Nova Weetman – Lily Frost – Fluch aus dem Jenseits

Weetman_Lily Frost

»Als ich aufstehen will, entdecke ich etwas auf dem Boden. Buchstaben, die grob ins Holz geritzt sind. Ich fahre mit dem Finger darauf entlang. Dann fällt mir auf, was sie bedeuten, und ich kann kaum glauben, dass ich es erst jetzt erkenne. LILY FROST. Mein Name. «

Ein düsterer Fluch.
Unheilvolle Botschaften.
Ein verschwundenes Mädchen.

Wäre Lily Frost doch nie in dieses alte Haus gezogen… (Klappentext)

Früher, als ich noch lange nicht volljährig und regelmäßig in der Buchhandlung war, habe ich mir oft genau solche Bücher ausgesucht. Bücher mit Geheimnissen und gruseligen Geschehnissen. Geschichten, die ich entschlüsseln und entdecken wollte.
Und auch heute, viele Jahre später, ziehen mich solche Geschichten noch an. Auch in Jügendbüchern. Auch wenn ich der Zielgruppe von 14 bis 17 Jahren – wie in diesem Fall – schon lange entwachsen bin.

Die fünfzehnjährige Lily Frost muss mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder von der großen Stadt aufs Land ziehen. Von Melbourne in ein Dorf, das keine 1500 Einwohner hat. Sie muss ihre beste Freundin, ihre Klasse und ihr ganzes bisheriges Leben hinter sich lassen.
Familie Frost zieht in ein großes, gespenstisches Haus. Noch beim Einzug sieht Lily ein Gesicht am Fenster des Dachbodens. Und trotzdem zieht der Speicher sie magisch an. Das soll ihr neues Zimmer werden. Und plötzlich passieren immer mehr seltsame Dinge.

Ich mag solche Art von Geschichte. Also auch diese. Ich war gespannt darauf, der Ich-Erzählerin Lily zu folgen und ihr bei all den seltsamen Ereignissen über die Schulter zu blicken.
Dabei ist aber sicherlich jedem einzelnen Leser sofort klar, was es mit allem auf sich hat.
Sofort nach dem Sehen des Gesichts am Fenster, will sich Lily mit der Mess-Skala am Türrahmen vergleichen, die von dem Kind der Vorbesitzer – Matilda – stammen. Spätestens nachdem sie von einer unsichtbaren Kraft an ebenjenen Türrahmen gedrückt wurde und es danach einen Strich mehr gibt, scheint das Geheimnis des Buches gelöst.
Jeder weitere überdeutliche Hinweis kommt einem Wink mit dem Zaunpfahl gleich.
Leider wird so von Anfang an die Spannung aus der Geschichte genommen. Selbst jüngeren Lesen muss einfach sofort klar sein, wie alles zusammenhängt.

Lily hat es nicht leicht. Nicht nur, dass sie aus ihrer gewohnten Umgebung weg muss, ohne ihre beste Freundin Ruby ist sie auch nur das schüchterne, unsichere Mädchen, das schwer Anschluss findet. Dazu kommt das pubertäre Gezicke, das Probleme in der Familie bringt.
Trotzdem ist sie ein vielschichtiger Charakter und ich konnte viel von mir selber in ihr sehen. Auch anderen Leser und Leserinnen wird es bestimmt so gehen. Lily ist also ein authentischer Charakter.
Den anderen Figuren kommt man nicht so nah wie ihr. Niemand ist eindimensional oder flach dargestellt, aber eine richtige Verbindung lässt sich zu ihnen schwer herstellen.

Sprachlich entspricht alles vollkommen der Zielgruppe. Die Geschichte lässt sich schnell und flüssig lesen.

Die Geschichte lässt sich jedoch auch schnell lesen, da sie mit 237 Seiten relativ kurz ist und die Buchstaben ziemlich groß.
Die Kapitel haben dabei eine sehr unterschiedliche Länge. Von zwei bis 60 Seiten reicht die Spanne.
„Lily Frost – Fluch aus dem Jenseits“ verrät schon im Titel alles, was die Geschichte spannend machen könnte und wahrscheinlich auch soll – wenn man es eben nicht schon vom Titel wüsste.
Es gibt keine Überraschungen und jedes weitere gruselige Ereignis untermauert das Wissen des Lesers immer mehr. Schade nur, dass Lily nicht so schnell schaltet.
Und trotzdem mochte ich das Buch. Auch wenn von Anfang an klar ist, was mit Matilda passiert ist, gefällt mir die Geschichte. Ich stehe aber auch auf diese Art von Story. Und wäre ich noch jünger, würde es mir sicherlich noch besser gefallen.

Trotz einer authentischen Figur, einer interessanten Geschichte und angenehmen Sprache sind die fehlende Spannung und die brachialen Hinweise einfach zu präsent. Ich hätte mir mehr Geheimnis, mehr Rätseln und mehr versteckte Erklärungen gewünscht. So wäre das Ende nicht ab Einzug in das Haus absehbar gewesen, sondern ein Aha-Moment. Ich hatte aber trotzdem Spaß und vergebe 3,5 Sterne Sterne.

Nova Weetman – Lily Frost – Fluch aus dem Jenseits
Originaltitel: The Haunting of Lily Frost (März 2015)
Beltz & Gelberg, 29. Februar 2016
ISBN 3407746547
237 Seiten
Gebunden; 14,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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