and the Chamber of Secrets)
3. Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Harry Potter and the Prisoner of Azkaban)
4. Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter and the Goblet of Fire)
5. Harry Potter und der Orden des Phönix (Harry Potter and the Order of the Phoenix)
6. Harry Potter und der Halbblutprinz (Harry Potter and the Half-Blood Prince)
7. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Harry Potter and the Deathly Hallows)
8. Harry Potter und das verwunschene Kind – Originaltitel: Harry Potter and the Cursed Child

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! Die Schrecken der Nacht

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Schlafe, Charlie, schlaf nicht ein,
im Traum wird es noch schlimmer sein…

Kalter Kaffee, Unmengen Wasser, Klebeband zum Augenaufhalten: Der zwölfjährige Charlie versucht alles, um bloß nicht einzuschlafen. Seit er in der Villa seiner neuen Stiefmutter lebt, wird er Nacht für Nacht von absolut gruseligen Albträumen heimgesucht. Aber warum wirken die Monster und Ungeheuer so viel echter als andere Träume? Und was passiert, wenn die Albträume tatsächlich zum Leben erwachen? Charlie muss sich etwas einfallen lassen, wenn er jemals wieder ruhig schlafen will. (Klappentext)

Ich habe keine Albträume und auch noch nie gehabt.
Was ich aber erlebe, ist die Schlafparalyse. Die Phase zwischen Schlafen und Wachen, die alle haben, aber nur die wenigsten bewusst erleben. Dabei ist man noch bei Bewusstsein, aber der Traum ist schon nah. Die meisten Menschen sehen in der Zeit Monster, dunkle Gestalten oder Geister, hören gruselige Geräusche und haben schlimme Gefühle. Nicht wenige Menschen erleben diese Zeit in vollkommener Panik. Genau wie ich.
Aber wenn ich dann mal schlafe, habe ich nur noch coole Träume.
Anders als der zwölfjährige Charlie Laird.

Seit Charlie mit seinem Vater und seinem kleinen Bruder in der lila Villa seiner Stiefmutter wohnt, hat er furchtbare Albträume. Jede Nacht besucht er die Hexe, die ihm immer wieder droht, ihn zu fressen. Aber es fühlt sich nicht nur an, wie ein Traum. Es scheint, als würde er wirklich in den dunklen und stinkenden Gemächern der Hexe und ihrer sprechenden Katze sitzen. Doch plötzlich droht sie, Charlie in seiner Welt zu besuchen. Und schon bald wird er herausfinden, was wahr ist, und was Traum.

Das Buch wird offiziell „Kinderbuch“ genannt und das empfohlene Lesealter liegt zwischen 10 und 12 Jahren. Ich bin also locker 15 Jahre zu alt und doch stand dieses Buch ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Schon allein, weil es unter anderem von Jason Segel geschrieben wurde und ich ein großer How-I-Met-Your-Mother-Fan bin.

Man merkt dem Buch die Zielgruppe aber an vielen Stellen an.
Nicht nur die Protagonisten sind jung, sondern auch ihre Denkweise. Erwachsene hätten sich an der ein oder anderen Stelle sicher anders verhalten und andere Entscheidungen getroffen.
Die Sprache war diesem Niveau ebenfalls angeglichen. Sie war sehr einfach, aber das noch auf eine relativ angenehme Weise.

Mit Charlie wurde eine Figur geschaffen, die nicht mal durchgängig sympathisch war. Er hatte seine Momente, in denen er wütend und unfair war. Momente, bei denen ich nie wusste, ob die Albträume schuld sind oder vielleicht auch schon die beginnende Pubertät.
Doch auch die anderen Personen blieben nicht immer eindimensional und man konnte an ihnen so manches entdecken.

Die Geschichte ähnelte mit all den vorkommenden Monstern, die man neben der Hexe nach und nach kennenlernt, auch anderen (Grusel-)Kinderbüchern. Doch mit dem Traum-Setting hebt sie sich positiv ab.
NightmaresIm Sinne dieser Monster war nicht nur die Cover-Gestaltung, sondern auch die des (optischen) Inhalts. Zum (lumineszierenden) Cover passte zusätzlich noch der orange gefärbte Schnitt.
Richtiger Grusel kam bei mir zwar nicht auf, aber Spannung auf jeden Fall. Ich wollte die Albträume verfolgen und als es nach der Drohung der Hexe, dass sie zu Charlie kommen wird, erst richtig losging, war es auf jeden Fall spannend.

Und die letzten 60 Seiten war ich durchgehend so gerührt, dass mir mehr als nur eine Träne aus den Augen kullerte. Ich war so ergriffen von dem Ende, dass ich mich kaum zusammenreißen konnte.

Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Ich mochte die Story, die Figuren und all die Dinge, die man entdecken konnte und die noch vielfältiger waren als das Cover.
Trotzdem merkte man, dass es eigentlich ein Kinderbuch ist. Das minderte zwar nicht wirklich meinen Lesespaß, lässt es für mich aber auch kein perfektes Buch sein.
Wenn ich 15 Jahre jünger wäre, fände ich es sicher noch einen Tick besser. So gibt es „nur“ 4 Sterne.

Wem das Buch nicht so gut wie mir gefallen sollte, muss sich zum Glück nicht ärgern, denn obwohl es eine Nightmares!-Trilogie geben wird, ist dieses Buch in sich abgeschlossen und kann auch als eigenständiger Roman gelesen werden.

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! – Die Schrecken der Nacht
Originaltitel: Nightmares! (September 2014)
Dressler, 13. November 2014
ISBN 3791519085
377 Seiten
Gebunden; 17,99 Euro

Reihenfolge:
1. Nightmares! – Die Schrecken der Nacht – Originaltitel: Nightmares!
2. Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler – Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic
3. Nightmares! – Die Jagd des Traumdiebs (erscheint am 20.08.2016) – Originaltitel: Nightmares! The Lost Lullaby

Cornelia Funke – Reckless – Das goldene Garn

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Es griff in die Luft, und zwischen seinen Fingern fing sich ein Faden aus goldenem Garn, nicht fein wie der einer Spinne, sondern fest wie gesponnene Wolle. Das Kind folgte ihm mit den Fingern, bis er es zu Fuchs‘ Herzen führte. „Wusste ich’s doch.“ Der Faden verschwand, sobald es die Hand sinken ließ. „Er gehört zu dir.“

Baba Jagas, Kosaken, Spione und ein Zar, der zu Audienzen in Begleitung eines Bären kommt. Diesmal führt die Reise hinter dem Spiegel Fuchs und Jacob weit nach Osten. Auch Will kehrt zurück in die Welt, die ihm eine Haut aus Jade gab – auf der Spur der Dunklen Fee. Aber den Zweck der Reise bestimmt ein anderer: Der Erlelf hat den Handel nicht vergessen, den Jacob im Labyrinth des Blaubarts mit ihm geschlossen hat, und er lehrt Jacob und Fuchs mehr über seinesgleichen, als sie je erfahren wollten… (Klappentext)

Ich las mit Absicht den Klappentext vor dem Lesen nicht. Für mich ist der Klappentext eher Orientierungshilfe, ob ich das Buch kaufen bzw. gerade beginnen will.
Nachdem ich „Reckless – Steinernes Fleisch“ und „Reckless – Lebendige Schatten“ gelesen hatte, war ich mir sicher, dass ich gleich anschließend mit dem dritten Teil weitermachen möchte.
Vielleicht war das ein Fehler.

Auch wenn ich die Geschichten in der Spiegelwelt sehr gern mag und vor allem Jacob und Fuchs in mein Herz geschlossen habe, so war ich beim dritten Teil ein bisschen reckless-müde.
Ohne den Klappentext hatte ich dann das Gefühl, mir würde die Orientierung fehlen. Ich fand des roten Faden der Geschichte sehr schwer, wusste nicht, wo das Ziel sein wird. Ich irrte etwas verloren durch die Seiten. Das lag vielleicht auch an den vielen verschiedenen Erzählsträngen.

Bevor ich jedoch überhaupt gelesen habe, fielen mir die vielen Unterschiede zu den Vorgängern auf und das stimmte mich nicht glücklich. Mir fehlte der Spiegelrahmen auf dem Cover und die Reliefprägung des Bildes (dieses Mal sind die Buchstaben erhaben). Außerdem ist die Schrift kleiner. Die Zeichnungen von Frau Funke sind immer noch die kleine Variante, die es schon im zweiten Teil gab, dabei gefielen mir die ganzseitigen Bilder aus dem ersten Teil so gut. In dem dritten Teil wiederholen sich nun auch zum ersten Mal Zeichnungen innerhalb des Buches. Einerseits wusste man dann sofort, um wen es im nächsten Kapitel geht, andererseits kamen die vorherigen Bücher auch ohne diesen Wiedererkennungswert aus.
Dann auch der Titel: „Das goldene Garn“. Was soll denn das „Das“ dort? Bisher hieß es doch auch nur „Steinernes Fleisch“ und „Lebendige Schatten“. Warum denn nicht „Goldenes Garn“?
Aber gut, das sind Nebensächlichkeiten, die anderen wohl egal sind. In die Wertung fließen sie auch für mich nicht hinein. Es ärgert mich nur.

„Reckless – Das goldene Garn“ fühlte sich an wie eine große Reise. Ständig war man unterwegs, egal bei welcher Person man gerade war. Jeder folgte jedem, Stillstand war nur von kurzer Dauer. Ich fühlte mich gehetzt und hatte zu tun, mir die jeweiligen Beweggründe immer wieder vor Augen zu führen. Immer wieder blätterte ich zurück, um manche Details noch einmal zu lesen.
Manchmal gab es sogar Anspielungen auf Dinge, die im ersten oder zweiten Teil passiert sind. Manches Mal zog ich also tatsächlich die Vorgänger aus dem Regal, um etwas nachzulesen. Manche Infos gab es dort auch nur im Halbsatz… und die sollte man sich dann gemerkt haben…

Durch das ständige Unterwegssein lernt man die Spiegelwelt noch ein ganzes Stück besser kennen, vor allem die Länder im Osten. Man erfährt von neuen Märchen, neuen Sagen, neuen Fantasie-Gestalten, die in der Spiegelwelt real sind.
Diese Dinge machen immer noch einen großen Teil des Charmes und des Zaubers aus.

Den Charme machen aber natürlich auch wieder die Figuren aus.
Fuchs und Jacob sind seit Teil 1 in meinem Herzen und haben sich da wohl für immer einen Platz gesichert. Doch auch die anderen Figuren – die bereits bekannten wie auch die neuen – sind vielschichtig angelegt. Man versteht ihre Beweggründe, egal ob sie für die Hauptfiguren gute oder negative Ergebnisse nach sich ziehen.
Ich finde es angenehm, dass neue Figuren nur in sparsamen Dosierungen eingeführt wurden und sich das Spiegelwelt-Universum so nur langsam füllt. Man verliert zumindest an der Front nicht den Überblick.

Wo ich aber regelmäßig den Überblick verloren habe, war bei der Sprache.
Ich konnte unglaublich oft die Gedanken von Frau Funke nicht nachvollziehen und wusste nicht, worauf Figuren anspielen, wenn es nicht explizit dabei stand.
Manchmal schien es das Vorspungwissen der Autorin zu sein, das mich verwirrt zurückließ, manchmal einfach unsere unterschiedliche Art zu denken.
Die Sprache an sich war jedoch wieder wunderbar bildhaft und poetisch. Man kann sich durch ihre Worte so schön in der Spiegelwelt verlieren.

Alles in allem las ich dieses Buch viel angestrengter als die Vorgänger.
Ich musste mir ständig ins Gedächtnis rufen, welches Ziel welche Figur gerade verfolgt.
Sobald ich das Buch zwischendurch zugeschlagen habe, hatte ich das Gefühl, das alles gerade Gelesene wieder gelöscht wurde. Beim nächsten Aufschlagen guckte ich mir immer noch die letzten drei oder vier Kapitel an, da meistens jedes dieser paar letzten Kapitel sich um eine andere Figur drehte.
Im Verhältnis zu den Zielen in Buch 1 („Wird Will das steinerne Fleisch los?“) und Buch 2 („Wird Jacob die Mottenbisse überleben?“) empfand ich das dritte Buch auch viel weniger spannend, da mir die allgegenwärtige Gefahr fehlte. Die Protagonisten hätten sich ständig gegen eine Handlung oder eine Reiseroute entscheiden können und es wäre auch nichts Schlimmes passiert.

Ich persönlich empfinde Teil drei als den bisher schwächsten und vergebe deswegen 3,5 Sterne.

Cornelia Funke – Reckless – Das goldene Garn
Dressler, Februar 2015
ISBN 3791504967
461 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Reckless – Steinernes Fleisch
2. Reckless – Lebendige Schatten
3. Reckless – Das goldene Garn
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Cornelia Funke – Reckless – Lebendige Schatten

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Er knöpfte das Hemd auf. »Ich hab nach einer Medizin gesucht.«
Der rote Saum, der die Motte umgab, sah aus, als hätte jemand sie mit frischem Blut umrahmt.
Fuchs holte tief Luft. »Was bedeutet das?« Ihre Stimme klang noch heiserer als sonst. Sie las ihm die Antwort vom Gesicht ab. »Also das war der Preis. « Sie gab sich Mühe, gefasst zu klingen. »Ich wusste, dass dein Bruder seine Haut nicht umsonst zurückbekommen hat.« Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Die Augen der Füchsin, braun wie angelaufenes Gold.

Sechs Mal wird die Motte auf seiner Brust zubeißen, bevor sie zurück zu ihrer Herrin fliegt und Jacob dem Tod überlässt. Die fieberhafte Suche nach dem Schatz, der ihn retten könnte, beginnt. Ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen den Goyl Nerron. Dem Goyl geht es darum, der beste Schatzjäger in der Spiegelwelt zu sein. Für Jacob Reckless aber geht es um Leben oder Tod. (Klappentext)

Nachdem ich von dem ersten Teil „Reckless – Steinernes Fleisch“ so begeistert war, war ich unglaublich gespannt auf Teil 2 und die Geschichte, die die Spiegelwelt nun für mich bereithält.

Wieder geht es um eine Suche. War man im ersten Band noch auf der Suche nach einem Mittel gegen die steinerne Haut, die Will wuchs, ist man nun auf der Jagd nach einem Mittel gegen den Tod, den die Feen Jacob in die Brust pflanzten.
Dieses Mal lernt man die Spiegelwelt ein ganzes Stück besser kennen. Man bereist mehr Länder, lernt mehr Personen kennen, erfährt mehr Legenden.
Ich habe es wieder geliebt, dort hinreisen zu können beim Lesen und doch fehlte ein kleines bisschen der Zauber aus dem ersten Teil, wo ich vor allem die zum Leben erweckten Märchen meiner Kindheit so liebte. Hier fehlen sie.

Auch wenn die Geschichte spannend und vielseitig war, so fehlte mir ein bisschen das „Mehr“. Mehr Außenrum, mehr vom Weg abkommen, einfach mehr Leben in der Spiegelwelt.
Vielleicht bin ich ein bisschen verwöhnt von dem Kennenlernen und den Erklärungen aus Band 1.

Ich freute mich dafür umso mehr, wieder von Jacob und Fuchs zu lesen, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe. Ich freute, trauerte, fieberte mit ihnen mit und war nicht eine Sekunde auch nur im Ansatz genervt.
Auch die anderen Figuren bleiben nicht oberflächlich, sondern waren vielschichtig und spannend.

Mit den Worten zeichnete Frau Funke wieder einzigartige Bilder auf eine wunderschöne Weise. Nur manchmal, da fiel es mir seltsam schwer, ihren Gedanken zu folgen. Wenn auch selten.
Ich habe mich erneut sehr gern in der Sprache verloren und ihr zugeschaut, wie sie die Geschichte zum Leben erweckt.

Frau Funke zeichnete jedoch nicht nur Sprachbilder, sondern auch kleine Kunstwerke, die jedem Kapitelanfang vorausgehen. Leider haben sie an Größe und somit Detailreichtum – im Vergleich zum ersten Mal – verloren.
Genau so war der Reliefbilderrahmen vom Cover des ersten Bandes verloren. Dieses Mal war die Motte erhaben, die sich auch auf dem Buchdeckel befand, wenn man den Schutzumschlag abnahm.

Ich mochte „Reckless – Lebendige Schatten“. Sehr sogar. Ich genieße die Sprache, liebe die Figuren und folge gespannt den Ereignissen in der Spiegelwelt. Nur war ich dieses Mal ein bisschen unverzauberter. Die Suche nach dem Schatz war mir etwas zu statisch und linear, auch wenn es die eine oder andere Wendung und Überraschung gab.
Nichtsdestotrotz freue ich mich schon wahnsinnig darauf, den nächsten Teil zu lesen und vergebe: 4 Sterne

Cornelia Funke – Reckless – Lebendige Schatten
Dressler, September 2012
ISBN 3791504894
411 Seiten
Gebunden; 19,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Reckless – Steinernes Fleisch
2. Reckless – Lebendige Schatten
3. Reckless – Das goldene Garn
RecklessFunke_Reckless2.Funke_Reckless3

Nina Blazon – Faunblut

Blazon_FaunblutFast zwei Monate habe ich für dieses Buch jetzt gebraucht. Und das leider nicht, weil ich extra langsam gelesen habe, um es vollends zu genießen. Im Gegenteil. Ganz im kompletten Gegenteil.
Dabei klang der Klappentext eigentlich nach etwas, das mir gut gefallen könnte:

Eine Metropole am Rande der Zeit, eine Herrschaft im Zeichen der Gewalt und eine Liebe wider jede Vernunft.
Als Jade, das Mädchen mit den flussgrünen Augen, den schönen und fremdartigen Faun kennenlernt, steht ihre Welt bereits kurz vor dem Untergang.
Aufständische erheben sich gegen die Herrscherin der Stadt, und die sagenumwobenen Echos kehren zurück, um ihr Recht einzufordern. Jade weiß, auch sie wird für ihre Freiheit kämpfen, doch Faun steht auf der Seite der Gegner… (Text der Umschlagklappe)

(Kurze Warnung: Wer unmotiviertes Gejammere nicht lesen will, der springe besser zum letzten Absatz.)

Aaaach, es fängt ja schon beim Inhalt an. Als ich mir Gedanken gemacht habe, worum es denn nun genau ginge, fiel mir keine Antwort ein. Es geht um die Echos irgendwie. Und Liebe. Und die Regierung einer Stadt, von der man bis zum Ende nicht wusste, wie sie heißt und in was für einer Welt sie liegt. Vielleicht ging es aber auch um Selbstverwirklichung oder mittelalterliche Riten. Vielleicht auch um alles davon oder nichts. Wer weiß das schon so genau.

Und dieses ganze Übernatürliche. Die ganzen Wesen, die darin vorkommen. Die Echos allein oder Faun, der auch nicht so ganz menschlich zu sein scheint und der ein und andere noch zusätzlich. Mir war das zu wenig Erklärung. Klar, ich könnte das nun einfach so hinnehmen, dass die Welt da nun einmal so ist und fertig. Ist ja Fantasy. Trotzdem fehlte mir da Wissen.

Das ist überhaupt ein gutes Stichwort.
Man war sofort in der Geschichte drin, in der plötzlich Jade und Lilinn, die Köchin im Hotel Larimar, das von Jades Vater geführt wird, von Echos gejagt werden.
Es hat definitiv Vorteile, wenn es nicht noch eine riesige Einleitung gibt, aber es nervt mich auch, wenn einfach Personen erwähnt werden, aber mit keinem Sterbenswörtchen, wer das nun genau ist. Die Erklärungen, wer die Leute waren, kamen erst viele, viele Seiten später. Auch auf Ereignisse lässt sich das übertragen. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich gedacht, ich lese einen zweiten Teil. Ständig hatte ich das Gefühl, mir würde Vorwissen fehlen.

Ich hätte darüber vielleicht noch hinwegsehen können, wenn ich die Figuren gemocht hätte, aber nicht eine konnte ich gut leiden. Allen voran Jade, die ja ach so leidenschaftlich und störrisch und selbstständig und stark und… ja ja… nervig, das isse! Ich hatte das Gefühl, sie musste jeden irgendwie anpampen und ständig wurde sie wütend. Manche nennen es Impulsivität, ich nenne ich Aggressionsproblem.
Und auch die anderen Figuren… Ihr Vater Jakub war sogar noch unsympathischer. Er las sich immer grimmig, stur, kalt, jähzornig und verschlossen.
Jades bester Freund Martyn war vielleicht noch ganz nett, aber eine männliche Zicke.
Und Faun? Über den kann ich gar nicht erst reden. Ja, diese Figuren, bei denen man nicht genau weiß, woran man ist, sind ja interessant, aber er litt anscheinend auch unter argen Stimmungsschwankungen. Und dann erzählte er immer nur Halbwahrheiten, deren zweite Hälfte nur sehr langsam richtiggestellt wurde.

Vielleicht wäre ich sogar darüber noch hinweg gekommen, wenn die Liebesgeschichte mich wenigstens zum Schmelzen gebracht hätte. Hat sie aber nicht!
Erst konnten sich beide auf den Tod nicht leiden und ganz plötzlich kribbelte es und … BÄMM… plötzlich liebten sie sich heiß und innig. Das kann man mir nun so nicht erzählen. Liebe auf den ersten Blick gut und schön, aber dann soll man sich doch bitte am Anfang nicht so offenkundig blöd finden.

So und auch darüber wäre ich eventuell – im Fall aller Fälle – hinweg gekommen, wenn mich die Sprache mitgerissen hätte, mich inspiriert und mit schönen Bildern im Kopf zurückgelassen hätte. Und auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Hat sie aber nicht!
Die Sprache war so dicht, so voll, als würde Frau Blazon versucht haben, in möglich wenig Zeilen möglich viel Inhalt zu bekommen. All die Adjektive und Vergleiche (beide gern neu erfunden und seltsam verschwurbelt) machten es manchmal unmöglich fließend zu folgen. Ich fühlte mich durch die Seiten gehetzt und hielt es nicht selten nur drei Seiten aus, bis ich das Buch zur Seite legen musste, weil das Lesen mich erschöpfte.

Vielen Beschreibungen (zum Beispiel von Wegen, Fluchten oder Handlungen, die viele Bewegungsläufe beinhalteten) konnte ich auch nicht folgen, weil ich die Beschreibung so umständlich empfand. Ich verstand nicht, wo Jade sich jetzt wie langhangelt oder was sie mit ihrem Bein oder Arm macht oder um welche Ecke sie gerade biegt. Ständig las ich solche Abschnitte doppelt und dreifach.

Ich kann im Nachhinein kaum etwas Gutes über das Buch sagen.
Ja, die Idee mit den Echos war neu. Ein paar innovative Ansätze gab es sicher, die das Buch von anderen Fantasybüchern unterscheidet. Alles in allem fand ich das Buch aber nicht rund. Ständig schien mir Wissen zu fehlen, ich mochte die Figuren nicht, ich kam mit der Art zu schreiben nicht zu recht und alles in dem Buch kam mir zu unvermittelt: die Liebe zwischen Jade und Faun, das Chaos in der Stadt, alles war plötzlich mit riesigem Knall da.
Nein, ich mochte das Buch nicht. Es gibt 1,5 Sterne Sterne und der halbe Stern ist auch nur deswegen da, weil mich das Buch nicht zum Abbruch zwang.

Nina Blazon – Faunblut
cbt/cbj Verlag, 1. Dezember 2008
ISBN 978-3-570-16009-1
479 Seiten
Gebunden; 18,95 Euro
(als Taschenbuch erhältlich)

Isabel Abedi – Imago

Wanja liebt sie – diese Minuten vor Mitternacht, kurz bevor auf ihrem Radiowecker alle vier Ziffern auf einmal wegkippen und eine ganz neue Zeit erscheint. Doch heute um Mitternacht verändert sich nicht nur das Datum für Wanja. Sie bekommt eine geheimnisvolle Einladung zu der Ausstellung Vaterbilder. Und damit einen Schlüssel, der die Tür zu einer anderen Welt öffnet: in das Land Imago. (Klappentext)

Isabel Abedi nimmt uns mit in das Leben von der zwölfjährigen Wanja, die gerade einen ziemlichen Umbruch in ihrem Leben und Charakter durchmacht. Sie muss leider erkennen, dass sie mit ihrer besten Freundin Britta nichts gemeinsam hat und sie nur noch aus Gewohnheit so viel zusammen machen. Außerdem möchte sie endlich etwas über ihren Vater wissen. Dieser rätselhafte Mann, über den alle schweigen oder nur Schlechtes sagen.

Mitten in dieser aufwühlenden, vorpubertären Zeit, bekommt Wanja die Einladung zu der Ausstellung „Vaterbilder“. Durch ein ganz bestimmtes Gemälde wird sie in die Welt Imago gezogen und dort eröffnet sich ihr und den Lesern die Welt eines schillernden Zirkus. Doch damit nicht genug. Einer der anderen Kinder, die eine Einladung bekommen haben, ist Mischa. Er geht auf ihre Schule und hat keinen Kontakt zu den anderen Schülern.
Wanjas Kontakt zu Mischa wird nun aber zwangsläufig immer mehr, was ihr einen noch schwereren Stand in ihrer Mädchenclique beschert.

Zu Wanja hatte ich eine wirklich gute Verbindung. Sie ist sehr sympathisch und man kann richtig fühlen, wie schwer im Moment alles für sie ist. Auch Mischa mochte ich sehr und natürlich alle Mitglieder des Zirkus Anima. Aber mit dem Rest war es seeeehr schwer.
Britta ist einfach nur eine riesengroße, nervige Zicke. Wie Wanja überhaupt mal mit ihr klar kam, ist unvorstellbar für mich.
Und auch die anderen Mädchen und Wanjas Mutter Jo waren schwer zu ertragen.
Jo war sehr anstrengend, impulsiv und ab und zu hatte man mal den Eindruck, dass Wanja eher die Mutterrolle hat. Dies verstärkte wohl auch den Eindruck, dass Wanja sehr reif ist und für mich nie zwölf Jahre alt war. Bei Mischa ist es das gleiche. In meinem Kopfkino waren beide eher so 16 Jahre alt.

Das ganze Buch ist also keinesfalls kindisch geschrieben und auch die Themen (erkennen der eigenen Gefühle, die Suche nach sich selbst und seinen Wurzeln) sind nicht nur für Kinder und Jugendliche geeignet.

Die Beschreibungen waren toll. Obwohl wirklich viele Personen vorkamen, war jeder individuell so toll gezeichnet, dass ich nie durcheinander kam. Und auch die Landschaften, Wohnungen oder was auch immer waren deutlich. Und ganz besonders der Zirkus. Ich war weit über zehn Jahre nicht mehr dort, aber ich fühlte mich sofort zurückversetzt. Jede Nummer, jedes Kostüm, ich hab alles ganz deutlich vor mir gesehen.

Das Buch hat einen großen Vorteil, der für mich gleichzeitig ein Nachteil war. Es besteht aus Geheimnissen über Geheimnissen. Warum sind ausgerechnet Wanja und die anderen paar Kinder ausgesucht? Warum ist überhaupt alles so mystisch und kein anderer sieht die Tür im Museum? Wie kann sie in eine andere Welt reisen? Warum passieren so viele komische Sachen im Zirkus? Was ist denn nun mit Wanjas Vater? Und warum rastet Jo immer so extrem aus, wenn er zur Sprache kommt?
Ich liebe Rätsel und Geheimnisse, aber hier kommt alles so geballt. Nichts löst sich zwischendurch mal auf. Und sobald mal eine Kleinigkeit beantwortet wird, ergeben sich daraus zehn neue Fragen. Das nervt nicht nur Wanja, sondern hat meine Nerven auch manchmal ganz schön strapaziert.
Und doch war vieles sehr, sehr vorhersehbar. Das fand ich nicht unbedingt schlimm, es war aber doch komisch, dass soooo viele Rätsel krampfhaft aufgebaut werden, wenn vieles so deutlich ist.

Und doch bleiben am Ende noch so einige Fragen offen. Ich habe das Buch zugeschlagen und dachte „Aha, ja schöne Geschichte, aber WARUM zum Teufel war das und das jetzt so???“. Da hätte ich mir dann schon die eine oder andere Erklärung gewünscht.
Außerdem haben sich Wanja und Mischa noch mit zwei anderen Kindern angefreundet, Alex und Natalie. Man hat zwar zwischendurch mal erfahren, welche Bilder sie haben, durch die sie reisen, aber was bei ihnen so passiert, wurde nie thematisiert. Außerdem weint Natalie zum Ende hin viel im Museum und es wird an keine Stelle erklärt wieso. Dann sollte man solche Details weglassen, finde ich.

Alles in allem hat sich das Lesen aber auf jeden Fall gelohnt. Eine schöne, fantasievolle Geschichte, die (mir zumindest) auch ans Herz geht.
Da aber so vieles ungeklärt bleibt, ich Jos Verhalten total überzogen und unnötig fand und ich mit den meisten Personen nicht warm geworden bin, gebe ich .

Isabel Abedi – Imago
Arena Verlag, Juni 2004
ISBN 3401029088
402 Seiten
Taschenbuch; 7,99 Euro

Bettina Belitz – Scherbenmond

Er war einfach weg! Dieser Zauber, das Freuen auf die nächste Seite, das Kribbeln beim Lesen. Das alles gab es noch beim Lesen des ersten Teils, aber trotzdem war auch dieses ein sehr gutes Buch.

Es wird die Geschichte von Ellie und Colin weitergeführt.
Er ist weg und Ellie zweifelt langsam an ihren Erinnerungen. Gibt es wirklich Nachtmahre? Hat sie einen Kampf gegen eine der mächtigsten Mahre überlebt? Gibt es Colin überhaupt tatsächlich?
Und dann kommt ein Auftrag von ihrem verschwundenen Vater. Sie soll nach Hamburg reisen und Paul, ihren Bruder, zurück nach Hause holen. Und nebenbei sein Werk im Kampf gegen die bösen Mahre fortsetzen…

Die 687 Seiten sind in vier große Teile untergliedert: Acedia (Trägheit), Superbia (Hochmut), Gula (Gefräßigkeit) und Ira (Zorn). Der Zusammenhang zum Inhalt erschließt sich dann, wenn man den jeweiligen Teil beendet hat. A bissl Spannung muss ja sein, gell?

Auf jeden Fall fand ich den Plot toll. Im ersten Teil ging es ja eher um die Gesamtsituation und die Beziehung zwischen Ellie und Colin, aber es wurde kein konkretes Ziel verfolgt. Hier gibt es das aber nun ganz klar und man kann sich an einem roten Faden langhangeln.

Schön gelöst wurde auch, dass nicht allzu viele neue Personen eingeführt wurden, obwohl es eine neue Stadt und neue Probleme und Aufgaben gab. So konnte ich mich immer noch mittendrin fühlen, da ich ja alle schon kannte. Und die neuen Personen waren allesamt sinnvoll (ja, es gibt auch genug Bücher, wo man 20 Leute kennenlernen muss, die absolut NICHTS mit der Geschichte zu tun haben). Und sie waren alle wieder fantastisch dargestellt. Sowohl optisch als auch charakterlich, mit allen Facetten und Zwiespälten. Ich habe alles ganz genau vor mir gesehen. Und man kann so schön miträtseln, ob man (und somit eben Ellie) den Leuten vertrauen kann oder nicht.
Aber endlich lernen wir Paul besser kennen! Das hat mich sehr gefreut. Vor allem, dass so große Teile des Buches in Hamburg spielen (wo ich wohne) und die ganzen Orte, die erwähnt werden, kenne ich ganz genau (vor allem dort, wo die gruseligsten Sachen passieren, gehe ich regelmäßig vorbei).
Wer diesmal gerade anfangs etwas zu kurz kommt, ist Colin. Aber ehrlicherweise hat es mich nicht „gestört“. Klar hätte ich gerne sofort erfahren, wie es zwischen den beiden weitergeht, aber es ist so viel anderes Spannendes passiert, dass ich gut abgelenkt war.
Und doch kam er wieder vor und nicht zu kurz… Oder vielleicht doch?!?! Eigentlich könnte ich ihn ja ständig um Ellie herum sehen, egal wie sehr er mich manchmal aufregen und nerven kann.

Apropos nerven: Irgendwie hat mich Ellie streckenweise enorm genervt. Sie schien so unentschieden mit sich und ihren Gefühlen. Nicht wirklich kindisch oder nicht dem Alter entsprechend, aber doch zeitweise echt anstrengend.

Was ich noch nicht erwähnt habe: Splitterherz (Teil 1) ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Und darum hat auch Scherbenmond von vornherein einen guten Stand. Ich versuche es neutral zu sehen, aber ich bin einfach positiv voreingenommen.

Was mich aber nichtsdestotrotz teilweise stört, ist die Sprache. Sie ist sehr schön, gefühlvoll, schwungvoll, lebendig und doch manchmal zu hoch gegriffen. In welchem Buch über Jugendliche sollte der Ausspruch „fünf feiste Wildschweinköpfe“ vorkommen? Wer sagt sowas??? Aber gut, es ist nur ganz selten (im ersten Teil war es definitiv öfter), dass ich kurz schlucken musste, dreimal tief durchatmen und diese Stelle dann weglächeln.

Man merkt wirklich, wie viel Herzblut Bettina Belitz in das Schreiben legt. Und ich kann das auch dahingehend bewerten, dass ich sie ein gaaaaaaanz kleines bisschen persönlich kenne. Ich bin nämlich in einem Bücherforum aktiv und dort gab Leserunden zu beiden Teilen. Und daher kommt auch die Danksagung, in die ich eingeschlossen wurde. Da gibt es nämlich folgende Stelle: „Ich danke […] den Teilnehmerinnen der Splitterherz-Leserunde auf buechertreff.de, die mich im Januar 2010 gerade in Scherbenmond hineinkatapultiert haben (Mädels, ihr wart spitze!)“. Und ich war eben eine der 15 Teilnehmerinnen (plus/minus zwei). Und daher hat mich diese Danksagung ganz stolz gemacht.

Nicht zu vergessen ist aber auch das Cover. Das ist wieder wunderschön. Man kann sich richtig in den Details verlieren und sich vor allem verlieben. Das Umschlagpapier ist sehr grob und dann sind da die feinen Lack-Reliefs. Toll! Was das Buch noch besonders macht, ist die Tatsache, dass auch unter dem Umschlag eine kleine Zeichnung ist (der Titel, von dem Herzen herabfallen). So sieht es auch ohne Umschlag nicht langweilig aus.

Außerdem gibt es ein süßes Detail, um sich noch mehr mit der Geschichte verbinden zu können. Es werden oft Bilder oder Lieder erwähnt. Wenn man die anschaut/anhört, ist man noch ein bisschen näher an Ellie und Colin dran.

Zusammenfassend: Klasse Stimmung, super Geschichte, tolle Charaktere, geniale Mischung aus verschiedensten Genres (Jugendbuch, Liebesgeschichte, Fantasy, Krimi, Thriller… irgendwie ist alles enthalten, ohne überladen zu wirken). Ich kann die Reihe wirklich nur empfehlen. Da ich ganz kleine Abstriche mache, vergebe ich .

Bettina Belitz – Scherbenmond
script5, Januar 2011
ISBN 9783839001226
687 Seiten
Gebunden; 19,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Splitterherz
2. Scherbenmond
3. Dornenkuss (voraussichtlich ab 1.11.2011)

Kerstin Gier – Smaragdgrün – Liebe geht durch alle Zeiten

Ich glaube, ich habe diese Rezension genau so lange vor mir hergeschoben, wie das Buch seinen Erscheinungstag. Das war ja fast nicht zu glauben, was da vor sich ging. Ich weiß gar nicht mehr ganz genau, wie das war, aber der Termin wurde immer ein Stück weiter nach hinten geschoben und weiter nach hinten geschoben und weiter… na ihr wisst schon. Ich bin der Meinung, dass GAAAAANZ am Anfang mal die Rede von September war. Das Thema war dann schnell gegessen und es wurde Oktober draus. Den November hatte man dann gleich übersprungen ist auf Anfang Dezember gegangen. Und so war es dann auch. Irgendwie war das ganze Hin und Her schon ein schlechtes Omen für mich. War ich nach dem zweiten Teil noch total heiß darauf weiter zu lesen, verflüchtigte sich dieses Gefühl so langsam, da ich ECHT genervt war. Aber gut, letztendlich ist es ja erschienen und hier nun die Rezension:

Um es vorweg zu sagen, ich bin nicht restlos begeistert. Das ist aber gar nicht auf die Schreibweise, den Inhalt oder die Personen zurückzuführen. NEIN! Ganz im Gegenteil!!!! DAS hätte es eigentlich schaffen müssen. Eigentlich fand ich nämlich alles ganz toll. Obwohl ich wohl schon lange aus dem Zielgruppen-Alter raus bin, fand ich die Trilogie großartig. Ich hab zwar jetzt nicht Gideon angeschmachtet (das haben die kleinen Mädchen bestimmt für mich mit erledigt), aber ich habe das Buch trotzdem verschlungen (also dafür, dass die Leseflaute noch nicht vorbei ist, ging das echt fix). Ich habe wirklich mitgefiebert, was nun aus Gwen und Gideon wird, habe bei den Dialogen mit Xemerius mal schmunzeln und mal herzhaft lachen müssen, habe mitgerätselt, mitgelitten, mitgelebt. Das Buch hat mich WIKRLICH in seinen Bann gezogen.

Zum Inhalt muss ich wohl nichts mehr sagen (es wird ja wohl hoffentlich niemand vorhaben bei Teil 3 zu beginnen!). Letztendlich spitzt sich alles noch mal zu, neue Probleme geschaffen, alte aufgelöst, Fragen geklärt, Rätsel entwirrt. Eben so, wie es sich für einen guten Abschluss gehört.
Also langweilig wird es auf keinen Fall. Es gibt immer wieder spannende Wendungen, die ich so nicht habe kommen sehen. Und das Ende war doch überraschend. Nennt mich naiv, aber DAS hatte ich nicht erwartet ;-).

Und das Cover erst! Das ist wieder wunderschön. Ich bin eigentlich kein Grün-Fan, aber dieses finde ich schön. Und vor allem im Regal sehen die drei Pastell-Töne wunderschön nebeneinander aus. Und vor allem fallen sie sehr auf. Auch die Zeichnungen sind wieder toll. Und wenn ich mir das Cover jetzt nach dem Lesen so ganz genau angucke, sehe ich Hinweise, die man vorher gar nicht begreift. TOLL!
Wenn man alle drei Cover nebeneinander stellt, kann man auch schön die Veränderung der Beziehung unserer beiden jungen Protagonisten sehen. Das ist sehr süß gemacht.

Wie ich aber anfangs erwähnt habe, gibt es auch einen großen Kritikpunkt. Und der ist es, der einen ganzen Punkt am Ende abgezogen hat: Es wurde vorausgesetzt, dass man alles noch haargenau weiß. Jede kleine Nebenfigur, jeder gesprochene Satz… auf alles wurde irgendwann Bezug genommen (aber natürlich ohne neuerliche Erklärung) und ich wusste gar nicht mehr, worum es genau ging. Die ganze Trilogie umfasst nämlich nur einen Zeitraum von gut zwei Wochen, gelesen hat man die Bücher aber in einem Zeitraum von gut zwei Jahren (also ich zumindest und wohl auch jeder andere, der sich die Bücher sofort nach Erscheinen gekauft hat).Und als ein Satz fiel, in dem es darum ging, was gestern war (aber in dem letzten Teil statt fand), war ich vollends genervt. Also so eine kleine Zusammenfassung wäre nett gewesen. Sie soll ja auch gar nicht lang sein und auch gar nicht total detailgetreu, aber da sollte sie sein. Oder sehe ich das falsch? Ich habe nämlich zwischen den Teilen auch andere Bücher gelesen. Und bevor ich Teil 3 gelesen habe, habe ich nicht die beiden vorherigen noch mal gelesen. NEIN, das habe ich NICHT! Und JA, ich war nicht mehr 100prozentig in jeder Materie. Ja gut, nach und nach kam alles wieder und es wird zum Teil auch erklärt, aber das Meiste kam für mich einfach zu spät.

Alles in allem lohnt es sich aber die Trilogie zu lesen. Sie ist leicht und locker, zuckersüß und niedlich, spannend und rätselhaft.
Ich kann sie nur empfehlen… und das nicht nur für die Jüngeren 😉
Dieser Teil bekommt von mir , die ganze Trilogie aber !

Kerstin Gier – Smaragdgrün – Liebe geht durch alle Zeiten
Arena, Dezember 2010
ISBN 9783401063485
496 Seiten
Gebunden; 18,95 Euro

Reihenfolge der Trilogie
1. Rubinrot
2. Saphirblau
3. Smaragdgrün

Sergej Lukianenko – Trix Solier – Zauberlehrling voller Fehl und Adel

Im Grunde tut mir die folgende Rezension jetzt schon weh. Ich glaube, das Buch hat wirklich Potenzial. Sogar wirklich viel Potenzial. Es hat mich aber wohl zu einer falschen Zeit gefunden. Ich habe tatsächlich über einen Monat gebraucht und habe tagelang gar keine Lust verspürt dieses Buch zu lesen. Wahrscheinlich stecke ich momentan in einer riesigen Leseflaute und da kam dieses Buch leider ungelegen.

Der titelgebende Held ist der Sohn des Co-Herzogs Solier. Rett Solier lebt leider gleich im ersten Kapitel ab (ebenfalls seine Frau und der halbe Hofstaat). Im Zuge des Putschs des anderen Co-Herzogs Gris verliert Trix nicht nur seine Eltern sondern auch das Schloss und das gesamte Vermögen. Nun ist er auf sich selbst gestellt in einer Welt, die voller Gefahren, Magie und mittelalterlichen Lebensbedingungen ist. Und wie es sich für einen richtigen kleinen Adligen gehört, hat er natürlich keine Ahnung vom Leben außerhalb der Schlossmauern.

Bis hier fand ich das alles noch ganz spannend, doch dann fing die große Langeweile für mich an. Trix reist gerade anfangs viel hin und her. Hinter jeder Ecke wartet jemand, der Trix vielleicht helfen will, vielleicht aber auch egoistische Beweggründe hat und ihm schlicht und ergreifend an den Kragen will. Am besten merkt man sich dann auch gleich die mitgelieferte Familien- und Ländereien-Geschichte dieser Leute. MUSS man aber nicht (wenn man es so macht wie ich), SOLLTE man aber, wenn man auch bis zum Ende noch wissen will, von wem kurz nochmal geredet wird. Auf seinem Weg findet er dann auch viele neue Freunde, die er oftmals vor Gefahren retten muss. Und sich selbst meist mit…

Ich bin ja der Meinung, dass das ganze Reisen in der Geschichte überbewertet ist. Es stellte einfach Längen dar, die für mich zäh waren wie Kaugummi.
Apropos Länge: Jedes Kapitel hatte exakt 30 Seiten +/-2 (außer die letzten beiden). Mehr als der Inhalt hat mich so manches Mal dieses Phänomen fasziniert. Hat Lukianenko vielleicht deswegen diese Längen? Weil er sonst nicht auf 30 Seiten gekommen wäre?

Was aber wirklich gut war, waren die ganzen Anspielungen. Manche Zaubersprüche waren an bekannte Gedichte angelehnt (Erlkönig und Zauberlehrling), manche Figuren hatten Namen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben (wie der Koch Domac, der ein Fast-Food-Restaurant aufmachen will 😉 ) oder Anlehnungen an Filme und und und. Das macht das Buch eigentlich herzerfrischend und müsste einen oft zum Lachen bringen. Wie gesagt: MÜSSTE. Ich hab die Stellen gesehen und dachte auch, dass sie eigentlich recht lustig sind. Aber lachen konnte ich nicht. Ich wusste eben nur, dass ich es an dieser Stelle hätte tun sollen (und irgendwo auch wollen… aba irjendwie jing dit nich… schade!).
Auch ansonsten steckten überall liebevolle Ideen. Schöne Orte, tolle Figuren, eine süße Story über heranwachsende Jugendliche. Aber ich konnte das alles nicht ins Herz schließen. Ich wollte nur eins: das Buch endlich beenden.
Vor wem ich aber in dem Zusammenhang sehr großen Respekt habe, ist die Übersetzerin Christiane Pöhlmann. Lukianenko wird ja vieles an russische Filme/Märchen/Gedichte/Personen/Orte…. angelehnt haben. Aber für uns orientiert sich alles liebenswürdig an deutschen Sachen (und auch an amerikanischen).

Wenn man sich ganz viele Gedanken über das Buch machen will, findet man sogar viele kritsche Details. Es geht um politische Maßnahmen, die unmenschlich sind (für die heutige Zeit… das Buch spielt ja schon eher im Mittelalter), idiotische Bürokratie (eine fantastische Stelle übrigens. Trix durfte solange nicht zu einem Baron, bis er alle möglichen dämlichen Fragebögen ausgefüllt hat) oder auch nichtssagende Traditionen.

Besonders schön ist auch das Cover. Erst nach und nach hat sich alles für mich erschlossen: die Personen und die Zauberwesen. Alles klar. Nur der Apfel… den verstehe ich nicht. Aber gut. Sehr schön trotzdem! Hat auch eine alte Anmutung. Passend zum Inhalt.

Letztendlich hat mir aber der rote Faden gefehlt. Worum ging es denn nun genau in dem Buch? Um den Putsch, für den sich Trix rächen will? Um seine magischen Fähigkeiten? Um das Retten seiner Freunde? Hing alles irgendwie zusammen?

Und das Ende war dann schon arg konstruiert. Es war an sich logisch, hat mich aber trotzdem sehr enttäuscht. Man hätte das gleiche Ende mit anderen Gründen herbeiführen können. Und so richtig überraschend war das dann alles auch nicht mehr.

Zusammenfassend kann ich also sagen: Gute Grundidee, sympathische Figuren und fantastischer Schreibstil (inklusiver genialer Übersetzung). Aber die Story an sich war dann nichts Neues: Armer Waise reist herum und wird Zauberer. Kennt man, oder?
Vielleicht hätte mir das alles aber in einer normalen Lesephase totaaaaal gut gefallen. Ich glaube das sogar, denn eigentlich stehe ich auf solche Storys. Und das ist das, was ich eingangs erwähnt habe. DAS ist das, was ich an dem Buch besonders schlimm finde, ich hätte es mögen können. Aber genau dafür kann keiner was. Weder der Autor, noch die Übersetzung, noch die Lektorin. Nur die Leseflaute ist schuld!

Ich kann Trix Solier leider nur mit bewerten.

Sergej Lukianenko – Trix Solier – Zauberlehrling voller Fehl und Adel
Originaltitel: Nedotepa (2009)
Beltz & Gelberg, 2010
ISBN 9783407810748
581 Seiten
Gebunden; 17,95 Euro

Reihenfolge:
1. Trix Solier – Zauberlehrling voller Fehl und Adel – Originaltitel: Nedotepa
2. Trix Solier – Odyssee im Orient – Originaltitel: Neposeda

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