Stefan Schwarz – Ich kann nicht, wenn die Katze zuschaut

Wie schon in dem „Ich lese jetzt“-Post gesagt, ist das mein zweiter Versuch gewesen das Buch zu lesen. Beim ersten Mal hatte ich es recht schnell wieder zur Seite gelegt und mir ist auch wieder eingefallen wieso.
Ich fand es zu verwirrend, zu undurchsichtig, keine Erklärungen, keine gute Einleitung in die Geschichte, keine Personenbeschreibung… ganz schlimm. Doch vor ein paar Tagen sprach die beste Freundin den erklärendsten Satz, den ich wohl je von ihr gehört habe „‚Ich kann nicht, wenn die Katze zuschaut’ Ja, kenne ich. Da sind halt einige Kurzgeschichten gesammelt.“ Kurzgeschichten? Aha, daher weht der Wind, na dann KANN das ja gar nicht schön akkurat mit Prolog, Epilog und dem Rest dazwischen sein.
Mit diesem neuen Erkenntnisstand habe ich das Buch dann noch einmal begonnen, denn der Klappentext klang ja immer noch interessant:

Denn sie wissen nicht, warum sie kichern.
Schlafzimmer und Mann sind vorgeheizt, nur die Liebste lässt auf sich warten. Hatte er ihr nicht eine SMS mit «Erwarte dich auf dem Maträtzchen, mein Schätzchen» geschickt? Hoppla, die Nachricht ging versehentlich an eine Kollegin – von wegen langweiliges Familienleben. Bei Stefan Schwarz haben alle was zu lachen. Er muss sich wegen memmenhafter Schreckhaftigkeit rechtfertigen, die Frau will im Bett noch nicht abgedimmt werden, der Sohn nervt mit Jungsgeburtstag, und eine Tochter, die von all ihren Klettertouren Beulen und Schrunden davonträgt, bekommt man wohl nur unter die Haube, wenn man sie vorher verschleiert.

Mittlerweile weiß ich auch, dass es keine Kurzgeschichten sind, sondern eine Sammlung von Kolumnen, die Herr Schwarz für die Berliner Traditionszeitschrift „Das Magazin“ verfasst hat.
Und jede für sich ist ein kleines Wunderwerk.
Alle beschreiben den Alltag von Stefan Schwarz und seiner Familie wunderbar ironisch und sarkastisch. Ja ich möchte sogar sagen, er hat schwarzen Humor (Nomen est halt manchmal doch Omen.).

Die Geschichten an sich drehen sich dann um die verschiedensten Sachen: Freunde, die sich erst einschleimen, damit man ihnen beim Umzug hilft; peinliche Allergien; männlicher Bartwuchs; Silvesterfeiern oder eben Katzen, die einen beim Liebesspiel beobachten.
So normal die Themen klingen, so wunderbar komisch werden sie beschrieben.

Am liebsten hätte ich mir die ganze Zeit Zitate aus dem Buch abgeschrieben, um bei der nächstbesten Möglichkeit damit um mich zu schmeißen. Schlagfertigkeit muss ja immerhin vorher gut überlegt sein (ist zumindest bei mir so). Ich habe es aber gelassen. Lustige Gemeinheiten will ich mir dann doch lieber selber ausdenken. Abkupfern kann ja jeder.
Trotzdem gibt es zwei Sachen, die ich mir einfach merken muss:
1. „Mir fiel auf, dass die Begründung meiner Frau nicht allen Anforderungen an einen guten Grund in einer freien Gesellschaft genügte.“ (Das ultimative Gegenargument, das keins ist, finde ich!)
2. Die klügste Beleidigung, die ich wohl je gehört habe: „Sie ist a bissel unkomplex.“ Wer ein schlichtes Gemüt hat, versteht das doch nie und nimmer.
Gut oder? Wer will, darf das auch gern in seinen Sprachgebrauch übernehmen.

Das Buch finde ich nun überaus komisch und klug verfasst. Man kann sogar ein paar Verhaltensweisen in einer funktionierenden Beziehung lernen.
Außerdem ist es immer mal wieder gut, um es in die Hand zu nehmen und ein paar kleine Storys zu lesen.
Die haben übrigens immer eine Länge zwischen zwei und sechs Seiten. Und lassen sich so sehr bequem lesen, wenn man wenig Zeit hat.
Das wird auch davon begünstigt, dass der Schreibstil sehr angenehm zu lesen ist.
Zumindest die meiste Zeit. So locker und umgangssprachlich wie die meisten Kolumnen geschrieben sind, so verschachtelt und lang können da auch mal einige Sätze sein.
Ich musste zum Beispiel mehrmals und langsam folgenden Satz lesen: „Dies bringt mir bitter zu Bewusstsein, dass der trägen trägerraketenhaften Startphase berufstätiger Mehrfachmütter eine unpassend ungewisse und knallfroschhafte Kurzbereitschaft verblühender Männer gegenüber- oder eben auch nicht steht.“ Mittlerweile ist mir der Satz sehr klar, aber beim ersten (und auch zweiten und dritten Versuch), ihn schnell zu lesen, war ich überfordert.

Ansonsten kann ich aber jedem dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Einfach mal zum Lachen und Abschalten.
Ich hatte oft das Gefühl, ich würde in einem Blog lesen (So eine Kolumne über das Privatleben unterschiedet sich ja auch nicht so viel von Blogs über das Privatleben oder?). Und ich liebe es ja in verschiedenen Blogs herumzustöbern.

Nur da der Lesefluss von manch überladenen Sätzen und Passagen unterbrochen wurde, ziehe ich ein halbes Sternchen ab:

Stefan Schwarz – Ich kann nicht, wenn die Katze zuschaut
rororo, November 2010
ISBN 3499255111
123 Seiten
Taschenbuch; 7,95 Euro

Reihenfolge der Bücher: (Hier weniger als Reihenfolge als als „Zusammengehörigkeit“ zu verstehen)
1. War das jetzt schon Sex? Frauen, Familie und andere Desaster
2. Die Kunst, als Mann beachtet zu werden: Wie man Frauen, Kinder und die eigenen Eltern erzieht
3. Ich kann nicht, wenn die Katze zuschaut: Neue schreckliche Einzelheiten aus dem Leben eines Mannes von mittlerer Statur
4. Ich höre dir zu, Schatz: Aufrichtige Bekenntnisse eines Mannes im besten Alter
5. Wir sollten uns auch mal scheiden lassen: Szenen eines vollkommen unveganen Liebeslebens

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. FrauBrit
    Mrz 24, 2012 @ 14:13:25

    Ich hinterlasse dir hier auch noch einmal den Link zum Ketten-Snape-Herz 🙂
    http://www.etsy.com/listing/83845619/harry-potter-always-said-snape-silver

    Ist auch relativ günstig – wirklich ein tolles Geschenk ♥

    Antwort

    • buecherherz
      Mrz 24, 2012 @ 23:20:35

      Oh wie süß! Vielen Dank.
      Ich hab auch gleich mal geguckt, was es noch anderes gibt. Aber deine Kette ist definitiv mein Favorit. Die wird dann demnächst auch hier einziehen!

      Antwort

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