Franziska Wolffheim – Zweistein oder das Brummen der Welt

Wolffheim_Zweistein oder Das Brummen der Welt

Auf den ersten Blick scheint Zweistein ein ganz gewöhnlicher Kater: Er döst gerne in der Sonne, streift durch sein Revier, nimmt gnädig die Gunstbeweise seiner Besitzerin Frau Fourgé entgegen. Aber Zweistein ist auch ein Kater mit ziemlich viel Verstand. Er möchte den Dingen auf den Grund gehen und macht sich über dieses und jenes auf unserer Welt so seine Gedanken. Dabei kommt er auf erstaunliche Ideen. (Klappentext)

Ich liebe Bücher, die kurz und lustig sind.
Mit seinen 136 Seiten erfüllte „Zweistein oder Das Brummen der Welt“ definitiv die erste Anforderung. Ob die zweite auch zutrifft, hieß es herauszufinden. Und wenn schon nicht lustig, dann hoffte ich auf geistreich oder philosophisch. Das schien mir der Klappentext immerhin zu versprechen.

ZweisteinDas Buch besteht aus 50 kleinen Geschichten über das Leben und die Gedanken von Kater Zweistein.
Zeichnungen und Besonderheiten in der Typografie stellten immer wieder einen Bezug zu den Kapiteln her.

Die Geschichten waren wenigstens eine und höchstens vier Seiten lang und hingen untereinander nicht zusammen.
Das ist schon das Erste, was ich schade finde. Ich hätte mich über einen roten Faden gefreut. Manche andere Katzen und Nachbarn kamen zwar öfter vor, aber selten als aktive Figuren. Sie waren meistens Teil von Zweisteins Gedankengängen. Ich hatte gehofft, dass es im Hintergrund zusammenhängende Geschichten gibt, die das Geschehen vorantreiben.

Viel wichtiger ist aber eher, ob das Buch witzig ist. Dazu gibt es von mir ein klares Nein. Ich konnte nicht lachen.
Dann hoffte ich wenigstens auf philosophische Ansätze, aber auch die gab es nicht. Ja, Zweistein macht sich viele Gedanken, aber es sind eher Fragen zu bestimmten menschlichen Gewohnheiten oder allgemeinen Beobachtungen. Warum tauschen Menschen Kleidung um? Kann Mozart mal zu Besuch kommen? Leben Fliegen entspannter, weil sie sich nicht ärgern? Ist eine Käsescheibe eine Schatzkarte und hat deswegen so viele Löcher?
Ich konnte mit diesen Überlegungen wenig anfangen. Es machte mir keinen Spaß, sie zu lesen. Sie waren nämlich nicht wirklich geistreich (und einfach auch nicht witzig).

Die Sprache an sich war weder überaus klug, noch überaus einfach. Sie ist kein bisschen besonders. Sie ist einfach nur vollkommen normal.

Im Prinzip hätte ich mich mit all dem arrangieren können, wenn ich Zweistein sofort in mein Herz geschlossen hätte. Aber auch das ging nicht. Er war nicht unsympathisch, aber auch nicht sympathisch. Er war als Erzähler und Gedankenmacher einfach da. Ich konnte keinerlei Verbindung zu dem Tier aufbauen. Ich fand ihn nicht niedlich, habe mich aber auch nicht über ihn aufgeregt. Er war für mich wie die Sprache: vollkommen durchschnittlich.

Ich habe das Buch zugeschlagen und konnte für mich nichts mitnehmen. Ich hatte weder Spaß an den Figuren, noch an der Sprache. Die kleinen Geschichten und Fragen zum Alltag haben mich auch nicht zum Nachdenken animiert.

Ich finde es wirklich schade, denn aus dem Ansatz ist sicher mehr herauszuholen. Katzen haben so viele Eigenarten und aus ihrer Sicht machen Menschen sicherlich seltsame Sachen. Doch in der Darstellungsweise von „Zweistein oder Das Brummen der Welt“ plätscherte all das dahin und war – zumindest für mich – leider nicht interessant.

Weil ich das Buch nicht abbrechen musste und die einfache Schreibart das schnelle Beenden begünstigte, vergebe ich 2 Sterne.

Franziska Wolffheim – Zweistein oder das Brummen der Welt
Albrecht Knaus Verlag, 10. März 2015
ISBN 381350610X
136 Seiten
Gebunden; 12,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Cecelia Ahern – Solange du mich siehst

In dem aktuellen Buch von Cecelia Ahern sind zwei Erzählungen zu finden, die sie in dem Auszeit-Jahr nach der Geburt ihrer Tochter geschrieben hat.

Die erste Erzählung:

„Im Lächeln der Erinnerung“
Ein Mann, der eine unglaubliche Maschine erfunden hat – mit der er die Erinnerungen der Menschen verändern kann. Doch was ist mit seinen eigenen Erinnerungen? (Klappentext)

Den Grundgedanken fand ich ganz spannend, aber leider wurde er so nicht umgesetzt.
Anfangs wird man in eine Geschichte eines Pärchens eingeführt, dass sich offensichtlich sehr liebt und eine schöne Zeit im Park verbringt. Dann wechselt der Ort und man ist bei dem Erfinder einer Maschine, die neue Erinnerungen erschaffen oder alte Erinnerungen auffrischen kann. Was es mit dem Pärchen auf sich hat, wird erst nach und nach entschlüsselt, da man immer mal wieder zu den beiden wechselt.
Leider habe ich nie richtig Zugang zu dem Mann (dessen Namen bis zum Ende nicht genannt wird) bekommen. Durch seine eigenen Erinnerungen, die ihn quälen, ist er leider auch kein wirklich sympathischer Charakter, sondern ein Einzelgänger, mit dem ich nichts zu tun haben wollen würde.
Die Erklärungen zu der Maschine haben mich meistens auch eher verwirrt als klüger gemacht.
Am Ende hat mir dann eine Moral gefehlt… oder ich habe sie einfach nicht verstanden. Das mag auch sein. Spannend fand ich die Geschichte auch überhaupt nicht. Aber gut geschrieben war sie. Und insgesamt war sie auch nicht schlecht, nur eben nicht spannend. Mir fehlte die ganze Zeit über der Sinn und ich wusste nicht, wo die Reise mit der Geschichte hingehen wird.
Am Ende bin ich unbefriedigt zurückgeblieben. Daher vergebe ich für diese Geschichte ganz durchschnittliche .

Die zweite Erzählung:

„Das Mädchen im Spiegel“
Eine junge Frau, die vor dem schönsten Tag ihres Lebens steht – und hinter den verhängten Spiegeln im Haus ihrer Großmutter eine unheimliche Entdeckung macht. (Klappentext)

Die Geschichte fand ich schon etwas spannender. Die Geschichte beginnt im Jahr 1992 als Lila mit ihrer Freundin Sarah zu ihrer Großmutter fährt. Lila ist so begeistert von dem Haus und all seinen Verstecken und Abenteuerplätzen und Sarah fühlt sich schon am Gartentor unwohl.
Diese Abneigung gegenüber dem Haus war so gut beschrieben, dass ich auch sofort eine Abscheu bekam und Angst hatte Lila durch das Haus zu folgen. Am Ende dieses Teils hatte ich auch wirklich Gänsehaut.
Dann springt man ins Jahr 2010 und Lila fährt wieder zu ihrer Großmutter, um sich für ihre Hochzeit vorzubereiten.
Hier startet die Stimmung quasi von Grund auf neu und somit ist die ganze Spannung von vorher für mich dahin gewesen.
Das hat sich leider auch nicht wirklich gebessert, denn mir haben einige Erklärungen gefehlt, was es mit dem Spiegeln genau auf sich hatte. Man erfährt zwar an sich, was mit ihnen los ist, aber nicht, wie es dazu kam.
Und auch hier ist das Ende leider (für mich) schlecht gewesen. Man wurde einfach so abgebügelt und alles ging dann zu reibungslos, als ob Cecelia Ahern nicht genau wusste, wie sie alles auflösen soll.
Aus der ganzen Geschichte hätte man definitiv mehr machen können. Noch spannender und noch gruseliger hätte sie für mich sein können, denn die Anfänge und das Potenzial waren auf jeden Fall da.
Da aber gerade der Anfang mir Schauer über den Rücken gejagt hat, vergebe ich .

Mit einer -Geschichte und einer -Geschichte, bekommt das Buch insgesamt von mir.
Ich kann das Buch also nicht uneingeschränkt empfehlen, fand es aber auch nicht wirklich schlecht. Meiner Meinung nach ist es ein guter Kompromiss auf die Taschenbuch-Ausgabe zu warten, wenn man die Geschichten denn auch kennen lernen möchte.

Cecelia Ahern – Solange du mich siehst
Orignaltitel: Girl in the Mirror (März 2011)
Krüger Verlag, März 2012
ISBN 3810501492
123 Seiten
Gebunden; 9,99 Euro

Mitch Albom – Dienstags bei Morrie

Wieder ein Buch bei dem ich dachte: „Warum hast du das denn damals mitgenommen? Es klingt nett, aber auch schwer schmalzig. Und was für ein Autor ist das überhaupt? Der benennt seine Hauptfigur nach sich selber! Was Besseres ist ihm nicht eingefallen? Wie überheblich!“.

Aber ich hab das Buch (ehrlich gesagt aufgrund der wenigen Seiten) aufgeklappt und begonnen zu lesen. Und bereits bei der vorangestellten Danksagung wurde ich eines Besseren belehrt. Denn das Buch ist eine wahre Begebenheit. Upps! Nochmal schnell den Klappentext durchlesen… und feststellen, dass das nun nicht mehr schmalzig ist, sondern traurig und auf seine Art wunderschön:

„Als er erfährt, dass sein ehemaliger Professor Morrie Schwartz schwer erkrankt ist und bald sterben wird, beginnt der Journalist Mitch Albom seinen Lehrer regelmäßig jede Woche zu besuchen. Und er, der meinte, dem Sterbenden Kraft und Trost spenden zu müssen, lernt stattdessen dienstags bei Morrie das Leben neu zu betrachten und zu verstehen.“

Im Prinzip ist es auch schon das, was im Buch passiert. Es geht nämlich nicht um Spannung, sondern um die „Lehre eines Lebens“ (wie es schon der Klappentext sagt).
Die meiste Zeit ist man mit Mitch bei Morrie in seinem Arbeitszimmer und später im Schlafzimmer.
Ab und zu gibt es aber auch Rückblenden zu Situationen am College. Dort lernt man zu verstehen, warum Mitch und Morrie so eine enge Beziehung haben.
Was ich im Nachhinein interessant fand, war die Tatsache, dass Mitch Albom knallhart und ehrlich war, was seine Person betrifft. Er hat von seinen Ehe- und Familienproblemen geredet, von seinem schwerkranken Bruder und der Arbeit, die er immer für wichtiger hielt als seine Beziehungen.
So ehrlich muss mal erstmal sein, denn es ist ja keine Autobiografie in dem Sinne. Gut, der Autor hatte auch nicht damit gerechnet, dass es sooo ein Erfolg wird.

Das Wichtigste am Buch sind die Erfahrungen und Ansichten von Morrie. Es gibt vierzehn Dienstage, an denen die beiden über Themen reden, die Menschen bis zum Ende beschäftigen, beispielsweise Selbstmitleid, Reue, Familie, Ehe, Gefühle oder Vergebung.
Und es geht um Morries körperlichen Zerfall. Er leidet an ALS. Eine Krankheit, die sich nach und nach des Körpers bemächtigt und langsam erst die Extremitäten lähmt. Dann kommen die Organe dazu. Wenn die Krankheit die Lunge erreicht hat, stirbt man durch Ersticken.
Morrie hat sein Schicksal angenommen und das macht alles noch bewegender, denn er spürt, wie er stirbt und ist trotzdem mit sich und der Welt im Reinen.
Eine Stärke, die er durch seine Erfahrungen erhalten hat. Und diese sind hier auf 224 Seiten zusammengefasst.

Ich bin so froh, dass ich das Buch gelesen habe.
Es zeigt eine Betrachtungsweise des Lebens, die wohl gar nicht schlecht wäre zu adaptieren.
Ich traue mich deshalb kaum, das Buch zu bewerten, denn das Leben eines Menschen auf Sterne zu reduzieren ist wohl nicht möglich.
Die Schreibweise war wunderbar sanft und zärtlich. Aus jeder Zeile konnte man die Liebe Mitchs zu seinem Professor spüren. Und ich war neidisch, dass ich nie so einen Lehrer hatte.

Ganz ehrlich muss ich sagen, dass ich die Lehren verstanden habe und an sich auch gut finde. Ich würde gern, nach ihnen leben können. Jedem Menschen die volle Aufmerksamkeit schenken und sich bei Gesprächen nicht ablenken lassen. Nicht nach Erfolg und Geld streben. Keinen materiellen Sachen Beachtung zu schenken, sondern nur der Liebe und der Freundschaft. So weit bin ich aber leider noch nicht. Ich schiebe das jetzt einfach auf mein junges Alter. Aber in ein paar Jahrzehnten werde ich das Buch wohl noch mal lesen und dann versuchen danach zu leben 😉
Trotzdem glaube ich, dass mich das Buch erstmal nicht weiter beeinflusst hat und nicht prägt. Es war auch nicht so, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte.
Obwohl ich Morrie sehr zu schätzen gelernt habe und großen Respekt vor Mitch habe, das alles mit uns zu teilen, fehlte mir der letzte Funke, der aus einem guten Buch ein unverzichtbares Goldstück macht. Ich vergebe ich (wenn auch ungern).

Ein kleiner Tipp am Ende: Jedem, der das Buch lesen möchte, empfehle ich vorher einfach mal Morrie Schwartz zu googlen. Es gibt einige Fotos und man kann sich ein gutes Bild von ihm machen (und auch gleich von Mitch Albom).

Mitch Albom – Dienstags bei Morrie
Originaltitel: Tuesday with Morrie (Dezember 1998)
Goldmann, März 2002
ISBN 3442451752
224 Seiten
Taschenbuch; 8,50 Euro