Das Pubertier

©Constantin Film

Gerade war sie doch noch so lieb, so niedlich. Doch kurz vor ihrem 14. Geburtstag mutiert Papas kleine Prinzessin plötzlich zum bockigen Pubertier. Der Journalist Hannes Wenger (JAN JOSEF LIEFERS) nimmt sich eine Auszeit, um seine Tochter Carla (HARRIET HERBIG-MATTEN) in dieser schwierigen Lebensphase zu erziehen und von Alkohol, Jungs und anderen Verlockungen fernzuhalten. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn seine Frau Sara (HEIKE MAKATSCH) geht wieder arbeiten und Hannes ist als Vater maßlos überfordert. Ob Party, Zeltlager oder Carlas erstes Mal: Hannes tritt zielsicher in jedes Fettnäpfchen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch andere Jugendliche peinliche Väter haben: Hannes’ bester Freund, der taffe Kriegsreporter Holger (DETLEV BUCK), lässt sich lieber im Nahen Osten beschießen als sich daheim von seinem grunzenden Pubertier in den Wahnsinn treiben zu lassen.
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Mein Freund wurde zu der Pressevorführung von „Das Pubertier“ eingeladen und durfte mich dankenswerterweise mitnehmen. Der Film ist die Adaption des gleichnamigen Buches von Jan Weiler. Auf ihn bin ich vor fast 10 Jahren das erste Mal aufmerksam geworden, als ich ab und zu seine Stern-Kolumne „Mein Leben als Mensch“ las. Ich fand sie jedes Mal ziemlich lustig. Aktiv verfolgt habe ich seine Karriere nach dem Ende der Kolumne nicht, aber ab und zu lief er mir doch wieder über den Weg. Sei es mit dem Roman (beziehungsweise dem Film) „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ oder eben „Das Pubertier“.
Vor allem gespannt war ich, weil ich meist kein großer Fan von deutschen Filmen bin.
Ich ging also sehr neugierig ins Kino, ob mir dieser Film Spaß bereiten wird. Gefühlt bin ich nämlich nicht mehr in der einen Zielgruppe, da ich die Pubertät schon einige Jahre hinter mir habe, und in der anderen noch nicht drin, weil ich noch kein Kind habe.

©Constantin Film

Familie Wenger hat zwei Kinder. Während der Sohn noch in kindlich-vorpubertären Bahnen unterwegs ist, steuert die 13-jährige Carla mitten in die schwierige Phase hinein. Die Phase, in der Jungs und aufreizende Klamotten interessant und die Eltern total uncool werden. Plötzlich hängen keine Pferdeposter mehr an der Wand, sondern Stars und Vater Hannes kommt damit nur sehr schwer klar. Wo ist denn plötzlich seine kleine Prinzessin, die noch Gute-Nacht-Lieder von ihm hören wollte und ihn nicht fragte, ob es Bier auf der Party geben darf? Vor allem seit seine Frau wieder arbeiten geht, muss er sich mehr um die Kinder kümmern. Da hilft es auch nicht, dass andere Familien mit noch komplizierteren Kindern gestraft sind.

Das Genre von „Das Pubertier“, bei dem Leander Haußmann Regie führte, lässt sich ziemlich deutlich als „Familienkomödie“ beschreiben und das füllt der Film auch sehr gut aus. Die Mischung ist für mein Empfinden gut gelungen, die Waage neigt sich jedoch verdächtig zur Familienfilm-Seite. Die kleinen und großen Dramen des Alltags – auch zwischen Erwachsenen – kommen zur Sprache. Vieles wird dabei emotional und sanft gezeigt, manches aber auch mit einem Augenzwinkern.
Es ist auf jeden Fall keine reine Komödie, in der es krampfhaft um Lacher geht. Nichtsdestotrotz gibt es sie, keine Frage. Sie ergeben sich aber eher aus einer Situation, aus einem Gespräch heraus. Sehr wahrscheinlich aus dem nächsten Fehltritt vom Vater und dem daraus resultierenden Unverständnis der Tochter.

©Constantin Film

Jan Josef Liefers mochte ich in dieser Konstellation sehr gern. Sowohl als Off-Sprecher als auch als Familienvater hörte und sah ich ihm gern zu. Authentisch und sympathisch kam er rüber. Genauso gern mochte ich Heike Makatsch als Mutter. Die beiden stellten ein tolles Paar da.
Probleme hatte ich jedoch ab und zu mit den Kinderdarstellern. Und von denen gab es einige.
Es ist nicht so, dass sie mir unsympathisch waren. Ich fand ihre Spielweise nur häufig hölzern oder – als direktes Gegenteil – zu aufgesetzt, zu theatralisch. Manches Mal wirkte es, als wären sie Theaterschauspieler und keine Filmdarsteller. Zusätzlich waren mir manche Wutausbrüche einfach zu drüber. So hätte ich mit meinen Eltern nicht reden dürfen und habe ich auch nicht. Und darum glaube ich, dass dieses Klischee „Pubertät“ hier zwar lustig, aber durchaus nicht immer realistisch dargestellt wurde.

Musikalisch lässt mich „Das Pubertier“ ganz klar zweigeteilt zurück. Wenn es melodische Untermalung gab, war die so unauffällig, dass ich sie nicht bemerkt habe. Dafür gab es häufig Songs, die wirklich Teil der Handlung waren und davon hat mir jeder einzelne Spaß gemacht.

Und am Ende bleibt ja wie so oft die große Frage: War es denn nun spannend?
Die Beantwortung fällt da komplex aus.
Es war nun einmal kein klassischer Spannungsfilm, sondern ein lustiger Familienfilm. Aber es fehlte auch ein Ziel, auf das man hinschaut, das mir oft wichtig ist. Jemanden einfach so im Alltag zu begleiten, ohne zu wissen, wo das hinführt, langweilt mich häufig.
Aber hier war ich nicht gelangweilt. Schnell vergingen die anderthalb Stunden. Ich lachte und blieb interessiert am Ball.

©Constantin Film

Ich mochte „Das Pubertier“ gern, auch wenn es ganz sicher nicht die größte Filmkunst ist.
Die 90 Minuten vergehen lockerleicht mit einigen Lachern und auch einigem Kopfschütteln.
Wir sind sicher alle überzeugt, dass wir so nicht waren als Jugendlicher, aber vielleicht nehmen wir unsere Eltern nach dem Film ja doch mal in dem Arm und danken ihnen, dass sie uns trotzdem lieb haben und hatten. Vielleicht täuscht die Selbstwahrnehmung ja doch.
Dieser Film, der mir wirklich Spaß machte, aber eben nicht mein Lieblingsfilm werden wird, bekommt .

Wenn ihr euch jetzt selber davon überzeugen wollt, wie ihr den Film finden könntet, schaut euch doch gern den Trailer an:

Das Pubertier
Filmverleih: Constantin Film
Lauflänge: 91 Minuten
FSK 6
Ab dem 6. Juli 2017 in den deutschen Kinos

„Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“

„Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ – ab dem 11. Mai 2017 im Kino!

Der verwaiste Spatz Richard wird liebevoll von einer Storchenfamilie aufgezogen. Ihm würde nicht im Traum einfallen, dass er selbst kein Storch ist. Als sich seine Eltern und sein Bruder im Herbst für den langen Flug ins warme Afrika rüsten, offenbaren sie ihm die Wahrheit: Ein kleiner Spatz ist nicht geschaffen für eine Reise wie diese und sie müssen ihn schweren Herzens zurücklassen. Für Richard ist das kein Grund, den Kopf in die Federn zu stecken. Auf eigene Faust macht er sich auf den Weg nach Afrika, um allen zu beweisen, dass er doch einer von ihnen ist! Zum Glück kommen ihm dabei Olga, die zu groß geratene Zwergeule und ihr imaginärer Freund Oleg zu Hilfe. Als sie Kiki, einen selbstverliebten Karaoke-Wellensittich mit Höhenangst, aus seinem Käfig befreien, beginnt ein turbulentes Abenteuer, das die drei Überflieger über sich hinauswachsen lässt! (Inhalt laut Presseheft)

Der kleine Waisen-Spatz Richard wird von Storchenmutter Aurora gefunden und sofort ins Herz geschlossen. Sie nimmt ihn in ihrer Familie auf und mit Zieh-Papa Claudius und seinem neuen Bruder Max wächst Richard wie ein richtiger Storch auf. Zumindest so gut es geht. Doch als sich die Störche für den langen Flug nach Afrika bereitmachen, eröffnen sie dem Spatz, dass er nicht mitkommen kann. Spatzen sind nun einmal keine Zugvögel.
So bleibt er verängstigt und allein zurück und will doch nur eines: seiner Familie folgen.
Für dieses Unternehmen findet er noch ein paar schräge Vögel, die sich mit Richard zusammen ins Abenteuer stürzen.

Gefühlt hat man diese Art von Geschichte in den Grundzügen schon häufiger gesehen und manche Klischees wiederholen sich. Sei es bei „Tarzan“ oder beim „Dschungelbuch„: Immer wieder finden sich herzensgute Tiermütter, die ihren mürrischen Mann davon überzeugen, ein artfremdes Wesen aufzunehmen und es wie ihr eigenes Kind zu erziehen. Doch an irgendeiner Stelle stoßen sie an Grenzen, die die Arten nicht überwinden können. So läuft es auch bei „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“. Doch neben diesen großen Parallelen zu anderen Geschichten, bietet dieser Film allerhand Neues.

Die Geschichte ist etwas fürs Herz, macht Spaß und ist ganz nebenbei lehrreich. Kinder können spielerisch Wissenwertes über verschiedene Vogelarten lernen und auch Erwachsene werden definitiv an diesem Film viel Freude haben.
Dieses Roadmovie bietet nämlich eine wirklich spannende Geschichte. Ich zumindest habe mich wirklich gefragt, ob Richard es schaffen wird, den langen Weg von Norddeutschland bis Afrika zu überwinden. Zusätzlich findet sich der kleine Spatz Intrigen, Gefahren und Anstrengungen gegenüber. „Überflieger“ ist also keinesfalls eintönig oder geradlinig. Nebenbei bekommt man viele verschiedene Locations zu sehen, was auch Abwechslung bietet.
Als Richard dann noch die zu groß geratene Zwergeule Olga mit ihrem imaginären Freund Oleg und den Karaoke-Wellensittich Kiki kennenlernt, wird das Ganze zusätzlich ziemlich lustig.

Es zeigt sich also, dass der Film vielfäktig ist. Es geht um Familie, Freundschaft und Mut. Und vor allem auch darum, dass man im Prinzip alles sein kann, was man möchte. Man muss sich nur trauen und diese Reise zu sich selbst antreten.

Der Animationsstil wird von Regisseur Toby Genkel „cartooniger Realismus“ genannt und das trifft es perfekt. Einerseits ziemlich naturgetreu und andererseits poppig-bunt kommen die Vögel daher. Sie sind wirklich schön anzusehen. Doch auch die Naturbilder bieten viel fürs Auge.
Jemand, der mit mir in der Pressevorführung war, kennt den Drehbuchautoren und Co-Regisseur Reza Memari persönlich und erzählte, dass die Vögel in mehreren Versionen Kindern vorgelegt wurden, die dann über das Aussehen abstimmen konnten. Man war mit der Gestaltung also ganz nah an der Zielgruppe dran. Ich finde das eine tolle Idee und das Ergebnis spricht auch für dieses Vorgehen.

Die Rolle der Musik in diesem Film ist zweigeteilt. Zum einen gibt es die klassische Filmmusik, die mir nicht im Ohr geblieben ist. Hintergrundgeräusche, die die Szenen halt unterstreichen. Doch dann gibt es auch die Gesangseinlagen von Kiki und anderen Vögeln, die wirklich Spaß machen.
Am allermeisten hat mich jedoch der Song des Abspannes begeistert. Zuhause habe ich direkt das Interet durchsucht, ob man ihn schon irgendwo hören und kaufen kann. Leider habe ich ihn nicht gefunden.

Zum film gibt es mittlerweile sogar Bücher. Zum einen „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper: Das Buch zum Film“, das die Geschichte zum Nachlesen bietet und viele Filmfotos enthält. Zum anderen gibt es „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper: Richards abenteuerliche Reise“, das kurze Abenteuer aus dem Filmkosmos und zahlreiche Abbildungen aus dem Film enthält.

Reza Memari hat sogar schon verraten, dass er an der Fortsetzung zu „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ arbeitet und ich kann vollommen verstehen, dass er Richard noch nicht loslassen kann!
Mir hat der Film wahnsinnig gut gefallen und er ist definitiv als Familienfilm geeignet. Innerhalb der Geschichte nervten mich nur die wiederkehrenden Tauben, die durch die Stromleitungen online waren, und ich fand es schade, dass gerade in der anfänglichen Familienkonstellation typische Klischees, die man schon in einigen anderen Zeichentrickfilmen sah, aufgegriffen wurden.
Insgesamt kann ich den Film aber allen empfehlen. Auch als Erwachsene hatte ich viel Spaß und wurde berührt.



Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper

Originaltitel: Richard the Stork (2017)
Filmverleih: Wild Bunch Germany
Lauflänge: 84 Minuten
Ab dem 11. Mai 2017 in den deutschen Kinos

Sieben Minuten nach Mitternacht

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ – ab dem 4. Mai 2017 im Kino!

© STUDIOCANAL

Das Leben des jungen Conor (Lewis MacDougall) ist alles andere als sorglos: Seine Mutter (Felicity Jones) ist ständig krank, er muss deshalb bei seiner strengen Großmutter (Sigourney Weaver) wohnen, und in der Schule verprügeln ihn die großen Jungs. Kein Wunder, dass er jede Nacht Albträume bekommt. Doch dann wird alles anders: Als er wieder einmal schweißgebadet – um punkt sieben Minuten nach Mitternacht – aufwacht, hat sich der alte Baum vor seinem Fenster in ein riesiges Monster verwandelt und spricht zu ihm. Ist das noch der Traum – oder ist es Realität? Das weise Monster beginnt, ihm Geschichten zu erzählen. Fortan kommt sein ungewöhnlicher Freund jede Nacht und seine Erzählungen führen Conor auf den Weg zu einer überwältigenden Wahrheit… (Inhaltsangabe laut Presseheft)

Jahrelang stand das Buch „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness auf meiner Wunschliste. Deswegen sagte ich sofort zu, als ich von STUDIOCANAL gefragt wurde, ob ich zur Pressevorführung der Verfilmung gehen möchte.

Conor (Lewis MacDougall) vor dem Monster ( gesprochen von Liam Neeson)
© STUDIOCANAL

Die Geschichte zog mich sofort in ihren Bann.
Ich erwartete einen Fokus auf die Geschichte um das Monster, doch so war es gar nicht unbedingt. Denn bis man bei dem Monster angekommen ist, steckt der Zuschauer schon tief in der Story um die Familie. Conors Mutter ist schwerkrank, sein Vater hat die Familie verlassen und das Verhältnis zur strengen Großmutter ist schwierig. Der 13-jährige muss der Mann im Haus sein – und gleichzeitig die Frau, denn den Haushalt muss er ohne die Hilfe seiner Mutter erledigen.
Und schon dieser Erzählstrang um die kleine Familie geht unglaublich ans Herz.
Doch als das Monster auf den Plan tritt beziehungsweise an Conors Fenster, wird ein zweiter, nicht minder spannender Strang eröffnet. Denn durch seine Geschichten lehrt es nicht nur Conor einige Lebensweisheiten.

Mit der Spannung war es so eine Sache bei dem Film. Eigentlich erfasst der aufmerksame Zuschauer nämlich schnell die Lage. Er weiß, wie es um die Mutter steht und auch, was es mit dem Monster auf sich hat. Somit können die beiden großen Fragen des Films wenig überraschen, was auch etwas Spannung aus der Geschichte nimmt.
Das ist aber gar nicht schlimm, denn der Film bietet so viel mehr. Und das ist nicht nur, aber vor allem: Emotionen.
Dabei spielt nicht nur die rührende Geschichte der Familie O‘Malley eine Rolle. Auch die Geschichten und Moralen des Monsters haben hier viel Bedeutung.
Letztendlich saß ich die letzten 15 Minuten haltlos in meinem Kinosessel und konnte nicht mehr aufhören zu weinen.

Aber der Film hätte da noch so viel Potential haben können, wenn die Schauspieler es nicht hätten transportieren können, wäre das alles nichts gewesen. Aber so war es ja zum Glück nicht.
Grundsätzlich spielen nur sehr wenige Personen im Film mit und davon macht jeder seine Sache ausgezeichnet.

Connor im Alter von 5 Jahren (Max Golds) und seine Mutter Lizzie (Felicity Jones)
© STUDIOCANAL

Vor allem der 14-jährige Lewis MacDougall stach heraus. Er spielte die Emotionen und die Dramatik so unfassbar glaubwürdig, als würde sein tatsächlich sein Leben von allem anhängen.
Und Felicity Jones nahm ich die liebende und kranke Mutter auch so sehr ab, dass ich Schwierigkeiten hatte, ihr dann in „Rogue One: A Star Wars Story“ die draufgängerische Kämpfern abzunehmen oder in ihr die Wissenschaftlerin in der neuen Verfilmung eines Dan-Brown-Buchs, „Inferno“, zu sehen.

© STUDIOCANAL

Eine Besonderheit ist natürlich das (meistens, aber nicht immer animierte) Monster, das von Liam Neeson gesprochen wird. Es sieht durch seine Baumähnlichkeit ungewöhnlich aus und wirkt dadurch, dass es ein echtes animatronisches Monster am Set gab, das einzelne bewegliche Teile besaß, besonders realistisch aus. Die raue Stimme schwankt zwischen gruselig und gemütlich und die Geschichten lockern den Film durch ihre andere Optik immer mal auf. Es ist nicht so sehr das Zentrum des Films, wie ich vorher dachte, doch immer, wenn es da war, war es ein neues kleines Highlight für mich.

Ich hatte hohe Erwartungen an „Sieben Minuten nach Mitternacht“ und die wurden noch übertroffen. Die Grundgeschichte ist nicht sehr ausgefallen oder komplex, aber sie geht ans Herz. Ich war so gerührt von dem Film, das wirkte noch ein paar Tage nach. Das lag vor allem an der authentischen Spielweise der Schauspieler und natürlich an dem Monster, das dem Film einen ganz besonderen Zauber verlieh. Ich kann den Film jedem ans Herz legen, der Geschichten für ebenjenes mag!

Sieben Minuten nach Mitternacht
Originaltitel: A Monster Calls (2016)
Filmverleih: STUDIOCANAL
Lauflänge: 108 Minuten
FSK: 6
Ab dem 4. Mai 2017 in den deutschen Kinos

Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand

©CONCORDE FILMVERLEIH

Ab dem 16. März 2017 in den deutschen Kinos!

Allan Karlsson (Robert Gustafsson) und sein Kumpel Julius Jonsson (Iwar Wiklander) haben sich gut in ihrem Leben auf Bali eingerichtet. Inzwischen bringt Allan es auf stattliche 101 Lebensjahre. Das Entspannen und Schlürfen der einheimischen Erfrischungsgetränke auf der traumhaften Insel kann aber auf Dauer selbst der größten Faulenzer nicht lange aushalten. So begibt sich der rastlose Rentner auf ein neues Abenteuer, bei dem er auf rachsüchtige Gangster, die CIA und alte Bekannte aus Russland trifft. (Inhaltsangabe laut Presseheft)

Ich wurde zu der Pressevorführung des Nachfolgers von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ eingeladen und sagte sofort zu. So bestand endlich mal ein Grund, sich mit diesem unfassbar gehypten Buch von vor ein paar Jahren auseinanderzusetzen. In meinem Fall tat ich es schnell mit der DVD zum ersten Teil, bevor ich nun den zweiten im Kino sah.

Wenn man die Filme nicht so kurz hintereinander sieht wie ich (oder den ersten Teil vielleicht überhaupt nicht gesehen hat), ist das auch kein Problem. Im Intro bekommt man über Zeitungsausschnitte einen kurzen Abriss über die Handlungen und Personen des ersten Films und kommt so schnell und einfach wieder in die Thematik rein.

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ spielt ziemlich genau ein Jahr nach Ende des Vorgängers. Die Truppe um Allan befindet sich immer noch auf Bali und hat es sich mit dem Geld ziemlich gutgehen lassen.
Doch als Allan ein Relikt aus seiner Vergangenheit findet und es seinen Freunden gibt, ist allen sofort klar: Das muss es heutzutage wieder geben! Nicht auszudenken, dass der nun Einhunderteinjährige das letzte Exemplar hatte.
Um das zu realisieren, müssen sie Bali verlassen. Doch Allan wäre nicht Allan, wenn die Reise zurück in die Heimat nicht zu einem verrückten und unvorhergesehenen Roadmovie werden würde.

Anders als im ersten Teil gibt es hier einen konkreten Aufhänger. Ein konkretes Ziel, das verfolgt wird. Es macht den Film nicht so vielfältig, tat ihm aber gerade deswegen sehr gut. Die Figuren und der Zuschauer kann sich ganz und gar auf die eine Sache konzentrieren und auch die Rückblenden in Allans Vergangenheit waren immer mit diesem Thema verknüpft. Das heißt jedoch nicht, dass die Geschichte geradlinig und problemlos verlaufen würde. Ganz im Gegenteil. Immer wieder gibt es rechts und links kleine Themen, die den Film trotz allem nicht eintönig werden lassen.
Durch die ständig über allem schwebende Frage „Schaffen sie es, ihr Vorhaben umzusetzen?“ kam sogar ein wenig Spannung auf.

Damit wechselte auch das Motiv der Filme. Vom Gejagten im ersten Teil wird Allan – und mit ihm auch seine ganze Clique – zum Jäger.

©CONCORDE FILMVERLEIH

Der Cast besteht zu großen Teilen aus den alten Schauspielern. Von Allan über die Polizeibeamten bis hin zur Altenpflegerin. Das wird den Fans des ersten Teils sicher ein Lächeln ins Gesicht zaubern können.

Der Film bietet noch etwas, was er im ersten Teil schon bot: Humor. Wenn man mit dem trockenen und situationskomischen Humor des ersten Teil etwas anfangen konnte, wird man auch mit dem zweiten Teil voll auf seine Kosten kommen. Ich musste auf jeden Fall lachen.

Und für den wundervollen Dreiklang blieb nicht nur Cast und Humor gleich, sondern auch die Musik. Da mir die Musik aus dem Vorgänger noch so frisch im Ohr war, würde ich glatt behaupten, dass es zum Teil die gleichen Stücke waren. Zumindest, was die instrumentale Untermalung angeht. Und wenn nicht identisch, dann sehr, sehr ähnlich. Hinzu kamen noch einige richtige Songs, die immer passend in die Handlung eingebaut waren.

Um auch der größte Unterschied soll nicht unerwähnt bleiben: Während „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ noch eine Romanverfilmung war, ist es sein Nachfolger nicht. Es ist also eine reine filmische Weiterführung des Themas, was eigentlich ziemlich ungewöhnlich ist.

Es zeigt sich also: Der Film hält an vielem fest, was im ersten Teil gut funktioniert hat, komprimiert aber zusätzlich die vielen Handlungsstränge auf einen Großen zusammen.
Im ersten Teil musste ich mich an die Figuren und die ganze Art des Filmes noch etwas gewöhnen, hier war ich nun mehr „drin“, weswegen mir insgesamt dieser Film besser gefallen hat. Wer auf eine Weiterentwicklung und eine vielfältige Story hofft, wird vielleicht nicht so fündig, aber wer Allan mochte, wird mit „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ sicher auch viel Spaß haben.

Ein paar weiterführende Infos findet ihr auf der Facebook-Fanpage des Films und im Trailer:

Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand
Originaltitel: Hundraettåringen som smet från notan och försvann (2016)
Filmverleih: Concorde Filmverleih
Lauflänge: 108 Minuten
FSK 12

Reihenfolge:
1. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Originaltitel: Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann)
2. Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand (Originaltitel: Hundraettåringen som smet från notan och försvann)

Die Frau im Mond – Erinnerung an die Liebe

© STUDIOCANAL

Frankreich, Anfang der vierziger Jahre: Die junge Gabrielle (Marion Cotillard) träumt von der vollkommenden Liebe und löst zu einer Zeit, in der Ehen weniger aus Liebe als zur Absicherung geschlossen wurden mit ihrer früh erwachten Sexualität einen Skandal aus. In ihrem bäuerlichen Heimatort wird sie für verrückt gehalten, bis ihre Eltern sie mit dem Saisonarbeiter José (Alex Brendemühl) verheiraten, der sie zu einer achtbaren Frau machen soll. Gabrielle fühlt sich lebendig begraben. Als man sie wegen ihrer zerbrechlichen Gesundheit in ein Sanatorium in die Alpen schickt, erweckt der im Indochinakrieg verwundete Leutnant André Sauvage (Louis Garrel) erneut das in ihr drängende Bedürfnis nach leidenschaftlicher Liebe. Nach Jahren in einer starren Vernunftsehe scheint Gabrielle ein spätes Glück vergönnt… (Inhalt laut Presseheft)

Ich hatte es nicht zu der Pressevorführung zu diesem Film geschafft und so wurde ich von Studiocanal mit einer Freikarte überrascht. Der Film ist seit dem 02. März im Kino. Zum Startwochenende hatte ich Besuch von meinen Eltern und konnte nicht ins Kino gehen. Und als ich Anfang dieser Woche, also fünf Tage nach Erscheinen des Films schaute, wann er in einem der Hamburger Kinos läuft, wurde er fast überall schon aus dem Programm genommen.
Nur am Rande der Stadt gab es noch ein einziges, kleines Kino, das „Die Frau im Mond“ zeigt. Das ist eigentlich kein gutes Zeichen für einen Film, aber ich hoffte, dass er mir trotzdem Spaß bringen wird.
Der Film basiert auf dem Buch „Die Frau im Mond“ von Milena Agus. Das italienische Original „Mal di pietre“ erschien im Jahr 2006. Nachdem ich den Film nun gesehen habe, muss ich feststellen: Es gibt echt bessere Bücher, deren Verfilmung mehr lohnen würde.
Die Story wird im Inhalt des Presseheftes sehr, sehr gut wiedergegeben und man kann schon erkennen: Der Film wird keiner sein, bei dem es einen vor lauter Spannung aus dem Kinosessel haut. Er muss mit der Geschichte an sich punkten, mit den Bildern, dem Schauspiel und der Überzeugungskraft. Er muss den Zuschauer packen und nicht mehr loslassen. Er muss allein mit dem Agieren der Figuren überzeugen.
Und ehrlicherweise hat das nicht funktioniert.

Gabrielle (Marion Cotillard) © STUDIOCANAL

Die Geschichte könnte eigentlich ziemlich gut sein. Gabrielle ist für ihr spießiges Heimatdorf sexuell zu begierig und soll deswegen José heiraten und mit ihm an die Küste ziehen. Ihre schmerzhaften Krämpfe bleiben jedoch auch dort und so soll sich die junge Frau auf einer sechswöchigen Kur erholen. Dort trifft sie den Leutnant André, der endlich wieder die Gefühle in ihr auslöst, die ihr Mann nicht auslösen kann.
Erzählt wird das alles jedoch zu langsam, zu lang und nicht tiefgründig genug. Und damit schleicht sich Langeweile ein. Vieles ist dann leider auch zu vorhersehbar. Die Bilder und Emotionen hätten gewaltiger sein müssen, um Interesse beim Zuschauer zu wecken.

Und vor allem die Emotionen waren ein Knackpunkt. Sie waren extrem zurückgenommen. Die Begierde nimmt nicht den Teil im Film ein, den sie einnehmen könnte. Und die Liebe wirkt sehr oberflächlich. Andere Gefühle gibt es kaum.
Und dadurch bleibt jeder Charakter flach, distanziert und kalt. Es gibt keine Person, in die man sich richtig hineinversetzen oder die als Identifikationsfigur fungieren könnte.

Da konnte selbst die oscarprämierte Schauspielerin Marion Cotillard nichts retten. Gabrielle ist zerbrechlich, labil und unglücklich. Gut gespielt, keine Frage, aber wahnsinnig schwer anzugucken. Eine leidlich herumirrende Frau, die immer wie ein scheues Reh guckt und bei Problemen sofort vom Tisch aufspringt und im Affentempo wegrennt, macht beim Zuschauen wenig Spaß.
Die anderen Rollen waren zum Ansehen definitiv angenehmer, aber sie bekamen alle wenig Platz und blieben sehr oberflächlich.

© STUDIOCANAL

Und selbst die Bilder boten nur bedingt etwas fürs Auge. Gabrielles Heimatort ist sehr karg und nicht mal die Lavendelernte überzeugte mit einem satten Lila. Erdtöne dominierten die Szenen.
Und die Szenen innerhalb des Sanatoriums waren eben eine Mischung aus Hotel und Krankenhaus und auch schlecht zum Durchatmen geeignet.

Die Musik glänzte durch Abwesenheit. Vor allem in der ersten Hälfte gibt es Sprache oder Naturtöne, aber so gut wie keine Musik. Erst in der zweiten Hälfte werden wenige Szenen – vorrangig ausgedehnte Szenen ohne Text – mit instrumentalen Stücken unterlegt. Die meiste Musik war dabei auch noch aktiv in den Film eingebaut, über das Radio oder selbstgespielt.
Dabei hätte gute Musik dem Film so gut getan. Zumindest sie hätte, je nach Auswahl, ein wenig Spannung hineinbringen können.

Das Fazit fällt also folgendermaßen aus: Alle Einzelelemente haben mir nicht gefallen: Keine Spannung, kaum Emotionen, unangenehme Figuren, keine Musik.
Und trotz allem, fand ich den Film gar nicht so schlecht. Dass sich das vereinbaren lässt, kommt mir selber spanisch vor. Aber trotz allem wollte ich wissen, wie es weitergeht und vor allem, ob Gabrielle noch mit André glücklich wird. Und dann wird man auch noch mit einer riesigen Wende vom Film überrascht, als man es am wenigsten erwartet. Auch wenn der Film nicht wirklich spannend war, habe ich mich schon einmal mehr gelangweilt.
Ja, letztendlich war die Story wohl das Beste am Film, doch die Einzelelemente reißen sie ziemlich runter.

Wer sich trotzdem selber von dem Film überzeugen möchte, kann auf der Film-Homepage vorbeischauen oder sich den Trailer ansehen:

Die Frau im Mond – Erinnerung an die Liebe
Originaltitel: Mal de pierres (2016)
Filmverleih: Studiocanal
Lauflänge: 116 Minuten
FSK 6

Tschick

Ab 9. März als DVD oder Blu-Ray im Handel erhältlich!

Zwei Jungs. Ein geklauter Lada. Der beste Sommer von allen.
Eines der meistgelesenen Bücher der letzten Jahre kongenial verfilmt von Erfolgsregisseur Fatih Akin.

Während die Mutter in der Entzugsklinik und der Vater mit seiner Assistentin auf „Gechäftsreise“ ist, verbringt der 14-jährige Außenseiter Maik Klingenberg die Ferien allein am Pool der elterlichen Villa. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, stammt aus dem tiefsten Russland, kommt aus einem der Hochhäuser in Berlin-Marzahn – und hat einen geklauten Lada dabei. Damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende Provinz. (Rückentext der DVD)

Im April 2012 bekam ich auf der ersten Tagung, von der ich immer so viele Bücher bekomme, „Tschick“. Ich wollte es bald lesen. Alle waren ja so begeistert. Und nach dem spektakulären Tod von Wolfgang Herrndorf im August 2013 erfuhr das Buch noch einmal einen Schub. Lange lag es bei den Büchern, die ich demnächst lesen möchte, mein Interesse war weiterhin hoch. Doch bisher kam es dazu nie.
Umso erfreuter war ich, als ich vom Filmverleih Studiocanal die Möglichkeit bekam, die DVD vorab zu sehen.

Maik ist ein Außenseiter, seine Schwärmereien bleiben unerwidert. Da hilft es ihm auch nicht, dass der neue Schüler Tschick, von dem alle sofort Abstand halten wollen, sich ausgerechnet neben Maik setzen soll. Dass die beiden Schüler schon bald eine enge Freundschaft verbinden wird und sie gemeinsam tagelang irgendwo durch Brandenburg mit einem geklauten Lada fahren, war da noch nicht abzusehen…

Auf dem Weg in die Walachei © STUDIOCANAL

Der Film ist ein klassisches Roadmovie. Es nimmt sich nur kurz Zeit, alle Figuren vorzustellen, dann ist man direkt auf der Straße. Doch Maik und Tschick fahren nicht ziellos. Die beiden wollen zu Tschicks Großeltern in die Walachei. Und das große Russland kann man ja quasi nicht verpassen.
Wie bei vielen Filmen wird mit dem Ende begonnen, um dann aufzurollen, wie es dazu kommen kann. Und da das Ende äußerst dramatisch aussah, entstand ein Fünkchen Spannung.
Die ganz, ganz große Spannung kommt jedoch nicht auf. Die Frage, ob sie ihr Ziel erreichen, ist nebensächlich.
In diesem Film ist der Weg das Ziel. Das Abenteuer, das die beiden 14jährigen in dem geklauten Auto erleben. Man muss also Spaß an Roadmovies, Freundschaft und Abenteuern haben, um mit diesem Film anderthalb schöne Stunden zu verbringen.

Und dass der Weg nicht langweilig wird, dafür sorgten verschiedene Faktoren.

Tschick und Maik bringen den Zuschauer auf verschiedene Weise zum Lachen. Durch ihre Dialoge, ihre Art oder einfach das, was sie erleben. Es schwebt immer eine leichte Heiterkeit und Leichtigkeit über dem Lada, der durch die sommerliche Landschaft fährt.
Doch auch andere Figuren statten den Film mit Humor aus, ohne das Thema ins Lächerliche zu ziehen. Der Film driftet weder in Klamauk noch in Slapstick ab. Er ist vollkommen natürlich lustig.

„tschick“, 2015
Lago Film GmbH © STUDIOCANAL

Für diese Natürlichkeit sorgen auch die Schauspieler – vor allem die Kinderschauspieler bzw. Jungschauspieler. Zum Zeitpunkt des Drehs waren die beiden Hauptdarsteller Tristan Göbel (Maik) und Anand Batbileg (Tschick) im gleichen Alter wie ihre Figuren und konnten deswegen überzeugend die Gefühle und Probleme, die diese Zeit so mit sich bringt, verkörpern. Ihre Dialoge wirkten dabei weder hölzern noch aufgesetzt. Beide machten den Film echt.

Auch die Musik machte viel Spaß. Neben vereinzeltem Einsatz klassischer Stücke setzt der Soundtrack vorrangig auf moderne Stücke. Neben bekannten Bands wie K.I.Z., Beginner, Beatsteaks oder Seeed hört man auch viel von eher unbekannten Künstlern. Und das ist keinesfalls ein Nachteil für den Film. Nicht selten fing ich plötzlich an, im Beat mitzunicken.

Meine Erwartungen an „Tschick“ waren wahnsinnig groß. Wenn alle das Buch so lieben, muss die Geschichte mich doch auch mitreißen, dachte ich. Aber so ganz hat der Film das nicht geschafft.
Ich kann weder über die Musik, noch die Leistung der Darsteller, noch die Bilder meckern. Und auf ihrer Fahrt erleben die Jungs allerhand, aber nie so viel, dass es unglaubwürdig wäre.
Und trotzdem fehlte mir ein bisschen die Spannung, ein bisschen das unmittelbare Mitfühlen. Ich wäre gern ein bisschen mehr in den Film hineingezogen worden.
Und weil dieses Gefühl fehlt, gibt es ein wenig Abzug.

Wenn ihr mögt, könnt ihr auch die Homepage zum Film besuchen „Tschick“ oder den Trailer anschauen:

Tschick
Erscheinungsjahr: 2016
Filmverleih: Studiocanal
Lauflänge: 89 Minuten
FSK 12

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

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Allan Karlsson hat Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt. Doch anstatt sich auf die geplante Geburtstagsfeier zu freuen, verschwindet er lieber kurzerhand aus dem Altersheim und macht sich in seinen Pantoffeln auf den Weg zum örtlichen Busbahnhof. Raus aus der Langweile und rein ein neues Abenteuer. Während seiner Reise kommt er zu einem riesigen Vermögen, findet neue Freunde und trifft auf Gauner und Ganoven. All das ist für Allan aber schon lange nichts Besonderes mehr, hat er doch die letzten 100 Jahre maßgeblich dazu beigetragen, das politische Geschehen in der Welt unbewusst auf den Kopf zu stellen… (Rückentext der DVD)

Ich bin wahrscheinlich eine der Letzten, die sich mit dem Buch von Jonas Jonasson bzw. in diesem Fall dem Film näher beschäftigt. Alles, was ich bisher über die Geschichte von Jonas Jonasson wusste, war, dass ein Hundertjähriger aus irgendeinem Fenster steigt und irgendwohin verschwindet. Und irgendwas mit einem Elefanten. Da eine Freundin furchtbar enttäuscht von dem Buch war und mich der Inhalt auch nie so richtig ansprach, habe ich mir das Buch nie zugelegt.
Da ich aber jetzt zur Pressevorführung des zweiten Films „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ eingeladen bin, kaufte ich mir kurzerhand den ersten Teil auf DVD und schmiss ihn in den Player.

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ hat vieles zu bieten und deckt damit auch allerhand Genres ab. Es ist eine Mischung aus Roadmovie, Abenteuerfilm, Actionfilm, Komödie, Geschichtsfilm und was fürs Herz.
Allan Karlsson möchte nämlich nicht mehr im Altersheim versauern, sondern noch einmal etwas erleben. Dafür kauft er sich von seinem letzten Geld ein Busticket. Blöd nur, dass der aggressive Rocker ihm seinen Koffer in die Hand drückt, weil der nicht mit in die Toilettenkabine passt. Doch als der Bus kommt, muss Allan los. Da vergisst er schon mal, dass er fremdes Gepäck an der Hand hat. Unglücklicherweise enthält der Koffer 50 Millionen Kronen, die die Gang dringend zurück haben will. Und so befindet sich Allan mal bewusst, mal unbewusst, auf der Flucht und findet dabei allerhand Leute, die ihn begleiten wollen.
Doch um Allans Faszination zu Schreien und Explosionen zu verstehen, muss man auch immer wieder in seine lange und ungewöhnliche Vergangenheit schauen.
Die Verknüpfung all dieser Handlungsstränge gelingt logischer als man denken mag. Eine Verkettung ungünstiger Zufälle quasi. Aber eben nicht zwingend abwegig.

Durch die Rückblenden und die etwas andere Sicht auf die Geschichte, immer mit Allan als Auslöser wichtiger Ereignisse, wirkt alles nicht wie ein geradlinig abgehandeltes Abenteuer, sondern es kommt immer wieder zu Unterbrechungen und Auflockerungen.
Und durch die Gang, die Allan und das Geld jagt und auch nicht vor Gewalt zurückschreckt, wird es immer mal wieder spannend.

der-hundertjaehrige_dvdInsgesamt machte es Spaß, dem Hundertjährigen auf seiner Reise zuzuschauen. Er hat trockenen Humor, ist hartgesotten und lässt sich von nichts so leicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht von Schlägern, die ihn umbringen wollen. Regelmäßig brachte Allan mich zum Schmunzeln.

Die Musik unterlegte den Film unauffällig, doch immer stimmungsvoll. Manchmal hatte es ein wenig etwas von einem traurigen Clown, der auf der lustigen Zirkusmusik seine Nummer aufführt. Dieses Bild entspricht meinem Gefühl für die Musik perfekt.

Alles in allem war es leichte Unterhaltung, die mir Spaß machte, meine Aufmerksamkeit aber nicht zu einhundert Prozent fesselte. Durch die verschiedenen Handlungsstränge und schnellen Entwicklungen wurde es aber nicht langweilig.
Und auch wenn ich Allan durchaus amüsant fand, konnte ich ihn nicht ins Herz schließen.
Auf den zweiten Teil bin ich aber trotzdem gespannt.
„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ bekommt von mir.

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Originaltitel: Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann (2013)
Filmverleih: Concorde Filmverleih
Lauflänge: 110 Minuten
FSK 12

Reihenfolge:
1. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Originaltitel: Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann)
2. Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand (Originaltitel: Hundraettåringen som smet från notan och försvann)

Silence

©CONCORDE FILMVERLEIH

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„Silence“ – ab dem 02. März 2017 im Kino!

1638 brechen Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garupe (Adam Driver) von Portugal ins für die westliche Welt völlig abgeschottete Japan auf, um der Wahrheit hinter den undenkbaren Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) seinem Glauben abgeschworen habe. Nach ihrer Ankunft erleben sie die brutale und unmenschliche Verfolgung der Christen durch die japanischen Machthaber. Angesichts der Ereignisse in einer Gesellschaft, die keine Toleranz kennt und in der der Tod an der Tagesordnung ist, stellt sich Sebastião auf seiner Reise durch das von der Gewaltherrschaft der Shōgune zerrissene Land die immerwährende Frage: Wie kann Gott zu all dem schweigen?
(Inhaltsangabe laut Presseheft)

Als ich mir angesehen habe, zu welchen nächsten Pressevorführungen ich gehen kann, sprang mir dieser Film ins Auge. Das war verwunderlich, denn religiöse Themen sind eigentlich so gar nicht meins. Aber dieser Film wurde von Martin Scorsese gedreht und hatte mit Andrew Garfield („The Social Network“, „The Amazing Spider-Man“), Adam Driver („Star Wars: Das Erwachen der Macht“, Serie „Girls“) und Liam Neeson („Schindlers Liste“, „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“, „96 Hours“) große Schauspieler zu bieten. Und vor allem Neeson konnte mich in jedem Film, den ich mit ihm gesehen habe, abholen.
Also freute ich mich wirklich auf diesen Film, den ich vorab im Kino sehen durfte.

„Silence“ ist die Verfilmung des 1966 erschienen Buches „Chinmoku“ von Endō Shūsaku, das im Deutschen 2015 unter „Schweigen“ veröffentlich wurde.

Es geht mit einer starken Szene los. Eine Szene, die viel versprach. Doch direkt danach nahm der Film sich zurück.
Die beiden Jesuiten Pater Sebastião Rodrigues und Pater Francisco Garupe machen sich auf den Weg nach Japan, um dort nach ihrem Lehrer Cristóvão Ferreira zu suchen. Es ist ihre Mission, den Gerüchten nachzugehen, Ferreira habe dem Christentum abgeschworen. Kaum in Japan angekommen, müssen sie sich nicht nur verstecken, sondern sie wissen auch nicht, wem sie vertrauen können. Denn selbst in den Dörfern der im Geheimen lebenden Japanischen Christen sind sie nicht sicher. Die große Gefahr, vom Inquisitoren Inoue Masashige gefunden und zur Abschwörung gezwungen zu werden ist groß. Und wenn der Glaube zu stark ist, um auf die Ikone treten zu können, drohen Bestrafungen oder gar der Tod. Doch Rodrigues und Garupe wollen all das auf sich nehmen…

Die Geschichte strotzt vor Angst, Gefahr und düsterer Atmosphäre. Doch leider schafft sie es trotzdem nicht, Spannung zu transportieren. Mit über zweieinhalb Stunden nimmt der Film sich nämlich Zeit. Viel Zeit. Sehr viel Zeit. Zu viel Zeit…
Die Geschichte plätschert vor sich hin. Es wird sich viel versteckt, viel hin und her gelaufen und gar nicht mal allzu viel geredet. Zumindest nicht miteinander. Hauptsächlich wird das Geschehen aus dem Off von Pater Sebastião Rodrigues kommentiert.
Und nicht einmal viele Gefühle kommen in dem Film vor. Neben Angst und Unsicherheit ist es noch Verrat. Immer wieder Verrat. Und ganz viel Liebe zu Gott.

©CONCORDE FILMVERLEIH

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Und diese Liebe muss man verstehen können, wenn man Spaß an dem Film haben möchte.
Die Überzeugung einer einzig wahren Religion und der ungebrochene Wille, für seinen Glauben zu sterben, ist mir unfassbar fremd.
Daher taten sich für mich persönlich immer wieder eine Art Logiklöcher auf. Ich konnte es nie verstehen, warum nicht alle einfach nach außen hin dem Christentum abschworen, um weiter am Leben bleiben zu können und trotzdem innerlich weiterhin an Gott glaubten.
Darauf muss man sich einlassen können, um nicht immer mal wieder mit dem Augen rollen zu müssen. Nichtsdestotrotz wurde aber nicht an der Realität vorbeierzählt.

Aber vielleicht hätte ich das besser verstehen können, wenn mich Adam Driver und Andrew Garfield hätten überzeugen können. Beide spielten portugiesische Priester und sprachen deswegen – sie versuchten es zumindest – mit portugiesischem Akzent (zumindest im englischen Originalton, den ich gehört habe). Das ist Adam Driver aber deutlich besser gelungen als Andrew Garfield, der nur ganz vereinzelt mal ein Wort nicht glasklar englisch aussprach. Doch nicht nur deswegen konnte ich ihm seine Rolle schlecht abnehmen. Beide Priester wirkten kühl und abweisend und ließen mich als Zuschauer nicht nah an sich heran.

©CONCORDE FILMVERLEIH

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Liam Neeson, den ich als Schauspieler so mag, war dann leider weniger dabei, als ich dachte. Aber auch seine Szenen fand ich unklar. Ich habe nicht verstanden, warum er bestimmte Emotionen darstelle, die in der Szene einfach nicht passten. Ich war enttäuscht.
Die asiatischen Nebendarsteller gefielen mir dafür durch die Bank sehr gut. Für mich das definitive Highlight des Filmes. Egal, ob es die kleineren oder größeren Rollen waren.

Passend zu der schlechten schauspielerischen Leistung der Hauptdarsteller war das schwarz-weiße Bild der Figuren. Es gab nur die Guten und die Schlechten. Die Motive blieben dabei häufig im Dunklen.
Und als wäre es nicht schon schlimm genug, dass die Hauptdarsteller nicht schön anzusehen waren, auch der Film an sich war eintönig für das Auge. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zweieinhalb Stunden nur grau, grün und braun auf der Leinwand.

Tja, dieser Film konnte mich wirklich nicht begeistern.
Das Einzige, das mich dabei wirklich bewegen konnte, war der reale Hintergrund. Immer wieder stellte ich mir vor, dass das Gesehene so oder so ähnlich vor einigen Jahrhunderten geschehen ist – und zum Teil heute auch noch geschieht. Dass Menschen leiden mussten, sterben mussten, sich verstecken mussten, nur weil sie an einen anderen Gott glaubten als andere.

Dem Film hätte eine gestraffte Erzählweise und mehr Spannung sehr, sehr gut getan. So habe ich mich leider einfach nur durch ihn gequält und gelangweilt. 2 Sterne

Weitere Infos über den Film bietet seine Homepage oder die Facebook-Seite.
Und sollte euch das Thema trotzdem überzeugen und ihr wollt sehen, ob ihr eine andere Meinung habt, könnt ihr euch auch schon einmal den Trailer ansehen:

Silence
Originaltitel: Silence (2016)
Filmverleih: Concorde Filmverleih
Lauflänge: 161 Minuten
FSK 12
Ab dem 02. März 2017 in den deutschen Kinos

Bob, der Streuner

© Concorde Filmverleih GmbH

© Concorde Filmverleih GmbH

„Bob, der Streuner“ – ab dem 12. Januar 2017 im Kino!

Das Letzte, was James (Luke Treadaway) gebrauchen kann, ist ein Haustier! Er schlägt sich von Tag zu Tag als Straßenmusiker durch, und sein mageres Einkommen reicht gerade, um sich selbst über Wasser zu halten. Und jetzt auch noch das: Als es eines Abends in seiner Wohnung scheppert, steht da nicht wie vermutet ein Einbrecher in der Küche, sondern ein roter ausgehungerter Kater. Obwohl knapp bei Kasse beschließt James, den aufgeweckten Kater aufzupäppeln, um ihn dann wieder seines Weges ziehen zu lassen. Doch Bob hat seinen eigenen Kopf und denkt gar nicht daran, sein neues Herrchen zu verlassen. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt. Für James ist nichts mehr, wie es war. Bob und er werden unzertrennliche Freunde, und James findet dank Bob nach und nach den Weg zurück ins Leben … (Inhaltsangabe laut Presseheft)

Bevor ich mit meiner Rezension starte, muss ich zwei Geständnisse machen:
1. Ich bin eigentlich gar nicht so der Katzen-Typ.
2. Seit zweieinhalb Jahren liegen „Bob, der Streuner“ und „Bob und wie er die Welt sieht“ auf meinem SuB. Vor kurzem kam dann noch „Ein Geschenk von Bob“ hinzu.

bobIch hatte also keines der drei Bücher von Bob gelesen, als ich zu einer Pressevorführung zur Verfilmung des ersten Teils eingeladen wurde. Und doch sagte ich sofort zu, denn: Wenn so viele Menschen begeistert von der Geschichte sind und der erste Teil allein im deutschsprachigen Raum zwei Millionen Mal verkauft wurde, dann muss die Geschichte etwas können. Und davon wollte ich mich überzeugen lassen.

Die Stars hinter dem Film: Bob mit seinem Herrchen James Bowen © Concorde Filmverleih GmbH

Die Stars hinter dem Film: Bob mit seinem Herrchen James Bowen © Concorde Filmverleih GmbH

Als der drogenabhängige Straßenmusiker James den streunenden Kater Bob findet, ändert sich sein Leben schlagartig. Sein Publikum wird nicht nur immer begeisterter, die beiden Retten sich auch gegenseitig und werden ein unzertrennliches Team.
Was ein bisschen nach einem Film klingt, bei dem vorweihnachtlich auf die Tränendrüse gedrückt wird, ist tatsächlich die Verfilmung einer wahren Begebenheit. Und damit wird er nicht künstlich rührselig, sondern berührt ehrlich.

Bob, der Streuner © Concorde Filmverleih GmbH

Bob, der Streuner © Concorde Filmverleih GmbH

Wer nur ganz oft die rote, niedliche Katze sehen möchte, der wird eventuell enttäuscht. Vor allem wird nämlich James nicht wirklich positiven Lebensumständen viel Zeit gegeben.
Diese Zweiteilung ist meiner Minung nach jedoch die Grundlage, warum der Film so gut funktioniert. Wenn man sieht, wie schlecht es James geht und wie schmal der Grat zwischen Leben und Tod in seiner Welt sein kann, dann kann diese wunderbare Freundschaft mit dem Streuner einem noch näher gehen.

Man könnte annehmen, dass der Film keine allzu große Spannung bietet. Und tatsächlich ist es keine nervenzerreißende Spannung, aber das will der Film auch nicht transportieren. Eine wahre Geschichte über eine Freundschaft ist nun einmal kein Thriller. Und doch hat der Film mehr Spannung geboten, als ich gedacht hätte. Diese liegt hauptsächlich in der Tragik von James Leben und den Abstürzen und Veränderungen, die es beinhaltet. Den Zuschauer begleitet immer eine kleine Spannung, ob er es dieses Mal schafft, ob nun alles besser wird, ob er dieses Mal seine Versprechen hält.

James (Luke Treadaway) mit seiner Nachbarin Betty (Ruta Gedmintas) © Concorde Filmverleih GmbH

James (Luke Treadaway) mit seiner Nachbarin Betty (Ruta Gedmintas) © Concorde Filmverleih GmbH

All dieses Straucheln wird hervorragend rübergebracht von Luke Treadaway, der einen überzeugenden James gespielt hat. Nie aufgesetzt, nie drüber. Jede Emotion ist authentisch.
Doch auch die anderen Schauspieler wie Ruta Gedmintas als tierliebe Nachbarin Betty, Golden-Globe-Gewinnerin Joanne Froggatt als Sozialarbeiterin Val und Anthony Stewart Head, der vielen als Rupert Giles aus Buffy bekannt sein wird, als James Vater Nigel machen einen überaus guten Job. Sie wirkten alle wie aus dem Leben des echten James Bowen entsprungen.
Aber der beste aller Schauspieler war wohl Bob. Tatsächlich hat der echte Kater sich selbst gespielt (mit der ein oder anderen Stunt-Katze an seiner Seite). Dieses Detail hat mich unglaublich berührt.

James (Luke Treadaway) und Bob bei der Arbeit © Concorde Filmverleih GmbH

James (Luke Treadaway) und Bob bei der Arbeit © Concorde Filmverleih GmbH

Der Film „Bob, der Streuner“ hat neben seiner rührenden Geschichte und den überzeugenden Schauspielern drei ganz große Stärken für mich:
Da es eine wahre Geschichte ist, gibt es keinen Antagonisten, der künstlich eingeführt wird. Kein „Immer wieder kurz vorm Ziel sein und dann klappt es doch nicht“. Das heißt nicht, dass es keine negativen Figuren im Film gibt. Nicht jeder möchte James etwas Gutes. Und doch wird es nie übertrieben.
Die Musik ist das zweite Highlight. Da James Straßenmusiker ist, spielte die Musik eine große Rolle im Film. Sie verfolgte den Zuschauer und wurde doch nie übermächtig. „Bob, der Streuner“ ist kein Musikfilm, gibt den Stücken aber genug Freiraum.
Und die letzte Stärke muss einfach Bob sein. Es ist unglaublich, wie viel Liebe dieses kleine Tier transportiert hat. Da ich vorher bereits wusste, dass ich in weiten Teilen dem echten Bob zusah, war ich einfach erstaunt.

Und was wäre ich für ein emotionaler Mensch, wenn ich nicht am Ende doch geweint hätte.
Nein, ich bin kein Katzen-Fan – auch nach dem Film nicht – und doch habe ich mich ein bisschen in Bob verliebt und freue mich umso mehr auf das Buch.
Denn ich bin überzeugt, dass dieser Film einer der wenigen ist, der den Lesespaß nicht mindert, wenn man ihn vorher sieht. Diese süße Geschichte kann man sich mehrfach zu Gemüte führen.

Das Buch zum Film

Das Buch zum Film

Wird „Bob, der Streuner“ einer meiner Lieblingsfilme werden? Nein, wahrscheinlich nicht. Er war zwar von allem etwas – witzig, spannend, rührend, musikalisch ansprechend, gut gespielt – aber nicht so, dass er mich sprachlos aus dem Kino hat kommen lassen.
Ich kann aber trotzdem allen von Herzen empfehlen, sich diesen Film anzusehen. Er bietet nämlich eine schöne Zeit. Egal, ob Katzen-Fan oder nicht.

Wer lieber liest, als den Film zu sehen. Oder den Film sehen möchte und trotzdem das Buch haben will, der hat die Möglichkeit, sich das neue Buch zum Film zu kaufen. Bastei Lübbe hat den ersten Teil nämlich neu aufgelegt im Look des Films.

Weitere Infos über den Film bietet seine Homepage: Bob, der Streuner.
Und wenn ihr doch noch schwankt, schaut euch gern den Trailer an:

Bob, der Streuner
Originaltitel: A Street Cat Named Bob (2016)
Filmverleih: Concorde Filmverleih
Lauflänge: 103 Minuten
Ab dem 12. Januar 2017 in den deutschen Kinos

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (Film)

phantastische-tierwesen1Am liebsten wäre ich direkt ins Kino gelaufen, als der Film startete. Doch das kam dazwischen und jenes. Und letztendlich dauerte es doch länger als geplant. Aber als echter Potter-Fan musste ich den Film sehen. Denn selbst, wenn es nicht um Harry, Ron und Hermine ging, wollte ich endlich wieder filmisch in die Zauberwelt entfliehen, nachdem ich es mit „Harry Potter und das verwunschene Kind“ vor kurzem noch literarisch tun konnte.

„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ beginnt 1926: Newt Scamander hat gerade eine weltweite Exkursion abgeschlossen, mit der er die außergewöhnliche Vielfalt von magischen Geschöpfen erforschen und dokumentieren will. Ein kurzer Zwischenstopp führt ihn nach New York und wäre sicherlich ereignislos verlaufen … würden nicht ein No-Maj (Amerikanisch für Muggel) namens Jacob, ein verloren gegangener magischer Koffer und einige entlaufene phantastische Tierwesen aus Newts Sammlung sowohl in der magischen Welt als auch unter den No-Majs für reichlich Schwierigkeiten sorgen. (Inhalt laut Warner Bros.)

Natürlich hatte ich vor Jahren „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ gelesen und war gespannt, wie sie dieses kleine Lexikon filmisch umsetzen wollen.
Doch noch bevor ich die erste echte Szene sah, hüllten mich bekannte Töne ein und ließen mich wohlig in meinen Kino-Sessel sinken. Und das erste Blitzen des Zauberstaubs brachte mir Gänsehaut. Ein bisschen wie nach Hause kommen.

phantastische-tierwesen3Und dann war er plötzlich da: Eddie Redmayne als Newt Scamander, der sympathische Engländer, der sich nach New York aufmacht, um dort eines seiner phantastischen Wesen auszusetzen. Doch dazu soll er nicht kommen, denn vorher stolpert er in die ein oder andere Begebenheit, verliert seinen Koffer, freundet sich mit einem Nicht-Magier an und ist auf der Flucht vor der amerikanischen Zauberer-Vereinigung MACUSA.

Hat mich die Story begeistert? Nein. Ich finde sogar, dass es nicht wirklich eine Story gibt. Es gibt kein klar definiertes Ziel am Anfang, man weiß nicht, worauf der Film hinaus will. Alles geschieht zufällig und ergibt sich einfach im Laufe des Films. Man merkt, dass es der Auftakt zu einer fünfteiligen Serie ist. Alles wird eingeführt, man macht sich mit den Figuren bekannt, findet zurück in die Zauberwelt.

phantastische-tierwesen2Mir fehlte durch dieses ungeplante und ungerichtete Zuschauen auch die Spannung. Es gab zwar durchaus interessante Fragen, die man auch mit entsprechendem Interesse angeschaut hat, aber eine echte Aufregung stellte sich bei mir nicht ein.

Viel mehr Spaß hatte ich am Kennenlernen all der Tierwesen, von denen ich vor Jahren mal gelesen hatte, die ich aber durch die Bank mittlerweile wieder vergessen hatte. So liebevoll gestaltete Wesen. Wie gern würde man das ein oder andere davon mal streicheln.

Aber so oder so: Die Atmosphäre war toll. Immer ein wenig düster und altertümlich und vollkommen passend für die Story und die Figuren.
Die Personen werden gut und ausgiebig eingeführt. Man kann sich sicherlich mit manchen identifizieren, wenn man denn möchte. Ihre Vielschichtigkeit wurde zumindest angedeutet. Entdeckt hat man aber noch lange nicht alles.

phantastische-tierwesen4Überhaupt wurde vieles nur angedeutet. Kleine Hinweise, die sich in den nächsten Filmen weiterentwickeln werden. Wenn man alles verstehen möchte, reicht „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ also auf keinen Fall als Einzelfilm.

Doch wer will schon aufhören, in die Zauberwelt einzutreten, wenn man die Möglichkeit hat? Ich definitiv nicht. Und so werde ich auch die nächsten Teile anschauen, auch wenn ich vom ersten hauptsächlich von den Tieren und der Atmosphäre begeistert war, aber die Story als etwas lahm empfand.
Nichtsdestotrotz wird auch das Drehbuch, das Carlsen im Januar veröffentlicht, den Weg in mein Regal finden.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
Originaltitel: Fantastic Beasts and Where to Find Them (2016)
Filmverleih: Warner Bros.
Lauflänge: 133 Minuten
FSK 6

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