Walter Moers – Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär

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Die halben Lebenserinnerungen eines Seebärem – ein niversum für sich! Käpt’n Blaubär entführt die Leser in eine Welt der Phantasie: auf den Kontinent Zamonien, wo Intelligenz eine übertragbare Krankheit ist und all jene Wesen hausen, die aus unserem täglichen Leben verbannt sind. Eine aufregende Reise durch ein märchenhaftes Reich, in dem alles möglich ist – nur nicht die Langeweile! (Klappentext)

2008 oder 2009 habe ich als erstes Buch von Walter Moers „Die Stadt der Träumenden Bücher“ gelesen und sofort geliebt. So etwas hatte ich noch nie gelesen. Da überlegte ich nicht lange und kaufte den Start seiner Zamonienbücher gleich hinterher. Immerhin handelt er auch von dem blauen Bären, dessen kurze Geschichten am Ende von der Sendung mit der Maus zu meiner Kindheit gehören wie zu anderen das Sandmännchen. Doch es mussten erst 12 Jahre vergehen, bis ich „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ las.

Der alte Seebär beginnt ganz klein. In einer Nussschale trieb er auf dem offenen Meer, als ihn die Zwergpiraten fanden und aufnahmen. Doch dieses kleine Bärchen wurde bald ein stattlicher Bär. Und da er die Zwergpiraten dann deutlich überragte, musste er ans Land und so begann sein zweites Leben. Das bei den Klabautergeistern. Von hier sollten noch allerhand Leben, Abenteuer und Gefahren auf ihn warten. Er trifft Freunde und Feinde, hat Erfolg und Misserfolg, erlebt Niederlagen und Siege.

Blaubär ist, wie gesagt, aus meiner Kindheit nicht wegzudenken. Umso dankbarer bin ich, dass auch die literarische Vorlage freundlich, liebenswürdig und sympathisch ist. Ich war gern an seiner Seite, als er von einem Leben in das andere tapst und dabei Zamonien kennenlernt.
Der fantastische Kontinent Zamonien findet in diesem Buch seinen Anfang und sollte danach in so vielen weiteren Moers-Büchern eine Rolle spielen. Ich selber habe ja mit dem vierten Zamonien-Buch begonnen, doch mit diesem hier zu beginnen wäre deutlich schlauer gewesen. Dank eines Lexikons in Blaubärs Kopf erfährt auch der Leser immer mehr über den Kontinent, seine Bewohner und Wunder. Es ist unglaublich, wie viel Fantasie in diesem Buch steckt. Wie viele Details sich Walter Moers erdacht hat. Wie viel Liebe in diesem Kontinent steckt.

Doch genau diese Fantasie ermüdete mich manchmal.
Es gibt recht häufig auch Aufzählungen über der verschiedensten Gegenstände, Jobs, Wesen oder andere Dinge. Diese Aufzählungen sind lang, mit jedem neuen Wort scheint sich Moers noch einmal selber übertrumpfen zu wollen. Das macht die ersten Male Spaß, doch irgendwann überflog ich diese Stellen. Durch so etwas wird das Buch künstlich aufgebläht. Manchmal gab es nicht nur bloße Begriffe, sondern längere Erklärungen zu den einzelnen Dingen: Doch die waren eigentlich vollkommen irrelevant für die Story.

Apropos Story: Ich finde die Idee total toll und es ist, als würde man 13 (einhalb) abgeschlossene Kurzgeschichten lesen. Sie bedingen sich gegenseitig und eine führt zur anderen, Figuren kehren wieder, aber an sich ist so ein Leben doch auserzählt. Vor allem anfangs musste ich häufig lachen.
Problematisch: So richtig spannend fand ich das meistens nicht. Innerhalb eines Lebens passierte manchmal recht wenig, manchmal ziemlich viel. Gerade die ersten paar Leben waren einfach lustig, niedlich, fantasievoll – aber auch ein bisschen flach. Erst so ab der Hälfte zog die Spannung deutlich an.

Alles in allem bin ich zwiegespalten:
Es gibt so viel, was ich genial fand. Ich liebe den Bären und Walter Moers hat so besondere (Neben-)Charaktere geschaffen. Das Buch strotzt nur so vor Fantasie und legt einen tollen Grundstein für alle weiteren Zamonien-Bücher. Wie auch in anderen Büchern hat Moers eigenständig wahnsinnig viel illustriert und seiner Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht gegeben. Dieses Buch ist und bleibt etwas ganz Besonderes.
Im Gegensatz dazu ermüdete mich die schiere Übermacht der fantastischen Elemente manchmal. Moers zog die Schraube immer noch eine Drehung weiter an, setzte noch einen drauf. Dazu fand ich manche Leben manchmal zu ausschweifend erzählt, dafür dass doch recht wenig passierte.

Ich wollte das Buch so gern lieben. So richtig doll, wie „Die Stadt der Träumenden Bücher“. Doch am Ende habe ich fast einen Monat für die 700 Seiten gebraucht. Das bloße „Aneinanderreihen“ all dieser fantastischen Elemente hat mir dann doch nicht gereicht.

Walter Moers – Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär
Goldmann, 01. Dezember 2002
ISBN 344245381X
703 Seiten
Taschenbuch; 10,00 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär
2. Ensel & Krete
3. Rumo & die Wunder im Dunkeln
4. Die Stadt der Träumenden Bücher
5. Der Schrecksenmeister
6. Das Labyrinth der Träumenden Bücher
7. Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
8. Der Bücherdrache
9. Das Schloss der träumenden Bücher

Viel mehr Infos zu Walter Moers, seinen weiteren Büchern und vor allem zu der richtigen Reihenfolge findet ihr auf Webseite Reihenfolge.org. Mittlerweile sind dort Bücherserien von mehr als 1.500 Autoren zu finden..

3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Wortman
    Mai 25, 2021 @ 10:22:03

    Eines meiner Lieblingsbücher.
    Sehr zu empfehlen: Das Hörbuch dazu, gelesen von Dirk Bach.

    Antworten

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