Hans Joachim Schädlich – Sire, ich eile – Voltaire bei Friedrich II.

Schädlich_Sire ich eileBevor ich das Buch überhaupt nur aufgeschlagen hatte, zog ich noch einmal das Internet zurate, was denn nun nochmal GENAU eine Novelle ist: „eine kürzere Erzählung in Prosaform.“. Aha, stimmt, da klingelt etwas. Na dann konnte es ja losgehen.

„Voltaire am preußischen Hof – Hans Joachim Schädlich führt nicht nur die Unvereinbarkeit von freiheitlichem Geist und absolutistischer Macht vor Augen. Er rückt auch Voltaires berühmte Gefährtin Émelie du Châtelet ins Bild und eine große aufgeklärte Liebe.“ (Klappentext)

Ich habe kein tieferes Interesse für den großen Autoren der französischen und europäischen Aufklärung, Voltaire, und auch keines für den Preußenkönig Friedrich II.
Ich gab dem Büchlein aber die Chance jenes zu wecken.

Doch schon auf der ersten Seite befanden sich zu viele Details, die mich zweifeln ließen, dass ich je Gefallen finden werde. Es werden Kirchennamen, Straßennamen und Familiennamen in den Raum geworfen, die mich nicht interessierten und Menschen, denen die französische Sprache fremd ist, wahrscheinlich leicht verzweifeln lassen.
SchädlichDas sollte sich im ganzen Buch nicht bessern. Es wurde mit Namen nur so um sich geworfen. Namen, die man selbst mit guter Allgemeinbildung nicht kennt (und meiner Meinung nach auch nicht kennen muss). Manchmal werden die Personen erklärt, manchmal wird der Name einfach so im Raum stehengelassen. Um zu verstehen, was ich meine, sollte das nebenstehende Bild näher betrachtet werden. Die Aufzählung der Tischgesellschaft war für mich ein mehr vollkommen uninteressantes Detail.

Die Sprache gefiel mir ebenso wenig wie der Inhalt. Sie ist sehr einfach gehalten. Viele Hauptsätze, viele Ellipsen (warum der Autor ständig die Verben weggelassen hat, erschließt sich mir nicht. Musste er Zeichen sparen?). Er bedient sich zusätzlich vieler altertümlicher Ausdrücke. Das passt wiederum zum Inhalt, machte mich aber nicht glücklicher.

Das Ganze las sich auch nicht wie eine gemütliche Erzählung, sondern wie eine trockene und sachliche Biografie. Eine Aneinanderreihung von Daten und Fakten, die oft vor Nebensächlichkeit nur so strotzten.
Die unwichtigen Nebeninfos bezogen sich jedoch nicht nur auf die drei Hauptpersonen – Voltaire, Émelie und Friedrich II. -, sondern auch auf Personen, die nicht zum wesentlichen Inhalt (die Beziehung zwischen dem König und dem Autoren) beitrugen. So gab es über mehrere Seiten hinweg Briefe von Friedrich II. an seinen Kammerdiener Michael Fredersdorf, der an Hämorrhoiden und Fieber litt. Dass die dann auch noch in dem originalen „Kutscherdeutsch“ von Friedrich abgedruckt waren (der seiner Heimatsprache nicht viel abgewinnen konnte und sie deswegen nur unzulänglich beherrschte), taten dem Buch auch keinen Gefallen. Es ist zwar nett, wenn es so originalgetreu ist, aber das Lesen hat es nicht erleichtert.

Überhaupt nahmen Briefe einen großen Teil des Buches ein.
Immer wieder wurde die Chronologie angereichert mit Auszügen aus (real existierenden) Briefen. Manchmal fragte ich, ob Hans Joachim Schädlich einfach keine Lust mehr hatte, das Geschehen nachzuerzählen und deswegen der Einfachheit halber zitierte.
Überhaupt scheint er überaus gern zu zitieren. Immer wieder gab es nicht nur Briefe, sondern auch Aussprüche oder Zeitungsartikel.

Insgesamt fühlt sich das Buch für mich immer noch an wie eine lieblose Aneinanderreihung von Daten und Fakten. Ich verstehe nicht, was der Autor mir mit seinem Werk vermitteln wollte. Die Auflistung der ganzen Quellen am Ende des Buches lässt auch vermuten, dass der eigenständige Anteil sehr gering sein muss.
Es mag ja sein, dass er schön die Unvereinbarkeit von freiheitlichem Geist und absolutistischer Macht herausgearbeitet hat, trotzdem war es für mich ein schlichtes Widergeben von Informationen mit Hinblick auf diesen Konflikt.

Ich möchte sogar so weit gehen, dass ich diese Ausarbeitung auch gut und gern im Internet gefunden hätte. Da wahrscheinlich nur kürzer zusammengefasst und in angenehmerer Sprache.

Vielleicht fehlt mir einfach nur das Interesse oder das Verständnis. Das kann sein. Das Buch hat mir (deswegen) aber schlicht und ergreifend kein bisschen gefallen.

Das Buch las sich, wie sich ein Vortrag in der Schule über ein aufgezwungenes Thema anhört.
Langweilig und uninteressant.
Dafür vergebe ich 1 Stern.

Hans Joachim Schädlich – Sire, ich eile – Voltaire bei Friedrich II.
Rowolth, Januar 2012
ISBN 3498064169
141 Seiten
Gebunden; 16,95 Euro

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