Mitch Albom – Dienstags bei Morrie

Wieder ein Buch bei dem ich dachte: „Warum hast du das denn damals mitgenommen? Es klingt nett, aber auch schwer schmalzig. Und was für ein Autor ist das überhaupt? Der benennt seine Hauptfigur nach sich selber! Was Besseres ist ihm nicht eingefallen? Wie überheblich!“.

Aber ich hab das Buch (ehrlich gesagt aufgrund der wenigen Seiten) aufgeklappt und begonnen zu lesen. Und bereits bei der vorangestellten Danksagung wurde ich eines Besseren belehrt. Denn das Buch ist eine wahre Begebenheit. Upps! Nochmal schnell den Klappentext durchlesen… und feststellen, dass das nun nicht mehr schmalzig ist, sondern traurig und auf seine Art wunderschön:

„Als er erfährt, dass sein ehemaliger Professor Morrie Schwartz schwer erkrankt ist und bald sterben wird, beginnt der Journalist Mitch Albom seinen Lehrer regelmäßig jede Woche zu besuchen. Und er, der meinte, dem Sterbenden Kraft und Trost spenden zu müssen, lernt stattdessen dienstags bei Morrie das Leben neu zu betrachten und zu verstehen.“

Im Prinzip ist es auch schon das, was im Buch passiert. Es geht nämlich nicht um Spannung, sondern um die „Lehre eines Lebens“ (wie es schon der Klappentext sagt).
Die meiste Zeit ist man mit Mitch bei Morrie in seinem Arbeitszimmer und später im Schlafzimmer.
Ab und zu gibt es aber auch Rückblenden zu Situationen am College. Dort lernt man zu verstehen, warum Mitch und Morrie so eine enge Beziehung haben.
Was ich im Nachhinein interessant fand, war die Tatsache, dass Mitch Albom knallhart und ehrlich war, was seine Person betrifft. Er hat von seinen Ehe- und Familienproblemen geredet, von seinem schwerkranken Bruder und der Arbeit, die er immer für wichtiger hielt als seine Beziehungen.
So ehrlich muss mal erstmal sein, denn es ist ja keine Autobiografie in dem Sinne. Gut, der Autor hatte auch nicht damit gerechnet, dass es sooo ein Erfolg wird.

Das Wichtigste am Buch sind die Erfahrungen und Ansichten von Morrie. Es gibt vierzehn Dienstage, an denen die beiden über Themen reden, die Menschen bis zum Ende beschäftigen, beispielsweise Selbstmitleid, Reue, Familie, Ehe, Gefühle oder Vergebung.
Und es geht um Morries körperlichen Zerfall. Er leidet an ALS. Eine Krankheit, die sich nach und nach des Körpers bemächtigt und langsam erst die Extremitäten lähmt. Dann kommen die Organe dazu. Wenn die Krankheit die Lunge erreicht hat, stirbt man durch Ersticken.
Morrie hat sein Schicksal angenommen und das macht alles noch bewegender, denn er spürt, wie er stirbt und ist trotzdem mit sich und der Welt im Reinen.
Eine Stärke, die er durch seine Erfahrungen erhalten hat. Und diese sind hier auf 224 Seiten zusammengefasst.

Ich bin so froh, dass ich das Buch gelesen habe.
Es zeigt eine Betrachtungsweise des Lebens, die wohl gar nicht schlecht wäre zu adaptieren.
Ich traue mich deshalb kaum, das Buch zu bewerten, denn das Leben eines Menschen auf Sterne zu reduzieren ist wohl nicht möglich.
Die Schreibweise war wunderbar sanft und zärtlich. Aus jeder Zeile konnte man die Liebe Mitchs zu seinem Professor spüren. Und ich war neidisch, dass ich nie so einen Lehrer hatte.

Ganz ehrlich muss ich sagen, dass ich die Lehren verstanden habe und an sich auch gut finde. Ich würde gern, nach ihnen leben können. Jedem Menschen die volle Aufmerksamkeit schenken und sich bei Gesprächen nicht ablenken lassen. Nicht nach Erfolg und Geld streben. Keinen materiellen Sachen Beachtung zu schenken, sondern nur der Liebe und der Freundschaft. So weit bin ich aber leider noch nicht. Ich schiebe das jetzt einfach auf mein junges Alter. Aber in ein paar Jahrzehnten werde ich das Buch wohl noch mal lesen und dann versuchen danach zu leben 😉
Trotzdem glaube ich, dass mich das Buch erstmal nicht weiter beeinflusst hat und nicht prägt. Es war auch nicht so, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte.
Obwohl ich Morrie sehr zu schätzen gelernt habe und großen Respekt vor Mitch habe, das alles mit uns zu teilen, fehlte mir der letzte Funke, der aus einem guten Buch ein unverzichtbares Goldstück macht. Ich vergebe ich (wenn auch ungern).

Ein kleiner Tipp am Ende: Jedem, der das Buch lesen möchte, empfehle ich vorher einfach mal Morrie Schwartz zu googlen. Es gibt einige Fotos und man kann sich ein gutes Bild von ihm machen (und auch gleich von Mitch Albom).

Mitch Albom – Dienstags bei Morrie
Originaltitel: Tuesday with Morrie (Dezember 1998)
Goldmann, März 2002
ISBN 3442451752
224 Seiten
Taschenbuch; 8,50 Euro

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