Dietmar Dath – Die Abschaffung der Arten [abgebrochen]

Dath_Die Abschaffung der Arten

Das Zeitalter, das wir kennen, ist längst vorbei. Wo einmal Europa war, gibt es nur noch drei labyrinthische Städte, die eher gewachsen sind, als daß sie erbaut wurden. Die Welt gehört den Tieren. Cyrus Golden, der Löwe, lenkt den Staat der drei Städte. Als ein übermächtiger Gegner die neue Gesellschaft bedroht, schickt er den Wolf Dmitri als Diplomaten aus – er soll im einstigen Nordamerika einen Verbündeten finden. Die Nachtfahrt über den Ozean führt den Wolf an den Rand seiner Welt, wo er erkennt, »warum den Menschen passiert ist, was ihnen passiert ist«. (Inhaltszusammenfassung im Buch)

Ich habe es wirklich probiert. Für ein Seminar über Mensch-Tier-Beziehungen sollte ich mir dieses Buch kaufen und lesen. Mit mittelmäßigen Elan fing ich an. Bücher auf Zwang zu lesen, war nämlich noch nie mein Ding.
Fürs Erste sollten wir nur bis Seite 38 lesen. Ich habe es nicht geschafft. Auf Seite 24 hörte ich auf. Ich habe dieses Buch einfach nicht ertragen.
Nach Wochen las ich weiter. Ich sollte das Buch für die letzten beiden Seminarstunden nämlich beenden. In zwei Tagen las ich bis auf Seite 100. Und habe dann wieder entnervt aufgegeben. Die letzten 450 Seiten werde ich einfach nicht mehr lesen.
Und nun, da das Semester zu Ende ist, breche ich – zum ersten Mal in meinem Leben – ein Buch komplett ab. Ich habe keine Zeit, keine Nerven und keine Lust, um mich mit dem Buch weiterhin rumzuärgern.

Von Anfang an fehlte mir nicht nur der Zugang zur Geschichte, mir fehlte auch die Geschichte an sich. Vielleicht kommt in den fehlenden 450 Seiten noch eine bahnbrechende und spannende Geschichte, aber wenn ich mich schon durch die ersten kleingeschriebenen Seiten quäle und keinen roten Faden erkenne – nicht mal im Geringsten – dann geht mir der Spaß verloren.
Insgesamt ging es nur um das Zeitalter der Tiere. Die Menschen sind so gut wie ausgestorben. Die Tiere haben an Intelligenz und Fähigkeiten gewonnen. Sie können über Hunderte Kilometer über ein neuartiges System aus Gerüchen kommunizieren. Die Grenzen zwischen den Arten sind abgeschafft. Auch die feste Gestalt. Sie können über verschiedene Mutationen allerhand erreichen.

Beim Erzählen wird von einem Tier zum anderen gesprungen. Oft wusste man lange nicht, bei wem man da nun eigentlich ist und in welcher Beziehung er zu den Hauptpersonen steht. In meinem Verständnis war es vollkommen wirr geschrieben. Und das nicht nur im großen Ganzen, sondern auch im Kleinen. Manche Sätze hätte ich unglaublich oft lesen müssen, um sie wirklich zu erfassen. Doch dazu hatte ich keine Lust.
Ich las einfach stumpf immer weiter. Auch wenn ich anfangs für mehrere Tage das Buch nicht angefasst habe, habe ich danach einfach aufgeschlagen und weitergelesen. Ich habe nicht noch einmal die letzten paar Seiten überflogen, um den Faden wieder aufnehmen zu können. Den gab es erstens eh nicht und zweitens interessierte mich nicht, was vorher passiert war.

Doch nicht nur die unglaublich komplizierten Sätze überlas ich, sondern auch die Namen. Izquierda, Cyrus Iemelian Adrian Vinicius Golden, Dmitri Strepanowitsch, Georgescu, Livienda, Jodenzi, Kaneun, Ryuneke oder Katahomenduende. Auch die Namen waren mir einfach zu viel.

Zusätzlich kompliziert waren dann die ganzen echten und erfunden biochemischen Begriffe. Ein Wust aus Worten, die man nicht verstehen konnte. Entweder gar nicht, weil sie Dietmar Dath entsprangen oder nur, wenn man sie googelte.

Lange überlegte ich, ob ich mich einfach durchquäle bis zum Ende. Manche in meinem Seminar haben es getan. Und nach dem, was ich über den weiteren Inhalt gehört habe, lohnt es sich (für mich) einfach nicht.

Der Gedanke: „Was wäre, wenn Tiere plötzlich die Macht in der Welt hätten?“, ist tatsächlich ganz interessant. Die Umsetzung war für mich die Hölle. Hätte ich es beendet, hätte es sicher die schlechteste Bewertung, die es je auf dem Blog gab, bekommen.
Aber ohne es beendet zu haben, gibt es keine Sterne.
Wie schlecht ich das Buch schon auf den ersten 100 Seiten fand, kam auch so durch.

Dietmar Dath – Die Abschaffung der Arten
Suhrkamp Verlag, 25. Januar 2010
ISBN 3518461451
555 Seiten
Taschenbuch; 12,00 Euro

Francesca Haig – Das Feuerzeichen

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Als Zwillinge geboren, zu Todfeinden erzogen

Die Geschwister Zach und Cass leben in einer zerstörten Welt, in der nur noch Zwllinge geboren werden. Keiner der beiden kann ohne den anderen überleben, obwohl sie grundverschieden sind – Alphas sind perfekt, während Omegas einen Makel tragen und verstoßen werden. Cass ist eine Omega, und wenn sie frei sein will, muss sie gegen ihren größten Feind kämpfen: ihren Zwillingsbruder Zach. (Klappentext)

Nachdem ich den zweiten Teil der Trilogie als Rezensionsexemplar erhalten habe, wollte ich endlich den ersten lesen, den ich auch als Rezensionsexemplar bekam. Als ich mich dann fest dazu entschieden hatte, begann ich das Buch auch voller Begeisterung.

Den Plot finde ich unglaublich spannend und neu.
400 Jahre sind vergangen, seit die Explosion die Zivilisation, wie wir sie heute kennen, ausgelöscht hat. Lange war unklar, ob die paar Menschen, die überlebt hatten und starken Veränderungen unterlagen, überhaupt die menschliche Population retten können. Doch sie haben es geschafft.
Fast ein halbes Jahrtausend später werden nur noch Zwillinge geboren. Die schönen und starken Alphas und die Omegas, die fast alle mit körperlichen Defiziten geboren werden.
Schon als Kinder werden die Omega-Zwillinge in andere Omega-Siedlungen geschickt. Doch trotz der Entfernung bleibt die Verbindung zwischen den Zwillingen bestehen. Und diese Verbindung kann über Leben und Tod entscheiden.

In „Das Feuerzeichen“ geht es vorrangig um Cass und Zach, wobei Cass der Omega-Zwilling und die Ich-Erzählerin ist, aus deren Perspektive man alles erfährt.
Neben der chronologischen Geschichte gibt es auch immer wieder Rückblicke in Cass‘ Kindheit und Jugend, um das ganze Alpha- und Omega-Konstrukt noch besser verstehen zu können.
Mit Cass wurde eine Hauptfigur geschaffen, die ich sehr gern mochte. Sie ist willensstark, stolz und mutig und dabei sehr authentisch.
Doch auch Zach lernt man sehr gut kennen. Und obwohl er der klare Gegenspieler ist, kann man seine Motive tatsächlich – wegen seiner Erziehung und der Gesellschaft an sich – verstehen.
Insgesamt ist niemand in diesem Buch klar schwarz oder weiß. Jede Figur – auch die vielen Nebenfiguren – sind alle grau. Und das ist sehr gut so. Sie haben alle positive und negative Seiten und wirken deswegen umso echter.

Die Geschichte von Cass schreitet schnell voran. Vor allem in der ersten Hälfte war ich begeistert, wie gut die Mischung aus Stillstand und Weiterkommen funktionierte. Ich empfand keine Längen und war überrascht, dass Dinge passierten, die andere Autoren erst als großes Highlight am Ende hätten kommen lassen.
Doch in der zweiten Hälfte änderte es sich leider. Das Interesse flachte rasant ab und dann kamen tatsächlich Längen auf. Ich empfand fast nur noch Stillstand und wenn die Geschichte weiterging, war es irgendwie immer wieder dasselbe.

Hier und da gab es Überraschungen, die ich wirklich nicht vorhersehen konnte. Sie schafften kurzfristig Spannung, aber insgesamt fand ich das Buch nicht wirklich spannend. Auch wenn ich vor allem in der ersten Hälfte viel Spaß hatte, war auch diese nicht so richtig aufregend. Eher wirklich interessant.

Für mich persönlich ist es ein unglaublich wichtiger Punkt, wie meine Emotionen beim Lesen sind. Leider wurde ich auch hier nicht mitgenommen. Selbst an traurigen Stellen wurde ich nicht so sehr berührt, dass ich hätte weinen müssen.

Alles in allem waren es die Figuren und die neuartige Geschichte, die das Buch für mich besonders machten. Deswegen hatte ich auch Spaß mit ihm, selbst wenn es in der zweiten Hälfte viele Längen gab und ich emotional nicht abgeholt werde.
Ich freue mich trotzdem schon auf den zweiten Teil, der sicher nicht mehr lange auf sich warten lässt. Dazu möchte ich zu gern wissen, wie die Geschichte um die Zwillinge weitergeht.

Der erste Teil der Feuerzeichen-Trilogie bekommt 3,5 Sterne Sterne von mir.

Francesca Haig – Das Feuerzeichen
Originaltitel: The Fire Sermon (Februar 2015)
Heyne Verlag, 26. Oktober 2015
ISBN 3453270134
479 Seiten
Gebunden; 16,99 Euro

Reihenfolge:
1. Das Feuerzeichen (Originaltitel: The Fire Sermon)
2. Das Feuerzeichen – Rebellion (Originaltitel: The Map of Bones)
3. Das Feuerzeichen – Rückkehr (Originaltitel: The Forever Ships)

Kostenloses Rezensionsexemplar

Adam Sternbergh – Feindesland

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Vertrau mir.
Er ist tot.
Ich weiß es.

Terroristen haben New York zweimal in die Luft gesprengt. Das World Trade Center und den Times Square. Beides hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Eine Weile lang ist es ruhig gewesen. Kein Wunder, wenn alle nur träumen. Aber jetzt scheinen die Terroristen tatsächlich einen Weg gefunden zu haben, in die Träume einzudringen… Spademan stellt sich ihnen entgegen. (Klappentext)

Bevor ich dieses Buch anfing zu lesen, war mir gar nicht klar, wie sehr ich Spademan vermisst hatte.
Der erste Teil um den Auftragskiller mit dem Teppichmesser – „Spademan“ – gefiel mir wirklich gut.
Schon mit dem ersten Satz habe ich es wieder genossen, bei ihm in diesem zerstörten New York einer unbestimmten Zukunft zu sein.

Dieses Mal soll das Ex-Computerwunderkind Lesser beseitigt werden.
Doch kurz bevor das Teppichmesser an seinem Hals sitzt, schreckt er aus seinem Limnosphären-Besuch auf und schreit wie am Spieß. Mit stockenden Worten berichtet er dem Auftragskiller, was er gesehen hat: Eine Frau in einer Burka klammerte sich an einen Mann, sprengte sich mit ihm zusammen in die Luft. Der Mann ist tot. Ganz sicher. Auch in der realen Welt. Dabei kann man eigentlich in der Sphäre niemanden töten. Eigentlich.
Nachdem erst das World Trade Center und dann der Times Square von Terroristen zerstört wurden, scheinen sie nun in die Limnosphäre eingedrungen zu sein. Der letzte sichere Zufluchtsort der New Yorker wird angegriffen. Plötzlich hat Spademan andere Probleme als Lesser. Und die reichen bis in die höchste Politik von New York.

Dieses Mal hatte ich nicht dieses allgegenwärtige „Film Noir“-Gefühl, das ich noch im ersten Teil hatte, aber das tat dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Die Atmosphäre war trotzdem düster und trocken und damit vollkommen stimmig.
Adam Sternbergh hat an der Art zu erzählen nicht viel geändert. Immer noch gibt es keine Anführungszeichen bei Dialogen, immer noch ist Spademan der Erzähler, der auch mal den Leser anspricht und seinen sarkastischen Humor nicht verloren hat.

„Also ziehe ich meine kleinen feinen Werkzeuge zum Schlösserknacken aus ihrem Versteck in meinen Haaren –
Scherz.
Ich hieve den Zwölf-Pfund-Vorschlaghammer aus meinem Seesack. “ (S. 12)

Ich hatte Spaß dabei, all die Personen, die ich im ersten Teil kennengelernt habe, wiederzusehen. Auch hier war mir nicht bewusst, dass ich den einen oder anderen beim ersten Buch tatsächlich so lieb gewonnen hatte, dass ich mich wahnsinnig freute, wieder von ihnen zu lesen und ihre Geschichte weiterverfolgen zu können. Auch die der Kleinsten.

„Hannah ist jetzt etwas über ein Jahr alt, daher redet sie noch nicht allzu viel. Ein Kind weniger Worte. Was ich absolut respektiere.“ (S. 47)

Die Geschichte ist in diesem Buch ausgefeilter, tiefgründiger und verworrener als noch im ersten. Es ist, als hätte Sternbergh nach seinem Debüt viel dazu gelernt. Es gab Wendungen und allerlei Abzweigungen, sodass man sich manchmal auch ein wenig verloren in der Geschichte vorkommen konnte. Doch das schien dem Autoren bewusst zu sein, denn immer dann gab es eine – wirklich passende und nie plump eingestreut wirkende – Zusammenfassung der Dinge durch Spademan.

Obwohl es keine atemlose Spannung gab, war sie doch in hohem Maße vorhanden.
Ich las weiter, um zu erfahren, ob es stimmt, was Lesser gesehen hat und ob der Terror nun die Limnosphäre erreicht hat.
Ich las weiter, um die Cliffhanger auflösen zu können.
Ich las weiter, um zu sehen, wem Spademan trauen kann und wem nicht.
Trotzdem wurde ich oft überrascht von den Wendungen und Auflösungen, was mir auch Spaß machte.

Insgesamt finde ich die beiden Teile um Spademan sehr ausgeglichen. Manches fand ich im ersten Teil besser und manches nun im zweiten, aber es gab keinen gravierenden Qualitätsunterschied.
Meine Kritikpunkte sind wirklich klein. Ich fühlte mich manchmal nur etwas überschwemmt von der weitreichenden Geschichte mit den verschiedenen Problemen, gegen die Spademan ankämpfen muss. Und ich wäre gern noch ein bisschen mehr bewegt worden. Egal, an welcher Gefühlsfront.
Aber alles in allem hatte ich wieder sehr viel Spaß bei Spademan und hoffe inständig, dass dies nicht der letzte Teil um den Auftragskiller mit dem Teppichmesser bleiben wird.
Ich vergebe sehr gute 4 Sterne.

Adam Sternbergh – Feindesland
Originaltitel: Near Enemy (Januar 2015)
Heyne Hardcore, 31. August 2015
ISBN 3453269047
367 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Spademan – Originaltitel: Shovel Ready
2. Feindesland – Originaltitel: Near Enemy

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Kostenloses Rezensionsexemplar

Emily St. John Mandel – Das Licht der letzten Tage

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Hoffnungsvoll düster, schrecklich zart und tragisch schön

Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer. (Klappentext)

Nachdem man in den letzten Jahren mit Dystopien fast ein wenig übersättigt wurde, treibt Emily St. John Mandel das Ganze auf die Spitze. In ihrem Roman „Das Licht der letzten Tage“ hat sich die Gesellschaft nicht nur zum Negativen entwickelt, es gibt sie auch fast gar nicht mehr.

Die Georgische Grippe, die sich rasend schnell über den Erdball ausgebreitet und die betroffenen Menschen binnen 48 Stunden getötet hat, hat innerhalb weniger Tagen über 99% der Menschen getötet.
Es gibt keinen Strom mehr, kein fließendes Wasser, kein Benzin. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr.

Doch noch ist es nicht soweit. Noch steht Arthur Leander auf der Bühne und spielt gerade König Lear, als er plötzlich mit einem Herzinfarkt zusammenbricht und stirbt.
Der Rettungssanitäter Jeevan versucht noch zu helfen, Kirsten steht als Kind mit auf der Bühne und muss das alles ansehen, Arthurs Ex-Frauen müssen kurz darauf von seinem besten Freund Clark informiert werden.

Hauptsächlich durchwandert man einen Zeitraum von 20 Jahren, beginnend ein paar Tage, bevor die Welt zusammenbricht bis ins Jahr 20. Die Zeitrechnung musste nach der Georgischen Grippe wieder auf Null gestellt werden. Manche Rückblenden liegen aber auch gut 35 Jahre davor.
In dieser Zeitspanne springt man wild hin und her.
Man ist mit der Fahrenden Symphonie in der neuen Welt unterwegs und zieht durch die neuen Städte – kleine Ortschaften in denen sich die Überlebenden zusammengeschlossen haben. Vor allem ist man aber bei Arthur. Arthurs Anfänge in der Schauspielerei, Arthurs Erfolg in Hollywood, Arthurs erste Ehe, Arthurs zweite Ehe, Arthurs dritte Ehe, Arthurs Sorgen, Probleme, Freuden.
Dieses Springen zwischen den Zeiten und vor allem auch zwischen den Personen muss man mögen. Ich persönlich hätte das alles lieber chronologisch gelesen. Kleinere Rückblicke in die Vergangenheit wären ja immer noch möglich gewesen.
Mit den verschiedenen Erzählperspektiven bin ich klar gekommen – aber muss wirklich bei allen Personen, die es gibt, ein Zeit-Wirrwarr veranstaltet werden?

Die Personen an sich fand ich alle ziemlich sympathisch, aber eben auch nur „ziemlich“. So richtig binden konnte ich mich an niemanden. Durch das viele Springen hatte ich das Gefühl, ich konnte zu wenig von jedem sehen.
Den größten Teil verbringt man in Arthurs Vergangenheit. Er ist das Bindeglied für all die Personen des Buches und ist doch die meiste Zeit bereits tot. Aber muss ich all die Krisen seiner drei Ehen durchgehen, um zu verstehen, wie die apokalyptische Welt aussieht? Definitiv nicht.

Und damit bin ich fast schon dort angelangt, was mich an dem Buch am meisten irritiert hat. Der Klappentext versprach mir Überlebende, die nicht aufgeben, Menschen, die die Schönheit der alten Welt wiedererlangen wollen, die die Hoffnung nicht aufgegeben haben.
Davon fand ich so gut wie nichts in dem Buch.
Erstens befand man sich relativ selten in der Zeit nach der Grippe und zweitens haben die Menschen dort jegliche Hoffnung aufgegeben. Es ist eine Welt ohne Medizin, ohne Energie, ohne Kraft. Täglich muss man ums Überleben kämpfen, jeder Schritt kann einen alles kosten.
Diejenigen, mit denen man durch die Lande als Fahrende Symphonie zieht, erinnern sich kaum an die alte Welt. Sie waren größtenteils noch Kinder. Und die Erwachsenen lege sich nicht gerade ins Zeug, alte Annehmlichkeiten zurück zu erlangen.

Dazu versprach der Klappentext noch etwas, was „hoffnungsvoll düster“, „schrecklich zart“ und „tragisch schön“ ist. Nein. Einfach nur nein. Wenn man mich fragt, ist der Roman nichts von alledem.
Er langweilte mich zwar nicht, spannte mich aber auch so überhaupt nicht auf die Folter.
Es war ein durchweg durchschnittliches Buch, das mich weder besonders negativ, noch besonders positiv aufregte. Ich las etwas von hier und etwas von dort, lernte den und die kennen und dachte insgesamt nur: „Aha.“.
Ab und zu fragte ich mich: „Was wäre, wenn das wirklich passieren würde?“ und meine Gedanken waren dann fast spannender als das Buch.

Also:
Muss ich als Dystopie-Fan dieses Buch lesen? Nein.
Muss ich als Apokalypse-Fan das Buch lesen? Nein.
Muss ich als Liebesbuch-Fan das Buch lesen? Nein.
Muss ich als Spannungsfan das Buch lesen? Nein.
Muss ich das Buch überhaupt lesen? Nein.

Es ist ganz ok, keine Frage. Für Zwischendurch. Aber es ist nicht spannend, geht nicht ans Herz und bewegt das Gemüt insgesamt nicht. 3 Sterne

Emily St. John Mandel – Das Licht der letzten Tage
Originaltitel: Station Eleven (September 2014)
Piper Verlag, 14. September 2015
ISBN 3492060226
409 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

Lissa Price – Enders

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Hallo, Callie…

Ich glaubte, er sei für immer verschwunden.
Ich glaubte, ich hätte ihn besiegt.
Doch ich habe mich getäuscht.
Der Old Man ist zurück.
Und er weiß alles über mich.

… hattest du schon Sehnsucht nach mir? (Klappentext)

Mit dem ersten Teil dieser kurzen Reihe (auch „Dilogie“ genannt) – „Starters“ – hatte ich so meine liebe Müh.
Ich musste das Buch drei Mal beginnen, bis ich es dann endlich bis zum Ende durchlesen konnte und das, obwohl ich das Thema so spannend fand.

Im ersten Teil konnten wir die sechzehnjährige Callie Woodland dabei begleiten, wie sie ihren Körper in der Body Bank zur Vermietung an alte Menschen anbietet und wie das fürchterlich schief geht und Callie sich plötzlich in ihrem Körper, aber im Leben der reichen Ender wiederfindet, die sie gemietet hatte.
Im zweiten Teil macht sich Callie nun auf die Suche nach dem Kopf von Prime Destinations, der Firma hinter der Body Bank. Der Old Man kann sich Zugriff auf Callies implantierten Chip verschaffen und sich so jederzeit mit ihr in Verbindung setzen. Es kommt aber noch schlimmer, denn der Chip ist eine tickende Bombe und der Old Man sitzt am Zünder…

Im ersten Moment schien mir das Thema des zweiten Teils, der gleichzeitig der Abschluss der Reihe ist, weit weniger vielschichtig und spannend als das des Vorgängers.
Auch auf den zweiten Blick bietet es in der Grundtendenz nicht so viel, aber Lissa Price schaffte es, so viele Wendungen und Überraschungen einzubauen, dass es eben doch wieder spannend wurde.

Die Geschichte setzt circa zwei Wochen nach dem Ende von „Starters“ ein und somit muss man weder Ereignisse aufarbeiten, die in der Zwischenzeit passiert sind, noch gibt es neue Figuren, die man kennenlernen muss.
Vor allem die Personen machten es mir dieses Mal leicht, in die Geschichte einzusteigen.
Beim ersten Teil konnte ich Callie nie ganz ins Herz schließen und die anderen Personen waren alle noch weiter weg für mich.
Nun waren sie mir näher, es machte mir mehr Spaß, an ihrer Seite zu sein.
Es fiel mir verstärkt auf, dass Lissa Price tiefgründige und vielseitige Personen geschaffen hat, die weitestgehend ohne Klischees auskommen.
Callie als Ich-Erzählerin ist gleichzeitig so wunderbar überzeugend stark und schwach zugleich.
Selbst die Personenkonstellationen und Beziehungen zueinander schaffen es, sich ein wenig von denen typischer Jugendbücher abzuheben.

Die Sprache ist wieder angenehm flüssig und problemlos. Sie ist vollkommen angemessen. Weder zu schlicht, noch zu verspielt.

Wie bereits gesagt, war die Geschichte zum Glück spannender, als erwartet.
Vor allem empfand ich sie als extrem rasant. Immer passierte etwas, niemandem wurde Zeit zum Durchatmen gegönnt – weder den Figuren, noch dem Leser. Hinter jeder Ecke wartete eine neue Gefahr und vor allem kurz vorm Ende schlug ich das Buch zu und sortierte noch einmal alles für mich und vollzog den zurückgelegten Weg, bevor ich mich dem großen Showdowm widmete.
Es wurden dann auch alle offenen Fragen aus dem ersten Teil beantwortet und es bleibt wohl kein Wunsch offen.
Mit dem Ende – und gleichzeitig Abschluss der kurzen Reihe – konnte ich sehr gut leben.

„Enders“ hat mir zwar von der Thematik her nicht so gut gefallen, wie der erste Teil, aber mich machte die Umsetzung glücklicher.
Ich wurde unglaublich oft überrascht und trotzdem dachte ich bei keiner Wendung: „Ach nee, komm. Das ist doch jetzt echt unlogisch.“
Für mich persönlich war alles stimmig.

Auch „Enders“ wird nicht mein Lieblingsbuch, dazu passt die Chemie zwischen der Reihe und mir einfach nicht, aber mir gefiel der Teil, vor allem aufgrund der Personen, die mir dieses Mal näher waren und der unerwarteten Ereignisse und Enthüllungen, besser. 4 Sterne

Lissa Price – Starters

Originaltitel: Enders (2012)
ivi, 14. Juli 2014 (Gebundene Ausgabe erschien am 14. Mai 2013)
ISBN 349226977X
350 Seiten
Taschenbuch; 9,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Starters
2. Enders
Price_StartersPrice_Enders

Lissa Price – Starters

Price_StartersDas erste Mal begann ist Starters im Mai 2013 zu lesen. Ich schaffte genau die Hälfte des Buches und dann kam ich einfach nicht weiter. Ich konnte mich nicht mehr aufraffen, das Buch zur Hand zu nehmen. Das lag aber weder an den Figuren, noch an der Sprache, noch an der Geschichte an sich. Und gerade weil mir letztere ja gut gefiel, gab ich dem Buch nun eine zweite Chance. Und als ich da so am Strand lag, war am zweiten Lesetag wieder das halbe Buch geschafft. Und dieses Mal las ich weiter.

Deine Zukunft gehört dir…

1. Vorsicht! Sie haben den Körper eines anderen Menschen gemietet.

2. Es ist nicht gestattet, den gemieteten Körper zu verändern oder zu verletzen.

3. Wir haften nicht für illegale oder gefährliche Aktivitäten, die Sie mit dem gemieten Körper ausüben.

… doch dein Körper gehört uns!
(Klappentext)

Nach dem Sporenkrieg gibt es nur noch alte Menschen, die Dank neuester Medizin locker 200 Jahre alt werden können – die Enders – und die jungen Menschen – die Starters. Die Erwachsenen wurden durch die Sporen getötet. Die Starters, die keine Großeltern mehr hatten, mussten sich plötzlich allein auf der Straße zurechtfinden oder wurden in Heime gesteckt.
Eines dieser Straßenkinder ist die 16-jährige Callie Woodland. Sie lebt mit ihrem kleinen Bruder Tyler und ihrem guten Freund Michael immer in irgendwelchen Häusern, ständig auf der Suche nach Essen und darauf bedacht, nicht von den Marshals gefasst zu werden.
Da den Minderjährigen verboten ist, einer Arbeit nachzugehen – außer den Heimkindern, die Zwangsarbeiten ausüben müssen – bleibt Callie nur noch eine Möglichkeit: Sie vermietet ihren Körper bei der geheimen Body Bank.
Dort können Enders die jungen Körper mieten und endlich wieder agil und sportlich sein.
Doch plötzlich geht bei Callie etwas schief und sie wacht in einer Villa auf und jeder hält sie für die Mieterin Helena Winterhill.
Bald findet Callie heraus, dass Helena sie zu einem geheimen Zweck gemietet hat und einen gefährlichen Plan verfolgt. Dieser muss unbedingt verhindert werden.

Mit diesem Plot hat Lissa Price etwas Neues geschaffen, das mich sehr interessierte. Auch – aber nicht vor allem – weil mich der Grundgedanke, dass alle Erwachsenen gestorben sind, an eine meiner Lieblingsserien in der Kindheit erinnert: The Tribe.

Die Geschichte konnte mich also grundsätzlich begeistern.
Mit Callie, die auch die Ich-Erzählerin ist, folgte man dann auch noch einer klugen, starken, jungen Frau, die sich tapfer ihrem schweren Schicksal stellte. Sie wuchs mir nie gänzlich ans Herz, aber sie war mir sehr sympathisch.
Damit war sie mir dann aber näher, als die anderen Personen.
Nichtsdestotrotz waren alle Figuren gut durchdacht und keinesfalls eindimensional oder langweilig.

Mir waren es an der ein oder anderen Stelle aber zu viele Personen. Eigentlich habe ich keine Probleme mit einem großen Pool an Figuren. Hier gab es dabei jedoch zwei entscheidende Unterschiede. Gerade die Enders in den Teeniekörpern haben sich für mich zu wenig voneinander abgehoben. Das lag vielleicht auch daran, dass man insgesamt relativ wenig von ihnen erfuhr. Und dazu musste man sich von einigen auch noch zwei Namen merken. Zum einen den „echten“ Endernamen und zum anderen den Namen des gemieteten Teens, den sie nun benutzen.

Die Sprache war angenehm, um schnell in die Geschichte eintauchen zu können. Ich fand sie gut und angemessen, sie ist mir aber nicht überaus positiv aufgefallen.

Was mir jedoch negativ aufgefallen ist, war der ein oder andere Logiksprung, den ich nicht nachvollziehen konnte. Ich hatte manches Mal das Gefühl, dass sich Sätze, Ideen oder Antworten auf etwas beziehen sollen, was (noch) nicht zur Sprache kam.
Manche Dinge aus der „neuen“ Welt, in der Callie nun lebt, wurden auch in das Geschehen eingeworfen, ohne dass der Leser davon schon gehört hatte.

Für mich ist „Starters“ ein durchaus passabler Jugendroman, der in die Kategorie „Dystopie“ zuhause ist und der mit der Idee an sich besticht.
Ich konnte trotzdem leider zu wenig mit Callie mitfiebern und auch wenn ich wissen wollte, was mit Helenas Plan passiert und wie Prime Destinations – die Firma hinter der Body Bank – mit der Situation umgeht, dass Callie aufgewacht ist. Trotzdem riss mich alles nicht zu einhundert Prozent mit. Selbst als das Buch mit einer ziemlich großen Überraschung aufwartete, hob das meinen Puls nicht spürbar an.

Ich mochte das Buch also und es hat viel Potenzial, das es zumindest meiner Meinung nach nicht ganz ausgeschöpft hat. Trotzdem habe ich den zweiten Teil schon hier und werde mich noch einmal in Callies Welt begeben. Bis dahin erhält Starters von mir 3,5 Sterne.

Lissa Price – Starters
Originaltitel: Starters (März 2012)
ivi, 12. März 2012
ISBN 3492702635
399 Seiten
Gebunden; 15,99 Euro
(Gibt es auch als Taschenbuch)

Reihenfolge der Bücher:
1. Starters
2. Enders
Price_StartersPrice_Enders

Adam Sternbergh – Spademan

Sternbergh_Spademan

Spademan war ein Müllmann. Das war vor der Bombe. Sie verwüstete den Times Square. Sie tötete seine Frau. Und sie vertrieb einen Großteil der Bewohner New Yorks aus der Stadt. Lediglich die Reichen blieben und zogen sich in ihre Elfenbeintürme zurück, wo sie sich in eine virtuelle Welt einloggen und in süßen Träumen der Realität zu entfliehen versuchen. Jetzt ist Spademan ein Auftragskiller, der eiskalt tötet. Er ist die Kugel, man muss ihm nur die Richtung vorgeben. Seine bevorzugte Waffe: Ein Teppichmesser. Sein neuestes Zielobjekt ist die Tochter eines mächtigen Fernsehpredigers. Sie zu finden ist kein Problem, aber der Job wird plötzlich kompliziert – die junge Frau ist schwanger und der Kunde hat eine Agenda, die weit über einen einfachen Mord hinausgeht. Spademan muss sich entscheiden. (Text der Umschlagklappe)

Ein Buch wie ein Film noir, dessen Hauptperson mit Zigarette in der Hand und vom Whisky rauer Stimme per Voice-Over seine Geschichte erzählt. Eine Art zu erzählen, die das Buch in schwarzweiß erscheinen lässt. Der Erzähler mit Mantel und Hut, der tief ins Gesicht gezogen ist.
Manchmal auch ein bisschen Sin City, manchmal eher Kill Bill.
Ich liebte, was das Buch in mir heraufbeschwor und dass ich mehr einen Film sah als ein Buch las.
Und vor allem liebte ich den Erzähler – Spademan. Spademan und seine trockene, zynische Art.

Klappentext_SpademanIn Ansätzen sieht man seine Art schon beim Klappentext. Im Buch wird diese Stelle noch weiter ausgeführt mit: „Aber ich töte keine Kinder, denn dazu muss man ein echter Psychopath sein.“
Und das ist Spademan nicht. Ganz und gar nicht. Er hat seine Prinzipien. Er hat viel gesehen und viel erlebt und vor allem nachdem halb New York von der schmutzigen Bombe getötet wurde, ist alles anders. Und tatsächlich wurden nicht die Einwohner New Yorks getötet, sondern New York selbst. Nur wenige Menschen starben bei den Anschlägen, aber die New Yorker zogen es vor, ihre Stadt zu verlassen.
Die, die noch da sind, haben entweder keine wirkliche Wahl, weil sie zu arm sind oder sie sind so reich, dass sie sich ein abgeriegeltes Leben in der Limnosphäre leisten können. Eine neue virtuelle Welt.

Allein durch diese Ausgangslage hatte das Buch für mich den Anschein einer Dystopie, aber weniger eines Thrillers. Dazu fehlte mir die alles zerreißende Spannung. Es war eher ein allgegenwärtiges Wissen-wollen. Warum ist Spademan zu einem Auftragskiller geworden? Warum kann er einerseits so kalt und andererseits so fürsorglich sein? Warum ist New York zu dem geworden, was es ist? Was passiert nun mit Persephone, nachdem Spademan sie aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht töten kann?
Vieles wird angerissen und dann nicht weiter ausgeführt. Mit jeder neuen Erkenntnis kamen neue Fragen. Auflösungen folgten, aber immer erst später.
Ich mochte diese Art zu erzählen. Das Verwinkelte, die Rückblenden, die Erläuterungen, die ein ganzes Kapitel einnahmen und einfach nur vorgetragen wurden, wie von einem Erzähler. Einer, der im Schatten steht, mit Hut im Gesicht und Whisky in der Hand.
Es wurde dabei nie unlogisch oder verwirrend.

Es gab jedoch etwas, was verwirrend war: Es gab keine Anführungszeichen. Wörtliche Rede setzte einfach in einer neuen Zeile ein und der Dialog ging dann abwechselnd weiter. Ohne Absätze, nur in neuen Zeilen. Und manchmal, da wechselte es mittendrin kurz zurück zum inneren Monolog.
Ich musste mich daran gewöhnen. Auch wenn die Eingewöhnung lange dauerte und mich bis zum Ende nicht wirklich glücklich machte, passte es auf seltsame Art und Weise zur Stimmung des Buches.
Ebenso wie die Ansprache an den Leser.
Ein ruhiger, klarer, kluger Spademan erklärte sich und seine Lebensweise dem Leser. Und es passte perfekt.

Ich konnte mich erstaunlich gut in Spademan hineinversetzen und verurteilte ihn nie für seinen Job. Manches sah ich anders als er, manche Ansichten verstand ich vielleicht nicht, aber insgesamt ging ich sonderbar konform mit ihm.
Auch die anderen Figuren waren irgendwie eigensinnig und durch die neue Situation in New York anders eingestellt. Sie dachten anders, lebten anders in dieser kaputten Stadt und doch konnte ich mich auch in sie einfühlen.

Weil sein aktueller Auftragsgeber – der Vater von Persephone – nicht nur seine Tochter tot sehen will, sondern auch ein bekannter Fernsehprediger ist, spielen Religion und religiöse Ansichten eine große Rolle im Buch und obwohl ich Bücher mit solchen Themen oft schwierig finde, ging es hier um Bereiche, die für das Buch relevant waren – Sünden, Versuchung, Schuld, Gier.

Es war ein gutes Buch. Eines, das ich immer weiter lesen wollte. Es bedient sich einer – zumindest für mich – neuen Art der Erzählung und die Kombination bekannter Elemente (Anschläge, virtuelle Welt, Auftragskiller) funktionierte sehr gut. Es war für mich mal eine andere Art des Lesens, eine tolle Art, aber nicht die perfekte Art.
Es fehlte mir an Spannung und einer mehrschichtigen Erzählung. Es ging nur um diesen einen Strang mit der schwangeren Persephone und Spademans Vergangenheit.
Außerdem konnte ich mich bis zum Schluss mit der Art der Dialoge nicht anfreunden.
Aber gerade dieses „anders“ sein macht das Buch lesenswert. (Auch wenn 14,99 Euro für die große Schrift auf den wenigen Seiten ziemlich dreist sind.) 4 Sterne

Adam Sternbergh – Spademan
Originaltitel: Shovel Ready (Januar 2014)
Heyne Hardcore, 3. März 2014
ISBN 3453268881
303 Seiten
Broschiert; 14,99 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Spademan – Originaltitel: Shovel Ready
2. Feindesland – Originaltitel: Near Enemy

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Suzanne Collins – Die Tribute von Panem – Flammender Zorn

Diese Reihe hat es mir wirklich nicht leicht gemacht. An dem ersten Buch habe ich schon so lange gelesen, weil ich nicht reingekommen bin. Durch den zweiten Teil bin ich dann quasi durchgeflogen und der dritte war wieder unendlich zäh. Über einen Monat habe ich nun daran gelesen. Und richtig gut wurde es erst in den letzten drei Tagen, so kurz nach der Hälfte. Ab da konnte ich es kaum noch weglegen.

(Ich lese gerade wirklich beim Abtippen zum ersten Mal den Klappentext. Ich hatte Angst, dass wieder zu viel verraten wird, ist aber nicht so.)

Möge das Gute siegen!
Möge die Liebe siegen!

Katniss lebt! Schwer verletzt wurde sie von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Allerdings ist sie damit noch lange nicht außer Lebensgefahr. Doch Katniss‘ einzige Sorge gilt Peeta, der in den „Hungerspielen“ sein Leben für sie gelassen hätte. Die Regierung hat ihn gefangen genommen, ihn gefoltert und seinen Willen gebrochen, um ihn als Werkzeug für ihre Zwecke zu missbrauchen. Das Ziel des Kapitols: die endgültige Vernichtung der Aufständigen. Und zu denen zählt auch Gale, Katniss‘ treuer Freund aus Kindheitstagen…

Tatsächlich wurde damit nicht zu viel gesagt und doch schon fast alles erzählt.
Das zeigt wohl, dass ich die Handlung alles andere als spannend empfand. Eigentlich lässt es sich grob zusammenfassen mit: „Erst muss sich die extrem angeschlagene Katniss in Distrikt 13 zurechtfinden, dann wird sie das Gesicht der Rebellen, dann geht es in den großen Kampf gegen das Kapitol“. Gespickt ist das Ganze mit viel Leid und noch viel mehr Toten. Wer dabei so alles drauf ging, hat mich schon überrascht.

Meine Beziehung zu den Personen hat sich kein bisschen geändert. Außer dass ich Katniss in diesem Teil nun noch ein bisschen weniger mochte als bisher. Ich kann einfach mit diesem „Ich vertraue niemandem und mache alles mit mir selber aus“-Getue nichts anfangen. Das entspricht auch einfach nicht meiner Person.
Peeta fand ich immer noch zu glatt, auch wenn er nun eine gebrochene Persönlichkeit ist.
Haymitch, Plutarch, die anderen Politiker aus Distrikt 13, Beetee, Finnick… ich konnte sie nie so richtig einschätzen. Sie waren mir in weiten Teilen nicht wirklich unsympathisch, aber ich habe ihnen nie vertraut.
Wen ich wirklich mag, ist Gale. Die Szenen mit ihm habe ich am liebsten gelesen. Er hat Ecken und Kanten. Teilt seine Wut mit anderen und ist doch voller Zuversicht und Liebe.

Wogegen man aber nichts sagen kann, ist die Schreibweise. Wie schon in den anderen beiden Büchern, ist sie sehr flüssig, gut verständlich und anschaulich. Perfekt für dieses Genre.

Tja, das war es nun, das Ende der Tribute-von-Panem-Reihe.
Habe ich es als gelungenes Ende empfunden? Nein. Die Story war mir die meiste Zeit zu unspannend und das Ende an sich kam dann zwar nicht zu überraschend, aber ich wäre dann doch gern „live“ dabei gewesen.
Normalerweise freue ich mich ja auch immer über den Epilog, der zeigt, wie die Zukunft unser angelesenen Freunde sein wird. Aber dieses Mal hat mir das Geschehen an sich schon nicht gefallen. Und die, um die es dort ging (ich will jetzt mal nicht zeigen, wer überlebt und wer sich hier für wen entscheidet) wurden mir dort auch nicht wirklich sympathischer. Eher noch im Gegenteil. Außerdem hätte ich gern gewusst, wie es allen anderen so ergangen ist.

Für mich war das also ein ganz, ganz schwacher Abschluss dieser Trilogie. Hätte das Geschehen in der zweiten Hälften nicht so angezogen, hätte dieses Buch wohl noch weniger Sterne bekommen. So ist es für mich knapp über Durchschnitt: .

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem – Flammender Zorn
Originaltitel: The Hunger Games – Mockingjay (2010)
Oetinger, Januar 2011
ISBN 3789132209
431 Seiten
Gebunden; 18,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele
2. Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe
3. Die Tribute von Panem – Flammender Zorn

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe

Nachdem mir Teil eins der Reihe „Die Tribute von Panem“ schlussendlich ja so gut gefallen hatte, habe ich gleich im Anschluss den zweiten Teil gelesen.

Möge der Bessere gewinnen!
Während Katniss und Peeta noch in ganz Panem als das tragische Liebespaar gefeiert werden, droht den beiden breits neue Gefahr. Denn Katniss ist mittlerweile zu einem Symbol des Widerstands geworden, der sich in einzelnen Distrikten erhebt, und das kann das Kapitol nicht dulden. Verzweifelt versucht sie, ihre Familie und vor allem Gale vor der Gewalt der Regierung zu schützen.
Doch da sind auch noch ihre verwirrenden Gefühle für Peeta, die sich einfach nicht leugnen lassen. Und dann geschieht das Unfassbare! Katniss und Peeta müssen zurück n die Arena und diesmal wird es nur einen Überlebenden geben können… (Klappentext)

Zuallererst muss ich sagen, dass ich lange überlegt habe, ob ich den Klappentext 1:1 übernehme. Eigentlich verrät er nämlich schon zu viel und der große Schockmoment im Buch ist vorweg genommen.
Ich habe mich dann aber doch dazu entschieden, weil man ihn ja eh nochmal sieht, sollte man sich das Buch kaufen.

Ich war sehr froh, dass ich diesmal von Anfang an in der Geschichte war. Das lag vielleicht auch daran, dass ich ja nun alle und alles kannte und es keiner großen Einführungen mehr bedarf.
Auch wenn das Buch anfänglich nicht wirklich spannend war, so fand ich es doch sehr interessant. Katniss wird nämlich gleich zu Anfang des Buches von Präsident Snow besucht und er droht ihr (natürlich eher indirekt) damit ihr und ihrer Familie etwas anzutun, wenn sie die Distrikte nicht davon überzeugen kann, dass sie sich mit der Beerenaktion aus Teil 1 nie gegen das Kapitol auflehnen wollte. Mittlerweile gibt es in einigen Distrikten nämlich Unruhen und es könnte zu Aufständen und einer Revolution im ganzen Land kommen. So wie es schon einmal passiert ist.
Mit diesem Wissen wollte ich ständig weiterlesen, um mehr über alles zu erfahren.

Mit dieser gefährlichen Grundstimmung begeben sich Peeta und Katniss nun auf die Tour der Sieger. Ich fand es toll mal etwas mehr von den anderen Distrikten zu erfahren. Der Besuch in Distrikt 11 hatte mich zu Tränen gerührt, denn Rue (und auch Thresh) habe ich wirklich in mein Herz geschlossen.
Leider sollte es der einzige Tränen-Moment im ganzen Buch bleiben.
Auf der Tour werden sie dann natürlich wieder von Effie und Haymitch begleitet. Die Dialoge und Szenen mit den beiden sind wieder lustig und spritzig. Sie stehen so ganz im Gegenteil zum Rest des Buches.

Die unterschwellige Gefahr zog sich für mich durch das ganze Buch. Ich habe keiner Person getraut und wähnte hinter jeder Ecke jemanden, der Katniss umbringen will.
Und mit welchen Mitteln der Präsident dann kämpft, war schon hart.
Zusammenfassend kann ich die Atmosphäre des Buches also mit „gefährlich“ und „gemein“ beschreiben.
Sie erweitert sich dann aber noch um „unendlich spannend“ als es wieder in die Arena geht.
Ich hätte ja gern gesagt, dass ich das nicht habe kommen sehen. Aber der Klappentext hat es ja leider schon verraten.
Die Arena ist dann auch so ganz anders als die letzte und man muss alles wieder neu kennenlernen. Ebenfalls neu: die Tribute (logisch!). Wie die Tribute diesmal ausgesucht wurden, will ich hier nicht verraten. Das war dann nämlich schon überraschend und ich habe tatsächlich laut „wie gemein!“ beim Lesen gesagt.
Da fällt mir auf, dass ich dieses Mal beim Lesen tatsächlich oft „wie gemein!“, „boah“ oder „was?“ gesagt habe. Es sorgte immer wieder für Erheiterung bei den Leuten um mich herum. Es gab aber tatsächlich viel Überraschendes in der Geschichte.

Die Figuren haben sich nicht großartig weiterentwickelt, finde ich. Das Leben der Protagonisten war ja auch schon vor den letzten Hungerspielen hart genug. Also ist auch keiner wirklich „gereift“. Reif waren sie ja auch schon im letzten Teil.
Das Verhältnis zu Katniss empfand ich immer noch als zwiegespalten. An einigen Stellen war sie mir wieder zu naiv und unwissend. Einiges war – für mich – so klar und hat den Sinn nicht verstanden gehabt.
Zu den neuen Tributen habe ich keine Verbindung aufbauen können. Sicherlich mochte ich einige Tribute mehr und einige weniger, aber richtig liebgewonnen habe ich keines.

Der Schreibstil war schon – wie im ersten Teil – sehr flüssig, rasant, bildlich und spannend. Ich kann da weder daran meckern, dass die Sprache nicht zum Alter passt noch dass die Sätze zu sperrig werden. Nichts dergleichen. Für mich ist der Schreibstil perfekt (für dieses Genre!).

Abschließend kann ich nur zwei (kleine) Kritikpunkte nennen. Das Ende war mit plötzlich zu verwirrend. Ich kann gar nicht sagen, warum (das würde zu viel verraten), aber es waren mir dann plötzlich zu viele Zusammenhänge, die zu schnell runtergerasselt wurden. Ich hab auf jeden Fall alles verstanden, aber es war nicht wirklich überzeugend, fand ich. Vielleicht geht es allen anderen ja anders.
Der zweite Punkt ist das „zu Herz gehen“. Dieses Buch war spannend, keine Frage, hat mich aber nicht wirklich berührt.

Für den insgesamt aber wirklich tollen zweiten Teil vergebe ich aber wieder .

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe
Originaltitel: The Hunger Games – Catching Fire (2009)
Oetinger, Juli 2010
ISBN 3789132195
431 Seiten
Gebunden; 17,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele
2. Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe
3. Die Tribute von Panem – Flammender Zorn

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele

Au weia, an dem Buch habe ich 22 Tage gelesen bzw. es hatte 22 Tage den Status „gelesen“. Manchmal habe ich das Buch drei bis fünf Tage nicht zur Hand genommen.
Und was soll ich sagen? Bis Tag 20 hatte ich bei Seite 90 rumgedümpelt.
An den letzten beiden Tagen habe ich dann die übrigen 325 Seiten gelesen. Und gerade von der zweiten Buchhälfte habe ich mich nur kurzzeitig getrennt, als ich in der U-Bahn saß.

Falls es tatsächlich noch jemanden gibt, der nicht weiß, wovon das Buch handelt, ist hier der Klappentext:

Mögen die Spiele beginnen
Als Katniss erfährt, dass das Los auf ihre kleine Schwester Prim gefallen ist, zögert sie keinen Moment. Um Prim zu schützen, meldet sie sich an ihrer Stelle für die alljährlich stattfindenden Spiele von Panem – in dem sicheren Wissen, damit ihr eigenes Todesurteil unterschrieben zu haben. Denn von den 24 Kandidaten darf nur ein einziger überleben. Zusammen mit Peeta, einem Jungen aus ihrem Distrikt, wird Katniss in die Arena geschickt, um sich dem Kampf zu stellen. Beiden ist klar, dass sie sich früher oder später als Feinde gegenüberstehen werden. Doch dann rettet Peeta Katniss das Leben…“

Mit dem Klappentext sind eigentlich schon alle regeln der Hungerspiele erklärt.
Um dem zukünftigen Amerika, das in zwölf Distrikte und das Kapitol (quasi die Hauptstadt) unterteilt ist, zu zeigen, dass das Kapitol sie alle beherrscht und keines der Distrikte einen Aufstand wagen sollte (wie der ehemalige Distrikt 13), müssen sich jedes Jahr 24 Kinder, die Tribute, zwischen 12 und 18 Jahren gegenüber stehen und sich so lange gegenseitig töten, bis es einen Gewinner gibt.
So grausam diese Geschichte ist, so faszinierend fand ich die Idee.
Deswegen hatte ich mir das Buch ja auch schon im Jahr 2010 gekauft. Dann lag es lieblos auf meinem SuB.

Als ich das Buch nun letztens begann, fand ich den Anfang tatsächlich ziemlich zäh und langweilig. Die Beschreibungen der Jagd und des Distrikts 12 (das von Katniss und Peeta) hat mich überhaupt nicht interessiert. Immer, wenn ich gelesen habe, fand ich es zwar gut geschrieben, aber wenn ich das Buch beiseite gelegt hatte, war kein Drang da weiterzulesen.

Das änderte sich alles nach dem ersten Viertel, als es dann in die Arena ging.
Dieses riesige Gelände war sehr gut beschrieben und ich war mit Katniss immer mit im Fluss, auf Bäumen, in Höhlen…
Was mich besonders begeistert hat: Die Geschichte wurde vorangepeitscht ohne zu schnell zu sein. Unwichtige Tage in der Arena wurden kurz abgehandelt und die wichtigen wurden tiefer beschrieben. Das Buch wurde also nicht mit langweiligen Passagen künstlich in die Länge gezogen.

Die Personen waren auch sehr anschaulich beschrieben. Sowohl ihr Charakter als ihr Aussehen war sehr greifbar. Trotzdem gab es keine Schwarz-Weiß-Malerei. Auch die negativeren Charaktere hatten ihre positiven Seiten und nachvollziehbaren Beweggründe.
Trotzdem war ich oft von Katniss Charakter genervt. Ich weiß, sie war in einer der schlimmsten Situationen, die man sich vorstellen kann, denn sie musste jeden Moment damit rechnen hinterrücks erstochen, erwürgt, erschossen oder anderweitig ermordet zu werden.
Oftmals war sie mir aber zu unentschlossen, was ihre Gefühle angeht. Auch in ihrem Alter und gerade durch die Reife, die sie aufgrund des Tods ihres Vaters haben muss, war ihre Naivität für mich meist unverständlich.
Selbstveständlich ist sie an sich aber ein toller CHarakter. Sie ist (neben dem oben Beschriebenen) nämlich auch sehr mutig, liebevoll, (emotional) stark und noch so viel mehr!
Mir ist aufgefallen, dass sich meine Charaktere sehr mit den Schauspielern vermischt haben. Ich habe den Film (noch) nicht gesehen, aber man kennt natürlich genug Bilder und Trailer. Schlimm finde ich das aber nicht. So kann ich nicht enttäuscht sein, wenn ich den Film sehe. Und letztendlich scheinen die Schauspieler ja auch recht gut nach den Buchbeschreibungen gewählt worden zu sein.

Trotz der Grausamkeit des Geschehens, wurde nichts zu brutal beschrieben. Es war sehr anschaulich und auch nicht mädchenhaft verklärt, aber eben auch nicht mit allzu viel Blutverspritzen geschrieben. Das liegt natürlich auch daran, dass Katniss ja nicht bei jedem Mord dabei ist. Man folgt aber im Buch unablässig nur ihr und hat immer nur den Kenntnisstand, den sie auch hat.
Tatsächlich musste ich aber auch einige Tränen vergießen. Unglücklich dabei: Ich saß im Zug und mir gegenüber war eine alte Klassenkameradin. Aber was wollte ich machen. Es ging nicht anders.

Ich kann also jedem nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Wenn man (wie ich) nicht sofort mitgerissen war (was all meine Freundinnen waren), dann sollte man unbedingt dranbleiben. Spätestens ab der Arena ist es so spannend, dass man nicht mehr aufhören möchte zu lesen.
Zum Glück habe ich schon den zweiten und den dritten Teil.
Die beiden werden definitiv nicht mehr lange warten müssen.
Wem nun aber Teil 1 nicht gefallen hat, der kann beruhigt sein. Dieser Teil ist so gut wie möglich ineinander abgeschlossen und wenn man nicht weiterlesen will, bleiben nicht allzu viele Fragen offen.

Nur weil ich den Anfang zäh fand, vergebe ich nicht die volle Punktzahl: .

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele
Originaltitel: The Hunger Games (2008)
Oetinger, Juli 2009
ISBN 3789132187
415 Seiten
Gebunden; 17,90 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele
2. Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe
3. Die Tribute von Panem – Flammender Zorn