Nerve (Film)

© STUDIOCANAL

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Das Buch „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“ von Jeanne Ryan wurde verfilmt und kommt am 08. September 2016 als „Nerve“ in die deutschen Kinos.
Als ich vom Verlag cbt zur Pressevorführung des Filmes eingeladen wurde, schaute ich mir den Trailer an und sagte dann begeistert zu. Der Film klang schon spannend. Wie grandios ich ihn dann am Ende tatsächlich finden werde, war mir noch nicht klar.

Als ich im Kino die Pressemappe öffnete, entfuhr mir sofort ein fröhliches Quietschen. Henry Joost und Ariel Schulman sind die Regisseure und diese beiden sind maßgeblich an einer meiner liebsten Reality Shows beteiligt: Catfish.
Ich versprach mir viel Unterhaltung.

„Nerve“ ist das neue, geheime und vollkommen illegale Spiel im Jahr 2020.
Vee lebt ihr Leben ruhig und routiniert – oder „langweilig“, wie ihre beste Freundin Sydney sagt. Um ihren Freunden zu beweisen, dass sie auch ihr Leben in die Hand nehmen kann, registriert sich Vee bei „Nerve“. Aber sie will kein Watcher sein. Sie will ein Player sein.
Von nun an werden ihr 24 Stunden lang Aufgaben von den anonymen Watchern gestellt, sie bekommt Geld und Ruhm dafür. Schon bei ihrer ersten Aufgabe lernt sie Ian kennen. Die beiden gefallen den Zuschauern als Team so gut, dass es von nun an gemeinsame Aufgaben gibt. Und diese werden immer riskanter…

Die Geschichte spielt nicht sehr weit in der Zukunft und ist gerade deswegen von vornherein spannend. Auch wenn es schon Filme mit dem Ansatz „PC-Spiel in Realität“ gibt, beispielsweise „Gamer“ oder „Scott Pilgrim“, ist das Genre und die Thematik nicht vollkommen ausgereizt. So bietet „Nerve“ auf jeden Fall für viele Leute etwas Neues und auch nach Filmende kann man weiter über ihn diskutieren: Könnte es so wirklich werden? Welche Möglichkeiten eröffnen sich durch das Darknet? Welche Inhalte sollte man in den sozialen Meiden teilen? Wäre „Nerve“ in der realen Welt möglich? Muss man sich nicht ständig entscheiden, ob man Watcher oder Player ist?

Vee (Emma Roberts) und Ian (Dave Franco) © STUDIOCANAL

Vee (Emma Roberts) und Ian (Dave Franco)
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Emma Roberts und Dave Franco spielen die Hauptcharaktere. Emma Roberts kann man (und sollte man meiner Meinung nach auch) seit der dritten Staffel in „American Horror Story“ bewundern. Dave Franco trat mit „Scrubs – Med School“ das erste Mal so richtig in Erscheinung.
Beide bilden ein vollkommen überzeugendes Duo. In jeder Sekunde nahm ich ihnen ihre Leidenschaft, Lust am Spiel und Sympathien füreinander vollkommen ab.
Doch die sehr gute schauspielerische Leistung war bei allen ¬vorhanden. Nicht nur die anderen Haupt- und Nebenfiguren überzeugten mich, nein selbst die Statisten, die vielen Watcher, machten ihre Sache hervorragend.

Die Gefühlspalette des Filmes ist überaus vielfältig. Sowohl familiäre Konflikte, als auch Streit und Neid zwischen Freunden sind Themen, aber auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Und trotzdem ist „Nerve“ als „Thriller“ zu klassifizieren.
Die Gefühle waren an manchen Stellen vielleicht etwas oberflächlich dargestellt, doch nicht alle. Es wurde ein sehr guter Mittelweg gefunden, um den Film nicht künstlich mit Gefühlen oder Bedeutung aufzuladen. Und oft konnte ich intensiv mitfühlen. Ich war bewegt, verängstigt, begeistert, gerührt. Die Gefühle konnten sich auf jeden Fall in einem gewissen Rahmen auf mich übertragen.

Als wäre das nicht schon Leistung genug, überrannte mich die Spannung völlig. Ich fieberte so sehr mit, wie ich es sicher seit Jahren nicht getan habe. Bei jeder erledigten Aufgabe war ich gespannt, was als nächstes kommt. Gefährliche Aufgaben konnten mich dazu veranlassen, dass ich die Luft anhielt, mich im Sitz nach vorne lehnte, meine Hände auf meinen Kopf legte und mich nur noch auf die Leinwand konzentrierte.
Der Film steht insgesamt nie still. Er ist rasant, die Story schreitet schnell voran und es wird die eine oder andere Überraschung geboten. Die Spannung baut sich dabei unaufhaltsam auf und trotzdem bleibt den Figuren und dem Publikum auch mal Zeit zum Durchatmen.

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Die Kameraarbeit war ebenso spannend wie die Geschichte und die Aufgaben. Es gab jederzeit etwas zu entdecken durch die vielen ungewöhnlichen Perspektiven. Oft, aber definitiv nicht immer, lag es daran, dass die Protagonisten das Erledigen der Aufgaben selber mit ihrem Handy filmen mussten. Manchmal war es ein bisschen als würde man sich einen Vlog eines YouTubers ansehen.
Interessant war es auch, wenn man selber zum Watcher wurde mit all den Einblendungen am Bildschirmrand. Obwohl es sehr viele digitale Zusätze im Bild gab, störten sie nicht oder minderten die Authentizität.

Musikalisch hatte der Film allerhand zu bieten. Die Musik war nicht nur instrumentaler Natur. Viele Songs unterlegten die Stimmung. Mal fröhlich beschwingt, mal bedrückend und hart. Manche Szenen wurden auch komplett von ihr getragen. Es könnte störend sein, wenn die Musik so stark in den Vordergrund tritt, aber in der Gesamtheit passte es. Oft waren keine Dialoge nötig, sondern die Bilder sprachen für sich. Hier waren die Songs stimmungsgebend, wichtig und definitiv nicht zu viel.

Es ist mir fast ein bisschen peinlich, einen Film, den ich auf Einladung des Verlags hin kostenlos ansehen durfte, so sehr in den Himmel zu loben, aber so ist es. Ich fand ihn genial! Kaum war ich aus dem Kinosaal hinausgelaufen, empfahl ich den Film schon Freunden weiter.
Er hat eine innovative Geschichte, tolle Schauspieler, viel Spannung und trotzdem kamen die Gefühle nicht zu kurz.
Um so viel Spaß wie ich an ihm zu haben, sollte man aber unbedingt ein gewisses Interesse an Online-Spielen haben, da man sonst den Sog, den dieses Spiel auf die Jugendlichen hatte, nicht nachvollziehen kann. Und nichts würde dem Film mehr die Glaubwürdigkeit rauben, als wenn der Zuschauer die Intention des Spielens nicht versteht.
Da es an ganz vereinzelten Stellen Logikschwächen gab und es ebenso vereinzelt ein wenig mehr Gefühl hätte geben können, gibt es einen minimalen Abzug.
„Nerve“ ist aber überaus sehenswert und ich empfehle ihn aus tiefstem Herzen! Ich hatte eine unglaublich gute Zeit mit ihm. 4,5 Sterne

Nerve
Originaltitel: Nerve (2016)
Filmverleih: Studiocanal
Lauflänge: 96 Minuten
FSK: 12
Ab dem 08 September 2016 in den deutschen Kinos

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Melanie
    Sep 01, 2016 @ 21:04:58

    Huhu,
    früher mochte ich Emma Roberts nicht. Seitdem sie aber bei AHS mitspielt, sehe ich sie total gerne. Wenn ich es schaffe, dann schaue ich mir „Nerve“ noch im Kino an!😊

    Antwort

    • buecherherz
      Sep 01, 2016 @ 21:22:34

      Hey, ich hatte irgendwie nie so eine richtige Meinung zu ihr. Aber in AHS – Coven fand ich sie auch soooo gut!
      Ich bin sogar so begeistert, dass ich mir Nerve wohl auch nochmal im Kino angucken werde. Er lohnt sich echt! 🙂

      Antwort

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