Anna Gavalda – Ich habe sie geliebt

Gavalda_Ich habe sie geliebt

Zwei Generationen, zwei Schicksale, Mann und Frau.
Die Frau: Chloé, sitzen gelassen von ihrem Ehegatten.
Der Mann: Pierre, ihr Schwiegervater.
Und ausgerechnet dieser distanzierte, kühle Pierre nimmt Chloé mit in sein Landhaus und erzählt ihr von seinem lang gehüteten Geheimnis: von der großen Liebe seines Lebens, von heimlicher Untreue und von ungelebten Träumen. (Klappentext)

Das Thema ist nichts noch nie Dagewesenes.
Ein Mann, der von allen als streng, unemotional und uninteressiert wahrgenommen wird, öffnet sich plötzlich und lässt sich tief in die Seele sehen.

Hier geht es um Pierre, der seine Schwiegertochter Chloé und die beiden Enkelinnen Marion und Lucie mit ins Landhaus der Familie nimmt, um sie alle abzulenken. Abzulenken davon, dass sein Sohn Adrien seine Frau für eine jüngere Geliebte verlassen hat.
Und während der langen Gespräche zwischen Schwiegervater und -tochter wird plötzlich deutlich, dass Pierre doch viel mehr wahrnimmt und bewegt, als er zeigt.
Und während die beiden sich immer mehr anvertrauen, kommt ans Licht, dass Pierre weiß, wie es ist fremdzugehen und auch wie es ist, diese Frau von ganzem Herzen zu lieben.

Nein, neu ist das Thema wirklich nicht, aber deswegen muss es ja nicht schlecht verpackt sein.
Und das ist es hier auch nicht. Anna Gavalda schafft es mit ihrer Sprache alles einerseits zart und andererseits intensiv darzustellen. Sie lässt einen den Schmerz, die Scham und die Wut von Chloé mitfühlen und auch die Liebe von Pierre.
GavaldaGerade durch die kurzen Absätze und dass das ganze Buch fast ausschließlich aus direkter Rede besteht, lässt es sich schnell lesen. Doch in der Sache mit der direkten Rede liegt auch eine kleine Tücke. Es wird nie eingeleitet, wer was sagt. Manchmal ergibt es sich aus dem vorangegangen Satz und dem Kontext insgesamt, manches Mal habe ich aber auch eine Seite gelesen bis ein Hinweis kam, wer gerade spricht. Dann habe ich den Teil des Gesprächs noch einmal von vorn gelesen und habe mit dem Finger die einzelnen Sätze angetippt und sagte oder dachte dabei „Sie. Er. Sie. Er. Sie…“. Das brachte mich nicht nur aus dem Lesefluss, sondern nervte auch auf Dauer.
Manches Mal war es zusätzlich auch noch irrelevant, wer nun was sagt. Vor allem, wenn es um Alltäglichkeiten ging, zum Beispiel ob die Mädchen schon im Bett sind, ob der Wein schmeckt oder ob jemand müde ist.

Auch wenn die Beziehung der Personen untereinander zum Teil etwas schwierig war, mochte ich sowohl die Art der Verbindung als auch die Personen an sich von Anfang an. Ich fühlte mich ihnen nah und jeder tat mir auf seine Weise leid.

Am Ende des Buches macht sich jeder Leser wohl noch einmal seine eigenen Gedanken, wie er zu dem Thema steht. Wie er die Trennung für einen neuen Partner beurteilt. Und auch ich habe das getan und bin dem Buch für die verschiedenen Denkansätze dankbar.

Ich mochte das Buch, es war für mich jedoch nichts Herausragendes. Vor allem, da ich immer wieder aus dem Lesefluss gebracht wurde und das Thema nicht neu war, vergebe ich 3,5 Sterne.

Anna Gavalda – Ich habe sie geliebt
Originaltitel: Je l’aimais (2002)
Fischer Taschenbuch Verlag, Oktober 2004
ISBN 3596158036
165 Seiten
Taschenbuch; 8,95 Euro

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. buchstabentraeume
    Sep 15, 2013 @ 21:01:45

    Na, das klingt am Ende ja doch ganz gut. 😉 Die Autorin bleibt auf meiner „Will ich irgendwann mal lesen“-Liste, aber wirklich reizen kann sie mich immer noch nicht…

    Antwort

    • buecherherz
      Sep 15, 2013 @ 21:12:53

      Ja, das Buch war ok, aber lange nicht so gut wie das erste, das ich gelesen hatte.
      Ich habe ja auch noch welche von ihr auf dem SuB. Ich werde sie bestimmt nicht demnächst anfangen, aber ich habe auch keine „Angst“ dass sie da noch liegen.

      Antwort

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