Die Frau im Mond – Erinnerung an die Liebe

© STUDIOCANAL

Frankreich, Anfang der vierziger Jahre: Die junge Gabrielle (Marion Cotillard) träumt von der vollkommenden Liebe und löst zu einer Zeit, in der Ehen weniger aus Liebe als zur Absicherung geschlossen wurden mit ihrer früh erwachten Sexualität einen Skandal aus. In ihrem bäuerlichen Heimatort wird sie für verrückt gehalten, bis ihre Eltern sie mit dem Saisonarbeiter José (Alex Brendemühl) verheiraten, der sie zu einer achtbaren Frau machen soll. Gabrielle fühlt sich lebendig begraben. Als man sie wegen ihrer zerbrechlichen Gesundheit in ein Sanatorium in die Alpen schickt, erweckt der im Indochinakrieg verwundete Leutnant André Sauvage (Louis Garrel) erneut das in ihr drängende Bedürfnis nach leidenschaftlicher Liebe. Nach Jahren in einer starren Vernunftsehe scheint Gabrielle ein spätes Glück vergönnt… (Inhalt laut Presseheft)

Ich hatte es nicht zu der Pressevorführung zu diesem Film geschafft und so wurde ich von Studiocanal mit einer Freikarte überrascht. Der Film ist seit dem 02. März im Kino. Zum Startwochenende hatte ich Besuch von meinen Eltern und konnte nicht ins Kino gehen. Und als ich Anfang dieser Woche, also fünf Tage nach Erscheinen des Films schaute, wann er in einem der Hamburger Kinos läuft, wurde er fast überall schon aus dem Programm genommen.
Nur am Rande der Stadt gab es noch ein einziges, kleines Kino, das „Die Frau im Mond“ zeigt. Das ist eigentlich kein gutes Zeichen für einen Film, aber ich hoffte, dass er mir trotzdem Spaß bringen wird.
Der Film basiert auf dem Buch „Die Frau im Mond“ von Milena Agus. Das italienische Original „Mal di pietre“ erschien im Jahr 2006. Nachdem ich den Film nun gesehen habe, muss ich feststellen: Es gibt echt bessere Bücher, deren Verfilmung mehr lohnen würde.
Die Story wird im Inhalt des Presseheftes sehr, sehr gut wiedergegeben und man kann schon erkennen: Der Film wird keiner sein, bei dem es einen vor lauter Spannung aus dem Kinosessel haut. Er muss mit der Geschichte an sich punkten, mit den Bildern, dem Schauspiel und der Überzeugungskraft. Er muss den Zuschauer packen und nicht mehr loslassen. Er muss allein mit dem Agieren der Figuren überzeugen.
Und ehrlicherweise hat das nicht funktioniert.

Gabrielle (Marion Cotillard) © STUDIOCANAL

Die Geschichte könnte eigentlich ziemlich gut sein. Gabrielle ist für ihr spießiges Heimatdorf sexuell zu begierig und soll deswegen José heiraten und mit ihm an die Küste ziehen. Ihre schmerzhaften Krämpfe bleiben jedoch auch dort und so soll sich die junge Frau auf einer sechswöchigen Kur erholen. Dort trifft sie den Leutnant André, der endlich wieder die Gefühle in ihr auslöst, die ihr Mann nicht auslösen kann.
Erzählt wird das alles jedoch zu langsam, zu lang und nicht tiefgründig genug. Und damit schleicht sich Langeweile ein. Vieles ist dann leider auch zu vorhersehbar. Die Bilder und Emotionen hätten gewaltiger sein müssen, um Interesse beim Zuschauer zu wecken.

Und vor allem die Emotionen waren ein Knackpunkt. Sie waren extrem zurückgenommen. Die Begierde nimmt nicht den Teil im Film ein, den sie einnehmen könnte. Und die Liebe wirkt sehr oberflächlich. Andere Gefühle gibt es kaum.
Und dadurch bleibt jeder Charakter flach, distanziert und kalt. Es gibt keine Person, in die man sich richtig hineinversetzen oder die als Identifikationsfigur fungieren könnte.

Da konnte selbst die oscarprämierte Schauspielerin Marion Cotillard nichts retten. Gabrielle ist zerbrechlich, labil und unglücklich. Gut gespielt, keine Frage, aber wahnsinnig schwer anzugucken. Eine leidlich herumirrende Frau, die immer wie ein scheues Reh guckt und bei Problemen sofort vom Tisch aufspringt und im Affentempo wegrennt, macht beim Zuschauen wenig Spaß.
Die anderen Rollen waren zum Ansehen definitiv angenehmer, aber sie bekamen alle wenig Platz und blieben sehr oberflächlich.

© STUDIOCANAL

Und selbst die Bilder boten nur bedingt etwas fürs Auge. Gabrielles Heimatort ist sehr karg und nicht mal die Lavendelernte überzeugte mit einem satten Lila. Erdtöne dominierten die Szenen.
Und die Szenen innerhalb des Sanatoriums waren eben eine Mischung aus Hotel und Krankenhaus und auch schlecht zum Durchatmen geeignet.

Die Musik glänzte durch Abwesenheit. Vor allem in der ersten Hälfte gibt es Sprache oder Naturtöne, aber so gut wie keine Musik. Erst in der zweiten Hälfte werden wenige Szenen – vorrangig ausgedehnte Szenen ohne Text – mit instrumentalen Stücken unterlegt. Die meiste Musik war dabei auch noch aktiv in den Film eingebaut, über das Radio oder selbstgespielt.
Dabei hätte gute Musik dem Film so gut getan. Zumindest sie hätte, je nach Auswahl, ein wenig Spannung hineinbringen können.

Das Fazit fällt also folgendermaßen aus: Alle Einzelelemente haben mir nicht gefallen: Keine Spannung, kaum Emotionen, unangenehme Figuren, keine Musik.
Und trotz allem, fand ich den Film gar nicht so schlecht. Dass sich das vereinbaren lässt, kommt mir selber spanisch vor. Aber trotz allem wollte ich wissen, wie es weitergeht und vor allem, ob Gabrielle noch mit André glücklich wird. Und dann wird man auch noch mit einer riesigen Wende vom Film überrascht, als man es am wenigsten erwartet. Auch wenn der Film nicht wirklich spannend war, habe ich mich schon einmal mehr gelangweilt.
Ja, letztendlich war die Story wohl das Beste am Film, doch die Einzelelemente reißen sie ziemlich runter.

Wer sich trotzdem selber von dem Film überzeugen möchte, kann auf der Film-Homepage vorbeischauen oder sich den Trailer ansehen:

Die Frau im Mond – Erinnerung an die Liebe
Originaltitel: Mal de pierres (2016)
Filmverleih: Studiocanal
Lauflänge: 116 Minuten
FSK 6

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