Rachel Cohn – BETA

Sei perfekt.
Oder dich erwartet ein Schicksal, schlimmer als der Tod.

Elysia ist ein Klon. Sie dient den Menschen, ohne zu fragen. Sie hat keine eigenen Bedürfnisse. Sie hat keine Gefühle. Doch die Realität sieht anders aus: Elysia hat Gefühle. Sie ist neugierig. Sie will alles erleben. Auch die Liebe. In ihrer Welt bedeutet das für einen Klon den Tod. Es sei denn, sie kann aus dem Paradies fliehen.. (Klappentext)

Was für ein Zufall.
Ohne in letzter Zeit von BETA gehört zu haben, entschied ich mich spontan, es zu lesen. Als ich nach der Lektüre nach einem zweiten Teil recherchierte, erfuhr ich, dass er im Juli 2020 erscheinen soll. Über sieben Jahre nach Teil eins? Jein. Im September 2019 erschien eine Neuauflage in Taschenbuchformat. Neues Cover, neuer Name, alter Inhalt. „Perfect Twin – Der Aufbruch“ heißt „BETA“ nun. Und bald erscheint der zweite Teil. Aber lohnt sich die Reihe überhaupt?

Elysia ist ein Teen-Beta. Eine neue Art der Klone. Doch wie die anderen lebt sie auf der paradiesischen Südsee-Insel Demesne. Das violettblaue Meer Ion, das den Körper umschmeichelt. Luft, die mit Sauerstoff angereichert ist. Eine Atmosphäre, die die Menschen auf der Insel glücklich macht. Das alles entstand durch Bio-Engineering, denn eigentlich sieht die Welt anders aus. Nach den Water Wars haben sich die verbliebenen Länder zum Mainland zusammengeschlossen. Wüsten wurden besiedelt, nichts ist mehr, wie es war. Doch auf Demesne ist alles perfekt. Hier leben die Schönen und Reichen – mit ihren Dienstklonen, die wunderschön aussehen, doch innerlich leer sind. Keine Wünsche, keine Träume, keine Seele. Sie sind nur darauf programmiert, zu dienen.
Aber Elysia ist anders. Und nach und nach öffnet sich für sie die Welt der Klone und damit ein Wissen um Dinge, die anders sind, als sie scheinen.

Dieser Plot hat mich von der ersten Seite an begeistert. Ich wollte so gern wissen, wie es sich wohl anfühlt, in diesem besonderen Meer zu schwimmen und diese hervorragende Luft zu atmen. Und außerdem liebe ich Geschichten mit Klonen und künstlichen Intelligenzen, was hier irgendwie verflochten ist.

Ich stürzte mich in dieses Buch, in dem die Menschen von der paradiesischen Atmosphäre so sehr eingenommen werden, dass ihnen vollkommen die Motivation fehlt, zu arbeiten, sich anzustrengen, Aufgaben zu erledigen.
Ein wenig habe ich das Gefühl, Rachel Cohn hat auch zu viel Zeit in Demesne verbracht und sie strebte nur nach Glück und Entspannung – in dieser Geschichte „Raxia“ genannt.
Die Geschichte entfaltete sich langsam, zu langsam. Immer wieder werden Handlungsstränge und Ideen aufgenommen, um sie dann doch zu verlieren. Alles wird ein wenig angerissen, aber scheinbar nicht bis zum Ende gedacht.
Es geht ein wenig um die toxischen Beziehungen, die in der Familie Bratton, die Elysia gekauft hat, herrschen. Es geht um die Verbindungen der Klone. Um Drogen, um Teenager-Liebe, um Tod und Erschaffen, Rechte von Individuen und das Einhalten dieser, um Revolutionen und defekte Klone, um Straftaten und Partys.
Und trotz all dieser Themen wird das Buch nie rasant oder eben spannend. Alles läuft langsam und parallel und häufig halt zu kurz.

In diesem Gefüge wurde mir niemand sympathisch. Weder Familie Bratton noch die Handvoll Jugendlichen der Insel. Leider nicht einmal Elysia. Sie tat mir nicht leid, als ihre Gefühle erwachen und sie merkt, in was für einem goldenen Käfig sie sitzt. All die schlimmen Dinge, die ihr wiederfahren, werden dann ebenso kurz abgehandelt und auch von Elysia nicht tiefgreifend betrauert.
Die Dialoge zwischen den Figuren waren hölzern, unauthentisch und unmodern.

Was mich beim Lesen ständig irritierte war die Vermischung von Klon und Künstlicher Intelligenz. Einerseits gibt es Organe und Blut, andererseits einen Chip, von dem der Klon sein Wissen bezieht. Dadurch waren diese lebendigen, atmenden, herz- und hirnbesitzenden und gleichzeitig vollkommen leeren und willenlosen Wesen nicht greifbar für mich.

Auch wenn „BETA“ mich mit ein paar Wendungen überraschen konnte, blieb das restliche Buch farblos. Das vollkommen unlogische und nach dem Verständnis des Buches auch unmögliche Ende gab dem Ganzen den Rest.
Beim Zuklappen des Buches war es für mich noch ein Standalone. Vielleicht klärt sich immerhin dieses Logikloch im Nachfolger.

Doch so negativ, wie das alles klingt, war es nicht. Ich las gern immer mal ein paar seiten in dem Buch. Schwelgte in der paradiesischen Atmosphäre, begleitete Elysia auf ihrem (hoffentlich bald) selbstbestimmten Weg. Aber es fesselte mich nicht. Es wurde nicht so recht spannend und vieles wirkte einfach nicht ausgearbeitet.

Rachel Cohn – BETA
Neuauflage: Perfect Twin – Der Aufbruch (9. September 2019)
Originaltitel: ANANDA Series 1: Beta (Oktober 2017)
cbt, 25. Februar 2013
ISBN 3570161641
413 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Perfect Twin – Der Aufbruch (Original: ANANDA Series 1: Beta)
2. Perfect Twin – Die Rebellion (Original: ANANDA Series 2: Emergent)

Frank Schuster – Das Haus hinter dem Spiegel

Eliza ist zurzeit ziemlich verdreht. Sie verwechselt links und rechts und schreibt plötzlich nur noch in Spiegelschrift, selbst ihre Klassenarbeiten. Ihre Schwester Lorina macht sich Sorgen. Ist Eliza tatsächlich in die Welt hinter den Spiegeln gelangt? Lorina schiebt alles auf ein seltsames altes Buch, das Eliza aus der Schulbibliothek geliehen und gelesen hat. Gemeinsam versuchen sie, Elizas Verwandlung auf die Spur zu kommen… (Klappentext)

Als Eliza ihrer Schwester sagt, sie würde gar nicht Eliza, sondern Alice heißen, dachte Lorina erst an einen Scherz. Doch Eliza benimmt sich auch seltsam, hat Erinnerungen an Dinge, die sie doch eigentlich gar nicht erlebt hat und kann plötzlich nur noch in Spiegelschrift lesen und schreiben. Aber sie kann doch nicht durch den großen, alten Spiegel gegangen sein. Oder? Gemeinsam mit ihrem Lehrer, Herr Hundsen, versuchen die beiden, der Sache auf die Spur zu kommen.

Ich mochte die Idee von Anfang an. Begeistert stürzte ich mich in die Lektüre und war sofort mitten im Geschehen bei der auf dem Boden sitzenden Eliza, die die schwarze Königin vom Schachspiel des Vaters in den Händen wiegt.
Von der ersten Sekunde an war ich gespannt, ob die Geschichte stimmt. Ist Eliza wirklich Alice? Denkt sie sich das vielleicht nur aus oder glaubt sie einfach nur ihrer eigenen Fantasie?
Allein deswegen las ich immer weiter. Ich wollte die Lösung unbedingt wissen.

Doch ich las auch aus anderen Gründen: All die kleinen Details, die auf Alice im Wunderland“ bzw. „Alice hinter den Spiegeln“ verweisen. Die Namen, die Symbole, die Objekte. Immer wieder erkennt man Dinge, die sich Lewis Carroll für seine Geschichte um die kleine Alice ausgedacht hat.
Obwohl ich „Alice hinter den Spiegeln“, auf das sich das komplette Buch bezieht, nicht kenne, hatte ich Spaß. Zum einen kennt man Elemente, wie Zwiedeldei und Zwiedeldum, den Hutmacher oder die Schachsymbolik auch so, und zum anderen kennen Lorina und Eliza das Buch auch nicht und vieles wird explizit erwähnt.

Die beiden Mädchen – vor allem aber Eliza – waren zudem auch einfach sympathisch und ich folgte ihnen gern. Die Sprache machte das schnelle Vorankommen zusätzlich einfach. Es war rundum sehr angenehm zu lesen.

Die Kritik an dem Buch fällt dementsprechend kurz aus.
An ein paar Stellen hatte ich das Gefühl, dass nicht ganz auf Logik geachtet wurde. So nannte Eliza, die ja eigentlich Alice war bzw. dachte, es zu sein, die Mutter ganz selbstverständlich Mama und wirkte auch so nicht sehr irritiert über die anderen Umgebungen und Menschen wie Nachbarn und Mitschüler.
Außerdem gab es auch dank der Kürze des Buches keine großen Kniffe, Wendungen oder Überraschungen.

Nichtsdestotrotz mochte ich das Buch wirklich gern und hatte Spaß daran, Elemente aus dem Wunderland zu entdecken und Herauszufinden, ob es die Welt hinter den Spiegeln wirklich gibt.

Frank Schuster – Das Haus hinter dem Spiegel

mainbook Verlag, 05. August 2014
ISBN 3944124723
177 Seiten
Taschenbuch; 10,50 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Illuminae

Gestern noch dachte Kady, das Schlimmste, was ihr bevorsteht, ist die Trennung von ihrem Freund Ezra. Heute dann wird ihr Planet angegriffen.
Kady und Ezra verlieren sich bei der Flucht und gelangen auf unterschiedliche Raumschiffe. Doch die Fliehenden werden immer noch von dem feindlichen Kampfschiff verfolgt. Und damit nicht genug: Ein XXXXX, freigesetzt bei dem Angriff mit biochemischen Waffen, mutiert mit grauenhaften Folgen. Und dann ist da noch AIDAN, die Künstliche Intelligent der Flotte, die von Raumtemperatur über Antrieb bis Nuklearwaffen alles an Bord steuert. Eigentlich soll AIDAN sie beschützen, aber er verhält sich mehr als seltsam.
All das und noch viel mehr wird von dem Führungsstab vertuscht. Kady versucht herauszufinden, was vor sich geht, doch dazu braucht sie Ezras Hilfe. Und so wendet sich Kady an den Jungen, mit dem sie nie wieder ein Wort sprechen wollte… (Text der Titelklappe)

Kady und Ezra haben keine gute Zeit, erst Trennung, dann Flucht von ihrem zerstörten Heimatplaneten. Doch auf den Rettungsschiffen, die sie aufgenommen haben, sind sie schon schnell nicht mehr sicher. Gefahren durch Krankheiten, rigorose Chefetagen und durchgedrehte Künstliche Intelligenzen sind an der Tagesordnung. Kady kann nur versuchen, mit ihren Fähigkeiten am Computer, Ezra und sich zu retten – und damit auch die komplette Flotte.

Doch das alles wird nicht einfach so erzählt. Man liest es in Geheimakten, E-Mails, auf Plakaten und in Protokollen. Es gibt schwarze Seiten und weiße Seiten, Seiten voller Zeichen oder welche ohne alles, Bilder und Tabellen… Allein aufgrund der Form war bei mir die Spannung wahnsinnig hoch. Ich wollte nicht nur wissen, wie die Geschichte rund um Kady und Ezra weitergeht, sondern ich wollte auch unbedingt wissen, wie es dargestellt ist. Denn auch wenn bestimmte Dinge, wie Chats und E-Mails, den Hauptteil ausmachen, so wurde man bis zuletzt mit neuartigen Formatierungen überrascht.

Ich hatte wahnsinnig viel Spaß beim Entdecken. Man rast nur so durch die Seiten. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich die Story, wäre sie mir rein mit Prosa serviert worden, auch so gut gefunden hätte. Aber letztlich ist das auch nicht so wichtig, denn die Kombination aus Text und Form musste passen und das tat sie sehr gut!
Vor allem die beiden Hauptcharaktere haben es mir leicht gemacht. Kady ist schlau und mutig und steht dankenswerterweise nie auf dem Schlauch. Sie zieht schnell Schlüsse und ist trotzdem keine allwissende Nervensäge. Ezra brachte mich zum Lachen und punktete mit seiner charmanten Art.

Doch es gab auch ein paar Dinge, die ich nicht so gut fand. So musste man bei all den Namen, Schiffen, Vereinigungen und Vorgängen schon aufpassen, alles mitzubekommen. Zwei, drei Mal musste ich zurückblättern, um noch einmal nachzulesen, wo die Person in der Zwischenzeit abgeblieben war oder wer noch einmal alles gestorben ist. Denn eins steht fest: Das Autoren-Duo geht mit seinen Figuren wirklich nicht zimperlich um.
Im Zuge meiner Aufregung und Begeisterung über die Form des Buches blieb die Emotionalität ein wenig auf der Strecke bei mir. Ich hechelte durch die Transkriptionen, Akten und Berichte, aber ich habe mich nicht so richtig an die Figuren gebunden. Schwierig, wenn die Figuren eben hauptsächlich miteinander kommunizieren oder andere Protagonisten über sie schreiben. Die eigene Reflexion, der Blick in ihr Inneres, geht unter.

Nichtsdestotrotz habe ich die 600 Seiten an zwei Tagen gelesen. Natürlich geht es auch deutlich schneller, wenn man Chats liest, aber ich legte das Buch auch nur sehr widerwillig beiseite. Es war mein erstes Buch, das im Weltall spielte, ich mochte die Figuren sehr gern, fand die Darstellungsform unglaublich interessant und damit auch die Geschehnisse durchgehend super spannend. Die ein oder andere Überraschung hielt die Story dann auch noch bereit. Ein paar Schwächen hat das Buch, aber ich kann es kaum abwarten, den zweiten Teil, der seit ein paar Wochen auf meinem SuB liegt, zu lesen.

Amie Kaufman & Jay Kristoff – Illuminae – Die Illuminae-Akten_01
Originaltitel: Illuminae – The Illuminae Files_01 (Oktober 2015)
dtv Verlagsgesellschaft, 13. Oktober 2017
ISBN 9783423761833
599 Seiten
Gebunden; 19,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:

1. Illuminae – Originaltitel: Illuminae
2. Gemina – Originaltitel: Gemina
3. – Originaltitel: Obisidio (Noch nicht übersetzt)

Kerstin Lundberg Hahn – Der Schatten an meiner Wand

»Du glaubst doch wohl nicht an Geister?«
»Nee«, sagt Micke. »Natürlich nicht.«
Doch ehe sie an diesem Abend schlafen geht, stellt sie sich noch einmal vor den Schatten an der Wand. Sie fährt mit der Hand über die Tapete, die sich ein bisschen wellig anfühlt.
»Bist du wirklich ein Geist?«, flüstert Micke.
Sie hat keine Angst. Noch nicht. (Klappentext)

Micke zieht mit ihrer Mutter kurz vor den Sommerferien in das alte, verlassene Haus, in dem es spuken soll. Das sagen zumindest die Mädchen in ihrer neuen Klasse. Freunde soll sie noch finden, bevor die Ferien beginnen, doch Mikaela, die lieber Micke genannt werden möchte, beschäftigt sich lieber mit dem Schatten in ihrem neuen Zimmer. Der sieht doch wirklich aus wie die Silhouette einer Person. Lebte da wirklich vor Jahrzehnten ein Mädchen in Mickes Alter in dem Zimmer? Und vor allem: Wurde es wirklich umgebracht?

Ohne viel Schnickschnack geht es in dem Buch direkt um den Schatten an der Wand und das muss auch so sein, denn mit 183 großbeschriebenen Seiten hat das Buch nicht allzu viel Platz. Daher konzentriert sich Kerstin Lundberg Hahn in ihrem Buch auf zwei zentrale Erzählstränge: Die Freundschaften und Dynamiken in Mickes neuer Klasse und die Geschehnisse rund um den Mord an dem Mädchen, das mal in ihrem Zimmer lebte.

Die Protagonisten in dem Buch sind elf Jahre alt und die Zielgruppe der Leserschaft ebenso. Und doch schafft es das Buch, mich zu fesseln. Ich habe es schnell gelesen, denn ich wollte wirklich wissen, was damals geschehen ist, ob es wirklich einen Geist gibt und was Micke in der neuen Klasse, in der ihr niemand so richtig wohlgesonnen zu sein scheint, erlebt.

Mir gefiel gut, dass das Buch zu keiner aufgeregten Detektivgeschichte wurde, sondern dass Micke ganz logisch – im Rahmen der Möglichkeiten – auf die Spuren stieß. Zusätzlich gab es ein paar Wendungen und Überraschungen. Einige davon ahnte ich nicht voraus, manche schon. Vor allem als erwachsener Leser fällt einfach auch die Limitiertheit der vorkommenden Personen auf und schließt recht schnell daraus, dass sich die Lösungen in diesem Kreis finden lassen. Auch die Moral, die wie selbstverständlich einfließt, mochte ich.
Geschrieben war das Buch zudem nicht zu einfach oder kindlich. Nie empfand ich die Sprache als unangenehm, was ich gerade bei dieser Altersgruppe wichtig finde. Mit ihren Worten schaffte die Autoron trotz allem eine gespannte Atmosphäre, die bei Kindern sicher wohligen Grusel auslösen kann.

Sind wir ehrlich: Das Buch ist letztlich kein Brecher. Dazu ist es nicht spannend genug, nicht emotional genug, nicht aufwühlend genug. Zumindest nicht nach meinem heutigen Anspruch. Aber mit neun, zehn Jahren, da hätte ich das Buch sehr gemocht! Und weil ich es trotz allem gern gelesen habe und mich die Auflösung interessierte, erhält „Der Schatten an meiner Wand“ .

Kerstin Lundberg Hahn – Der Schatten an meiner Wand
Originaltitel: Skuggan i väggen (Juni 2012)
Aladin Verlag, 14. März 2014
ISBN 3848920263
183 Seiten
Gebunden; 12,90 Euro

R. L. Stine – Schattenwelt – Das Gruselmuseum

Kampf mit dem Zauberschwert
Endlich ist sie da, die alte Ritterrüstung aus England! Sie soll die Attraktion des Gruselmuseums in der Fear Street werden. Aber Mikes Begeisterung ist nicht von langer Dauer: Bildet er es sich nur ein, oder schimmert da tatsächlich ein geheimnisvolles Licht durch das Visier? Und wieso wird er das unbehagliche Gefühl nicht los, beobachtet zu werden? Ehe er sich versieht, steckt Mike mittendrin in einem Kampf gegen magische Kräfte. (Klappentext)

Als Kind habe ich super gern die Fear-Street-Bücher von R. L. Stine gelesen und deswegen lieh ich sie regelmäßig aus der Bibliothek. Vor ein paar Jahren hatte ich eine Phase, in der ich mir einige Bücher der Reihe kaufte. Als ich in einem Ein-Euro-Laden dieses Buch hier fand, nahm ich es direkt mit.
Was ich vorher nicht wusste, beim Lesen aber direkt feststellte: „Schattenwelt“ ist für ein (noch) jüngeres Publikum als „Fear Street“.

Mike ist zwölf Jahre alt und verbringt seine freie Zeit im Gruselmuseum seines Vaters, das praktischerweise das komplette untere Stockwerk ihres Hauses einnimmt. Bald soll die neue Ritterrüstung ankommen, die Onkel Basil aufgetrieben hat. Spuken soll sie und das würde das neue Museum in der Fear Street finanziell sicher gut dastehen lassen. Doch dass sie lebensgefährlich wird, damit hatte Mike nicht gerechnet.

Das Buch ist mit 125 Seiten sehr kurz. Ohne viel Schnickschnack dreht sich alles um den einzigen Erzählstrang rund um die Rüstung.
Es wird kurz beschrieben, welche Ausstellungsstücke das Museum für seine Besucher bereithält, aber ansonsten spielen Äußerlichkeiten keine Rollen – weder die der Personen noch des Hauses.

Die Story ist demnach sehr einfach und klar gehalten. Und trotz dieser Einfachheit schaffte R. L. Stine es kurzzeitig, dass es mich ganz leicht gruselt. Aber eben genau so leicht, dass es für Kinder wohlig kribbeln wird. Spannend bleibt es für sie allemal.

Für ein erwachsenes Publikum hielt sich die Spannung in Grenzen. Auch der Kampf gegen die magischen Kräfte war nun keine epische Schlacht. Trotzdem war beides eine nette Kombination, um das Buch mal kurz in einem Rutsch durchzulesen, so wie ich es getan habe.

Das war mein erstes Buch der Schattenwelt-Reihe – und wird wahrscheinlich auch mein letztes bleiben. Auch wenn ich es in einem Rutsch gelesen habe, hat es mir zu wenig gegeben. Ich bin der Zielgruppe einfach mehr als deutlich entwachsen. Es war eine nette Geschichte um einen netten Jungen, der einen nicht so netten, magischen Ritter bekämpfen muss.
Für Kinder ist das ein tolles Buch, da bin ich sicher. Da gibt es dann Abenteuer, Spannung und Magie zu entdecken. Für mich war das eine vollkommen okaye Lektüre für mal ganz fix zwischendurch.

R. L. Stine – Schattenwelt – Das Gruselmuseum

Originaltitel: Fright Knight
Loewe, 2002
ISBN 3785541821
125 Seiten
Gebunden
(Neu nicht mehr erhältlich)

Andere Bücher des Autoren:
Fear Street – Das Skalpell – Originaltitel: The Knife
Fear Street – Die Falle – Originaltitel: Wrong Number 2
Fear Street – Die Mutprobe – Originaltitel: The Thrill Club
Fear Street – Eingeschlossen – Originaltitel: Ski Weekend
Fear Street – Falsch verbunden – Originaltitel: Wrong Number

Björn Beermann – Mitra – Magische Verwandlungen

„Deine Welt ist verloren. Sie ist bereits tot. Kämpf nicht dagegen an.“ Die krächzende Stimme kam aus dem Riss. Mitra wurde von Panik ergriffen. Es schnürte ihr die Kehle zu.

Mitras magische Fähigkeiten erweitern sich und erstarken. Auch ihre Freundin Aggy entdeckt ganz neue Seiten an sich. Aber welche Seiten verbirgt Anton? Ist er der, der er zu sein vorgibt? Währenddessen spinnt das ursprüngliche Feuervolk seine Fäden im Hintergrund, um die anderen magischen Völker zu vernichten und die Macht an sich zu reißen. Gemeinsam stellt sich Mitra mit ihren Gefährten dem Feind entgegen. (Klappentext)

In meiner Rezension zum ersten Tel, Mitra – Magisches Erbe – hatte ich vier Kritikpunkte:
1. Ich wollte mehr mitfiebern, 2. Ich wollte mehr Spannung, 3. Ich wollte eine kleinere Schrift und kleinere Zeilenabstände und 4. Ich wollte längere Kapitel haben.
Zwei der vier Punkte wurden in dem zweiten Teil umgesetzt. Leider die falschen.

Ich hatte nun also ein deutlich besser formatiertes Buch vor mir, aber die Geschichte konnte mich deutlich weniger packen als beim ersten Teil.

Mitra ist sich sicher: Obwohl die große Schlacht mit ihren vielen Opfern auf der Hexenseite vorbei ist, ist der Feind noch nicht besiegt. Doch sie muss nicht nur ihre Familie, die Hexen-Wächterinnen und den Rat der Völker von der Gefahr überzeugen. Sie muss auch damit klarkommen, dass sie als Naturverbundene nun immer mehr Kräfte bekommt. Zusätzlich hat man als Bald-Siebzehnjährige noch ganz irdische Probleme – mit dem Freund, der besten Freundin und dem Vater. Irgendwie muss Mitra es schaffen, all diese Baustellen unter einen Hut zu bekommen.

Ich hatte dieses Mal leider so allerlei Probleme mit dem Buch und ich weiß gar nicht, welches das größte ist.
Zum einen fühlt sich die zweite Geschichte an wie ein großes Zwischenstück. Eine bloße Verbindung zwischen der (wirklich guten) Einführung in die Figuren, Welt und Geschichte des ersten Teils und des großen Finales, das im dritten Teil folgen wird.
Die Entwicklungen scheinen deswegen marginal zu sein. Es gibt auch keine zentrale Geschichte in diesem Teil. Alles geht ein wenig weiter, die Beziehungen der Figuren verändern sich minimal, aber alles in allem scheint am Ende des Buches alles zu sein, wie es am Anfang war.

Im ersten Teil fand ich Mitra noch unnahbar. Dieses Mal fand ich sie unsympathisch und nervig. Alles passierte in einer riesigen Dramatik-Blase. Jeden noch so nebensächlichen Satz überdramatisierte sie. Ihre Gedanken zu den Dingen waren immer drüber, ihr Tick, immerzu und ständig mit den Nägeln zu schnippsen, sogar fast unerträglich beim Lesen.
Die anderen Figuren fanden so sehr im Hintergrund statt, dass ich zu ihnen nicht mal eine Beziehung aufbauen konnte.

Mir fehlte also eine Geschichte und Spannung und die Hauptperson mochte ich nicht (mehr). Das ist schon unangenehm beim Lesen, aber leider stieß mir dieses Mal die Sprache auch noch negativ auf:
In einer wirklich schockierenden Situation sagt die sechzehnjährige Mitra: „Wir dürfen den Kopf nicht verlieren.“ (S. 84) und klingt damit ähnlich altbacken wie der Erzähler, wenn er sagt: „Fürwahr eine sehr schwierige Persönlichkeit.“ (S. 97). Doch es gab auch hölzerne Beschreibungen wie: „Für Minerva schien damit der Worte genug gesprochen zu sein […].“ (S. 108), „Das alles […] dauerte höchstens einen Augenschlag.“ (S. 137), „Mitra und Anton folgten ihr auf dem Fuße.“ (S. 287) oder „[…] versuchte Anton bei Mitra und Minerva für Verständnis zu werben.“

Es tut mir wirklich leid. Vor allem, nachdem ich den ersten Teil so gern mochte, wurde ich von dem Buch enttäuscht. Zwei Monate habe ich gebraucht, um dieses nicht einmal 300-Seiten-starke Buch zu lesen. Ich bin nicht mit ihm warmgeworden. Mitra war mir plötzlich sehr unsympathisch mit ihrer überdramatisierenden Art, es passierte nichts, was spannend war und überhaupt fühlte es sich an, als wäre kaum etwas passiert. Durch meine zusätzlichen Probleme mit dem Schreibstil gibt es .

Björn Beermann – Mitra – Magische Verwandlungen
Tredition, 26. Juni 2019
ISBN 3749701466
294 Seiten
Taschenbuch; 13,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Reihenfolge der Bücher:
1. Mitra – Magisches Erbe
2. Mitra – Magische Verwandlungen

Björn Beermann – Mitra – Magisches Erbe

Das hat sich die sechzehnjährige Mitra anders vorgestellt. Sie wollte in Hamburg ein neues und normales Leben beginnen. Doch nun muss sie sich zusätzlich zu ihrer Ausbildung mit ihrer magischen Gabe, einem nervigen Hausgeist und zwei Kerlen herumschlagen. Und dann wird sie auch noch in einen alten Kampf um Macht und Magie zwischen den Elementen hineingezogen, den nur sie wieder befrieden kann. Nur gut, dass sie in Aggy eine echte Freundin hat, die mit ihrer speziellen Art Mitra durch dieses Chaos begleitet. (Klappentext)

Als Kind und Jugendliche war ich großer Fan von Hexengeschichten. Vorrangig sah ich die im Fernsehen: Die Filme „Hexen, Hexen“ und „Halloweentown“ und die Serien „Charmed“ und „Sabrina – Total verhext“ waren Pflicht-Termine für mich. Und obwohl ich das Thema immer noch mag, habe ich noch kein Buch dazu gelesen.
Darum freute ich mich umso mehr, als die Anfrage kam, ob ich das neue Buch von Björn Beermann lesen möchte. Da es auch in Hamburg spielt, wo ich seit fast zehn Jahren wohne, war ich doppelt begeistert.

Mitra hat es nicht leicht. Nicht nur, dass sie sich mit sechzehn Jahren in einer hormonell schwierigen Phase befindet, sie hat es auch zuhause nicht leicht. Ihre Mutter ist vor kurzem gestorben und der Vater leidet sehr. Doch Mitra muss ihren eigenen Weg gehen und entscheidet sich deswegen für eine Ausbildung in Hamburg. Auf der Beerdigung ihrer Mutter hatte Mitra zum ersten Mal von ihrer Großmutter Mildred und ihrer Tante Minerva gehört, die beide in der Hansestadt wohnen, weswegen Mitra nun erst einmal bei ihnen unterkommen kann.
Schnell fallen Mitra Veränderungen an sich auf. Sobald sie mit ihren Kollegen im Stadtpark die Pause verbringt, hat sie Aussetzer. Ihr wird weiß vor Augen, sie hört Musik und es geschehen seltsame Dinge. Ihre neugewonnene Familie muss ihr das Familiengeheimnis eröffnen: Mitra ist eine magisch begabte Person.

Schon an der Beschreibung als „magisch begabte Person“ fällt auf, dass der Autor sich trotz des weitreichend erschlossenen Hexen- und Magie-Themas in der Popkultur noch ein paar neue Ideen einfallen lassen hat. Dabei war es auch schön zu sehen, dass auf Zauberstäbe und Hexenbesen verzichtet wurde. Alles wirkte ein wenig modernisiert und ins Heute übertragen. Und das, obwohl die Magie im Buch schon sehr alt ist.

Der Fall der Barriere der magischen Welt ist dabei im ersten Teil der angedachten Trilogie das Kernthema. Dieses wurde ebenso wie andere Geheimnisse Stück für Stück entschlüsselt. Der Leser war immer nur so schlau wie Mitra und entdeckte mit ihr zusammen ihr neues Leben.

Insgesamt stellt das Buch damit einen sehr guten Beginn der Trilogie dar. Man wird in die Welt sehr gut eingeführt und lernt die Personen ausreichend kennen.

Mit diesen Personen hat Björn Beermann auch ein Sammelsurium an interessanten Persönlichkeiten geschaffen. Dabei gelingt ihm immer der Spagat zwischen besonders und doch authentisch. Nichtsdestotrotz werden auch einige Klischees bedient. Es gibt den klassischen Hamburger Schnösel, die verrückte, aber gutherzige Freundin, den schmierigen Chef und natürlich die „Hexen“ mit den roten, wirren Haaren.
Mitra ist eine Hauptperson, der ich gern folgte. Man kann sich gut mit ihr identifizieren und in sie hineinversetzen. Glücklicherweise benimmt sie sich ihrem Alter auch angemessen. Gerade in ihrem Alter neigen viele Autoren dazu, die Figur deutlich zu erwachsen wirken zu lassen. Aber 16 Jahre sind nun einmal 16 Jahre.

Was ich aber sehr gern getan hätte: Ich hätte gern mehr mitfiebern müssen. Auch wenn ich nah an Mitra dran war, gingen mir ihre Erlebnisse und Gefühle nie nah. Es war interessant zu lesen, was in der magischen Welt gerade für ein Drama passiert, aber ich blieb nicht atemlos zurück. Die große Spannung fehlte also in diesem Auftakt noch. Vielleicht bewegen die nachfolgenden Bände ja mehr.

Das Buch gliedert sich in 47 Kapitel, die zum Teil nur eine oder anderthalb Seiten lang waren. Der Autor hat im Prinzip für jede neue Szene ein neues Kapitel begonnen, was sich für mich ungewohnt las. Was mich daran aber am meisten störte, waren die Kapitelüberschriften, die zwar immer genau das beschrieben, was nun kommt, aber dabei manches Mal seltsam ungelenk wirkten: „Ein Gespräch in der Küche“, „Recherchearbeit“ oder „Aggy hat eine Idee“.

Daran anschließend hatte ich eigentlich nur einen größeren Kritikpunkt am Buch und der ist für die wenigsten Menschen wohl relevant bei der Kaufentscheidung. Ich hatte einige Probleme mit der Formatierung. Die Schrift ist recht groß, ebenso wie der Zeilenabstand. Zusätzlich wurde keine Silbentrennung eingestellt, weswegen manche Zeilen unnatürlich große Wortabstände haben. Insgesamt entsprechen zwei Mitra-Seiten einer „normalen“ Buchseite. Da stellt sich mir dann die Frage: Hat Mitra eine eigentlich deutlich jüngere Zielgruppe als es wirkt oder wurde das Buch ein wenig künstlich aufgebläht?

Insgesamt war ich wirklich sehr zufrieden mit „Mitra – Magisches Erbe“. Ich mochte die Figuren, die neuen Ideen zur magischen Welt und auch, dass alles in Hamburg spielte.
Eine wirklich schöne Kombination, die das Buch schnell durchlesen lässt. Trotzdem wäre ich gern mehr berührt und gefesselt worden. Aber als Auftakt einer Trilogie kann ich mich nicht allzu sehr beschweren: .

Björn Beermann – Mitra – Magisches Erbe
Tredition, 16. Januar 2018
ISBN 3746900735
458 Seiten
Taschenbuch; 15,49 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Reihenfolge der Bücher:
1. Mitra – Magisches Erbe
2. Mitra – Magische Verwandlungen

Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder

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Die Insel. Die Kinder. Das Grauen. Bist du bereit für dieses Abenteuer?

Manche Großväter lesen ihren Enkeln Märchen vor – doch was Jacob von seinem hörte, war etwas ganz, ganz anderes: Abraham erzählte ihm von einer Insel, auf der merkwürdige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben – und von den Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind. Inzwischen ist Jacob fast erwachsen und glaubt nicht mehr an die wunderbaren Schauergeschichten. Bis zu jenem Tag, an dem sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt… (Klappentext)

Seit Jahren habe ich in Buchhandlungen auf das Buch mit dem alt anmutenden Cover gestarrt. Ab und zu nahm ich es in die Hand und betrachtete das ein oder andere Foto darin. Doch erst als ich viel Geld auf der Payback-Karte hatte und nicht wusste, was ich davon kaufen soll, griff ich zu.

Seit Jacob Portman sich erinnern kann, erzählt sein Großvater ihm Geschichten aus seiner Kindheit. Von der Insel. Von dem Kinderheim, das ein Paradies war. Von den Monstern, vor denen alle dort sicher waren. Von seinen Freunden, die schweben konnten, unsichtbar waren, in deren Bäuchen Bienen wohnten oder andere Besonderheiten hatten.
Doch es kam der Punkt in Jacobs Leben, da begriff er, dass es solche Menschen nicht gibt. Und Kinderheime auch keine Paradiese auf abgelegenen Inseln sind. Sein ganzes Leben wurde er von seinem Großvater belogen – die Geschichten wollte er nicht mehr hören. Doch im Tod flüsterte Grandpa Portman verworrene Worte. Worte, die Jacob nicht zuordnen kann. Vielleicht muss er die Insel bereisen, um alles zu verstehen…

Schon immer sind Menschen fasziniert von dem Andersartigen, von dem Besonderen. Nicht umsonst gab es Zirkusse mit außergewöhnlichen Menschen. Sogenannte Freakshows, die selbst heute noch Mittelpunkt in Filmen und Serien sind, wie in „American Horror Story – Freak Show“.
Und auch dieses Buch lebt von ebenjenen Besonderheiten. Die Geschichten von Abraham bannen den Leser, dabei ist zweitrangig, ob sie stimmen oder nicht. Ich wollte von immer neuen Kindern erfahren, immer mehr Fähigkeiten entdecken.
die-insel-der-besonderen-kinderZusätzlich überraschten und begeisterten die Fotos, die zuhauf im Buch vorhanden sind. Und als ich – im Anflug einer Ahnung – noch im ersten Drittel des Buches mal zu den allerletzten Seiten vorblätterte, steigerte sich meine Faszination: Es sind alles echte Bilder, von denen nur wenige bearbeitet wurden. All diese seltsamen Fotos wurde also vor vielen Jahrzehnten genau so geschossen. Immer öfter las ich die Seiten zwischen den Bildern schnell weg, um mich wieder erstaunen lassen zu können. Jedes Bild passte perfekt in die Geschichte. Und bei dem einen oder anderen merkte man, das die Geschichte extra zum Bild geschrieben wurde.

Ich war von der Spannung vor allem am Anfang des Buches total mitgerissen. Stimmen die Geschichten? Gibt es die Kinder? Wenn ja, kann Jacob sie noch treffen? Sie sind ja ebenso wie sein Großvater mittlerweile alt.
Und auch als die erste große Auflösung kam, wurde die Spannung nicht weniger. Ganz im Gegenteil. Neue Fragen wurden aufgeworfen, neue Antworten wollten erlesen werden.

Erst mit der Mitte des Buches flachte das große Interesse und die Spannung bei mir ab. Längen entstanden. Doch auch wenn ich sie registrierte, störten sie mich nicht groß. Ich las unbeirrt weiter, musste mich nicht durchquälen. Denn eine Flaute in der Geschichte war nie von Dauer. Bald wurde sie durch eine neue Wendung oder Überraschung gerettet.
Jacob machte es mir als Hauptfigur dabei leicht. Als Kind aus reichem Hause wollte er genau das nicht sein. Er war kein Schnösel, kein Frauenversteher oder Cliquenmagnet. Jacob ist ein unsicherer Junge mit Problemen und Nöten, die Jugendliche eben haben.
Trotzdem erwachte sein Entdeckergeist und seine Neugierde durch den Tod seines Großvaters, was mich als Leser mitriss.
Ich blieb an seiner Seite und wollte alles, was er sieht und erfährt, genau beschrieben bekommen.
Auch wenn er ganz klar die Hauptperson und der Ich-Erzähler des Buches war, gefielen mir die anderen Figuren. Dabei waren manche Personen vielschichtiger als andere. Aber allein aufgrund der schieren Masse der Personen, ist das für den Leser angenehmer, wenn er manche als oberflächliche Nebenfigur erfahren kann.

Die Sprache blieb vollkommen unauffällig. Dies passte aber allein deswegen perfekt zum Buch, als dass die Geschichte schon besonders genug ist. Eine ausgefallene Sprache hätte zu sehr vom Wesentlichen Ablenken können.

Und abgelenkt wollte ich nicht werden bei Jacobs Suche auf der düsteren, herbstlichen, rauen Insel nach ganz besonderen Kindern.

die-insel-der-besonderen-kinder_comicMir gefiel das Buch äußerst gut. Nur die Längen zum Ende hin, die die Spannung in Mitleidenschaft zogen, lassen das Buch für mich ein paar Punkte verlieren.
Nichtsdestotrotz ist der zweite Teil der Reihe schon bestellt und ich freue mich wahnsinnig, weiterlesen zu können.
Der erste Teil bekommt bis dahin erst einmal 4 Sterne von mir.

Doch nicht nur mir scheint das Buch gefallen zu haben. Mittlerweile wurde es auch als Comic aufgelegt und der Kinofilm läuft aktuell im Kino.

Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder
Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children (Juni 2011)
Knaur Taschenbuch, 01. August 2013 (Gebundene Edition: November 2011)
ISBN 342651057X
416 Seiten
Taschenbuch; 12,99 Euro

Reihenfolge:
1. Die Insel der besonderen Kinder (Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children)
2. Die Stadt der besonderen Kinder (Originaltitel: Hollow City)
3. Die Bibliothek der besonderen Kinder (Originaltitel: Library of Souls)

J. K. Rowling & John Tiffany & Jack Thorne – Harry Potter und das verwunschene Kind

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Die achte Geschichte. Neunzehn Jahre später…

Es war nie leicht, Harry Potter zu sein – und jetzt, als überarbeiteter Angestellter des Zaubereiministeriums, Ehemann und Vater von drei Schulkindern, ist sein Leben nicht gerade einfacher geworden.
Während Harrys Vergangenheit ihn immer wieder einholt, kämpft sein Sohn Albus mit dem gewaltigen Vermächtnis seiner Familie, mit dem er nichts zu tun haben will. Als Vergangenheit und Gegenwart auf unheilvolle Weise miteinander verschmelzen, gelangen Harry und Albus zu einer bitteren Erkenntnis: Das Dunkle kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet. (Text der Titelklappe)

Fast zehn Jahre ist es her, seit ich das siebte und vorerst letzte Buch der Reihe gelesen habe. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ führte uns in seinem Epilog schon in die Welt des erwachsenen Harrys ein. Und nun ist es soweit. Endlich kann man erfahren, wie es weitergeht, nachdem Harry und Ginny ihren Sohn Albus Severus zum Bahnhof gebracht haben.

Obwohl ich ein großer Fan bin, wartete ich, bis das Buch auf Deutsch erschien. Ich habe die ersten sieben Bücher und auch die Zusatzbände auf Deutsch gelesen.

harry-potter8Der größte Aufreger um das Buch im Vorhinein war wohl, dass es die Rehearsal Edition ist. Das Theaterstück wurde schlicht verschriftlicht. Es gibt Regieanweisungen, dafür aber keine Beschreibungen, um sich die Optik besser vorstellen zu können. Hauptsächlich gibt es reine Dialoge. Es ist keine schön ausgeschmückte Geschichte, keine langen Darstellungen der Umgebung. Das muss man sich selber ausdenken. Wenn man jedoch die ersten sieben Bände gelesen hat, kann man sich die Orte und Gebäude vorstellen. Trotzdem ist und bleibt es eben kein Roman – das weiß man vorher, darauf muss man sich eben einstellen.

Ich hatte mit der Darstellung kein Problem. Ich las mich schnell in die Art ein und es störte mich nicht im Lesefluss. Am Ende war mir nämlich auch nur eins wichtig: endlich wieder bei Harry, Ron, Hermine und dem Rest zu sein. Als die drei das erste Mal zusammentrafen, kamen mir sogar Tränen der Rührung. Endlich wieder eine neue Geschichte. Ich bin immer noch so begeistert.

harry-potter-merch1Die Geschichte ist letztendlich auch der einzige Gegenstand des ganzen Buches, den man bei einer Rezension so wirklich beachten kann, denn der Rest bleibt im Hintergrund.
Vor dem Lesen hatte ich Angst, dass mich die Geschichte um die Kinder nicht so sehr in den Bann ziehen kann. Ich bin halt mit Harry, Ron und Hermine aufgewachsen und nicht mit ihren Kindern. Sobald ich das Buch jedoch aufgeschlagen hatte, waren alle Zweifel beseitigt. Erstens kommen die Eltern noch oft genug vor, zweitens habe ich mich quasi umgehend an die Kinder gewöhnt und drittens lassen die Verbindungen mit der Vergangenheit ausreichend Nostalgie aufkommen.
Die Story an sich war für mich dabei durchweg spannend. Man wurde mit so viel Neuem und Altem konfrontiert, dass ich immer weiter blättern musste. Und es fiel mir schwer zu erahnen, wie es ausgehen wird.

harry-potter-merch2Doch auch der Rest kann ein wenig genauer betrachtet werden.
Die Sprache war einfach und alltäglich, denn das Buch wird als Theater aufgeführt. Dabei war sie durchgängig angenehm. Ein bisschen Zauber der alten Bände blitzte durch.
Die Figuren waren natürlich zum größten Teil altbekannt. Sie mussten nicht eingeführt werden und das wurden sie auch nicht. Und doch waren Harry, Ron und Hermine älter und damit verändert. Eben keine Kinder mehr. Ich fühlte mich ihnen deswegen auch nicht mehr so nah wie früher.
Die Atmosphäre des Buches änderte sich mit dem Verlauf der Geschichte oft radikal und blieb damit ebenso spannend. Mal war sie locker leicht und mal dunkel und erdrückend, mal lustig und mal traurig. Trotz der wenigen Seiten wurde ein großes Spektrum dargeboten.

harry-potter-reiheAm Ende bleibt aber wohl für alle die Frage: Lohnt es sich, die achte Geschichte zu lesen? Ich kann das definitiv mit Ja beantworten. Ich mochte die neuen Figuren und war gern bei ihnen. Ich war begeistert von den Verwebungen mit der Vergangenheit. Ich fand die Geschichte wirklich spannend. Aber vor allem habe ich es geliebt, endlich wieder bei meinen Kindheitshelden zu sein.
Ich bin also glücklich, die achte Geschichte gelesen zu haben. Ich fühlte mich sehr wohl in dem Buch und las extra langsam, um es ein bisschen länger genießen zu können. Ich fand es nicht schlimm, dass Albus die Hauptperson war, die die Abenteuer erlebt. Und trotzdem ist es natürlich kein Roman, was mir – obwohl ich keine Schwierigkeiten beim Lesen hatte – besser gefallen hätte. 4,5 Sterne

J. K. Rowling & John Tiffany & Jack Thorne – Harry Potter und das verwunschene Kind
Originaltitel: Harry Potter and the Cursed Child (Juli 2016)
Carlsen, 24. September 2016
ISBN 3551559007
334 Seiten
Gebunden; 19,99 Euro

Reihenfolge:
1. Harry Potter und der Stein der Weisen (Harry Potter and the Philosopher’s Stone)
2. Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Harry Potter and the Chamber of Secrets)
3. Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Harry Potter and the Prisoner of Azkaban)
4. Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter and the Goblet of Fire)
5. Harry Potter und der Orden des Phönix (Harry Potter and the Order of the Phoenix)
6. Harry Potter und der Halbblutprinz (Harry Potter and the Half-Blood Prince)
7. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Harry Potter and the Deathly Hallows)
8. Harry Potter und das verwunschene Kind – Originaltitel: Harry Potter and the Cursed Child

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! Die Schrecken der Nacht

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Schlafe, Charlie, schlaf nicht ein,
im Traum wird es noch schlimmer sein…

Kalter Kaffee, Unmengen Wasser, Klebeband zum Augenaufhalten: Der zwölfjährige Charlie versucht alles, um bloß nicht einzuschlafen. Seit er in der Villa seiner neuen Stiefmutter lebt, wird er Nacht für Nacht von absolut gruseligen Albträumen heimgesucht. Aber warum wirken die Monster und Ungeheuer so viel echter als andere Träume? Und was passiert, wenn die Albträume tatsächlich zum Leben erwachen? Charlie muss sich etwas einfallen lassen, wenn er jemals wieder ruhig schlafen will. (Klappentext)

Ich habe keine Albträume und auch noch nie gehabt.
Was ich aber erlebe, ist die Schlafparalyse. Die Phase zwischen Schlafen und Wachen, die alle haben, aber nur die wenigsten bewusst erleben. Dabei ist man noch bei Bewusstsein, aber der Traum ist schon nah. Die meisten Menschen sehen in der Zeit Monster, dunkle Gestalten oder Geister, hören gruselige Geräusche und haben schlimme Gefühle. Nicht wenige Menschen erleben diese Zeit in vollkommener Panik. Genau wie ich.
Aber wenn ich dann mal schlafe, habe ich nur noch coole Träume.
Anders als der zwölfjährige Charlie Laird.

Seit Charlie mit seinem Vater und seinem kleinen Bruder in der lila Villa seiner Stiefmutter wohnt, hat er furchtbare Albträume. Jede Nacht besucht er die Hexe, die ihm immer wieder droht, ihn zu fressen. Aber es fühlt sich nicht nur an, wie ein Traum. Es scheint, als würde er wirklich in den dunklen und stinkenden Gemächern der Hexe und ihrer sprechenden Katze sitzen. Doch plötzlich droht sie, Charlie in seiner Welt zu besuchen. Und schon bald wird er herausfinden, was wahr ist, und was Traum.

Das Buch wird offiziell „Kinderbuch“ genannt und das empfohlene Lesealter liegt zwischen 10 und 12 Jahren. Ich bin also locker 15 Jahre zu alt und doch stand dieses Buch ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Schon allein, weil es unter anderem von Jason Segel geschrieben wurde und ich ein großer How-I-Met-Your-Mother-Fan bin.

Man merkt dem Buch die Zielgruppe aber an vielen Stellen an.
Nicht nur die Protagonisten sind jung, sondern auch ihre Denkweise. Erwachsene hätten sich an der ein oder anderen Stelle sicher anders verhalten und andere Entscheidungen getroffen.
Die Sprache war diesem Niveau ebenfalls angeglichen. Sie war sehr einfach, aber das noch auf eine relativ angenehme Weise.

Mit Charlie wurde eine Figur geschaffen, die nicht mal durchgängig sympathisch war. Er hatte seine Momente, in denen er wütend und unfair war. Momente, bei denen ich nie wusste, ob die Albträume schuld sind oder vielleicht auch schon die beginnende Pubertät.
Doch auch die anderen Personen blieben nicht immer eindimensional und man konnte an ihnen so manches entdecken.

Die Geschichte ähnelte mit all den vorkommenden Monstern, die man neben der Hexe nach und nach kennenlernt, auch anderen (Grusel-)Kinderbüchern. Doch mit dem Traum-Setting hebt sie sich positiv ab.
NightmaresIm Sinne dieser Monster war nicht nur die Cover-Gestaltung, sondern auch die des (optischen) Inhalts. Zum (lumineszierenden) Cover passte zusätzlich noch der orange gefärbte Schnitt.
Richtiger Grusel kam bei mir zwar nicht auf, aber Spannung auf jeden Fall. Ich wollte die Albträume verfolgen und als es nach der Drohung der Hexe, dass sie zu Charlie kommen wird, erst richtig losging, war es auf jeden Fall spannend.

Und die letzten 60 Seiten war ich durchgehend so gerührt, dass mir mehr als nur eine Träne aus den Augen kullerte. Ich war so ergriffen von dem Ende, dass ich mich kaum zusammenreißen konnte.

Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Ich mochte die Story, die Figuren und all die Dinge, die man entdecken konnte und die noch vielfältiger waren als das Cover.
Trotzdem merkte man, dass es eigentlich ein Kinderbuch ist. Das minderte zwar nicht wirklich meinen Lesespaß, lässt es für mich aber auch kein perfektes Buch sein.
Wenn ich 15 Jahre jünger wäre, fände ich es sicher noch einen Tick besser. So gibt es „nur“ 4 Sterne.

Wem das Buch nicht so gut wie mir gefallen sollte, muss sich zum Glück nicht ärgern, denn obwohl es eine Nightmares!-Trilogie geben wird, ist dieses Buch in sich abgeschlossen und kann auch als eigenständiger Roman gelesen werden.

Jason Segel & Kirsten Miller – Nightmares! – Die Schrecken der Nacht
Originaltitel: Nightmares! (September 2014)
Dressler, 13. November 2014
ISBN 3791519085
377 Seiten
Gebunden; 17,99 Euro

Reihenfolge:
1. Nightmares! – Die Schrecken der Nacht – Originaltitel: Nightmares!
2. Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler – Originaltitel: Nightmares! The Sleepwalker Tonic
3. Nightmares! – Die Stunde der Ungeheuer – Originaltitel: Nightmares! The Lost Lullaby

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