Moritz Netenjakob – Macho Man

Seine Eltern haben ihm beigebracht, Frauen zu achten und zu respektieren. Das hat ihm als Jugendlicher auf Partys sehr geholfen: Während die Mädchen mit den anderen Jungs in der Ecke knutschten, hat er sie geachtet und respektiert. Und einer musste schließlich die ganzen Nudelsalate essen.

Doch plötzlich wird alles anders. Die orientalische Traumfrau Aylin stellt Daniels Leben komplett auf den Kopf und weckt den Mann in ihm. Jetzt müssen nur noch ein paar Fragen geklärt werden:

● Passt Lichtschutzfaktor 50 zu seinem neuen Image?
● Gibt es eine männliche Art, zum Abschied zu winken?
● Und wie kommt es in einer türkischen Disco an, wenn man sich wie Woody Allen bewegt?
(Klappentext)

Der trockene Humor, der sich schon auf dem Klappentext zeigt, zieht sich durch das ganze Buch ohne gestelzt zu wirken. Ich habe wirklich selten so von ganzem Herzen bei einem Buch gelacht. Ich musste es zum Teil mal kurz beiseite legen, weil ich mich nicht mehr beruhigt habe.

Auch die Personen hatten alle ihre eigene humoristische Darstellung ohne unglaubwürdig zu sein. Natürlich waren es in gewisser Weise alles klischeehafte Stereotypen, aber doch sehr passend.
Vor allem die Eltern (sowohl Aylins, als auch Daniels) waren häufig der Grund für eine kleine Lachattacke.

Dazu passend ist der Schreibstil locker-luftig-lustig. Das ganze Buch liest sich quasi von allein, da es so toll geschrieben ist. Ich konnte es kaum aus der Hand legen.

Die Geschichte lebt von (türkischen) Klischees (manche werden widerlegt, manche bestätigt) und von Running Gags. Immer wieder wurde beispielsweise der Kölner Barbarossaplatz (der wohl seeeeehr hässlich sein muss) und Situationen mit der alten Jugendliebe Gaby Haas (die Daniel natürlich nicht im Geringsten mit dem Arsch angeguckt hat) erwähnt. Auch die Udo-Lindenberg-Imitations-Gespräche mit seinem besten Freund Mark waren klasse und immer für einen Lacher gut. Alle wurden dann im Laufe des Buches irgendwie liebgewonnene Elemente, die ich schon vermisst hätte, wenn sie nicht regelmäßig mal zur Sprache gekommen wären.

Der Grundgedanke ist nicht mal wirklich neu, aber da die Geschichte so fantastisch und lustig erzählt wurde, war es mir vollkommen egal. Außerdem war dieser „türkische Teil“ ja doch mal anders als in anderen Büchern. Ich fand es tatsächlich spannend, dass einem die türkische Kultur so gut nah gebracht wird, ohne ernst oder belehrend zu klingen. Und Moritz Netenjakob darf sich da wohl über das ein oder andere Detail lustig machen, denn er ist mit einer Türkin verheiratet (Hülya ist natürlich auch das Buch gewidmet 😉 ).

An dem ganzen Buch gibt es nur zwei kleine Punkte, die mich nicht wirklich gestört haben, aber ab und zu leicht meine Nerven strapaziert haben (aber wirklich nur leicht).
Zum einen werden sehr oft Daniel Gedanken oder irgendwelche Listen (zum Beispiel der kitschigsten Gegenstände in der Wohnung von Aylins Eltern) mithilfe von Aufzählungszeichen dargestellt (siehe auch den Klappentext). Ist an sich eine tolle Abwechslung und die möglichen Sätze, die Daniel beispielsweise als nächstes sagen könnte, waren meist wirklich lustig.
Aber zum größten Teil wurde das eingeleitet durch den Satz „Und plötzlich dehnte sich die Zeit und ich dachte über folgenden Varianten nach“ (so oder so ähnlich).
Und für mein Empfinden gab es das dann ein wenig zu oft.
Zum anderen fühlt sich Daniel nach der Bekanntschaft mit Aylin sofort als Mann. Ist ja an sich ganz nett, aber er sieht noch genau so aus wie vorher und geht immer noch wie Woody Allen, nur eben mit mehr Selbstbewusstsein. Plötzlich sah aber auch jede/r andere/r in ihm „den Mann“ und jeder Flirt klappte. Das ging mir dann zu schnell.
Ein anderes Stilmittel waren die Fußnoten. Von denen konnte ich wiederum nicht genug bekommen, da sie wirklich sehr lustig waren.

Das Titelbild trägt dann zum positiven Gesamtbild bei. Das Pink zeigt deutlich, dass Daniel ein Weichei ist (denn es gibt wohl kaum eine Farbe, die weiblicher ist) und der Männerkörper demonstriert Daniels desolate Situation wohl noch mehr.

Zusammengefasst kann ich nur sagen, dass „Macho Man“ fantastisch ist. Es ist lustig und man kann trotzdem (wenn man denn will) für sein eigenes Leben einiges mitnehmen. Und ja, ich musste tatsächlich am Ende ein paar Tränchen vergießen. Das Buch hatte also alles, was für mich ein sehr gutes Buch ausmacht.
Auch wenn ich manchmal minimal genervt war, durch das häufige Aufzählen, kann ich einfach nicht anders: Ich muss vergeben!

Moritz Netenjakob – Macho Man
Kiepenheuer & Witsch, Februar 2009
ISBN 9783462040203
284 Seiten
Broschiert; 13,95 Euro
(Es gibt aber mittlerweile das Taschenbuch für 7,99 Euro)

Reihenfolge der Bücher:
1. Macho Man
2. Der Boss

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8 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Pumucklchen
    Jul 19, 2011 @ 15:32:38

    Ich hatte es auch schon in der Hand & hab beherzt gelacht! Die Perfekte Urlaubslektüre für den Strand. Da kommt laune auf wenn man neben sich seinen eigenen kleinen macho liegen sieht ..

    xoxo

    Jenni

    Antwort

  2. hasewue
    Jul 23, 2011 @ 14:01:09

    Bei mir subt das Buch noch, aber vielleicht sollte ich es in den Urlaub mitnehmen? Danke jedenfalls für die begeisterte Rezi! 🙂
    Ach ja, das neue Design gefällt mir richtig gut, hat eine richtige Wohlfühlatmosphäre! 🙂

    LG

    Antwort

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