Nina Blazon – Faunblut

Blazon_FaunblutFast zwei Monate habe ich für dieses Buch jetzt gebraucht. Und das leider nicht, weil ich extra langsam gelesen habe, um es vollends zu genießen. Im Gegenteil. Ganz im kompletten Gegenteil.
Dabei klang der Klappentext eigentlich nach etwas, das mir gut gefallen könnte:

Eine Metropole am Rande der Zeit, eine Herrschaft im Zeichen der Gewalt und eine Liebe wider jede Vernunft.
Als Jade, das Mädchen mit den flussgrünen Augen, den schönen und fremdartigen Faun kennenlernt, steht ihre Welt bereits kurz vor dem Untergang.
Aufständische erheben sich gegen die Herrscherin der Stadt, und die sagenumwobenen Echos kehren zurück, um ihr Recht einzufordern. Jade weiß, auch sie wird für ihre Freiheit kämpfen, doch Faun steht auf der Seite der Gegner… (Text der Umschlagklappe)

(Kurze Warnung: Wer unmotiviertes Gejammere nicht lesen will, der springe besser zum letzten Absatz.)

Aaaach, es fängt ja schon beim Inhalt an. Als ich mir Gedanken gemacht habe, worum es denn nun genau ginge, fiel mir keine Antwort ein. Es geht um die Echos irgendwie. Und Liebe. Und die Regierung einer Stadt, von der man bis zum Ende nicht wusste, wie sie heißt und in was für einer Welt sie liegt. Vielleicht ging es aber auch um Selbstverwirklichung oder mittelalterliche Riten. Vielleicht auch um alles davon oder nichts. Wer weiß das schon so genau.

Und dieses ganze Übernatürliche. Die ganzen Wesen, die darin vorkommen. Die Echos allein oder Faun, der auch nicht so ganz menschlich zu sein scheint und der ein und andere noch zusätzlich. Mir war das zu wenig Erklärung. Klar, ich könnte das nun einfach so hinnehmen, dass die Welt da nun einmal so ist und fertig. Ist ja Fantasy. Trotzdem fehlte mir da Wissen.

Das ist überhaupt ein gutes Stichwort.
Man war sofort in der Geschichte drin, in der plötzlich Jade und Lilinn, die Köchin im Hotel Larimar, das von Jades Vater geführt wird, von Echos gejagt werden.
Es hat definitiv Vorteile, wenn es nicht noch eine riesige Einleitung gibt, aber es nervt mich auch, wenn einfach Personen erwähnt werden, aber mit keinem Sterbenswörtchen, wer das nun genau ist. Die Erklärungen, wer die Leute waren, kamen erst viele, viele Seiten später. Auch auf Ereignisse lässt sich das übertragen. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich gedacht, ich lese einen zweiten Teil. Ständig hatte ich das Gefühl, mir würde Vorwissen fehlen.

Ich hätte darüber vielleicht noch hinwegsehen können, wenn ich die Figuren gemocht hätte, aber nicht eine konnte ich gut leiden. Allen voran Jade, die ja ach so leidenschaftlich und störrisch und selbstständig und stark und… ja ja… nervig, das isse! Ich hatte das Gefühl, sie musste jeden irgendwie anpampen und ständig wurde sie wütend. Manche nennen es Impulsivität, ich nenne ich Aggressionsproblem.
Und auch die anderen Figuren… Ihr Vater Jakub war sogar noch unsympathischer. Er las sich immer grimmig, stur, kalt, jähzornig und verschlossen.
Jades bester Freund Martyn war vielleicht noch ganz nett, aber eine männliche Zicke.
Und Faun? Über den kann ich gar nicht erst reden. Ja, diese Figuren, bei denen man nicht genau weiß, woran man ist, sind ja interessant, aber er litt anscheinend auch unter argen Stimmungsschwankungen. Und dann erzählte er immer nur Halbwahrheiten, deren zweite Hälfte nur sehr langsam richtiggestellt wurde.

Vielleicht wäre ich sogar darüber noch hinweg gekommen, wenn die Liebesgeschichte mich wenigstens zum Schmelzen gebracht hätte. Hat sie aber nicht!
Erst konnten sich beide auf den Tod nicht leiden und ganz plötzlich kribbelte es und … BÄMM… plötzlich liebten sie sich heiß und innig. Das kann man mir nun so nicht erzählen. Liebe auf den ersten Blick gut und schön, aber dann soll man sich doch bitte am Anfang nicht so offenkundig blöd finden.

So und auch darüber wäre ich eventuell – im Fall aller Fälle – hinweg gekommen, wenn mich die Sprache mitgerissen hätte, mich inspiriert und mit schönen Bildern im Kopf zurückgelassen hätte. Und auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Hat sie aber nicht!
Die Sprache war so dicht, so voll, als würde Frau Blazon versucht haben, in möglich wenig Zeilen möglich viel Inhalt zu bekommen. All die Adjektive und Vergleiche (beide gern neu erfunden und seltsam verschwurbelt) machten es manchmal unmöglich fließend zu folgen. Ich fühlte mich durch die Seiten gehetzt und hielt es nicht selten nur drei Seiten aus, bis ich das Buch zur Seite legen musste, weil das Lesen mich erschöpfte.

Vielen Beschreibungen (zum Beispiel von Wegen, Fluchten oder Handlungen, die viele Bewegungsläufe beinhalteten) konnte ich auch nicht folgen, weil ich die Beschreibung so umständlich empfand. Ich verstand nicht, wo Jade sich jetzt wie langhangelt oder was sie mit ihrem Bein oder Arm macht oder um welche Ecke sie gerade biegt. Ständig las ich solche Abschnitte doppelt und dreifach.

Ich kann im Nachhinein kaum etwas Gutes über das Buch sagen.
Ja, die Idee mit den Echos war neu. Ein paar innovative Ansätze gab es sicher, die das Buch von anderen Fantasybüchern unterscheidet. Alles in allem fand ich das Buch aber nicht rund. Ständig schien mir Wissen zu fehlen, ich mochte die Figuren nicht, ich kam mit der Art zu schreiben nicht zu recht und alles in dem Buch kam mir zu unvermittelt: die Liebe zwischen Jade und Faun, das Chaos in der Stadt, alles war plötzlich mit riesigem Knall da.
Nein, ich mochte das Buch nicht. Es gibt 1,5 Sterne Sterne und der halbe Stern ist auch nur deswegen da, weil mich das Buch nicht zum Abbruch zwang.

Nina Blazon – Faunblut
cbt/cbj Verlag, 1. Dezember 2008
ISBN 978-3-570-16009-1
479 Seiten
Gebunden; 18,95 Euro
(als Taschenbuch erhältlich)

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. seitengeraschel
    Aug 30, 2014 @ 13:22:57

    Es nervt ja auch ziemlich, dass bei fast all diesen Geschichten die Liebesgeschichte so abläuft, dass die Protagonisten einander erst nahezu hassen und dann in so eine kitschige rosarote Welt fallen… 😉 Danke für deine ehrliche Meinung.

    Antwort

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