David Levithan – Letztendlich sind wir dem Universum egal

Levithan_Letztendlich sind wir dem Universum egal

»Jedem Tag bin ich jemand anders. Ich bin ich – so viel weiß ich – und zugleich jemand anders. Das war schon immer so.«
Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt, und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren. Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein? (Klappentext)

Ich habe im letzten Jahr so viele begeisterte Rezensionen zu diesem Buch gelesen und nun weiß ich auch wieso.
Ich habe das Buch stundenlang nicht aus der Hand legen können. Ich MUSSTE einfach immer weiterlesen. Ich wollte immer noch einen weiteren Tag von A erleben.

Endlich ist das mal wieder eine neue, spannende Idee. Ich war schon allein davon sehr begeistert.
Und dann ist A auch noch jemand, den man gern begleitet, weil er einem leidtut und gleichzeitig fasziniert. Weil dieses Leben so ganz anders ist als das, was man kennt. Plötzlich merkte ich als Leser, wie wichtig bestimmte Dinge im Leben sind, die mir Beständigkeit geben. Wie dankbar man sein kann, dass es Sachen gibt, die einen seit Jahren begleiten und das auch immer tun werden. Und damit meine ich nicht nur übergeordnete Dinge wie Familie und Freunde, sondern allein schon unsere Erinnerungsstücke.
Durch die eigenen Gedanken und auch durch As Ausführungen zum Leben bekommt das Buch einen leichten philosophischen Einschlag.

Für mich war der sechzehnjährige A im Grunde immer männlich. Vielleicht, weil der Klappentext schon von „er“ spricht, vielleicht weil man ihn als erstes im Körper von „Justin“ begleitet, vielleicht, weil er sich in ein Mädchen verliebt. A selber hat kein Gefühl für sein Geschlecht – er passt sich immer an.
Aber viel wichtiger als sein Geschlecht ist sein Charakter und seine Seele, denn nur das macht ihn aus. Nur daraus besteht seine Person. Und diese Person ist lieb und nett, ohne übertrieben herzensgut zu sein. Er gibt sein Bestes, um dem Körper nicht zu schaden, aber manchmal geht es nicht anders…

Jedes Kapitel stellt einen neuen Tag dar und somit auch eine neue Person. Es gibt nur zwei Dinge, die dabei konstant bleiben: Das Alter des jeweiligen Körpers und die Liebe zu Rhiannon.
A selber muss jeden Morgen Abfragen starten, wer er heute ist und somit bekommt auch der Leser immer eine neue Familie und Umgebung geliefert und doch wird man nicht verwirrt.
Man akzeptiert den Wechsel und den neuen Körper ebenso leicht, wie A es tut.

Mit Rhiannon verliebt sich A in ein Mädchen, das es auch dem Leser leicht macht, es zu mögen. Auch wenn ich nicht alle Entscheidungen von ihr nachvollziehen konnte, so habe ich dieses kleine verletzliche Mädchen doch sehr schnell ins Herz geschlossen und mich nebenbei über ihre Entwicklung sehr gefreut.

Spannend war das Buch auf mehreren Ebenen. Die Liebesgeschichte, ehemalige Körper, die doch in As Leben bleiben und immer die Frage: Kann das Wechseln irgendwann aufhören?
Ich konnte nie abschätzen, wie das Buch enden wird.
Immer wieder wurde ich überrascht.

Das Große und Ganze des Buches gefällt mir wirklich unheimlich gut.
Es gab nur Kleinigkeiten, mit denen ich Probleme hatte.
Ich fand As Verhalten manchmal zu doll, zu verliebt, zu bedrängend. Nicht immer konnte ich es uneingeschränkt nachvollziehen.
Und manchmal, da hatte ich Probleme mit der Übersetzung.
Vielleicht redet man im Umkreis der Übersetzerin einfach anders, als ich es gewohnt bin (ähnlich wie „ich habe angefangen“ oder „ich bin angefangen“), vielleicht sind die Sätze auch einfach falsch.
Ich stolperte beispielsweise über folgende Dinge:

„Plötzlich rühren wir an das Heilige […].“ (S. 23)
„Der Körper besteht auf seiner eigenen Logik.“ (S. 83)
„Sie wollen an das Ungeheuerliche rühren.“ (S.101)
„Während er sich darüber verbreitete, wie zickig Stephanie zu Steve ist […].“ (S. 240)
„[…] deren Leben ich mit Beschlag belegt habe […].“ (S. 248)

Sprachlich war das Buch aber sonst vollkommen angemessen für ein Jugendbuch. Es ist leicht verständlich und driftet eher in die Umgangssprache ab. Mir persönlich war es nur ein bisschen sehr viel „das Ungeheuerliche“ und „an etwas rühren“. Das kam überproportional oft vor.

Insgesamt war ich am Ende vom Buch trotzdem genau so begeistert wie anfangs von der bloßen Idee.
Ich mochte A und Rhiannon so gern und war auf jedes neue Kapitel, jedes neue Leben gespannt.
Manchmal schaffte es „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ sogar, dass ich vor Freude juchzte.
Meine „Probleme“ mit dem Buch schlagen sich zwar auf die Bewertung nieder, aber nur gering. 4,5 Sterne

David Levithan – Letztendlich sind wir dem Universum egal
Originaltitel: Every Day (August 2012)
Fischer FJB, 24. März 2014
ISBN 3841422195
399 Seiten
Gebunden; 16,99 Euro

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5 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. elizzy91
    Mai 26, 2015 @ 16:50:49

    Das klingt nach einem richtig tollen Buch!
    Tolle Rezension und ein toller Blog!

    Antwort

  2. Trackback: Ich lese jetzt “Wunder” von Raquel J. Palacio | Buecherherz
  3. Trackback: Jahresabschluss 2015 | Buecherherz
  4. Trackback: Ich lese jetzt „Will & Will“ von John Green und David Levithan | Buecherherz

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