Debra Chapoton – Sommerfalle

Chapoton_Sommerfalle

Dein Sommer wird mörderisch.
Nach Abschluss der Schule beginnt für die 18-jährige Rebecca der Sommer ihres Lebens – glaubt sie. Doch dann gerät sie in einen Albtraum: Sie wird entführt und in einer Kammer eingesperrt, irgendwo in einem entlegenen Wald. Es gelingt ihr, sich zu befreien. Aber damit nimmt das Spiel ihres Entführers erst seinen Anfang. Denn bald erkennt Rebecca, dass der Unbekannte alles über sie weiß – und dass er jede ihrer Entscheidungen voraussehen wird… (Klappentext)

Ich habe ja öfter mal Probleme mit falschen Klappentexten oder mit solchen, die schon zu viel verraten. Den von diesem Buch finde ich eigentlich sehr gut gelungen. „Eigentlich“ weil die Kopfzeile dann doch ziemlich dramatisiert. „Dein Sommer wird mörderisch“ klingt mehr nach Thriller, als das Buch letztendlich ist. Formal erfüllt es die Kriterien schon, aber mir fehlte insgesamt dann doch der Thrill, der Nervenkitzel. Auch, wenn es „nur“ ein Jugendthriller ist, hatte ich mehr Spannung erwartet.
Mir gefällt jedoch nicht nur die Kopfzeile nicht, sondern auch das Cover und der Titel. Ich weiß gar nicht, wieso immer wieder so deutlich auf den Sommer hingewiesen wird. Hätte man mich im Nachhinein gefragt, hätte ich keine Jahreszeit wirklich ausmachen können. Gut, den Winter hätte ich ausgeschlossen, aber ansonsten wäre das Buch meiner Meinung nach zeitlich recht flexibel gewesen.
Sommerfalle Das Cover finde ich zwar schön, hat aber ansonsten keinerlei Bezug zum Inhalt. Wenn man nun ganz doll interpretieren will, kann man sagen, dass der Schmetterling und die Blüten Bezug auf die Natur nehmen und Rebecca ja in einem Wald festgehalten wird, aber das ist mir dann schon wieder zu weit gedacht.
Dass sich das Schmetterlingsthema dann aber durch das ganze Buch zieht, gefällt mir wieder. An jedem Kapitelanfang ist ein großer Schmetterling und zwischen verschiedenen Absätzen immer ein kleiner.

Die Idee des Buches hat mir gefallen und sie hatte sehr viel Potenzial. Ein junges Mädchen wird entführt und in einen stockdunklen Verschlag gebracht. Dort wacht sie auf, ohne zu wissen, wie sie dort hingekommen ist und nach ihrer Befreiung beginnt ein Wettlauf gegen den Entführer. Dabei ist er ihr mit seinen detaillierten Plänen jedoch immer einen Schritt voraus.
Hier hätte beim Leser viel Aufregung und Angst geschürt werden können. Bei mir kamen diese Gefühle aber nie an. Die Geschichte plätscherte vor sich hin und ich verfolgte sie nur mäßig interessiert.
Gefallen hat mir aber der Verlauf von Rebeccas Flucht. Es war von dem Entführer alles sehr genau geplant, es war aber auch viel Zufall mit ihm Spiel, wo Rebecca nun lang geht und was sie dort macht. Da manches auch schief ging, wirkte es in den Buch nicht so konstruiert, wie es hätte sein können. Der Ablauf war also erfreulicherweise nicht unlogisch.

Dass ich mit dem Buch nie so richtig warm geworden bin, liegt an drei wesentlichen Faktoren: die Figuren, die Sprache, die Perspektiv- und Zeitsprünge.

Die Hauptcharaktere sind Rebecca, die Entführte, und Edward, der Entführer.
Rebecca ist 18 Jahre alt und scheint ein kluges, nettes und beliebtes Mädchen zu sein. Auch wenn viel von ihr, ihrer Familie und ihrer Vergangenheit erzählt wurde, bin ich nie richtig an sie herangekommen. Alles blieb immer etwas oberflächlich. Auch wenn sie mir in ihrer ausweglosen Lage hätte leidtun müssen, tat sie das nie so richtig. Sie hat nichts falsch gemacht oder sich unlogisch verhalten, aber ich baute einfach keine Beziehung zu ihr auf. Das ganze Buch über blieb mir ihr Schicksal seltsam egal.
Eddie ist in dem gleichen Alter wie Rebecca. Die beiden gehen schon lange zusammen zur Schule und er ist schon viele Jahre in sie verliebt. Er ist sehr schüchtern und ein Einzelgänger. Er musste den Tod seines Vaters mit ansehen und das hat er nie so richtig verkraftet.
Er war mir logischerweise sehr unangenehm und ich konnte sein Verhalten nicht nachvollziehen. Ich mochte ihn nicht, aber so wenig wie ich bei Becky starkes Mitgefühl aufbauen konnte, konnte ich hier tiefe Abneigung entwickeln. Auch er blieb mir immer ein wenig zu egal.

Die Sprache machte es mir auf vielerlei Weise schwer.
Zum einen gab es teilweise so verwirrende Beschreibungen (gerade wenn es hektisch wurde bei Befreiungen oder wenn es um Wegbeschreibungen ging), dass ich zeitweise aufhörte sie verstehen zu wollen.
Ich wusste einfach nicht mehr, wo Rebecca nun ihr linkes Bein abstütze um sich mit der rechten Hand am mittig stehenden Pfosten hochzuziehen und sich dabei ein Mal um die eigene Achse drehte. Ich las diese Stellen einfach stumpf weiter, bis Rebecca in einer neuen Position (im besten Falle frei) war.
Auch die ganzen Wege durch den Wald wurden zwar sehr detailliert beschrieben, aber da alles immer Zufahrten und Pfade durch Büsche waren, war das zeitweise auch zu unverständlich. Und ob sie nun wieder den Weg Richtung Norden oder Richtung Westen nehmen und ob der dann nach rechts oder links abbiegt um sich dann zu gabeln, war einfach irgendwann auch nicht mehr so wirklich wichtig.
Die Sprache an sich wirkte dann immer ein bisschen zu gewollt auf jugendlich frisch und locker getrimmt. Es wirkte dadurch zeitweise hölzern und nicht authentisch.
Und manche Formulierungen will ich dann gar nicht in einem Buch finden:
S. 22: „Ohne dass es ihm bewusst gewesen wäre, wanderten die Finger wieder zum Mund, und er kaute weiter. Klatsch! ‚Eddie, lass das! […]‘“ (Ein einzelnes „Klatsch!“ um den Schlag der Mutter zu signalisieren? Wirklich?!)
S. 150; „Zwar waren auch sie die Angreifer, aber nach der ersten Attacke ließen sie ihr Opfer manchmal auch wieder laufen. Nur um es dann erneut anzuspringen. Und so weiter.“ (Man hätte das Ende galanter formulieren können als „Und so weiter.“)
S. 233: „[…] ihm ein Bein gestellt hatte, sodass er sein Tablett fallen gelassen hatte und auch selbst hingeknallt war.“ („Hingeknallt“ klingt einfach gewollt jung.)
Ich mochte die Art wie das Buch geschrieben ist einfach nicht.

Das Buch besteht aus vielen kurzen Kapiteln (281 Seiten sind auf 22 Kapitel verteilt) und diese sind dann immer noch in sehr viele Absätze unterteilt. In jedem Absatz wechselt die Person, welcher der Erzähler nun folgt und oftmals auch die Zeit. Meistens befindet man sich natürlich in der Gegenwart, in der die Gefangenschaft und Flucht stattfindet, manchmal wird jedoch auch die Vergangenheit der Protagonisten beleuchtet (hierbei dann ganz verschiedene Alterstufen) oder auch die Zukunft.
Ich hatte kein Problem den Wechseln zu folgen, mir persönlich sagt so etwas aber einfach nicht zu. Das ist eine Frage des Geschmacks, aber ich bleibe lieber chronologisch in der Geschichte als wild hin und her zu springen.

Es gibt jedoch auch noch weitere Kleinigkeiten, die mir gefallen haben.
Man wusste von Anfang, wer der Entführer ist. Das ist zwar kein komplett neuer Ansatz, aber es kommt doch relativ selten in dieser Art und Weise vor.
Durch die verschiedenen Zeitsprünge befindet man sich manchmal in einer Situation und kennt diese nur aus der Perspektive der aktuellen Person. Oft wird diese Situation dann aus der Perspektive einer anderen Person noch einmal beschrieben und dann ergibt sich erst ein vollständiges Bild.

Leider hat das Buch insgesamt nicht wirklich gut bei mir abgeschnitten. Zu den bereits erwähnten negativen Punkten, kommen noch einige Kleinigkeiten hinzu. Mir war das Ende dann nämlich zu plötzlich, ich finde das Buch unverhältnismäßig dick für seine nicht mal 300 Seiten (3,1 cm!) und ich fand manche Inhalte unlogisch und lächerlich (ein Protagonist vertraute einer anderen Person mit 17 oder 18 Jahren beispielsweise an, dass seine Eltern geschieden sind, seit er acht Jahre alt ist und das hat er bisher noch keinem seiner Freunde erzählt. Wie auch immer er das verheimlichen konnte.).
Ich fand das Buch nicht mehr als „ganz nett“ und deswegen bekommt es 2 Sterne.

Debra Chapoton – Sommerfalle
Originaltitel: Edge of Escape (Juni 2010)
ivi, März 2012
ISBN 3492702651
281 Seiten
Broschiert; 12,99 Euro

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