Warum ich keine Rezensionsexemplare anfordere

Wie ja nun auch der Letzte mitbekommen haben dürfte, war ich auf einer Tagung, auf der ich mich mit ganz vielen Buchverlagsmitarbeitern unterhalten durfte.

Von einem wurde ich dann gefragt, warum ich nie Rezensionsexemplare anfordere.
Ohne zu überlegen sind mir gleich so einige Gründe eingefallen.

Mein Hauptgrund klingt recht edel, ist tatsächlich aber auch ernst gemeint.
Wenn ich WIRKLICH und UNBEDINGT ein Buch haben möchte, dann kaufe ich es mir eben. Und wenn mich jemand so von seinem Werk überzeugen konnte, dann hat der Autor es auch zu 100% verdient, dass er mein Geld bekommt. Das Schlimme dabei ist, dass ich in meiner Ausbildung genug Buchkalkulationen durchrechnen durfte und genau weiß, dass ein Autor meist nur ein paar Cent (nicht gelogen!) pro Buch bekommt. Auch bei 20-Euro-Hardcovern ist das nicht wirklich mehr. Mit den Standardsätzen bekommen Autoren auch da nur Cent-Beträge.
Wenn man es irgendwann als Autor geschafft hat, gibt es dazu Festsätze. Dann lohnt es sich mehr.
Aber so? Da möchte ich dann nicht noch schnorren.
Ich weiß natürlich, dass der Verlag auch etwas davon hat, wenn ich auf meinem Blog über das Buch schreibe.
Immerhin wurde mir auch erklärt, dass die Verlage tatsächlich auf den Blog gucken, ob er auch immer noch regelmäßig gepflegt wird und sich auch später die Rezension durchlesen (bzw. erstmal nachsehen, ob es überhaupt eine gab. Wenn nicht, kann man auch schon mal für weitere Rezensionsexemplare gesperrt werden).

Ein anderer Grund ist dagegen weniger edel. Ich habe schlicht und ergreifend so viele ungelesene Bücher, dass ich mir nicht den Stress mache und mir noch mehr nach Hause hole.

Weiterhin bin ich auch sehr schüchtern, was so was angeht. Ich wüsste nicht, wie ich die Leute anschreiben soll, ohne dass es sich so anhört als wäre ich zu geizig mir das Buch selber zu kaufen.
Es würde wohl auf ein lapidares „Hallo, ich habe einen Blog und würde mich sehr freuen, wenn ich dort das Buch XY vorstellen könnte. Es wäre sehr freundlich, wenn Sie es mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellen könnten“ herauslaufen. Und das klingt dann wieder so nach Massenanfrage bei allen Verlagen.

Wofür ich mir dann aber nicht zu schade bin, ist das Wühlen in Mängelexemplar-Boxen. Hier kommt aber auch ganz stark der Sammeldrang durch. Die Sammelsucht überwiegt in dem Falle tatsächlich der Lesesucht.
Und ja, ich weiß auch, dass ich letztens knapp 60 Bücher umsonst bekommen habe. Die habe ich auch nicht gekauft, stimmt schon.
Ich frage zwar keine kostenlosen Bücher an, aber hey… ich lehne die doch auch nicht ab, wenn ich sie bekomme!

Edit 2016: Weil der Artikel auch nach vier Jahren ab und zu immer noch gelesen wird, schreibe ich doch noch mal etwas zu meiner geänderten Meinung.
Mittlerweile frage ich nämlich doch Rezensionsexemplare an und das voller Begeisterung. Es fing damit an, dass ich aktiv von Verlagen und auch Autoren angefragt wurde, ob ich ihre Bücher lesen möchte, was ich dann häufig bejahte. Ich bemerkte also, dass die Branche wirklich kein Problem hat, Bücher an Blogger zu vergeben, eben weil sie ja tatsächlich etwas davon haben. Eine Art Werbung. Nachdem ich eine ganze Zeit nur auf diesem Weg meine Rezensionsexemplare bekommen habe, machte ich mir Gedanken und entschied mich dazu, doch Bücher auch aktiv anzufragen, wenn ich sie wirklich gern lesen möchte. Wenn ich sie nicht bekomme, kaufe ich sie mir eben dann. Aber erstmal kann man ja gucken, ob man die Win-Win-Situation nutzen kann. Und ich glaube, dass das wirklich beide Seiten vollkommen ok finden…

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5 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. buchstabentraeume
    Mai 02, 2012 @ 21:28:36

    Ich finde, das sollte einfach jeder so machen, wie er es für richtig hält. Ich fordere auch ab und zu mal ein Rezi-Exemplar an, liebe aber auch das Gefühl, mit einem neuen Buch in der Tüte durch die Stadt zu laufen. 😉

    Antwort

    • buecherherz
      Mai 02, 2012 @ 23:43:21

      Oh, ich wollte auch keinem meine Meinung aufdrängen.
      Ich finde es weder schlimm noch verwerflich, wenn andere das machen.

      Ich mache es nur (noch) nicht. Wer weiß, vielleicht mache ich das irgendwann ja doch mal. Man soll ja niemals „nie“ sagen! 😉

      Antwort

  2. Tintenhexe
    Apr 23, 2014 @ 13:55:32

    Ich finde toll, dass du deine Meinung abgegeben hast.. Ich erhalte manchmal Exemplare und freue mich darüber, aber ich rezensiere genau so viel einfach aus eigenem Antrieb und das bleibt wohl auch so!

    Antwort

    • buecherherz
      Apr 23, 2014 @ 14:26:49

      Danke für deinen Kommentar! 🙂
      Ich wollte auch niemanden angreifen, der Rezensionsexemplare anfragt. Immerhin muss man ja sagen: Wenn es möglich ist und Verlage extra dafür Buchkontingente haben, warum sollte das niemand nutzen?
      Ich finde es also total ok, wenn man das macht. Ich mache es auch heute – zwei Jahre später – nicht. Aber ich habe auch immer noch einen viel zu großen SuB dafür. 😉

      Antwort

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