Kirsten Miller – Kiki Strike – Die Schattenstadt

Ich hatte das Buch um Kiki Strike im Juni 2011 gekauft. Verhältnismäßig lag es also gar nicht mal lange auf meinem SuB.
Durch die Alt-SuB-Challenge kam ich nun auch endlich dazu es zu lesen.
Ich freute mich wirklich, als dieses Buch ausgelost wurde. Der Klappentext sprach mich nämlich immer noch an (was ja nicht gang und gäbe ist bei mir):

Als Ananka Fishbein eines Morgens aufwacht und der Park auf der gegenüberliegenden Straßenseite verschwunden ist, beginnt eine neue Zeitrechnung in ihrem Leben. Ein tiefes Loch klafft da, wo gestern noch Büsche und Bäume wuchsen. Sofort begibt sie sich auf Erkundungstour und entdeckt einen unterirdischen Raum, von dem eine Falltür in die Tiefe führt – ein Eingang zu der sagenumwobenen Schattenstadt, in der früher, weit unter den U-Bahn-Tunneln New Yorks, Gangster und Ganoven gelebt haben sollen. Und dann taucht auf einmal noch ein neues Mädchen in Anankas Klasse auf: Kiki Strike.

Komischerweise viel mir das Lesen zuerst wirklich nicht leicht. Durch die ersten 100 Seiten habe ich mich fast ein wenig gequält. Ich fand es zäh von der kleinen Außenseiterin Ananka zu lesen und ihrem bis dato langweiligen Leben. Auch als Kiki Strike dann auf der Bildfläche erschien, wurde es erst nicht viel besser, denn es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem Kiki gar nicht von Ananka gefunden werden will.
Als die beiden sich dann doch endlich zusammenschließen, geht es Schlag auf Schlag. Aus verschiedenen Pfadfindergruppen rekrutieren sie noch vier weitere Mädchen, die alle besondere Fähigkeiten haben: Luz Lopez (Erfinderin und handwerkliches Genie), DeeDee Morlock (begnadete Chemikerin), Betty Bent (Verwandlungskünstlerin) und Oona Wong (Hackerin und Fälscherin). Zusammen bilden sie die Ungebetenen.
Nach ein paar Wochen der Vorbereitung dringen die sechs Mädchen im Alter von 12 Jahren in die Schattenstadt ein. Doch schnell wird klar, Kiki geht es um viel mehr. Sie sucht etwas ganz Bestimmtes und niemand bekommt aus ihr heraus, was es ist.

Obwohl die Geschichte anfänglich von 12jährigen Kindern handelt, ist es gar nicht mal so sehr ein Kinderbuch, wie man vielleicht denkt. Die Story zieht sich auch über mehrere Jahre und am Ende begleitet man die 15jährige Mädchengruppe.
An sich wird alles aber von der bereits 18jährigen Ananka erzählt und das merkt man. Der Sprachstil ist sehr angemessen für ein Jugendbuch, aber nicht zu einfach. Nur so, dass es sich schnell und flüssig lesen lässt.
Der Leser wird auch immer mal wieder direkt angesprochen. Mich stört das eigentlich, da ich dann immer aus dem Lesefluss herausgerissen werde, hier passte es aber. Dann schloss sich wieder der Rahmen, dass Ananka nur ihre Geschichte erzählt. In diesem Zusammenhang mochte ich es auch, dass es immer mal Einschübe gab à la „hätten wir das zu diesem Zeitpunkt doch schon gewusst“ oder „und ab da ging alles fürchterlich schief“.

Am Ende der meisten Kapitel bekommt man auch – typografisch abgetrennt – verschiedenartige Tipps. Und man höre und staune, es sind WIKRLICH gute Tipps. So wird beispielsweise erklärt, wie man sich bei verschiedenartigen Angriffen von Tieren verhalten soll, wie man verwundeten Freunden hilft, wie man sich am unauffälligsten verkleidet, wie man Lügen erkennt, wie man selber gut lügt oder wie man eine Entführung vereitelt. Hier konnte ich schon einiges lernen (und das hätte ich bei dieser Art von Buch gar nicht gedacht), aber einiges war noch viel interessanter. Es gibt zum Beispiel auch eine Auflistung der Inseln von Manhattan an einem Kapitelende und das ist nicht nur spannend, sondern auch wirklich lehrreich. Ich habe erfahren, dass die meisten Inseln irgendeine grausame oder gruselige Geschichte haben. Weiterhin gab es eine Auflistung mit Orten in Manhattan, die so wohl in keinem Reiseführer stehen. Sollte ich irgendwann mal nach New York reisen, ich werde mir diese Stelle noch einmal durchlesen und mir die Orte rausschreiben.

Da Ananka Fishbein die Ich-Erzählerin ist, lernt man sie natürlich am besten kennen. Auch wenn ich nicht sofort mit ihr warm wurde, schloss ich dieses herzensgute und schlaue Mädchen dann trotzdem in mein Herz. Dumm ist aber keine der sechs. Es gibt kein naives Dummchen unter ihnen. Das machte es so leicht auch die anderen sehr lieb zu gewinnen. Nur Kiki Strike, die machte es einem nicht einfach. Weder der Leser noch die restlichen Ungebetenen wussten, was sie von ihr halten sollen. Sie benahm sich immer mal wieder sehr seltsam und verschwieg offensichtlich so einiges. Ob man ihr wirklich vertrauen kann oder das besser lassen sollte, wusste man nie so genau.
Durch diese tolle Truppe an Mädchen, die sich immer wieder in Gefahren begeben, sich dabei aber so viele Gedanken machen und Sachen entschlüsseln wollen, kann der Leser gut miträtseln. Wichtig finde ich dabei, dass keine Auflösung an den Haaren herbeigezogen oder unlogisch ist.

Man darf sich aber nicht durch den Titel dazu verleiten lassen zu denken, dass es nur um die Schattenstadt geht. Es geht nämlich um so viel mehr. Das Erkunden der geheimnisvollen alten Stadt unter Manhattan führt die Gruppe zwar zusammen, dann müssen sie aber viel mehr überstehen. Mädchen werden entführt, es geht um Schmuggelei und Diebstahl, Einbrüche und andere Verbrechen. Vielleicht hängt aber alles auch irgendwie zusammen. Das gilt es herauszufinden. Und am wichtigsten dabei: Wer ist Kiki eigentlich wirklich?

Das Buch ist empfohlen für 12-15 Jahre. Ich fühlte mich aber nicht unterfordert. Es ist keine große Literatur, aber zum Abschalten und ein wenig Miträtseln war es klasse. Durch die tollen, einzigartigen Figuren, das rasante Tempo und den flüssigen Schreibstil, verdient das Buch . Die volle Punktzahl gibt es nicht, weil ich den Anfang nicht allzu gelungen finde und weil es durch die vielen Handlungsstränge das ein oder andere Mal etwas verworren war. Man hätte sich nämlich alle Details merken müssen und wer mit wem wann und wo gesprochen hat und wie das denn nun alles zusammenhängt. Ich musste ab und zu mal zurückblättern. Trotzdem ist und bleibt es ein gutes Buch.

Kirsten Miller – Kiki Strike – Die Schattenstadt
Originaltitel: Kiki Strike. Inside the Shadow City (Mai 2006)
Bloomsbury K&J Taschenbuch, Oktober 2006
ISBN 3827051703
399 Seiten
Taschenbuch; 8,90 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Kiki Strike – Die Schattenstadt
2. Kiki Strike – Der Gläserne Sarg (Originaltitel: Kiki Strike. The Empress’s Tomb)
3. ??? – The Darkness Dwellers

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