Tami Hoag – Weil nichts uns trennen kann

Als ich dieses Buch aus dem Regal nahm, hatte ich nur einen Gedanken: Schön dünn muss es sein!
Als ich den Klappentext las, war ich mir aber gar nicht mehr so sicher, ob ich DAS wirklich lesen will:

Devon Stafford war eine schillernde Leinwandgöttin – bis sie eines Tages ohne jede Erklärung verschwand. Der Journalist Jake Gannon ist fest entschlossen, das Geheimnis der Diva aufzudecken. Und er folgt ihrer Spur bis in den heißen Süden, wo er in einem kleinen verschlafenen Nest mit einer Autopanne liegen bleibt – und endlich auf eine heiße Fährte stößt: Denn Dixie Lafontaine, die schöne Fahrerin des Abschleppwagens, scheint tatsächlich etwas über den verschollenen Star zu wissen …

(Kleine Information am Rande: Im Buch heißt Dixie mit Nachnamen immer La Fontaine. Wie ich das hasse, wenn schon in dem Klappentext solche Fehler zu finden sind!)

So zwiespältig, wie es mit diesem Buch losging, blieb es auch. Ich habe mich eigentlich permanent beim Lesen aufgeregt und trotzdem musste ich es in jeder freien Minute aus der Tasche ziehen und es lässt mich mit einem guten Gefühl zurück. Dabei hat mich weder die Thematik interessiert, noch fand ich den Schreibstil gut. Und die Geschichte an sich kann man auch in jedem billigen Groschenroman finden.
Die Moral wurde einem dann so oft an den Kopf geschleudert, dass ich mehr als genervt bin von „Hollywood ist ach so böse, die vermitteln einem ein falsches Bild von Schönheit. Man soll das Innere des Menschen sehen.“
Was ich der Autorin zugute halten muss: sie schrieb das ganze schon vor über 20 Jahren. Heute ist der Hollywood-Wahn sicher so präsent wie noch nie zuvor und darum bin ich eh ziemlich auf dieses Thema gepolt und brauche diese Moral aus keinem Buch mehr.

Leider habe ich auch nie Zugang zu den Personen gefunden. Obwohl sie allesamt wirklich gut beschrieben waren (sowohl optisch als auch charakterlich), blieben sie mir seltsam fremd.
Dies kann zum Teil daran liegen, dass das Buch aus zwei Perspektiven geschrieben wurde. Zum einen von Dixie, zum anderen von Jake (aber nie in der Ich-Form). Es gab keine klare Abgrenzung, sondern innerhalb eines Absatzes konnte ganz schnell mal die Perspektive gewechselt werden. Technisch wirklich gut gemacht, aber für mich persönlich war das nichts.

Ab und zu gab es auch Logik- oder kleine Zeitsprünge. Zum Teil dann aber so schlecht gemacht, dass ich im Lesen echt gestolpert bin und die Stelle mehrmals wiederholt habe. Seltsam, dass Frau Hoag den Kniff des Perspektivenwechsels perfekt beherrscht, aber keine klare Zeitstruktur zustande bekommt.
Ebenfalls genervt hat mich, dass Jake zwei oder drei Mal von einem André redete, aber an keiner Stelle gesagt wurde, wer das überhaupt ist. Immer so von wegen: „Was André wohl dazu sagen würde…“. Das hatte für mich weder Sinn noch Zweck.

Aber ich bin wirklich stolz auf mich. Relativ schnell stand für mich die richtige Lösung, wo Devon ist (war vielleicht auch gar nicht soooo schwer), fest. Dafür, dass die Autorin oft falsche Fährten gestreut hat, finde ich das gut.

Was mich dann aber mehr als alles andere gestört hat, ist die Ausdrucksweise (die vielleicht auch dem Übersetzer geschuldet ist, man weiß es nicht).
Ich komme auch nicht umhin, hier meine Top-Kandidaten vorzustellen:
1. Innerhalb einer halben Seite wurde zweimal die wunderschöne Wendung „bunt zusammengewürfelte Mischung/Gruppe“ verwendet. Gibt es da wirklich keine Alternative???
2. Mit Alternativen hat es die Autorin offensichtlich eh nicht so. Innerhalb von 5 Seiten kam vier Mal das Wort „sterbensschön“ (plus ein Mal „zum Sterben schön“) vor.
3. Viel schlimmer ging es für mich auf der furchtbare-Beschreibungen-Skala nicht: „Das glänzende schwarze Kleid umschmiegte den schlanken Leib wie nasse Seide und betonte die zarte Schlankheit.“
4. „[…] seine Vorstellung von weiblicher Vollkommenheit war ein blondes, superschlankes Geschöpf mit einer blonden Lockenmähne […]“ Na Glück gehabt, dass er nicht auf Blonde mit einer braunen Lockenmähne steht. Das wäre schwieriger geworden!
5. Es gab so viele altbackene Begriffe „fluchend wie ein Kesselflicker“ oder „keinen feuchten Kehricht“ stehen da bei mir ganz weit oben.
6. Das ist mein absoluter Favorit! Jake schickt jemanden, den Dixie sehr mag, mit einem Faustschlag zu Boden. Und um Jake zu zeigen, wie viel Mist er da gerade gebaut hat, beschimpft sie ihn mit den Worten „Du Flegel!“. Grandios, Dixie!

Also ganz ehrlich. Ich weiß nicht, wie alt die Übersetzung ist, aber für ein Buch aus dem Jahr 2010 geht das meiner Meinung nach überhaupt nicht. Ich bin aber wohl auch nicht mehr die Zielgruppe, glaube ich.

Als letztes muss ich sagen, dass das Titelbild ebenfalls schrecklich ist. Diese Wolkendecke mit weißer Schrift ist seit „P.S. Ich liebe dich“ von Cecelia Ahern wohl wirklich der Bringer. Und so richtig hat das auch keinen Bezug zum Buch (außer dass es die meiste Zeit an einem Strand spielt).
Außerdem ist es schlecht produziert. Nachdem ich es nun mehrmals auf und zu geklappt habe (aber die erste Leserin war), blättert die Farbe am Buchrücken schon. Ich bezweifle, dass das so sein soll.

Abschließend muss ich sagen, dass ich den Inhalt uninnovativ und langweilig und die Sprache schrecklich fand. Trotzdem wurde das aber alles noch spannend umgesetzt.
Und ich werde mit einem guten Gefühl zurückgelassen.
Dafür gibt es .

Tami Hoag – Weil nichts uns trennen kann
Originaltitel: Heart of Dixie (1991)
Blanvalet, März 2010 (deutsche Erstausgabe)
ISBN 9783442373529
251 Seiten
Taschenbuch; 7,95Euro

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  1. Trackback: Buchfragen-Tag | Buecherherz

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