Die Insel der besonderen Kinder (Film)

die-insel-der-besonderen-kinder_filmKurz vor knapp habe ich es noch geschafft, das Buch „Die Insel der besonderen Kinder“ zu beenden, bevor der Film aus den Kinos verschwindet. Und auch wenn das Buch am Ende Längen hatte, freute ich mich wahnsinnig auf den Film. Tagelang hatte Vorfreude und endlich war es soweit.

Die Insel. Die Kinder. Das Grauen. Bist du bereit für dieses Abenteuer?
Manche Großväter lesen ihren Enkeln Märchen vor – doch was Jacob von seinem hörte, war etwas ganz, ganz anderes: Abraham erzählte ihm von einer Insel, auf der merkwürdige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben – und von den Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind. Inzwischen ist Jacob fast erwachsen und glaubt nicht mehr an die wunderbaren Schauergeschichten. Bis zu jenem Tag, an dem sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt… (Klappentext des Buches „Die Insel der besonderen Kinder“)

Buchverfilmungen sind ja häufig kritisch, da einfach zu viel der Geschichte abgeändert wurde oder werden musste, um alles in relativ wenig Zeit zu packen.

Schon am Anfang des Films merkte man, dass „Die Insel der besonderen Kinder“ definitiv stark gestrafft wurde.
Doch es wurden nicht nur Teile weggelassen, es wurde auch mehr geändert, als ich es je bei einer Buchverfilmung gesehen habe. Es fing bei der Todesursache des Opas an, reichte über die Fotos der Kinder und ging bis hin zu der Hinzuerfindung komplett neuer Figuren. Selbst das letzte Drittel des Films wurde quasi komplett neu erdichtet. Die gesamte Geschichte wurde also abgeändert. Außerdem wurden Fähigkeiten der Kinder vertauscht. Und als krönenden Abschluss gab es nur sehr wenige der alten Fotos im Film. Und die wenigen, die es gab, waren zwar denen im Buch nachempfunden, aber mit den Schauspielern neu aufgenommen.
Insgesamt haben mich die Änderungen massiv gestört.
Es schien, als sei der Film nur grob an die Idee des Buches angelehnt, machte daraus aber etwas Neues.

Doch natürlich kann man den Film auch sehen, ohne das Buch zu kennen. Und so kann man ihn auch als eigenes Werk beurteilen, doch ganz ohne Vergleiche kommt man nicht aus, wenn man das Buch gelesen hat.

Die größte Spannung des Buches war für mich das Erkunden der besonderen Geschichten über die Kinder und dann die Suche nach ebenjenen.
Da gerade der Anfang der Geschichte im Film sehr verknappt dargestellt wurde, fehlte mir der Aufbau der Spannung.
Jacobs Reise zu der Insel wirkte fast überstürzt und die Wichtigkeit – vor allem für seine Psyche und für seinen Glauben an den Großvater – ging komplett verloren.
Auch im weiteren Teil des Films konnte die Spannung für mich nicht so richtig aufgebaut werden. Selbst die Einführung eines neuen Antagonisten konnte die fehlende Spannung des Anfangs nicht ausgleichen.

Nichtsdestotrotz war die Geschichte über besondere Kinder auf einer abgelegenen, walisischen Insel natürlich interessant. Wenn man ganz unbedarft ins Kino geht, möchte man wissen, ob es die Kinder gibt und wenn ja, wie sie ihr Leben verlebt haben in den letzten 70 Jahren, seit Großvater Abraham nicht mehr im Kinderheim war.

Schön anzusehen war der Film auf jeden Fall. Die Kulissen, Kostüme und allgemeinen Filmfarben passten sehr gut zum Buch und zu der Geschichte insgesamt. Den Zuschauer erwartet eben kein kunterbuntes Filmvergnügen. Stimmung und Atmosphäre sind düster, rau, kalt und ungewohnt. Die Optik überträgt dieses Gefühl sehr gut.

Asa Butterfield macht als Jacob Portman eine ausgesprochen gute Figur. Er spielt den schüchternen, verletzten Jungen, der nach und nach seinen Mut entdeckt überzeugend.
Eva Green war eine deutlich jüngere Alma Peregrine, als ich sie vor meinem inneren Auge hatte. Aber das hat ihrer Leistung keinen Abbruch gekommen. Eva Green traf den schmalen Grat zwischen Fürsorge und Strenge sicher.
Mit Judi Dench spielte eine weitere gestandene Schauspielerin mit, die aber definitiv zu wenig Spielzeit hatte.
Samuel L. Jackson als neuer Antagonist Barron fiel für mich vollkommen aus dem Rahmen. Ein Bösewicht ist nur überzeugend, wenn er trotzdem seine Menschlichkeit nicht verliert, man den Funken Gutes noch erahnen kann. All das ging Barron komplett verloren. Er blieb oberflächlich, kühl, unausgereift.
Ebenso wie die meisten Nebenfiguren, denen kaum Zeit eingeräumt wurde und die man größtenteils nur gedanklich zu fassen bekam, wenn man das Buch und damit ihre Geschichten kannte.

Insgesamt waren die Emotionen stark zurückgenommen. Egal ob Trauer, aufkeimende Liebe oder Angst. Alles konnte bei dem Zuschauer nicht ankommen. Man sah es, aber man fühlte es nicht. Man wird definitiv nicht mitgerissen.
Wenn man dann noch weiß, in welche psychischen Probleme Jacob nach dem Tod seines geliebten Großvaters im Buch stürzt, fällt dieses Defizit des Films noch stärker auf.

Die Musik bestand durchgehend aus instrumentalen Stücken, die die Szenen untermalten, sich aber vornehm zurückhielt.

Man merkt, im Vergleich zum Buch schneidet der Film ganz, ganz schwach ab.
Was man dahingegen nicht merkt: Mir hat der Film trotzdem gut gefallen. Vorrangig lag das an der guten Geschichte und der allgemeinen Idee des Films. Zusätzlich gefielen mir der Asa authentische Butterfield und die überzeugende Eva Green. Und er war einfach wirklich schön anzusehen.
Man kann den Film definitiv gut angucken. Als Fan der Bücher wird man aber eher enttäuscht.

Die Insel der besonderen Kinder
Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children (2016)
Filmverleih: 20th Century Fox
Lauflänge: 127 Minuten
FSK: 12

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. elizzy91
    Nov 28, 2016 @ 16:39:20

    Dieses Buch will ich auch noch unbedingt lesen! Merke mir deine Rezi, damit ich sie danach noch lesen kann! Wünsche dir eine tolle Woche!

    Antwort

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