Jessica Swiecik – Schattentour

Swiecik_Schattentour

Willkommen im „Unus“! Checken Sie ein, und lassen Sie sich vom maroden Äußeren nicht täuschen!
Einem DAUERHAFTEN Aufenthalt steht nichts im Wege!

Ein Urban Explorer-Team erkundet ein altes, leerstehendes Gebäude in der Nähe Frankfurts. Sie wollen die Vergangenheit des Hotels ergründen und die Schönheit des Verfalls auf Fotos festhalten. Doch das „Unus“ ist nicht so einsam, wie es auf den ersten Blick scheint. Sie treffen auf ein anderes Team, das die Nacht ebenfalls in dem Gebäude verbringen will. Aber das wird nicht ihre einzige Begegnung bleiben. Das einstige Luxushotel verbirgt ein dunkles Geheimnis, und die Tour durch das alte Gemäuer verwandelt sich in einen Albtraum, aus dem es kein Entrinnen gibt… (Klappentext)

Dank des Verlags mainbook hatte ich die Möglichkeit, das Buch der mir bisher unbekannten Autorin Jessica Swiecik zu lesen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich relativ selten abseits der großen Verlage nach neuem Lesestoff suche.
Aber ich habe mal wieder gesehen, dass das ein Fehler ist.

Obwohl Thriller in abgeschotteten alten Gebäuden sicher nichts Neues sind und ich selbst auch schon ein paar dieser Art gelesen habe, liebe ich so ein Setting immer wieder.

Zwei Gruppen junger Menschen wollen das seit über zwanzig Jahren geschlossene Hotel in der Nähe von Frankfurt erkunden.
Adam, Lara, Malte und Shannon bilden ein Urban Exploration Team. Sie halten die Schönheit des Lost Places in Fotos fest.
Carly, Elin und Fynn sind Ghost Discoverers und erkunden, ob der Geist eines im Hotel verstorbenen Mädchens noch in den alten Räumen umherwandert.
Beide Teams wollen zufällig in derselben Nacht in das „Unus“, aus dem es schon bald kein Entkommen mehr gibt.

Mir gefielen sowohl die rationalen Ambitionen des einen Teams als auch die übersinnlichen des anderen Teams. Ich freute mich auf die Erkenntnisse, die sie in dieser Nacht machen werden. Egal welcher Art sie sein werden. Ich war für alles offen.
Schnell stellte sich bei mir zusätzlich eine Beklemmung ein. Es war, als wäre ich auch in dem Hotel, in dem man in fast vollständiger Dunkelheit wandelte und in dem bald seltsame Dinge geschahen. Gruselige, ungewöhnliche, unerklärliche Dinge.

Obwohl man sieben Leute auf einen Schlag kennenlernte, waren die einzelnen Charaktere untereinander sehr schön differenziert, sodass die Grenzen nicht verschwammen.
Ich konnte mir auch dank einzelner Beschreibungen, die an passenden Stellen einflossen, jedes einzelne Team-Mitglied genau vorstellen. Nicht jeder war mir sympathisch, aber das sollte so sein.

Die Thematik gefiel mir also unglaublich gut.
Ich hoffte, dass Jessica Swiecik es schafft, diese auch gut einzubetten und das war ihr definitiv gelungen.
Die Kapitel wechseln immer zwischen den beiden Teams hin und her. Die Länge ist mit durchschnittlich fünf bis sechs Seiten sehr angenehm.
Was dann aber am Ende fast jedes Kapitels wartet, ist ein unglaublich guter Cliffhanger. Ich musste immer mehr und immer weiter lesen, damit sich bloß alle Cliffhanger schnell auflösen.

Ich bin bei der Sprache selten wirklich kritisch. Sobald mir der Spaß nicht durch allzu plumpe oder allzu hochgestochene Formulierungen genommen wird, bin ich da recht anspruchslos. Ich persönlich möchte mich mit den Büchern amüsieren und dazu muss die Sprache kein feingeistiges, messerscharfes Gerüst bilden.
In „Schattentour“ ist mir die Art zu erzählen immer mal wieder entgegengesprungen.
Manchmal fühlte es sich beim Lesen an, als hätte die Autorin sich wirklich viel Mühe gegeben, Synonyme zu finden, alle Feinheiten gut auszuformulieren und so viele und präzise Infos wie möglich zu verpacken. Es war definitiv nicht schlecht gemacht, wirkte aber an manchem Stellen etwas angestrengt. Vielleicht tue ich der Autorin gerade unrecht und das ist alles so direkt aus ihrer Feder herausgeflossen, aber so las es sich nicht immer.

Abschließend habe ich noch zwei – nun ja, nicht Kritikpunkte, aber – Hinweise.
Wer „Schattentour“ liest, sollte dies aufmerksam tun. Gerade nachdem sich die beiden Teams gefunden habe, gibt es permanente Neu-Konstellationen. Die Teams mischen sich, dann ist er abhanden gekommen, sie stößt neu hinzu, die Gruppe trennt sich, er wird allein gelassen. Ich versuchte zwischendurch immer wieder den Weg der einzelnen – sieben! – Menschen zu rekonstruieren, damit ich nicht durcheinander komme.

Für den zweiten Punkt kann die Autorin absolut nichts und ich finde es auch nicht negativ, aber ich wollte es erwähnen.
Die Schrift ist ziemlich klein, der Satzspiegel dafür groß, man hat also nur kleine Ränder auf den Seiten und das Buch ist größer als normale Taschenbücher. Damit bietet eine Seite also mehr Text als man es sonst gewohnt ist. In anderen Verlagen hätte das Buch also keine 263 Seiten gehabt, sondern locker 350 bis 400.
Aus nachhaltigen Aspekten und für die Ressourcenschonung finde ich das super! Als Leser hatte ich aber manchmal das Gefühl, ich würde nicht so recht vorwärts kommen.

Ich fand „Schattentour“ wirklich sehr gelungen. Volle fünf Sterne gibt es von mir nicht, da ich manches Mal bei der Sprache etwas holperte, ich mit dem großen Figuren-Gemixe manchmal verwirrt wurde und weil ich mich zwar etwas gruselte, aber relativ schnell einen Verdacht hatte, wer an den ganzen unheimlichen Dingen Schuld ist, der sich dann auch bestätigte. Meiner Meinung nach waren manche Hinweise vielleicht einen Ticken zu deutlich. Trotzdem bekommt das Buch gute 4 Sterne von mir.

Jessica Swiecik – Schattentour
mainbook, 08. Oktober 2015
ISBN 3944124847
263 Seiten
Taschenbuch; 11,95 Euro

Kostenloses Rezensionsexemplar

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