Jess Jochimsen – Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?

Als wir vor dem Hinflug auf dem Flughafen noch Zeit hatten, musste ich natürlich noch die ein oder andere Buchhandlung unsicher machen.
Dieses Buch sprang mir sofort ins Auge. Es war dünn und hatte einen lustigen Titel. Obwohl ich drei Bücher im Gepäck hatte, empfand ich es sofort als die perfekte Lektüre. Nachdem ich schon beim Klappentext gelacht hatte, zeigte ich das Buch begeistert meiner Reisebegleitung. Nachdem das Buch auch dort abgenickt wurde, schmiss ich es begeistert auf die Ladentheke an der Kasse.

Warum ich schon beim Klappentext lachen musste? Seht selbst:

Tante Gundel machte den Fehler, Tom auf ihren kittelbeschürzten Schoß zu bitten, ihn an ihren imposanten Busen zu drücken und die Frage zu stellen: »Hast du denn die Gundel lieb?«
Tom sagte wahrheitsgemäß: »Nein.«
Tante Gundel gab ihm eine zweite Chance und tat, als sei sie schwerhörig: »Wie bitte?«
Also sprach Tom lauter: »NEIN!«

Es gibt Kinder, die darauf gedrillt werden, ihre Eltern glücklich zu machen, und es gibt Kinder wie Tom. Der verschönert lieber Wahlplakate, zieht in der Schule einen Wettring mit Fußballbildchen auf und sagt, was er denkt.
Ein kleiner junge mit einem klaren, unverstellten Blick auf die Welt und ein ratloser Vater zwischen Elternsprechtag, Erziehungsratgeber und anarchischer Wirklichkeit – davon erzählt Jess Jochimsen liebevoll und sehr komisch.

Ich liebe dieses Buch. Ich habe es eigentlich schon ab dem Lesen des Klappentextes geliebt, aber die erste Geschichte bestätigte mich in diesem Impuls.
Es ist wunderbar, kurzweilig, lustig, kreativ und einfach toll geschrieben.
Ich liebe diese Art Eltern, die ihren Kindern lieber mal ein ehrlich gemeintes High-Five geben, wenn die Tat des Kindes zwar nicht unbedingt klug war, aber sehr nachvollziehbar und sie es in der Jugend auch so gemacht hätten oder haben.
Genau diese Art Eltern-Kind- bzw. genauer gesagt Vater-Kind-Beziehung ist es hier.
Tom macht viel, was Eltern eher peinlich ist, aber er macht es aus Überzeugung und das macht Tom mehr als sympathisch.

Die 39 Kurzgeschichten behandeln die unterschiedlichsten Themen: Seltsame Angewohnheiten des Kindes, Schule, andere Eltern oder auch Anekdoten des Vaters, die eher am Rande mit Tom zu tun haben.
Ohne zu lügen: Ich habe bei jeder einzelnen mindestens einmal gelacht. Bei den meisten aber durchaus mehr.

Dieses Buch ist aber nicht nur etwas für Eltern, sondern für jeden. Immerhin entdeckt man sich selber auch immer mal wieder in Tom. Und ja, das kann ich als weibliche Person Mitte 20 sagen. In uns allen steckt sicherlich ein klein wenig Tom.

Was ich auch gar nicht für unwichtig halt: Danach die Danksagung lesen!

Mit diesem Buch hatte nicht nur ich eine wunderbare Zeit, sondern auch mein Mitreisender!

Jess Jochimsen – Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?
dtv, September 2012
ISBN 3423347155
159 Seiten
Taschenbuch; 7,90 Euro

Advertisements

2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Alice
    Sep 18, 2012 @ 07:07:58

    Das hatte ich vorgestern auch in der Hand. Vom Kauf abgehalten hat mich lediglich der preis. Mit dem Buch wäre ich in einer Stunde durch und dafür ist es dann doch zu teuer 😦

    Antwort

    • buecherherz
      Sep 19, 2012 @ 20:19:07

      Das stimmt. Für so wenig Seiten ist es schon verdammt viel Geld.
      Trotzdem bereue ich es nicht, dieses Geld investiert zu haben. Es hat uns eine gute Zeit beschert.

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: