Michaela Möller – ChampagnerWillIch

Hach, ich liebe einfach diese Frauenbücher. Auch wenn ich in regelmäßigen Abständen maßlos enttäuscht werde, greife ich auch das nächste Mal wieder zu.

Bei diesem Buch habe ich sogar etwas gemacht, was ich sonst vermeide. Ich habe unmittelbar vor dem Lesen ein paar Rezensionen gelesen. Und was soll ich sagen? Sie waren schlecht. Bestenfalls wurde das Buch mittelmäßig gefunden.
Ich freute mich also eigentlich so gar nicht auf das Lesen.

Zum Glück wurde ich fast augenblicklich eines Besseren belehrt.
Ich finde das Buch klasse.
Die Schreibweise ist sehr flüssig und trifft mit dem trockenen Humor total meinen Geschmack.

Mit den Personen bin ich sehr gemischt warm geworden. Jil Schöneberg hat sich zum Beispiel total in mein Herz geshoppt. Und auch so manche ihrer Freunde. Aber viele Figuren waren mir einfach schlichtweg egal.
Super ist auch der Psychiater, der nie in Person auftritt. Am Anfang eines jeden Kapitels, gibt es einen kleinen Dialog, der sich meist auf das letzte Kapitel bezieht. Als Patientin hätte ich diesen Psychiater schon längst gegen einen kompetenten eingetauscht. Als Leserin fand ich ihn dagegen perfekt.

Jil sucht nun das ganze Buch über ihren Traummann und schlittert dabei auch in die ein oder andere absurde Situation. Aber ehrlicherweise muss ich sagen, dass es nicht mal sooooo unrealistisch war. Mir ganz viel Pech kann einem das so gehen. Und außerdem will ich eigentlich ja gar nicht lesen, wie es jeder Lieschen Müller geht.
Aber doch war es mir von der ersten Sekunde an klar, welcher Typ mit ihr zusammen kommen wird. Jaja, einer erfahrenen Frauenliteratur-Leserin entgeht eben nichts.

Das einzige, was stellenweise wirklich anstrengend und auch nervig war, ist das Ende jedes Kapitels. Dort werden nämlich die Wörter aufgelistet, die Jil neu gelernt hat in ihrem Fremdwortkalender. Da sind Perlen dabei wir vexierend (quälend), gravitätisch (würdevoll), Agnosie (Unwissenheit) oder morbiphor (ansteckend). Also ich bin wirklich nicht ungebildet. Aber das alles (und so viel mehr) habe ich noch nie im Leben gehört. Und wenn man die Wörter im Text liest, bleiben zwei Möglichkeiten. 1.) Es überlesen oder 2.) Schnell mal zum Ende des Kapitels blättern. Beide Varianten fand ich sehr bescheiden.

Ich fand das Buch aber wirklich lesenswert, aber eben nur für Frauen, die auch auf Mode stehen. Sonst ist einem das wohl alles zu oberflächlich und zu doof.

Von mir gibt es auf jeden Fall (oute ich mich damit als klischeehafte Frau mit Schuh- und Shopping-Tick???).

Michaela Möller – ChampagerWillIch
Bastei Lübbe, 2006
ISBN 3404155513
318 Seiten
Taschenbuch; 7,95 Euro

Aufhören oder nicht aufhören, das ist hier die Frage.

Warum hat der Teufel nochmal seine Großmutter erschlagen? Richtig, weil er keine Ausreden mehr hatte!

Aber noch habe ich eine letzte Ausrede in petto für meine Leseflaute: die Farben-Challenge.

Angefangen habe ich Anfang Juli. Es sollten zehn Bücher werden, in allen gängigen Farben.
Ich hatte extra gemischt. Bücher, die ich eh gern als nächstes lesen wollte und Bücher, die ich so einfach ewig nicht in die Hand nehmen würde.
Das hat zum Teil auch ganz gut geklappt.
Gerade „Michelles Fehler“ und „Versehentlich verlobt“ hätte ich sonst lange liegen lassen.

Aber nun habe ich das Gefühl, dass ich die Grenze erreicht habe. Es fehlen noch vier Bücher:
Gelb: Sophie Kinsella – Kennen wir uns nicht?
Lila: Lisa Jewell – Wo deine Träume wohnen
Blau: Cecelia Ahern – Zwischen Himmel und Liebe
Schwarz: Joy Fielding – Im Koma

Aber ich mag nicht mehr! Ich will diese Bücher demnächst nicht lesen. Ich will wieder Spaß am Lesen haben und dazu will ich nicht gezwungen sein bestimmte Bücher zu lesen.
Man hat das ja schon daran gemerkt, dass ich immer wieder andere Bücher zwischen die Challenge-Bücher geschoben hatte.

Tja, leider, leider erkläre ich diese Challenge damit wohl für gescheitert.
Ich erkläre lieber die nächste Challenge für eröffnet: Freude am Lesen!

Ich lese jetzt „ChampagnerWillIch“ von Michaela Möller

So, endlich lese ich mal wieder ein Buch für die Farbenchallenge.

Erster Satz:
„Sie haben keine tief greifenden Störungen, die in irgendeiner Weise bedenklich wären!“ (Der Satz gefällt mir. Das ist doch schön, wenn man das erstmal bestätigt haben will.)

Halbzeit der Farben-Challenge

Fünf der zehn vorgenommenen Bücher habe ich mittlerweile geschafft.
Angefangen habe ich damit am 6. Juli.
Davon abgesehen, dass ich im Moment sehr wenig lese, merke ich, dass man die Lust verliert ein neues Buch anzufangen, wenn man gezwungen ist, ein bestimmtes zu lesen (bzw. aus einem sehr kleinen Kreis zu wählen).
Ich hatte damals ja extra gemischt: Bücher, die ich eh demnächst unbedingt lesen wollte und welche, die sonst noch ewig auf meinem SuB gelegen hätten.

Ich habe bisher auch schon zwei oder drei Bücher dazwischen geschoben, was entweder damit zu tun hatte, dass ich eine Leserunde mit anderen Leuten begonnen habe oder dass ich das Buch bei Vorablesen gewonnen habe (und man da ja innerhalb einer bestimmten Zeit eine Rezension veröffentlichen muss).

Aber ich bin wirklich überrascht, wie schwer es mir fällt bei so einem Challenge-Zwang zu lesen.
Naja, die Hälfte ist geschafft und die anderen fünf Bücher (die auf dem Bild noch nicht ausradiert sind) schaffe ich auch noch!

Mary Carter – Versehentlich verlobt

„Sie waren also schon dreimal verheiratet?“ „Ja“, sagte ich, „aber das erste Mal zählt nicht, weil ich viel zu jung war, und das zweite Mal fand in Las Vegas statt. Genau genommen war ich also erst anderthalb Mal verheiratet. Wenn’s hoch kommt.“ – „Und Sie sind sicher, dass Sie als Wahrsagerin arbeiten sollten?“

Clair ist eine gute Tarotkartenlegerin – nur bei ihrer eigenen Zukunft liegt sie stets daneben. Sonst hätte sie gewusst, dass es keine gute Idee ist, einer jungen Frau bei der Trennung von ihrem Zukünftigen zu helfen. Eigentlich soll Clair ihm nur den Ring zurückgeben, doch wenig später findet sie sich auf einem mondänen Landsitz wieder, in dem die Vorbereitungen für die Verlobungsparty auf Hochtouren laufen. Und bevor Clair weiß, wie ihr geschieht, muss sie in die Rolle der Braut schlüpfen… (Klappentext)

Ein Buch, wie es durchschnittlicher nicht sein könnte.
Es fängt schon beim Cover ein. Eine Farbe, dominierende Schrift, ein paar Symbole (die nicht unbedingt was mit dem Inhalt zu tun haben) und schon ist das klassische Frauenbuch-Cover fertig.
Von den Figuren her ist es ähnlich. Eine sympathische Protagonistin, die bisher nur Pech in der Liebe hatte, ein guter Freund, der gleichzeitig ihr Kollege ist und eine Schwester, mit der sie nicht immer klar kommt.
Schon kann die Mission „Traummann“ losgehen.

Der Traummann soll, wenn es nach Clair Ivars geht, der schöne und reiche Wodka-Hersteller, Jack Heron, sein. Eigentlich wollte sie ihm nur den Verlobungsring zurückgeben, da sie seiner nun Ex-Verlobten Rachel ja von der Hochzeit abgeraten hat. Aber wo er nun schon mal frei und auch noch so eine gute Partie ist, kann man sein Glück ja mal versuchen. Wenn da nicht noch die kleine Schwierigkeit wäre, dass man der ganzen Familie Heron (die herrschsüchtige Mutter Madeleine ist nicht zu unterschätzen!) die schlechte Nachricht von der geplatzten Traumhochzeit ja auch noch überbringen muss. Und dann ist da ja noch der faszinierende Mike Wrench, der plötzlich auch nicht so uninteressant ist…

Eine richtige Beziehung konnte ich zu keiner Person aufbauen. Nicht mal mit Clair wurde ich warm. Sie war nicht mal unsympathisch, verhielt sich aber einfach total unreif und Sachen, die ihr eigentlich so wichtig waren, warf Sie ebenso schnell über Bord wie ihre Prinzipien.

Leider war das Buch auch überhaupt nicht witzig, obwohl es das wohl sein wollte.
Am Anfang hatte ich wenigstens noch Spaß an den Tageshoroskopen, die jedes Kapitel einleiten. Aber selbst die wurden immer schlechter. Normalerweise schreiben sich viele Autoren ja warm und das Buch wird immer besser. Hier schien es genau andersherum zu sein.
Und obwohl der Anfang tatsächlich recht vielversprechend war, zieht sich alles so unendlich. Bis wir wirklich so weit sind, dass die beiden „versehentlich verlobt“ sind, sind schon über ¾ des Buches vergangen.

Das große Geheimnis des Buches war auch sofort klar. Es wurde immer verschwiegen, wer der mysteriöse Mike Wrench ist, der erst seit einem Jahr bei der Familie Heron ist und jetzt schon so viel Vertrauen genießt. Es war aber fast augenblicklich klar, wer das ist, wenn man sich in dem Genre ein wenig auskennt. Daher war das ganze Ende dann auch keine Überraschung für mich.

Der Showdown klang dann plötzlich wie von einem Grundschüler geschrieben. Bei den Formulierungen und Handlungen habe ich mich tatsächlich fremdgeschämt.

Immerhin kann man aber ein wenig über Tarotkarten lernen, wenn man denn möchte.

Alles in allem bereue ich es nicht, das Buch gelesen zu haben. Aber wirklich empfehlen kann ich es auch nicht. In dem Genre der Frauenbücher gibt es wohl Besseres.
Da es mich aber zeitweilig auch mal gut unterhalten hat, bekommt es .

Mary Carter – Versehentlich verlobt
Originaltitel: Accidentally Engaged (März 2006)
Knaur Taschenbuch, November 2009
ISBN 3426500272
377 Seiten
Taschenbuch; 7,95 Euro

Ich lese jetzt „Versehentlich verlobt“ von Mary Carter

Und wieder mal was für die Farben-Challenge. Diesmal „grün“.

Erster Satz:
„Die Geschichte nahm an jenem verhängnisvollen Abend ihren Lauf, als ich die erste Karte aufdeckte.“ (Noch nicht sehr aussagekräftig. Ich bin mal gespannt, was es damit auf sich hat.)

Jenny Downham – Bevor ich sterbe

Die 16-jährige Tessa hat Leukämie, und die Ärzte machen ihr nur noch wenig Hoffnung. Aber Tessa will leben, wenigstens in der Zeit, die ihr noch bleibt. Sie schreibt an ihre Zimmerwand zehn Dinge, die sie tun will, bevor sie stirbt: Sex haben, Drogen nehmen, für einen Tag berühmt sein, etwas Verbotenes tun…
Und dann trifft sie Adam, und er ist der Erste, der sie versteht. Tessa spürt, dass sie etwas mit Adam verbindet, doch sie wehrt sich dagegen. Und dann begreift sie, dass sie zum ersten Mal verliebt ist. Aber darf man lieben, wenn man stirbt? (Klappentext)

Das klingt nach einer vielversprechenden, tragischen und vielleicht auch wunderschönen Geschichte.
Ich fand nur leider nie Zugang zu ihr.

Es fängt schon damit an, dass ich keine Person sympathisch fand.
Tessa ist natürlich jung hat ein schweres Schicksal und hat eine Mordswut in sich, warum denn nun ausgerechnet sie sterben muss. Trotzdem fand ich sie nur nervig und zickig. Obwohl sie der Ich-Erzähler ist, konnte ich keine Verbindung zu ihr aufbauen. Ich mochte sie einfach nicht.
Der Vater macht sich Sorgen, ganz klar, und er versucht auch nur das Beste für seine Tochter zu machen. Ihn fand ich dennoch nur anstrengend, streng und gluckenhaft.
Von Cal, dem Bruder, will ich fast gar nicht erst anfangen. Auch er ist verängstigt und noch einiges jünger als Tessa (er geht in die siebte Klasse) und versucht auf seine ganz eigene Art mit dem (vielleicht) baldigen Tod seiner Schwester klarzukommen, aber muss man deswegen zum Teil so auf cool machen und auch Sätze loslassen wie „Hoffentlich stirbst du, während ich in der Schule bin! […] Und hoffentlich tut es verdammt weh! Und hoffentlich begraben sie dich an irgend ‘nem scheußlichen Ort, zum Beispiel im Fischladen oder beim Zahnarzt!“ (Zur Info: das war KEIN morbides Spiel, was die beiden immer spielen oder so)?
Die Mutter hat vor mehreren Jahren einfach ihre Familie verlassen um durch die Welt zu reisen und was mit jüngeren Kerlen anzufangen. Seltsamerweise konnte sie auch im Laufe der Geschichte mein Herz nicht erobern.
Die beste Freundin Zoey ist zu allem Überfluss auch nur egoistisch und einfach nicht mein Fall.
So ging es mir noch mit ein paar anderen Figuren.

Die Geschichte an sich finde ich auch nicht wirklich neu. Da Tessa bald sterben muss, hat sie sich nun eine Liste mit Dingen vorgenommen, die sie noch machen will. Zum Beispiel will sie Drogen nehmen, an einem Tag so viel Verbotenes tun wie nur möglich, Sex haben oder einen ganzen Tag lang zu allem Ja sagen.
Man hätte aus der Sache mit der Liste echt was machen können, wurde aber meiner Meinung nach nicht. Alles wurde recht fix abgehandelt.

Und die Beziehung zu Adam war mir an sich zu gefühllos. Vom Klappentext her, hätte ich mehr erwartet. Der Zwiespalt hätte definitiv besser rausgearbeitet werden können und müssen.

Was mir die ganze Sache noch sehr verübelt hat, war die Sprache. Zum einen gab es einige Rechtschreibfehler, dann auch richtige inhaltliche Fehler (Namen wurden vertauscht). Und dann gab es einfach ganz oft Sätze, die für mich keinen Sinn ergaben. Ich komme nicht umhin, ich muss Beispiele bringen:
1. „Sondern er sollte sich um Cal kümmern, der etwas die Treppe raufruft, über die Luft, die hinten am Fernseher rauskommt.“ (S. 144)
2. „Ein dunkles Loch öffnet sich in der Zimmerdecke und füllt sich mit Dunst, wie Sachen, die durch Bäume rieseln.“ (S. 147)
3. „Wenn man uns so hört – Adam, Zoey und mich -, ist es, wie wenn jemand anbietet, durch ein Fenster zu klettern. Dahinter ist alles möglich.“ (S. 283)
Also entweder hat der Übersetzer echt schlecht gearbeitet, oder Frau Downham hat eine komische Art sich auszudrücken.

Außerdem hat mich gestört, dass wichtige Sachen aus dem Plot erst sehr spät genannt wurden. Dass wir uns in London befinden zum Beispiel erst auf Seite 122 (wenn man den weiß, wo der Buckingham Palace ist 😉 ) und dass Tessa Leukämie hat sogar erst auf Seite 133. Vorher war immer nur die Rede vom Krebs (ja gut, es wurde schon im Klappentext erwähnt, aber den kann man ja nun nicht als Teil der Handlung anerkennen).

Schön am Buch war aber doch wie behutsam mit dem Thema Krankheit umgegangen wurde. Ohne Effekthascherei konnte man ganz langsam die Veränderungen an Tessa und vor allem IN Tessa mitbekommen.
Andererseits hat mich da aber auch etwas gestört. Tessa tat immer so, als würde sie wirklich den Staub fallen und Leute atmen hören, die weit weg sind. Oder sie hörte wie Blätter auf den Boden fallen. Es hat sich nie wirklich aufgelöst, ob sie sich das einbildet (durch die Chemos?) oder ob sie wirklich ein ganz spezielles Gehör hat.
So ging es mir offensichtlich häufig mit dem Buch. Mir fehlen Erklärungen und ich verstehe einfach nicht, was man mir damit sagen will.

Das letzte Fünftel wurde dann noch mal besser und ich musste es bis nachts halb 3 in einem Rutsch durchlesen. Und habe Rotz und Wasser geheult (was jetzt weder eine Bestätigung ist, dass sie gestorben ist, noch dass sie überlebt hat. Also eins von beiden stimmt natürlich. Was? Lasst euch überraschen!).
Das konnte dann dahingehend noch mal etwas rausreißen, dass es nun gibt.
Aber aus voller Überzeugung kann ich es nicht weiterempfehlen.

Jenny Downham – Bevor ich sterbe
Originaltitel: Before I die (2007)
Goldmann Verlag, November 2009
ISBN 3442471060
316 Seiten
Taschenbuch; 8,95 Euro

Martina Wildner – Michelles Fehler

Michelle macht in diesem Buch genau 85 Fehler (jedes Kapitel umfasst einen davon). Ich habe genau einen gemacht. Und das war wohl der schlimmste. Ich habe dieses Buch gelesen!

An sich ist der Grundgedanke gar nicht mal übel. Ziemlich interessant sogar. Es geht um die 14jährige Michelle, in deren Leben im Moment alles schief läuft. Sie ist immer noch 1,44m, hat eine neue Feindin in der Klasse (und das ist nicht ausgesponnen. Das ist eine Tyrannin vom Feinsten) und ihre Eltern sind seit kurzem getrennt. Eigentlich sollte das Fehlerberechnungsamt (kurz: FBA) dafür zuständig sein, Fehler zu vermeiden. Und wenn das nicht geht, dann wenigstens auf einem gesunden Maß zu halten.
Michelle letzter „Schutzengel-Sachbearbeiter“ hatte leider andere Sorgen als Michelles Wohlergehen und der neue, Schmidt, ist keinen Deut besser; eher schlechter, denn er versucht aktiv Michelle um die Ecke zu bringen.

Und da fangen meine Probleme eigentlich an. Michelle ist wirklich süß und sie tut mir echt leid. Die ganze Zeit gehen Sachen schief. Aber nicht so, dass man denkt „Boah bist du blöd, das hätte NIEMAND so gemacht“, sondern eher unterschwellig. Sie guckt zum Beispiel aus dem Fenster, sieht etwas Erschreckendes, zuckt zurück, tritt ihrem Französischlehrer auf dem Fuß, wird deswegen von ihm schikaniert, muss einen Vortrag halten und erhält eine 4-. Es waren also immer so Kleinigkeiten, die aufeinander aufbauen, und das war gut so. Es war also nie unrealistisch oder sehr überzogen.
Dafür war der Sachbearbeiter Schmidt das Allerletzte. Er steckt voller Hass und der ist für den Leser einfach total unbegründet. Nie erhält man eine klärende Antwort, warum er gleich an seinem ersten Tag Michelle töten will. Einzig allein, dass sie und ihre Entscheidungen ihn nerven, wird gesagt.
Und damit nervt er mich! Ich hatte so eine Wut auf den, dass ich echt aufhören wollte zu lesen. Ich fand das eben anstrengend, nervig und unnötig. Hätte man mal wenigstens Erklärungen bekommen. Aber nein! Er hasst sie und basta. Das geht einfach nicht. Da bleiben zu viele Fragen offen.
Und deswegen musste ich das Buch wirklich oft zur Seite legen.
Es ist ja nicht so, dass ich mit hasserfüllten Figuren nicht umgehen könnte, aber hier waren die einfach alle abgrundtief böse. Und solche Schwarz-Weiß-Malerei nervt. Vor allem, wenn sie so unbegründet ist (bei der Feindin, Lydia, ist das ja das Gleiche).

An sich bleiben die Personen aber auch seltsam farblos. Sie werden zwar alle beschrieben, aber die meisten nur sehr, sehr grob. Gerade von den Eltern hat man nie wirklich etwas über das Aussehen oder den Charakter erfahren. Und ihre Freunde und ehemaligen Freunde kamen zwar oft vor, aber Michelle war eher mit sich beschäftigt als mit anderen Personen. Deswegen konnte ich keine Bindung zu anderen Figuren aufbauen, egal ob sie nett waren oder nicht.

Für mich schlecht gemacht waren auch die Zeit- und Ortsprünge. Das Buch spielt ja nur an einem Tag. An dem Tag, an dem Michelle die meisten Fehler ihres bisherigen Lebens macht. Jede Kapitelüberschrift zeigt deswegen auch die exakte Uhrzeit und den kommenden Fehler.
Also läuft es an sich chronologisch ab. Dann gibt es aber auch mal eine leere Zeile und schon ist man in der Vergangenheit. Es ist aber weder typografisch abgegrenzt, noch konnte man das so richtig aus dem letzten Satz herauslesen. Das war dann öfter zu abrupt.
Dazu gibt es noch Absätze, die kursiv geschrieben sind. Die spielen dann bei Schmidt im FBA.

Seltsam waren auch die Running-Gags. Zum Beispiel hasst Michelle H-Milch. Und für sie riechen auch ganz viele Sachen in der Umwelt so oder auch Personen danach. Es kommt zwar eine oberflächliche Erklärung, aber die fand ich auch nicht dolle. Außerdem hasst sie Hamburg. Und natürlich springt ihr überall das Wort Hamburg ins Auge. Und wenn mal eine Farbe erwähnt wird, dann ist es Anthrazit. Das Auto ihres Vaters (der übrigens nach Hamburg gezogen ist) hat nämlich diese Farbe. Und deswegen haben natürlich auch fast alle anderen Autos diese oder das Kostüm ihrer Mutter.
Das sind aber noch Sachen, die man lesen kann, ohne dass sie einen behindern, aber der letzte Running-Gag ist mehr als störend.
Sie zählt alles. Das ganze Buch besteht fast nur aus Zahlen. Oder sie rechnet. Sie lässt einen Stein in ein Loch fallen, und rechnet an der Falldauer (übrigens 2,2 Sekunden und nicht wie erst fälschlich gedacht 2,7 Sekunden. Wie auch immer das so genau geht 😯 ) die Tiefe des Lochs. Oder sie errechnet das Volumen des Platzes unter ihrem Bett (da liegt sie gerne drunter um zu überlegen).
Man erfährt auch meist genau wie viele Schritte sie in welche Himmelsrichtung macht, wie viele cm² Wunden haben, oder wie viele Durchmesser der Hals eines Hundes hat (übrigens ergab sich folgender Rechenweg: Wie groß ist der Abstand der Nieten des Hundehalsbandes? Wie groß muss deswegen der Umfang sein? Und wie dick deswegen der Hals?).
Was an sich ganz lustig klingt, wird dann richtig schwierig, wenn die Zahl Siebenhundertdreiundzwanzig oder so heißt. Gemerkt? Das stört wirklich den Lesefluss, finde ich.

Naja, wahrscheinlich bin ich schon lange zu alt für dieses Buch (obwohl das bei anderen Büchern mit ähnlich alten Protagonisten ja egal ist). Aber das habe ich auch bei so manchen Begriffen gemerkt. Die Droge, die sich die Beamten reinpfeifen, heißt Egalin (es wird denen offensichtlich alles gleichgültig) und die verbotene Zeitschrift, in der Tricks stehen, heißt Trixtrax. Das ist mir zu einfach und kindisch.

Den Anhang habe ich übrigens komplett weggelassen. Ich will mir die ganzen Begriffe (von A wie Absoften bis Z wie Zuständigkeitsbereich) und die Bücher des FBA, die in der Geschichte vorkommen, nicht noch einmal durchlesen. Wozu? Die Erklärungen gab es doch alle schon!

Da ich die meiste Zeit so genervt war, kann ich nur geben. Da konnte auch die wirklich sympathische Figur der Michelle nichts rausreißen. Aber für Jüngere (also ich tippe so auf 10 bis 14 Jahren), könnte das Buch interessant sein.

Martina Wildner – Michelles Fehler
Bloomsbury, September 2008
ISBN 383335013X
249 Seiten + 32 Seiten Anhang („Kleines Fehlerlexikon“ und „Vorträge, Seminare und Lehrbücher“)
Taschenbuch; 6,90 Euro

Ich lese jetzt „Bevor ich sterbe“ von Jenny Downham

Um die Farbe Weiß der Farben-Challenge zu erledigen, beginne ich jetzt dieses Buch.

Erster Satz:
Wenn ich doch nur einen Freund hätte. (Klingt schon relativ verzweifelt. Passt wohl gut zur Thematik des Buches.)

Rebecca James – Die Wahrheit über Alice

Ein dunkles Geheimnis
Ein zerstörtes Leben
Eine neue Freundin,
die dir hilft zu vergessen
Aber was, wenn sie nicht ist,
was sie zu sein scheint?
(Klappentext)

Den Klappentext finde ich sehr gelungen. Er ist spannend und macht Lust auf mehr. Gut, viele Bücher locken mittlerweile mit „Geheimnissen, die ihr Leben auf tragische Weise verändern“ (so oder so ähnlich), aber da ich vorher mal eine Leseprobe gelesen hatte, wusste ich, dass es hier tatsächlich stimmt.

Der englische Titel lautet „Beautiful Malice“. Der ist meiner Meinung nach sehr gelungen und treffend, denn zum einen heißt Malice Bosheit und zum anderen steckt da der Name Alice mit drin. Daher passt er doppelt gut. Im Normalfall finde ich die deutschen Titel, die nicht 1:1 übersetzt wurden, furchtbar. Bei „Schöne Bosheit“ wäre diese Doppeldeutigkeit aber gar nicht mehr zu erkennen gewesen. Daher finde ich ausnahmsweise auch mal den „neuen“ deutschen Titel wirklich gut. Obwohl mir eine Anspielung auf „Bosheit“ oder „Grausamkeit“ ein wenig fehlt. Aber das ist wohl nur mein persönliches Empfinden.

Das Titelbild passt gut in die Gesamtheit. Diese blonde Schönheit soll wohl Alice darstellen. Wenn man jetzt GANZ VIEL da hinein interpretieren möchte, könnte man wohl sagen „Rosen sind schön, tragen aber Dornen. Man muss sie vorsichtig anfassen und auf seine Haut aufpassen.“. So will ich das jetzt nicht auseinandernehmen. Ich mag das Cover einfach, auch ohne große Symbolkraft. Es sieht zart aus und dass das Wort „Alice“ sich in einer zarten Schreibschrift abhebt, hat auch etwas Besonderes.

Die Geschichte spielt in drei verschiedenen Zeiten.
Die meiste Zeit erlebt man mit der Hauptperson Katherine die Phase, in der sie Alice kennenlernt. Einige Kapitel spielen aber auch in der Vergangenheit, in der Katherines Schwester umgebracht wurde, und einige sind 5 Jahre in der Zukunft. Aus den anderen beiden Zeiten wusste man also schon einiges, was noch nicht in der Gegenwart (Zeit mit Alice) passiert ist.
Es ist wirklich schön zu lesen, wie die zarten Bande der Freundschaft geknüpft werden und Katherine sich immer mehr öffnen kann. Auch Robbie gehört zu dem anfänglichen Trio dazu.
Als Leser merkt man aber sehr schnell, dass mit Alice etwas nicht stimmt. Sie kann herzensgut sein und dann einfach nur böse und grausam. Robbie und Katherine wollen das aber einfach nicht sehen und egal was Alice verbockt hat, eine kurze Entschuldigung reicht und sie wird wieder in die Arme geschlossen.
Und das hat mich zweitweise wirklich genervt.
Alle scheinen bei ihr die rosarote Brille auf zu haben. Auch wenn Katherine ab und zu mal versucht zu reflektieren, was hinter Alice Verhalten steckt, gibt sie diese Gedankengänge meist schnell wieder auf. Immerhin hat sie endlich wieder Freunde und jemand mag und versteht sie.
Kann ich ja irgendwo verstehen, aber so blind darf man eigentlich nicht sein, auch nicht mit 17 Jahren.
Aber doch geht es nicht nur um diese „Freundschaft“ und die psychische Störung, die sich nach und nach bei Alice offenbart, sondern auch mit dem Thema Schuld wird sich lange und intensiv auseinander gesetzt. Auch wenn aus verschiedensten Perspektiven Argumente gebracht wurden, wollte ich mich nie zu einem Urteil herablassen.

Nichtsdestotrotz ist es sehr spannend die Veränderungen zu beobachten.
Ich wollte unbedingt die ganze Zeit wissen, was denn nun mit Alice los ist. Ich hatte auch die verschiedensten Theorien (nur mal wieder nicht die richtige). Und dass sie sich nicht zufällig mit Katherine anfreunden wollte, war auch offensichtlich. Nach den Beweggründen habe ich verzweifelt gesucht.
Man hat das Gefühl, kontinuierlich auf den großen Knall zuzusteuern und kann den Protagonisten nicht helfen, obwohl sie sicher sehr leiden werden. Und aus der anfänglich netten Alice, über die gemeine Alice und zu der abartig bösen Alice, wird dann die wirklich gestörte Alice. Das war beängstigend zu sehen, aber von Rebecca James wirklich gut gemacht.

Und was die Figuren an sich angeht, war ich mit dem Buch sehr zufrieden. Es gab nur wenige und somit konnte auf jeden einzelnen gut eingegangen werden.
Sowohl das Aussehen, der Charakter, als auch deren individuelle Geschichte und der Hintergrund wurden gut beleuchtet.
Letztendlich hat man aber jede Figur schon einmal in einem anderen Buch gesehen. Sie sind sehr stereotyp angelegt und wenig facettenreich. Keiner bricht aus, ob es nun der herzensgute, aber recht naive Robbie; die egozentrische, egoistische, psychopatische Alice oder die im Selbstmitleid suhlende, deprimierte, sich nichts gönnende Katherine ist.
Auch wenn das jetzt ziemlich gemein klingt, mochte ich sie alle auf ihre Weise, da sie trotzdem noch authentisch rüberkamen.

Allein schon durch die Charaktergestaltung und die spannende Geschichte, ließ sich das Buch sehr gut lesen.
Die Sprache tat dann ihr Übriges. Flüssig und bodenständig war sie. Keine abgehobene Ausdrucksweise, sondern reifen (!) 17jährigen angemessen. Und dazu gehörte auch, dass ab und zu (also eher selten) mal richtig geflucht wurde. Manche Autoren neigen ja dazu „So ein Mist“ zu schreiben, wenn man sich richtig aufregt. Hier wurde dann schon zu härteren Bandagen gegriffen, aber nie unpassend und immer wohl dosiert. Das war sehr angenehm.
Einen Bruch gab es immer an den dramatischen Stellen (um genauer zu sagen an den Stellen, wo jemand starb oder umgebracht wurde).
Dort wechselte der Ich-Erzähler und der Leser war plötzlich der Protagonist. Dann hieß es „Du läufst…“, „Du hast Angst…“ oder „Du hörst Schritte hinter dir….“
Was den Leser wohl in die Geschichte reinziehen sollte, ließ mich relativ kalt. Bei anderen mag dieser sprachliche Kniff aber wirken.

Alles in allem kann ich nur sagen, dass es ein gutes Buch mit einer spannenden Geschichte ist. Die Auflösung fand ich dann zwar nicht wirklich spektakulär, aber doch plausibel.
Ab und zu war ich ziemlich erschrocken von der Blindheit und Dummheit von Katherine und Robbie, die Alice so sehr gefallen und bei sich behalten wollten.
Trotzdem kann man etwas lernen und es öffnet ein wenig die Augen für richtige und falsche Freunde.
Obwohl alles sehr traurig, dramatisch und spannend war, aber auch fröhlich und lustig, fehlt mir der Funke.
Außerdem lässt mich das Ende unbefriedigt zurück. Es ist in gewisser Hinsicht ein offenes Ende (was ich ja grundsätzlich nicht mag) und dann handelte Katherine entgegen ihres im ganzen Buch dargelegten Charakters. Ihre Beweggründe wurden zwar genannt, aber das wollte nicht so recht damit zusammenpassen, dass sie 22 ist und alles schon fünf Jahre zurückliegt (das Buch endet in der Zukunftszone).
Ich vergebe aber ganz tolle und kann das Buch empfehlen.

Was mir jetzt im Nachhinein sehr schwer fällt, ist die Einordnung in ein Genre. Drama, Liebesstory, Frauenbuch, Horror und Humor fallen sofort aus. Jugendbuch? Naja, die Hauptpersonen sind zwar Jugendliche, aber trotzdem passt das auch nicht so gut. Krimi? Ja, das Buch hat wohl Krimi-Elemente. Aber eher wenige und ein richtiger Krimi ist es sowieso nicht. Psychothriller? Jaaaa, Alice ist schon psychopathisch und manipuliert, wo sie kann. Es ist auch spannend, aber doch kein Thriller.
Hilflos habe ich mit jetzt dafür entschieden, es in die Kategorie „Roman“ einzuordnen.

Rebecca James – Die Wahrheit über Alice
Originaltitel: Beautiful Malice (Juli 2010)
Rowohlt, Oktober 2010
ISBN 3805250037
316 Seiten
Gebunden; 16,95 Euro

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