Anja Janotta – Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade

1:200 Millionen – so hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es jemanden wie Franka gibt. Oder wie Vicky. Oder wie Bella. Als eineiige Drillinge sind die drei Zwölfjährigen richtige Celebritys. Trotzdem könnten sie verschiedener nicht sein. Als sie vor lauter Berühmtheit keinen Schritt mehr vor die Tür machen können, flieht Mama Trablinburg mit ihnen aufs platte Land, wo sie in einer baufälligen Villa ein Bio-Hotel eröffnen will. Franka, Vicky und Bella sind entsetzt: monatelang Baustelle, mieses WLAN, zu dritt im Doppelbett? Das muss ja Trabbel hoch drei geben! Ob Frankas wunderköstlicher Trostkakao den schlimmsten Schwesternstreit aller Zeiten kitten kann? (Klappentext)

Dann und wann bekomme ich Lust auf ein Kinderbuch. Da war ich ganz froh, dass ich im letzten Dezember dieses Buch auf Arbeit bekommen habe. Gut zwei Monate vor dem Erscheinungstermin. Ich habe direkt begonnen, es zu lesen und das dauerte dann nicht lang.

Die drei Berliner Schwestern sind ganz und gar nicht glücklich, als ihre Mutter sie in die alte Familienvilla nach Deininghofen schleppt. Sie müssen ihre Freunde zurücklassen, ihre eigenen Zimmer, ihr Berlin – aber auch ihren Ruf. Die drei sind etwa Besonderes, das wissen sie. Und das haben sie an der falschen Stelle betont. Nun können sie auf dem Dorf ganz neu anfangen, die sein, die sie wirklich sind und dabei auch noch ihrer Mutter bei der Erfüllung ihres Traums vom Hotel behilflich sein. Doch die Dorfbewohner stehen den Neuankömmlingen genauso skeptisch gegenüber wie sie denen.

Die Drillinge und ihre Erlebnisse sind Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Dabei ist man immer an Frankas Seite und lernt ihr Innenleben, ihre Gedanken und Wünsche kennen. Franka, das ist die Nette. Sie wäre gern mehr, doch da ihre Schwester Bella schon schön ist und Vicky schlau, scheint nicht viel mehr für sie übrig zu bleiben. Und das Nettsein kann schnell zum Fluch werden.
Dieser innere Kampf von Franka ist schön beschrieben und dort finden sich sicherlich auch viele wieder. Nett sein, das tun, was andere erwarten, Harmonie herstellen – und sich am Ende ärgern, dass dabei die eigenen Wünsche auf der Strecke bleiben.
Doch auch wenn man die restlichen Personen nur aus der Außenperspektive kennenlernt, ergibt sich ein gutes Bild. Natürlich sind die Mutter Babs und die Dorfbewohner nicht bis in die Tiefe analysiert, aber das brauchte die Geschichte der drei Mädchen auch nicht.

„Die Trabbel-Drillinge“ ist voller Klischees: Die Nette, die Schlaue, die Hübsche, die Öko-Mutter, die nur noch bunte, weite Sachen und einen Turban trägt, oder die fiesen Dorf-Jungs – Aber man darf nicht vergessen, dass das Buch eine Zielgruppe ab 10 Jahren hat. Mit diesem Hintergrund war es für mich nicht tragisch, dass alles etwas vereinfacht wurde.

Das Alter war überhaupt der einzige Punkt, der mich ab und zu verwirrt hat. Die Trabbel-Drillinge sind zwölf Jahre alt und gehen in die fünfte Klasse. Agiert man da so erwachsen, wie sie es die meiste Zeit getan haben? Dieses Alter ist bei mir schon eine Weile her, aber ich bezweifele, dass wir „Das steht hier ja wohl gar nicht zur Debatte!“ (S. 98) oder „[…] dann hat er sich schon eine hieb- und stichfeste Ausrede zurechtgelegt.“(S. 150) sagten. Immerhin kamen solche Aussagen jedoch immer von der schlauen Vicky. Von daher passt es wohl doch wieder.
Insgesamt gab es aber auch in irhen Handlungen und in ihrem professionellen Auftreten manchmal einen kleinen Bruch in der Alterslogik für mich. Vielleicht ist mir aber auch einfach nicht bewusst, wie erwachsen manche Zwölfjährige heute schon wirken.

Das war aber tatsächlich der einzige größere Punkt, der mich ab und zu stocken ließ. Ansonsten war das Buch wirklich rund.
Die Story wirkt zwar einfach, hat aber trotzdem die eine oder andere Überraschung parat.
Die tollen heißen Schokoladen von Franka machten mir richtig Lust auf das Heißgetränk. Die Rezepte am Ende des Buches habe ich deswegen dankbar zur Kenntnis genommen.
Der Zusammenhalt der Schwestern hat mich darüber hinaus ab und zu wirklich berührt und ich bemitleidete mich ein wenig, dass ich nur Einzelkind bin und nicht auch so etwas erleben konnte.

Alles in allem ist Anja Janotta mit „Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade“ ein wirklich süßes Buch gelungen: berührend, wohlig und unterhaltsam.
Und man kann es definitiv auch lesen, wenn man der Zielgruppe entwachsen ist… .

Anja Janotta – Die Trabbel-Drillinge – Heimweh-Blues & Heiße Schokolade
cbj, 26. Februar 2018
ISBN 3570175367
219 Seiten
Gebunden; 13,00 Euro

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