H.G. Wells – Die Insel des Dr. Moreau

Wells_Die Insel des Dr Moreau

»Ich hätte vor Entsetzen aufschreien mögen. Das Gesicht kam näher… und ich sah mit bebendem Ekel, daß es weder das Gesicht eines Menschen noch das eines Tieres war.«

Auf einer abgelegenen Pazifikinsel führt Dr. Moreau teuflische Experimente durch. Als ein junger Engländer auf der Insel strandet, kommt er den haarsträubenden Machenschaften des Wissenschaftlers auf die Spur und entdeckt schließlich dessen monströse Schöpfungen. Doch eine Flucht scheint unmöglich. (Klappentext)

Als das Schiff, auf dem der junge Edward Prendick unterwegs war, untergegangen war, wurde er von dem Schoner Ipecacuanha aufgelesen. Dort konnte ihn der Arzt Montgomery pflegen, der gerade mit einer großen Ladung von Tieren zu seiner Insel gebracht wurde.
Als diese erreicht war, wollte der Kapitän plötzlich auch Prendick loswerden und so beginnt dessen Abenteuer auf der Insel von Dr. Moreau.
Es dauert nicht lange und bald fallen ihm die seltsam gestalteten Menschen der Insel auf und dass er bestimmte Bereiche des Hauses nicht betreten darf. Und aus diesen Bereichen vernimmt er immer schmerzerfülltere Schreie…

Selten hat ein Buch in mir so den Drang hervorgerufen manche Stellen komplett überlesen zu wollen und dafür andere noch mit vielen Seiten auszuschmücken.
Wie die Schiffe segeln interessierte mich nicht und ebenso wenig wollte ich immer die gleichen Beschreibungen der Insel und deren Landschaft hören. Diese Stellen las ich schnell und wenig genau, aber immer dann, wenn wir zu den Geschöpfen der Insel kamen, wollte ich mehr, mehr, mehr. Ich wollte genaue Beschreibungen über das Aussehen und die Charaktere. Ich wollte wissen, wie sie reden und was sie denken. Vor manchen hatte ich Angst, manche schloss ich sofort in mein Herz.
Gerade sie waren der Anlass, warum ich immer weiter lesen wollte. Ich musste wissen, was mit ihnen passiert, wie sie sich entwickeln, wo die Gefahren lauern, wie sie miteinander und mit den menschlichen Bewohnern der Insel agieren und vor allem, wie es ihnen am Ende des Buches ergeht.

Die menschlichen Bewohner blieben für mich immer seltsam farblos. Auch wenn man einiges über Aussehen, Vergangenheit, Beweggründe und Gedankenwelten von Moreaus, dessen Assistenten Montgomery und natürlich Prendick erfuhr, so konnte ich zu keinem eine Verbindung aufbauen.
Das Buch besteht ja aus den Aufzeichnungen von Prendick und er ist somit der Ich-Erzähler. Man ist nah dran an ihm, seinen Ängsten, Gedanken und Erlebnissen. Doch trotzdem blieb er mir fremd und ich konnte keine großen Sympathien aufbauen.

Die Sprache war gehoben und manche Sätze klangen ein bisschen verschwurbelt, aber alles in allem war es gut, einfach und schnell zu lesen. Ich bezweifle jedoch, dass das die Ursprungsübersetzung ist. Höchstwahrscheinlich ist dies schon eine „moderne“ Fassung dieses Buches, das über 100 Jahre alt ist.

Die Aufzeichnungen von Prendick umfassen den Zeitraum eines Jahres und ich hatte manches Mal das Gefühl, dass auf den paar Seiten zu viele Ereignisse und Entwicklungen dargestellt werden sollten. So blieb die Spannung zwar immer relativ hoch und man wurde ständig vorangetrieben, aber ab und zu hätte ich hier und dort gern mehr erfahren.
Aufgrund dessen und der Hauptfiguren, denen ich immer distanziert gegenüberstand, bekommt dieser Klassiker der phantastischen Literatur von mir 3,5 Sterne.

H.G. Wells – Die Insel des Der. Moreau
Originaltitel: The Island of Doctor Moreau (1896)
dtv, Januar 2012 (Neuauflage; Original: 1898)
ISBN 3423140739
189 Seiten
Taschenbuch; 8,90 Euro

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