LiteraTour Nord – Benedict Wells

wells1Runde 3 der Lesetour ist beendet und damit ist die Halbzeit schon erreicht.

Als ich im Vorhinein einer Kollegin vom nächsten Autoren erzählte, wurden ihre Augen groß: „Du musst mir danach davon erzählen! Ich mag seine Bücher und er hat ja auch schon einige Preise gewonnen…“ Lustigerweise zeigte sie mir gleichzeitig eine gerade geöffnete Email auf ihrem PC, in der es unter anderem um Benedict Wells ging.
Ich hatte vorher – mal wieder – kein Buch von diesem Autoren gelesen, aber immerhin kannte ich ihn vom Namen.

wells4Als einziger Autor hat er auch nicht im kleinen Literaturhaus in Lüneburg gelesen, wo vielleicht 80 Menschen hineinpassen, sondern in einem Hörsaal der Uni, der über 400 Leute fasst. Der Abend war ausverkauft.

Als mein Dozent, der gleichzeitig der Moderator der Lesungen in Lüneburg ist, mit Benedict Wells hereinkam, war ich kurz irritiert. Zwei Gedanken kämpften zeitgleich miteinander: „Hat Herr Lahme sein Kind mitgebracht?“ und „Mensch, der Wells ist aber jung…“ Der zweite Gedanke stimmte – zumindest halb. Benedict (er duzte uns alle, ich glaube, wir sind jetzt Freunde) ist zwar mit 32 Jahren vier Jahre älter als ich, er sieht aber wahninnig jung aus.

wells3Er las aus seinem aktuellen Bestseller „Vom Ende der Einsamkeit“:

Jules und seine Geschwister Marty und Liz sind grundverschieden, doch der Unfalltod ihrer Eltern prägt alle drei. Jeder geht darauf seinen eigenen Weg. Der einst so selbstbewusste Jules wird zum schüchternen Internatsschüler. Nur mit Alva schließt er Freundschaft – und wird doch erst Jahre später begreifen, was sie ihm bedeutet. Berührend und klug entfaltet Wells eine Familien- und Liebesgeschichte, die von Grenzerfahrungen erzählt und davon, was in einem Menschen unveränderlich ist. (Inhalt laut Programmheft der LiteraTour Nord)

Ein Roman, der viele schwere Themen kombiniert: Tod der Eltern, Internatsleben, Geschwister, die sich entfremden und die große Einsamkeit. Doch es geht auch um Freundschaft und die Liebe, die immer da ist. Etwas, was bleibt, wenn sich alles ändert. Kein Buch, das sich leicht lesen lässt und auch seine ausgewählten Stellen mäanderten immer zwischen Melancholie und Leichtigkeit.

wells2Doch in den Momenten, in denen Benedict Wells aus sich heraus sprach und nicht las, da erfüllte nur eines den Hörsaal: Lachen. Jeder lachte. Von Herzen. Dieser Mensch ist so unglaublich sympathisch und witzig. Ich hätte ihm noch stundenlang zuhören können.
Und hätte mein Freund nicht im Auto auf mich gewartet, hätte ich mich sofort an der langen Schlange angestellt, ein Buch gekauft und es von Benedict unterschreiben lassen.
Verdammt, der Junge hat den Erfolg verdient.

Noch während er las, dachte ich: „Ich muss alles von ihm lesen: ‚Spinner‘, ‚Becks letzter Sommer‘, ‚Fast genial‘ und auch ‚Vom Ende der Einsamkeit‘!“. Und wie cool ist er denn, wenn er sagt: „Spinner war mein erstes Buch und es hat mir nie so richtig gefallen. Immer, wenn jemand sagte: ‚Ich habe mir Spinner gekauft.‘, dachte ich: ‚Oh nein…‘. Also habe ich es überarbeitet und es in einer neuen Version rausgebracht. Jetzt bin ich damit zufrieden.“?

Und ganz am Ende, da hörte der Saal nicht auf zu klatschen. Mehrere Minuten wurde Benedict Wells einfach nur bejubelt. Dieser unglaublich sympathische, talentierte, lustige und herzerwärmende Typ.

Advertisements

2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Trackback: Ich lese jetzt „Morgen mehr“ von Tilman Rammstedt | Buecherherz
  2. Trackback: LiteraTour Nord – Der Gewinner | Buecherherz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: