amaryllis 26 – Lust auf FIKKEN?

Bereit für die geballte Erotik von Schwolli, Wurstbert und Grabulator22?

Sie sucht den Mann ihres Lebens – im Internet. Was sie findet sind Ladenhüter, Obersofties, Fitnesszombies und Wollmützenträger. Allesamt saukomisch, nur leider unfreiwillig. Liegt es an ihr?
amaryllis26 schlüpft in zwölf verschiedene Rollen und begibt sich auf eine Odyssee durch die Datingforen. Sie präsentiert sich als Partygirl, als Landei, als Klette, als Luxusschnepfe, Hausmutti und Emanze. Das Ergebnis ist verblüffend: Was Männer sich einfallen lassen, um Frauen zu erobern ist so banal, unterirdisch und zum Fremdschämen, dass man nur mit schallendem Gelächter antworten kann. (Klappentext)

Jeder kennt einen, der einen kennt. Manchmal waren wir es vielleicht selber.
Internetdating ist heute keine große Sache mehr. Man kennt Paare, die haben sich online kennengelernt. Sie sind heute vielleicht schon verheiratet und haben Kinder. Vielleicht hat man sich selbst dort mal umgesehen. Vielleicht ist man selber im Freundeskreis das Paar, bei dem die Liebe mit einem Match begann.
Und darum kennt man sicher auch lustige Geschichten davon. Von komischen Leuten, die als erstes nach Fußbildern fragen; Männer, die doppelt so alt wie man selber ist und sich halb so alt geben; Frauen, die es durch eine Vierteldrehung ihres Körpers geschafft haben, die Hälfte ihres Gewichts wegzumogeln.
Und auf all das und noch mehr freute ich mich, als ich „Lust auf FIKKEN?“ aufschlug. Ich wollte skurrile Geschichten, über die ich lachen und den Kopf schütteln kann.

Das Buch beginnt mit einer langen Aneinanderreihung von Dingen, die die Männer, auf die amaryllis26 gestoßen ist, falsch gemacht haben. Groteske Namen, hässliche Bilder, nichtssagende Profiltexte. Alles falsch, alles lächerlich, alles unter ihrer Würde.
Klar hat sie sicher recht damit, dass bierglas63, der ein Oben-ohne-Selfie in seinem Bad gemacht hat und nach einer kreativen, offenen, unternehmungslustigen, bezaubernden Frau sucht, nicht gut ankommt. Aber es war alles so offensichtlich, so altbekannt, so unskurril. Man muss nicht mal in einer Singlebörse angemeldet gewesen sein, um sich diese Fehler denken zu können.
Vielleicht hätte amaryllis26 sich aber auch ihren eigenen Rat zu Herzen nehmen sollen. Ellenlange No-Go- und Negativlisten wirken zickig, überheblich, arrogant und unsympathisch. Da hilft es auch nicht, dass sie alle Fehler mit einer Prise Ironie beschreibt.

Doch diese ersten 45 Seiten lasen sich schnell und ich kam zu dem Teil, auf den ich all meine Hoffnungen setzte. Zwölf Profile hatte die Autorin sich angelegt. Zwölf vollkommen unterschiedliche und immer auf ihre Art radikale Frauen mit individuellen Lebenseinstellungen, Wünschen und Profilbildern. Da alle Bilder abgedruckt waren, regte ich mich an dieser Stelle gleich auf. Die Autorin veränderte sich selber für jede Rolle – mit schlechten Perücken und seltsamer Optik. Um dann mit all den Falten und dem schlechten Make-up ins Profil zu schreiben, man sei 22 Jahre alt. Wer glaubte das?
Sie selber erwähnte im Laufe des Buches aber immer, wie unfassbar attraktiv die Frauen auf den Bildern sind (sprich: sie selber). Dass die Frauen – egal wie viel Quatsch in ihrem Profiltext stand – angeschrieben wurden, „weil sie auf ihren Fotos so verdammt gut aussehen!“ (S. 248) Für meinen Geschmack waren alle Bilder äußerst unattraktiv und die Frau sah jeweils gut 20 Jahre älter aus als im Profil angegeben, aber okay.
Dass die Profiltexte unfassbar abschreckend waren, sollte so sein, darauf wurde immer wieder hingewiesen. Die Schraube wurde immer weiter angedreht – und die Frau damit immer abgedrehter. Radikale Spinnerinnen, von der die Autorin fast hoffte, dass sie nicht angeschrieben werden. Aber die Männer zeigten sich hartgesotten.

Hinter dem jeweiligen Profil las man die Nachrichten der Männer, bei denen der geneigte Leser viel ertragen muss. „Gedruckt wie geschrieben“ war hier die Devise. Und da die Männer häufig auf Groß- und Kleinschreibung sowie Rechtschreibung und Interpunktion verzichteten, tat das Lesen manchmal weh.
Vor allem aber tat weh, dass seitenweise gleichen langweiligen Nachrichten abgedruckt waren. „Guten Morgen“, „Hey schönes Profil, Bock auf Kennenlernen?“, „Wow, schöne Augen :)“. Man hat es verstanden. Schnell.
Natürlich gab es auch individuelle Anschreiben. Die Männer, die sich wirklich Mühe gaben. Die „belledejour“, „Lavendelrausch“, „Gänseblume46“ oder „Dirndlmarie“ ihr Herz ausschütteten. Die taten mir so leid. Natürlich ist Mitleid kein guter Türöffner für einen Flirt. Aber die geben sich echt Mühe und wissen nicht, dass sie Teil eines Experiments sind.

Obwohl ich mich so auf den Part im Buch gefreut habe, fand ich ihn dann anstrengend zu lesen. Ganz abgesehen von der schlechten Rechtschreibung wurden im Fließtext viele Nachrichten einfach aneinandergereiht, unterbrochen von den pseudowitzigen Kommentaren von amaryllis26. Aber so ein Textblock liest sich unangenehm.
Wenige Beispiele hob sie als positiv hervor. Aber ich konnte diese Beispiele nicht positiv finden. Ich hatte kein Bild zu dem Mann, ich hatte kein aufregendes Gefühl durch das Schreiben mit einem Fremden. Ich hatte keinen emotionalen Anhaltspunkt. Da kann mich dann ein halbromantischer Zweizeiler echt nicht vom Hocker hauen. Die Autorin steckte da ganz anders drin.

Die Zusammenfassung der Ergebnisse wird den Lesern dann als vollkommen überraschend verkauft. Sind sie aber nicht. Wenn die „22-jährige“ in ihrem Profil schreibt: „will einfach fun :o)“ und „Wie hot bist du???“ muss sie sich weder in den Gesprächen mit den Männern beschweren, dass sie in ihrem Profil doch gar nichts von Sex sagt und deswegen nicht all diese eindeutigen Angebote bekommen will und die Autorin muss sich auch am Ende nicht wundern, dass dieses Profil besonders viele plumpe Anmachen, die nach Sex fragten, bekam. Und auch dass wenige Profile mit „Hey du bist doch sicher ein Fake!“ angeschrieben werden, ist doch auch nicht verwunderlich. Sie muss daraus nicht schließen, dass Männer den Frauen alles zutrauen, sondern dass die meisten, die sich verarscht vorkamen, ihre Zeit gar nicht erst damit verschwendet haben, einem offensichtlichen Fake zu schreiben. Warum auch?

Anschließend folgt wieder ein Teil zu No-Gos. Dieses Mal nicht für den ersten Eindruck wie eingangs, sondern für das Schreiben. Dass es unsexy ist, sich quasi förmlich bei der Frau zu bewerben, zu klammern, beleidigt abzuziehen. All diese Dinge.

Ganz am Ende werden noch Tipps verteilt, wie Frauen und Männer ihre Profile und Kommunikation gestalten sollen. „Schreibe orthografisch und grammatisch korrekt“, „Schreibe persönlich“, „Lass die Zicken links liegen.“
Aha, erzählt mir mehr.
Nicht nur, dass die Tipps unspannend waren, manche waren auch falsch, meiner Meinung nach. amaryllis26 sagt den Männern, dass sie am besten nur ein gutes Foto für ihr Profil nehmen sollen, am besten von einem Fotografen gemacht. Ich persönlich fände das ja wahnsinnig spießig, wenn ich so ein Profil sehen würde. Wenn es nur ein (solches) Bild gibt, würde ich dem Mann wahrscheinlich auch noch unterstellen, dass er das Bild irgendwo gefunden und geklaut hat. Man will doch ein paar mehr Bilder sehen. Die Autorin sagt dazu, dass sie keine Bilder mit Sonnenbrille sehen will oder wie der Typ im Club eine Wand vollkotzt. Aber mal ehrlich: Wenn der Typ, der mich anschreibt, Wände in Clubs vollkotzt, dann will ich das lieber vorher wissen. Dann kann ich den wenigstens direkt aussortieren.

Ich habe mich stetig gefragt, für wen dieses Buch denn nun sein soll.
Es ist nicht lustig genug, um einfach zur allgemeinen Belustigung zu dienen.
Wer online auf Datingplattformen unterwegs ist, kennt all das.
Wer so dumm ist und Frauen anschreibt, wie der Buchtitel darstellt, wird das Buch nicht lesen.
Wer so intelligent ist und Frauen nicht so anschreibt, wie der Buchtitel darstellt, wird das Buch nicht brauchen.

Was mir auch wirklich fehlte, war die Konfrontation. Ja, ein paar Männer wurden gefragt, ob sie die Autorin mit einem Standardspruch anschrieben. Wieder keine Überraschung, dass es manche – trotz vollkommener Offensichtlichkeit – leugneten und es andere zugaben.
Aber warum wurden manche Männer im Nachhinein nicht aufgeklärt, dass es ein Experiment war und sie durften mal ganz anonym ihre Erlebnisse schildern. Oder ihre Beweggründe sich so zu geben. Im Laufe eines Gesprächs mit einer potentiellen (Sex)Partnerin würden sie das doch sicher eh nicht klar zugeben. Aber nach einer Aufklärung der Autorin? Warum nicht?
Aber dann hätte das Buch die Männer wohl nicht mehr so schön als dumm, schüchtern, uncool oder kuschend darstellen können. Denn das waren sie fast allesamt. In diesem Zusammenhang kam es auch regelmäßig zum Beschweren über die bösen Frauen, die viel zu emanzipiert sind und die Männer zu weichen Hamstern haben verkommen lassen. Frauen hätten jahrzehntelang die Männer kleingemacht und nun gäbe es quasi nur noch angepasste Pantoffelhelden, die sich nicht trauen, ihre eigene Meinung zu sagen, weil sie der ach so schönen Frau auf dem Profilbild gefallen wollen.

Ich hatte wirklich gehofft, das Buch wäre irre witzig und würde mit tollen Geschichten auftrumpfen können. Dem war aber nicht so. Ein paar Mal konnte ich lachen, ansonsten war ich aber hauptsächlich genervt von unnötigen Tipps, rechtschreibschwachen Männern und Ergebnissen, die ich auch so hätte vorhersagen können. Letztendlich wird auf den 300 Seiten vieles wiederholt. Und die Fake-Profile der Autorin waren so unsympathisch (was sie ja auch sein sollten), dass ich ihre belanglosen Dialoge gar nicht lesen wollte.

amaryllis26 – Lust auf FIKKEN? Aus den Abgründen des Internetdatings
Knaur TB, 01. September 2014
ISBN 3426786826
295 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

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Marc-Uwe Kling – QualityLand

Willkommen in QualityLand

In der Zukunft läuft alles rund: Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. QualityPartner weiß, wer am besten zu dir passt. Das selbstfahrende Auto weiß, wo du hinwillst. Und wer bei TheShop angemeldet ist, bekommt alle Produkte, die er haben will, zugeschickt, ganz ohne sie bestellen zu müssen. Superpraktisch! Kein Mensch ist mehr gezwungen, schwierige Entscheidungen zu treffen – denn in QualityLand lautet die Antwort auf alle Fragen: OK.

Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum gibt es dann Drohnen, die an Flugangst leiden, oder Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller? (Klappentext)

Seitdem ich den ersten Teil der Känguru-Trilogie gelesen habe, bin ich großer Fan von Marc-Uwe Klings Geschichten. Es war also keine Frage, ob ich „QualityLand“ lesen möchte, sondern wann ich mir das Buch kaufe. Denn was ist, wenn dieses Buch nicht an das Känguru herankommt? Was, wenn ich enttäuscht werde? Mein Freund nahm mir die Entscheidung ab und schenkte mir das Buch zum Geburtstag. Und dann habe ich es relativ schnell danach gelesen.

Peter Arbeitsloser ist ein bisschen abgeschlagen. Sein Level ist nicht sehr hoch, weswegen er nicht viele Privilegien besitzt. Sein Job macht ihn nicht glücklich. Und nachdem QualityPartner ausgerechnet hat, dass Sandra Admin nicht die perfekte Partnerin für ihn ist, ist er auch wieder Single. Dabei ist das Leben in QualityLand doch rosig. Es ist ein Land voller Superlative. Das System kennt jeden, hilft jedem, weiß, was jeder will. Alles gerät plötzlich ins Wanken, als Peter etwas vom System bekommt, das er gar nicht haben will. Aber wie kann das sein? Die Maschinen machen doch keine Fehler?!
Anders könnte es doch auch gar nicht möglich sein, dass mit John of Us ein Android zur Wahl des neuen Präsidenten steht…

„QualityLand“ soll eine Zukunftssatire sein und das ist es auch. Es ist jedoch erschreckend, wie nah wir an manchen gruseligen Entwicklungen, die in Peters Leben schon Alltag sind, bereits dran sind.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich manche Entwicklungen sogar ziemlich gut fände. Bequem irgendwie.
Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich die helle Variante des Buches habe. Sie ist für die Optimisten.

Die Geschichte besteht aus drei Erzählsträngen, die unterschiedlich stark miteinander verknüpft sind. In diese wurden kurze Abschnitte zu QualityLand eingeschoben. Manche Einschübe, die immer ein bis drei Seiten lang sind, erklären, wie das System in QualityLand funktioniert, was es alles (bezogen auf unsere heutige Realität) Neues gibt. Andere stellen kleine Nachrichten, gespickt mit User-Kommentaren, dar.
In meiner hellen Variante zeugen die Nachrichten von den positiven Seiten der Digitalisierung und technischen Errungenschaften.
Die dunkle Variante des Buches ist für die Apokalyptiker unter den Lesern. Die Nachrichten dort greifen eher die Gefahren auf.
Doch egal, welche Variante man hat, dank eines QR-Codes und Links am Ende des Buches kann man auch die „fehlenden“ Nachrichten nachlesen.

Es ist bei der Lektüre von Vorteil, ein wenig Verständnis für digitale Produkt zu haben. Ich glaube, dass sich erst dann der volle Witz entfaltet. Aber auch wenn man sich nicht damit auskennt und eigentlich kaum Spaß an den aktuellen digitalen Entwicklungen hat, könnte das Buch etwas für einen sein, denn:
Marc-Uwe Kling hat es wieder geschafft, dass ich vollkommen aus dem Häuschen bin. Ich konnte kaum aufhören zu lesen. Ich war noch nicht einmal bei der Hälfte des Buches angekommen, da empfahl ich es schon voller Inbrunst meinen Freunden.

Die Geschichte wieder unfassbar intelligent geschrieben. Kling kritisiert Entwicklungen – sowohl in der Gesellschaft als auch in der Technik – ohne dabei von oben herab zu schreiben. Zusätzlich scheinen viele Verbesserungsvorschläge im Buch so praktisch, dass man sie am liebsten realisiert wissen würde. Ich finde Wirtschafts- und Gesellschaftskritik oft anstrengend zu lesen, aber nicht hier. Sie ist intelligent in das große Ganze eingeflochten und muss genau so, wie sie ist, da sein.
Viele Ideen der Zukunft in QualityLand sind nicht neu, aber so zugespitzt, dass es unglaublich spannend und interessant war, den Gedankengängen der Geschichte zu folgen. Aber genau das war auch das Spannende. Sich vollkommen neue Dinge ausdenken und in Science-Fiction-Romane verpacken, ist nicht schwer. Da braucht man nur genug Fantasie und eventuell technisches Wissen.
Aber die aktuellen Dinge sinnvoll, realistisch, übertrieben und gleichzeitig passend weiterzudenken muss man schaffen.

Vor allem war das Buch aber auch wieder wahnsinnig witzig. Dieser trockene Humor, der schon in den Känguru-Chroniken eine Triebfeder war, glänzt auch hier auf jeder Seite. Es ist eine Satire mit Sprachwitz, Situationskomik und fantastischen Ideen. Sie alle bringen den Leser – mal in Kombination, mal einzeln – ständig zum Lachen.

Manche Ideen und Dialoge wurden ein wenig aus den Känguru-Chroniken recycelt. Überhaupt kein Drama, da sie immer stimmig eingesetzt wurden. Das Wiedererkennen war für mich sogar immer ein kleines Highlight. So ganz ohne Anspielungen hätte ich das schade gefunden.

Aber als wäre das Gesamtkonzept nicht schon stimmig, intelligent, spannend, witzig und toll genug, hat Kling auch wieder Figuren geschaffen, die Spaß machen. Auch wenn Peter eher zur Fraktion „sympathischer Loser“ gehört, ist er nicht ins Klischee abgedriftet. Er kann mehr und ist mehr. Und so ist jede weitere Person – und Maschine – im Buch angelegt. Immer ein wenig skurril, immer etwas anders, aber nie so, dass es ins Absurde abrutscht. Perfekte Mischung. Wie das ganze Buch.

Als wäre ich also nicht schon insgesamt genug begeistert gewesen, sprachen mich die Themen auf einer ganz persönlichen Ebene an. Mit seinen Rückgriffen auf die Frage nach der Moral beim autonomen Fahren, Asimov, den Turing-Test, Künstliche Intelligenz, Adorno, rassistische Algorithmen, Kybernetik oder Filterblasen spricht Kling so viel an, was mich tagtäglich in meinem Studienfach Digitale Medien begleitet. Als würden wir gemeinsam die Seminare belegen…

Ich wollte euch noch nie so gern wie bei diesem Buch am liebsten in die Augen gucken bei meiner Rezension. Dann würdet ihr sehen, wie viel Liebe ich wirklich für das Buch empfinde. Ich kann nicht darüber reden, ohne hektisch aufzuzählen, was an dem Buch alles so genial ist. Meine Wangen werden automatisch rot und meine Augen glänzen. Jeder meiner Freunde, der mich in den vier Tagen, in denen ich jetzt das Buch gelesen habe, gesehen hat, musste sich anhören, warum er „QualityLand“ unbedingt lesen muss.
Wirklich. Es ist mein Highlight 2017!

Marc-Uwe Kling – QualityLand
Ullstein Hardcover, 22. September 2017
ISBN 3550050232
384 Seiten
Gebunden; 18,00 Euro

Andere Bücher des Autoren (klicke für die Rezension):

David Safier – Mieses Karma hoch 2

Safier_Mieses Karma hoch 2

Daisy trinkt, faulenzt und bestiehlt auch schon mal ihre WG-Genossen. Marc ist ein arroganter Hollywood-Star. Und beide haben keine Ahnung, was das Wort Liebe eigentlich bedeutet. Als sie gemeinsam bei einem Autounfall sterben, werden sie als Ameisen wiedergeboren. Im Jenseits erklärt ihnen Buddha, dass sie in ihrem Leben zu viel mieses Karma angehäuft haben. Aber Daisy und Marc möchten auf gar keinen Fall als Ameisensoldaten in den Krieg ziehen. Was also tun? Die Antwort lautet: Gutes Karma sammeln, damit es auf der Reinkarnationsleiter wieder nach oben geht! Doch das ist nicht so einfach, wenn man sich nicht ausstehen kann und sich gegenseitig die Schuld am eigenen Unfalltod gibt.
Und noch viel schwerer wird es, wenn man sich trotz allem ineinander verliebt… (Klappentext)

Es ist genau sechs Jahre her, dass ich „Mieses Karma“ gelesen habe. Ich hatte damals viel Spaß mit dem Buch und beäugte deswegen den Nachfolger eine Weile in den Buchhandlungen dieses Landes. Kindler war dann so lieb und hat mir ein Rezensionsexemplar zukommen lassen.

Daisy und Marc sterben und werden als Ameisen wiedergeboren. Nun versuchen sie gutes Karma zu sammeln, um als ein größeres Tier wiedergeboren zu werden. Dabei erleben sie zusammen allerhand tierische Abenteuer.
Mit dieser Story hebt sich dieses Buch nicht allzu sehr von „Mieses Karma“ ab, doch mich persönlich störte das nicht. Erstens kann ich mich nicht mehr en détail an den ersten Teil erinnern und zweitens gefällt mi das Konzept so gut, dass ich diese Story gern noch einmal gelesen habe.

Dank der verschiedenen Abenteuer und Wiedergeburten ist das ganze Buch eine riesige Wundertüte. Immer wieder wird man überrascht, trifft neue Tiere, neue Situationen, neue Gefahren. Die Spannung wird deswegen ebenfalls permanent oben gehalten. Will man doch wissen, wo Daisy und Marc reinkarnationsmäßig das nächste Mal landen werden und ob sie ihre Pläne umsetzen können.

Die beiden Hauptpersonen sind dabei durchaus nicht zwingend sympathisch. Beide sind mit ihren Mitmenschen nicht immer liebevoll umgegangen und sie ändern sich auch nicht zum kompletten Gegenteil, nur weil sie gestorben sind. Doch trotzdem baute ich schnell eine Bindung zu den beiden auf und folgte ihnen gern auf ihrem Weg.

Sprachlich war das Ganze auch wunderbar. Locker, humorvoll, ungezwungen. Durch die sehr kurzen Kapitel war man förmlich zum stetigen Weiterlesen eingeladen. Das Buch lässt sich schnell weglesen.

„Mieses Karma hoch 2“ zählt definitiv zum Genre „Humor“. Ich persönlich hatte zwar Spaß mit der Geschichte und den Figuren, musste aber nicht lachen. Auch nicht schmunzeln oder kichern, aber es fehlte mir auch nicht. Ich las es trotzdem sehr gern.
Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Leser, die sich noch sehr gut an „Mieses Karma“ erinnern, wenig Neues entdecken werden.

Und trotz des Spaßes zählt es nicht zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Dazu hätte ich dann doch ganz gern gelacht oder wäre anderweitig berührt worden.
So erhält „Mieses Karma hoch 2“ 4 Sterne von mir.

David Safier – Mieses Karma hoch 2
Kindler, 29. Oktober 2015
ISBN 3463406233
319 Seiten
Gebunden; 18,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Mieses Karma
2. Mieses Karma hoch 2

Safier_Mieses Karma Safier_Mieses Karma hoch 2

Kostenloses Rezensionsexemplar

Weitere Bücher des Autoren (klicke für die Rezension):

Florian Schiel – B.A.f.H. – Bastard Assistent from Hell

Schiel_BAfH

Der deutsche Akademiker gilt als der humorloseste und trockenste der ganzen Welt. Zumindest für ein kleines technisches Institut scheint diese allgemeine Auffassung nicht zu stimmen, denn dort treibt der Bastard Assistant from Hell, kurz BAfH, sein Unwesen.
Mit viel Sarkasmus und bösartigem Witz macht er seinem Chef, seinen Kollegen und nicht zuletzt seinen Studenten das sonst so beschauliche akademische Alltagsleben zu einer privaten kleinen Hölle, in der nie etwas so funktioniert, wie es sollte, nie etwas einfach erledigt wird, wenn es auch kompliziert geht, und kein Tag vergeht, ohne dass eine mittlere Katastrophe über den LEERstuhl hereinbricht. Dazu kommt noch, dass er das ganze Institut unerbittlich im Griff hält, weil nur er allein das Superuser-Passwort aller Institutsrechner kennt… (Klappentext)

Dieses Buch habe ich von einer lieben Freundin zu meinem Studienanfang geliehen bekommen.
Nun, nach dem ersten Semester, habe ich es mir zu Gemüte geführt. Ich hatte auf eine kleine, feine, lustige Lektüre gehofft. Die Geschichten entstanden ursprünglich vor fast 20 Jahren als Internet-Kolumne.

Es dauerte nur eine Geschichte, da fand ich den Bastard-Assistenten Leisch schon so unsympathisch, dass ich mich zusammenreißen musste, überhaupt weiterzulesen. Hätte mir meine Freundin das Buch nicht so angepriesen (und hätte ich nicht ein Verpflichtungsgefühl ihr gegenüber empfunden, weil es ihr so gut gefällt), hätte ich es entweder gar nicht beendet oder definitiv länger gebraucht.
Außerdem starb die Hoffnung, dass es doch noch besser wird, bis zur letzten Geschichte nicht. Leider vergeblich.

Dabei ist das Buch inhaltlich gar nicht mal uninteressant. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Münchner Uni hat weder Lust auf Arbeit, noch auf die Studenten oder seine Kollegen. Darum versucht er alles, um sich das Leben erleichtern und den anderen im gleichen Atemzug zu erschweren. Und das funktioniert reibungslos.

Dabei fehlte mir der Humor. Ich empfand es nicht mal als schwarzen Humor, sondern einfach nur als niveaulose Bösartigkeiten. Leisch war einfach nur gemein, ohne die Ambition, sich selber Spaß zu bereiten. Er wollte einfach nur seine Ruhe und machte dazu allen anderen das Leben zur Hölle. Dazu nutzt er vorrangig das Telefon- und Computernetz. Ein bisschen technische Ahnung ist deswegen nicht verkehrt, um dem Geschehen folgen zu können.

Insgesamt gibt es aber keinen roten Faden. Jede Geschichte ist in sich abgeschlossen. Es gibt jedoch wiederkehrende Figuren – allen voran die Kollegen.
Sympathisch war mir davon leider auch keine einzige. Die Sekretärin war ähnlich bösartig wie Leisch und die anderen Kollegen – selbst der Chef – waren durchweg naiv oder dumm.

So gut meiner Freundin das Buch gefallen hat, sie wenig Spaß hatte ich damit.
Ich musste mich leider durchquälen. Ich musste nicht lachen, war von den Gemeinheiten abgestoßen und konnte für mich auch nichts daraus mitnehmen.
Ich bin froh, dass sich die 265 aufgrund der großen Schrift und einfachen Sprache immerhin schnell lesen ließen. Nur deswegen gibt es: 1,5 Sterne.

Florian Schiel – B.A.f.H. – Bastard Assistent from Hell
Schwarten Verlag, 1998
ISBN 3929303094
265 Seiten
Taschenbuch; nicht mehr neu erhältlich

Christoph Dörr – Muffensausen

Dörr_Muffensausen

Wo die Liebe hinfällt… wurde sie vielleicht geschubst?

Nina und Philipp sind seit drei Jahren ein Paar, gerade frisch zusammengezogen und lieben sich sehr. An einem romantischen Abend macht Nina ihm spontan einen Antrag: »Willst du mich heiraten?« Bamm! Eigentlich ist es für ihn keine Frage, schließlich ist sie seine Traumfrau. Dennoch fühlt Philipp sich nicht überwältigt, sondern überrumpelt. Er verpatzt den Moment komplett: »Warum heiraten? Es läuft doch gerade so gut.« Als Nina daraufhin abhaut, merkt er schnell, dass er sie nur mit dem weltallerbesten Heiratsantrag zurückgewinnen kann. Gesagt, getan – doch damit beginnt ein Albtraum in Weiß… (Klappentext)

Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit Männern. Also jetzt vielleicht nicht so generell, aber wenn sie deutsche Autoren sind und humorvoll schreiben. Da hat mich noch nicht einer enttäuscht.
Ich hoffte also darauf, dass Christoph Dörr den guten Lauf nicht zerstört.

Bücher über Hochzeit? Geschenkt. Nichts Neues.
Bücher über Beziehungsprobleme? Erst recht nicht.
Bücher über Schwierigkeiten bei den Hochzeitsvorbereitungen? Ja, gibt es sicherlich, aber definitiv seltener.

Philipp hat den Heiratsantrag seiner Nina, seines Sterns, komplett vermasselt. Es war kein spontanes Ja und somit eine falsche Antwort. Nina verschwindet erst einmal zu ihrer besten Freundin Simone. Ausgerechnet. Single-Simone hat es ja gerade nicht so mit Männern. Und mit Philipp schon gar nicht.
Philipp muss seine Freundin also überzeugen, dass er sie doch heiraten möchte. Und das am besten mit einem fantastischen Antrag. Es klappt, sie nimmt an und plötzlich sieht Nina nur noch Hussen, Heiratsfarben, Brautkleider und Planungsarbeit. Und Philipp steht mittendrin.

Die Geschichte des Buches ist damit ziemlich schnell zusammengefasst. Es wird ungefähr ein ganzes Jahr in diesen 400 Seiten abgedeckt. Ein Jahr voller Planungspleiten, -pech und -pannen, aber auch ganz viel Planungen, die super klappen – dank der heiratswütigen Organisation von Nina.
Nein, viel gibt die Story nicht her, aber das muss sie auch nicht.
Der Dreh- und Angelpunkt sind die Figuren und der Humor des Buches.

Und mit den Personen wurde ein wunderbares Potpourri mehr oder weniger schrulliger Charaktere geliefert. Nina und Philipp sind ein tolles Paar. Ein süßes Paar. Ein heiratswürdiges Paar. Sie: Narkoseärztin. Er: Sportmasseur und Teilzeit-Stand-up-Comedian. Vor allem letzteres verschafft den beiden auch einen sehr humorigen Alltag, denn Philipp ist lustiger Sprücheklopfer aus Leidenschaft.
Da reihen sich wunderbar der Nazi-Nachbar, die Esoterik-Mutter und der Macho-Freund ein.
Allesamt klischeebeladen bis zur Oberkante, klar. Aber das gehörte zu dem Buch, wie die weiße Spitze ans Hochzeitskleid.

Wer feinsinnigen Humor mag und es nicht so mit Wortwitzen hat, sollte „Muffensausen“ eher nicht lesen. Aber wenn man auf so etwas steht, wird man wirklich viel Spaß haben:

„Hiller ist ein einsamer alter Mensch. Ein Abstellgreis.“

„Wir sitzen im Grünen und Simone sieht rot. Das ist nix für Farbenblinde.“

Mir liefen zwar nicht stetig Lachtränen die Wangen runter, aber lachen musste ich oft. Oder kichern. Oder grinsen. Ich persönlich konnte viel anfangen mit dem Sprachhumor, der nicht selten auf Kosten der weiblichen Hochzeitsvorstellungen ging.

Und trotzdem gab es tatsächlich auch die leisen Töne. Das Menschliche und Zwischenmenschliche spielte eine große Rolle. Es wurde hinter Fassaden geblickt, die oft schon so sehr bröckelten, dass man dachte, man könnte bereits alles sehen, was dahinter ist. Aber das Buch schaffte es, immer noch eine Schicht hervorzuholen.

Eine kleine Besonderheit stellt das Cover dar. Der Sandbereich ist nämlich wirklich körnig. Ich habe beim Lesen die ganze Zeit drübergestrichen.

Also: Nein, Christoph Dörr hat den guten Lauf der deutschen Humor-Autoren nicht zerstört.
Mir persönlich hat das Buch gut gefallen. Ich konnte lachen, mochte die Personen und fand auch das Thema Hochzeit ansprechend.
Natürlich war die Story etwas schlicht – trotz einiger Überraschungen – und die Figuren sehr klischeehaft, aber ich hatte trotzdem Spaß. 4 Sterne

Christoph Dörr – Muffensausen
Blanvalet Verlag, 15. September 2014
ISBN 376450501X
400 Seiten
Broschiert; 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Johannes Hayers & Felix Achterwinter – Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn!

Hayers_Achterwinter_Schnall dich an sonst stirbt ein Einhorn

Diese Tricks finden Sie garantiert in keinem anderen Buch
Johannes Hayers und Felix Achterwinter haben die besten Erziehungstricks von ganz normalen Eltern gesammelt. Obwohl: Ist Angelika normal, wenn sie bei sich selbst einbricht, um ihrem Sohn das Abschließen der Haustür einzutrichtern? Ist Maria normal, wenn sie ihre Tochter dazu bringt, den Sicherheitsgurt anzulegen, indem sie droht: «Schnall doch an, sonst stirbt ein Einhorn!»?
Ob normal oder nicht, ob legal oder nicht, diese listigen und lustigen Erziehungstricks haben tatsächlich funktioniert. Denn Kinder lieben nicht nur Einhörner, sie lieben auch Bären. Warum sollte man ihnen also nicht hin und wieder einen aufbinden? (Klappentext)

Auch wenn ich noch keine Kinder habe, interessierte mich dieses Buch sofort, als ich es das erste Mal sah. Zum Glück konnte ich es kostenlos auf der Tagung bekommen.

Die 100 Tricks sind unterteilt in fünf große Abschnitte: „Gesund und munter“, „Saubär hingekriegt“, „Erwachsen werden, wozu?“, „Zusammen leben und lernen“ und „Reden ist Gold, Ruhe auch.“.
Die einzelnen Erziehungstricks sind höchstens 2,5 Seiten lang und sind für Kinder verschiedenster Alter ausgedacht worden. Von Kindergarten- über Grundschalter bis zur Pubertät ist alles dabei.
Und auch thematisch ist die volle Bandbreite an Problemen enthalten: Lügen, Betrügen, Diebstahl, Abenteuerlust, Computerfixiertheit, Lautstärke, Dreck, Undiszipliniertheit, Faulheit und einiges mehr.

Die Tricks haben alle den gleichen Aufbau, der unterschiedlich dargestellt wird.
Es beginnt mit der Ausgangssituation. Diese wird entweder durch einen normalen Text, Comics oder auch mal Dialoge aufgezeigt. Dann folgt der Trick, der auch abwechslungsreich gezeigt wird: Bilder, Zeitungsausschnitte, Texte.

Auch wenn ich die Tricks naturgemäß nirgends anwenden kann (nicht mal jüngere Geschwister habe ich), machte es mir trotzdem Spaß sie zu lesen.
Zum einen waren die Eltern wirklich einfallsreich, zum anderen haben die beiden Autoren alles mit viel Humor und Wortwitz aufgeschrieben. Auch mit ihrer Meinung zu verschiedenen Tricks haben sie nicht hinterm Berg gehalten.

Ich hatte nur ein paar Probleme mit dem kontinuierlichen Lesen, denn Spannung wird natürlich nicht erzeugt. Ich habe immer ein paar Tricks gelesen und das Buch dann wieder beiseite gepackt, denn ich habe ja ein bisschen „ins Leere“ gelesen. Mein Ziel war nicht „Erkenntnisgewinn“, sondern „Spaß“. Der war zwar da, aber auch nicht in so einem hohen Maße, dass ich unbedingt am Ball bleiben wollte.

Insgesamt gefällt mir die Aufmachung und der Inhalt gut. Manches Mal war ich nur von der sehr detaillierten Beschreibung der Ausgangsituation genervt. Das hätte öfter ruhig knapper ausfallen können. Schallend gelacht habe ich auch nicht, aber öfter mal geschmunzelt.
Trotzdem bin ich so überzeugt von dem Buch, dass ich es sogar schon für eine Freundin mit einem zweijährigen Kind als Geschenk gekauft habe. 4 Sterne

Johannes Hayers & Felix Achterwinter – Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn!
rororo, Dezember 2014
ISBN 3499628724
255 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Nela Vogel – WAT SE FACK

Vogel_WATSEFACK

Leute in deinem Bus, die kein Deo kauften, kauften häufig auch nicht Shampoo, Zahnbürste, Zahnpasta, Duschgel. @Pokerbeats

Internet. Der Ort, an dem jedes Würstchen auch gleich noch seinen eigenen Senf mitbringt. @sechsdreinuller

Es macht übrigens viel wacher, den Kaffee über die Tastatur zu schütten, als ihn zu trinken. @s_ill_e

Die besten Tweets – 140-Zeichen-Kunstwerke zum Staunen, Lachen und Sich-selbst-Wiedererkennen. (Klappentext)

Im Ich-lese-jetzt-Artikel schrieb ich ja schon eine ganz kleine Ode an die wundervolle Twitter-Community und dass die Tweets mich immer wieder zum Lachen brachten und berührten. Manche Menschen fanden Worte zu Gedanken und Erlebnissen von mir, die ich nie beschreiben konnte.

Ich hatte gehofft, dass mich „WAT SE FACK“ genau so mitnehmen kann und das hat das Buch uneingeschränkt geschafft. Es wurden 27 wunderbare Twitterer ausgesucht, die zu den unterschiedlichsten Themen ihre Gedanken beisteuern konnten.

Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt. Es gibt beispielsweise „#IhrKenntDas“, „#Arbeit“, „#Kleintierhalter“, „#GesundLeben“ oder „#SchöneDigitaleWelt“.
Alle Tweets passten dann auch perfekt in das jeweilige Kapitel und sie waren nicht beliebig irgendwo zugeordnet. Innerhalb der einzelnen Kapitel standen dann auch die Tweets, die sich um dasselbe Thema drehen, beieinander.

Was mir außerdem extrem positiv aufgefallen ist: Alle Tweets unterscheiden sich sehr voneinander. Trotz der großen Menge an vorhandener 140-Zeichen-Nachrichten gibt es kaum gravierende Wiederholungen. Klar kommen bestimmte Dinge häufig vor, Katzen und Kaffee zum Beispiel, aber die Wortspiele waren alle individuell. Mir fiel nur eine Wiederholung auf und das war ein „‚Wie hast du geschlafen?‘ – ‚Liegend'“-Tweet. Aber selbst die beiden waren nicht 1:1 identisch.

Solche witzigen Bücher sind ja meistens sehr dünn und man hat sie in einer Stunde durchgelesen.
„WAT SE FACK“ hebt sich mit seinen 319 Seiten von der dünnen Masse ab. Durchschnittlich befinden sich sechs Tweets auf einer Seite.
Ich habe mehrere Tage immer mal wieder drin gelesen. Es liest sich also nicht so schnell weg wie befürchtet.

Natürlich kann man all die Tweets auch kostenlos im jeweiligen Account des Twitterers finden. Aber dort muss man zwischen Retweets und Antworten länger suchen, bis man die Perlen findet.
Hier sind sie geordnet und alle auf einen Blick.
Es muss jeder für sich wissen, ob es ihm die 9 Euro wert ist.

Ich persönlich hatte aber wirklich Spaß mit dem Buch. Ich konnte oft lachen, zustimmend nicken oder einfach mitfühlen.
Ich finde das Buch genial und deswegen bekommt es 5 Sterne.

Nela Vogel – WAT SE FACK
Piper Taschenbuch, 9. März 2015
ISBN 3492306632
319 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Taddl und Ardy – What the Fact!

Taddl_Ardy_What the Fact

Wissen in cool!
Wusstest du, dass Walrosse einen Sonnenbrand kriegen können, der Erfinder von Zuckerwatte ein Zahnarzt war und Dumbledore schwul ist? Millionen Fans folgen Taddl und Ardy auf YouTube, wo sie eine verrückte Mischung aus lustigen, skurrilen und absurden Fakten präsentieren. In diesem Buch gibt es das Beste aus »What The Fact« und »Did you know?« – und einen bunten Blumenstrauß an völlig neuen, komplett sinnlosen Fakten. Wusstest du, dass dieses Buch dich kreativ, stark und unbesiegbar machen wird? (Klappentext)

Schon bevor ich angefangen habe zu lesen, hatte ich im Kopf die Rezension halb vorformuliert, denn ich ging mit vielen Vorurteilen an das Buch. Dass das alles altbekannte Fakten wären, dass man von den YouTubern Taddl und Ardy nichts weiter erfährt und es bestimmt nur eine weitere Form ist, ihren Fans Geld aus der Tasche zu ziehen, dass es lieblos hingezimmert wäre und bei den Fakten immer das „Warum ist das so?“ fehlt.
Ich habe mich tatsächlich zumindest teilweise getäuscht.

Taddl und Ardy laden auf ihren Kanälen Videos hoch, auf denen schon dieses unnütze Wissen präsentiert wird. In dem Buch finden sich aber auch weitere Fakten, die sie noch nicht für ihre Videos verwendet haben.

Die Fakten drehen sich um verschiedenste Bereiche: Geografie, Biologie, Anatomie, Technologie und vor allem ganz viel Sexualität. Gefühlt nahm der letzte Teil übermäßig viel Platz ein.
Auch wenn ich eine gute Menge der Fakten schon kannte, waren sie immer wieder faszinierend, interessant, lustig oder alles zusammen.
Bei manchen Informationen steht auch die Meinung von Taddl und Ardy dabei.
Trotzdem fehlte mir manches Mal das „Warum?“. Zu vereinzelten Fakten hätte ich gern mehr Hintergrundinformationen bekommen.

Die Faktenflut wurde regelmäßig durch zwei Dinge durchbrochen: Anekdoten der Jungs und Auflistungen zu einem bestimmten Thema, wie „Facebook-Fakten“, „Die verrücktesten Todesursachen“ und „Verrückte Informationen über Schlaf!“.

Die wichtigste Frage bei solcher Art von Büchern ist für mich immer: Wäre es mir das Geld wert gewesen?
Hätte ich das Buch nicht geschenkt bekommen, wäre es das ganz sicher nicht gewesen.
Unnützes Wissen findet man auf so vielen Kanälen mittlerweile. Es gibt Facebook-Seiten, die täglich unnützes Wissen veröffentlichen, die Jungs zeigen es in ihren Videos und es gibt da ja noch die Neon-Bücher, die es schon seit vielen Jahren zu dem Thema gibt.
Die dargestellten Fakten sind teilweise auch schon lange, lange bekannt: Klar, die beiden müssen sie ja auch irgendwoher bezogen haben und haben das nicht alles selber herausgefunden.

Wenn ich ein Fan der beiden wäre, wäre ich sicher auch ein wenig enttäuscht, dass es nur eine Handvoll Anekdoten und Fotos und zwei Seiten „Fakten über uns“ gibt.

Das Buch ist durchaus ok, die Fakten sind witzig und tatsächlich unnötig, aber man kann sie auch problemlos kostenlos von woanders beziehen.
Ich persönlich hätte für die 127 Seiten keine 9,- Euro ausgegeben, aber für geschenkt hatte ich ein, zwei Stündchen Spaß mit dem Buch. 4 Sterne

Taddl und Ardy – What the Fact!
Ullstein Taschenbuch, 6. März 2015
ISBN 3548375804
127 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

Dr. Josephine Chaos – Bis die Ärztin kommt

Chaos - Bis die Ärztin kommt

Sexy Schwestern! Scharfe Chefärzte! Verklemmte Patienten! Spektakuläre Geburten!

Es ist Montagmorgen 7 Uhr 45, als ich am Klinik-Pförtner vorbei zu den Aufzügen hetze, einen Kaffee in der linken und lauter wichtige Dingen wie Arztkittel, Milchpumpe, Kühltasche und Mittagessen in der rechten Hand. Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, so, als wäre dies mein erster Arbeitstag. Dabei bin ich gefühlte hundert Jahre im Geschäft und war nur mal kurz in Mutterschutz. Beim Gedanken an Chaos-Kind Nummer vier spüre ich, wie mir die Muttermilch in die Brust schießt, als sich mit einem leisen Sirren die Aufzugtür öffnet und eine vertraute Stimme sagt: »WOW – echt tolle Möpse, Josephine!«
»Malucci, du altes Schlitzohr, solltest du nicht langsam damit aufhören, fremden Frauen auf die Brüste zu glotzen?«
»Weißt du, Bella, das ist der wahre Grund, warum ich Gynäkologe geworden bin: Damit ich damit niemals aufhören muss.« (Klappentext)

Da ist sie wieder! Meine allerliebste Frauenärztin is bäck!
Im letzten Jahr war dieses Buch eines der wenigen, das ich für das volle Geld gekauft habe, denn ich MUSSTE es haben.
Nachdem ich seit Jahren ihren Blog „Josephine im Chaos“ verfolge und vergöttere, kaufte ich mir selbstredend ihr erstes Buch – „Dann press doch selber, Frau Dokta!“ – und war auch von diesem begeistert.

Dieser zweite Teil schließt sich nun nahtlos an Frau Dr. Chaos Zeit auf der gynäkologischen Station im Klinikum am Rande der Stadt an. Dazwischen liegt nur der Mutterschutz von Josephine und dem Chaos-Baby.
Und kaum ist die Ärztin wieder an ihrem angestammten Arbeitsplatz, geht es heiß her und das vor allem zwischen den Kollegen.

Ich habe es genossen, dieses Buch zu lesen. In jeder freien Sekunde nahm ich es zur Hand und ließ mich wieder zurückholen zu den kollegialen Irrungen und Wirrungen, gynäkologischen Mehr-oder-weniger-Notfällen und den Geburten.

Doch vor allem im Rückblick fehlten mir die letzten beiden Punkte sehr. Das erste Buch strotzte nur so vor Geburten und anderen gynäkologischen Fällen. In diesem Buch lag der Fokus ganz klar auf den zwischenmenschlichen Beziehungen. Und die Geschichten, die dann doch rein mit dem Beruf zu tun haben, kannte ich schon aus dem Blog.
Das war ein bisschen schade.

Auch ein bisschen schade war, dass das Buch voller Rechtschreibfehler war. Hätte ich für jeden Dass-das-Fehler einen Euro bekommen, hätte ich mir davon locker das Buch kaufen können. Zwei Mal.

Aber das waren schon die einzigen beiden Kritikpunkte.
Sonst war – wie auch in Buch eins und auf dem Blog – alles so fluffig geschrieben, dass allein das schon reicht, mich wohlig seufzen zu lassen, wenn ich das Buch zur Hand nahm.

Aber nicht nur das. Auch die komplette Chaos-Familie und die Kollegen (Ärzte, Pfleger, Hebammen) schloss ich wieder ruckzuck in mein Herz. Es ist im Zweifel natürlich von Vorteil, dass ich die ganzen Protagonisten schon seit Jahren „kenne“.
Dadurch, dass sich in diesem Buch auch viel mehr mit den Personen beschäftigt wurde, lernt man die einzelnen immer noch ein Stück besser kennen.
Außerdem konnten so auch ein paar „Roman-Kniffe“ eingebaut werden. Ein paar Geheimnisse gab es, Überraschungen und Wendungen, die bei dem „Geburten-Dokumentationsstil“ (in dem es auch viel Zwischenmenschliches gab, aber bedeutend weniger als hier) aus Teil 1 schwieriger einzubauen waren.

Gerade durch diese Überraschungen hatte ich in diesem Buch aber auch mehr das Gefühl etwas Fiktives zu lesen als je zuvor.
Ich gehe stark davon aus, dass auch manche Geburten aus frühen Blogzeiten ein bisschen ausgeschmückt und dramatischer gemacht wurden, als sie waren. Trotzdem glaube ich aber auch, dass davon alles so oder so ähnlich erlebt wurde. Da Buch 1 sich zum größten Teil aus den Bloggeschichten speiste, lässt sich das auch 1:1 darauf übertragen.
Bei „Bis die Ärztin kommt“ bin ich da nun unsicher. Es war ein bisschen zu viel Soap-Opera, um noch real zu sein.
Das stört den unbedarften Leser wahrscheinlich nicht, denn der geht wahrscheinlich auch eher mit dem Gedanken: „Buch!“ da ran. Mein Gedanke war eher: „Neue Erlebnisse von der Gynäkologin, die mit dem Pseudonym Dr. Josephine Chaos unterwegs ist!“.

Auch wenn das alles streckenweise etwas negativ klingt, ist es auf keinen Fall so gemeint. Dr. Josephine Chaos könnte meinetwegen auch Bücher über das Leben ihres Hundes schreiben und ICH. WÜRDE. SIE. LESEN. BIS. ZUM. ANSCHLAG. AUSRUFEZEICHEN.

Ich bin tatsächlich traurig, dass ich die Klinikwelt und die Chaos-Familie schon wieder verlassen musste und hoffe inständig, bald wieder von meiner Lieblingsärztin etwas lesen zu können. Irgendetwas.
Da ich aber doch ein paar Kritikpunkte hatte, vergebe ich 4 Sterne.

Dr. Josephine Chaos – Bis die Ärztin kommt – Liebe, Leidenschaft und andere Notfälle
FISCHER Taschenbuch, September 2014
ISBN 3596031060
351 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Dann press doch selber, Frau Dokta! – Aus dem Klinik-Alltag einer furchtlosen Frauenärztin
2. Bis die Ärztin kommt – Liebe, Leidenschaft und andere Notfälle
Chaos_Dann press doch selber Frau Dokta Chaos - Bis die Ärztin kommt

Iris Hechenberger (Hrsg.) – Wer spickt, wird erschossen

Hechenberger_Wer spickt wird erschossen

»Guten Morgen, ihr Analphabeten! Was glaubt ihr, wie das Diktat ausgefallen ist?«
Was Lehrer den ganzen Tag so von sich geben, lässt einen nur noch den Kopf schütteln – oder in schallendes Gelächter ausbrechen. Lehrer sind die wahren Comedians. Denn Sie haben Sprüche auf Lager, bei denen sogar gelangweilte Schüler und stressige Eltern lachen müssen.
Hier kommen die besten, lustigsten und blödsinnigsten Sprüche aus der Schule. (Klappentext)

Ach, ich stehe einfach auf so einen Kram. Diese kurzen Bücher mit SMS, peinlichen Geschichten oder eben Lehrersprüchen.
Ich schäme mich fast immer ein bisschen darüber auf einem Buch-Blog zu schreiben, denn so wirklich als Buch geht es ja doch nicht durch. Nur so halb.
Und trotzdem greife ich immer wieder darauf zurück und belästige informiere euch darüber.

Lehrersprüche sind von Haus aus ja ein zweischneidiges Schwert. Einerseits können sie unglaublich witzig sein, andererseits ist da auch immer ein kurzes: „DARF der das? Zu einem Schutzbefohlenen?“

Schon als ich in dem „Ich lese jetzt“-Post dieses Buch ankündigte, kam die Frage: „Ist das wirklich witzig? Die besten Sprüche entstehen aus der Situation und können so gar nicht wiedergegeben werden.“
Und das stimmt. Oder lacht jetzt jemand, wenn ich erzähle, dass eine Russischlehrerin bei mir an der Schule zu einem Mitschüler sagte: „Du wirst immer dicker und ich werde immer schöner.“. Oder dass mein Bio-Lehrer zu einer Mitschülerin sagte. „Was ist das da auf deinem Kopf?“ und als sie sagte: „Ich habe mir die Haare gefärbt. Farbe: Espresso.“, schockiert antwortete: „Ach das soll so? Ich dachte, das wäre ein Unfall!“.

So ähnlich ist das in dem Buch. Es gibt einfache Zitate oder Mini-Dialoge, die zum Teil schon amüsant sind. Aber eben zum kleineren Teil.
Der Rest ist eher ok bis langweilig. Für mich waren da auch einfach zu viele altbekannte Sprüche drin, wie: „Du guckst wie ein Auto, nur nicht so schnell.“, „Bist du so blöd oder tust du nur so?“, „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“ Oder „Niveau ist keine Handcreme.“. Alles schon hundert Mal gehört.

Da die Sprüche nur so halbwegs eine Seite füllen können, gibt es verschiedene Schriftarten und Bildchen, die in die Schule passen (Lineal, Stift, Schultasche, ABC, Formeln,…).
Unterteilt ist das ganz in sechs Schulstunden und kleine und große Pause. Die Sprüche passten mal mehr, mal weniger in ihr Kapitel.

Man muss das definitiv nicht gelesen haben. Kann man aber. Ich habe nicht allzu viel gelacht, sondern nur ab und zu mal geschmunzelt. Den vollen Preis von 8,99 Euro wäre es mir nicht wert gewesen. Da ich es als Mängelexemplar für 2,50 Euro mitgenommen habe, war es ok. 2,5 Sterne

Iris Hechenberger (Hrsg.) – Wer spickt, wird erschossen
Knaur Taschenbuch, Mai 2013
ISBN 3426786052
246 Seiten
Taschenbuch; 8,99 Euro

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