Rachel Gibson – Frisch getraut

Und wieder ein unglaublich enttäuschendes Buch der Marke Frauenliteratur:

Am Tag nach der Hochzeit ihrer besten Freundin erwacht Clare mit einem mörderischen Kater in einem fremden Hotelzimmer. Sie hat keine Ahnung, wie sie dort hingekommen ist, aber sie weiß, wer unter der Dusche steht: Sebastian, der Alptraum ihrer Kindheit und nun ein Traum von einem Mann mit einer gefährlich erotischen Ausstrahlung. Doch Clares Verlobung ist gerade geplatzt, und sie hat eigentlich die Nase voll von Männern. Allerdings lässt sich Sebastian so schnell nicht abschütteln, denn er hat ganz andere Pläne…

Es fängt ja schon mal damit an, dass der (deutsche) Titel überhaupt nicht zu dem Buch passt. „Frisch getraut“ ist nämlich nur eine: Clares beste Freundin, Lucy. Aber an sich hat das überhaupt nichts mit der Geschichte zu tun (ist höchstes nur das Ergebnis aus Teil 1 der Autorinnen-Buchserie, den ich aber nicht kenne).

Dann gibt es einen unglaublich typischen Plot. Das ist ja auch an sich nicht sooo schlimm. Was will man sich auch in diesem Genre immer Großartiges überlegen? Wenn man schon etwas in Form von Chick-Lit oder liebevoll einfach von mir „Frauenliteratur“ genannt, schreibt, muss es ja so oder so ähnlich ablaufen.
Gut, hier ist vielleicht ausnahmsweise mal positiv zu benennen, dass die Liebesbuch-Autorin Clare Wingate und der Reporter Sebastian Vaughan sich quasi schon ihr ganzes Leben kennen. Sebastian ist nämlich der Sohn des Gärtners von Clares Mutter, der mit auf dem Anwesen wohnt.
Die beiden haben als Kind immer viel Zeit miteinander verbracht. Das beschränkte sich aber fast nur darauf, dass die zwei Jahre jüngere Clare versucht hat Sebastian zu gefallen und ihm immer hinterher gerannt ist. Er hatte sich dann damit begnügt sie zu ärgern, wo es nur geht.
Nachdem er ihr mit zehn Jahren ausführlich erklärt hat, dass Kinder bekommen nichts mit Blumen und Bienen zu tun hat, wurde er vom Hof gescheucht und ward seitdem nie wieder dort gesehen.
Bis zu dem verhängnisvollen Abend der Hochzeit, an dem sich Clare vollends abgeschossen hatte, in einer Bar landete und dort auf Sebastian traf.

In der ganzen Geschichte gab es für mich keine Spannung. Clare leidet ziemlich lange unter der Tatsache, dass sie ihren Verlobten, Lonny, mit dem (!) Servicetechniker in flagranti erwischt hat und dadurch ihre Hochzeit geplatzt ist. Und somit kommt die ganze Story auch erst quasi im letzten Drittel des Buches so richtig ins Laufen. Bis dahin versuchte Clare noch unglaublich abweisend und unfreundlich zu Sebastian zu sein, um bloß nichts mit ihm anzufangen. Das war aber immerhin verständlich. Gebranntes Kind scheut Feuer. Und enttäuschtes, gebranntes Kind erst recht.

Mit den Personen bin ich zudem auch so gar nicht warm geworden. Clare kommt nach außen hin immer extrem verstockt rüber, was an ihrer Erziehung ihrer Mutter liegt, die das noch um einiges toppt. Gefühle in der Öffentlichkeit zu zeigen oder unhöflich zu sein, ist der Familie Wingate ein Graus.
Sebastian war die ganze Zeit dafür extrem ungehobelt, unfreundlich oder aufdringlich.
Der einzige vernünftige Charakter in dem ganzen Buch war der Gärtner, Leo.
Gut, auch die Freundinnen von Clare waren interessant, aber die kamen recht wenig vor.

Die Schreibweise war flüssig, aber noch ganz furchtbar monoton. Die Beschreibungen (zum Beispiel von Sebastians grünen Augen oder Clares braunen Haaren) waren auch immer exakt die gleichen. Und Humor habe ich vergeblich gesucht. Nur ab und zu verächtlich aufschnauben konnte ich.

Im letzten Drittel hatte ich das Gefühl, dass Frau Gibson dann krampfhaft versuchte die Langeweile vom Anfang mit Bettszenen (oder auch Couch- oder Speisekammerszenen) wett zu machen. Da reihte sich eine detaillierte Beschreibung an die nächste. Das war dann wirklich zu viel.

Das einzig Gute an dem Buch war das Verhalten der Figuren. Also nicht wirklich das Verhalten an sich, sondern dass keiner plötzlich aus seinem Charakter heraus fiel. Sebastian war bis zum Ende ein Frauenheld und Clare sträubte sich ewig gegen ihre Gefühle.
Für mich war bis zu den letzten Seiten nicht wirklich klar, wie es ausgehen wird. Als eingefleischte Frauenliteratur-Leserin hatte ich zwar den Verdacht, dass es sein wird wie immer, aber es gab nicht wirklich viele Anzeichen dafür.

Zusammenfassend: Ich habe mich 2/3 des Buches eher durchgequält, die Figuren waren unsympathisch, es gab keinen Humor und auch keine spannende oder innovative Story.
Weil es sich aber an sich gut lesen ließ und das Buch am Ende noch mal an Fahrt gewann, gibt es .

Übrigens ist es nicht wichtig Teil 1 der Reihe vorher gelesen zu haben. Die Autorinnen-Serie behandelt in jedem Buch eine andere der vier Freundinnen, die alle Buchautorinnen sind. Sie bauen also nur bedingt aufeinander auf.

Rachel Gibson – Frisch getraut
Originaltitel: I’m In No Mood For Love (September 2006)
Goldmann, April 2008
ISBN 3442465346
317 Seiten
Taschenbuch; 8,95 Euro

Reihenfolge der Bücher:
1. Gut geküsst ist halb gewonnen
2. Frisch getraut
3. Darf’s ein Küsschen mehr sein?
4. Küss weiter, Liebling!

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. traumtaenzerin
    Feb 13, 2012 @ 17:59:43

    Mach dir nichts draus: Dieses Genre liebt man, oder man hasst es. Dieses Gefühl habe ich zumindest. Und für mich sind diese typischen Frauenromane auch rein gar nichts…

    Antwort

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