Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London

Dieses Buch erlangte schnell meine Aufmerksamkeit, als ich es das erste Mal gesehen hatte. Ich mag das Cover sehr. Es hat diese alte Anmutung, die ich bei Büchern sehr liebe.

Der Klappentext reizte mich, aber eben nicht so sehr, dass ich das Buch gleich kaufen musste. Es stand aber ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste.

Bei der oft erwähnten Tagung im April hatte ich jedoch das Glück, es zu bekommen.

Können Sie beweisen, dass Sie tot sind?

Peter Grant ist frischgebackener Police Constable, als man ihm einen unerwarteten Karrierevorschlag macht: Er soll Zauberlehrling werde, der erste in England seit fünfzig Jahren.

Jetzt muss er sich mit einem Nest von Vampiren in Purley herumschlagen, einen Waffenstillstand zwischen Themsegott und Themsegöttin aushandeln, Leichen in Covent Garden ausgraben… Alles ziemlich anstrengend. Und der Papierkram! (Klappentext)

Mittlerweile müsste ja schon mal aufgefallen sein, dass ich viel Wert auf einen guten und vor allem WAHREN Klappentext lege. Dieser hier geht mit der Wahrheit sehr locker um. Das „Nest“ von Vampiren (ich erinnere mich gerade an zwei, die da so rumlagen) wird sehr schnell abgehandelt und macht eigentlich keine Probleme. Leichen ausgraben? Naja… es war EIN Skelett. Papierkram? Habe ich nichts von mitbekommen.

Was hier aber tatsächlich durchkommt ist die Vielseitigkeit der Geschichte. Mir war es oft ein wenig ZU vielseitig. Ich fragte mich oft, worum es nun ging. Ist es die zarte Liebesgeschichte zwischen Peter und seiner Kollegin Lesley? Seine beginnende Zauberlehre? Der Streit zwischen den Themsegöttern? Oder doch die vielen Morde, die plötzlich alle paar Tage passieren und die durch spontane und nicht rational erklärbare Wut ausgelöst werden?

Am Anfang fand ich das alles noch wirklich spannend.

Gut, die Geschichte um die Flüsse war mir recht egal. Ich habe die Beweggründe auch nicht wirklich verstanden, warum Mutter und Vater Themse (und deren Kinder) sich nun so bekämpft haben. Wie immer ging es um Ausweitung der Macht, aber so richtig kam es nicht durch. Dass sie auch alles vor Peter recht geheim halten, macht es dem Leser nicht einfacher.

Warum aber plötzlich so kaltblütig gemordet wird, fand ich interessant. Und auch die Art und Weise, dass danach die Gesichter der Mörder buchstäblich zerplatzen.

Ab circa der Hälfte war aber dann geklärt wie es dazu kam. Erst fand ich die Idee noch gut, aber dann wurde es sehr in die Länge gezogen. Und der letztendlichen Abschluss dieses Geschichtsteils war mir zu verwirrend.

Die Geschichte war sehr rasant und irgendwas passierte immer etwas, ich war aber schnell genervt von den ganzen Details.

Es gab immer wieder kleine Anekdoten aus dem Leben der Protagonisten, auf die später auch mal mit Einzelwort-Sätzen Bezug genommen wurde. Ich wusste dann nicht mehr genau, worum es da ging.

Der Schauplatz London wurde dann auch sehr ausführlich ausgeschlachtet. Immer wurde ganz genau beschrieben, auf welchen Straßen man nun zu welchem Ort gelangt. Historische Personen wurden erwähnt und auch andere Sehenswürdigkeiten.

Ich hatte das Gefühl, dass man London viel besser kennen muss, als ich es tue, um an dem Buch richtig Spaß zu haben.

Immer wieder und ganz intensiv wurde auf die Londoner Polizei und ihre Strukturen eingegangen mit allen ganz ausführlichen Begrifflichkeiten. Ich bin da bei der deutschen schon nicht übermäßig im Bilde. Da merke ich mir sicherlich nicht die englische. Und da die Begriffe und Dienstgrade auch nicht übersetzt wurden, habe ich sie immer überlesen. Es war schon irgendwann zu merken, wer da über wem steht.

Auch die Themse mit all ihren Nebenflüssen, die hier in menschlicher bzw. göttlicher Form auftreten war wichtig. Auch in diesem Bereich kenne ich mich nicht aus. Die Flüsse sind zwar als Personen gut auseinander zu halten, aber natürlich werden auch oft die Flusseigenschaften und ihre Lage aufgeführt.

Und alles wird wirklich sehr detailliert beschrieben und selbst die Beschreibung mancher Plätze und Gebäude zieht sich über mehrere Seiten. Detailreichtum ist ja schön und gut, aber es sollte dann auch wichtig für die Geschichte sein, finde ich.

Was ich noch negativ empfand, ist das Thema Magie. Vielleicht bin ich mit falschen Vorstellungen herangegangen, aber mir war es zu wenig Zauberei.

Es ist verständlich, dass Peter Grant nicht ausschweifend herumzaubert, denn bis die Lehre abgeschlossen ist, vergehen zehn Jahre. In den ersten Monaten darf er also nur recht wenig.

Dafür kann man ihn bei seinen Anfängen gut begleiten und ist auch im Theorieunterricht bei seinem Meister (und Polizeikollegen) Detective Chief Inspector Thomas Nightingale dabei.

Wenn ich an dieser Stelle Theorieunterricht sage, dann meine ich das auch. Es wird vermittelt, woher die magische Kraft kommt, was man sich vorstellen muss, was man wie sagt, wann das erst funktioniert. Auch an dieser Stelle war mir das zu viel. Ich will eigentlich sehen, DASS es funktioniert und nicht WIE. Andere Leser haben da vielleicht einen anderen Anspruch.

Nach all den negativen Aufzählungen kann ich wohl sagen: Nein, richtig begeistert bin ich nicht. Warum ich dann doch zu Ende gelesen habe? Aus zwei wichtigen Gründen: Ich mochte die Sprache und die Figuren.

Ich habe nicht selten gelacht oder wenigstens gekichert. Der Ich-Erzähler Peter trifft meinen Humor sehr genau. Er ist sehr ironisch und trocken.

Peter an sich war auch wirklich eine tolle, interessante Figur. Es machte Spaß ihn zu begleiten und mit seinem afrikanischen Ursprung mütterlicherseits war er auf keinen Fall klischeehaft, sondern etwas Besonderes.

Auch die anderen Figuren waren nicht schwarz-weiß, sondern alle hatten ihre positiven und negativen Seiten und waren somit wirklich glaubhaft.

Die Sprache und die Figuren waren es, die mich bei der Stange gehalten haben, auch wenn nur sehr schleppend. Ich habe für dieses Buch wirklich mehr als einen Monat gebraucht, weil ich mich manche Tage nicht überwinden konnte, es zur Hand zu nehmen.

Die zweite Hälfte habe ich jetzt in zwei Tagen gelesen und leider auch nicht, weil es so wahnsinnig spannend wurde, sondern weil ich es endlich beenden wollte.

Es gibt mittlerweile schon den zweiten Teil der Reihe auf Deutsch.

Irgendwann werde ich ihn sicherlich lesen, aber gerade reizt er mich nicht.

Ich vergebe: .

Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London
Originaltitel: Rivers of London (Februar 2011)
Deutscher Taschenbuch Verlag, Januar 2012
ISBN 3423213418
478 Seiten
Taschenbuch; 9,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Die Flüsse von London – Originaltitel: Rivers of London
2. Schwarzer Mond über Soho – Originaltitel: Moon over Soho
3. Ein Wispern unter Baker Street – Originaltitel: Whispers Under Ground
4. Der böse Ort – Originaltitel: Broken Homes
5. Fingerhut-Sommer – Originaltitel: Foxglove Summer
6. Der Galgen von Tyburn – Originaltitel: The Hanging Tree

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Kermit
    Aug 27, 2012 @ 21:14:55

    Ganz so prickelnd hört sich das ja nicht an, schade :/ Über das Buch habe ich bisher eigentlich fast nur Gutes (wenn auch wenig richtig begeistertes) gehört, aber jetzt überlege ich, ob das in der Priotität nicht erst einmal etwas nach unten wandert. Das scheinen ja eine Menge Handlungsstränge für ein einziges Buch zu sein ^^“
    Mal sehen, nächstes Jahr dann vielleicht 🙂

    Antwort

    • buecherherz
      Aug 28, 2012 @ 01:32:40

      Manchmal verbessern sich Bücher ja so rückblickend. Das hat dieses nicht getan.
      Eine Freundin von mir ist ganz angetan von dem Buch. SIe hat gleich den zweiten Teil hinterherglesen.
      Es gibt aber definitiv bessere, die es verdient haben vorher an die Reihe zu kommen.

      Antwort

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