Eine Lesemacke und ihre Folge

Da ich gerade mit meinen beiden Büchern nur sehr spärlich vorankomme (es ist aber zum Glück keine Leseflaute, das spüre ich), kommt heute noch mal ein allgemeiner Artikel.

Ich habe es nun nämlich tatsächlich geschafft einer Kollegin mit einer Lesemacke Angst zu machen.
Wie ich schon berichtet habe, hasse ich (wie so viele andere) Leserillen im Buchrücken.
Meine Kollegin hatte sich schon mal ein Buch ausgeliehen, aber das war gebunden.
Nun hatte sie letztens bei mir auf dem Tisch „Hannes“ von Rita Falk gesehen. Sie liest sich dann immer die Klappentexte durch und wenn er ihr zusagt, möchte sie das Buch leihen.
Ich verleihe sehr, sehr ungern, aber gut. Ich will ja auch nicht egoistisch rüberkommen und so habe ich auch bei diesem Buch wieder gesagt, dass sie es lesen darf.

Abends kurz vor dem Einschlafen durchzuckte es mich „Das letzte war gebunden und du hast ihr nicht gesagt, dass es keine Leserillen geben darf!!!“. Ich habe mir dann WIRKLICH Sorgen gemacht (und geschrieben sieht das ganze gerade noch spleeniger aus, als ich es empfunden habe).
Am nächsten Morgen bin ich gleich zu ihr und habe gefragt, ob sie das Buch schon angefangen hat. Sie hatte es aber auf Arbeit vergessen. Zufrieden habe ich sie dann darauf hingewiesen, dass ich das Buch in GENAU DIESEM Zustand zurück haben möchte. Zum Glück habe ich das gesagt, denn sie gab zu, zu der Fraktion „Bücher müssen gelesen aussehen“ zu gehören.
Ich habe das Ganze dann noch etwas dramatisiert und gesagt, dass ich auch schon mal weine, wenn Leserillen drin sind (das stimmt natürlich nicht, ich würde mich höchstens ziemlich ärgern. Es gibt auch Bücher bestimmter Verlage, da kriege ich das nie hin, egal wie viel Mühe ich mir gebe. Dann ist das auch nicht so dramatisch. Aber wenn ich es OHNE Rillen geschafft habe, dann soll kein anderer welche reinmachen.).

Und was ist das Ende vom Lied? Sie hat das Buch mit nach Hause genommen, wollte anfangen zu lesen und merkte beim Aufklappen schon, dass sie es niemals ohne Rillen schafft. Also hat sie es mir vor lauter Angst am nächsten Tag ungelesen zurückgegeben. 😀

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12 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Martin
    Mai 09, 2012 @ 04:33:24

    Huhu, Also ich lese ja auch einfach so. Ich finde ja auch das Bücher gelesen aussehen müssen. Also da bin ich einfach gestrickt. Gruß Martin

    Antwort

    • buecherherz
      Mai 09, 2012 @ 10:12:40

      Kann ich ja auch verstehen, wenn manche das lieber so haben. Aber ich mag das für mich nicht. Bei mir im Regal soll es lieber aussehen wie in einem Buchladen 😀
      Viele Grüße

      Antwort

  2. Nadine
    Mai 09, 2012 @ 09:32:10

    Bei mir müssen Bücher auch wie neu aussehen. Ich war auch richtig wütend, als meine Schwester mir das ausgeliehene Buch (dann auch noch eines meiner Lieblingsbücher!) mit einem Riss im Cover zurückgegeben hatte, weil ihr ausversehen etwas draufgefallen ist… Inzwischen habe ich mich aber wieder beruhigt. 😉

    Und ich mag auch keine Leserillen, aber irgendwie schaffe ich es nicht, die zu vermeiden. Wie machst du das nur?!

    Lg
    Nadine

    Antwort

    • buecherherz
      Mai 09, 2012 @ 10:18:56

      Mit Riss? Da wäre ich aber auch total sauer gewesen! Ich glaube bei einer Schwester (ich bin Einzelkind, die Variante fällt bei mir weg) hätte ich gesagt, dass sie mir das mal schön neu kaufen darf. Da kann ich dann ja auch fies werden 😀

      Ich habe da eine ganz bestimmte Haltung beim Lesen. Die ist vielleicht nicht schön, aber ich mache das schon automatisch.
      Ich versuche es mal kurz zu beschreiben:
      Ich öffne das Buch so weit, dass keine Rillen entstehen können. Lass mich grob schätzen… das ist dann vielleicht ein Winkel von 60°-70° (so circa. Also auf keinen Fall 90°!). Und dann biege ich die Seite auf der ich lese ab der Mitte noch ein Stück weiter um. Aber eben nicht mehr am Buchrücken.
      Ich kann hier keine Bilder einfügen, aber ganz blöd gesagt, kann man sich das ein wenig vorstellen wie das Wurzel-Zeichen (so GANZ grob).
      Ich hoffe, du konntest mit der Erklärung etwas anfangen 😀

      LG
      Julia

      Antwort

  3. Lungenfeuer
    Mai 09, 2012 @ 12:22:40

    „Es gibt auch Bücher bestimmter Verlage, da kriege ich das nie hin, egal wie viel Mühe ich mir gebe. Dann ist das auch nicht so dramatisch. Aber wenn ich es OHNE Rillen geschafft habe, dann soll kein anderer welche reinmachen.“

    Da kann ich dir zustimmen, wunderbar auf den Punkt gebracht. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Ich habe meiner Mutter vor eineinhalb Jahren (!) einen Taschenbuch-Schmöker ausgeliehen. Gleich nach dem ersten Tag wurde es mir übel vor Leserillen, aber ich dachte mir, ’selbst schuld, hättest es eben sagen müssen‘. Bis heute habe ich das Buch nicht zurückbekommen (sie ist angeblich immer noch sehr interessiert am Lesen, was ich in Anbetracht ihrer Lesegeschwindigkeit nicht ganz glauben kann, aber man will ja nicht so sein) und die Anzahl der Leserillen wächst jedes Mal, wenn ich dem Buch ‚einen Besuch abstatte‘. Das tut dem Herzen schon ein wenig weh, aber meiner Mutter kann ich das natürlich gerne verzeihen ;).
    Im Übrigen habe ich kein Problem damit, wenn ich Bücher lese, die gebraucht aussehen. Ich finde es sehr schön, wenn man Büchern ihre Geschichte ansieht (solange es keine Flecken o.Ä. sind, da wiederum wird mir dann unwohl), ich lese auch sehr viele Bücher aus dem Regal meiner Eltern, die nicht gerade neu aussehen. Von Bibliotheksbüchern bin ich allerdings nicht so der Fan, das hatten dann für meinen Geschmack schon zu viele Leute in ihren Händen. Und wenn ich mir ein Buch frisch gekauft habe, dann will ich es erst einmal selbst ‚entjungfern‘ und es möglichst jungfräulich zurücklassen. Aber wie du schon gesagt hast, wenn es mal nicht anders geht, bedeutet das auch nicht den Weltuntergang.
    Der Ausgang deiner kleinen Anekdote war im Übrigen sehr amüsant. Vorschlag: Kopier ihr doch einfach das ganze Buch, dann gibt’s garantiert keine Leserillen 😀

    Antwort

    • buecherherz
      Mai 09, 2012 @ 12:48:14

      Hihi, das Kopieren mache ich dann aber auf Firmenkosten und deklariere es als „Beziehungspflege“ oder so 😀

      Ich muss auch sagen, dass ich bei Rillen immer denke, dass sie dazu führen, dass das Buch schneller auseinander fällt. Der Kleber erscheint mir dann angegriffener und bei manchen Covern blättert an den Rillen ja auch die Farbe ab.
      Das kommt für mich erschwerend zu diesem „Hässlichkeitsfaktor“ hinzu.

      Das mit deiner Mutter ist aber schon komisch. Sieht es denn so aus, als wäre sie bald mal am Ende angelangt? Und sagt sie ab und zu mal etwas zu dem Buch/ der Geschichte oder lässt sie es unkommentiert?

      Antwort

      • Lungenfeuer
        Mai 09, 2012 @ 13:04:52

        Nein, sie lässt es vollkommen unkommentiert. Ich glaube ja, dass es ihr nicht gefällt, sie es aber nicht zugeben will, weil ich es ihr empfohlen habe :D. Vielleicht liegt’s auch einfach daran, dass sie in letzter Zeit doch sehr wenig liest, allerdings trotzdem immer drei Bücher auf einmal. Da kann’s schon sein, dass sie pro Tag nur fünf Seiten schafft. Einmal habe ich sie darauf angesprochen und ihr gesagt, dass sie ehrlich mit mir sein kann und ich es zurücknehme, wenn sie es nicht mehr möchte. Da meinte sie dann aber, sie habe es auch so ganz gerne bei sich, weil es sie an mich erinnere. Das fand ich dann sehr süß, deswegen habe ich es erst einmal in ihrer Obhut gelassen. Wer weiß, vielleicht liest sie es ja noch vor der Apokalypse fertig 😀

  4. buchstabentraeume
    Mai 09, 2012 @ 19:50:12

    Tolle Story!
    Ich denke da genau wie du: Bücher dürfen keine Rillen haben!!! 😉

    Antwort

  5. Kermit
    Mai 14, 2012 @ 18:54:41

    Ach wie herrlich 😀 Das könnte von mir kommen, wenn ich nicht schon vor einigen Jahren aufgehört hätte meine Schätzchen aus der Hand zu geben. (Es traut sich auch schon niemand mehr zu fragen *pfeif*) Ich sehe das genau wie du und finde es ist eine Unverschämtheit, wenn man Bücher „gelesen“ zurückgibt. Wenn ich etwas ausleihe, dann geht das in genau dem Zustand wieder zurück, in dem ich es bekommen habe. Mal unabhängig von der Leserillen-Macke 😉

    Antwort

    • buecherherz
      Mai 14, 2012 @ 21:06:25

      Ich glaube, darauf wird es bei mir auch hinauslaufen. 😉 Bevor ich mich jedes Mal ärgere, wenn ich es auch nur leicht verändert wiederbekomme.

      Du hast aber Recht. Egal, ob Buch oder nicht, man sollte immer aufpassen, dass man ausgeliehene Sachen wie rohe Eier behandelt. Ich mache es so und dann will ich auch, dass es bei mir so gemacht wird!

      Antwort

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